Erweis der apostolischen Verkündigung

Von Irenäus (um 200)

Einleitung. Die Beweggründe zur Abfassung der Schrift.

Da ich, geliebter Marcianus, Deine Bereitwilligkeit zum Wandel im Dienste Gottes kenne, der allein die Menschen zum ewigen Leben führt, bin ich mit Dir voll Freude und bete für Dich, daß Du den Glauben unerschrocken bewahren und dadurch Gott gefallen mögest. Möchte es uns doch beschieden sein, stets beisammen zu weilen, einander zu helfen und die Mühseligkeit des irdischen Lebens zu erleichtern durch täglichen Austausch segensreicher Gedanken! Sind wir nun aber dem Leibe nach gegenwärtig voneinander getrennt, so wollen wir uns gleichwohl nicht abhalten lassen, so weit es möglich ist, schriftlich zu verkehren. Zu Deiner Befestigung im Glauben möchten wir Dir in Kürze zeigen, wie die Wahrheit verkündigt wurde. Wir senden Dir diese Darstellung als eine Erinnerung über die Grundlehren. Mögest Du an ihrer Hand aus einigen wenigen Stücken vieles erreichen und an dem wenigen alle Glieder am Leibe der Wahrheit erkennen. In Kürze sollst Du den Beweis der Göttlichkeit dieser Dinge erhalten. Das wird Dir selbst zum Heil dienen, und Du wirst alle falschen Lehrer beschämen; jeden aber, der unsere heilvolle und lautere Lehre kennen lernen will, wirst Du ihr mit aller Zuversicht entgegenführen. Denn es gibt nur einen Weg; alle, die sehen, führt er gemeinsam empor, beleuchtet vom himmlischen Lichte. Die Wege der Verblendeten hingegen sind zahlreich und holperig. Jener Weg verbindet den Menschen mit Gott und führt zum himmlischen Reich, diese trennen den Menschen von Gott und führen abwärts zum Tode, Daher ist es für Dich und alle, die sich um ihr Heil kümmern, nötig, ihn ohne Umschweif, mutig und entschieden einzuschlagen durch den Glauben, damit sie nicht durch Wankelmut in Sünde fallen und in der weltlichen Begierlichkeit verstrickt bleiben, oder auch auf Irrwege geraten und das richtige Ziel verfehlen.

Da der Mensch als Lebewesen aus Leib und Seele zusammengesetzt ist, so ist für ihn natürlich und passend, mit diesen beiden zu existieren. Und da sich für beide Anstöße ergeben, so ist sowohl eine Heiligung des Leibes zu beobachten, die beständige Enthaltung von allen unschamhaften Dingen und von allen ungerechten Werken, als auch eine Heiligung der Seele, die unversehrte Bewahrung des Glaubens an Gott ohne Zutaten und ohne Kürzungen, Denn der Dienst Gottes wird gestört und beeinträchtigt durch die Unreinheit und Befleckung des Leibes, er erlahmt und wird entweiht und geteilt, wo die Lüge in die Seele hinein Einzug hält; aber wo Wahrheit stetsfort in den Geistern und die Reinheit in dem Leibe wohnt, da behält er seine Schönheit und gebührende Vollkommenheit. Wozu sollte es auch dienen, die Worte der Wahrheit zu kennen, während man seinen Leib der Unreinheit preisgibt und in seinen Handlungen der Bosheit dient? Was aber nützte es ferner, den Leib in Ehren zu halten, wenn die Wahrheit nicht in der Seele wohnte? In gegenseitiger Beglückung und Harmonie sind sie berufen, sich als Kampfgenossen vor Gott zu stellen. Deshalb sagt der Hl. Geist durch den Mund Davids: „Glückselig der Mann, der nicht wandelt nach den Ratschlägen der Gottlosen“. Gemeint sind die Ratschläge jener Geschlechter, die Gott nicht kennen. Gottlos sind ja wahrlich jene, welche dem wesenhaft seienden Gott nicht dienen. Aus diesem Grunde sprach „das Wort“ zu Moses: „Ich bin der Seiende“. Wer nun aber das höchste Wesen nicht als Gott verehrt, der ist gottlos. „Und auf den Pfad der Sünder nicht ging.“ Sünder sind hier diejenigen, die Kenntnis von Gott besitzen, aber seine Gebote nicht halten, die Verächter und Schmäher. „Und auf dem Stuhl der Pestilenz nicht saß.“ Als Pestilenz sind jene bezeichnet, welche nicht nur sich selber, sondern auch anderen durch die unheilvolle Brut und das Schlingengewirr ihrer Lehre den Untergang bereiten. Der Stuhl ist ja das Sinnbild der Schule. Alle Häretiker sind hier gekennzeichnet. Auf dem Stuhle der Pestilenz sitzen sie, und dem Untergang verfallen alle, welche das Gift ihrer Irrlehre einnehmen.

Wohlan, um nicht von ihr zu kosten, müssen wir treu an der Regel des Glaubens festhalten und die Gebote Gottes erfüllen, vom Glauben an Gott geleitet und aus Furcht vor ihm, weil er der Herr ist, zugleich aus Liebe zu ihm, weil er ein Vater ist. Das Vollbringen kommt aus dem Glauben, wie Isaias sagt: „Wenn ihr nicht glaubt, werdet ihr nicht verstehen“, und zum Glauben führt die Wahrheit, denn der Glaube ruht auf wahrhaften Tatsachen. Das Tatsächliche werden wir glauben, wie es ist, und im Glauben an das Tatsächliche, wie es immer ist, auch in fester Zustimmung zu demselben verharren. Da der Glaube die Bürgschaft für unser Heil ist, so ist es unsere ehrenvolle Pflicht, auf dieses Heilmittel viele Sorgfalt zu verwenden, um die wahre Einsicht in die Dinge zu erlangen. Der Glaube bewirkt dies in uns, wie uns die Alten, die Schüler der Apostel, überliefert haben. Zuvörderst mahnt er uns zu gedenken, daß wir die Taufe zur Nachlassung der Sünden im Namen Gottes des Vaters empfangen haben, und im Namen Jesu Christi, des Sohnes Gottes, der einen Leib angenommen hat, gestorben und von den Toten auferstanden ist, und im heiligen Geist Gottes, und daß diese Taufe das Siegel des ewigen Lebens und der Wiedergeburt in Gott ist, so daß wir nicht mehr Kinder der sterblichen Menschen, sondern des ewigen, immerwährenden Gottes sind. Und daß das ewig und beständig Seiende für Gott gehalten werde und hoch über allem Gewordenen steht, und daß alles andere ihm unterworfen ist, und daß das Gott Unterworfene alles ihm zu eigen machen soll, denn nicht über Fremdes gebietet er und herrscht er, sondern über das Seinige. Gottes sind alle Dinge. Deshalb ist Gott der Allmächtige und alles, was ist, ist von Gott.

I. Erster Hauptteil. Die geistige Harmonie der christlichen Glaubenslehre.Erster Abschnitt. Gott und Schöpfung nach dem Glauben.

Das Gewordene muß von einer großen Ursache den Anfang zum Werden genommen haben. Der Anfang von allem ist Gott. Er wurde nicht von irgend etwas, aber alles wurde von ihm. Deshalb muß man zuvörderst würdig bekennen, daß ein Gott und Vater ist, der alles schuf und ordnete, der das Nichtseiende ins Dasein rief, der, alles umfassend, selbst unermeßlich ist. Unter dem All ist aber auch diese unsere Welt enthalten und auf der Welt der Mensch. So ist auch unsere Welt von Gott erschaffen.

Der Sachverhalt, der sich ergibt, ist also folgender: [Es ist] Ein Gott, der ungewordene Vater, unsichtbar, Schöpfer von allem; kein anderer Gott steht über ihm, noch ist ein anderer Gott unter ihm. Gott ist ein vernünftiges Wesen und hat deswegen das Gewordene durch das [Vernunft-] Wort erschaffen. Auch ist Gott Geist und hat somit alles durch den Geist geordnet, wie der Prophet sagt: „Durch das Wort des Herrn sind die Himmelsfesten geschaffen worden, und durch seinen Geist all ihre Kraft“. Da also das Wort schafft d. h. die Körper wirkt und dem Hervorgegangenen Bestand verleiht, während der Geist die Kräfte in ihrer Verschiedenheit ordnet und gestaltet, so wird mit Recht das Wort der Sohn, Geist aber die Weisheit Gottes genannt. Auch der Apostel desselben, Paulus, sagt darüber passend: „Ein Gott, der als Vater über allen ist und der mit allen und in uns allen ist“. Denn über allen ist er als Vater; mit allen ist er als Wort, da durch dasselbe alles vom Vater ins Werden trat, in uns allen jedoch ist er als Geist, der da ruft: „Abba, Vater“ und den Menschen zum Ebenbild Gottes gestaltet. Nun zeigt der Geist das Wort und deswegen verkündeten die Propheten den Sohn Gottes, während das Wort den Geist wehen macht, und deshalb ist er selbst der Sprecher der Propheten und führt den Menschen zum Vater zurück.

Und das ist die rechte Ordnung unseres Glaubens, die Grundlage des Gebäudes und die Sicherung des Weges: Gott der Vater, ungeworden, unendlich, unsichtbar, ein Gott Schöpfer des Alls. Das zunächst ist das erste Hauptstück unseres Glaubens. Das zweite Hauptstück sodann ist das Wort Gottes, der Sohn Gottes, Christus Jesus unser Herr, welcher den Propheten erschienen ist gemäß der Gestalt ihrer Weissagungen und nach den Bestimmungen der Vorsehung des Vaters, er, durch den alles geworden ist. Derselbe wurde auch am Ende der Zeiten Mensch unter den Menschen, um alles vollkommen zu vollenden; er wurde sichtbar und körperlich, um den Tod zu besiegen und das Leben zu zeigen und Gemeinschaft und Frieden zwischen Gott und den Menschen zu bewirken. Das dritte Hauptstück dann ist der Hl. Geist, durch den die Propheten weissagten, und die Väter die göttlichen Dinge lernten, die Gerechten vorangingen auf dem Weg der Gerechtigkeit, und der in der Fülle der Zeiten aufs neue über die Menschheit ausgegossen ward auf der ganzen Erde, die Menschen für Gott neu zu schaffen.

Deshalb wird bei unserer Wiedergeburt die Taufe durch diese drei Stücke vollzogen, indem der Vater uns zur Wiedergeburt begnadigt durch seinen Sohn im Hl. Geiste. Denn diejenigen, welche den Hl. Geist empfangen und in sich tragen, werden zum Worte, d. h. zum Sohne geführt. Der Sohn hinwieder führt sie zum Vater und der Vater macht sie der Unvergänglichkeit teilhaft. Also kann man ohne den Geist das Wort Gottes nicht sehen und ohne den Sohn kann niemand zum Vater kommen. Denn das Wissen des Vaters ist der Sohn. Das Wissen vom Sohne Gottes aber [erlangt man] durch den Hl. Geist; den Geist aber gibt nach dem Wohlgefallen des Vaters der Sohn als Spender an diejenigen, welche der Vater will und wie er es will.

Und der Vater wird im Geiste Erhabener und Allmächtiger genannt und Herr der Heerscharen, damit wir lernen, daß Gott dies eben ist, d. h. Schöpfer des Himmels und der Erde und aller Welten und Erschaffer der Engel und Menschen und Herr von allem, derjenige, von dem alles ist und alles erhalten wird, barmherzig, mitleidig und mildreich, gütig, gerecht, Gott aller, der Juden auch und der Heiden, wie der Gläubigen, und zwar der Gläubigen als Vater. Denn in der Fülle der Zeiten hat er das Testament der Sohnschaft eröffnet, während er den Juden als Herr und Gesetzgeber sich zeigte. Denn in der Mitte der Zeit, als die Menschen Gott vergessen und sich von ihm entfernt hatten und abgefallen waren, da führte er sie durch das Gesetz zum Gehorsam zurück, auf daß sie lernten, sie haben Gott zum Schöpfer und Erschaffer; er hat ihnen den Odem des Lebens geschenkt und wir sind schuldig, ihm zu dienen Tag und Nacht. Den Heiden stellte er sich als den Erschaffer und Hervorbringer und als den Allmächtigen dar. Aber für alle zumal ist er der Erhalter und Ernährer, der König und Richter. Denn niemand wird seinem Gerichte entrinnen, nicht Jude noch Heide und kein Sünder aus den Reihen der Gläubigen und kein Engel. Diejenigen, welche jetzt seiner Güte nicht vertrauen, werden im Gerichte seine Macht erkennen, gemäß dem Worte des Apostels: „Du weißt nicht, daß die Güte Gottes dich zur Buße führt, sondern sammelst in Halsstarrigkeit und Unbußfertigkeit des Herzens den Zorn für den Tag der Rache und der Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes, der jedem vergelten wird nach seinen Werken“. Das ist im Gesetze Gottes unter dem Ausdruck verstanden: Gott Abrahams, Gott Isaaks und Gott Jakobs, Gott der Lebendigen. Und dennoch ist die Erhabenheit und Größe dieses Gottes unaussprechlich.

Die Welt nun aber wird von sieben Himmeln umgeben, in denen die Mächte, die Engel und die Erzengel wohnen und die Pflicht des Dienstes gegen Gott den Allmächtigen, den Schöpfer aller Dinge, erfüllen; nicht als bedürfte er sie, sondern sie sollen nicht untätig, ohne Nutzen und Segen sein. Reichlich ist deswegen das Innewohnen des Geistes Gottes, und vom Propheten Isaias werden sieben Formen Seines Dienstes aufgezählt, welche ruhen auf dem Sohn Gottes, d. h. auf dem Wort bei seiner Ankunft als Mensch. Er sagt: „Es wird auf ihm ruhen der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke und der Frömmigkeit, es wird ihn erfüllen der Geist der Gottesfurcht“. Somit ist der erste Himmel von oben her, der die andern umschließt, die Weisheit, der zweite hernach der des Verstandes, der dritte der des Rates, der vierte, von oben gerechnet, der der Kraft, der fünfte der der Wissenschaft, der sechste jener der Frömmigkeit, der siebente ist die Feste über uns, die voll ist von der Furcht des Geistes, der die Himmel erleuchtet. Als ein Bild davon ließ Moses den siebenarmigen Leuchter immer im Heiligtum strahlen, gemäß dem, was das Wort geoffenbart hatte: „Du sollst ihn genau nach dem Urbild herstellen, welches du auf dem Berge gesehen hast“.

Nun wird dieser Gott verherrlicht von seinem Worte, welches sein ewiger Sohn ist, und vom Heiligen Geist, welcher die Weisheit des Vaters von allem ist. Und ihre Mächte, die des Wortes und der Weisheit, die Cherubim und Seraphim genannt werden, preisen Gott mit unaufhörlichem Lobgesang, und jegliches Geschöpf, das nur im Himmel ist, bringt Gott, dem Vater von allem, Lobpreis dar. Er hat die ganze Welt durch das Wort gebildet — und auf der Welt sind auch die Engel — und der ganzen Welt schrieb er die Gesetze vor, bestimmte für jedes seinen festen Stand, dessen gottgesetzte Grenze es nicht überschreiten darf, und so vollführt ein jedes die ihm übertragene Aufgabe.

Den Menschen aber bildete er mit eigener Hand. Er verwandte dazu den feineren und zarteren Stoff der Erde und verband in [weisem] Maße miteinander die Erde und seine Macht. Denn er hat dem Geschöpfe seine Form gegeben, damit es in seiner Erscheinung Gottes Bild sei. Als Abbild Gottes setzte er den von ihm erschaffenen Menschen auf die Erde. Damit er Leben empfange, hauchte er in sein Angesicht den Lebensodem, auf daß der Mensch sowohl seiner ihm eingehauchten Seele nach und in seiner Leibesbildung Gott ähnlich sei. Er war folglich frei und Herr über sich selbst durch Gottes Macht, damit er über alles, was auf Erden ist, herrsche. Und dieses große Schöpfungswerk der Welt, das alles in sich barg, von Gott schon vor der Schöpfung des Menschen zubereitet, wurde dem Menschen zum Wohnsitz gegeben. Und es fanden sich an ihrer Stelle und mit ihren Arbeitsleistungen die Diener dieses Gottes, der alles schuf. Und ein Hauswalter hatte als Schützer dieses Gebiet inne, der über die Mitknechte gesetzt war. Die Knechte waren die Engel, der Walter und Schützer aber der Fürst der Engel [ein Erzengel].

Indem Gott so den Menschen als Herrn der Erde und alles dessen, was auf ihr ist, erschaffen hatte, hat er ihn auch zum Herrn derer, welche als Diener auf ihr sind, erhoben. Jedoch erfreuten sich jene der Reife ihrer Natur, während der Herr, d. h. der Mensch, klein war; war er doch ein Kind, noch des Wachstums bedürftig, um zu seiner Vollreife zu gelangen. Seine Ernährung und sein Wachstum sollte dabei voll Freude und Wonne sein. So ward für ihn dieser Ort schöner bereitet als diese Welt; [er ward ausgestattet mit Vorzügen] der Luft, Schönheit, des Lichtes, der Nahrung, der Pflanzen, Früchte und der Wasser und mit allem anderen, was zum angenehmen Leben nötig war. Sein Name war Paradies. Herrlich und schön war das Paradies; da wandelte das Wort Gottes immer in demselben umher, es verkehrte und sprach mit dem Menschen über die Zukunft und belehrte ihn zum voraus über das, was kommen wird. So wollte es bei ihm wohnen, mit den Menschen reden und weilen und sie in der Gerechtigkeit unterweisen. Allein der Mensch war ein Kind, seine Gedanken waren noch nicht vollkommen geklärt, daher wurde er auch leicht vom Verführer betrogen.

Bei seinem Verweilen im Paradies führte nun Gott dem Menschen, während dieser darin umherging, alles Lebende vor und befahl, es ihm zu benennen. Wie immer Adam ein Lebewesen bezeichnete, so wurde es nunmehr benannt. So war der Augenblick gekommen, da Gott Adam auch eine Gehilfin schaffen wollte. „Denn“, so sprach Gott, „es ist nicht gut für den Menschen, allein zu sein. Laßt uns ihm eine Gehilfin machen nach seinen Verhältnissen“. Denn unter den andern Lebewesen hatte sich keine Adam nach Natur und Wert gleiche und zu ihm passende Gehilfin gefunden. So ließ Gott selbst über Adam eine Verzückung kommen und ihn in Schlaf sinken. Weil es noch keinen Schlaf im Paradiese gab und doch die Erfüllung eines Werkes auf dem früheren beruhen soll, so ist dieser durch Gottes Willen über Adam gekommen. Es nahm nun Gott eine von den Rippen Adams und ersetzte sie durch Fleisch. Die Rippe selbst aber, die er ihm entnommen hatte, bildete er zum Weibe um und führte es so vor Adam. Als dieser dasselbe sah, sprach er: „Das ist nun Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleische. Sie soll Weib heißen, denn von ihrem Manne ward sie genommen“.

Und Adam und Eva — denn das ist der Name des Weibes — waren nackt und schämten sich nicht. Denn sie waren ohne Sünde und kindlichen Sinnes. Ihr Geist war frei von Vorstellungen und Gedanken, wie sie seither aus Bosheit durch sinnliche Begierde und schändliche Gelüste in der Seele entstehen. Noch hatten sie ja ihre Natur unversehrt bewahrt, denn vom Schöpfer war der Hauch des Lebens ihnen eingehaucht worden. So lange dieser Hauch unentweiht und unversehrt bleibt, ist er ohne Empfänglichkeit und Sinn für das Schlechte. Deswegen nun schämten sie sich nicht bei ihren Küssen und Umarmungen in Reinheit nach Kinderart.

Doch sollte der Mensch sich nicht zu hoch dünken und sich nicht hoffärtig erheben, gleich als habe er, da ihm Macht und Freiheit verliehen sind, keinen Herrn über sich; er sollte bewahrt werden davor, sich gegen seinen Gott, seinen Schöpfer, zu verfehlen durch Überschreitung des ihm gesetzten Maßes und durch stolze selbstgefällige Willkürhandlungen gegenüber Gott. Deshalb wurden ihm von Gott Gesetze gegeben; sie sollten ihm zeigen, daß er einen Herrn habe, den Herrn aller Dinge. Auch traf Gott bestimmte Verfügungen, wie die, daß er [der Mensch] in seinem Sein verharren sollte, wie er war, d. h. daß er unsterblich sein sollte, wenn er das Gebot Gottes beobachtete. Der Sterblichkeit aber sollte er verfallen und zur Erde aufgelöst werden, aus welcher er bei der Schöpfung genommen worden war, wenn er dasselbe nicht beobachtete. Das Gebot aber war dieses: „Von allen Bäumen, welche im Innern des Gartens sind, sollst du essen dürfen, aber von dem einen Baum, von welchem die Erkenntnis des Guten und des Bösen kommt, sollt ihr nicht essen, denn an dem Tage, an welchem ihr davon esset, sollt ihr dem Tode verfallen“.

Dieses Gebot hat der Mensch nicht gehalten, sondern er wurde ungehorsam gegen Gott, mißleitet vom Engel. Dieser letztere war wegen der vielen Gaben, die Gott dem Menschen verliehen hatte, von bitterem Neid erfüllt. In diesem richtete er sich selbst zu Grund und machte den Menschen zum Sünder, indem er ihn zum Ungehorsam gegen das Gebot Gottes verleitete. Durch die Lüge zum Anstifter und Urheber der Sünde geworden, verfiel er zwar selbst dem göttlichen Strafgerichte im Abfall von Gott; aber er hatte auch bewirkt, daß der Mensch aus dem Paradies vertrieben wurde. Weil der Engel nach einem aus sich selbst gefaßten Entschluß von Gott abgefallen ist, wurde er in hebräischer Sprache Satan genannt, was so viel ist als Widersacher. Doch wird er auch noch Verleumder [Teufel] genannt. — Die Schlange, welche den Teufel in sich trug, verfluchte also Gott. Sein Fluch traf das Tier, aber er ging auch über auf den in ihm listig verborgenen Teufel. Den Menschen verwies er von seinem Angesichte und gab ihm seinen Wohnsitz vor den Toren des Paradieses. Denn das Paradies nimmt die Sünder nicht in sich auf.

Zweiter Abschnitt. Vorbereitung der Erlösung. Sünde und Menschenbosheit. Gottes Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

Außerhalb des Paradieses nun erlitten Adam und sein Weib Eva viel schmerzliches Leid und Wirrsal. Voll Trauer, Mühsal und Seufzen war ihr Wandel auf dieser Welt. Denn unter den Strahlen dieser Sonne bebaute jetzt der Mensch die Erde und diese sproßte Dornen und Disteln zur Strafe der Sünde. Dort geschah auch, was geschrieben steht: „Adam erkannte sein Weib und sie empfing und gebar den Kain und nach demselben gebar sie den Abel“. Der empörerische Engel, welcher den Menschen zum Ungehorsam verleitet und zum Sünder gemacht hatte und damit die Ursache seiner Vertreibung aus dem Paradiese geworden war, begnügte sich nicht mit dem ersten Unheil, sondern wirkte ein zweites unter den beiden Brüdern. Denn er erfüllte nun den Kain mit seinem Geiste und machte ihn zum Brudermörder. So starb Abel von der Hand seines Bruders. Das war das Zeichen, daß nachmals viele bedrängt, verfolgt und ermordet würden, indem die Gottlosen die Gerechten verfolgen und morden. Das vermehrte noch den Zorn Gottes. Er verfluchte den Kain und es geschah, daß das ganze von ihm stammende Geschlecht gemäß der Herkunft dem Erzeuger ähnlich wurde. Dem Adam erweckte Gott sodann einen andern Sohn an Stelle des ermordeten Abel.

Die Bosheit gewann nun eine sehr weite Verbreitung und erfaßte das ganze Menschengeschlecht so sehr, daß nur sehr wenige Keime der Gerechtigkeit in ihm erhalten blieben. Dem Naturgesetz widerstrebende Verbindungen wurden auf Erden eingegangen. Engel verbanden sich mit den Töchtern der Menschen. Diese gebaren ihnen Söhne, welche wegen ihrer außerordentlichen Größe Riesensprossen genannt wurden. Als Gabe brachten diese Engel ihren Weibern die Anleitung zum Bösen mit. Sie lehrten sie die Kraft der Wurzeln und Kräuter, das Färben und das Schminken, die Erfindung wertvoller Stoffe, Mittel zur Beförderung der Anmut, zum Wecken des Hasses und der Liebe, Sicherungen der Lebensdauer, Hexenbünde, jegliche Gaukelei und gottverhaßten Götzendienst. Durch die Einführung dieser Dinge in die Welt fand die Sache der Bosheit Aufschwung und Verbreitung, Die [Sache] der Gerechtigkeit aber nahm ab und verkümmerte.

Als durch die Sintflut das Gericht Gottes über die Welt erging im zehnten Geschlecht nach Erschaffung der Welt, fand sich so nur noch ein Gerechter: Noe. Durch seine Gerechtigkeit fand er für sich, sein Weib, für seine drei Söhne und die Weiber seiner Söhne Rettung, geborgen in der Arche mit allen Lebewesen, welche ihm Gott in die Arche hineinzuführen geboten hatte. Während alles zu Grund ging, Menschen und sonstige Lebewesen, die auf der Erde waren, wurden sie in der Arche erhalten. Die drei Söhne des Noe waren Sem, Cham und Japhet. Ihr Geschlecht gelangte wieder zur Vermehrung, denn sie sind der Ausgang für jene Menschen, welche nach der Sintflut lebten.

Aber auch unter diesen verfiel einer dem Fluche und nur zwei erbten den Segen wegen ihrer guten Werke. Der jüngste von ihnen, Cham genannt, hatte seinen Vater verspottet. Wegen der Schmähung und Kränkung des Vaters in der ruchlosen Sünde verworfen, verfiel er dem Fluche; und dieser ging auf sein ganzes Geschlecht über, so daß alle seine Nachkommen zu Verfluchten wurden, in der Sünde heranwuchsen und sich vermehrten. Sem jedoch und Japhet, seine Brüder, gelangten wegen ihrer Ehrerbietigkeit gegen den Vater zum Segen. Das ist der Fluch über Cham, mit welchem ihn sein Vater Noe verfluchte: „Verflucht sei Chams Kind, er sei der Knecht seiner Brüder“. Er traf auch ein über seinem Geschlechte. Es brachte viele Nachkommen hervor und sie wuchsen bis zum vierzehnten Geschlecht der Reihe nach heran. Dann wurde ihr Stamm ausgetilgt von Gott, der mit ihnen ins Gericht ging. Denn die Kanaaniter, die Hethiter, die Phereziter, die Heviter, die Amorräer, die Jebusiter, die Gergesiter, die Sodomiter, die Araber und die Bewohner Phöniziens, alle Ägypter und Lydier stammen aus Chams Geschlecht. Und diese verfielen dem Fluche, weil der Fluch über die Gottlosen sich weit hinausstreckte.

Auf gleiche Weise wie der Fluch ging auch der Segen auf das Geschlecht derer über, die ihn gewonnen hatten, für jeden nach der Reihe. Zuerst von diesen wurde Sem mit den Worten gesegnet: „Gepriesen sei der Herr, der Gott Sems, und Cham soll sein Knecht sein“. Die Wirkung dieses Segens war, daß Sem besonders im Besitze der Gottesverehrung gegen den Herrn und Gott aller blieb. Dieser Segen wirkte fort und gelangte an Abraham, der aus Sems Geschlecht stammte und das zehnte Geschlecht in der Reihe darstellt. Deswegen gefiel es Gott, dem Vater aller, sich Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs nennen zu lassen. Denn bis auf Abraham erstreckte sich fortwirkend der Segen Sems. Der Segen über Japhet war dieser: „Gott möge es weit machen dem Japhet, er wohne im Hause Sems, Cham soll sein Knecht sein“. Folgendes ist seine Bedeutung: In der Fülle der Zeiten ließ Gott den vom Herrn Erwählten aus der Berufung der Heiden Segen erblühen, indem Gott die Berufung weit ausdehnte. So heißt es auch: „In alle Welt ist ihre Stimme ergangen, und bis an die Enden der Erde ihre Worte.“ Das „Weitmachen“ will ja die Berufung der Heiden sein, d. h. die Kirche. Und das: „er wohne im Hause Sems“, das bedeutet die Erbschaft von den Vätern in Jesus Christus durch Empfang des Rechtes der Erstgeburt. Gerade in der Reihe, in welcher ein jeder von ihnen gesegnet wurde, empfingen sie nach der Ordnung in ihrer Nachkommenschaft die Frucht des Segens.

Nach der Sintflut schloß Gott einen Bundesvertrag mit der ganzen Welt, insbesondere mit allen Lebewesen, mit den vernunftlosen und den Menschen. Derselbe bestimmte, daß nie mehr eine Sintflut alles vernichten solle, was auf der Welt erstanden ist. Dafür gab ihnen Gott ein Zeichen: „Wenn der Himmel von Wolken umhüllt wird, dann wird der [Regen] bogen in der Wolke erscheinen und ich werde meines Bundesvertrages gedenken; und nicht wieder werde ich alle sich regenden Lebewesen auf der Erde durch die Wasserflut vernichten“. Bezüglich der Nahrung der Menschen ließ er eine Änderung eintreten, indem er ihnen die Weisung erteilte, Fleisch zu genießen. Vom Urstammvater Adam ab bis zur Sintflut hatten die Menschen nämlich nur von Kräutern und Baumfrüchten sich genährt, Fleischnahrung jedoch war ihnen verwehrt gewesen. Da die drei Söhne des Noe zum Ausgangspunkt des Menschengeschlechts geworden waren, gab ihnen Gott den Segen zur Vermehrung und zum Wachstum und sprach: „Wachset und mehret euch, und erfüllet die Erde und herrschet über sie; Furcht und Schrecken vor euch beseele alle vernunftlosen Lebewesen und alle Vögel des Himmels; sie sollen euch zur Nahrung dienen gleich dem grünen Kraute. Allein Fleisch mit dem Blute des Lebens sollt ihr nicht essen, und euer Blut will ich zurückfordern von allen Tieren und von der Hand des Menschen. Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll zur Vergeltung vergossen werden“. Denn nach Gottes Bild ist der Mensch gemacht, und das Bild Gottes ist der Sohn, nach dessen Bild der Mensch geworden ist. Deshalb erschien jener auch in der Fülle der Zeiten, um zu zeigen, wie das Abbild ihm ähnlich ist. Nach diesem Bunde mehrte sich das Menschengeschlecht, fortsprossend aus diesen dreien. Und eine Lippe, d. h. eine Sprache, war auf der Erde.

Nun brachen sie aus dem Stammland im Osten auf und kamen bei ihrem Zuge über die Gegenden in das Land Sinear, welches sehr weit sich erstreckte. Dort schickten sie sich an, einen Turm zu bauen. Sie wollten sich damit eine Möglichkeit schaffen, in den Himmel hineinzusteigen und bei den nachfolgenden Geschlechtern ein Denkmal an sich selbst voll Kraft in ihrem Werke hinterlassen. Der Bau wurde mit Backstein und Asphalt errichtet, und das kühne Unternehmen schritt voran, da alle einträchtig zusammenstanden, und die einheitliche Sprache ihrem Plan und Willen dienstbaren Ausdruck und Gehör verschaffte. Damit nun ihr Werk nicht noch weiter fortschritt, teilte Gott ihre Sprache, so daß sie einander nicht mehr verstehen konnten. So kam es zur Scheidung und sie zerstreuten sich auf die Länder, indem sie je nach den Sprachen scharenweise sich zusammentaten und in solchen Gruppen beisammen wohnten. Daher rührt die Mannigfaltigkeit der Völkerschaften und die Sprachenverschiedenheit auf der Erde. Drei Geschlechter von Menschen nahmen so Besitz von der Erde. Weil aber das eine von ihnen dem Fluch verfallen war, genossen nur zwei den Segen, Zuerst empfing das Geschlecht Sems den Segen. Dieser Völkerteil wohnte im Osten und nahm das Land der Chaldäer ein.

Im Ablauf der folgenden Zeit, d. h. im zehnten Geschlecht nach der Sintflut, ist Abraham berufen, vom Segen des Stammvaters seinen Anteil und Gott nach Gebühr zu suchen. Angetrieben vom Zug seiner Seele, durchzog er ringsum die Länder und suchte, wo er Gott finde. In Schwachheit gelang es ihm selbst nicht, das Gesuchte zu erreichen. Aber Gott erbarmte sich dessen, der allein im Verborgenen ihn suchte, und offenbarte sich dem Abraham durch das Wort gleich wie mit lichtem Strahl und gab sich so ihm zu erkennen. Vom Himmel her redete er ihn nämlich an und sprach zu ihm: „Ziehe hinweg aus deinem Lande und deinem Volke und aus dem Hause deines Vaters und gehe in das Land, das ich dir zeigen werde, um dort zu wohnen“. Obwohl er damals schon in reiferen Jahren stand als Siebzigjähriger und ein Weib hatte, so zog er doch voll Vertrauen auf die himmlische Stimme mit seinem Weib zusammen aus Mesopotamien und nahm auch den Loth, den Sohn seines verstorbenen Bruders, mit sich. Im Lande, welches heute Judäa heißt, und das damals sieben Stämme aus der Nachkommenschaft des Cham bewohnten, erschien ihm dann Gott im Gesichte und sprach zu ihm: „Dir und deinen Nachkommen nach dir will ich dieses Land geben zum ewigen Besitze“. Und es war wohl seine Nachkommenschaft [zuerst] als Fremdlinge in einem Lande, das nicht sein eigen war, und mußte dienen unter Schmerzen und Plagen vierhundert Jahre; aber im vierten Jahrhundert kehrten sie [wirklich] in das dem Abraham versprochene Land zurück. Das Volk aber, das seine Nachkommenschaft geknechtet hatte, richtete Gott. Um Abraham zugleich mit der Menge auch den Ruhm seiner Nachkommenschaft kund zu tun, führte ihn Gott nachts hinaus und sagte zu ihm: „Blicke hinauf zum Himmel und schaue die Sterne des Himmels, ob du sie zu zählen vermagst; so wird deine Nachkommenschaft zahlreich sein“. Und Gott erprobte die Unerschütterlichkeit und Zuversicht seiner Seele und bezeugt es selbst durch den Hl. Geist in der Schrift, wo es heißt: „Und es glaubte Abraham und das ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet“. Als ihm dieses Zeugnis zuteil wurde, war er noch unbeschnitten. Damit nun die Vortrefflichkeit seines Glaubens durch ein Zeichen bestätigt würde, gab ihm Gott die Beschneidung, nachdem die Unbeschnittenheit das Siegel des Glaubens dessen gewesen, der in der Unbeschnittenheit war. Hernach wurde ihm ein Sohn geboren von Sarah, die unfruchtbar war, Isaak, gemäß dem Versprechen Gottes; entsprechend dem Bunde, den Gott mit ihm geschlossen, gab er ihm die Beschneidung. Von Isaak wurde Jakob gezeugt; und so ging der Segen, der ursprünglich Sem gegeben worden war, auf Abraham, von Abraham auf Isaak, von Isaak auf Jakob über als Erbe des Geistes, das ihnen zugeteilt worden war. Denn Gott wurde Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs genannt. Und Jakob erzeugte zwölf Söhne, nach denen die zwölf Stämme Israels benannt wurden.

Es geschah nun, daß eine Hungersnot im ganzen Land herrschte, und nur in Ägypten noch Lebensmittel vorhanden waren. Da wanderte Jakob mit seiner ganzen Familie nach Ägypten aus. Die Zahl dieser Auswanderer betrug fünfundsiebzig. Nach vierhundert Jahren aber war die Zahl, wie die Verheißung es angekündigt hatte, auf 660 000 gewachsen. Als sie mittlerweile das Los harter Knechtschaft traf, und sie bedrängt und unterjocht seufzten und zum Gott ihrer Väter, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs flehten, führte er sie durch Moses und Aaron aus Ägypten und schlug dabei die Ägypter mit zehn Plagen. Als letzte Plage sandte er den Würgengel, der alle Erstgeburt tötete von den Menschen bis zu den Tieren, rettete aber aus derselben die Söhne Israels; hiezu zeigte er ihnen im geheimnisvollen Symbol das Leiden Christi, indem er sie fehlerfreie Lämmer schlachten ließ und ihnen im Blut derselben ein Schutzmittel der Rettung gab, das an die Häuser der Hebräer gestrichen werden mußte. Der Name dieses Geheimnisses ist [Pascha] Leiden — Ursache der Befreiung. Dann teilte er das Rote Meer und führte die Kinder Israels, mit aller Sorgfalt hindurch in die Wüste; die Ägypter aber, welche zur Verfolgung ihnen nachsetzten und in das Meer hineinjagten, gingen alle zugrunde. Das war das Gericht Gottes, vollzogen an jenen, welche ungerechterweise die Nachkommen Israels bedrängten.

In der Wüste empfing Moses von Gott das Gesetz, die zehn Gebotsworte, vom Finger Gottes auf steinerne Tafeln geschrieben. Unter Finger Gottes ist hier der Hervorgang [bzw, das, welches ausgestreckt ist] vom Vater zum Heiligen Geist verstanden; und als Gebote und Rechte das, was er den Kindern Israels zu halten auferlegt hat. Auf Gottes Befehl baute auch Moses das Zelt des Zeugnisses zum sichtbaren Gebild auf Erden von den Dingen, welche im Himmel geistiger Weise und unsichtbar enthalten sind, und zum Urbild der Kirche, zur Verheißung des Zukünftigen. Solcher Versinnbildung gemäß machte er auch die Gefäße und die Altäre und die Lade, in welche er die Tafeln legte. Als Priester stellte er Aaron und seine Söhne auf und verlieh dieser ganzen Familie das Priestertum. Dieselbe stammte aus dem Geschlechte des Levi. Auch dieses berief er nach Gotteswort ganz zur Dienstleistung im Tempel Gottes. Im levitischen Gesetze gab er ihnen die Norm, wie sie hiebei auch passend und würdig sich verhalten mußten, berufen immerdar, die Leistung des Dienstes im Tempel zu vollziehen.

Als sie dem Lande, welches Gott dem Abraham und seinen Nachkommen verheißen hatte, nahe gekommen waren, wählte Moses je einen Mann aus jedem Geschlechte und sandte sie aus, das Land, seine Städte und seine Bewohner auszukundschaften. Damals offenbarte Gott dem Moses den Namen, der allein Rettung zu bringen vermag, sofern an ihn geglaubt wird; und Moses vertauschte nun den Namen des einen der Abgesandten, des Osee, Sohnes des Nawe [Nun], und nannte ihn Jesus; in der Kraft dieses Namens sandte er sie voll Vertrauen, sie unversehrt wieder zu empfangen, weil sie in dem Namen geführt wurden, der gegeben worden war. Wie jedoch die Abgesandten von ihrer Wanderung und Besichtigung mit ihrer Auskunft zurückkehrten und Weintrauben mitbrachten, da flößten einige von den zwölf Abgesandten dem ganzen Volke bange Furcht ein, Sie sagten, daß große und ummauerte Städte da wären, Söhne von erdgeborenen Riesen würden in denselben wohnen, und es sei deshalb unmöglich, das Land zu besetzen. Alles Volk klagte daraufhin voll Kleinmut, als ob nicht Gott da wäre und ihnen Kraft geben und ihnen alles unterwerfen könnte. Und sie setzten das Land herab, als sei es nicht gut einzunehmen und als sei es nicht ratsam, wegen eines solchen Landes sich in Gefahr zu begeben. Zwei von den zwölf Gesandten jedoch, Jesus, der Sohn des Nawe [Nun], und Kaleb, der Sohn des Jephone, zerrissen ihre Kleider wegen dieses unheilvollen Vorfalles und bestürmten das Volk, sich nicht entmutigen und das Vertrauen nicht sinken zu lassen. Gott habe alles in ihre Hand gegeben und das Land sei außerordentlich gut. Doch das Volk ließ sich nicht beruhigen, sondern blieb hartnäckig bei seinem Mißtrauen. Da gab Gott ihrem Weg eine andere Richtung, ließ sie umherirren und züchtigte sie in der Wüste mit seinen Heimsuchungen. Soviel Tage die Kundschafter bis zur Rückkehr gebraucht hatten, es waren deren vierzig — ebensoviele Jahre behielt er sie in der Wüste, für den Tag ein Jahr rechnend. Wer immer von ihnen erwachsen und urteilsfähig gewesen war, behandelte er wegen ihres Mißtrauens als unwürdig, das Land zu betreten. Zwei allein [durften es beziehen], weil sie für die Verheißung gezeugt hatten, Jesus, der Sohn des Nawe, uud Kaleb, der Sohn des Jephone, und jene, welche damals erst Kinder gewesen waren, und zwischen rechts und links noch nicht unterscheiden gekonnt hatten. Das ganze kleingläubige Volk starb in der Wüste. Einer um den andern sank dahin unter der gerechten Strafe für ihren Kleinmut. Die Kinder, welche im Verlauf der vierzig Jahre heranwuchsen, füllten die durch den Tod gerissenen Lücken aus.

Mit Ablauf der vierzig Jahre kam das Volk in die Nähe des Jordan. Es sammelte sich und schlug gegenüber von Jericho sein Lager auf. Zu dieser Zeit berief Moses die Gemeinde und faßte vor ihr alles noch einmal zusammen. Er erzählte die Wundertaten Gottes bis zu diesem Tage und gab den in der Wüste Herangewachsenen Unterweisungen und Anleitung, wie sie Gott fürchten und seine Gebote beobachten sollten. So gab er für sie gleichsam ein neues Gesetz, das er dem ersten beifügte. Dasselbe wurde Deuteronomium genannt; es sind in ihm viele Weissagungen enthalten über unseren Herrn Jesus Christus und über das Volk, über die Berufung der Heiden und über das [Gottes] reich.

Auch Moses hatte seine Lebensbahn vollendet. Es erging das Wort Gottes an ihn: „Steige hinauf auf diesen Berg um zu sterben. Denn du sollst dieses Volk nicht in das Land hineinführen.“ Und er starb nach dem Worte des Herrn. Jesus, der Sohn des Nawe [Nun], wurde sein Nachfolger. Dieser teilte den Jordan und führte das Volk in das Land hinüber. Nach Niederwerfung und Vernichtung von sieben Völkerschaften, die in ihm wohnten, teilte er dem Volke das irdische Jerusalem zu, wo [künftig] David König war und sein Sohn Salomon. Dieser baute dem Namen Gottes den Tempel nach dem Urbild des Zeltes, welches einst von Moses als Sinnbild der himmlischen und geistigen Dinge her gestellt worden war.

Hierher wurden von Gott im Hl. Geist die Propheten gesandt. Sie mahnten das Volk und wandten es zum allmächtigen Gott ihrer Väter zurück. In ihnen erstanden die Herolde der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus, des Sohnes Gottes. Denn sie zeigten an, daß sein Leib aus dem Geschlechte Davids sprossen werde, damit er dem Fleische nach in langer Stammfolge ein Sohn Davids sei, welcher ein Sohn Abrahams gewesen war, dem Geiste nach aber der Sohn Gottes, der aus dem Vater hervorgegangen war, gezeugt vor der Schöpfung der ganzen Welt.

Dritter Abschnitt. Die Erfüllung der Erlösung durch Christus als Gottestat. Idee und geschichtliche Tatsache.

Und er erschien als Mensch in der Fülle der Zeit und faßte als Wort Gottes alles, Himmel und Erde, in sich zusammen. Er vereinigte den Menschen mit Gott und stellte zwischen Gott und dem Menschen die Gemeinschaft und Eintracht wieder her, während wir nicht imstande gewesen wären, in anderer Weise an der Unvergänglichkeit gesetzmäßigen Anteil zu gewinnen, wenn er nicht zu uns gekommen wäre. Denn würde die Unvergänglichkeit unsichtbar und unerkannt geblieben sein, so hätte sie uns kein Heil gebracht. So wurde sie sichtbar, damit wir in jeder Hinsicht Anteil an dem Geschenk der Unvergänglichkeit gewinnen. Der Ungehorsam des Stammvaters Adam hatte uns alle in die Bande des Todes verstrickt. Deshalb war es notwendig und recht, daß die Fesseln des Todes gebrochen wurden durch den Gehorsam dessen, der für uns Mensch ward. Weil der Tod über den Leib herrschte, so war es notwendig und recht, daß er durch den Leib unterworfen werde und so den Menschen aus seiner Sklaverei freigeben mußte. Das Wort wurde Fleisch, damit der Leib, wodurch die Sünde zur Herrschaft gelangt war, Besitz genommen und gewaltet hatte, durch ebendasselbe bezwungen, auch in uns ein anderer sei. Und deshalb nahm unser Herr denselben Leib, wie er in Adam war, an, damit er für die Väter kämpfe und durch Adam den besiege, der durch Adam uns getroffen hatte.

Woher nun ist des Ersterschaffenen Natur? Sie entstammt Gottes Willen und Weisheit und der jungfräulichen Erde. „Denn“, sagt die Schrift, „Gott hatte nicht regnen lassen, bevor der Mensch erschaffen war, und es war der Mensch nicht da, das Land zu bebauen“. Von dieser Erde nun hat Gott, als sie noch jungfräulich war, Staub genommen und einen Menschen gebildet als Anfang des Menschengeschlechtes. Bei der Wiederherstellung dieses Menschen wollte Gott dasselbe Verfahren der Leibesbildung einhalten, indem er geboren wurde aus der Jungfrau durch den Willen und die Weisheit Gottes; so sollte sich in seiner eigenen Leibesbildung die Ähnlichkeit mit der bei Adam zeigen und zur Erfüllung kommen, was geschrieben steht: „Im Anfang war der Mensch nach Gottes Gleichnis und Ebenbild“.

Und wie durch den Ungehorsam einer Jungfrau der Mensch zu Fall gebracht wurde, stürzte und starb, so empfing der Mensch durch eine Jungfrau, welche auf Gottes Worte hörte, wieder mit Leben beseelt, das Leben. Denn der Herr ist gekommen, das verlorene Schaf wieder zu suchen, und verloren war der Mensch. So wurde er auch nicht ein neues Geschöpf, sondern bewahrte die geschöpfliche Zusammengehörigkeit mit eben jener, welche von Adams Geschlecht war. Denn es war notwendig und billig, daß bei der Wiederherstellung Adams in Christus, das Sterbliche vom Unsterblichen verschlungen werde und in ihm aufgenommen werde, und die Eva von Maria, auf daß die Jungfrau die Fürsprecherin der Jungfrau werde und den jungfräulichen Ungehorsam entkräfte und aufhebe durch den jungfräulichen Gehorsam.

Die Übertretung, welche vermittelst des Baumes geschehen war, wurde auch getilgt durch den Baum des Gehorsams, an welchem in Unterwürfigkeit gegen Gott der Sohn des Menschen gekreuzigt wurde; da überwand er die Erkenntnis des Bösen und schaffte der Erkenntnis des Guten wieder Einlaß und befestigte sie, Böse ist es, Gott ungehorsam zu sein, wie es gut ist, Gott zu gehorchen. Mit Bezug auf diese Erlösungstätigkeit sagt das Wort durch den Propheten Isaias in Vorausverkündigung der künftigen Geschehnisse — denn deshalb heißen sie Propheten, weil sie das Zukünftige mitteilen — so also spricht das Wort durch ihn: „Ich widerstrebe nicht und widerspreche nicht. Meinen Rücken gab ich den Schlägen preis und meine Wange den Streichen, mein Angesicht wandte ich nicht ab vor Beschimpfung und Bespeiung“. Durch den Gehorsam bis in den Tod am Kreuze tilgte er den alten, am Holz begangenen Ungehorsam. Er ist selbst das Wort des allmächtigen Gottes, welches in unsichtbarer Gegenwart uns alle zumal durchdringt, und deshalb umfaßt er alle Welt, ihre Breite und Länge, ihre Höhe und Tiefe; denn durch das Wort Gottes werden alle Dinge der Ordnung gemäß geleitet; und Gottes Sohn ist in ihnen gekreuzigt, indem er in der Form des Kreuzes allem aufgeprägt ist; war es doch recht und angemessen, daß er mit seinem eigenen Sichtbarwerden an allem Sichtbaren seine Kreuzesgemeinschaft mit allem auspräge; denn seine Wirkung sollte es an den sichtbaren Dingen und in sichtbarer Gestalt zeigen, daß er derjenige ist, welcher die Höhen, d. h. den Himmel, erhellt und hinabreicht in die Tiefen, an die Grundfesten der Erde, der die Flächen ausbreitet von Morgen bis Abend und von Norden und Süden die Weiten leitet und alles Zerstreute von überallher zusammenruft zur Erkenntnis des Vaters.

Das Versprechen, welches einst Gott dem Abraham gegeben hatte, sein Geschlecht [zahlreich und herrlich] zu machen wie die Sterne des Himmels, hat Christus nun auch erfüllt. Er tat das dadurch, daß er selbst aus dem Geschlechte Abrahams seinen Ausgang nahm in der Jungfrau, von der er geboren wurde, und dadurch, daß er in jenen, die an ihn glaubten, der Welt Leuchten aufstellte und durch denselben Glauben mit Abraham die Heiden rechtfertigte, „denn es glaubte Abraham Gott und das wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet“. In gleicher Weise werden auch wir durch den Glauben an Gott gerechtfertigt, denn „der Gerechte lebt aus dem Glauben“. „So ist nun nicht durch das Gesetz die Verheißung dem Abraham geworden, sondern durch den Glauben“. Denn Abraham wurde durch den Glauben gerechtfertigt und für den Gerechten besteht das Gesetz nicht. In gleicher Weise werden auch wir nicht durch das Gesetz gerechtfertigt, sondern durch den Glauben, welcher vom Gesetz und von den Propheten bezeugt wird, die uns das Wort Gottes bestellt.

Ingleichen erfüllte er die David gemachte Verheißung. Gott hatte demselben versprochen, daß er aus der Frucht seines Leibes einen König für ewig erwecken werde, dessen Königsherrschaft ohne Ende sein werde. Dieser König ist Christus, der Sohn Gottes, der zum Menschensohn geworden, d. h. der zur Leibesfrucht jener Jungfrau geworden, welche von David herstammt. Deshalb lautet das Versprechen auf die Frucht des Leibes, was so viel heißt als Geburt aus der Schwangerschaft eines Weibes allein, aber nicht auf die Frucht der Lenden und nicht auf die Frucht der Nieren, was wieder des Mannes Wirkung allein ist bei der Geburt. Damit sollte das Besondere, Verschiedene und Eigentümliche ausgesprochen werden, welches der Frucht des jungfräulichen Leibes aus David innewohnte, daß er nämlich über Davids Haus König sein werde für immer und dass sein Königtum kein Ende haben werde.

Auf diese Weise hat er also unsere Erlösung als herrlicher Sieger vollendet, hat die Verheißungen an die Vorväter erfüllt und die alte Auflehnung getilgt und ausgeschaltet. Der Sohn Gottes wurde zum Sohne Davids, zum Sohne Abrahams; diese vollendend und in sich erneuernd und zusammenfassend, um uns in den Besitz des Lebens zu setzen, ist das Wort Gottes geheimnisvoll in der Jungfrau Fleisch geworden, den Tod zu vernichten und den Menschen mit dem Leben zu begaben. Wir lagen ja in den Banden der Sünde, die wir in Sünden geboren sind und unter der Herrschaft des Todes leben.

Gott der Vater war also voll Erbarmen. Er sandte das wunderwirkende Wort. Es kam uns zu erretten und hielt sich dazu an denselben Orten und Gegenden unter uns auf, wo wir das Leben bei unserm Verweilen verloren haben, und zerbrach die Bande der Gefangenschaft. Sein Licht leuchtete auf und zerstreute die Finsternis des Kerkers, heiligte unsere Geburt und besiegte den Tod, indem er die Fesseln löste, mit denen wir in Knechtschaft gehalten waren. Selbst zum Erstgeborenen der Toten geworden, zeigte er die Auferstehung und weckte in sich selbst den gefallenen Menschen zur Auferstehung, indem er ihn nach oben, zuhöchst in den Himmel zur Rechten des Vaters emporführte. So hatte es Gott durch den Propheten verheißen, als er sprach: „Ich werde wieder aufrichten das zerfallene Zelt Davids“, d. h. den Leib, der von David stammt. Das hat in Wahrheit unser Herr Jesus Christus vollbracht, da er unsere Erlösung siegreich erkämpfte, um uns wahrhaft aufzuerwecken vom Tode zum Leben für den Vater. Wollte einer seine Geburt aus der Jungfrau nicht annehmen, wie könnte er seine Auferstehung von den Toten annehmen? Denn es wäre nichts Wunderbares, nichts Erstaunliches und Außerordentliches, sowie ein Nichtgeborener von den Toten auferstanden wäre, und wir könnten dies bei einem Nichtgeborenen auch nicht eine Auferstehung nennen. Denn was nicht geboren ist und nicht sterben kann, was nicht unter die Geburt fällt, das fällt auch nicht unter den Tod. Wer den Anfang des Menschen nicht auf sich nahm, wie könnte er sein Ende übernehmen?

Wurde er also nicht geboren, so starb er auch nicht. Und ist er nicht gestorben, so ist er auch nicht von den Toten auferstanden. Stand er nun aber nicht auf von den Toten, dann hat er auch den Tod nicht besiegt und sein Reich nicht vernichtet. Und wenn er den Tod nicht besiegt hatte, wie können wir empor zum Lichte gelangen, die wir von Anfang an dem Tode unterworfen sind? Wer aber also dem Menschen die Erlösung raubt, glaubt auch nicht an Gott, daß er den Menschen von den Toten auferwecken wird. Solche verachten auch die Geburt unseres Herrn, der sich, das Wort Gottes, unsertwillen unterzog, am Fleisch zu werden, damit er die Auferstehung des Fleisches erprobe und allen voran in den Himmel einziehe. Denn der erstgeborene Urausgang aus dem Gedanken des Vaters, das Wort, vollendete alles, die Welt regierend und sie ordnend. Er war der Erstgeborene der Jungfrau, gerecht, heilig als Mensch, gottergeben, gut, gottgefällig, in allem vollkommen, die Rettung aller vor der Hölle, welche ihm nachfolgten. Er war der Erstgeborene von den Toten and der Uraufgang des Lebens in Gott.

So also ist bei der abermaligen Berufung des Menschen durch Gott das Wort Gottes Führer für alle zur einträchtigen Gemeinschaft, weil es wahrhaft Mensch, wunderbarer Ratgeber und mächtiger Gott ist. So sollen wir durch diese Gemeinschaft teilnehmen an der Unvergänglichkeit. Er nun, der im Gesetz des Moses verkündigt worden und von den Propheten des höchsten und allmächtigen Gottes und des Sohnes des Vaters aller, er, von dem alles ist, der mit Moses geredet hat, er trat auf in Judäa, von Gott entsproßt durch den Heiligen Geist, geboren aus der Jungfrau Maria, welche aus dem Geschlechte Davids und Abrahams war, Jesus, der Gesalbte Gottes, mit dem Beweis, daß er der zuvor von den Propheten Verkündigte ist.

Als Vorläufer ging ihm Johannes der Täufer voraus. Er bereitete das Volk vor und rüstete es zu zur Aufnahme des Wortes des Lebens. Er verkündigte von demselben, daß das der Messias sei, auf dem der Geist Gottes ruhe, sich verbindend mit seinem Leibe. Die Schüler desselben und die Zeugen aller seiner Guttaten, seiner Lehre, seiner Leiden, seines Todes und seiner Auferstehung, und der nach der leiblichen Auferstehung folgenden Auffahrt in den Himmel waren die Apostel. Dieselben wurden von ihm, nachdem sie die Kraft des Hl. Geistes empfangen hatten, in alle Welt hinausgesandt und vollführten die Berufung der Heiden, indem sie den Menschen den Weg des Lebens zeigten, und sie zur Abkehr vom Götzendienst, von der Unzucht und dem Wucher bewegten. An Seele und Leib heiligten sie dieselben durch die Taufe im Wasser und den Hl. Geist, den sie vom Herrn empfangen hatten. Indem sie diesen den einzelnen Gläubigen erteilten, begründeten sie die Kirche. Durch Glaube, Liebe und Hoffnung führten sie die Berufung der Heiden ins Werk, welche zuvor von den Propheten verheißen worden war gemäß der Barmherzigkeit Gottes, welche auch über diese sich aufgetan hatte. Durch ihre Amtserfüllung brachten sie diese zur Offenbarung und nahmen diejenigen, die glaubten und Gott liebten, auf zur Teilnahme an den den Vätern gewordenen Verheißungen. An den Stätten der Heiligkeit, Gerechtigkeit und Beharrlichkeit sollten auch sie von Gott allen Zutritt zum ewigen Leben erhoffen durch die Auferstehung von den Toten. So war es verheißen durch den, der gestorben und auferstanden ist, Jesus Christus. Ihm ist gegeben die Herrschaft über alle Wesen und die Macht über die Lebendigen und die Toten und das Gericht. Sie gaben also durch das Wort der Wahrheit auch die Anleitung, den Leib für die Auferstehung unbefleckt und die Seele in Lauterkeit zu erhalten.

Das ist das Betragen der Gläubigen, da der Hl. Geist in ihnen ist und dauernd weilt, der in und mit der Taufe gegeben wird und vom Empfänger bewahrt wird, wenn er in Wahrheit, Heiligkeit, Gerechtigkeit und Beharrlichkeit wandelt. Denn dieser Seele Auferstehung geht an den Gläubigen vor sich, indem der Leib wiederum die persönliche Seele empfängt und mit ihr in der Kraft des Hl. Geistes aufersteht und einzieht in das Gebiet des Reiches Gottes, Der Segen an Japhet reift in der Berufung der Heiden seine Früchte sichtbar im Walten der Kirche, da diese aufstehen, gehorsam Wohnung zu nehmen im Hause Sems, wie Gott verheißen hat.

II. Zweiter Hauptteil. Beweis der Wahrheit der Offenbarungslehre aus dem äusseren Zeugnis der heilsgeschichtlichen Tatsachen.Der leitende Grundsatz.

Diese Begebenheiten and ihre Wege hat der heilige Geist Gottes durch die Propheten zum voraus angekündigt. Er wollte damit in denselben den Glauben befestigen, daß es an den Dienern Gottes in Wahrheit geschehe. Denn was für unsere Natur eine Unmöglichkeit war, und deshalb bei den Menschen nur einen geringen Glauben zu erwecken geeignet war, das ließ Gott durch die Propheten zum voraus zur Verkündigung kommen, damit wir aus der lange zuvor geschehenen Verkündigung und aus der hernach geschehenen, der Ankündigung entsprechenden Erfüllung erkannten, daß Gott es war, der uns unsere Erlösung zuvor offenbarte.

Gott alles zu glauben ist Pflicht und geziemend. Denn Gott ist wahr in allem, auch darin, daß es einen Sohn Gottes gibt und daß derselbe nicht nur existierte, bevor er in der Welt erschien, sondern auch schon, bevor die Welt wurde.

Erster Abschnitt. Die Präexistenz des Gottessohnes vor der Schöpfung und Menschwerdung. Seine Bestimmung zum Erlöser und Wirksamkeit im alten Bund. Grundlage der Weissagung.

Das hat zuerst Moses geweissagt. Er sagte auf hebräisch: Baresith bara Elowim basan benuam samenthares, was in der Sprache des Übersetzers heißt: „Im Anfang der Sohn, dann schuf Gott den Himmel und die Erde“. Mit diesem Zeugnis stimmt der Prophet Jeremias zusammen. Er sagt: „Vor dem Morgenstern habe ich dich geboren und vor der Sonne ist dein Name“, Und das heißt soviel als vor der Schöpfung der Welt. Denn zugleich mit der Welt wurden auch die Gestirne. Wiederum sagt er: „Glückselig der, welcher war, bevor durch ihn der Mensch wurde.“ Denn vor der Schöpfung der Welt war für Gott als Anfang der Sohn, für uns aber ist er jetzt, wo er erschienen ist. Zuvor war er für uns nicht. Wir kannten ihn nicht. Deshalb konnte sein Jünger Johannes, um uns von der Vorweltlichkeit dessen, der Gottes Sohn und beim Vater war, und von seiner schöpferischen Tätigkeit in Hinsicht auf alles Geschaffene zu belehren, sagen: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Dieses war im Anfang bei Gott; alles ist durch ihn geworden und ohne ihn ist nichts geworden.“ Damit zeigte er ganz sicher, daß der, so im Anfang als Wort beim Vater war, und durch den alles geworden ist, der Sohn desselben ist.

Und wie der Sohn Gottes mit Abraham in eine Unterredung eintrat, sagt Moses wiederum: „Und es erschien ihm Gott bei der Terebinthe Mamres am Mittag; als er die Augen erhob und sah, siehe, da traten drei Männer vor ihn, und er neigte sich zur Erde und sprach: Herr, habe ich wirklich Gnade gefunden vor Dir“. Und alles Weitere sprach er mit dem Herrn und der Herr mit ihm. Zwei von den dreien nun waren Engel, der eine aber war der Sohn Gottes, mit dem eben Abraham sprach und bei dem er Fürsprache einlegte für die Bewohner von Sodoma, daß sie nicht zugrunde gingen, wenn nur zehn Gerechte wenigstens sich fänden. Während diese miteinander redeten, gingen die Engel nach Sodoma, und Loth nahm sie auf. Hierauf sagt die Schrift: „Der Herr ließ über Sodoma und Gomorrha Schwefel und Feuer regnen vom Herrn vom Himmel“. Gemeint ist der Sohn, der mit Abraham redete. Als Herr empfing er die Gewalt zur Bestrafung der Sodomiter vom Herrn vom Himmel, von dem Vater, der über alles herrscht. Hiermit ward Abraham ein Prophet und sah das Zukünftige, welches geschehen sollte, in menschlicher Gestalt den Sohn Gottes, denn dieser sollte mit den Menschen reden, mit ihnen Nahrung genießen und hernach von dem Vater aus, der über alle herrscht, das Gericht über sie abhalten, wie er von ihm die Gewalt zur Bestrafung der Sodomiter erhalten hatte.

Als Jakob nach Mesopotamien zog, schaute er ihn im Traumgesicht, wie er oben auf der Leiter stand, d. h. auf dem Holze [Kreuz], welches von der Erde bis zum Himmel reichend aufgerichtet war. Denn auf derselben steigen die, welche an ihn glauben, zum Himmel hinauf. Seine Leiden sind die Kräfte, die uns dort hinaufführen. Und alle diese Gesichte deuten an, wie der Sohn Gottes mit den Menschen spricht und unter ihnen weilt. Denn nicht hat ehedem der Vater von allem, der von dieser Welt nicht gesehen wird, und der Schöpfer von allem, der da spricht: „Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße, wie wollt ihr mir ein Haus bauen, oder wo wäre der Ort meiner Ruhe“, er, „der die Erde faßt mit seiner Faust und den Himmel ausspannt mit seiner Hand“ — nicht er hat, in kleinem Raum vorübergehend weilend, mit Abraham gesprochen, sondern das Wort Gottes, das immer mit der Menschheit war und das Zukünftige, welches kommen sollte, zum voraus enthüllte und die Menschen über Gott belehrte.

Im Dornbusch sprach er aber mit Moses und sagte: „Ich habe die Leiden meines Volkes, das in Ägypten ist, achtsam gesehen und bin herabgestiegen, sie zu retten“. Er kam und stieg herab zur Befreiung der Bedrängten und entriß uns aus der Gewalt der Ägypter, d. h. aus allem Götzendienst und aller Gottlosigkeit. Er errettete uns aus dem Roten Meere, d. h. aus dem todbringenden Wirrsal der Heiden; er befreite uns aus der verderblichen Verführung ihrer Lästerung. Denn was zuvor an ihnen geübt wurde, war unsere Vorbereitung durch das Wort Gottes. Damals zeigte er im Vorbild zum voraus das Zukünftige, jetzt aber entreißt er uns in Wahrheit der drückenden Knechtschaft der Heiden. Einen Wasserstrom ließ er in der Wüste reichlich aus dem Felsen erquellen und der Fels war er. Und zwölf Quellen hat er erschlossen, nämlich die Lehre der zwölf Apostel. Die widerspenstigen Kleingläubigen ließ er in der Wüste aussterben und untergehen; aber diejenigen, die an ihn glaubten und an Bosheit den Kindern gleich geworden waren, diese führte er ein in das Erbe der Väter. Und nicht Moses, sondern Jesus verteilte das Ererbte in Losen, er auch befreite uns von Amalek durch die Ausspannung seiner Hände, er führt uns hinauf in das Reich des Vaters.

Also ist Herr der Vater und Herr der Sohn, und Gott der Vater und Gott der Sohn; denn wer von Gott erzeugt ist, ist Gott. Und in dieser Weise wird nach Dasein und Kraft seines Wesens ein Gott erwiesen, nach dem Vorgange und der Vollführung unserer Erlösung aber Sohn und Vater. Denn da der Vater für alles Gewordene unsichtbar und unnahbar ist, so bedurfte es für diejenigen, welche [künftig] zu Gott gelangen sollten, der Hinführung zur Unterwerfung vor dem Vater durch den Sohn. Deutlich spricht in hellerem Glanze auch David so von Vater und Sohn: „Dein Thron, o Gott, ist und bleibt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Du liebst die Gerechtigkeit und hassest das Unrecht. Deshalb hat dich Gott gesalbt mit dem Öle der Freude mehr als seine Genossen. Denn weil der Sohn Gott ist, empfängt er vom Vater den Thron des ewigen Reiches und das Salböl mehr als seine Genossen. Das Öl der Salbung aber ist der Geist. Mit ihm ist er gesalbt. Seine Genossen aber sind die Propheten, die Gerechten, die Apostel und alle, welche teilnehmen an seinem Reiche, d. h. seine Jünger.

Und wiederum sagt David: „Es sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege. Das Szepter deiner Macht wird der Herr aussenden aus Sion; herrsche inmitten deiner Feinde. Mit dir im Anbeginn, am Tage deiner Kraft im Lichte der Heiligen, aus dem Leibe, vor dem Morgenstern habe ich dich gezeugt. Der Herr hat geschworen und es wird ihn nicht reuen, du bist Priester für Ewigkeit nach der Ordnung des Melchisedech. Und der Herr ist zu deiner Rechten. Er zerschmetterte am Tage seines Zornes Könige, er wird richten unter den Heiden, voll machen das Zerstörte, er wird zerschmettern die Häupter vieler auf der Erde. Vom Bache am Wege wird er trinken, deshalb wird er erheben das Haupt“. Hiermit hat er ihn also als denjenigen geoffenbart, welcher als der allererste erzeugt wurde und über die Heiden herrscht, und der die ganze Menschheit, selbst die Könige, die jetzt ihn hassen und seinen Namen verfolgen — denn diese sind seine Feinde —, richten werde. Indem er ihn Priester Gottes für ewig nannte, hat er seine Unsterblichkeit verkündet. Deshalb fügt er das Wort bei: „Vom Bache wird er trinken am Wege, deswegen wird er erheben das Haupt.“ Er tut damit die über das Menschliche an ihm und seine Niedrigkeit und Unscheinbarkeit hinausragende Erhebung voll Ruhm kund.

Der Prophet Isaias sodann tut den Ausspruch: „So spricht Gott der Herr zum Herrn, meinem Gesalbten, dessen Rechte ich ergriffen habe, daß die Heiden von ihm gehorsam seien“. Fragt jemand: Wie aber wird denn Christus Sohn Gottes und König der Heiden, was soviel ist als: aller Menschen, genannt, so gibt darüber, daß er sowohl Sohn Gottes als auch König aller genannt wird und ist, David, wie folgt, Aufschluß: «Der Herr sprach zu mir: Mein Sohn bist du, ich habe dich allein gezeugt. Fordere von mir und ich will dir die Heiden zu deinem Erbe geben und zum Eigentum den Umkreis der Erde“. Solche Worte wurden nicht zu David gesprochen, denn er herrschte nicht über die Heiden und nicht über den Umkreis der Erde, sondern allein über die Juden, So ist es klar, daß die Verheißung an den Gesalbten, daß er über den Erdkreis gebieten werde, dem Sohne Gottes gilt. Ihn also bekennt David klar als Sohn Gottes, indem er sagt: „Es spricht der Herr zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten“ und im darauffolgenden, wie wir es oben angeführt haben. Denn er läßt den Vater mit dem Sohne sprechen, wie wir wenig früher bei Isaias gesagt haben, der sich also äußert: „Gott spricht zum Herrn, meinem Gesalbten, daß die Heiden ihm gehorsam seien.“ Denn es ist bei beiden Propheten dieselbe Verheißung, daß er werde König sein. Also ist das Wort Gottes an einen und denselben gerichtet, d. h., so sage ich, an Christus, den Sohn Gottes. Wenn David sagt: der Herr sprach zu mir, so ist es nötig zu bemerken, daß es nicht David ist, der spricht, und nicht einer von den andern Propheten selbst für seine eigene Person, denn nicht Menschen sind es, welche die Weissagungen tun, sondern der Geist Gottes. Er nimmt Form und Gestalt an, ähnlich den in Rede stehenden [vorliegenden] Personen und spricht in den Propheten bisweilen vom Standpunkt Christi, bisweilen vom Standpunkt des Vaters.

Demgemäß sagt Christus ganz passend durch David, daß der Vater selbst mit ihm spricht, und sehr angemessen spricht er auch das andere selbst über sich durch die Propheten, wie in andern Fällen so auch in folgender Stelle des Isaias: „Und nun spricht der Herr, der mich geschaffen vom Mutterleibe an, zu seinem Knechte, Jakob zu sammeln und Israel zu ihm zusammenzuführen, und daß ich verherrlicht werde vor dem Herrn und mein Gott meine Kraft sei. Und er sprach: Als etwas Großes soll es dir gelten, mein Knecht zu heißen und das Volk Jakobs wieder aufzurichten und zu kräftigen und die Zerstreuten Israels zurückzuführen. Ich habe dich bestellt zum Licht der Heiden, und das Heil zu sein bis ans Ende der Erde“

Hiebei ist als das Allererste hervorzuheben, daß daraus, daß der Vater mit dem Sohne Gottes spricht, und ihn, bevor er geboren wurde, den Menschen geoffenbart hat, seine Präexistenz sich ergibt; dann aber, daß er zur Geburt bestimmt, in angemessener und geziemender Weise unter den Menschen Mensch wurde. Und daß ihn Gott vom Mutterleibe an selbst bildete, das will bedeuten, daß er vom Geiste Gottes geboren werden sollte und daß er der Herr und Erlöser aller Menschen ist, die an ihn glauben werden, der Juden und der übrigen. Denn das Volk der Juden wird in hebräischer Sprache vom Vater Jakob, der zuerst auch Israel genannt wurde, Israel geheißen, Heiden aber nennt [die Schrift] alle [übrigen] Menschen. Als Knecht des Vaters aber bezeichnet sich der Sohn Gottes selbst wegen seines Gehorsams gegen den Vater, denn jeder Sohn ist Knecht seines Vaters, auch bei den Menschen.

Zweiter Abschnitt. Die Erfüllung der einzelnen Weissagungen über Jesu Lebensverhältnisse, Wirksamkeit, Leiden und Auferstehung.

Daß also der Sohn Gottes, welcher war vor aller Welt, Christus ist, zugleich mit dem Vater und beim Vater seiend, und nahe in Zusammenhang und Gemeinschaft mit den Menschen, und König aller, da der Vater ihm alles unterworfen hat, und Erlöser derjenigen, die an ihn glauben, das bekunden von ihm die Schriften. Da es nun durchaus nicht möglich ist, die ganze Schrift zum Zeugnis der Reihe nach darzulegen, so magst Du aus diesen auch die andern, den vorgetragenen gleichlautenden Zeugnisse erkennen, im Glauben an Christus und im Gebet zu Gott um Weisheit und Überlegung zum Verständnis der Aussagen der Propheten.

Und daß dieser Christus, der als Wort des Vaters beim Vater war, hernach einen Leib annahm und Mensch wurde, dem Wege der Geburt sich unterzog und von einer Jungfrau geboren wurde und unter den Menschen wandelte, indem der Vater aller selbst seine Fleischwerdung wirkte, lehrt Isaias in folgenden Worten: „Deshalb wird der Herr selbst dir ein Zeichen geben. Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und ihn Emmanuel nennen. Butter und Honig wird er essen; bevor er zur Erkenntnis kommt oder das Böse unterscheiden kann, wird er das Gute wählen, denn bevor das Kind das Gute oder Böse erkennt, wird es dem Bösen widerstehend das Gute wählen“. Daß er aus einer Jungfrau geboren werde, hat er hiermit verkündigt, und daß er wahrhaft Mensch war, zum voraus dargetan durch den Hinweis auf sein Essen, auch dadurch, daß er ihn Kind nennt und ihm einen Namen gibt. Denn diese Unwissenheit ist auch [ein Zustand] des Geborenen [d. h. des Kindes]; auch hat er einen doppelten Namen: in der hebräischen Sprache Messias, Christus, und in der Landessprache Jesus, Erlöser. Beide Namen sind Namen von Werken, die er ausgeführt hat. Christus wird er genannt, weil der Vater durch ihn alles gesalbt und geschmückt hat, und mit Bezug auf seine Ankunft als Mensch, weil er der Gesalbte Gottes und seines Vaters ist im Hl. Geiste. Er sagt selbst durch den Propheten Isaias: „Der Geist des Herrn ist über mir, denn er hat mich gesalbt, den Armen das Evangelium zu verkünden.“ Erlöser wird er genannt aus dem Grunde, weil er die Ursache der Erlösung wurde für diejenigen, welche damals durch ihn von verschiedenerlei Krankheit und vom Tode gerettet wurden, und deshalb, weil er denjenigen, die hernach an ihn glaubten, das zukünftige und ewig währende Heil verschafft hat.

Deshalb hat er also den Namen Erlöser. Emmanuel nun heißt übersetzt: „Mit euch ist Gott“ oder der Name ist ein vom Propheten gesprochenes Wort der Sehnsucht, gleich dem: „Möge Gott mit uns sein.“ In diesem Sinne wäre er eine Erklärung und Enthüllung des Verheißenen, denn: „Siehe“, sagt er, „die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und dieser wird als Gott existierend mit uns sein.“ Er verwundert sich gleichsam dabei über den Hergang, indem er das Zukünftige verkündet, daß Gott mit uns sei. Über seine Geburt sagt derselbe Prophet an einer andern Stelle sodann: „Ehe denn sie, die kreißte, gebar, und ehe denn die Geburtswehen eintraten, ward sie von einem Knäblein entbunden“. Diese Worte bezeichnen seine Geburt aus der Jungfrau als unverhofftes und unvermutetes Ereignis. Des weitern spricht der gleiche Prophet: „Ein Sohn ist uns geboren, ein Knabe ist uns geschenkt worden, und sein Name heißt: Wunderbarer, Ratgeber mächtiger Gott“.

Auch „wunderbarer Ratgeber“ nennt er ihn oder Ratgeber des Vaters. Dadurch wird angedeutet, dass der Vater mit ihm zusammen alles wirkt. So steht schon im ersten Buch Moses, welches die Überschrift Genesis trägt: „Und es sprach Gott: Laßt uns den Menschen machen nach unserm Bild und Gleichnis“. An dieser Stelle wird es gerade offenbar, daß der Vater den Sohn anredet und er der wunderbare Ratgeber des Vaters ist. Auch unser Ratgeber ist er, [mit uns] seiend und Rat erteilend, indem er nicht als Gott uns nötigt und doch der in allem mächtige Gott ist und zu uns spricht. Sein Rat leitet uns an, die Unwissenheit zu heben und zu verlassen, und Erkenntnis zu gewinnen, dem Irrtum uns zu entwinden und zur Wahrheit zu gelangen, das Vergängliche abzulegen und das Unvergängliche zu behalten.

Und wiederum sagt Isaias: „Und sie werden wünschen, daß sie mit Feuer verbrannt wären, denn ein Kind ist uns geboren, und ein Sohn ist uns geschenkt, auf dessen Schultern die Herrschaft gelegt ist, und sein Name heißt: Bote des großen Rates. Denn ich werde über die Fürsten Frieden bringen und Friede und Wohl für ihn wiederum. Groß ist seine Macht und sein Friede hat keine Grenze, auf dem Throne und im Reiche Davids zu wirken [und zu vollenden und zum Anteil zu sein ?] und es zu bewahren durch Gerechtigkeit und Gericht von nun an bis in Ewigkeit“. Durch diese Worte wird ja der Sohn Gottes zugleich als Geborener und als ewiger König dargestellt. Wenn es aber heißt: „Sie werden wünschen, im Feuer verbrannt zu sein“, so ist das von jenen gesagt, welche nicht an ihn glauben, und welche an ihm das taten, was sie getan haben. Das Wort bedeutet, daß sie beim Gerichte sagen werden: Wie viel besser wäre es gewesen, daß wir mit Feuer verbrannt worden wären, schon bevor der Sohn Gottes geboren wurde, als daß wir nach seiner Geburt nicht an ihn geglaubt haben! Denn jene, welche entschlafen waren, ehe Christus erschien, hatten Hoffnung, im Gerichte des Auferstandenen Heil zu finden, sofern sie Gott fürchteten, in Gerechtigkeit entschlafen waren und den Geist Gottes in sich getragen hatten wie die Patriarchen, die Propheten und die Gerechten. Jenen aber, die nach der Erscheinung Christi nicht an ihn geglaubt haben, droht beim Gerichte unbarmherzige Rache. Mit dem Ausdruck: „auf dessen Schultern die Herrschaft gelegt ist“, ist figürlich das Kreuz genannt, auf welchem er festgenagelt mit seinem Rücken ruhte. Denn das Kreuz war und ist für ihn und seinetwegen für uns eine Schmach. Dasselbe aber nennt er seine Herrschaft zum Zeichen seines Königtums. Bote des großes Rates, d. h. des Vaters, wird er noch genannt, weil er ihn uns geoffenbart hat.

Und daß der Sohn Gottes geboren werden sollte, und auf welche Weise er als solcher geboren würde, und, daß er als Christus erwiesen würde, das ist aus dem oben Gesagten klar, wie es zuvor durch die Propheten verkündigt worden war. Hernach wurde auch darüber die Vorherverkündigung gegeben, in welchem Lande und unter welchen Menschen er geboren und erscheinen werde. In solchen Enthüllungen erklärt Moses im Buch Genesis: „Nicht fehlen wird der Fürst aus Juda, noch ein Führer aus seinen Lenden, bis derjenige kommt, nach dem die Erwartung steht, und er wird die Hoffnung der Heiden sein. Er wäscht sein Kleid im Wein und im Blute der Trauben seinen Mantel“. Juda ist aber der Stammvater der Hebräer, der Sohn Jakobs. Von ihm erhielten sie den Namen. Und [tatsächlich] fehlte bei ihnen der Fürst und Führer nicht bis zur Ankunft Christi. Zur Zeit seiner Ankunft wurden die der Waffenköcher Kundigen unterworfen und das Land der Juden kam unter die Botmäßigkeit der Römer. Einen eigenen Fürsten oder König erhielten sie nicht mehr über sich. Denn jener war ja gekommen, dem im Himmel die Königsherrschaft zugedacht war, der auch im Wein sein Gewand und mit dem Blute der Trauben seinen Mantel gewaschen hatte. Sein Kleid aber, wie auch sein Mantel, sind jene, welche an ihn glauben. Diese hat er auch geheiligt, indem er uns mit seinem Blute erlöste. Sein Blut wird deshalb auch Blut der Traube genannt. Denn wie das Blut der Traube kein Mensch machen kann, sondern Gott es schafft und diejenigen freudig macht, welche es trinken, so hat auch seinen Leib und sein Blut kein Mensch hervorgebracht, sondern Gott hat es gebildet. Der Herr selbst hat das Zeichen der Jungfrau gegeben, d. h. den Emmanuel aus der Jungfrau geboren. Er auch macht freudig jene, die ihn trinken, d. h. jene, welche seinen Geist, ewige Freude, empfangen. Aus diesem Grunde ist er auch die Hoffnung derjenigen Heiden, welche auf ihn warten. Denn wir hoffen, daß er das Reich wiederum herstellen werde.

Wiederum sagt Moses: „Ein Stern wird aufgehen aus Jakob und ein Führer aus Israel erstehen“. Damit gibt er in deutlicherer Weise kund, daß das Geheimnis des Werdens im Fleische [am Gottessohn] unter den Juden sich vollziehe und daß er aus Jakobs und Judas Stamm durch seine Geburt hervorgeht, daß er aber vom Himmel herabgestiegen ist, um die Ausführung des geheimnisvollen Werkes zu übernehmen. Denn der Stern erscheint am Himmel. Auch bekundet er, dass Führer König heißen soll, denn er ist der König aller Geretteten. Nach seiner Geburt erschien aber der Stern den Magiern, die im Morgenland wohnten. Aus ihm ersahen sie, daß Christus geboren war, und kamen, vom Stern geführt, ins Judenland, bis der Stern über Bethlehem, wo Christus geboren war, stand und in das Haus hineinging, wo das Kind eingewickelt lag, und er über sein Haupt sich stellte und den Magiern den Sohn Gottes, Christus, zeigte.

Außerdem sagt Isaias selbst noch: „Und es wird hervorbrechen ein Reis aus der Wurzel Jesse und eine Blume hervorgehen aus dem Stamme. Und es wird über ihm ruhen der Geist Gottes, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Starke, der Geist der Wissenschaft und der Frömmigkeit. Der Geist der Gottesfurcht wird ihn erfüllen. Er wird nicht richten nach Verdacht und nicht auf Gerede hin zurechtweisen, sondern er wird den Armen richten nach Gerechtigkeit und Mitleid üben mit den Elenden im Lande. Er wird die Erde schlagen mit dem Worte seines Mundes und mit dem Hauch seiner Lippen den Gottlosen hinraffen. Mit Gerechtigkeit werden seine Lenden umkleidet sein und seine Hüften umgürtet mit Wahrheit. Und es wird weiden der Wolf mit dem Lamme und der Panther mit dem Böcklein, und das Kalb und der Löwe werden miteinander weiden. Und ein kleiner Knabe wird in die Höhle der Otter und in das Nest der Schlangenbrut seine Hand strecken, und sie werden ihm nicht schaden. Und an jenem Tage wird sein der Sproß Jesses und er, der aufsteht, die Heiden zu beherrschen, und auf ihn werden die Heiden hoffen. Und sein Auferstehen wird herrlich sein“. Mit diesen Worten erklärt er, daß er geboren werde von derjenigen, welche von David und Abraham herstammt. Denn Isai war ein Nachkomme Abrahams und der Vater Davids, das Geschlecht, welchem entsproßte Christus. Die Jungfrau aber war nun das Reis, und deshalb hat auch Moses mit einem Reise vor Pharao die Wunderzeichen gezeigt. Auch sonst ist bei den Menschen der Stab ein Zeichen der Herrschaft. Und als eine Blume bezeichnet er seinen Leib, denn derselbe ist aus dem Hl. Geiste ersprossen, wie wir schon weiter oben gesagt haben.

Mit dem Ausdruck: „Er wird nicht richten auf [bloßen] Verdacht hin und nicht auf Gerede hin zurechtweisen, sondern er wird den Armen nach Gerechtigkeit richten und Mitleid üben mit den Elenden im Lande“, erweist er noch mehr seine sichere Gottheit, denn zu richten ohne Voreingenommenheit und ohne Ansehen der Person, ohne den Vornehmen mit Ehre zu behandeln und mit gebührender Achtung vor den Armen, Gleiches und Gebührendes beobachtend, das ist der allerobersten Gerechtigkeit Gottes entsprechend. Denn Gott läßt sich von niemand beeinflussen noch rühren, als allein vom Gerechten. Und sich zu erbarmen, ist ganz besonders Gott eigen, ihm, der durch Erbarmung retten kann, und der Ausdruck: „der die Erde durch sein Wort schlägt und mit seinem Worte allein die Gottlosen hinrafft“, spricht wieder der Gott, der alles durch das Wort vollbringt; die Erklärung aber: „Er wird mit Gerechtigkeit um seine Lenden umgürtet sein und mit Wahrheit gegürtet um seine Hüften“, offenbart seine menschliche Gestaltung und seine angeborene strenge Gerechtigkeit.

Was die Einigkeit, Eintracht und den Frieden unter den andersgearteten und ihrer Natur nach einander widerstrebenden und feindseligen Wesen angeht, so sagen die Alten, daß es wirklich bei der Ankunft Christi, wenn er kommen wird, um als König über alles zu herrschen, so sein werde. Siehe, nun ist sie eine bildliche Bezeichnung jener friedlichen Vereinigung von Menschen ungleicher Abstammung, aber gleicher Gesinnung durch den Namen Christi, in Eintracht, daß den einträchtigen Gerechten, welche mit den Rindern, den Lämmern, den Böcklein und den Kindern verglichen werden, keinen Schaden mehr zufügen jene, welche in den vorangehenden Zeiten wegen ihrer Habsucht wie wilde Tiere geartet und gesinnt waren, Männer und Weiber, so daß manche von ihnen Wölfen, manche Löwen ähnlich waren, die Schwachen beraubend und mit ihresgleichen Krieg führend. Die Weiber aber „waren so ähnlich den Panthern und Ottern, welche mit tödlichem Gift wohl sogar ihre Lieben zu töten imstande waren, oder durch ihre Begierden. Jetzt werden sie vereint in meinem Namen und werden von Gottes Gnade gerechte Sitten gewinnen, nach denen sie ihre wilde und ungebändigte Natur umwandelten. Und das ist auch eingetroffen. Solche, welche vorher voll Bosheit waren, so daß sie kein gottloses Werk lassen konnten, haben durch die Lehre Christi und den Glauben an ihn, zugleich indem sie gläubig wurden, sich umgewandelt, so daß sie jetzt selbst über die Pflicht hinausgehende Werke der Gerechtigkeit nicht unterlassen. Solche Umwandlung bewirkt der Glaube an Christus, den Sohn Gottes, in seinen Bekennern. Der Ausdruck; „Er wird auferstehen, die Heiden zu beherrschen“, will ankünden, daß er von den Toten auferstehen und bekannt und geglaubt werden sollte als Gottes Sohn und König. Deshalb sagt er: „Und es wird seine Auferstehung herrlich sein.“ Damit ist seine Majestät gemeint, denn als er auferstand, da wurde er als Gott verherrlicht.

Deswegen sagt der Prophet weiterhin: „An diesem Tage werde ich aufrichten das zerfallene Zelt Davids“. Damit ist der Leib Christi, der, wie wir schon oben gesagt haben, aus Davids Stamm ist, gemeint. Es ist offenbar, daß er hier die Auferstehung desselben von den Toten nach seinem Hinscheiden kund tut. Denn der Leib wird hier als Zelt bezeichnet. Durch diese Aussagen kündigt die Schrift all das an, nämlich daß Christus dem Leibe nach aus Davids Samen stammt, während sie ihn Sohn Gottes nennt, daß er nach dem Tode auferstehe und daß er nach seiner wahrnehmbaren Gestalt Mensch, nach seiner Kraft aber Gott ist, und dass er als Richter über die ganze Welt sich zeigen werde und als der Vollbringer aller Gerechtigkeit und als Erlöser.

Und außerdem gibt der Prophet Michäas auch den Ort an, wo Christus geboren werden sollte, nämlich in Bethlehem in Judäa. Er sagt: „Und du, Bethlehem in Judäa, bist nicht gering unter den Führern [Vororten] Judas. Denn aus dir wird der Führer hervorgehen, der weiden wird mein Volk Israel“. Aber Bethlehem ist auch die Landschaft Davids, so dass [Christus] nicht nur durch die Jungfrau, die ihn gebar, aus dem Stamme Davids ist, sondern auch dadurch, daß er in Bethlehem, der Landschaft Davids, geboren ist.

Auch David erklärt ferner, daß Christus aus seinem Samen geboren werde. Sein Wort lautet: „Wegen Davids, meines Knechtes, wende nicht ab das Angesicht deines Christus [= Gesalbten], Der Herr hat geschworen in Wahrheit, und er wird es nicht verleugnen; von deiner Leibesfrucht werde ich auf deinen Thron setzen, wenn deine Söhne meinen Bund halten und meine Verfügungen, welche ich mit ihnen abgemacht habe; und ihr Sohn auf ewig“. Keiner von den Söhnen Davids jedoch herrschte in Ewigkeit, selbst ihr Königtum erhielt sich nicht für ewig, denn es ist vorübergegangen. Allein derjenige [herrscht ewig], welcher aus Davids Stamm als König geboren wurde, der ist Christus, Alle diese Zeugnisse enthüllen nach seiner leiblichen Abstammung das Geschlecht und den Ort deutlich, wo er geboren werden sollte, so daß man nicht unter den Heiden oder sonst wo nach der Geburt des Sohnes Gottes zu suchen hatte, sondern zu Bethlehem in Judäa, im Stamme Abrahams und Davids.

Und als Vorbild seines Einzugs in Jerusalem, welches die Hauptstadt Judäas war, und dessen Königsstätte, und wo der Tempel Gottes sich befand, spricht der Prophet Isaias die Worte aus: „Saget zur Tochter Sions: Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig und reitend auf einem Esel, auf einem Füllen, dem Jungen einer Eselin“. Denn auf dem Füllen einer Eselin reitend hielt Christus seinen Einzug in. Jerusalem, indem das Volk seine Kleider ausbreitete und ihm unterlegte. Als Tochter Sions redet der Prophet Jerusalem an.

Daß also Jesus geboren würde, wie und wo der Sohn Gottes geboren werden sollte, und daß Christus ein König auf ewig ist, das verkünden die Propheten in dieser Weise: Und wie sie wiederum vorausgesagt haben, daß er, aus der Menschheit entsproßt, heilen werde, die er geheilt hat, daß er von den Toten erwecken werde, die er erweckt hat, und daß er gehaßt und geschmäht werde, sich dem Leiden unterziehe, getötet und gekreuzigt werde, so wurde er gehaßt, geschmäht und getötet.

Jetzt wollen wir von seinen Heilungen reden. Isaias sagt: „Er übernahm unsere Schwachheiten und unsere Krankheiten hat er getragen“. Das will heißen: Er wird sie übernehmen und wird sie tragen. Denn es gibt Stellen, wo der Geist Gottes das, was künftig geschehen soll, durch die Propheten als schon geschehen erzählt. Was nämlich bei Gott erprobt und geplant ist als etwas, dessen Eintritt beschlossen ist, das wird als schon vollzogen betrachtet. In dieser Betrachtungsweise und unter Vergegenwärtigung der Zeit, in welcher die geweissagten Vorgänge in Erfüllung gehen, bildet der Geist seine Ausdrücke. Und über die Art der Heilungen wird er Erwähnung tun, indem er spricht: „An jenem Tage werden die Tauben das Wort der Schrift hören und die Augen der Blinden in Nacht und Dunkel sehen“. Wiederum sagt derselbe: „Erstarket ihr erschlafften Hände und ihr wankenden und schwachen Knie. Tröstet euch, ihr Kleinmütigen und Furchterfüllten, erstarket und fürchtet euch nicht. Siehe, unser Gott wird als Richter Vergeltung üben. Er selbst wird kommen und uns retten. Dann werden die Augen der Blinden sich auftun und die Ohren der Tauben hören, dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und die Zunge des Stotternden wird gelöst“. Und in Hinsicht auf das Auferstehen von Toten sagt er: „So werden auferstehen die Toten und auferstehen jene, die in den Grüften sind“. Und weil diese Werke geschehen, soll man an die Ankunft des Sohnes Gottes glauben.

Und daß er geschmäht und gepeinigt und zuletzt getötet wird, das erklärt Isaias folgendermaßen: „Siehe da, mein Sohn wird anerkannt und erhöht und sehr verherrlicht. So daß viele sich wundern über dich, so wird unansehnlich dein Angesicht unter den Menschen sein. Und viele Völker werden sich wundern und Könige werden ihren Mund schließen, denn sie werden schauen, denen von ihm nicht erzählt worden, und jene, welche nicht gehört hatten, werden zu Herzen nehmen. Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem wurde offenbar der Arm des Herrn? Wir haben erzählt ihm gegenüber gleichwie ein Kind, wie ein Wurzelschoß in dürrem Land. Ansehen hat er nicht noch Herrlichkeit. Wir sahen ihn und er hatte kein Ansehen noch Schönheit. Sein Aussehen war vielmehr ohne Würde, geringer als das anderer Menschen. Ein Mensch in Schlägen und erfahren im Ertragen der Leiden, so daß abgewandt ist sein Antlitz. Er wurde mißachtet und nicht geschätzt. Dieser trägt unsere Sünden und unseretwegen wird er von Schmerzen gequält, und wir meinten, daß er den Schmerzen und den Schlägen und den Qualen verfallen sei. Und doch wurde er verwundet wegen unserer Missetaten., und gepeinigt wegen unserer Sünden. Die Züchtigung liegt zu unserem Frieden auf ihm, und durch seine Wunden wurden wir geheilt“. Durch diese Schilderungen ist verkündigt, daß er gepeinigt worden ist, wie auch David sagt: „Und ich habe gelitten“. David jedoch ist niemals gefoltert worden, aber Christus, als der Befehl zur Kreuzigung gegeben wurde. Und außerdem spricht sein Wort zu Isaias: „Meinen Rücken gab ich den Schlägen hin und meine Wangen den Streichen, und ich wandte mein Angesicht nicht ab von der Schmach der Bespeiung“. Dasselbe sagt auch der Prophet Jeremias also: „Er wird dem, der ihn schlägt, die Wange darreichen und überhäuft werden mit Beschimpfung“. Alles dieses hat Christus getragen.

Darauf folgt bei Isaias nun dieser Ausspruch: „Durch seine Wunden sind wir alle geheilt worden. Wie Schafe waren wir abgeirrt. Ein jeder ging irr auf seinem Wege. Und der Herr gab ihn hin für unsere Sünden“. Also ist es offenbar, dass diese Leiden nach dem Willen des Vaters ihn trafen wegen unserer Erlösung. Hernach sagt er auch über sein Leiden: „Er tut seinen Mund nicht auf. Wie ein Schaf wird er zur Schlachtbank geführt, wie ein Lamm vor dem Scherer ist er stumm“. Siehe hier, wie er die Freiwilligkeit kundtut, mit der er in den Tod ging. Wo aber der Prophet sagt: „In Demut ward sein Gericht hinweggenommen“, so schildert er damit die Erscheinung seiner Demut. Infolge der Erscheinung seiner Niedrigkeit geschah die Wegnahme des Gerichts. Und die Wegnahme des Gerichts gereicht manchem zur Erlösung, manchem zum Verhängnis voll Qualen. Denn wo etwas weggenommen wird, da geschieht es zu des einen Gunsten und zu des andern Nachteil. So ist es auch beim Gericht. Diejenigen, über die es ergeht, diese müssen es tragen im Verhängnis ihrer Qualen, die aber, die mit ihm verschont wurden, sind dadurch erlöst worden. Somit haben diejenigen das Gericht auf sich geladen, welche ihn kreuzigten und, indem sie das taten, nicht an ihn glaubten. Denn durch dieses Gericht, das an ihnen genommen wurde, wurden sie von den Qualen ergriffen. Von denjenigen aber, welche an ihn glaubten, wurde das Gericht abgewälzt und sie unterliegen ihm nicht mehr. Und das Gericht, welches durch Feuer die Kleingläubigen in den Untergang stürzt, wird stattfinden am Ende der Welt.

Nun schließt er den Ausspruch an: „Wer wird seine Abstammung erzählen?“ Uns davor zu bewahren, daß wir ihn wegen seiner Feinde und wegen der Qualen seiner Leiden verachten wie einen unbedeutenden und verächtlichen Menschen, ist das gesagt worden. Denn er, der dies alles ertragen hat, ist von unaussprechbarer Abkunft; mit seiner Abkunft ist ja der Ursprung seiner Wesenheit bezeichnet, und dieser ist sein Vater, der erhaben ist über alle Schilderung und Benennung. Erkenne also, von welcher Herkunft derjenige ist, der solche Leiden ertragen hat, und verachte ihn nicht wegen der Leiden; deinetwegen hat er sie nach geheimnisvollem Plan getragen; fürchte ihn vielmehr wegen seiner Herkunft.

An einem andern Ort sagt ferner Jeremias: „Der Geist unseres Angesichts [ist] der Herr Christus, und wie wurde er in ihren Fallstricken gefangen, von dem wir sagten: Unter seinem Schatten wollen wir leben unter den Heiden.“ Daß Christus, obwohl er Gottes Geist ist, doch ein leidensfähiger Mensch werden sollte, das sagt die Schrift, Sie staunt und wundert sich gleichsam über seine Leiden, weil derjenige solche Leiden ertragen sollte, unter dessen Schatten wir leben zu wollenerklärten. Als Schatten bezeichnet sie hier seinen Körper. Denn wie der Schatten durch den Leib entsteht, so ist der Leib Christi durch seinen Geist geworden. Aber auch die Niedrigkeit und Verächtlichkeit seines Leibes deutet er zugleich durch das Wort Schatten an, denn wie der Schatten selbst der gerade aufrecht stehenden Leiber auf dem Boden liegt und getreten wird, so ist auch der Leib Christi zu Boden geworfen und durch seine Qualen gleichsam zertreten worden. Sie nennt aber auch den Leib Christi Schatten, weil er gleichsam der Schatten des Geistes voll Herrlichkeit geworden ist und diese verhüllt hat. Die Leute legten ja auch vielmal die von allerlei Krankheiten Geplagten beim Vorbeigehen Jesu an den Weg und diejenigen, über welche sein Schatten glitt, wurden gerettet.

Derselbe Prophet sagt über die Leiden Christi ferner auch das Folgende: „Siehe, wie der Gerechte untergeht, und niemand nimmt es zu Herzen. Die gerechten Männer werden hinweggerafft, und niemand macht es Bedenken, weil im Namen [angesichts] der Gottlosigkeit die Gerechten der Vernichtung verfallen. Möge Frieden sein Grab sein, er ist hinweggenommen.“ Und welcher andere ist der vollkommen Gerechte als der Sohn Gottes, welcher diejenigen zur vollkommenen Gerechtigkeit führt, welche an ihn glauben und welche gleich ihm verfolgt und getötet werden? Der Ausspruch: „Möge Frieden sein Grab sein“, tut kund, wie er für unsere Erlösung starb; denn Frieden bedeutet soviel als Erlösung. Auch weist er darauf hin, daß diejenigen, welche zuvor als Feinde und Gegner einander gegenüberstanden, im gemeinsamen Glauben an ihn Frieden miteinander halten werden. Denn sie sollen durch den gemeinsamen Glauben an ihn Freunde und Geliebte werden, und sind es auch. Mit dem Worte: „er ward hinweggenommen“, deutet er seine Auferstehung von den Toten an. Da er nach seinem Begräbnis auch nicht mehr als Toter erschien, weil er durch seinen Tod und seine Auferstehung unsterblich bleiben sollte, sagt der Prophet: „Leben hat er erbeten und du gabst es ihm und die Dauer seiner Tage für immer und ewig“. Wozu aber sagt er doch: „Er hat Leben verlangt“, da er doch sterben sollte! Damit verkündigt er eben seine Auferstehung von den Toten und daß er einmal von den Toten auferstanden, unsterblich ist. Denn er hat das Leben erhalten, um aufzuerstehen, und die Dauer der Tage für immer und ewig, damit er unvergänglich sei.

David tut auch wieder über den Tod und die Auferstehung Christi den Ausspruch: „Ich legte mich zur Ruhe und sank in Schlaf, ich bin erwacht, denn der Herr hat mich auf genommen. Diesen Ausspruch hat David nicht über sich selbst getan, denn er ist nicht aus dem Tode auferstanden. Wohl aber spricht der Geist Christi, wie er in anderen Propheten über sich redet, hier durch den Mund Davids: „Ich legte mich zur Ruhe nieder und sank in Schlaf, ich bin erwacht, denn der Herr hat mich aufgenommen.“ Den Tod nennt er Schlaf, denn er ist auferstanden.

Über die Leiden Christi spricht David weiterhin das Folgende: „Weshalb sind die Heiden in Aufruhr und sinnen die Völker Eitles, die Könige treten auf auf Erden, und die Fürsten versammeln sich zum Rat gegen den Herrn und seinen Gesalbten“. Herodes, der König der Juden, und Pontius Pilatus, der Landpfleger des Kaisers Klaudius, sind ja nämlich zusammengetreten und haben ihn zum Kreuzestode verurteilt. Herodes hatte Angst, daß [Jesus] ein weltlicher König werden sollte [und verurteilte ihn], damit er nicht selbst durch ihn vom Königtum verdrängt würde. Pilatus aber wurde von Herodes und den Juden aus der Umgebung desselben gezwungen, ihn gegen seinen Willen dem Tode zu überliefern, indem sie ihn vor die Entscheidung stellten, ob er lieber dieses tue oder Feindseliges gegen den Kaiser unternehme, indem er einen Menschen rettete, der König genannt wurde.

Und über die Leiden Christi sagt dann der gleiche Prophet: „Da hast uns verstoßen und verachtet, du hast deinen Gesalbten preisgegeben, den Bund meines Knechtes hast du gebrochen und seine Heiligkeit erniedrigt, da hast niedergerissen sein ganzes Gehege, du erschüttertest alle seine Bollwerke; die am Wege vorübergingen, haben ihn ausgeraubt, zum Gegenstand der Verachtung wurde er seinen Nachbarn. Du hast erhöht die Rechte seiner Bedränger and ließest seine Feinde über ihn triumphieren. Sein hilfreiches Schwert ließest du Luftstreiche machen und verweigertest ihm im Kriege den Beistand deiner Hand. Du hast ihn losgetrennt und ausgeschieden aus den Reihen der Reinen, seinen Thron zu Boden gestürzt. Abgekürzt hast du die Tage seiner Zeit und ihn mit Schmach übergossen“. Und daß er dies erleiden solle, und zwar mit dem Willen des Vaters, hat er offen bekundet; denn gemäß dem Willen des Vaters sollte er die Leiden übernehmen.

Zacharias tut den folgenden Ausspruch: „Schwert, erhebe dich gegen meinen Hirten und den Mann, der mein Gefährte ist. Schlage den Hirten und die Schafe der Herde werden zerstreut werden“. Und dies erfüllte sich, als er von den Juden gefangen genommen wurde; denn dort verließen ihn alle seine Jünger, voll Furcht, mit ihm vielleicht sterben zu müssen. Selbst sie glaubten damals noch nicht fest an ihn, ehe sie ihn von den Toten auferstanden sahen.

Ferner heißt es im Buch der zwölf [kleinen] Propheten: „Und sie brachten ihn gebunden dem König als Gabe dar“. Denn Pontius Pilatus war Landpfleger über Judäa und lebte damals in Feindschaft und Eifersucht gegen Herodes, den König der Juden. Da nun Christus gebunden vor Pilatus geführt worden war, sandte er ihn zu Herodes mit dem Anfügen, daß er ihn genau ausfragen könne nach allem, was er über ihn wissen wolle. So nahm er Christus zum gelegenen Anlaß, sich mit dem König zu versöhnen.

Bei Jeremias verkündet er seinen Tod und sein Absteigen zur Hölle mit den Worten: „Und es gedachte der Herr, der Heilige Israels, seiner Toten, der zuvor im Staub der Erde Schlafenden; und er stieg zu ihnen hinab, um ihnen sein Heil zu verkünden und sie zu retten“. Hierselbst erfüllt er auch die Ursachen seines Todes. Denn sein Niedersteigen zur Hölle war das Heil der Abgeschiedenen.

Über sein Kreuz tut ferner Isaias den folgenden Ausspruch: „Ausgespannt habe ich meine Hände den ganzen Tag nach einem unverständigen und widerspenstigen Volke“. Denn das ist des Kreuzes Zeichen. Und noch deutlicher sagt David: „Eng umringt haben mich jagende Hunde, eine Rotte von Bösewichtern hat mich umschlossen, sie haben meine Hände und Füße durchbohrt“. Überdies sagt er: „Mein Herz ist geworden wie zerfließendes Wachs in meinem Leibe und meine Gebeine haben sie auseinander gezerrt“. Und wiederum spricht er: „Errette mich vom Schwert und von der Klaue des Hundes meinen Leib, denn eine Rotte von Bösewichtern ist über mich gekommen“. In diesen Worten ist sein Gekreuzigtwerden klar und offen bezeichnet. Aber auch Moses hat dies schon so dem Volke verkündet: „Und dein Leben wird vor deinen Augen in Schwebe sein und du wirst erschrecken bei Tag und bei Nacht und nicht vertrauen auf dein Leben“.

Wiederum sagt David: „Sie schauten auf mich, sie teilten unter sich meine Kleider und über mein Gewand warfen sie das Los“. Denn bei der Kreuzigung haben die Soldaten die Kleider zerteilt, wie es ihre Gewohnheit war, und die zertrennten Kleider verteilt. Weil aber das Gewand von oben fiel und nicht genäht war, warfen sie das Los über dasselbe, damit es dem gegeben wurde, auf den es fiele.

Des weitern sagt noch der Prophet Jeremias: „Und sie nahmen die dreißig Silberlinge, den Preis, um den sie ihn von den Söhnen Israels gekauft hatten, und gaben sie zum Acker des Töpfers, wie mir der Herr befohlen hatte“. Denn Judas, der einer von den Jüngern Christi geworden war, hatte sich mit den Juden verabredet und mit ihnen, da er sah, daß sie Jesus töten wollten, sich verbündet, denn er war von Jesu gerügt worden. Er nahm also die dreißig Statermünzen dortigen Geldes und lieferte ihnen Christus aus. Nachher aber gab er, von Reue über seine Tat getrieben, den Führern der Juden das Geld zurück und erhängte sich selbst. Da nun jene es nicht für billig erachteten, dasselbe in ihre Opferkasse zu legen, denn es war ein Blutpreis, so kauften sie davon das Feldstück, welches einem Töpfer gehörte, zum Begräbnisplatz für die Fremdlinge.

Und nachdem sie ihn ans Kreuz erhöht hatten, gaben sie ihm auf seine Bitte um etwas Trinkbares Essig mit Galle gemischt zu trinken. Auch dieses ist durch David verkündigt worden: „Sie gaben mir Galle zur Speise und in meinem Durst tränkten sie mich mit Essig“.

Und daß er nach der Auferstehung von den Toten in den Himmel auffahren sollte, spricht David also aus: „Die Wagen Gottes sind unzählige, tausende sind die Lenker, der Herr in ihnen in Sina, im Heiligtum. Er ist zur Höhe aufgefahren, hat die Gefangenen weggeführt, er nahm und schenkte Gaben den Menschen“. Als Gefangenschaft bezeichnet er die Niederlage der abgefallenen Engel. Auch den Ort gibt er an, von wo er von der Erde zum Himmel auffahren sollte. „Denn der Herr“, sagt er, „ging von Sion in die Höhe.“ Denn auf dem Berge gegenüber Jerusalem, welcher Ölberg heißt, versammelte er seine Jünger und vermahnte sie dort scharf in Betreff des Himmelreiches und fuhr vor ihren Augen empor. Sie sahen, wie der Himmel sich öffnete und ihn aufnahm.

Die gleiche Verkündigung tut David ein andermal: „Erhebet ihr Fürsten eure Tore, erhebet euch ihr Tore der Ewigkeit, und einziehen wird der König der Glorie“. „Die Tore der Ewigkeit“ sind nämlich der Himmel. Weil jedoch das Wort für das gewordene Wesen unsichtbar herabstieg, erkannten dieselben sein Niedersteigen nicht. So wie das Wort aber Fleisch geworden war, so stieg es auch in sichtbarer Weise in die Höhe. Und da ihn die Mächte sahen, haben die unteren Engel denen, welche in der Feste waren, zugerufen: „Erhebet eure Tore, und erhebt euch ihr Tore der Ewigkeit, damit der König der Glorie einziehe.“ Und als diese sich wunderten und sagten: „Wer ist dieser?“ da bezeugten jene, die ihn sahen, zum andernmal: „Der Herr machtvoll und stark, er ist der König der Glorie“.

Dritter Abschnitt. Das Christentum in seiner inneren und äußeren Entfaltung als Erfüllung der messianischen Weissagungen.

Auferstanden und erhöht verharrt er zur Rechten des Vaters bis zur vom Vater festgesetzen Stunde des Gerichts über alle seine Feinde nach ihrer Unterwerfung. Die Zahl seiner Feinde in ihrer Gesamtheit besteht aus den abgefallenen Engeln, Erzengeln, Mächten und Thronen, welche die Wahrheit mißachten. Der Prophet David wieder sagt darüber das folgende Wort: „Es sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege“. Auch das erklärt David, daß er dorthin erhoben wurde, von wo er herabgestiegen war; „Von den Höhen, vom Himmel ist sein Ausgang, und der Ort seiner Ruhe erstreckt sich bis zu den Höhen des Himmels“. Sein Gericht aber deutet er mit den Worten an: „Keiner ist, der sich verbergen konnte von seiner [Rache] Glut.“

Wenn die Propheten also voraussagten, daß der Sohn Gottes auf Erden erscheinen werde, wenn sie vor aussagten, wo auf Erden, wie und in welcher Weise er sein Erscheinen offenbart, und wenn der Herr all den vorausgesagten Verhältnissen sich unterzog, so war unser Glaube an ihn festbegründet und die Überlieferung der Predigt wahrhaft, d. h. wahrhaft ist das Zeugnis der Apostel, welche ausgesandt vom Herrn in der ganzen Welt die Predigt von der Hingabe des Gottessohnes in das Leiden, in seine Vernichtung im Tode und zur Wiederbelebung seines Leibes haben erschallen lassen. So sollten wir zum Frieden mit Gott gelangen, indem wir das ihm Gefällige tun, nachdem die Feindschaft gegen Gott, welche die Ungerechtigkeit ist, aufgehoben ist. Und das wurde durch die Propheten geoffenbart mit den Worten: „Wie schön sind die Füße derer, die den Frieden verkünden, und die verkünden das Gute“. Daß diese aus dem Judenland und aus Jerusalem ausgehen und uns das Wort Gottes, welches auch uns Gesetz ist, verkünden sollten, erklärt des Isaias Ausspruch: „Denn aus Sion wird ausgehen das Gesetz und das Wort des Herrn von Jerusalem“. Und David lehrt die Ausbreitung dieser vorausbestimmten Predigt: “In alle Lande ist ausgegangen ihr Schall und in den Umkreis der ganzen Welt ihre Worte“.

Und daß die Menschen nicht nach den vielen Verordnungen des Gesetzes, sondern gemäß der Einfalt des Glaubens und der Liebe zum Heil gelangen sollten, spricht Isaias so aus: „Ein kurzes und bündiges Wort mit Gerechtigkeit. Denn ein kurzes Wort wird der Herr vollführen auf der ganzen Erde“. Deswegen sagt der Apostel Paulus: „Die Erfüllung des Gesetzes ist die Liebe“, denn derjenige, welcher Gott liebt, hat auch das Gesetz erfüllt. Ja als der Herr gefragt worden war, welches das erste Gebot sei, hat auch er gesagt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus ganzem Herzen und aus allen Kräften; und das zweite ist diesem gleich, du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten“, sagt er, „hängt das ganze Gesetz und die Propheten“. Er hat nun durch den Glauben an ihn die Liebe zu Gott und zum Nächsten großgezogen, indem er uns fromm, gerecht und gut macht, und in diesem Sinn hat er ein kurzes Wort auf der ganzen Erde durchgeführt.

Die auf die Zeit nach der Himmelfahrt bestimmte Erhöhung über alles und die vollkommene Unvergleichlichkeit des Herrn hat auch Isaias‘ Wort angekündigt: „Wer ist es, der richtet? Er trete hervor! Wer ist es, der gerechtfertigt wird? Er nahe sich dem Sohne Gottes. Wehe euch, denn wie ein Gewand altert ihr alle, und die Motte wird euch verzehren. Alles Fleisch wird gedemütigt und erniedrigt werden, und der Herr allein wird erhaben sein unter den Erhöhten“. Die Rettung derer, die Gott dienen, durch seinen Namen am Ende der Zeiten, verkündigt dann Isaias durch den Ausspruch: „Ein neuer Name wird denen gegeben werden, die mir dienen, gesegnet wird er sein auf Erden, und sie werden den wahren Gott preisen“. Und daß er selbst in eigener Person diesen Segen bewirken und uns mit seinem Blut selbst erlösen werde, weissagte Isaias in der Stelle: „Nicht ein Fürsprecher, nicht ein Engel, sondern der Herr selbst hat sie gerettet gemäß seiner Liebe und nach seiner Barmherzigkeit gegen sie. Er selbst hat sie erlöst“.

Die Erlösten will er nicht mehr dem Gesetze des Moses unterstellen, denn das Gesetz ist von Christus erfüllt worden, sondern durch den Glauben an den Sohn Gottes und die Liebe zu ihm sollen sie leben in neuer Ordnung durch das Wort. Das verkündigte Isaias mit dem Satze: „Gedenket nicht an das Frühere und heftet das Herz nicht an das, was im Anfang war. Wahrlich, ich schaffe ein Neues. Heute wird es erstehen und ihr werdet es erkennen. Ich will die Wüste zum Weg machen und in wasserlosem Gebiet Ströme, um mein auserwähltes Volk zu tränken und meine Gemeinde, die ich mir erworben habe, daß sie meine Großtaten verkünde“. Wüste und Einöde war zuvor die Benennung für Heiden. Denn weder das Wort war zu ihnen gedrungen, noch hatte der Heilige Geist, welcher den neuen Weg der Gottesverehrung und der Gerechtigkeit ebnete, sie durchtränkt. Und reiche Ströme ließ er erquellen, den Hl. Geist über der Erde auszusäen gemäß dem durch die Propheten gegebenen Versprechen, dass er am Ende der Tage den Geist ausgießen werde über das Antlitz der Erde.

In der Erneuerung des Geistes geschieht somit unsere Berufung, nicht im Verharren beim alten Buchstaben, wie der Prophet Jeremias es weissagte: „Siehe es kommen Tage, spricht der Herr, da werde ich den Bund mit dem Hause Israel und dem Hause Juda erfüllen, wie ich ihn mit ihren Vätern abgeschlossen habe am Tage, da ich ihre Hand erfaßte, um sie aus Ägypten herauszuführen; sie sind dem Bunde nicht treu geblieben und ich habe meine Sorge von ihnen abgewandt, spricht der Herr. Denn das ist der Bund, den ich nach diesen Tagen mit Israel geschlossen, spricht der Herr, daß ich mein Gesetz in ihr Inneres lege und es schreiben werde in ihre Herzen, und ich werde ihr Gott sein und sie mein Volk. Und nicht wird künftighin der einzelne seinen Nachbarn belehren müssen oder der Bruder seinen Bruder: Erkenne den Herrn! Denn alle werden mich erkennen, vom Kleinsten aus ihnen bis zum Größten. Denn ich werde mich ihrer erbarmen, Sünde und Unrecht tilgen und ihrer Versündigungen nicht mehr gedenken“.

Daß auch die aus der Heidenwelt Berufenen, denen auch das Neue Testament erschlossen wurde, diese Verheißungen erben sollten, drücken die Worte des Isaias aus: „Das spricht der Gott Israels: An jenem Tage wird der Mensch auf seinen Schöpfer hoffen und seine Augen werden nach dem Heiligen Israels ausschauen; nicht mehr werden sie vertrauen auf ihre Götzentempel und auf das Gebilde ihrer Hände, das ihre Finger zustande gebracht haben“. Ganz offenbar sind diese Worte durch den Heiligen Israels von uns gesprochen, die wir die Götzen verlassen und den Glauben an Gott den Schöpfer angenommen haben. Der Heilige Israels ist Christus. Er ist den Menschen sichtbar erschienen. Auf ihn, der den Augen der Menschen sich gezeigt hat, richten wir unsere Blicke. Nicht mehr vertrauen wir auf die Götzentempel, nicht mehr auf das Gebilde unserer eigenen Hände.

Diese vorausbestimmte sichtbare Erscheinung des Sohnes Gottes unter uns, seine Menschwerdung und sein Weilen in unserer Mitte, während wir zuvor keine Kenntnis von ihm hatten, hat das Wort durch Isaias in dem Ausspruch geoffenbart: ,,Ich bin sichtbar geworden denjenigen, die mich nicht verlangten, und wurde von denen gefunden, die nicht nach mir suchten. Siehe, da bin ich, sagte ich zu einem Volke, das meinen Namen nicht zu sprechen wußte“.

Der Beruf dieses Volkes, die heilige Gemeinde zu werden, wird im Zwölfprophetenbuch durch Hoseas so verkündet: „Ich werde ein Nicht-Volk mir zum Volke berufen und, das nicht geliebt war, wird Gegenstand der Liebe. Und an der Stätte, wo es wird geheißen haben: Nicht mein Volk! dort werden sie Söhne des lebendigen Gottes genannt werden“. Das hat auch Johannes der Täufer gesagt, als er sprach: „Gott kann aus diesen Steinen Abraham Kinder erwecken“. Denn nachdem unsere Herzen vom steinernen Dienst losgerissen sind, schauen sie, vom Glauben getragen, Gott und werden Kinder Abrahams, der durch den Glauben gerechtfertigt ward. Deshalb spricht Gott durch den Propheten Ezechiel: „Ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist will ich ihnen verleihen. Entfernen will ich das steinerne Herz aus ihrem Fleische und will ihnen ein anderes Herz von Fleisch geben, damit sie nach meinen Befehlen wandeln, meine Gesetze beobachten und sie vollführen. Und sie werden zu meinem Volke werden, und ich werde ihr Gott sein“.

Die neue Berufung hatte eine Umwandlung der Herzen unter den Heiden durch das Wort Gottes zur Folge, als er Mensch wurde, und unter den Menschen wohnte, wie sein Jünger Johannes sagt: „Und sein Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“. Daher bringt die Kirche so zahlreiche Früchte der Rettung hervor, denn nicht Moses als Fürsprecher noch der Bote Elia, sondern der Herr selbst hat uns Rettung gebracht, zahlreiche Kinder der Kirche schenkend, der Gemeinde der Erstlinge, wie es Isaias mit den Worten verkündigte: „Freue dich, Unfruchtbare, die du nicht geboren hast.“ Die Unfruchtbare ist die Kirche, die in der Vorzeit niemals Söhne Gottes sichtbar hervorbrachte. „Rufe laut und jauchze, die du nie Geburtswehen hattest, denn die Söhne der Verlassenen sind zahlreicher als die derjenigen, welche einen Mann hat“. Und einen Mann hatte die alte Gemeinschaft: das Gesetz.

Auch Moses sagt im Deuteronomium, daß die Heiden an die Spitze, das widerspenstige Volk aber an die letzte Reihe gestellt werde und weiter hinwieder sagt er: „Ihr habt mich ereifert bei euern Götzenbildern, nun will ich auch euch ereifern durch ein Nicht-Volk und durch ein unverständiges Volk euch aufbringen.“ Sie haben den wahren Gott verlassen und Göttern, die nicht sind, gedient; die Propheten Gottes haben sie getötet, und für Baal bei den Götzenbildern der Kanaaniter geweissagt; den wahren Sohn Gottes haben sie mit Mißachtung verworfen, aber den Räuber Barrabas, der beim Morde ertappt worden war, auserwählt; sie haben den ewigen König verleugnet und den vorübergehend herrschenden Kaiser als ihren König anerkannt; deshalb gefiel es Gott, den unwissenden Heiden und denen, die nicht in der Gnadenordnung Gottes sich befunden hatten und selbst nicht gewußt hatten, was Gott ist, sein Erbe zu schenken. Nachdem uns nunmehr durch diese Berufung das Leben gegeben worden ist und Gott den Glauben Abrahams an ihn in uns wiederum hergestellt hat, dürfen wir uns nicht mehr nach dem Vergangenen zurückwenden, nämlich, um es selbst zu sagen, zur ersten Gesetzgebung. Denn wir besitzen den Herrn des Gesetzes, den Sohn Gottes, und durch den Glauben an ihn lernen wir Gott von ganzem Herzen und den Nächsten wie uns selbst lieben. Die Liebe zu Gott aber hat keinen Anteil an allem, was Sünde ist, und die Liebe zum Nächsten vollführt nichts Böses gegen den Nebenmenschen.

Deshalb bedürfen wir auch nicht des Gesetzes als unseres Erziehers. Siehe, wir reden mit dem Vater und stehen nunmehr vor ihm, nachdem wir an Bosheit Kinder geworden sind, aber erstarkt sind an aller Gerechtigkeit und Heiligkeit. Denn zu demjenigen, in dem auch nicht einmal mehr die Begierde nach dem Weibe des Nebenmenschen vorhanden ist, wird das Gesetz nicht sagen: Du sollst nicht ehebrechen; und zu dem, der allen Zorn und alle Feindschaft von sich gewiesen hat, nicht: Du sollst nicht töten; und zu denjenigen, welche sich gar nicht um die Güter der Erde mehr kümmern, sondern nur nach den himmlischen Früchten trachten, nicht: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Acker oder Ochs oder Esel; und zu demjenigen, der keinen Menschen als Feind, aber alle als seinen Nächsten betrachtet, nicht: Aug‘ um Aug‘, Zahn um Zahn, Und deswegen kann er auch seine Hand nicht ausstrecken zur Rache. Das Gesetz wird den Zehnten nicht von dem fordern, der alle seine Besitztümer Gott geweiht hat und, Vater und Mutter und die ganze Verwandtschaft verlassend, dem Worte Gottes nachfolgt. Es braucht des Befehles nicht, einen Tag der Rühe ohne Arbeit zuzubringen, wo man täglich Sabbat feiert, d. h. im Tempel Gottes, der da der Menschenleib ist, wo er Gott dient und allezeit Gerechtigkeit übt. Denn, so spricht er: „Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer, Erkenntnis Gottes eher als Brandopfer“. Der Gottlose aber, welcher mir ein Rind opfert, ist gleichwohl wie einer, der einen Hund schlachtet, und wenn er mir ein Speiseopfer darbringt, gleich einem, der das Blut des Schweines darbringt“. „Jeder hingegen, welcher den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“. Und es ist kein anderer Herrenname unter dem Himmel gegeben, durch den die Menschen Rettung finden, als der Name Gottes, der da ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, dem auch die Dämonen und die bösen Geister und alle abgefallenen Kräfte der Unterwelt gehorchen.

Durch die Anrufung des Namens Jesu Christi, der unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden ist, tritt eine Scheidung unter den Menschen ein, und wo immer jemand von denen, die an ihn glauben, diesen Namen flehend anruft und dessen Willen tut, da ist er ihm nah und gegenwärtig, und erfüllt die Bitten derjenigen, welche mit reinem Herzen zu ihm rufen. Durch ihn erlöst, preisen wir unaufhörlich Gott, welcher in seiner großen, unerforschlichen und abgründigen Weisheit uns gerettet hat und das Heil vom Himmel her verkündigt hat, die sichtbare Ankunft unseres Herrn, d. h, seinen Wandel als Mensch. Wir hätten dies für uns nicht erlangen können. Doch was unmöglich ist bei den Menschen, das ist möglich vor Gott, Deshalb sagt Jeremias über ihn: „Wer ist zum Himmel hinaufgestiegen und hat sie [= Gottes Weisheit] geholt und herabgeführt aus den Wolken? Wer ist hinübergefahren über das Meer und hat sie gefunden und sie herübergebracht für köstliches Gold? Niemand kennt zu ihr den Pfad, niemand ergründet im Geiste ihre Wege. Aber der, welcher alles weiß, kennt sie in seinem Geiste; der die Erde gebildet hat für ewige Zeit und sie erfüllt mit fetten vierfüßigen Tieren, der das Licht sendet, daß es wandelt, er ruft ihm und es gehorcht mit Furcht. Die Sterne leuchten auf zu ihrer Zeit und freuen sich. Er hat sie gerufen und sie sprechen: Siehe uns hier! Mit Freuden leuchten sie dem, der sie geschaffen hat. Das ist unser Gott, kein anderer soll ihm zur Seite gestellt werden. Er hat alle Wege mit seiner Klugheit gefunden und hat sie Jakob gegeben, seinem Diener, und Israel seinem Liebling. Hernach erschien er auf Erden und wandelte unter den Menschen. Das ist das Buch der Gebote Gottes und seiner Gesetze, die ewig sind. Allen, die es beobachten, ist es zum Leben, die aber von ihm ablassen, werden sterben“. Jakob und Israel nennt er hier nun den Sohn Gottes, der vom Vater die Herrschaft empfing über unser Leben und, nachdem er dies empfangen, brachte er es zu uns herab, die da fern von ihm waren, als er auf Erden erschien und unter den Menschen einherging. Er hat den Geist Gottes des Vaters mit den Geschöpfen Gottes vereint und verbunden, daß der Mensch sich verhalte nach dem Bilde und der Ähnlichkeit Gottes.

Schluss. Ermunterung zum Leben nach dem Glauben. Warnung vor der Häresie, ihre Gottlosigkeit und Torheit.

Das ist, Geliebter, die Predigt der Wahrheit, das ist die Art und Weise unserer Erlösung, das ist der Weg des Lebens. Ihn haben die Propheten angekündigt, ihn hat Christus bestätigt, ihn haben die Apostel bekannt gemacht und die Kirche hat ihn ihren Kindern auf der ganzen Welt eröffnet. Dies [Gut] ist mit aller Sorgsamkeit zu bewahren, mit lauterem Willen und Gottgefälligkeit, mit guten Werken und lauterem Streben der Sitten.

Sofern irgendwer meinen sollte, Gott der Vater sei ein anderer als unser Schöpfer, wie tatsächlich die Irrlehrer meinen, so mißachten solche den wahren Gott und vergöttern ein Nichts; sie stellen ihren eingebildeten Vater-Gott hoch über unseren Schöpfer und meinen, etwas Größeres als die Wahrheit gefunden zu haben. Alle diese sind gottlos und lästern ihren Schöpfer und Vater, wie wir in der Entgegnung gegen dieselben und in der Widerlegung ihrer lügnerisch so genannten Wissenschaft gezeigt haben. Andere wiederum würdigen die Herabkunft des Sohnes Gottes und die Veranstaltung seiner Menschwerdung herab, welche die Apostel verkündigt haben und welche die Propheten zum voraus als die Wiedererhebung der Menschheit offenbarten, wie wir oben in Kürze gezeigt haben. Solche soll man zu den Glaubensschwachen [Ungläubigen] stellen und zählen. Noch andere nehmen die Gaben des Hl. Geistes nicht an und weisen die prophetische Gnade von sich, von der befruchtet der Mensch die Frucht göttlichen Lebens hervorbringt. Das sind jene, von welchen Isaias gesagt hat: „Sie sollen ja werden wie eine entlaubte Terebinthe, und wie ein Garten, der kein Wasser hat.“ Diese sind zu nichts nütze für Gott, da sie ja keine Frucht bringen können.

Demgemäß ist der Irrtum in Bezug auf die drei Hauptstücke unserer Glaubensbesiegelung sehr von der Wahrheit abgekommen; denn seine Anhänger entbehren entweder den Vater oder sie verwerfen den Sohn und erklären sich gegen die Veranstaltung seiner Menschwerdung, oder sie nehmen den Geist nicht in sich auf, d. h., sie verachten die Weissagung. Vor allen diesen müssen wir uns in acht nehmen und ihre Sitten fliehen, wenn anders wir wahrhaft gottgefällig sein wollen und die Erlösung, die von ihm kommt, erlangen wollen.

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