Gott mit uns!

Im Jahre 1892 wütete in Hamburg die Cholera. Der Tod mähte in jenen Tagen die Menschen weg wie das Gras. Eines Tages machte der verstorbene Hauptpastor Vehrmann in einer Cholerabaracke einen Besuch. Er fand dort einen mit dem Tod kämpfenden Neger. Diesen fragte er: „Hast du auch die Gewißheit der Vergebung deiner Sünden?“ Der Neger antwortete: „Was weiß ich!“ Dann kam der Pastor an das Lager eines andern jungen Mannes. Auch diesen fragte er: „Haben Sie die Vergebung Ihrer Sünden, und wissen Sie, daß Sie bei Gott in Gnaden sind?“ Der junge Mann antwortete freudig: „Ganz gewiß!“ — Mein lieber Leser! Kannst du angesichts des Todes aus die Frage, ob du bei Gott in Gnaden bist, auch antworten: „Ganz gewiß!“? Oder mußt du mit jenem Neger sprechen: „Was weiß ich!“? – Viele Menschen wagen mutig dem Tod ins Auge zu sehen. Gerade der Krieg, der jetzt über unser Vaterland hereingebrochen ist, hat uns dafür den Beweis geliefert. Tausende und aber Tausende haben sich freiwillig zu den Fahnen gedrängt, und Tausende haben bereits todesmutig gekämpft. Solch todesmutige Männer verdienen unsere Bewunderung. Dennoch muß jeder im Angesichte des Todes sich darüber klar werden, ob er auch wirklich mit seinem Gott in Ordnung ist. Es ist Tatsache, daß jedem Menschen der Friede fehlt, besonders angesichts des Todes, wenn er nicht die Gewißheit der Vergebung seiner Sünden hat und weiß, daß er bei Gott in Gnaden sieht. Es gibt Männer, die haben den Mut, in den Tod hineinzugehen, sie haben aber nicht den Mut, sich den Schaden ihrer Seele zeigen zu lassen. Mein Leser, wie steht es heute mit deiner Seele? Geht es deiner Seele wohl? Hast du Frieden mit Gott? Bist du deines Heils gewiß? Weißt du ganz bestimmt, daß du selig wirst, wenn eine feindliche Kugel durch dein Herz geht? Mein lieber Freund, ich kann dir aus seliger Erfahrung verkündigen:

Es ist eine Ruh vorhanden Für das arme, müde Herz? Sagt es laut in allen Landen: Hier ist gestillet der Schmerz.

Es ist eine Ruh gefunden Für alle, fern und nah: In des Gotteslammes Wunden, Am Kreuze auf Golgatha.

Ich besuchte einst einen schwerkranken Mann. Er konnte nicht recht mehr sprechen. Er hatte im Angesichte des Todes noch nicht die Vergebung seiner Sünden. Als ich neben seinem Bette stand, merkte ich, daß er einen Wunsch äußern wollte. Ich dachte, er wollte vielleicht Wasser gereicht oder sonst einen Dienst von mir erwiesen haben. Ich neigte mich zu ihm und fragte: „Wünschen Sie etwas?“ Er antwortete: „Ich wünsche Christus!“ — Mein lieber Leser! Christus allein ist der Mann, der uns angesichts des Todes die innere Ruhe, den Frieden unserer Seele geben kann. Cr gibt uns den rechten Halt und Trost im Sterben, und in jener Welt schenkt Er uns das ewige Leben, wie Er zu dem Schacher sprach: „Heute noch wirst du mit Mir im Paradiese sein.“ – Mein Freund, sorge heute dafür, daß du angesichts des Todes im Besitz der Gewißheit der Vergebung deiner Sünden bist. Jesus Christus hat Macht auf Erden, die Sünden zu vergeben. In Ihm ist die Vergebung, und viel Erlösung bei Ihm. Wende dich jetzt zu Ihm in einem stillen Gebet- du wirst dann mit dem Psalmisten bekennen können: „Da dieser Elende rief, hörte der HErr, und half ihm aus allen seinen Nöten.“ Als der König Hiskia schon im Rachen des Todes war, schrie er zu Gott: „Tritt als Bürge für mich ein!“ Gott erhörte die Stimme seines Flehens und setzte seinem Leben nicht bloß 15 Jahre noch hinzu, sondern gab ihm auch den Trost der Ver gebung seiner Sünden, so daß Hiskia freudig bekennen konnte: „Siehe, um Trost war mir sehr bange, Du aber hast Dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe, und wirfst alle meine Sünden hinter Dich zurück.“ Ein Mann, der eine solche Gewißheit bekommen hat, kann mit dem verstorbenen Staatsminister Or, Bosse sprechen: „Geht es nur dem Himmel zu und bleibt Jesus unge» schieden, dann bin ich zufrieden.“ — Darf ich dir, mein Leser, einen Rat geben? Es ist dieser: Bitte Gott, daß Cr dir zweierlei zeige: erstens deine Sünde, und zweitens Seine Gnade. Deine Sünde ’st groß, größer, als du selber denkst. Jesus spricht: „Mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und Mühe mit deinen Missetaten.“ Bitte den HErrn, daß Er dir deine Sünden so zeige, daß du mit dem Psalmisten bekennen mußt: „Meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden.“ Und dann flehe zu Gott, daß Er dich Jesus erkennen lasse, der durch den Mund Seines Propheten gesagt hat: „Ich, Ich tilge deine Übertretung um Meinetwillen, und gedenke deiner Sünden nicht.“ Soeben verabschiedete sich von mir ein junger Krieger. Ich sagte zu ihm: „Ziehen Sie sich noch ein Wort Gottes.“ Er zog sich Ioh. 17, 3, wo geschrieben steht: „Das ist aber das ewige Leben, daß sie Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und denn Du gesandt hast, Iesum Christum, erkennen.“ „Erkennen“ bedeutet soviel als „erfahren“. Ersahren kannst du den Heiland aber nur, wenn du an Ihn glaubst oder dich Ihm anver traust. Jesus Christus ist unser Bürge, unser Stellver treter, das göttliche Sühnopfer, das Lamm Gottes, das da trägt die Sünden der Welt. Wer sich Ihm anvertraut, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Wer sich Ehristus anvertraut, von Herzen an Ihn glaubt, der ist gerecht vor Gott. An ihm erfüllt sich das Wort: „Der Gerechte ist auch in seinem Tode getrost.“ So war es bei Oberstleutnant von Knobelsdorf, der im Angesichte des Todes gesprochen hat: „Es ist so leicht zu sterben, denn Jesus starb für mich.“ Mein geliebter Leser, ich muß mich jetzt von dir ver abschieden, denn der Raum ist ausgefüllt. Aber diese Bitte habe ich an dich: „Blicke auf den Gekreuzigten!“ Er ist für solche Sünder gestorben, als wir sind. Merke dir noch diesen Vers und glaube ihn von Herzen: Wer Iesum am Kreuze im Glauben erblickt, Wird heil zu derselbigen Stund. Drum blick nur auf Ihn, den der Vater geschickt, Des Herz auch für dich ward verwundt! Gott segne und behüte dich! Cassel. Heinrich Dallmeyer.

Sturm und Stille.

Es gibt eine ergreifende kleine Erzählung aus dem Leben eines uns allen bekannten Mannes, dessen Gestalt unsichtbar und doch spürbar, unverwirrbar und unzerstörbar durch die Geschichte der Jahrtausende schreitet. An Ihm entscheidet sich das Geschick der Welt, das Ergehen der Völker. Das Leben und die Ewigkeil von Millionen ist an Ihn geknüpft. Er richtet oder rettet dich. Dieser Jesus fuhr einst mit Seinen Jüngern über das galiläische Meer. Es war Abend, vom schweren Dienst des Tages ermüdet schlief Jesus hinten auf dem Schiff. Da kam ein Wetter hoch, wie es kaum je diese wetterharten Schiffer erlebt, der Sturm peitschte die Wellen, daß hier eine Tiefe und da eine Tiefe brauset, das Schiff ächzt in seinen Fugen – Jesus schläft, auch die tobenden Elemente singen Ihm ein Schlummerlied, Er ruht und schläft in Frieden wie ein Kind in Vaters Armen. Die Jünger aber, das Verderben vor Augen, die Furcht im Herzen, rütteln Ihn wach, ihren Meister und Herrn: „Hilf uns, wir verderben!“ Und Er, der Meister, reckt durch Sturm und Wetternächte die könig liche Rechte, und Wind und Meer sind still. „Da ward es ganz still.“ Zu Seinen Jüngern aber sagt Er: „O, ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?“ Freunde, die Sturmsignale waren für unser Volk schon lange hochgezogen, und jetzt ist der Sturm losgebrochen mit voller Gewalt, ich möchte sagen mit dämonischer Kraft. Von allen Seiten hat sich finsteres Gewölk über unserm teuren Vaterlande zusammen gezogen, es ist ein Wetter sondergleichen, als ob Tod und Teufel losgelassen, als ob die ganze Hölle aus dem Plan sei. Die Erde ist zum zuckenden Flammenmeer geworden, es rivet das Meer, als will es seine Beute haben. Und über die grauenhasten Tiefen von Nacht und Verderben fährt auf sturmgepeitschten Wogen ein Schiff, o, wir kennen es gut, wir lieben es! ist es doch unser teures deutsches Vaterland. Wohl dürfen wir stolz darauf sein, daß unser Schiff gut ausgerüstet ist, daß es kundige Führer hat, daß seine Bemannung das alte Wort sich in die Seele geschrieben, init dem die Fischer der Nordsee den Todesgefahren des Meeres sich aussetzen: einen Tod sind wir unserm O‘-ott schuldig. Wir dürfen dankbar sein für unser Warfes Schwert, für den Geist der Einheit und der Disziplin, aber das macht’s noch nicht in Sturm- und Wetternacht, die Hauptsache ist und bleibt: mit Jesus in den Sturm! Es ist, als ob uns das recht deutlich gezeigt werden soll in unsern Tagen, was es heißt: ganz auf Gott geworfen sein, wenn alle untreu werden. Es ist mir, als wolle Gott uns lösen von allen irdischen Stützen, um uns ganz auf Ihn zu stellen. Warum konnte Jesus so ruhig schlafen auch beim Toben der Elemente? Er wußte, daß auch die Elemente in ihrer entfesselten Macht in den Händen des Daters sind. Für Ihn war alles, das ganze Weltgeschehen, die Geschichte der Menschheit ebensowohl wie alle, schlechterdings alle Ereignisse in der Natur, auch wenn sie bis in die Tiefen aufgewühlt ist, doch nur die Hülle. Und Er blickte hindurch und ruhte nicht, bis Er in der Tiefe dem Auge des Vaters be gegnete. Hinter allem Geschehen traf doch zuletzt Sein Blick des Vaters Blick. Das konnte nur geschehen, weil Er wirklich alles in des Vaters Händen wußte. Lieber Leser, möchtest du nicht auch diesen Durchblick haben? Darum nimmt der HErr Seine Jünger mit in den Sturm, damit sie das lernen sollten: gerade im Sturm ihr eigenes Herz und Gottes Herz erkennen. Solchen Durchblick durch die Hülle der Ereignisse bekommen wir am ersten in den ernsten Zeiten des Lebens. Standest du vielleicht einmal als Kind vor einem See, in dessen Wasserspiegel du blicktest? Immer tiefer schauten wir hinein, daß wir fast erschraken über den endlosen Ab grund. Jetzt sahst du ein Wölkchen dort unten leise über die Tiefe ziehen, schnell schautest du aus, dasselbe Wölkchen zieht droben am Himmel. Wir standen mitten zwischen Höhen und Tiefen des Himmels. Ja, abgrund tief und himmelhoch sind Gottes Gedanken^ und du stehst mitten darin, über dir und unter dir deines Gottes starke und männliche Gedanken. Blicke durch, Mein deutsches Volk, auch wenn es dir grauen will über die Menge deiner Feinde, über einem Meer von Haß und Neid und Scheelsucht um dich her! Blicke durch, bis dudeines himmlischen Vaters Auge siehest! Und dessen tröste dich: es geht mit Jesus in den Sturm. Ihn rufen wir an: HErr, hilf uns, daß wir nicht verderben! Und das ist der größte Segen diesesSturmes, der zum Orkan entsacht ist, daß wir es wieder lernen, Ihn anzurufen und unser Heil bei Ihm zu suchen. Es ist ja doch kein anderer nicht, der für, uns könnte streiten, denn du, unser HErrgott, allein. Dieser Jesus hat selbst von sich gesagt: „Wer Mich siehst, der stehet den Bater,“ das heißt also, wer zu Ihm kommt, der sieht damit dem Bater ins Auge. Es ist yür, als nähme Gott unser Dolk an den Schultern und schüttelte es, so wie ein Bater seinem Sohne, der ihn betrübt und aus bösen Wegen sich zu ver lieren droht, an die Schulter faßt und ihn schüttelt: „Sieh mich an, mein Sohn, sieh mich an!“ O, er weiß es, wenn jetzt der Sohn den trotzigen Blick hebt und dem Vater wirklich ins Auge sieht, dann wird noch alles gut. Dann muß ja der Sohn di^ Liebe, die im warmen Strahl aus dem Auge bricht, endlich erkennen, und wenn irgend etwas, das wird ihn überwinden. Sieh, so hat Gott unser deutsches Bolk, das Ihm bereits in seiner großen Masse den Rücken kehrte und immer weiter von Ihm sich verlor, an den Schultern ergriffen, daß es bis in die Fugen erzitterte, und Er bittet und ruft und drängt: Mein Volk, sieh Mich an, schau Mir doch ein einzigmal noch ins Auge! Siehst du denn Meine Liebe nicht? Kann Ich denn noch mehr tun, als daß Ich den eingeborenen Sohn gab auch für dich ans Kreuz, auch für dich! O, sieh aufs Kreuz von Golgatha, da siehst du Mir ins Auge, da konzentriert sich alle Energie Meiner Liebe, die Ich von Ewigkeit her gehabt, auchüberdir. Darum hin zu Jesus! Dann geht es mit Jesus in den Sturm, aber auch mit Jesus in die Stille! Er bedrohte Wind und Wellen, da ward es ganz still. Es steht eben beides in des HErrn Hand, Sturm und Si’Ile. Er kann das unruhige Völkermeer zum Schweigen bringen, Zeit und Stunde kennt Er. Da dürfen wir Ihm vertrauen, wenn wir Iesum, unsern HErrn und Gott, nur bei uns haben. Gott führt Seine Sache doch zum Ziel, auch durch Sturm hindurch. Und toben auch die Völker – Stille danach. Und geht es auch durch Todes wellen – Stille danach. Wie jetzt über die kriegs- durchtobte, blutgetränkte Erde ein Sturmwind sonder gleichen braust – es heißt dennoch: Stille danach. Es wird noch wahr: Man lobt Dich in der Stille, Du hoch erhabener Jionsgott. Als im Dezember 17S7 die Schlacht bei Leuthen geschlagen war, in der Friedrich des Großen Heer einer fast dreifachen Zahl der Feinde gegenüber stand, und der Sturm der Schlacht vorüber war, da stimmte in der Stille danach ein alter Grenadier auf dem Schiacht seide Martin Rinkarts Dankgebet an: Nun danket alle Gott! Es wird uns erzählt, wie die Stille der Nacht und der furchtbare Ernst des Schlachtfeldes dem Gesänge eine wunder bare Weihe gab, daß keiner sich dem entziehen konnte und selbst die Verwundeten ihre Schmerzen vergaßen. Da ward es ganz stille,‘ Gott gibt Lobgesänge auch in der Nacht. Mit Jesus in den Sturm, mit Ihm in die Stille und dann mit Ihm ans Land – – Stille danach! Nach dem Sturme fahren wir Loben Dich mit Herz und Mund, Sicher durch die Wellen, Loben Dich zu jeder Stund, Lassen, großer Schöpfer, Dir Thrist Kyrie! Unsern Dank erschallen. Ja, Dir gehört die See. Lübeck. Hauptpastor Haensel.

Ein Heldengrab.

Park des Herrenhauses, unter hohen, alten Bäumen, liegt ein stiller, kleiner Friedhos. Darauf ist ein frisches Grab. Das hölzerne Kreuz, das bald durch eins aus Mar mor ersetzt werden soll, trägt die Inschrift: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! Kühn und mutig war der junge Fahnenjunker voran gestürmt gegen die feindlichen Schützengräben, da traf ihn das feindliche Geschoß, das ihn zu Boden warf. Als er da lag, da traf ihn ein zweites Geschoß. Zwei Tage noch lag er dann im Feldlazarett, dann starb er. In diesen zwei Tagen wiederholte er immer ein Wort, wie die Schwester mitteilte, die ihn pflegte. Es war das Wort: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! Darum stand es auf dem Holzkreuz auf seinem Grabe. Wohl dem, der mit diesem Wissen in den Tod gehen kann, sei es, daß er auf dem Schmerzenslager im Lazarett stirbt, oder daß der Tod ihn ereilt auf blutiger Walstatt! Wohl dem, der dann sagen kann: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! Und wohl auch dem, der diese Inschrift auf ein liebes Grab setzen kann! Der Tod hat doch viel von seiner Bitter keit und seinem Schmerz verloren, wenn man weiß: der Entschlafene hatte dieses Wissen im Leben und im Sterben: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! Hast du dieses Wissen auch, mein Freund? Man kann nur selig leben und ruhig sterben, wenn man dieses Wiss n hat, wenn man mit Herz und Mund bekennen kann: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! Das Osterfest hat es uns wieder verkündigt, daß wir einen Heiland haben, der tot war, und siehe, Er lebt, der gekreuzigt und begraben wurde und dann auferstand von den Toten. Ein lebendiger Heiland! Das ist die frohe Botschaft des Evangeliums. Hast du dieser frohen Votschaft schon Ohr und Herz geöffnet? Ist es schon in deinem Leben dahin gekommen, daß du aus eigener Erfahrung und seligem Erleben heraus bekennen kannst: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!? Kein seligeres Wissen als dies! Was hilft alles andere Wissen, wenn man sterben muß? Es hat keinen Wert mehr, wenn unser Auge bricht und unsere Pulse stocken. Aber dieses Wissen hat Wert im Leben und auch im Sterben, wenn man sagen kann: Ich weiß, daß mein Er löser lebt! Es gibt Menschen, – ich hoffe, daß du nicht zu ihnen gehörst, – die sagen: „Wer da sagt, er wisse, daß er ein Kind Gottes sei, daß er in den Himmel komme, der betrügt sich selbst, oder er betrügt andere. Der ist entweder ein gebildet oder hochmütig.“ Nein, nein! Es ist weder Ein bildung noch Hochmut, wenn jemand dies Wissen zu haben behauptet. Dies Wissen haben die Apostel gehabt. Und die waren doch gewiß weder eingebildet noch hochmütig. Dieses Wissen hat ein Bismarck gehabt. Dieses Wissen hatten und haben alle Kinder Gottes von alten Zeiten bis aus diesen Tag. Du mußt es auch haben. Und wenn du es noch nicht hast, dann mußt du trachten, es zu bekommen. Wie bekommt man es? Dies Wissen kann man nicht aus Büchern lernen und nicht aus Predigten gewinnen. Dies Wissen ruht auf persön licher Erfahrung des Heils, aus lebendiger Gemeinschaft mit dem lebendigen Heiland. Man bekommt dieses Wissen, wenn man als ein Sünder zu dem gekreuzigten und auferstandenen Heiland kommt und Ihn bittet, daß Er die Vergangenheit reinigen wolle mit Seinem Blut, und daß Er die Zukunft regieren wolle mit Seinem Heiligen Geist. Wer so zu Ihm kommt, der lernt Iesum kennen als den, der ihm alle Sünden vergibt und alle Gebrechen heilt, der sein Leben vom Verderben erlöst und ihn krönt mit Gnade und Barmherzigkeit. „Mein Erlöser.“ So erfährt man Ihn dann. Er nimmt die Last der Sünde und Schuld von unserer Seele. Er vergibt uns Missetat, Übertretung und Sünde. Wer diese Erfahrung gemacht, wer die Vergebung seiner Sünden erfahren hat, der hat dieses selige Wissen: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! Und mit dieser einen Erfahrung ist es nicht am Ende. O nein, damit sängt es erst an. Dieser Erlöser lebt. Und in allen Lagen des Lebens darf man sich an Ihn wenden. Und Er hat ein Ohr und ein Herz für uns. Nichts, gar nichts, was Ihm zu geringfügig, zu nebensächlich, zu un bedeutend wäre. Wir dürfen Ihm alles sagen und alles klagen. Wie ist das so herrlich, in allem sich an Ihn wenden zu dürfen! Was wir brauchen: Er hat’s. Ob wir Kraft brauchen zum Tragen oder Trost im Leid, ob wir Mut brauchen, Seinen Namen zu bekennen, oder Unerschrocken- heit, dem Tode entgegenzugehen: – Jesus hat, was wir brauchen. Seliges Wissen! Wer mit dem lebendigen Erlöser in Lebensgemeinschaft sich befindet, der hat’s wahrlich gut. Und haben wir mit Ihm Lebensgemeinschaft gehabt, dann dürfen wir auch mit Ihm Sterbensgemeinschaft haben. Dann wird Er uns in der letzten Stunde Seine Hand auf die Stirn und aufs Herz legen, daß wir’s auch sterbend flüstern können wie dieser Fahnenjunker dort im Feld lazarett: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! Und mehr noch als Sterbensgemeinschaft! Durchs Sterben geht’s zum Leben, zum seligen, ewigen Daheimsein bei Ihm. All die Gemeinschaft mit dem HErrn, die wir hier haben dürfen in der Zeit, – so schön, so herrlich sie ist, sie ist doch nur ein Vorschmack von der Gemeinschaft mit Ihm in der Herrlichkeit! Sieh, von dieser Erfahrung hängt ab ein seliges Leben in Zeit und Ewigkeit. Willst du nicht auch zum HErrn kommen, daß Er sich dir als ein lebendiger Heiland offenbare? Vielleicht hast du nicht mehr lange Zeit vor dir! Viel leicht ist sie nur noch kurz. Vielleicht wölbt sich bald auch dein Grab im Feindesland oder in der Heimat. Wie willst du sterben, selig sterben, wenn du dies Wissen nicht hast? Und wie sollen deine Angehörigen sich trösten, wenn sie diesen Trost nicht haben? O, komm zu Jesus! Lerne Ihn kennen als deinen Erlöser, der dir alle deine Sünden vergibt und dein Leben vom Verderben erlöst. Und du kannst auch jubeln und jauchzen: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! Komm doch – um deiner Seele und ihrer Seligkeit willen! Komm doch – um deines Heilandes willen, damit Sein Blut nicht vergeblich für dich geflossen sei! Komm doch – um deiner Angehörigen willen, daß sie nicht an deinem Grabe stehen müssen wie solche, die keine Hoffnung haben! Komm doch – damit es einmal auch auf deinem Grabe stehen kann: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!

Eine herrliche Niederlage.

„Das gibt’s ja gar nicht,“ sagst du. „Eine Niederlage kann doch nicht herrlich sein.“ Gewiß, siegen ist herrlich. Als ich vor einer Stunde von einem großen Siege unserer braven Kameraden über die Franzosen bei Metz hörte, – aus der nahen Landeshauplstadt ver nahm ich die Siegesbotschaft, „Berlin ist im Siegesjubel“ – da jubelte auch mein deutsches Herz. Siege sind herrlich, und uns graut vor Niederlagen. Und doch weiß ich von einer Niederlage, die ganz herrlich war. Sie geschah vor vielen hundert Iahren, sie wiederholt sich noch oft, Gott gebe es, auch in deinem Leben möge diese herrliche Niederlage einmal sich ereignen. Du wirst sie in der Geschichte deines Lebens notieren und nie vergessen. Es zog eines Tages eine kleine Truppe von Je rusalem nach Damaskus. Der Anführer war ein furchtbar ernst dreinschauernder Mann. Die Falten seiner Stirn verrieten einen unbeugsamen Willen und die Glut der schwarzen Augen brennenden Haß. Wie kaum ein Deutscher den niederträchtigen Feind zu hassen vermag, so haßte Paulus von Tarsus die Jünger des HErrn Jesu Christi. Er hielt sie alle für gemeine Rebellen, die so schnell wie möglich unschädlich gemacht werden müßten. Mit un geheurem Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein hielt er sich selbst für von Gott berufen und durchaus befähigt, die ganze Brut der Leute Jesu zu vernichten. Als ein in der Kadettenanstalt des Gesetzes tadellos ausgebildeter Offizier des Allerhöchsten setzte er seine ganze Ehre darein, der heiligen Majestät Iehovas zu Dienst zu sein, mit Aufbietung aller seiner Kräfte und Gaben. Die Aus rottung der Christusleute, die nach seiner Meinung Gottes Feinde waren, weil sie das Gesetz vernachlässigten und dem verachteten Jesus von Nazareth anhingen, ja, die Ausrottung der Chrisluslehre erschien dem ehrlichen und tapferen Eiferer als anerkennenswerter Gottesdienst ohne gleichen. Und ein Zusammenstoß mit dem Jesus selbst, der ja aber doch nicht mehr lebte, würde ihm unsagbar willkommen sein. Mit der Begeisterung eines Deutschen in den Tagen der Mobilmachung und des großen, gegen wärtigen Krieges stritt Paulus gegen die Sache Jesu Christi. Die kleine Truppe, die dort aus der Straße nach Damaskus einHerzog, ist inzwischen angewachsen. Un zählige Menschen wollen nichts von Jesus, dem Sohne Gottes, wissen. Wir wollen aber dabei nicht nur denken an die Kosaken oder an die zu Bestien gewordenen Bel gier- mitten im evangelischen Deutschland, in der ganzen evangelischen und katholischen Christenheit sind Hundert tausende, die von dem HCrrn Jesus Christus nichts wissen wollen. Vom „lieben Gott“ mag man noch hören. „Wir treten zu beten vor Gott, den Gerechten,“ so hat man’s oft vernommen in den ersten Kriegstagen. „Vater, ich rufe Dich,“ singt man auch noch mit. Und zum „Lenker der Schlachten“ rufen aus tiefer Not, ja, das wollen viele. Gott sei herzlich Dank, wenn durch den Krieg in vielen gottenlfremdeten Kreisen wieder Gottesfurcht erwacht. Wir wollen uns über jede fromme Regung des deutschen Michel von Herzen freuen. Aber es soll doch alles im Leben der Völker und im Leben des einzelnen dazu dienen, dag wir Iesum Christum erkennen. Auch der jetzige Krieg, der ja doch unter göttlicher Zulassung steht, hat den großen Sinn, daß Gott uns dadurch zu Seinem Sohne ziehen will. Wie alle glücklichen und schweren Schickungen, so soll auch die gegenwärtige Kriegsnot und der Sieges jubel uns hinführen zu dem, den Gott gesandt und hin gegeben hat zum Retter der verlorenen Welt. Und nun bitle ich dich, der du dieses Blatt in die Hände bekommen hast, einmal dir darüber klar zu werden, in welchem Verhältnis du zu Jesus Christus stehst. Geht es dir nicht vielleicht wie dem jüdischen Gesetzesosfizier Paulus von Tarsus? „Mit Gott für König und Vaterland!“ Jawohl! Aber Jesus? Nein, den brauch ich nicht. So denkst du vielleicht. Und wenn du dich erinnerst an manches, was du von Ihm gehört hast, daß Er an einem Kreuze verstorben sei, dann bildest du dir ein, ohne diesen Jesus fertig werden zu können. Das Nichtbeachten Jesu aber wirkt Feindschaft gegen Ihn. „Wer nicht mit Mir ist, der ist gegen Mich,“ sprach Christus einmal. Und hat dich nicht einmal ein Wort vom Heiland in deinem Gewissen getroffen? Gottes Worte schießen gut, viel besser als unsere besten Stützen in Heer und Flotte. Gottes Worte sind alle Treffer? denn Gottes Geist ist ein vortrefflicher Entfernungsschätzer. Er weiß, wie weit du von dem lebendigen Gott entfernt bist und sucht durch das Wort von Jesus und von dem Kreuzestod Jesu dich zu verwunden und für Gott zu erobern. Aber ach, wie widerstreben die törichten Menschen dem Heiligen Geist. Sie beruhigen sich mit ihrer natürlichen Bravheit, wie ein solcher ausgezeichneter Staatsbürger, der trefflich Brannt wein trinken und seine Frau schlagen konnte, mir mit voller Überzeugung erklärte: „Wenn sie alle so wären wie ich, dann stünd es besser im deutschen Baterland!“ Solcher Selbstgerechten gibt es übergenug. Wenn sie nur alle so ehrlich und eifrig für Gottes Sache wären wie Paulus von Tarsus! Aber wie erging es ihm! Mit einem festen, klar durchdachten Schlachtplan, in voller Feldrüstung, sieges trunken zog er gen Damaskus und sah schon verzweifelnde, zitternde Anhänger des Jesus vor ihm hertaumeln, die Opfer seiner Verfolgung, hochwillkommene Siegesbeute. Ha, dem Gehängten von Golgatha, von dem diese Gesell schaft immer sprach, als wenn Cr lebe, dem wollt‘ er’s beweisen, was los sei. Im Sturmschritt marsch marsch gegen die Christen, gegen Christus selbst. Die Zinnen von Damaskus leuchteten schon in der Mittagssonne. Da plötzlich ein Licht, ein großes Licht vom Himmel, Heller denn der Sonne Glanz! Die Truppe stockt‘ die Pulse jagen. Paulus fiel zur Erde und die begleitende Mannschaft. Und eine Stimme von oben her wurde ver nehmbar, und es war die Stimme, die Paulus nicht hören wollte, die Stimme des gehaßten Mannes: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Das war ein Zusammen stoß. Unser braves Heer kann nicht überraschender mit den Rothosen zusammenprallen wie Jesus, der Gottessohn, mit dem feindseligen Hauptmann von Gesetzesstein-Tarsus. rme unsäglich schnell die Entscheidung. Und wie völlig die Niederlage! Keine Niederlage in allen Kriegen der Well geschah so schnell und so gründlich wie die auf der Straße Jerusalem-Damaskus in einer Mittagsstunde des Jahres 35. Zitternd und zagend fragt der eben noch siegesstolze und willensstarke Mann den verachteten Jesus: „HErr, was willst Du, daß ich tun soll?“ Paulus ist völlig ge- uno mit leinem ganzen Wollen und Lein dem Sohn Gotles ergeben. Eine Kapitulation ohnegleichen! Hast du sie auch erlebt? Hast du auch einen Zusammen stoß mit dem Heiland erlebt? Gott sinnt darauf. Seinen Sohn in uns zu offenbaren. Und Jesus brennt wie Deutsche vor der Schlacht und noch viel mehr, dem Sünder entgegenzutreten mit Aufbietung der ganzen Kraft Seiner — Liebe. In Krankheit und Notzeit, im Kämmer lein oder un’er einer Kanzel steht Er plötzlich vor dir: „Ich bin Jesus.“ „Ich habe dich unbegreiflich lieb, Ich bab? M?in Leben für dick gelassen, Ich habe dich erlöst, du bist Mein! Vertraue Mir und ergib dich Mir!“ So spricht Jesus, der Herzog der Seligkeit, zum Sünder. So Ipllcyi U)r letzt zu dir. Ergib dich Ihm! Kannst du Ihm widerstehen? Strecke die Waffen in diesem Augenblick! Einlegen! Hinlegen! Aus die Knie! Dem Heiland zu Füßen! Eine selige Niederlage! Eine herrliche Niederlage! Den niedergeworfenen Feind richtet der hohe Gottes sohn wieder auf und stellt ihn in Seinen Dienst. Jesus Christus hat keinen größeren Diener gehabt als den über wundenen Paulus. „Ein auserwähltes Rüstzeug“ des himmlischen HErrn ist der Veifolger Ehristi geworden in jener Stunde der Niederlage. Der Eiserer des Gesetzes wurde ein Eiferer der Gnade. So gib auch du dich in die Gefangenschaft Jesu, und Cr wird dich nicht ein sperren, sondern wird dich herrlich gebrauchen. Und du wirst jubelnd im Dienst des Königs aller Könige bekennen: „Welch eine Wendung durch Gottes Führung!“ Lichtenrade. Pastor Johannes Roos.

Licht im Dunkel.

Lieber Kamerad! Aus dem Kriegslärm bist du nun in die Stille des Schmerzenslagers versetzt worden. Vielleicht ist dir schon der Gedanke gekommen: Ach, hätte mich doch die Kugel lieber gleich tödlich getroffen! Jetzt muß ich so viel ausstehen und bin am Ende mein Lebtag ein Krüppel. Viele denken so, mancher macht lieber gleich selbst seinem Leben ein Ende, weil er sich nicht hinaussieht und die Zukunft schwarz und hoffnungslos vor seinen Augen steht. Ja, wenn’s keinen lebendigen Gott und keine Ewigkeit gäbe, dann wär’s das einzig Richtige, seinem Iammerzustand selber das Ende zu setzen, Gift oder den Strick zu nehmen oder sich eins Kugel durch den Kopf zu schieben. Aber wer das tut, handelt in schrecklicher Selbstverblendung. Nein – es gibt einen Gott und eine Ewigkeit, auch ein Gericht, wo jeder zur Rechenschaft gezogen wird und Gott Rede und Antwort stehen muß, was er mit seinem Leben angefangen, wie er seine Gaben und Kräfte verwendet hat. Gott sei Dank, es gibt aber auch eine Rettung für alle, die einsehen, daß sie verloren sind. Gottes gnädige Absicht. Darum erkenne in dieser Leidenszeit eine Segens- und Gnadenzeit. Gott hat es gut gemeint, daß Er dich nicht schnell hat wegraffen lassen- Er gibt dir noch Raum und Gelegenheit zur Umkehr. Es ist nicht ein tückisches Ungefähr, daß dich eine Kugel getroffen hat, kein grausames Spiel des Zufalls- nein, es ist Gottes Fügung. Fällt ja doch nicht einmal ein Sperling vom Dach ohne Seinen Willen. Darum murre nicht über dein Schicksal. Die Schrift sagt: „Wie murren denn die Leute im Leben also, ein jeglicher murre wider seine Zünde.“ Es gilt nicht, über andere oder über die Ver hältnisse loszuziehen. Wir müssen uns selbst hernehmen. Der Schuldige bist du. Gerade die bitteren Erlebnisse müssen schließ lich die heilsamsten sein. Was wir zunächst am weitesten weg wünschen, ist ein gnädiger Gruß von oben. Darum sagt das Sprichwort: Gott grüßt manchen, der Ihm nicht dankt. Kommt dir ein Leid, so halte still, Und frage Gott, was Er wohl will. Es gibt Menschen, die kann Gott zu sich ziehen durch lauter Güte, aber das sind die allerwenigsten. Die meisten müssen erst durch Schläge zurechtgebracht werden. Auch der Schreiber dieser Zeilen mußte schmerzlich gedemütigt werden, ehe er die Gnade seines Gottes richtig erfaßt hatte. Eine Mutter weckt wohl da zwischen ihr Kind mit einem Kuß. Doch meist muß man dem Schläfer zuerst einen Schlag versetzen, wenn man ihn zum Erwachen bringen will. So muß Gott auch uns durch empfind liche Schläge aus dem Sündenschlaf aufrütteln. Er führt uns aus den Annehmlichkeiten unseres weltlichen Lebens in die Wüste der Leiden und Entbehrungen. Da kann Er dann ernst und freundlich mit uns reden. Er will auch mit dir jetzt reden. Ja, dein Gott hat dir manches vorzuhalten. Er hat vieles auch wider dich. O laß Gott im Gewissen mit dir reden! Allein erkenne deine Sünde! Wenn Gott gnädig sein soll, so ist die unbedingte Voraus setzung: Erkenntnis der Sünde. Wer rein und unschuldig dastehen will, den kann Gott nicht begnadigen- wer sich selbst gerecht spricht, den kann Er nicht freisprechen. Wer sich beim Richter selbst verklagt, Der wird von seinen Sünden Auf ewig losgesagt. „Wer seine Missetat leugnet, dem wird’s nicht gelingen.“ Also weg mit allen Entschuldigungen und Ausreden, weg mit allen Versuchen, dich selbst rein zu waschen! Sie sind völlig vergeblich, und wenn du auch „Seife und Lauge“ nimmst, – du kannst die Sündenflecken nicht wegbringen, so wenig ein Mohr seine schwarze Farbe ändern kann. Gott verlangt nicht mehr von dir, als daß du dich auf allenSeiten schuldig gibst. Er verlangt nicht, daß du deine Sünde selbst wieder gutmachst, denn das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Er will lediglich, daß du aufdeckst. Das Zudecken, Vergeben und Heilen ist dann Seine Sache. Vielleicht ist es auch notwendig, daß du dies« oder jene Sünde einem Seelsorger bekennst. David sagt: „Da ich’s wollte verschweigen, verschmachteten meine Ge beine durch mein täglich Heulen.“ Da entschloß er sich, seine Sünde ehrlich und offen zu bekennen. Es ging ihm zuerst sauer ein, aber er tat’s und sprach: „Ich will dem HErrn meine Über tretung bekennen. Da vergabst Du mir die Missetat meiner Sünde.“ Dielleicht hast du Unzuchtssünden aus deinem Gewissen, du hast insgeheim an deinem eigenen Leib gefrevelt, vielleicht wider natürliche Greuel getrieben. Oder du hast Betrügereien, Veruntreuungen, Diebstähle begangen – so etwas muß bekannt werden. Vielleicht hast du falsch geschworen, jemanden angelogen, den Eltern Herzeleid bereitet oder die Ehe gebrochen. Alles das muß auch vor Menschen bekannt werden. Das kann man nicht ohne weiteres nur mit Gott abmachen. Entlaste dein Gewissen! Ich weiß, es ist dem Menschen der Hals wie zu geschnürt, wenn er seine Schlechtigkeit bekennen soll- es will schier nicht heraus. Aber es gibt keine Ruhe, bis es heraus ist. Offenes Bekenntnis führt zum Frieden. Das Glück des Begnadigten. O wie wohl wird dem Menschen, wenn er unter die Gnade seines Gottes kommt! Der König David hat’s erfahren. Er kann’s nicht genug hervorheben, wie wohl es dem Menschen ist, wenn er seine Sünde los wird. In drei Sätzen drückt er es aus. Zuerst sagt er: Wohl dem Menschen, dem seine Übertretungen vergeben oder abgenommen sind! Unsere Übertretungen sind eine Last. Sobald das Gewissen er wacht, legt sich diese Last zentnerschwer aus den Menschen. So hat es David empfunden: „Wie eine schwere Last sind mir meine Sünden zu schwer geworden.“ Siehe, dann versteht man es, daß der HErr Jesus die Last unserer Sünde auf sich genommen und aufs Kreuz getragen hat. Wenn deine Sünden dich drücken und dir zu schwer, ja, unerträglich werden: du darfst sie auf den Heiland abladen. Glaube nur, Er hat auch deine Sünde aufs Holz getragen. Sie liegt nicht mehr aus dir. Wohl dem Menschen, dem seine Sünde zugedeckt ist! Die Sünden sind Flecken, häßliche, abscheuliche Flecken, die das heilige Auge Gottes beleidigen. Wenn dem Menschen diese Flecken zum Bewußtsein kommen, dann muß er sich schämen. Da möchte er sich verkriechen. Dann versteht er, daß der HErr Jesus durchSein für uns vergossenes Blut diese häßlichen Flecken zudecken und die Seele in das weiße Kleid Seiner Gerechtigkeit und Unschuld einhüllen muß. Sonst kann Gottes Auge nicht mit Wohlgefallen aus ihr ruhen. Auch deine Sünden will der HErr Jesus bedecken, wenn sie dich schmerzen und du vor Scham versinken möchtest. Glaub’s: Christi Blut deckt deine schändliche Sündenblöße zu! Wohl demMenschen, dem der HErr seineSünde nichtanrechnet! Der Mensch vergißt meist seine Versehlungen, er denkt nicht weiter daran. Ader Gott vergißt sie nicht. Er merkt alles an. Wenn dein Gewissen erwacht, dann steht vor deinen Augen das lange Schuldregister. Die Schuld aber zieht Strafe nach sich, ewige Strafe und Verdammnis. Wer das im Gewissen fühlt, dem gehl ein Licht darüber auf, daß der Heiland das Bericht, oie Strafe für die Sünde, erduldet hat, damit wir Frieden hätten. Glaube nur, daß auch das Derdammungsurteil, das über deinem Haupte schwebt, durch Ihn aufgehoben worden ist. Er hat auch deinen Schuldbrief ans Kreuz geheftet und vor Gott quittiert. Wohl, tief wohl ist der Seele, die aus ihren Sünden durch Jesu Gnade herauskommt. Sie hat tiefen Frieden. Sie empfängt ein inneres Glück, das kein Mensch kennt, außer wer’s erfährt. Dieses Glück wiegt alles Leiden und alle Schmerzen reichlich auf. Wer ein Plätzlein an Gottes Herzen bekommt, der kann im Ofen der Trübsal leichter aushalten. Der Schmerz wird versüßt, im Innern heißt es: Gott sei Dank, Er hat mich angenommen, ich bin Sein Kind, Er liebt auch mich. Ich weiß, wo ich hinkomme, wenn ich aus der Welt gehe,- ich darf zu meinem Heiland- ich komme heim. Ein Soldat lag im Kriege von 1870 schwer verwundet auf dem Schlachtfeld. Ein Offizier sah ihn und fragte, ob er ihm noch eine Erquickung aus seiner Feldflasche bieten könne. „Ich danke,“ sagte der Soldat, „aber vielleicht nehmen Sie aus meinem Tornister das Neue Testament, das darin ist, und lesen mir, was Johannes 16 am Schluß steht.“ – „In Mir habt ihr Frieden,“ spricht der Hei land, „in der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost, Ich habe die Welt überwunden.“ – „Gottlob,“ sagte der Soldat, „diesen Frieden habe auch ich!“ Bald darauf gab er seinen Geist aus. Wer so stirbt, der stirbt wohl! Siehe zu, daß du auch als ein Mensch des Friedens von deinem Lager wieder aufstehst, oder, wenn Gott es anders be schlossen hat, daß du im Frieden heimgehen darfst! Wenn ich von hinnen scheide, Im Glauben der Vergebung, So mach mir das zur Freude, In Hoffnung der Belebung Daß ich begnadigt bin. Geh ich alsdann im Frieden hin. Ansbach. Pfarrer Or. Eichhorn.

Von Sieg zu Sieg.

So muß es gehn, Kameraden. Wir Deutsche wollen’s nicht anders tun. Gelobt sei Gott, daß Er in unfern letzten Kriegen es so gab! Die Rosse sind zum Streittag bereit, aber der Sieg kommt vom Herrn, von dem Herrn der Heerscharen. Ihm gebührt die Ehre, wenn unser braves Heer die Feinde schlägt. Stolz wollen wir sein auf die Tapferkeit der Truppen und auf die Schneidig- keit der Führer. Aber nach jedem Siege müßte der Lenker der Schlachten viel Hunderttausende auf den Knien finden im Dankgebet. Gepriesen sei Gott, daß Er unserm obersten Kriegsherrn es ins Herz gab, Sein Volk zu Bitte und Dank auf die Knie zu weisen! Von Sieg zu Sieg! Wie erhebt sich unser deutsches Herz, wenn die Kriegsberichte diesen Ton anschlagen! Die Fahnen heraus und die Glocken in Schwung! Lüttich, Mühlhausen, Metz, von Sieg zu Sieg, und es soll noch besser kommen. Gott möge es geben! Gott gebe, daß nach wenig Tagen die Zahl der Siege sich sehr vermehrt! Sieg ist Herrlichkeit. Auch im Innern des Menschenlebens. Weißt du von solchen Siegen auch etwas? Wir haben alle einen Feind. Auch der friedlichste Mensch, der so gut durchkommt, hat einen fürchterlichen Feind. Der ist stärker und gefährlicher und hartnäckiger als unsre Feinde im Osten und Westen. „Der alt‘ böse Feind, mit Ernst er’s jetzt meint.“ Er treibt sein furchtbares Wesen schon Tausende von Iahren. Wie Japan von Deutschland alles abgesehen hat, so hat der Feind der Menschen von Gott alles, alles abgesehen. Und so betrügt und verführt er die Massen der Menschenkinder. Er hat Festungen, fester als Antwerpen und Velfort. Er hat Bundesgenossen, mehr als derer sind, die sich gegen Deutschland verschworen. Und Waffen hat er von un widerstehlicher Gewalt, Geschütze, wie Krupp sie nicht kennt. Und unversöhnlich ist unser Feind. Hier wird es nie Friedenspräliminarien geben. Hier ist Feindseligkeit ohne Waffenstillstand bis in die Ewigkeiten. Kennst du, o teurer Leser, — merk, es ist ernst – kennst du den Feind der Seelen? Als du daheim im Elternhause, wo man mit Bleisoldaten spielte, die erste Lüge ausgesprochen hattest, als dir beim Anblick eines jungen Mädchens der erste fleischessinnliche Gedanke kam und deine Träume durchjagte, da hatte der Feind im Sturmlauf dein Leben angegriffen, und du warst verwundet. Solche Wunden heilt kein Rotes Kreuz. Kennst du den Feind? O, furcht bar wütet der Erbfeind, der Napoleon der Hölle, Satan, der Widersacher, der Teufel. Man spricht und hört nicht gern von ihm. Es gibt ja viele, die nicht glauben, daß es einen Teufel gibt. Und das ist auch ein Werk des Teufels. Er ist so unvergleichlich schlau. Die ganze ränkevolle Politik der Deutschlandshasser ist Kinderspiel, trotz aller Scheußlichkeit noch Kinderspiel gegenüber dem Wesen und Wirken des Fürsten der Finsternis. Ja, alle Teufelei der Erdenpolitik ist Ausgeburt des Ewig-Argen. Wie schrecklich, daß jeder Erdenbürger in dieses Tyrannen Gewalt ist! Jeder natürliche Mensch, auch der Bravste der Braven, auch du, auch der dies schreibt, wir alle sind von Haus aus unter seiner Herrschaft. Möchtest du da nicht heraus? Ganz gewiß! Wie grauenhaft muß es für Deutsche sein, die !nach Deutschland gehören, im Land der Feinde gehalten zu sein als Kriegsgefangene. Ich möcht‘ es nicht träumen. Aber in des Teufels Händen ist ein noch entsetzlicheres Los als in den Händen der grausamsten Feinde. Du willst gewiß heraus. Werde dir klar über den Zustand deines inneren Lebens, erschrick und suche zu fliehen, sofort, sofort I Sonst könntest du verloren sein, auf ewig. Aber wisse, wenn du ernst machst, gehst du heißem Kampf entgegen. Und du wirst trotz aller heldenmütigen Anstrengungen dem Feind keinen Widerstand leisten können. Du bist ihm nicht gewachsen. Aber sobald du mit ganzem Ernst dem ewigen Seelenfeinde entrinnen willst, bietet dir ein großer König seine Bundesgenossen schaft an, und Er hält dir die Bundestreue. Weißt du, wer er ist? Er heißt Jesus Christus. Er ist der Fürst der Könige aus Erden und liebt dich und ließ Sein Leben für dich, und Er reinigt dich von allen Sünden mit Seinem Blut. Er hat den Heldensieg errungen über den Teufel aus Golgatha am Kreuz. Kein Sieg, auch Sedan und Namur nicht, kommt dem Sieg von Golgatha gleich. Da opferte Gott Seinen Sohn, und der Sohn gab Sein Blut, Sein Leben für das Leben der Welt. Wie wir aus den Siegen unserer wackeren Kameraden ruhen und uns ihrer freuen, so darf jeder Sünder des Sieges Jesu sich herzlich freuen und daraus völlig ruhen. Der Sieg des herrlichen Heilandes ist dein Sieg, wenn du dich gläubig Ihm anvertraust. Gott schenke dir diesen Sieg! Wie wird dein Herz ausjubeln, wenn du das Heer der Sünden deines Lebens geschlagen, zurückweichen und verschwinden siehst unter dem Siegesruf des Eretters: „Es ist vollbracht!“ Dann ist die Macht Satans gebrochen, und er zieht ab aus den Grenzen deines Lebens. Das einfältige Vertrauen auf das ewig gültige Verdienst des gekreuzigten und auferstandenen Sohnes Gottes wirft den Feind in die Flucht aus der ganzen Linie. Darum knie nieder in diesem Augenblick und rühme die Liebe des HErrn Jesu und preise Sein Kreuz und Sein Blut! Kameraden, was das Rote Kreuz nicht heilen kann, das Kreuz vor den Toren Jerusalems, wo der schuldlose Christus hing, heilt alle Wunden, heilt wunderbar. Dann aber hebt ein neues Leben an, wie du es bisher nicht gekannt hast, ein Leben des Sieges. Gott sei gedankt, der uns allezeit Sieg gibt in Ehristo Jesu! So jauchzt ein Veteran des großen Königs. Als ein von Jesu Liebe völlig Besiegter hat er in dem heiligen Zwei bund mit Gott ununterbrochen Siege erlebt. Immer im Kampfe, ging er von Sieg zu Sieg. Wie ihm, so ergeht es jedem Gottesmenschen. Ist der erlöste Sünder, der bei dem Heiland Vergebung fand, auch dem Satan entronnen, so ist er doch allsbald ein Gegenstand des bittersten Hasses sür den Argen. Alle Regeln der Kriegskunst und alle Ränke der Strategie wendet er an, um dich aus dem Gebiet der Gnade zurückzugewinnen.- Mache dich darauf gefaßt, und stelle die Wachtposten heraus! Und greift dich der Feind wieder an durch eine Iweifelsattacke oder durch den Flankenstoß einer Fleischesreizung, so widerstehe ihm tapfer in Christo! Du wirst Sieg haben, aber nur in Christo, d. h. in der Glaubensgemeinschaft mit Ihm, unter der Deckung Seines Blutes, unter der Weisung Seines Wortes und im Gehorsam Seines Geistes. Nur in Christo, in steter, völliger Abhängigkeit von Ihm, ist Sieg, aber auch Sieg auf Sieg, bis zum großen Krönungstage, dem Tag der Herrlichkeit. Blicke nur im Kampf des Glaubens und der Heiligung immer auf den großen Bundesgenossen Jesus! Er ist treu und unwandelbar. Aber wir Deutschen wollen nicht nur in der Defensive stehen und Sieger sein. Wir greifen den Feind auch an und dringen ins Feindesland ein mit unwiderstehlicher Wucht. Und ein deutscher Christ kann ohne Offensive nicht leben. Wer die Rettung der Seele aus Satans Gewalt an sich selbst erfahren hat, brennt danach, andere aus dem Reiche der Finsternis zu retten, hin zum Heiland. Wenn du aber mit einem noch nicht zu Gott bekehrten Menschen vom Heil seiner Seele nur ein Wörtlein sprichst, so ist das schon ein Handstreich gegen den Feind. Und wenn du mit heiligem Eifer eine Sünderseele vor die Ent scheidung für den Freund der Sünder stellst, so ist das ein gewaltiger Angriff, ein Einfall in des Teufels Gebiet. Den läßt er nicht so leicht durchgehen. Wie wird er an stürmen gegen dich! Wie wird er alles aufbieten, um den Streiter Christi unschädlich zu machen. Aber in Christo ist allezeit Sieg, auch jetzt. Stoß nur mit Wucht den Namen Jesus vielen in das Herz, du wirst die Kraft des für dich streitenden HCrrn Jesu verspüren. Er führt dich zum Sieg und von Sieg zu Sieg. Jede Eroberung einer Seele für den Heiland ist ein Sieg von unaussprechlicher Bedeutung. Pastor Johannes Roos, Lichtenrade.

Was der Soldat zum Alkohol wissen muss!

Der Kaiser hat seine Soldaten zu den Fahnen gerufen. Von allen Seiten sind wir von Feinden umgeben. Wie ein Mann ist das deutsche Volk ausgestanden, um einen Kampf zu führen, wie ihn die Welt zuvor noch nie gesehen hat. Mit der Parole: „Siegen oder sterben“ zieht unser braves Heer den Feinden entgegen. Im Vlick auf den treuen Gott, und im Blick aus die gerechte Sache, die wir vertreten, dürfen wir glauben und hoffen, daß wir den Sieg erringen und das Feld behalten werden. Aber eins bleibt zu beachten, daß unsere gesamte Wehrmacht zu Wasser und zu Land sich hüten muß vor dem Feind im eigenen Lager, dem König und Tyrannen Alkohol. – In Mürwik war es, wo unser oberster Kriegsherr, unser allverehrter Kaiser, die Fähnriche daraus hinwies, welch enorme Anforderungen ein moderner Krieg an die Nerven und Kräfte der Teilnehmer stellen werde, und daß diejenige Nation siegen werde, welche die nüchternste sei. Das sind wahre Worte. Und mit Dank hat es fast die gesamte Nation begrüßt, daß in den Tagen der Mobilmachung aus keinem Bahnhof alkoholische Getränke weder gegen Geld, noch umsonst an die Soldaten verabreicht werden durften, und daß es verboten war, Branntwein für die Reise mitzunehmen. Mancher Vaterlandsverteidiger aber wird sich gefragt haben: „Warum diese Maßnahmen? warum gönnt man uns in dieser ernsten und schweren Zeit nicht den Genuß dieser anregenden Getränke?“ Das hat allerdings seine guten Gründe. Und jeder Soldat wird sich des Alkohols enthalten und die ge troffenen Maßnahmen gutheißen, sobald er den Ernst der Al koholfrage für den Soldaten erkennt. Was muß der Soldat unbedingt vom Alkohol wissen? 1. Er muß wissen, was jedermann auch wissen sollte, daß die alkoholischen Getränke ihr Geld nicht wert sind. Der Brannt wein enthält keinerlei Nährwert das Bier einen so geringen. daß der dafür bezahlte Preis dazu in keinem Verhältnis steht, vom Weine ganz zu schweigen. Bier enthält neben 86-88 Prozent Wasser nur 6-8 Prozent ausgelaugte Nährstoffe, dagegen 2-6 Prozent Alkoholgift. Mit jedem Liter nimmt der Mensch also 20 60 Gramm netto Alkoholgift in den Magen und in das Blut auf. Dieses Alkoholgift greift, seinen chemischen Eigenschaften entsprechend, alle lebenswichtige» Organe an und verändert sie: die Verdauungsorgane (Magen- und Darm-Katarrh), die Leber (Fettleber, Schrumpfleber, Gallensteine), das Herz (Fettherz, Bierherz), die Nieren (Schrumpfniere). Dieses Alkoholgift ist eine Hauptursache von Gicht und Rheumatismus, ein Hauptförderer der Tuberkulose (Schwindsucht), sowie der Unsittlichkeit und der so verheerenden Seuche der Siphilis. Und für diese Giftgetränke gibt die deutsche Nation mehr Geld aus als für ihre gesamte Wehrmacht zu Wasser und zu Land. Wahrlich, diese Giftgetränke sind ihr Geld nicht wert. 2. Der Soldat muß wissen, daß die alkoholischen Getränke keine durstlöschende Getränke sind. Der Alkohol verzehrt die Feuchtigkeit im Körper und erzeugt so fortgesetzt neuen Durst. Der Durst aber ist ein schlechter Kamerad, besonders im Dienst, sowohl in Kriegs- wie in Friedenszeiten. Wer seinen Durst mit alkoholischen Getränken löscht, gleicht einem Manne, der Öl ins Feuer gießt in der Hoffnung, es damit löschen zu können- der Brand aber wird ärger und auch der Durst. Durch fort gesetzten Genuß alkoholischer Getränke wird der Mensch ein Gewohnheitstrinker, willensschwach und energielos. Mut und Tapferkeit schwinden. Ein trauriger Soldat aber ist, wer diese Tugenden einbüßt. Ein Heer solcher Soldaten bildet keine Wehr, sondern eine Gefahr für das Vaterland. 3. Der Soldat muß wissen, daß der Alkoholgenuß, insbesondere jeder Alkoholmißbrauch in allen Formen, sei es in Bier, Wein oder Branntwein, die Dienstzucht in Gefahr bringt und einen Soldaten leicht entehrt. Ein betrunkener Mann im bürgerlichen Leben ist der Verachtung wert, ein betrunkenes Weib ist scheußlich anzusehen‘ aber ein betrunkener Soldat über trifft sie beide: er ist eine Schmach fürs Vaterland. Im bür gerlichen Leben werden mehr als 50 Prozent aller Vergehen unter dem Einfluß des Alkohols begangen, und der Soldat kommt durch den Genuß alkoholischer Getränke so leicht mit dem Militärstrafgesetzbuch in Konflickt, und er gefährdet seine Avancementsaussichten in ganz erheblichem Maße. 4. Der Soldat muß wissen, daß der Alkoholgenuß lähmend auf die Hirntätigkeit einwirkt. Bismarck sagt mit Recht: „Das Bier macht dumm, faul und impotent.“ Das deutsche Volk nimmt eine führende Stellung ein in der Welt, will es aber seinen Platz in der Sonne behaupten, dann muß es aufhören, iu dem bisherigen Maße Alkohol zu genießen, sonst wird es versimpeln wie die Russen. Kein Mann aber im Volke sollte so sachlich und klar denken wie der Soldat. Das gilt vom ersten Heerführer sowohl als auch vom letzten Mann in der Armee. Das hat unser oberster Kriegsherr längst erkannt. Möge diese Erkenntnis bald Eigentum der gesamten Armee und unseres ganzen Volkes werden. 5. Der Soldat muß wissen, daß regelmäßiger Alkoholgenuß das Blut verdirbt, die Widerstandskrast des Körpers schwächt und jede Wunde und Krankheitsheilung stark verzögert. Ver dorbenes Blut! Wer möchte dies traurige Kapitel erwerben für sich und seine Nachkommen? Die schwächlichen, gebrech lichen, skrofulösen, rethitischen Kinder hat meistens der Alkohol – und wer ihn genießt — aus dem Gewissen! Geschwächte Körperkraft! Wer will sie haben? Man stählt seine Kraft, wo man nur kann — und welch ein Segen für unser Volk ist gerade auch darin unsere Dienstzeit! – und dann opfert der Mann seine schöne Kraft dem Alkohol, daß er sie langsam aber sicher schwächt und zerstört. Was nützt uns ein Heer von Alkoholikern? Blutwenig! Die beste Kraft dem Vaterland, nicht dem Alkohol! Und welche Wunden schlägt der Krieg! Verdorbenes Blut! Wie hemmt es den Heilungsprozeß bei Erkrankungen und Verwundungen! Das wird ganz besonders auch nach diesem gewaltigen Krieg in die Erscheinung treten. Der Alkohol sollte dauernd verbannt werden aus Heer und Flotte — und aus dem Volke! Es ist damit bereits ein guter Ansang gemacht worden. Im Interesse der Sicherheit unseres Landes aber erscheint es ge boten, daß auch die Militärbehörden dauernd dem Alkohol mißbrauch mit allen Mitteln, namentlich der Belehrung über die in den geistigen Getränken liegenden Gefahren, entgegentreten und ihn bekämpfen Helsen. Jeder Soldat muß wissen, daß es gilt, auch diesen Feind mit allen Mitteln zu bekämpfen. 6. Jeder Soldat muß wissen, daß der Alkoholmißbrauch eine große Gefahr für die Seele bedeutet. Wenn der Soldat durch den Genuß alkoholischer Getränke sein Geld verschwendet, die Dienstzucht in Gefahr bringt, sein Blut vergiftet, seine Karriere verdirbt, seine Geisteskräfte ruiniert, seine Ehre schän det, sein Vaterland in Gefahr bringt, so sind hier nur zeitliche und irdische Verluste zu verzeichnen – und es lohnt sich wahrlich schon um ihretwillen, auf den Genuß alkoholischer Ge tränke zu verzichten! – Geht aber die Seele verloren, dann gehen Ewigkeitswerte zugrunde. .Kein Trunkenbold hat Erbe an dem Reiche Gottes und Christi!“ Und welchen Jammer zeitigt die Trunksucht! „Wo ist Weh? Wo ist Leid? Wo ist Zank? Wo sind Klagen? Wo sind trübe Augen? — Wo man beim Wein (auch beim Vier und Branntwein) liegt und kommt auszusaufen, was eingeschenkt ist. Siehe den Wein nicht an, daß er so rot ist und im Glase so schön stehet. Er geht glatt ein,- aber darnach beißt er wie eine Schlange und sticht wie eine Otter. So werden deine Augen nach anderen Weibern sehen und dein Herz wird verkehrte Dinge reden, und wirst sein wie einer, der mitten im Meer schläft und wie einer schläft oben im Mastkorb“ (Salomo). „Darum saufet euch nicht voll Weines, daraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern werdet voll Geistes“ (Paulus). „Und wisset, daß ihr nicht mit ver gänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blute Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes“ (Petrus). Jesus, dein Heiland, hat Macht, alte Gewohnheit zu brechen, Gebundenheiten zu lösen. Rufe Ihn an- denn es ist in keinem anderen Heil, ist auch kein anderer Name den Men schen gegeben, darinnen wir sollen selig werden, denn allein in dem Namen Jesus. Wer aber den Namen des HErrn an rufen wird, der soll errettet werden. Kürzlich schrieb ein ehemaliger Trinker, der lange unter dem Banne des Alkohols gelitten hatte: „Wiederum hat sich das alte Bibelwort bewahrheitet, daß Gott keinen Gefallen habe am Tode des Gottlosen, sondern daß er sich bekehre und lebe. Auch ich war ein großer Sünder, einer jener armen, gebundenen Trinker. Durch Gottes uner schöpfliche Gnade bin ich nun frei, frei durch das Blut dessen, der am Kreuzesstamm unsere Sünden getilgt hat. Früher herrschten Zank, Streit, Unzufriedenheit bei uns. Meine Kinder mieden mich, weil ich nur grobe Worte für sie hatte. Dazu hatte ich noch einen wüsten Kopf und schließlich einen kranken Körper. Und wem gab ich die Schuld? Nun, mir nicht, sondern ich machte Gott und die ganze Welt für mein Sündenleben verantwortlich. Wie ganz anders ist das jetzt! Überall Glück und Zufriedenheit und ein frohes, gottergebenes Herz. Gottes Gnadensonne leuchtet zu allen Fenstern hinein, und ich kann nicht müde werden, dem himmlischen Bater für Seine Güte zu danken.“ – „So euch der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei.“ Leipzig-Lindenau. Prediger A, Dallmeyer.

Ein sicherer Anker.

O Lamm Gottes, unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl Du wardst verachtet. All Sund hast Du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm Dich unser, Erbarm Dichmeiner, oIesu! Wir haben einen barmherzigen Heiland. Das Erbarmen hat Ihn zu uns aus die Erde getrieben. Wenn Er das arme Volk so verschmachtet und zerstreut sah, so jammerte Ihn desselben. Sein Auge sah das ganze verborgene Elend, den inneren Jammer der Sünde, an dem die allermeisten achtlos vorübergehen. Er hatte auch Erbarmen mit der leiblichen Not, darum speiste Er die fünftausend und schenkte jener Mutter von Nain den einzigen Sohn wieder. Aber noch mehr hatte Er Erbarmen mit der Not der Seelen. Darum hat Er sich für uns in den Tod gegeben und den letzten Bluts tropsen für uns vergossen. Es soll keiner verloren gehen. Wenn nur die Bitte um Barmherzigkeit in der Menschenseele erweckt wird, dann kann’s nicht fehlen. Wann hat je einer den Heiland um Barmherzigkeit an gefleht und eine Fehlbitte getan? Die 10 Aussätzigen schrien: „Jesu, lieber Meister, erbarme Dich unser,“ und Er half ihnen allen. Oer Schacher am Kreuz bat den HErrn Jesus um ein gnädiges Gedenken, und der Hei land nahm ihn mit sich ins Paradies. Ja, wenn nur ein Sehnen nach Barmherzigkeit in einer Seele war, auch unausgesprochen, so hat der Heiland sich herabgeneigt. Im Herzen jenes Gichtbrüchigen war ein Verlangen nach Sündenvergebung. Er ist auf seinem Leidenslager zur Einsicht gekommen. In den langen, einsamen Stunden, bei Tag und Nacht ist ihm sein ganzes vergangenes Leben vor die Seele getreten. Da tauchten die Sünden der Jugend aus, er sah Sünde, nichts als Sünde. Nun wurde das Verlangen nach Gnade noch stärker als die Sehnsucht nach Gesundheit. Der HErr Jesus hat in seiner Seele gelesen, Sein Geistesohr hat das verborgene Seufzen vernommen. So sprach Er denn zuerst und vor allem: „Sei getrost. Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Da durchströmte ihn selige Freude -: alles getilgt, bei Gott in Gnaden! O, welch ein Trost für einen Menschen, der unter seiner Sünde innerlich gelitten hat, den seine Sündenwunden schmerzten, der den ewigen Tod vor Augen sah! Lieber Kamerad! Du liegst in großen Schmerzen da, bist ein gebrochener Mann. Du weiszt nicht, wie lange dir noch zu leben vergönnt ist. Vielleicht sehnst du dich in deinen Schmerzen nach Befreiung und Auflösung. Aber bedenke doch: du brauchst Barmherzigkeit. Rufe den Heiland der Sünder an. Er geht auch an dir vorüber. Er sieht dich daliegen in deinem Iammerzustand. Er will dich nicht ewig verderben lassen. Er spricht auch zu dir: „Du sollst leben, ewig leben.“ Und wenn das zeitliche Leben dahineilt, es schadet nichts, wenn du nur zum ewigen Leben gelangst. Denke an deine Sünden von Jugend auf, an allen Leichtsinn, Gottvergessenheit, und wie du dich hast ver führen lassen, vielleicht auch andere verführt hast. Ent schuldige nichts, decke nichts selber zu, bekenne vor Gott und Menschen, daß du ein großer Sünder bist, und ver traue allein auf die Gnade unseres HErrn Jesu Ehristi. Durch Ihn will Gott auch dich retten, und wenn dein Zündenschaden verzweifelt böse ist, deine Sünden unheilbar wären. Er will sie heilen. Und wenn du dich als einen Missetäter erkennst, der den Tod verdient hat bei Gott, du wirst freigesprochen von aller Schuld, sobald du dein Vertrauen aus das Blut Jesu Christi setzest, das alle deine Sünden auf ewig tilgt. Wenn deine Sünden blutrot sind, sollen sie doch schneeweiß werden, und wenn sie sind wie Scharlach, sollen sie doch wie Wolle werden.“ „Ich, Ich tilge deine Sünde wie eine Wolke und deine Missetat wie einen Nebel.“ „So wahrIch lebe, spricht der HErr, Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe.“ Noch ist es Zeit, es ist noch nicht zu spät. Solange du noch atmest und einen Gedanken fassen kannst, steht auch für dich die Gnadentüre noch offen. Dein Heiland ist unsichtbar an deiner Seite und wartet nur, daß du Ihm dein Herz gibst, so wie es ist, unrein und befleckt. Er will es reinigen, >daß du vor Gott bestehen kannst. „So wie ich bin, ohn‘ alle Zier Komm ich durch Dein Blut, HErr, zu Dir. Du rufst – Beladne, kommt zu Mir‘ So komme ich, o Gotteslamm.“ Übergib dich Ihm in kindlichem Vertrauen, Er will dich wie einen Brand aus dem Feuer reißen. Nimm das Lösegeld Seines teuren Blutes, das Er auch für dich hin gelegt hat, und du bist gerettet aus ewig. „Nichts, nichts kann mich verdammen, Nichts raubt mir meinen Mut. Die Holl‘ und ihre Flammen Löscht meines Heilands Blut. Kein Unfall mich erschrecket, Kein llbel mich betrübt, Weil mich mit Flügeln decket Mein Heiland, der mich liebt.“ Gebet: HErr Jesu, ich komme zu Dir und kann Dir nichts bringen als nur meine Zünde, Untreue und Ungehorsam ohne Zahl. Verdient habe ich nichts als Strafe. Aver ich fliehe zu Deinem Erbarmen. Du bist für eine künftige  Welt eingetreten und darum auch für mich. Du hast als das Gotteslamm die Sünden der Welt getragen, da sind die meinigen auch dabei. Du hast noch keinen Sünder in seinem Elend stecken lassen, wenn er nach Dir die Hände gestreckt hat. Du kannst auch mich nicht stecken lassen. Du sagst, daß Du keinen hinausstößt, der zu Dir kommt, Du kannst auch mir die Gnadenpsorte nicht zuschließen. Du Kannst mir meine Bitte um Vergebung nicht abschlagen. Ich klammere mich an Dich und lasse Dich nicht, bis Du mich segnest. Du kannst Dich auch mir nicht entziehen. Du hast schon lange aus mich gewartet, als ich noch meine eigenen, verkehrten Wege gelaufen bin. Denn Du hast in Deinem Herzen nichts als Erbarmen. Nun bist Du mir im Leiden nachgegangen. Da, nimm mein Herz, ich will Dein sein immer und ewig. Wenn mir das Leben noch einmal geschenkt wird, will ich Dir folgsam und gehorsam sein und mein Leben zur Ehre Gottes hin bringen. Meine Sünden reuen mich, ich kann sie selber nicht gutmachen, aber Deine Gnade ist größer als alle meine Sünde. O nimm sie, und wirf sie in die Tiefe des Meeres des göttlichen Erbarmens. Schenke mir auch ein gnädiges Stündlein, wenn ja meine I^t verstrichen sein sollte. Mit Dir, HErr Jesus, muß mir’s gelingen. Amen. Ansbach. Pastor Or. Eichhorn.

Was will Gott uns sagen durch diesen Krieg?

Dies Wort war die Losung an dem Tage, als Japan sein Ultimatum an Deutschland stellte und bedingungslose Übergabe von Kiautschau verlangte. Natürlich konnte Deutsch land darauf nicht eingehen, und so erstand uns ein neuer Feind im fernen Osten. Feinde ringsum, zu Wasser und zu Lande! Nun muß es wohl auch das blödeste Auge sehen, daß wir verloren sind, wenn Gott uns nicht Hilst. Dahin will’s Gott bringen. Das sollen wir erkennen, daß wir solcher Übermacht gegenüber nicht siegen können in eigener Kraft. Da muß eine andere Kraft wirksam werden. Da muß Gott auf den Plan treten. „Mit dir will ich’s nicht ein Ende machen,“ sagt der HErr. „Züchtigen aber will Ich dich mit Maßen, daß du dich nicht unschuldig haltest.“ Man schreibt in den Blättern viel darüber, wer Schuld an diesem Kriege trägt. „Der Zar ist schuld,“ sagen die einen, „der Zar, der unserm Kaiser sein feierliches Wort gegeben hat, nichts gegen uns zu unternehmen, -und der gleichzeitig seine Truppen nach Ostpreußen vorrücken ließ.“ „Frankreich ist schuld,“ sagen andere. „Aon langer Hand h^t Frankreich den Krieg vorbereitet. Und als der Präsident Poincare mit dem Zaren die friedlichen Tischreden wechselte, da hat er in aller Stille mit dem Zaren den Plan zum Überfalle gefaßt.“ „England trägt die Hauptschuld,“ sagen wieder andere. „Mit seiner Einkreisungspolitik, mit seinem Neid auf Deutsch lands Fortschritte hat es diesen Krieg gewollt. Es hat immer eine hinterlistige Politik verfolgt. England ist nie zu trauen gewesen.“ So schreiben die Blätter. Und gewiß haben sie alle ein gewisses Recht, so zu schreiben. In der Tat hat der Zar, wie sein Depeschenwechsel mit unserm Kaiser beweist, ein falsches Spiel gespielt. In der Tat ist in Frankreich imme‘ eine Strömung gewesen, welche Rache für 1870 verlangte. In der Tat hat sich die Politik Englands als hinterlistig und unehrlich erwiesen. – Das alles ist wahr. Und doch treffen all diese Antworten nicht den wahren Grund dieses Krieges. Denn sie bleiben bei den äußeren Vorgängen stehen; aber sie schauen nicht aus die tieferen Zusammenhänge. Wenn wir die Schuld dieses Krieges beim russischen garen suchen oder beim König von England oder beim Präsi denten von Frankreich, dann ist die Gefahr groß, daß wir uns in Verbitterung und Haß hineinreden und hineinschreiben – und des Segens verlustig gehen, den Gott uns zugedacht hat. Gläubige Christen wissen, daß gar nichts zufällig ge schieht, daß nichts von ungefähr kommt, sondern daß Gott hinter allem und über allem steht. So ist’s auch mit diesem Krieg. Wir haben es in diesem Kriege nicht sowohl mit den Russen und Franzosen, mit den Engländern und Belgiern zu tun, sondern mit Gott selbst. Gott hat Seine Hand in diesem Kriege. Der Krieg ist ein Züchtigungsmittel in der Hand unseres Gottes. Das müssen wir einmal klar erkennen. – Bei einer Züchtigung aber fragt man zuerst: Warum? und dann: Wozu? Warum Gott diese Züchtigung über uns hat kommen lassen? Ist es nötig, diese Frage zu beantworten? Wie sah es aus in unserm Volke! Wie viele hatten Gott abgesetzt, bei hoch und niedrig, bei vornehm und gering. Was für Sünden gehen im Schwange in unserm Volke! Und zwar nicht nur heimlich und im Verborgenen, sondern frech und dreist am hellen Tage! Wie scharf redet Gottes Wort von den Sünden widernatürlicher Unzucht; wer sie treibt, der soll ausgerottet werden, — und heute gibt es eine starke Strömung in unserm Volk, daß die Paragraphen, wodurch diese Sünden unter Strafe gestellt werden, abgeschafft und ausgehoben werden sollen. Was für ein geheimer Mordgeist spricht aus den schreck lichen Maßnahmen, die getroffen werden, um Kindersegen zu verhüten. Wie schreit das Blut ungeborner Kinder gen Himmel wider unser deutsches Volk! Wie hat eine negative und liberale Theologie die Herzen verödet und die Gemüter beraubt! Und Vertreter dieser Theologie, die den eingebornen Sohn Gottes Seiner Gottheil entkleiden, befinden sich in hohen Stellungen und werden mit Ehren überhäuft. Wenn sich bekenntnistreue Gemeinde glieder zusammenschließen, um besondere Gottesdienste von bibelgläubigen Pfarrern halten zu lassen, weil es ihnen ihr Gewissen verbietet, die Predigten liberaler Pfarrer zu besuchen, dann werden diese aus der Gewissensnot entstandenen Gottesdienste vom Oberkirchenrat verboten! O wie ist unser Volk, wie ist unsere Kirche umgegangen mit den Segnungen, die Gott uns in den Tagen der Refor mation gegeben! Haben wir, wenn wir an alles das denken, nicht eine Züchtigung reichlich verdient? Wie lange hat Gotl Geduld gehabt! Wie lange hat Er zugesehen und sich all den Hohn und Spott gefallen lassen, um unser Volk zur Umkehr zu bewegen! Ganz neue Wege ist Er gegangen, um an die Herzen des Volkes heranzukommen. Er hat die Evangelisation gegeben. Er hat die Zeltmission gerufen. In außerordent licher Weise hat Er sich bemüht um unser Volk. Und was war die Antwort? — Abfall, Hohn, Spott, freche Gottlosig keit, zügellose Unsittlichkeit. – Konnte Gott da anders han deln, als Er getan hat? Mußte Gott da nicht endlich den Stab Wehe nehmen, um uns zu züchtigen? Ja, wir haben’s verdient, daß Gott uns diese Heimsuchung geschickt hat. Ja, wir haben diesen Krieg selbst verschuldet mit unseren Sünden. O daß unser Volk das erkennen möchte! Daß ein Aufwachen durch die Reihen unseres Volkes gehen möchte: Wir haben gesündigt! Daß dieser Krieg, diese Züchtigung von der Hand Gottes uns in die Buße führen möchte! Dann würden wir auch sehen, wozu uns Gott diese Züchtigung geschickt hat. – Wozu dieser Krieg? — Wenn ein Vater sein Kind züchtigt, dann tut er das nicht aus Zorn und Willkür, sondern aus Liebe. Und so ist es auch Liebe, die das Herz unseres Vaters im Himmel erfüllt, wenn Er diese Züchtigung über uns verhängt hat. Er möchte uns heilen, helfen, zurechtbringen. Er möchte uns zur Erkenntnis bringen, daß uns nichts und niemand helfen kann, als Jesus allein. Wie vergessen ist diese Wahr heit: „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein andrer ^ame unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin sie sollen selig werden,“ als der Name Jesus Christus! Diese Erkenntnis will Gott wecken. Dazu will Er unser Volk führen, daß sie Iesum suchen sollen, mit Ihm in Gemein schaft treten sollen, weil nur in Ihm Leben und Seligkeit zu finden ist. — Etwas sieht man davon schon in unseren Tagen: Wenn — bis vor kurzem — die Glocken läuteten, wie wenige waren es, die ihrem Rufe folgten! Wie verödet standen in weiten Gegenden unseres Vaterlandes die Kirchen! Und wenn Evangelisationsversammlungen veranstaltet wurden, und Tausende von Einladungen verbreitet wurden, wie wenige waren es, die daraufhin kamen. Aber nun, wo Gott die Kriegsglocke zu läuten angefangen hat, nun strömen die Menschen in die Kirchen, nun kommen auch solche in die Versammlungen, die früher nie gekommen sind. – Ja, Gott hat angefangen, etwas Neues zu schaffen in unserem Volk. Gott hat Großes getan in den wenigen Wochen seit dem Beginn des Krieges. Aber Er will noch mehr tun. Er will ein neues Blatt aufschlagen in der Geschichte unseres Volkes und in der Aus breitung Seines Reiches unter uns. Er hat nicht Gedanken des Leides, sondern der Liebe und des Friedens mit uns. O daß unser Volk auf die Stimme Gottes hören möchte, die durch diesen Krieg mit uns redet! Als einst Jona in Ninive das Gericht verkündigte und sagte: „Es sind noch 4V Tage, dann wird Ninive untergehen,“ da beugte sich der König von Ninive und ‚tat Buße mit seinem ganzen Volk. Und Gott erbarmte sich über Ninive. Es gab keinen Untergang, es gab eine Erweckung. So will auch Gott nicht unseres Volkes Untergang, Er will Erweckung! Das sagt uns Sein Wort: „Aber mit dir will Ich es nicht ein Ende machen; züchtigen aber will Ich dich mit Maßen, daß du dich nicht unschuldig haltest.“ Noch halten viele sich für unschuldig. Noch suchen viele die Schuld an diesem Kriege in Rußland oder in Frankreich oder in London. Nein, wir haben diesen Krieg verschuldet, wir mit unserer Sünde! O wenn wir das erkennen und uns in Demut beugen vor dem lebendigen Gott, dem Vater unseres HErrn Jesu Christi, dann werden wir es auch erfahren, wie es Ninive einst erfuhr: Nicht Untergang, sondern Erweckung! Laßt uns nicht müde werden, Gott anzuflehen, daß Er den Geist der Buße durch unser Volk hindurch wehen lassen möchte, daß unser Volk sich nicht mehr für unschuldig hatte, sondern erkenne, daß dieser Krieg eine Züchtigung ist, eine wohlverdiente Züchtigung, aber eine Züchtigung zu unserem Heile, nicht zum Untergang und zur Vernichtung, sondern zur Erweckung und zum neuen Leben! Vad Blankenburg. Pastor Ernst Modersohn.

Das Neue Testament und Deutschlands Krieger.

Schon in den Tagen vorher hatten manche Krieger auf dem Bahnhof gefragt, ob nicht hier Gelegenheit sei, ein Neues Testament zu bekommen. Ich werde es in meinem Leben nicht wieder vergessen, wie sich‘ mir aus dem Bahnhof manchmal gleichzeitig 10-20 Soldatenhände entgegen streckten, um in den Besitz eines Neuen Testamentes zu kommen. – Nach der Schlacht bei Wörth 1870 fanden die Sanitätsmannschaften, als sie das Schlachtfeld nach Verwundeten absuchten, viele Kartenspiele, die die kämpfen den Soldaten vor oder während der Schlacht von sich ge worfen hatten. Das zeigt, daß man in ernster Stunde das Schlechte zu verwerfen und das Gute zu erwählen versteht. Gott sei Dank, daß sich auch bei diesem Feld zug wieder erwiesen hat, daß viele Deutsche noch Ver ständnis dafür haben, welch einen Wert angesichts des Todes das Wort Gottes hat. Schön wäre es, wenn alle diese auch schon in guten Tagen Liebhaber der Heiligen Schrift wären, doch wollen wir von Herzen dankbar sein, daß sich mit der Kriegserklärung der Ausspruch Gottes erfüllte: „Die Anfechtung lehret aufs Wort merken.“ Was nützt aber dem deutschen Krieger das Neue Testament? O, sehr viel! Ich will es dir an einigen Punkten kla? machen. 1. Das Neue Testament zeigt dir Jesus Christus, der für unsere Sünden gestorben ist, und in dem wir Leben und Seligkeit haben. Gleich im ersten Kapitel steht geschrieben: „Des Name sollst du Jesus heißen, denn Er wird Sein Volk selig machen von seinen Sünden.“ Und dieser Jesus bittet die Sünder: „Kommet her zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken.“ Wahrlich, es ist je gewißlich wahr und ein teuer wertes Wort, daß Jesus Christus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Lies Lukas 15, jenes Kapitel vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Groschen und vom verlorenen Sohn, und du wirst erkennen, daß auch du Jesu Eigentum werden kannst. Mein lieber Leser, besitzest du schon die Vergebung deiner Sünden? Bist du deiner Seligkeit gewiß? Weißt du, wenn du jetzt stirbst, daß du bei dem HErrn sein wirst allezeit? Ein junger Mann wurde einst gefragt: „Sind Sie glücklich?“ Er antwortete: „Ich bin der glück lichste Mensch aus der Welt, denn der HErr Jesus hat mir alle meine Sünden vergeben.“ Rufe den HErrn an, daß Er auch dir deine Sünden vergebe, dann wirst du die Erfahrung machen, daß Er auch dir dieselbe Zusicherung gibt, die nach Matthäus 9 der Gichtbrüchige empfing, zu dem Jesus sprach: „Sei getrost, Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ — 2. Das Neue Testament lehrt uns, daß wir alle unsere Sorgen auf den HErrn werfen dürfen. Cr will alle unsere Lasten tragen. Bor einigen Iahren war eine Kompagnie zur Felddienstübung ausgerückt. Ein Soldat wurde schwach und war unfähig, sein Gepäck selbst wieder in die Garnison zu tragen. Da nahm der Kompagnieführer, der Hauptmann, das Gepäck des Sol daten und nahm es auf seinen Rücken und trug es in die Garnison. So macht es Jesus bei Seinen Kindern. Er trägt alle ihre Lasten, sowohl ihre Sünden als auch ihre Sorgen. Er hat ja das Wort gesprochen: „Sorget nicht für den anderen Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Ts ist genug, daß ein jeder Tag seine eigene Plage habe.“ Durch Seinen Apostel hat Er uns sagen lassen: „Alle eure Sorgen werfet auf Ihn, denn Er sorget für euch.“ Es ist ja ganz gewiß, daß auch der mutigste Krieger bei all den Entbehrungen und Strapazen, die der Krieg mit sich bringt, auch einmal eine Anwandlung von Schwermut und Sorgen bekommt, zumal dann, wenn Weib und Kinder zurückgelassen wurden. In solchen Stunden erfahren wir es, wenn wir anders gläubige Christen sind, daß wir an Jesus den besten Freund und an Seinem Wort die rechte Trostquelle haben. Darum, mein Leser, wirf dein Anliegen auf den HErrn, Er wird dich versorgen. Er wird uns nicht verlassen noch versäumen, so daß wir getrost sagen können: „Der HErr ist mein Helfer, was sollte mir ein Mensch tun?“ „Sind mit Sorgen wir beladen, Sei es frühe oder spät, Hilft uns sicher unser Jesus, Flieh’n zu Ihm wir im Gebet.“ 3. Das Neue Testament lehrt uns, daß wir in Jesus einen Helfer haben, auch wenn wir von einer Krankheit niedergeworfen sind. Er ist der HErr, unser Arzt, der unsere Seuchen aus sich genommen und unsere Krankheit getragen hat. Er hilft uns oft durch die Weisheit und Geschicklichkeit der Ärzte und oft auch dann noch, wenn Ärzte uns nicht mehr zu Helsen vermögen. Der Ehefarzt eines Krankenhauses in Ostdeutschland sagte einst zu einem jungen Patienten: „Ich kann Ihnen nicht mehr helfen, wenden Sie sich an unseren himmlischen Arzt.“ Das tat der junge Mann, und Jesus richtete ihn wieder auf. Lies nur einmal die vier ersten Bücher des Neuen Testamentes, und es wird dir immer wieder in die Augen fallen, wie Jesus imstande ist, auch Krank heiten zu heilen. Sollte der Krieg dich mit Krankheit und Wunden schlagen, so wirf dein Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Sage es dir immer wieder: „Er kann Helsen.“ Als einst eine Mutter schwer krank war, beteten die Kinder jeden Abend, wenn sie ins Bett gingen, und manchmal sangen sie es am Bett der Mutter: „Starker Gott und HErr, Dir ist nichts zu schwer! Du brauchst nur ein Wort zu sprechen, Und die Krankheitsmacht mutz brechen. öffne deinen Mund, Und sie wird gesund.“ Der HErr erhörte dies Gebet. Er machte die Mutter wider menschliches Erwarten gesund, so daß sie heute be> kennen kann: „Ich bin vor vielen wie ein Wunder, denn Du wärest Meine starke Zuversicht.“ 4. Das Neue Testament lehrt uns deutlich, daß gläubige Christen eine lebendige Hoffnung haben. Wir wissen, so unser irdisches Haus dieser Hülte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben, von Gott erbaut, ein Haus nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Das ist die starke Zuversicht aller wahren Christen. Deshalb sind sie auch unverzagt, wenn sie merken, daß der HCrr sie nicht gesund machen, sondern zu sich nehmen will. An ihnen wird offenbar, daß der Gerechte auch im Tode getrost ist. Sie wissen: Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott bereitet denen, die Ihn lieb haben. Wohl dem Menschen, der mit dem Apostel Paulus sprechen kann: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“ Als König Christian lll. im Sterben lag, sprach er: „Ich muß wandern, doch ich habe gut wandern, denn ich habe Christus, den Weg, die Wahrheit und das Leben bei mir.“ Fürwahr, unser Glaube ist auch Hoffnung zu Gott! Mein Leser! Diese und viele andere köstliche Wahr heiten findest du in der Heiligen Schrift. Kannst du die ganze Bibel nicht bei dir tragen, dann greife zum Neuen Testament. Lies es und lebe darin! Betrachte es mit dem Gebet: „Jesu, Dein allmächtig Wort fahr in mir zu siegen fort, bis ich ganz genese.“ Der HCrr mache deinen Gang gewiß in Seinem Wort und lasse deine Tritte nicht gleiten. Cassel. Heinrich Dallmeyer.

Unser Dank.

Ein Wort an unsere Soldaten im Felde.

Lieber Freund, laß mich dir sagen, wie das deutsche Volk  mit Stolz und Freude auf seine tapferen Soldaten blickt. Unser Herz ist voll Lob und Dank für all das Große, was Gott durch unser herrliches Heer in den letzten Tagen und Wochen getan hat. Wie ging das Schlag auf Schlag bei Lüttich, Tirlemont, Namur, bei Mülhausen, Lagarde, Metz, Longwy, St. Quentin, Reims; bei Gumbinnen und Tannen berg im Osten! Laß mich dir herzlich die Hand drücken, mein Freund, und dir danken. Du hast ja auch mitgeholfen an diesen großen Erfolgen, bei diesen glorreichen Siegen. Auf langen, heilen Märschen oder im Kugelregen der Schlacht ist es dir vielleicht gar nicht zum Bewußtsein ge kommen, wie herrlich die Siege unserer Waffen im Osten und Westen waren. Aber wir, die wir die Nachrichten schneller bekommen als ihr da draußen im Felde, wir über blicken diese Kette von Siegen, die ihr geschmiedet habt, um damit den Übermut und die Hinterlist unserer Feinde zu fesseln, und danken euch von Herzensgrund für eure Tapfer keit, für eure Treue – bis in den Tod. Es muß doch ein herrliches Gefühl sein, daß ihr euch sagen könnt: auch ich habe mitgeholfen, das Vaterland zu befreien von der ehernen Umklammerung seiner Feinde I Ihr solltet nur einmal sehen, was die Botschaften eurer Siege für eine Freude, einen Jubel hervorrufen in der Hei- .mat! Wie einer es dem andem zuruft: „Wissen Sie schon? Wieder ein Sieg!“ Ja, laß mich dir herzlich die Hand drücken, Freund, du hast ja auch mitgeholfen, daß wir wieder ausatmen dürfen nach der bangen Spannung des Anfangs. Aber nun hätte ich dir noch ein Wort zu sagen, mein Freund. Willst du mir einen Augenblick zuhören? Ich möchte dir zum Dank für deine Tapferkeit und auch Treue einen wichtigen Dienst leisten und eine frohe Botschaft mitteilen, Sieh, durch Gottes Gnade bist du jetzt mit dem Leben davon gekommen. Aber du hast gesehen, wie viele neben dir gefallen sind. Mancher gute Kamerad hat schon seine Augen geschlossen. Manches treue Herz ist schon still geworden. Wer weiß, ob dich in diesem Kriege nicht das gleiche Schick sal trifft? Vielleicht sehr bald! Wenn dich die Kugel trifft, mein Freund, bist du dann bereit zum Sterben? Du versuchst, einen Scherz zu machen. Du redest etwas vom Massengrab, welches das Ende sei. Nein, nein, laß uns einmal ernst miteinander reden, wie sich’s für deutsche Männer in ernster Zeit geziemt! Mit dem Tode ist nicht alles ausl Und wenn das noch so viele sagen, es ist nicht wahr. Das weißt du auch selber. Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, darnach aber das Gericht. Wir müssen einmal vor Gott im Gericht er scheinen, das sagt uns die Bibel, und eine Stimme in unserm Heizen bestätigt es, daß das die Wahrheit ist. In diesem Gericht aber handelt es sich um das Leben, das wir geführt haben Bei allem, was wir taten haben wir einen Zeugen gehabt. Und alles steht gebucht und auf geschrieben im Buche der Schuld, das Gott im Himmel führt. Mein Freund, willst du heute einmal einen Rückblick tun auf dein vergangenes Leben? War da alles, wie es sein sollte nach dem Willen Gottes? Hast du das Gelübde gehalten, das du einst bei der Konfirmation getan, deinem Heiland nachzufolgen dein Leben lang? Ach, hat es nicht auch in deinem Leben viel gegeben, was Gott „Sünde“ nennt? Hat dein Mund nicht oft Worte ausgesprochen, die du besser nicht gesagt hättest? Sag mir’s einmal ganz leise: hast du nicht manchmal durch Fluchen den heiligen Namen Gottes mißbraucht? Und kamen nicht oft auch gemeine Scherze, unanständige Lieder über deine Lippen? Und, da wir gerade davon sprechen, hat es nicht auch andere Versündigungen gegeben auf dem Gebiet der Un reinheit und UnKeuschheit? O, laß dir einmal deine Vergangenheit durch den Sinn gehen – wenn du auf Vorposten stehst in dunkler Nacht oder wann es sonst ist -, vergleiche einmal dein Leben mit den zehn Geboten, die du als Junge gelernt hast ich denke, dann wirst du mir zugestehen, daß da viel war, auf allerlei Art und Weise, was dein Leben mit Schuld belastet hat. Nicht wahr, dein Gewissen stimmt dem zu, was ich sage? Aber nun höre weiter! Ich will dich nicht nur an deine Sünden erinnern und dir damit das Herz schwer machen, sondern ich will dir eine frohe Botschaft bringen, wie du von der Last deiner Sünde loskommen und ein fröhlicher, seliger Mensch werden kannst. Sieh, Gott will nicht, daß jemand um seiner Sünde willen verloren geht. Darum sandte Er Seinen Sohn, unfern Heiland Jesus Christus, in diese Welt, daß Er unsere Sünden auf sich nähme und uns dadurch von derselben befreite. Als das Lamm Gottes hat Jesus unsere Sünden gelragen und an das Kreuz von Golgatha gebracht. Dort hat Er für unsere Schuld und Sünde, für meine und für deine, Sein Vlut vergossen. Dort hat Er für verlorene Sünder, auch für mich und für dich, die Erlösung vollbracht. Ja, die Strafe lag aus Ihn, auf daß wir Frieden hättenI Und nun brauchen wir nichts anders zu tun, als an diesen Jesus zu glauben, d. h. uns Ihm hinzugeben. Willst du das nicht tun? Sieh, so leicht hat es dir der HErr Jesus gemacht. Du brauchst nichts mehr zu tun, die Erlösung ist vollbracht. Du darfst sie einfach glauben, du darfst sie für dich in Besitz nehmen. O, wie war mir das herrlich, als ich es erfuhr: „Es quillt für mich, dies teure Vlut, Das glaub und fasse ich; Es macht auch meinen Schaden gut, Denn Christus starb für mich!“ Komm, geh zu diesem Heiland und bringe Ihm deine Vergangenheit! Sage Ihm, wer du gewesen bist, und was du getan hast! Und dann bitte Ihn, daß Er deine Ver gangenheit reinigen möchte durch Sein Blut. Das kann Er, und das will Er. Jetzt gleich! Und wie groß auch die Sünde sein mag, die du getan: „Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde.“ Das steht geschrieben. Und wenn du Ihm deine Vergangenheit gebracht hast, dann bring ihm auch deine Zukunft, daß Er sie regiere, daß du nicht mehr der Sünde lebst und den Stimmen der Ver führung dein Ohr leihst, sondern daß du fortan dem Willen Gottes gehorsam bist. Sieh, das ist es, was du nötig hast: daß der HErr Jesus dein vergangenes Leben reinige und dein künftiges Leben regiere. Wenn du Ihn darum bittest, dann erfüllt Er dein Ver langen. Das hat Er versprochen. Er hat gesagt: „Wer zu Mir kommt, den werde Ich nicht hinausstoßen.“ Also komm nur, wie du bist, mit all deiner Sünde und Schuld, mit deinem Verlangen, Ihm dein Herz und Leben zu über geben, und Jesus nimmt dich an! Und dann, ja, dann bist du bereit. Wenn du Jesu Eigentum geworden bist, dann mag noch ein langes Leben vor dir liegen oder nur noch ein paar Tage oder gar nur ein paar Stunden — wenn du gewaschen bist durch Jesu Blut von deiner Sünde, dann wird dein Leben selig und dein Sterben fröhlich; denn dann wird dein Sterben ein Erben, ein Heimgehen in die ewige Seligkeit bei Jesu im Licht. Komm, schieb das Eine, was not tut, nicht auf! Du weißt ja nicht, wieviel Zeit du noch hast! „Komm zu dem Heiland, komme noch heut! Folg Seinem Wort, jetzt ist es noch Zeit!“ Wenn dann auch vielleicht bald der Tod an dich heran tritt, du brauchst dich nicht vor dem Gericht zu fürchten, das nach demselben kommt, sondern du darfst dann sagen mit dem Apostel Paulus: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“ O, dazu helfe dir der treue und barmherzige Gott durch Iesum Christum, unsern HErrn und Heiland.

Im Lazarett.

Ein Wort an unsere Verwundeten.

ein teurer Freund, ich möchte dir gern ein Wort des Dankes sagen. Du hast ja auch für das Bater land gekämpft und geblutet. Ja, von Herzen möchte ich dir danken für das, was du für uns getan und ge litten hast. Sei überzeugt, daß wir das Opfer zu schätzen wissen, das ihr fürs Vaterland gebracht habt. Wenn unser Volk und Land siegreich aus diesem schrecklichen Kriege hervorgeht, dann danken wir es nächst der Gnade Gottes eurer Tapferkeit, eurem Heldenmut, auch deiner Auf opferung, mein Freund. Aber nun laß mich dir etwas erzählen von Einem, der auch ein Opfer brachte, der nicht nur verwundet wurde, wie du, sondern der sein Leben ließ im heißen Kampf. Der, welchen ich meine, ist unser Heiland Jesus Christus, und die Schlacht, von der ich rede, wurde aus Golgatha ge schlagen. O, was war das für ein Opfer, das Jesus für uns brachte! Wie schrecklich war es, als man Ihm die Nägel durch die Hände und Füße schlug, um Ihn ans Kreuz zu schlagen, ans Holz der Schande und des Fluches! Ein Marterbild, der gekreuzigte Heiland! Und nicht genug mit den Schmerzen des Leibes, auch jetzt ließ Ihm der Teufel noch keine Ruhe. Höllische Fin sternis lagerte sich um das Kreuz her, so daß – zum ersten Male! — Jesus Seinen Vater nicht mehr sehen konnte. Zum ersten Male schmeckte Er die Qual, von Gott verlassen zu fein. In furchtbarer Angst rief Er aus: „Mein Gott, Mein Gott, warum Haft Du Mich verlassen?“ Sein Leben lang hatte Er in inniger Beziehung, in vertrautem Um gang mit Gott gestanden. Er hatte sagen können: „Bater, Ich weiß, daß Du Mich allezeit hörst!“ Aber diese Ver bindung mit Gott war nun unterbrochen. Von Menschen ausgestoßen, von Gott verlassen — hing Er am kreuz. Du fragst, warum Gott Ihn denn oerlassen habe. Er sei doch so rein, so heilig, so sündlos gewesen, daß nie mand Ihn einer Sünde zeihen konnte. Gewiß, das war Er. Und doch wandte Gott sich von Ihm ab. Und doch war Er am Kreuz von Gott verlassen. Warum denn? Er hatte auf sich genommen unsere ganze Schuld und Sünde. Cr war das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trug. Der Welt Sünde! Dann war deine und meine auch mit dabei. Dann trug Er auch unsere Sünde dort am Kreuz. Dann haben auch wir mit dazu beigetragen, Ihm das Leiden und Sterben so schwer und bitter zu machen. Ja, unsre Sünde! Ist dir das schon einmal zum Bewußtsein gekommen, mein Freund, daß der HErr Jesus auch um deiner Sünde willen den Tod erlitten hat? Ich kenne dich nicht, und ich weiß nicht, was für ein Leben hinter dir liegt. Aber das weiß ich, daß auch du keine Ausnahme machst von der allgemeinen Regel: „Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer.“ „Es ist hier Hein Urilerschied, sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den sie an Gott haben sollen.“ Das sagt die Bibel. Und die spricht die Wahrheit. Ja, Sünder sind wir von Natur, du und ich. Wir haben alle die gleiche Erbschaft gemacht. Wir sind alle von Adam und Eva her erblich belastet. Unsere Erbschaft heißt: Sünde. Und wir haben nicht nur Sünde geerbt, wir haben auch Sünde getan. Vor ein paar Iahren ist in Amerika ein Buch er» schienen, das hat den Titel „Or. Heidenhoffs Wunder kur.“ Darin wird geschildert, daß jede Vorstellung, jede Erinnerung an einer bestimmten Stelle unseres Gehirns ^iren Sitz habe. Nun braucht nur diese Stelle des Ge hirns durch einen als möglich geschilderten operativen Ein griff weggenommen zu werden, und ^ die Erinnerung ist beseitigt. Nie denkt man wieder an die betreffende Ge schichte. Sie ist vergessen für immer. Was meinst du, wenn es einen Arzt gäb-e, der Er innerungen wegoperieren könnte, was würde der wohl für einen Zulauf bekommen! Und – laß mich dir einmal in die Augen sehen! ob du ihn vielleicht auch aus suchtest? Gibt es vielleicht auch bei dir Erinnerungen an Geschehnisse in deinem Leben, die du gern vergessen möchtest? Sagt deine Vergangenheit vielleicht auch zu dir: Weißt du noch – damals? War es dein Verhalten gegen deine Eltern, das dir auf dem Herzen liegt? Hast du deinen Eltern Kummer gemacht durch Trotz und Widerspenstigkeit? Oder hast du vielleicht gar im Rausch und in der Leidenschaft einem Mädchen Ehre und Unschuld genommen? Oder was war es sonst? Denk einmal nach über deine Vergangenheit! Ach, mußte dein Heiland nicht oftmals trauern über das Leben, das du führtest? Ich fürchte, auch aus deinem Herzen liegt viel Schuld und Sünde. Wenn das Licht des Wortes Gottes in dein Leben fällt, siehst du mit Schrecken ein, daß in deinem Leben viel, viel Sünde war — gegen Gott und Menschen. Aber nun höre, diese ganze Last von Sünde hat Jesus auf sich genommen. Ja, das hat Er. Er trug ja der Welt Sünde. Also deine auch. Und Er trug sie fort ans Kreuz. Und dort starb Er für unsere Sünde und bezahlte das Lösegeld Seines Blutes zu unserer Errettung. Es ist eine selige Wahrheit: „Cr ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen.“ Wenn Er um unsrer Missetat willen verwundet ist, dann darf ich auch um „meiner Missetat“ willen sagen. Ja, um meiner und um deiner Sünde willen hing Er auch am Kreuz, um uns zu erlösen und uns zu erretten von der Schuld unsrer Sünde und von der Macht des bösen Feindes. Wie herrlich: Es ist vollbracht! Wir brauchen uns nicht mehr anzustrengen mit allerlei eigenen Bemühungen, sondern wir dürfen es glauben: Wir sind erlöst! Es ist vollbracht. Willst du das nicht tun? Gottes Gnade hat dem Leben bisher bewahrt. Du wirst bald hergestellt sein Dann ziehst du wieder hinaus in den Kampf und Streit. Wie, wenn dann das Geschoß des Feindes dich noch trifft? Weißt du das? Dann wird das Leben erst wirklich lebenswert und schön, wenn man weiß, daß man Ver gebung der Sünden hat. Denn dann hat man keine Furcht mehr vor Tod und Gericht. Dann fürchtet man sich nicht mehr vor dem heiligen Gott, vor dem wir alle einmal erscheinen müssen. Und Vergebung der Sünden bekommt man, wenn man sich mit einem ehrlichen Bekenntnis der Sünden an den Heiland wendet. Es steht geschrieben: „So wir aber unsre Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, daß Er uns unsre Sünden vergibt und uns reinigt von aller Untugend.“ Sag Ihm einfach, was du getan hast, be kenne Ihm deine Schuld, und Er ist treu, daß Er sie dir vergibt, jetzt sofort. So wie Blitz und Donner zusammen gehören, so gehören auch Bekenntnis und Vergebung zusammen. Du brauchst aber nicht nur Vergebung der Sünden deiner Verhangenheit, du mußt auch Bruch mit dem Sün digen machen. Und weil du dazu keine Kraft in dir selber hast, mußt du den HErrn bitten um die Kraft Seines Hei ligen Geistes, daß du in dieser Kraft von oben ein neues Leben, ein anderes Leben führen kannst, das dem HErrn nicht mehr lauter Kummer macht wie früher, sondern an dem Er Freude und Wohlgefallen hat. Kürzlich las ich, daß ein Verwundeter aus dem Lazarett an seinen Vater geschrieben hat: „Ich habe meinen Arm verloren, aber meinen Gott gefunden.“ Wie herrlich wäre das, wenn du so etwas Ähnliches erlebtest, wenn dir die Zeit im Lazarett eine Segenszeit würde, an die du mit Lob und Dank und Freude zurück denkst als an die Zeit, wo der HErr Jesus dir begegnete, wo Er dir alle deine Zünden vergab und heilte alle deine Gebrechen, wo Er dir Kraft und Gnade schenkte zu einem neuen Leben, mit Gott und vor Gott und für Gott! O, das wünsche ich dir von ganzem Herzen, daß der HErr dir die Zeit im Lazarett segnen wolle mit Ewigkeits segen – um Seines Namens willen.

Siegen oder sterben!

Frisch auf, ihr deutschen Scharen, Frisch auf, zum Heilgen Krieg! Gott wird sich offenbaren Im Tode und im Sieg! E. M Arndt. Für den deutschen Soldaten gibt es im gegenwärtigen Völkerkrieg nur eine Losung. Diese lautet: „Siegen oder sterben!“ Ein weichliches „Zurück“ kennt er nicht mehr. Das gilt auch für das gesamte Deutschland und für jeden ein zelnen Deutschen! So gilt es auch dir. „Erst bückten wir uns, wenn die Kugeln zischten,“ schrieb einer der Unseren, „jetzt nicht mehr! Es prasselt um uns, wir fürchten uns nicht- durch! sterben oder siegen!“ – Und so ist es recht! — Anders können wir nicht. Feinde ringsum, und das rollende Blut in unseren Adern! – Ent weder – oder? ehrenvoll siegen oder ehrenvoll sterben! Ja, gegen die Feinde von außen ist Deutschlands Volk und Deutschlands Wehrkraft also gesinnt und gerüstet! Um so schmählicher wäre es, wenn gegen die Feinde im Inneren der Kampf nicht gleich also kraftvoll geführt würde. Wenn da ein feiges Wanken, ein schandbares Unter liegen den Hohn der Feinde hervorriefe! Hier gilt es erst recht: Nur siegen! Nur siegen! Vor allem ist es die schamlose Unzucht, die im Innern des Volkes so viele zu Niederlagen zwingt und dem Weich ling den reinen Schild deutscher Ehre schmählich befleckt. Wer im Kampf gegen diese dunklen Mächte nicht siegreich wird – der verfällt erbärmlichem Tod! Dem Knechte der Unzucht erstirbt ja völlig die Selbst achtung, die deutsche Ehre und mehr als das: Nervenschwäche, Geistesschwäche, Körperschwäche, Seelenschwäche bringen den Streiter ins endlose Stürzen, ins schmutzige Sinken! — Das Mark unserer Kraft wird verzehrt. Sterben oder siegen! Das ist hier im besonderen Sinne die Losung. Ganze Völker gingen zugrunde durch die alles zersetzende Unzucht. Deutsche Helden, wahret eure heiligsten Güter! Deutsches Volk, stirb nicht im Sumpfe der Sünde! – Der natürliche Trieb zu schandbarer Lust ist im Menschen zu stark, als daß da ohne siegreichen Kamps ein Überwinden möglich wäre. Viele wissen aber noch gar nichts über die schrecklichen Folgen der finsteren Pestilenz. Sie irren und tasten. Es kommt zur Verirrung! Aus lauter Dummheit!‘ Aus Unkenntnis! — Wie ging es? – Gemeines Lachen und unreines Witzeln, goten unsittlicher Kameraden haben schon längst die Gedanken zersetzt. Die Sünde nahte in Worten und Taten; erst heim lich, dann offen! — Es fehlte die Rüstung zum siegreichen Kampf! – So ist man gefallen, gefallen. Seelenwunden waren geschlagen, meist in heimlichen Stunden! – Der eine trieb es am eigenen Leib. Mit der Selbst befleckung fing es an. – Der zweite vergriff sich am Körper des andern! – Noch schlimmer kam es: Man ging zur Dirne; alle Schamhaftigkeit war dahin! – Gar mancher ging so weit, ein bürgerlich Mädchen zu locken, von Liebe und Ehe zu reden, und — der Betrug setzte ein. Unehre war das schmähliche Ende! Welch ein Verderben! Tod und Not des reinen Gewissens! ein Zerbrechen der Iugendkraft! eine Belastung der Seele! Drum wollen und müssen wir warnen! Denn viele klagen unter bitteren Tränen: „Kein Mensch hat mich vor Schanden bewahrt, kein Seelsorger, kein Vater, kein Freund! So bin ich ein Opfer des Lasters!“ – Deshalb höre denn von den Gefahren! Da ist die Sünde der Selbstbefleckung! Dieses Laster ist doppelt gefährlich. Es kostet kein Geld,- es geschieht nur im Verborgenen. Im Anfang erscheint es belustigend, ohne besonderen Schaden zu bringen. Aber dann: die unglückselige Angewöhnung, die Kette, die Schlinge! Immer mächtiger wird der Sklave gefesselt. Er wird gepeitscht zum Mißbrauch der Hände; die Lust, die Lust! Ein einziger unkeuscher Gedanke zwingt schon zur schamlosen Tat. Die Körperkraft wird verschleudert für eine Minute des Kitzels. Die Nerven werden erschüttert, die Muskeln erschlaffen, Zittern der Glieder setzt ein, eine Niedergeschlagenheit greift Platz, das Gedächtnis nimmt Schaden, jämmerlich schlaff wird der Mensch ! So wirkt die Gewöhnung! — Endlich ist alle Widerstandskraft dahin‘ Nervenzucken, Augendunkel, Empfänglichkeit für alle mög liche Krankheit ist da. Der Mensch stirbt bei leben digem Leibe, wenn er nicht siegt! Es gilt siegen! So sagt das Zeugnis der ernsten Arzte! So lehrt die schauer volle Erfahrung! Männer, fliehet solch unreines Wesen! Behaltet den Sieg im heiligen Kampf! Noch schandbarer ist es, wenn Männer am Mann die Schande treiben. Welche widernatürliche Unzucht, welche Knechtschaft des Satans! Uns ekelt, wenn wir nur daran denken. Wer sollte solchem Laster sich weihen? Es speit Tod und Verderben! – Drum kämpfe und siege! Doch höre noch weiter: Bleibe vor allem ein Sieger, wenn Feinde dich locken zur Dirne. Der Umgang im Hause der Schande schädigt noch mehr. Schon an der Ehre! Denn nur im Zustand der Trunkenheit naht man gewöhnlich zum ersten Male der finsteren Gasse! – man würde sonst doch vor Scham nicht können. So sinkt die sittliche Ehre dahin bei jenem Berkehr. Der Trieb, der zum heiligen Leben der Ehe geweiht sein sollte, wird zum furchtbaren Fluch! Was Gott gab, weiht man dem Teufel. Und der Lohn bleibt die ekelerregende Seuche! Wer von der Geschlechtskrankheit angefressen wird, ist ein armseliges Opfer. Die meisten nehmen’s ja dann auch noch leicht, mich deucht, aus lauter Verzweiflung. Man be denke: Nach Iahren noch bricht diese Pest aus dem Körper, Weib und Kinder können vergiftet werden. Und du selbst bist ein gebrochener Mann! Fliehe die Unzucht! Kämpfe und siege! Meide die Dirne! — Und nun: Willst du ein unschuldiges Mädchen verführen? Nein, du bist kein so ehrloser Wicht. Das bringst du nicht fertig, wenn deutsches Blut in den Adern dir rollt. Hast du nicht Schwestern? Ist nicht deine Mutter auch Mädchen gewesen? Ein Schurke, wer Mädchen verführt! Er ist es nicht wert, eine Mutter zu besitzen, die ihn geboren! Kämpfe und siege, und behalte ein reines Gewissen! Mit einem Schandfleck auf dem Threnschild sitt licher Reinheit gibt’s keine glückliche Ehe, öein gesegnetes Heim! Siege, siege! Dem wahren Deutschen bleibt nichts anderes übrig als ehrvoller Wandel auf allen Gebieten! Sittliche Reinheit ist möglich und nötig und bringt eine Fülle von Segen! Sie ist möglich, wenn du aus weichst dem seichten Gespräch, der schmutzigen Zote, dem Alkoholgift, der schädlichen Zigarette. Statt dessen kehre dein Sinnen und Trachten, dein Herz zum leben digen Gott! Lese die Bibel, singe das göttliche Lied, und bete zu Jesus! – Er vergibt alle Schuld der Vergangen heit, Cr schenkt den Frieden der Seele, ein gutes Gewissen und in der Stunde der Anfechtung auf kurzes Bitten stärkende Kraft. Nutze den Umgang mit Gott und siege! Dann wird Segen solcher Reinheit entquellen. Segen dem Körper: er wird kraftvoll und stark; Segen dem Geiste: dein Wille wird mächtig, wird edel,- Segen der Seele: das Kreuz deines Heilandes ist dir Zeichen des Lebens, die Erde ist dir ein lieblicher Garten, die ewige Heimat das Ziel deines Strebens. Leben, leben! im ewigen Licht! — Das Schauen Gottes ist möglich dem Manne, der reines Herzens geworden ist und reines Herzens dann bleibt! So deutscher Mann, sei freier Mann, Mit Gott dem HErrn zum Krieg! Denn Gott allein kann Helfer sein, Von Ihm kommt Kraft und Sieg!

In Gottes Hand.

in Wort an die Angehörigen unsrer Soldaten.

Es ist viel Bangen und Sorgen in diesen Tagen in den Herzen. Eine Schlacht nach der andern wird geschlagen, im Westen und im Osten. Mit unvergleichlicher Tapferkeit dringen unsere Truppen vor, als ob es für sie keine Hinder nisse und keine Schwierigkeiten gäbe. Aber wir wissen auch, daß diese großen Erfolge, diese herrlichen Siege Blut kosten, viel Blut. Und da bangt das Herz: wie mag’s meinem Manne, meinem Sohne, meinem Bruder gehen, der im Felde steht? Lebt er noch, oder liegt er irgendwo schwer ver wundet, oder ist er gar gefallen und begraben, ehe ich da von Kunde bekommen habe? Liebe Frau, ich möchte dir gerne ein Wort der Be ruhigung und des Trostes sagen. Und ich begleite es mit dem herzlichen Gebet, daß deine Seele wirklich Kraft und Mut gewinne aus dem, was ich dir sagen möchte. Wirkliche Kraft ist nicht in Menschenworten zu finden, aber im Worte Gottes ist Kraft. Und darum will ich dich an Worte Gottes erinnern, die imstande sind, dir Ruhe und Friede ins Herz zu geben. In Matthäus 10 sagt unser Heiland: „Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Dennoch fällt derselbigen keiner aus die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare «uf dem Haupt alle gezählt!“ Nicht wahr, an einem Sperling ist nicht viel gelegen? Ein Sperling hat keinen Wert. Und da kümmert Gott sich auch um die Sperlinge. Keiner fällt vom Dach, – ohne den Willen Gottes. Das sagt Jesus, der von sich sagen konnte: „Ich bin die Wahrheit.“ Es ist keine Übereilung, wenn Er so spricht, es ist wirkliche Wahrheit, es ist eine kostbare Tatsache: Gott kümmert sich auch um die Sperlinge. Ja, noch mehr, Er hat die Haare auf unserem Haupte alle gezählt. Nichts ist Ihm nebensächlich und geringfügig, gar nichts. Er kümmert sich um das Kleinste und Geringste. Und nun denke einmal, liebe bekümmerte Seele, wenn Gott sich so um den Sperling auf dem Dach und um das Haar auf dem Kopfe kümmert, sollte Er sich dann um deinen Mann, um deinen Sohn nicht erst recht kümmern? Der HErr Jesus sagt weiter: „So fürchtet euch denn nicht- ihr seid besser denn viel Sperlinge!“ Das ist gewiß, daß wir Menschen besser sind als viele Sperlinge. Haben wir doch eine unsterbliche Seele! Und war doch unsere Seele so wert geachtet in den Augen Gottes, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab, um unsere Seele zu erretten aus der Obrigkeit der Finsternis. Ja, aus Golgatha hat Gott den Beweis erbracht, wie viel Ihm an uns gelegen ist! Wenn es Ihm einerlei wäre, was aus uns würde, dann hätte Er das große Opfer nicht gebracht, für uns Seinen geliebten Sohn, unsern Heiland, in den Tod zu geben. Das war ein Opfer! Ein großes Opfer! Als Cr Seinen Sohn in diese Welt sandte, da wußte Er im voraus, daß die Menschen Ihn martern und kreuzigen und umbrigen würden. Und obwohl Er das wußte, hat Er das Opfer doch gebracht. Also hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab. Und wenn Er die ganze Welt also geliebt hat, dann hat Er deinen Mann, deinen Sohn auch geliebt. Ganz ge wiß, Er ist auch ein Gegenstand der Liebe Gottes. Je und je hat Gott auch ihn geliebt und nichts unversucht gelassen, ihn zu sich zu ziehen in großer Güte. Ja, lieber als du ihn hast und haben kannst, hat ihn Gott. Das mach dir einmal klar. Für ihn hat Gott Seinen Sohn gegeben, für ihn hat der Heiland Sein Leben gelassen. So lieb hat der HErr ihn. Wenn du auch jetzt von ihm getrennt bist, für Wochen und Monate, der HErr ist ihm nahe. Der HErr kümmert sich um ihn. Es ist wahr, was der Dichter gesagt hat: „Ts kann mir nichts geschehe«, Als was Dr hat ersehen.“ Das gilt auch von dem, um den deine Seele bangt. Wir sind ja keine Spielbälle in der Hand eines bloßen Zu falles! es ist ja kein blindes Ungefähr, das über uns herrscht. O nein, wir sind in der Hand Gottes. Leben und Sterben ist in Seiner Hand. So wie Er die Bahnen der Sterne am Himmel lenkt, daß sie ihren rechten Weg gehen und nicht zusammenstoßen, so lenkt Er auch die Bahnen der feindlichen Geschosse. Er kann bewahren im dichtesten Kugelregen. Ich las die Karte eines gläubigen jungen Mannes, der in dem furchtbaren Straßenkampf in Löwen gewesen war, wo unsere Soldaten mit einem wahren Hagel von Geschossen überschüttet wurden überall aus den Häusern heraus, und er war heil und unversehrt geblieben. Ich bekam eine Karte von einem gläubigen Unteroffizier, der mir schrieb, es seien in der Kompagnie außer ihm noch vier Bekenner Jesu. So mörderisch die Schlachten auch waren, die sie mitgemacht, keinem von diesen fünf war auch nur das Geringste geschehen. Ja, der HErr kann bewahren in der größten Gefahr und im heißesten Schlachtgetümmel. Und wenn Gott die Stunde noch nicht für gekommen hält, dann trifft deinen Mann, deinen Sohn keine Kugel – und wenn sie noch so dicht fliegen ! Denn es ist Wahrheit, was der Psalmist sagt: „Meine Zeit steht in Deinen Händen.“ Gott hat Ziel gesetzt und vorgesehen, sagt Paulus Apostelgeschichte 17, 26, wie lang und wie weit die Menschen wohnen sollen. Gott hat ein Ziel vorgesehen für jeden einzelnen. Darum stirbt kein Mensch auch nur eine Stunde eher, als Gott es bestimmt hat. Das ist gewiß. Wenn diese bestimmte Stunde noch nicht da ist, dann weiß Gott die Geschosse der Feinde so zu lenken, daß sie den Teuren, um den du bangst, nicht treffen. Also sei ohne Furcht, und lege deinen Mann, deinen Sohn in des HCrrn Hand. Aber etwas anderes möchte ich dich bitten, zu tun. Um ihn zu sorgen, das hat keinen Zweck. Bete für ihn, bitte den HErrn, daß Er ihn bewahre. Und bete für ihn mit doppelter Inbrunst, wenn seine Seele noch nicht gerettet ist. Das ist doch das Allerwichtigste. Darauf kommt alles an im Leben und im Sterben, daß unsre Seele gerettet ist durch den Glauben an das Blut Jesus Christi, daß zur Der- gebung unsrer Sünden am Kreuz geflossen ist. Bitte den HErrn, daß Er deinen Mann, deinen Sohn dahin bringe, sich dem Heilande hinzugeben von ganzem Herzen. Wenn er das tut, dann kannst du noch viel ruhiger sein, dann kannst du völlig getrost sein, denn wenn dann nach dem Ratschluß Gottes dein teurer Mann, dein geliebter Sohn nitt heim kehrt aus dem Kriege, dann weißt du doch, daß er heim gekehrt ist zu seinem Gott und Heiland, dann weißt du doch, daß er eingegangen ist in die große Herrlichkeit, die Gott uns bereitet hat. Gott hat ja allerlei Mittel und Wege, um mit den Herzen der Menschen zu reden. Er kann dazu Sein Wort gebrauchen, das der Feldprediger verkündigt, oder das ein Kamerad ihm sagt. Er kann dazu ein christliches Blatt ge brauchen, wie deren jetzt so viele hinausgeschickt werden zu den Soldaten ins Feld, Er kann dazu eine Verwundung ge brauchen, daß er im Lazarett zum Nachdenken kommt über seine Seele, ja, „Weg hat Er allerwegen, an Mitteln fehlt’s Ihm nicht.“ Und Er tut, was Er kann, Er läßt nichts un versucht, um auch seine Seele zu retten i davon kannst du überzeugt sein. Denn Gott hat ihn lieb. Vergiß das nicht! Um Jesu willen, der Sein Blut auch für ihn vergossen hat, hat Gott ihn lieb. So lege deinen Geliebten getrost und vertrauensvoll in des HErrn Hand. Gott wird auch an ihm Seine Gnade und Seine Barmherzigkeit beweisen. Sage Ihm, und vertraue Ihm, daß Er seine Seele er rettet, dann ruht er geborgen und sicher fürs Leben und fürs Sterben – in Gottes Hand.

Der Kriegsmann im Felde.

Sie stehen alle noch so lebendig vor unserer Erinnerung, wie sie begeistert und entschlossen hinauszogen zum blutigen Wasssnhandwerk, zu Kampf und Tod und Sieg. Und seitdem wandern unsere Gedanken immer wieder hinaus und umgeben unsere Helden mit heißen Gebeten. Daß sie wiederkehren möchten, das ist unser erster und größter Wunsch,- ob Gott ihn uns erfüllen wird, wer mag das wissen! Aber noch einen viel größeren Wunsch haben wir aus dem Herzen: Groß möchten wir sie sehen, unsere tapferen Borkämpfer einer großen, neuen Zeit, groß aber auch als ganze rechte Christen, die sich bewähren unter den vielen Versuchungen des Kriegslebens; groß gegenüber den großen, gewaltigen Aufgaben, welche Gott ihnen und uns gestellt hat. Und wenn sie dieses Flugblatt in die Hand bekommen, dann mögen sie sich von einem Freund, der sie lieb hat, und der täglich für sie betet, sagen lassen, was die schlichte, wahre Größe eines rechten Kriegsmannes ausmacht. Unsere Feinde im Westen, die Franzosen, haben sich wirklich darüber lustig gemacht, daß unser Volk beim Be ginn des Krieges seinen Gott wieder so ernstlich suchte, daß die Gotteshäuser sich füllten, daß unser Kaiser einen Bettag anordnete. Sie meinten, die Deutschen fürchten Gott, sonst nichts aus der Welt. Sie, die Franzosen, empfänden nicht einmal vor diesem Gott mehr Furcht; das war ihr Stolz. Wir haben uns von Herzen gefreut, daß so viele unserer Krieger zum Abschied noch einmal zum Tisch des HErrn kamen. Wir lasen daraus das innere Bedürfnis, mit Gott ins reine zu kommen, und das ist groß, denn nur mit Gott kann man Taten tun und getrost sein und freudig das Amt eines Kriegs mannes ausrichten (Ps. 91, 121- Rom. 8, 31 ff.). Und Gott will mit uns sein, weil Jesus unsere Sünden getilgt hat am Kreuze. Wer an Iesum glaubt, der hat Gott. „Mit Gott“, das ist die beste Parole in Not und Tod. Das wird auch allein davor bewahren, in rohes, leicht fertiges Wesen hineinzukommen. Die Gefahr dazu ist groß genug auf den blutigen Schlachtfeldern. Da gilt’s immer aufs neue sich dessen vergewissern, daß man nicht ins Feld gekommen ist, um einmal seinen niedrigen In stinkten zügellosen Lauf zu lassen und nur der Wut und Rachsucht das Regiment einzuräumen, sondern um dem Vaterland zu dienen, dem teuren, großen, und Haus und Herd zu wahren. Das gibt eine reine Flamme im Herzen, und die macht stark, dem Träger der Macht unseres Vaterlandes, unserm geliebten Kaiser und Kriegs herrn, die gelobte Treue zu halten. Unsere Krieger müßten alle etwas haben von der Größe und Reinheit unserer Freiheitskämpfer von 1813, wie eines Theodor Körner. Den heimischen Herd wollen sie wahren und decken mit dem Einsatz ihres eigenen Lebens. Gott sei Dank, daß in diesem Krieg alle unsere Krieger es wissen, daß nicht Ländergier oder sonst irgendwie ungerechte Interessen unseren Fürsten das Schwert in die Hand gedrückt hat, sondern die Abwehr wütender Feinde, die Deutschland zerstampfen wollten, um es nicht mehr stärker und größer werden zu lassen. So stehe es denn licht und groß vor den Augen unserer Krieger, was ihnen Gott am heimischen Herd in Vater und Mutter und im ganzen Heimatkreise gegeben hat. Und der Gedanke daran mache sie mutig und treu. Die Massen unserer Männer stehen draußen im Felde, gewaltige Heere, die wie von einem Willen beseelt sein müssen. Dieser eine Wille muß von der Führung aus gehen. Es ist wiederum eine große Gabe Gottes, daß er unserm deutschen Volke Führer gegeben hat, die schon bei den ersten Tagen der Mobilmachung bewiesen haben, daß sie imstande sind, solch ein Rieseninstrument kräftig und nachhaltig zu gebrauchen, und denen unsere Soldaten un bedingt vertrauen können. Aus solchem Vertrauen ent springt aber aliein der völlige, willige Mannesgehorsam, der, wenn er befohlen wird, in den Tod hineingeht. Solchen Gehorsam sollen Christen vor allem um des HErrn willen üben. Und wie leicht ist solcher Gehorsam in unserm Heer, in dem die Führer vorab alle Gefahren mit dem geringsten Soldaten auf sich nehmen in echt kameradschaft lichem Geist (Rom. 13, 1 ff.? 1. Petri 2, 13. 14). Kameradschaftlicher Leist! Das ist ein großer Sieg, wenn der einmal wahr wird, wonach wir uns in Friedens zeiten sooft vergeblich gesehnt haben, daß alle für einen jind und einer für alle. Das ist jetzt im Felde so. Mit dem Kameraden teilt der Krieger sein letztes Stück Brot, ibm n>“->‘!ndet er die Wunde, ihm steht er kräftig bei in jeder Gefahr, ihm drückt er die Augen zu zum letzten saMmmer, wenn die tödliche Ku el ihn dahingerafft. Du christlicher Kriegsmann, teile auch mit dem Kameraden dein Bestes und Schönstes, deinen Glauben an Christum Iesum, und fühle dich auch verantwortlich für seine Seele (Phil. 2, 2^ Zoh. IS, 13). Wie eine eherne Mauer, verbunden durch eine heilige Liebe zum Vaterlande, steht unsere Kriegerschar vor dem Feinde. Eine Mauer war sie im Osten und im Westen, die standgehalten hat, und zerschellt ist an ihr der Anprall der Feinde. Ja, wenn ich aber diesem Feind mit der Waffe wehren muß, muß töten und niederschlagen, bleibt da noch Raum fürs Christentum? Ganz gewiß! Ein Kriegsmann soll unter allen verrohenden Greueln des Krieges sein Gewissen nicht ersterben lassen. Gott schütze ihn, daß er rohe Gewalttaten meidet (Luk. 3, 14)- gegen Wehrlose bleibe er großmütig, auch wenn in Frankreich und Belgien ruchlose Weiber und irregeleitete junge Leute heimtückischen Mord üben. Sie müssen strenge bestraft werden- aber die andern mögen den Krieger immer wieder an seine eigenen Lieben erinnern. Nichts möge ihm einen Freibrief geben zur Entfesselung seiner fleischlichen Lüste im Feindesland. All sein Tun sieht der Gott, der alle Unzucht und fleischliche Lust haßt. Wer will, wird auch dem Feinde gegenüber, den wir bekämpfen, Gelegenheit genug finden sich als Christ zu beweisen. Und wir freuen uns, daß viele unserer Krieger schon manche dieser Be weise erbracht haben. Schließlich bleibt aber eins das Allerwichtigste: daß ich auch im Felde meine Seele nicht verliere, daß ich nicht vergesse, an mein innerstes Leben zu denken. Ich kann, wenn ich will, auch beim Schlachtengebrüll zu meinem Gott beten und einmal einen Augenblick Zeit finden, einen Spruch in meinem Testament zu lesen. Und wißt ihr, liebe Brüder, wann eure Seele ganz in Ordnung ist, wann sie ganz bei Gott ist und in Seinen Händen? Wenn ihr es ganz von Herzen glaubt: Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde! Ihr braucht das. Ihr könnt in furchtbare Not kommen) ihr könnt einmal geschlagen werden und fliehen müssen vor dem Feind. Die Kugel kann kommen, die euch vielleicht auf ein langes Leidenslager im Lazarett legt und euch ein Leben des Leidens eröffnet, oder die euch direkt vor Gottes Thron, zur Ewigkeit fordert. Womit wollt ihr dann anders bestehen, als mit diesem treuen Heiland, der die Treue hält, auch wenn alles andere wankt. Gott behüte euch, ihr treuen deutschen Herzen, und wenn ihr heimkehren dürft, mit Sieg gekrönt, wie wir hoffen, dann wollen wir miteinander den Siegesruhm unserm’Gott zu Füßen legen und im Friedenskleide mit einander arbeiten und ringen, daß unser Volk den Dank gegen Gott nicht vergesse. Gott schenke uns solche Sieges- freude! Frankfurt a. M. Pastor Or. Busch.

Hörst du`s?

Offb. 3, 20: „Siehe, Ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand Meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde Ich eingehen Wie doch so manche Worte der Schrift jetzt in der Zeit des Krieges eine so ganz andere Bedeutung bekommen als früher in den Tagen des Friedens! Auch dies altbekannte Wort redet jetzt zu uns ganz anders, als es früher der Fall war. Wie oft hat in vergangenen Tagen der HCrr bei uns angeklopft! Wie hat Er in Liebe und Gnade, in Lang mut und Geduld sich bemüht um unser Volk! In Kirchen und Versammlungshäusern, in Wort und Schrift hat Er gelockt, geladen, geworben, gerufen. Cr hat es nicht fehlen lassen. Und was war unseres Volkes Antwort aus soviel Liebe und Barmherzigkeit? Haben es nicht viele, viele wie die Samariter gemacht, von denen uns das Evangelium erzählt? Als Jesus aus dem Wege nach Jerusalem war, auf Seiner letzten Reise, da kam Cr durch Samaria. Und die Samariter – von Seinen Jüngern um Herberge für Ihn gebeten – schlössen die Türe vor Ihm zu. Sie hatten solchen Haß gegen Jerusalem, daß sie Issum nicht ausnahmen, als sie hörten, daß Er auf der Reise nach Jerusalem sei. Ach, und Er reiste nach Jerusalem, um dort zu sterben – auch für die Samariter! Wie schmerzlich war das für den HErrn, als Er nun nicht hatte, wo Er Sein Haupt hinlegen konnte! Aber wieviel schmerzlicher ist es für Ihn, wenn solche, die sich „Christen“ nennen, nicht auf Sein Klopfen achten und Ihm die Tür verschlossen halten! Die Samariter wußten nichts von Gethsemane und Golgatha, sie wußten nichts von dem Keeuz, an dem Jesus die Erlösung auch für sie vollbringen wollte. Aber wir wissen es, was Jesus für uns getan und vollbracht hat. Wir wissen es, was Er für ein Opfer gebracht hat zu unserem Heil. Das haben wir von Kindheitstagen an gehört und gelernt. Und dennoch! Wenn der Heiland klopfte – wie viele Türen blieben Ihm verschlossen! O, wie viele Samariter gab es und gibt es in der sogenannten Christenheit, auch in unserm lieben deutschen Volke! Warst du vielleicht auch so ein Samariter? Blieb vielleicht auch deine Tür dem Heiland verschlossen, der mit solcher Liebe sich auch um dich bemühte? Nun klopft Er in anderer Weise. Mit der Weise gewaltiger Ereignisse redet Er jetzt zu uns. Mit den langen, schmerzlichen Verlustlisten, wie mit gewaltigen Hammerschlägen klopft Er nun an die Herzen. Mit er schütternden und ergreifenden Nachrichten von den Kriegs schauplätzen klopft Er nun bei uns an. Ja, der HErr klopft an! Es ist dieselbe Liebe, die Ihn bewegt. Nur sind Seine Mittel jetzt andere geworden. Cr will nichts un versucht lassen. Cr will zu Seinem Ziele kommen. Und was ist Sein Ziel? Sein Ziel ist, daß wir aus Ihn hören und Ihm die Tür auftun, damit Er bei uns einkehren kann. Wird Er Sein Ziel erreichen? Wird unser Volk die Zeit erkennen, in der es heimgesucht wird? Noch ist Gnadenzeit, aber wie lange noch? Mein Herz zittert bei dem Gedanken, unser liebes deutsches Volk könnte die Stimme dieser großen Ereignisse, die Sprache dieses furchtbaren Krieges nicht verstehen. Dann – würde es reif sein zum Gericht. Dann würde Gott ein Ende machen – denn auch göttliche Geduld und Langmut geht einmal zu Ende! O, daß alle, die beten können, ins Heiligtum gehen und den HCrrn bitten möchten, daß Er in dieser ernsten Zeit den Geist der Buße ausgießen möchte auf unser Volk, daß wir das Klopfen des HErrn an unserer Tür verstehen und befolgen! Damit Er das Gericht durchführen könne zum Siege! Ein Gericht ergeht jetzt über die Völker. Nicht nur über unser Volk. Ein Gericht ergeht über Belgien, das die furchtbaren Kongogreuel verübt hat. Wie schonungs los verlangte die Regierung von den Eingeborenen die Lieferung des vorgeschriebenen Pensums Kautschuk! Wer es nicht leistete und lieferte, dem wurde die rechte Hand abgehauen. Körbe voll Hände wurden der Regierung abgeliefert zum Beweise, daß die Truppen ihre Befehle richtig ausgeführt hatten! Nun geht das Gericht über Belgien. Nun sinken die stolzen alten Städte dieses Landes mit ihren Prachtbauten und Kunstschätzen in den Staub. Nun geht das Gericht über Frankreich, über das Frankreich, das keinen Platz mehr für Gott hat, das Gott abgesetzt und entthront hat von Staats wegen, das Seinen Namen verbannt hat von seinen Münzen, aus seiner Eides formel, aus seinen Schulen. Nun geht das Gericht über Rußland, über das Ruß land, das die Stundisten verfolgt und nach Sibirien verbannt hat, aus keinem andern Grunde, als weil sie zusammen kamen, um die Bibel zu lesen und zu beten! Nun geht das Gericht über England, über das Eng land, das das kleine tapfere Burenvolk überfallen und mit gewaltiger Übermacht bezwungen hat, um es seiner Freiheit und Selbständigkeit zu berauben. Über das Eng land, das China das Opium aufgezwungen hat, um – ein Geschäft zu machen mil dem Ruin Chinas. Über das England, das die Asiaten aufhetzt gegen das deutsche Brudervolk. Nun geht das Gericht über England. Nun färbt das Blut seiner erlesenen Scharen den Boden Frankreichs. Ja, Gottes Gerichte ergehen über die Völker. Gottes Gerichte ergehen auch über unser Volk. Wird unser Volk darauf achten? Wird es die Stimme des HErrn, wird es Sein Anklopfen hören? Auf, laßt uns beten – öffentlich und sonderlich, ein sam und gemeinsam, daß der HTrr das Gericht über unser Bolk hindurchführe zum Siege! Daß Er zum Ziele komme mit der Heimsuchung dieses Krieges, die Er uns geschickt hat! Daß unser Volk es erkenne und verstehe: Der HErr klopft! Hörst du’s?

Unzerbrechliches Glück.

Ein Wort an die Hinterbliebenen gefallener Rrieger.

Vor kurzem las ich in einer Berliner Zeitung eine An zeige, in welcher mitgeteilt wurde, daß als erster seines Re giments ein Oberleutnant und Regimentsadjutant gefallen war. Er wurde bezeichnet: „Mein heißgeliebter Mann – unser guter Vater — mein einziger Sohn.“ Und unter dem Namen standen die sechs Worte: „Mit ihm zerbricht ein großes Glück!“ Ich habe den Gefallenen nicht gekannt. Ich kenne auch seine Frau und seine Mutter nicht. Und doch schnitten mir diese Worte durchs Herz. Ich konnte sie gar nicht wieder los werden aus meiner Erinnerung: „Mit ihm zerbricht ein großes Glück!“ Ich sah im Geist die alte Mutter, die ihren einzigen Sohn verloren hat, der ihre Freude und der Trost ihres Alters war. Ich sah die gebeugte junge Frau, die um den Mutten weint. Ich sah die großen Augen der beiden kleinen Mädchen und des kleinen Buben, die nun keinen Vater mehr Häven. Und dann klangen mir wie Totenglocken die Worte durch den Sinn: „Mit ihm zerbricht ein großes Glück!“ Ach, und wie vielen ist das so ergangen! Wie viele haben die gleiche schmerzliche Erfahrung gemacht in den Wochen und Monaten dieses Krieges! Da hat die Gattin den Mann verloren, der ihre Stütze und ihr Halt war, da beweint eine Mutter ihren Sohn – oder gar mehrere Söhne, da trauert die Braut um den Bräutigam, die Schwester um den Bruder. Wie viele haben es in diesen Wochen empfunden: „Mit ihm zerbricht ein großes Glück!“ Und immer noch geht der Krieg weiter, und immer neue Verlustlisten erscheinen. – – Auch du hast einen Verlust erlitten. Auch dein Herz blutet, da der Tod dir eine so ernste Wunde geschlagen hat. Auch du sagst mit zuckenden Lippen und mit nassen Augen: „Mir zerbrach ein großes Glück!“ Ich fühle mit dir. Ach kann deinen Schmerz verstehen. Auch mein Weg ging an schmerzlichen Gräbern vorbei, in die ich viel Liebe hineingesenkt hatte. Auch mir zerbrach ein großes Glück… Ja, das ist eine traurige Tatsache, die wir alle zu er leben bekommen, daß alles irdische Glück zerbrechlich ist. Ob früher oder später, ob auf dem Krankenbett oder auf dem Schlachtfeld – alles Erdenglück zerbricht einmal. Gott sei Dank, daß es ein Glück gibt, das zerbricht nimmermehr. Es gibt ein unzerbrechliches Glück. Das ist das Glück, ein Eigentum Jesu Ehristi, unseres Heilandes, zu sein. Wer Iesum kennen gelernt hat als seinen persön lichen Heiland, der kann mit den Kindern singen und sagen: „Weil ich Jesu Schäflein bin, der mich wohl weiß zu bewirten, freu ich mich nur immerhin der mich liebet, der mich kennt über meinen guten Hirten, und bei meinem Namen nennt.“ Du sagst vielleicht: Wohl dem, der das sagen kann! Der ist zu beneiden, der so zu singen vermag! Sicherlich! Aber laß dir einmal sagen, mein teures Herz, daß dies Glück der Gemeinschaft mit Jesus nicht das Vor recht einiger weniger Menschen, etlicher besonders glücklich veranlagter Naturen ist, sondern daß dies Glück für jeden zu haben ist, ja, daß Gott will, daß alle dieses Glück haben und besitzen sollen. Du schaust mich zweifelnd an. Aber es ist die Wahr heit. „Gott will, daß allen Menschen geholfen werde.“ Und diese Hilfe, von der die Rede ist in diesem Spruch, das ist die Hilfe, die Jesus unsrer Seele zuteil werden läßt, wenn Er uns alle unsere Sünden vergibt und uns zu Kindern Gottes und zu Erben des Himmels macht. Wenn wir das erfahren, dann ist uns nicht nur für kurze Zeit, dann ist uns für die Ewigkeit geholfen. Nun weiß ich ja gar nicht, wer du bist. Aber das weiß ich doch, daß der Herr Jesus in Seiner großen Liebe sich auch schon um deine Seele bemüht hat, um auch dich zu Seinem Eigentum zu machen. Du fragst, woher ich das weiß, wenn ich dich doch nicht kenne? Ich will’s dir sagen. Weil in meiner Bibel steht: „Solches tut der HErr an einem jeglichen zweimal oder drei mal, daß Er seine Seele herumhole vom Verderben.“ Wenn Er das an einem jeglichen tut, dann hat Er es gewiß auch bei dir getan. Besinnst du dich nicht daraus, wie in der Konfirmationszeit der HErr dich bat: „Gib mir dein Herz, und laß deinen Augen Meine Wege Wohlgefallen“? Sieh, da «warb Jesus um dich. Oder es war eine Krankheit, die dich überfiel. Gott schloß die Tür der Welt zu und nahm dich ganz in die Stille hinein. Cr wollte mit dir reden. Weißt du nicht mehr, wie da allerlei ernste Gedanken durch deine Seele gingen? Sieh, da warb Jesus um dich. Und es kamen Zeiten, wo Gott dir ein großes Glück schenkte, wo du die Liebe eines treuen Mannes gewannst. Sieh, wie der um dich warb, so warb Jesus um dich. Er wollte, daß ihr Ihm den ersten Platz geben solltet in eurem jungen Heim. Er wollte der HErr und König sein in eurem Hause. Nicht wahr, wenn du zurückblickst auf dein vergangenes Leben, dann fällt es dir ein, daß es solche Zeiten gegeben hat, wo du deutlich merktest, daß Jesus sich um deine Seele bemühte? Und sieh, das tut Er jetzt auch. Ja, jetzt sogar ganz besonders. Gerade um traurige und bekümmerte Herzen bemüht Er sich ganz besonders. Hat Cr doch die Müh seligen und Beladenen zu sich geladen und ihnen oersprochen: Ich will euch erquicken! Ja, das will Er, uno das tut Er, wenn man nur zu Ihm kommt und Ihm das ganze Herz mit all seiner Mühsal und Last bringt und gibt. Er kann es nicht mit ansehen, wenn die Menschen da hingehen ohne Friede und ohne Freude, ohne Trost und ohne Hoffnung. Er möchte uns so gern glücklich machen, ganz glücklich. Das war es ja, was Ihn veranlaßte, die Herrlichkeit zu verlassen, die Er bei Seinem Vater im Himmel inne hatte. Darum kam Er auf diese arme fluch- und schuldbeladene Erde, um uns zu befreien von der Schuld und Macht der Sünde, um eine ewige Erlösung zu vollbringen durch Sein Bluten und Sterben auf Golgaiha. Da hat Er unsere Sünde auf sich genommen. Da hat Er unsere Strafe getragen. Da hat Er unsere Schuld gesühnt. Da hat Er uns die Möglichkeit erworben zu einem großen, ewigen, unzerbrechlichen Glück. Wer zu Jesus kommt und es erfährt, daß Er uns alle unsere Sünde vergibt und heilt alle unsere Gebrechen, daß Er uns einen tiefen Frieden ins Herz senkt und die lebendige Hoffnung auf ein seliges Daheimsein bei Jesu im Licht — der hat dies unzerbrechliche Glück gefunden. O ja, wer sagen kann: „Er ist mein, und ich bin Sein, und niemand kann uns scheiden,“ der ist ein glücklicher und seliger Mensch. Wer das bezeugen kann: „An Christo habe ich die Erlösung durch Sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reich!um Seiner Gnade“ — der hat damit einen Schatz gesunde», der nicht nur für ein paar Erdenjahre Wert hat, sondern der seinen Wert hat und behält auch in den dunkelsten Stunden des Lebens, in Trübsal und Traurigkeit, in Not und Tod. Ja, wer dieses Glück gefunden hat, der kann nie un glücklich werden, auch wenn der Zug seines Lebens durch den dunklen Tunnel von Trübsalen und Heimsuchungen fährt. Wer Jesu sein Herz gegeben hat, daß Er es reinigte von aller Sünde und es erfüllte mit Seinem Heiligen Geiste, der hat ein Glück, das Kann nicht zerstört und getrübt werden. Gerade in dunklen Stunden beweist es sich, daß dieses Glück echt ist, gediegenes, massives Gold, das die Probe besteht. Da kann man mit dem Psalmisten Assaph sagen: „Wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde, und wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten, so bist doch Du, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ Ja, ein unzerbrechliches Glück! Ein Glück, das unser Leid verklärt mit himmlischem Licht und seligem Trost. Ein Glück, das mit uns geht, bis wir dies Jammertal vertauscht haben werden mit den goldenen Gassen im himmlischen Jerusalem. Und da wird’s erst recht völlig werden, dies Glück, wenn wir Ihn sehen werden, wie Er ist, wenn wir bei Ihm sein werden allezeit! Sieh, liebes Herz, dieses unzerbrechliche große Glück hat der HErr auch für dich bereit. Er hat es dir erworben und erkauft auf Golgatha durch Sein blutiges Opfer. Und Er bietet es Dir an – frei und umsonst. Du brauchst es nur anzunehmen, um es zu haben. Nimm Iesum auf in dein Herz, gib Ihm dein Leben zu eigen, daß Er es regieren kann als dein HErr und Gebieter, und es wird dein, nicht erst später, nicht erst allmählich, sondern sofort, alsbald, ein großes, unverlierbares, ewiges, ein unzerbrechliches Glück!

Friedensgedanken.

„Ich weis wohl, was Ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, bah Ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.“ Jeremia 19, II. /bedanken des Friedens – und nicht des Leides? Auf den ersten Blick sieht es nicht so aus, als ob das Wort heute wahr wäre, als ob es für unsere Zeit paßte. Wieviel Leid umgibt uns! Wohin wir blicken: überall sehen wir Leid, Leid, Leid. Wieviel Leid gibt’s da draußen im Felde, wo die Heere aufeinanderprallen, wo die Granaten heulen und die Maschinen gewehre rattern. Bald da, bald dort sinkt einer zu Boden, niedergestreckt von feindlichen Geschoß. Wie groß sind die Verluste in den Riesenschlachten dieses Krieges! Ich besuchte einmal das Schlachtfeld von Spichern. Noch ein gutes Stück Weges vom dem „roten Berge“ entfernt, den unsere Soldaten an jenem heißen Augusttage 1870 stürmten, fingen die Gräber schon an. Da und dort ein einsames Grab, in der Wiese, am Acker, unter den Bäumen. „Ein tapferer Krieger“ – kein Name, einer von vielen. Und dann erst am Abhang des Berges, da ist nicht mehr da ein Grab und dort ein Grab, nein, ganze Reihen gräber liegen da, epheuumsponnen. Und dazwischen Denk steine, die uns berichten, daß hier Offiziere im Sturm den Berg hinauf gefallen sind. Es ist etwas Furchtbares, so ein Schlachtfeld. Wie manches hoffnungsvolle, junge Menschenleben findet da seinen frühen Abschluß. Und was sind die Schlachtfelder von 1870 gegen dieSchlachtgefilde von 1914! Wieviel größere Ausdehnunghaben di« Schlachten dieses Krieges, wieviel größer sind die Heere, die sich gegenüberstehen, wieviel mörderischer die Waffen, wieviel größer die Verluste! Ach, wieviel Leid gibt’s da draußen auf den Schlacht feldern! Jemand, der wenige Tage nach der Schlacht die blutige Wahlstatt einer der letzten Schlachten besuchte, schrieb > darüber: „Wer so etwas mit ansieht, wird für das Leben ernst und still.“ Und Leid gibt’s in den Lazaretten, viel Leid. Es ist ja erwiesen, daß die Feinde sich besonders gefährlicher Ge schosse bedienen, die sehr schwere Verwundungen und innere Zerreißungen verursachen. Wie mancher wird lebenslang die Folgen dieses schrecklichen Krieges zu tragen haben, zum Krüppel geschossen! Und daheim in den Häusern, auch da Leid, viel Leid. Ganze Seiten der Zeitungen sind bedeckt mit schwarzumränderten Anzeigen, die den Heldentod eines im Kampfe Gefallenen melden. Mein Auge fällt auf die Todesanzeige eines Oberleutnants, der als erster seines Regiments gefallen ist. Er wird ge nannt „mein heißgeliebter Mann“, „unser lieber guter Bater“, „mein einziger Sohn“. Und unter dem Namen stehen die Worte: „Mit ihm zerbricht ein großes Glück.“ Wieviel Leid enthalten diese wenigen Worte, wieviel herzbrechendes Weh! Ich sehe im Geiste eine alte Dame im weißen Haar, das war seine Mutter. Er war ihr einziger Sohn. Denk die Worte einmal durch: ihr einziger Sohn! Und ich sehe eine junge Frau… unö große fragende Kinderaugen. Sie verstehen es nicht, warum die Mutter so bitterlich weint, sie wissen nicht, was es für sie bedeutet, daß ihr Vater nie mehr heimkehrt, nie mehr. Wie herzzerreißend ist solches Leid! Und das ist eine einzige Anzeige. Und so gibt’s Tausende und wieder Tausende! Wieviel Leid hat dieser Krieg im Gefolge! –  Da steht eine vornehme alte Dame auf dem Bahnhof und leitet die Versorgung der durchziehenden Truppen. Sie haben schon in Belgien geholfen, nun eilen sie in den Osten, um mitzuhelfen, das Land von den Russen zu befreien. Zuweilen fährt die Dame rasch mit der Hand über die Augen. Die anderen Helferinnen berichten es leise den fragenden Offizieren: Sie hat heute vormittag die Nachricht bekommen,  daß zwei Söhne in Frankreich gefallen sind, und daß ihr Mann schwer verwundet darniederliegt. Sie macht sich stark, sie ist ja eine Soldatenfrau. Aber da drinnen, da sitzt es doch, das Leid, das schmerzlich wehe Leid. Leid, Leid rings umher! Und doch sagt Gott: Ge danken nicht des Leides? Ja, so sagt Er. Und Er sagt so mit Recht. Gedanken des Friedens hat Er allewege, auch mit dieser schweren Heimsuchung, die über uns ge kommen ist. Er hat unser Volk lieb. Wohl hat es sich schwer gegen Ihn versündigt. Wohl sind viele abtrünnig geworden und von Ihm abgefallen- aber Er hat noch nicht aufgehört, unser Volk zu lieben. Auch dieser Krieg, dieser schwere, blutige Krieg, so schwer, wie nie ein Volk einen Krieg zu führen hatte, er beweist Gottes Liebe. Er konnte es nicht mehr mit ansehen, wie es bei uns zuging. Deutsche Sünde schrie zu Ihm gen Himmel. Bei reich und arm, bei hoch und niedrig dasselbe Bild. Alles Bitten und Mahnen durch Sein Wort war umsonst. Man hörte nicht mehr darauf. Man wollte sich ausleben. Da griff Gott ein. Man sagt, die Kanonen seien die ultima ratio i eZum, der letzte Beweisgrund der Könige. Wenn es gar nicht mehr anders ginge, heißt es, müßten die Kanonen sprechen. So ist auch ein Krieg die ultima ratio unseres Gottes. Es ist das letzle Mittel, das Er zur An wendung bringt. Aber auch mit dem Kriege, den Er ver hängt, hat Er Friedensgedanken. Er will nicht den Krieg, Cr will den Frieden. Er will durch den Krieg hindurch den Frieden. Er will, daß die Menschen, aufgeweckt und auf geschreckt aus ihrer Gleichgültigkeit und Sicherheit durch das Krachen der Geschütze und das Wirbeln der Trommeln, sich nach dem Frieden umsehen, d^r besser ist als alles, nach dem Frieden mit Gott. Er will, daß sie sich bekehren zu dem, von dem der Apostel gesagt hat: Er ist unser Friede, Jesus, der Friedefürst. Das ist’s, was Er will! Friedenshunger will Er wecken, Hunger nach dem Frieden, der höher ist als alle Vernunft, Hunger nach Jesus. Das will Er bei unseren Soldaten da draußen im Felde. Das will Er auf dem Schmerzenslager im Lazarett. Das will Er im Witwenstüblein und im leer gewordenen Elternhause. Friedensgedanken hat unser Gott. Auf den Frieden arbeitet Er hin, auf wahren, wirklichen, bleibenden, ewigen Frieden. Stillbewußt arbeitet Er damit hier in Freud und Leid, auf allerlei Weise. Weil Er Frieden geben wollte in eine friedelose und friedeleere Welt hinein, darum gab Er Seinen Sohn dahin in Not und Tod, ans Holz des Fluches, ans Kreuz von Golgatha. So sehr sehnte sich Gott danach, uns diesen Frieden zu geben, daß Er Seines eigenen Sohnes nicht ver schonet, sondern Ihn für uns alle dahingab. Ja, mehr wie ein Menschenherz sich nach diesem Frieden sehnen kann, sehnt sich Gott danach, diesen Frieden geben zu können. Aber Er kann ihn nur geben, wo die Herzen offen sind, offen für den Heiland. Wo man Iesum ausnimmt, da kehrt der Friede ein. Da wird es ganz stille, auch mitten im tiefsten Leide. Und wenn auch das Auge voll Tränen ist, im tiefsten Grunde des Herzens wohnt doch der Friede, tiefer, dauernder Friede. Denn Jesus ist unser Friede. O, mein teures Herz, hast du diesen Frieden? Kennst du diesen Frieden? Diesen Frieden, von dem Paulus bezeugt: „Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern HErrn Iesum Christum“ ? Kennst du diesen Frieden durch eigene Erfahrung, durch seliges Erleben? Ach, daß es Ihm gelänge, uns zu geben das Ende, des wir warten! Ja, mehr noch, als wir aus ein gutes Ende dieses Krieges warten, wartet Er daraus, sehnt Er sich danach! Er möchte Frieden geben, Frieden in die feindlichen Völker, Frieden in die Häuser, die bisher noch kein Bethel, kein Gotteshaus waren, Frieden in die Herzen, die noch ohne Gott in der Welt sind. Friedensgedankenhat Gott – mit unserem ganzen Volk- mit jedem einzelnen. — O, daß die Menschen es einsehen möchten, daß sie umkehrten aus ihrer Friedelosigkeit und suchten den, der Frieden hat, weil Er selber der Friede ist, Jesus, unser Heiland! Dann würden sie es erfahren, getröstet über all das Leid dieses Krieges,dankbar für die Gabe Gottes in Christo Jesu, daß Gott nicht Gedanken des Leides über ihnen hatte, sondern — Friedensgedanken!

Bist du mit Gott in Ordnung?

In der großen Schlacht vor Paris wurde am 19. September ein Vizefeldwebel der Reserve schwer verwundet. Seine Kameraden trugen ihn in das nächste Feldlazarett. Dort ist er am 20. September seiner Verwundung erlegen. Auf dem stillen Friedhof zu Filain, einem kleinen französischen Dorf, hat er seine letzte Ruhestätte gefunden. Er starb im jugendlichen Alter von 23 Iahren den ehrenvollen Tod für das Vaterland. Dieser junge Krieger hatte gut sterben, denn er war mit Gott in Ordnung. Es war ihm nicht möglich gewesen, sich persönlich von seinen Eltern zu verabschieden, wie das seine anderen vier Brüder, die auch zu den Fahnen eilten, tun konnten. So verabschiedete er sich durch einen Brief. Einige Zeilen dieses Briefes möchte ich hier zum Abdruck bringen; sie lauten: „Meine Sache mit Gott ist in Ord nung? das ist mein Trost und fei auch der Cure. Wie viele unglückliche Menschen haben diesen Trost nicht. meiner Andacht heute las ich; »Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen.« Wie ist das köstlich! Gott sucht unser Volk schrecklich heim; aber dadurch, daß wir, Seine Kinder, mitgehen, wird hoffentlich manche Frucht für Ihn gebracht werden. Möge ich ein rechtes Licht sein! Darum bittet Gott. Nun lebt wohl! Sollten wir uns hier nicht wiedersehen, dann sehen wir uns beim HErrn wieder, und dort wird es herrlich sein! (Gott wird abwischen alle Tränen usw.) Für alle Eure Liebe vielen Dank!“ Ferner schrieb er am 31. Juli an seinen Bruder u. a. folgendes: „Sollte es zum Kriege kommen, so wird es jedenfalls der schreck lichste, der je gewesen. Ich bitte Gott um eins, daß  Er mir Mut und Kraft geben möchte, treu meine Pflicht zu tun. Da ich weih, daß meine Sache mit Ihm in Ord nung ist, kann ich getrost sterben, weiß ich doch, ob wir leben oder sterben, wir in Ihm sind.“ Nicht wahr, lieber Leser, an diesem tapferen Krieger sehen wir, daß man getrost und freudig in den Tod gehen kann, wenn man mit Gott in Ordnung ist. Bist auch du mit Gott in Ordnung? In der Schlacht bei Lüttich erhielt ein Hauptmann einen Kopfnuß. Tot sank er zu Boden. Als dieser Hauptmann den Mobilmachungsbefehl in die Hand be kommen hatte, ging er in die Stille und kehrte erst zurück, nachdem er alle seine Angelegenheiten mit Gott geordnet halte, und dann zog er wohlgemut in die Schlacht, Frau und Kinder dem lebendigen Gott befehlend. Willst du jetzt auch mit Gott in Ordnung kommen? Wenn ja, dann lies diese kleine Schrift ganz zu Ende. Ich will dir in ihr den Weg zeigen, den du gehen mußt, um die Gewißheit zu erhalten, die der junge Vize feldwebel hatte, und die er in den obigen Abschiedsbriesen seinen lieben Verwandten kundtat. Wenn du mit Gott in Ordnung kommen willst, dann mußt du 1. deine Sünden vor dem HErrn bekennen. Er sagt Hosea 14, 2 u. Z: „Bekehre dich zu dem HErrn, deinem Gott, denn du bist gefallen durch deine eigene Schuld. Nimm diese Worte mit dir und bekehre dich zu dem HErrn und sprich: Vergib mir alle meine Sünden.“ Wenn du dem HErrn deine Sünden aufrichtig bekennst, dann wirst du die Wahrheit des Wortes erfahren: „So wir unsere Sünden bekennen, so ist Gott treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reiniget uns von aller Untugend“ (I.Ioh. 1,9). Tritt jetzt mit all deinen Sünden ins Licht vor Gottes Angesicht, und dann glaube, daß das Blut Jesu Ehristi, des Sohnes Gottes, dich rein macht von aller Sünde. Wenn es dir möglich ist, auch vor einem gläubigen Seelsorger, dem du es anmerkst, daß er den Heiland lieb hat, deine Sünden zu bekennen, dann ist es ein herrliches Vorrecht und ein gutes Hilfsmittel, den Trost der Ver gebung der Sünden und Friede und Freude zu erhalten. Unbedingt nötig ist aber solch ein Bekenntnis vor Menschen nicht. Der Schacher am Kreuz hatte auch keine Gelegenheit mehr, dem HErrn alles zu bekennen und ging doch mit Jesus direkt ins Paradies. Was ihn rettete, war sein Glaube, und nur der Glaube an Jesus Christus allein rettet auch dich. 2. Willst du also mit Gott in Ordnung kommen, dann mußt du an Christus glauben. Niemand kommt zum Vater, als nur durch Ihn. Wenn jener Sohn in seinem obigen Abschiedsbrief seinen Eltern schrieb: „Sollten wir uns hier nicht wiedersehen, dann sehen wir uns bei dem HErrn wieder“, so konnte er nur deshalb so schreiben, weil er gläubig geworden war an den HErrn Iesum. Er hatte seinen Heiland schon, wie ich weiß, mit 15 Iahren gefunden. Bist du auch schon zum Glauben gekommen? Lebst du täglich im Glauben? Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Glauben ist aber mehr als bloßes Fürwahrhalten. Wenn du den Glauben besitzen willst, der dich mit Gott in Ordnung bringt, dann mußt du dich dem Heiland an vertrauen. Glauben heißt Sichanvertrauen. Wem man sich anvertraut, dessen Art und Wesen bekommt man. Wenn du dich dem Schornstein anvertraust, wirst du schwarz; wenn du dich der Mühle anvertraust, wirst du weiß? wenn du dich der Sünde anvertraust, wirst du immer sündiger; wenn du dich aber Christus anvertraust, wirst du ein Christ. Christus hat dich aufs völligste erlöst. Er ist für uns zur Sünde gemacht. Lies Iesaja 53. Er ist das Lamm Gottes, das da trägt die Sünde der Welt, auch deine Sünde. Wenn du dich Ihm anvertraust, dann kannst du bekennen. Ich hah vergessen meine Sünd, Als war sie nie geschehn. Du sprachst zu mir: Sei still, Mein Kind, Du mußt auf Mich nur sehn! Man Kann nicht mit Gott in Ordnung sein, wenn man nicht die Gewißheit der Vergebung der Sünden hat, wenn man nicht weiß, daß man Gottes Kind ist, wenn man nicht die Hoffnung des ewigen Lebens besitzt. Diese Gewißheit versiegelt uns der HErr durch den Heiligen Geist. Lies Epheserl,17: „Er hat uns gesalbt und ver siegelt mit dem Geist der Verheißung.“ Den Heiligen Geist empfängt man in dem Augenblick, wo man gläubig wird an Christus, und dieser Geist wird uns in dem Maße vermehrt, als unser Glaube an Christus erstarkt und wächst. Wenn wir uns Christus anvertrauen mit unseren Sünden, dann vertraut Cr sich uns an durch Seinen Geist. 3. Deshalb bete und rufe Ihn an, daß Cr durch Seinen Geist in dir Wohnung mache und dich regiere. Er will wohnen bei denen, die zerschlagenen und gede mütigten Geistes sind. Höre, was Er in Seinem Wort uns versprochen hat. Er sagt: „Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben, und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben,‘ Ich will Meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in Meinen Geboten wandeln und Mein« Rechte halten und danach tun“ (Hesekiel 36, 26.27). Wenn sich dieses Wort an dir erfüllt hat, dann wird dir Friede und Freude nicht fehlen, dann wirst du deine Straße fröhlich ziehen, du wirst das Zeugnis in dir haben, daß du ein Kind Gottes bist, und du wirst wie unser junger Freund bekennen können: „Meine Sache ist mit Gott in Ordnung.“ Jener in Frankreich gefallene Krieger schrieb, als er eine blutige Schlacht hinter sich hatte und dann unter vieler Entbehrung tagelang nicht aus dem Schützengraben gekommen war, an seine Eltern: „Ach, wäre doch dieser blutige Krieg bald zu Ende,“ doch setzte er glaubensfreudig hinzu: „Was viel köstlicher ist, ich habe einen wunder baren Frieden Gottes in meinem Herzen.“ Dieses Glück wünsche und erflehe ich auch dir, mein Leser! Du wirst es aber erst dann haben dich seiner freuen können, wenn auch dein Bekennt^ lamLt- Meine Sache ist mit Gott in Cassel. Heinrich Dallmeyer.

An unser Volk.

Küsset den Sohn, daß Er nicht zürne und ihr umkommet aus dem Wege, denn Sein Zorn wird bald entbrennen. Aber wohl allen, die auf Ihn trauen! Psalm 2, 12. ist unstreitig so, daß gegenwärtig ein religiöser Zug durch unser Volk geht. Man geht wieder zur Kirche, man betet wieder, auch die Soldaten im Felde und die Verwundeten in den Lazaretten verlangen nach Seelsorge und nach Gottes Wort. Das ist gewiß sehr erfreulich. Aber wenn man genauer zusieht, bekommt man den Eindruck, daß das Christentum vieler Leute in unserm Volk nur einen Glaubensartikel hat. Sie glauben an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde. Damit ist ihr Glaubensbekenntnis ge jagt. Mit dem Sohne Gottes wissen sie nichts anzufangen. Der spielt keine Rolle in ihrem Leben. Und doch steht geschrieben, daß in keinem andern Heil ist, 5aß auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben ist, darin sie können selig werden, als allein der Name Jesus Christus! Und doch hat Jesus gesagt: Niemand kommt zum Vater denn durch Mich! Und doch wissen wir, daß Gott also die Welt geliebt hat, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Mit der Allerwelts-Religion vom „lieben Gott“, mit dem landläufigen Glauben an den „lieben himmlischen Vater“ kommen wir nicht durch. Darum ergeht die Botschuft an uns: Küsset deü Sohn‘ Darauf kon.r’t’s an, daß wir Jesus als unserem Könige huldigen und mit Ihm in Liebesqemeinschaft kommen. Denn der Kuß, zu dem der Psalmist im Namen Gottes auffordert, ist ein mal ein Kuß der Huldigung und dann ein Kuß der Liebe. Wenn ein neuer Papst erwählt ist – wir haben es ja kürzlich erst erlebt dann küssen ihm die Kardinäle, aus deren Milte er hervorgegangen ist, den Fuß. Das ist das Zeichen der Huldigung. Oder man küßt Fürstinnen und Königinnen die Hand als Zeichen der Huldigung. So ist die Aufforderung: „Küsset den Sohn!“ eine Auf forderung, dem HErrn Jesus zu huldigen als unserm König und HErrn. An wen ist diese Aufforderung gerichtet? An Rebellen und Empörer, die miteinander wider den HErrn und Seinen Gesalbten ratschlagten und sprachen: „Laßt uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!“ Wenn Gott zu ihnen sogen würde: Weil ihr nichts von Mir habt wissen wollen, will Ich auch nichts von euch wissen; Ich verbanne euch von Meinem Angesicht. Fort von Mir! – dann könnte niemand sich be klagen, daß ihm unrecht geschehen sei. Es wäre der rechte Lohn für ihren Widerstand und ihre Empörung. Aber nein, so spricht Gott nicht. Er sagt zu den Empörern nicht: Fort von Mir! Mir aus den Augen! Sondern Er sagt: Küsset den Sohn! Er hat auch für die noch Gnade und Barmherzigkeit. Was für ein wunderbarer Gott! Was für ein barm herziger und liebevoller Gott! Weil die Aufforderung „Küsset den Sohn!“ sich im zweiten Psalm an Rebellen richtet, darum habe ich die Freiheit, dieses Wort auch in unser Volk hineinzurufen. Darum gilt es auch unserm deutschen Volke in diesen Tagen: „Küsset den Sohn!“ Hat’s nicht auch viel Abfall und Empörung in unserm Volk gegeben? Ach, wie viele waren es, die auch in den Ruf einstimmten gegen den großen Gott im Himmel und gegen den Heiland, den Er uns zum Mittler gegeben: „Lasset uns zer reißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!“ Wie oft hat Gott die Spötter und Verächter zur Buße aufgefordert. Jetzt noch einmal, mit besonderer Gewalt, ergeht die Aufforderung zur Huldigung an unser Volk: „Küsset den Sohn!“ Huldigt Ihm als eurem Könige! Wie steht’s mit dir, liebes Herz? Hast du den Sohn schon geküßt? Hast du dem Heiland schon gehuldigt? Aufgefordert dazu bist du schon oft. Ganz gewiß! Aber hast du schon die Herrschaft über dein Lel en auf Seine Schulter gelegt? Liebe Seele, denke einmal daran, was Jesus für dich ge- tan hat! Wie Er aus Liebe zu einer verlorenen Welt sich in den Tod gegeben hat, auch für dich! Denk einmal daran, „daß Er dürstend rang um deine Seele, daß sie Ihm zu Seinem Lohn nicht fehle – und dann auch an dich gedacht, als Cr rief: Es ist vollbracht!“ O, was hat Jesus getan für dich! Er hat Sein Blut als Lösegeld gegeben, um dich loszukaufen von der Obrigkeit der Finsternis und von der Macht der Sünde. Und du – du hast dich nicht um Ihn gekümmert? Du hast nicht nach Seinem Wort und Willen gefragt? So hast du Seine Liebe belohnt? So hast du mit Undank Sein Opfer beantwortet, das Er für dich gebracht hat? „Küsse den Sohn!“ so rufe ich dir heute zu. Huldige dem HErrn! Es ist geit, vielleicht höchste Zeit. Ich weiß nicht, wie lange noch Gnadenzeit ist. Der Psalmist sagt: „Denn Sein Jörn wird bald entbrennen!“ Auch göttliche Geduld, auch himmlische Langmut hat einmal ein Ende! Wehe dir, wenn du es vergissest und versäumst, dem König Jesus zu huldigen, solange es noch Gnadenzeit ist. Es kommt die Stunde, wo alle Knie sich vor Ihm beugen werden, wo alle Jungen bekennen werden, daß Jesus Christus der HErr sei – aber wer die Huldigung verschiebt bis nach dem Tode, der wird dem HErrn huldigen mit Heulen und Wehklagen. Für den kommt die Huldigung zu spät! Huldige Ihm jetzt! Küsse den Sohn! „Daß Cr nicht zürne und ihr umkommet auf dem Wege!“ Umgekommen auf dem Wege, wie schmerzlich ist das! Da reitet eine Patrouille aus, um die Stellungen des Feindes zu erkunden. Plötzlich blitzt und knallt es aus dem Walde zur Seite – die Patrouille kehrt nicht zurück – sie ist umgekommen auf dem Wege. In der Schweiz sieht man oft Holzkreuze am Wege stehen, die dem Wanderer verkünden: An dieser Stelle ist an dem und dem Tage der Soundso von einer Lawine verschüttet worden Umgekommen auf dem Wege! Wieviel schmerzlicher noch ist es, wenn jemand aus dem Wege zum ewigen Ziel umkommt, wenn er das Ziel der Herr lichkeit nicht erreicht! Wie schmerzlich wäre das, wenn es auch von dir heißen müßte: Umgekommen aus dem Wege! O, huldige dem HErrn! Küsse den Sohn! Noch ist es Gnadenzeit! Schiebe es doch nicht mehr auf, Ihm zu huldigen! Denn wenn du Ihn geküßt hast mit dem Kuß der Huldigung, dann erhebt Er dich aus dem Staube, dann zieht Er dich an Sein Herz, dann gibt Er dir den Kuß Seiner Liebe. Ja, küsset den Sohn! – das heißt nicht nur: huldigt Jesus! Das heißt auch: liebet Ihn! Wie herrlich wird dann unser Leben, wenn wir mit Ihm in Liebesgemeinschaft treten dürfen! Wie reich, wie glücklich sind die, welche es bezeugen können: Er ist mein, und ich bin Sein, und niemand kann uns scheiden! Was für ein inniges, zartes Liebesverhältnis ist es, das wir mit dem HErrn haben dürfen! Nichts ist Ihm nebensäch lich und unbedeutend, was wir Ihm sagen. Alles dürfen wir mit Ihm besprechen. Und Er hat ein Ohr für uns und ein Herz, das in Liebe für uns schlägt. Wir dürfen mit Ihm auf stehen und mit Ihm durch unsere Tage gehen. Wir dürfen Ihn um alles bitten, wir dürfen aus Seiner Fülle nehmen Gnade um Gnade. Und das Brünnlein Gottes versagt und versiegt nie. Es hat immerdar Wassers die Fülle. Es ist gar nicht auszusagen, wie herrlich ein Leben in der Gemeinschaft Jesu ist! Die Welt meint, ein Leben in der Liebesgemeinschaft des HErrn sei ein armseliges Leben, ein fortwährendes Entsagen und Entbehren und Verzichten, — o nein, o nein! Ein Leben in der Gemeinschaft Jesu, das ist das herrlichste und seligste Leben, das sich denken läßt. Das erfährt jeder, der es wagt und – dem König Jesus huldigt. Ja, es ist das einstimmige Bekenntnis und Zeugnis aller, die sich Ihm übergeben haben: „Wohl allen“ – das heißt soviel wie: Glückselig alle, „die aus Ihn trauen!“ Ja, glückselig! In Zeit und Ewigkeit, in Freud und Leid, im Leben und im Sterben! Und darum komm, solange du noch Zeit hast, solange es noch Gnadenzeit gibt, und folge der Aufforderung des Wortes Gottes: „Küsset den Sohn, daß Er nicht zürne und ihr um kommet auf dem Wege; denn Sein Zorn wird bald entbrennen. Aber wohl allen, die auf Ihn trauen!“

Nicht Tod, sondern Leben! Ein Wort für furchtsame Gemüter.

Wenn der HErr Lust hätte, uns zu töten — so hätte Er uns auch nicht solches alles erzeiget, noch uns solches hören lassen, wie jetzt geschehen ist. Richter 13, 23. Dies Wort ist in den letzten Wochen gar nicht aus meinem I) Sinn gekommen. Es ist eine Fülle von Trost und Kraft in diesem Worte. Darum möchte ich es heute weitergeben. Vielleicht, daß sich auch andere über das Wort freuen und über die Wahrheit, die in demselben enthalten ist. Es ist ein Wort aus dem Munde der Mutter Simsons. Der Engel des HErrn war ihr erschienen und hatte ihr ge sagt, daß sie einen Sohn bekommen sollte, der ein Verlobter Gottes und ein Erlöser Israels aus der Hand der Philister sein sollte. Ties bewegt von der Votschaft und von der Gegen wart des geheimnisvollen Mannes brachten Manoah und sein Weib ein Opfer dar. Und siehe da, als die Lohe ausfuhr von dem Altar gen Himmel, da fuhr der Engel des HErrn in der Lohe des Altars hinauf. Da erkannte Manoah, daß es der Engel des HErrn war. Erschrocken sprach er zu seinem Weibe: „Wir müssen des Todes sterben, daß wir Gott gesehen haben.“ Daraus gab sein Weib die weise Antwort: „Wenn der HErr Lust hätte, uns zu töten, so hätte Er uns auch nicht solches alles erzeigt, noch uns solches hören lassen, wie jetzt geschehen ist.“ Nicht wahr, das ist ein Wort voll tiefer Wahrheit? Wenn Gott Manoahs Tod gewollt hätte, dann hätte Er ihm nicht erst Seinen Engel geschickt und ihm solche Verheißungen gegeben. Darum war Manoahs Furcht ganz unbegründet. Es gibt auch viele Manoahs unter uns. Wenn man mit ihnen über die großen Siege unserer Truppen im Westen spricht, dann sagen sie: „Ja, gewiß, – aber das arme Ost preußen!“ Und wenn man sie dann an den großen Sieg von Tannenberg erinnert, dann sagen sie: „Jawohl, aber England!“ So stecken sie immer in der Furcht und denken immer: Schließlich werden wir doch besiegt, und das Ende all unserer Siege ist zum Schluß doch eine Niederlage! Solchen Manoahsselen möchte ich heute ein Wort der Ermutigung sagen. „Wenn der HCrr Lust hätte, uns zu töten, – d. h. wenn Er den Untergang Deutschlands be schlossen hätte, – so hätte Er uns auch nicht solches alles erzeigt, noch uns solches hören lassen, wie jetzt geschehen ist. Unsre Feinde haben daraus gerechnet, daß beim Aus bruch des Krieges die Sozialdemokraten den Massenstreik proklamieren und damit Unruhen im Innern erregen würden. Sie haben ferner mit Sicherheit darauf gerechnet, daß Elsaß- Lothringen das deutsche „Joch“ abschütteln würde, daß sich vielleicht auch die Polen in Posen und Westpreußen erheben würden. Bei so vielen inneren Feinden habe dann Deutsch land keine Kraft, sich gegen die äußeren Feinde zu wenden. War es falsch, daß sie so rechneten? Sie hatten Grund genug für ihre Annahme. Noch am Dienstag derselben Woche, die am Freitag die Erklärung des drohenden Kriegs zustandes und am Samstag die Mobilmachung brachte, wurden in Verlin viele große Volksversammlungen gehalten, in denen aufs schärfste gegen den Krieg protestiert wurde. Nach diesen Versammlungen versuchten die Teilnehmer eine große Kund gebung „Unter den Linden“ und vor dem Schloß zu veran stalten. Sie wurden von der Polizei daran verhindert. Also wahrscheinlich genug war es, daß die Sozialdemokraten ihr Vorhaben ausführen und den Massenstreik erklären würden. Und haben nicht die Vorkommnisse in Iabern und anderswo im Elsaß bewiesen, wie weite Kreise der Bevölke rung im Herzen französisch geblieben sind? Und wer etwas von den Hetzereien der polnischen Zei tungen wußte, der konnte wohl auch auf einen Polen-Auf- stand gefaßt sein. Wenn Deutschland mit diesen inneren Schwierigkeiten zu tun bekommen hätte, dann war es natürlich verloren in diesem furchtbaren Kriege. Aber statt eines von innerem Aufruhr zerwühlten Volkes stand mit einem Male ein einziges Volk da, das alle Partei unterschiede vergaß und sich fest und treu um seinen Kaiser scharte und ihm gelobte: „Mit Golt für Kaiser und Reich!“ Das konnte kein Mensch voraussehen. Das hat wohl niemand geahnt, daß es so gehen würde. Das hat Gott getan! Ja, wenn Gott den Untergang unsres Volkes gewollt hätte, dann hätte Er nicht diese wunderbare Einigung unsres Volkes gewirkt. Wenn Gott Deutschlands Vernichtung be absichtigt hätte, dann hätte Er es so gehen lassen, wie unsre Feinde es dachten, und wie es der Wahrscheinlichkeit entsprach! Wenn Gott uns hätte töten wollen, so sage ich mit Manoahs Weib: so hätte Er uns nicht solches alles erzeigt! Dann hätte Er nicht diesen Sturm der Begeisterung gewirkt, in dem sich fast zwei Millionen Freiwillige meldeten! Und dann die herrlichen Siege! Wie schnell folgten sie aufeinander! Noch war der Aufmarsch unsrer Truppen nicht vollendet, da war schon Lüttich mit stürmender Hand genommen. Und dann ging’s Schlag auf Schlag und Sieg um Sieg. Hat Manoahs Weib nicht recht? Wenn der HErr Lust hätte, uns zu töten, uns zu vernichten, dann hätte Cr uns nicht solches hören lassen, wie jetzt geschehen ist. Die großen Taten, die wir gehört haben, sind nicht nur herrliche Waffentaten unsres tapferen Heeres, es sind Taten Gottes an unserm Volk! Gott will nicht unfern Tod, Er will unser Leben. Er hat noch Aufgaben und Aufträge für unser Volk in der Zukunft. Davon bin ich überzeugt auf Grund der großen Ereignisse und Gottestaten der letzten Wochen. Aber wenn Gott uns Seine Aufgaben übertragen soll, dann muß Er ein Volk finden, das Ihm die Ehre gibt, das sich beugt unter Seine gewaltige Hand. Wenn Gott uns den Sieg gäbe — ich meine nicht ein zelne Siege, sondern den endgültigen Sieg, der den Krieg beendet -, ohne daß wir Buße getan und uns vor Gott gebeugt haben über unfern Abfall, über unsre Gottlosigkeit, dann – ich sage es mit schwerem Herzen, denn ich habe unser Volk lieb, aber ich muß es sagen —: dann kann ich

nur zittern, was dann aus Deutschland würde. Wenn wir den Sieg bekämen, ohne innerlich erneuert zu sein, das gäbe einen Größenwahn, der entsetzlich wäre. Da wäre kein Raum mehr für Gott. Da wäre nur ein maßloses Selbstvertrauen und Kraftbewußtsein, das keinen Gott mehr braucht. Dann ginge es abwärts mit unserm Volke, so herrlich auch seine Machtstellung nach außen hin sein würde. Dann käme der Hochmut vor dem Fall. Darum, wenn Gott Seine Absichten ausführen soll, wenn Gott uns noch eine große ZuKunst geben soll, dann muß unser Volk sich in den Staub beugen vor dem heiligen Gott, den es nicht geehrt hat, vor dem HErrn, unserm Heiland, den es vergessen und verachtet hat. Wenn wir das tun, dann wird’s wahr werden: nicht Tod, sondern Leben! Und dazu müssen wir alle mitwirken. Mit unserm Zeugnis und mit unserm Gebet, mit Schriftenverbreitung unterm Heer und in unserm Volke, daß unser Volk die Ab sichten Gottes erkenne, die Er mit unserm Volke hat. O, daß es wahr werden möchte über unserm geliebten Volk und Vaterland:

Nicht Tod, sondern Leben!

Ein Freundeswort an unsere Soldaten.

Es war beim Sturm auf Lüttich. Zwei Kompagnien waren im Sturm aus die Festung blutig zusammen gebrochen. Da bekam die dritte Kompagnie den Be fehl zum Sturm. Es schien der sichere Tod. Da befahl der Hauptmann: „Helm ab zum Gebet!“ Und dann blickte er gen Himmel und betete um den Sieg. Dann ging’s zum Sturm. Und siehe da, in demselben Augenblick erschien ein Zeppelin in den Lüften und brachte durch seine Bomben Verwirrung in die Reihen der Ver teidiger, und – diese betende Kompagnie gewann den Sieg. Es ist noch immer wahr, was einst Ernst Moritz Arndt gesagt hat, der fürwahr ein echt deutscher Mann war: „Wer ist ein Mann? Wer beten kann und Gott dem HErrn vertraut!“ Da möchte ich dich fragen als ein Freund, der es gut mit dir meint: Betest du? Ach, wie viele schämen sich zu beten! Sie meinen, es sei unmännlich. Sie meinen, das sei etwas für Kinder und Frauen. O nein, das ist etwas für Männer! Das ist etwas für Soldaten. Ich meine sogar, daß gerade für Soldaten das Gebet so besonders nötig und wichtig wäre. In wieviel Gefahren und Schwierigkeiten kommt ihr doch hinein! Was für Entbehrungen und Mühsale gibt es durchzumachen im Felde, aus den langen Märschen, im Biwak, im Schützengraben, wenn die Granaten sausen, und beim Sturmangriff auf den verschanzten Feind. Wie gut, wer dann beten kann, wer dann aufschauen gelernt hat zu dem lebendigen Gott, der in Christo Jesu unser Vater ist! Wie gut, wenn man sich für Leben und Sterben, für Zeit und Ewigkeit in die durchgrabenen Hände unseres Heilands befehlen kann! Wie wunderbar vermag der HErr zu bewahren bei den Entbehrungen langer Märsche und im Feuer heißer Schlachten l , Ich weiß von einem Soldaten, der tagelang nichts zu essen bekommen hatte. Er war völlig erschöpft. Da seufzte er betend: „Ach, HErr, hilf mir doch!“ Und siehe da, da kam ein Huhn – er lag nahe bei einem Dorfe – bis ganz in seine Nähe und legte ein Ei. Das nahm der erschöpfte Soldat mit einem Dankesblick aus den Hörer seines Gebets und bekam neue Kraft und neuen Mut. So könnte ich dir viele Geschichten erzählen, die es alle beweisen, daß unser Gott ein lebendiger Gott ist, der auf unser Flehen und Beten hört. Du kannst solche Ge schichten auch erleben, wenn du nur von der Erlaubnis des Vetens Gebrauch machst. Denn sieh, du mußt nicht denken, daß das Beten ein Müssen wäre, o nein! Es ist ein Dürfen, ein herrliches Dürfen! Wir dürfen uns in allen Lagen und Fragen an den HCrrn wenden. Er hat ja gesagt: „Rufe Mich an in der Not, so will Ich dich erretten, und du sollst Mich preisen!“ O, fange wieder an zu beten, wenn du es vielleicht auch als unmännlich abgeschafft hattest. Und du wirst sehen, wie Gott aus dein Flehen antwortet! Es ist eine so sehr traurige Sache: manche denken: Beten sei unmännlich, aber Fluchen halten sie für männ» lich. Manche suchen geradezu etwas darin, so recht läster lich zu fluchen. Weißt du, daß das Fluchen auch eine Art von Gebet ist, aber eine traurige Art? Wie oft kann man den schrecklichen Fluch hören, daß Gott einen verdammen möchte! Wie furchtbar ist das! Gott möchte uns so gerne selig machen. Dazu hat Er Seinen eingebornen Sohn für uns dahingegeben in den blutigen Tod am Kreuz. Dazu hat Cr die Sünde aller Welt, auch meine und deine, auf Issum gelegt, damit wir durch Sein Opfer gerettet würden – und es gibt Menschen, die wünschen sich die Verdammnis! Was für ein Schmerz ist das für Gott, der ein solches Opfer für uns brachte! Und für den Heiland, der einen so hohen Preis für uns bezahlte! Er möchte die Menschen so gern selig machen – und sie wünschen sich fluchend die Verdammnis! O, du machst dir ja gar keine Vorstellung davon, was das heißt: Verdammnis! Der HErr Jesus sagt davon: „Wo der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.“ Der Wurm, der nicht stirbt, das sind die nagenden Ge wissensbisse: Ach, wenn ich doch! Ach, war ich doch! Und das Feuer, das sind die brennenden Selbstankilagen, die Liebe Gottes mißachtet und das Blut Jesu Christi mit Füßen getreten zu haben. Jede Not und Schwierigkeit auf Erden geht einmal zu Ende, auch der längste Marsch, und der heißeste Schlachttag. Aber die Verdammnis bringt hoffnungslose Verzweiflung. Ein Dichter beschreibt in einer Dichtung den Eingang zur Hölle. Über ihrem Tore steht die Inschrift: Ihr, die ihr eintretet, laßt alle Hoffnung dahinten! Denk einmal an den reichen Mann im Evangelium, von dem Jesus erzählt. Wie der in der Hölle und in der Qual war, sah er Lazarus von ferne in Abrahams Schoß und rief: „Vater Abraham, sende Lazarus, daß er das Äußerste seines Fingers ins Wasser tauche und kühle meine Junge, denn ich leide Pein in dieser Flamme!“ Da wird der reiche Mann zum armen Bettler. Er bettelt um einen einzigen Tropfen Wasser, und – er bettelt umsonst! Soll das auch einmal dein Los sein? Das wäre ja schrecklich! Mein Freund, ich bitte dich, fluche nicht mehr! Wünsche dir nicht mehr, daß Gott dich verdammen möge! Und brauche auch die andern Flüche nicht mehrl Es ist eine schwere Sünde gegen den heiligen Gott. Du weißt ja, daß Er gesagt hat: „Du sollst den Namen des HTrrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HErr wird den nicht ungestraft lassen, der Seinen Namen mißbraucht.“ Das hast du doch einst in der Schule gelernt. Und ich Ich weiß von einem Soldaten, der so frech spottete und lästerte – ich habe den Brief selbst gelesen, der davon erzählte – da kam eine Granate und riß ihn in Stücke. O schrecklich, so sterben zu müssen! Dazu ist uns der heilige Name Gottes nicht gegeben, daß wir ihn durch Fluchen entweihen. Wir sollen Ihn cmrufen in allen Nöten — und Er will uns erretten. So wie man den HErrn durch Fluchen betrübt und verunehrt, so erfreut und ehrt man Ihn durch Veten, Loben und Danken. So wie das Leben arm und elend wird durch das leidige Fluchen, so wird es reich und ge segnet, wenn wir betend in Verbindung mit Gott treten. O ich bitte dich, knüpfe diese Verbindung mit Gott an! Es steht geschrieben: „Wer den Namen des HErrn anrufen wird, der soll errettet werden.“ Rufe Ihn an, und Er vergibt dir deine Sünden und heilt alle deine Gebrechen, Er erlöst dein Leben vom Verderben und krönt dich mit Gnade und Barmherzigkeit. Wie wird dein Leben so reich, wenn Gott in Ehristo Jesu dein Vater wird! Wie kommt Segen von oben aus all dein Tun, wenn du dich betend in allen Dingen an den HErrn wendest und Ihn um Hilfe und Kraft, um Rat und Weisung bittest. Sicherlich, wenn du meinen Rat befolgst und das Fluchen läßt und wieder mit dem Gebet des Herzens beginnst, um in lebendige Verbindung mit dem HErrn zu treten, dann wird dein Leben ein ganz anderes werden, und du wirst mir in der Ewigkeit noch danken für dies Freundeswort!

Der beste Schutz.

Ein Wort der Mahnung an unsere Soldaten. von Pastor Ernst Moöerfohn, Saö ölan^nburg. mmer wieder höre ich, wie viele Soldaten in den Krieg gezogen sind mit einem sogenannten „Himmelsbrief“ auf der Brust, der sie in den Gefahren des Krieges schützen soll. Vielleicht hast du auch so einen Schutzbrief. Dnnn möchte ich mit dir ein paar Worte darüber reden. Oder hast du Kameraden, die ihr Vertrauen auf diesem Himmelsbries setzen. Dann bitte ich dich herzlich, dieses Älatt ihm‘ zum Lesen zu geben. Wer der Meinung ist, daß dieser Himmelsbrief ihn vor den Kugeln des Feindes schützt, der täuscht sich. Ich weiß von einem jungen Manne, dem seine Mutter auch so einen Himmelsbrief mitgab ins Feld, Man machte ihn darauf aufmerksam, daß das Unglaube und Aberglaube sei – aber er ließ sich nicht belehren Er vertraute fest auf seinen Himmelsbrief. Am 18. September wurde er trotz dieses Schutzbrieses verwundet, und zwar nicht in heißem Kamps, sondern auf dem Rück wege vom Verbandsplatz. Sein Himmelsbrief hatte ihn nicht geschützt. Ein andrer Fall. Am 17. September nachmittags war ein heißes Gefecht, in dem wir ziemlich große Ver luste hatten. Unter andern wurde ein Landwehrmann durch den Unterleib geschossen. Er starb kurze Zeit darauf, nachdem man ihn aus der Feuerlinie getragen hatte. Als man dem Toten die Erkennungsmarke, Uhr, Notiz buch usw. abnehmen wollte, um die Sachen abzuliefern, da fand man aus seiner Brust auch – den Himmelsbrief. Es hilft also weder gegen Verwundung noch gegen den Tod, wenn man diesen Brief bei sich trägt. Es ist also eine Lüge, wenn dieser Himmelsbrief verspricht: „Wer den Brief in seinem Hause hat oder bei sich trägt, dem wird k^ein Donnerwetter schaden, und ihr sollc ir Feuer und Wasser behütet werden.“ Ganz arg ist auch die Behauptung des Briefes: „Diesen Brief soll einer dem andern geschrieben oder gedruckt zukommen lassen, und wenn ihr so viel Sünden getan hättet, als Sand am Meere, Laub auf den Bäumen und Sterne am Himmel sind, sollen sie euch vergeben werden, wenn ihr glaubet und tut, was dieser Brief euch saget und lehrt; wer das aber nicht glaubet, der soll sterben.“ Durch diese Worte – und auch durch andre, die ich gar nicht alle abschreiben mag – kennzeichnet sich dieser angebliche Himmelsbrief als eine Zauberformel, als ein wirklicher Höllenbrief. Der Teufel will nicht, daß die Menschen ihr Vertrauen auf den lebendigen Gott setzen, darum gibt er ihnen dies Stück Papier in die Hand, daß sie sich auf dieses Stück Papier verlassen sollen. Das ist die Sünde der Zauberei, die dieser „Himmels brief“ treibt, und es ist sündlicher Aberglaube, auf ihn zu vertrauen. Was ich hier von dem „Himmelsbrief“ sage, das gilt auch von dem kleinen Schriftchen „Die sieben heiligen Himmelsriegel“. Es ist auch nichts anderes als Anleitung zur Zauberei, die sich auch hier in ein frommes Gewand kleidet, um desto ungehinderter ihr Wesen treiben zu können. Wie furchtbar, auf so ein elendes Stück Papier sein Vertrauen zu setzen und sich einzubilden, es könne vor Not und Tod beschützen und bewahren! Wie viele haben darauf vertraut und sind zuschanden geworden und haben — zu spät! – erkannt, daß sie betrogen waren! Das ist gerade das Furchtbare und Satanische an diesen Himmelsbriefen und Himmelsriegeln, an den Amu letten und Talismanen: sie lenken das Vertrauen von Gott ab. Anstatt daß man sich mit Leib und Leben in Gottes Hand befehlen würde, vertraut man auf ein Stück Papier und geht zugrunde! Ein Oberleutnant, der die Aufgabe hat, Hab und Gut der Gefallenen in die Heimat zu befördern, berichtet, daß etwa jeder dritte Mann von den Gefallenen so einen Schutzbrief Habs! Und sie haben alle ihr Vertrauen darauf gesetzt und sind doch dahingerafft, von ihrem Schutzbrief belogen und betrogen! Mein Freund, ich weiß dir einen andern Schutz, einen wirklichen Schutz. Der 91. Psalm sagt: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HErrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Denn Er errettet dich vom Strick des Jägers und von der schädlichen Pestilenz. Cr wird dich mit Seinen Fittichen decken, und deine Zuversicht wird sein unter Seinen Flügeln.. Ja, das ist ein Schutz, ein wirklicher Schutz, wenn man sich in kindlichem Vertrauen in Gottes Hand besohlen hat. Wer sich von Herzen seinem Gott und Heiland ergeben hat, der ist geborgen mit Leib und Seele, für Zeit und Ewigkeit. Wie wunderbar haben das schon viele in diesem mörderischen Krieg erfahren, daß der HErr sie ganz auf fällig behütet und bewahrt hat! Was für köstliche Ge schichten von der bewahrenden Gnade Gottes in heißem Gefecht erzählen manche Feldpostbriefe! Und selbst wenn die feindliche Kugel dem Leben ein Ende machte, dann ist auch nichts verloren, im Gegenteil, dann geht es in die große Herrlichkeit, in die ewige Seligkeit. Und in so einem Fall, wenn man sich dem HErrn Jesus ergeben und anvertraut hatte, ist Sterben kein Verlust, sondern Gewinn, der allerherrlichste und allerköstlichste Gewinn. Ja, das ist der beste Schutz, wenn man seine Seele in die durchgrabenen Hände Jesu Christi legt. Er ist im stande, zu bewahren und zu erretten in aller Not und Gefahr. Und wenn Er das nicht tut, sondern ruft uns durch einen seligen Tod ab, dann geht’s heim in die ewige Heimat. Wie macht das in aller Not und Gefahr so getrost und ruhig, wenn man weiß: Ich bin Sein, und Er ist mein, und niemand kann uns scheiden! Mit solcher Gewißheit im’Herzen kann man ganz anders kämpfen, als wenn man so einen elenden Zauber brief im Brustbeutel hat. Darum bitte ich dich, lieber Freund, fort mit dem Himmelsbrief, fort mit aller Zauberei und Aberglauben! Vertrau dich deinem Gott an! Gib dich in lebendigem Glauben deinem Heiland zu eigen, der dich erkauft mit Seinem Blute, daß du Sein Eigentum sein solltest, und du erfährst es in allen Lagen des Lebens, und wenn es sein soll, auch im Sterben, das ist – der beste Schutz!

Unseren Verwundeten.

Auf dem Bahnhof in G. war’s, da mußte ich umsteigen /Z und mit mir viele andere. Der Zug fuhr nur bis G. Deshalb hieß es: „Alles aussteigen!“ Unter den Reisenden, die den Zug verließen und nun wartend auf dem Bahnsteig standen, waren auch verwundete Soldaten. Einer trug den linken Arm in der Binde. Er hatte, wie so viele, einen Schuß in den linken Arm be kommen, den er beim Schießen ausgestützt hatte. Ein anderer hatte den ganzen Kopf verbunden. Es schien, als ob er den Kops kaum wenden könnte, als ob alles steif wäre. Oben aus dem Verband, der den Kops fest umwand, saß schief eine Feldmütze. Der Verwundete machte ein Gesicht wie einer, der eine Last aus dem Kopfe trägt und sich müht, sie im Gleichgewicht zu erhalten. Es waren noch mehr Soldaten im Zuge gewesen, Angehörige der verschiedensten Waffengattungen. Aber sie alle waren noch nicht im Felde gewesen. Sie waren eben erst eingezogen oder taten als Landsturmleute Garnison dienste. Sie machten mit einer gewissen Ehrerbietung den beiden Verwundeten Platz, als die an den Tisch heran traten, an dem mehrere junge Mädchen mit dem roten Kreuz auf der Armbinde Erfrischungen bereithielten. Die Verwundeten bekamen zuerst etrm-.s. Sie waren die Ehren gäste des Tisches. Dann erst kamen die anderen Soldaten. Sie erkundigten sich bei dem Bahnhofsinspektor wegen der Weiterfahrt. Mit der größten Bereitwilligkeit wurde ihnen Auskunft erteilt. Ja, der sonst so beschäftigte Inspektor hatte Zeit, eine Weile bei ihnen stehen zu bleiben und sich mit ihnen zu unterhalten. Ein Herr trat auf sie zu und zog aus seiner Zigarren- tasche eine Zigarre nach der andern heraus. Erst der eine und dann der andere, dann wieder der eine und dann der andere. So lange? bis die aus beiden Seiten gefüllte Zigarrentasche leer war. Und dazu lachte der Herr über das ganze Gesicht und freute sich, daß die beiden seine Zigarren nahmen. Ein Kellner kam mit dem Restaurationswagen an gefahren. „Bier! Kognak! Zigarren! Zigaretten!“ Er blieb in der Nähe der beiden Verwundeten mit seinem Wagen stehen. Er vergaß seinen gewohnten Ruf. Er stand und sah die beiden Soldaten an. Ein junger Herr trat an den Wagen heran. „Haben Sie Zigaretten?“ „Jawohl!“ Der Kellner reichte ihm ein kleines Schächtelchen. „Kostet?“ „Zehn Pfennig!“ Der junge Herr kaufte und reichte das Schächtelchen dem einen. Und er Kausie noch eins und gab’s dem andern. Sie dankten und steckten ihre Schächtelchen ein. Eine Dame kam an den Kellner heran. „Haben Sie nichts für die beiden?“ „Vielleicht Zigaretten?“ fragte er und reichte ihr wieder so ein Schächtelchen. Sie kaufte und schenkte. Ich hatte noch ein paar Traktate in der Tasche. Die anderen waren schon verteilt. Aber es waren gerade noch ein paar „Unser Dank“ und „Im Lazarett“ übrig. Sie sagten danke und steckten sie ein. So ging’s weiter. Einer nach dem andern kam, um ihnen etwas zu schenken. Sie dankten und steckten es ein, was man ihnen gab. Sie blieben dabei ganz ernst haft. Taten die frischen Wunden so weh, daß sie nicht lachen oder lächeln konnten – oder war es zu schrecklich gewesen, was sie bei Nieuport gesehen hatten? Es war merkwürdig, dieser tiefe Ernst in den jungen Gesichtern. Aber warum kamen sie denn alle und schenkten ihnen etwas? Sie alle hatten einen Eindruck davon: die haben für mich geblutet! Damit ich zu Hause meinem Geschäft nach gehen könne, damit ich in Ruhe bei Weib und Kind bleiben könne, haben diese Männer sich dem Feinde ent gegengeworfen. Sie haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt – um meinetwillen. Sie haben ihr Vlut vergossen – für michl Es war der Herzensdank, der aus all diesen Gaben sprach. Man wollte etwas von der großen Dankesschuld abtragen, die wir alle haben gegen unsere feldgrauen Krieger, gegen unsere Toten und gegen unsre Verwundeten. Verwundete! Ich muß gestehen, daß es mich jedesmal bewegt, wenn ich einem Verwundeten begegne. Ich kann jenen Vorschlag verstehen, den eine Zeitung kürzlich gemacht hat, man solle die Verwundeten grüßen. Ja, das haben sie verdient. Sie haben für uns Entbehrungen gelitten. Sie haben für uns gekämpft. Sie haben für uns geblutet. Aber wie ich so zusah, wie einer nach dem andern kam, um den Verwundeten etwas. zu schenken, da kam mir der Gedanke an einen andern Verwundeten, der auch für uns verwundet wurde, und der — von so vielen über sehen und verachtet wird. Der Verwundete, den ich meine, heißt Jesus. Er ist verwundet-, schrecklich verwundet worden, – aber niemand hat Ihn verbunden. Wie haben die Dornen Seiner Krone Ihm die Stirn zerrissen — und niemand hat sie Ihm verbunden! Wie haben die Geißelhiebe Seine Schultern, Seinen Rücken zerfleischt und zerfetzt — und dann hat Cr mit diesen zerschlagenen Schultern das schwere Kreuz tragen müssen! Wunden hat man Seinen Händen und Füßen geschlagen, lange, große Nägel hat man hin durchgetrieben, um Ihn damit zu befestigen an die Balken des Kreuzes. Ach, wie sehr haben sie Ihn verwundet! Und keine linde Hand, die Ihn gepflegt hätte! Und die, für die Er litt und starb, die gehen an Ihm vorüber und achten Seiner nicht! Menschenherz, Er ist um unserer Missetat willen ver wundet und um unserer Sünden willen zerschlagen! Um meiner und um deiner Sünden willen! Hast du Ihm schon gedankt? Nicht wahr, wenn du einem verwundeten Soldaten begegnest, dann wird dein Herz warm und weit, ihm zu denken, ihm etwas zu schenken, was ihn erfreuen könnte? Mer für den großen Verwundeten, der Sein Vlut für dich vergoß aus Golgatha, für den hast du keinen Blick und keinen Dank? Sieh, damit wir in Ruhe unserm Beruf nachgehen könnten, haben unsere Soldaten geblutet. Dafür sind wir ihnen so dankbar. Und damit wir glückliche und selige Menschen sein könnten in Zeit und Ewigkeit, dafür hat Jesus geblutet. Und wo ist dein Dank für Ihn? O, übersieh den großen Verwundeten nicht! O komm, wenn du noch nicht gekommen bist, und bringe Ihm deinen Herzensdank I Sag Ihm endlich: „Ich danke Dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, für Deine Todesschmerzen, da Du’s so gut gemeint.“ Aber bring Ihm nicht nur Worte! Bring Ihm dein Herz, bring Ihm dein Leben! Das ist der rechte Dank. Das macht Ihm die größte Freude, wenn du dich Ihm hingibst, wenn dein ganzes Leben Ihm geweiht wird, ein Lohn für Seine Schmerzen, ein Dank für Seine Wunden. Immer wieder gehen Liebesgaben an die Front und in die Lazarette. Laßt uns über den Kämpfern in Feindes land den großen Kämpfer von Golgatha nicht vergessen! Laßt uns über den Verwundeten, denen wir unsern Dank und unsere Liebe beweisen, den großen Verwundeten nicht vergessen, der Sein Leben gab zu unserem ewigen Heile! Dann wird unser Leben selig und unser Sterben ein mal fröhlich, wenn wir unser Herz in Dankbarkeit und Liebe Ihm gegeben haben, wenn Er ‚mser persönlicher Heiland geworden und gewesen ist. Darum mahne ich dich — um deines Heils und deiner Seligkeit willen – vergiß den großen Verwundeten von Golgatha nicht!

Ein gefährlicher Feind.

Ein Wort der Mahnung an unsere Soldaten.

Ein gefährlicher Feind? Wer mag damit gemeint sein? Sind das die belgischen Franktireurs, die aus dem Hinterhalt schießen? Oder sind das die indischen Gurkhas mit ihren langen Messern? Oder die Kosaken, die so sinnlos morden und die Menschen verstümmeln? Nein, an alle diese Feinde denke ich nicht. Deutsche Tapferkeit und deutscher Heldenmut fürchtet sich vor diesen Feinden nicht. Aber einen Feind gibt es, der besiegt, ach, so viele tapfere deutsche Soldaten. Das ist die Sünde der UnKeuschheit, das ist „die Pestilenz, die im Finstern schleicht,“ „die Seuche, die im Mittag verderbet,“ die Unzucht. Auch in diesem Kriege richtet diese Seuche traurige Verheerungen an unter unsern Soldaten. Viele, die in Sturm und Regen ausgehalten haben, denen auch das lange Liegen in den Schützengräben nicht geschadet hat, die werden kampfunfähig gemacht durch die Sünde der Ausschweifung, die müssen ins Lazarett, von ekelhaften Krankheiten befallen. Ist das nicht eine Schmach und Schande für deutsche Soldaten in einer so ernsten, in einer so großen Zeit? Das Vaterland rechnet auf euch und euertt tapferen Arm – und ihr versagt? Das Vaterland erwartet von euch Schutz und Schirm – und ihr liegt krank im Lazarett, nicht verwundet durch das Geschoß des Feindes, auch nicht zusammengebrochen durch die Anstren gungen des Krieges, o nein, sondern kampfunfähig gemacht durch eure eigene Schuld und Sünde! Was für“ in Jammer ist das! Da ist zu Hause sine einsame Frau, die Tag und Nacht an den fernen Gatten denkt, er füllt alle ihre Sinne und Gedanken aus, und ihr Gatte – schändlich zu sagen – gibt sich mit fremden Weibern ab. Auf was für einer Stufe müssen wohl solche Weiber stehen, die sich den Landesseinden an den Hals werfen! Die müssen doch den letzten Rest von Scham und Jucht von sich geworfen haben, die dazu imstande sind! Und mit solchen doppelt ehrlosen fremden Weibern lassen deutsche Soldaten sich ein? Mit solchen Dirnen geben deutsche Landwehrleute und Landsturmmänner sich ab? Es wäre nicht zu glauben, wenn nicht so viele Feldpostbriefe das uns als eine traurige Tatsache berichteten. Da betet eine Braut für den fernen Geliebten, mit Ungeduld wartet sie auf seine Nachrichten. Sie malt sich aus, wie sie ihn empfangen will, wenn er ruhmgekrönt, als Sieger, heimkehrt. Dann soll die Hochzeit sein…. Und der Mann, der ihr Herz gewonnen hat, der bricht ihr die Treue und hängt sich an ein fremdes Weib! Ist das nicht, um blutige Tränen darüber zu weinen? O, mein Freund, du erwartest von deiner Frau in der Heimat, daß sie dir die Treue hält, daß sie keinem andern Manne Haus und Herz öffnet, — und du? Du brichst ihr die Treue? Du brichst die Ehe? Wie willst du denn einmal deiner Frau unter die Augen kommen, wenn diese Schuld zwischen dir und deinem Weibe steht? Wie willst du ihr in die Augen sehen, wenn sie dich fragt, ob du ihr treu geblieben bist? Und vielleicht, nein, wahrscheinlich bringst du ihr nicht nur ein beladenes und beschwertes Gewissen mit heim, sondern auch einen von der Sünde durchseuchten und ruinierten Leib. Wie schrecklich, wenn die arme Frau und die Kinder leiden müssen, lebenslang, unter den Folgen deiner Ausschweifung während des Krieges! Wenn dein armes Weib angesteckt wird von diesem mörderischen Gift, wenn deine Kinder mit dieser ent setzlichen Erbschaft belastet durchs Leben gehen und siech und elend dahinsterben müssen! Mann, Mann, bedenke, was du tust! Du träumst von einer glücklichen Heimkehr, von einer schönen Zeit nach dem Kriege, wenn du wieder zu Hause bist – und dabei untergräbst du das Glück der Zukunft und den Frieden deiner Ehe durch die Sünde, die dich nach Leib und Seele zugrunde richtet! Laßt euch doch nicht vorreden, der Umgang mit Weibern sei nötig, um gesund zu bleibeui Das ist doch blutiger Hohn! Ihr wißt doch selbst, wie viele in den Lazaretten liegen, von gemeinen Krankheiten angesteckt! Denkt doch an eure Lieben daheim, die an euch in Liebe denken, die in Treue sich nach euch sehnen! Denkt an die alte Mutter, an die liebende Frau, an die sehnsüchtige Braut! Denkt an eure Gesundheit, die ihr zugrunde richtet, daß ihr lebenslang vielleicht die Folgen zu tragen habt! Die Krank heiten, die man sich auf diese Weise zuzieht, sind ja so sehr schwer heilbar. Und wenn sie äußerlich geheilt zu sein scheinen, so bleibt doch meistens etwas im Blut zurück, das früher oder später wieder hervorbricht! Denkt an euer Vaterland, das von euch erwartet, daß ihr mit starkem Arm und scharfem Schwert die Heimat schützt und unserm Volke einen ruhmreichen Frieden erkämpft. Und da liegt ihr – ruhmlos bezwungen von fremden Weibern, in elenden Krankheiten darnieder, gelähmt, kampfunfähig gemacht durch die Sünde! Denkt an den heiligen Gott, der euch einmal vor Gericht fordern wird! Wie bald kann das sein! Da braucht nur ein Schrapnell den Weg zu euch zu finden – im Schützengraben oder auf dem Marsche, beim Löhnungsappell oder im Feldlazarett, und ihr müßt vor Gott erscheinen, von dem geschrieben steht: „Die Hurer und Ehebrecher wird Gott richten“ (Hebr. 13, 4). Mancher mag von seiner Kompagnie und seinem Regiment gerühmt werden als Held und Sieger, und vor Gott steht er da als ein Sklave seiner Lust, ein Überwundener durch die Sünde! Ewig verloren! Wie furchtbar ist das! Ich habe dich lieb, mein Freund, und ich habe unser deutsches Volk lieb. Darum schreibe ich diese Worte der Mahnung und der Warnung an dich. Ja, sagst du, aber die Versuchung ist so groß! In der Heimat, in geordneten Verhältnissen, da ist es leichter, siegreich zu sein und die Verführung abzuweisen! Das ist gewiß wahr! Da draußen, wo man dich nicht kennt, wo du dich unbeobachtet weißt, ist die Gefahr gewiß größer als daheim. Aber gibt es nicht doch einen Weg, um diesen gefährlichen Feind zu besiegen? Ich weiß einen Weg. Du mußt deine Zuflucht nehmen zu dem gekreuzigten Heiland Jesus. Er hat Sein Blut und Leben gegeben, um uns zu erlösen, daß wir keine Sklaven der Sünde sein und bleiben müssen. O, komm zu Ihm! Gib Ihm dein Herz, daß Er es durch Sein Blut rein wasche von aller Sünde, und daß Er es durch Sein Blut bewahre vor der Sünde! Und wenn du in Gefahr kommst, – hinter der Front, bei den Bewachung?- und Vesatzungstruppen – dann richte den Blick aus den Gekreuzigten, der am Kreuze hing und starb, um dich aus aller Gewalt des Teufels und der Sünde zu erretten. Und der Blick des Glaubens und Betens, den du auf den Gekreuzigten richtest, hat eine wunderbare, bewahrende Kraft. Du kennst doch noch den alten Vers, den du einst in der Schule gelernt hast: „Fällt mir etwas Arges ein, so gedenk ich Deiner Pein, die erlaubet meinem Herzen mit der Sünde nicht zu scherzen.“ Ja, mein Freund, im Kreuz ist Friede, ist Heil und Leben und Seligkeit! Willst du als ein ehrlicher Mann einst deinem treuen Weibe begegnen, willst du als ein freier Mann mit un beschwertem Gewissen einst deiner Braut die Hand reichen, dann wende dich zum Kreuz von Golgatha. Sag es dir vor in der Stunde der Versuchung! „Es quillt für mich, dies teure Vlut, das glaub und fasse ich, es macht auch meinen Schaden gut, denn Christus starb für mich!“ Und du wirst Sieg haben über diesen gefährlichen Feind!

Heimatlos.

Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da Er Sein Haupt hinlege. Matth. 8, 20. heimatlos! Was für ein trauriges Wort! Wie liebt man sein Heim, seine Heimat! Ob das eine Gegend ist, die große landschaftliche Reize hat, die von vielen Fremden be sucht und durchwandert wird, oder ob sie aller Reize bar ist — Heimat ist Heimat. Die Gegend, da unser Vaterhaus stand, da wir als Kinder spielten und fröhlich waren, hat doch einen eigenen Reiz. Und wenn die Fremde noch so schön ist, man sehnt sich doch immer wieder nach der Heimat, man kommt aus der weiten, fremden Welt immer wieder gern „nach Hause“. Heimatlos! Ein tiefes Weh zittert durch dieses Wort. Und ach, wie viele Menschen hat der Krieg heimatlos gemacht! Ich denke an die große Zahl unsrer Krieger im Osten und Westen – sie alle sind heimatlos. Vielleicht haben sie Weib und Kind daheim, oder Vater und Mutter, oder Bruder und Schwester, oder eine liebende, sehnende Braut – und sie müssen Monat um Monat fern von der Heimat sein, fern von den lieben Menschen, fern von dem trauten Heim — ob es nun eine hübsche Villa oder eine Wohnung im Dach geschoß ist, ob in der Stadt oder auf dem Lande, es ist ihr Heim. Und das alles entbehren, das ist nicht leicht. Gewiß wird manchmal im lehmigen, schmutzigen Schützen graben sin Heimweh durch die Herzen gehen, eine Sehnsucht‘ nach der fernen Heimat. Wie manche Feldpostbriefe sprechen den Wunsch aus: „Wenn doch dieser schreckliche Krieg erst zu Ende wäre!“ Hat die Furcht diesen Wunsch ausgesprochen? Gewiß nicht! Nicht die Furcht habe ich aus diesen Worter herausgelesen, aber die Sehnsucht nach der Heimat, der ge liebten, fernen Heimat. – – Und ich denke an andere Heimatlose. Das sind die Flüchtlinge aus den Gegenden, die der Krieg verwüstet oder bedroht hat. Das sind die Bewohner so mancher Orte im Elsaß, das sind die Bewohner der Grenzkreise von Ostpreußen. Heimatlos sind sie geworden. Bei dem Herannahen der Feinde sind sie geflüchtet. Oder sie haben aus Befehl der Behörde die Heimat räumen müssen. Mit Weib und Kind haben sie fortgemußt. Nur das Allernotrvendigste konnten sie mitnehmen. Ach, was war das für eine traurige Reise! In den überfüllten Zügen der Eisenbahn, aus den Landstraßen in langen, langen Flüchtlingskarawanen! Da wird ein Kind geboren – unterwegs, aus der Flucht. Da tut ein Alter, da ein Kranker die Augen zu. Und es ist nicht Zeit zu einem ordentlichen Begräbnis. Endlich in Sicherheit, endlich am Ziel! Aber wenn man sie auch noch so gut aufnimmt, wenn sie auch versorgt und geborgen sind — es ist doch nicht die Heimat! Es ist und bleibt doch die Fremde. Heimatlos! Wie lange wird’s noch dauern, daß so viele, so viele in unserm Volk heimatlos sind? Wann werden unsere Feld grauen wieder heimkehren in die Heimat? Wann werden die Flüchtlinge ihre zerstörten Heimstätten wieder aussuchen können, um sie wieder aufzubauen? Wann wird der ersehnte Friede der Heimatlosigkeit ein Ende machen? Und ich denke an die vielen, die kriegsgefangen sind in Feindesland. Die einen vom Kriegsausbruch überrascht und nun festgenommen und festgehalten in großen Lagern, die andern aus dem Schlachtfeld in die Hand der Feinde gefallen, vielleicht verwundet oder abgeschnitten von den Kameraden. O diese eintönigen Tage! O dieses bleierne Einerlei! O diese Lügennachrichten, die sie zu hören bekommen. Und dazu vielleicht schlechte Behandlung, magere Kost, ungenügender Schutz gegen die Witterung. Und dazu – als das Schlimmste und Schwerste – keine Verbindung mit der Heimat! O wie sie mich alle dauern, unsere lieben Heimatlosen! Wen dauerten sie nicht? Aber ich habe ein Wort des Trostes für die Heimat losen. Das ist ein Wort aus dem Munde Jesu. Er hat von sich gesagt: „Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester- aber des Menschen Sohn hat nicht, da Er Sein Haupt hinlege.“ Heimatlos war Er, der Sohn Gottes. Wenn man Ihn fragte, wo Er wohne, dann zuckte Cr die Achseln. Er hatte keine Wohnung. Er wohnte da, wo die Liebe und Freund lichkeit der Menschen Ihm die Tür austat. Und wenn sich Ihm die Tür verschloß, dann – lag Er draußen unter dem Tau der Nacht, unter den Sternen des Himmels. So ging’s Ihm in Samaria, wo die Jünger umsonst an die Türen klopften, um Herberge für Ihn zu erbitten. Und so ging’s Ihm manchmal. Er hatte eine Heimat, eine wunderbare, eine herrliche Heimat. Das war der Himmel mit seiner Herrlichkeit, das war der Platz zur Rechten Gottes. Aber diese Heimat gab Er auf. Er wurde heimatlos aus Liebe zu uns. Um uns eine Heimat zu erwerben, eine Heimat im Himmel, darum verließ Er sie und wurde heimatlos um unsertwillen. Du hast vielleicht noch nie recht darüber nachgedacht, was das für ein Opfer war, das Jesus für uns brachte, Du hast das so hingenommen als etwas Selbstverständliches, Aber diese Zeit jetzt, da du selber heimatlos geworden bist durch den Krieg, die zeigt dir, wie groß das Opfer war, das Jesus brachte, als Er die Heimat ausgab — um unsertwillen. So lieb hatte Er uns! So lieb hatte Er dich, daß Er das Vaterhaus verließ, um dein Heiland zu werden, um als das Lamm Gottes deine und meine Sünden auf sich zu nehmen, um sie an Seinem Leibe hinaufzutragen auf das Holz des Kreuzes. So lieb hatte Er uns! Hast du Ihm schon einmal dafür gedankt? O, wie liegen uns unsere geliebten Heimatlosen am Herzen! Wie denken wir an euch da draußen in den kalten Schützengräben! Wir schämen uns fast, wenn wir uns ins warme Bett legen, daß wir es so gut haben, während ihr draußen liegt in der kalten Nacht. Daß wir noch ein Bett haben, das danken wir euch und eurer Tapferkeit, ihr teuren Heimatlosen! Und wie denken wir voll innigen Mitgefühls an euch, ihr heimatlosen Flüchtlinge! Wir können euch die Heimat nicht ersetzen, aber unsere Liebe können wir euch beweisen. Seht ihr sie nicht aus den Gaben, die aus allen Teilen des deutschen Vaterlandes zusammenfließen, um euch zu helfen? Ja, dem Heimatlosen bringt man ein Herz voll Liebe und Teilnahme entgegen. Das versteht sich von selber. Aber wie steht’s mit dem großen Heimatlosen, unserm Heiland, der um unsertwillen heimatlos wurde? Hast du dem auch schon für Seine Liebe gedankt? Hast du dem schon dein Herz in Dankbarkeit gegeben? Ach, tue es doch, wenn du es noch nicht getan hast! Tut es doch, ihr Heimatlosen! Und tut ihr es doch auch, die ihr euch der Heimat erfreuen dürft! O denkt an den, der heimatlos wurde um unsertwillen, damit wir eine Heimat bekämen – bei Jesu im Licht. Ja, das war’s, was Er wollte. Durch Sein Leiden und Sterben wollte Er die Erlösung vollbringen von der Schuld und Macht der Sünde, daß wir als freie und frohe Menschen durchs Leben yehen und einst daheim sein könnten bei Ihm in der Herrlichkeit. Nicht wahr, das möchtest du doch auch? Du möchtest doch auch einmal in diese Heimat eingehen, die Jesus uns erworben und bereitet hat? Nun, wenn du das willst, dann gib Ihm dein Herz und deine Liebe! Und sobald du das tust, weißt du, daß du eine Heimat hast, eine Heimat, die kein Feind dir rauben und zerstören kann, die selige Heimat bei Ihm! O, komm zu Jesu! Und — Cr stillt dein Heimweh. Cr füllt dein Herz mit Friede und Freude. Und wenn du auch noch lange die Heimat entbehren mußt‘ ja, wenn du sie nie wiedersähest, die Heimat auf Erden, du bist doch nicht mehr heimatlos, du hast eine Heimat, eine herrliche Heimat. Da sausen keine Granaten mehr. Da fließt kein Blut. Da rauchen keine Trümmer. Da ist Friede und Freude, Leben und Seligkeit immer und ewiglich.

Blutige Stellvertretung.

Der 9. September war ein Tag des Schreckens für die Bewohner des ostpreußischen Kirchdorfes H. Die Russen waren gekommen und hatten das Dorf besetzt. Der Ritt meister ließ alle Bewohner des Dorfes aus einen Platz zusammentreiben und sie dort niederknien. Er behauptete, es sei von den Dorfbewohnern auf eine russische Patrouille geschossen worden. Nun sollte die ganze Einwohnerschaft erschossen werden. Der Pfarrer, der gerade von einem Begräbnis zurück kehrte, sah und hörte das Elend der dem Tode geweihten Leute. Gott gab ihm Gnade, dem Rittmeister zu versichern, es sei unmöglich ein Schuß abgegeben worden, die Waffen und Patronen seien vorher alle vergraben worden. Der Rittmeister wurde durch das entschiedene und klare Zeugnis des Pfarrers umgestimmt. „Dann sollen nicht alle Einwohner, sondern nur die Männer erschossen werden.“ Aber der Pfarrer machte es wie einst Abraham, als er für Sodom bat. Er blieb am Bitten. Und er erreichte es, das Herz des Rittmeisters zu bestimmen, daß er befahl: „Nur der sechste Mann soll erschossen werden!“ Der Pfarrer wagte es noch einmal, für die Verurteilten zu bitten. Und noch einmal gelang es ihm, eine Milderung des Urteils zu erreichen. „Sie sollen nicht erschossen, aber geknutet werden!“ Dabei mußte es verbleiben. Auf Weileres ließ der Rittmeister sich nicht ein. Nun wurden alle Jünglinge und Männer von 15 bis 38 Iahren ausgesucht, es waren etwa 35. Die mußten den Rücken entblößen – und dann kam die entsetzliche Nagaika, die gefürchtete Kosakenpeitsche, um ihr Werk zu tun. Die Schläge klatschten, das; das Blut spritzte. Wo einer sich vor Schmerzen wand und emporrichtete, da kam ein Reiterstiefel und trat ihm in den Nacken. So bekamen sie ihre Hiebe, 50 oder 60 an der Zahl. Schwerverletzt mußte man etliche von ihnen ins Kranken haus bringen. Zuerst sollten sie mit nach Rußland geschleppt werden; aber dann war der Transport der Schwerverwun deten doch zu beschwerlich. Man ließ sie zurück. Ich bin gewiß, daß die Bewohner von H. bis in ferne Zukunft hinein den Männern dankbar sind und bleiben werden, die für sie ihr Blut verspritzt haben. Wurde doch die Rettung und Bewahrung der andern mit dem Blute der Geknoteten erkauft! Blutige Stellvertretung war es, was sie dort übten, die Unglücklichen von H. Sie litten und bluteten für die andern alle. Aber sie vollbrachten diese blutige Stell vertretung gezwungen, auf Befehl des grausamen Rittmeisters der Russen. Ich weiß aber von einem, der leistete solche blutige Stellvertretung freiwillig und gern. Das ist Jesus, unser Heiland. In voller Freiwilligkeit erklärte Er sich bereit, die Schuld und Sünde aus sich zu nehmen und als ihr Bürge und Stellvertreter blutend und sterbend die Erlösung für sie zu vollbringen. Der Prophet Iesaja sagt von Ihm: „Cr ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf Ihm, aus daß wir Frieden hätten, und durch Seine Wunden sind wir geheilt.“ „Verwundet – zerschlagen!“ Ja, das wurde Er. Wie hat Er die Hiebe der Geißel gefühlt, die Seinen Rücken zerfetzten und zerfleischten, so wie jene Männer dort zer schlagen wurden von den Hieben der Nagaika. Unschuldig wie jene Männer war Er, nur noch in ganz anderem Sinne wie sie. Er war der, den niemand einer Sünde zeihen konnte. Er war der, der von keiner Sünde wußte. Und dieser reine und heilige Gottessohn belud sich mit der Sünde der Welt, mit deiner Sünde und mit meiner Sünde. Darum litt Er. Darum blutete Er. „Um unserer Missetat willen – um unserer Sünde willen.“ Blick einmal hinein in dein Leben! Schau einmal in deine Vergangenheit. Was siehst du da? Wenn du genau zusiehst, siehst du Sünden! Sünden gegen Gott und Sünden gegen Menschen! Sünden gegen alle Gebote. Sünden in Gedanken und Sünden mit Worten und Sünden mit der Tat! Sünden auf allerlei Art und Weise! Ist das nicht so? Und sieh, um dieser deiner Sünden willen, um unserer Sünden willen ist Jesus zerschlagen. Das war blutige Stell vertretung. Gerade wie dort in H. Aber dab Blut jener ostpreußischen Männer und Jüng linge floß nicht umsonst. Die Strafe, die dem ganzen Dorfe zugedacht war, lag aus ihnen; sie litten für die andern, daß die geschont und gerettet würden. Sieh, so war’s auch mit Jesus. Er trug unsere Strafe, die Strafe, die wir verdient hatten, mit unfern Sünden. Er trug sie, „auf daß wir Frieden hätten“. Gott sei Dank für Seine blutige Stellvertretung! Er hat unsere Strafe getragen. Nun liegt sie nicht mehr aus uns. Er hat für unsere Sünden gebüßt. Nun brauchen wir’s nicht mehr! Ist das nicht wunderbar? Ist das nicht eine frohe Botschaft? Wie werden die Leute von H. Gott gedankt haben, als ihnen das Leben geschenkt wurde! Wie froh werden sie über ihre Errettung gewesen sein! Und – wie werden sie den mißhandelten Brüdern und Söhnen und Männern mit Tränen gedankt haben! Das Blut dieser Männer floß ja zu ihrem Heile, zu ihrer Er» rettung! Aber wo ist der Dank, den man dem Heiland dar bringt für Seine blutige Stellvertretung? Ach, wie viele haben Ihm noch mit keinem Worte dafür gedankt! Du auch nicht? Dann tu’s heute! Dann tu’s endlich! Sag Ihm doch: „Ich danke Dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, für Deine Todesschmerzen, da Du’s so gut gemeint!“ Q, dann erfährst du es auch, dann wird es dein Herz mit Dan?? und mit Freude füllen: „Durch Seine Wunden sind wir bin ich – geheilt!“ Das war schwer, was jene Mä.ner für ihre Dorfgenossen und Angehörigen litten. Aber das war schwerer, was Jesus litt, als Er die Last unserer Sünde auf sich nahm, als Cr unser Erlöser und Retter wurde am Kreuz von Golgatha i O, bring Ihm deinen Dank! Bring Ihm aber nicht nur ein paar Worte! Danke Ihm mit einer Tat! Mit einer Tat deiner Dankbarkeit und deiner Liebe! Mit einer Tat deiner Hingabe, mit der Weihe deines Lebens! Das ist es, was Er will. Das ist es, was Cr erwartet als Dank für Seine – blutige Stellvertretung.

Deutsche Männer.

Ein Wort an unsere Männer im Felde und in der Heimat. enn man Männer auffordert, doch mit ihrem Christentum Ernst zu machen und sich zum HErrn zu bekehren, dann erhält man oft die spöttische Antwort, das sei nichts für Männer, das sei vielleicht etwas für alte Frauen und kleine Kinder. Aber für Männer sei das nichts. Ist das wirklich wahr? Ist das Christentum nichts für deutsche Männer? Wenn man sich’s ein wenig überlegt, ist es ein törichtes Gerede. Und ich fürchte, es steckt – darf ich’s einmal ganz offen sagen? – ein gut Teil Feigheit dahinter, wenn man so spricht. Man wagt es nicht, mit seinem Christentum Ernst zu machen, weil man dann von den Kameraden und Kollegen verspottet und über die Achsel angesehen wird. Das ist der tiefste Grund — wenigstens bei vielen. Denn das Gerede, das Christentum sei nichts für deutsche Männer, ist ja töricht und unwahr. Wieviel deutsche Männer hat’s gegeben, die mit Ernst Christen waren, und sie waren dabei ganze Männer, zu denen wir mit Bewunderung aufschauen. Da ist ein Luther. War das nicht ein ganzer deutscher Mann? Es war keine Kleinigkeit für ihn, als der Kaiser ihn nach Worms berief, daß er sich dort vor Kaiser und Reich verantworten sollte. Ein alter Soldat sagte zu ihm: „Mönchlein, Mönchlein, du gehst einen schweren Gang!“ Wohl hatte der Kaiser ihm freies Geleit versprochen. Aber das hatte Kaiser Sigismund auch dem Böhmen Hus versprochen und hatte sein Wort nicht gehalten, sondern ihn in Konstanz verbrennen lassen. So konnte es Luther wohl auch gehen. Aber er ließ sich nicht abhalten. „Und wenn soviel Teufel in Worms wären wie Ziegel auf den Dächern. ich ginge doch hin!“ War das nicht männlich geredet? Und woher hatte er diesen Mut? Da stand er vor dem versam melten Reichstag und legte die rechte Hand schwer auf die Bibel und sagte: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir! Amen.“ Was war der Grund seines männlichen Mutes und seiner tapferen Unerschrockenheit? Sein Glaube an den lebendigen Heiland. Weil er Ihn kannte, darum konnte er singen und sagen! „Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, laß fahren dahin, sie haben’s kein Gewinn, das Reich muß uns doch bleiben!“ Ja, das war ein Mann, ein deutscher Mann. Das muß man zugeben. Und ich erinnere dich — ich kann nur ein paar Männer heraus greifen; wie viele könnte ich nennen! – an Ernst Moritz Arndt, den Länger der Freiheitskriege. Der hat das Lied gedichtet: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte, drum gab Er Säbel, Schwert und Spieß dem Mann in seine Rechte.“ Nicht wahr, aus diesen Worten klingt es schon heraus, daß er das Herz auf dem rechten Fleck hatte? Cr war ein deutscher Mann, vom Scheitel bis zur Sohle. Und er dichtete: „Wer ist ein Mann? Der beten kann und Gott dem HErrn vertraut.“ Der hatte also eine andere Vorstellung von einem „Mann“ als du! Nun will ich dir einen anderen Mann nennen. Das war gewiß «jn Mann. Bismarck. Man nennt ihn wohl den „eisernen Kanzler“. Ja, das war er. Er trat dem ganzen Landtag gegenüber als der best gehaßte Mann damaliger Zeit. „Wenn ich nicht so ein strammgläubiger Christ wäre,“ sagte er einmal vor den Abgeordneten, „so hätten Sie emen solchen Kanzler gar nicht erlebt.“ Woher nahm dieser gewaltige Mann seine Kraft und seine Festig, keit allen Anfeindungen gegenüber? Aus dem Worte Gottes. Die „Losungen der Brüdergemeinde“ begleiteten ihn überallhin. Es war eine Riesenarbeit, die er leistete. Und die Quelle seiner Kraft gibt er selber an mit den Worten: „Ich habe die Standhaftig- kejt, die ich zehn Jahre an den Tag gelegt habe gegen alle möglichen Torheiten, nur aus einem entschlossenen Glauben.“ Und wie ist das Wort, das er am 6. Februar 1888 im Reichstag sprach, zu einem geflügelten Wort geworden: „Wir Deutsche sürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt.“ Ja, das war ein Mann, ein ganzer Mann. Und dieser Mann war — ein Ehrist. Und er schämte sich seines Ehristentums gar nicht, sondern bekannte sich zu demselben frank und frei. Dann ein anderes Bild, das Bild des Mannes, der in den Mo naten des Krieges der volkstümlichste Mann Deutschlands geworden ist. Du weißt, wen ich meine: Hindenburg. Auch der macht aus seinem Christentum kein Hehl. Auch der fordert seine Soldaten auf: „Kinder, betet!“ Und kürzlich ging von ihm das Wort durch die Zeitungen, daß er es in seiner Arbeit empfinde, die Bebetskraft des deutschen Volkes habe nachgelassen. So rechnet er mit der Macht des Gebets. Und so empfindet er, wenn diese Macht des Gebets nachläßt. Auch dieser große deutsche Mann, dessen Namen wir mit Stolz und Be> wunderung nennen, ein Christ, ein Beter. Vor einem Angriff, so berichtete mir ein Augenzeuge, zog er seine Taschenbibel heraus und las seinen Soldaten Johannes 3 vor. Dann fragte er, wer von den Soldaten beten könne. Und als sich dann einer meldete, da gebot er ihm, zu beten, während er mit seinem Stabe niederkniete. Wie sagt doch Ernst Moritz Arndt? „Wer ist ein Mann? Der beten kann und Gott dem HErrn vertraut.“ Ja, das ist wahr, Hindenburg ist ein Mann, ein ganzer Mann. Und nun zum Schluß: unser Kaiser. O, wie können wir Gott danken für einen solchen Kaiser! Wie lange hat er der Welt und seinem Volk den Frieden zu erhalten gestrebt. Aber dann hat er das Schwert gezogen gegen eine Welt von Feinden. Und wie weiß er es zu führen! Und auch unser Kaiser ist ein überzeugter Christ. Er fordert sein Volk nicht nur auf: „Fallt auf eure Knie“,- er tut es selbst. Da liegt ein sterbender Soldat auf dem Schlachtfeld, und niemand ist da, der mit ihm beten und ihm helfen könnte in seiner letzten Not. Da geht der Kaiser zu ihm, kniet auf freiem Felde bei ihm nieder und betet mit ihm, bis die Augen des Mannes brechen und sein Herz stille steht. Ist das nicht ein Mann? Er läßt keine Belegenheit vorübergehen, wo er sein Christentum, seinen persönlichen Glauben an den Heiland bezeugen kann. Er könnte auch sagen, was einst der Apostel Paulus sagte: „Ich schäme mich des Evangeliums von Jesu Christo nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, selig zu machen alle, die daran glauben.“ Willst du nun noch sagen, das Christentum sei nichts für Männer? Das ist nicht wahr. Das Christentum hat ganze Männer hervor gebracht. zu denen wir mit Bewunderung aufschauen. Wenn du so sprichst, daß das Christentum nichts für Männer sei, dann beweist du nur, daß du es nicht kennst. O, lerne Jesus kennen, und du sprichst nicht mehr so! Dann erfährst du, daß wahres, leben diges Christentum eine Quelle der Kraft ist, eine Quelle von Friede und Freude, des ewigen Lebens. Einst machte der König Alexander der Große einen Kriegszug nach Ägypten. Der Weg ging durch die Wüste, die weite, heiße, wafferlose Wüste. Menschen und Tiere fingen an zu verschmachten vor Durst. Immer langsamer und müder wurde der Schritt des Heeres Schon überlxgte Alexander, ob er nichl den Befehl zum Rückzüge geben solle. Aber er war noch nie umgekehrt. Er konnte sich nicht dazu entschließen. Ein paar Reiter waren vorausgeritten, um zu sehen, ob sie nicht irgendwo etwas Wasser fänden. lind richtig, sie fanden einen halb- vertrockneten Quell. Der eine drückte seinen Helm hinein, und da füllte sich etwa der halbe Helm mit Wasser. Es war trübe; aber es war Wasser. Frohlockend kam er zurück und bot seinen Helm dem Könige. Da sah der König, wie die Augen des ganzen Heeres sich auf den Helm in seiner Hand richteten. Und diese Augen sprachen: „Ach, wer nur einmal die verdorrten Lippen netzen könnte! Wer nur einmal den verschmachteten Baumen anfeuchten könnte!“ Als Alexander das sah, rief er: „Für einen zuviel, für alle zu wenig!“ und drehte den Helm um und goh das Wasser in den Sand. Da ging’s wie ein Brausen durch das ganze Heer: „Auf, König Alexander, führe uns weiter! Wir sind nicht mehr müde, wir sind nicht mehr durstig, wir sind nicht mehr sterblich, wenn ein König wie du uns führst!“ Wollen wir uns von den alten Griechen beschämen lassen? Hier ist mehr als Alexander! Hier ist Jesus, der König von Gol gatha! Er hat nicht einen Helm voll Wasser in den Sand gegossen, Er hat Sein Herzblut für uns fließen lassen, um unsere Errettung und Seligkeit damit zu vollbringen. Kommt, wir wolleu Ihm huldigen! „Dem König, welcher Blut und Leben dem Leben Seiner Völker weiht, dem König werde Preis gegeben! Erzählt Sein Lob der Ewigkeit! Singt alle Wunder, die Er tut, doch über alles rühmt Sein Blut!“ Brich endlich durch, mein Freund! Brich durch durch alle Men schenfurcht, und tritt auf die Seite Jesu mit mannhafter Entschlossenheit Und ich sage dir, durch Seine Kraft und Hilfe wird auch aus dir ein ganzer deutscher Mann!

Warum so lange?

Herr, wenn Trübsal da ist, so suchet man Dich; wenn Du sie züchtigest, so rufen sie iingstiglich. Iesaja 26, 16. ls der Krieg ausbrach und die Siegesbotschaften sich in wunderbarer Schnelligkeit häuften, da dachten unsere tapferen Soldaten: Weihnachten sind wir wieder zu Hause. In einem Feldpostbrief teilte ein Soldat mit, der Kaiser habe ihnen gesagt: „Wenn die Blätter fallen, sind wir wieder Zu Hause!“ Aber der Herbst ist vergangen, und das Weihnachtsfest ist vorbei, wir gehen immer weiter ins Jahr 1915 hinein, und es ist noch gar nicht abzusehen, wie lange dieses Ringen noch dauert. Warum so lange? Sind unsere Soldaten schuld? Kämpfen unsere Kriegs freiwilligen weniger tapfer als die altgedknten Soldaten? O nein! Wir haben ja von ihnen gelesen, daß sie mit dem Gesang des Liedes „Deutschland, Deutschland über alles“ gegen den Feind gestürmt sind und sich hohes Lob und Anerkennung errungen haben. Lassen es unsere Heerführer fehlen? Gewiß nicht. Wie sollte das auch möglich sein? Sie haben doch jetzt mehr Erfahrung als im Anfang des Krieges. Nein, wir müssen die Antwort auf die Frage „Warum so lange?“ nicht bei unseren tapferen Truppen suchen. Hinden- burg hat gewiß nicht mit Unrecht von ihnen gesagt: „Sie haben Übermenschliches geleistet.“ Unseren Feldgrauen können wir keinerlei Vorwurf machen, als ob sie es hätten fehlen lassen. Wir müssen die Antwort auf die Frage, warum der Krieg so lange dauert, in der Heimat suchen! Am Ende des vergangenen Jahres wurden von einem Berliner Blatt die Heerführer gefragt, was ihre Gedanken und Wünsche zum Jahreswechsel seien für unser Volk. Da schrieb General von Woyrsch, einer der Führer im Osten: „Ein schwer errungener Sieg! Er erst läutert ein Volk!“ Was wollte er damit sagen? Soll der Sieg unserem Volke Heil und Segen bringen, dann muß es ein schwer errungener Sieg sein. Ein leicht erworbener Sieg macht hoch mütig und übermütig. Wenn es so leicht und so schnell geht, dann kommt Gott nicht zu Seinem Ziele, dann kann Er Seine Absichten nicht ausführen und verwirklichen. Ja, darin liegt die Antwort auf die Frage: Warum so lange? Gott hat das noch nicht erreichen können, was Er erreichen wollte. So wie es in unserem Volke aussieht, kann Er uns noch keinen endgültigen Sieg und keinen Frieden schenken. Wieviel Gleichgültigkeit und Leichtfertigkeit herrscht noch in unserem Volke! Als kürzlich der Bäckerei-Erlaß der Regierung kam, durch den die gewohnten Frühstückssemmeln abgeschafft wurden, um die Weizenvorräte zu schonen, wie viel Unzufriedenheit gab es da. Es schien wirklich so, als ob es mancher Frau leichter gewesen wäre, ihren Mann hinzugeben als ihr Morgenbrötchen und ihren Kuchen zu opfern. Wer denkt da draußen im Schützengraben an Kuchen und an Semmeln? Man ist froh und dankbar, wenn man sein Stück Brot hat. Aber wir in der Heimat wollen unsere alten Gewohnheiten nicht fahren lassen, – als ob wir mitten im Frieden wären. Ja, wir haben noch nicht begriffen, daß es Krieg ist, daß wir einen Krieg zu führen gezwungen sind, bei dem es sich um Sein oder Nichtsein unseres Volkes in der Zukunft handelt. Wir haben noch nicht gefragt, was Gott uns durch diesen Krieg zu sagen hat. Wir sind auf Seine Gedanken noch nicht eingegangen. Wir haben die Zeit unserer Heim suchung noch nicht erkannt und verstanden. Da kann Gott uns noch nicht Sieg und Frieden schenken. Wir würden nicht gebessert und geläutert aus dem Kriege hervorgehen, im Gegenteil! „Ein schwer errungener Sieg, er erst läutert ein Volk,“ so sagte ein Mann, der mitten im Kriege drin steht und mitten im Volke. Hat der bisherige Verlauf des Krieges eine Läuterung erreicht? Ach, daß man das sagen könnte! Aber man dann es nicht sagen! Wenn man hört, wie unsere Verwundeten, wie unsere Einberufenen, wie unsere Landwehrmänner und Landsturmleute in Scharen das Opfer ekelhafter Krankheiten werden, ^ wenn man hört, wie die Frauen der Krieger zu allerlei Vergnügungen zusammenkommen, ja, wie sie sich der Schande ergeben, dann kann einem wohl das Herz schwer werden. Dann bekommt man die Antwort auf die Frage: „Warum so lange?“ Ganz gewiß, wir können dazu beitragen, den Krieg bald zu beenden, wenn wir Buße tun und Gott die Ehre geben, auf die Er wartet. Wir können aber auch Sieg und Frieden hinausschieben. Das zeigt die Geschichte Israels sehr deutlich. Wenn Israel seines Gottes vergaß, dann gab es Kriege und Nieder lagen. Wenn Israel sich beugte und Buße tat, dann gab es Segen und Sieg. Der Prophet Iesaja spricht es als eine Beobachtung aus, die er gemacht hat, als eine Erfahrung seines Lebens: „HErr, wenn Trübsal da ist, so suchet man Dich? wenn Du sie züchtigest, so rufen sie ängstiglich.“ Wenn das wahr ist – und das ist wahr – dann wird die Trübsal bei uns wohl noch tiefer und schmerzlicher werden müssen, damit dadurch ein Suchen und Fragen nach Gott hervorgebracht wird. Wenn man in der Züchtigung zu Gott ruft und schreit, dann wird Gott Seine Hand wohl noch schwerer auf uns legen müssen, bis Er Seine Zwecke erreicht! Ein Volk besteht aus einzelnen Personen. Wenn ein Volk sich beugen und Buße tun soll, dann müssen die ein zelnen Buße tun. Hast du schon Buße getan und dich vor Gott gebeugt über die Sünde unseres Volkes? Hast du schon wie Daniel vor Gott gelegen mit dem Bekenntnis: „Wir haben gesündigt!“? O, laßt uns nicht müde werden, unserm lieben deutschen Volke Beugung und Buße zu predigen! Und laßt es uns nicht versäumen, mit unserm Volke und für unser Volk Buße zu tun! Daß der HErr Seine Hand nicht noch schwerer aus uns legen muß, sondern daß es in der gegen wärtigen Heimsuchung heißen könne: „HCrr, wenn Trübsal da ist, so suchet man Dich- wenn Du sie züchtigest, so rufen sie ängstiglich.“ Daß es doch die Frucht dieser schweren Kriegsnot werden möchte, daß ein Suchen nach Gott, ein Rufen zu Ihm durch unser Volk gehen möchte! Daß jeder sich sagen möchte: meine Stellung zu Gott, mein Verhältnis zum Heiland gibt die Antwort aus die Frage: Warum so lange?

Heeresfolge.

Da sprach Jesus zu Seinen Jüngern: Will Mir iemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir. Matth, Ik, 24, für ein wunderbares Schauspiel bot die Mobilmachung unsres Heeres! Jemand hat es einen „hohen Kunst genuß“ genannt, zu beobachten, wie alle Räder und Rädchen dieser großen Heeresmaschine ineinander griffen. Da war kein Knarren und kein Ächzen zu hören. Da war eine wundervolle Harmonie. Der Kaiser rief – und alle, alle kamen. Die Nord deutschen kamen und die Süddeutschen, die Polen kamen und die Elsässer, die Konservativen kamen und die Sozial demokraten, die Reservisten kamen und die Landwehrleute, die Einberufenen und die Freiwilligen. Es steckt den Deutschen tief im Vlut von alten Zeiten her, Heeresfolge zu leisten, wenn der Herzog den Heerbann aufruft. Da gibt’s kein Zögern und kein Säumen. Da wird Abschied genommen von Weib und Kind, von Haus und Hof, um dem Herzog Heeresfolge zu leisten. Und wie geht es noch jetzt im Felde! Wenn der Befehl gegeben wird: „Die Brigade hält die Stellung unter allen Umständen!“, dann wird die Stellung gehalten – bis zum letzten Mann. Und wenn es heißt: „Sehen Sie mal zu, ob das Dorf dort von den Feinden besetzt ist!“ dann heißt es: „Zu Befehl!“ und der Reiter sprengt hin. Da spielen Gefahren keine Rolle. Da gibt’s keine Unmöglichkeiten. Was befohlen wird, wird ausgeführt. Ob das „alte Leute“ sind oder junge Kriegsfreiwillige, darin sind sie alle gleich. Es geht mit Hurra auf den Feind. Das ist Heeresfolge, wie sie schon bei den alten Ger manen herrschte. Es gibt ein altes Heldenlied, in altniederdeutscher Sprache geschrieben, es heißt „Heliand“ oder Heiland. Es ist um das Jahr 830 gedichtet worden. Darin besingt ein alter Sachse den Heiland. Er schildert Ihn als einen Volks könig damaliger Zeit. Seine Jünger sind Seine Mannen- ihr Glaube an Ihn wird als ihre Lehnstreue dargestellt. Die Jünger sind die Männer, die Ihm Heeresfolge leisten. Es ist in diesen Tagen so oft die Rede von „deutschem Christentum“. Was ist das denn, „deutsches Christentum“? Der Sänger des „Heliand“ gibt uns die Antwort darauf: Dem Heiland Heeresfolge leisten, dem Heiland folgen, wohin Er führt, und wenn es in Not und Tod hineinginge. Nun, da darf ich dich wohl fragen, wie es um dein „deutsches Christentum“ steht. Hast du dem „Herzog der Seligkeit“, wie der Hebräerbrief unfern Heiland nennt, schon Heeresfolge geleistet? Bist du schon in Sein Heer eingetreten? Gerufen hat Er dich auch schon! Er durchzieht die Welt mit Seinem Ruf: „Will Mir jemand nachfolgen —!“ Den Ruf hast du schon gehört. Schon in deiner Jugend. Deutlich tönte er an dein Ohr. Bist du dem Rufe gefolgt? Ach, da fehlt es bei so vielen. Die Nachfolge Jesu kostet etwas. Man muß sich selbst verleugnen. Man muß seinen eigenen Willen darangeben. Man muß sein Kreuz auf sich nehmen. Man muß Seine Schmach tragen. Und — das will man nicht. Leute, die sehr tüchtig sind in ihrem Beruf, Männer, die sehr tapfer sind vor dem Feind, hier versagen sie. Sie wagen dem König Jesus nicht Heeressolge zu leisten. Ts ist ihnen zu schwer. Sie fürchten sich vor dem Spott. Sie wollen ihren Eigenwillen nicht opfern. Sie wollen ihre eigenen Herren bleiben, tun, was ihnen gefällt, und leben, wie es ihnen beliebt. Es geht in unsrer Zeit ein neuer Ruf des HErrn durch unser Volk. Cr ruft in Seine Nachfolge. Und Gott sei Dank, viele hören Seinen Ruf und folgen Ihm. Wie viele haben das in diesen ernsten Tagen getan, was mir eben wieder ein Brief aus dem Felde bezeugt: „Ich nahm das Neue Testament vor und fand darin köstliche Worte, voll Gnade und Barmherzigkeit, die dem Sünder versprochen wurden. Ich bat den HErrn um Vergebung meiner Sünden und daß Er mich leiten möge auf dem Wege, den ich noch zu gehen habe.“ Da gelobte dieser junge Mann dem Hei land Heeressolge. Und so gibt’s viele, die im Donner der Schlacht und in der Stille der Nacht Seinen Ruf hören: „Will Mir jemand nachfolgen -!“ Gott sei gepriesen für jede einzelne Seele, die dem Herzog unsrer Seligkeit Heeressolge leistet! Aber – da sind noch viele, die stehen von ferne! Wenn diese Zeit dich nicht zum Entschlüsse bringt, mein Freund, ich fürchte, dann kommst du nie dazu! Wenn du jetzt nicht in des Heilands Nachfolge eintrittst, ich fürchte, dann geschieht es nie! O komm und folge Ihm! Er führt – zum Leben, zu ewigem Leben, zu seliger Gemeinschaft mit Gott in Zeit und Ewigkeit. Du da draußen im Felde, um den die Granaten krachen, höre Jesu Ruf: „Will Mir jemand nachfolgen -!“ Brich

endlich durch deine Menschenfurcht und ergib dich deinem Heiland! Mach ganzen und vollen Ernst! Und du daheim in der Heimat, höre den Ruf des HErrn. Brich durch, durch deine Weltliebe, durch deine Gleichgültigkeit! Tritt mit mannhaftem Entschluß, mit klarer Entschiedenheit in die Fußtapsen Jesu! Dein König, der die Dornenkrone für dich getragen, der sich ans Kreuz für dich schlagen ließ, der ruft dir zu: „Will Mir jemand nachfolgen -!“ Was soll unsre Antwort sein auf einen solchen Ruf?“ Nicht Worte! Eine Tat soll unsre Antwort sein! Unsre Antwort soll sein:

Heeresfolge!

 

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