Neue Geschichte

Von Zosimos (um 500)

Polybius, der Megapolitaner, welcher die merkwürdigen Begebenheiten seiner Zeit aufzeichnen wollte, achtete für gut, durch die Geschichte selbst darzulegen: wie die Römer, ungeachtet sie sechshundert Jahre, seit Erbauung der Stadt, ihre Nachbarn bekriegten, dennoch keine weitläufige Herrschaft erlangten, ja, nach Bezwingung eines Theils von Italien, durch Hannibals Einfall und die Niederlage bei Kanna, denselben wieder verlohren; hingegen, nachdem die Feinde vor ihren Stadtmauern erschienen waren, auf einen solchen Gipfel des Glücks gelangten, daß sie in nicht vollen drei und fünfzig Jahren, nicht nur Italiens, sondern auch des ganzen Libyens sich bemächtigten und selbst Spanien sich unterwarfen. Hierauf trachteten sie weiter, segelten über den Ionischen Meerbusen, überwanden die Griechen, entrissen den Macedoniern die Herrschaft, nahmen deren damaligen König lebendig gefangen und führten ihn nach Rom. Von diesen Ereignissen aber kann man nicht wohl menschliche Stärke zur Ursache angeben, sondern den Zwang der Parzen, oder Revolutionen der Gestirne oder den Willen der Gottheit, der dasjenige, was durch unsere Kräfte rechtmäßig unternommen wird, begünstigt. Denn da dieses einen Zusammenhang in die zukünftigen Begebenheiten bringt, dergestalt, daß man eine aus der andern entstehen sieht, so leitet es richtige Beurtheiler der Dinge vielmehr auf die Meinung, als würden durch eine gewisse göttliche Vorsicht die menschlichen Schicksale bestimmt; also daß bei eintretender Fruchtbarkeit thätiger Köpfe die Unternehmungen glücklich von statten gehen; bei überhand nehmendem Mangel aber in die, itziger Zeit sichtbare, Lage verfallen. Was ich hier behaupte, muß ich durch die Begebenheiten selbst deutlicher machen.

Nach dem Trojanischen Kriege bis zur Marathonischen Schlacht haben die Griechen offenbar nichts Merkwürdiges in ihrem eigenen Lande, noch auswärts verrichtet. Als aber Darius durch seine Statthalter mit vielen Myriaden gegen sie zu Felde zog, wurden acht tausend Athener von einem gewissen göttlichen Triebe ergriffen, bewaffneten sich mit den ersten besten Waffen, stürmten denselben entgegen und schlugen sie also, daß sie neun Myriaden erlegten, die übrigen aber zum Lande hinaus trieben. Diese Schlacht machte die Thaten der Griechen glänzender. Als hierauf Xerxes, nach des Darius Tode, mit weit größerer Macht sich rüstete, und gegen die Griechen das ganze Asien heran führte, das Meer mit Schiffen, und die Erde mit Landvolk bedeckte, so vereinigte er, um aus Asien nach Europa überzusetzen – gerade als reichten die Elenente, wenn sie sich nicht den bisherigen Gebrauch entzögen, zur Aufnahme seines Heeres nicht hin – die Küsten des Hellesponts mit einander und verschaffte dem übersetzenden Landvolke eine Brücke;  der Berg Athos aber wurde durchgraben, um zugleich Meeresfluthen und Schiffe aufzunehmen. Obschon dieses bloße Gerüchte erschröckte, rüstete sich doch Griechenland, so gut es vermochte. Durch die Seeschlacht bey Artemisium und nochmals bei Salamis gewann es einen, vor dem erstern um so glänzendern, Sieg, daß Xerxes, froh mit dem Leben davon zu kommen, flüchtete; nachdem er den größern Theil seiner Kriegsmacht verlohr, der Rest aber bei Platää aufs Haupt geschlagen wurde. Hierdurch erlangten die Griechen einen großen Ruhm, wodurch sie ihre in Asien wohnenden Landsleute befreiten, und beinahe aller Inseln sich bemächtigten.

Wären nun die Griechen zufrieden mit ihrer gegenwärtigen Lage innerhalb ihrer Gränzen geblieben und hätten Athener und Lacedämonier nicht mit einander den ehrsüchtigen Streit wegen der obersten Anführung der Griechen, angefangen, so würden Andere fürwahr niemals Herren von Griechenland geworden seyn. Nachdem aber der Peloponnesische Krieg die Kräfte der Griechen geschwächt, und die Städte in Geldmangel versezt hatte, gewann Philippus die Gelegenheit, sein ererbtes Reich, das keinem der Nachbarn gewachsen war, durch Kunstgriffe und listige Anschläge zu vergrößern. Denn mit Geld gewann er seine und aller seiner Bundesgenossen Völker, ward auf diese Weise aus einem geringen ein mächtiger Fürst, und endigte bei Chäronea siegreich den Krieg mit den Athenern. Nach dem Siege erwies er sich gegen Jedermann milde und gelind, und sann schon darauf, das Reich der Perser anzugreifen. Indem er aber im Begriff war, die hierzu erforderliche Macht zusammen zu bringen, verlor er mitten unter den Zurüstungen das Leben.

Alexander, sein Nachfolger, sezte, als er die Angelegenheiten Griechenlands in Ordnung gebracht hatte, im dritten Jahre seiner Negierung, nach Asien über; überwand mit leichter Mühe die sich ihm widersetzenden Satrapen, und rückte gegen den Darius vor, der mit einem unzählbaren Heere die Gegenden von Issus besezt hatte. Hier wurde er mit den Persern handgemein, erlangte einen unglaublichen Sieg, trieb den Darius in die Flucht, und eilte nach Phönicien, Syrien und Palästina. Was in Tyrus und in Gaza vorfiel, kann man bei den Geschichtschreibern Alexanders lesen. Bei seiner Ankunft in Aegypten bezeugte er dem Jupiter Ammon seine Verehrung, machte trefliche Anordnungen in Absicht auf die Anlegung von Alexandrien, und zog dann wieder aufwärts, um den Rest des Kriegs gegen die Perser zu endigen. Da er überall Anhänger gefunden hatte, gieng er nach Mesopotamien; und auf die Nachricht, Darius sey mit einem weit größern Heere gerüstet, zog er mit der bei sich habenden Macht ihm eilends entgegen, und war in der, bei Arbela gelieferten, Schlacht so siegreich, daß er beinahe das ganze feindliche Heer aufrieb, und, weil Darius mit wenigen Völkern sich flüchtete, das Reich der Perser zerstörte.

Als aber Bessus den Darius ermordet hatte, und Alexander, nach seinen Verrichtungen in Indien und seiner Rückkehr nach Babylon, gestorben war, wurde die Macedonische Monarchie in Statthalterschaften zertheilt, durch beständige innerliche Kriege geschwächt, und den Römern das Uebrige von Europa vom Glücke unterworfen. Diese bekriegten nach ihrem Uebergange in Asien die Könige von Pontus und den Antiochus; zulezt auch die Beherrscher Aegyptens; und vermehrten in jedem Jahre, so lange die aristokratische Regierungsverfassung bei ihnen dauerte, ihre Herrschaft, weil die Konsuln wetteiferten, an guten Eigenschaften einander zu übertreffen. Wie aber, durch die bürgerlichen Kriege des Sulla und Marius, und hernach des Julius Cäsar und Pompejus des Großen, die Verfassung des Staates zerrüttet wurde, hoben sie die Aristokratie auf, und wählten den Octavianus zum einzigen Beherrscher; überließen dessen Gutbefinden die ganze Verfassung, sezten, ohne es zu merken, die Hoffnungen aller Menschen aufs Spiel, und vertrauten das Wohl oder Wehe eines so großen Reichs der Leidenschaft oder der Gewalt eines Einzigen an. 5. Denn, wollte dieser die Regierung gerade und gerecht verwalten, so war er allein fürwahr nicht im Stande, weder allen nach Nothdurft beizuspringen, indem er den Entfernten schnelle Hilfe zu leisten nicht vermochte; 6. noch so viele Befehlshaber zu finden, die sich geschämt hätten, seine gute Meinung von ihnen zu täuschen; noch überhaupt sich den Verschiedenheiten so vieler Charaktere anzupassen. Uebertrat aber ein Alleinherrscher die Gränzen der Gewalt, und schweifte bis zur Tyrannei aus; verwirrte er die Verrichtungen der Obrigkeiten, übersah dagegen ihre Vergehen; verkaufte das Recht für Geld, und achtete die Unterthanen für Sklaven – von welcher Art die meisten Regenten, ja wohl fast alle, wenige ausgenommen, waren – – so mußte dann in diesem Falle nothwendig die unvernünftige Gewalt des Herrschers zum allgemeinen Unglücke ausschlagen. Denn die Schmeichler, welche von denselben dieser Ehrenstellen und Geschenke würdig gehalten werden, reißen die wichtigsten Aemter an sich; hingegen die ruhigen und bescheidenen Bürger, die nicht gleicher Lebensart sich ergeben, sind, wie leicht zu erachten, verdrießlich, daß sie nicht gleiche Vortheile genießen. Hierdurch werden die Städte voll Aufruhrs und Verwirrung; und weil die Staats- und Kriegsämter Leuten gegeben werden, welche Gewinnsucht beherrscht, so macht dieses im Frieden feiner denkenden Männern das Leben kummervoll und ärgerlich, und im Kriege zernichtet es den guten Muth der Soldaten.

Daß dieses sich also verhalte, zeigte die Erfahrung der vergangenen Zeiten augenscheinlich; nicht weniger dasjenige, was sogleich unter Oktavianus Regierung sich zutrug. Denn zu jenen Zeiten ward der vormals nicht gewöhnliche Pantomimentanz eingeführet, indem Pylades und Bathyllus solchen zuerst einführten. Hierzu kam noch manches andere, das bis izt Ursache vieles Uebels wurde. Dennoch glaubte man, daß Oktavianus das Regiment auf eine billige Weise verwalte, vornämlich seit er den Rathschlägen des Stoikers, Athenodorus, folgte. Tiberius hingegen, dessen Nachfolger, verfiel in die äußerste Grausamkeit, ward seinen Unterthanen unerträglich, wich deren Hasse aus, und endete auf einer Insel verborgen, sein Leben. Kajus Kaligula, welcher an jeder unsinnigen Handlung denselben noch übertraf, ward von dem Chärea aus dem Wege geräumt, welcher, durch diese kühne That den Staat von der harten Tyrannei befreite. Auf den Klaudius, welcher verschnittenen Freigelassenen seine Geschäfte preiß gegeben, und mit Schande bedeckt aus der Welt gegangen war, folgten Nero, und die nach ihm kamen im Besitze der Alleinherrschaft. Besser achte ich es, von diesen nicht das Mindeste zu erzählen, damit das Andenken an ihre sinnlosen und ungereimten Handlungen vertilgt werde. Nachdem Vespasianus und dessen Sohn Titus auf eine anständigere Weise regiert hatten, übertraf Domitianus an Grausamkeit, Ausschweifung und Habsucht alle andere, und ward, als er volle funfzehen ganzer Jahre den Staat zerrüttet hatte, von Stephanus, der Freigelassenen einem, aus dem Wege geräumt und für seine Bosheit gestraft.

Hiernächst gelangten tugendhafte Männer zur Regierung, Nerva und Trajanus; und nach diesen Hadrianus und Antoninus der Fromme, und die beiden Brüder, Lucius und Verus. Diese stellten vieles, was zerrüttet war, her 2. und erwarben nicht nur wiederum, was ihre Vorgänger verlohren hatten, sondern brachten auch einiges zum Reiche, was vorher nicht dazu gehörte. Als aber Kommodus, Sohn des Marcus, die Regierung erlangte, und nicht blos der Tyrannei, sondern auch abgeschmackten Verrichtungen nachhieng, wurde er von der Marcia, seinem Kebsweibe, mit männlichem Muthe ermordet, und Pertinax zum Herrscher erkohren. Weil aber die Prätorianer dessen Genauigkeit in Kriegszucht und Uebungen nicht ertragen mochten, sondern ihn pflichtvergessener Weise umbrachten, so wäre das Reich beinahe in Verwirrung gerathen, indem die Prätorianer die Macht, einen Beherrscher zu setzen, an sich, und dem Senate aus den Händen rissen. Die von ihnen feilgebotene Herrschaft erstand, von seinem Weibe darzu angetrieben, Didius Julianus, mehr aus Thorheit, als vernünftiger Ueberlegung. Dieser Kauf der Kaiserherrschaft gab Jedermann ein vormahls nie gesehenes Schauspiel. Denn weder von dem Senate, noch von andern gesetzmäßigen Trabanten wurde er in die kaiserliche Burg eingeführt; sondern lediglich die Soldaten sezten ihn ein, und überlieferten ihm mit Gewalt die Burg und allen in derselben befindlichen Vorrath. Aber kaum war er ernannt, so schafften ihn auch diejenigen, welche ihn dazu erhoben hatten, wiederum auf die Seite. Also glich Didius Julianus auf dem Kaiserthrone gänzlich einer Erscheinung im Traume!

Während der Senat sich einige Zeit besann, wem er die Regierung übertragen müsse, wurde [Sev. J. 193] Severus zum Kaiser ernannt. Weil indessen Albinus und Niger gleichfalls den Purpur anlegten, so entstunden zwischen denselben bürgerliche Kämpfe. Auch die Städte waren getrennet, indem die einen diesem, die andern jenem Kaiser anhiengen. Endlich nach einer grossen Verwirrung in den morgenländischen Provinzen und in Aegypten, und großer Gefahr von Byzantium, welches auf Nigers Seite sich gewendet, und ihn aufgenommen hatte, siegte die Partei des Severus durch Nigers Ermordung. Und also kam hernach, als auch Albinus Leben und Herrschaft verloren hatte, die alleinige Macht in die Hände des Severus. Dem zufolge beschäftigte er sich mit Verbesserung der ein eingerissenen Fehler, und bestrafte vor allen Dingen diejenigen Soldaten scharf, welche den Pertinax ermordet, und dem Julianus das Kaiserthum in die Hände übergeben hatten. Hierauf zog er, nach sorgfältiger Einrichtung des Kriegswesens, gegen die Perser, und eroberte beim ersten Angriffe Ktesiphon und Babylon; auch zog er durch das von Nomaden bewohnte Arabien, verheerte es, und verrichtete noch mancherlei tapfere Thaten. Unerbittlich war er gegen Verbrecher, und zog die Güter derjenigen ein, welche schlechter Handlungen überwiesen waren.

Während der Senat sich einige Zeit besann, wem er die Regierung übertragen müsse, wurde [Sev. J. 193] Severus zum Kaiser ernannt. Weil indessen Albinus und Niger gleichfalls den Purpur anlegten, so entstunden zwischen denselben bürgerliche Kämpfe. Auch die Städte waren getrennet, indem die einen diesem, die andern jenem Kaiser anhiengen. Endlich nach einer grossen Verwirrung in den morgenländischen Provinzen und in Aegypten, und großer Gefahr von Byzantium, welches auf Nigers Seite sich gewendet, und ihn aufgenommen hatte, siegte die Partei des Severus durch Nigers Ermordung. Und also kam hernach, als auch Albinus Leben und Herrschaft verloren hatte, die alleinige Macht in die Hände des Severus. Dem zufolge beschäftigte er sich mit Verbesserung der ein eingerissenen Fehler, und bestrafte vor allen Dingen diejenigen Soldaten scharf, welche den Pertinax ermordet, und dem Julianus das Kaiserthum in die Hände übergeben hatten. Hierauf zog er, nach sorgfältiger Einrichtung des Kriegswesens, gegen die Perser, und eroberte beim ersten Angriffe Ktesiphon und Babylon; auch zog er durch das von Nomaden bewohnte Arabien, verheerte es, und verrichtete noch mancherlei tapfere Thaten. Unerbittlich war er gegen Verbrecher, und zog die Güter derjenigen ein, welche schlechter Handlungen überwiesen waren.

Doch bald büßte auch Antoninus den Brudermord, ohne daß man dessen Mörder erfahren hätte; worauf die in Rom befindlichen Soldaten [Macrin. J. 217(xxx)] Macrinus, den Obersten der Prätorianer; die Morgenländischen aber einen jungen Emesener, als Verwandten von Antoninus Mutter, zum Kaiser ausriefen. Weil indessen jedes Heer, bei seiner eigenen Ernennung beharrete, gab es einen bürgerlichen Zwist, indem die Anhänger des Emesenischen Antonius denselben nach Rom führen wollten, die bei Macrinus befindlichen Soldaten, aber aus Italien zogen. Da die Heere zunächst Antiochiens in Syrien zusammentrafen, unterlag Macrinus gänzlich. Flüchtig verließ er das Lager, ward auf der Fahrt zwischen Byzantium und Chalkedon gefangen, und mit vielen Wunden ermordet.

Antoninus, welcher die Oberhand erhalten hatte, verfolgte die Anhänger Macrins als Feinde, führte auch sonsten einen schändlichen und schimpflichen Wandel und hing sich an Magier und Gaukler. Diese übermässige Ausschweifung ertrugen die Römer nicht; tödteten ihn, und zerstückelten seinen Körper, und ernannten Alexandern, der auch von Severus abstammte, zum Kaiser. [Alex. J. 222]. Dieser gab, als ein noch junger Herr von treflichen Talenten, jedermann gute Hofnungen von seiner Regierung, indem er zu Obersten der Prätorianer den Flavianus und Chrestus bestellte; Männer, die in Kriegsgeschäften nicht unerfahren, und auch gar wohl im Stande waren, die Angelegenheiten des Staates in Friedenszeiten zu besorgen. Weil aber des Kaisers Mutter, Mammäa, für sie zum Rathgeber und gewissermassen als Theilhaber an der Gewalt den Ulpianus bestellt hatte, der ein sehr guter Gesetzgeber und fähig war, das Gegenwärtige wohl anzuordnen, und in die Zukunft zu sehen; so wurden darüber die Soldaten unwillig, und sannen insgeheim auf dessen Ermordung. Allein Mammäa entdeckte es, kam der Hinterlist zuvor, räumte deren Urheber weg, und ernannte den Ulpianus zum einzigen Prätorischen Präfekt. Doch gerieth er bei den Kriegsheeren, aus Ursachen, welche ich wegen der verschiedenen Angaben der Geschichtschreiber von seiner Absicht, nicht genau bestimmen kann, in Verdacht, und wurde in einem entstandenen Aufruhr ermordet, ohne daß selbst der Kaiser ihm zu helfen vermocht hätte.

Hierauf verloren die Soldaten nach und nach ihre Zuneigung zu Alexandern, zeigten sich seinen Verordnungen abgeneigt, und schritten zu Aufruhr, aus Besorgniß wegen ihrer Zügellosigkeit gestraft zu werden. Sie vereinigten sich, und sezten einen Antoninus auf den Thron. Allein dieser ertrug die Bürde der Regierung nicht, und machte durch Flucht sich unsichtbar. Darauf ward ein gewisser Uranius von sklavischer Herkunft ausgerufen, aber bald darauf im Purpur zum Alexander geführt. Indessen wuchs der Haß gegen den Kaiser, der wegen seiner überall bedrängten Lage an Körper und Geist geschwächt war, also daß ihn auch die Schwachheit des Geistes ergriff, indem er mit Schätzesammeln sich ganz beschäftigte, welche er bei seiner Mutter aufhäufte.

In dieser übeln Lage seiner Angelegenheiten wurden die ohnedies schon übel gegen ihn gesinnten Legionen in Pannonien und Mösien damals noch mehr zum Abfalle geneigt. Bei diesem Hange [Max. J. 235.] zum Aufruhr ernannten sie den Maximinus, Obersten der Pannonischen Reiterei, zum Kaiser. Dieser achtete es leicht, den unvorbereiteten Kaiser zu überfallen, sammelte alle in seiner Nachbarschaft liegenden Truppen und rückte nach Italien vor. Alexander aber, welcher sich unter den Völkerschaften am Rheine aufhielt, und dort diesen Aufruhr erfuhr, beschleunigte seine Reise nach Rom. Er bot den Soldaten und dem Maximinus selbst Verzeihung an, wenn sie von ihren Unternehmungen abstünden. Als er aber dadurch sie nicht unterwerfen konnte, gab er alle Hofnung auf, und überlieferte sich gewissermaßen selbst dem Mordschwerdt. Mammäa, die mit den Prätorischen Präfekten aus der Burg heraus gieng, in der Absicht den Tumult zu stillen, wurde ebenfalls getödtet, und die Staatsbeamten nebst ihr. Als nun des Maximinus Herrschaft bevestiget war, gereuete es jedermann, eine gemäßigte Regierung gegen eine grausame Herrschaft vertauscht zu haben. Denn als ein Mensch von niedriger Herkunft, unterdrückte er bei seiner uneingeschränkten Gewalt alle guten Eigenschaften seines Temperaments, und wurde jedermann unerträglich. Denn er behandelte nicht nur die in Staatsämtern stehenden Männer auf eine schimpfliche Weise, sondern bewies sich in jedem Geschäfte grausam, schäzte allein die Verleumder, welche vorzüglich die ruhigen Bürger, als Schuldner der kaiserlichen Kassen angaben. Ja er gieng aus Geldbegierde soweit, daß er Leute ohne Untersuchung hinrichten ließ; das Gemeindevermögen der Städte einzog, und hernach den Bürgern auch ihre eigenthümliche Habe wegnahm.

 

Die unter den Römern stehenden Völker fanden sich durch diese heftige Grausamkeit bedrückt, und geriethen über die offenbaren Räubereien, in [die beiden Gordiane J. 237] Aufruhr. Die Einwohner Libyens ernannten den Gordianus und dessen Sohn zum Kaiser. Sie schickten den Konsularen Valerianus, nachmaligen Kaiser, nebst andern als Gesandte nach Rom. Der Senat gab gerne seine Einwilligung zu dem, was geschehen war, und machte Anstalten zur Wegschaffung des Tyrannen, indem er die Soldaten zum Aufruhr reizte, und das Volk an die, gegen jeden insbesondere und überhaupt gegen Alle begangene Ungerechtigkeiten erinnerte. Als nun jedermann hierüber seinen Beifall bewies, erkiesten sie zwanzig Männer, welche in der Kunst Heere anzuführen, geübt waren; und aus diesen wiederum zween, den Balbinus und Maximus, denen man die höchste Gewalt gab, und nachdem die nach Rom führenden Straßen voraus besetzt waren, machten sie sich zum Widerstande gefaßt.

Als Maximinus auf die Nachricht hiervon mit den Maurischen und Gallischen Kriegsvölkern gegen Rom zog, so verschloß ihm die Besatzung von Aquileja die Thore: weshalb er die Stadt belagerte. Endlich aber traten auch dessen Anhänger auf die Seite des gemeinen Besten, und vereinigten sich mit denenjenigen, welche den Maximinus aus dem Wege zu räumen trachteten. Hierdurch in die äußerste Gefahr versezt, führte er seinen Sohn dem Kriegsheere als einen Fürbitter vor, der durch seine Jugend dessen Zorn in Mitleid verwandeln sollte. Aber mit noch größerem Zorne ermordeten sie den Jüngling auf eine jämmerliche Weise und dann den Vater selbst augenblicklich. Einer lief hinzu, hieb den Kopf ab und brachte ihn, als augenscheinliches Zeichen des Siegs, nach Rom. Von dieser Furcht erlöset, erwartete man nun die Ankunft der Kaiser aus Lybien.

Diese aber waren in einem heftigen Sturme auf ihrer Fahrt umgekommen; und der Senat [der jüngere Gordianus. J. 238.] übergab nun die ganze Regierung dem Sohne des einen von beiden. Von izt an entsagte das Römische Volk der Traurigkeit, die es vorher ergriffen hatte, indem der Kaiser dasselbige durch Schauspiele und Kampfübungen davon abbrachte. Indessen aber jedermann, wie aus einer langen Schlafsucht erwachte, entsponn sich eine geheime Nachstellung gegen den Kaiser, indem Maximus und Balbinus einige Soldaten gegen ihn anstifteten; nach deren Entdeckung sowohl die Urheber des Komplottes, als auch nicht wenige Theilnehmer niedergemacht wurden.

Nicht lange hernach verlohren auch die Karthaginenser alle Zuneigung zum Kaiser, und erhoben den Sabianus auf den Thron. Als aber Gordianus die Kriegsmacht in Bewegung sezte, vereinigten sie sich wiederum mit demselben, lieferten ihm den Nebenbuhler um die Herrschaft aus; erhielten dadurch Verzeihung, und wurden von der sie bedrohenden Gefahr errettet. Um diese Zeit vermählte sich Gordianus mit der Tochter des Timesikles, eines wegen seiner Gelehrsamkeit berühmten Mannes. Diesen bestellte er zum Obersten der Prätorianer, und schien dadurch das seiner Jugend zur Staatsverwaltung Fehlende zu ersetzen.

[Der jüngere Gordianus.] Nach befestigter Regierung erwartete man einen Angrif der Perser auf die morgenländischen Völkerschaften, indem Sapor nach dem Artaxerxes, welcher die Herrschaft von den Parthern wiederum auf die Perser gebracht hatte, den Thron bestieg. Denn nach den Zeiten Alexanders, des Sohnes von Philipp und dessen Nachfolger in der Macedonischen Herrschaft, als Antiochus den Oberbefehl über die obern Statthalterschaften führte, hatte Arsaces, ein Parther, aus Verdruß über die seinem Bruder Teridates zugefügte Beschimpfung, Krieg gegen den Statthalter des Antiochus erregt, und die Parther veranlaßt, nach Vertreibung der Macedonier, die Herrschaft auf sich selbst zu bringen. Damals nun unternahm der Kaiser mit allen Zurüstungen einen Krieg gegen die Perser. Als nun gerade das Römische Heer den Sieg in der ersten Schlacht davon getragen hatte, starb Timesikles, der Oberste der Prätorianer, und verminderte gar sehr das wegen Sicherheit der Regierung zum Kaiser gefaßte Zutrauen. Denn durch die Ernennung des Philippus zum Prätorischen Präfekt zerrann allmählig die Zuneigung der Soldaten gegen Gordianus. Denn Philippus, welcher von dem sehr schlimmen Volke der Araber stammte und aus geringen Umständen zu einem großen Glücke emporgekommen war, fühlte, gleich bei der Uebernahme seiner Befehlshaberstelle, Lust zum Kaiserthum. Er brachte daher diejenigen aus dem Kriegsvolke, welche zu Aufruhr geneigt waren, auf seine Seite; und ließ, da er sahe, daß Proviant in Menge für das Heer zusammen gebracht wurde, die damit beladenen Schiffe tiefer ins Land fahren, indessen der Kaiser bei Karrä und Nisibis, mit dem Heere weilte; damit dasselbe, von Hunger und Mangel des Nothwendigen gedrückt, zum Abfalle gereizt würde.

Der Erfolg entsprach seiner Absicht. Die Soldaten nahmen von dem Mangel an Lebensmitteln den Vorwand, umringten den Gordianus auf eine unziemliche Weise, räumten ihn als die Ursache von dem Verderben des Heers, aus dem Wege, und bekleideten, der Abrede gemäß, den [Philip. J. 244.] Philippus mit dem Purpur. Mit Sapor schloß er Friede unter eidlichen Versicherungen, und zog nach geendigtem Kriege nach Rom, Die Soldaten machte er durch reichliche Geschenke sich geneigt, in die Stadt aber schickte er Boten voraus, mit der Nachricht, Gordianus sey an seiner Krankheit gestorben. Bei seiner Ankunft daselbst, brachte er die in Staatsämtern stehenden Männer durch freundliche Reden auf seine Seite; und weil er es für nöthig achtete, die vornehmsten Befehlshaberstellen seinen nächsten Verwandten zu ertheilen, so gab er seinem Bruder Priscus den Oberbefehl über das Kriegsvolk in Syrien; seinem Eidam Severianus aber vertraute er die Kriegsmacht in Mösien und Macedonien an.

[Philippus]. In der Meinung, sich hierdurch die Regierung gesichert zu haben, that er einen Kriegszug gegen die Karpier, die schon die Gegenden an der Donau verwüsteten. In der Schlacht hielten die Barbaren den Angriff nicht aus, flüchteten sich in eine Burg, und wurden daselbst belagert. Wie sie aber ihre, da und dorthin zerstreut gewesene Mannschaft sich wieder sammlen sahen, faßten sie auch zugleich Muth, schlichen sich hinaus, und fielen in das Römische Heer. Aber dem Anfalle der Mauritanier nicht gewachsen, thaten sie Friedensvorschläge, die Philippus gerne annahm, und abzog. Da es zu eben derselben Zeit allerlei Verwirrungen im Staate gab, so erhoben die morgenländischen Provinzen, welche durch die Steuerforderungen und die jedem unerträgliche Aufführung des dortigen Statthalters Priscus gedrückt waren, den Jotapianus auf den Herrscherthron; die Legionen in Pannonien und Mösien aber den Marinus.

Philippus bat, in der Bestürzung über diese Vorfälle, den Senat, entweder in der gegenwärtigen Lage ihm beizustehen, oder, wenn sie an seinem Regiments Misfallen hätten, solches ihm abzunehmen. Als nun keiner das mindeste antwortete, so versicherte Decius, welcher von vorzüglicher Herkunft und Ansehen war, ausserdem auch durch jede Art von guten Eigenschaften sich auszeichnete, er sey ohne Ursache darüber niedergeschlagen; denn Sachen, welche auf keine Weise Festigkeit haben könnten, zerfallen leichtlich von sich selbst. Wiewohl nun, was Decius nach seiner Erfahrenheit in Geschäften vermuthet hatte, nämlich die baldige Hinwegräumung des Jotapianus und Marinus, wirklich eintraf, so minderte sich dennoch Philippus Furcht nicht, weil er den Haß der Legionen gegen ihre dortigen Anführer und Obersten kannte. Deswegen lag er dem Decius an, den Oberbefehl in Mösien und Pannonien zu übernehmen. Wie er sich aber dieses aus dem Grunde verbat, es sey dem Kaiser selbst nicht vortheilhaft, so zwang er ihn durch Drohungen, nach Pannonien zu gehen, um die Anhänger Marins auf bessere Gesinnungen zu bringen. Die daselbst stehenden Soldaten, welche ihn zur Bestrafung der Verbrecher ankommen sahen, fanden es zuträglicher, die obschwebende Gefahr abzutreiben, und sich zugleich einem Regenten zu unterwerfen, der sich des Staates besser annehmen, und vermöge seiner politischen und kriegerischen Talente, den Sieg über Philipp mit leichter Mühe erhalten würde.

[Decius J. 219.]. Sie bekleideten demnach den Decius, welcher der Zukunft halber schon für sich besorgt war, mit dem Purpur, und nöthigten ihn wider seinen Willen die Regierungssorge zu übernehmen. Auf die Nachricht von dessen Ernennung, sammelte Philipp die Kriegsheere, und zog aus, ihn anzugreifen. Wiewohl nun des Decius Partei die größere Zahl ihrer Gegner bemerkte, so faßten sie dennoch Muth wegen der Erfahrenheit und umfassenden Vorsicht ihres Oberhaupts. Im Kampfe beider Heere selbst überwog bei dem einen die Menge, bei dem andern hingegen der Anführer; daß also von Philipps Heere viele umkamen, worunter er selbst war. Auch sein Sohn, den er mit dem Titel als Cäsar beehrt hatte, wurde ermordet. Auf diese Art gelangte Decius zum Besitz der höchsten Gewalt.

Bei der überall entstandenen Verwirrung, weil Philipp um Staatsgeschäfte sich unbekümmert bewiesen hatte, waren auch die Scythen über den Don gegangen, und hatten die Thracischen Gegenden verwüstet. Gegen diese zog Decius aus, überwand sie in allen Treffen, und nahm ihnen die gemachte Beute ab. Er gedachte nun, um sie gänzlich aufzureiben, und ihnen für immer die Vereinigung zu einem feindlichen Angriffe unmöglich zu machen, ihnen den Rückzug abzuschneiden. Daher stellte er den Gallus mit hinreichender Kriegsmacht an die Ufer des Dons, er selbst aber griff den Ueberrest an. Die Sache ging zwar nach Wunsche, allein Gallus, welcher mit Aufruhr umging, schickte Boten an die Barbaren, und forderte sie zur Theilnehmung an seinen geheimen Anschlägen gegen den Decius auf. Gerne nahmen dieselben eine solche Weisung an. Nun blieb Gallus zwar zur Bewachung des Donufers stehen; die Barbaren hingegen vertheilten sich in drei Haufen, wovon sie den erstern an einen Platz stellten, der durch einen Morast gedeckt war. Als Decius die meisten von ihnen aufgerieben hatte; rückte die zweite Schaar an. Auch diese wurde in die Flucht getrieben. Und nunmehro zeigten sich nur noch wenige in der Nähe des Morasts. Izt drang Decius auf sein Zeichen, welches ihm Gallus gegeben, durch den Morast auf den Feind anzurücken, ohne vorher die ihm unbekannte Gegend zu untersuchen, auf denselben ein und in dem Moraste stecken. Indessen griffen die Barbaren von allen Seiten an, und richteten ihn nebst seiner Kriegsmacht zu Grunde. Dieses Ende hatte der vortreffliche Kaiser Decius.

[Gallus J. 251.] Nachdem Gallus den Thron bestiegen hatte ernannte er seinen Sohn Volusianus zum Mitkaiser, und äusserte beinahe öffentlich, daß durch seine Hinterlist sein Decius sammt seinem Kriegsheere umgekommen sey. Von diesem Zeitpunkte an begann das Glück der Barbaren zuzunehmen. Denn Gallus verstattete ihnen nicht nur, mit dem Raube nach Haus zurückzukehren, sondern versprach sogar alljährlich eine bestimmte Summe Geldes zu zahlen. Ja, er ließ sie die Gefangenen aus den angesehensten Familien, wovon sie die meisten bei der Einnahme der Thracischen Stadt Philippopolis bekommen hatten, nach ihrer Willkühr mit sich fortführten.

Nach diesen Verrichtungen zog Gallus. nach Rom, stolz auf den mit den Barbaren geschlossenen Frieden. Anfänglich gedachte er zwar in Ehren der Regierung des Decius, und nahm dessen noch übrigen Sohn an Kindesstatt an. Mit der Zeit aber besorgte er, es möchten einige Neuerungssüchtige sich an die Tugenden des Kaisers Decius erinnern, und dessen Sohne die Alleinherrschaft in die Hände geben, ließ ihn daher heimlich umbringen ohne einige Rücksicht auf die Ankindung noch auf Wohlstand.

 

Bei der nachlässigen Regimentsverwaltung des Gallus, beunruhigten die Scythen anfänglich zwar nur die an sie gränzenden Völkerschaften, rückten aber dann immer weiter vor, und plünderten sogar die Seeprovinzen; so daß nicht Ein, den Römern unterworfenes, Volk von ihnen unverheert blieb; sondern beinahe jede unbemauerte Stadt und die meisten Festen von ihnen eingenommen wurden. Und so wie überall der Krieg hereinbrach, eben so überfiel auch Städte und Dörfer die Pest, und rieb das, was noch von Menschen übrig geblieben war, auf, durch eine in vormaligen Zeiten nie erhörte Menschenverwüstung.

In dieser Lage der Dinge, da die Regenten dem Staate auf keine Weise zu helfen vermochten, und alles, was ausserhalb Rom war, vernachlässigten, verwüsteten nochmals die Gothen, und Boranen und Urugunder und Karper die Europäischen Städte, und nahmen weg, was sie noch etwa besaßen. Die Perser aber fielen in Asien ein, verheerten Mesopotamien, rückten nach Syrien vor, sogar selbst bis nach Antiochien; und eroberten auch diese Hauptstadt des Orients. Einige von deren Einwohnern machten sie nieder, andere führten sie gefangen nebst einer unzählbaren Beute nach Hause; und verwüsteten jedes öffentliche und jedes Privatgebäude, ohne irgend einigen Widerstand zu finden. Ja die Perser konnten ganz Asien ohne Schwierigkeit erobern, wenn sie nicht über die ausnehmende Menge Beute frohlockend, solche lieber zu retten, und nach Hause zu bringen getrachtet hätten.

Indessen nun die Scythen in großer Sicherheit in Europa wohnten, und schon nach Asien sogar übergegangen waren, und bis nach Kappadocien, Pessinus und Ephesus hin plünderten, flößte Aemilianus, Befehlshaber der Pannonischen Legionen, seinem wegen des Glücks der Barbaren muthlosen Heere, soviel er vermochte, Herzhaftigkeit ein, und erinnerte sie an die Würde der Römer, und überfiel dann die dort gefundenen Barbaren, richtete eine große Niederlage unter ihnen an, und führte darauf seine Soldaten in das Land der Barbaren selbst, vertilgte unvermuthet, was ihm unter die Hände kam, und befreite gegen alle [Aemilianus J. 253.] Erwartung die Römischen Unterthanen von der Wuth derselben. Er wurde daher von dem dortigen Kriegsheere zum Kaiser ausgerufen. Nun sammelte er die ganze in jener Gegend stehende Kriegsmacht, welche durch die Besiegung der Barbaren herzhafter geworden war, und rückte nach Italien vor in der Absicht dem ungerüsteten Gallus ein Treffen zu liefern. Dieser aber hatte sich auf die Nachricht von den Begebenheiten in den morgenländischen Provinzen mit den Völkern gerüstet, welche er um sich fand. Den Valerianus aber schickte er ab, um die in Gallien und Germanien stehenden Legionen herbeizuführen. Aemilianus hingegen zog mit den Seinigen in aller Eile nach Italien, und als die Heere sich nahe waren, die Soldaten des Gallus aber sahen, daß dessen Macht viel schwächer sey, und zugleich auf die Sorglosigkeit und Unthätigkeit des Kaisers Rücksicht nahmen, so tödteten sie ihn nebst dem Sohne, schlugen sich darauf zum Aemilianus und schienen dessen Herrschaft dadurch Festigkeit zu geben.

Als Valerianus mit den jenseits der Alpen gestandenen Legionen nach Italien anrückte, entschlossen, mit großer Macht den Aemilianus zu bekriegen, und dessen Anhänger sahen, daß er mehr die Tugenden eines Soldaten, als die eines Regenten bei den Geschäften zeige; so schafften sie denselben, als zur Regierung untauglich, aus dem Wege. [Valerianus J. 253.] Valerianus, welcher also durch die öffentliche Meinung zur Herrschaft des Ganzen gelangt war, bewies allen Eifer, die Angelegenheiten in gute Ordnung zu bringen. Als aber die Scythen aus ihren Wohnsitzen hervorbrachen, und außer ihnen die Markomannen durch Einfälle die ans Römische Reich gränzenden Provinzen verwüsteten, so gerieth Thessalonich in die äußerste Gefahr. Diese Belagerung wurde zwar kaum und mit vieler Mühe aufgehoben; indem die Einwohner starken Widerstand leisteten. Ganz Griechenland war hierdurch in Bestürzung gerathen. Auch die Athener, welche seit der Zerstörung ihrer Mauer durch Sulla für keine mehr gesorgt hatten, beschäftigten sich eifrig mit deren Wiederherstellung; und die Einwohner des Peleponnesos verwahrten ihre Erdzunge mit einer Mauer, ja ganz Griechenland sorgte durch gemeinsame Wachen für die Sicherheit des Landes.

[Valer. u. Gallienus.] Valerianus, welcher die dem Römischen Reiche von allen Seiten drohende Gefahr bemerkte, erkohr sich seinen Sohn Gallienus zum Mitregenten. Bei den nun überall entstandenen Verwirrungen, zog er selbst in die morgenländischen Provinzen, um den Persern Widerstand zu thun, seinem Sohne aber übergab er die Kriegsmacht in Europa, und ermahnte ihn mit derselben den überall eindringenden Barbaren sich zu widersetzen. Weil aber Gallienus sahe, daß von allen diesen die Germanischen Völker die beschwerlichsten waren, und den am Rheine wohnenden Galliern am heftigsten zusetzten, so widerstand er selbst den dortigen Feinden, denjenigen aber, welche die italiänischen, illyrischen und griechischen Ländereien zu verwüsten trachteten, stellte er seine Feldherren mit den daselbst stehenden Kriegsheeren entgegen. Soviel es ihm selbst möglich war, bewachte er die Uebergänge über den Rhein indem er hier ihnen das Uebersetzen verwehrte, dort den Herübergedrungenen Widerstand leistete. Da er aber mit einer geringern Macht gegen eine gar zu große Menge zu kämpfen hatte, und in Verlegenheit war, so beschloß er, auf der einen Seite die Gefahr zu mindern, und Frieden mit einigen Anführern des Teutschen Volks zu schließen, denn die übrigen Barbaren hinderte er, beständige Uebergänge über den Rhein zu machen, und widersetzte sich ihrem Angriffe. In solcher Lage fanden sich die Anwohner des Rheins.

Die Boranen aber, Gothen und Urugunder, Völker, welche die an der Donau gelegenen Landschaften bewohnten, fuhren fort, alle Theile Italiens zu verwüsten, indem sie alles plünderten, ohne von Jemand Widerstand zu erfahren. Die Boranen versuchten sogar nach Asien überzusetzen. Und dieses bewerkstelligten sie leicht; indem die Anwohner des Bosporus mehr aus Furcht, als Zuneigung, ihnen Schiffe gaben und ihnen auf der Ueberfahrt zu Wegweisern dienten. Denn so lange diese unter Königen stunden, und der Sohn dem Vater im Regiment nachfolgte, hielten sie jederzeit die Scythen von der Ueberfahrt nach Asien ab. Dieses thaten sie sowohl aus Freundschaft für die Römer, als auch wegen des gelegenen Handels und wegen der, ihnen jedes Jahr von den Kaisern zugeschickten Geschenke. Wie aber nach Ausrottung der königlichen Familie einige Unwürdige und Verworfene die oberste Gewalt an sich gezogen hatten, so gestatteten sie, für sich selbst besorgt, den Scythen die Ueberfahrt über den Bosporus, und führten sie mit ihren eigenen Schiffen hinüber; erhielten sie wieder, und kehrten in ihre Heimath zurück.

Als nun die Scythen alles, wohin sie kamen, ausplünderten, so entwichen die Einwohner von Pontus in die mitten im Lande gelegenen und sehr festen Plätze. Die Barbaren griffen zuerst Pityus, eine mit sehr hohen Mauern und gutem Hafen versehene, Stadt an. Weil nun Successianus, Befehlshaber der dortigen Kriegsmacht, sich mit seiner Macht widersetzte, und die Barbaren verfolgte, so besorgten diese, es möchten die Besatzungen der übrigen Burgen solches erfahren, sich mit den Soldaten in Pityus vereinigen und sie gänzlich aufreiben. Sie bemächtigten sich also so vieler Schiffe, als sie nur konnten, und erreichten mit größter Gefahr ihre Heimat, nachdem sie im Feldzuge gegen Pityus viele der Ihrigen verlohren hatten. Die unter Anführung des Successianus, erzältermaßen geretteten Bewohner des Euxinischen Pontus, erwarteten nun immer mehr, daß die auf die beschriebene Weise abgetriebenen Scythen wiederum herüber kommen würden. Nachdem aber Valerianus den Successianus zu sich berufen, und zum Obersten der Prätorianer ernannt hatte, daß er mit dessen Beihülfe die Angelegenheiten von Antiochien und dessen Aufbauung in Ordnung brächte, nahmen die Scythen nochmals Schiffe von den Bosporanern und setzten über. Sie behielten aber jezt die Schiffe zurück, und gestatteten jenen nicht, wie vorher auf denselben heimzukehren, und seegelten an den Phasis hin, woselbst der Tempel der Phasianischen Artemis und der Pallast des Königs Aetes erbaut seyn soll. Nach einem vergeblichen Versuche, sich dieses Tempels zu bemächtigen, giengen sie gegen Pityus.

Von der Burg wurden sie bald Meister; entblößten sie von ihrer Besatzung und zogen weiter. Weil sie nun eine große Menge Schiffe hatten, und die des Ruderns kundigen Gefangenen zur Schiffahrt brauchten, auch beinahe, den ganzen Sommer hindurch stilles Wetter war, so segelten sie nach Trapezunt, einer großen, volkreichen Stadt, welche außer den gewöhnlichen Soldaten noch gar viele andere angenommen hatte. Sie fiengen die Belagerung an, dachten aber nicht einmal im Traume daran, diese mit zwey Mauern versehene Stadt zu erobern. Allein als sie gewahr wurden, daß die Soldaten sich der Trägheit und dem Trunke ergaben, und weder die Mauer besezten, noch auch irgend eine Zeit vom Wohlleben und Schwelgen abließen, so brachten sie in der Nacht Bäume, die sie hierzu längst bereitet hatten, an die Mauer, da wo man sie besteigen konnte; erkletterten sie einer nach dem andern, bei Nacht, und eroberten auf solche Art die Stadt. Die über den plözlichen und unerwarteten Ueberfall erschrockene Besatzung rettete sich zum Theile eilfertig durch ein anderes Thor; theils wurde sie von den Feinden niedergemacht. In dieser also eroberten Stadt gewannen die Barbaren eine unsägliche Menge von Reichthümern und Gefangenen. Denn fast alle Nachbarn hatten sich in derselben, als in einem festen Platze, gesammelt. Hierauf zerstörten sie die Tempel, Häuser und jede Gattung von schönem Kunstwerke, und, kehrten dann nach einem Streifzuge in das übrige Land auf einer Menge von Schiffen nach Hause.

Bei dem Anblicke der mitgebrachten Reichthümer ergriff die benachbarten Scythen ebenfalls die Begierde, eine ähnliche Unternehmung zu versuchen. Sie rüsteten mit Hilfe der Gefangenen oder andrer, welche aus Dürftigkeit sich ihnen zugesellten, zwar Schiffe aus; fanden aber nicht für gut, die nämliche Fahrt, wie die Boranen, zu unternehmen, weil sie entfernt und mit Schwierigkeiten verknüpft war, und durch schon verwüstete Gegenden ging. Sie erwarteten den Winter, ließen den Euxinischen Pontus zur Linken, und zugleich die Landvölker auf der Küste, wo es thunlich war, neben ihnen herziehen, seegelten rechts neben der Donau, Tomi und Anchialos vorbei, und stiegen am Phileatinischen See ans Land, welcher auf der Abendseite von Byzanz am Pontus liegt. Als sie erfuhren, daß die Fischer dieses Sees mit ihren Schiffen sich in den daran stoßenden Morasten verborgen hielten, brachten sie dieselben durch gegebene Bürgschaft dahin, daß sie herbeikamen; sezten auf ihre Schiffe ihr Fußvolk, und seegelten an die Furt zwischen Byzantium und Chalkedon. In Chalkedon selbst aber lag zwar eine Besatzung, welche bis zu dem an der Mündung des Pontus gelegenen Tempel sich ausdehnte und an Stärke den Feind übertraf. Allein ein Theil derselben entwich unter dem Vorwande, dem vom Kaiser abgeschickten Befehlshaber entgegen zu gehen; ein anderer gerieth in solche Furcht, daß er auf die erste Nachricht die Flucht ergriff. Hierauf sezten die Barbaren über, nahmen Chalkedon ohne Widerstand ein, und erhielten eine ausserordentliche Menge Geldes, Waffen und andern Vorrath.

Nun zogen sie nach Nikomedia, einer sehr großen und reichen, und eben wegen ihres Reichthums und jeder Art von Ueberflusse sehr berühmten Stadt. Wiewol nun zwar die Einwohner auf die vorher erhaltene Nachricht zuvor mit so vielen Schätzen entflohen, als sie nur fortbringen konnten, so verwunderten sich die Barbaren dennoch über die Menge dessen, was noch gefunden wurde, und schäzten und ehrten den Chrysogonus sehr, der ihnen schon lange angelegen hatte, nach Nikomedia zu kommen. Darnach streiften sie nach Nikäa, Cios, Apamea, Prusca und in die umliegenden Gegenden, und zogen, nachdem sie solche ausgeplündert hatten, nach Cyzikus. Weil sie aber nicht über den von vielen Regengüssen angeschwollenen Fluß Rhyndacus setzen konnten, wandten sie dort um, brannten Nikomedia und Nicäa ab, luden ihre Beute auf Wagen und Schiffe, und nahmen ihre Rückkehr. So endigten sie ihren zweiten Streifzug.

Auf die Nachricht von diesen Vorfällen in Bithynien getraute Valerianus keinem seiner Feldherren die Vertheidigung gegen die Barbaren zu übertragen, sondern schickte den Felix nur ab, um Byzantium zu decken, er selbst aber rückte von Antiochien bis Kappadocien vor, richtete die Städte durch seinen Durchzug zu Grunde, und kehrte zurücke. Als aber eine Pest das Heer ergriff und den größern Theil desselben wegraffte, fiel Sapor die morgenländischen Provinzen an, und verheerte alles. Da nun Valerianus aus Weichlichkeit und Unthätigkeit, dieser mißlichen Lage des Reichs abhelfen zu können, verzweifelte, so suchte er den Frieden zu erkaufen, und fertigte zu diesem Endzwecke Gesandte an den Sapor ab. Doch dieser entließ sie unverrichteter Sachen und verlangte, daß Valerianus selbst zu einer Unterredung mit ihm über die ihm nothwendig dünkenden Angelegenheiten kommen sollte. Ohne Ueberlegung willigte dieser ein, kam unbedachtsamer Weise mit weniger Begleitung zum Sapor, um wegen der Friedensbedingnisse zu unterhandeln und wurde plötzlich von den Feinden gefangen genommen. Und also endigte er zur größten Beschimpfung des Römischen Namens sein Leben als Gefangener bei den Persern.

[Gallienus J. 260.] Bei dieser Lage der Dinge im Orient, fand sich alles in Unordnung und hilflos. Die Scythen von jedem Volke und Stamme versammelten sich einmüthig, mit einem Heere verwüsteten sie Illyrien, und zerstörten dessen Städte; mit dem andern aber bemächtigten sie sich Italiens, und drangen bis Rom. Gallienus hingegen verweilte sich in den Gegenden jenseits der Alpen, und beschäftigte sich mit dem Teutschen Kriege; daher der Senat, welcher Rom in die äußerste Gefahr gebracht sahe, durch Bewafnung der in der Stadt befindlichen Soldaten und der Stärksten aus dem Volke ein an Menge den Barbaren überlegenes Heer zusammenbrachte. Aus Furcht vor demselben verließen diese Rom, fielen aber beinahe ganz Italien an, und fügten großen Schaden zu. Indessen nun auch in Illyrien durch den Einfall der Scythen alles in der schröcklichsten Lage und alle Provinzen des Römischen Staats in äußerster Zerrüttung waren, überfiel die Städte eine solche Pest, dergleichen vormals noch keine gewütet hatte, und machte, daß man die von den Barbaren erlittenen Unfälle noch erträglicher, und jeder von der Krankheit Ergriffene sich für glücklich hielt, die eroberten Städte aber von Männern gänzlich entblößt wurden.

Bestürzt über alle diese Unfälle trat Gallienus den Rückweg nach Rom an, um den gegen Italien von den Scythen angefangenen Krieg beizulegen.  Es lehnten sich zwar um diese Zeit Kekrops, der Mauritanier, und Aureolus und Antoninus und andere mehrere gegen ihn auf; beinahe alle aber fanden ihre gerechte Strafe; nur Aureolus beharrte in seiner feindseligen Gesinnung gegen den Kaiser. Auch Postumus, Oberbefehlshaber der Gallischen Legionen, faßte den Entschluß, Aufruhr anzufangen, nahm die aufrührischen Soldaten mit sich, und richtete seinen Zug nach Agrippina, der großen Stadt am Rheine. Hier belagerte er den Salonius, Sohn des Gallienus, und versicherte, er werde die Belagerung nicht eher aufheben, bis man ihm diesen überliefert hätte. Durch die Belagerung genöthigt, übergab man den Sohn des Gallienus und dessen vom Vater angestellten Hofmeister, Silvanus. Beide tödtete Postumus, und behielt die Oberhand in Gallien.

Als auch die Scythen Griechenland in schlimmen Zustand versezten, und sogar Athen selbst eroberten, sezte sich Gallienus in Bewegung, um ihnen, da sie schon bis nach Thrakien gekommen waren, eine Schlacht zu liefern. Dem Orient aber, welcher in einer verzweifelten Lage war, sollte Odenathus zu Hilfe kommen, ein Palmyrener, der gleich seinen Vorfahren bei den Kaisern sehr hoch geschäzt ward. Dieser mischte unter die übrigen dort stehenden Soldaten sehr viele seiner eigenen, zog mit starker Macht gegen den Sapor aus, eroberte sowol die den Persern wider ihren Willen unterworfenen Städte, als auch das von Sapor eroberte und den Persern geneigte Nisibis durch einen schnellen Angriff, und zerstörte es. Zum Zweitenmale, bis gegen Ktesiphon vordringend, trieb er die Perser in ihre Befestigungen, und schloß sie ein, so daß sie froh seyn mußten, sich, ihre Weiber und Kinder retten zu können. Die Angelegenheiten des verwüsteten Landes aber brachte er in möglichst guten Stand. Aber zu Emesa wurde er bei einem Geburtsfeste meuchelmörderisch umgebracht. hierauf übernahm die Geschäftsführung Zenobia, zwar Odenaths Gemahlinn, aber ein Weib von männlichem Geiste, welche mit Beihilfe von dessen Rathgebern gleiche Weisheit bei den Geschäften bewies.

Bei dieser Lage des Orients erhielt, Gallienus, während er sich mit dem Kriege gegen die Scythen beschäftigte, die Nachricht, daß Aureolus, Befehlshaber der Reiterei, welcher bestellt war, bei Mailand die Pässe nach Italien gegen den Postumus zu verwahren, Neuerungen anfange und sich die Alleinherrschaft zu erwerben gedenke. Voll Bestürzung hierüber, trat er sogleich den Zug nach Italien an, und übergab die Führung des Scythischen Kriegs dem Marcianus, welcher sehr viele Erfahrenheit im Kriegswesen hatte. Indem dieser mit dem Kriege beschäftigt, und Gallienus auf dem Wege nach Italien war, unterlag lezterer folgender Nachstellung. Heraklianus, Oberster der Leibwache, gesellte sich zu seinem Unternehmen den Klaudius zu, welcher, die Staatsverwaltung zunächst unter dem Kaiser besorgte; und stellte des Kaisers Leben nach. Als er einen hierzu sehr geneigten Mann, den Befehlshaber der Dalmazischen Reiterei, gefunden hatte, so übergab er diesem die Ausführung. Gerade bei der Mahlzeit eröffnete dieser dem Kaiser, daß vermöge der Aussage eines Kundschafters Aureolus mit seiner Kriegsmacht anrücke. Aufgeschreckt hierdurch, forderte Gallienus seine Waffen; sezte sich gleich zu Pferde, gab den Soldaten Befehl, ihm zu folgen, und eilte also, ohne seine Trabanten zu erwarten, voran. Sobald ihn der Befehlshaber der Dalmazischen Reiterei ohne Rüstung erblickte, so ermordete er denselben.

Auf Befehl ihrer Anführer verhielten die Soldaten sich ruhig und Klaudius [Klaudius II. J. 268.], welchen schon die gemeine Stimme hierzu ernannt hatte, bestieg den Kaiserthron. Anteolus, der sich lange der Herrschaft des Gallienus widersezt hatte, ließ alsobald dem Claudius durch Herolde seine Unterwerfung zusichern, ward aber von den, über seinen Abfall erzürnten, Soldaten umgebracht.

Um eben dieselbe Zeit verbanden die übrig gebliebenen Scythen, stolz auf den bisher glücklichen Erfolg ihrer Einfälle, die Heruler, Peukiner und Gothen mit sich, und sammelten sich am Flusse Tyres (Dniester), der sich in das schwarze Meer ergießt. Hier erbauten sie sechs tausend Fahrzeuge, bemannten sie mit dreihundert und zwanzig tausend Kriegern und segelten über das Meer nach Tomi, einer ummauerten Stadt. Abgetrieben von hier, sezten sie ihre Fahrt mit günstigem Winde fort bis Marecianopolis in Mysien, wo sie ans Land stiegen. Auch hier schlug ihre Absicht fehl, welches sie nöthigte weiter zu seegeln. An der Meerenge des Propontis aber vermochten ihre Schiffe nicht die Schnelligkeit des Stroms auszuhalten; sie stießen an einander, die Steuermänner verloren ihre Steuer, und die Schiffe trieben unordentlich herum. Der Erfolg hiervon war, daß einige ihrer Schiffe mit der Mannschaft zu Grunde giengen; andere ihrer Besatzung beraubt ans Land trieben; überhaupt aber eine große Menge Menschen und Fahrzeuge vernichtet wurden.

Aus dieser Ursache entfernten sich die Barbaren aus der Meeresenge des Propontis und wählten die Fahrt nach Cyzikus, mußten aber auch hier unverrichteter Sachen abziehen, und seegelten daher den Hellespont hindurch bis an das Athosgebirge. Nachdem sie daselbst ihre Schiffe ausgebessert hatten, belagerten sie Kassandria und Thessalonich.  Durch Maschinen, welche sie gegen die Mauern anwandten, wären sie beinahe Meister davon geworden; auf die Nachricht aber, der Kaiser nahe sich mit einem Heere, zogen sie sich in die Mitte des Landes hinauf, und plünderten die ganze Gegend um Doberus und Pelagonia. Hier stießen sie auf die Dalmazische Reiterei, und verloren dreitausend Mann. Der Rest ließ sich mit dem Kaiser und dessen Kriegsheere in eine Schlacht ein. Auf beiden Seiten kamen viele um. Zwar mußten die Römer sich zurückziehen; weil sie aber durch unwegsame Gegenden die Barbaren unversehens anfielen, so erlitten diese einen Verlust von fünfzig tausend Mann. Eine Abteilung der Scythen seegelte um Thessalien und Griechenland herum und plünderte diese Gegenden, konnten aber die Städte nicht angreifen, als welche sich zuvor durch Mauern und andere Sicherheitsanstalten verwahrt hatten, und führten dafür die auf dem flachen Lande gefundenen Leute hinweg.

Indessen auf besagte Art die Scythen mit Verlust des größten Theils der Ihrigen zerstreut wurden, strebte Zenobia nach höheren Dingen, und sandte den Zabdas nach Aegypten, dessen Oberherrschaft Timagenes, der Aegyptier, den Palmyrenern zu verschaffen suchte. Mit einem Heere von siebenzig Tausenden, das aus Palmyrenern, Syrern und Barbaren bestund, erfochten die Palmyrener einen großen Sieg in einer heftigen Schlacht gegen fünfzig tausend ihnen entgegen gesetzte Aegyptier, ließen eine Besatzung von fünf Tausenden zurück, und kehrten wieder heim. Probus aber, der vom Kaiser den Auftrag hatte, das Meer von Seeräubern zu reinigen, griff, auf die Nachricht von der Einnahme Aegyptens durch die Palmyrener, mit der unter ihm stehenden Kriegsmacht und den Aegyptiern, die es nicht mit den Palmyrenern hielten, die Besatzung an, und vertrieb sie. Hierauf zogen die Palmyrener wiederum zu Felde, und Probus sammelte ein Heer von Aegyptiern und Libyern, welches zwar siegte, und die Palmyrener aus Aegypten vertrieb; als aber Probus einen Berg in der Nähe von Babylon besetzte und dort den Feinden den Weg nach Syrien abschnitt, so machte Timagenes, der Gegenden kundig, sich mit zwei tausend Mann Meister von dem Gipfel des Berges, überfiel die Aegyptier unversehens und rieb sie auf. Unter diesen bekam er auch den Probus gefangen, welcher sich selbst entleibte.

Während also Aegypten den Palmyrenern unterworfen wurde; richteten die von der Schlacht – bei Naissus übrigen Scythen ihren Zug nach Macedonien, und deckten sich durch vorausziehende Wagen. Mangel an Lebensbedürfnissen aber erzeugte Hunger, durch welchen sie und ihr Zugvieh zu Grunde giengen. Bei ihrem weitern Fortrücken stieß die Römische Reiterei auf sie, tödtete viele, und nöthigte die andern, sich nach dem Hämus zu ziehen. Umringt von den Römischen Heeren, verloren sie hier nicht wenige. Als aber bei den von einander entfernten Standpunkten der Reiterei und des Fußvolks, der Kaiser das leztere zum Angriffe gegen die Barbaren beorderte, wurden die Römer in einem heftigen Treffen zurückgeschlagen; doch machte, ungeachtet des nicht geringen Verlusts, die Erscheinung der Reiterei den Unfall weniger empfindlich.

Als nun die Scythen weiters fortrückten, und die Römer ihnen auf dem Fuße folgten, begaben sich jene Barbaren, welche Kreta und Rhodus umsegelt hatten, ohne etwas merkwürdiges zu verrichten, zurück. Durch eine eingebrochene Pest aber kam ein Theil in Macedonien, ein anderer in Thracien um. Nur wer davonkam, wurde entweder unter die römischen Legionen gesteckt, oder mit Ländereien versehen, mit deren Anbau sie sich ganz beschäftigten. Allein die Pest breitete sich auch unter das Römische Heer aus, von welchem viele starben. Selbst Klaudius ward das Opfer derselben; ein Fürst, welcher in jeder Tugend glänzte, und von seinen Unterthanen gar sehr vermißt wurde.

[Quintillus] Quintillus, Bruder des Klaudius wurde zum Kaiser ernannt, lebte aber nur wenige Monate, ohne etwas Denkwürdiges zu verrichten. Sein Nachfolger wurde Aurelianus. [Aurelianus J. 270.] Nach der Erzählung einiger Schriftsteller gaben dem Quintillus, sobald man die Erhebung des Aurelianus auf den Kaiserthron erfuhr, seine eigenen Verwandten den Rath, durch einen freiwilligen Tod einem weit vorzüglichern Mitbewerber auf dem Throne Platz zu machen. Dieses soll er auch gethan, ihm ein Arzt die Adern geöffnet haben, und das Blut laufen lassen, bis es versiegte.

Aurelianus zog, nach befestigtem Thronbesitze, aus Rom nach Aquileja; und von dort nach Pannonien auf die Nachricht von einem Angriffe der Scythen auf dieses Land. Er sandte aber Kundschafter ab, den Einwohnern zu bedeuten, daß sie Getraide und Vieh und alles, was den Feinden nützlich seyn konnte, in die Städte führen sollten, weil er gedachte, diese Anstalt werde den einbrechenden Hunger bei ihnen vergrößern. Nach dem Uebergange der Barbaren über den Fluß, wurde eine unentscheidende Schlacht geliefert, indem die hereinbrechende Nacht keinem Theile den Sieg zuerkannte. In der Nacht aber zogen sich die Barbaren über den Fluß, und thaten mit Anbruch des Tages Friedensvorschläge.

Weil nun der Kaiser erfuhr, daß die Allemannen in Verbindung mit ihren Nachbarn die Absicht hätten, einen Zug nach Italien, zu unternehmen, so wurde er, wie billig, um Rom und die nahe liegende Gegend mehr besorgt, und kehrte sich nach Italien; in Pannonien aber ließ er eine hinreichende Besatzung zurück. An den äußersten Gegenden an der Donau kam es zu einem Treffen, in welchem viele Tausend Barbaren erschlagen wurden Um diese Zeit gab es auch in Rom Vorfälle; indem einige aus dem Senat als Theilnehmer einer Verschwörung gegen den Kaiser, in Untersuchung genommen, und am Lebens gestraft wurden. Damals wurde Rom, welches vormals unbemauert war, mit einer Mauer umgeben, die unter Aurelius angefangen, und unter der Regierung des Probus vollendet wurde. Damals kamen Eutimius und Urbanus und Domitianus in den Verdacht von Neuerungen; wurden sogleich angegriffen und hingerichtet.

Als der Kaiser auf solche Art die Sachen in Italien und Pannonien in Ordnung gebracht hatte, beschloß er einen Feldzug gegen die Palmyrener, deren Herrschaft sich über Aegypten, und ganz Morgenland und bis nach Ancyra und Galatien erstreckte. Ja sie würden sich auch Bithyniens bis Chalkedon bemeistert haben; hätten nicht die Einwohner, auf die Nachricht von der Regierung des Aurelianus, die Palmyrener abgetrieben. Der Kaiser drang demnach mit seinem Heere vor, unterwarf Ancyra der Römischen Herrschaft, Tyana und der Reihe nach alles bis Antiochien. In dieser Stadt fand er die Zenobia mit einem grossen Kriegsheer versehen; der, auch er wohlgerüstet zu einer Schlacht, entgegen zog. Weil er sah, daß die Palmyrenische Reiterei auf ihre schwere und dabei sichere Rüstung sich verließ, zugleich auch in der Erfahrenheit des Reitens die seinige übertraf, so stellte er sein Fußvolk abgesondert jenseits des Flusses Orontes, und gab der Römischen Reiterei absichtlich den Befehl, daß sie nicht sogleich, mit den noch frischen Palmyrenischen Reitern sich einlassen, sondern den Angriff abwarten und dem Scheine nach die Flucht ergreifen sollten, und zwar so weit, bis daß Mann und Pferd von der Hitze sowol als von dem schweren Gewichte der Rüstung im Verfolgen ermattet waren. Dieses geschahe auch. Denn als sie bemerkten, daß die Feinde schon abließen, und auf den ermüdeten Pferden unbeweglich waren, so kehrten sie mit den ihrigen um und zertraten die von selbst ihren Pferden entsinkenden Palmyrener. Es entstand also eine mannichfaltige Niederlage; indem einige durchs Schwerdt, andere durch die feindlichen, andere durch ihre eigenen Pferde umkamen.

Alles, was mit der Flucht sich retten konnte, eilte nach Antiochien; daher Zabdas, Zenobiens Feldherr, gar sehr besorgte, es möchten die Einwohner der Stadt das unglückliche Treffen erfahren, und sie auch angreifen. Er suchte daher einen etwas grauen Mann, der in seinem Aeußern Aehnlichkeit mit dem Kaiser zu haben schien, auf, legte ihm ein Kleid an, wie Aurelianus im Treffen getragen haben mochte, und führte ihn mitten durch die Stadt, als wäre der Kaiser lebendig gefangen. Durch diesen Trug überlistete er die Antiochener, schlich sich mit dem Ueberrest des Heeres nächtlicher Weile aus der Stadt, führte die Zenobia mit sich hinaus, und begab sich nach Emesa. Nachdem der Kaiser, der im Sinne hatte, am folgenden Tage das Fußvolk an sich zu ziehen, und auf beiden Seiten den schon zurückgetriebenen Feind anzugreifen, die Flucht der Zenobia erfuhr, zog er, unter Frohlocken der Bürger in Antiochien ein; fand aber, daß viele aus Besorgnis übler Behandlung als Freunde der Zenobia, die Stadt verlassen hatten, und schickte daher überall hin Manifeste, worinnen er die Flüchtlinge zurückrief, weil er das Vorgefallene mehr dem Zwange und dem Mangel an freiem Willen, als einem Vorsatze beimesse.

Sogleich beim Anblicke dieser Manifeste sammelten sich die Flüchtlinge, und benutzten die Milde des Kaisers, welcher nach wiederhergestellter Ordnung in der Stadt, gegen Emesa vorrückte Da er aber fand, daß eine Abtheilung von Palmyrenern eine Anhöhe oberhalb der Vorstadt Daphne besezt hatte, um durch die günstige Lage den vorbeiziehenden Feind aufzuhalten, so gab er den Soldaten Befehl, mit dicht zusammen geschlossenen Schilden und in geschlossenen Reihen gerade hinaufzudringen, und die auf sie abgeschossenen Pfeile oder die Steine, die sie auf sie wälzen könnten, eben durch die Dichtigkeit ihrer Glieder unwirksam zu machen. Hierzu waren die Soldaten bereitwillig,  drangen, dem Befehle gemäß, hinauf, und trieben die Feinde, sobald sie sich mit ihnen auf gleicher Höhe befanden, schnell zurück; so daß einige, an abschüssigen Plätzen hinunterstürzten, andre aber auf der Flucht niedergemacht, die Römer aber Meister von der Anhöhe wurden. Nach diesem Siege setzten sie ungehindert ihren Zug fort, und freudig ward der Kaiser in Apamea, Larissa und Arethusa aufgenommen. Hierauf erblickte, man auf dem Felde vor Emesa ein Heer bis auf siebenzig Tausende stark, welches aus Palmyrenern und ihren Kriegsbundsgenossen bestand. Diesen stellte der Kaiser die Dalmazische, Mösische und Pannonische Reiterei, und das aus den Norischen und Rhätischen Legionen bestehende Gallische Kriegsheer entgegen; außer diesen noch die tapfersten Prätorianer und auserlesensten Männer. Bei diesen standen noch die Mauritanische Reiterei, die Kriegsmacht aus Asien, die Tyanäer, Mesopotamier, Syrer, Phönicier und Palästiner, sehr tapfere Schaaren. Die aus Palästina trugen außer ihrer sonstigen Rüstung noch Keulen und Prügel.

Als die Heere handgemein wurden, zog sich die Römische Reiterei in etwas zurück, um nicht von der überlegenen Zahl der Palmyrenischen, welche sie zu überflügeln suchte, unversehens in die Mitte genommen zu werden. Die Palmyrener aber setzten den Weichenden nach, und verließen ihre Stellung, und also schlug die Absicht der Römischen Reiterei ganz gegen ihre Erwartung aus. Denn da sie weit geringer war, wurde sie in der That verfolgt, daß also nach einer ziemlichen Niederlage die ganze Sache auf dem Fußvolk beruhete, das kaum die Stellung der Palmyrener gebrochen, und ihre Reiterei blos mit Verfolgen beschäftiget sahe, als es sich wandte, und sie in ihrer Unordnung und Zerstreuung angrif. Hier entstund nun ein großes Gemetzel; indem ein Theil mit den gewöhnlichen Waffen fochte, die Paläsiiner aber mit ihren Keulen und Prügeln gegen die mit Erz und Eisen Bepanzerten losschlugen. Wirklich gab auch dieser Umstand zum Siege einen großen Ausschlag; weil die Feinde über diese fremde Waffen bestürzt wurden. Da endlich die Flucht der Palmyrener allgemein wurde, und die Flüchtigen theils einander selbst niedertraten, theils von den Feinden niedergemacht wurden, ward das Gefilde ganz mit Leichnamen von Menschen und Pferden bedeckt; was sich durch die Flucht retten konnte, warf sich in die Stadt.

Ueber diese Niederlage ward, wie zu erachten, Zenobia äußerst muthlos, und hielt Rath, was nunmehr zu thun sey. Man war allgemein der Meinung, daß man, weil die Einwohner von Emesa abgeneigt gesinnt wären, und mit den Römern es hielten, diese Stadt aufgeben, hingegen Palmyra wohl besetzen, auf die Festigsteit dieses Platzes seine Sicherheit gründen, und dann in ruhiger Muße Ueberlegungen anstellen müsse. Ohne sich auf andere Rathschläge einzulassen, traten alle diesem Rathe bei. Auf die Nachricht von Zenobiens Flucht rückte Aurelianus in Emesa ein, das ihn gerne aufnahm. Er fand Reichthümer, welche die flüchtige Zenobia zurücklassen mußte, und trat nun eilends den Zug nach Palmyra an. Sobald er die Stadt erreicht hatte, umgab er sie mit seinem Lager, und versah sein Heer mit Lebensmitteln von den benachbarten Völkern. Die Palmyrener spotteten, weil sie ihre Stadt für unüberwindlich hielten, über des Kaisers Unternehmen; ja es gieng einer von ihnen so weit, von der Mauer den Kaiser zu schmähen. Ein neben dem Kaiser stehender Perser erbot sich: „Wenn du es befiehlst, sollst du ihn alsbald todt sehen!“ Auf erhaltenen Befehl, verbarg er sich hinter einige, spannte seinen Bogen und traf mit einem Pfeile den Palmyrener, der noch immer über die Zinne der Mauer sich hervorbückte und Schmähreden ausstieß. Todt stürzte er vor den Augen des Kaisers und des ganzen Heeres herab.

Zwar thaten die Belagerten Widerstand, in der Hoffnung, die Feinde werden aus Mangel an Lebensmitteln ihrem Vorhaben entsagen, allein da leztere darauf beharrten, sie selbst aber aus Mangel an Unterhalt ins Gedränge kamen, entschlossen sie sich, die Flucht gegen den Euphrat zu nehmen, dort Hilfe bei den Persern zu suchen, und neue Händel den Römern zu erwecken. Sie sezten demnach, weil die Kameele schneller als die Pferde sind, Zenobia auf ein Kameel, und brachten sie zur Stadt hinaus. Aurelianus verdrüßlich über Zenobiens Flucht, und von Natur thätig, schickte schnell Reiterei zu ihrer Verfolgung ab. Im Begriffe über den Euphrat zu setzen, ward sie eingeholt, und aus dem Schiffe gefangen weg und vor Aurelian geführt. Zwar erweckte ihm der unerwartete Anblick der gefangenen Fürstin großes Vergnügen; doch ward es bald mit Verdrusse vermischt, als sein Ehrgeiz ihm vorstellte, daß die Besiegung eines Weibes bei der Nachwelt ihm keinen sonderlichen Ruhm erwerben möchte.

Die Meinungen der eingeschlossenen Palmyrener waren nun verschieden. Einige wollten für ihre Stadt das äußerste wagen, und den Römern den hartnäckigsten Widerstand leisten; andere reckten als Flehende ihre Hände von den Mauern empor, und baten wegen des Vorgefallenen um Verzeihung. Diese ihre flehentlichen Bitten nahm der Kaiser auch gnädig an, und versprach Verzeihung. Worauf sie zur Stadt heraus strömten und ihm Geschenke und Opfer darbrachten. Den Opfern bewies Aurelianus seine Ehrerbietung, nahm die Geschenke an, und entließ die Einwohner unbeschädigt. Im Besitze der Stadt, des darinnen befindlichen Reichthums, anderweitigen Vorraths und der Denkmale, kehrte er nach Emesa zurück, und zog die Zenobia nebst ihren Helfern vor Gericht. Die Fürstin entschuldigte sich damit, daß sie alles auf viele Andere schob, welche sie als ein Weib verleitet hätten. Unter diesen war auch Longinus, dessen Schriften allen Liebhabern der Gelehrsamkeit von großem Nutzen sind. Diesen verurtheilte der Kaiser sogleich, nachdem er der gegen ihn vorgebrachten Beschuldigungen überführt worden, zum Tode, den Longinus so standhaft ertrug, daß wer seinen Unfall beklagte, dadurch sich getröstet fühlte. Auch noch andere, welche Zenobia angab, wurden am Leben gestraft.

Es verdienen aber auch die Vorfälle, welche der Zerstörung von Palmyren vorangiengen, erzählt zu werden; wiewohl ich offenbar nur, vermöge der im Eingang angegebenen Absicht, eine kurze Geschichtserzählung abfassen will. Denn so wie Polybius erzählt, wie die Römer in kurzer Zeit die Weltherrschaft sich erwarben; also will ich darlegen, wie sie in kurzer Zeit durch ihre eigenen Vortheile dieselbe zernichteten. Doch dieses alsdann, wenn ich zu diesem Theile der Erzählung komme. Als die Palmyrener, wie ich beschrieben habe, schon Herren von einem nicht geringen Theile des Römischen Reichs geworden waren, wurden ihnen von der Gottheit viele Anzeichen der ihnen bevorstehenden Zerstörung gesendet. Einige von diesen will ich anführen. Zu Seleucia in Cilicien ist ein Tempel des Apollo, mit dem Beinamen des Sarpedoniers, und in demselben ein Orakel. Was man nun von diesem Gotte erzählet, wie er allen, die von der Verwüstung der Heuschrecken litten, Seleuciaden – (Vögel, die sich in der Gegend nahe beim Tempel aufhalten) – zugleich auf ihr Bitten mitsandte; wie diese um die Heuschrecken herflogen, sie mit den Schnäbeln auffingen, und in einem Augenblicke eine unendliche Menge derselben vertilgten und die Leute von ihrer Noth befreiten; das bleibt der Glückseligkeit der Menschen jener Zeiten überlassen, indem das gegenwärtige Menschengeschlecht die göttliche Wohlthat verwirft. – Als nun einst die Palmyrener das Orakel befragten: ob sie die Oberherrschaft des Orients erlangen würden, gab der Gott folgende Antwort:
Entfernt euch von hinnen, ihr trügerischen verderblichen Männer!
Ihr des ruhmvollen Geschlechtes der Unsterblichen Beleidiger!
Wie ferner einige das Orakel wegen des Feldzugs des Ayrelianus gegen die Palmyrener befragten, antwortete der Gott:
Es führet ein Weihe vor Tauben einen heiligen Klaggesang
Einer vor vielen; diese erzittern vor ihrem Mörder.

Wiederum trug sich bei den Palmyrenern folgendes zu. Aphaka ist eine Gegend in der Mitte von Heliopolis und Biblus, in welcher ein Tempel der Venus Aphatitis erbauet ist. Neben demselben ist ein See, der einem künstlich angelegten Fischteiche ähnlich ist. Zunächst dem Tempel und den daran stoßenden Orten erblickt man in der Luft Feuer in der Gestalt einer Fackel oder einer Kugel, so oft Versammlungen in jener Gegend zu bestimmten Zeiten gehalten werden. Dieses Feuer war auch noch bis zu unserer Zeit sichtbar. Auf diesem See brachte, wer der Versammlung beiwohnte, Geschenke zur Ehre der Göttin, aus Gold und Silber verfertigt, und gewirkte Zeuge, von Leinwand, Byssus und andern noch köstlichern Materien. Offenbarte sichs, daß die Göttin sie annahm, so sanken die Zeuge, als wie Dinge von Gewichte, unter; nahm sie dieselben aber nicht an oder verwarf sie solche, so sahe man die Zeuge auf dem Wasser schwimmen; und wenn gleich die Gabe von Golde, Silber oder andern Materien verfertigt war, welchem ihrer Natur nach nicht vom Wasser getragen werden, sondern untergehen. Als nun die Palmyrener in dem Jahre vor ihrer Zerstörung zur Zeit des Fests zusammenkamen, und zur Ehre der Göttin Gaben an Golde und Silber und Stoffen in den See ließen, so sahe man, da sie sonst alle untersanken, in dem gerade vor der Zerstörung hergehenden Jahre zu der Zeit des Fests alle schwimmen, wodurch die Göttin die künftigen Schicksale andeutete. Eben so zeigte sich die Gunst der Göttin gegen die Römer, so lange ihr heiliger Dienst bewahrt wurde. Wenn ich aber zu jenen Zeiten kommen werde, wo die Römische Herrschaft allmählig zu den Barbaren übergieng, und auf einen schwachen, überdieß verderbten, Rest zusammenschmolz; alsdann will ich auch die Ursachen dieses Unglücks anführen, und, soviel möglich, die Orakelsprüche hinzufügen, welche die Vorfallenheiten anzeigten.

Doch es ist Zeit dahin zurückzukommen, wo ich ausgegangen bin, damit es nicht scheint als verlasse ich die Folge der Erzählung. Während Anrelianus nach Europa zog, wohin er die Zenobia nebst ihrem Sohne und alle die mit ihr sich aufgelehnet hatten, mitnahm,  starb Zenobia entweder an einer Krankheit; oder weil sie keine Speise zu sich nahm. Die übrigen aber sind, wie man sagt, außer ihrem Sohne in der Meerenge zwischen Byzantium und Chalkebon ertrunken.

Aurelianus empfing noch auf dem Zuge nach Europa die Botschaft, daß einige der in Palmyra Zurückgebliebenen mit Zuziehung des Apsäus, welcher auch zu den vorherigen Unternehmungen gerathen hatte, den Marcellinus, Statthalter des Kaisers über Mesopotamien und den Orient, dahin zu bringen suchten, sich mit dem Purpur bekleiden zu lassen. Dieser aber wich ihrem öftern Andringen aus, schob seine Entschließung durch Ueberlegungsfristen und zweideutige Antworten auf und gab indessen dem Aurelianus von deren Berathschlagungen Nachricht. Die Palmyrener hingegen bekleideten den Antiochus mit dem Purpur und hielten sich innerhalb Palmyra.

Auf den Bericht hiervon lenkte Aurelianus augenblicklich um nach dem Orient, kam zu großer Bestürzung des Volks, welches gerade ein Pferderennen hielt, und ihn gar nicht erwartete, nach Antiochien, und gieng von da nach Palmyra. Die Stadt nahm er ohne Schwerdtstreich ein, und zerstörte sie; den Antiochus aber achtete er zu gering, als daß er ihn bestraft hätte. Auch die unruhigen und zum Aufruhr geneigten Alexandriner brachte er in Geschwindigkeit zur Ordnung, und zog dann im Triumphe zu Rom ein, vom Volke und dem Senate mit großer Ehrenbezeugung empfangen. Damals erbaute er der Sonne einen Tempel, und schmückte ihn aufs kostbarste mit den Weihgeschenken, welche er von Palmyra mitgebracht hatte; und stellte der Sonne und des Belus Bildnisse darinnen auf.  Darnach schaffte er mit leichter Mühe den Tetricus nebst andern Aufrührern bei Seite, und bestrafte sie nach Verdienst. Nunmehr theilte er auch öffentlich neues Geld aus, mit dem Befehle, daß das Volk alle falsche Münze einliefern solle; wodurch er den Handel von der Verwirrung befreite. Außerdem bewies er dem Volke zu Rom seine Achtung durch eine Brodspende, und verließ, nachdem er alles in Ordnung gebracht hatte, Rom wiederum.

Während er sich aber zu Perinthus, das nun Heraklea heißt, aufhielt, wurde ihm folgende Nachstellung bereitet. Es befand sich ein gewisser Eros am kaiserlichen Hofe, bestellt, die Antworten des Kaisers auswärts bekannt zu machen. Diesen hatte der Kaiser wegen eines Fehlers bedroht, und dadurch in Furcht gesezt. Aus Besorgnis, daß die Drohungen möchten ins Werk gesezt werden, theilt er seinen Entwurf den kühnsten Waffenträgern des Kaisers mit; erweckt in ihnen durch Vorzeigung schriftlicher eigenhändiger Befehle des Kaisers – denn er hatte sich lange her aufs eifrigste geübt, die Handschrift des Kaisers nachzumahlen – durch diese schriftliche Befehle den Argwohn, daß sie hingerichtet werden sollten, und beredet sie dadurch, die Ermordung des Kaisers zu unternehmen. Sie lauerten ihm also, da er ohne hinreichende Bedeckung aus der Stadt gieng, auf, fielen alle mit ihren Schwerdtern ihn an, und ermordeten ihn. Dort wurde er also von dem Heere mir aller Pracht zur Erde bestattet, im Dankgefühle der Thaten und Gefahren, welche er für das gemeine Beste gewagt hatte.

[Tacitus J. 275.] Als hierauf Tacitus das Römische Kaiserthum erhalten, sezten die Scythen über den Maotischen See und streiften durch den Pontus bis nach Cilicien. Einen Theil derselben griff der Kaiser selbst an, und rieb ihn auf; den andern zu bekriegen, übertrug er dem Florianus, den er zum Obersten der Leibwache bestellt hatte, und trat seinen Zug nach Europa an. Hier unterlag er Nachstellungen aus folgender Ursache: Maximinus, Statthalter in Syrien, des Kaisers Verwandter, betrug sich gegen die angesehensten Beamten sehr rauh, und weckte dadurch sowohl ihren Neid als Furcht; welche bald in Haß übergiengen. Daraus, entspann sich eine Verschwörung, in die man Aurelians Mörder zog, die den Maximinus meuchelmörderisch wegräumten. Auch Tacitus, der mit seinem Lager vorrückte, ward von ihnen eingeholt und ermordet.

Hieraus entspann sich eine Verwirrung im Staate. Denn im Morgenlande ernannte man den Probus, zu Rom hingegen den Florianus zum Kaiser. [Probus und Florianus J. 276.] Syrien, Phönicien, Palästina und ganz Aegypten hatte Probus im Besitze; Florianus aber alles in seiner Gewalt, von Cilicien an bis Italien. Auch hatten sich die Völkerschaften jenseits der Alpen, Gallien, Spanien und die Insel Britannien ihm unterworfen; überdies Libyen nebst den Mauritanischen Völkerstämmen. Beide rüsteten sich demnach zum Kriege. Florianus verfolgte den gegen die Scythen am Bosporus erfochtenen Sieg nicht ganz – denn er ließ die schon Eingeschlossenen nach Hause ziehen – und rückte gen Tarsus vor, um dort sein Lager aufzuschlagen. – Probus aber, der mit geringern Kräften den Krieg angefangen hatte, zog solchen in die Länge. Dieses verursachte bei dem Heere des Florianus, welches meistens aus Europäern bestand, in dem heißen brennenden Klima von Cilicien, dessen die Europäer nicht gewohnt waren, schwere Krankheiten. Probus nahm dieser guten Gelegenheit wahr, und griff denselben an. Zwar strengten die Legionen des Florianus alle Kräfte an, und rückten aus; allein es sezte nur einige Plänkeleien vor der Stadt, und die Heere trennten sich ohne einen, denkwürdigen Vorfall. Nach dieser Begebenheit kamen einige von dem Heere des Probus, entsezten den Florianus der Regierung, und ließen ihn gefänglich eine Zeitlang bewachen. Doch wagte Florianns, überredet von einigen, die um ihn waren, daß dieses gegen den Willen des Probus geschehe, den Purpur wieder anzunehmen; bis endlich andere zurückkamen, die wahre Gesinnung des Probns in Absicht desselben kund machten, und desselben Ermordung durch seine eigene Soldaten veranstalteten.

Als Probus auf solche Art zum Besitze des Throns gekommen war, rückte er vorwärts, und begann gleich dadurch, rühmlich für das gemeine Beste zu sorgen, daß er die Mörder Aurelians und des Tacitus zu strafen beschloß. Doch wagte er dieses, aus Besorgniß von Unruhen, nicht öffentlich, übertrug es vielmehr insgeheim gewissen Leuten, lud die Mörder zu einem Gastmahle und begab sich, indessen sich diese, in Hoffnung an die kaiserliche Tafel gezogen zu werden, versammelt hatten, bei Seite auf einen Söller, von welchem er alles, was geschehen sollte, sehen konnte. Auf das verabredete Zeichen wurden die unbewehrten Versammelten von denjenigen, welchen die Ausführung anvertraut war, überfallen, und alle niedergemacht, Einen ausgenommen; den sie doch, als ihnen gefährlich, auch bald ergriffen, und lebendig ins Feuer warfen.

Nach diesen Veranstaltungen des Probus fiel auch Saturninus, ein Mauritanier, Vertrauter des Kaisers, und deswegen zum Statthalter von Syrien bestellt, ab, und legte aufrührerische Gesinnungen zu Tage. Allein die morgenländischen Legionen kamen des Kaisers Vorsatze, denselben zu strafen, zuvor, und dämpften durch des Saturninus Ermordung zugleich den Aufruhr. Auch stillte Probus einen andern Aufstand in Britannien mit Hilfe des Victorianus, eines Mauren, auf dessen Anrathen er vorher den nunmehrigen Aufrührer zum Statthalter gemacht hatte. Nach einem Verweise wegen dieser Empfehlung, schickte er den Victorianus ab, seinem Fehler wieder gut zu machen. Ohne Aufschub trat dieser die Reise nach Britannien an, und räumte durch eine gut ausgesonnene List den Anmaßer aus dem Wege.

Nach Beendigung dieser Händel erfocht Probus auch Siege über die Barbaren, indem er zween Kriege zu Ende brachte, deren einen er in Person, den andern durch einen Feldherrn führte. Da die Germanischen Städte von den Barbaren, welche auf der rechten Seite des Rheins wohnten, beunruhigt wurden, und Hilfe nöthig hatten, so zog Probus selbst an den Rhein. Als nun währendes Kriegs überall in den dortigen Landschaften Hunger einbrach, so führte ein ungeheurer Regen mit den Tropfen zugleich auch Getreide herab; so daß von sich selbst an einigen Plätzen ganze Haufen zusammenlagen. Jeder war anfänglich hierüber bestürzt, und wagte es nicht solches anzurühren, und den Hunger damit zu stillen; doch siegte die Noth bald über jede Furcht, und machte, daß man Brod daraus backte, und den Hunger vertrieb. Auch der Krieg gewann leicht durch des Kaisers Glück ein Ende; so wie die folgenden Kriege. Zuerst lieferte er blutige Treffen den Logionen, einem Germanischen Volke. Diese überwand er, und bekam ihren Anführer Semnon, nebst dessen Sohne, lebendig gefangen. Die Gefangnen nebst der gleichfalls eroberten Beute gab er unter gewissen Bedingungen, und selbst den Semnon nebst dessen Sohne zurücke.

Die andere Schlacht lieferte er den Franken, welche er durch seine Feldherren gänzlich besiegte. Er selbst aber bekriegte die Burgunder und Wandalen. Da der Kaiser sah, daß deren Kriegsmacht die seinige an Menge übertraf, so sann er darauf einen Theil der Feinde abzuziehen, und diesem ein Treffen zu liefern. Hierin unterstüzte das Glück dessen Absicht. Denn da die Heere auf beiden Seiten des Flusses sich gelagert hatten, so forderten die Römer die jenseitigen Barbaren zu einem Treffen heraus. Aufgebracht hierüber, sezten deren, so viele nur konnten, über; und in dem Treffen kam ein Theil von ihnen um, ein andrer gerieth in Römische Gefangenschaft. Hierauf bat der Ueberrest um Friede, und versprach die Beute und die Gefangenen, welche sie hätten, herauszugeben. Man gewährte ihre Bitte, aber sie lieferten doch nicht alles aus. Es griff sie daher der hierüber erbitterte Kaiser auf dem Rückzuge an, und züchtigte sie nach Verdienst, indem er sie niedermachte, und den Igillus, ihren Anführer, gefangen nahm. So viele er lebendig bekommen konnte, schickte er nach Britannien hinüber; die sich da anbauten, und wenn sich jemand in der Folge empörte, von grossem Nutzen für den Kaiser waren.

Nach der Vollendung dieser Kriege am Rhein verdienen auch die damaligen Vorfälle in Isaurien angeführt zu werden. Lydius, von Geburt ein Isaurier, in der Gewohnheit zu rauben aufgewachsen, gesellte sich eine ähnliche Schaar zu, und fiel ganz Pamphylien und Lycien an. Als sich aber die Soldaten zusammen zogen, um diese Räuber zu fangen, so besezte er, weil er sich zu schwach fühlte, dem Römischen Heere Widerstand zu leisten, die Lycische Stadt, Kremna, auf einer steilen Anhöhe gelegen, und zum Theile durch sehr große Tiefen befestiget. Hier fand er viele, welche sich dahin, als in eine sichere und bemauerte Stadt, geflüchtet hatten. Da die Römer diesen Ort eifrig belagerten, und die Verzögerung dabei standhaft aushielten, so riß er die Häuser nieder, machte den Boden urbar, und pflanzte Getreide zum Unterhalte derer in der Stadt. Weil indessen ihre Menge gar vieles zum Unterhalte bedurfte, so trieb er alle untaugliche Personen, weiblichen und männlichen Geschlechtes, zur Stadt hinaus. Die Römer merkten die Absicht des Lydius, und nöthigten sie, in die Stadt zurückzukehren; worauf er sie in die Schlünde, welche um die Stadt her waren, stürzen ließ. Auch grub er von der Stadt aus, nach der auswärtigen Landschaft, einen bewundernswürdigen unterirdischen Gang, und dehnte ihn jenseits des Standpunkts des Feindlichen Heeres aus, und sandte durch denselben einige Leute hinaus, Vieh und andere Nahrungsmittel zu rauben. Hierdurch erlangten die Belagerten zum Theil hinlängliche Lebensmittel. Endlich fanden die Feinde auch diesen, weil ihnen ein Weib es entdeckte. Dennoch ließ Lydius auch jezt den Muth nicht sinken; sondern entzog den Seinigen nach und nach den Wein, und theilte ihnen geringere Portionen Getreide aus. Als aber dieses abnahm, fand er sich in der Nothwendigkeit, alles in der Stadt umzubringen, außer den ihm und zur Wache der Stadt nöthigen Männern. Auch behielt er Weiber bei, welche er für die natürlichen Bedürfnisse Aller in Gemeinschaft unterhielt.

Entschlossen gegen jede Gefahr zu kämpfen, widerfuhr ihm nach allem bisherigen folgendes Schicksal. Es befand sich unter seinem Haufen ein Mann, der Maschinen zu bauen, und von denselben Geschosse mit großer Gewißheit abzuwerfen verstund; also daß er niemals das Ziel verfehlte, so oft Lydius ihm befahl, einen der Feinde zu treffen. Als er ihm nun einmal den Befehl gegeben hatte, einen von den Feinden zu erlegen, und er entweder aus Zufall, oder aus Vorsaz gefehlt hatte, so ließ er ihn entkleiden, jämmerlich peitschen und bedrohte ihn außerdem mit dem Tode. Ueber die Schmerzen aufgebracht, und wegen der Drohung in Furcht, schlich er sich bei Gelegenheit aus der Stadt. Sobald er zu den Römern gekommen war, erzählte er ihnen, was er gethan und ausgestanden hätte, zeigte ihnen anbei ein Pförtchen in der Mauer, aus welchem Lydius gewohnt sey, zu beobachten, was im Feindlichen Lager vorgehe, und versprach zugleich, ihn mit einem Pfeile zu erlegen, wenn er nach seiner Gewohnheit, sich aus demselhen hervorbückte. Auf dieses hin nahm ihn der Anführer des Römischen Heeres auf, worauf er eine Maschine errichtete, einige, um verborgen zu seyn, vor sich hinstellte, und, sobald er den, aus der Oeffnung sich hervorbückenden, Lydius erblickte, schoß er einen Pfeil ab, und verwundete denselben tödtlich. Auch nach der Verwundung wüthete dieser noch gegen einige von seinen Leuten, und nöthigte kurz vor seinem Verscheiden den Rest der Besatzung zu einem Eidschwur, den Belagerern im geringsten nicht nachzugeben. Doch hielt man in der Stadt die Belagerung nicht länger aus, und übergab sich dem Römischen Heere. Dieses Ende nahm die Räuberbande.

Da auch Ptolemais, in Oberägypten vom Kaiser abgefallen war, und einen kurz dauernden Krieg erregt hatte, so bezwang Probus durch seine Feldherren diese Stadt und die ihr beistehenden Blemmyer. Die Bastarnen aber, ein Scythisches Volk, das sich ihm unterwarf, nahm er auf, und wies ihnen Wohnsitze in Thracien an. Sie richteten sich forthin nach Römischen Gesetzen. Von den Franken hingegen, die sich dem Kaiser unterworfen, und Wohnsitze von ihm erlangt hatten, fiel ein Theil ab, verschaffte sich viele Schiffe, und beunruhigte ganz Griechenland. Sogar nach Sicilien kamen sie, drangen in Syrakus ein, und verübten daselbst viele Mordthaten! Nun segelten sie sogar nach Libyen, wurden aber durch eine von Karthago gekommene Kriegsmacht von da abgetrieben; doch kamen sie ohne unglückliche Zufälle, wiederum nach Hause. Auch trug sich unter des Probus Regierung noch folgendes zu: Es verbanden sich auf achtzig Klopffechter, ermordeten ihre Wache, drangen in die Stadt ein, und raubten, was ihnen unter die Hände kam; nachdem sich, wie gewöhnlich, ein großer Haufe zu ihnen gesellt hatte. Auch diese vertilgte der Kaiser durch abgeschickte Soldaten. Nach diesen Verrichtungen des Probus, der das Regiment auf eine heilsame und gerechte Weise verwaltete — wurde er von den Soldaten bei Sirmium ermordet, welche deswegen aufgebracht waren, weil er sie nöthigte, um den morastigen Boden um seine Vaterstadt her gesünder zu machen, die Moräste Oalus durch angelegte Gräben auszutrocknen. [Karus J. 282.] Karus, gebohren zu Narbonne in Gallien, Oberster der Prätorianer, als Probus ermordet ward, wurde von dem Kriegsheere, welches von nun an die Ernennung des Kaisers an sich riß, zum Nachfolger ausgerufen. Seine Söhne, Karinus und Numerianus ernannte er zu Cäsarn, damit sie die überall durch Barbaren angefallenen Gränzen des Römischen Reichs vertheidigen sollten. Den Karinus sandte er nach Gallien, er selbst aber zog mit dem Numerianus gegen die Sarmaten aus, und besiegte sie. Aus diesem Kriege riefen ihn Persische Kriegsunruhen ab. Er rückte also mit seinem siegreichen Heere in den Orient, überwand die Perser, und eroberte die berühmten Städte, Coche und Ktesiphon. Nach Ruhme dürstend, drang er jenseits Ktesiphon vor, starb aber an einer Krankheit, oder, nach der gewöhnlichen Meinung, durch einen Blizstrahl im zweiten Jahre seiner Regierung. [Karinus und Numerianus J. 283.] Numerianus, ein Jüngling von vortreflicher Anlage, hatte seinen Vater auf dem Kriegszuge gegen die Perser begleitet, wurde aber, indem er wegen einer Augenkrankheit in einer Sänfte getragen wurde, von seinem Schwiegervater Aper, Obersten der Leibwache, hinterlistiger Weise aus dem Wege geschafft. Seinen, vom Aper geheimgehaltenen Tod, um die Herrschaft desto gewisser an sich ziehen zu können, verrieth der Gestank des Leichnams; und Diocletianus wurde, als derselbe kund geworden war, mit dem Purpur bekleidet. Karinus, welcher nach des Vaters Kriegszuge in [Diocletianus J. 284] den Orient, das Regiment über Italien, Illyrien, Afrika und die übrigen abendländlichen Provinzen führte, zog gegen den Sabinus Julianus zu Felde, der auf die Nachricht von des Karus Tode, die Herrschaft an sich gerissen hatte, überwältigte ihn in der Ebene von Verona, und ließ ihn hinrichten. Männer, welche durch ihre Standhaftigkeit und Weisheit sich ausgezeichnet hatten, schaffte er von seiner Seite weg, und bekleidete die niedrigen Werkzeuge seiner Wollüste mit Ehrenämtern. In einer Schlacht aber gegen den Diocletianus, welche bei Margus in Mösien vorfiel, wurde er von seinem Heere verrathen, wenigstens verlassen, und umgebracht.

Text des zweiten Buches.

Auch der Anfang dieses Buches fehlt in allen Handschriften. Wir liefern also aus den lateinischen Supplementen der R. Ausgabe einen Auszug der wichtigsten Begebenheiten

Diocletianus war ein Dalmatier und von niedriger Herkunft. Seine erste Handlung als Kaiser war, daß er den Aper, als Urheber von Numerianus Ermordung, in einer Versammlung der Soldaten, mit seinem Schwerte durchbohrte. Den übrigen ließ er Verzeihung angedeihen. Den Karinus überwand er in einem Treffen und tödtete ihn. Maximianus, welcher den Beinamen Herculianus in der Folge führte, wurde von demselben zum Mitkaiser ernannt und unterdrückte die Bagauden, Gallische Bauern, welche, von Amandus und Aelianus angeführt, Unruhen angefangen hatten. Als Karausius, ein Mann von dunkler Herkunft, durch Tapferkeit sich in diesem Kriege hervorthat und unter den Soldaten sich Ruhm erwarb, so wurde er ernannt, eine Flotte aufzurüsten, und die seeräuberischen Einfälle der Franken und Sachsen abzutreiben. Nachdem er viele Barbaren gefangen, und die Beute weder den Landeseinwohnern, noch den Kaisern abgeliefert hatte, fiel er in Verdacht, daß er die Barbaren absichtlich herankommen ließe, um, wenn sie vorbeisegelten, sie auffangen, und mit ihrer Beute sich bereichern zu können. Sein Leben zu retten, warf er sich zum Kaiser auf, und bemeisterte sich Britanniens. Zu gleicher Zeit beunruhigte Achilleus Aegypten, die Quinquegentianer Afrika und Narseus den Orient. Aus diesen Ursachen ernannten die beiden Kaiser den Julius Konstantius und den Maximianus Galerius zu Cäsarn. Der erstere nahm des Herkulius Theodorus Stieftochter, Galerius des Diocletianus Valerianus Tochter zur Gemahlin. Und weil die Last der Kriege zu heftig drückte, so theilten sie gewissermaßen die Herrschaft: Konstantius überkam alle Provinzen jenseits der Alpen; Herkulius Afrika und Italien; Galerius die Illyrischen Küstenländer bis an die Pontische Meerenge; den Rest behielt Diocletianus. Die meisten Anmaßer des Kaiserthrons wurden von ihnen unterdrückt, und der Cäsar Maximianus abgeschickt, um die Einfälle der Perser zurückzutreiben; und anfänglich von dem Könige Narseus geschlagen; doch begab sich dieser unter Römischen Schutz. In Afrika bezwang er die Quinquegentianer. Achilleus machte in Aegypten wenig zu schaffen, und wurde nach seiner Niederlage hingerichtet. Diesen Sieg verfolgt Diocletianus auf eine grausame Weise; und erfüllte ganz Aegypten mit Achtserklärungen und Hinrichtungen. Doch machte er auch viele kluge Anstalten. Mit dem Karausius, den man vergebens bekriegt hatte, schloß man Friede. Nach sieben Jahren wurde er von Alectus umgebracht; der wiederum nach dreijährigem Besitze von Britannien, unter Anführung des Asclepiodotus, Oberster der Leibwache, unterdrückt; und also Britannien nach einer zehnjährigen Anmaßung wieder zum Römischen Reiche gebracht wurde. Der Cäsar Constantius kämpfte in Gallien gegen die Lingonen mit abwechselndem Glücke. Hierauf führten sie andere Kriege, theils mit vereinigten Kräften, theils einzeln; sie bezwangen die Karpier und Bastarnen, besiegten die Sarmaten, von welchen Völkern sie außerordentlich viele Gefangene in das Römische Gebiet übersezten. Als bei herannahendem Alter Diocletianus zur Staatsverwaltung sich minder aufgelegt fühlte, rieth er dem Herkulius, mit ihm zugleich in den Privatstand zurückzutreten, und das Steuerruder des Staats stärkern und jüngern Händen zu übergeben. Ungern gab ihm sein Amtsgehilfe nach; doch vertauschten sie an Einem Tage den Purpur gegen die Toga, zu Nikomedia Diocletianus, und Herkulius zu Mailand. In der Herrschaft folgten ihnen als ernannte Kaiser Konstantius und Galerius. Bei der Vertheilung der Römischen Welt unter sich, begnügte sich Konstantius mit Gallien, und überließ an Galerius die Übrigen Provinzen.

– – – weil der Raum zwischen den säkularischen Spielen das längste menschliche Leben ausmacht. Denn was der Römer Seculum nennt heißt bei dem Griechen Aeon. Es dient, um Pestilenzen, Seuchen und. Krankheiten zuheilen, und nahm seinen Ursprung aus folgender Veranlassung. Valesius, von welchem das Valerianische Geschlecht stammt, war unter dem Sabinervolke sehr angesehen. Vor seinem Hause stand ein Hain von sehr großen Bäumen. Als ein Bliz diese traf und verbrannte, war er in grosser Verlegenheit über dessen eigentliche Bedeutung. Nun überfiel seine Kinder eine Krankheit, welche der Kunst der Aerzte widerstand, und ihn veranlaßte von einem Wahrsager zum andern zu gehen. Diese zogen aus der Art, wie das Feuer vom Himmel gefallen war, die Vermuthung, daß es eine Wirkung vom Zorne der Götter sey; und daher suchte billigerweise Valerius durch Sühnopfer und Vermittlung der Wahrsager die Gottheit zu versöhnen. Weil er aber nebst seiner Gattin in Sorgen war, und mehr, als jemals, den Tod seiner Kinder befürchtete, fiel er vor der Vesta nieder, und gelobte, ihr statt der Kinder, die Seelen zweier Erwachsenen, nämlich seine und seines Weibes. Indem er aber auf den Hain zurückblickte, glaubte er eine Stimme zu hören, die ihm befahl, die Kinder nach Tarent zu führen, und dort Tiberwasser auf den Altären des Pluto und der Proserpine zu wärmen, und den Kindern als Trank einzugeben. Auf diesen Befehl verzweifelte er noch stärker an seiner Kinder Genesung, weil Tarent gar weit in Italien läge, und dorten kein Tiberwasser zu bekommen sey. Ueberdies erweckte ihm das keine gute Hoffnung, daß er auf dem Altar unterirdischer Götter das Wasser erwärmen solle.

Sogar die Wahrsager waren hierüber verlegen, doch beschloß derselbe, auf nochmaliges Befragen, dem Gotte zu gehorsamen. Er brachte demnach seine Kinder auf ein Tiberschiff, und nahm Feuer mit. Wie sie aber vor Hitze beinahe starben, steuerte er an die Seite des Gestades, wo der Fluß ganz sanft strömte. Nebst seinen Kindern begab er sich von da in die Hütte eines Hirten, und hörte dorten, daß er seine Herberge in Tarent nehmen müsse. Denn diese Namen führte ein, neben dem Japygischen Vorgebirge liegender, Ort. Ueber diesen glücklichen Zufall dankte Valesius der Gottheit, gab dem Schiffer Befehl, ans Land zu steuern; stieg aus, und erzählte die Sache den Hirten. Nun schöpfte er Wasser aus der Tiber, erwärmte es auf einem von ihm daselbst errichteten Altare, und gabs den Kindern zu trinken Gleich auf das Trinken überfiel sie ein Schlaf, worauf sie gesund wurden. Im Traume aber sahen sie ein Gesicht: daß man der Proserpine und dem Pluto schwarze Opferthiere darbringen und drei auf einander folgende Nächte mit Gesang und Reihentanz feiern solle. Diesen Traum erzählten sie ihrem Vater: es habe ein großer und gottähnlicher Mann befohlen, dieses auf dem Marsfelde zu verrichten; da wo fürs Pferderennen ein Platz leer gelassen ist. Als nun Valerius einen Altar daselbst aufbauen wollte, und die Steinhauer deswegen einen Platz ausgruben, fand man einen fertigen Altar, mit der Inschrift: dem Pluto und der Proserpina. Hierdurch noch deutlicher belehrt, was er thun müsse, opferte er auf diesem Altare die schwarzen Opferthiere, und beging daselbst die Nachtfeier.

Dieser Altar und die Cärimonie dieser Opferhandlung entstund aus folgender Veranlassung. Römer und Albaner führten Krieg miteinander. Da sie nun beiderseits unter den Waffen waren, erschien jemand von wundersamer Gestalt, mit einem schwarzen Felle bekleidet, und schrie: Pluto und Proserpine hätten befohlen, daß, bevor sie handgemein würden, sie ihnen ein Opfer unter der Erde darbringen sollten. Dieses gesprochen, verschwand er. Damals entsezten sich die Römer über diese Erscheinung, erbaueten unter der Erde den Altar, brachten das Opfer dar, und bedeckten ihn dann mit einer Grube von zwanzig Fuß Erde, damit er jedem Andern, nur den Römern nicht, unbekannt bleiben möchte. Diesen fand Valesius, brachte das Opfer, beging die Nachtfeier und erhielt davon den Namen, Manius Valerius Tarentinus. Denn die unterirdischen Götter nennt der Römer Manes; und gesund werden heißt in seiner Sprache Valere; und der Beiname Tarentinus ward ihm von dem Opfer in Tarent. Als nun in der Folge im ersten Jahre nach den Königen eine Pestilenz in der Stadt entstund, so opferte auf diesem Altare Publius Valerius Poplicola dem Pluto und der Proserpine einen schwarzen Stier und eine schwarze Kuh, und rettete die Stadt von der Krankheit. Auf den Altar sezte er die Aufschrift: Ich Publius Valerius Poplicola habe das Feuerfeld dem Pluto und der Proserpine geweiht, und dem Pluto und der Proserpine Spiele gefeiert für die Befreiung der Römer.

Als nun in der Folgezeit Krankheiten und Kriege überhand nahmen, dreihundert und zwei und fünfzig Jahre nach Erbauung der Stadt, gedachte der Senat, in den Orakeln der Sibylla ein Befreiungsmittel von den Uebeln zu finden, und gab den dazu bestellten Männern den Auftrag, die Orakel zu durchforschen. Da nun diese weissagten, das Unglück werde aufhören, wenn sie dem Pluto und der Proserpine opferten, suchte man den Ort auf, und brachte unter dem vierten Konsulate des Marcus Portius Opfer nach der Vorschrift dar. Nach vollendetem Opfer und erfolgter Befreiung deckten sie den, in einem äußersten Ende des Marsfeldes liegenden, Altar wieder zu. Zwar wurde auf eine Zeitlang dieses Opfer vernachläßigt; es erneuerte aber bei eingefallenem Unglücke die Feier wiederum Octavianus Augustus. Unter dem Konsulate des Lucius Censorinus und Marcus Mallius Publius, waren sie vorher und zu Augustus Zeiten unter dem Lucius Censorinus und Kajus Sabinus begangen worden. Atejus Kapito hatte die Gesetze der Spiele erklärt: die Zeit aber, da das Opfer mußte dargebracht und die Spiele aufgeführt werden, hatten die zur Bewahrung der Sibyllinischen Aussprüche bestellten Fünfzehner ausgeforschet. Nach dem Augustus aber feierte Klaudius das Fest, ohne die bestimmte Zahl der Jahre zu beobachten. Nach diesem Domitianus, welcher sich an Klaudius nicht kehrte, sondern den Zeitraum der Jahre seit der Feier des Augustus berechnete, und für gut fand die vom Anfange an überlieferte Regel zu beobachten. Nach diesen ordnete Severus, nebst seinen beiden Söhnen Antonius und Geta, eben dieses Fest unter dem Konsulate des Chlio und Libo an, nach Verlauf von beinahe hundert und zehen Jahren.

Folgendes ist schriftlichen Ueberlieferungen zu Folge die gesezmäßige Art der Feier des Fests. Herolde giengen vor dem Feste umher, und ermahnten jedermann zu einem Schauspiele zu kommen, welches sie weder vorher gesehen hatten, noch in Zukunft sehen würden. In der Folgezeit aber, wenige Tage vor Aufführung der Spiele, theilten die Fünfzehner, auf einer Erhöhung sitzend, in dem Kapitolium und dem Palatinischen Tempel, dem Volke die Reinigungen aus; nämlich Fackeln, Schwefel und Harz. Sklaven nehmen hieran keinen Anteil, blos Freye. Wenn nun das ganze Volk an den genannten Plätzen und in dem Dianentempel, welcher auf dem Aventinischen Hügel erbauet ist, sich versammelt hat: so empfängt jeder Weizen, Gerste und Bohnen; und dann feiert man den Parcen in aller Zucht die nächtlichen Spiele. Kömmt aber die Zeit des Festes selbst heran, welches man drei Tage lang auf dem Marsfelde und eben so viele Nächte begehet, so werden die Opferthiere an dem Gestade der Tieber [sic] in Tarent geweiht. Man opfert dem Jupiter, der Juno, dem Apollo, der Latona und Diana; und außerdem den Parcen und Ilithyjen der Ceres, dem Pluto und Proserpine. An dem ersten Tage der Spiele in der zweiten Stunde der Nacht opfert der Kaiser nebst den Fünfzehnern auf dreien, am Ufer des Flusses aufgerichteten Altären, drei Lämmer; und wenn er die Altäre mit Blut besprengt hat, verbrennt er die Opfer ganz. Auf dem, nach Art eines Zeltes erbauten Schauplatze, werden Lichter und Holzstöße angezündet, ein neu verfertigter Hymnus abgesungen und Schauspiele aufgeführt, welche der Heiligkeit des Festes gemäß sind. Zur Belohnung erhalten diejenigen, die Dienste dabei thaten, die Erstlinge der Früchte von Weizen, Gersten und Bohnen. Denn solche Früchte werden, laut meiner obigen Bemerkung, dem ganzen Volks ausgetheilt. An dem auf diese Nacht folgenden Tage geht man hinauf ins Kapitolium, bringt dort die bestimmten Opfer, begiebt sich von da auf die errichtete Schaubühne, und giebt dem Apollo und der Diana zu Ehren Schauspiele. Vornehme Matronen kommen an dem zweiten Tage, zu einer, vom Orakel bestimmten Stunde, zusammen, thun Gebete zu dem Gotte, und singen nach Sitte ihre Lobgesänge. Am dritten Tage aber singen in dem Tempel Apollo’s auf dem Palatinischen Berge dreimal neun Knaben mit eben so viel Jungfrauen, Kinder noch lebender vornehmer Äeltern, Hymnen in Römischer und Griechischer Sprache, und Päane, wodurch die den Römern unterworfenen Städte im Wohlstande erhalten werden. Auch andere Gebräuche werden nach der von der Gottheit vorgeschriebenen Weise verrichtet; wodurch die Römische Herrschaft unversehrt blieb. Damit man aber auch glaube, daß dieses wahrhaftig sich also bewährt habe, will ich den Orakelspruch der Sibylla beifügen, welcher schon vor meinen Zeiten von Andern ist angeführt worden.

„Kömmt aber des menschlichen Lebens fernstes Alter, im Kreise von hundert und zehen Jahren, dann gedenke, o Römer, und vergiß es ja nicht! gedenke dessen, was ich dir sage: Bringe Opfer den unsterblichen Göttern auf dem Gefilde neben dem Strome der Tiber, wo er am schmalsten fließt, wenn das Dunkel der Nacht die Erde bedeckt, und ihren Glanz die Sonne verbirgt. Dann opfere den Oceanstöchtern, den Parcen, Lämmer und Ziegen. Versühne dann auch mit Opfern die dunkelgestalteten, Kinder zur Welt fördernden, Ilithyjen mit Opfern, wie es sich ziemt. Drauf schlachte der fruchtbaren Tellus einen Eber nebst einem schwarzen Schwein. Stiere von weißer Farbe führe zu Jupiters Altare, am Tage, nicht bei der Nacht; denn den himmlischen Göttern gefällt ein Opfer am Tage. Gleich jenen seyen auch die Rinder! Eine strahlende Kuh empfange von deinen Händen der Juno Altar. Gleiche Opfer erhalte Latonens Sohn, Phöbus Apollo, welcher auch Helios (Sonne) heißt. Lobgesänge ihr ertönend müssen der Lateiner Knaben und Mädchen der Unsterblichen Tempel sich nahen; in besondern Reihen die Mädchen; in besondern die Chöre der Knaben. Aber von beiden müssen die Aeltern noch leben; noch blühen der Stamm, aus welchem sie sprossen. Die verheuratheten Frauen sollen an jenen Tagen auf den Knieen um Juno’s gepriesenen Altar sich reihen, und von der Göttin erflehen, daß sie allen Männern und Frauen, vornämlich den Frauen, ihre Wünsche gewähren. Jeder bringe aus seinem Hause, was den Sterblichen ziemt, als Erstling seiner Nahrung zum Sühnopfer den milden und seligen Göttern darzubringen. Aufgehäuft liege dieses alles auf den Altären, damit du den flehenden Frauen und Männern davon darreichest. Tage, und Nächte hindurch sey bei den göttlichen Wohnungen zahlreich die Versammlung, Ernst werde mit Scherzen gemischt. Stets erinnere sich dieser Gebote dein Herz; so wird das ganze Italische Erdreich und Latium ganz fortwährend unter dein Scepter sich beugen.“

Noch damals wurde die Herrschaft der Römer, der Wahrheit und dem Ausspruche des Orakels gemäß, fortwährend über den ganzen Erdkreis erhalten, so lange alle diese Gebräuche ordentlich beobachtet wurden. Nachdem aber das Fest, seit Diokletianus die Regierung niederlegte, versäumt wurde, zerfiel dieselbe allmählig, und sank, wie die Begebenheiten selbst ausweisen, dem größten Teile nach unbemerkt in Barbarei. Die Wahrheit meiner Behauptungen ergiebt sich auch noch aus folgenden Zeitberechnungen. Denn von dem Konsulate Chilons und Libons, als unter welchem Severus die säkularische Feier aufführte, verflossen bis zu dem neunten Konsulate des Diokletianus und dem achten des Marimianus, hundert Jahre und Eins. Und damals trat Diokletianus vom Kaiserthron in den Stand eines Privatmannes, und Maximianus that dasselbige. Als aber Konstantinus und Licinius schon dreimal das Konsulat verwaltet hatten, waren hundert und zehen Jahre erfüllet, um welche Zeit die säkularischen Spiele der Bestimmung, gemäß sollten gefeiert werden. Weil man aber dieses nicht beobachtete, so mußten wir in dieses uns jezt drückende Missgeschick gerathen.

[Konstantius u. Gallerius J. 305.] Diokletianus starb drei Jahre hernach. Die schon bestehenden Kaiser, Konstantius und Gallerius, ernannten den Severus und den Maximinus, Schwester-Sohn des Gallerius, zu Cäsarn und übertrugen dem Severus Italien, dem Maximinus aber die morgenländischen Provinzen. In dieser günstigen Lage der Staatsangelegenheiten und der gutwilligen Ruhe der Feinde in allen Gegenden wegen der vorigen glücklichen Fortschritte, faßte Konstantinus, des Kaisers Konstantins aus einer unregelmäßigen Verbindung mit einem unedeln Weibe gezeugter Sohn, der zwar vorher schon, nach der von Severus und Maximinus aber erlangten Casarwürde noch heftiger nach dem Kaiserthron strebte, den Entschluß, die Gegenden seines bisherigen Aufenthalts zu verlassen, und zu seinem Vater Konstantius sich zu begeben. Dieser war bei den Völkern jenseits der Alpen und hielt sich meistenteils in Britannien auf. Indessen aus Besorgniß, auf seiner Flucht ergriffen zu werden – denn wenigen war sein Streben nach der Kaiserwürde unbemerkt geblieben – lähmte er alle, in den Ställen des Staats auf dessen Kosten unterhaltene Pferde, so oft er an einen solchen Standort kam; ließ sie als unbrauchbar stehen, und bediente sich deren aus den nächsten Ställen. Indem er dieses von Posten zu Posten that, schnitt er die Mittel zu seiner Verfolgung ab, und kam in die Nähe der Völkerschaften, unter welchen sein Vater sich aufhielt.

Zufälligerweise starb Kaiser Konstantius zu dieser Zeit. Die Prätorianer, die von dessen rechtmäßigen Söhnen keinen des Purpurs würdig achteten, den Konstantins [sic] hingegen dazu tauglich fanden, und zugleich auf große Geschenke sich Hoffnung machten, verliehen ihm die Würde eines Cäsars. Als man nun in Rom, der Gewohnheit gemäß, sein Bildniß aufstellte, fand es Maxentius, Sohn des Maximianus Herkulius, unerträglich, daß Konstantinus, der Sohn einer Mutter von niedriger Abkunft, seinen Zweck erreichen, er hingegen, der Sohn eines so großen Kaisers, von den Seinigen verachtet bleiben, und andern die väterliche Herrschaft überlassen sollte. Er gesellte sich also zur Unterstützung in seinem Beginnen, die Kriegsobersten Marcellianus und Marcellus, und den Lucianus zu, welcher das, vom Staate dem Römischen Volke bestimmte, Schweinefleisch austheilte; außerdem noch die Leibwache, welche man Prätorianer nennt. Diese erhoben ihn auf den Kaiserthron, und erhielten die Verheißung großer Geschenke. Doch räumten sie vor der Ausführung ihrer Absicht zuerst den Abellius aus dem Wege, der die Stelle eines Stadtpräfekts versahe, und ihrem Beginnen zuwider schein.

Auf die Nachricht hiervon schickte Maximinanus Gallerius den Cäsar Severus ab, um den Maxentius zu bekriegen. Aus Mailand rückte er mit den Maurischen Völkern aus; allein Maxentius, der dessen Soldaten größtentheils mit Gelde bestochen und den Obersten der Prätorianer, Anullinus, auf seine Seite gebracht hatte, behielt die Oberhand. Severus floh nach der festen und volkreichen Stadt Ravenna, welche hinreichend Lebensmittel für ihn und sein Heer hatte. Maximianus Herkulius, der diese Vorfälle erfuhr, gerieth wegen seines Sohns Maxentius in Besorgnisse, und verließ Lukanien, worinn er damals sich aufhielt, und eilte nach Ravenna. Weil er aber einsah, daß man den Severus nicht zwingen könne, dasselbe zu verlassen, weil es feste und mit hinlänglichen Lebensmitteln versehen war, so hintergieng er ihn durch Eidschwüre, und beredete ihn, nach Rom zu kommen. Auf der Reise dahin wurde er an einem Platze, Tres Tabernä genannt, von einem, durch den Maxentius ausgestellten Hinterhalte, ergriffen und erdrosselt. Aufgebracht über diese Behandlung des Cäsar Severus, beschloß Maximianus Gallerius, aus dem Morgenlande einen Zug nach Rom, um den Maxentius nach Verdienst zu züchtigen. Allein bei seiner Ankunft in Italien ward er eine Abneigung der Soldaten gegen sich gewahr, und kehrte deswegen, ohne in ein Treffen sich einzulassen, in den Orient zurück. Indessen ward auch Maximianus Herkulius über die Verwirrungen im Staate verdrüßlich, und begab sich zu Diokletianus, der damals in Karnutum, einer gallischen Stadt, sich aufhielt; und suchte ihn zu bereden, die Kaiserherrschaft wieder anzunehmen, und nicht zu gestatten, daß das von ihnen so lange und so mühsam gerettete Reich durch unsinnige Jugend und den Unverstand derer, die sich zur Herrschaft dringen, zerrüttet würde. Allein Diokletianus, welcher Ruhe der Verwaltung von Staatsgeschäften vorzog, vielleicht auch als ein Götterverehrer die künftige Verwirrung im Staat voraussah, gab dessen Bitten nicht nach, weswegen Herkulius, der schon bis Ravenna gekommen war, wiederum zu den Alpen zog, um mit dem dort sich aufhaltenden Konstantinus, sich zu unterreden. Von Natur unruhig und treulos, versprach er diesem seine Tochter Fausta zur Gemahlin, und nachdem er sein Versprechen erfüllt hatte, suchte er ihn in trügerischer Absicht dahin zu bereden, daß er den aus Italien abziehenden Gallerius Maximianus verfolgen, und dem Maxentius heimlich nachstellen solle. Als er den Konstantinus dazu beredet hatte, verließ er ihn, und trachtete also die Herrschaft wiederum zu erhalten, weil er hofte, seinen Eidam Konstantinus und seinen Sohn Maxentius mit einander zu entzweien.

Während er damit umgieng, ernannte Maximinianus Gallerius den Licinius, den er aus alter Freundschaft dazu tauglich achtete, zum Kaiser, in der Absicht, sich dessen zum Kriege gegen den Maxentius zu bedienen. In diesen Unternehmungen starb aber Gallerius an einer tödtlichen Wunde, und also behielt Licinius die Herrschaft. Herkulius Maximianus aber, der, wie schon gemeldet, die Regierung wieder an sich zu ziehen versuchte, gab sich Mühe, die Soldaten dem Maxentius abgeneigt zu machen. Als hingegen dieser durch Geschenke und flehentliches Bitten dieselben sich ergeben erhielt, so versuchte er auch dem Konstantinus durch dessen Soldaten nachzustellen; Fausta aber merkte dieses Vorhaben, und entdeckte es dem Konstantinus. Das Mislingen aller seiner Versuche stürzte den Herkulius in Verzweiflung und in eine Krankheit, die in der Gegend von Tarsus seinem Leben ein Ende machte.

Glücklich der Nachstellung entgangen, glaubte Maxentius, die Herrschaft feste zu besitzen, und schickte Abgeordnete nach Afrika und Karthago, um dorten sein Bildniß umher zu tragen. Die dortigen Kriegsheere verhinderten dieses aus einem wolwollenden Andenken an Gallerius Maximianus. Als sie aber merkten, daß, dieser Widersezlichkeit halben, Maxentius sie mit Kriege zu überziehen im Begriff stehe, so zogen sie sich nach Alexandrien, stießen, aber auf zahlreiche Schaaren, denen sie keinen Widerstand zu leisten vermochten, und seegelten nach Karthago zurück. Aufgebracht hierüber, wollte Maxentius einen Seezug nach Afrika unternehmen, um diese Verbrechen zu bestrafen. Allein die opfernden Wahrsager kündigten das Ungünstige der Opfer an, und nicht nur deswegen verschob er die Abfahrt, sondern auch aus Besorgnis, Alexander, welcher die Stelle eines Statthalters von Afrika verwaltete, möchte sich widersetzen. Um nun für seine Ueberfahrt aus Italien nach Afrika sich von aller Besorgniß frei zu machen, wandte er sich an Alexandern, und verlangte von demselben die Ueberlieferung seines Sohnes als Geisel. Dieser Sohn Alexanders war schön und in der Blüte der Jugend; weshalb der Vater aus Argwohn, der Kaiser fordere denselben nicht, um ein Unterpfand zu haben, sondern zu treulosen Handlungen, die zu diesem Zwecke Abgeordneten abwies. Maxentius schickte aber hernach andere, denselben umzubringen, welche Nachstellung durch Verrätherei kund ward, und den Soldaten bequemen Anlaß gab, abzufallen, und dem Alexander den Purpur umzulegen; einem Manne, der von Geburt ein Phrygier, furchtsam und unbeherzt, auch bei jeder Unternehmung zögernd, überdies auch bei hohen Jahren war.

Um diese Zeit brach zu Rom ein Feuer aus, von welchem es ungewiß ist, ob es ein Bliz oder unterirdisch war, und verzehrte den Tempel der Fortuna. Als nun iedermann zu dessen Löschung herbei eilte, stieß der Soldaten einer Lästerungen gegen die Götter aus. Der Pöbel rächte sie, seiner Frömmigkeit gemäß, durch Ermordung des Lästerers; reizte aber hierdurch die Soldaten zum Aufruhr, in welchem die Stadt beinahe. wäre zu Grunde gerichtet worden, wo nicht Maxentius eilends ihre Wuth besänftigt hätte.

Nach diesen Vorfällen suchte er einen Vorwand zum Kriege gegen Konstantinus, und stellte sich über seines Vaters Tod beleidigt, wovon er demselben die Schuld beimaß.1 Seinen Zug gedachte er durch Rhätien, welches an Gallien und Illyrien, gränzt, zu nehmen. Denn er schmeichelte sich sogar, Dalmatien und Illyrien mit Hilfe der Befehlshaber der dortigen Kriegsheere und der Soldaten des Licinius an sich zu bringen. Doch fand er nöthig, vor diesen Unternehmungen zuvor noch die Angelegenheit in Afrika zu berichtigen; und brachte daher ein Heer zusammen, das er unter den Befehlen des Obersten der Leibwache, Rufius Volusianus, welchem er noch den Zenas, einen wegen seiner Kriegserfahrenheit und Herzensgüte berühmten Mann, zugesellte, nach Afrika abschickte. Beym ersten Angriffe warfen sich Alexanders Krieger auf Einen Haufen zurück, Alexander selbst wich mit ihnen, und ward nach Besiegung seiner Soldaten, ergriffen und erwürgt. Nach solchem Ende des Krieges bekamen falsche Ankläger ein weites Feld, beinahe alle, welche in Afrika von ausgezeichnetem Stande oder Vermögen waren, als Anhänger Alexanders anzugeben. Niemand wurde geschont, ein Theil verlor das Leben, ein anderer seine Güter. Ja, man führte wegen des Karthago zugefügten Uebels einen Triumph in Rom auf. Also betrug sich Maxentius nach dieser Verrichtung, und verübte gegen Italien und Rom selbst alle Grausamkeit und Ausgelassenheit.

Konstantinus, der ohnedies schon Verdacht gegen ihn gefaßt hatte, rüstete sich damals noch stärker zum Kampfe wider ihn; [Konstantius und Licinius J. 312.] und sammelte ein Heer aus den im Kriege bezwungenen Barbaren und Deutschen und den übrigen Celtischen Völkerschaften, wozu er noch die Soldaten aus Britannien stoßen ließ. Mit diesem aus neunzigtausend Fußgängern und achttausend Reitern bestehenden Heere rückte er von den Alpen herab in Italien ein. Den Städten, die sich ihm unterwarfen, fügte er kein Leid zu; zerstörte hingegen diejenigen, welche zu den Waffen griffen. Unter den Fahnen des Maxentius, der mit einem stärkern Heere sich rüstete, fochten bis auf achtzig Tausend Römer und Italer und alle an den Seeküsten wohnende Etrusker. Auch die Karthaginenser hatten vierzig Tausend gesendet; und außer diesen die Sicilianer; also daß sein ganzes Heer hundert und siebenzig Tausende zu Fuß, und achtzehn Tausende zu Pferd ausmachte. Indem beide Gegner mit dieser Kriegsmacht gerüstet waren, schlug Maxentius eine Brücke über die Tiber, welche jedoch nicht von demjenigen Ufer, das gegen die Stadt lag, bis an das andere ununterbrochen zusammenhing, sondern in zwei Theile dergestalt zertrennet war, daß mitten auf dem Strom eiserne Haken an einander eingehängt waren, die jedesmal auseinander genommen wurden, so oft man die Brücke nicht vereinigt haben wollte. Hierauf befahl er den Bauleuten, sobald sie Konstantins Heer auf dem Vereinigungspunkte der Brücke sähen, die Haken zu öfnen und die Brücke zu trennen, damit alle, die auf derselben stünden, in den Fluß stürzten. Diese List hatte Maxentius ersonnen!

Konstantinus rückte mit seinem Kriegsheere, vorwärts, und schlug in einem offenen, für die Reiterei bequemen Felde vor Rom ein Lager. Maxentius aber schloß sich in die Stadt ein, brachte Opfer den Göttern, forschte von Wahrsagern den Ausgang des Kriegs, und schlug die Sibyllinischen Weissagungen nach. Hier fand er einen Orakelspruch: daß derjenige, welcher die Römer ins Unglück bringe, eines jämmerlichen Todes sterben müsse. Diesen Ausspruch deutete er auf sich, als wenn er die Feinde Roms, welche dasselbe zu erobern gedächten, abtreiben würde. Der Ausgang aber zeigte den wahren Sinn. Denn als Maxentius seine Schaaren vor die Stadt hinaus führte und über die von ihm selbst errichtete Brücke zog, so flogen Nachteulen in unendlicher Menge herab, und erfüllten die Mauer. Auf diesen Anblick gab Konstantinus den Seinigen Befehl sich in Schlachtordnung zu stellen. Wie nun die beiden Flügel des Heers gegen einander standen, ließ Konstantinus die Reiterei vorrücken, die durch ihren Angrif die Feindliche niederwarf. Nun rückte auch das Fußvolk auf gegebenes Zeichen, in Ordnung gegen den Feind vor. In der Hitze des Treffens aber bewiesen sich die Römischen und Italischen Völker zaudernd in der Gefahr, weil sie der harten Tyrannei los zu werden wünschten; von den übrigen Soldaten hingegen fiel eine unbeschreibliche Menge, die von den Reitern zertreten, oder vom Fußvolk niedergemacht wurden. So lange noch die Reiterei Stand hielt, schien Maxentius noch Hofnung zu haben; als aber auch diese wich, ergriff er mit dem Reste die Flucht, über die Brücke der Stadt zueilend. Allein das Holzwerk vermochte nicht, die Last zu tragen, und brach; also daß nebst vielen andern Maxentius vom Strom fortgerissen wurde.

Bei der Botschaft von diesem Siege, wagte niemand in der Stadt, darüber seine Freude an Tag zu legen, weil einige dieselbe für erdichtet hielten. Als aber das Haupt des Maxentius auf einem Spieße herum getragen wurde, legten sie die Furcht ab, und ihre Niedergeschlagenheit verwandelte sich in Freude. Nach diesem Erfolge übte Konstantinus nur an einigen wenigen Vertrauten des Maxentius Strafe aus; die Prätorianer aber vertilgte er, riß ihre Kastelle nieder, ordnete die Angelegenheiten Roms, und zog zu den Celten und Galliern. Nun ließ er den Licinius nach Mailand kommen, und gab ihm seine Schwester Konstantia zur Gemahlin, die er ihm schon vorher, um ihn zum Freunde gegen Maxentius zu haben, versprochen hatte. Nach dieser Verrichtung kehrte Konstantinus zu den Celten zurück. Zwischen Licinius aber und Maximinus entzündete sich ein bürgerlicher Kriege, welcher nach einem heftigen Treffen in Illyrien zum Nachtheil des Licinius auszuschlagen schien; allein in der gleich wieder erneuerten Schlacht schlug er den Maximinus in die Flucht, der durch die morgenländischen Provinzen nach Aegypten entwich, in der Hofnung, hinlängliche Macht zum Kriege aufzubringen; in Tarsus aber den Geist aufgab.

Auf diese Weise beruhete die ganze Herrschaft auf Konstantinus und Licinius, welche nach einem gar kurzen Zwischenraum mit einander in Streit geriethen. Zwar gab Licinius keine Ursache; Konstantinus aber bewies sich, seiner Gewohnheit gemäß, treulos in Rücksicht der zwischen ihnen bestehenden Uebereinkunft, und suchte einige Völkerschaften, welche der Herrschaft des Licinius zu Theil geworden, von dem selbigen abzuziehen. Die Feindschaft nahm ihren Ausbruch, und beide Theile zogen ihre Kriegsmacht zu einer Schlacht zusammen. Licinius sammelte sein Heer bei Cibalis, einer Stadt in Pannonien. Sie liegt auf einem Hügel, wohin ein schmaler nur fünf Stadien breiter Weg führt; und ist gröstentheils von einem tiefen Moraste umgeben. Das übrige ist ein Berg, auf welchem der Hügel ist, dessen Rücken die Stadt trägt. Nahe dabei öfnet sich eine ausgedehnte und unübersehbare Ebene. Auf dieser lagerte Licinius, und dehnte seine Phalanx unten an dem Hügel aus, um seinen Flügeln den Schein der Schwäche zu benehmen. Konstantinus hingegen schlug sein Lager am Berge auf, und stellte seine Reiterei an die Spize; was er fürs nüzlichste erachtete, damit das zum Angrif langsamere Fußvolk nicht vom Feinde überfallen, und dadurch vorzurücken gehindert würde. Sein Angrif war rasch und siegend, in dem er sogleich auf die Feinde losstürzte; und nicht leicht war ein Treffen hitziger. Denn als alle Wurfwaffen bei beiden Heeren verschossen waren, stritt man lange Zeit mit Schwerdtern und Lanzen gegen einander. Endlich siegte am Abend, da die Schlacht frühe begonnen hatte, der rechte Flügel, welchen Konstantinus anführte. Als nun die Legionen, welche bei dem Licinius waren, den jenem gegenüber stehenden Flügel auf der Flucht, und ihn selbst auf das Pferd sich schwingen und zum Fliehen bereit sahen, wagten sie es nicht länger, auf ihrer Stelle zu bleiben, noch Speise zu sich zu nehmen, sondern sie ließen Schlacht- und Zugvieh und ihr übriges Gepäcke alles im Stiche, nahmen nur soviele Lebensmittel mit sich, als die Stillung des Hungers für jene Nacht forderte; und erreichten in gröster Eile mit dem Licinius Syrmium. Dieses ist eine Stadt in Pannonien, vor welcher auf der einen Seite ein Fluß vorbeifließt, welcher in den Ister fällt. Auch an ihr eilte er vorbei, warf die Brücke über den Fluß ab und rückte immer weiter, in der Absicht, eine Kriegsmacht aus Thracien zusammen zu bringen.

 

Konstantinus im Besitze von Cibalis, Syrmium und allem, was der fliehende Licinius verlassen hatte, schickte, ihn zu verfolgen, fünftausend Legionsoldaten ab. Doch konnten sie dem Licinius nicht zuvorkommen, weil sie den Weg nicht kannten, den er auf seiner Flucht genommen. Konstantinus stellte die von Licinius abgeworfene Brücke über den Saufluß wieder her, und folgte dessen Heer auf dem Fuße nach, und gelangte, als er nach Thracien gekommen war, zum Lager des Licinius in einer Ebene. Noch in eben der Nacht, in welcher er angekommen war, stellte er seine Kriegsmacht in Schlachtordnung; und gab den Soldaten Befehl, gleich mit Anbruche des Tages sich zur Schlacht zu rüsten. Am Tage erblickte Licinius den Konstantinus mit seinem Heere und stellte das seinige gleichfalls in Schlachtordnung. Mit ihm nahm noch Valens am Kriege Theil, als welchen er nach der Flucht von Cibalis zum Cäsar ernannt hatte. Als die Schlacht begann, und beide Theile noch entfernt standen, gebrauchte man Wurfwaffen. Wie aber diese verbraucht waren, ging man mit Lanzen und Säbeln auf einander loß. Indem noch unter den Heeren der Streit heftig war, kamen diejenigen, welchen Konstantinus den Befehl zur Verfolgung des Licinius gegeben hatte, zu dem Streit der beiden Heere von einem Orte her, der eine ferne Aussicht hatte. Sie nahmen daher ihren Weg über einen Hügel, von welchem her sie sich mit den Ihrigen vereinigen, und die Feinde umringen wollten. Dagegen verwahrten sich aber des Licinius Soldaten, und leisteten gegen alle Seiten hin tapfern Widerstand, so daß von beiden Parteien unzählige auf dem Platze blieben, und bei unentschiedenem Kriegsglücke die Heere auf ein gegebenes Zeichen sich trennten.

Des andern Tages kam man über einen Waffenstillstand überein, und schloß eine Vereinigung und Freundschaftsbündniß unter der Bedingung, daß Konstantinus die Herrschaft von Illyrien und allen jenseits liegenden Völkerschaften; Licinius aber von Thrakien, den morgenländischen Provinzen und den weiter hinausliegenden haben; Valens aber, der von Licinius ernannte Cäsar, als angebliche Ursache der unglücklichen Vorfälle, seines Lebens beraubt werden solle. Man beschwor hierauf diesen Vertrag, und, um dessen Beobachtung von beiden Seiten noch mehr zu befestigen, ernannte Konstantin den Krispus, seinen Sohn von einer Beischläferin Namens Minerva, der schon die Jünglingsjahre erreicht hatte, zum Cäsar; desgleichen den, kurz vorher zu Arles geborenen, Konstantinus; Licinius Sohn hingegen, Licinianus, ward in einem Alter von zwanzig Monaten nebst denselben zu gleicher Würde erhoben. Also endigte sich (Konstantins) zweiter Krieg.

Auf die Nachricht, daß die an dem See Mäotis wohnenden Sarmaten1 mit Schiffen über die Donau sezten, und die ihm unterwürfigen Gegenden plünderten, führte er seine Kriegsmacht gegen dieselbigen. Da ihm aber die Barbaren nebst ihrem Könige Rausimodus begegneten, griffen die Sarmaten zuerst eine mit hinreichender Besatzung versehene Stadt an. Die Mauer dieser Stadt war von der Erde bis zu einer gewissen Höhe von Steinen erbaut; der oberste Theil war von Holz. In Hoffnung, daß man die Stadt, wenn nur der hölzerne Theil abgebrannt wäre, leichtlich einnehmen werde, brachten die Sarmaten Feuer an die Mauer, und schossen Pfeile auf diejenigen, so auf derselben stunden. Diese aber erlegten von den Barbaren viele mit Steinen und Wurfwaffen, welche sie von ihrem günstigen Standpunkte auf sie herabwarfen, und überdies kam Konstantinus den Barbaren in den Rücken, machte deren viele nieder, und nahm einen größern Theil gefangen, so daß der Rest mit der Flucht sich rettete. Rausimodus, der den größten Theil der Seinigen verloren hatte, kehrte über den Ister zurück, des Vorhabens, ein andersmal die Römische Landschaft zu plündern. Diese Nachricht bewog den Konstantinus, sie zu verfolgen; er holte auch wirklich die Flüchtlinge bei einem waldichten Hügel ein, und griff sie an. Viele von ihnen erlegte er; unter andern auch den Rausimodus; viele bekam er gefangen, und was noch übrig war, ergab sich mit aufgehobenen Händen dessen Schutze. Und auf solche Art kehrte er in sein Hauptquartier zurück.

Diese Gefangne vertheilte er in die Städte, gieng nach Thessalonich und legte dorten einen Hafen an, womit es vorher nicht versehen war. Und nun rüstete er sich wiederum zum Kriege gegen Licinius. Gegen zweihundert Schiffe mit dreißig Rudern ließ er erbauen, und mehr als zwei tausend Transportschiffe zusammen bringen. Sein Fußvolk belief sich auf hundert und zwanzig Tausend; Seesoldaten und Reiter auf zehen Tausend. Auf den Bericht, daß Konstantinus mit Kriegszurüstungen sich beschäftige, sandte Licinius Abgeordnete an die Völkerschaften und legte ihnen auf, Kriegsfahrzeuge, und eine wohlgerüstete Macht zu Fuß und zu Pferde aufzubringen. In aller Geschwindigkeit schickten die Aegyptier achtzig Schiffe mit drei Reihen von Ruderbänken; von gleicher Beschaffenheit die Phönicier eben soviele; die asiatischen Ionier und Dorier sechzig; die Einwohner von Cypern dreißig; die Carier zwanzig; die Bithynier dreisig, und fünfzig lieferte Afrika. Die Kriegsvölker zu Fuße beliefen sich gegen hundert und fünfzig Tausend; die Zahl der Reiter betrug fünfzehn Tausend. Diese stellte Phrygien und Kappadocien. In dem Seehafen Piräeus befand sich Konstantins Flotte, und die des Licinius im Hellespont. Bei dieser Einrichtung ihrer beiderseitigen Kriegsmacht, lagerte sich Licinius bei Adrianopel, einer Thracischen Stadt; Konstantinus ließ seine, meist aus griechischen Schiffen bestehende Seemacht aus dem Piräeus absegeln, und rückte zugleich mit seiner Landmacht aus Thessalonich vor und schlug neben dem Ufer des Hebrus, welcher auf der linken Seite von Adrianopel fließt, sein Lager. Licinius stellte sein Heer von dem, an der Stadt liegenden Berge an zweihundert Stadien weit, bis zur Vereinigung des Tunsaflusses mit dem Hebrus, in Schlachtordnung und also standen die Heere mehrere Tage gegen einander über. Nun untersuchte Konstantinus die geringste Breite des Flusses und ersann folgende List. Er ließ durch seine Soldaten Holz von dem Berge herabführen und Stricke flechten, als gedächte er eine Brücke zu schlagen, und dort über den Fluß zu setzen. Hierdurch hinterging er seine Feinde und brachte auf eine sehr waldichte Anhöhe, worinn er Soldaten versteckt halten konnte, fünf tausend Bogenschützen und achtzig Reiter. Er selbst, nahm zwölf Reiter, sezte mit diesen über den Hebrus, wo er zugleich am schmalsten und untiefsten war, griff die Feinde, welche dergleichen etwas nicht erwarteten, an, so daß einige niedergemacht wurden, viele in Verwirrung davon flohen, die übrigen aber bestürzt und ganz erstaunt über das unvermuthete Hinübersetzen da stunden. Weil nun die übrige Reiterei sicher, und nach und nach auch das ganze Kriegsheer übersezte, so entstand ein großes Gemetzel. Denn es fielen, etwa vier und dreißig Tausend. Gegen Sonnenuntergang begab sich Konstantinus in sein Lager; Licinius hingegen sammelte von den Seinigen, so viele er konnte, und eilte durch Thracien, um seine Flotte zu erreichen.

Mit Anbruche des Tags ergaben, sich alle Soldaten von des Licinius Heere, die sich entweder auf das Gebirge oder in Thäler geflüchtet hatten, an den Konstantinus, nebst denen, welche bei Licinius Flucht zurücke geblieben waren. Er selbst floh nach Byzantium; Konstantinus folgte ihm nach, und schloß die Stadt ein. Die Flotte Konstantins aber war, wie erzählt, aus dem Piraeus abgeseegelt, und nahm ihre Richtung gegen die Macedonische Küste. Konstantinus schickte den Anführern Befehl, ihre Schiffe an die Mündung des Hellesponts zu stellen. Nach dem die Flotte befohlenermaßen angekommen war, fanden die Admiräle für gut, nur mit achtzig dreiruderigen Schiffen, welche die besten Seegler waren, sich in ein Treffen einzulassen, weil die Meerenge für eine große Anzahl von Schiffen nicht groß genug war. Abantus hingegen, Admiral der Flotte des Licinius, seegelte mit zweihundert Schiffen heran, voll Verachtung der geringen Anzahl der Feindlichen Schiffe, welche er leichtlich zu umringen hoffte. Auf die beiderseits gegebenen Zeichen zum Angriffe seegelten sie mit den Vordertheilen gegen einander, und insbesondere beobachteten Konstantins Admiräle beim Andringen auf den Feind alle Ordnung. Von Seiten des Abantus aber geschah das Vordringen ohne Ordnung, wodurch seine durch ihre Menge in einen engen Raum gedrängten Schiffe, aneinander stießen, und er selbst dem Feinde es leicht machte, solche zu versenken, und auf allerlei Weise zu vernichten. Nach einem großen Verlust an Schiffern und Soldaten, welche ins Meer stürzten, machte die hereinbrechende Nacht dem Seetreffen ein Ende. Die eine Flotte richtete ihre Fahrt in den Eleischen Hafen von Thracien, die andere in den Hafen des Ajax.

Tags darauf segelte Abantus mit einem starken Nordwinde aus dem Hafen des Ajax, und rüstete sich wieder zum Treffen. Weil indessen die dreißigrudrigen Schiffe, welche bishero an der Mündung des Hellesponts gestanden hatten, nach dem Befehle der Admiräle in den Hafen Eläus gekommen waren, so trug Abantus, über die große Anzahl Schiffe bestürzt, Bedenken, die Feinde anzugreifen. Gegen Mittag erhob sich, statt des Nordwindes, ein heftiger Wind aus Süden, welcher die an den asiatischen Küsten befindliche Flotte des Licinius theils auf den Strand jagte, theils an Klippen warf, theils mit der Bemannung versenkte; dergestalt, daß fünf tausend Menschen und nebst ihrer Besatzung hundert und dreißig Schiffe zu Grunde giengen, auf welchen Licinius einen Theil seines Heeres aus Thracien nach Asien hatte übersetzen wollen, weil Byzantium nebst seiner Besatzung nicht auch diese Menge noch fassen konnte. Die Flucht des Abantus mit vierzig Schiffen nach Asien machte also dem Streite zur See ein Ende. Nachdem auch die Schiffe angekommen waren, welche den Feldherren des Konstantinus allerlei Bedürfnisse und vornämlich eine große Menge von Proviant in den Hellespont zuführten, so fuhren sie mit der ganzen Flotte aufwärts, um sich mit den Belagerern von Byzantium zu vereinigen, und auch von der Seeseite die Stadt einzuschließen. Die Landvölker des Licinius hielten den Anblick der Seemacht nicht aus, verschafften sich Schiffe und segelten nach Eläunt.

Konstantinus betrieb unterdessen die Belagerung von Byzantium, errichtete einen Erdhügel von gleicher Höhe mit der Mauer, und bauete auf denselben hölzerne Thürme, welche sie an Höhe übertrafen. Von diesen griff er die Vertheidiger der Mauer mit Pfeilen an, damit er Mauerbrecher und andere Belagerungsmaschinen mit Sicherheit gebrauchen, und die Stadt erobern konnte. Licinius gerieth hierüber in Verlegenheit, und beschloß, sich aus Byzanz zu ziehen, den schwächsten Theil seines Heeres daselbst zu lassen, und nebst seinen erprobtesten Anhängern nach Chalkedon in Bithynien zu schiffen. Denn er hoffte zuversichtlich, ein neues Heer in Asien zusammen zu bringen, und noch einmal eine Schlacht wagen zu können. Er seegelte demnach nach Chalkedon, und ernannte, um einen Gefährten in seiner gefährlichen Lage zu haben, Martinianus, den Obersten seiner Hofämter, in Römischer Sprache, Magister Officiorum genannt, zum Cäsar.) Diesen ordnete er mit einem Heere nach Lampsacus ab, um den Feinden den Uebergang aus Thracien über den Hellespont zu verwehren; er selbst aber stellte seine Schaaren auf die Anhöhen und in die Thäler von Chalkedon.

Während Licinius solche Anstalten machte, suchte Konstantinus, vermittelst der Menge seiner Last- und Kriegsschiffe, sich der gegenüber liegenden Küste zu bemeistern. Weil jedoch Bithyniens Küste, vornämlich für die Lastschiffe eine gefährliche Landung darbot, so ließ er aufs schnellste Kähne und Nachen erbauen, mit welchen er an das sogenannte heilige Vorgebürge, das an der Mündung des Pontus liegt, und zweihundert Stadien von Chalkedon entfernt ist, abseegelte. Hier setzte er seine Völker ans Land, besetzte einige Hügel und stellte seine Macht auf dieselbigen. Licinius sah hierdurch ganz Bithynien in feindlichen Händen, und rief als ein Mann, der in keiner Gefahr die Gegenwart des Geistes verlor, den Martinianus aus Lampsakus herbei. Seine Soldaten ermunterte er, versprach sie selbst ins Treffen zu führen, und stellte sie in Schlachtordnung. Indem er aus der Stadt auszog, stieß er auf die schlechtgerüsteten Feinde. Zwischen Chalkedon und dem Tempel begann eine mörderische Schlacht, worin Konstantins Heer siegte, indem es die Feinde mit großem Ungestümm angrif, und eine solche Niederlage anrichtete, daß von hundert und dreißig Tausenden kaum dreißig Tausend davon kamen. Zugleich öffnete auch Byzantium seine Thore, und empfing den Konstantinus. Dasselbige thaten auch die Chalkedonier. Nach dieser Niederlage wich Licinius mit den übrigen Reitern und wenigen Tausenden zu Fuß nach Nikomedia.

Um diese Zeit flüchtete sich an den Hof des Kaisers Konstantinus, ein Persischer königlicher Prinz, Namens Hormisdas, aus folgender Ursache. Als sein Vater, König der Perser, nach Landessitte seinen Geburtstag feierlich begieng, kam Hormisdas in das königliche Schloß, und brachte vieles Wildpret mit. Da aber die zum Gastmahl Eingeladenen ihm weder Ehre bezeugten, noch dem Wohlstand gemäß vor ihm aufstanden, ward er unwillig, und drohte ihnen mit dem Tode des Marsyas. Nun verstanden die Wenigsten diese ausländische Redensart. Ein Priester aber, welcher in Phrygien sich aufgehalten, und die Erzählung von dem Schicksal des Marsyas gehört hatte, erklärte den neben ihm Sitzenden den Sinn von der Drohung des Hormisdas. Diese vergassen diese Drohung nicht, sondern erinnerten sich derselben bei dem Tode des Vaters von Hormisdas und erwählten dessen jüngern Bruder zum Könige; wiewohl das Gesez die Königsgewalt dem ältesten unter den königlichen Söhnen bestimmte; den Hormisdas aber legten sie in Fesseln und verwahrten ihn auf einer Anhöhe vor der Stadt. Nach Verlauf einiger Zeit ersann ihm seine Gemahlin auf folgende Weise ein Mittel zur Flucht. Sie verbarg in dem Bauche eines Fisches, eine eiserne Feile, nähte solchen wiederum zu, gab ihn einem sehr vertrauten Verschnittenen, und ließ dem Hormisdas wissen, daß er den Fisch in Niemandes Gegenwart essen, und das, was er in dessen Bauch finde, zu seiner Rettung anwenden solle. In dieser Absicht schickte sie Kameele, mit vielem Wein und Speise beladen, ab, und ließ ihres Gemahls Wächter davon schmaussen. Unterdessen fand Hormisdas in dem geöffneten Fische die Feile, mit der er darauf seine Fesseln durchschnitt; hernach des Verschnittenen Kleider anlegte, und mitten durch die schon betrunkenen Wächter entkam. In Begleitung eines Verschnittenen gelangte er zum Armenischen Könige, seinem Vertrauten und Gastfreunde. Durch dessen Hülfe kam er ohne Gefahr an Konstantins Hof, und ward dort mit aller Achtung und Ehrenbezeugung aufgenommen. So verhielt sich diese Begebenheit.

Licinius, welcher von Konstantinus auch in Nikomedien belagert wurde, verlor alle Hoffnung, weil er seine Kriegsmacht, eine Schlacht zu wagen, zu schwach wußte. Deswegen begab er sich zu Konstantinus, als Bittender, legte den Purpur vor ihm nieder, nannte ihn laut seinen Kaiser und Herrn und bat wegen des Geschehenen, um Verzeihung. Denn er hoffte zuversichtlich, sein Leben zu retten, weil seine Gattin darüber eidliche Zusicherung von Konstantinus erhalten hatte. Konstantinus übergab den Martinianus seinen Trabanten zur Hinrichtung; den Licinius hingegen sandte er nach Thessalonich, um dort sein Leben in Sicherheit zu beschließen. Aber nicht lange hernach brach er, nach seiner gewöhnlichen Weise, den Eid, und ließ denselben erdrosseln.

Wie nun Konstantinus sich im Besitze der Alleinherrschaft fand, verbarg er seine natürliche schlimme Denkungsart nicht länger, sondern handelte überall nach Gewalt. Zwar blieb er noch bei dem väterlichen Gottesdienste, weniger aus Ehrfurcht, als Noth; weswegen er auch den Wahrsagern Zutrauen schenkte, aus Erfahrung, daß sie in Rücksicht aller seiner, mit gutem Erfolge verrichteten, Thaten, die Wahrheit gesagt hatten. Nachdem er aber voll Uebermuths zu Rom angekommen war, begann er seine Gottlosigkeit gegen seine eigene Familienreligion, indem er seinen, wie vorher bemerkt, zum Cäsar ernannten Sohn Crispus aus Verdacht eines Umgangs mit seiner Stiefmutter, Fausta, ohne Rücksicht auf die Bande der Natur, umbrachte. Helena, Konstantins Mutter, empfand diese Handlung übel und härmte sich sehr über die Ermordung des Prinzen; Konstantinus aber heilte, gleichsam als wollte er sie trösten, ein Uebel mit einem noch größern. Denn er schloß Fausta in ein unmäßig angeheiztes Bad, aus welchem sie todt herausgetragen wurde. Solcher Thaten und überdieß falscher Eidschwüre sich bewußt, begehrte er von den Priestern Aussühnung seiner Verbrechen. Auf ihre Antwort, daß es keine Reinigungsweise für solche Gottlosigkeiten gebe, gelangte ein gewisser Aegyptier, welcher, in Spanien gewesen, und mit dem Hoffrauenzimmer bekannt war, zu einer Unterredung mit Konstantinus, und versicherte ihn: die Christliche Lehre tilge alle Sünden, und enthalte die Verheißung, daß die Gottlosen, welche dieselbe annähmen, sogleich von aller Sünde gereinigt würden. Diese Nachricht nahm Konstantinus sehr begierig an, verließ seinen väterlichen Gottesdienst, hielt sich an dasjenige, was der Aegyptier ihm beibrachte, und machte den Anfang seiner Irreligion damit, daß er die Wahrsagerei für verdächtig hielt. Denn weil ihm vermittelst derselben vieles Glück, welches sich durch die That bewährete, voraus verkündiget wurde, so besorgte er, es möchte auch andern, die zu seinem Nachtheile etwas erforschten, die Zukunft voraus eröffnet werden. Und in dieser Absicht entschloß er sich zu deren Zerstörung. Als aber nun an einem gewissen vaterländischen Feste) die Nothwendigkeit erforderte, daß die Reiterei aufs Kapitolium zog, stieß er unverschämte Spöttereien gegen diesen Zug aus; trat die Heiligkeit des Gottesdienst gleichsam mit Füßen, und lud hierdurch den Haß des Senats und des Volks auf sich.

Die nun gegen ihn von beinahe Jedermann ausgestoßenen Lästerungen fand er unerträgliche) und suchte daher eine Stadt, die Rom das Gegengewicht halten könnte, um sich in derselben einen Pallast zu erbauen. Als er zwischen Troas und dem alten Ilium einen, für die Erbauung einer Stadt bequemen Plaz gefunden hatte, legte er den Grund dazu, und brachte einen Theil der Mauer zu seiner Höhe; welchen man noch izt auf der Fahrt gegen den Hellespont sehen kann. Doch änderte er seinen Sinn; ließ den Bau unvollendet, und begab sich nach Byzantium. Die Lage dieser Stadt bewundernd, beschloß er, sie möglichst zu erweitern, und zur Residenz eines Kaisers geschickt zu machen. Denn sie liegt auf einer Anhöhe, und faßt einen Theil der Erdzunge in sich, welche das sogenannte Keras (Horn) [so hieß der Hafen] und der Propontis bilden. Ehedem hatte sie ein Thor an der Stelle, wo die Hallen sich endigen, welche Kaiser Severus erbauen ließ, nachdem sein gegen Byzanz, das seines Gegners Nigers Partei genommen, gefaßter Zorn sich gelegt hatte. An der Westseite erstreckte sich die Mauer vom Hügel bis zum Tempel der Aphrodite, und an das Meer, Chrysopolis [h. z. T. Scutari] gegenüber. Von der Nordseite der Anhöhe zog die Mauer sich auf gleiche Weise bis zum Hafen, herab, welcher den Namen Neorium (Schiffswerft) führt; und jenseits noch bis an das Meer gerade der Mündung gegenüber, durch welche man in den Pontus Eurinus hinanseegelt. Diese Erdzunge hat bis an den Pontus eine Länge von ungefähr dreihundert Stadien. Dieses ist die Größe der alten Stadt. Wo nun ehemals das Thor war, baute er ein Forum von runder Figur, umgab dasselbe mit doppelt bedeckten Hallen, und errichtete aus Prökonnesischem Marmor zwei sehr große, einander gegenüber stehende Triumphbogen, durch welche man einen Eingang in die Hallen des Severus und einen Ausgang aus der alten Stadt hatte. Weil er aber die Stadt noch sehr zu vergrößern dachte, so umgab er dieselbige mit einer neuen Mauer, welche fünfzehn Stadien weit von der alten entfernt war, und die Erdzunge von einer Seite des Meers zur andern umfaßte.

So wie er den Umfang der Stadt ausnehmend erweiterte, so errichtete er auch einen Pallast, welcher dem Römischen wenig nachstund. Desgleichen verschönerte er den Hippodromus, oder die Rennbahn, indem er den Tempel des Kastor und Pollux, deren Bildnisse man noch jezt an des Hippodromus Hallen aufgestellt sehen kann, zu einem Theil desselben bestimmte. Nicht minder stellte er in einem Theile des Hippodromus den Dreyfuß des delphischen Apollo auf, an welchem sich die Bildsäule des Apollo selbst befand. Ferner ließ er, da in Byzanz ein sehr großes Forum mit vier Hallen war, an dem Ende der einen Halle, auf welche viele Stufen führen, zwei Tempel bauen, und Bildnisse darinnen aufstellen. In dem einen davon stellte er das der Göttermutter Rhea auf, welches die Seegefährten Iasons ihr auf dem Berge Dindymus, bei der Stadt Cycikus, ehemals errichtet hatten. Man behauptet, daß er, aus verkehrter Denkungsart in Religionssachen, auch diese Bildsäule verstümmelt, die zu beiden Seiten befindliche Löwen weggenommen, und die Haltung der Hände verändert habe. Denn vormals sahe man die Göttin die Löwen zurückhalten, izt aber ist sie in die Gestalt einer Betenden umgewandelt, schauet die Stadt an, und beobachtet sie. In dem andern Tempel stellte er eine Bildsäule der Römischen Fortuna auf. Desgleichen bauete er einigen Senatoren, welche ihm von Rom aus nachgefolgt waren, Häuser auf. Auch führte er fernerhin keine Kriege mehr glücklich; so wenig, daß, als die Thaifalen, ein Scythischer Stamm, mit fünfhundert Reitern einfielen, er diesen nicht nur niemand entgegen stellte, sondern auch nach dem Verluste des größten Theiles seiner Kriegsmacht, und nachdem er sie alles bis an den Wall hatte plündern sehen, die Flucht schleunig ergriff, und sich zu retten froh) war.

Ohne Kriegsgeschäfte überließ er sich nun dem Vergnügen, und ließ dem Byzantinischen Volke aus der Staatskasse Getraide austheilen, welches dasselbige bis izt genießt. An sehr viele unnütze Gebäude verschwendete er das Geld des Staats; ja er baute einige, welche bald hernach wiederum zusammenstürzten, weil sie wegen der Eilfertigkeit nicht feste genug errichtet waren. Er brachte auch die längst bestandenen Staatsämter in Verwirrung. Denn vormals waren zween Prätorische Präfekten (Obersten der Leibwache), welche ihr Amt gemeinschaftlich verwalteten; und unter deren Aufsicht und Befehl nicht nur die Leibwache gehalten wurde, sondern welchen auch die Sicherheit der Stadt und der Oberbefehl an den Gränzen anvertraut war. Dieses Amt war das angesehenste nach dem Thron, besorgte die Getraidespende und bestrafte auf geziemende Weise die Vergehungen gegen die Kriegskunst.

So wie Konstantinus alle gute Anstalten verwirrte, trennte er auch dieses Amt in vier besondere. Denn einem Präfekt übergab er Aegypten ganz, nebst den libyschen Fünfstädten und den Orient bis Mesopotamien, und außerdem Cilicien und Kappadocien, Armenien und die ganze Seeküste von Pamphylien bis Trapezunt und die Kastelle am Phasis. Ebenfalls hatte er Thracien unter sich und Mösien, begrenzt durch den Hämus, Rhodope und die Stadt Doberos; hierzu noch Cypern und die Cykladischen Inseln; Lemnus, Imbros und Samothrakien ausgenommen. Dem andern Präfekt übergab er Macedonien, Thessalien und Kreta; Griechenland nebst den um dasselbe her liegenden Inseln, und beide Epirus; sodann Illyrien, Dacien, die Triballer, Pannonien bis an die Gränze von Valeria) und überdies noch das obere Mösien. Dem dritten Präfekt übergab er ganz Italien und Sicilien mit den umhergelegenen Inseln; nebst Sardinien und Corsica und Cyrene von den Syrten bis nach Libyen. Dem vierten Präfekt vertraute er Gallien jenseits der Alpen und Spanien nebst der Insel Britannien an. Also vertheilte er die Macht der Präfekten, und bemühte sich solche noch auf andere Weise zu schwächen. 8. Denn da überall die Soldaten unter den Befehlen der Centurionen, und Tribunen nicht nur, sondern auch unter den sogenannten Duces stunden, welche in jedem Orte die Stellen der Kriegsbefehlshaber versehen hatten; so ordnete er Heerführer (magistros militiae) an, deren einem die Fußvölker, dem andern die Reiterei untergeben war, übertrug diesen den Oberbefehl über die Soldaten und Vollmacht, die Fehlenden zu bestrafen; wodurch denn auch hierin das Ansehen der Präfekten gemindert ward. Daß aber durch diese Einrichtung desselben die Staatsangelegenheiten im Frieden, wie im Kriege Noth litten, will ich sogleich beweisen. Denn da die Prätorischen Präfekten den Tribut überall durch ihre Diener einforderten, und aus demselben den Aufwand für das Kriegswesen bestritten; die Soldaten aber ihnen unterworfen waren, in Rücksicht aller Strafen, welche sie ihnen für Vergehungen aufzulegen gut fanden; so erwogen sie natürlicher Weise, daß derjenige, so ihnen ihren Sold abreiche, auch die Verbrecher strafe, und wagten es daher nicht, pflichtwidrig zu. handeln, aus Furcht, der Sold möchte ihnen entzogen und sie auf der Stelle gestraft werden. Izt aber, da ein anderer ihnen den Unterhalt abreicht, ein andrer aber militärischer Befehlshaber ist, so handeln sie in allem gewaltthätig. Ueberdieses dient der größere Theil des Solds ihrem Anführer und dessen Diener zum Gewinnste.

Konstantinus erleichterte auch noch durch eine andere Handlung den Barbaren das Eindringen in das Römische Gebiete. Denn da das Römische Reich überall an seinen Gränzen, durch die oben schon bemerkte Vorsicht Diokletians, durch Städte, Schlösser und Burgen verwahrt war, als in welchen die ganze Kriegsmacht ihre Standquartiere hatte, so war den Barbaren das Eindringen unmöglich gemacht, weil überall eine Kriegsmacht ihnen entgegenstand und sie zurüketrieb. Diese Sicherung der Grenzen vernichtete Konstantin, indem er den größten Theil der Kriegsvölker von den Gränzen zurükezog, und in Städte verlegte, die deren Hilfe nicht bedurften; diejenigen Gegenden aber, welche von den Barbaren beunruhigt wurden, des Schutzes entblößte und ruhige Städte der Verwüstung des Kriegsvolks preiß gab, wodurch mehrere Städte menschenleer, die Soldaten hingegen, die sich den Theatervergnügungen und andern Wollüsten überließen, weichlich wurden. Kurz, zu dem bisher dauernden Verderben des Staats kömmt Anfang und Saame von ihm her.

Seinen Sohn Konstantinus hatte er schon zum Cäsar bestellt, und mit ihm zugleich seine Söhne Konstantius und Konstans dazu ernannt; und Konstantinopel erhob er zur außerordentlichen Größe einer Stadt, also daß von allen Gegenden, da die meisten auf ihn folgenden Kaiser dieselbige zu ihrem Aufenthalte wählten, sich eine unnöthige Menge Einwohner dahin sammelte, entweder des Kriegsdiensts oder des Handels oder anderer Beschäftigungen wegen; aus welcher Ursache man die Stadt auch mit weit grössern Mauern umgab, als Konstantinus sie errichten ließ; und die Häuser so enge zusammen bauen ließ, daß die Einwohner, sie mögen nun in ihren Häusern oder auf den Straßen seyn, sich im Gedränge befinden, und wegen der großen Menge der Menschen und Thiere man nicht ohne Gefahr auf den Straßen gehen kann. Auch wurde kein geringer Theil von dem sie umgebenden Meere zum Lande gezogen, indem man ringsum Pfähle einrammelte, und Häuser auf denselben errichtete, welche für sich allein hinreichten, eine große Stadt auszumachen.

Schon oft verwunderte ich mich, warum wohl, da Byzantium zu einem solchen Wachsthum gelangte, daß keine andere Stadt weder an Größe noch an Reichthum mit ihr kann verglichen werden, nirgends eine Götterweißagung von deren glüklichen Zunahme mitgetheilt worden ist? Bey dem Nachdenken darüber rollte ich viele historische Werke und Sammlungen von Orakelsprüchen auf; und nachdem ich geraume Zeit hierüber in Ungewißheit geschwebt habe, entdeckte ich endlich einen Orakelspruch der sogenannten Erythräischen Sibylle oder der Epirotischen Phaello, als welche gleichfalls begeistert gewesen, und geweißagt hat. Im Vertrauen auf denselbigen und dessen günstige Auslegung bekriegte Nikomedes, des Prusias Sohn, diesen seinen Vater auf Anrathen des Attalus. Das Orakel lautet also:

Du König der Tracier wirst eine Stadt einnehmen. Mitten unter Schaafen wirst du einen großen fürchterlichen Löwen mit krummen Klauen vergrößern, der einst Kleinodien aus dem väterlichen Lande hinwegbringen, und ohne Beschwerde die Erde erobern wird. Aber ich verkündige dir nicht, daß du lange der Ehre, den Scepter zu tragen, dich freuen, sondern daß du den Thron verlieren wirst; denn zu beiden Seiten drängen dich Hunde. Aufwecken wirst du einen schlafenden, furchtbaren Wolf mit gekrümmten Klauen; den Nacken wird er dem Widerwilligen unter das Joch beugen. Dann werden Wölfe Bithynien nach Zeus Rathschlüssen bewohnen. Schnell wird die Herrschaft zu den Männern übergehen, welche den Boden von Byzanz bewohnen. Dreimal glüklicher Hellespont und ihr auf Götter Geheis von Göttern erbaute Mauern der Menschen! – – Wenn der fürchterliche Wolf unter dem gewaltigen Schiksal erzittern wird! Es versteht mich, wer meinen Boden bewohnt. Länger verschweige ich nimmer die Gesinnung des Vaters, sondern im lauten Gesange will ich der Unsterblichen Orakel den Menschen verkünden. Schwanger geht Thracien mit großem Unheil, nicht ferne ist dessen Geburt; einen durch Uebung boshaften Sohn; auch für sich bringt es ihn hervor. Hervorbrechen wird als des festen Landes Seiten ein hartes Geschwür, hoch aufschwellen, schnell zerplatzen und Ströme von Blut hervorquellen.

Fast möchte ich sagen dieser Orakelspruch deute wahrhaftig und in räthselhafter Sprache den Bithyniern auf das künftige Unglück, welches sie, wegen der in der Folgezeit ihnen aufgelegten harten Auflagen erfuhren. Wenn es gleich aber heißt: „Schnell wird die Herrschaft zu den Männern übergehen, welche den Boden von Byzanz bewohnen,“ und die Weißagung nach langer Zeit erst erfüllt; worden; so muß man sie deswegen doch nicht von einer andern Begebenheit auslegen. Denn der Gottheit ist jede Zeitperiode kurz, da sie immer ist und seyn wird. Dieses deutete ich aus den Worten des Orakelspruchs und aus den Begebenheiten selbst. Ist aber jemand in Absicht der Auslegung anderer Meinung, so mag er dabei beharren.

Nach diesen Verrichtungen fuhr Konstantinus fort mit unnöthigen, an unwürdige und unnütze Menschen ausgetheilten Geschenken die Staatseinkünfte zu vergeuden, hierdurch den zinsbaren Unterthanen beschwerlich zu werden, und Leute zu bereichern, welche keinen Vortheil leisten konnten. Denn Verschwendung galt bei ihm für Freigebigkeit. Er war es auch, der die Abgabe Chrysargyrum den Handelsleuten in allen Gegenden auflegte, so wie den Wucherern in den Städten bis zu den geringfügigsten herab; ja auch selbst die Huren ließ er von dieser Abgabe nicht frey. Man konnte daher, wenn die Periode der Entrichtung jener Abgabe sich nahte, welches von vier zu vier Jahren geschah, Wehklagen und Geheul in jeder Stadt wahrnehmen. War die Periode da, so sah man Geisselungen und körperliche Züchtigungen derjenigen, welche äusserster Armuth halber diese Abgaben nicht entrichten konnten. Ja Mütter verkauften ihre Kinder, und Väter gaben die Ehre ihrer Töchter preiß, um nur aus deren Gewerbe die Einnehmer dieser Abgaben in Gold und Silber befriedigen zu können. Um aber auch den Besitzern eines glänzenden Vermögens wehe zu thun, übertrug er einem jeden die Ehrenstelle eines Prätors, und forderte unter dem Dekmantel der Ehrenstelle ansehnliche Summen Geldes. Wenn nun die hierzu bestellten Leute in die Städte kamen, so sahe man eine allgeineine Flucht und Abreise in fremde Gegenden, aus Besorgnis, mit Verlust des Vermögens diese Ehrenstelle zu erhalten. Er hatte aber ein Verzeichnis von den Vermögensumständen der Reichen in Händen, welche er mit einer Schätzung belegte, der er den Namen Follis gab. Durch dergleichen Auflagen erschöpfte er die Städte. Denn da auch nach Konstantinus diese Abgabe geraume Zeit fortdauerte, und der Reichthum der Städte in Kurzem erschöpft war, so wurden die meisten von Einwohnern entblößt.

Nachdem Konstantinus auf solche Weise den Staat verderbt hatte, starb er an einer Krankheit. Ihm folgten seine Söhne in der Herrschaft nach, drei an der Zahl, von der Fausta, Tochter des Herkulius Maximianus geboren, von eben derselben, die er des Ehebruchs beschuldigt und umgebracht hatte. Diese seine Söhne folgten in der Staatsverwaltung mehr ihrem jugendlichen Hang, als dem gemeinen Besten. Denn vor allen Dingen theilten sie die Völkerschaften unter sich. Konstantinus der Aelteste erhielt mit Konstans dem Jüngsten alles, was jenseits der Alpen lag und über dieses noch Italien und Illyrien; sodann die Provinzen am schwarzen Meer und von Afrika, was zu Karthago gehörte; Konstantius aber Asien und die morgenländischen Provinzen nebst Aegypten. In Gemeinschaft mit ihnen regierten gewissermaßen, Dalmaticus, welchen Konstantinus zum Cäsar bestellt hatte, und Konstantius dessen Bruder, und Hanniballianus. Diese trugen ein Purpurkleid mit Goldstreifen, und hatten von Konstantinus, um ihre Verwandtschaft mit ihm zu ehren, die Würde, daß sie Nobilissimi genannt wurden.

Nach dieser Vertheilung der Herrschaft bemühte sich Konstantius gleichsam vorsetzlich, nicht hinter der Gottlosigkeit seines Vaters zurück zu bleiben, und jedermann in Vergießung des Bluts seiner nächsten Verwandten einen Beweis seines Muths zu geben.  Zuerst stiftete er die Soldaten an, seines Vaters Bruder, Konstantius, umzubringen. Sodann räumte er durch ähnliche Nachstellungen den Cäsar Dalmatianus aus dem Wege, und ließ auch Optatus mit demselben ermorden, der von Konstantinus mit der Würde eines Patriciers war bekleidet worden. Diesen Ehrentitel hatte Konstantinus zuerst ersonnen, und den Rang vor den prätorischen Präfekten damit verbunden. Damals wurde auch Ablatius aus dem Wege geräumt, der prätorische Präfekt; von der Rache dafür nach Verdienst bestraft, daß er den Philosophen Sopater zum Tode befördert hatte aus Neid wegen der Vertraulichkeit, welche Konstantin gegen ihn bewies. Um endlich gegen die ganze Verwandtschaft grausam zu handeln, fügte er diesen Ermordeten noch den Hannibalianus bei; indem er das Kriegsvolk anstiftete, öffentlich auszurufen, daß sie keinen andern Regenten dulden würden, außer die Söhne Konstantins. Dieses waren also die Taten des Konstantius!

Konstantinus aber und Konstans geriethen wegen des unter Karthago stehenden Italien in Streit; weshalb Konstans seinen Bruder unvermuthet überfallen wollte, und seinen Groll in dieser Absicht drey Jahre lang verbarg. Er erwartete daher den Zeitpunkt, da derselbe im Begriff war, sich in die ihm ergebene Provinz zu verfügen, und schickte Kriegsvolk ab, das dem Vorgeben nach den Konstantius in seinem Kriege gegen die Perser unterstützen, in der That aber ihn unvermuthet überfallen sollte. Sie vollzogen ihren Auftrag und ermordeten den Konstantius.

Als Konstans auf solche Art seinen Bruder aus dem Weege geräumt hatte, übte er jede Grausamkeit gegen seine Unterthanen aus, und überschritt das Maas der unerträglichsten Tyrannei. Denn er kaufte Barbaren von einer schönen Gestalt, und überließ ihnen, so wie denen, welche er als Geißeln bei sich hatte, allen Unfug gegen seine Unterthanen zu verüben, sintemal sie ihm die Jugend zu seinen Wollüsten überließen. Aufgebracht über das Unheil, welches alle Völker unter ihm erlitten, machten seine Hofbedienten, als sie ihn den Vergnügungen der Jagd ergeben sahen, eine Verschwörung gegen ihn, deren Oberhäupter Marcellinus, der Oberhofmeister, und Magnentius, Oberbefehlshaber der zwo Legionen unter dem Namen Jovianer und Herkulianer waren. Hierbei gingen sie also zu Werke. Marcellinus gab vor, er habe das Geburtsfest seines Sohne zu feiern, und lud zum Gastmahle, außer dem Magnentius, noch andere Vornehme aus dem Kriegsvolk. Das Gastmahl dauerte bis Mitternacht, indessen begab sich Magnentius, als forderte es eine Nothwendigkeit, von demselben hinweg, kam aber nach einer kurzen Zwischenzeit wieder und zeigte sich den Gästen, wie in einem Schauspiel, in kaiserlichem Gewande. Als ihn nun alle, welche bei dem Gastmahle zugegen waren, als Kaiser begrüßt hatten. So thaten die Einwohner von Augustodunum, als woselbst dieses vorgieng, das Nämliche. Das Gerücht hiervon verbreitete sich weiter, und lockte das Volk vom Lande in die Stadt. Gerade in diesem Zeitpunkt kamen Reiter aus Illyrien an, um die in Gallien liegenden Legionen vollzählig zumachen, und vereinigten sich mit den Soldaten, welche zum Behuf dieser Verschwörung zusammen gekommen waren. Mit Einem Worte: alle Officiere der Soldaten kamen zusammen, und da sie die Häupter der Verschwörung ausrufen sahen, so vereinigten sie sich alle, beinahe ohne zu wissen, was vorgieng, mit ihnen, und riefen den Magnentius als Augustus aus. Konstans wollte auf die Nachricht hiervon in ein Städchen nahe an den Pyrenäen, Namens Helena entfliehen, wurde aber von Gaison, welcher nebst einigen Auserlesenen hierzu abgeschickt war, ergriffen, und ohne daß sich jemand zu seinem Beistand regte, ermordet.

Also besaß Magnentius die Herrschaft und regierte über die Völker jenseits der Alpen und über Italien. Dieser glückliche Ausgang seines Unternehmens erweckte in dem Vetranio, Befehlshaber der Kriegsmacht in Pannonien, die Begierde, das Gleiche zu unternehmen. Durch die Stimme seiner Legionen ward er zum Kaiser ausgerufen, und hielt sich in Mursa, einer Stadt in Pannonien auf. So war die Lage der Dinge in dem Abendlande, als die Perser in den morgenländischen Provinzen die Städte verheerten, vornehmlich in Mesopotamien. Wiewohl Konstantius durch den Krieg gegen dieselben geschwächt war, faßte er doch den Entschluß, sich an Magnentius und Vetranio zu rächen. Indessen er hierauf dachte und mit Zurüstungen sich beschäftigte, Magnentius aber noch in Gallien sich aufhielt, sammelte Nepotianus, Sohn von Konstantinus Schwester, Entropia, einen Haufen wilder Menschen, welche dem Rauben und einer ausschweifenden Lebensart hingegeben, rückte mit ihnen vor Rom, und erschien im Purpur als Kaiser. Gegen ihn bewafnete Anicius, welchen Magnentius zum Prätorischen Präfekt ernannt hatte, einige aus dem Volcke und fürte sie aus der Stadt. Das Treffen zwischen ihnen ward hitzig; die Römer, unerfahren und zur Ordnung nicht gewöhnt, wurden ohne Mühe zurücke getrieben. Für die Stadt besorgt, ließ der Präfekt bei diesem Anblicke die Thore schließen. An weiterer Flucht gehindert, wurden sie von den nachsetzenden Soldaten des Nepotianus alle niedergemacht. Den Nepotianus aber räumte wenige Tage hernach Marcellinus, Aufseher der Hofämter, oder Magister Officiorum, aus dem Wege, als welcher die von Magnentius abgeschickte Kriegsmach anführte.

Konstantius, der aus den morgenländischen Provinzen zum Kriege gegen Magnentius auszog, glaubte, zuvor durch List den Vetranio sich zum Freunde machen zu müssen, damit er nicht gegen zwei Anmaßer, sondern nur gegen Einen zu streiten hätte. Aber auch Magnentius gab sich Mühe um Vetranio’s Freundschaft, um mit dessen Hülfe den Krieg gegen Konstantius zu führen. Beide schickten also deswegen Gesandte an denselben; doch wollte Vetranio lieber diesem beistehen als dem Magnentius. Als nun des Magnentius Gesandten unverrichteter Sachen sich entfernt hatten, schlug Konstantius eine Zusamenkunft beider Heere und eine gemeinschaftliche Ueberlegung vor, wie man den Krieg gegen Magnentius zu führen habe. Vetranio wurde herbei gelockt, und beide bestiegen mit einander ein hierzu errichtetes Gerüste. Konstantius erhielt, zur Ehre seiner Abstammung, zuerst das Wort und erinnerte überall in seiner Rede die Soldaten an die Freigebigkeit seines Vaters, und an die demselben geleisteten Eidschwüre, dessen Söhnen beständig ergeben zu seyn. Zugleich bat er sie, nicht zuzugeben, daß Magnentius, Mörder von einem Sohne des Konstantinus, mit welchem sie so viele Kriege geführt, und von welchem sie sehr große Geschenke erhalten hätten, ungestraft davon komme. Als dieses die Soldaten hörten, die vorher schon reichliche Geschenke erhalten hatten, riefen sie aus: Man müsse das Kaiserthum von dem, was nicht ächt sey, reinigen; und zugleich zogen sie dem Vetranio den Purpur aus, und führten ihn als einen Privatmann von der Bühne herab. Konstantius ließ demselben kein Leid zufügen, und wies ihm in Bythinien einen Aufenthalt nebst hinlänglichem Einkommen an. So beschloß er dorten nach einiger Zeit sein geschäftsloses Leben!

Drittes Buch

Zustand des Reichs – Vorstellung der Eusebia.

So behandelte Konstantius den Cäsar Gallus, und gieng hierauf aus Pannonien nach Italien über. Nun bemerkte er, wie alle den Römern unterworfenen Länder von den Barbaren mit Einfällen bedroht waren, die Franken und Allemannen und Sachsen schon vierzig am Rhein gelegene Oerter eingenommen, die Städte selbst zerstört, eine unglaubliche Menge der Einwohner aber nebst unermäßlichen Schätzen an Beute davon geführt hatten – daß die Quaden und Sarmaten Pannonien, so wie auch das obere Mysien, ungescheut durchstreiften, und endlich, daß die Perser, die aus Furcht vor dem Angriffe des Cäsar Gallus eine Zeitlang geruht hatten, izt die Morgenländer unaufhörlich beunruhigten. Da er nun alles dieses überdachte und unschlüssig war, was er thun sollte, so glaubte er zwar nicht im Stande zu seyn, allein den so bedrängten Staat zu retten, doch hatte er auch nicht den Muth, einen Reichsgehülfen anzunehmen, theils aus übergroßer Herrschbegierde, theils weil er jedermann im Verdacht hatte, und gar keinem glaubte, er werde es gut mit ihm meinen. Daher war er sehr in Verlegenheit. Bei dieser großen Gefahr, in welcher der Staat schwebte, brachte Eusebia, Konstantius Gattin, die einen hohen Grad der Gelehrsamkeit besaß, und an Einsichten ihr Geschlecht übertraf, ihm den Gedanken bei, und ermunterte ihn, den Julian, den Bruder des Gallus vom Vater her, und Enkel des Konstantius, den Diokletian zum Cäsar gemacht hatte, über die Provinzen jenseits der Alpen zum Cäsar zu erheben. Weil aber Eusebia wußte, haß Konstantius alle, die mit ihm verwandt waren, im Verdacht hatte, so beredete sie ihren Gatten durch folgende Vorstellung. Julian, sprach sie, ist jung, einfach in Sitten, hat sich sein ganzes Leben lang nur mit den Wissenschaften beschäftigt, und in Staatssachen keine Erfahrung. Daher wird er sich für uns besser schicken, als jeder andere. Denn entweder glückts ihm in den Staatsgeschäften, dann wird er den glücklichen Ausgang dir, als dem Augustus, zuschreiben lassen – oder, fehlts ihm, umkommen und Konstantius alsdann niemanden um sich sehen, der aus der herrschenden Familie zur Regierung des Ganzen aufgerufen werden könnte.

Julius wird Cäsar, und geht nach Gallien.

Konstantius ließ sich durch diese Gründe bewegen, und berief den Julian aus Athen, wo er mit den dortigen Philosophen Umgang pflegte, und seine Führer in allen Arten von Gelehrsamkeit übertraf. Sobald er nun aus Griechenland nach Italien kam, so erklärte ihn Konstantius zum Cäsar, gab ihm seine Schwester Helena zur Gattin, und schickte ihn den Völkern jenseits der Alpen zu. Da er aber von Natur mistrauisch war, und niemals glaubte, daß Julian gutgesinnt und ihm treu seyn werde, so sandte er den Marcellus und Salustius mit ihm dahin ab, und vertraute ihnen, nicht dem Cäsar, die dortigen Einrichtungen an.

Nachdem nun Konstantius in Ansehung Julians diese Anstalten getroffen hatte, begab er sich selbst nach Pannonien und Mysien, machte auch hier Einrichtungen gegen die Quaden und Sarmaten, und wandte sich hinauf gegen den Orient, weil die Einfälle der Perser ihn zum Kampfe dahin riefen. –  Indessen überstieg Julian die Alpen, und erschien bey den Gallischen Völkern, über die er gesezt war: die Barbaren aber sezten nichts desto minder ihre Einfälle ohne alle Furcht fort. Eusebia bediente sich daher wieder der nämlichen Gründe, um den Konstantius zu bereden, daß er ihm die Verwaltung der dortigen Staatsgeschäfte überließ. – Was nun Julian von da an, sein ganzes Leben hindurch, verrichtete, haben Prosaiker und Dichter in dicken Büchern beschrieben, obgleich keiner derselben die Größe seiner Thaten erreichte. Wer da will, darf nur alle seine Reden und Briefe vor sich nehmen, aus denen man zusammen lesen kann, was er in allen Ländern der Erde verrichtete. Da sichs nun geziemt, die Ordnung der Geschichte nicht zu unterbrechen, so werden auch wir zu jedem Zeitpunkte seine Thaten kürzlich erzählen, besonders aber, was wir von den Andern unberührt finden.

Julians Sieg über die Allemannen.

Konstantius überließ es daher dem Cäsar, alles einzurichten, was er zum Nutzen der ihm untergebenen Völker dienlich fände, und wandte sich dann gegen Morgen, um den Krieg gegen die Perser anzuordnen. Da aber Julian sah, daß die Kriegsheere in Gallien größtentheils in schlechter Verfassung waren, die Barbaren ungehindert über den Rhein giengen, ja sogar fast bis an die Meerstädte vordrangen, so musterte er, was ihm von Kriegsmacht übrig war. Er bemerkte, daß die im Lande bei dem bloßen Namen der Barbaren zittern, und daß diejenigen, die ihm Konstantius mitgegeben hatte, drey hundert und sechzig an der Zahl, nichts, wie er selbst sagt, als beten können. Daher wählte er für die Legionen so viele er konnte, und nahm viele Freiwilligen an. Auch trug er für die Waffen Sorge, richtete die nöthige Sorgfalt auf diejenigen alten, die er in irgend einer Stadt niedergelegt fand, und theilte sie den Streitenden aus. So bald nun die Ausspäher ihm meldeten, daß bey Argentoratum, einer am Rheinufer gelegenen Stadt, eine unermeßliche Menge der Barbaren übergesezt hatte, so rückte er, auf die erste Nachricht, mit dem in der Eile zusammengezogenen Heere ihnen entgegen. In der darauf den Feinden gelieferten Schlacht errichtete er sich ein ganz außerordentliches Siegeszeichen, indem sechs Myriaden in der Schlacht umkamen, und eben so viele andere, die in den Rhein gesprengt wurden, im Flusse zu Grunde giengen, so daß derjenige, der diesen Sieg mit Alexanders Schlacht gegen den Darius vergleichen wollte, jenen nicht kleiner fände, als diesen. Auch dürfen wir, was der Cäsar nach dem Siege that, nicht übergehen. Er hatte eine Schaar von sechs hundert, in Kriegssachen wohlgeübten Reitern. Im Vertrauen auf ihre Stärke und Erfahrung gründete er einen großen Theil seiner Hofnungen auf diese. Wie nun die Schlacht angefangen hatte, zeigten alle ihre Bereitwilligkeit nach Kräften, und fielen in die Feinde ein. Schon hatte das Römische Heer bei weitem die Oberhand, als diese allein sich in die Flucht wandten, und ihre Reihen verließen. Der Cäsar selbst ritt, mit weniger Begleitung zu ihnen, rief ihnen zu, und ermunterte sie, am Siege Theil zu nehmen. Allein nicht einmal auf dieses hin zeigten sie Lust, der Schlacht anzuwohnen. Mit Recht zürnte also der Cäsar darüber, daß sie, so viel an ihnen war, ihre Mitbürger den Barbaren in die Hände geliefert hätten, und legte ihnen zwar nicht die in den Gesetzen bestimmte Strafe auf, ließ ihnen aber weibliche Kleider anlegen und sie durchs Lager umher führen, um sie anders wohin zu bringen, weil er eine solche Strafe und Züchtigung für Soldaten, die Männer sein wollten, für härter hielt, als den Tod selbst. Für ihn und für sie hatte dieses den besten Erfolg. Denn in dem zweiten Kriege gegen die Teutschen dachten sie an die ihnen auferlegte Schande, und zeichneten sich fast allein vor allen andern aus.

Julian bezwingt die Allemannen.

Als der Cäsar diese That ausgeführt hatte, sammelte er mit Muße ein zahlreiches Heer, und bereitete es zum vollen Kriege mit den Teutschen. Auch die Barbaren stellten sich ihm in großer Anzahl entgegen; er aber erwartete ihren Anfall nicht, sondern sezte selbst über den Rhein, weil er es für besser hielt, nicht im Römischen, sondern im Gebiete der Barbaren den Krieg zu führen, indem dadurch zugleich die Städte nicht durch einen abermaligen Einfall der Barbaren heimgesucht wurden. Nun geschahe eine gewaltige Schlacht, und eine unzählbare Menge der Barbaren fiel in derselben. Der Cäsar verfolgte die Fliehenden bis an die Herzynischen Pässe, richtete eine große Niederlage, unter ihnen an, fieng den Sohn des Anführers der Barbaren, Badomar, lebendig und führte das Heer, das über den Sieg frohlockte, und die Thaten des Cäsars in Liedern prieß, in das Römische Gebiete zurücke. Hierauf schickte er den Badomar dem Konstantius zu, als dessen Glücke er den Sieg zuschrieb. Nun waren die Barbaren in die äußerste Gefahr gerathen, und fürchteten für ihre Weiber und Kinder: der Cäsar möchte auch bis zu jenen Gegenden, in welchen sie waren, durchdringen, und ihr ganzes Geschlecht ausrotten. Daher schickten sie Gesandten, die vom Frieden reden, und besonders versprechen sollten, sie wollen nicht mehr die Römer bekriegen. Der Cäsar aber antwortete: nicht eher werde er über Frieden unterhandeln, bis er alle Gefangene zurück erhielte, die sie in den vorigen Zeiten aus den eroberten Städten weggeführt haben. Sie versprachen, auch dieses zu thun, und alle, die noch übrig seyen, zurück zu geben. Da nun Cäsar wissen wollte, ob keiner von den Gefangenen bei den Barbaren zurückblieb, so ersann er folgendes. Er ließ aus jeder Stadt und jedem Flecken diejenigen, die entronnen waren, rufen, und verlangte, sie sollen namentlich angeben, wen die Barbaren aus jeder Stadt und jedem Flecken gefangen weggeführt hatten. Jeder nannte denjenigen, den er entweder von der Verwandtschaft, oder Nachbarschaft, oder Freundschaft, oder sonsten durch einen Zufall kannte, und Julian ließ alle durch die kaiserlichen Notarien aufschreiben. Es geschahe, und die Gesandten wußten seine Anstalt nicht. Als nun Julian über den Rhein gieng, erlaubte er den Gesandten, mit den Gefangenen zurück zu kommen. Sie erfüllten bald den Befehl, und sagten: izt haben sie alle Gefangenen. Der Cäsar sezte sich auf einen hohen Thron, ließ die Schreiber hinter denselben stehen, und befahl, die Barbaren sollen nach dem Vertrage die Gefangenen darstellen. Sie erschienen einer nach dem andern, und nannten ihre Namen; die bei dem Cäsar stehenden Notarien aber suchten die Namen in den Schriften, die sie bei der Hand hatten, verglichen diejenigen, die sie vorher aufgezeichnet hatten, mit denjenigen, die vor dem Cäsar erschienen, fanden, daß von den Bewohnern der Städte und Flecken weit mehrere angegeben waren, und zeigtens dem Cäsar, hinter welchem sie stunden, an. Nun bedrohete dieser die Gesandten der Barbaren mit Kriege, wenn sie nicht alle Gefangenen zurückgäben, und nannte ihnen diejenigen, die aus jeder Stadt und jedem Flecken fehlten, so wie die Notarien sie ihm heimlich angaben. Die Barbaren glaubten, die Gottheit selbst offenbare dem Cäsar solche verborgene und geheime Dinge, gelobten aufs neue, alle, die sie am Leben finden, zu übergeben, und leisteten hierüber einen Eid bei ihren Göttern.

Julian erhält die Gefangenen von den Barbaren zurücke, und läßt Korn aus Britannien den Rhein herauf schiffen.

Als dieses geschehen war, und eine Menge der Gefangenen zurück gegeben wurde, wie natürlich aus vierzig mit Gewalt eroberten Städten viele sich sammeln mußten, so war der Cäsar in Verlegenheit, was er thun sollte. Auf der einen Seite sahe er die erst zerstörten Städte, und das lange Zeit unangebaut gebliebene Land; auf der andern, daß die von den Barbaren zurückgegebenen Einwohner nicht wenig Früchte bedurften, die nicht einmal aus den nahen Städten herbeigeschafft werden konnten, weil auch diese, die von den Einfällen der Barbaren nicht unverschont geblieben waren, keinen hinreichenden Vorrath hatten. Da er nun bei den gegenwärtigen Umständen sich nicht anders zu helfen wußte, so sinnt er folgendes aus. Wo der Rhein an den äußersten Gränzen Germaniens, in der Nachbarschaft eines Gallischen Volks sich in den Atlantischen Ocean ergießt, und Britannien nur neunhundert Stadien von der Küste entfernt ist, brachte er aus den am Ufer stehenden Wäldern Holz zusammen, bauete achthundert Schiffe, größer als Kähne, schickte sie alsdann nach Britannien, und ließ Früchte herbei bringen Hierauf machte er Anstalten, daß sie auf Flußschiffen den Rhein herauf geführt wurden; und weil dieses um der Kürze der Fahrt willen öfters geschahe, so war der Vorrath für diejenigen, die ihren Städten wieder geschenkt waren, nicht nur hinreichend zur Nahrung, sondern sie konnten auch ihr Feld ansäen, und hatten das Nöthige bis zur Erndte. Dieses that Julian, da er noch nicht einmal das fünf und zwanzigste Jahr erreicht hatte. Weil nun die Soldaten wegen seiner mäßigen Lebensart, seiner Tapferkeit im Kriege, seiner Enthaltsamkeit bei den Beuten, und seiner andern Tugenden, worinnen er alle seine Zeitgenossen – ich möchte wohl, sagen – übertraf, sehr gut gegen ihn gesinnt waren: so wurde Konstantius vom Neide über die Thaten Julians ergriffen, glaubte, Salustius, einer von den ihm mitgegebenen Räthen, sey durch seinen Scharfsinn Schuld, daß Julian sowohl im Kriege, als durch andere Einrichtungen sich so vielen Ruhm erwerbe, und rief ihn daher zu sich, als ob er ihn in die Morgenländer versetzen wollte. Julian entließ ihn sehr bereitwillig, entschlossen in allem dem Konstantius folgsam zu seyn. Nichts desto weniger hatte alles, was Konstantius dem Julian anvertraut hatte, fast mit jedem Tage guten Fortgang: das Heer nahm an der Zahl und Kriegserfahrung zu, und eben so die Städte im Frieden und im Genusse der aus demselben entspringenden Glückseligkeit.

Die Quaden (Chamaver) greifen das Römische Gebiet an. Julian nimmt einen Theil der Salier auf.

Da nun, so zu sagen, alle Barbaren jener Gegenden ganz die Hofnung aufgaben, und nichts geringeres erwarteten, als daß alle noch Uebrigen gänzlich vertilgt werden, so schickten die Sachsen, die man wegen ihres Muths, ihrer Stärke und Hartnäckigkeit in den Schlachten für die tapfersten der dorten wohnenden Barbaren hielt, die Quaden, die einen Theil von ihnen ausmachten, in die von den Römern, besezten Länder. Allein die Franken, ihre Nachbarn, die dem Cäsar gerechten Vorwand eines neuen Angriffs zu geben fürchteten, verhinderten sie am Uebergange. Jene erbaueten daher Fahrzeuge, schifften an dem von den Franken besezten Lande vorbei, griffen das den Römern unterwürfige Gebiet an, landeten in Batavien, das der getheilte Rhein zu einer Insel, und zwar zu einer größeren macht, als alle Flußinseln find, und vertrieben die Salier, eine Abtheilung der Franken, die von den Sachsen in diese Insel aus ihrem eigenen Lande verdrängt worden waren. Diese Insel, vorher ganz den Römern gehörig, war damals von den Saliern bewohnt. Sobald der Cäsar dieses vernahm, rückte er gegen die Quaden aus, und befahl seinem Heere, diese mit aller Gewalt anzugreifen, von den Saliern aber Niemanden zu tödten, oder sie an dem Uebergange in die Römischen Gränzen zu hindern, weil sie nicht als Feinde ins Land kommen, sondern mit Gewalt, von den Quaden vertrieben werden. Als nun die Salier diese gütigen Gesinnungen Julians erfuhren, sezten einige von der Insel mit ihrem Könige in das Römische Gebiet über, andere flohen nach den Gränzen, alle aber stellten sich dem Cäsar als Flehende dar, und ergaben sich mit all dem Ihrigen freiwillig. Indessen bemerkte der Cäsar, daß die Barbaren zum Kriege nicht Muth genug hatten, sondern sich nur mit heimlichen Anfällen und Räubereien beschäftigten, dem Lande aber dadurch keinen kleinen oder vorübergehenden Schaden verursachten. Daher sezte er ihren Absichten folgende kluge Kriegslist entgegen.

Charietto hilft dem Julian die Quaden (Chamaver) bezwingen.

Es war ein gewisser Mann, der an Größe des Körpers und einer, dem Körper entsprechenden Tapferkeit alle andere übertraf. Dieser, ein Barbar von Geburt und mit seinen Landsleuten zu rauben gewohnt, faßte den Entschluß, sein Land zu verlassen, und zu den, den Römern untergebenen Galliern überzugehen. Er hielt sich eine Zeit lang in Treviri auf, welches die größte Stadt unter den Völkern jenseits der Alpen ist. Da er nun die über dem Rheine wohnenden Barbaren zur Zeit, als Julian die Statthalterschaft noch nicht hatte, die Städte jener Gegenden durchstreifen, und unverwehrt überall plündern sah, so sann er darauf, den Städten zu helfen. Weil er aber keine Vollmacht dazu hatte, indem keine Gesetze es ihm zu thun erlaubten, so verbarg er sich anfangs allein in die dichtesten Wälder, und erwartete da die Einfälle der Barbaren. Waren sie nun Nachts von Trunkenheit und Schlafe überwältigt, so überfiel er sie, hieb so viele Köpfe den Barbaren ab, als er konnte, brachte sie in die Stadt, und zeigte sie vor. Dadurch, daß er dieses oft that, setzte er die Barbaren in keine geringe Verlegenheit, da sie nicht wußten, wie ihnen geschahe, und doch den Schaden fühlten, sich, so zu sagen, mir jedem Tage vermindert zu sehen. Izt sammelten sich mehrere Räuber zu ihm, und wurden durch diese Vereinigung stark. Nun erst stellte sich Charietto – dies war der Name des Mannes, der zuerst diesen Angriff der Barbaren ausdachte – dem Cäsar vor, und eröfnet ihm, was vorher noch nicht vielen bekannt gewesen war. Dem Cäsar schien es schwer, sich den geheimen Einfällen der Barbaren bei Nacht mit dem Heere zu widersetzen. Denn sie plünderten in kleiner Anzahl und in mehrere Haufen zertheilt; mit anbrechendem Tage aber sahe man niemanden mehr, weil sie sich im Dickicht nahe am angebauten Lande aufhielten, und das, was sie durch Raub erhalten hatten, sogleich verzehrten  Julian bedachte daher, wie schwer den Feinden beizukommen sey, und sahe sich in die Nothwendigkeit versetzt, die Feinde nicht mit seinen Soldaten allein, sondern auch mit Hülfe jener Räuberbande anzugreifen, nahm also den Charietto nebst seinen Gehülfen auf, und gab ihnen noch viele Salier zu. Sie, die selbst ans Rauben gewöhnt waren, schickte er Nachts gegen die raubenden Quaden aus, am Tage aber stellte er seine Soldaten in offene Oerter, und tödtete alle, denen es seinen Räubern zu entfliehen geglückt war. Diese Art des Angriffs setzte er so lange fort, bis die Quaden in die äußerste Noth geriethen, und ihre Menge so sehr abgenommen hatte, daß sie endlich, nebst ihrem Anführer, sich zum Cäsar begaben, der in den vorhergehenden Anfällen schon eine Menge derselben, und unter andern auch den von Charietto ergriffenen Sohn des Königs zum Gefangenen gemacht hatte. Da sie aber auf eine klägliche Art Friedenszweige darboten, und Julian einige der Vornehmsten als Geisel forderte, unter andern den Sohn des Königs, so brach der Anführer der Barbaren in die erbärmlichsten Klagen aus, und schwur unter Thränen, nebst den übrigen sey ihm auch sein Sohn umgekommen.  Izt hatte der Cäsar Mitleiden mit den Thränen des Vaters, zeigte ihm seinen wohl genährten Sohn, sagte, er wolle ihn als Geisel behalten, empfieng nebst ihm noch andere der Edeln, und schenkte ihm den Frieden unter der Bedingung, daß er sich gegen die Römer nicht mehr erhübe.

Krieg des Konstantius gegen die Perser, und Aeußerungen des Neids gegen Julian.

Nachdem der Cäsar diese Einrichtung gemacht hatte, nahm er einen Theil der Salier und Quaden, auch einige von der Batavischen Insel, unter die Legionen auf, die man noch in unsern Tagen bestehen sieht. Um diese Zeit hielt sich Konstantius in den Morgenländern auf, richtete seine ganze Aufmerksamkeit gegen die Perser, und beschäftigte sich mit den Kriegen jener Gegenden. Denn mit den Völkern jenseits der Alpen, die durch die Fürsorge des Cäsars verwaltet wurden, schien es ihm gut zu stehen. Ganz Italien und Illyrien war keiner Gefahr ausgesezt, weil die Barbaren über dem Ister, aus Furcht, der Cäsar möchte durch Gallien über den Ister gehen, sich ruhig hielten. Als nun Konstantius sich damit beschäftigte, plünderten die Perser, die den Sapor zum Könige hatten, die Gegenden Mesopotamiens, verheerten alles um Nisibis, und belagerten selbst diese Stadt mit aller Macht. Allein der Feldherr Lukillianus war im Stande, die Belagerung auszuhalten, nüzte bald die glücklichen Umstände  bald bediente er sich einer Kriegslist; und so entging die Stadt, die schon aufs äußerste gerathen war, der bevorstehenden Gefahr. Wie dieses geschehen, hielt ich für überflüssig, umständlich anzugeben, da der Cäsar selbst alles, was damals vorfiel, in einer eignen Schrift erzählt. Wer sie zur Hand, nimmt, kann seine Stärke in der Beredsamkeit daraus ersehen.

Da nun der Orient beruhigt zu seyn schien, und die trefflichen Thaten des Cäsars in aller Munde waren, so wurde Konstantius stark vom Neide ergriffen. Gepeinigt von seinem Glücke im Lande der Kelten und Iberier, ersann er Vorwände, schnell und ohne sich schämen zu müssen, die Macht des Cäsars zu verringern, und so sein Ansehen zu schwächen. Daher schickte er den Befehl an ihn, ihm zwey von den Legionen in Gallien zuzusenden, weil er dieser Hülfe bedürfe. Da nun Julian, theils weil er die Absicht nicht wußte, theils keine Gelegenheit zum Unwillen geben wollte, den Befehl alsbald vollzog, das Heer – denn er widmete den Angelegenheiten Galliens alle Sorgfalt – immer vermehrte, und die an den äußersten Gränzen wohnenden Barbaren so geschröckt hatte, daß sie von keinem Kriege träumten, so verlangte Konstantius, der Cäsar solle ihm noch andere Legionen schicken. Kaum sahe er sich auch diese Bitte gewährt, so befahl er bald hernach, ihm noch andere vier Schwadronen Reiter zuzusenden. Sogleich kündigte Julian den Soldaten an, sich zum Abzuge bereit zu halten.

Julian wird zum Augustus ausgerufen, und rüstet sich zum Kriege gegen den Konstantius.

Julian hielt sich damals zu Parisii, einer kleinen Stadt Germaniens, auf: die Soldaten aber, die zum Abzuge gerüstet waren,. schmaußten bis tief in die Nacht in der Gegend seiner Residenz, und dachten nicht an die Entwürfe gegen den Cäsar. Einige der Tribunen aber fanden nun das, was längst gegen ihn entworfen war, durch die That bestätigt. Sie streueten daher unbemerkt in der Mitte der Soldaten anonyme Briefe aus, und eröffneten ihnen durch dieselben: der Cäsar, dessen Kriegseinrichtungen sie fast alle die, über die Feinde errichteten Siegeszeichen zu danken haben, und der in der Schlacht sich von keinem unter ihnen im geringsten unterscheide, werde in die äußerste Gefahr gerathen, indem ihm Konstantius bald alle Macht entziehen würde, wenn nicht alle Soldaten sich vereinigten, den Abzug zu hindern. Verschiedene Soldaten lasen die umhergestreueten Briefe, machten den Entwurf den andern bekannt, und reizten alle zum Unwillen. Izt erhoben sie sich vom Trunke mit vielem Geräusche, und eilten, mit den Pokalen noch in der Hand, zur Residenz, brechen die Pforten ohne Achtung auf, führen den Cäsar öffentlich herab, und setzen ihm das Diadem mit Gewalt aufs Haupt. Julian zürnte zwar über das, was ihm geschahe, hielts aber doch nicht für sicher, das Geschehene zu widerrufen. Ob er nun gleich wußte, daß Konstantius weder Eidschwur noch Verträge hielt, und überhaupt nichts achtete, was Andern heilig ist, wollte er doch seine Gesinnung prüfen, und schickte Abgeordnete mit der Nachricht, an ihn: Die Ausrufung sey wider seinen Willen und Entschluß vor sich gegangen. Gebe er seine Einwilligung, so sey er bereit, die Würde eines Cäsars zu behalten, das Diadem hingegen abzulegen. Konstantius aber gieng in seinem Zorne und Uebernmthe so weit, daß er den Abgeordneten erklärte: „Wenn Julian sein Leben liebe, so solle er nebst der Augustenwürde auch das Amt eines Cäsars niederlegen, sich als Privatmann darstellen, und dem Willen des Augustus unterwerfen. Alsdann werde ihm kein Leid, und nicht das er verdient hätte, widerfahren.“ –  Wie Julian dieses von den Abgeordneten vernahm, zeigte er öffentlich, was er von den Göttern für eine Meinung habe. Denn er sagte so laut, daß es jedermann hören konnte: er halte es für besser, den Göttern, als den Reden Konstantius sich und sein Leben anzuvertrauen. Izt nun war des Konstantius Abneigung gegen den Julian jedermann bekannt, und jener rüstete sich zum einheimischen Kriege. Dem Julian aber machten diese Ereignisse großen Kummer: viele möchten, wenn er mit demjenigen kriegte, der ihm die Würde eines Cäsars ertheilte, ihn für undankbar halten. Indem er nun unter diesen Umständen alles von allen Seiten überdachte, und zum bürgerlichen Kriege sehr unentschlossen war, verkündigte ihm die Gottheit die Zukunft in einem Traume. Denn während seines Aufenthalts zu Vienna dünkte ihm im Schlafe, der Gott der Sonne zeige ihm die Gestirne, und spreche diese Worte:
Kömmt einst Zevs zu des Wassermanns Ziele, und schreitet
Kronos zu dem fünf und zwanzigsten Theile der Jungfrau,
Dann wird der König Konstantius, innerhalb Asiens Gränzen,
Seines Lebens verhaßtes Ende mit Schmerzen erreichen.
Im Vertrauen auf diesen Traum fuhr er fort, sich nach seiner Gewohnheit mit den Angelegenheiten des Staats zu beschäftigen, und wandte, so lange es noch Winter war, die nöthige Sorgfalt gegen die Barbaren, damit im Gallierlande, im Fall er sich mit andern Dingen befassen müßte, alles ist Sicherheit bliebe. Auch bereitete er sich, da Konstantius noch im Morgenlande war, seiner Unternehmung zuvorzukommen.

Julian tritt den Zug gegen den Konstantius an, und kömmt nach Sirmium.

Als nun der Sommer bereits seinen Anfang genommen hatte, machte Julian seine Anordnungen wegen den Barbaren am Rheine, zwang einige durch Krieg, sich ruhig zu halten, andere überzeugte er durch die Erfahrung des Vorhergehenden, daß sie den Frieden dem Kriege vorzogen, und machte bei seinem Heere die Anstalten zu einem weiten Zuge. So bald er über die Städte und Gränzen bürgerliche und militärische Vorgesezten bestellt hatte, rückte er mit seiner Macht gegen die Alpen. Wie er zu den Rhätern kam, wo der Ister entspringt, der durch das ganze Norikum und Pannonien, überdies durch das Land der Dacier, der Thrakischen Mysier und Scythen fiießt, und sich endlich in den Pontus Euxinus ergießt: so ließ er Flußschiffe erbauen, und fuhr selbst mit dreitausend Mann den Strom hinab, andern zehntausenden aber befahl er, zu Lande gegen Sirmium anzurücken. Durch das anhaltende Rudern, verbunden mit dem Falle des Stroms, und mit Beihülfe der Winde, die man Etesien nennt, kam er schon am eilften Tage in der Gegend von Sirmium an. Da nun das Gerüchte gieng, der Augustus sey angekommen, so glaubte fast jedermann, es sey Konstantius, der ihnen nahe wäre. Wie sie aber den Julian fanden, erstaunten Alle, und hielten’s für eine Erscheinung, was geschehen war. Bald hernach erreichte ihn auch die, ihm aus Gallien folgende, Macht, und er schrieb dem Senate in Rom und den Heeren in Italien, die Städte wohl zu verwahren, weil er izt regiere. Kaum vernahmen Taurus und Florentius, die Konsuln dieses Jahres, die von der Partei des Konstantius waren, daß Julian die Alpen überstiegen habe, und in Pannonien angelangt sey, flohen sie aus Rom. Er befahl daher, sie in die Register als flüchtig Konsuln einzuschreiben, begegnete den Städten, durch die er kam, liebreich, und erweckte bei jedermann die besten Hofnungen. Auch schrieb er den Einwohnern von Athen, Lakedämon und Korinth, und machte ihnen die Ursache seiner Ankunft bekannt.

Julian besteigt allein den Thron nach des Konstantius Tode, und hält sich in Antiochia auf.

Während seines Aufenthalts zu Sirmium kamen Abgeordnete aus fast ganz Griechenland an, denen er das Erforderliche antwortete, und gewährte, was billig war. Hier verstärkte er auch sein Gallisches Heer aus Sirmium und den in Pannonien und Mysien gelegenen Legionen, und rückte alsdann weiter. Wie er hierauf nach Naisos kam, untersuchte er daselbst mit den Wahrsagern, was nun zu thun sey. Das Opfer verkündigte: er solle in der Gegend bleiben. Er thats daher, und wartete auf die in dem Traume bezeichnete Zeit. Da er nun noch zu Naisos war und die Bewegung der Gestirne zusammentraf, verkündigte ihm eine Menge von Reitern, aus Konstantinopel, Konstantius sey gestorben, und das Heer rufe ihn zur Herrschaft über das ganze Reich. Er nahm es als ein Geschenk der Gottheit an, und sezte seinen Zug fort. Wie er gegen Byzantium kam, empfiengen ihn alle Einwohner mit fröhlichem Zurufe, nannten ihn ihren Mitbürger und Zögling, weil er in dieser Stadt geboren und erzogen war, und verehrten ihn als einen Mann, der für Alle ein Schöpfer ihres Glücklich seyn werde. Hier richtete er nun seine Sorgfalt sowohl auf die Stadt, als die Kriegsmacht, ertheilte jener einen Senat, wie der in Rom, und erbauete einen sehr großen Hafen, zum Schutze der Schiffe gegen die Gefahr des Südwinds, auch eine nach dem Hafen führende Halle, die mehr die Gestalt eines halben Zirkels hatte, als gerade war. Auch eine Bibliothek errichtete er in der kaiserlichen Halle, brachte alle Bücher, die er besaß, dahin, und rüstete sich übrigens zum Krieg gegen die Perser. Zehen Monate verweilte er in Byzantion, ernannte den Hormisdas und Viktor zu Feldherren, übergab ihnen die Tribunen und das Heer, und zog nach Antiochien. Mit welcher Ruhe und Gesezlichkeit die Soldaten den ganzen Zug vollendeten, ist nicht nöthig, zu erzählen. Denn die von Julian angeführten Völker durften nichts thun, was nicht in der Ordnung war. Das Volk in Antiochien nahm ihn bei seiner Ankunft mit vieler Liebe auf. Da es aber von Natur den Schauspielen ergeben war, und mehr Schwelgerei, als ernsthafte Handlungen, liebte, so gefiel ihm freilich die Klugheit und Mäßigkeit des Augustus nicht, der sich von den Schauplätzen entfernte, und sie nur selten, und nie den ganzen Tag besuchte. Sie beleidigten ihn daher durch einige sonderbare Reden. Er aber rächte sich, nicht, daß er ihnen eine wirkliche Strafe auferlegte, sondern dadurch, daß er eine sehr witzige Rede gegen sie und die Stadt aufsezte, die solche Bitterkeit mit Spotte enthielt, daß sie hinreichend war, die Schande der Antiochier in der ganzen Welt zu verbreiten, und daß ihr Vergehen sie reuete. Nichts desto weniger half er der Stadt, wo er konnte, und gestattete ihr eine große Anzahl von Senatoren, die diese Würde von ihren Vätern ableiteten, ja so gar, die von Töchtern der Senatoren geboren waren, das, wie bekannt, nur wenigen Städten vergönnt ist, und machte noch andere schöne und billige Einrichtungen, besonders aber Zurüstungen gegen die Perser.

Weiteres Vorrücken Julians, und Uebergang über den Euphrat.

Gegen Ende des Winters zog er das Heer zusammen, schickte es, wohl ausgerüstet, in Ordnung voraus, und verließ dann Antiochien, obgleich die Opfer nicht günstig waren: wie? übergehe ich, so gut ichs auch weiß. Am fünften Tage erreichte er Hierapolis, wo alle, sowohl Streit- als Lastschiffe, die von Samosata und andern am Euphrat gelegenen Orten herabsegelten, sich versammeln sollten. Ueber diese sezte er den Hieräus, einen von den Anführern der Legionen, und schickte ihn voraus. Er selbst weilte drei Tage zu Hierapolis, und rückte alsdann nach Batne, einer kleinen Stadt der Osrhoener. Hier kamen ihm alle Einwohner von Edessa entgegen, luden ihn, unter glückwünschendem Zurufe, in ihre Stadt ein. Er nahm die Einladung an, kam in ihre Stadt, gewährte ihr, was er konnte und zog nach Karrhä. Hier lagen nun zwei Wege vor ihm: der eine führte über den Fluß Tigris und die Stadt Nisibis in die Adiabenischen Satrapien; der andere über den Euphrat und Kirkesium, ein von dem Aborsas und dem Euphrat selbst umgebenes Kastell, an den Assyrischen Gränzen. Indem nun der Augustus untersuchte, welchen Weg er zum Uebergange wählen sollte, kam Nachricht von dem Einfalle der Perser, welche die, den Römern unterworfenen Oerter durchstreiften. Das Heer wurde darüber bestürzt. Als aber Julian erfuhr, es seyen vielmehr Räuber, die, wo sie konnten, plünderten, und sich dann zurückzögen, so beschloß er, in den Gegenden am Tigris hinreichende Besatzungen zurück zu lassen, damit die Perser, wenn seine ganze Macht auf dem andern Wege das Persische Gebiete angriffe, der Stadt Nisibis und dem umliegenden ganzen Lande keinen Schaden unversehens zufügten, wenn sie ohne Hülfe wären. Daher ließ er dorten achtzehntausend Schwerbewafnete, unter der Anführung des Sebastianus und Prokopius, zurück, er selbst gieng mit der ganzen Macht über den Euphrat, und ordnete das Heer bei ihm in zwei Abtheilungen, damit man dem Feinde, wo er sich blicken ließe, von allen Seiten widerstehen, und er das Vorliegende nicht ungestraft verheeren könnte.

Flotte des Julian auf dem Euphrat. Er fällt wirklich in Persien ein.

Diese Anordnungen machte er in Karrhä, als welche Stadt die Römer und Assyrien scheidet, und beschloß, bei der Schau seines Heeres von einem höheren Orte, sich an den Legionen der Fußvölker und den Schwadronen der Reiter zu ergötzen. Es waren ihrer zusammen fünf und sechzigtausend. Nach dem Auszuge von Karrhä eilte er an den in der Mitte liegenden Kastellen bis Kirkesium, wovon ich schon erzählt habe, vorbey, gieng über den Abotasfluß, schiffte sich ein, und fuhr den Euphrat hinab. Die Soldaten, die den Proviant trugen, folgten, und die Schiffe bestiegen nur diejenigen, denen es befohlen war. Denn hier erreichte ihn seine Flotte, die aus sechshundert Schiffen von Holze und fünfhundert von Fellen bestund. Ueber diese warens noch fünfzig Streitschiffe, und andere flache Fahrzeuge folgten, mit deren Hülfe, wenns nöthig war, Brücken gemacht werden konnten, daß das Einige Heer über die Flüsse zu Fuße gehen konnte. Auch noch sehr viele andere Schiffe folgten, führten Proviant, andere Holz zu Kriegswerkszeugen, andere schon wirklich verfertigte Kriegswerkzeuge. Zu Befehlshabern der Flotte wurden Lukianus und Konstantius bestimmt. Als das Heer so geordnet war, stellte der Augustus vom Rednerstuhle Allen zugleich ihre Pflichten vor, gab jedem der Soldaten eine Verehrung von hundert und zwanzig Silbermünzen, und unternahm den Einfall in Persien. Anführer des Fußvolks war Viktor, der Reiterei Hormisdas und mit ihm Arinthäus. Vom Hormisdas habe ich schon oben erzählt, daß er ein Perser und Sohn des Königs war. Da er aber von seinem Bruder beleidigt worden war, flüchtete er zum Konstantius, und gab solche Beweise seiner guten Gesinnung, daß er der größten Belohnungen und Ehrenstellen gewürdigt wurde.

Julian nimmt verschiedene Oerter in Besitz.

Bei dem Einbruche in Persiens Gränzen war die Reiterei auf dem linken Flügel, und hielt sich immer an das Ufer des Flusses: ein Theil des Fußvolks folgte auf dem rechten; von beiden blieb das eigentliche Heer siebenzig Stadien, entfernt. Den Zwischenraum füllten die Lastthiere, welche die schweren Rüstungen und anderes Geräthe trugen, und was sonsten zum Trosse gehörte, damit diese durch das sie, von allen Seiten umgebende, Heer gesichert wären. Als nun das Vorrücken auf diese Art angeordnet war, beschloss Julian, fünfzehnhundert Mann unter Anführung Lukillians vorausgehen zu lassen, um auszuspähen, ob etwas Feindliches entweder offenbar, oder in einem Hinterhalte sich zeige? Hierauf rückte er sechzig Stadien bis zu einem Orte vor, der Zautha heißt, und von da nach Dura, das Spuren hat, daß es ehemals eine Stadt, damals aber öde war, und wo man Gordians Grabmahl zeigte. Die Menge der Hirsche, die hier zum Vorschein kamen, und von den Soldaten erlegt wurden, war für ihre Sättigung hinreichend. Vier Stadien weiter, gelangte er an einen Ort, Phathusa genannt. Gegen über lag eine Insel im Flusse, die ein stark bewohntes Kastell hatte. Er schickte den Lukillian mit den ihm untergebenen tausend Ausspähern gegen dasselbe, und belagerte den Plaz. So lange es Nacht war, blieben die Belagerer unentdeckt. Mit anbrechendem Tage aber, wurden sie von einem der Besatzung, der um Wasser zu holen, herausgekommen war, erblickt, und sezten die Einwohner in Bestürzung. Als nun alle die Mauern besezten, so begab sich Julian mit den Kriegswerkzeugen und noch anderer Macht auf die Insel, und forderte die darinnen auf, sich und das Kastell, wenn sie dem offenbaren Untergange entrinnen wollten, zu übergeben. Sie thatens, und Julian schickte die Männer nebst den Kindern und Weibern, unter einer kriegerischen Bedeckung, in das Römische Gebiete, dem Pusäus aber, dem Anführer der Besatzung, übergab er das Amt eines Tribuns, und hielt ihn in der Folge, als er ihn treu fand, als einen seiner Freunde.

Weiteres Vorrücken und erster Scharmützel mit den Persern.

Nach einigem weitern Vorrücken zeigte sich wieder eine Insel auf der ein sehr festes Kastell war. Julian rückte vor dasselbe, fand es aber von allen Seiten unangreifbar, und verlangte, es solle sich ergeben, und die Gefahr der Einnahme nicht erwarten. Sie versprachen, das zu thun, was sie Andere würden thun sehen, und er rückte weiter, ließ auch andere Kastelle, durch die nämlichen Versprechungen beruhigt, hinter sich. Denn er fand gut, sich nicht mit Kleinigkeiten aufzuhalten, sondern sogleich auf den Hauptpunkt des Kriegs einzulassen. Einige Stationen heiter kam er zu Darika an, einer, auf der rechten Seite des Euphrats gelegenen, Stadt. Die Soldaten fanden sie von männlichen Einwohnern leer, und machten hier viele daselbst verwahrte Früchte, auch eine große Menge Salz Beute, mordeten die zurückgelassenen Weiber, und zerstörten die Stadt so von Grund aus, daß, wer die Stätte ansahe, nicht geglaubt hätte, es sey hier jemalen eine Stadt gewesen. An dem Ufer gegen über, an welchem das Heer hinzog, war eine reiche Quelle von Asphalt. Hierauf kam Julian nach Sitha, ferner nach Megia, darauf zur Stadt Zoragardia, wo ein hoher, von Steinen gemachter, Richterstuhl war, den die Anwohner Trajans Richterstuhl zu nennen pflegen. Die Soldaten plünderten und verbrannten diese Stadt ohne Widerstand, und ruheten diesen und den folgenden Tag hier aus.

Da, nun Julian sich wunderte, daß sein Heer einen so weiten Zug gemacht, und noch weder ein Hinterhalt der Perser, noch eine offenbare Feindliche Macht sich gezeigt hatte, so schickte er den Hormisdas, als den Mann, der alles von den Persern genau wußte, mit einer Macht zum Ausspähen ab. Bald aber wäre dieser mit seiner Mannschaft in die äußerste Gefahr gerathen, hätte ihn nicht das Glück unvermuthet erhalten. Denn der Surenas – dieses ist der Name eines Befehlshabers in Persien – hatte sich in einen Hinterhalt gelegt, und lauerte da auf den Hormisdas, um ihn, wenn er mit seinen Schaaren vorüberzöge, und nichts dergleichen erwartete, zu überfallen. Wirklich wäre auch seine Hofnung erfüllt geworden, hätte nicht ein Kanal des Euphrats zwischen ihm und dem Feinde, der ungewöhnlich stark angelaufen war, den Hormisdas am Uebergange verhindert. Sie schoben daher den Uebergang auf, und als Surenas den andern Tag nebst denen, die mit ihm im Hinterhalte lagen, entdeckt wurde, wandte sich Hormisdas, und griff den Feind an, tödtete einige, trieb die andern in die Flucht, und vereinigte sich wieder mit dem übrigen Heere.

Die Perser zeigen sich, und suchen den Uebergang über einen Kanal des Euphrals zu verwehren.

Beim weiteren Vorrücken kam er zu einem anderen Kanale des Euphrats, der sich der Länge nach bis Assyrien hin, und zugleich durchs ganze Land bis an den Tigris erstreckt. Hier geriethen die Soldaten auf zähen Schlamm und Sumpf, und sahen besonders die Pferde unter der schlimmen Beschaffenheit der Gegend leiden; auch konnten sie selbst mit den Waffen über den Kanal nicht schwimmen, theils weil es die Tiefe nicht gestattete, theils weil der tiefe Morast den Uebergang nicht erlaubte, und kamen daher in große Verlegenheit, was sie thun sollten. Noch größer wurde die Gefahr dadurch, daß zu gleicher Zeit die Feinde am Ufer gegenüber erschienen, welche durch Pfeile und Steine, die mit Schleudern geworfen wurden, den Uebergang verwehrten. Da nun niemand ein Mittel angeben konnte, die bevorstehende Gefahr abzuwenden, so beschloß der Kaiser, der an Scharfsinn und Kriegserfahrung Alle übertraf, den unter Anführung Lukillians zum Spähen ausgeschickten fünfzehnhundert Mann zu bedeuten, daß sie dem Feinde in den Rücken gehen, seinen Angriff gegen sich lenken, und aus diese Art einen unverhinderten Uebergang über den Kanal bewirken sollten. Zu dieser Absicht schickte er den Viktor mit hinreichender Macht ab. Dieser erwartete die Nacht, um von den Persern nicht gesehen zu werden, sonderte sich alsdann von dem Heere, rückte so weit vor, daß der Feind sogar bei Tage nicht sehen konnte, was vorgieng, gieng über den Kanal und suchte die Schaar Lukillians auf.

Julian geht über den Kanal, und rückt vor Bersabora. Beschreibung dieser Feste.

Als er nun immer weiter rückte, ohne vom Feinde im geringsten bemerkt zu werden, so suchte er seine Landsleute durch Geschrei und den Schall der Trommeten auf, und gab ihnen Zeichen, sich ihnen zu nähern. Da ihm einige entgegen kamen, und diese glücklicher Weise zusammentrafen, so merkte es Lukillian, vereinigte sich mit der Mannschaft unter Viktor, und fiel dem Feinde unvermuthet in den Rücken. Dieser wurde also unbereitet überfallen. und theils gethötet, theils flohe er, wohin er konnte. So fiel dem Kaiser die Kriegsliest nach Wunsch aus, und er ging ungehindert über den Kanal. Die Reiterei ließ er auf den vorhandenen Fahrzeugen, das Fußvolk aber auf den Schiffen übersetzen, die er an vielen Gegenden des Kanals fand, und rückte weiter, ohne mehr etwas Feindliches zu fürchten. Da er zu einer Stadt kam, die Barsabora heißt, so untersuchte er ihre Größe und die Festigkeit ihrer Lage. Sie war rings umher von zwei Mauern umgeben. In der Mitte lag die Burg, die auch eine Mauer hatte, welche gewissermaßen dem Abschnitte eines Zirkels ähnlich war. Von der innern Mauer der Stadt führte ein Weg zu der Burg, der schwer zu ersteigen war. An der westlichen und südlichen Seite der Stadt zeigte sich ein geschlängelter und beschwerlicher Durchgang; an der mitternächtlichen aber hatten die Einwohner einen breiten Graben gezogen, durch den sie auch das Wasser zu ihrem Gebrauche herbei leiteten. Gegen Morgen war die Stadt mit einem tiefen und durch starke Pallisaden verwahrten Graben verwahrt. Um den Graben stunden große Thürme, die von der Erde an bis an die Mitte von Backsteinen, mit Judenpech zusammengekittet, über der Mitte aber von ähnlichen Backsteinen und Gypse erbaut waren.

Der Kaiser belagert und erobert Barsabora.

Der Kaiser beschloß, diese Stadt zu erobern und ermunterte seine Soldaten zu dieser That. Da sie nun mit aller Bereitwilligkeit zur Vollziehung seines Befehls eilten, so wollten sich die Einwohner friedlich ergeben, und baten bald, er möchte den Hormisdas ihnen zuschicken, damit sie sich wegen des Vertrags mit ihm besprechen könnten; bald überhäuften sie diesen mit Schmach, als einen Ueberläufer, Flüchtling und Verräther des Vaterlandes. Darüber gerieth der Kaiser, wie natürlich in Zorn, und befahl, Alle sollten das Werk angreifen, und die Belagerung mit Eifer betreiben. Da nun jeder zu dem Posten eilte, auf den er befehligt war, so sahen die Einwohner, daß sie nicht hinreichend waren, die Mauer der Stadt zu schützen, und flohen alle auf die Burg. Sobald Julian es bemerkte, sandte er in die von den Einwohnern entblößte Stadt seine Macht, die dann die Mauern besezte, die Häuser verbrannte, auf den Trümmern der Stadt Maschinen aufstellte, und von da die in der Burg mit Geschossen und Steinen beschoß. Weil sie aber von der Burg auch mit Steinen und Geschossen sich gegen die Belagerer vertheidigten, so blieben viele von beiden Seiten. Izt errichtete der Kaiser, entweder von der Lage des Orts durch eignen Verstand geleitet, oder durch viele Erfahrung belehrt, folgendes Werkzeug. Er verband große Stücke von Holz mit Eisen, machte dadurch eine Art von einem viereckigten Thurme, stellte ihn der Mauer der Burg entgegen, erhöhete ihn in kurzer Zeit so sehr, daß er die Höhe dieser Mauer erreichte, und ließ Bogenschützen und andere, die Steine und Geschosse warfen, auf diese Maschine steigen. Da nun die Perser izt sowohl von Belagerten als auch von denen, die auf der Maschine stunden, von allen Seiten verwundet wurden, so thaten sie zwar noch eine Zeitlang Widerstand: eidlich aber versprachen sie einmüthig, die Burg zu übergeben, wenn ihnen der Kaiser keine zu harte Bedingungen auferlegte. Man wurde eins, die eingeschlossenen Perser sollten, jeder mit einer bestimmten Geldsumme und einem Kleide, sicher durch das Heer abziehen, und dem Kaiser die Burg übergeben. Hierauf wurden ungefähr fünftausend entlassen, ausgenommen diejenigen, denen es gelang auf kleinen Schiffen über den Kanal zu entrinnen. Mit der größeren Menge zog auch Mamosirus, der Befehlshaber, aus der Stadt. Da nun die Burg auf diese Art erobert war, so suchten die Soldaten nach, was sich darinnen fanden, und entdeckten einen unermeßlichen Vorrath an Getreide, mancherlei Waffen und Kriegsmaschinen, eine große Menge Geräthe und andere Dinge. Der größte Theil des Getraides wurde zur Unterhaltung des Heers zu Schiffe gebracht. Einen Theil aber vertheilten die Soldaten unter sich, außer dem Getraidemaße, das sie gewöhnlich hatten. Was von Waffen den Römern zum Kriege tauglich schien, theilte man unter dem Heere aus: was aber nur zum persischen Gebrauche diente, den Römern aber nicht, wurde theils dem Feuer übergeben, theils verstattet, daß es in den Fluß geworfen und versenkt wurde. Dadurch, daß eine so große, ja, nach Ktesiphon die größte Stadt in Assyrien, die so sehr befestigt war, in zwei Tagen mit Gewalt eingenommen wurde, wuchs der Würde des Römischen Namens kein geringer Ruhm zu. Auch hielt der Kaiser eine liebreiche Rede an das Heer, lobte es mit den gebührenden Worten, und beschenkte jeden Soldaten mit hundert Silbermünzen.

Dieses ereignete sich hier. Surenas aber rückte indessen mit einer ansehnlichen Macht aus einer der Städte Assyriens und überfiel den Vortrab der Römer, der nach Kundschaft ausgegangen war, und sich nicht vorsahe, und tödtete einen der drei Anführer nebst einigen der ihm untergeordneten Mannschaft, schlug die übrigen in die Flucht, und bemächtigte sich eines Feldzeichens, das einen Drachen vorstellt, wie die Römer in Schlachten zu führen pflegen. So bald Julian den Vorfall erfuhr, zürnte er darüber, griff den Surenas mit der Macht, die er gerade bei sich hatte, muthvoll an, schlug in die Flucht, was entrinnen konnte, eroberte die von den Feinden weggenommene Fahne wieder, rückte alsbald vor die Stadt, aus welcher Surenas durch heimlichen Hinterhalt die Ausspäher überfallen hatte, nahm sie mit Gewalt ein, und verbrannte sie. Den einen der Anführer des Vortrabs aber strafte er mit Abnehmung des Gürtels,) weil er den Feinden ein Feldzeichen überlassen, und seine Rettung dem Ruhme des Römischen Namens vorgezogen hatte, und hielt ihn, nebst allen, die an seiner Flucht Theil hatten, für ehrloß. Von da rückte er weiter, sezte den Zug auf dem Flusse fort, und kam zu einem Orte, in dessen Nachbarschaft eine Stadt lag, Phissenia genannt. An ihrer Mauer hin lief ein Graben, den, so tief er auch war, die Perser mit Wasser anfüllten, dessen sie einen großen Theil aus dem nahen Flusse dahin leiteten. Er hieß der Königsfluß. Die Römer eilten durch diese Stadt – denn es war nichts Feindliches aus derselben zu fürchten – und zogen dann über eine Gegend, die durch Kunst zu einem Sumpfe gemacht war. Denn die Perser, die den Kanal und den Fluß selbst über das Land leiteten, hatten, ihrer Meinung nach, dem Heere den Uebergang unmöglich gemacht. Da aber der Kaiser vorangieng, so folgte das Heer, ob es gleich bis an die Knie einsank. Denn sie hieltens für Schande, das nicht zu thun, was sie den Kaiser thun sahen. Nach Untergang der Sonne lagerte sich das Heer auf dem Platze: Julian aber befahl den Soldaten und Zimmerleuten, ihm zu folgen, hieb Bäume und Balken, brückte die Kanäle, warf Erde auf die Sümpfe, füllte die Tiefe der Wege aus, und erweiterte so ziemlich die engen Pässe. Nun kehrte er zurück, und führte das Heer ohne Schwierigkeit vorwärts, bis er zur Stadt Bithra kam, wo ein königlicher Pallast und Gebäude waren, die nicht nur für den Kaiser, sondern auch für das Heer hinreichend waren.

Belagerung eines festen Orts. – Verschiedene Scharmützel.

Unter immer weiterm Vorrücken und mit diesen Arbeiten beschäftigt, führte er das Heer, und erleichterte ihm den Weg. Auf diese Art brachte er Alle hinüber, bis er an einen Ort kam, in dem keine Wohnung, aber ein von Palmbäumen angelegter Hayn war, wo auch Reben wuchsen, die mit ihren Ranken bis an das Laub der Palmbäume hinan liefen, und so zu gleicher Zeit den Anblick von Palmfrüchten, mit Trauben vermischt, gewährten. Hier brachte er die einbrechende Nacht zu und rückte den folgenden Tag weiter. Da er aber sich einem Kastelle näherte, hätte er beinahe eine tödtliche Wunde erhalten. Denn ein Perser von der Besatzung fiel ihn an, und hieb mit dem Schwerdte nach seinem Haupte. Er aber, der es vorher sahe, hielt den Schild über das Haupt und wandte den Hieb dadurch ab. Die Soldaten fielen über diesen Perser, und hieben ihn nebst allen nieder, die bei ihm waren, außer etwa einigen, die entkamen, und ins Kastell flohen. Der Kaiser zürnte über dieses Wagestück, spähete das Kastell aus, und untersuchte, von welcher Seite ers einnehmen könnte? Indem er sich damit beschäftigte, zeigte sich der Surenas vor den, im Palmenhayn zurückgebliebenen Soldaten, und hoffte, sowohl sich des Zugviehs und Gepäcks zu bemächtigen, als auch den Kaiser, wenn ers erführe, von der Belagerung des Kastelles abzuziehen. Allein so sehr er sich auch beides vorgenommen hatte, mißlung ihm doch beides. Dem Kaiser war an der Einnahme des Kastells vieles gelegen. Denn in der Nachbarschaft desselben lag eine starkbewohnte Stadt, Besuchis genannt, und sehr viele andere Kastelle, deren Einwohner ihre Plätze, als zur Vertheidigung nicht hinreichend, verlassen, und sich in das vom Kaiser belagerte begeben hatten, diejenigen ausgenommen, die entweder nach Ktesiphon geflohen, oder im dicksten Theile des Hayns verborgen waren. Julian betrieb daher die Belagerung mit Macht. Jene aber, die von dem Heere entweder zum Ausspähen oder zur Unterstützung, wenn sich etwas Feindliches zeigte, abgeschickt waren, schlugen den Angriff nicht nur zurücke, sondern tödteten auch einige, die andern aber verfolgten sie so schnell, daß sie die Belagerung des Kaisers sicherten.  Weil einige der Flüchtigen sich noch in den Sümpfen des Hayns aufhielten, so ließen die ausgestellten Vorposten sie nicht ruhig, sondern erlegten einen Theil, die übrigen führten sie als Gefangene davon.

Fernere Belagerungsanstalten.

Die in dem Kastelle Belagerten aber vertheidigten sich gegen den Feind durch mancherlei Geschosse. Weil sie keine Steine in demselben hatten, so warfen sie brennende Klöße von Judenpech. Die Würfe erreichten ihr Ziel um so leichter, weil sie von der Höhe und gegen eine Menge geschahen. Ungeachtet nun die Römischen Soldaten des Vortheils entbehrten, den Feind aus der Höhe zu bestreiten, zeigten sie doch alle Beweise von Muth und Kriegskenntnissen. Denn sie warfen mit Steinen so groß sie sie in die Hand fassen konnten, und schossen nicht nur mit Bogen, sondern auch mit Wurfzeugen, die so gestellt waren, daß sie nicht nur einen trafen, sondern zwei, drei, ja mehrere Feinde durchdrangen. Weil aber die Festung auf einem Hügel lag, mit zwei Mauern und sechzehn großen Thürmen befestigt, und rings umher mit einem Graben umgeben war, der auf einer Seite den Belagerten zum Trinken brauchbares Wasser zuführte; so ließ der Kaiser die Soldaten den Graben ausfüllen, und einen so hohen Schutt auf dem Platze aufwerfen, daß er der Mauer gleich wurde. Auf einer anderen Seite beschloß er, die Erde unter den Mauern, und zwar gegen die Mitte der innern Mauer, zu durchgraben, und hatte die Absicht, durch diese Mine die Feinde zu überfallen. Da nun die Feinde diejenigen, die den Schutt aufwarfen, durch beständige Würfe beunruhigten, so nahm der Kaiser den offenen Kampf auf sich, und bediente sich verschiedener Hilfsmittel sowohl gegen die Pfeile, als gegen die Brände: dem Nevitas und Gadalaiohus übertrug er die Mine und Errichtung des Schutts. Dem Victor aber befahl er, mit Schwerbewaffneten und Reiterei die Gegend bis Ktesiphon hin zu untersuchen, damit er – zeigte sich etwas Feindliches, das den Kaiser von der Belagerung abzuziehen versuchen könnte – jede Unternehmung durch die ihm untergebene Macht vereitelte, zugleich auch den Weg bis Ktesiphon, der neunzig Stadien betrug, durch Errichtung der Brücken ihm und dem Heere erleichterte.

Die Festung wird erobert, geplündert und zerstört.

Nachdem er diese Verrichtungen unter seine Feldherren vertheilt hatte, rückte er mit einem seiner Sturmböcke gegen das eine Thor, und erschütterte es nicht nur, sondern zertrümmerte es sogar. Als er aber bemerkte, daß diejenigen, die über das Miniren gesezt waren, das Werk läßig betrieben, so sezte er sie ab, strafte sie wegen ihrer Nachlässigkeit durch diesen Schimpf, und ließ andere an ihre Stelle treten. Nun brachte er einen andern Sturmbock vor ein anderes Thor. Schon konnte auch dieses den Angriff nicht mehr aufhalten, als Botschaft kam, diejenigen, die verordnet waren, vom Graben aus bis in die Stadt hinein zu graben, seyen ans Ende ihrer Arbeit gekommen, und bereits im Stande, heraus zu brechen. Es waren die drei Rotten der Mattiarier, Lakkinarier, und Victoren. Julian befahl ihnen, den Angriff noch aufzuschieben: desto schneller aber ließ er eine Maschine gegen ein anderes Thor in Bereitschaft setzen, und zog das ganze Heer dahin, um den Feind auf den Wahn zu bringen, er werde den folgenden Tag hier angreifen, um sich des Kastells zu bemächtigen, Dieses that er, um die Aufmerksamkeit der Perser von dem Angriffe durch die Mine abzulenken. Da nun alle in der Festung sich nach jener Seite wandten, um sich der Maschine zu erwehren, durchgruben die dorthin Verordneten den Boden, brachen die Erde bis ans Tageslicht durch, und kamen mitten in einem Hause zum Vorschein, wo eine mahlende Frau, tief in der Nacht, Mehl aus Korn. bereitete. Der erste, der herauf stieg, hieb die Frau, die schreien wollte, geschwinde nieder. Dieses war Superantius ein in der Rotte der Victoren angesehener Mann; auf ihn folgte Magnus, auf diesen Jovianus, Vorsteher des Standes der Notarien, darauf noch mehrere. Bald war die ganze Mündung erweitert, und Alle stunden in der Mitte der Stadt. Izt eilten sie vollends zur Mauer, und überfielen, wider alles Vermuthen, die Perser, die vaterländische Lieder sangen, die Tapferkeit ihres Königs prießen, und über den vergeblichen Angriff des Kaisers der Römer spotteten. Denn, leichter, sagten sie, werde er Jupiters Burg einnehmen, als diese Festung, Nun hieben die Römer bey ihrem Ueberfall nieder, was ihnen vorkam, stürzten andere von der Mauer zu Tode, verfolgten und erlegten den Feind durch mancherlei Todesarten, und schonten weder Weiber noch Kinder, außer diejenigen, die sie zu Gefangenen zu machen beschlossen. Anabdates, der Befehlshaber der Festung, wurde, da er durch sie hineilte, gefangen genommen, und nebst seinem Gefolge, achtzig an der Zahl, mit Händen gefesselt vor den Kaiser geführt. Als nun das Kastell mit Gewalt erobert, alle Einwohner darinnen, was erwachsen war, niedergemacht, und nur wenige so glücklich waren, sich zu retten, so schritt das Heer zur Plünderung der daselbst verwahrten Güter. Sobald jeder davongetragen hatte, was ihm in die Hände fiel, so wurde die Mauer durch herbeigebrachte viele Maschinen bis auf den Boden niedergeworfen, und die Häuser durchs Feuer und die Hände der Soldaten so zerstört, daß es das Ansehen hatte, als sey hier nie ein Ort gewesen.

Ein Persischer Park – ein Römischer Pallast und Hinrichtung des Anabdates.

Beim weiteren Vorrücken kam Julian an andern, nicht merkwürdigen Oertern vorbei, und gelangte hierauf zu einem Park, den man die Jagd des Königs nannte. Es war eine Mauer, die einen großen, mit mancherlei Bäumen bepflanzten Raum umgab. Hier waren vielerlei Thiere eingeschlossen, die keinen Mangel an Futter hatten, weil man es ihnen zuführte, und unter denen also der König, wenn es ihm beliebte, eine Jagd leicht anstellen konnte. Als Julian dieses sahe, ließ er die Mauer an mehreren Orten niederreißen, und alsbald wurde das Wild, das floh, von den Soldaten erlegt.

Nicht ferne davon bemerkte er auch eine Burg, die im Römischen Stile prächtig erbaut war. Sobald der Kaiser dieses erfuhr, sie sey von Römern errichtet, ließ er sie stehen, und gestattete den Tribunen nicht, daß etwas in derselben verlezt würde, aus Achtung, weil Römer, wie man sagte, ihre Baumeister waren. – Von da aus zog das Heer an einigen Oertern vorbei, und kam in eine Stadt Mediens, Sabatha genannt. Sie ist dreißig Stadien von dem Orte entfernt, der ehemals Zochase, izt Selevkia heißt. Mit einem großen Theile des Heers lagerte sich der Kaiser in der Nähe, der ausspähende Vortrab aber nahm die Stadt mit Sturm ein. Den andern Tag umgieng Julian die Mauern der Stadt und sahe Leichname vor den Thoren ans Kreuz geheftet. Die Einwohner erzählten, es seyen Körper von einem, der beim Könige als ein Verräther einer Stadt, die, als eine Persische, der Römische Kaiser Carus einnahm, verleumdet wurde. Hier wurde Anabdates, der Befehlshaber der Festung, vor Gerichte geführt. Lange hatte er das Römische Heer herumgeführt, als ob er es zur Vollendung des Persischen Kriegs unterstützen wollte. Izt aber wurde er beschuldigt, er habe den Hormisdas bei Vielen verleumdet, und ihn einen Verräther genannt, der an dem Feldzuge gegen Persien schuld sey. Der Beschuldigung überwiesen, wurde er hingerichtet.

Erster Verlust der Römer – Anstalten zum Uebergange über den Tigris.

Beim weiteren Vorrücken des Heers untersuchte Arinthäus die Sümpfe, fand in denselben viele Feinde, und machte sie zu Gefangenen. Hier wandten die Perser sich zum ersten Male, und griffen den Vortrab an, wurden aber schnell in die Flucht getrieben, und waren froh, sich in die nahe Stadt retten zu können. Allein an dem anderen Ufer des Flusses überfielen die Perser den Troß, der zur Bewachung des Zugviehes befehligt war und die bei ihm sich befanden, hieben den einen Theil nieder, und nahmen den andern gefangen. Dieser erste Verlust, den die Römer litten, erweckte Muthlosigkeit bei dem Heere. Es brach von da wieder auf, und kam zu einem sehr großen Kanale, von dem die Einwohner sagten: Trajanus habe ihn gegraben, als er gegen die Perser kriegte. In denselben fällt der Fluß Narmakaches, und ergießt sich dann in den Tigris. Der Kaiser beschloß, diesen Kanal zu reinigen, und zu untersuchen, und für die Schiffe einen Weg in den Tigris, wo möglich, auch Brücken für den Uebergang des größten Theils des Heers zu bereiten.

Uebergang über den Tigris.

Während man hier arbeitete, versammelte sich an dem entgegensetzten Ufer eine Menge der Perser, Reiter und Fußvolk, und versuchte es zu hindern, wenn ein Uebergang unternommen würde. Wie der Kaiser die Anstalten der Feinde sahe, wurde er nur desto mehr gereizt, gegen sie hinüber zu schiffen, und befahl den Feldherren mit Unwillen, die Schiffe zu besteigen. Weil aber diese bemerkten, daß sowohl das jenseitige Ufer höher war, als auch zugleich ein Zaun an demselben hinlief, der anfangs zur Einschließung des königlichen Parks errichtet war, izt aber die Dienste einer Mauer that, so stellten sie vor: sie fürchten, der Feind möchte aus der Höhe Geschosse und Brände werfen. Nun drang Julian darauf, daß zwei Schiffe mit Schwerbewaffneten übersezten. Die Perser aber warfen alsbald eine Menge brennender Pfeile, und zündeten die Fahrzeuge an. Da das Heer izt noch mehr in Schrecken gerieth, so verbesserte Julian alsbald den begangenen Fehler durch eine Kriegslist. „Sie haben, rief er, den Uebergang zu Stande gebracht, und sich des Ufers bemeistert. Dieses beweißt das in den Schiffen angezündete Feuer; denn ich habe es selbst den Soldaten in den Schiffen befohlen, dieses zum Signale des Siegs zu machen.“ Dann stiegen alle, wie sie waren, in die Schiffe, fuhren über, sprangen, wo das Wasser nicht zu tief war, in dasselbe, kamen mit den Persern zum Handgemenge, und erkämpften nicht nur das Ufer, sondern bemächtigten sich auch der, vorher übergefahrnen, zwei halbverbrannten Schiffe, und retteten die in ihnen übriggebliebenen Schwerbewaffneten. Nun fielen die beiden Heere einander an, und das Treffen dauerte von Mitternacht an bis den andern Mittag. Zuletzt wichen die Perser, und ergriffen eiligst die Flucht. Die Feldherren gaben das Beispiel. Dieses waren Pigraxes, der, nach dem Könige, an Geburt und Würde der vornehmste von allen war, und Anareos und der Surenas selbst. Die Römer, mit ihnen die Gothen, verfolgten die Feinde, und tödteten viele derselben, erbeuteten auch eine Menge Golds und Silbers, und vielen Schmuck, womit Menschen und Pferde geziert waren und Bettstellen und Tische von Silber, welche die Feldherren im Lager zurückgelassen hatten. Im Treffen fielen von den Perser zweitausend fünfhundert, von den Römern nicht mehr, als fünf und siebzig. Daß aber Victor durch eine Katapulte verwundet war, schien das Frohlocken des Heers über den Sieg zu mindern.

Der Kaiser beschließt, tiefer in Persien einzudringen, und verbrennt seine Flotte.

Den andern Tag sezte der Kaiser das Heer sicher über den Tigrisfluß, und gieng den Tag nach der Schlacht selbst mit seiner ganzen Leibwache über denselben. Als er nun zu einem Orte kam, den die Perser Abuzatha nennen, so verweilte er daselbst fünf Tage. Beim Nachdenken über den weiteren Zug hielt ers für besser, wenn das Heer nicht mehr dem Laufe des Flusses folgte, sondern mitten durchs Land zöge, wo dann auch kein Umstand vorhanden wäre, der ihm die Schiffe nothwendig machte. Als er dieses beschlossen hatte, trug er dem Heere seine Meinung vor, und befahl, die Schiffe zu verbrennen. Alle, bis auf ungefähr achtzehen Römische und vier Persische, wurden vom Feuer verzehrt. Diese folgten dem Heere auf Wagen, und dienten, wie natürlich, wo sich die Nothwendigkeit ereignete. Nun mußte noch ein kleiner Theil des Weges über dem Flusse gemacht werden. Bei einem Orte, der Noordas heißt, wo das Heer sich lagerte, wurden viele Perser theils gefangen, theils getödtet. Hierauf kamen sie zum Flusse Durus, und giengen auf Brücken über denselben. Hier sahen sie, wie die Perser alles Gras verbrannt hatten, damit das Zugvieh der Römer durch Mangel an Futter in Noth käme. Auch hatte sich da der Feind in viele Rotten gestellt, um die Römer zu empfangen, weil er glaubte, es seyen ihrer nicht viele. Wirklich zogen sie sich auch, da sie den Feind auf Einen Plaz gedrängt sahen, nach dem Ufer zurück. Doch kamen die Ausspäher, die vor dem Heere herzogen, mit einer Schaar der Perser zum Handgemenge. Ein gewisser Machamäus fiel, aus Streitbegierde unbewaffnet, unter sie ein, und erlegte vier Männer. Da aber zu gleicher Zeit sich viele gegen ihn wandten, so ward er niedergehauen. Wie nun Maurus, sein Bruder, ihn mitten unter den Persern liegen sahe, bemächtigte er sich. seiner, tödtete den, der ihn zuerst verwundete, und ließ, so sehr man auch nach ihm traf, nicht nach, bis er seinen Bruder, noch athmend, dem Heere zurückgebracht hatte.

Verschiedene Scharmützel zwischen den Römern und Persern.

Die Römer kamen zur Stadt Barophthä, und fanden das Gras von den Barbaren verbrannt. Als nun eine Schaar der Perser, nebst den Saracenen, sich zeigte, und nicht einmal den Anblick der Römer aushielt, sondern alsbald verschwand, dann wieder in kleiner Anzahl auftraten, endlich sich in Menge sammelten, so erregten sie Verdacht, als ob sie die Lastthiere überfallen wollten. Da war der Kaiser der erste, der den Panzer anzog, und vor dem ganzen Heere voraus eilte. Die Perser aber warteten nicht, sondern fanden gut, in die ihnen bekannten Oerter zu fliehen. Julian rückte immer weiter, und kam in den Flecken Symbra, der mitten zwischen zwei Städten liegt, die Nisbara und Nischanabe heißen. Der Tigris trennt sie von einander, und eine Brücke verschaft den Einwohnern von beiden einen leichten und beständigen Verkehr: allein die Perser hatten sie abgebrannt, damit die Römer nicht beide nach Willkühr heimsuchen könnten. Hier erschienen wieder Persische Rotten, wurden aber vom Vortrabe in die Flucht getrieben. Im Flecken fand das Heer reichlichen Proviant, nahm davon, was es nöthig hatte, und verderbte das übrige, was es war, alles. Da es nun zwischen den Städten Danabe und Synke ankam, so fielen die Perser mit vereinigter Macht den Nachtrab desselben an, und tödteten viele Römer, verloren aber doch noch mehr Volk, wurden in die Flucht getrieben, und litten überhaupt Verlust. Denn in diesem Treffen wurde einer der vornehmsten Satrapen, Namens Dakes, getödtet, der einst an den Kaiser Konstantius geschickt worden war, mit ihm über Frieden und Endigung des Kriegs zu unterhandeln.

Die Perser fallen den Nachtrab von Zeit zu Zeit an, und erhalten einige Vortheile.

Als der Feind ferner die Römer sich der Stadt Meta nähern sahe, zündete er die Früchte auf dem Felde an. Die Römer aber eilten herbei, löschten das Feuer, und nüzten den Rest der Früchte. Bei weiterem Fortrücken gelangten sie zum Flecken Maroesa, wo die Rotten der Perser abermals mir aller Macht den Nachtrab anfielen, und nebst andern Soldaten auch den Bretannion tödteten, der die Schaar anführte, und tapfer gestritten hatte. Auch wurden die Schiffe weggenommen, die weit hinter dem Heere dem Feinde in die Hände fielen. Wie hierauf die Römer an einigen Flecken vorbei eilten, und nach Tummara kamen, so fühlten Alle Reue über die Verbrennung der Schiffe. Denn die Lastthiere, die bei dem weiten Wege, noch dazu ganz durchs Feindliche Land, schon vieles gelitten hatten, reichten zur Fortschaffung der Lebensmittel nicht mehr hin. Noch dazu brachten die Perser alle Früchte, die sie konnten, zusammen, verwahrten sie in den festesten Oertern, und entzogen dadurch dem Römischen Heere den Genuß. Unter diesen Umständen erschienen noch dazu die Persischen Schaaren. Doch behielten die Römer in dem hierauf vorgefallenen Treffen bei weitem die Oberhand, und erlegten der Perser sehr viele. Nichts desto weniger fielen die Feinde, die sich wieder stark versammelt hatten, den folgenden Tag, zur Mittagszeit, ganz unvermuthet in den Nachtrab der Römer. Ob er gleich nicht in Ordnung gestellt war, und durch den plözlichen Angriff bestürzt wurde, hatte er doch den Muth, ihnen entgegen zu rücken, besonders da der Kaiser, nach seiner Gewohnheit, überall sich zeigte, und die Legionen zur Standhaftigkeit ermunterte.

Julians Tod, und die weiteren Ereignisse der Schlacht.

Als es nun zum allgemeinen Treffen kam, Julian bei den Anführern der Legionen und Tribunen umher eilte, und selbst unter die Schaaren sich mischte, wird er im hitzigsten Kampfe mit dem Schwerdte verwundet, auf einen Schild gelegt, und in sein Zelt getragen. Hier hielt ers noch bis um Mitternacht aus, und starb dann, nachdem er das Persische Reich dem äußersten Verderben nahe gebracht hatte. So lange der Tod des Kaisers nicht bekannt war, siegte das Heer der Römer so sehr, daß fünfzig der mächtigsten Satrapen fielen, und nebst ihnen noch eine unermeßliche Menge. Als aber sein Tod offenbar wurde, und viele zu dem Zelte zurück kehrten, wo er todt lag, so kämpften zwar noch verschiedene Römer und besiegten den Feind: allein einige Rotten fielen aus einem Persischen Kastelle die dem Hormisdas untergebenen Schaaren an, und stritten mit ihnen. Hier erhob sich ein harter Kampf, und Anatolius, der Anführer der Leibwachen, den die Römer Magister nennen, kam um. Auch der Präfekt Salustius sank vom Pferde, und würde beim Andringen der Feinde beinahe erlegt worden seyn, hätte nicht einer seiner Bedienten ihm ein Pferd gegeben, und seine Flucht dadurch erleichtert. Mit ihm kehrten auch die zwei Legionen um, die gewöhnlich um den Kaiser sind und Scutarier heißen. Von denen die sich auf die Flucht wandten, waren nur sechzig ihrer und des Römisches Ruhms eingedenk, wagten sich bis zum Tode, und bemächtigten sich des Kastells, aus welchem die Perser die Römer angegriffen, und den Vortheil zu erhalten geglaubt hatten. Ob nun gleich der Feind sie drei Tage nach einander einschloß, erlegten sie doch einen beträchtlichen Theil der Belagerer, und retteten sich.

Wahl des Jovianus zum Kaiser – Fernere Beschwerlichkeiten des Rückzugs.

Als nun alle Anführer mit dem Heere sich versammelten, so wurde berathschlagt, wem man die oberste Befehlshaberstelle auftragen sollte, da es nicht möglich sey, den, mitten im Feindlichen Lande sie umschwebenden Gefahren ohne Hauptanführer zu entrinnen.  Durch die allgemeine Stimme wurde Jovianus, der Sohn des Varronianus, als Anführer der Haustruppen, zum Kaiser gewählt. So ereignete sich, was bis zu Julians Tode geschahe! Jovianus, der nun das Purpurgewand anzog, und das Diadem aufsezte, beschleunigte den Zug. Als er zum Kastelle Sumä kam, that die Persische Reiterei, die mehrere Elephanten bei sich hatten, einen Angriff, und brachte dem rechten Flügel einen Verlust bei. Hier stunden die Jovianer und Herkulianer. Dieses sind Namen der von Diokletianus und Marinnanus errichteten Legionen, die diesen Namen führten. Denn der eine führte den Beinamen des Jupiter, der andere des Herkules. Anfangs wurden sie durch die Stärke der Elephanten gedrängt. Viele flohen, und fielen. Indem nun die Perser, nebst der Reiterei, auch die Elephanten gegen die Römer antrieben, kamen diese zu einem abhängigen Hügel, wo Troßknechte stunden. Da nun diese die Gefahr mit den Soldaten theilten, und von der Höhe Wurfspieße auf die Perser warfen, so wurden einige von den Elephanten verwundet, die nun nach ihrer Gewohnheit, vor Schmerzen brüllend flohen, und die ganze Reiterei in Unordnung brachten, so daß auch auf der Flucht Elephanten von den Soldaten niedergemacht wurden, und viele in der Schlacht selbst fielen. Aber es kamen auch drei Tribunen der Römer um, die tapfer gekämpft hatten, Iulianus, Maximianus und Makrobius. Als man die Gefallenen untersuchte, fand man unter denselben auch den Leichnam des Anatolius, und beehrte ihn mit einem Grabmale, so gut es, da sie der Feind von allen Seiten drängte, die Umstände gestatteten. Nun rückten die Römer wieder vier Tage fort, und wurden von dem Feinde auf allen Seiten beunruhigt, der sie verfolgte, wenn er sie auf dem Zuge sahe – und flohe, sobald die Römer ihm entgegen rückten. Da diese izt auf ein weites Feld kamen, so beschlossen sie, über den Tigris zu gehen. Sie banden Schläuche zusammen, machten durch dieselben eine Art von Brücke, sezten sich darauf, und fuhren über. Sobald sie sich des jenseitigen Ufers bemächtigt hatten, sezten auch die Feldherrn mit den Zurückgebliebenen ohne Furcht über. Noch ließen die Perser nicht nach, sondern drängten die Römer mit aller Macht auf dem ganzen Zuge so, daß diese in die äußerste Gefahr kamen, weil sie, außer den schlimmen Umständen, in denen sie sich befanden noch dazu vom Hunger litten.

Jovianus schließt einen nachtheiligen Frieden.

Wiewohl nun das Heer sich in solchen Umständen befand, fiengen doch die Perser an, vom Frieden zu sprechen, und schickten, den Surenas nebst andern ab, die bei ihnen in Ansehen stunden. Jovianus nahm die Friedensvorschläge an, und sandte den Präfekt Salustius, mit ihm den Arinthäus. Durch die wechselsweise gepflogene Unterhandlungen kam ein Stillstand auf dreißig Jahre zu Stande. Man wurde einig, daß die Römer den Persern das Land der Babdikener abtreten sollten, ferner der Karduener, der Remener, der Zalener, über all‘ dieses noch die Vestungen, funfzehen an der Zahl, mit ihren Einwohnern, Gütern, Vieh und allem Vorrathe. – Nisibis aber solle ohne die Einwohner übergeben werden. Denn diese konnten, wohin es den Römern beliebe, versezt werden. Auch nahmen die Perser einen großen Theil Armeniens weg, und gestatteten den Römern nur einen kleinen Theil desselben. Auf diese Bedingungen wurde der Bund geschlossen, und schriftlich von beiden Seiten bestätigt. Hierauf erlaubten die Perser den Römern, in ihr Land zurückzukehren, so, daß sie die Gränzen der Perser nicht verheerten, und ihnen von diesen kein Hinterhalt mehr gelegt wurde.

Betrachtungen des Verfassers über die bisherigen Kriege der Römer mit den Persern.

Nachdem ich bis zu diesem Punkte der Geschichte gekommen bin, gedenke ich in die vorhergehenden Zeiten zurück zu kehren, und zu untersuchen, ob die Römer sich jemals erlaubten, etwas von ihren Besitzungen Andern zu überlassen, oder überhaupt, ob sie es ertragen konnten, daß ein Anderer etwas besitze, was einmal unter ihre Herrschaft gehört hatte? — Als Lucius Lucullus den Tigranes und Mithidates überwunden hatte, unterwarf er zuerst das Innerste Armeniens, und noch dazu Nisibis, und die benachbarten Kastelle, der Herrschaft der Römer. Pompejus der Große sezte dessen rühmlichen Unternehmungen die Krone auf, und sicherte durch den unter ihm geschlossenen Frieden die Besitzungen Roms. Da die Perser sich wieder in Bewegung sezten, wählte der Senat den Crassus zum uneingeschränkten Befehlshaber. Wie er aber mit dem Feinde zusammentraf, hinterließ er einen den Römern schimpflichen Namen, wurde in der Schlacht gefangen, und starb in der Gewalt der Perser. Darauf unternahm Antonius einen Feldzuge allein, von der Liebe zur Kleopatra gefesselt, zeigte er sich im Kriege unachtsam und nachlässig. So that auch dieser einiges, was des Römischen Namens unwürdig war, und entfernte sich dann. Doch verloren die Römer bei all‘ diesem Verluste keinen Ort jener Gegenden. Als hierauf ihre Staatsverfassung in eine Monarchie übergieng, und Augustus den Tigris und Euphrates zur Gränze des Römischen Reichs bestimmte, so behielten sie dieses Land auch damals. Lange Zeit hernach bekriegte der Kaiser Gordianus die Perser, und fiel mitten im Kriege. Selbst nach diesem Siege maßten sich die Perser nichts von dem Lande an, das den Römern unterthan war, obgleich Philippus die Regierung erhielt, und den schimpflichsten Frieden mit dem Feinde machte. Als bald hernach die Kriegsflamme der Perser das Morgenland ergriff, das große Antiochia mit Sturm erobert wurde, und das Persische Heer bis zu den Kilikischen Pässen vordrang, so unternahm der Kaiser Valerian einen Feldzug gegen sie, und gerieth zwar in ihre Gewalt – und doch erlaubte er’s den Persern nicht, zu wagen, daß sie diese Länder sich zueigneten. Nur der Tod des Kaisers Julian war von solchen Folgen, daß er ihren Verlust nach sich zog, daß bis diesen Tag die Römischen Kaiser keins derselben erobern konnten, sondern sogar noch mehrere Provinzen verloren giengen, die theils unabhängig, theils den Barbaren überlassen, theils von Einwohnern sehr entblößt wurden.

Schwierigkeiten wegen Abtretung der Stadt Nisibis.

Als der Friede mit den Persern auf die Art, wie wir erzählt haben, geschlossen war, kehrte der Kaiser Jovianus ohne weitere Furcht mit dem Heere zurück, gerieth aber in manche rauhe und wasserleere Gegenden, wo er auf dem Zuge durch des Feindes Land viele Leute verlor. Daher befahl er dem Obersten Mauritius, dem Heere Lebensmittel aus Nisibis zuzuführen, und ihm mit denselben, so weit es möglich sey, entgegen zu kommen. Andere schickte er nach Italien, den Tod Julians und seine eigene Ernennung zu verkündigen. Nach vielem Ungemach näherte er sich endlich der Stadt Nisibis, und wollte sich bei einer, dem Feinde übergebenen Stadt nicht verweilen. Da er nun auf einem freien Platze vor der Stadt abtrat, empfieng er den folgenden Tag Kränze und Bittschriften von allen Einwohnern der Stadt, die ihn anfleheten, er möchte sie nicht Verlassen, noch zugeben, daß diejenigen, die schon so viele Jahrhunderte nach Römischen Gesetzen gebildet seyen, barbarische Gebräuche kennen lernten. Es sey überhaupt Schande, wenn Konstantius, der drei Persische Kriege aushielt, und in allen verlor, doch Nisibis schüzte, und diese Stadt von einer Belagerung, durch die sie in die äußerste Gefahr gerathen war, befreiete; er aber ohne solche dringende Umstände, sie dem Feinde übergebe, und die Römer einen Tag erleben ließe, den sie noch nie gesehen hätten, wenn sie zugeben müßten, daß eine solche Stadt und ein solches Land den Feinden abgetreten würde. Der Kaiser, der dieses anhörte, schüzte immer den Vertrag vor: Sabinus aber, das Haupt der Dekurionen, sezte der Bitte, die das Volk vorgetragen hatte, bei: zum Kampfe mit den Persern bedörfen die Nisibier weder einen Vorschuß, noch auswärtige Hülfe; denn sie seyen im Stande, mit ihren eigenen Leuten und auf eigene Kosten sich des Kriegs, der über sie kommen würde, zu erwehren. Würden sie siegen, so werden sie den Römern wieder unterthan seyn, und die Befehle, wie vorher, vollziehen. Der Kaiser erwiederte: es sey nicht möglich, den Vertrag zu brechen, so sehr die Einwohner auch flehend baten, er möchte das Römische Reich einer solchen Vormauer nicht berauben.

Auswanderung der Einwohner von Nisibis – und Jovians Ankunft zu Antiochia – Julians Begräbnis zu Tarsus.

Da sie nun nichts ausrichteten, und der Kaiser zornig sich entfernte, die Perser aber, nach dem Vertrage, die Völker, die Kastelle und die Stadt übernehmen wollten, so gestatteten einige der andern Völker und Bewohner der Kastelle, wenn sie nicht heimlich entfliehen könnten, den Persern, mit ihnen zu machen, was ihnen beliebte; von den Nisibenern aber, die einen Aufschub zur Auswanderung erhielten, begaben sich die meisten, oder fast alle, nach Amida. Wenige zogen in andere Städte, um da zu wohnen. Die ganze Gegend aber war voll Wehklagens und Jammers, weil man glaubte: da Nisibis den Persern übergeben werde, sey alles ihren Anfällen ausgesetzt. Die Einwohner von Karrhä fühlten über die Nachricht vom Tode Julians eine solche Betrübnis, daß sie den Boten steinigten, und einen sehr großen Haufen von Steinen über ihm aufhäufeten. Einen solchen Wechsel der Dinge vermochte der Tod eines einzigen Mannes hervorzubringen. Da nun Jovianus durch die Städte eilte – denn die Städte waren voll Kummers und Traurens, und konnten ihm nichts Fröhliches oder Angenehmes darstellen, wie es unter den dortigen Völkern Sitte ist, – so kamen endlich diejenigen Soldaten, die zur Leibwache gehörten, mit dem Kaiser nach Antiochia, das ganze Heer aber begleitete den Leichnam Julians. Er wurde nach Kilikien gebracht, und in einer Vorstadt von Tarsus königlich bestattet. Auf sein Grabmal sezte man diese Inschrift:
Julian ruht hier, zurückgekehrt vom reißenden Tigris,
Beides, ein treflicher König und ein gewaltiger Streiter.

Ermordung Lucillians – Jovianus stirbt auf der Reise nach Konstantinopel.

Jovianus, der nun im Besitze der obersten Gewalt war, machte sowohl andere Anordnungen, als schickte er auch den Lucillianus, seinen Schwiegervater, den Prokopius und den Valentinianus, der nach ihm Kaiser ward, zu den Heeren in Pannonien, ihnen vom Tode Julians, und daß er nach ihm zum Kaiser gewählt worden sey, Nachricht zu geben. Die Barbaren zu Sirmin aber, die zur Beschützung der Stadt daselbst, zurückgelassen waren, ermordeten, sobald sie es hörten, den Lucillianus, als den Verkündiger so großer Unglücksfälle, ohne seine Verwandtschaft mit dem Kaiser zu achten, entließen hingegen den Prokopius, aus Achtung für seine Verwandtschaft mit Julian, unverlezt, Valentinianus aber entgieng dem Tode durch die Flucht. Den Jovianus, der von Antiochia auszog, und den Weg nach Konstantinopel nahm, befiel eine plötzliche Krankheit, die seinem Leben zu Dadastana in Bithynien ein Ende machte, nachdem er nur acht Monate regiert hatte, und nicht im Stande war, für den Staat, was nöthig war, anzuordnen.

Wahl des Valentinianus.

Als nun berathschlagt wurde, wen man dem Reiche vorsetzen sollte, und mancher in dem Heere und von den Anführern desselben bald von diesem, bald von jenem sprach, so vereinigten sich endlich alle Stimmen auf den einzigen Salustius, den Präfekt. Er schüzte sein Alter vor, und sagte: dieses erlaube ihm nicht, den bedrängten Staatsgeschäften gewachsen zu seyn; sie verlangten hierauf seinen Sohn zum Oberhaupte. Er erwiederte, sein Sohn sey zu jung, und nicht fähig, die Last eines solchen Reichs zu tragen. Daher kam die Wahl des treflichsten Mannes jenes Zeitalters nicht zu Stande. Nun fielen die Stimmen auf den Valentinianus, der von Cibalis her, einer Stadt Pannoniens, auf dem Wege war, einen Mann, der zwar vielen Kriegen beigewohnt hatte, aber keine Bildung hatte. Doch schickten sie nach ihm, da er noch abwesend war. So vergiengen wenige Tage, daß der Staat sich ohne Haupt befand. Als nun Valentinianus das Heer bei Nikäa, einer Stadt in Bithynien, antraf, übernahm er daselbst die Regierung, und sezte den Zug fort.

Viertes Buch

Krankheit Valentinians – Ankunft zu Konstantinopel und Ernennung des Valens zum Reichsgehülfen.

Was bis zum Tode des Jovianus geschehen ist, nach welchem Valentinianus zum Haupt des Römischen Staats erwählt wurde, habe ich in dem vorhergehenden Buche verfaßt.

Da diesen unterwegens eine Krankheit befiel, und ihn, der von Natur zum Zorn geneigt war, zu noch größerer Grausamkeit und gewaltigen Ausbrüchen reizte, so hegte er den falschen Verdacht: er sey durch die Zauberey, die Julians Freunde ihm angethan haben, erkrankt. Daher wurden Klagen gegen einige Vornehme erhoben, die der Präfekt – noch wars Sallustius – mit Scharfsinne und Klugheit untersuchte. So bald die Krankheit nachließ, brach er von Nikäa auf, und kam in Konstantinopel an. Da nun das Heer und auch seine sonstigen Vertrauten, ihn ermunterten, einen Reichsgenossen zu erwählen, damit jemand, wenn, ein Vorfall im Staate sich ereignete, sich desselben gleich annehmen könnte, und ihnen nicht mehr begegnete, was bei Julians Tode geschehen war; so ließ er sich durch ihre Ermahnung bereden, überlegte es bei sich, und wählte von allen, die ihm in Gedanken kamen, seinen Bruder Valens, von dem er glaubte, er werde ihm am getreuesten seyn. Er erklärte also den Valens zum Reichsgenossen.

Julians Freunde werden ihrer Aemter entsezt.

Während nun beide in Konstantinopel waren, hörten diejenigen, die den Vertrauten Julians nachstelleten, nicht auf, vor der königlichen Burg Gerüchte auszustreuen, daß sie den Kaisern nachstellen, und den Pöbel zu ähnlichen Reden zu reizen. Die Kaiser, die ohnehin die Vertrauten Julians befeindeten, wurden dadurch noch mehr zum Hasse gegen sie erweckt, und stellten gerichtliche Untersuchungen an, die nirgends einen Grund fanden. Besonders zürnte Valentinianus auf den Philosophen, Maximus, und erinnerte sich der Verleumdung, die er zu Julians Zeit gegen ihn verbreitet hatte: er habe sich um des christlichen Gottesdiensts willen gegen die heiligen Gebräuche verfehlt. Doch hielt sie damals die Sorge für die Staats- und Kriegssachen von weiteren Untersuchungen ab, und sie beschäftigten sich nun damit, die Provinzen unter Statthalter zu vertheilen, und wem sie die Bewachung des kaiserlichen Hofs anvertrauen sollten? Alle, denen Statthalterschaften oder sonstige Aemter von Julian anvertraut waren, wurden derselben entlassen. Unter ihnen war der Präfekt Sallustius. Nur Arinthäus und Victor behielten die Befehlshaberstellen, die sie hatten. Sonsten aber erhielten Ehrenstellen, die darnach strebten, wie es der Zufall mit sich brachte, und nur dieses Einzige schien sich rechtmäßig zu ereignen, daß derjenige, den man mit Recht beschuldigt fand, vor Gericht gezogen wurde, und keine Verzeihung erhielt.

Verschiedene Anstalten und Gesetze des neuen Kaisers. – Seine Rüstungen gegen die Barbaren.

In dieser Lage der Sache beschloß Valentianus, das Reich mit seinem Bruder zu theilen, und ihm das Morgenland bis Aegypten, Bithynien und Thracien hin zu überlassen, für sich selbst aber, nach Uebernahme der Städte in Illyrien, nach Italien zu gehen und die Städte, dieses Landes, nebst den Völkern jenseits der Alpen, Iberien und die Insel Britanien und ganz Lybien unter seiner Herrschaft zu behalten. Nachdem nun das Reich also getheilt war, trat Valentian die Regierung mit Nachdruck an, sezte die obrigkeitlichen Personen mit Würde ein, und war strenge in Eintreibung der Abgaben und in den von jenen Ländern abzureichenden Lieferungen für die Soldaten. Und weil er beschlossen hatte, auch einige Gesetze einzuführen, fieng er gleichsam im Inneren der Häuser an, verbot nächtliche Opfer zu bringen, und wollte durch dieses Gesez mancherlei schändlichen Handlungen steuern. Als aber Prätextatus, der die Würde eines Proconsuls in Griechenland verwaltete, ein in allen Tugenden sich auszeichnender Mann, vorstellte: dieses Gesez werde den Griechen das Leben verbittern, wenn ihnen verboten würde, diejenigen Mysterien, die das Band des menschlichen Geschlechts knüpften, nach ihren Gebräuchen zu feiern; so erlaubte er, daß das Gesez ruhete, doch sollte alles nach den allen Sitten der Voreltern gehalten werden. –

Am Rheine hatten die Barbaren, so lange Julian lebte, den Römischen Namen gefürchtet, und waren zufrieden, wenn sie niemand in ihrem Lande beunruhigte. Als aber sein Tod bekannt wurde, erhuben sie sich alsbald aus ihren Wohnungen, und rüsteten sich zum Kriege gegen die Römer. So bald Valentinianus dieses erfuhr, so zog er, wie natürlich, Fußvolk, Reiterei und leichte Völker zusammen, verwahrte auch die am Rhein gelegenen Städte mit den nöthigen Besatzungen. Diese Anstalten traf Valentianus, dem es an kriegerischer Erfahrung nicht fehlte.

Charakter des Valens – Aufruhr des Prokopius.

Dem Valens aber, der zuerst ein unthätiges Leben geführt, jezt plözlich die Regierung erhalten hatte, und der Last der Geschäfte nicht gewachsen war, droheten mancherlei Unruhen von allen Seiten. Denn die Perser, durch die Vortheile, die ihnen der Vertrag mit dem Jovianus gewährte, stolz gemacht, thaten nun, da Nisibis ihnen unterworfen war, ungescheut Einfälle, und zogen dadurch, daß sie die Städte des Morgenlandes beunruhigten, die Aufmerksamkeit des Valens auf sich. Wie er nun von Konstantinopel auszog, ereignete sich der Aufruhr des Prokopius. Denn ihm hatte Julianus, als seinem Verwandten, einen Theil der Macht anvertraut, und befohlen nebst dem Sebastianus durch Adiabene vorzurücken, und ihm, wenn er auf einem andern Wege gegen den Feind zöge, entgegen zu kommen, auch aus unbekannten Ursachen, das kaiserliche Gewand angelegt. Als es aber die Gottheit anders lenkte, und, nach Julians Tode, Jovianus den kaiserlichen Thron bestieg, so eilte Prokopius herbei, übergab dem Jovianus das ihm geschenkte kaiserliche Gewand, bekannte, von wem ers empfangen habe, und bat den Kaiser, ihn des Kriegsdienstes zu entlassen, und ihm zu erlauben, daß er in Ruhe leben, und sich mit dem Ackerbau und Besorgung seines Hauswesens beschäftigen dürfe. Als er dieses erhalten hatte, begab er sich mit Gattin und Kindern nach Käsarea in Kappadokien, und beschloß da zu wohnen, weil er daselbst ansehnliche Güter besaß.

Anfang und erster Fortgang des Aufruhrs des Prokopius.

Indem er sich nun in dieser Stadt aufhielt, sandten die zu Kaisern gewählten Valentinianus und Valens, die schon vorher mistrauisch gegen ihn waren, alsbald Männer ab, ihn gefangen zunehmen. Er ergab, und überließ sich ihnen, wohin sie ihn führen wollten: nur sollten sie ihm gestatten, vorher mit seiner Gattin zu reden, und seine Kinder zu sehen. Als sie es nun zugaben, bereitete er eine Mahlzeit, und eilte, so bald er sie trunken sah, mit allen den Seinigen nach dem schwarzen Meere, bestieg daselbst ein Schiff, und gieng nach dem Taurischen. Chersonesos über. Hier verweilte er eine Zeitlang, bemerkte aber, daß die Einwohner kein Vertrauen verdienten, und fürchtete, er möchte denen, die nach ihm ausgeschickt würden, überliefert werden. Als er daher ein Frachtschiff vorbeifahren sah, vertraute er sich und die Seinigen demselben an, und erreichte Konstantinopel in der Nacht. Hier kehrte er bei jemanden ein, den er aus ehemaligem Umgange kannte, erforschte die Gesinnungen der Stadt nach der Abreise des Kaisers, und beschloß einen Versuch auf die Alleinherrschaft. Den Anfang desselben machte er also: Es war ein gewisser Eunuche, Namens Eugenius, der erst kürzlich vom kaiserlichen Hofe verstoßen und daher gegen die Herrscher nicht gut gesinnt war. Ihn machte Prokopius zu seinem Vertrauten, fand an ihm einen Mann von großem Vermögen, und entdeckte ihm, in welcher Absicht er gekommen, und wie die Sache zu unternehmen sey. So bald sich nun dieser erklärte, daß er an dem Entwurfe Theil nehmen, und, wenns nöthig sey, Geld vorschießen wolle, machten sie den Anfang der Unternehmung damit, daß sie die in der Stadt angestellte Wache, die aus zwey Legionen bestund,. mit Gelde bestachen. Ueber dieses bewaffneten sie Sklaven und zogen ohne Mühe vieles Volk, dessen ein großer Theil sich von selbst darstellte, auf ihre Seite. Nun ließen sie die Menge mitten in der Nacht in die Stadt einrücken, und sezten alles in Bestürzung. Wie nun jedermann vor sein Haus trat, sahe man den Prokopius plözlich wie einen Theaterkönig sich darstellen.

Prokopius besteigt den Thron, und hat Glück in Bithynien.

Als nun großes Getümmel durch die ganze Stadt entstund, und niemand wegen der unerwarteten Unternehmung sich recht besinnen konnte, was er thun sollte: so beschloß Prokopius, sich vor dem Volke noch zu verbergen, und glaubte, wenn er dieses thue, seine Herrschaft zu befestigen. Er nahm den Cäsarius, den die Kaiser zum Städtpräfekte ernannt, und den Nebridius, dem sie nach dem Salustius die Präfektur der Leibwache übergeben hatten, gefangen, und zwang sie, was ihm gut dünkte, an die Unterthanen zu schreiben. Er verwahrte jeden besonders, und verhinderte sie dadurch, einander Entwürfe mitzutheilen. Nach diesen Anstalten zog er nun glänzend gegen den Palast, bestieg den Rednerstuhl vor dem Hofe, erfüllte alles mit Hofnungen und reichlichen Versprechungen und trat nun ein, um andere Sachen zu besorgen.

Die beiden Kaiser hatten eben die Heere getheilt. Daher beschloß Prokopius, zu den Soldaten, die in Unordnung waren, und nach irgend einem Befehle der Kaiser Ort mit Orte wechselten, Abgeordnete zu schicken, um so viele, als sie konnten, auf seine Seite zu ziehen. Dadurch, daß er sowohl ihnen, als den Anführern Geld austheilte, gelang es ihm leicht: es sammelte sich eine ansehnliche Menge, und rüstete sich öffentlich zum Angriffe. Daher sandte er den Marcellus mit Mannschafft nach Bithynien, um den Serenianus und die bei ihm befindlichen kaiserlichen Reiter zu überfallen, in der Hofnung, sie zu Grunde zu richten. Sie flohen nach Kyzikus: Marcellus aber nahm die Stadt ein, nachdem er zu Wasser und zu Lande gesiegt hatte. Serenianus entfloh, und begab sich nach Lydien, wurde aber ergriffen und getödtet.

Prokopius verstärkt sich. Arbition wird zum Feldherrn gegen ihn ernannt.

Auf diesen Vortheil stolz, vermehrte nun Prokopius seine Macht in kurzer Zeit, und war, nach Vieler Meinung, izt im Stande, es mit den Kaisern aufzunehmen. Legionen der Römer und eine Menge Barbaren schlugen sich zu ihm. Der Ruhm der Verwandtschaft mit dem Julian und die, mit diesem in allen seinen Kriegen gemachten, Feldzüge zogen auch viele auf seine Seite. Bereits sandte er einige Vornehmen an den Beherrscher der Skythen jenseits des Isters, der ihm zehentausend rüstige Streitgenossen zuschickte. Auch andere barbarische Völker traten zusammen, um an der Unternehmung Theil zunehmen. Da er ferner bedachte, daß er nicht wohl mit beiden Kaisern kämpfen könne, so beschloß er, einstweilen mit dem nähern zu streiten, und dann zu sehen, was weiter zu Thun sey.

Diese Anstalten machte Prokopius; Valens aber, der Kaiser, vernahm die Nachricht von dem Aufstande im Galatischen Phrygien, wurde dadurch bestürzt, und mit Unruhe erfüllt. Arbition aber sprach ihm Mut zu, und rüstete die Macht, die bei der Hand war, zum Kriege. Valens, schickte Botschaft an seinen Bruder, ihm von der Unternehmung des Prokopius Nachricht zu geben. Valentianus aber glaubte, demjenigen, der das ihm anvertraute Reich zu schützen nicht im Stande wäre, auch nicht helfen zu müssen. Valens bereitete sich daher zur Schlacht, und übergab die Führung des Kriegs gegen den Prokopius dem Arbition. Schon wollten beide Heere sich ein Treffen liefern, als Arbition gegen die Verwegenheit des Prokopius sich einer Kriegslist bediente, und ihm die meisten seiner Mitstreiter entzog, von denen er zugleich erfuhr, was er im Sinne hatte.

Niederlage und Tod des Prokopius – Wuth des Valens gegen seine Anhänger und Freunde.

Da nun der Kaiser und Prokopius gegen einander anrückten, begegneten sich beide Heere bei Thyatira. Hier hätte wenig gefehlt, daß nicht die Parthei des Prokopius gesiegt, und das Uebergewichte auf seine Seite sich geneigt hätte. Wirklich schien es, daß Hormisdas, der gleichnamige Sohn eines Persers, in diesem Treffen die Oberhand erhalten sollte. Allein Gomarius, einer der Feldherren des Prokopius, hatte mit denen, die zwar unter dem Prokopius dienten, aber kaiserlich gesinnt waren, seinen Entwurf gemacht, rief mitten in der Schlacht den Namen des Augustus aus, und ließ alle von seiner Parthei nach der Abrede ebenso ausrufen. So bald dies geschahe, gingen alle Soldaten des Prokopius zum Valens über, der, nach dem Siege, zu Sardes weilte, von da nach Phrygien aufbrach, und auf den Prokopius bei der Stadt Nakolea traf. Als Haplon, des Prokopius Feldherr, auch hier die Sache zum Vortheile des Kaisers einrichtete, so siegte Valens in offener Schlacht, bemächtigte sich des Tyrannen, bekam bald hernach auch den Marcellus gefangen, und tödtete beide. Bei dem Marcellus fand er ein königliches Gewand, das Prokopius ihm gegeben hatte. Dadurch wurde er so aufgebracht, daß er Alle mit Bitterkeit verfolgte, und nicht nur diejenigen aufsuchte, die bei der Empörung thätig waren, sondern selbst, die an dem Entwurfe Theil genommen, oder überhaupt etwas davon gehört, und den Anschlag nicht alsbald angezeigt hatten. Gegen Alle wüthete er ohne förmliches Urtheil, und diejenigen, die an dem Aufruhr Theil hatten, oder unschuldig waren, wurden, um der bloßen Verwandtschaft oder Freundschaft willen, Opfer des Zorns des Kaisers.

Krieg mit den Allemannen. – Niederlage und Sieg der Römer.

Während dieses in den, dem Valens zugetheilten Ländern vorfiel, weilte Valentinianus unter den Völkern jenseits der Alpen, und geriet in die größten und unerwarteten Gefahren. Denn ganz Germanien, das sich der zu jener Zeit, als Julianus die Würde eines Cäsars bekleidete, erlittenen Niederlage erinnerte, erfuhr kaum seinen Tod, so schüttelte es die ihnen eingeprägte Furcht ab, nahm die angebohrne Kühnheit wieder an, und fiel, zu gleicher Zelt alle, den Römern unterworfenen, Oerter an. Da Valentinianus ihnen entgegen gieng, erhub sich ein gewaltiges Treffen. Die Barbaren siegten, und verfolgten das Römische Heer in aller Eilfertigkeit. Valentinianus wollte der Gefahr nicht durch die Flucht entgehen, sondern ertrug dieses Schicksal, und forschte nach den Urhebern der Niederlage, die zuerst die Flucht genommen hatten. Da er nun genau nachforschte, und die Legion der Bataver schuldig fand, ließ er das ganze Heer in voller Rüstung sich versammeln, wie wenn es eine Rede, hören sollte, die allen nüzlich wäre. Hier bediente er sich solcher Ausdrücke, die den Anfängern der Flucht auf ihr ganzes Leben Schande brachten, und befahl den Batavern, die Waffen abzulegen, daß sie an diejenigen, die einen Preiß für sie böten, als flüchtige Sklaven, öffentlich verkauft würden, um anders wohin abgeführt zu werden. Nun fielen alle vor sich zur Erde, baten, das Heer von dieser allgemeinen Schande loßzusprechen, und versprachen, sich als Männer des Römischen Namens würdig zu zeigen. Er hieß sie dieses durch die That zeigen, und nun erhoben sie sich von der Erde, waffneten sich, wie sichs ziemte, giengen wieder ins Treffen, rückten vor den Lagerwall hinaus, und zeigten in der Schlacht solchen Muth, daß von der ungeheuern Menge nur einige der Barbaren in ihre Wohnungen sich retteten.

So endigte sich der Kampf mit der ganzen Germanischen Nation!

Zurüstungen zum Kriege gegen die Gothen. – Gute Anordnungen des neuen Präfekts, Auxonius.

Valens, der Kaiser richtete, nach dem Tode des Prokopius, noch viele hin; von noch mehreren ließ er das Vermögen in den öffentlichen Schaz bringen: an dem Zuge gegen die Perser aber wurde er verhindert, weil ein Theil der Skythen jenseits des Ister die Gränzen der Römer beunruhigten. Er schickte eine hinreichende Macht gegen sie aus, hemmte ihre weiteren Vorschritte, zwang sie, die Waffen zu übergeben, vertheilte sie in die Städte am Ister, und befahl, sie in einer Art von Gefangenschaft, doch nicht gebunden, zu halten. Es waren die nämlichen, die der Fürst der Skythen dem Prokopius als Hülfsvölker geschickt hatte. Da er nun den Kaiser bat, er möchte sie loßlassen, weil sie auf eine Gesandtschaft des damaligen Herrschers geschickt worden seyen, so gab ihm Valens kein Gehör, und antwortete: sie seyen nicht ihm zugeschickt, und nicht als Freunde, sondern als Feinde, gefangen worden. 5. Dieser Umstand entzündete den Skythischen Krieg. Als der Kaiser merkte, daß sie die Römischen Gränzen anzufallen dachten, und in dieser Absicht sich alle in größter Eile versammelt hatten; dehnte er sein Heer an den Ufern des Isters aus, er selbst aber hielt sich in Marcianopolis, der größten Stadt Thrakiens auf und sorgte dafür, daß die Soldaten in den Waffen geübt wurden, besonders aber, daß es ihnen nicht an Proviante mangelte. Er entließ den Salustius, dem die Präfektur zum Zweitenmale anvertraut worden war, und ernannte den Auxonius dazu. Auxonius war, obgleich ein so grosser Krieg bevorstund, in Eintreibung der Abgaben billig, und gab nicht zu, daß jemand über die Gebühr, oder mehr, als er schuldig war, beschwert wurde. Den Proviant für das Heer ließ er auf eine Menge von Frachtschiffen laden, um ihn übers schwarze Meer an die Ausflüsse des Isters zu bringen, und von da auf Flußschiffen in die am Ister gelegenen Städte schaffen, daß er von da dem Heere sogleich ausgetheilt werden konnte.

Niederlage der Westgothen und Friede mit ihnen.

Nachdem nun diese Anstalten den Winter über gemacht worden waren; so brach der Kaiser mit Anfange des Frühlings von Marcianopolis auf, und mit den Soldaten, die am Ister in Besatzung gelegen hatten, über den Strom in des Feindes Land, und rückte gegen die Barbaren an. Diese hatten nicht den Muth, einem regelmäßigen Treffen zu stehen, sondern verbargen sich in Sümpfe, und thaten heimliche Üeberfälle aus denselben. Daher befahl Valens den Soldaten, auf ihren Posten zu bleiben: allem Trosse aber, den er bey sich hatte, und denen, die das Gepäcke bewachen sollten, versprach er eine gewisse Geldsumme für jeden Kopf der Barbaren, den sie ihm brächten. Alsbald erhuben sich Alle, aus Hofnung des Gewinnstes, drangen in die Wälder und Sümpfe, hieben nieder, was ihnen in die Hände fiel, zeigten die Köpfe der Niedergemachten, und erhielten den versprochenen Preiß. Da nun eine Menge auf diese Art umkam, so baten die Uebrigen den Kaiser um Frieden, Valens verwarf ihre Bitte nicht, und es wurde ein Friede geschlossen, der die Würde der Römer nicht schändete. Denn es wurde beliebt, die Römer sollten mit aller Sicherheit behalten, was sie zuvor hatten: den Barbaren aber untersagt, überzusetzen, und überhaupt die Römische Gränze nicht zu betreten. Nach gemachten Frieden kehrte Valens nach Konstantinopel zurück. Als der Präfekt starb, übertrug er dieses Amt dem Modestus. Nach dieses Anordnung eilte er zum Kriege gegen die Perser.

Sicherung Galliens — Gedämpfter Aufruhr in Britannien — Gratian zum Nachfolger erklärt.

Während der Zurüstungen zu demselben glaubte Valentinianus, der gegen die Germanen gute Anstalten gemacht hatte, er müsse für die Sicherheit der Gallischen Nation auch in Zukunft sorgen. Er sammelte daher, sowohl aus den am Rhein wohnenden Barbaren, als auch an den, den Römern unterworfenen Akerleuten, so viel junge Mannschaft, als er konnte, vertheilte sie unter die Legionen, und übte sie sosehr im Kriegswesen, daß keins der Völker jenseits des Rheins, aus Furcht vor der Geübtheit und Erfahrung dieser Soldaten, die Römischen Städte während neun ganzer Jahre beunruhigte. Um diese Zeit verlohr ein gewisser Valentinianus, der wegen einiger Verbrechen zum Aufenthalte in Britannien verurtheilt war, und nach der Alleinherrschaft gestrebt hatte, Leben und Herrschaft. Den Kaiser Valentinianus aber befiel eine Krankheit , die ihn beinahe des Lebens beraubt hätte. Als er der Gefahr entronnen war, versammelten sich seine Diener, und ermahnten ihn, einen Nachfolger zu erwählen, damit der Staat, wenn ihm etwas begegnete, nicht darunter litte. Durch diese Gründe bewogen, ernannte er seinen Sohn Gratianus zum Kaiser und Reichsgehülfen, der jung war und die Jugendjahre noch nicht erreicht hatte.

Der Krieg gegen die Perser wird träge geführt, und ein Thor, der Kaiser werden wollte, gestraft.

Indem die Sachen so in den Abendländern stunden, rüstete sich Valens, der Kaiser, zum Zuge gegen die Perser, zu dem er von Anfange Anstalt gemacht hatte, in die morgenländischen Provinzen, rückte aber langsam vor, unterstützte die Städte, deren Gesandten etwas Nöthiges verlangten, verordnete auch sonsten manches nach der Billigkeit, und willfahrte denen leicht, die eine gerechte Bitte thaten. Wie er nach Antiochia kam, traf er die Einrichtungen zum Kriege mit aller Sicherheit, hielt sich den Winter in dem kaiserlichen Palaste auf, zog im Frühjahr gegen Hierapolis, führte von da das Heer gegen die Perser, und kam, mit einbrechendem Winter nach Antiochia zurücke. So verzögerte sich der Kampf gegen die Perser. Indem aber Valens zu Antiochia war, ereignete sich folgender sonderbare Umstand. Unter den kaiserlichen Notarien befand sich ein gewisser Theodorus. An ihn, der von guter Geburt und wohl erzogen war, aber als ein junger Mann durch Jugendhitze und durch Lobsprüche der Schmeichler leicht zum Schlimmen gelenkt werden konnte, schlossen sich einige an, und bereden ihn, sie seyen in den Wissenschaften stark, und besonders durch die von ihnen sehr erhöhete Wahrsagerkunst im Stande, das Zukünftige zu prophezeien. Nun erforschten sie, wer nach Valens Kaiser werden würde, und stellten einen Dreifuß auf, der durch gewisse Ceremonien das Zukünftige angeben sollte. Auf dem Dreifuße zeigten sich nach einander folgende Buchstaben, Th,. dann E, dann O, und darauf D. Die beinahe ein Wort ausmachten und anzeigten: Theodorus werde das Reich nach Valens erhalten. Als er nun durch diese Possen stolz wurde, aus allzugroßer Begierde immer mit Marktschreiern und Zauberern umgieng, und ihnen seine Entwürfe mittheilte, wird er dem Kaiser verrathen, und empfängt den Lohn, den seine Unternehmung verdiente.

Anklagen wegen Zauberey, und ungerechte Bestrafung.

Noch etwas trug sich nach diesem zu. Fortunatianus, Aufseher der kaiserlichen Kasse, forderte einen der Soldaten, die unter ihm stunden, wegen Zauberey vor Gerichte, und unterwarf ihn der Folter. Als er, von der Marter gezwungen, noch andere nannte, die seine Mitschuldige seyen, so wurde die Untersuchung dem Modestus, als dem Präfekte, übertragen, weil izt Personen vorgeführt wurden, die der Gerichtsbarkeit des vorherigen Richters nicht untergeben waren. Die Untersuchung traf nun Alle. Der Kaiser gerieth in außerordentlichen Zorn, und hatte alle, die wegen der Philosophie berühmt, oder sonsten in den Wissenschaften gebildet waren, überdies einige am Hofe angesehene Männer, im Verdachte. Denn diese wurden ihm als solche angegeben, die ihm nachstellten. Ueberall erscholl Weheklagen, und es war ein allgemeiner Jammer. Die Kerker waren voll von Menschen, die ohne Ursache darinnen saßen. Auf den Straßen wurden mehrere Menschen herbeigeschleppt, als in den Städten zurücke blieben. Die Schaaren, denen die Wache der ohne Ursache Herbeigeführten anvertraut war, bekannten, daß sie zur Sicherheit der Gefangenen nicht hinreichen, und fürchten, sie, deren Zahl größer sey, möchten sich die Flucht mit Gewalt erzwingen. Die Verleumder kamen ohne Gefahr davon, und waren nur gezwungen, anzuklagen; die Verurtheilten aber wurden ohne rechtliche Beweise theils zum Tode verdammt, theils verloren sie ihr Vermögen, und hinterließen Kinder, Weiber und die übrige Verwandtschaft in der äußerster Noth. Denn es war die Absicht, durch die mancherlei Verbrechen für den öffentlichen Schaz eine große, Geldsumme zu sammeln.

Weitere Verfolgung der Gelehrten.

Von allen, die durch Philosophie berühmt waren, wurde zuerst Maximus hingerichtet, nach ihm Hilarius, aus Phrygien gebürtig, weil er ein dunkeles Orakel aufs deutlichste erklärt hatte; nach diesem Simonides, dann Patricius der Lydier und Andronikus aus Karien. Sie hatten alle eine hohe Stufe der Wissenschaften erreicht, und wurden mehr aus Neid, als durch ein gerechtes Urtheil, verdammt. So war alles so sehr verwirrt, daß die Sykophonten mit ganzen Schaaren den nächsten Besten, die sie in ihrem Wege fanden, in die Häuser drangen, diejenigen, die ihnen begegneten wegrissen, und denen übergaben, die zur Hinrichtung Aller ohne weitere Untersuchung verordnet waren. Das Haupt dieses ganz ungewöhnlichen Verfahrens war Festus, von dem der Kaiser wußte, daß er zu aller Grausamkeit Hang hatte, und den er daher als Proconsul nach Asien sandte, damit niemand übrig bliebe, der sich mit Wissenschaften beschäftigt hatte, und die Absicht wirklich ausgeführt wurde. Denn Festus suchte alle auf, und wen er fand, tödtete er ohne Untersuchung; die übrigen zwang er, sich selbst zur Flucht über die Gränzen zu entschließen. So endigte sich das Unglück, das sich durch die Anklage des Theodorus über die Städte verbreitet hatte!

Ausserordentliche Strenge des Kaisers gegen das Volk und Nachsicht gegen die Vornehmen. Empörung des Firmus – Einfälle der Barbaren in Pannonien und Obermösien.

Valentinianus, von dem man urtheilte, er habe den Krieg gegen die Deutschen nur halb vollendet, zeigte sich nun äußerst hart. Denn er drang stark auf die Entrichtung der Abgaben, und trieb sie schärfer ein, als gewöhnlich war. Zum Vorwande nahm er die Größe der Ausgaben für das Kriegsheer, die ihn gezwungen haben, das im Schatze verwahrte Geld auszugeben. Der Haß, den er sich dadurch bei jedermann erweckte, erbitterte ihn nur noch mehr, und er hatte nicht Lust, bei den Befehlshabern Untersuchungen anzustellen, ob sie sich unerlaubten Gewinns enthielten? Vielmehr haßte er diejenigen, die den Ruf eines untadelhaften Lebens hatten. Mit einem Worte, gegen die Art, wie er die Regierung vom Anfange an geführt hatte, war er izt ein ganz anderer Mann. Daher überreichten die Libyer die den Geiz des Romanus, des Befehlshabers der Kriegsmacht in Mauritanien, nicht mehr ertragen konnten, dem Firmus, das Purpurgewand, und machten, ihn zum Kaiser. Die Botschaft davon beunruhigte, wie natürlich, den Valentinianus. Alsbald befahl er einigen Legionen, die in Pannonien und Obermösien besezten Posten zu verlassen, und sich nach Libyen einzuschiffen. So bald dieses geschehen war, griffen die Sarmaten und Quaden, die schon vorher auf den Kelestius zürnten, der Befehlshaber dieser Postirungen war, nach dem Abzuge der Soldaten nach Libyen, die Pannonier und Mösier an. Kelestius hatte ihren Fürsten durch eine beschworne Zusage zu sich gelockt, und ihn alsdann noch bei der Tafel hinterlistig ermordet. Daher fanden die Barbaren einen gerechten Vorwand des Angriffs, und plünderten und rauben alles, was, am Ister hin, außerhalb der Städte war. Die Pannonier waren daher den Plünderungen um so mehr ausgesezt, da die Soldaten die Städte nur sehr nachläßig bewachten, und den Gegenden innerhalb des Flusses eben so beschwerlich fielen, als die Barbaren. Mösien aber blieb unverletzt, weil Theodosius, der in jener Gegend die Kriegsmacht unter sich hatte, männlich widerstund, und die Einfälle abtrieb. Daher erwarb er sich Ruhm durch diesen Sieg, und erlangte in der Folge das Reich. — Doch das wird zu seiner Zeit erzählt werden.

Valentinianus geht nach Pannonien, und stirbt vor Zorn.

Die erhaltenen Nachrichten waren dem Valentinianus sehr unangenehm. Daher brach er aus Gallien auf, und begab sich nach Illyrien, um sich wegen des Kriegs gegen die Quaden und Sarmaten zu berathschlagen. Hier machte er den Merobaudes, von dem man urtheilte, er habe vor andern große Kriegserfahrung, zum Befehlshaber des ganzen Heers. Noch während des Winters, der ausserordentlich lange anhielt, schickten die Quaden eine Gesandtschaft mit sehr überspannten Anträgen. Darüber zürnte Valentinianus, und durch den Zorn, der beinahe in Wuth übergieng, schoß ihm das Blut in den Mund, und verstopfte den Schlund, daß er starb, nachdem er in Illyrien neun Monate, weniger etliche Tage, verweilt, und bis ins zwölfte Jahr regiert hatte.

Naturerscheinungen — Das Erdbeben verschont Athen — Sonderbare Ursache, die Z. davon angiebt.

Nach seinem Tode schlug der Bliz in Sirmium ein, und verbrannte den Palast und den Marktplaz. Denen, die sich darauf verstunden, schien dieses Anzeichen für den Staat nicht günstig zu seyn. Auch ereigneten sich Erdbeben an verschiedenen Orten. Kreta, nebst dem Peloponnese und dem übrigen Griechenlande, wurden so heftig erschüttert, daß viele Städte zu Grunde giengen, ausgenommen Athen und Attika. Man sagt, diese seyen aus folgender Ursache erhalten worden. Nestorius, der zu jener Zeit Oberpriester war, sahe einen Traum, in welchem ihm befohlen, wurde, den Heroen Achilles durch öffentliche Opfer zu verehren. Denn dieses werde die Stadt retten. Er machte sein Gesichte der Obrigkeit bekannt, sie aber glaubten, er sey, als ein sehr alter Mann, wahnsinnig, und achteten nicht darauf. Allein er, als ein Mann, der mit den Gedanken der Götter vertraut war, überlegte, was zu thun seyn möchte, verfertigte das Bild des Heroen in einer kleinen Nische, und stellte es unter die in dem Parthenos aufgestellte Bildsäule der Athene. Wenn er nun der Göttin opferte, so brachte er auch zu gleicher Zeit dem Heroen die Opfer, die ihm bestimmt waren. Da also auf diese Art der im Traume gegebene Rath durch die That selbst vollzogen wurde, und das Erdbeben einbrach, so wurden die Athener allein gerettet, und an den Wohlthaten des Heroen nahm auch Attika Theil. Daß dieses wahr ist, erhellet aus dem, was der Philosoph Syrianus, der eine Hymne auf den Heroen schrieb, davon erzählt hat. Ich fügte dieses bei, weil es meinen Absichten wohl entspricht.

Theilung zwischen Gratianus und Valentinianus dem Jüngern.

Als Valentinianus todt war, bedachten die Feldherren, Merobaudes und Equitius, daß Valens und Gratianus weit entfernt waren — jener war im Morgenlande, dieser aber von seinem Vater in Gallien zurückgelassen worden — und befürchteten zugleich, die jenseits des Isters wohnenden Barbaren möchten in das, seines Regenten beraubte, Reich einfallen. Daher riefen sie den jungen Sohn des Valentinianus, den er mit der ehemaligen Gattin des Magnentius erzeugt hatte, und der mit seiner Mutter nicht weit entfernt war, zu sich, und führten ihn mit dem Purpurkleide in den Palast, ungeachtet er kaum im fünften Jahre stund. Gratianus und Valentinianus theilten nach dem Gutbefinden derer, welche die Staatsgeschäfte entschieden — denn wegen ihrer Jugend herrschten sie nicht selbst — das Reich also, daß dem Gratianus die Völker Galliens und ganz Iberien, auch die Insel Britannien zufiel: Valentinianus aber sollte Italien, Illyrien und ganz Libyen besitzen.

Ankunft der Hunnen — Uebergang der Gothen über den Ister — Schändliches Betragen der Officiere des Valens.

Den Kaiser Valens aber umgaben mancherlei Kriegsstürme von allen Seiten. Die Städte in Lykien und Pamphylien verheerten die Isaurer, von einigen Pisidier, von andern Solymer, von noch andern die Bergkilikier genannt. — Das Zuverläßige werden wir angeben, wenn wir zur Erzählung von ihnen kommen. – Der ummauerten Plätze konnten sie sich zwar nicht bemächtigen: in den offenen Gegenden aber plünderten sie alles. Während der Kaiser noch zu Antiochia weilte, schickte er eine, wie er glaubte, hinreichende Macht gegen sie. Die Isaurier aber flüchteten sich mit all ihrer Beute in die rauhesten Gebürge, und die Soldaten konnten aus Sorgloßigkeit weder sie verfolgen, noch den Unfall der Städte lindern.

Unter diesen Auftritten erhub sich auf einmal ein barbarisches Volk, das, vorher unbekannt, izt plözlich erschien, über die Skythischen Völker am Ister. Man nannte sie die Hunnen: man mag sie nun die königlichen Skythen heißen — oder waren sie ein am Ister wohnendes Volk, eine plattnasigte schwache Menschenart oder sind sie aus Asien nach Europa herübergekommen. Denn ich finde aufgezeichnet [Vorlage: ausgezichnet], daß durch den Schlamm, den der Lanais herabschwemme, der Kimmerische Bosporus verdämmt worden sey, und ihnen Gelegenheit gegeben habe, zu Lande aus Asien nach Europa überzugehen. Diese rückten nun mit ihren Pferden, Weibern und Kindern und mit allem, was sie bei sich führten, herab. Ein ordentliches Standtreffen konnten und wußten sie nicht zu liefern — wie sollten sies können, da sie keinen festen Fuß auf die Erde zu setzen vermochten, und auf den Pferden lebten und schliefen? – Dafür aber richteten sie durch ihre Schwenkungen, durch Anprellen, durch zu rechter Zeit gemachte Rückzüge, bey denen sie von den Pferden schießen, eine unermeßliche Niederlage unter den Skythen an. Da nun dieses öfters geschahe, kam es mit den Skythen so weit, daß der Rest aus den Wohnungen, die sie hatten, eilte, sie den Hunnen zu bewohnen überließ, floh, um an das jenseitige Ufer des Isters überzusetzen, mit aufgehobenen Händen flehete, der Kaiser möchte sie aufnehmen; und versprach, sie wollten die Pflicht standhafter und treuer Bundsgenossen erfüllen. Die Befehlshaber, die über die Städte am Ister gesetzt waren, verwießen die Sache an den Kaiser und Valens erlaubte, sie aufzunehmen, doch sollten sie zuvor die Waffen niederlegen. Nun schifften die Tribunen und andere Soldatenanführer hinüber, um die Barbaren ohne Waffen auf die Römische Gränze herüber zu führen; thaten aber nichts, als daß sie wohlgestaltete Frauenzimmer aussuchten, schöne Knaben zum schändlichen Gebrauche haschten, oder sich Sklaven und Ackerleute verschafften. Mit diesem allein beschäftigt, vergaßen sie, was zum gemeinen Besten diente. So kam der größere Theil, ohne daß sie es bemerkten, mit den Waffen herüber, und vergaß, sobald er den Römischen Boden betrat, seine flehende Bitte und den Eid. Daher wurde izt ganz Thrakien und Pannonien und das Land bis Makedonien und Thessalien hin, mit Barbaren erfüllt, die plünderten, was ihnen vorkam.

Valens eilt gegen die Gothen. – Sonderbare Erscheinung!

Da diese Provinzen in so große Gefahr geriethen, so eilte man zum Kaiser, um ihm den Vorfall zu verkünden. Er brachte die Angelegenheiten mit den Persern, so gut es sich thun ließ, in Ordnung, eilte von Antiochien herbei, kam nach Konstantinopel, und gieng von da nach Thrakien, um den Krieg mit den Skythischen Ueberläufern zu bestehen. Das Heer, das auszog, und der Kaiser selbst, sahen hier folgendes Wunderzeichen. Man sahe einen am Wege liegenden Körper eines Menschen, der ganz unbeweglich war, und einem vom Kopfe bis zu den Füssen gegeißelten Manne glich, nur hatte er die Augen offen, und sahe damit diejenigen an, die sich ihm näherten. Da man nun ihn fragte: wer er sey, und woher, oder, wer ihm das gethan habe, und er schlechterdings nichts antwortete, so hielt mans für etwas Ausserordentliches, und zeigte es auch dem Kaiser, der in der Nähe war, an. Er brachte die nämlichen Fragen vor, jener aber war eben so stumm. Man glaubte weder, daß, er lebte, weil er gänzlich unbeweglich war, noch, daß er todt war, weil sein Blick so munter schien. Auf einmal verschwand die Erscheinung! Da nun die Umstehenden nicht wußten, was sie von der Sache denken sollten, so muthmaßten diejenigen, die dergleichen erklären konnten: es bedeute den künftigen Zustand der Staatsverfassung; der gepeitschte und gegeißelte Staat werde einem Sterbenden ähnlich seyn, bis er durch die Laster der Herrscher und Vorsteher gänzlich zu Grunde gehe.

Die Saracenische Reiterei thut gute Dienste – Verlegenheit des Valens.

Valens sahe, wie die Skythen schon ganz Thrakien plünderten, und beschloß daher, die er aus dem Oriente mit sich gebracht hatte, und die im Kampfe zu Pferde so erfahren waren, zuerst gegen die Reiterei der Skythen auszusenden. Sie empfiengen daher die Losung der Kaiser, zogen in kleinen Schaaren aus den Thoren Konstantinopels, durchstachen die Skythen, die sich verspäteten mit Stangen, und brachten alle Tage viele Köpfe derselben. Da die Skythen sahen, daß sie der Schnelligkeit ihrer Pferde und dem Wurfe der Stangen nur mit Mühe widerstehen konnten, so sannen sie darauf, den Stamm der Saracenen durch eine Kriegslist zu besiegen, verbargen einen Hinterhalt in hohlen Gegenden, und erwarteten nun, daß drei Skythen gegen einen Saracenen kämpfen werden. Allein auch dieser Versuch mißlang ihnen, weil die Saracenen, wenn sie den Feind stärker herankommen sahen, durch die Schnelligkeit und Lenksamkeit ihrer Pferde leicht entflohen. Konnten sie aber die langsameren Skythen angreifen, und sie mit den Stangen niederwerfen, dann war, die Niederlage der Skythen so groß, daß diese in der Verzweiflung über den Ister zurück gehen, und lieber sich den Hunnen ergeben wollten, als durch Saracenen gänzlich zu Grunde gerichtet werden. Als sie nun die Gegend von Konstantinopel verließen, und weiters fortrückten, so erhielt der Kaiser durch diesen Umstand Zeit, sein Heer näher heran zu ziehen. Indessen dachte der Kaiser darauf, wie ers mit dem Kriege, wo eine solche Menge der Barbaren ihn drängte, am besten einrichten sollte. Obgleich die schlechte Aufführung seiner Feldherren ihn in Verlegenheit setzte, so bedachte er sich doch wegen des Sturms, der den Staat umgab, sie abzusetzen, und, wem er die Befehlshaberstelle übergeben sollte, wußte er auch nicht, weil ihm keiner würdig schien. In der Zeit aber hatte Sebastianus die Abendländer verlassen, wo die Kaiser, um ihrer Jugend willen, ihren wahren Vortheil nicht kannten, sondern sich von den Verleumdungen der Eunuchen, ihren Kämmerlingen, leiten ließen, und war in Konstantinopel angekommen.

Sebastianus wird Oberfeldherr – Seine glücklichen Anstalten – er wird verleumdet.

Sobald Valens es erfuhr, wählte er den Mann, dessen vortreffliche Einsichten im Kriege und in Staatssachen er kannte, zum Feldherrn, und vertrauete ihm die Führung des ganzen Kriegs an. Da er nun bedachte, wie weichlich und gänzlich sorglos die Tribunen und Soldaten, wie sie nur zur Flucht geübt waren, und weibische und armseelige Gelübde thaten; so bat er, man möchte ihm zweitausend Soldaten überlassen, die er selbst wählen dürfte. Denn eine Menge zügelloser Menschen anzuführen, sey nicht leicht, hingegen nicht so schwer, wenige zu bilden, und von dem Weibischen zur Männlichkeit zurückzuführen; überhaupt vortheilhafter, es mit einer kleinen Anzahl, als mit der ganzen Menge zu wagen. Er überzeugte den Kaiser, und wählte nun, die er wünschte, nicht aus solchen, die zur Feigheit gebildet und zur Flucht geübt, sondern einige, die kürzlich in die Musterrolle eingeschrieben waren, sich durch guten Wuchs auszeichneten, und überdies, so viel man muthmassen konnte, zu demjenigen tüchtig schienen, wozu sie gewählt wurden. Alsbald prüfte er daher eines jeden Beschaffenheit, und ergänzte das Fehlende durch anhaltende Uebungen, lobte und belohnte mit Geschenken die Gehorsamen, gegen die Ungehorsamen aber zeigte er sich heftig und unerbittlich. Nachdem er seine Leute so in jeder Kriegskenntnis geübt hatte, besetzte er die ummauerten Städte, und sorgte hauptsächlich für die Sicherheit des Heers. Nun griff er die umherschwärmenden Barbaren durch beständige Ueberfälle an, fand sie bald mit Beute beschwert, hieb sie nieder, und, bemächtigte sich der Beute wieder; bald tödtete er sie, wenn er sie in der Trunkenheit, oder in Flüssen badend, überfiel. Da er durch dergleichen Kriegslisten eine Menge der Barbaren vertilgt hatte und der Rest, aus Furcht vor dem Feldherrn, nicht mehr auf Fütterung ausgieng, so erhub sich großer Neid gegen den Sebastianus, und dieser Neid erzeugte Haß. Daher verleumdeten ihn nun diejenigen, die ihre Befehlshaberstellen verloren hatten, bei dem Kaiser, und ermunterten dazu die Eunuchen an dem Hofe. Indem nun Valens sich von einem unvernünftigen Mißtrauen einnehmen ließ, eröffnet ihm Sebastianus, er möchte bleiben, wo er war, und nicht weiter vorrücken. Denn es sey nicht leicht, mit einer solchen Menge einen offenen Krieg zu führen, sondern man müsse die Zeit durch Ueberfälle und geheime Angriffe hinzubringen suchen, bis der Feind aus Verzweiflung wegen Mangel an Lebensmitteln entweder sich ergeben, oder von den Römischen Gränzen weiche, und sich lieber den Hunnen als dem kläglichen Untergange aufopfere, der den Hunger zu begleiten pflege.

Niederlage und Tod des Valens – Gratianuswählt den Theodosius zum Mitkaiser im Oriente.

Je mehr er warnte, desto mehr ermunterten diejenigen, die von der Gegenpartei waren, den Kaiser, mit dem ganzen Heere in den Krieg zu ziehen: die Barbaren seyen ja fast gänzlich zu Grunde gerichtet, und der Kaiser dürfe zum Siege ohne Schwerdtstreich sich nur zeigen. Da das Schicksal den Staat immer zum Schlimmeren hinriß, so behielt auch die schlimmere Meinung die Oberhand, und der Kaiser führte das ganze Heer ohne einige Ordnung ins Treffen. Die Barbaren kamen ihm ohne Verweilen entgegen, erhielten einen entscheidenden Sieg, und richteten fast das ganze Heer zu Grunde; und als Valens mit Wenigen in einen Flecken floh, der nicht ummauert war, so umlegten sie ihn ringsum mit Holze, warfen Feuer darein, und verbrannten diejenigen, die dahin geflüchtet waren, nebst den Einwohnern, so daß schlechterdings niemand zum Leichname des Kaisers gelangen konnte.

Indem nun der Staat auf schwachen Hoffnungen ruhete, eilte Victor, der Befehlshaber der Römischen Reiterei, der mit wenigen Reitern dem Treffen entronnen war, nach Makedonien und Thessalien, zog von da nach Mösien und Pannonien, und berichtete dem sich daselbst aufhaltenden Gratianus, was vorgefallen war, den Untergang des Heers und des Kaisers. Gratianus war über den Tod seines Oheims nicht sehr betrübt: denn es herrschte Mistrauen zwischen beiden. Da er nun der Staatsverwaltung sich nicht gewachsen fühlte, weil Thrakien von den daselbst aufgetretenen Barbaren besetzt war, Mösien und Pannonien von den Barbaren jener Gegenden beunruhigt wurden, die Völker am Rheine aber die Städte ohne Hindernis anfielen: so wählte er zum Reichsgenossen den Theodosius, der von Cauca, einer Calläcischen Stadt in Iberien, abstammte, selbst ein guter Krieger, und in der Anführung, des Kriegs erfahren war. Ihn bestellte er über Thrakien und die Angelegenheiten des Orients; er selbst aber begab sich zu den westlichen Galliern, um, wo möglich, alles dorten wieder in Ordnung zu bringen.

Glänzender Sieg des Modares über die Gothen und die Befreiung Thrakiens.

Indem Theodosius, der Kaiser, sich zu Thessalonich aufhielt, strömte viel Volks, theils in eigenen, theils in Staatsangelegenheiten, von allen Seiten dahin, erhielt, was billig war und entfernte sich wieder. Nun kam wieder eine Menge Skythen — ich meine Gothen, Taiphalen und andere Völker, die vorher mit ihnen zusammen lebten — über den Ister, und beunruhigten die den Römern unterworfenen Städte, durch die Noth gezwungen, weil die Hunnen ihre Wohnungen besetzt hatten. Theodosius rüstete sich daher mit aller Macht zum Kriege. Da ganz Thrakien von den genannten Völkern eingenommen war, und die Besatzungen der Städte und Kastelle es nicht wagten, nur ein wenig sich von den Mauern zu entfernen, noch viel weniger im freien Felde zu streiten: so besetzte Modares vom königlichen Stamme der Skythen, der kurz zuvor zu den Römern übergegangen und wegen bezeugter Treue eine Befehlshaberstelle erhalten hatte, – einen zwar niedrigen und nicht felsigten Hügel, der aber sich weit hin erstreckte, und unter dem eine große Fläche lag, mit seinen Soldaten, und zwar so, daß die Barbaren es nicht bemerkten, als er es that. So bald er nun von seinen Ausspähern erfuhr, daß die Barbaren in der unten liegenden Ebene von dem, auf dem Lande und in den offenen Dörfern vorgefundenen Vorrathe Misbrauch gemacht hatten, und betrunken da lagen: so ertheilt er in der Stille Befehle: die Soldaten sollen nur Schwerd und Schild mit sich nehmen, der größeren und schwereren Rüstung diesmal sich nicht bedienen, auch die gewöhnliche gedrängte Stellung nicht beobachten, um den in Schwelgerei versunkenen Feind zu überfallen. Dies geschahe! In kurzer Zeit hieben die Soldaten, welche die Barbaren überfielen, diese alle nieder, einige, ohne daß sie etwas merkten, andere, die erst durch Wunden aufmerksam wurden; den einen erlegten sie auf diese, andere auf eine andere Art. Als nichts mehr vom Feinde übrig war, plünderten sie die Gefallenen, eilten alsdann zu den Weibern und Kindern, und nahmen derselben viertausend Wagen voll, machten also so viele Gefangene, als man auf so vielen Wagen führen kann, außer noch denjenigen, die den Wagen zu Fuße folgten, und abwechselnd, wie gewöhnlich, auf denselben ausruheten. Da das Heer den Umstand, den ihm das Glück darbot, genützt hatte, so gelangte Thrakien, das in der äußersten Gefahr des Untergangs war, gegen alle Hoffnung durch die Niederlage der Barbaren, zur Ruhe.

Vertheilung der Gothischen Jugend in Asien, und schröcklich treulose Ermordung derselben.

Der Orient aber war dem gänzlichen Untergange ziemlich nahe, und zwar aus folgender Ursache. Da die Hunnen auf die erzählte Art, die jenseits des Ister wohnenden Völker überfallen hatten, und die Skythen den Angriff nicht aushalten konnten, so baten sie den damals regierenden Valens, sie in Thrakien aufzunehmen: sie wollten die Pflicht treuer Bundsgenossen und Unterthanen erfüllen, und in allem gehorchen, was ihnen der Kaiser befehle. Durch diese Gründe bewogen, nahm Valens sie auf. Weil er aber glaubte, von ihrer Treue nur dann sichere Bürgschaft zu haben, wenn er Anstalt machte, daß ihre Kinder, die noch nicht mündig waren, in einer andern Provinz sich aufhalten; so schickte er eine große Menge derselben in den Orient, und trug dem Julius, den er um seines Verstandes willen für tüchtig dazu hielt, auf, für ihre Erziehung und Bewachung zu sorgen. Er vertheilte sie daher in Städte umher, damit die Jugend der Barbaren, deren hier eine solche Menge versammelt war, keine Gelegenheit hätte, Aufruhr zu erregen, und, auch von ihrem Vaterlande entfernt, sich nicht zusammen verschwörte. Indem sie nun in diesen Städten lebten, und an Alter indessen zugenommen hatten, erhielten sie Nachricht von dem, was mit ihren Landsleuten in Thrakien vorgefallen war. Diese Botschaft brachte sie auf. Die in der nämlichen Stadt waren, unterredeten sich, und heimlich machten sies auch denen kund, die in andern Städten wohnten, daß sie entschlossen seyen, ihre Eltern und Landsleute durch den Ueberfall der Städte zu rächen. So bald Julius diesen Entschluß erfuhr, und in Verlegenheit darüber gerieth, weil ihm vor einer schnellen Unternehmung der Barbaren, was sie auch unternähmen, bange war; so beschloß er, den Entwurf nicht dem Theodosius zu eröffnen, theils weil dieser in den Gegenden Makedoniens sich aushielt, theils weil ihm der Auftrag nicht vom Theodosius, sondern vom Valens ertheilt, theils weil er ihm, als damaligem Herrscher fast noch nicht bekannt war: sondern er schrieb insgeheim an den Senat in Konstantinopel. Als nun dieser ihm auftrug, zu thun, was er gut fände, so wandte er die, über den Städten schwebende Gefahr auf folgende Weise ab. Er rief alle, die über die Rotten der Soldaten waren, zu sich, nahm einen Eid von ihnen, und theilte ihnen dann seinen Entschluß mit. Sobald diese vernommen hatten, was sie thun sollten, verbreiteten sie unter den, in den Städten wohnenden, Barbaren das Gerüchte: der Kaiser wolle sie mit sehr ansehnlichen Geschenken belohnen, und nicht nur Geld, sondern auch Land unter sie austheilen, damit sie gegen ihn und die Römer desto besser gesinnt würden. Darum sollten sie in den Hauptstädten sich versammeln, und es wurde ein Tag dazu bestimmt. Durch diese Hoffnungen erweckt, schoben sie ihren Zorn und den beschlossenen Untergang der Städte ein wenig auf, erwarteten den angesagten Tag, und strömten dann hin, wohin jedem zu gehen befohlen war. Die Soldaten, welche die Verabredung wußten, besetzten die an den Marktplätzen gelegenen Häuser, und warfen die hereinkommenden Barbaren mit Steinen und Geschossen, bis sie alle vertilgten, und so die Städte des Morgenlandes von der über ihnen, schwebenden Gefahr, befreieten.

Des Theodosius kostspielige und schädliche Vermehrung der Befehlshaberstellen bei dem Heere.

Diesen Ausgang hatten die, im Morgenlande und in Thrakien vorgefallenen Niederlagen durch die Klugheit der Feldherren! – Zu dem Theodosius aber, der immer noch in Thessalonich sich aufhielt, fanden diejenigen, die um ihn waren, leicht Zugang. Er selbst begann seine Regierung mit Schwelgerei und Sorglosigkeit, brachte die angestellten Gewalten in Verwirrung, und schuf mehrere Befehlshaber beim Kriegswesen als vorher gewesen waren. Denn statt Eines Hipparchen und statt Eines Befehlshabers über das Fußvolk, vertheilte er die Gewalt unter mehrere, als fünf. Dadurch belästigte er die Staatskasse mit mehreren Besoldungen. Denn sie wurden nun nicht mehr den beiden Feldherren allein, sondern von den fünf, oder mehreren, jedem so viel gereicht, als jeder von jenen zwei zuvor allein gehabt hatte. Dadurch gab er auch die Soldaten der Habsucht so vieler Befehlshaber preiß. Denn jeder derselben wollte nicht blos einen Theil, sondern den ganzen Gewinnst, wie wenns nur noch zwei wären, durch den Wucher machen, den sie mit dem Soldatenkorne trieben. Doch nicht nur die Oberfeldherren, sondern auch die Anführer der Schwadronen, der Rotten, der Legionen vermehrte er so stark, daß er zweimal mehrere hinterließ, als er vorfand. Die Soldaten erhielten aber von dem, was ihnen die Staatskasse gab, nichts.

Verschwendung und Schwelgerei des Theodosius — öffentlicher Aemterverkauf.

In solchen Zustand versetzte des Kaisers Sorgloßigkeit und unvernünftige Geldgierde diesen Theil des Staats! Ueberdies führte er bei der kaiserlichen Tafel einen solchen Aufwand ein, daß um der Menge der Speisen und der Kostbarkeit derselben willen zahlreiche Schaaren von Köchen, Mundschenken und dergleichen Leuten angestellt wurden. Wollte sie jemand herzählen, so müßte er viele Zeilen damit erfüllen. Was soll ich erst bei der Menge der Eunuchen zur kaiserlichen Bedienung verweilen, und wie die meisten derselben, wenigstens die durch Schönheit sich auszeichneten, zu Befehlshabern aufstellten, wen sie wollten, überhaupt die Verwaltung des ganzen Staats in Händen hatten, und die Gesinnungen des Kaisers lenkten, wohin sie wollten? Es ist nothwendiger, anzugeben, wie der Verfall des Staats daraus entsprang. Denn da er ohne Ueberlegung, auch an Unwürdige die Staatsgelder verschwendete, so bedürfte er natürlicher Weise, immer mehr Geld, setzte die Statthalterschaften für jeden zum Verkaufe aus, der sich dazu meldete, und sahe dabei weder auf guten Ruf noch ein rechtschaffenes Leben, sondern hielt denjenigen für tüchtig, der am meisten Land oder Geld dafür gab. Wechsler, Wucherer, und andere Leute, die auf den Marktplätzen das schändlichste Gewerbe treiben, sahe man die Ehrenzeichen der vornehmsten Würden feil bieten, und denjenigen, die am meisten Geld hatten, die Befehlshaberstellen übergeben.

Schlechter Zustand des Heers und der Städte.

Während nun der Staat sich immer auf diese Art verschlimmerte, wurde auch das Heer in kurzer Zeit sehr vermindert, und fast vernichtet. Den Städten fehlte Geld, das sich theils durch die Auflagen, die alles Maas überschritten, theils durch den Geiz der Obrigkeiten verlor. Denn diejenigen, die ihrer Unersättlichkeit nicht Genüge leisteten, verwickelten sie durch Verleumdungen in mancherlei Händel, und es fehlte nur, daß sie es öffentlich ausriefen: sie müßten wieder so vieles zusammen sammeln, als sie für das Amt gegeben haben. Daher wurden die Bewohner der Städte durch Armuth und die Bosheit der Obrigkeit niedergedrückt, führten ein unglückliches und klägliches Leben, und baten die Gottheit, sie möchte sie aus so großen Trübsalen erlößen. Denn noch dürften sie ungescheut in die Tempel gehen, und die Gottheiten nach der väterlichen Sitte, versöhnen.

Theodosius nimmt Barbaren in Sold, deren Menge ihn in Verlegenheit setzt.

Theodosius bemerkte indessen, wie sehr das Heer geschwächt war, erlaubte daher den Barbaren jenseits des Ister, die Lust hätten, zu ihm zu kommen, und versprach, die Ueberläufer in die Legionen aufzunehmen. Sie nahmen die Bedingung an, kamen zu ihm, und wurden mit den Römischen Soldaten vermischt, hegten aber den Gedanken, da ihrer so viele seyen,, könnten sie den Staat leicht angreifen, und von allem Meister werden. 3. Der Kaiser selbst sahe ihre große Menge, welche die Zahl seiner Soldaten übertraf, sann daher darauf, wie er sie im Zaume halten möchte, wenn sie etwas gegen den Vertrag unternähmen, und hielt fürs beste, einen Theil derselben mit den Legionen in Aegypten zu vermischen, einen Theil derjenigen aber, welche die dortigen Legionen vollzählig machten, an sich zu ziehen. Dies geschah! Auf den Befehl des Kaisers rückte der eine Theil gegen Aegypten, der andere hieher. Die Aegyptischen machten ihren Durchzug durch die Städte ganz ruhig, und kauften, was sie brauchten um den ordentlichen Preiß. Die Barbaren zogen ohne Ordnung durch, und eigneten sich auf den Märkten zu, was sie wollten. Als sie in Philadelphia, einer Stadt Lydiens, zusammentrafen, so beobachteten die Aegyptischen, die an der Zahl viel schwacher waren, als die Barbaren, die Kriegszucht: die Barbaren aber glaubten, weil sie stärker seyen, sich mehr erlauben zu dürfen. Als nun einer der Verkäufer auf dem Markte den Preiß für das verlangte, was er ihm gegeben hatte, der Barbar aber das Schwerdt zog, und hierauf auf das Geschrei des Ersten auch einen Zweiten verwundete, der jenem helfen wollte; so hatten die Aegyptischen Mitleiden, und ermahnten die Barbaren in der Güte, sich dergleichen Ungerechtigkeiten zu enthalten: „das sey keine Handlung von Menschen, die nach Römischen Gesetzen leben wollen.“ Aber die Barbaren zogen die Schwerdter gegen sie, bis endlich die Aegyptischen, von ihrem Muthe dahin gerissen, auch gegen sie ausrückten, und mehr als zweihundert tödteten, theils mit dem Schwerdte, theils, daß sie sie zwangen, in die Kloake zu flüchten, wo sie das Leben verloren. Nachdem die Aegyptischen dieses in Philadelphia gethan, und jene dadurch bescheidener gemacht hatten, daß sie ihnen zeigten, es fehle nicht an Widerstande gegen sie, so setzten sie ihren Zug weiter fort: die Barbaren aber zogen fort nach Aegypten, wohin sie zu gehen befehligt waren. Ihr Anführer war Hormisdas, der Perser, ein Sohn des Hormisdas, der mit dem Julianus sich zum Kriege gegen die Perser vereinigt hatte.

Die Barbaren überfallen den Theodosius, nützen aber ihren Sieg nicht.

Die Aegyptischen kamen in Makedonien an, und wurden den Legionen daselbst einverleibt. Es war aber keine Ordnung im Heere, keine Unterscheidung eines Römers oder Barbaren; alle liefen vermischt untereinander, und man hob die Liste von denen, die schon in die Soldatenrolle eingetragen waren, nicht einmal auf. Den Uebergängern, die schon in die Legionen eingeschrieben waren, wurde erlaubt, wieder in ihre Heimat zu gehen, und andere an ihre Stelle zu senden, auch, wenn er Lust hatte, unter den Römern wieder zu dienen. Da nun die Barbaren sahen, was für eine Verwirrung unter den Römischen Legionen herrschte — durch die Uebergänger und die Leichtigkeit, sich mit den Römern zu vermischen, konnten sie alles erfahren – so glaubten sie, izt sey es Zeit, den Staat, der in solcher Sorglosigkeit lag, anzugreifen. Ohne Mühe giengen sie über den Fluß, und kamen bis Makedonien. Denn niemand verwehrte es ihnen, und die Uebergänger gestatteten ihnen ungehinderten Durchzug, wohin sie wollten. — Als sie hier den Kaiser mit dem ganzen Heere ihnen entgegen kommen sahen, und tief in der Nacht ein stark brennendes Feuer bemerkten, so schlossen sie hieraus, das Feuer sey in der Nachbarschaft des Kaisers und seines Gefolges erfuhren auch, daß es sich so verhalte, bald von den ankommenden Ueberläufern, und rückten, von dem Feuer geleitet, schnell gegen das Zelt des Kaisers an. Weil nun auch die Ueberläufer ihnen beistunden, so that niemand Widerstand als die Römer, und die bei ihnen gebliebenen Uebergänger. Die wenigen konnten der Menge nicht widerstehen, doch gaben sie dem Kaiser Zeit, zu entfliehen, fielen aber alle, nachdem sie männlich gekämpft, und eine ungeheuere Anzahl der Barbaren niedergemacht hatten. Wären die Barbaren dem Laufe ihres Glückes gefolgt, und hätten die mit ihm Fliehenden verfolgt, so würden sie allerdings beim ersten Kriegsgeschrei sich Aller bemächtigt haben. Mit dem Siege zufrieden, verbreiteten sie sich über Makedonien und Thessalien, die niemand schützte, ließen aber die Städte unberührt, und unternahmen gegen sie nichts Feindseliges, in Hoffnung, einen Tribut von ihnen zu erhalten.

Theodosius bittet den Gratianus um Hülfe. Seine Härte in Eintreibung der Abgaben.

Sobald Theodosius erfuhr, daß sie hierauf sich zurückgezogen, und in ihr Land begeben hatten, sicherte er die Kastelle und ummauerten Städte mit Besatzungen; gieng hierauf nach Konstantinopel und schrieb an den Kaiser Gratianus Briefe, worinnen er ihm den Vorfall eröffnete, und ihn bat, dem Staate, der in die äusserste Gefahr gerathen, in aller Geschwindigkeit zu Hülfe zu kommen. Nach dem die Voten abgesandt waren, stellte er, wie wenn den Städten Thessaliens und Makedoniens kein Unfall begegnet wäre, Einnehmer der öffentlichen Abgaben auf, welche das, was zu bezahlen war, mit aller Strenge eintreiben sollten. Was die Menschlichkeit der Barbaren übrig gelassen hatte, sahe man izt gepfändet. Denn nicht nur das Geld, sondern auch den weiblichen Schmuck, und alles, was den Leib, selbst sogar gleichsam die Schaam, deckte, mußte man für die Abgaben geben. Alle Städte, das ganze Land waren voll Weheklagen und Thränen. Alles rief die Barbaren herbei, und sehnte sich nach Hülfe von ihnen.

Gratianus schickt Hülfe — Theodosius ferners schlechte Regierung und Verfolgung des Heidenthums.

So stunds in Thessalien und Makedonien! Theodosius aber zog mit vieler Pracht, wie wenn er einen Triumph über einen wichtigen Sieg hielte, in Konstantinopel ein, achtete nicht des allgemeinen Unglücks, und erweiterte nach der Größe der Stadt die Unmäßigkeit seines Aufwands.

Gratianus aber, der über die erhaltene Botschaft nicht wenig bestürzt war, schickte eine hinreichende Macht ab, die er dem Feldherrn Baudon anvertrauete, und dem er auch den Arbogast beigesellte. Beide waren Franken von Geburt, sehr gut gegen die Römer gesinnt, durch Geschenke unbestechlich und durch Kriegskenntnisse und Stärke ausgezeichnet. Als sie nun mit dem Heere in Thessalien und Makedonien anlangten, merkten die dorten raubende Skythen alsbald, schon aus den Vorspielen des Kriegs, die Klugheit und Entschlossenheit jener Männer, zogen sich gleich weg, und eilten durch das vorher von ihnen geplünderte Thrakien zurück. In der Unentschlossenheit, was sie thun sollten, wandten sie sich zur ehemaligen Erfahrung, und versuchten, den Theodosius auf die vorige Art zu täuschen. Erst schickten sie nur wenige Uebergänger an ihn, die ihm gute Gesinnungen, Bundsgenossenschaft und Gehorsam gegen alle Befehle versprachen.  Da er ihren Worten glaubte, sie aufnahm, und die erste Erfahrung ihn noch nicht einsehen ließ, was sein Vortheil war, so folgten ihnen andere, und er nahm alle auf — und nun war der Staat durch die Einfalt des Kaisers, die durch seine Schwelgerei Nahrung erhielt, abermals in der Gewalt der Uebergänger: denn alles, was zur Verderbniß der Sitten und des Charakters beiträgt, nahm unter dieser Regierung so sehr zu, daß fast alle, die der Aufführung des Kaisers nachahmten, die Glückseligkeit des Lebens nur darauf einschränkten. Lustigmacher, verwünschte Tänzer und alles, was zur schändlichen Lebensart und einer so geschmacklosen und sittenverderblichen Musik dient, wurde unter ihm itz angestellt, und nachher – und eben dadurch, daß seine Thorheit Nachahmer fand, der Staat in solches Verderben gestürzt. In der ganzen Stadt und auf dem Lande belagerte er die Sitze der Götter, und alle, die Götter glaubten, waren in Gefahr, oder auch, die nur zum Himmel aufblickten, und die Erscheinungen an demselben verehrten.

Neuer Einfall der Barbaren in Griechenland.— Alarich flüchtet zu Theodosius. Verschiedene glückliche Vorfälle für den Kaiser.

Während Theodosius sich mit dergleichen Dingen beschäftigte, schickte der Kaiser Gratianus den in Illyrien befindlichen Legionen den Bitalianus als Feldherrn zu — einen Mann, der dem nothleidenden Staate nicht zu helfen im Stande war. Während seiner Anführung drängten zwei Abtheilungen der Germanen jenseits des Rheins, die eine unter ihrem Führer Fritigernus, die andere vom Allothus und Saphrar befehligt, die Keltischen Völker so sehr, daß sie den Kaiser Gratianus in die Nothwendigkeit versetzten, ihnen, wenn sie Gallien verließen, zu gestatten, daß sie über dem Ister in Pannonien und Obermösien sich niederließen. Denn er dachte izt nur darauf, sich von ihren beständigen Einfällen zu befreien. Auf dieses hin schifften sie sich auf dem Ister ein und hatten im Sinne, durch Pannonien nach Epirus zu gehen, über den Achelous zu setzen, und die griechischen Städte anzugreifen: vorher aber glaubten sie, sich Proviant anschaffen, und den Athanarich, das Haupt des ganzen Skythischen Königsstammes, entfernen zu müssen, damit sie niemand im Rücken hätten, der ihre Unternehmung hindern könnte. Als sie ihn nun angriffen, vertrieben sie ihn ohne Mühe aus den Gegenden, in denen er sich aufhielt. Er eilte zum Theodosius, der eben erst von einer Krankheit frei wurde, die sein Leben zweifelhaft gemacht hatte. Der Kaiser nahm denselben mit den Barbaren in seinem Gefolge liebreich auf, gieng ihm weit vor Konstantinopel entgegen, und bestattete ihn, als er gleich hernach starb, mit königlichem Pompe. Der Aufwand bei diesem Begräbnisse war so groß, daß die Skythischen Barbaren, erstaunt über solche Pracht, nach Hause zurück giengen, und, voll Verwunderung über des Kaisers Gutmüthigkeit, die Römer nicht mehr beunruhigten; und alle, die bei seinem Tode gegenwärtig gewesen waren, bewachten nun das Ufer so standhaft, daß sie die Einfälle ins Römische Gebiete auf lange Zeit abhielten. – Um eben diese Zeit ereigneten sich auch andere glückliche Zufälle für den Theodosius. Denn er überwand die Skyrer und Karpodaker, die sich mit den Hunnen vereinigt hatten, und zwang sie nach der Niederlage, daß sie wieder über den Ister giengen, und in ihre Wohnungen zurückkehrten. Dadurch schienen auch die Soldaten wieder Muth zu gewinnen, und der Staat von den erlittenen Unglücksfällen sich zu erholen. Der Landmann konnte das Land wieder mit Sorgfalt bauen, und Pferde und andere Heerden ohne Furcht weiden.

Sieg des Promotus — Empörung des Maximus und Tod des Gratianus.

So schien Kaiser Theodosius die empfangenen Wunden zu heilen! Promotus aber, Feldherr des Fußvolks in Thrakien, zog dem Oedotheus, der eine große Macht, nicht nur von den am Ister wohnenden, sondern sogar von den entferntesten und unbekannten Völkern gesammelt hatte, mit seinem Heere anrückte, und schon über den Fluß gegangen war, mit dem Fußvolke und Bramen entgegen, und richtete eine solche Niederlage an, daß der Strom mit Leichnamen angefüllt wurde, und die auf dem Lande Gefallenen nicht leicht gezählt werden konnten.

Während dieses Zustandes der Sachen in Thrakien umgab den Gratianus keine geringe Gefahr, der er nicht leicht entrinnen konnte. Denn er gab denen, die an dem Hofe den Charakter der Kaiser zu verderben pflegten, so sehr Gehör, daß er einige Uebergänger von den Alanen aufnahm, sie dem Heere einverleibte, mit reichlichen Geschenken beehrte, und ihnen die wichtigsten Geschäfte, anvertraute, ohne auf seine Soldaten zu achten.  Dieses erregte den Haß der Soldaten gegen den Kaiser, der in kurzer Zeit so sehr sich entzündete und vergrößerte, daß er Begierde zu Aufruhr in den Soldaten erweckte, und zwar bei allen, vorzüglich aber bei denen, die in den Britannischen Inseln lagen, als die vorzüglich vor andern dem Trotze und Zorne sich zu überlassen pflegten. Noch mehr reizte sie Maximus, ein Iberier von Geburt, der einst mit dem Theodosius Feldzüge in Britannien gemacht hatte. Er zürnte, daß Theodosius mit der Kaiserwürde geziert worden, er hingegen zu keiner ansehnlichen Stelle vorgerückt war. Daher erweckte er den Haß der Soldaten gegen den Kaiser noch mehr. Sie ließen sich wirklich leicht zum Aufstande bewegen, ernannten den Maximus zum Kaiser, zierten ihn mit dem Purpurgewande und Diadem, schifften über den Ocean, und landeten in den Mündungen des Rheins. Da die Heere in Germanien, und auch, die weiter rückwärts stunden, mir seiner Ausrufung sehr zufrieden waren, so erhub sich nun Gratianus gegen ihn zum Kampfe, und sahe einen grossen Theil der Soldaten aus seiner Seite. Beide Heere näherten sich einander, und lieferten sich fünf Tage lang Scharmützel. Wie aber Gratianus sahe, daß zuerst die ganze Mauritanische Reiterei von ihm abfiel, und den Maximus zum Kaiser ausrief, hernach auch die anderen nach kurzer Zeit auf seine Seite traten, so verzweifelte er, nahm nur dreihundert Reiter mit sich, und flohe eilends mit denselben nach den Alpen. Er fand sie unbesetzt, und gieng durch Rhätien und Norikum, nach Pannonien und Obermösien. Maximus war bei seiner Flucht nicht gleichgültig, sondern schickte den Andragathius, Anführer der Reiterei, der am Pontus Euxinus zu Hause war, und gut gegen ihn gesinnt zu seyn schien, mit den stärksten Pferden zu seiner Verfolgung nach. Andragathius verfolgte ihn so anhaltend, daß er ihn einholte, wie er eben über die Brücke bei Sigidunum gehen wollte, und umbrachte. So, befestigte er die Regierung des Maximus!

Von der den Röm. Königen und Kaisern übertragenen Pontifexwürde, und wie Gratianus sie ausschlug.

Ich darf einen Umstand, der aufgezeichnet ist, nicht übergehen, da er der vorliegenden Erzählung nicht fremde ist. Unter der priesterlichen Obrigkeit Roms waren die Pontifices die vornehmsten. Man könnte sie die Gephyräer nennen, wenn man die Benennung in die griechische Sprache übertragen wollte. Diesen Namen hatten sie aus folgender Ursache. Als die Menschen den Bilderdienst noch nicht kannten, wurden die ersten Bilder der Götter in Thessalien gemacht, und weil es noch keine Kapellen gab — denn der Gebrauch auch von diesen war noch unbekannt — so stellte man die Abbildungen der Götter auf eine Brücke des Peneus. Diejenigen nun, die das Amt hatten, den Göttern zu opfern, hießen, von der ersten Aufstellung her Gephyräer. Dieses nahmen die Römer von den Griechen an, nannten diejenigen, die bei ihnen das Amt der Priester hatten, Pontifices, und beschlossen, daß auch die Könige, um ihrer vorzüglichen Würde willen, ihnen beigezählt werden sollten. Der erste, der es wurde, war Numa Pompilius, und alle, die nach ihm Könige hießen; nach ihnen Octavianus selbst, und nach ihm alle, die ihm in der Römischen Monarchie folgten. Denn jedem wurde, so bald er die Regierung übernahm, von den Pontifikern das priesterliche Gewand überbracht, und er als Pontifex Maximus eingeschrieben, das so viel, als Oberpriester, ist. Alle Kaiser sahe man diese Würde mit Vergnügen annehmen, und sich dieses Titels bedienen, selbst den Konstantinus, da er zur Regierung kam, ob er gleich von dem rechten Wege im Gottesdienste abwich, und den Glauben der Christen annahm. Das nämliche thaten seine Nachfolger, auch Valentinianus und Valens. Da nun die Pontifices nach der Gewohnheit auch dem Gratianus das Priestergewand überbrachten, verwarf er ihren Antrag, weil er diese Tracht einem Christen für unerlaubt hielt. Wie er nun die Stola zurückgab, soll der Vorsteher derselben gesagt haben: „Will der Kaiser nicht Pontifex heissen, so wird er bald Pontifex Maximus werden.“

Gesandtschaft des Maximus an den Theodosius. Verfolgungen der Heiden.

Dieses Ende nahm die Regierung des Gratianus! Maximus glaubte nun, die Regierung sicher zu besitzen, und schickte eine Gesandtschaft an den Theodosius, die so wenig wegen dessen, was er gegen den Gratianus gethan hatte, um Verzeihung bitten sollte, daß sie vielmehr einen harten Auftrag hatte. Der Abgeordnete war keiner der kaiserlichen Kämmerlinge, kein Eunuche — denn Maximus konnte die Eunuchen viel zu wenig leiden, als daß er sie zur Leibwache angenommen hätte – sondern ein berühmter Mann, der von Jugend auf ihn begleitet hatte. Die Gesandtschaft trug dem Theodosius Bund, Eintracht und Streitgenossenschaft gegen jeden Feind der Römer an — wollte er aber dieses nicht, so verkündigte er ihm Feindschaft und Kampf. Theodosius gab zu, daß Maximus Kaiser seyn sollte, und gestattete ihm sowohl Gemeinschaft der Bildsäulen als den Namen eines Kaisers; heimlich aber bereitete er Krieg wider ihn, während er ihn durch jede Art von Schmeichelei und Achtung sicher zu machen suchte, sogar, daß er dem Kynegius, dem Präfekt der Leibwache, den er nach Aegypten mit dem Befehle geschickt hatte, jedermann den Dienst der Götter zu verbieten, und die Tempel zu schliessen, doch den Auftrag gab, den Alexandriern das Bild des Maximus vorzuzeigen, es öffentlich aufzustellen, und dem Volke anzukündigen, er habe die Mitregierung erhalten. Kynegius erfüllte den Auftrag auch in diesem Punkte, verschloß im Morgenlande und in ganz Aegypten auch in Alexandrien selbst, die Eingänge der Tempel, und verbot sowohl die, von Jahrhunderten her eingeführten, Opfer als den ganzen väterlichen Götterdienst.

Ankunft der Prothinger (Grüthunger) am Ister, und Anstalten des Promotus gegen sie.

Was nun, von jener Zeit an bis izt, das Römische Reich für ein Schicksal hatte, wird die Erzählung der einzelnen Begebenheiten lehren.

Um diese nämliche Zeit erschien ein Skythisches Volk jenseit des Ister, das allen dortigen Anwohnern unbekannt war. Die Barbaren der Gegend nannten sie Prothinger. Da ihrer eine große Menge, und sie hinreichend bewaffnet war, und überdies durch Stärke sich auszeichneten, so bahnten sie sich leicht einen Weg mitten durch die Barbaren, kamen bis an den Ister, und verlangten, man solle ihnen den Uebergang gestatten. Promotus aber, dem die Anführung in jenen Gegenden anvertraut war, breitete sein Heer, so weit er konnte, am Ufer des Stroms aus, und verwehrte den Barbaren den Uebergang. Bei diesen Anstalten gerieth er auf einen noch andern Entwurf. Er berief einige welche die Sprache der Barbaren verstunden, und denen er trauen zu dürfen glaubte. Diese schickte er ab, um mit den Barbaren Unterhandlungen wegen Verrätherei zu pflegen. Sie verlangten, um ihnen den Römischen Feldherrn nebst seinem Heere in die Hände zu liefern, eine große Belohnung. Ob nun gleich die Barbaren erwiederten, sie seyen nicht im Stande, sie so ansehnlich zu belohnen, so beharrten die Abgeordneten des Feldherrn, um ihren Antrag nicht verdächtig zu machen, doch auf dem ersten Antrage, und versicherten, sie könnten sich ihre Belohnung nicht im geringsten schmälern lassen. Endlich wurden sie wegen einer gewissen Summe einig, und der Vertrag wegen der Verrätherei in der Stille gemacht, auch beschlossen, daß die Verräther alsbald einen Theil ihrer Belohnung, erhalten, das übrige aber bis zum Zeitpunkte des Sieges aufgehoben werden solle. So bald sie nur die Art der zu gebenden Zeichen und die Zeit festgesetzt hatten, wo die Verrätherei auszuführen sey, meldeten sie dem Feldherrn die Abrede: in der kommenden Nacht werden die Barbaren das Werk unternehmen, und den Uebergang gegen das Römische Heer versuchen. Die Barbaren ließen den blühendsten Theil ihrer Macht in eine Menge von Kähnen steigen, und befahlen ihnen, zuerst überzusetzen, und die Soldaten im Schlafe zu überfallen — nach ihnen sollten diejenigen folgen, die jenen an Stärke am nächsten kämen, um die ersten zu unterstützen, welche den Angriff anfiengen; endlich alle übrigen, die wegen ihres Alters keine Dienste thun können, sich dann erst zeigen, wenn die Unternehmung geglückt sey.

Schlacht mit den Gruthungern und ihre Niederlage.

Der Feldherr Promotus erfuhr alles dieses von denen, die er auf die Verrätherei abgeschickt hatte, und machte seine Anstalten gegen den Plan der Barbaren. Er stellte die Schiffe mit den Vordertheilen gegen einander, und zwar drei Schiffe in die Tiefe, dachte aber besonders darauf, sie recht auszudehnen, so daß sie in die Länge zwanzig Stadien von dem Ufer des Flusses einnahmen, und er auf diese Art dem Feinde die Ueberfahrt abschnitt. Mit den übrigen gieng er denjenigen, die in den Kähnen herüber zu schiffen wagten, entgegen, und versenkte, was ihm in den Weg kam. Die Nacht war dunkel. Die Barbaren, welche die Zurüstungen der Römer nicht wußten, begannen ihre Unternehmung, stiegen in die Kähne, und wähnten, den Römern sey ihr Entwurf gänzlich unbekannt. Als nun die Zeichen gegeben waren, schifften die Urheber der Verrätherei, die dem Feldherrn alles voraus gemeldet, und nach den Zurüstungen der Barbaren eingerichtet hatten, mit großen Schiffen, unter dem stärksten Rudern, heran, und versenkten, was ihnen entgegen kam, so daß keiner, der aus dem Kahne fiel, wegen der Schwere der Rüstungen im Stande war, sich zu retten. Diejenigen Kähne aber, die den heranschiffenden Römern entgiengen, und den in die Länge gestellten Fahrzeugen in die Hände fielen, waren jeder Art von Geschossen ausgesetzt, und giengen mit der Mannschaft zu Grunde, so daß keiner die Kette der Schiffe durchbrechen konnte. 5. Da nun so viele getödtet wurden, als niemalen in einer der ehemaligen Seeschlachten, so füllte sich der Strom mit Leichnamen und solchen Waffen, die sich über dem Wasser halten konnten. Diejenigen, die im Stande waren, durch Schwimmen zu entrinnen, geriethen auf die Felsen an dem Ufer des Stroms, und kamen auch um. Als nun alle junge Mannschaft der Barbaren zu Grunde gerichtet war, wandten sich die Soldaten zur Beute, führten alle Kinder und Weibsleute gefangen davon, und bemächtigten sich auch des Gepäckes. Izt rief der Feldherr Promotus den Kaiser Theodosius, der nicht ferne war, herbei, und machte ihn zum Zeugen des Sieges. Wie er die Menge der Gefangenen, und die Masse der Beute sahe, entließ er die Gefangenen fesselfrei, und erfreuete sie mit Geschenken. Durch diese Gütigkeit suchte er sie zu ermuntern, daß sie zu ihm übergiengen, und überhaupt ihn im Kriege gegen den Maximus unterstützten. Promotus blieb zur Bewachung Thrakiens auf seinem Posten, und schickte sich insgeheim zum angegebenen Kriege. Etwas ähnliches, das zur nämlichen Zeit geschahe, verdient doch erzählt zu werden.

Tapferkeit des Gerontius gegen einige Barbaren bei Tomi, und Undankbarkeit des Theodosius gegen ihn.

In dem Thrakischen Skythien ist eine Stadt, Tomi genannt. Der Anführer der daselbst in Besatzung liegenden Völker war Gerontius, der durch körperliche Stärke Vorzüge hatte, und zu den Geschäften des Kriegs tüchtig war. Vor der Stadt stunden Barbaren, von dem Kaiser selbst ausgesucht, die andere an Wuchs des Körpers übertrafen, und durch Muth sich auszeichneten. Vor den übrigen Soldaten wurden sie dem Kaiser sowohl durch größere Getraideportionen, als auch Geschenke ausgezeichnet. Allein sie dachten nicht daran, diese Ehre durch Zuneigung zu erwiedern, sondern vielmehr durch Mangel an Achtung gegen den Anführer und Stolz gegen die Soldaten. Da nun Gerontius ihre Gesinnungen kannte, wie sie darauf dachten, sich der Stadt zu bemächtigen, und den Staat zu verwirren, so theilte er den Soldaten, die durch gute Gesinnungen sich unterschieden, den Entwurf mit, den Muthwillen und Uebermuth der Barbaren zu züchtigen. Wie er aber sahe, daß die Soldaten unentschlossen waren, und jede Bewegung der Barbaren fürchteten, so nahm er die Waffen und wenige seiner Trabanten, um sich der ganzen Menge der Barbaren entgegen zu stellen, öffnete die Pforte, und gieng ihnen entgegen, während seine Soldaten entweder schliefen, und durch Unentschlossenheit wie gefesselt waren, oder auf die Mauern liefen, um zu sehen, wie es hergehe. Die Barbaren belachten den Wahnsinn des Gerontius, glaubten, der Mann müsse Lust haben, zu sterben, und schickten ihm einige aus ihnen von vorzüglicher Stärke entgegen. Er aber kämpfte mit dem ersten, der ihm nahe kam, bemächtigte sich schnell seines Schildes, und stritt so lange muthvoll, bis einer der Trabanten, der beide mit einander ringen sah, dem Barbaren die Schulter abhieb, und ihn vom Pferde zog. Während die Barbaren über die Stärke und den Muth des Gerontius bestürzt waren, griff er andere der Feinde an. Die auf den Mauern sahen die Thaten ihres Anführers, erinnerten sich nun auch des Römischen Namens, fielen heraus, und hieben die Barbaren, die über ihren Ausfall erschracken, nieder. Diejenigen, die entflohen, retteten sich in ein Gebäude der Christen, das für ein Asyl gehalten wird.

Gerontius, der Skythien von der obschwebenden Gefahr befreiet, und die sich erhebenden Barbaren durch seine außerordentliche Tapferkeit und Größe des Muths besiegt hatte, erwartete nun vom Kaiser die verdiente Belohnung. Theodosius aber zürnte nicht wenig, daß die Barbaren, die er so sehr geehrt hatte, umgebracht waren, ob sie gleich den Staat verheerten. Alsbald läßt er den Gerontius gefangen nehmen, und verlangt wegen seiner Großthat Verantwortung. Ob er sie nun gleich des Aufstandes gegen die Römer anklagte, und ihre Plünderungen und das Verderben der Einwohner erzählte; so hörte doch der Kaiser auf alles dieses nicht, sondern beharrte darauf: Gerontius habe die Barbaren aus Begierde nach den kaiserlichen Geschenken aus dem Wege geräumt, damit er sich durch dieselben, ohne Vorwürfe, bereichern könnte.  Ungeachtet er nun versicherte, er habe die goldenen Ketten, die ihnen der Kaiser zum Halsschmucke gegeben hatte, in den öffentlichen Schatz geliefert, so konnte er doch kaum dadurch, daß er sein eigenes Vermögen unter die Eunuchen vertheilte, der über ihm schwebenden Gefahr entrinnen. Solchen Dank erhielt Gerontius für seine guten Gesinnungen gegen Römer!

Verhandlungen zwischen Valentinianus II und Maximus. List des letzteren, um über die Alpen zu gehen.

Indem die Sachen im Oriente, in Thrakien und Illyrien also stunden, glaubte Maximus, nicht nach Verdienste glücklich zu seyn, wenn er nur über die dem Gratianus unterworfenen Völker herrschte. Daher sann er darauf, den jungen Valentinianus seines, wo möglich, ganzen Reichs zu entsetzen; mislänge dieses, sich wenigstens so viel, als er könnte, davon zuzueignen. Von diesen Absichten dahin gerissen, machte er Anstalten, die Alpen zu übersteigen, und nach Italien zu geben. Da er aber bemerkte, daß er den Zug durch enge Wege und über rauhe und unwegsame Berge machen mußte, auf die Sümpfe und Moräste folgen, die kaum dem gemächlich wandernden Reisenden, noch viel weniger also einem solchen Heere einen Ausgang erlauben: so verschob er die Unternehmung bis auf weitere Üeberlegung. Valentinianus schickte, von Aquileja aus eine Gesandtschaft, und verlangte, er möchte ihm Sicherheit eines dauerhafteren Friedens geben. Maximus genehmigte den Antrag, und stellte sich, wie wenn er ihn sehr gerne annehme. In dieser Absicht sandte Valentinianus den Domninus ab, der zwar von Geburt ein Syrer, aber ihm von der besten Seite bekannt war. Er hatte große Gewalt bei ihm, und schien es an Treue und Kenntniß der Geschäfte allen zuvor zu thun: und überhaupt, was der Kaiser, ohne daß andere es wußten, thun wollte, glaubte er ihm vorzüglich anvertrauen zu dürfen. Als nun Domninus zum Maximus kam, und seine Aufträge vorgetragen hatte, so wurde er mit aller Ehre und Freundlichkeit aufgenommen. Maximus erwies ihm so überwiegende Höflichkeit, und überschüttete ihn mit einer solchen Menge von Geschenken, daß Domninus glaubte, Valentinianus habe keinen bessern Freund, als ihn. Ja es gelang dem Maximus, den Domninus so einzunehmen, daß er ihm auch einen Theil seines Heers mitgab, das der Kaiser gegen die Barbaren brauchen könnte, die das ihm unterworfene Pannonien drängten. Stolz auf die Menge und Größe der Geschenke, wie auch auf die Begleitung der ihm mitgegebenen Bundsgenossen, kehrte nun Domninus zurück, merkte aber nicht, daß er dem Maximus den Weg über die Alpen in sein Land erleichterte. Maximus sahe es voraus, bereitete alles zu seiner Absicht, schickte Wachen den Weg ruhig voraus, und folgte mit seiner ganzen Macht. Die Wachen wandten alle Sorgfalt an, daß niemand ihnen zuvor eilte, um dem Domninus seinen Uebergang nach Italien zu melden. Dieses zu verhüten, war um so leichter, weil es nicht möglich war, daß diejenigen, die durch die Pässe der Alpen gingen, von ihnen nicht entdeckt würden. Sobald er nun erfuhr, daß Domninus die engsten Pässe und die unwegsamsten Gebürge überstiegen, auch bereits die sumpfigen Gegenden zurück gelegt hatte, die ein Heer nur mit Mühe durchziehen kann, wenn es fürchten muß, in so schlimmen Pässen Feindliche Schaaren sich entgegen gestellt zu finden; dann besetzte er in aller Elle Italien, und rückte gegen Aquileia.

Valentianus flieht zum Theodosius, der den Krieg gegen den Maximus beschließt.

Da Valentianus durch diesen plötzlichen Ueberfall sogar die Hoffnung verlor, so wandelte seine Diener die Furcht an, Maximus möchte ihn lebendig fangen, und umbringen. Er bestieg daher ein Schiff, und lichtete nach Thessalonich. Mit ihm schiffte seine Mutter Justina, einst, wie erzählt, die Gattin des Magnentius, die, nach seiner Hinrichtung, mit dem Kaiser Valentinianus wegen ihrer ausserordentlichen Schönheit verbunden wurde, und ihre Tochter Galla mit sich führte. Nachdem sie mehrere Meere durchschifft, und in Thessalonich gelandet hatten, schickten sie eine Gesandtschaft an den Theodosius, mit der Bitte: er möchte izt wenigstens den Uebermuth gegen die ganze Familie des Valentinianus rächen. Erstaunt über die Nachricht, vergaß er seiner großen Schwelgerei, und bekämpfte die Sucht nach Vergnügungen. Auf gehaltenen Rath wurde beschlossen, daß er selbst, mit einigen Gliedern des Senats, sich nach Thessalonich begeben sollte. Hier wurde nun von neuem berathschlagt, was zu thun sey, und allgemein beschlossen, die Ungerechtigkeiten des Maximus zu strafen. Denn ein Mann dürfe nicht mehr leben, der den Gratianus umgebracht, und sich sein Reich zugeeignet, der noch dazu, als ihm dieses gelungen, immer weitere Vorschritte gemacht, und nun auch den Bruder des Gratianus des ihm hinterlassenen Reichs beraubt habe.

Justina besiegt das Zaudern des Theodosius durch die Reize ihrer Tochter, Galla.

Ob nun gleich Theodosius über diese Handlungen zürnte, so war er doch sowohl wegen angeborner Weichlichkeit, als auch der Sorglosigkeit seiner bisherigen Lebensart zu diesem Kriege etwas träge, und sprach theils von dem Unglücke der einheimischen Kriege, theils wie es nicht anders möglich sey, als daß der Staat von beiden Seiten eine tödtliche Wunde empfinge. Daher verlangte er, man solle vorher unterhandeln: wolle Maximus dem Valentinianus das Reich wieder zurückgeben, und sich ruhig verhalten, so solle das Ganze nach der vorigen Einrichtung vertheilt werden; behielte aber die Habsucht die Oberhand bei ihm, so müsse man ihn ohne weitere Umstände bekriegen. Diesem Vortrage des Kaisers, der dem Staate ersprießlich zu seyn schien, getrauete sich niemand vom Senate zu widersprechen. Justina, die in Staatssachen erfahren war, und wohl Mittel zu ihrem Vortheile auszufinden wußte, auch die Neigung des Theodosius zu Liebeshändeln kannte, stellte ihm ihre Tochter Galla vor, die sich durch außerordentliche Schönheit auszeichnete. Sie umfaßte die Knie des Kaisers, und flehete ihn, er möchte doch sowohl den Tod des Gratianus, der ihm das Reich gegeben habe, nicht ungerächt lassen, als auch sie, die sonsten ganz hoffnungsloß sey, nicht vergebens vor sich knieen sehen. Mit diesen Worten zeigt sie ihm die jammernde Tochter, die ihr Schicksal beweinte. Wie Theodosius diese hörte, und zugleich durch den Anblick der Schönheit der Galla gefesselt wurde, verrieth er zwar durch seine Blicke die von ihrer Schönheit empfangene Wunde, schob aber die Unternehmung doch auf, und ermunterte sie, gute Hoffnung zu fassen. Allein als die Sehnsucht nach der Jungfrau ihn verzehrte, begab er sich zur Justina, und erbat sich ihre Tochter zur Gattin, weil Placilla, die er vorher gehabt hatte, gestorben war. Sie aber weigerte sich, sie ihm anders zu geben, als wenn er gegen den Maximus aufbräche, den Tod des Gratianus rächte, und dem Valentinianus das Reich seines Vaters wieder übergäbe. Unter diesen Bedingungen wurde ihm die Vermählung gewährt, und er ergab sich nun ganz den Zurüstungen zum Kriege. Von seiner Gattin angetrieben, gewann er das Heer durch Zulagen des Gehalts, und entsagte, von der Noth gedrungen, seiner andern Sorglosigkeit: ja er befahl sogar, für die Zeit seiner Abwesenheit Anstalten auf solche Fälle zu machen, die Vorsicht erforderten.

Gute Anordnungen des Kaisers. – Verdächtige Barbaren bestraft. — Zug gegen den Maximus.

Als daher Kynegius, der Präfekt, bei seiner Rückreise aus Aegypten, unterwegens starb; so sahe er sich nach einem Manne um, den er zum Präfekten erheben könnte, prüfte viele öfters, und fand zuletzt einen, der dazu tauglich war. Er berief nämlich den Tatianus aus Aquileja zu sich – einen Mann, der schon andere Aemter unter Valens verwaltet hatte, und in allen Stücken vorzügliche Eigenschaften besaß, erklärte ihn zum Präfekte des Staats, und schickte ihm die Zeichen dieser Würde; seinen Sohn Proklus aber ernannte er zum Präfekten der Stadt. Hierinnen handelte er sehr wohl, daß er die wichtigsten Aemter solchen Männern übergab, die in der Abwesenheit des Kaisers die Angelegenheiten der Unterthanen aufs beste besorgen konnten. In Ansehung des Heers setzte er den Promotus über die Reiterei, den Timasius aber über das Fußvolk. Als er nun glaubte, daß zum Aufbruche nichts mehr fehle, kam die Rede vor die Ohren des Kaisers: die mit den Römischen Legionen vermischten Barbaren haben, unter Versprechungen großer Geschenke, den Antragen vom Maximus wegen Verrätherei Gehör gegeben. So bald sie aber erfuhren, daß es bekannt geworden, nahmen sie ihre Zuflucht zu den Sümpfen und Weihern Makedoniens, und verbargen sich in das Dickicht jener Gegenden. Hier wurden sie verfolgt, durch alle mögliche Mittel aufgesucht, und größtentheils getödtet, so daß nun der Kaiser von dieser Furcht befreiet, mit aller Eile und mit der ganzen Macht gegen den Maximus anrückte. Die Justina nebst ihrem Sohne und der Tochter setzte er auf Schiffe, übergab sie sicheren Begleitern, und schickte sie nach Rom. Denn er glaubte, daß die Römer, deren Gesinnungen dem Maximus abgeneigt waren, sie mit Vergnügen aufnehmen werden. Er selbst beschloß, mit dem Heere durch das obere Pannonien und über die Apenninen gegen Aquileja vorzurücken, und den Feind noch unbereitet zu überfallen.

Maximus wird in Aquileia überfallen, gefangen, und hingerichtet.

Während Theodosius auf diesem Wege heranzog, erfuhr Maximus, daß die Mutter des Valentinianus mit ihren Kindern über den Ionischen Meerbusen schiffen werde, bringt Schnellschiffe zusammen, übergiebt sie dem Andragathius, und schickt sie aus, jene zu fangen. Dieser streifte überall, und verunglückte in seinem Versuche, denn sie waren schon über die Ionische Meerenge geschifft – doch sammelte er eine hinreichende Macht, und seegelte immer umher, weil er glaubte, Theodosius werde mit seiner Seemacht anrücken. Während Andragathius sich damit beschäftigte, zog Theodosius durch Pannonien und die Pässe der Apenninen, und überfiel unvermuthet und unverwahrt die Macht des Maximus. Da ein Theil des Heers im schnellsten Anlaufe die Mauern von Aquileia angriff, und sich den Eingang durch die Pforten, mit Gewalt eröffnete – denn die Wache, die nicht stark war, sahe sich nicht im Stande, zu widerstehen – so wurde Maximus, der eben anfieng, seinen Soldaten Geld auszutheilen, vom Throne herabgerissen, des kaiserlichen Gewandes beraubt, und vor den Theodosius geführt. Der Kaiser rückte ihm seine Verbrechen gegen den Staat in nur wenigen Worten vor, und übergab ihn dann dem Nachrichter, die verdiente Strafe zu büßen. Dieses Ende nahm das Leben und die Herrschaft des Maximus, der seit seinem über den Valentinianus erhaltenen Vortheile sich träumen ließ, ohne Mühe das ganze Römische Reich sich erwerben zu können!

Victor, des Maximus Sohn, wird bezwungen – Andragathius stürzt sich ins Meer, und Valentinianus II. erhält sein Reich wieder.

Der Kaiser Theodosius erfuhr: Maximus habe seinen Sohn Victor, bei seinem Zuge über die Alpen, daselbst zurückgelassen, und mit der Würde eines Kaisers beehrt. Daher schickte er alsbald den Feldherrn Arbogast ab, der den Jüngling des Reichs entsetzte, und tödtete. Wie nun Andragathius, der immer noch die Jonische Meerenge durchspähete, alles dieses vernahm, und wohl wußte, daß er in großes Unglück gerathen würde, so erwartete er den Angriff nicht, sondern strafte sich selbst, indem er sich ins Meer stürzte und lieber diesem, als seinen bittersten Feinden, anvertrauen wollte. Er übergab also das ganze Reich, soweit es sein Vater besessen hatte, dem Valentinianus, und zeigte dadurch, was er seinen Wohlthätern schuldig war. Von den Soldaten, die unter dem Maximus gedient hatten, nahm er die ausgesuchteste Mannschaft unter sein Heer auf, und ließ nun den Valentinianus in Italien, Gallien und was zu seiner Herrschaft gehörte, alles einrichten, wie er wollte. Die Mutter blieb bei diesem, und was dem Jünglinge wegen seines Alters an Klugheit fehlte, so viel es einem Frauenzimmer möglich war, zu ergänzen.

Thätigkeit des Theodosius, die übrig gebliebenen Räuber in Makedonien auszurotten.

Wie er selbst nach Thessalonich zurückkehrte, fand er in Makedonien keine geringe Verwirrung der Dinge. Denn alle Barbaren, die sich in den Sümpfen und den Wäldern in der Nachbarschaft der Seen verborgen und bei dem ersten Anfalle der Römer gerettet hatten, nützten izt die Beschäftigung des Kaisers im bürgerlichen Kriege, Makedonien und Thessalien, wo ihnen niemand Widerstand leistete, zu plündern. Als sie aber vom Siege und der Rückkehr des Theodosius Nachricht erhielten, verbargen sie sich wieder in die Sümpfe. Von da fielen sie heimlich aus, und raubten, was sie vorfanden. Sobald aber der Tag anbrach, begaben sie sich in die gewöhnlichen Oerter, so daß dem Kaiser der Gedanke einkam, es seyen eher Gespenster, als Menschen, die so ins Land fielen. In dieser Verlegenheit theilte er seinen Entschluß niemanden mit, nahm fünf Reiter, mit sich, und befahl, ein jeher solle drei oder vier Pferde am Zügel nachführen, damit der Reiter, wenn das Pferd, das er ritt, der Arbeit unterläge, ein anderes besteigen könnte, und damit die Pferde auf diese Art gegen die Beschwerlichkeit der Unternehmung, die er im Sinne hatte, ausdauerten. Ohne daß jemand, der ihn sahe, den Kaiser in ihm muthmaßen konnte, untersuchte er die Gegend, und wenn er mit seinem Gefolge Nahrung bedurfte, bat er sie sich von den Landleuten aus. Hier kam er nun auch in eine kleine Herberge, die von einer alten Frau bewohnt wurde, und verlangte von ihr Obdach und einen Trunk. Als nun die Frau ihn liebreich aufnahm, Wein und was sie hatte, mittheilte, und die Nacht einbrach, verlangte er, auch da zu schlafen. Auch dieses bewilligte sie. Der Kaiser legte sich in eine Ecke der Herberge und bemerkte da einen Menschen, der nichts redete, und sich verbergen zu wollen schien. Theodosius verwunderte sich darüber, rief die Frau herbei, und frug: wer und woher, der Mensch sey? Sie antwortete: Sie wisse es nicht, auch nicht, in welcher Absicht er gekommen sey, nur das, sprach sie, wisse sie: seit dem man Botschaft erhalten, daß der Kaiser mit dem Heere zurückgekehrt sey, kehre er bei ihr ein, bezahle jeden Tag, was er verzehrt habe, gehe den ganzen Tag außer dem Hause, wohin er wolle, umher, komme bei einbrechender Nacht zurück, wie von einer Arbeit ermüdet, nehme Speise zu sich, und lege sich dann, wie man hier sehe. Wie der Kaiser dieses hörte, glaubte er, die Anzeige der Alten untersuchen zu müssen, ließ den Menschen greifen, und verlangte zu wissen, wer er sey. Noch hatte er den Trotz, nicht das geringste zu antworten, und nun wurde er durch Peitschenhiebe peinlich befragt. Auch dadurch ließ er. sich nicht zwingen. Daher befahl der Kaiser den Reitern, ihm mit den Schwerdten den Leib zu ritzen, und gab sich zugleich als den Kaiser Theodosius zu erkennen. Izt bekannte der Mensch: er sey ein Spion der in den Sümpfen verborgenen Barbaren, und melde ihnen, wo und welche Gegenden und welche Leute sie am besten überfallen können. Alsbald ließ er ihm den Kopf abhauen, schickte nach dem Heere, das nicht weit davon sich gelagert hatte, und führts dahin, wo er nun wußte, daß die Barbaren sich aufhielten, fiel sie an, und richtete alle zu Grunde, indem er theils die in den Sümpfen verborgenen heraustrieb, theils sie im Wasser niederhieb, so daß die Barbaren eine große Niederlage erlitten.

Die Barbaren überfallen den Kaiser im Schlafe. — Promotus kommt zu Hülfe, und rettet ihn.

Der Feldherr Timasius aber, der die Tapferkeit des Kaisers bewunderte, bat ihn, zu erlauben, daß die Soldaten, die noch nichts gegessen hatten, und den Kampf in den Sümpfen nicht mehr aushalten konnten, Speise zu sich nehmen dürften. Als ers vergönnte, rief die zum Rückzug blasende Trompete die Soldaten von der Arbeit und dem Angriffe der Barbaren zurück. Sie kamen also, sich zu laben, sättigten sich, und sanken, vom Weine und der Müdigkeit überwältigt, in sehr tiefen Schlaf. Dies merkten die übriggebliebenen Barbaren, ergriffen die Waffen, fielen die, von Schlafe und Trunkenheit besiegten Soldaten an, und erstachen sie mit Spießen, Schwerdtern, und andern zum Morden dienenden Werkzeugen. Mit dem ganzen Heere würde der Kaiser selbst umgebracht worden seyn, wären nicht einige, die an dem Mahle noch nicht Theil genommen hatten, zum Zelte des Kaisers gelaufen, um ihm den Vorfall zu melden. Bestürzt darüber, beschloß er und sein Gefolge, der bevorstehenden Gefahr zu entfliehen. Unterwegens aber begegnete ihnen auf der Flucht Promotus, den der Kaiser von ungefähr herbeigerufen hatte. Er bat den Kaiser, sich und sein Gefolge zu retten: er wolle für die Barbaren schon sorgen, und sie für ihre Verwegenheit züchtigen. Mit diesen Worten rückte er vor, griff sie, da sie noch mit den Schlafenden beschäftigt waren, an, überfällt sie in aller Geschwindigkeit, und tödtet ihrer so viele, daß keiner, oder nur sehr wenige, die in die Sümpfe flohen, sich retteten.

Schilderung des Charakters des Theodosius.

Dieses wars, was dem Kaiser Theodosius, nach seiner Rückkehr von der Vertilgung des Maximus, begegnete! Als er nach Konstantinopel zurück kam, war er auf den Sieg über den Maximus sehr stolz: durch das aber, was die in den Sümpfen verborgenen Barbaren ihm und seinem ganzen Heere zugefügt hatten, wieder gedemüthigt, beschloß er, dem Kriege und den Schlachten zu entsagen. Diese überließ er dem Promotus, und erinnerte sich nun seiner vorigen Lebensart, hielt kostbare Gastmahle, beschäftigte sich nur mit Vergnügungen, und setzte seinen ganzen Stolz in Schauspiele und Pferderennen, so daß ich mich über das Schwankende dieses Mannes von einer Lebensart zur andern nicht genug verwundern kann. Denn da er von Natur sorgloß, und der Unthätigkeit und alle dem, was ich vorhin sagte, ergeben war; so überließ er sich seinem Temperamente, wenn ihn nichts Unangenehmes oder keine einbrechende Furcht in Bewegung setzte. Wurde er aber in eine Noth versetzt, von der man glauben mußte, sie werde die gegenwärtige Verfassung erschüttern, dann legte er die Unthätigkeit ab, entsagte der Schwelgerei, und gieng zur Männlichkeit, Thätigkeit und einer, Ungemach ausdauernden Lebensart über. Er, der als ein Mann von solchem Charakter sich durch die Erfahrung bewährte, war kaum von aller Sorge befreiet, als er aufs neue sich der angebornen Sorgloßigkeit ergabt.

Charakter des Staatsministers, Rufinus. – Meuchelmord des Promotus.

Von allen, denen Staatsämter anvertraut waren, hielt er den Rufinus, einen Gallier, in besonderen Ehren, und machte ihn zum Oberhofmeister. Andere achtete der Kaiser wenig, ihm aber vertraute er alles an. Dieses verdroß den Timasius und Promotus, daß sie nach so vielen Kämpfen für den Staat nur in die zweite Reihe gesetzt wurden. Rufinus, der von sich eingenommen und stolz sich immer mehr erhub, beleidigte daher einst in einem öffentlichen Staatsrathe den Promotus durch einen übermüthigen Ausdruck.  Promotus konnte dieses nicht dulden, fuhr mit der Hand aus, und schlug ihn ins Gesichte. Nun gieng Rufinus zum Kaiser, zeigte ihm sein Gesicht, und erregte dadurch solchen Zorn, daß Theodosius sagte: wenn sie dem Neide gegen den Rufinus nicht entsagten, so werden sie ihn bald als Kaiser sehen. Wie Rufinus, der sonsten wegen seiner überwiegenden Neigung zur ersten Stelle allem gram war, diese Erklärung hörte, beredete er den Kaiser, daß er dem Promotus befahl, den Pallast zu verlassen, und die Soldaten im Kriegswesen zu üben. Promotus gehorchte, Rufinus aber legte ihm, da er nach Thrakien reisete, einen Hinterhalt von Barbaren, die auf erhaltenen Befehl, ihn, der an nichts dergleichen dachte, überfielen und tödteten – einen Mann, der, über den Reichthum erhaben, gegen den Staat und Kaiser aufrichtig handelte, aber seinen Lohn dafür erhielt, daß er gegen diejenigen, welche die Staatsgeschäfte so nachläßig und gottlos verwalteten, allzu gefällig gewesen war.

Rufinus verfolgt den Tatianus und Proklus. Dieser wird hingerichtet.

Während diese That überall bekannt wurde, jedermann davon sprach, und jeder Rechtschaffene über so große Schandthaten zürnte, wurde Rufinus selbst, wie wenn er etwas Großes gethan hätte, zum Konsul ernannt. Auch dem Tatianus und seinem Sohne Proklus wurde ungegründeter Verdruß gemacht, die den Rufinus durch nichts beleidigt hatten, als daß sie, deren der eine Präfekt des Hofs, der andere der Stadt war, ihre Aemter unbestechlich, und, so viel möglich, nach Pflichten verwalteten. Damit nun der Entschluß gegen sie ausgeführt würde, mußte Tatianus sein Amt niederlegen, und wurde vor Gericht gefordert, Rufinus aber als Präfekt des Hofes angestellt. Zum Scheine ordnete man dem Rufinus einige andere zum Gerichte bei, der Ausspruch aber hieng von ihm allein ab. Als aber Proklus die Nachstellung merkte, rettete er sich durch die Flucht. Rufinus bedachte die Thätigkeit des Mannes, fürchtete, er möchte durch irgend eine Unternehmung seine Plane stören, täuschte daher den Vater durch Trug und Eidschwüre, und beredete den Kaiser, dem Vater und dem Sohne unter der Hand die größten Hoffnungen zu machen. Auf diese Art verleitete er den Tatianus von einem gegründeten Verdachte zu eitlen Träumen, und bringt ihn dahin, daß er den Sohn durch Briefe zu sich ruft. – Den Proklus, der gleich bei seiner Erscheinung ergriffen wurde, nahm der Kerker auf. Dem Tatianus aber wies man sein Vaterland zum Aufenthalte an; und nun wurden häufige Verhöre über den Proklus angestellt. Zuletzt ließen die Richter, nach der Abrede mir dem Rufinus, ihn nach der Vorstadt Sykä zum Tode führen. Sobald der Kaiser dieses hörte, schickte er jemanden ab, das Schwerdt vom Nacken des Proklus abzuhalten. Allein der Bote eilte, nach der Anweisung des Rufinus, nicht zu sehr, und kam erst an, als das Haupt schon gefallen war.

Uebermuth des Arbogastes gegen den Valentinianus.

Indem dieses sich ereignete, lief Nachricht vom Tode des Valentinianus ein. Er kam auf folgende Art um. Arbogastes, der von dem Volke der Franken abstammte, wurde vom Kaiser Gratianus zum Unterfeldherrn des Baudo ernannt. Nach dessen Tode legte er sich selbst, im Vertrauen auf seinen unternehmenden Geist, die Feldherrnstelle bei, die ihm der Kaiser nicht gab. Da er nun den ihm untergeordneten Soldaten diese Stelle wegen seiner Tapferkeit, Kriegswissenschaft und Verachtung des Reichthums zu verdienen schien, so gelangte er zu großer Macht. Ja er setzte sich in solches Ansehen, daß er freimüthig mit dem Kaiser redete, und nichts zugab, wovon er glaubte, es sey nicht recht oder schicklich. Valentinianus, der dieses nicht wohl ertragen konnte, sträubte sich zwar darwider, richtete aber nichts aus. Denn Arbogastes hatte sich durch die Zuneigung aller Soldaten gestärkt. Als es aber der Kaiser nicht länger ausstehen vermochte, ihm unterworfen zu seyn, und einst auf dem Throne sitzend, den Arbogastes sich nähern sahe, blickte er ihn zornig an, und gab ihm eine Schrift, wodurch er ihn seiner Stelle entsetzte.  Der Feldherr las sie, und antwortete: „Du hast mir die Anführung nicht gegeben, und wirst sie mir auch nicht nehmen können!“ Mit diesen Worten zerriß er die Schrift, warf sie auf die Erde, und entfernte sich. Von izt an wurde der Verdacht nicht mehr in der Stille gehegt, sondern die feindselige Gesinnung gegen einander jedermann bekannt. Valentinianus schrieb häufige Briefe an den Theodosius, worinnen er ihm den Uebermuth des Mannes gegen den Thron berichtete, ihn um Hülfe bat, und schwur, zu ihm zu eilen, wenn er nicht aufs geschwindeste zu Hülfe käme. Arbogastes, der sich bedachte, was zu thun sey, faßte folgenden Entschluß.

Valentinianus II. wird getödtet, und Eugenius als Kaiser erklärt.

An dem kaiserlichen Hofe lebte ein gewisser Eugenius, der in der Gelehrsamkeit so weit vorgeschritten war, daß er den Charakter eines Rhetors annahm, und einer Schule vorstund. Richomer, der mit ihm, als einem angenehmen und artigen Manne, vertraut umgieng, stellte ihn dem Arbogastes dar, und bat um eine Stelle unter seinen Bekannten und Freunden für ihn, als für einen Mann, der brauchbar seyn würde, wenn sich einmal etwas ereignete, wo wahre Freundschaft nöthig wäre. Als nun Richomer zum Kaiser Theodosius reisete, machte der beständige Umgang den Eugenius zum besten Freunde des Arbogastes, der jenem alles anvertraute. Daher richtete er seine Gedanken auf den Eugenius: wegen seiner großen Gelehrsamkeit und treflichen Charakters werde er zu einem guten Kaiser der tüchtigste seyn, und theilte ihm seinen Entschluß mit. Ungeachtet er nun sahe, daß er dem Eugenius misfiel, fuhr er doch fort, ihn zu ehren, und bat, er möchte doch das, was das Glück ihm schenkte, nicht von sich stoßen. Als er ihn beredet hatte, fand er gut, den Valentinianus zuvor aus dem Wege zu räumen, und so dem Eugenius die Monarchie zu übergeben. Wie nun der Kaiser in dem Gallischen Vienna sich aufhielt, und an den Mauern der Stadt mit einigen Soldaten kurzweilte, so daß er an nichts dergleichen dachte, überfällt ihn Arbogastes bringt ihm eine schwere Wunde bei, und tödtet ihn. Jedermann duldete die That mit Stillschweigen, theils wegen der Würde und kriegerischen Tapferkeit des Mannes, theils besonders, weil die Soldaten um seiner Verachtung des Reichthums willen ihm sehr zugethan waren. Er erklärt daher den Eugenius zum Kaiser, und erweckt bei allen, wegen seiner besonderen Vorzüge, große Hoffnungen.

Anstalten des Theodosius zum Kriege gegen den Arbogast. – Tod des Richomer.

Als dieses alles dem Theodosius zu gleicher Zeit gemeldet wurde, setzte Galla, seine Gattin, die ihren Bruder betrauerte, den ganzen Hof in Bestürzung. Auch der Kaiser selbst wurde von Traurigkeit und Kummer ergriffen, als er einen Mitgehülfen des Reichs verlor, der noch jung und durch Verwandtschaft ihm verbunden war: überdies, weil ers auch mit Männern zu thun hatte, die feindseelig gegen ihn gesinnt, und so wohl wegen der mit Kühnheit gepaarten Tapferkeit des Arbogastes als wegen der mit Gelehrsamkeit verbundenen Tugenden des Eugenius unbezwinglich waren. Ob er nun gleich öfters von diesen Umständen sprach, und sie in seinen Gedanken überlegte, beschloß er doch, alles für die Sache zu wagen, und machte Zurüstungen zum Kriege. Die Reiterei dachte er dem Richomer anzuvertrauen, einem Manne, dessen Tapferkeit in vielen Kriegen bewährt war; über die anderen Legionen aber andere Befehlshaber zu setzen. Als Richomer gerade zur Zeit der Berathschlagung über diese Sache sein Leben durch eine Krankheit endigte, mußte er eine andere Wahl der Feldherren vornehmen. Während nun diese durch die Entschließung des Kaisers entschieden werden sollte, meldete man eine Botschaft von Seiten des Eugenius, die den Theodosius befragen sollte, ob er seiner Regierung Beifall gebe, oder seine Erhebung nicht anerkenne? Den Auftrag dieser Verrichtung hatte Rufinus, ein Athener, der aber weder Briefe von Arbogastes brachte, noch seiner überhaupt erwähnte. Indessen der Kaiser zögert, den Antrag zu untersuchen, und den Gesandten gehörig zu antworten, ereignete sich ein anderer ähnlicher Vorfall.

Innerliche Gährung zwischen den Anführern der Barbaren.

Beim Antritte der Regierung hatte Theodosius Bundsgenossenschaft aufgenommen, und sie theils mit Hoffnungen, theils mit Geschenken begabt. Die Anführer eines jeden Stammes ehrte er auf alle mögliche Art, und würdigte sie seiner Tafel. Sie trennten sich in ihren Meinungen so sehr, daß wirklich ein Zank unter ihnen entstund. Denn einige behaupteten, es sey ihr Vortheil, den Eid nicht zu halten, den sie geschworen hatten, als sie sich den Römern ergaben: die andern aber, man dürfe schlechterdings nichts gegen den Vertrag thun. Derjenige, der die Treue brechen wollte, und die Männer seines Stammes dazu ermunterte, hieß Priulphus: Fraustius aber gab sich alle Mühe, daß seine Landsleute den Schwur hielten. Daß dieser Streit unter ihnen war, wußte man lange nicht. Allein als sie einst der kaiserlichen Tafel gewürdigt, und lange getrunken wurde, brachen sie in gegenseitigen Unwillen gegen einander aus und entdeckten die Gesinnung, die jeder hatte: der Kaiser aber, der nur eines jeden Meinung erfuhr, hob das Gastmahl auf. Bei ihrer Entfernung von dem Pallaste wurden sie so sehr erbittert, daß Fraustius, vom Zorne überwältigt, das Schwerd zog, und den Priulphus tödtete. Nun wollten die Soldaten des Priulphus den Fraustius überfallen: allein die kaiserlichen Trabanten stellten sich darzwischen, und verhinderten den weiteren Ausbruch des Aufruhrs.

Wahl der Feldherren und Aufbruch des Kaisers gegen den Eugenius.

Als Theodosius den Vorfall hörte, zürnte er nicht sehr darüber, und gab zu, daß die Streitenden sich selbst aufrieben. Die Abgeordneten aber täuschte er durch Geschenke und Reden, die gemäßigte zu seyn schienen, und schickte sie nach Hause. Aber gleich nach ihrer Abreise setzte er die Zurüstungen zum Kriege fort. Für den wichtigsten Punkt der Zurüstung hielt er – wie ers auch wirklich ist – die Wahl der Anführer. Daher verordnete er, daß die Römischen Legionen Timasius, und unter ihm Stilico anführte, der die Bruderstochter des Theodosius, Verena, geheirathet hatte; die mit ihm verbündeten Barbaren aber übergab er der Anführung des Gainas und Saul. Den Oberbefehl theilte mit ihnen Bakurius, der sein Geschlechte aus Armenien ableitete, ein Mann von den besten Sitten und überdies im Kriegswesen wohl unterrichtet. Diese Anordnung machte der Kaiser in der Hauptanführung. Wie er nun den Aufbruch betrieb, ereignete sichs, daß seine Gattin Galla in Kindsnöthen starb, und ihre Bürde und das Leben zugleich verlor. Der Kaiser beweinte sie, nach dem Homerischen Gesetze, nur einen Tag, brach dann mit dem Heere auf, um den Krieg vollends anzuordnen, und ließ seinen Sohn Arkadius zurück, den er schon vorher zum Kaiser eingesetzt hatte. Weil er aber noch jung war, wollte er das, was ihm wegen seiner Jugend an Klugheit noch fehlte, dadurch ergänzen, daß er den Rufinus bei ihm ließ, der zugleich Präfekt des Hofs war, in allen andern Stücken nach seinem Gutdünken regierte, und dasjenige that, was dem Kaiser die Fülle seiner Würde zutheilt.

Gänzliche Niederlage und Hinrichtung des Eugenius. Selbstmord des Arbogastes.

Diese Einrichtungen machte Theodosius, nahm seinen jüngern Sohn, Honorius, mit sich, durchzog schnell die dazwischen liegenden Provinzen, bemächtigte sich des Zugangs der Alpen, und überfiel den Feind wider alles Vermuthen. Auch schröckte er den Eugenius durch seine unerwartete Ankunft. Da ers aber für besser hielt, die Barbaren gegen den Feind zu schicken, und durch sie den Streit zu beginnen, so befahl er dem Gaines, mit den ihm untergebenen Völkern anzurücken. Ihm folgten die andern Feldherren, denen auch die Anführung barbarischer Legionen zugetheilt war, Reuter und berittene Bogenschützen und Fußgänger. Eugenius rückte ihnen entgegen. Allein wie die Heere einander angriffen, ereignete sich zur Zeit der Schlacht eine solche Sonnenfinsterniß, daß man lange eher glaubte, es seie Nacht, als Tag, da sie also auf gewisse Art eine Nachtschlacht hielten, geschahe ein solches Morden, daß an diesem Tage ein großer Theil der barbarischen Bundsgenossen des Theodosius erlag, selbst der Feldherr Bakurius, der aufs männlichste an der Spitze der Seinigen kämpfte, die andern aber wider Vermuthen mit den Uebergebliebenen flohen. Mit einbrechender Nacht sammelten sich die Heere wieder. Eugenius, stolz auf den erhaltenen Vortheil, theilte denen, die sich trefflich gehalten hatten, Geschenke aus, und hielt ihnen ein Gastmahl, wie wenn Theodosius nach einer solchen Niederlage den Krieg nicht mehr fortsetzen könnte. Allein während sie nur an Schmausen dachten, überfiel Theodosius, wie er die Morgenröthe bald anbrechen sahe, die noch hingestreckten Feinde mit seiner ganzen Macht, und hieb sie nieder, ohne daß sie wußten, wie ihnen geschahe. Ja er drang bis zum Zelte des Eugenius, fiel die Wache an, und erlegte die meisten. Einige, die durch den Schrecken erwachten und auf die Flücht eilten, wurden gefangen, unter ihnen Eugenius selbst. Als man ihm ergriffen hatte, hieb man ihm das Haupt ab, steckte es auf eine sehr hohe Stange, und trugs im Lager umher, um seinen Anhängern zu zeigen, sie sollten itzt, da der Tyrann todt seye, zu ihrem Kaiser, wie es Römern zieme, zurücke kehren. Fast alle, die nach dem Siege übrig waren, eilten zum Kaiser, riefen ihn als ihren Augustus aus, und baten um Verzeihung ihres Fehlers, die ihnen der Kaiser gerne gestattete. Arbogastes aber, der keine Gnade von Theodosius verlangte, floh auf den rauhesten Theil der Gebürge. Da er merkte, daß diejenigen, die ihn suchten, alle Gegenden durchwandern, fiel er in sein Schwerdt, und zog einen freiwilligen Tod der Gefahr vor, gefangen zu werden.

Als nun diese Unternehmung dem Theodosius so gelungen war, gieng er nach Rom, erklärte seinen Sohn, Honorius, zum Kaiser, wählte den Stilicho zum Feldherrn der dortigen Legionen, und hinterließ ihn zugleich seinem Sohn, als Vormund. Hierauf rief er den Senat zusammen, der den Gebräuchen der Voreltern bisher treu geblieben war, und sich denen, die sich zur Verachtung der Götter neigten, noch nicht beigesellt hatte. Theodosius ermahnte ihn in einer Rede, den bisherigen Irrthümern, wie ers nannte, zu entsagen, und den Glauben der Christen zu wählen, der ihnen Verzeihung der Sünde und aller Gottlosigkeit verhieße. Aber niemand ließ sich durch seine Ermahnung überreden, noch von den Gebräuchen abwendig machen, die sie von ihren Voreltern seit Erbauung der Stadt erhalten hatten, noch opferten sie diese einem blinden Beifalle auf. Darum, daß sie ihnen getreu blieben, – sagten sie – bewohnen sie die Stadt nun zwölfhundert Jahre unverheert: nehmen sie aber in ihrer Religion eine Aenderung vor, so wissen sie noch nicht, was daraus entstehen würde. Theodosius antwortete ihnen: die Ausgaben für den Götterdienst und die Opfer seien der Staatskasse eine zu große Last, und er wolle sie daher aufheben, theils weil er ihr Betragen nicht billigte, theils weil das Heer eines größeren Aufwands bedürfe. Ob nun gleich der Senat erwiederte: die Opfer können nicht nach der Ordnung gebracht werden, wenn die Staatskasse die Kosten nicht dazu gebe, so wurde doch das Gesetz wegen der Opfer aufgehoben, und alles, was sie von den Voreltern erhalten hatten, gerieth in Verachtung. Das Reich der Römer, das durch Vereinzelung geschwächt war, wurde ein Wohnplatz der Barbaren, oder vielmehr, verlor zuletzt seine Einwohner gänzlich, und kam in einen solchen Verfall, daß man kaum die Stätte erkannte, wo Städte gewesen waren.

Doch wie alles dieses in solchen Zustand versetzt wurde, wird die folgende umständliche Erzählung klar zeigen.

Nachdem nun der Kaiser Theodosius alle Völker Italiens, Iberien und Gallien, überdies ganz Libyen seinem Sohne Honorius übergeben hatte, wollte er nach Konstantinopel zurückkehren, starb aber an einer Krankheit. Sein Leichnam wurde einbalsamiert, und in der kaiserlichen Gruft zu Konstantinopel beigesetzt.

Ende des vierten Buchs.Ich schreibe immer „Eunuchen“. Es ist durchaus möglich, daß ich gelegentlich den Druck der Vorlage nicht korrekt wiedergebe (seie wechselt mit seye, Ü statt Ue). Ich halte das für irrelevant. Bitte Stellen bei (xxx) prüfen bzw. ergänzen.

Fünftes Buch

Arkadius und Honorius — Schilderung des Rufinus und Stilicho.

Als nun die Regierung des Staats an den Arkadius und Honorius fiel, so schienen sie, dem Namen nach, die Macht zu haben. Allein die ganze Gewalt der Regierung hieng von dem Rufinus, in dem Morgenlande, und in den Abendländern von dem Gutachten des Stilicho ab. Alle Rechtshändel wurden von ihnen, nach Willkühr, entschieden. Wer den Spruch mit Gold erkaufte, oder wer sonsten durch Verwandtschaft sich die Gunst des Richters erworben hatte, trug den Sieg davon. In ihre Hände kamen die Güter, deren Besitzer von jedermann für glücklich gepriesen wurden. Einige bezeugten ihre Ehrfurcht durch Geschenke, und entgiengen auf diese Art den Verläumdungen, andere opferten ihr Eigenthum auf, um eine obrigkeitliche Stelle zu erhalten, oder irgend das Verderben der Städte zu erkaufen. Und da nun alle Gattungen der Ungerechtigkeit über die Städte hereinbrachen, so strömte von allen Seiten Reichthum in die Häuser des (Rufinus und Stilicho), Armut aber herrschte überall in den Wohnungen der ehemals Reichen. Von allem, was geschahe, erfuhren die Kaiser nichts, sondern schrieben nur, was Rufinus und Stilicho verordneten. Als diese nun einen unermeßlichen Reichthum gesammelt hatten, so träumte Rufinus so gar, sich um das Reich zu bewerben, und dachte darauf, seine mannbare Tochter mit dem Kaiser zu vermählen, das für ihn die Gelegenheit seyn sollte, sich einzuschleichen. Heimlich trägt er es einigen von der Aufwartung des Kaisers auf, und glaubt, niemand auf der Welt wisse von seinem Plan. Allein das Gerüchte brachte seinen Entwurf unter das Volk. Denn jedermann muthmaßte seine Absicht aus der Größe seines Uebermuths und dem täglich wachsenden Stolze, und der allgemeine Haß gegen ihn wurde noch größer. Er aber – wie wenn er seine kleine Verbrechen absichtlich durch größere Schandthaten decken wollte – wagte folgendes:

Rufinus läßt den Lucianus hinrichten, weil dieser sein Amt mit vielem Lobe verwaltete.

Florentius, der zur Zeit der Regierung des großen Julians die Würde eines Statthalters bei den Völkern jenseits der Alpen gehabt, hatte einen Sohn Namens Lucianus. Dieser trat das Kostbarste seiner Habe an den Rufiuus ab, und hatte ihn daher so sehr zum Gönner, daß Rufinus nicht müde wurde, dem jungen Mann seinen Dank zu bezeugen, und sein Lob dem Kaiser Arkadius vorzutragen. Daher machte ihn dieser zum Comes des Morgenlandes. Wer dieses Amt verwaltet, ist allen morgenländischen Magistraten vorgesetzt, und kann, was nicht recht gethan wird, berichtigen. Lucianus zeigte nun alle gute Eigenschaften eines Regenten gegen die Untergebenen, und war wegen seiner Gerechtigkeit, Mässigung und allen Tugenden, die einen Herrscher zieren können, berühmt. Weder an den Unterschied der Personen, noch an sonsten etwas dachte er, sondern nur an das, was das Gesetze befahl. Als daher selbst der Oheim des Kaisers, Euchenius, ihn um etwas Unziemliches bat, und abgewiesen wurde, reizte er diesen so sehr, daß er ihn beim Kaiser verläumdete. Arkadius gab dem Rufinus Schuld, daß einem solchen Manne eine so große Gewalt anvertraut worden seie. Rufin zürnte, daß ihm der Kaiser Vorwürfe gemacht hatte, und nahm daher, ohne jemanden seine Absicht zu sagen, den Vorwand, nur mit kleinem Gefolge nach Alexandrien zu reisen, kam dann Nachts in die Stadt, ergriff den Lucianus, zog ihn, ohne daß ein Mensch ihn anklagte, zur Vertheidigung, und läßt ihn mit bleiernen Kugeln auf den Nacken schlagen, und dann den Ohnmächtigen, bedeckt, in einer Sänfte alsobald wegtragen, daß jedermann glauben sollte, er seie nicht todt, sondern man zeige noch Menschenliebe gegen ihn. Die Stadt war über diesen unerwarteten Auftritt unwillig, Rufinus aber besänftigte das Volk dadurch, daß er eine kaiserliche Halle erbaute – ein Gebäude, dergleichen die Stadt kein prächtigeres hat!

Arkadius vermählt sich aber nicht mit der Tochter des Rufinus.

Als hierauf Rufinus nach Konstantinopel zurück kam, betrieb er wieder die Verwandtschaft mit dem Kaiser, und gab sich mehr Mühe als je, seine Tochter mit ihm zu verbinden. Da aber ein Umstand wider seine Erwartung etwas anders herbeiführte, so schlug dem Rufinus seine Hoffnung fehl, und zwar aus folgendem Grunde. Promotus hatte zwei Söhne, die, zu den Lebzeiten des Theodosius, mit seinen Kindern zusammen lebten. Bei dem einen derselben befand sich eine Jungfrau, durch außerordeutliche Schönheit ausgezeichnet. Diese sich zuführen zu lassen, ermuntert den Kaiser Eutropius, einer der Verschnittenen im Dienste des Kaisers, und rühmet ihre Schönheit. Als er sahe, daß Arkadius seine Beschreibung mit Vergnügen hörte, zeigte er ihm ihr Bildniß, erweckte dadurch sein Verlangen nach ihr noch mehr, und beredet ihn, diese zur Gattin zu wählen. Rufinus wußte von allem, was vorgieng, nichts, und wähnte immer – seine Tochter würde bald im Palaste wohnen, und die Regierung des Staats mit ihm theilen. Als der Verschnittene nun sahe, daß er die Vermählungssache zu Stande gebracht hatte, befahl er dem Volke, Tänze anzustellen und Kränze zu tragen; der Kaiser werde sich vermählen, nahm ein Gewand, wie sichs für den Kaiser ziemte, und Schmuck aus dem Palaste, ließ alles die kaiserlichen Bedienten vortragen, und gieng mit dem voranziehenden Volke mitten durch die Stadt. Alle glaubten, die Kostbarkeiten werden der Tochter des Rufinus gebracht werden, und liefen neben den Trägern einher. Als sie nun der Wohnung des Promotus sich näherten, traten sie mit den Hochzeitgeschenken ein, und übergaben sie der, bei dem Sohne des Promotus auferzogenen, Jungfrau, und erklärten sie dadurch zur Gattin des Kaisers. So mußte nun Rufinus seine Hoffnung vereitelt, und eine andere als Gemahlin des Arkadius sehen, und sann von nun an auf nichts, als wie er auch den Eutropius aus dem Wege räumen könnte. So stunds nun in dem Reiche des Arkadius!

Honorius mit Serena. Stilichos Entwürfe.

Stilicho aber verwaltete das abendländische Reich, und gab seine, mit der Serena gezeugte, Tochter dem Honorius zur Ehe. Serena war eine Tochter des Honorius, des Bruders des Theodosius, des Vaters der beiden Kaiser. Durch diese Verwandtschaft mit dem Kaiser befestigte er seine Gewalt, und sahe fast die ganze Macht der Römer sich unterthan. Denn als Theodosius, nach der Hinrichtung des Eugenius, starb, so behielt Stilicho, Feldherr des ganzen Heers, was stark und kriegerisch war, bei; was aber ausgemergelt, und nicht wohl brauchbar war, ließ er ins morgenländische Reich ziehen. Bei dieser Anordnung zeigte er seinen Haß gegen den Rufinus, der im Morgenlande ein Gleichgewicht von Macht haben wollte, und dachte darauf, zum Arkadius zu reisen, um auch dessen Staatsgeschäfte nach Willkühr zu verwalten. Denn er versicherte, der sterbende Theodosius habe ihm alle Sorge für beide Kaiser aufgetragen.

Rufins Plane. Alarich verheert Griechenland.

Rufinus vernahm es, und gab sich alle Mühe, den Stilicho von dem Zuge ins Morgenland abzuhalten, nichts desto weniger die Heeresmacht des Arkadius aufzulößen, und noch mehr zu schwächen, so schwach sie auch war. Dieses alles auszuführen, dazu fand er noch schlechtere Menschen, als er sichs wünschte, bediente sich ihrer, und wurde der Urheber großen Unglücks für den Römischen Staat. Wie? will ich nun angeben.  Musonius, ein Grieche, der eine hohe Stufe der Gelehrsamkeit erreichte, war Vater dreier Söhne, die Musonius, Antiochus und Axiochus hiesen. Musonius und Axiochus gaben sich Mühe, die guten Eigenschaften des Vaters in Ansehung der Gelehrsamkeit und Rechtschaffenheit zu übertreffen. Antiochus aber, selbst ein Werkzeug des Bösen, zeichnete sich nur durch das Gegentheil aus. Rufinus fand also an ihm den Mann, wie er ihn brauchte, nämlich als den, durch den er den einbrechenden Barbaren den Untergang Griechenlands bereiten wollte, und setzte ihn zum Prokonsul Griechenlands, dem Geruntium aber, der ihn bei dem, gegen den Staat entworfenen, Plane unterstützen sollte, übergab er die Bewahrung der Thermopylen. Diese bösen Entwürfe machte Rufinus, und er bemerkte, daß der aufrührische Alarich geneigt war, sich von den Gesetzen zu entfernen – er zürnte, daß er keine ordentliche Kriegsmacht anführen durfte, sondern nur Barbaren, die Theodosius ihm übergeben hatte, als er, nebst ihm, die Tyrannei des Eugenius vereitelte — so ließ ihn Rufinus heimlich wissen; er solle nun die Barbaren oder andere gesammelten Krieger näher heranführen: es seie die Anstalt gemacht, daß er alles überwältigen könne. Auf dieses brach Alarich aus den Gegenden Thrakiens auf, rückte nach Macedonien und Thessalien, und verheerte alles auf seinem Wege. Aus der Nachbarschaft der Thermopylen schickte er dann heimlich zum Antiochus, dem Prokonsul, und zu Geruntium, dem Befehlshaber in den engen Pässen, seinen Anzug zu melden. Dieser zog alsdann mit seiner Besatzung ab, und gestattete den Barbaren einen freien und ungehinderten Angriff Griechenlands. Sie weilten daher nicht, das Land zu plündern, und die Städte zu Grunde zu richten, die junge Mannschaft aber zu schlachten, und Kinder und Weiber Heerdenweiße sammt aller Beute hinweg zu führen. Da waren nun ganz Böotien und alle Völker, von welchen die Barbaren nach ihrem Einzuge durch die Thermopylen durchzogen, zu Grunde gerichtet, und zwar so sehr, daß man ihren Umsturz noch bis jetzt sehen kann. Nur die Thebaner wurden theils durch die Festigkeit ihrer Stadt, theils dadurch gerettet, daß Alarich eilte, Athen einzunehmen, und daher bei einer Belagerung Thebens nicht verweilte. Dadurch entgiengen die Thebaner. Alarich rückte vor Athen, und glaubte, die Stadt leicht zu erobern, da sie wegen der inneren Größe nicht wohl beschützt werden könne, und – seie einmal der Piräus besetzt — die Belagerten, aus Mangel an Lebensmitteln, sich bald ergeben müssen. Allein die Stadt sollte wegen ihres Alterthums besonders bei so ungerechtem Unglücke, die göttliche Vorsehung auf sich lenken und unzerstört bleiben.

Eroberung des Peloponnesus.

Es verdient auch die Ursache, welche die Stadt Athen rettete, nicht mit Stillschweigen übergangen zu werden, da sie der Gottheit würdig ist, und den Hörer zur Verehrung derselben aufruft. Alarich rückte mit seinem ganzen Heere heran und sahe, daß die Schutzgöttin Athene bewaffnet, wie sie in den Abbildungen zu sehen ist, und bereit, die Angreifenden zu empfangen, die die Mauer umgieng. Vor der Mauer aber stund Achilles, der Heroe, ganz so, wie ihn Homer den Troern zeigte, als er, voll Zorn über den Tod des Patroklus, kämpfte. Diese Erscheinung schröckte den Alarich so sehr, daß er die ganze Unternehmung gegen die Stadt aufgab, Herolde schickte, und, nach verschiedenen Unterhandlungen und von beiden Seiten geleistetem Eide, nur mit einem kleinem Gefolge in die Stadt Athen kam. Er, dem man alle Höflichkeit erwieß, badete sich, nahm an einem Gastmahle mit den auserwähltesten Männern der Stadt Theil, empfieng Geschenke, zog hierauf ab, und ließ Athen und ganz Attika unverletzt. Auch unter des Valens Regierung blieb Athen vor einem Erdbeben, das ganz Griechenland erschütterte, unbeschädigt, wie im vorhergehenden Buche erzählt wurde, und itzt entgieng die Stadt einer Gefahr, welche die höchste war. Von Attika aus, das die Furcht vor den Erscheinungen gerettet hatte, zog Alarich gegen Megara, nahm die Stadt beim ersten Angriffe ein, und setzte, da niemand Widerstand nur versuchte, seinen Zug gegen den Peloponnes fort. Gerontium gestattete ihm den Durchgang über die Meerenge, und nun waren alle Städte ohne Arbeit und Kampf leicht zu erobern, da man sie wegen der Sicherheit, die der Isthmus gewährte, nicht ummauert hatte. Alsobald wurde Korinth mit Gewalt eingenommen, und die nahe liegenden Städtchen, hierauf Argos und alles Land zwischen diesem Orte und Lakedämon. Auch Sparta entgieng nicht der allgemeinen Einnahme Griechenlands, da sie, durch die Habsucht der Römer, nicht mehr, weder durch Waffen noch streitbare Männer, feste war, sondern herrschenden Verräthern aufgeopfert wurde, und sich Leute fanden, die, den Machthabern zu gefallen, zu allem halfen, was den allgemeinen Untergang herbeiführte.

Stilichos Zug nach Griechenland — Mord des Rufinus.

Als man nun dem Rufinus das Schicksal Griechenlands berichtete, erhielt dadurch seine Begierde nach der Regierung einen neuen Zuwachs. Denn da der Staat in Verwirrung gerieth, so glaubte er, es werde seinem Unternehmen nichts mehr im Wege stehen. Stilicho aber schiffte Soldaten ein, um Achaia in seinem Unglücke zu Hülfe zu eilen. Als er im Peloponnes gelandet hatte, nöthigte er die Barbaren nach Pholoe zu fliehen; und leicht konnte er sie, durch Mangel an Lebensmitteln, zu Grunde richten, hätte er sich nicht der Schwelgerei, den Possenspielen und schamloßen Weibern überlassen, und den Soldaten, was die Barbaren zurückließen, zu rauben gestattet – und so fanden die Barbaren Raum, mit aller Beute den Peloponnes zu verlassen, sich nach Epirus zu ziehen, und auch hier alle Städte noch zu plündern. Als Stilicho dieses sahe, schiffte er, ohne etwas weiters zu thun, nach Italien zurück, und fügte so durch die Soldaten, die er herangeführt hatte, den Griechen nur größern und schwereren Schaden zu. Nach seiner Zurückkunft machte er alsbald Anstalten zu dem Tode des Rufinus, und zwar auf folgende Art. Er stellte dem Kaiser Honorius vor: es seie gut, wenn er seinem Bruder Arkadius einige Mannschaft zuschicke, um die, unter seiner Regierung zu Schaden gekommenen, Völker zu schützen. Honorius erlaubte ihm, zu thun, was er gut gefunden hatte, und Stilicho giebt also denjenigen, die er dazu absenden will, den Befehl, setzt über sie den Gainas, und eröffnet diesem seine Absicht gegen den Rufinus. Wie sie in die Nähe von Konstantinopel kamen, eilt Gainas voraus, um dem Arkadius ihre Ankunft zu melden: „sie seien angekommen, dem bedrängten Staate zu helfen.“ Der[den] Kaiser, der sich ihrer Ankunft freuete, ermuntert Gainas, ihnen bei ihrem Einzuge entgegen zu gehen. Denn es sey gewöhnlich, die Soldaten auf diese Art zu ehren. Der Kaiser ließ sich bereden, und begegnete ihnen vor der Stadt. Sie erwiesen ihm ihre Ehrfurcht, und wurden von dem Kaiser liebreich nach Sitte aufgenommen. Jetzt gab Gainas das Zeichen, alle umringten den Rufinus zu gleicher Zeit, und hauen ihn mit den Schwerdern. Der eine beraubte ihn der Rechten, ein zweiter verwundete die linke, und jener trennte das Haupt vom Nacken, und entfernt sich unter Siegesgesängen. 12. So sehr höhnten sie ihn, daß sie seine Hand überall in der Stadt umhertrugen, und, wer ihnen begegnete, baten, dem Unersättlichen Geld zu geben.

Schicksal des Vermögens und Familie Rufinus. Eutropius.

So büßte Rufinus, der Urheber so vielen Privatunglückes und des Schadens für den ganzen Staat, seinem Verbrechen gemäß! Eutropius aber, der den Stilicho in allen seinen Entwürfen gegen jenen unterstützte, war itzt Herr von allem, was bei Hofe geschahe. Das Vermögen des Rufinus eignete er sich größtentheils zu, und den andern theilte er mit, was) jeder zu besitzen für wünschenswürdig hielt. Der Gattin des Rufinus und seiner Tochter, die, um nicht mit umzukommen, zur Kirche der Christen ihre Zuflucht nahmen, gab er Versicherungen, und erlaubte ihnen, nach der Stadt Jerusalem zu schiffen, die sonst ein Wohnort der Juden war, seit der Regierung Konstantins aber von den Christen durch Gebäude verherrlicht wurde. Hier brachten sie ihr übriges Leben zu. Eutropius aber wollte alle, die in einigem Ansehen stunden, entfernen, damit kein anderer, als er, neben dem Kaiser herrsche. Daher machte er gegen den Timasius. der seit Valens Anführer des Heeres war, und in vielen Kriegen Theil genommen hatte, einen Plan. Die Verleumdung war diese!

Timasius wird durch Verleumdung verurtheilt.

Bargos, von Laodicea in Syrien abstammend, handelte auf dem Markte mit Würsten, und kam, da er über einige Verbrechen ergriffen wurde, als Flüchtling, von Laodicea nach Sardes. Auch hier zeigte er sich als den, der er war, und wurde wegen seiner Bosheit berüchtigt. An ihm fand Timasius, der nach Sardes kam. einen kurzweiligen Mann, der durch Schmeicheleien einen jeden, mit dem er sich unterhielt, leicht an sich ziehen konnte; gestattet ihm vertrauten Umgang, und setzte ihn über eine Kohorte Soldaten — nicht nur das, er nimmt ihn so gar mit sich nach Konstantinopel. Da dem Bargos wegen einiger Verbrechen der Aufenthalt in der Hauptstadt schon vorher untersagt war, so waren die obrigkeitlichen Personen mit dieser Handlung unzufrieden. Eutropius glaubte nun, in diesem Manne ein schickliches Werkzeug zur falschen Anklage des Timasius gefunden zu haben, und stellt ihn daher als Kläger auf, der erdichtete Schriften vorzeigte, kraft deren Timasius nach der Regierung Lust bezeugt habe. Der Kaiser saß selbst als Richter, Eutropius aber, der dabei stund, hatte als Vorsteher des kaiserlichen Gemachs, alle Stimmen in seiner Gewalt. Alle aber waren unwillig, daß ein Wursthändler gegen einen solchen, der durch so viele Aemter und Ehren sich auszeichnete, vor Gerichte stehen sollte. Daher entfernte sich der Kaiser von dem Richterstuhle, und überließ die Entscheidung dem Saturninus und Prokopius. Von diesen war jener schon im hohen Alter, und in großen Ehren, aber nicht ohne Verdacht der Schmeichelei, daher gewohnt, in seinen Urtheilssprüchen jeder Leidenschaft und Gesinnung deren zu fröhnen, die neben dem Kaiser regierten. Prokopius war Eidam des Kaiser Valens, aber düster und nicht zu lenken. Daher sprach er zuweilen die Wahrheit mit Freimüthigkeit und stimmte zwar in dem Urtheile gegen Timasius mit dem Saturninus ein, setzte aber hinzu: Bargos hatte nicht der Kläger gegen einen Timasius seyn sollen; es seie auch nicht recht, daß dieser durch solche Ehren und Würden ausgezeichneter Mann von einem so schlechten und übel berüchtigten Menschen durch Verleumdungen in Noth komme, und das unschicklichste seye, daß derjenige, der Wohlthaten empfangen habe, seinem Wohlthäter Verdruß mache.  Durch diese freimüthige Rede richtete Prokopius nichts aus. Der Ausspruch des Saturninus, der sehr gebilligt wurde, behielt die Oberhand, dem Timasius aber wurde Oasis) zur Wohnung angewiesen. Von einer öffentlichen Wache begleitet, reisete er dahin ab. Dieses ist der traurigste Ort, von da niemand, der dahin verwiesen wird, entrinnen kann. Denn das Land umher ist ganz sandig, völlig öde, unbebaut, benimmt daher denen, die nach Oasis reisen, alle Kenntniß. Der Sand deckt die Spuren, und da weder eine Pflanze noch Wohnung in der Gegend ist, so ist kein Kennzeichen vorhanden, nach welchem die Reisenden muthmaßen könnten. Doch wars allgemeine Sage, Timasius seie von seinem Sohne Syagrius entrissen worden, und denen, die zu seiner Aufsuchung nachgeschickt wurden, entgangen. So habe der Sohn den Vater durch einige Räuber gerettet! Dieses mag nun wahr, oder, dem Eutropius zu gefallen, unter dem Volke verbreitet worden seyn, niemand weiß etwas gewisses, außer, daß weder Timasius noch Syagrius von jener Zeit an mehr erschienen.

Eutropius schickt auch den Abundantius ins Exil.

Bargos, welcher den Eutropius, der nun die Feindschaft des Timasius nicht mehr fürchtete, ausser allem Verdacht gesetzt hatte, wurde nun einer Befehlshaberstelle gewürdigt, die ihm schöne Einnahme brachte, und entfernte sich, nährte auch die Hoffnung, noch größere Geschenke zu erhalten. Denn er wußte nicht, daß Eutropius, dem er sich so undankbar gegen seinen Wohlthäter gezeigt hatte, erwarten mußte: gegen ihn werde er sich eben so schlecht erzeigen. Da nun Bargos wegen seines Amts abgereiset war, so überredet man seine Frau, die ihn, einiger Ursachen wegen, haßte, dem Kaiser eine Schrift einzureichen, die sehr viele Anklagen enthielt, und den Bargos der größten Verbrechen beschuldigte. Auf die Kunde davon läßt Eutropius alsbald den Mann vor Gerichte fordern, und übergiebt den Ueberwießenen der verdienten Strafe, worauf jedermann nicht aufhören konnte, das Auge der Adrastea zu bewundern, und zu preisen, dem ein Bösewicht unmöglich verborgen bleiben könne. Nun war Eutropius vor Reichthum trunken, glaubte über den Wolken zu schweben, und hatte fast unter allen Völkern Leute, die fleißig berichteten, was vorgieng, und die Glücksumstände eines jeden, und es war nichts, woraus er nicht Vortheil zog. Daher trieb ihn beides, Neid und Habsucht, gegen den Abundantius. Abundantius, in dem Thrakischen Scythien gebürtig, hatte schon seit den Zeiten des Gratianus gedient, stieg unter dem Theodosius zu den größten Ehren, und war bestimmter Feldherr und Konsul. Nun wollte ihn Eutropius sowohl des Vermögens, als aller Ehrenstellen verlustig machen. Der Kaiser gab dazu den schriftlichen Befehl. Abundantius wurde von Hofe vertrieben, erhielt Sidon in Phönicien zur Wohnung, und lebte da den Rest seines Lebens.

Stilicho bringt Libyen wieder zum westlichen Reiche, und läßt den Sieger ertränken.

Nun war überall niemand in Konstantinopel, ders gewagt hätte, gegen den Eutropius aufzublicken. Nur allein an Stilicho, der die Staatsgeschäfte im Abendlande regierte, dachte er nun, und sann darauf, ihn von der Reise nach Konstantinopel abzuhalten. Er beredete daher den Kaiser, den Senat zu versammeln, und ihn durch einen gemeinschaftlichen Schluß für einen Feind des Reichs erklären zu lassen. Dies geschehen, macht er sich den Gildon, der Anführer im Karthaginensischen Libyen war, zum Freunde, entzieht dieses Land dem Reiche des Honorius, und schlägts zur Herrschaft des Arkadius. Dem Stilicho. der darüber zürnte, und in Verlegenheit war, kam ein Zufall des Glücks zu Hülfe. Denn Gildon hatte einen Bruder, Namens Maskeldelos, dem er mit dem Unsinn eines Barbaren nach dem Leben trachtete, und ihn zwang, zu Stilicho nach Italien zu schiffen, und diesem zu erzählen, was er von seinem Bruder gelitten habe.  Stilicho übergab ihm eine starke Macht, verschafte hinreichende Fahrzeuge, und schickte ihn zum Kriege gegen den Bruder ab. Maskeldelos steigt da ans Land, wo er gehört hatte, daß dieser sich aufhalte, überfällt ihn unvorbereitet, und erhält nach einem harten Treffen einen solchen Sieg, daß Gildon seinem Leben durch einen Strick ein Ende machte. Denn dieses wollte er lieber thun, als sich dem Feinde unterwerfen. Nun gab Gildons Bruder Libyen an das Reich des Honorius zurück, und kam, als Sieger, wieder nach Italien. Stilicho war zwar über diese glückliche Verrichtung nicht vergnügt, doch heuchelte er Achtung gegen ihn, und zeigte ihm gute Hofnungen. Als aber einst Stilicho, bei einem Spaziergange in die Vorstadt, über eine Brücke gieng, so vollstreckten die Trabanten das ihnen gegebene Zeichen, und warfen den Maskeldelos, der im Gefolge war, in den Fluß. Stilicho lachte, und der Fluß riß den Unglücklichen dahin, daß er ertrank.

Fernere Charakteristick des Eutropius und Stilicho.

Von dieser Zeit an, war die Feindschaft zwischen Eutropius und Stilicho, nun das allgemeine Gespräche. Bei ihrem gegenseitigen Hasse spotteten sie furchtlos des Unglücks der Unterthanen. Der eine hatte seine Tochter, Maria, dem Kaiser Honorius zur Gattin gegeben, und der andere beherrschte den Arkadius, als ein unvernünftiges Geschöpfe. Hatte einer der Unterthanen ein ansehnliches Gut, so zogs der eine, oder der andere in seine Gewalt, alles Gold und Silber floß ohnehin von den vorigen Besizern ihnen zu. Denn überall gabs ganze Schaaren von Verläumdern, denen aufgetragen war, dergleichen anzugeben.

Empörung des Tribigildus.

So stunds nun in beiden Reichen! Alle aber, die zum Senat gehörten, waren über den schlimmen Zustand der Dinge unwillig, besonders Gainas, der die, einem ältern Feldherrn zukommenden, Würden nicht erhielt, und die Unersättlichkeit der Barbaren nicht mehr mit Geschenken befriedigen konnte. Noch mehr verdroß es ihn, daß alles Geld in das Haus des Eutropius getragen wurde. Darüber unwillig, macht er den Tribigildus zum Vertrauten seiner Anschläge — einen Mann, der Gefahren liebte, und zur tollsten Unternehmung bereit war! Er führte nicht römische, sondern barbarische Schaaren, die in Phrygien lagen, an, über die er die Aufsicht vom Kaiser erhalten hatte. Er stellte sich, als wolle er nach Phrygien reisen, um die, ihm untergebenen, Barbaren zu mustern, und zog daher von Konstantinopel aus. Nun nahm er die Barbaren, über die er zu befehlen hatte, zu sich, durchzog das Land umher, erlaubte sich den Mord von Männern, Weibern und Kindern, und plünderte, was ihm vorkam. In kurzer Zeit hatte er eine solche Menge von Sklaven und sonsten verworffenen Menschen an sich gezogen, daß er ganz Asien in die äusserste Gefahr brachte. Lydien war voll Verwirrung, fast alles floh nach dem Meere, und schiffte mit den Seinigen entweder nach den Inseln, oder sonst wohin, und auch die Küste Asiens sahe der größten Gefahr, die über ihr schwebte, entgegen.

Leon und Gainas werden gegen Tribigild abgeschickt.

Als diese Umstände dem Kaiser gemeldet wurden, so kümmerte ihn das allgemeine Unglück nicht. Denn als ein äusserst unverständiger Mann, sahe er nicht ein, was zu thun seyn möchte, und hatte die ganze Staatsverwaltung dem Eutropius überlassen. Dieser wählte den Gainas und Leon zu Feldherren, um diesen nach Asien zu schicken, die da herrschenden Barbaren, oder wo sonsten ein Haufen sich sammelte, anzugreifen: den Gainas aber nach Thrakien und den Engpässen des Hellesponts, um auch da, den Feinden zu begegnen, und wenn sie in jenen Gegenden sich sehen liessen, sie zu beunruhigen. Leon, der den Unfällen Asiens abzuhelfen abgeschickt wurde, besaß nichts von der Tapferkeit eines Feldherren, noch sonsten einen Vorzug, der ihn zu einem solchen Glücke führen könnte: nur war er ein Vertrauter des Eutropius. Gainas aber wurde nach Thrakien gesendet, um den Völkern des Tribigildus den Uebergang nach dem Hellespont zu verwehren, auch zur See zu streiten, wenns die Umstände nothwendig machten. 5. Mit diesen Befehlen zogen die Feldherren aus, und führten ihre Macht dahin. Gainas vergaß nicht, was er mit Tribigildus verabredet hatte, und befiehlt ihm, als er glaubt, es seie Zeit die Unternehmung auch von seiner Seite anzugreiffen, seine Völker an den Hellespont zu führen. Hätte er das, was er im Sinne hatte, nach der Klugheit geheim gehalten, und wäre ruhig mit den ihm untergebenen Barbaren aus Konstantinopel ausgezogen, so wäre sein Entwurf ans Ziel geführt und ganz Asien erobert worden. Denn nichts hinderte, daß nicht das Morgenland zugleich verloren gieng. Allein bis itzt noch wollte der römischen Herrschaft das Glück die Städte erhalten. Gainas, hitzig bis zum Unsinn, nach Art der Barbaren, eilte stürmend aus Konstantinopel und riß gleichsam die ganze Führung des Kriegs an sich. Kaum war er in Heraklea angekommen, so eröffnete er dem Tribigildus, was er zu thun habe. Dieser aber entschloß sich nicht, nach dem Hellespont zu ziehen, aus Furcht, in die Gewalt der dort stehenden Macht zu fallen, sondern griff – nachdem er ganz Phrygien verheert hatte, — die Pisidier an, und zerstörte, da er keine Hinderniß fand, auch dieses Land. Auf die Botschaft davon achtete Gainas der bekriegten Völker nicht, sondern dachte nur an seine Abrede mit Tribigildus.

Fortschritte Tribigilds.

Leon aber weilte in der Gegend des Hellespont, hatte nicht den Muth, dem Tribigildus ein Treffen zu liefern, und gab vor, zu fürchten, dieser möchte einen Theil seines Heers, durch einen andern Weg in der Stille abschicken, um die Oerter des Hellespont zu zerstören. Da also den Tribigildus niemand hinderte, so geschahs, daß jede Stadt mit Gewalt erobert, alle Einwohner mit den Besatzungen niedergemacht wurden, und keiner der Barbaren ein Gehülfe der Römer war. Denn sie schlugen sich in den Treffen mit den Römern zu ihren Landsleuten. Gainas aber nahm die Miene des Mitleids mit den Unfällen der Römer an, bewunderte die Kriegslisten des Tribigildus, und nannte ihn einen Gegner, der durch Verstand und Scharfsinn noch mehr gewinne, als durch Macht. Nun setzte er nach Asien über, griff aber keinen Feind an, sondern sahe gleichgültig den Untergang der Städte und des Landes, und folgte nur, gleichsam um zu beobachten, was geschahe, erwartete den Fortzug des Tribigildus ins Morgenland, und schickte auch heimlich Völker ab, ihn in seinen Unternehmungen zu unterstützen, noch aber offenbarte er seine Gedanken in der Sache nicht. Wäre nun Tribigildus nach dem Angriffe Phrygiens nicht gegen Pisidien, sondern alsbald nach Lydien gerückt, so hätte ihn nichts verhindert, dieses mit Gewalt ohne sonderliche Mühe einzunehmen, und Jonien dazu zu verderben. Von da konnte er auf die Inseln hinüber schiffen, sich eine so große Flotte, als er wollte, anschaffen, das ganze Morgenland durchziehen, und bis Aegypten hin alles plündern, weil nirgends eine bedeutende Macht war. Da er aber dieses nicht beherzigte, sondern beschloß, das den Pisidiern benachbarte Pamphylien zu überziehen, so gerieth er auf beschwerliche und für die Reuterei gänzlich unzugängliche Wege. 8. Kein Heer stund ihm entgegen. Nur ein gewisser Valentinus, der in Selga, einem kleinen, auf einem Hügel gelegenen Städtchen Pamphyliens wohnte, ein mittelmäßig gelehrter Mann, des Kriegswesens nicht ganz unerfahren, sammelte eine Menge von Sklaven, und von Ackersleuten diejenigen, die in den beständigen Kämpfen gegen benachbarte Räuber geübt waren, und stellte seine Schaaren auf die höher liegende Zugänge, so, daß sie alle, die des Wegs reiseten, sehen konnten, ohne selbst gesehen zu werden, wenn auch die Feinde bei Tage durchziehen wollten.

Tridigildus kömmt in zwifache Noth.

Als nun Tridigildus mit seinen Barbaren auf dem ebenen Wege gegen die niedere Landschaft Pamphyliens heranzog, und noch in der Nacht in die Gegenden kam, über denen Selga lag, so wurden die Barbaren mit Schleudern angegriffen, und mit Handsteinen, wohl auch mit größeren, geworfen. Denn von den Höhen herab war der Wurf, auch größerer Steine, leicht. Da nun auf der einen Seite Wegs ein tiefer See und Sumpf, auf der andern ein enger Zugang war, der kaum zweien Männern Raum gestattete, noch dazu cirkelförmig, daher ihn die Umwohner, wegen der Aehnlichkeit mir dem Thiere, die Schnecke nennen, die Florentinus mit so vielen Streitern bewachte, als nöthig war, diejenigen, die durchziehen wollten, abzuhalten; so war nicht leicht möglich, zu entfliehen. Die Barbaren wurden daher in diesem Passe abgeschnitten, durch die Menge und Größe der Steine verwundet, und großentheils getödtet. Denn da sie so enge eingeschlossen waren, so konnte kein Wurf der Steine fehlen. In dieser großen Verlegenheit stürzten mehrere mit den Pferden in den See, und wer dem Tode durch die Steine entrinnen wollte, kam im Sumpfe um, Tribigildus aber steigt mit ungefähr dreihundert Mann die Schnecke hinauf, gewinnt den Florentinus und seine Mannschaft mit sehr vielem Gelde, erkauft sich den Durchgang, und entflieht auf diese Art, ohne sich um die andern alle, die itzt umkamen, zu bekümmern. So glaubte er der Gefahr, die Valentinus ihm bereitete, entronnen zu seyn, gerieth aber in nicht geringere Noth, als die vorhergehende gewesen war. Denn fast alle Einwohner der Städte waffneten sich mit dem, was ihnen bei der Hand war, und schlossen ihn mit seinen 300 Flüchtlingen zwischen den Flüssen Melas und Eurymedon ein, wovon der eine oberhalb Side, der andere zwischen Aspendus durchfließt. Eingeengt, und, was er thun solle, unschlüssig, schickt er zu Gainas. Obgleich über diesen Zufall unwillig, wollte er doch den Entschluß einen Aufruhr noch nicht entdecken, sondern schickt den Unterfeldherrn Leon ab, den Pamphyliern zu helfen, den Tribigildus in Gemeinschaft mit dem Valentinus anzugreifen, und ihm nicht zu gestatten, über die Flüsse zu gehen. Ob nun gleich Leon von Natur nachläßig, und ganz der Schwelgerei ergeben war, vollstreckte er doch den gegebenen Befehl.

Plan des Gainas für Tribigildus.

Gainas beförchtete nun, der von allen Seiten umringte Tribigildus, der keine hinlängliche Macht mehr hatte, möchte endlich unterliegen, und schickte daher eine Schaar der Barbaren nach der andern ins Lager der Römer, damit diese in kurzer Zeit umkämen, und dem Tribigildus Gelegenheit zur Flucht verschaft würde. Die Barbaren, die Gainas dem Leon geschickt hatte, fielen also die Römer überall an, plünderten das Land, und tödteten die Soldaten, und ließen nicht eher nach, bis sie das Heer mit dem Feldherrn Leon selbst aufgerieben, und fast das ganze Land zur Wüste gemacht hatten. So gelang denn dem Gainas, was er suchte! Denn Tribigildus entfloh aus Pamphylien, und that den Städten Phrygiens größere Drangsale an, als vorher. Nun erhub Gainas seine glücklichen Thaten gegen den Kaiser, und setzte den Senat und alle Hofleute in solche Furcht, daß er so gar drohete, Tribigildus werde die Oerter am Hellespont angreifen, und alles zu unterst zu oberst kehren, wenn nicht des Kaisers [sic] dasjenige seiner Aufmerksamkeit würdigte, was der Feind verlangte. Dieser List bediente sich Gainas, und wollte seine wahre Denkart noch verbergen, und durch das, was er dem Tribigildus schuld gab, seinen eigenen Plan ausführen. Denn es verdroß ihn nicht so wohl, daß er übergangen wurde, als vielmehr, daß Eutropius den höchsten Gipfel der Macht erreichte, daß dieser sogar zum Konsul ernannt, daß das Jahr nach ihm genannt werden sollte, und er mit der Würde eines Patriciers beehrt wurde. Dieses bewog den Gainas besonders zum Aufstande gegen den Staat. Dazu ganz entschlossen, beschloß er zuerst den Tod des Eutropius. Noch während seines Aufenthalts in Phrygien schickt er an den Kaiser, und läßt ihm sagen: „wegen der Stärke des Tribigildus in Kriegssachen, hoffe er nun nichts mehr. Es seie nicht möglich, seiner Wuth zu widerstehen und Asien von den obschwebenden Gefahren zu befreien, als, wenn der Kaiser sich bereden lasse, seinen Bitten nachzugeben. Seine Hauptbitte seie, den Urheber alles Unglücks, den Eutropius, ihm auszuliefern, um mit ihm zu machen, was ihm beliebe.

Gainas bemächtigt sich Konstantinopels.

Als Arkadius dieses vernahm, rief er den Eutropius zu sich, entsetzte ihn seiner Würde, und entließ ihn wieder. Eilends entwich nun dieser in die Kirche der Christen, die von der Zeit an das Recht einer Freistätte hatte. Da aber Gainas öfters vorstellte, Tribigildus würde nicht nachlassen, bis Eutropius weggeräumt wäre, so riß man ihn, wider die den Kirchen gegebene Gerechtsame, aus der Freistätte heraus, und schickte ihn unter einer guten Wache nach Cypern. Noch drang Gainas weiter auf den Tod des Eutropius, und diejenigen, die itzt den Staat verwalteten, deuteten den Eid, den man ihm beim Herausreissen aus der Kirche geschworen hatte, trüglich, lassen ihn aus Cypern kommen, schicken ihn, weil sie geschworen haben, ihn nicht in Konstantinopel zu tödten, nach Chalkedon, und bringen ihn da ums Leben. So hatte Eutropius ein von beiden Seiten außerordeutliches Schicksal, das ihn zuerst zu einer solchen Höhe erhub, als eine ein Eunuche erreicht hatte, und ihm dann durch den Haß, den die Feinde des Staats gegen ihn vorgaben, den Tod zuzog! Ob nun gleich Gainas des Aufruhrs bei jedermann verdächtig war, glaubte er doch noch, man wisse es nicht. Da er von den Gesinnungen des Tribigildus Herr, und an Macht und Ansehen überlegen war, so machte er nun, unter des letztern Namen, einen Vertrag mit dem Kaiser, leistete und nahm einen Eid, und kehrte durch Phrygien und Lydien zurück. Tribigildus, der seine untergebene Völker führte, folgte ihm durch das obere Lydien, ohne Sardes, die Hauptstadt, zu sehen. Bei Thyatira vereinigten sich beide, und nun reuete es den Tribigildus, daß er Sardes unversehrt gelassen hatte. Denn die Stadt, die von Besatzung entblößt war, einzunehmen, wäre leicht gewesen, Er beschloß also umzukehren mit dem Gainas, und die Stadt zu erobern, und wohl hätten sie ihren Entschluß ausgeführt, wäre nicht ein außerordentlicher Regen gefallen, der das Land überschwemmte, daß man über die Flüsse nicht gehen konnte, und der Angriff gehemmt wurde. Nun trennten sie sich, und führten ihre Völker, Gainas nach Bithynien, und der andere nach dem Hellespont, und überließen, was ihnen vorkam, den nachfolgenden Barbaren zur Plünderung. Und als der eine Chalkedon erreichte, der andere aber die Gegend von Lampsakus besetzte, so umschwebte Konstantinopel, ja den ganzen Römischen Staat, die äußerste Gefahr. Gainas bat den Kaiser, selbst zu ihm zu kommen. Denn er könne nur mit ihm sich) unterreden. Der Kaiser gab nach, und es geschahe die Zusammenkunft an einem Orte bei Chalkedon, wo der heiligen Euphemia eine Kapelle erbaut war, die dieser Ehre wegen der Verehrung Christi gewürdigt wurde. Nun wurde beschlossen, daß Gainas und Tribigildus nach Europa übersetzen, und ihnen die Vornehmsten des Staats zum Tode ausgeliefert werden sollten. Es waren Aurelianus, dieses Jahr Konsul und Saturninus, schon unter die Konsuln gezählt, über dies Johannes, dem der Kaiser alle seine Geheimnisse anvertraut hatte, und den viele für den Vater des Sohns des Arkadius hielten. Auch diese tyrannische Bitte erfüllte der Kaiser. Gainas nahm die Ausgelieferten an, zückte das Schwerd gegen sie, doch so, daß er nur ihren Körper berührte, und begnügte sich, sie mit der Verbannung zu strafen. Nun setzte er nach Thrakien über, befahl dem Tribigildus zu folgen, und verließ also Asien, das sich itzt wieder einigermaßen erhohlen konnte, und von der obschwebenden Gefahr befreiet wurde. Während seines Aufenthalts in Konstantinopel zerstreuete er die unter ihm stehenden Soldaten dahin und dorthin, so daß er die Stadt von den Trabanten des Hofs selbst entblößte. Den Barbaren aber gab er heimlich Zeichen, mit dem Befehle, wenn sie ihn aus der Stadt ausziehen sehen, diese, wenn sie aller Hülfe von den Soldaten beraubt wäre, geschwind zu überfallen, und alle Gewalt ihm zu übergeben.

Konstantinopel sollte geplündert werden. Aufruhr des Gainas.

Nach diesen, den Barbaren ertheilten, Befehlen, verließ er die Stadt: „er befinde sich von den Beschwerlichkeiten des Krieges nicht ganz wohl, und bedürfe Erholung, die ihm nicht zu Theil werde, wenn er sich nicht einer ganz sorgenfreien Lebensart überlasse.“ Die Barbaren ließ er also in der Stadt, welche an Zahl die Wachen des Hofs weit übertrafen, und rückte bis in eines der Vorwerke, vierzig Stadien von der Stadt entfernt, um daselbst die Zeit des Angriffs zu erwarten, wenn die Barbaren in der Stadt zuerst überfallen hätten. Solche Hoffnungen hegte Gainas, und hätte er, nach der den Barbaren gewöhnlichen Hitze, den schicklichen Zeitpunkt nicht übereilt, so konnte die Barbaren nichts hindern, sich der Stadt zu bemächtigen. Da er aber die Losung nicht erwartete, sondern den Mauern sich näherte, so erschracken die Wachen, und erhoben ein Geschrei. Nun entstund ein Getümmel, man hörte Weheklagen der Weiber, ein vermischtes Geheul, wie wenn die Stadt schon eingenommen wäre, daß alles zusammen lief, und gegen die Barbaren in der Stadt sich stellte, diese mit Schwerdern und Steinen, und was jedem vor die Hände kam, tödtete, und auf die Mauer eilte. Nebst den Wachen vertheidigten sie sich gegen das Volk des Gainas, und hielten ihn mit allem, was sie ergreifen konnten, von dem Angriffe der Stadt ab. Während die Stadt auf diese Art der Gefahr entgieng, schlossen die Einwohner von innen die Barbaren ein, mehr als sieben tausend, die nun die Kirche der Christen, nahe beim Pallaste, besetzten, um sie sich zum Asyl ihrer Rettung zu machen. Der Kaiser befahl, sie auch hierzu tödten. „Der Ort selbst seie nicht heilig genug, sie von der verdienten Strafe der gewagten That zu befreien.“ Obs gleich der Kaiser befohlen hatte, wagte es doch nicht Einer, die Hand anzulegen, und sie aus dem Asyl herauszuziehen, aus Furcht, sie zur Gegenwehr zu reizen. Man beschloß also, das Dach über dem Tische der sogenannten Sakristei abzutragen, und diejenigen dahin zu stellen, denen es aufgetragen war, brennende Balken hinab zu werfen, und durch anhaltende Arbeit alle Feinde zu verbrennen. So wurden die Barbaren aufgerieben: diejenigen aber die strenge Christen waren, glaubten, es seie mitten in der Stadt ein grosses Verbrechen begangen worden. Itzt fachte Gainas, dem seine wichtigste Unternehmung mislungen war, einen offenbaren Krieg gegen den Staat an. Er überfiel die Gegenden Thrakiens, fand aber die Städte sowohl mit Mauern verwahrt, als auch von den Magistraten und Einwohnern besetzt. Denn durch die vorhergehenden Anfälle waren sie an den Krieg erinnert worden, und eilten mit aller Macht herbei, zu streiten. Nun sahe Gainas nichts, als Gras, ausserhalb den Mauern, denn sorgfältig hatte jedermann die Früchte von allerlei Art, das Vieh und andern Vorrath) zusammen gebracht – und beschloß, Thrakien zu verlassen, in den Chersonesus einzubrechen, und durch die Engen desselben wieder nach Asien über zu gehen.

Phraiut wird Feldherr gegen Gainas.

Während er hierzu Anstalt machte, wählte der Kaiser und der Senat gemeinschaftlich den Phraiut zum Feldherrn in dem Kriege gegen Gainas – zwar einen Barbaren von Geburt, doch, nicht nur den Sitten, sondern auch den Grundsätzen und der Götterverehrung nach, einen Griechen. Ihm also der schon durch viele Feldzüge sich ausgezeichnet, und das ganze Morgenland von Cilicien bis Phönicien und Palastina von der Verheerung der Seeräuber befreiet hatte, übergaben sie die Macht. Er setzte sich mit derselben dem Gainas entgegen, und verhinderte den Uebergang der Barbaren durch den Hellespont nach Asien. Da Gainas sich zu einem Treffen bereitete, so ließ Phraiut seine Soldaten nicht müßig seyn, sondern bildete sie durch anhaltende Uebungen, so daß sie, statt der ehemaligen Trägheit und Sorglosigkeit, izt unwillig waren, wie Gainas mit dem Kriege zögerte. So wurde für Asien gesorgt. Phraiut untersuchte Tag und Nacht das Lager, und spähete die Unternehmungen des Feindes aus, doch sorgte er auch für eine Flotte. Denn er hatte Schiffe, die zu einer Seeschlacht hinreichend waren, man heißt sie Liburner, nach einer Stadt in Italien genannt, wo zuerst diese Art der Fahrzeuge gemacht wurde. Man glaubt, daß sie eben so schnell gehen, als die fünfzigruder, aber weniger, als die dreiruder [sic], dergleichen zu bauen man seit langer Zeit unterlassen hat, obgleich Polybius die Maasse der Hexeren angiebt, deren sich die Römer und Carthagineser in ihren Kriegen öfters bedient haben, wie man weiß.

Gainas leidet starken Verlust, und begiebt sich über den Ister.

Gainas erkämpfte nun den Eingang durch die lange Mauer in den Chersonesus, und stellte seine Barbaren an dem ganzen hohen Rande Thrakiens auf, der sich von Parium bis Lampsakus und Adyöos und den Gegenden erstreckt, die die Meerenge bilden. Der Feldherr der Römer umschiffte die Oerter Asiens, und beobachtete Tag und Nacht die feindlichen Unternehmungen. Gainas konnte aus Mangel an Lebensmitteln nicht ertragen, daß er da aufgehalten wurde, hieb Holz in dem Chersonesischen Walde, befestigte die Stämme mit aller Sorgfalt an einander, richtete die Flöße ein, daß sie Mann und Pferd aufnehmen konnten, ließ beide sie besteigen, und überließ sie dem Strome. Denn es war nicht möglich, sie mit Rudern zu leiten, noch gestatteten sie irgend die Geschicklichkeit eines Steuermanns, da sie ohne Kunst, bloß nach barbarischer Erfindung, in der schnelle gemacht waren. Er selbst blieb an dem Lande, und hoffte wohl den Sieg durch seine Leute erhalten zu können, da er glaubte die Römer werden nicht widerstehen können. Dieses blieb dem Scharfsinne des römischen Feldherrn nicht verborgen. Da er die Unternehmung muthmaßte, ließ er seine Schiffe vom Lande ein wenig vorrücken – und als er sahe, daß die Flöße nach der Willkühr des Stroms einhergetrieben wurden, so fuhr er zuerst ab, und traf auf den Floß der vordersten Reihe. Sein Schiff mit einem ehernen Schnabel gieng darüber hin, und drängte das Floß, auf das die Einherschiffenden zugleich Pfeile schossen, mit der Mannschaft in den Grund. Als die andern auf den Schiffen den Feldherrn sahen, ahmten sie ihm nach, durchstachen einige, warfen andere vom Holze herab, daß das Meer sie verschlang, und fast kein Mann dem Tode entgieng. Durch diese Niederlage gedemüthigt, und so vieler Streitgenossen beraubt, zog sich Gainas tiefer in den Chersones zurück, und eilte in das äussere Thrakien. Phraiut beschloß, den fliehenden nicht zu verfolgen, sondern zufrieden mit dem, vom Glücke vergönnten Vortheile, zog er seine Macht in der Gegend zusammen. Jedermann beschuldigte ihn, er habe den Gainas nicht verfolgen wollen, und seiner, als eines Landsmanns, geschont, so wie der, mit ihm entfliehenden, Mannschaft. Sich nichts dergleichen bewußt, kehrte er zum Kaiser zurück, auf den Sieg stolz, und schrieb ihn freimüthig den Göttern zu, die er verehre. Denn er scheuete sich nicht, vor den Ohren des Kaisers zu bekennen, daß er, nach vaterländischer Sitte, die Götter anbete und verehre, und sich nicht überwinden könne, in diesem Punkte der Menge zu folgen. Arkadius nahm ihn auf, und ernannte ihn zum Konsul. Gainas aber eilte nach dem großen Verluste seiner Macht, gegen den Ister mit dem Reste. Da er aber Thrakien durch die vorhergehende Angriffe verheert fand, so plünderte er, was er erhaschen konnte, fürchtete, ein anderes römisches Heer möchte ihm folgen, und ihn mit seinen wenigen Barbaren angreifen, hatte auch die ihm folgenden Römer im Verdacht, tödtete daher diese, die eines solchen Entschlusses sich nicht versahen, alle, und gieng mit seinen Barbaren über den Strom, um in sein Vaterland zurückzukehren, und da den Rest zu leben.

Tod des Gainas. Thrakien wieder beruhigt.

Dieses war der Plan des Gainas! Uldes aber, der damals Anführer der Hunnen war, hielts für gefährlich, einem Barbaren, der eigene Soldaten hatte, einen Aufenthalt jenseits des Isters zu gestatten, und glaubte zu gleicher Zeit, dem Römischen Kaiser einen Gefallen zu thun, verfolgte daher jenen, und machte Anstalten, sich ihm in einer Schlacht entgegen zu stellen. Daher versammelte er seine Macht, und zog gegen ihn aus. Gainas, der zu den Römern nicht mehr zurückkehren, und dem gedrohten Anfalle nicht entgehen konnte, bewaffnete seine Leute, und gieng den Hunnen entgegen. Die Heere fielen einander, nicht nur einmal, sondern mehrere malen an, und die Parthei des Gainas that Widerstand in einigen Treffen. Als aber doch viele von ihnen umkamen, so fiel zuletzt Gainas selbst, der starken und muthigen Widerstand gethan hatte. Durch seinen Tod nahm der Krieg ein Ende. Uldes, der Führer der Hunnen, schickte sein Haupt dem Kaiser Arkadius, erhielt Geschenke. und machte deßwegen einen Vertrag mit den Römern. Allein da die Staatssachen bei einem Kaiser, dem Verstand fehlte, nicht nach Vernunft geführt wurden, so blieb Thrakien doch unruhig. Denn die flüchtigen Einwohner, und andere, die ihre Reihen verließen, und sich für Hunnen ausgaben, plünderten das offene Land, bis endlich Fralut herankam, was ihm in den Weg kam, niedermachte, und die Einwohner beruhigte.

Die Verbannten kehren zurück. Schilderung der Mönche.

Der Anfang des Kap. ist defekt. — Einige Kritiker muthmaßen die Lücke grösser, andere kleiner. Wo der Text wiederum anfängt ist die Rede von den Männern, die auf Verlangen, oder eigentlich den Befehl des Gainas (Kap. 18.) verbannt worden waren. Nun war der Aufrührer todt, folglich ists natürlich, daß die willkührlich Bestraften zurückgerufen wurden, unter ihnen der Konstantinopolitanische Erzbischof, Johannes, unter dem Namen Chrysostomus bekannter, den die Kaiserin, wie Z. selbst sagt, darum haßte, weil er sie in seinen Predigten nicht sehr schmeichelnd schilderte.

– – aus Furcht, man möchte sie übel behandeln. Unter diesen Umständen traten sie in den Gegenden von Epirus aus dem Schiffe, beriethen sich wegen ihrer Rettung — denn die Größe ihres Verbrechens machte sie zweifelhaft – und gaben denen, die sie bewachten, Zeit zur Flucht. Einige sagen, sie haben ihre Entlassung durch Geld erkauft. Als sie nun entflohen, und wider alle Vermuthung nach Konstantinopel zurückkamen, stellten sie sich dem Kaiser und dem Senate und allen andern dar. Dadurch vergrößerte sich der Haß der Gattin des Kaisers gegen Johannes, den Bischoff der Christen, auf den sie schon vorher zürnte, weil er gewöhnlich bei den Versammlungen, in seinen Reden an das Volk, ihrer spottete, und itzt, als Johannes und die andern zurückkamen, äußerte sich ihre Feindschaft gegen ihn offenbar. Da sie nun in allem nach Willkühr handelte, erweckte sie alle Bischöffe zu seiner Entsetzung, unter denen Theophilus, Bischoff in dem Aegyptischen Alexandrien, der erste und der Anführer war — er, der zuerst angefangen hatte, die Opfer und die ewigen Gebräuche des Vaterlands anzugreifen. Da nun Johannes bemerkte, daß seine Sache nicht nach einem gerechten Spruche werde entschieden werden, so entfernte er sich freiwillig aus Konstantinopel. Das Volk wurde darüber unruhig – denn der Mann vermochte den unvernünftigen Pöbel an sich zu ziehen — und die Stadt voll Bewegung, und schon war die Kirche der Christen von den sogenannten Mönchen besetzt. Diese entziehen [sich] den gesetzlichen Heirathen, füllen Städte und Dörfer mit zahlreichen Gesellschaften unverheiratheter Menschen an, die man weder im Kriege, noch sonsten zum Nutzen des Staats brauchen kann. Sie schritten nun immer weiter, und eigneten, von jenen Zeiten an bis itzt, sich einen großen Theil des Landes zu, unter dem Verwande, alles den Armen mitzutheilen, eigentlich aber alle arm zu machen. Da sie nun die Kirchen besetzten, so hielten sie das Volk von dem Zutritte zu den Gebeten ab. Bürger und Soldaten zürnten darüber, und baten, man möchte die Kühnheit der Mönche hemmen. Auf ein gegebenes Zeichen zogen sie unaufhaltsam heran, und mordeten alle ohne Unterschied, bis sie die Kirche mit Leichnamen erfüllten, verfolgten alsdann die Entflohenen, und durchbohrten alle, die auch durch einen Zufall mit schwarzen Gewändern bekleidet waren, daher viele mit ihnen umkamen, die entweder wegen Trauer oder durch einen andern Umstand in solchen Kleidern ergriffen wurden. Das nämliche versuchte Johannes, der nun zurück gekommen war, und erregte gleiche Unruhe in der Stadt.

Angelegter Brand in Konstantinopel.

Die Klasse der Sykophariten aber nahm mehr, als jemals, überhand, und schloß sich an die Eunuchen des Hofs an, um, wenn ein Reicher gestorben war, sein Vermögen anzugeben: „er habe weder Kinder noch sonsten Anverwandte.“ Nun wurden Schreiben des Kaisers herbeigebracht, die befahlen: das Vermögen von diesem jenem zu übergeben, und so wurden die Erbschaften den Bittenden übergeben, während die Kinder dabei stunden, mit Weheklagen, und sich auf ihre Eltern beriefen. Mit einem Worte, alles erfüllte izt die Stadt mit Jammer, und brachte jedem Einwohner unberechneten Schaden. Denn da der Kaiser zuletzt allen Verstand verlor, so maßte sich seine Gattin mehr an, als je ihrem Geschlechte zukömmt, wurde ganz von der Unersättlichkeit der Eunuchen und der Weiber, die sich ihrer vorzüglich bemächtigten, regiert, und entzog jedermann die Mittel des Lebens so sehr, daß selbst denen, die gemässigt dachten, – nichts wünschenswürdiger war, als der Tod. Und wie, wenn es an all diesem nicht genügte, gerieth Konstantinopel in eine noch weit grössere Gefahr, und zwar aus folgender Ursache. Als Johannes nach seiner Verbannung, wie gesagt, zurücke kam, und in seinen heiligen Zusammenkünften das Volk gegen die Kaiserinn erregte, so sahe er sich von dem bischöflichen Throne und aus der Stadt vertrieben, verließ diese, und bestieg ein Schiff.Seine Anhänger gaben sich alle Mühe, daß niemand nach ihm Bischof werden sollte, und beschlossen, die Stadt mit Feuer zu verderben. Daher legten sie heimlich bei Nacht Feuer in der Kirche an, und stellten sich, um die Zeit der Dämmerung, ausserhalb derselben, daß man daher nicht wußte, wer sie waren – und nun zeigten sie, als es Tag wurde, die Stadt in der äussersten Gefahr. Denn die Kirche brannte ganz ab, und mit ihr wurden die anstossenden Gebäude verzehrt, besonders diejenigen, an die der entstandene Windsturm das Feuer hinführte. Es ergriff auch das Feuer das Haus, wo sich der Senat zu versammeln pflegte, das, mit aller Schönheit und Pracht erbaut, vor dem kaiserlichen Pallaste stund. Es war mit Bildsäulen der Künstler geziert, deren erster Anblick die Würde desselben verkündigte, und mit farbigtem Marmor, dergleichen man in unsern Zeiten nicht mehr gräbt. Man sagt auch, die Bildnisse der Musen, anfangs auf dem Helikon errichtet, die hernach, zur Zeit Konstantins, als ein Theil des Kirchenraubs, an dieser Stätte aufgestellt wurden, seyen durch dieses Feuer zu Grunde gegangen — ein deutliches Anzeigen des izigen Mangels an Liebe zu den Musen! Ein Wunder aber, das hier geschahe, verdient, nicht mit Stillschweigen übergangen zu werden. Vor den Thüren der Kapelle des Senats, nur der zu Ehren ich dieses erzähle, waren die Bildnisse des Zevs und der Athene auf steinernen Gestellen errichtet, wo man ihre Form noch izt sehen kann. Jenes hält man für das Bild des dodonäischen Zevs, dieses, sagte man, habe ehemals in Lindos gestanden. Da nun, das Feuer die ganze Kapelle verzehrte, so floß das geschmolzene Blei, das auf dem Dache lag, auf die Bildnisse herab, und gegen dieselbe schlugen auch die Steine, die der Gewalt des Feuers nicht widerstehen konnten. Als die ganze Schönheit des Gebäudes in Schutt verwandelt war, so muthmaßte man allgemein, auch die Bildnisse werden Staub seyn. Kaum aber war der Platz geräumt, und zum neuen Baue zubereitet, so sahe man die Bildnisse dieser Götter allein, aus dem allgemeinen Verderben erhalten — ein Umstand, der den gebildeteren Theil bessere Hoffnung von dem Staate schöpfen ließ, daß nämlich diese Götter entschlossen seyen, ihn noch immer zu schützen! Doch es mag in Zukunft ergehen, wie’s der Gottheit gefällt!

Krieg mit den Isauren.

Während nun jedermann über das Unglück der Stadt unwillig war, und keinen andern Grund als den Eselsschatten fand, beschäftigte sich die Dienerschaft des Kaisers mit Wiederherstellung der verdorbenen Gebäude. Nun aber kam Botschaft an den Hof, daß die Isaurer, ein Volk das über Pamphylien und Kilikien wohnt, und in den unzugänglichsten und rauhesten Gegenden des Taurus lebt, sich in Räuberrotten vertheilt, und das unten gelegene Land angefallen habe. Zwar ummauerte Städte konnten sie nicht gewinnen, aber unbemauerte Flecken, und was in ebenem Lande lag, überfielen sie. Auch erleichterte ihren Einfall die vorhergegangene Einnahme des Landes, als Tribigildus sich mit seinen Barbaren empört hatte. Auf diese Nachricht wurde Arbazakios als Feldherr ausgeschickt, um dem nothleidenden Pamphylien zu Hülfe zu kommen. Mit hinreichender Macht verfolgte er die, auf das Gebürge fliehenden Räuber, nahm viele ihrer Flecken ein, und tödtete eine ansehnliche Menge derselben, und leicht konnte er sie ganz bezwingen, und den Bewohnern der Städte gänzliche Sicherheit verschaffen, hätte er sich nicht der Schwelgerei und schnöden Wollüsten ergeben, die Hände nach Geld ausgereckt, und Reichthum dem gemeinen Besten vorgezogen. Wegen dieser Untreue wurde er in den Pallast gefordert, und erwartete, vor ein Gericht gezogen zu werden. Da er aber einen Theil dessen, was er von den Isauren empfangen hatte, der Kaiserin brachte, so entgieng er der Anklage und verschwendete seinen Reichthum in den Wollüsten der Stadt. Die Unternehmungen der Isaurer bestunden nun nur in geheimen Räubereien, und. äußerten sich nicht in offenbarem Aufstande gegen die benachbarten Völker.

Rhadagaisus droht dem Staate.

Als sich nun Alarich, wie erzählt aus dem Peloponnes und den Ländern, die der Achelous durchfließt, zurückgezogen hatte, weilte er in Epirus, wo die Molosser, Thestrokier und andere bis Epidamnos und Taulanti wohnen. Hier erwartete er die verabredete Nachricht von Stilicho. Es war dieser Umstand. 2. Als Stilicho sahe, daß diejenigen, die das Reich des Arkadius verwalteten, feindselig gegen ihn gesinnt sind, so beschloß er, in Gemeinschaft Alarichs, die Völker Illyriens dem Reiche des Honorius beizufügen. Er machte also darüber einen Vertrag mit ihm, und dachte, die Unternehmung nächstens auszuführen. Indem nun Alarich auf den Befehl des Feldherrn wartete, brachte Rhadagaisus, jenseits des Ister und Rheins, aus den Keltischen und Germanischen Völkern gegen vierzig Myriaden zusammen, mit denen er in Italien einzubrechen dachte. Ueber diese Nachricht erschracken alle Städte. Sie verzweifelten, und Rom selbst gerieth in die größte Bestürzung. Stilicho aber zog alle Macht, die bei Ticenum in Ligurien gelagert war — an der Zahl dreißig Kohorten — zusammen, nahm so viele Bundsgenossen von Alanen und Hunnen, als ihm möglich war, dazu, und erwartete nicht den Angriff der Feinde, sondern gieng selbst über den Ister mit dem ganzen Heere, fiel die Barbaren unvermuthet an, vertilgte sie fast gänzlich, daß nur wenige erhalten wurden, die Stilicho seinen Hülfsvölkern beigesellte. Mit Recht über diesen Sieg stolz, kehrte er nun, so zu sagen, von aller Welt bekränzt, mit dem Heere zurück, und hatte so, wider aller Hoffnung, Italien von der gefürchteten Gefahr befreiet!

Ravenna – Alarich und Konstantin.

Ravenna ist die Hauptstadt Flaminiens, eine alte Stadt und Thessalische Kolonie, hieß Rhene, weil rings umher Wasser rinnt, nicht, weil, wie Olvmpiodorus, der Thebaner, Remus, des Romulus Bruder, sie erbauet haben solle. Daher dem Quadratus, der in seiner Geschichte des Kaiser Markus jene Ursache angiebt, beizustimmen ist. Da nun in dieser Stadt Stilicho sich gerüstet hatte, mit seinem bereiteten Heere die Städte Illyriens zu überziehen, sie mit Alarich vom Reiche des Arkadius abzureißen, und dem Honorius zuzuwenden, kamen ihm zwei Hindernisse in den Weg: zuerst lief die Sage umher, Alarich seie gestorben, und dann wurden ihm Briefe des Kaisers aus Rom übergeben, durch die ihm bekannt gemacht wurde, Konstantin strebe nach der Selbstherrschaft, seie aus Britannien übergeschifft, bei den Völkern jenseits der Alpen angekommen, und betrage sich in den Städten schon als Kaiser. Die Nachricht von Alarichs Tode blieb zweifelhaft, bis einige ankamen, und die wahren Umstände bekannt machten. Was man aber von der Ernennung Konstantins erzählte, nahm jedermann an. Darum wurde der Zug nach Illyrien eingestellt, und Stilicho reisete nach Rom, um sich da zu berathschlagen, was zu thun seyn möchte.

Tod der Kaiserin Maria – Thermantia folgt ihr.

Als der Herbst vorüber war, und der Winter begann, so wurden Bossus und Philippus zu Konsuln ernannt. Dem Honorius war seine Gattin, Maria, längst gestorben, daher bat er sich ihre Schwester Thermantia zur Ehe aus. Stilicho wollte es nicht zugeben, Serena aber betrieb die Verbindung aus folgender Ursache. Als die Vermählung des Honorius mit Maria im Werke war, und die Mutter sahe, daß das Mädchen noch nicht das reife Alter erreicht hatte, auf der einen Seite die Hochzeit nicht aufschieben, auf der andern aber sie auch nicht zum Beischlafe vor der Zeit hingeben wollte, als welches ihr eine Beleidigung der Natur zu seyn schien, so fand sie eine Frau, die mit dergleichen umzugehen wußte, und richtets durch sie so ein, daß zwar ihre Tochter dem Kaiser beiwohnte, und das Bette mit ihm theile, dieser aber das, was einem Ehemann zukömmt, thun weder wollte noch könnte. Da nun Maria als Jungfrau starb, so wünschte Serena mit Recht, doch ein Kind des Kaisers zu sehen, aus Furcht, ihre große Macht möchte geschmälert werden, und gab sich daher alle Mühe, auch die zweite Tochter mit dem Honorius zu verbinden. Dieses geschahe, aber Thermantia starb auch als Jungfrau, und hatte bald das nämliche Schicksal, wie ihre Schwester.

Emona – Alarichs Zug gegen Norikum – erkaufter Friede.

Stilicho aber erhielt Botschaft, Alarich habe Epirus verlassen, und die Pässe durchzogen die den Uebergang aus Pannonien zu den Venedern verengen, und sein Lager bei der Stadt Emona genommen, die zwischen dem oberen Ponnonien und Norikum liegt. Es verdient diese Stadt, daß wir, was von ihr zu sagen ist, und wie sie gestiftet wurde, erzählen. Die von Aertes verfolgten Argonauten – sagt man – kamen an die Ausflüsse des Ister in das schwarze Meer, und fanden gut, in demselben gegen den Strom hinauf zu fahren, und zwar durch Rudern und einem günstigen Wind so weit, bis sie dem Meere näher kamen. Da sie nun bei der Ausführung dieses Entwurfs in diese Gegend kamen, hinterliessen sie ein Andenken ihrer Hieherkunft, nämlich die Gründung dieser Stadt, stellten alsdann die Argo auf Maschienen, zogen sie vierhundert Stadien weit bis zum Meere, und landeten alsdann an der Thessalischen Küste, wie der Dichter Pisandros erzählt, der diese Geschichte fast ganz in seinem Werke, die Theogamie der Heroen, umfaßte. Von Emona zog Alarich weiter, gieng über den Fluß Akylis, näherte sich Norikum, und sahe schon den Apennin hinter sich, der das Aeusserste Pannoniens begränzt, und denen, die zu den Norikern wollen, nur so enge Wege gestattet, daß eine kleine Besatzung hinreicht, wenn auch eine Menge Volks den Durchgang erzwingen wollte. Doch Alarich zog durch, und schickte aus Norikum eine Botschaft an Stilicho, um Geld zu verlangen, sowohl wegen seines Verweilens in Epirus, das auf den Rath Stilicho’s geschehen seye, als auch wegen seines Eintritts in Norikum und Italien. Stilicho empfieng die Gesandtschaft in Ravenna, ließ sie da zurücke, und reisete nach Rom, um mit dem Kaiser und Senate zu verabreden, was zu thun seye. Der Senat versammelte sich im Pallaste, und als die Frage vorgelegt wurde, ob man Krieg führen solle, oder nicht? stimmten die meisten auf den Krieg. Stilicho aber, und wenige, die aus Furcht ihm beistimmten waren entgegen gesetzter Meinung, und trugen auf Frieden mit Alarich an. Als nun diejenigen, die für den Krieg waren, vom Stilicho zu wissen verlangten, warum er nicht streiten, sondern lieber Friede wolle, und noch dazu sich überwinden könne, ihn für Roms Ehre um Geld schändlich zu erkaufen, so antwortete er: „Weil Alarich zum Vortheile des Kaisers so lange in Epirus verweilte, damit er in Gemeinschaft mit ihm gegen den Kaiser des Orients hatte Krieg führen, die Illyrier von dem morgenländischen Reiche trennen, und dem Honorius zuwenden können. Gewiß, setzte er hinzu, wäre es ausgeführt worden, wäre das Schreiben des Kaisers der Ausführung nicht zuvor gekommen, und hätte den Zug gegen den Orient verhindert. Alarich hat immer darauf gewartet, und daselbst viele Zeit verloren.“ Mit diesen Worten zeigte er den Brief des Kaisers vor, und gab der Serena die Schuld: sie habe zwischen den beiden Kaisern die Eintracht unverletzt erhalten wollen. Da nun alle die Gründe des Stilicho billig fanden, so beschloß der Senat, dem Alarich 4000 Pfund Goldes für den Frieden zu geben, wiewohl die meisten, nicht aus Ueberzeugung, sondern aus Furcht vor Stilicho, darauf antrugen. Ja, Lampadius, ein Mann, sowohl durch Geburt, als Würde auszeichnet, setzte in der Muttersprache hinzu: „dieses heißt nicht den Frieden, sondern Sklaverei erkaufen!“ hierauf, als der Senat entlassen wurde, flüchtete er sich, aus Furcht wegen seiner Freimüthigkeit büßen zu müssen, in eine nahe Kirche der Christen.

Honorius will nach Ravenna. Tumult des Sarus.

Auf diese Art brachte Stilicho den Frieden mit Alarich zu Stande, und eilte, abzureisen, um seine Entwürfe auszuführen. Der Kaiser aber erklärte, er wolle auch von Rom nach Ravenna sich begeben; um das Heer zu sehen, und es liebreich anzureden, da ein so mächtiger Feind bis in Italien hereingezogen seye. Dieses sagte er nicht aus eigener Bewegung, sondern auf den Rath Serenas. Denn sie wünschte, er möchte in einer sicheren Stadt wohnen; damit – im Fall Alarich den Frieden bräche, und Rom überfiele – nicht auch der Kaiser in seine Gewalt käme. Denn ihn zu erhalten; war sie desto mehr bedacht, da von seiner Sicherheit auch ihr Wohl abhieng. Stilicho aber zeigte sich abgeneigt; den Kaiser aus Rom reisen zu lassen, und erdachte allerhand Hindernisse. Da der Kaiser nicht nachgab, sondern auf der Reise beharrte, so erregte Sarus, ein Barbar von Geburt, der die Schaaren der Barbaren in Ravenna anführte; auf Stilichos Rath einen Tumult in der Stadt, nicht in der Absicht, die Staatsverfassung wirklich zu beunruhigen, sondern um den Kaiser zu schröcken, und von der Reise nach Ravenna abwendig zu machen. Doch gieng Honorius von seinem Entschlusse nicht ab. Justinianus aber, der ein vorzügliches Mitglied des Kollegiums der Advokaten, und von Stllicho als Beisitzer und Rath gewählt worden war, schien durch seinen Scharfsinn errathen zu haben, was die Absicht der Reise des Kaisers seyn mochte, und daß die Soldaten in Ticinum gegen den Stilicho nicht gut gesinnt waren, dieser also in die äußerste Gefahr gerathen werde, wenn der Kaiser, dahin käme. Daher fuhr er fort, den Kaiser zu ermahnen, daß er von dieser Reise abstehe. Als er aber sahe, daß der Kaiser dem Rathe Stilichos nicht gehorchte, so entfernte er sich, aus Furcht, er möchte wegen seines vertrauten Umgangs mit Stilicho in sein Schicksal verwickelt werden.

Arkadius stirbt. Stilicho soll in den Orient ziehen.

Nach Rom kam zuerst die Nachricht, Kaiser Arkadius seie gestorben, und sie bestätigte sich nach des Honorius Ankunft in Ravenna. Als nun Stilicho in Ravenna war, der Kaiser aber nach Bononien kam, einer Stadt an der Aemilischen Straße, siebenzig Meilen von Ravenna entfernt, so schickte er zu jenem: „Die Soldaten seien unterwegens gegen einander aufrührisch geworden, er solle die Zucht wieder herstellen.“ Stilicho versammelte die Aufrührer, und verkündigte ihnen: der Kaiser wolle, daß sie nicht nur wieder in Ordnung kommen, sondern von den Schuldigsten sollte auch jeder zehnte mit dem Tode bestraft werden. Dadurch setzte er sie in solches Schrecken, daß sie Thränen vergossen, und den Feldherrn so sehr zum Mitleiden bewogen, daß er ihnen die Gnade des Kaisers versprach. Der Kaiser täuschte die Hoffnung nicht, und nun wandte man sich zur Untersuchung der Staatsangelegenheiten. Stilicho wollte in den Orient gehen, und die Angelegenheiten des Theodosius, des Sohns des Arkadius, der noch jung war, und einer Vormundschaft bedürfte, in Ordnung bringen. Honorius selbst war entschlossen, diese Reise zu machen, und alles einzurichten, wie’s zur Sicherheit des Reichs des jungen Regenten erforderlich wäre. Da aber dem Stilicho dieser Entschluß mißfiel, so stellte er ihm die Größe des Aufwands, den die Reise kostete, vor, und brachte dadurch den Kaiser von der Unternehmung ab. Ueberdies führte er ihm an: der Aufstand Konstantins, der schon ganz Gallien durchzogen habe, und in Arelatum sitze, erlaube ihm nicht, sich von Rom und Italien so weit zu entfernen, und der Sorge fürs Reich zu entsagen. Hierzu komme noch – wiewohl schon diese Umstände die Gegenwart und Sorgfalt des Kaisers erfordern — der Zug Alarichs, eines Barbaren und treulosen Mannes, der mit seinem großen Heere heranrücken werde, wenn er Italien hülflos sehe. Das wäre am besten und dem Staate am nützlichsten, wenn Alarich gegen den Tyrannen auszöge, und einen Theil seiner Barbaren und die Römischen Legionen nebst den Anführern, die am Kriege Theil nehmen, mit sich nach Gallien führte: er selbst aber wolle, wenns der Kaiser befehle, und ihm schriftlich gebe, was er zu thun habe, in den Orient ziehen. Der Kaiser fand alles, was Stilicho gesagt hatte, wohl gesprochen; gab ihm ein Schreiben an den morgenländischen Kaiser und an Alarich, und brach von Bononien auf. Stilicho aber blieb in der Gegend, ohne weder nach dem Orient zu ziehen, noch sonsten etwas von dem, was beschlossen war, auszuführen, ja er verlegte nicht einmal einen Theil der Soldaten, die in Ticinum waren, nach Ravenna, oder sonst wohin, aus Furcht, sie möchten dem Kaiser begegnen, und diesen bewegen, etwas gegen ihn zu unternehmen.

Honorius und Theodosius. Aufruhr der Soldaten.

So stunds mit Stiticho, der sich keines feindseligen Entwurfs weder gegen den Kaiser noch gegen die Soldaten bewußt war! Aber ein gewisser Olympius, aus der Gegend des Pontus Euxinus, der mit einer glänzenden Befehlshaberstelle im Pallaste beehrt war, und unter dem Scheine christlicher Frömmigkeit viele Boßheit verbarg, durfte den Kaiser, wegen geheuchelter Anhänglichkeit an ihn, öfters unterhalten, und ließ, mit dem Dichter zu. reden
manche Worte des Todes
gegen den Stilicho fließen, unter andern, seine Reise in den Orient habe er darum betrieben, um den jungen Theodosius aus dem Wege zu räumen, und. das Reich seinem Sohne Eucherius zu, übertragen. Sich in solche Reden zu ergießen, hatte er unterwegens viele Gelegenheit. Als nun der Kaiser in Ticinum war, besuchte Olympius die kranken Soldaten — ein Hauptpunkt seiner geheucheltem Mäßigung! – und streuete auch unter ihnen dergleichen böße Reden aus. Nur vier Tage hernach, als Honorius in Ticinum angekommen war, rief der Kaiser die Soldaten vor sich, zeigte sich ihnen, und ermunterte sie zum Kriege gegen den Tyrannen Konstantin. Als aber wegen Stilichos niemand sich regte, so sahe man den Olympius den Soldaten winken, wie wenn er sie an das erinnerte, was er ihnen ingeheim gesagt hatte — und nun kamen sie wie ausser sich, und morden den Limenius, Präfekt bei den Völkern jenseits der Alpen, mit ihm den Chariobaudes, Feldherrn der dortigen Legionen. Denn diese waren dem Tyrannen entgangen, und zum Kaiser nach Ticinum gekommen. Nebst diesen wurden hingeschlachtet Vincentius und Salvius, dieser Anführer der Reuterei, jener aber Vorsteher der inneren Angelegenheiten des Pallasts. Der Aufruhr nahm immer zu, und der Kaiser entwich in seinen Pallast. Einige der Anführer entflohen. Die Soldaten aber zerstreueten sich durch die ganze Stadt, tödteten so viele Anführer, als sie konnten, und rissen einige aus den Häusern, in die sie sich gerettet hatten, auch plünderten sie hierauf die Stadt. Da nun das Uebel nicht mehr anders zu heilen war, warf der Kaiser nur ein Unterkleid um sich, erschien ohne Oberrock und Diadem mitten in der Stadt, und vermochte nur mit vieler Mühe, dem Unsinn der Soldaten Einhalt zu thun. — Auch diejenigen Obersten, die auf der Flucht gefangen worden waren, wurden niedergemacht — Nämorius, Oberster der Leibwache, und Petronius, der Schatzmeister, der auch das Privatvermögen des Kaisers verwaltete — ferner Salvius, der das Amt hatte, die Befehle des Kaisers abzufassen — seit den Zeiten Konstantins nennt man ihn Quästor. Ob er gleich die Knie des Kaisers umfaßte, konnte er doch dem Tode nicht entrinnen. Der Aufruhr dauerte bis an den späten Abend. Der Kaiser fürchtete zuletzt für sich selbst, und entwich deßwegen. Nun fanden die Soldaten noch den Longinianus, Präfekt der Leibwache in Italien, und mordeten auch ihn. Diese mancherlei Vorgesetzten wurde ein Opfer des Unsinns der Soldaten. Durch Zufälle kam eine solche Menge um, die man nicht leicht in Zahlen bestimmen kann.

Stilichos Entwürfe.

Als Stilicho, der in Bononien war, dieses hörte, versetzte es ihn in große Unruhe. Er versammelte daher alle Anführer der Barbaren, die Bundsgenossen waren, und frug sie, was zu thun seyn möchte? Alle beschlossen, daß die Barbaren, die Bundsgenossen der Römer seyen, im Fall der Kaiser ermordet wäre — davon war die Nachricht noch zweifelhaft — gemeinschaftlich die Soldaten zu überfallen, und so die übrigen zu besserer Kriegszucht zurückbringen — seie aber der Kaiser gerettet, und nur die Anführer ermordet, die Urheber des Aufruhrs zur Strafe gezogen werden sollen. Dieses war der Entschluß Stilichos und der Barbaren, die bei ihm waren! Da sie aber vernahmen, es seie dem Kaiser kein Leid geschehen, so fand jener nicht mehr nöthig, zur Züchtigung der Soldaten zu schreiten, sondern nach Ravenna zu gehen. Denn er bedachte dieser ihre Menge, und sahe, daß die Gesinnung des Kaisers nicht standhaft war: und unter den Umständen mit den Barbaren gegen das Römische Lager zu ziehen, seie weder erlaubt, noch sicher.

Ermordung des Stilicho.

Indessen Stilicho unentschlossen war, wollten die Barbaren ausführen, was vorher von ihnen beschlossen war, konnten ihn aber von dem Entschlusse, den er nachher gefaßt hatte, nicht ablenken. Da sie nun ihn nicht bereden konnten, wollten sie an verschiedenen Orten abwarten, bis sich die Gesinnung des Kaisers, in Ansehung des Stilicho deutlicher zeigte. Sarus aber, der an körperlicher Stärke und Ansehen vor allen Bundsgenossen sich auszeichnete, tödtete mit den ihm unterergebenen Barbaren alle Hunnen, die sich immer an den Stilicho anschlossen im Schlafe, und bemächtigte sich seines ganzen Geräthes, das ihm, folgte, und gieng dann zu seinem Gezelte, in dem er sich aufhielt, um über die Zukunft nachzudenken. Weil nun die Barbaren mit ihm uneinig waren, gieng er nach Ravenna, und ermahnte die Städte, in denen Weiber und Kinder der Barbaren waren, niemand aufzunehmen, wer von den Barbaren eingelassen seyn wollte. Olympius aber hatte sich indessen der Gesinnungen des Kaisers völlig bemächtigt, und schickte an die Soldaten in Ravenna ein kaiserliches Schreiben, das befahl, den Stilicho zu ergreifen, doch ihn in einem freien Gefängnisse zu halten. Auf diese Nachricht begab sich Stilicho, noch bei Nacht, in eine nahe Kirche der Christen. Die Barbaren, die bei ihm waren, und andere seiner Vertrauten, bewaffneten sich nun mit ihren Sklaven, und beobachteten, was geschehen sollte. So bald es Tag wurde, giengen die Soldaten in die Kirche, und bekräftigten vor dem anwesenden Bischoff durch einen Eid: es seie ihnen vom Kaiser nicht befohlen, den Stilicho zu tödten, sondern nur, ihn zu bewachen. Als er nun aus der Kirche gieng, und unter der Wache der Soldaten war, brachte derjenige, der den ersten Brief des Kaisers übergeben hatte, einen zweiten: Stilicho solle seine Verbrechen gegen den Staat mit dem Tode büßen. Während nun sein Sohn flohe, und nach Rom sich entfernte, wurde Stilicho zum Tode geführt. Die Barbaren und die Hausgenossen und andere Vertrauten eilten, ihn von der Hinrichtung zu befreien. Er aber hielt sie durch Drohungen und Furcht von der Unternehmung ab, und reichte seinen Nacken selbst dem Schwerde dar — ein Mann, der bescheidener war, als alle, die in jener Zeit Gewalt besassen! Denn ob er gleich mit einer Bruderstochter des ältern Theodosius vermählt war, und beide Söhne des Kaisers seiner Fürsorge anvertrauet waren, und er drei und zwanzig Jahre lang Feldherr gewesen war, setzte er doch nie einen Anführer bei Soldaten um Geld ein, noch nutzte er die Proviantlieferungen für die Soldaten zu seinem Vortheile. Obgleich Vater eines einzigen Sohns, ließ er diesen doch nicht höher steigen, als bis zu dem Amte eines Tribuns der Notarien, und bekleidete ihn mit keiner höheren Gewalt. Sein Tod – damit die Liebhaber auch die Zeit wissen — fällt in das Konsulat des Bassus und Philippus, unter welchen auch der Kaiser Arkadius starb, auf den drei und zwanzigsten August.

Folgen von der Hinrichtung Stilichos.

Nach Stilichos Tode wurde von dem Kaiser alles nach dem Willen des Olympius angeordnet. Er selbst empfieng die Würde eines Magisters und die anderen Stellen erhielten, wem er ein Zeugniß gab. Nun suchte man alle Vertraute Stilichos auf, und wer es mit ihm zu halten schien. – Daher kamen in Untersuchung Deuterius, Vorsteher der Wache des Gemachs, und Petrus, Präsident der Notarien. — Sie mußten eine gerichtliche Untersuchung ausstehen, und gezwungen, etwas von Stilicho zu sagen. Da sie aber weder gegen sich selbst, noch gegen ihn bekennen konnten, also Olympius seine Absicht verfehlte, so ließ er sie mir Knitteln bis auf den Tod prügeln. Auch noch viele andere wurden, als Mitschuldige Stilichos vor Gericht geführt, und durch Folter zu sagen gezwungen, ob sie etwas davon wissen, daß Stilicho nach dem Kaiserthum trachtete. Da aber niemand etwas davon zu sagen wußte, so viel man sich Mühe gab, so stund man von der Unternehmung ab. Honorius aber trennte sich von seiner Gattin Thermantia, und befahl, sie ihrer Mutter zurück zu schicken, ohne daß sie dadurch in Verdacht kam; den Sohn Eucherius aber überall zur Hinrichtung aufzusuchen. Da man aber fand, daß er in eine der Kirchen Roms seine Zuflucht genommen hatte, so ließ man ihn, aus Ehrfurcht gegen den Ort, ruhig. Heliokrates, über den Fiscus gesetzt, brachte ein kaiserliches Schreiben nach Rom, daß die Güter aller derer, die zur Zeit Stilichos ein Amt erhalten hatten, verfallen seyn sollten, und sammelten daher große Summen in den Fiscus. Und wie wenn das nicht schon hinreichend gewesen wäre, den Dämon zu sättigen, der damals alles durch die Ketten der Bösewichte fesselte, und, wie wenn die Gottheit abwesend wäre, die ganze Menschheit verwirrte, so kam zu dem bisherigen Unglücke auch noch dieses.  Als die Nachricht von Stilichos Tode zu den Soldaten kam, so überfielen sie die, in jeder Stadt sich befindenden, Weiber und Kinder der Barbaren, brachten sie, wie auf ein gegebenes Zeichen, alle um, und plünderten ihre ganze Habe. Kaum hörten dieses die Verwandten der Gemordeten, so versammelten sie sich, voll Unwillens über eine so grosse Treulossigkeit der Römer, an dem nämlichen Orte, und alle beschlossen, sich zum Alarich zu schlagen, und an dem Kriege gegen Rom Theil zu nehmen. So kamen zu diesem Zwecke dreißig, oder mehrere Tausende zusammen!

Man will den Frieden mit Alarich aufheben.

Aber auch dadurch wurde Alarich noch nicht gereizt, den Krieg zu unternehmen, sondern zog den Frieden vor, indem er sich des Stillstands mit Stilicho erinnerte. Er schickte Gesandten ab, den Frieden für keine große Geldsumme zu schliessen, und trug darauf an, daß man ihm den Actius und Jason, diesen des Gaudentius, jenen des Jovius Sohn, als Geisel überlassen solle, er wolle selbst einige seiner Edelsten geben, und dann Ruhe halten, auch sein Heer aus Norikum nach Pannonien zurück ziehen. Ob er nun gleich unter diesen Bedingungen Friede suchte, gestattete ihm der Kaiser die Bitte nicht, und von zweien Sachen sollte er doch, um bei gegenwärtigen Umständen alles in gute Ordnung zu bringen, eines thun, entweder den Stillstand um die mässige Geldsumme schließen, und den Krieg aufschieben, oder, wollte er kriegen, alle Legionen zusammenziehen, sie auf dem Wege der Feinde aufstellen, und also die Barbaren von dem weitern Vorrücken abhalten —  auch den Sarus zum Anführer des ganzen Kriegs wählen, der schon durch sich selbst den Feind wegen seiner Tapferkeit und Kriegserfahrung schröcken konnte, und auch Barbaren genug bei sich hatte, ihm Widerstand zu thun. Allein er nahm weder den Frieden an, noch bewarb er sich um die Freundschaft des Sarus, noch zog er die römische Macht zusammen, und erwartete alles von dem Gebete des Olympius, und wurde eben dadurch der Urheber so großen Unglücks. Denn er stellte solche Anführer des Heers auf, die nichts anders, als Verachtung des Feindes erwecken konnten, den Turpilion über die Reuterei, Varanes über das Fußvolk, und Vigilantius über die Schaar der Leibwache, auch die übrigen Anstalten stimmten mit diesen überein. Daher verzweifelte jedermann, und hatte nichts als den Untergang Italiens vor Augen.

Alarich bricht gegen Rom auf.

Wie dies alles also angeordnet war, brach Alarich zu dem Zuge gegen Rom auf, und lachte der Anstalten des Honorius. Und da er diesen wichtigen Entwurf nicht nur mit gleicher Macht, sondern mit Uebergewicht zu unternehmen beschloß, rief er den Ataulph, seiner Gattin Bruder, aus dem oberen Pannonien zu sich, daß er an der Unternehmung Theil nehme. Denn er hatte eine beträchtliche Menge Gothen und Hunnen bei sich. Doch erwartete er seine Ankunft nicht, eilte im Vorrücken bei Aquileia, und den Städten jenseits des Eridanus gelegen, Concordia, Altinum, Cremona, vorbei, gieng über den Fluß wie bei einem festlichen Aufzuge, und kam zum Kastelle Bononiens, Oekubaria genannt. Von hier zog er ganz am Aemilischen Graben hin, ließ Ravenna liegen, und kam nach Ariminum, einer Stadt auf der Flaminischen Landstraße. Auch an dieser gieng er, wie an den andern, die zur nämlichen Provinz gehören, vorbei, bis er ins Land der Picener kam, einem Volke, das im äussersten Winkel des Ionischen Meerbusens liegt. Nun wendete er sich gegen Rom, und plünderte unterwegens alle Kastelle und Städte. Wären nicht Arsakius und Terentius, die Eunuchen, die den Sohn Stilichos, Eucherius, nach Rom führten um ihn zu tödten, und den Willen des Kaisers auch vollzogen, den Barbaren in dieser Gegend durch die Flucht zuvor gekommen, so wäre Eucherius in die Hände Alarichs gefallen, und gerettet worden. Als nun die Eunuchen den Befehl vollzogen, und die Thermantia, des Honorius Gattin, ihrer Mutter übergeben hatten, so konnten sie nicht mehr den nämlichen Weg zum Kaiser zurück, bestiegen also ein Schiff, und reiseten nach dem Lande der Celten und Gallier, wo der Kaiser sich aufhielte. Dieser hielts für einen grossen Staatsdienst, wenn er die Eunuchen, welche die Thermantia ihrer Mutter ausgeliefert, und den Bucherius umgebracht hatten, nun auch wegen ihren herrlichen Thaten belohnte, machte daher den Terentius zum Aufseher des kaiserlichen Gemachs, und gab dem Arsakius die Stelle nach ihm. Den Bathanarius aber, der in groß Libyen Anführer war, den Schwestermann Stilicho’s, ließ er tödten, und gab die Aufsicht über die Provinz dem Heraklionus, der den Stilicho mit eigener Hand umgebracht hatte, und diese Ehrenstelle zur Belohnung. erhielt.

Auch Serena wird hingerichtet. Honorius und Theodosius.

Als Alarich schon in der Nähe Roms war, und die Bewohner der Stadt eingeschlossen hatte, so hielt der Senat die Serena für verdächtig; sie habe die Barbaren gegen Rom geführt. Die Meinung des ganzen Senats und selbst der Placidia, die den nämlichen Vater mit ihr hatte, der Schwester des Kaisers; war: man müsse sie, als die Ursache so großen Unglücks aus dem Wege räumen. Denn geschähe dieses, so werde Alarich von der Stadt abziehen, weil niemand mehr sich fände, von dem er hoffen könnte, er werde die Stadt verrathen. Der Verdacht war in der That eine Unwahrheit. Denn es fiel Serenen nichts dergleichen ein. Doch büßte sie gegen die Götter, was ihre Unthaten verdient hatten, wie ich gleich erzählen will. Als Theodosius der Ältere den Tyrannen Eugenius auf die Seite geschaft, und Rom eingenommen hatte, die heiligen Gebräuche gering schätzte, und sich weigerte, zu den Opfern die Kosten von Seiten des Staates zu geben, so wurden Priester und Priesterinnen vertrieben, und die Kapellen wurden aller gottesdienstlichen Verrichtungen beraubt. Serena spottete darüber, und wollte die Kapelle der Mutter der Götter besuchen. Hier erblickte sie den um den Hals der Rhea angelegten Schmuck, und legte ihn sich selbst um. Eine alte Vestalin, die allein übriggeblieben war, machte ihr ins Angesicht Vorwürfe wegen dieser Gottlosigkeit, sie aber schalt sie, und ließ sie durch ihr Gefolge vertreiben. Beim Weggehen wünschte die Vestalin, es möchte über sie und ihren Gatten und ihre Kinder all‘ dasjenige kommen, was eine solche Gottlosigkeit verdiente. Serena achtete nicht darauf, sondern verließ die Kapelle, mit dem Schmucke geziert. Aber in der Folge wandelt sie im Schlafe und beim Wachen öfters etwas an, das ihr den künftigen Tod verkündigte. Auch viele andere hatten die nämliche Erscheinung. So stark zeigte Dike, welche die Bößewichter verfolgt, die ihr eigene Macht, daß Serena, die ihr Schicksal wußte, sich nicht hütete, sondern den Hals, dem sie den Schmuck der Rhea angelegt hatte, zum Erdrosseln selbst darbot. — Auch Stilicho, sagte man, seie, wegen eines andern ähnlichen Frevels, der geheimen Rache nicht entronnen. Denn er soll befohlen haben, daß man die Thüren des Kapitols, die mit schwerem Golde bekleidet waren, abkratzte, und als man seinen Befehl befolgte, fand man an einem Theile der Thüre eingeschrieben: sie werden für den Unglücklichen König aufbewahrt. Der Erfolg entsprach der Schrift. Denn er verlor das Leben unglücklich und bedauernswürdig.

Hunger und Pest in Rom.

Aber der Serena Tod hielt den Alarich von Roms Belagerung nicht ab. Rings umher sperrte er alle Thore, und besetzte den Tiberfluß, um die Zufuhr der Lebensmittel aus dem Hafen zu hemmen. Als die Römer dieses erfuhren, nahmen sie sich vor, auszudauern, weil sie Hülfe erwarteten, die, wie man sagte, alle Tage aus Ravenna ankommen könne. Da aber niemand kam, und sie in ihrer Hoffnung getäuscht wurden, so beschlossen sie, das Maas des Getraides zu verringern, und nur die Hälfte von dem zu verbacken, was den Tag vorher verzehrt wurde — und, bei zunehmendem Mangel, nur den dritten Theil. Noch zeigte sich kein Mittel der Rettung in diesem Unglück. Was dem Magen helfen konnte, gieng aus. Auf den Hunger folgte, wie gewöhnlich, Pest, und alles war voll Leichnamen. Außerhalb der Stadt konnte man sie nicht begraben — denn die Feinde bewachten jeden Aussang — daher war die Stadt selbst der Begräbnißort der Todten. So wurde die Stadt menschenleer, und, wäre auch kein Mangel an Lebensmitteln gewesen, so reichte schon der Geruch der Leichname hin, zum Verderben der Einwohner. Sehr viele unterstützten, durch Darreichung der Bedürfnisse, Läta, die Gattin des Kaisers Gratianus, und ihre Mutter, Pissamena. Denn da der Staat ihnen auf die kaiserliche Tafel den Vorrath lieferte — ein Geschenk, das sie von Theodosius erhalten hatten! – so stillten sie, nach ihrer Menschenliebe, den Hunger vieler aus ihrem Hause.

Die Gesandtschaft an Alarich wird hart abgewiesen.

Als nun die Noth aufs höchste stieg, auch alles versucht hatte, vor dem die Menschen sonsten Abscheu haben, und zu fürchten war, sie möchten sich unter einander selbst aufzehren, so beschloß man endlich eine Gesandtschaft an den Feind zu schicken, mit der Erklärung: Rom seie zu einem gemäßigten Frieden geneigt, aber noch mehr zum Kriege gerüstet, da das Römische Volk die Waffen ergriffen, und durch beständige Uebung darinnen zu einem Kampfe Muth gefaßt habe. Als Abgeordneter wurde gewählt Basilius, der zwar aus Iberien stammte, aber mit der Würde eines Statthalters beehrt worden war. Mit ihm gieng Johannes, das Haupt der kaiserlichen Notarien, die man Tribunen nennt, als ein Bekannter Alarichs, der vermitteln konnte. Die in Rom zweifelten, ob Alarich noch anwesend seie, und Rom selbst belagere? Denn nach einer laufenden Sage schmeichelten sie sich, es seie ein anderer, einer der Partrigänen, Anhänger Stilicho’s, der ihn vor Rom geführt habe. Bei ihrer Ankunft schämten sich die Gesandten der Unwissenheit, in der die Römer so lange gewesen waren, und trugen die Botschaft des Senats vor. Auf ihren Vortrag, besonders denjenigen Theil desselben: das Römische Volk rüste sich, mit den Waffen in der Hand, zum Kriege; antwortete Alarich: „Dichtes Gras ist leichter zu mähen, als dünnes.“ Mit diesen Worten ergoß er Spott über die Gesandtschaft in lautem Gelächter — und als sie darauf auf die Bedingungen des Friedens kam, brauchte er Ausdrücke, die allen Uebermuth der Barbaren übertraffen. Denn er erklärte: nicht eher werde er von der Belagerung abstehen, bis er alles Gold und Silber, das die Stadt enthielte, empfangen hätte, auch, was er an Geräthe in derselben fände, und alle barbarischen Sklaven. Einer der Gesandten antwortete: „Wenn du alles das empfängst, was bleibt uns dann übrig?“ — Das Leben! erwiederte er. Auf diese Erklärung baten die Abgeordneten, mittheilen zu dörfen, was vorgefallen war. Sie erhielten Urlaub, und berichteten, was gesprochen worden war. Nun überzeugten sie sich, daß Alarich selbst gegen sie kriegte, entsagten allem, was menschliche Kraft vermag, und erinnerten sich der Hülfe, die ehemals die Stadt in Unruhen erhalten hatte, und deren sie itzt beraubt seyen, weil sie die Gebräuche der Väter vernachläßigt haben.

Rom wird gebrandschatzt.

Unter diesen Betrachtungen traf Pompeianus, Befehlshaber der Stadt, einige, die aus Tuscien nach Rom kamen, und vorgaben, eine Stadt, Nebeia, habe sich von der obwaltenden Gefahr befreiet, und, auf das Gebete zur Gottheit und den Dienst nach alter Sitte, durch die entstandenen gewaltigen Blitze und Donner die drohenden Barbaren vertrieben. Durch Unterredungen mit ihnen wurde er von dem Nutzen der heiligen Gebräuche überzeugt. Da er aber die damals herrschende Meinung bedachte, so hielt ers für sicherer, um das, was er beabsichtigte, zu thun, alles dem Bischoffe der Stadt vorzutragen, Es war Innocentius, der das gemeine Wohl seiner eigenen Meinung vorzog, und heimlich erlaubte, zu thun, was sie wissen. Sie erklärten, es werde der Stadt nicht nützen, wenn nicht die angenommenen Gebräuche vollzogen, und in Gegenwart des Senats auf dem Kapitol und den öffentlichem Plätzen der Stadt die gesetzlichen Opfer gebracht würden, wie sichs ziemte, aber niemand wagte, an den Opfern der Väter Theil zu nehmen. Man entließ die Tuscier, und wendete sich wieder zu dem Barbaren, um ihn so gut, wie möglich, zu besänftigen. Die nämlichen Abgeordneten wurden wieder abgeschickt, und, nach mancherlei Hin- und Wiederreden, endlich beschloßen: die Stadt solle geben 5002 Pfund Goldes, 30000 Pfund Silbers, 4000 seidene Gewande, 3000 rothe Felle und an Gewichte 3000 Pfund Pfeffer. Da aber von Seiten des Staats nicht so viel Gold vorhanden war, so wars für diejenigen vom Senate, die Vermögen hatten, nach einer gewissen Aufzeichnung zur Abgabe beizutragen. Dem Palladius. wurde die Gewalt übergeben, einem jeden nach seinem Vermögen anzusetzen, was er geben sollte, aber es war doch unmöglich, das Ganze zusammen zu bringen, theils, weil die Besitzer einen Theil verbargen, theils weil die beständige Habsucht der Regenten Rom in Armuth gestürzt hatte. Daher lenkte der böße Dämon, der damals die Schicksale der Menschen regierte, die Führer dieses Geschäfts zum Gipfel des Unglücks. Denn sie beschloßen, was noch fehlte, durch den Schmuck zu ergänzen, der die Bildsäulen noch umgab. Dies war nicht anders, als sie, die wegen Erhaltung des ewigen Glücks der Stadt feierlich aufgestellt, und mit dem geziemenden Schmucke geziert worden waren, izt leblos und unwirksam machen, indem man ihnen einen Theil der Einweihung entzog. Und da alles zusammen kommen sollte, was die Stadt ins Verderben brachte, so wurden nicht nur die Bildsäulen ihres Schmucks beraubt, sondern man schmelzte auch ein, was von Gold und Silber gemacht war. Eine derselben war die Bildsäule der Tapferkeit, welche die Römer Virtus nennen. Mit ihr erlosch alles, was Römer von Tapferkeit und Männlichkeit noch hatten, als welches diejenigen, die sich auf Gottheitsdienst und Gebräuche der Väter verstunden, damals gleich verkündigten.

Alarich zieht ab, und Honorius bestätigt den Frieden.

Auf diese Art wurde das Geld zusammen gebracht! Nun beschloß man, eine Gesandschaft an den Kaiser zu senden, ihm Nachricht von dem Frieden zu geben, auch, daß Alarich nebst dem Gelde Söhne der Edeln, als Geisel, wolle – und dann werde er nicht nur Frieden, sondern auch Bundsgenossenschaft mit dem Kaiser schließen, und mit den Römern gegen jeden streiten, der feindlich gegen sie gesinnt seye. Der Kaiser genehmigte den Frieden unter diesen Bedingungen, und das Geld wurde nun den Barbaren gegeben! Alarich erlaubte izt denen von der Stadt, drei Tage lang ohne Furcht vor einige Thore zu gehen, und den Einkauf der Bedürfniße gestattete er auch, daß aus dem Hafen Getraide herbeigeführt würde. Nun athmeten die Römer wieder, gaben was sie Überflüssiges hatten, und kauften sich entweder das Nöthige, oder tauschtens um andere Sachen ein. Die Barbaren aber verließen Rom, und schlugen ihr Lager in einigen Gegenden Tusciens auf. Fast jeden Tag verließen einige der Sklaven die Stadt, und schlugen sich zu den Barbaren. Ihre Menge betrug gegen 40000 Mann. Einige aber schwärmten umher, und überfielen diejenigen, die in den Hafen hinabfuhren, um Bedürfnisse herbei zu schaffen. Als Alarich dieses erfuhr, gab er sich Mühe, dieses Unwesen, das ihm nicht gefiel, auszurotten. Von dem Unglück hatte man nun itzt einige Erholung, zur Zeit, als der Kaiser Honorius zu Ravenna das Konsulat antrat, das er itzt zum achtenmale erhielt, und der Kaiser Theodosius im Orient zum drittenmale.

Honorius verträgt sich mit Konstantin.

Unter diesen Umständen schickte der Tyrann Konstantin Eunuchen an den Honorius, diesen um Verzeihung zu bitten, daß ers gewagt habe, das Kaiserthum anzunehmen. Es seie von ihm nicht absichtlich übernommen, sondern durch den Zwang der Soldaten ihm aufgebürdet worden. Honorius hörte die Bitte an, bedachte, so lange Alarich mit seiner Mannschaft so nahe seye, dürfe er an keinen andern Krieg denken, nahm auch Rücksicht auf die Verwandten, die in der Gewalt Konstantins waren, den Berenianus und Didymius, daher bewilligte er nicht nur die Bitte, sondern schickte ihm auch ein kaiserliches Gewand. Wiewohl nun seine Verwandten, wegen deren er eine vergebliche Sorge hatte, schon vor der Gesandtschaft ermordet waren, entließ er doch die Eunuchen mit dem gegebenen Bescheid.

Olympius tyrannisirt weiter.

Da aber der Friede mit Alarich noch nicht befestigt war, indem dieser weder Geisel gegeben, noch sonsten das Verlangte alles erfüllt hatte, so wurden von dem Senate Cecilianus, Attalus und Mariminianus nach Ravenna geschickt. Sie beklagten das Unglück Roms, und schilderten die Menge der Umgekommenen sehr tragisch. Doch richteten sie nichts aus, weil Olympius alles verwirrte, und, was gut gefunden wurde, hemmte. Darum wurden die Abgeordneten entlassen, ohne etwas ausgerichtet zu haben. Den Theodorus setzte Honorius von der Präfektur ab, und gab sie dem Cecilianus, den Attalus aber stellte er als Aufseher über die Schatzkammer an. Olympius hatte nichts angelegeners, als alle auszuspähen, von denen man sagte, sie wissen etwas von Stilicho. Auf eine solche Verleumdung wurden auch Marcenianus nud Salonius, zwei Brüder, die zu kaiserlichen Notarien erhoben waren, in Untersuchung gezogen. Olympius übergab sie dem Präfekt der Leibwache. Ob nun gleich ihr Körper durch alle Arten von Marter zerfleischt wurde, sagten sie doch nichts aus, wornach Olympius forschte.

Niederlage des Valens — Ataulphs Verlust.

Da indessen die Sachen in Rom in keinem besseren Zustande waren, beschloß der Kaiser, fünf Schaaren Soldaten aus ihrem Standlager in Dalmatien aufbrechen, und nach Rom zur Bewachung abgehen zu lassen. Sie betrugen sechs tausend Mann, an Kühnheit und Stärke der Kern des Römischen Heers. Ihr Anführer war Valens, ein in jeder Gefahr unerschrockener Mann. Er verschmähete es, durch die Gegenden zu ziehen, welche die Feinde nicht besetzt hatten. Alarich aber erwartete seinen Durchzug, und überfiel ihn mit aller seiner Macht. So lieferte Valens alle seine Leute in die Hände der Feinde, daß kaum hundert entrannen, unter denen der Anführer war. Denn es gelang ihm, nebst dem Attalus, der vom Senate zum Kaiser geschickt worden war, noch nach Rom zu kommen, und so sich zu retten. Nun kam immer neues, noch größeres, Uebel hinzu. Als Attalus nach Rom kam, befreiete er den Heiliokrates von der Sorge, die ihm der Kaiser, auf den Rath des Olympius, übertragen hatte. Denn er hatte den Auftrag, das Vermögen derer, die es wegen des Umgangs mit Stilicho verlieren sollten, aufzusuchen, und in den Fiscus zu bringen. Da er aber, als ein Mann von gemäßigter Denkungsart, es für Ungerechtigkeit hielt, die Unglücklichen zu strenge zu behandeln, so untersuchte er die Umstände nicht aufs genaueste, ließ einigen sogar heimlich rathen, zu verbergen, was sie könnten, daher hielt man ihn für einen übel gesinnten Mann, und führte ihn nach Ravenna, daß er da, wegen seiner Menschenliebe gegen Unglückliche, gestraft würde, und wahrscheinlich wäre er zum Tode, wegen der damals herrschenden, Grausamkeiten, verdammt worden, wäre er nicht so glücklich gewesen, eine Kirche der Christen zu erreichen. Maximilianus aber, der unter die Feinde fiel, wurde seinem Vater gegen 30000 Goldgülden zurückgegen. Denn da der Kaiser immer den Frieden aufschob, und die Bedingungen nicht erfülle, so durften die Römer nicht mehr wohl aus der Stadt gehen. Daher wurde abermals an den Kaiser wegen des Friedens eine Gesandtschaft abgeschickt, mit der der Bischoff reisete. Auch waren einige Barbaren dabei, von Alarich abgeschickt, um sie gegen die Feinde in Schutz zu nehmen, welche die Straße beunruhigten. Während sie auf der Reise waren, gieng Ataulph, von dem wir erzählten, daß Alarich ihn kommen ließ, über die Alpen, die aus Pannonien nach Venetien führen. Auf die Nachricht davon ließ der Kaiser, der wenige Völker um sich hatte, alle Soldaten, so wohl Fußgänger, als Reuter, die in den Städten waren, nebst ihren Anführern, ihm entgegenrücken. Dem Olympius aber, der die Leibwachen befehligte, übergab er dreihundert Hunnen, die in Ravenna waren. Die stießen bei einer Stadt, Pisa genannt, auf den Feind, erlegten zwölfhundert Gothen, und kehrten bis auf siebzehen, die geblieben waren, ohne Schaden nach Ravenna zurück.

Standhaftigkeit und Verdienste des Generidus.

Den Olympius aber hatten die kaiserlichen Eunuchen bei dem Kaiser angegeben, er seie schuld, daß die Sachen für den Staat nicht gut gehen, und brachten es dahin, daß er seines Amts entsetzt wurde. Vor größerm Unglück bange, begab er sich auf die Flucht, und erreichte Dalmatien. Der Kaiser schickt nun den Attalus als Präfekten nach Rom, und, sehr aufmerksam darauf, daß von dem, was in die Schatzkammer kommen sollte, nichts verborgen bleibe, sendet er den Demetrius, die Geschäfte des Attalus zu ergänzen, und das Vermögen des Fiscus zu untersuchen. Er veränderte nun vieles in den Aemtern und in andern Stücken, setzte die vorigen Beamten ab, und gab die Stellen andern, befahl daher auch, Generidus solle alle Völker in Dalmatien anführen, und auch über diejenigen gesetzt seyn, die das obere Pannonien, Norikum und Rhätien, und bis an die Alpen hin bewachten. Generidus war zwar von Geburt ein Barbar, aber, dem Charakter nach, zu allen Tugenden geschaffen, besonders durch Geld nicht zu gewinnen. Den väterlichen Gebräuchen treu, ließ er sich von der Verehrung der Götter nicht abwendig machen, auch nicht, als das Gesetz einge führt wurde, das denen, die nicht Christen waren, im Palaste den Gürtel zu tragen verbot. Nach Erscheinung desselben blieb Generidus, der doch Befehlshaber der Soldaten zu Rom war, zu Hause, und legte den Gürtel gar ab. Da aber der Kaiser ihn bat, er, als einer, der den Vornehmen beigezählt würde, er möchte nach seiner Ordnung in den Palast kommen, so antwortete er: Das Gesetz verbiete ihm, einen Gürtel zu tragen, und überhaupt denen, die nicht den Dienst der Christen annehmen, sich zu den Vornehmen zu rechnen. Der Kaiser antwortete: über die anderen herrsche das Gesetz, über ihn aber, der für den Staat schon so viel gestritten habe, nicht. Generidus erwiederte: er könne sich nicht erlauben, eine Ehre anzunehmen, die zum Schimpfe aller gereiche, die um des Gesetzeswillen vom Kriegsdienste ausgeschlossen seyen – und versähe auch seinen Dienst nicht eher wieder, bis der Kaiser, aus Schaam und durch Noth in diesen Umständen gezwungen, das Gesetz aufhob, und jedem, der des Generidus seiner Meinung war, die vornehmsten Aemter zu verwalten, und Kriegsdienste zu thun, verstattete. Durch diese Großmuth erweckt, bildete Generidus den Soldaten durch beständige Uebungen, gab ihm sein Getraide, gestattete niemanden, etwas davon abzuziehen, wie gewönlich war, und von dem, was ihm die Schatzkammer zollte, belohnte er nach Verhältniß diejenigen, die mehr arbeiteten. Als ein solcher Mann wurde er den sich nähernden Barbaren furchtbar, und gewährte allen Völkern, deren Bewachung ihm zugetheilt war, alle Sicherheit.

Empörung der Soldaten in Ravenna.

In Ravenna aber empörten sich die Soldaten, besetzten den Hafen, erhuben ein ausschweifendes Geschrei, und baten den Kaiser, sich zu zeigen. Er aber verbarg sich aus Furcht vor dem Aufruhr, und Jovius, Präfekt der Leibwache, und mit der Würde eines Patriziers beehrt, trat vor ihnen auf. Wiewohl man nun, von ihm sagte, er seie der Urheber der Unruhen, und habe den Ellebichus, der die Reuter der Leibwache befehligte, zum Genossen, stellte er sich doch, die Ursache nicht zu wissen, und frug sie, warum sie sich dazu verleiten ließen? Wie er nun von ihnen vernahm, es seie höchst nothwendig, daß Turpillian und Vigilantius, die Feldherren, ihnen ausgeliefert werden, nebst ihnen Terentius, der Oberkämmerer, und Arsacius, der nächste nach ihm, so wurde dem Kaiser vor dem Aufruhr noch banger, und er verwieß die Feldherren in ewige Verbannung. Aber als sie in das Schiff getreten waren, wurden sie von denen getödtet, die sie abführen sollten. Jovius hatte dieses ihnen befohlen, denn er fürchtete, sie möchten sonst zurückkommen, den Plan gegen sie erfahren, und alsdann den Kaiser zur Strafe gegen sie ausrufen. Terentius wurde in den Orient geschickt, und dem Arsakius Mailand zum Aufenthalte angewiesen.

Unterhandlungen des Jovius mit Alarich.

An des Terentius Stelle machte der Kaiser den Eusebius zum Oberkämmerer, dem Valens übergab er das Amt, das Turpillion gehabt hatte, und nach dem Vigilantius stellte er den Allobich als Präfekt auf, glaubte auch nun, den Aufruhr der Soldaten gestillt zu haben. Jovius aber, der sich alle kaiserliche Gewalt anmaßte, schickte Gesandten an Alarich, ihn aufzurufen, daß er bis Ravenna vorrücke; da solle der Frieden geschloßen werden. Auf die Schreiben des Kaisers und Jovius kam Alarich nach Ariminum das dreißig Meilen von Ravenna entfernt ist, und alsbald eilte Jovius zu ihm, als Freund und Gastfreund Alarichs von Epirus her, und unterredete sich mit ihm wegen des Vertrags.  Alarich verlangte, es solle ihm jährlich eine bestimmte Summe Geldes, und ein gewißes Maaß Getraide gereicht werden, und gestattet seyn, beide Venetien, Norikum und Dalmatien zu bewohnen. In Alarichs Gegenwart schrieb dieses Jovius an den Kaiser, gab aber ein besonderes Schreiben mit, worinnen er den Honorius ermahnt, den Alarich zum Befehlshaber beider Heere zu machen, damit er, durch diese Ehre gewonnen, von der Härte des Vertrags etwas nachließe, und den Vertrag unter erträglichen und bescheidenen Bedingungen machte. Bei Ankunft des Schreibens zürnte der Kaiser über die Kühnheit des Jovius, schickte aber einen Brief, worinnen er zu erkennen gab: als Präfekt der Leibwache und als Vorsteher der öffentlichen Abgaben könne er wohl die Summe des Geldes und das Maaß des Getraides bestimmen, die Würde aber oder Stelle eines Feldherrn werde er weder dem Alarich, noch einem seiner Landsleute geben.

Neuer Ausbruch des Kriegs mit Alarich.

Beim Empfange des Schreibens öffnete es Jovius nicht besonders, sondern las es in Gegenwart Alarichs. Bei dem übrigen Inhalte blieb dieser gelassen, als er aber sahe, daß man ihm und seinem Volke die Würde eines Feldherrn verweigerte, erhub er sich in Zorn, und befahl alsbald seinen Barbaren, mit ihm gegen Rom aufzubrechen, und den, ihm und seinem Volke erwießenen, Schimpf zu rächen. Jovius gerieth über das Unerwartete in dem kaiserlichen Schreiben in Verlegenheit, und kehrte nach Ravenna zurück. Um nun sich von Tadel frei zu machen, beschwur er den Honorius, niemahlen mehr Friede mit Alarich zu machen, sondern durchaus den Krieg fortzusetzen. Er selbst schwur bei dem Haupte des Kaisers, das er berührte, und ermunterte die andern, die Staatsämter verwalteten, das nämliche zu thun.

Alarichs Reue und gelindere Bedingungen.

So bald nun beschlossen war, mit Alarich zu kriegen, rief der Kaiser zehn tausend Hunnen zur Streitgenossenschaft auf, und, damit Proviant für sie auf ihrem Zuge bereit wäre, befahl er, Getraide, Schafe und Ochsen aus Dalmatien herbei zu führen. Auch schickte er Leute ab, den Zug Alarichs nach Rom auszuspähen, und versammelte seine Macht von allen Seiten. Alarich aber reuete seine Unternehmung gegen Rom, und er schickte Bischöffe, die bei dem Kaiser Gesandte seyn, und ihn zugleich ermahnen sollten; er möchte doch bedenken, daß er eine Stadt, die mehr als tausend Jahre über einen großen Theil der Welt herrschte, der Verwüstung von Barbaren preiß gebe, und solche Maßen von Palästen vom feindlichen Feuer zerstören lasse, und daher lieber auf billige Bedingungen Friede machen. Er bedürfe keines Reichs wolle auch die vorigen Provinzen nicht, um sich da nieder zu lassen, sondern nur beide Norikum, die an dem entferntesten Ister liegen, beständigen Einfällen ausgesetzt seyen, und der Schatzkammer wenig eintragen, überdies jährlich so viel Getraide, als der Kaiser glaube, daß hinreichend seye. Auch erlasse er das Geld, und es solle Freundschaft und Bundsgenossenschaft zwischen ihm und den Römern seyn gegen jeden, der die Waffen ergreife, und sich zum Kriege gegen den Kaiser erhebe.

Der Schwur beim Haupte des Kaisers soll eher gehalten werden, als wenn man bei Gott schwört.

So mäßig und klug diese Vorschläge Alarichs waren, und so sehr jedermann seine Mässigung bewunderte, so erklärten Jovius und die neben dem Kaiser die Gewalt hatten, doch, die Forderungen seien nicht zu bewilligen, weil alle Magistrate geschworen haben, keinen Frieden mit Alarich zu machen. Denn wäre der Eid bei Gott geschworen worden, so wäre er wohl nicht zu achten, da die göttliche Barmherzigkeit diese Gottlosigkeit verzeihe. Da man aber bei dem Haupte des Kaisers geschworen habe, so wäre es nicht erlaubt, einen solchen Schwur zu brechen. So verkehrt war der Sinn derer, die damals, von der Vorsehung verlassen, den Staat regierten!

Sechstes Buch

Alarich rückt abermals vor Rom. Der Gesandte Konstantins, Jovius, verspricht Hülfe.

Da nun Alarich seine gemäßigten Bedingungen mit Hohn verworfen sahe, rückte er mit dem ganzen Heere gegen Rom, um die Belagerung mit allem Ernste zu betreiben. — Um diese Zeit kam bei Honorius von Konstantin, der in Gallien die Gewalt an sich gerissen hatte, ein Gesandter an, Namens Jovius, ein durch Gelehrsamkeit und andere trefliche Eigenschaften ausgezeichneter Mann, in der Absicht, den angenommenen Frieden bestätigen zu lassen, und zugleich wegen des Mordes des Didymus und Verrenianus, der Verwandten des Kaisers, um Verzeihung zu bitten. Sie seien von Konstantin nicht absichtlich ermordet worden. Jovius fand den Honorius immer noch aufgebracht, und stellte ihm daher vor, wie vernünftig es seye, itzt, da er für Italien so große Sorgen habe, etwas nachzugeben. Erlaubte es der Kaiser, zum Konstantin zurück zu reisen, und ihm die Noth Italiens zu berichten, so werde er bald mit aller Macht aus dem Lande der Kelten und Iberier und der Insel Britannien heranrücken, und Italien und Rom in den gegenwärtigen Umständen helfen. Auf diese Vorstellung wurde dem Jovius abzureisen erlassen. Da wir aber von den Kelten nicht die gehörige Nachricht ertheilt haben, so ist billig, zu erzählen, wie alles sich zugetragen hat.

Empörung in Britannien, Konstantin schifft nach Italien, und besetzt Valentia.

Als Arkadius noch regierte, und Honorius zum siebentenmale, Theodosius aber das zweitemal Konsule waren, empörten sich die Soldaten in Britannien, setzen den Markus auf den königlichen Thron, und gehorchen ihm, als dem Beherrscher des Landes. Da er aber nach ihrem Charakter sich nicht bequemte, so tödteten sie ihn, und stellten den Gratianus auf, legten ihm ein Purpurkleid und eine Krone bei, und begleiteten ihren König als Trabanten. Aber auch mit diesem waren sie unzufrieden, setzten nach vier Monaten ihn ab, tödteten ihn, und übergaben das Reich dem Konstantin. Dieser setzte über die Legionen in Gallien den Justinianus und Neobigastes, verließ Britannien, und schiffte über. Als er nach Bononien, der ersten Stadt am Meere, die zu Niederteutschland gehört, gekommen war, verweilte er da einige Tage, brachte alle Heere bis zu den Alpen, die Gallien und Italien scheiden, auf seine Seite, und glaubte nun, sein Reich seie gegründet. Um diese Zeit schickte Stilicho den Sarus mit einem Heere gegen ihn aus. Dieser begegnet dem Justinianus mit seinem Heere, tödtet ihn und den größeren Theil seiner Soldaten, und macht große Beute. Nun erfuhr er, Konstantin habe Valentia besetzt – eine Stadt die ihm Sicherheit gewährte – und machte daher Anstalten zur Belagerung. Neobigastes, der andere Feldherr, unterhandelt mit Sarus wegen eines Vertrags, und nimmt ihn als Freund auf. Sie schwören einander. Aber Sarus achtet des Eids nicht, und bringt ihn alsbald ums Leben. Nun setzt Konstantius den Edobinchus, einen Franken von Geburt, und Gerontius, der aus Britannien kam, zu Feldherren ein. Sarus fürchtet ihre Kriegserfahrenheit und Tapferkeit, und zieht von Valentia ab, das er sieben Tage belagert hatte. Konstantius Feldherren verfolgten ihn mit aller Macht, und nur mit Mühe konnte er sich dadurch retten, daß er den Bakauden, die ihm bei den Alpen entgegenrückten, seine ganze Beute schenkte, damit sie ihm den Uebergang über die Gebürge nach Italien gestatteten. Als Sarus sich auf diese Art gerettet hatte, zog Konstantin seine ganze Macht zusammen, und beschloß, hinreichende Posten auf den Alpen auszustellen. Es sind drei, auf denen man aus Gallien nach Italien übergeht, und die den Eingang verschließen, die Kottische, Pöninischen und die Seealpen. Die angegebene Vorsicht gebrauchte er wegen folgender Ursache.

Sieg gegen die Sueven, Alanen, und Vandalen, und weitere Anstalten gegen sie.

In den vorhergehenden Zeiten, als Arkadius zum sechstenmale und Probus Konsule waren, vereinigten sich die Vandalen, Sueven und Alanen, überstiegen diese Gegenden, plünderten die Völker jenseits der Alpen und ermordeten viele Einwohner, wurden dadurch auch den Heeren in Britannien furchtbar. Die Furcht nun, sie möchten weiter vorrücken, zwang diese, zur Wahl eines Herrschers zu schreiten, nämlich des Markus, Gratianus, und, nach ihnen, des Konstantins. In einer gewaltigen Schlacht, die dieser ihnen lieferte, siegten zwar die Römer, und tödteten einen großen Theil der Barbaren. Da sie aber die Fliehenden nicht verfolgten – denn wohl waren sie zu Grunde gerichtet worden – so gestatteten sie dem Feinde, sich von der Niederlage zu erholen, und eine solche Menge zusammen zu ziehen, daß sie aufs neue bekämpft werden mußten. Darum stellte Konstantin in diesen Gegenden Posten aus, damit ihnen der Uebergang in Gallien erschwert würde. Auch an dem Rheine – wo es seit Julians Zeiten versäumt worden war – sorgte er auf alle Art für Sicherheit.

Konstantius [sic] schickt seinen Sohn Konstans nach Iberien, der sich dieses Land unterwirft.

So ordnete Konstantin alles in Gallien an, legte dann seinem ältesten Sohne, Konstans, das kaiserliche Gewand an, und schickte ihn nach Iberien, theils um auch jene Völker zu überwältigen, und sein Reich zu vergrößern, theils um des Honorius Verwandten von der Herrschaft dorten zu verdrängen. Denn er fürchtete, sie möchten dorten eine Macht zusammen ziehen, über die Pyrenäen gehen, und ihn überfallen, zu gleicher Zeit aber der Kaiser Völker aus Italien schicken, ihn so rings umher einschließen, und seiner Herrschaft ein Ende machen. Darum ließ er den Konstans nach Iberien gehen, und gab ihm zum Feldherrn den Terentius mit, zum Präfekt des Prätoriums aber den Apollinarius, stellte auch über die Prätorianer so wohl bürgerliche als militairische Obrigkeiten an. Mit diesen zog Konstans gegen diejenigen aus, die mit dem Kaiser verwandt waren, und Iberiens Angelegenheit in Verwirrung gebracht hatten. Zuerst nun stellten sie dem Konstans Lusitaniens Heer entgegen, sahen sich aber bald besiegt, bewaffneten nun eine Menge Sklaven und Landleute, und brachten izt den Konstans in die größte Gefahr, verfehlten aber doch ihre Hofnungen, und kamen mit ihren Gattinnen in seine Gewalt. Sobald ihre Brüder, Theodosius und Lagodius, dieses hörten, flohen sie, der eine nach Italien, der andere rettete sich durch die Flucht ins Morgenland.

Britannien und Armorika fallen von den Römern ab.

Dieses führte Konstans in Iberien aus, kehrte dann zu seinem Vater, Konstantinus, zurück, und führte den Verinianus und Didymus mit sich, den Uebergang aus Gallien nach Iberien ließ er durch den zurück gelassenen Feldherrn Gerontius mit den Gallischen Soldaten bewachen, obgleich die Heere in Iberien sichs ausbaten, daß dieser Posten, nach der Gewohnheit, ihnen anvertraut, und die Sicherheit des Landes nicht Fremden aufgetragen würde. So bald Verinianus und Didymus vor den Kaiser geführt wurden, ließ er sie alsbald hinrichten, und schickte seinen Sohn nach Iberien mit dem Feldherrn Justus, den er ihm mitgab, zurück. Darüber aufgebracht, zog Gerontius die Soldaten des Landes an sich, und erweckte die Barbaren in Gallien zum Aufruhr gegen den Konstantin, der ihnen nicht widerstehen konnte, weil seine größte Macht in Iberien war. Da nun die überrheinischen Barbaren alles nach Willkühr anfielen, so nöthigten sie dadurch die Einwohner der Insel Britannien und einige Völker Galliens, von dem römischen Reiche abzufallen, nach ihrer Weise zu leben, und den Gesetzen Roms nicht mehr zu gehorchen. Die Britannier bewaffneten sich also, stritten selbst für sich, und befreiten ihre Städte von dem Angriffe der Barbaren. Ganz Armorika und andere gallische Provinzen ahmten den Britanniern nach, befreiten sich auf die nämliche Art, vertrieben die römischen Obrigkeiten, und gaben sich eine eigene Verfassung, nach ihrem Gutdünken.

Alarich belagert Rom abermals und nöthigt die Stadt durch Hunger, sich zu unterwerfen.

Dieser Abfall der Britannier und gallischen Völker fiel in die Zeit, da Konstantinus herrschte, und wegen seiner sorgeloßen Regierung die Barbaren einbrachen. – In Italien aber erhielt Alarich den Frieden auf die verlangten Bedingungen nicht, empfieng auch keine Geisel, rückte daher wieder gegen Rom, und drohete, es mit Gewalt einzunehmen, wenn die Römer nicht mit ihm einstimmig gegen den Kaiser Honorius zusammenträten. Da sie auf seinen Antrag sich bedachten, belagerte er die Stadt, schloß den Hafen ein, verweilte sich einige Tage bei der Belagerung, und bemächtigte sich endlich desselben. Hier fand er allen Vorrath für Rom aufgehäuft, und drohete, ihn sein Heer aufzehren zu lassen, wenn die Römer nicht bald seine Vorschläge erfüllten. Der Senat versammelte sich, überlegte, was zu thun seyn möchte, und willigte in alles, was Alarich verlangte. Denn es war nicht möglich, dem Tode zu entgehen, da aus dem Hafen kein Proviant mehr in die Stadt gebracht wurde.

Attalus wird von Alarich zum Kaiser eingesetzt, und von diesem vergeblich zur Eroberung Libyens ermuntert.

Nun wurden die Gesandten Alarichs angenommen, er selbst vor die Stadt gerufen, und, nach seinen Befehlen, erhub man den Attalus, den Stadtpräfekt, auf den kaiserlichen Thron, und legte ihm ein Purpurgewand und die Krone bei. Alsbald erklärte er den Lampadius zum Präfekt der Leibwache, und den Marcianus zum Präfekt der Stadt. Die Anführung der Kriegsmacht aber übergab er dem Alarich und Valens, der vorher die Legionen in Dalmatien angeführt hatte – und so dem einen diese, dem andern jene obrigkeitliche Stelle. Von der kaiserlichen Leibwache begleitet, aber unter mehreren, nicht günstigen, Anzeichen bezog er nun den Palast. Den Tag hernach kam er in den Senat, und hielt eine Rede voll Pralerei, worinnen er sagte: er wolle die ganze Erde in der Römer Gewalt bringen, und mehreres, was noch stolzer war; weßwegen die Gottheit wohl auf ihn zürnen, und ihn bald hernach aus dem Wege schaffen mochte. Die Römer frohlockten indessen gar sehr, da sie Obrigkeiten erhalten hatten, die alles wohl einzurichten wußten, besonders aber freueten sie sich der Konsulwürde des Terrullus.  Nur das Haus der Anicier betrübte sich über das, was allen nützlich zu seyn schien, weil sie sonst allen Reichthum allein besaßen, und waren daher über den guten Zustand des Staats unwillig. Alarich rieth dem Attalus sehr richtig, er solle eine nicht sehr große Macht nach Libyen und Karthago ausschicken, um der Herrschaft des Heraklianus ein Ende zu machen, damit er, der auf der Seite des Honorius war, ihren Unternehmungen keine Hinderniß in den Weg legte. Attalus aber folgte dieser Ermahnung nicht, sondern überließ sich den, von den Wahrsagern gemachten, Hofnungen: er werde Karthagos und ganz Libyens ohne Streit sich bemächtigen, und schickte nicht den Drumas, der mit den Barbaren, die er bei sich hatte, leicht den Heraklianus seiner Herrschaft entsetzen konnten. Er setzte daher Alarichs Rath bei Seite, und übergab die Anführung der Soldaten in Libyen dem Konstans, ohne eine hinreichende Macht mit ihm abzuschicken. Ob es schon noch ungewiß war, wies mit Libyen stünde, bekriegte er doch den Kaiser, der noch in Ravenna war.

Attalus bekriegt den Honorius, der schon von Ravenna fliehen will.

Furcht machte den Honorius ganz bestürzt. Er schickte Gesandte, mit dem Antrage: sie wollen das Reich gemeinschaftlich regieren. Jovius aber,) der von Attalus als Präfekt des Prätoriums aufgestellt war, antwortete: nicht einmal den Namen eines Kaisers werde Attalus ihm lassen, ja nicht einmal seinen Leib unversehrt, sondern eine Insul zur Wohnung anweißen, und ihn überdieß an einem Theile seines Körpers verstümmeln. Jedermann staunte über den Uebermuth dieser Rede. Schon war Honorius zur Flucht bereit, und hatte zu diesem Zwecke eine nicht geringe Anzahl von Schiffen in dem Hafen von Ravenna zusammengebracht, als sechs Kohorten Soldaten, die man noch zur Lebenszeit Stilichos erwartet hatte, in den Hafen einliefen. Izt kamen sie, aus dem Morgenland an, ungefähr vier tausend Mann. Wie aus einem tiefen Schlaf erwacht, vertraute nun Honorius diesen Ankömmlingen die Bewachung der Mauern an, und beschloß, in Ravenna zu bleiben, bis sichere Nachrichten aus Libyen bekannt würden:  und dann erhielte Heraklianus die Oberhand, und gewannen die dortigen Umstände Sicherheit, den Attalus und Alarich mit der ganzen Macht zu bekriegen: sollten aber die von ihm abgeschickten Völker Verlust leiden, mit den vorhandenen Schiffen zum Theodosius im Morgenlande abzusegeln, und sich des abendländischen Reichs zu begeben.

Ränke des Jovius gegen Attalus.

So stunds mit Honorius! — Jovius aber, der, wie erzählt, zu ihm als Abgeordneter geschickt worden war, und von Honorius durch gewiße Leute ausgeforscht wurde, geräth auf den Gedanken der Verrätherei. Vor dem Senate weigert er sich, die Gesandtschaft zu übernehmen, wobei er sich einiger unziemlichen Ausdrücke bedient, und setzt hinzu: „man hätte sich gegen den Heraklianus. da die nach Libyen abgeschickten Völker, wie natürlich, ihres Zwecks verfehlen mußten, in diesem Kriege der Barbaren bedienen sollen. Denn nach dem Tode des Konstans wanke die Hofnung daselbst.“ Attalus wurde dadurch zum Zorn gereizt, erklärte, er wolle das Geschäfte andern übertragen, und schickte andere mit Geld nach Libyen, um den dortigen Angelegenheiten zu Hülfe zu kommen. Als Alarich dieses vernahm, misfiels ihm, und er verzweifelte an Attalus, der unnütze Dinge aus Thorheit, und ohne alle Würde so leicht unternähme. In Betrachtung dieser Umstände beschloß er von Ravenna abzuziehn, ungeachtet er vorher entschloßen war, die Belagerung bis zur Einnahme fortzusetzen. Denn Jovius rieth ihm jenes, der – so bald man vernahm, daß der Abgesandte des Attalus seines Zwecks verfehlt habe, — sich gänzlich auf die Seite des Honorius lenkte, unabläßig den Attalus gegen Alarich beschuldigt, und ihn zu bereden sich Mühe gab, Attalus werde, so bald er sich in der Regierung befestigt habe, zuerst ihm, und dann allen seinen Verwandten nachstellen.

Alarich streitet für Attalus. Honorius hält sich.

Alarich wollte seinem Schwure gemäß, dem Attalus treu bleiben, Valens Anführer der Reuterei, fiel in Verdacht der Verrätherei, und wurde hingerichtet. Alarich aber griff alle Städte in Aemilien an, die sich geweigert hatten, die Herrschaft des Attalus sogleich anzuerkennen. Der übrigen bemächtigte er sich bald ohne besondern Kampf! Bononien aber belagerte er, und da er die Stadt in vielen Tagen nicht einnehmen konnte, zog er gegen Ligurien, um auch dieses Volk zu zwingen, den Attalus anzuehmen. Honorius aber schrieb an die Städte in Bruttien, und ermahnte sie, auf ihrer Hut zu seyn, machte auch den Soldaten ein Ehrengeschenk von den Geldern, die Heraklianus geschickt hatte, und so befand sich Honorius in völliger Ruhe, da er sich überall das Wohlwollen der Soldaten zugezogen hatte.

Neuer Mangel in Rom.

Da aber Heraklianus alle Häfen Libyens mit aller möglichen Vorsicht verwahrte, und kein Getraide, kein Oel, noch sonsten etwas von Lebensbedürfnissen, nach Rom bringen ließ, so drückte die Stadt bald ein größerer Mangel, als vorher. Denn die Unterkäufer verbargen, was sie zu verkaufen hatten, in Hoffnung, alles Geld an sich zu ziehen, wenn man ihnen zahlte, was sie nach Willkühr bestimmten. So wurde die Stadt in solche Noth versetzt, daß diejenigen, die glaubten, man werde itzt selbst Menschenfleisch genießen müssen, bei den öffentlichen Spielen die Stimme hören ließen: Setze dem Menschenfleische einen Preis.

Attalus wird abgesetzt.

Unter diesen Umständen traff Attalus in Rom ein, und berief den Senat, und als ein Vorschlag gemacht wurde, genehmigten fast alle: es seie nöthig, Barbaren nebst den Soldaten nach Libyen zu senden, und die Anführung dem Drumas, der schon so viele Beweise seiner Treue und guten Gesinnung gegeben hatte, zu übergben. Attalus allein, mit wenigen, stimmte der Mehrheit nicht bei, und wollte keinen der Barbaren mit absenden. Von itzt an dachte Alarich auf die Absetzung des Attalus, und Jovius machte ihn durch seine beständigen Verleumdungen noch geneigter dazu. Um nun seinen Vorsatz auszuführen, führte er den Malus vor die Stadt Ariminum, wo er sich damals aufhielt, nahm ihm das Diadem ab, zog ihm das Purpurkleid aus, und schickte beides dem Kaiser Honorius zu. So stellte also Alarich den Attalus vor jedermanns Augen als Privatmann dar, doch behielt er ihn bei sich nebst seinem Sohne Ampelius, bis der Friede mit Honorius geschlossen wurde, und er ihm dann Sicherheit des Lebens verschaffte). Auch blieb des Kaisers Schwester, Placidia, bei ihm, und hatte das Ansehen einer Geisel, doch genoß sie alle Ehre, und kaiserliche Bedienung.

Astulph tritt gegen Sarus in Picenum auf.

So stunds in Italien! Konstantin aber setzte seinem Sohn Konstans das Diadem auf, machte ihn, statt Cäsar, zum Kaiser, entsetzte den Apollinaris seiner Gewalt, und einen andern als Präfekt ein, statt seiner. Alarich zog nun gegen Ravenna, als um einen gewissen Frieden zu schliessen. Aber das Schicksal, das seine Bahn zu den Ereignissen fortschritt, die den Staat betreffen sollten, legte ein anderes Hinderniß in den Weg. 3. Sarus hielt sich mit nicht allzuvielen Barbaren in Picenum auf und erklärte sich weder für Honorius, noch für Alarich. Astulph aber, der wegen einer vorhergegangenen Mißhelligkeit ihm feind war, kam mit seiner ganzen Macht in die Gegend, wo Sarus sich befand. Als dieser seine Ankunft erfuhr, hielt er sich, da er nur dreihundert Mann bei sich hatte, für nicht stark genug zum Widerstande, und beschloß, bei Honorius Zuflucht zu suchen, und am Kriege gegen Alarich Theil zu nehmen – – –

[Schluß fehlt. Abschluß nach Gibbon.]

Der Rest des Originals von Zosimus ist entweder von ihm selbst nicht ausgearbeitet worden, entweder daß Tod, oder andere Umstände ihn verhinderten, oder verloren gegangen, und zwar schon frühe. Denn schon Photius im neunten – noch mehr Euagrius im sechsten Jahrhunderte, besassen nicht mehr, als wir. Besonders fehlen die Ursachen, die er von dem Falle des Römischen Reichs angeben wollte, und die Nachricht von Orakeln, die den Untergang verkündigten. Vielleicht ist er absichtlich von christlichen Eiferern verstümmelt, und, so viel möglich, vertilgt worden, das man wohl auch aus der Seltenheit der geschriebenen Exemplare schließen mag. Denn in Frankreich, Italien und Spanien finden sich nur neun Manuskripte, und in den teutschen Bibliotheken ist keines bekannt. Denn wie ists anders auß den, von Z. öfters geäußerten antichristlichen Gesinnungen zu vermuthen, als daß er manches gegen die Religion und für das Heidenthum gesagt hat, was christliche Lehrer für schädlich hielten? Diese Erklärung scheint mir die natürlichste, d. i. die dem Geiste jenes Zeitalters, wo die Bigote beider Thiele mit einander kämpften, angemessenste.

Damit indessen unsere Uebersetzung bis zu einem gewissen Ziele fortgesetzt wird, und einiges Ganze macht, wollen wir hinzusetzen, was sich bis im J. 410. mit Rom noch zutrug. Die Ursachen des Verfalls mag Gibbon ergänzen!

Durch Astulph gedrängt, nahm nun Sarus seine gezwungene Zuflucht zu dem schwachen Honorius, der sich von ihm bereden ließ, keinen Frieden mit Alarich zu machen. Alarich zürnte, daß der Kaiser seinen Feind aufnahm, und daß Sarus, nach einigen Nachrichten, so gar eine Parthie Gothen überfallen und niedergemacht hatte – vermuthlich, damit der Friede desto weniger zu Stande käme, den er für sich nachtheilig fand – und eilte aus der Gegend von Ravenna gegen Rom zu seinem Heere. Die, ohnehin von großer Hungersnoth, gedrückte Stadt, wurde nun aufs neue eingesperrt, und am 24. August des J. 419. durch List, oder Verrätherei oder Gewalt — die Schriftsteller sind nicht einig — erobert, sie, die alle Schätze der Welt aufgehäuft hatte, geplündert, und, nach einer Dauer von 1163 Jahren, angezündet, und großentheils verheert — zwar wohl nicht so ganz, wie die Kirchenväter schildern — denn im folgenden Jahrhundert erscheint sie schon wieder groß und volkreich — aber doch mehr, als dem Alarich selbst lieb war. Denn vor seinem Einzuge in die Stadt redete er seine Krieger an: aller vorhandener Reichthum gehöre ihnen, und er gehe ihnen die Freiheit, sich desselben zu bemächtigen. Aber aufs schärfste verbot er, jemand zu tödten, der unbewaffnet wäre. Auch sollen sie der heiligen Oerter, namentlich der Kirchen der Apostel, Petrus und Paulus, schonen. Doch wurde die Stadt entweder durch Zufall oder die Ausgelassenheit der Barbaren angezündet.

Nachdem die Plünderung sechs Tage gedauert hatte, mußte Alarich, aus Mangel an Proviant, da keine Zufuhr aus Afrika kam, seine Macht nach Sardinien und Sicilien abführen. Ehe er aber diese Insel erreichte, starb er in der Nachbarschaft von Cosenza, wo er in den Fluß Bassentus begraben wurde. (xxx)

 

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