Erklärung des Evangeliums

Von Ephräm d. Syrer (373)

Erklärung des Evangeliums, die verfaßt hat Ter Ephrem, der tiefgründige Syrer.

Alle Schriften, die immer aus menschlichem Verstande heraus geschrieben sind und nicht von dem Gesetz und den Propheten beim Reden nehmen, sind Bücher, Erzeugnis und Erfindung eines widerstrebenden Verstandes. Und wenn einer näher tritt, um ihren Sinn zu prüfen, so findet er sie irreführend und hin- und herschwankend, weil sie nicht auf dem wahren Fundamente der Heiligen Schrift gegründet sind. Markion schreibt in seinem Buche, das sie mit Namen Proevangelium nennen, was in unsere Sprache hier übersetzt heißt: „eher als das Evangelium“ — und ich bin verwundert, wieso es eine Schrift der Markionisten gibt, die sie mit Namen Proevangelium nennen, da die Schüler jenes vertrauensvoll meinen, daß der Anfang der Gottheit, an die sie glauben, um jene Zeit offenbar wurde, [nämlich] zur Zeit des Pilatus des Pontiers, in jener Zeit, in der das Evangelium geschrieben wurde. Wenn es sicher für dich ist, o Markion. daß wirklich der Anfang der Gottheit, betreffs der du sprichst, im Evangelium [zuerst] in Erscheinung trat, warum denn aber und wie wäre deine Schrift eher als das Evangelium? Und wenn du wirklich [daran] festhältst und es wäre deine Schrift eher als das Evangelium, so sage nicht, daß neu und fremd die lebendigmachende Gottheit ausströmte, sondern daß sie bereits da war. Und es ist im Anfange jener Schrift also geschrieben: „O Wunder über Wunder, Verzückung, Macht und Staunen ist das, daß man gar nichts über es sagen, noch über es denken, noch es mit irgend etwas vergleichen kann.“

Nun wollen wir alle Bücher jenes beiseite lassen und gegen dieses Wort wollen wir sprechen, daß [ob] dieses, was du, Markion, sagst, wirklich wahr ist, [nämlich] daß jenes nicht ausgesprochen wird mit der Zunge und nicht unterschieden wird mit Gedanken und nichts ihm gleich ist. Jetzt verstumme, schweig und rede nicht über das, worin du verstockt bist und sagst, daß jenes nicht ausgesprochen wird und daß es nicht ein Denken darüber gibt und daß es nicht irgend etwas gleich ist. Wie sehr Markion gelogen hat, weil er nicht von jenem zuverlässigen Fundamente aus spricht, das werde ich zeigen. Es sagt der Herr in seinem Evangelium dort, daß einem jeglichen Dinge, was überhaupt von dieser Welt hier ist, der Glaube in allen Dingen ähnlich ist; er sagt so, daß er ähnlich ist einem Gebäude, dem Weine, einem Kleide, dem Feuer, den Samen, einem Königreiche, einer Silbermünze, einem Talente, einer Pflanze, einem Senfkorn und dem Sauerteige. Auf welche Weise nun vermag einer auf das Evangelium zu hören, wenn es sagt, daß all dem der Glaube in seinen verschiedenen Erscheinungsformen ähnlich ist, und hört hinwieder auf Markion, wenn er sagt, er ist keinem ähnlich? Und wodurch jener all diesen Dingen ähnlich ist, werde ich jetzt zeigen.

Gleich ist er Gebäuden darin, daß wie ein Gebäude aus vielen geschaffenen Dingen zusammengesetzt, aus Gliedern vereinigt und ein Haus wird: so auch werden wir versammelt aus allen Geschlechtern und aus allen Sprachen und aus allen Königreichen und aus allen Geistesrichtungen und wir werden ein Sinn, ein vollkommenes Volk, ein heiliges Zelt, ein Lager Gottes. Wiederum gleicht er Gehenden; denn ein Mensch, wann er ein Gebäude baut, vernachlässigt nichts von allem Notwendigen, was zum Zwecke des Baues erforderlich ist: daß er sammelt und herbeiträgt Steine, Holz, und Rohr, Lehm und Eisen und Kupfer und alle Dinge, die nötig sind als Material des Baues; wenn er aber nur ein einzelnes davon außer acht läßt [sonst aber alles tut], so wird dennoch sein Bau gekrönt nicht vollendet. So auch wir: Nicht geziemt es sich für uns, nachlässig zu sein darin, daß wir den Glauben bauen mit Wachen, Heiligkeit, durch Almosengeben und Besuchen der Kranken, durch Lieben der Brüder und durch Gottesdienst und durch Betreten der Pforten der Kirche und durch beständiges Verharren im Gebete und durch Betrachten der Gedanken der Schrift. Und wenn wir [auch] nur eins davon vernachlässigen, [sonst alles tun], wird dennoch unser Glaube nicht gebaut. Sondern in der Weise, wie jene, denen das Gebäude gehört, nicht schlafen, wie auch David selbst sagt: „Nicht werde ich meinen Augen Schlaf geben und nicht Schlummer meinen Augenlidern, bis ich bauen werde den Tempel des Herrn und einen Ort der Ruhe des Gottes Jakobs“, so müssen auch wir laufen bei Tag und wachen bei Nacht in Gebet und Leben, daß auch wir gebaut werden auf dem Fundamente der Apostel und Propheten, wie auch der Apostel sagt. Denn wenn die, die irdische Häuser bauen, sich selbst der Arbeit hingeben, daß sie sich kurze Zeit dauernde Wohnungen machen, wir aber das Lager der Ewigkeit für unsere Seelen bauen und das Haus der Herrlichkeit im Himmel, um wieviel mehr geziemt es sich für uns, besorgt zu sein und zu arbeiten!

Und zum Beispiel jene, die die Bauten bauen, schämen sich niemals, wenn sie jemand sieht, daß sie Rohr zusammenlesen und Holz schlagen und Felsen wälzen und Steine tragen, und es ist gar nicht möglich, ihre Tätigkeit zu verbergen, wie auch niemand von uns sich schämen muß über diese gute und schöne Frucht, die wir bauen; und es ist für uns nicht möglich, um verborgen zu bleiben, die Pforten der Kirche zu betreten, wenn wir die Kranken besuchen, Almosen geben, im Gebete verharren und das Fasten beobachten. Und wenn sich jemand hierbei schämt, so kann er nicht ein Element des Gebäudes der Gottheit sein. Aber diejenigen, die ihre Bauten bauen, obwohl das Bauen selbst nicht verborgen ist, handeln beim Tragen gleichwohl nicht und bringen herbei, was etwa nötig ist zum Material des Baues, damit ihre Genossen sie sehen und loben sollen, sondern ihrer selbst wegen strengen sie sich an und arbeiten sie; anderseits sehen auch Außenstehende, daß jene nicht, um von den Menschen gelobt zu werden, sich anstrengen. So auch wir: nicht ist’s recht, sich zu verbergen, und anderseits dürfen wir nicht handeln, damit uns die Menschen sehen und loben, und nicht wegen anderer Lob wollen wir uns beeilen, sondern damit einige [sehen], daß wir unserer selbst wegen Almosen geben, und andere, die uns begegnen werden, an uns sehen, daß wir nicht ihretwegen uns anstrengen.

Und z. B. die, denen Gebäude gehören, beeilen sich die ganze Zeit des Sommers, um zu bauen und zu vollenden, daß sie unter Obdach sind und ruhen in den Tagen des Winters, denn die Tage des Sommers gehören den Bauten. Aber jener, der zur Zeit des Sommers seine Bauten nicht baut, über den werden Schmähungen und Widerwärtigkeiten in den Tagen des Winters kommen. Und wie festgesetzt sind als Zeiten für Bauten die Tage des Sommers, so ist gesetzt die Zeit unseres Wohnens, das hier auf Erden ist, regsam zu sein, zu eilen und uns die Wohnungen im Himmel zu bauen. Und wer in dieser Zeit seinen Ort der Ruhe bei den Gerechten nicht vorbereitet und herstellt, der kann ihn für sich nach seinem Tode nicht bauen und bereiten, wie es keinerlei Möglichkeit gibt, Wohnungen in den Tagen des Winters zu bauen. Und durch dieses Gleichnis, durch das unser Herr seinen Glauben den Gebäuden der Menschen verglichen hat, erfüllte er das Wort der Prophezeiung. Isaias sagt: „Aber Sion sprach: Verlassen hat mich der Herr, und vergessen hat mich Gott. Wird wohl vergessen ein Weib ihres Kindes oder wird sie nicht Mitleid haben mit den Sprößlingen ihres Leibes? Und wenn ein Weib dieses vergessen sollte, so werde ich doch nicht vergessen, spricht der Herr. Siehe auf meinen Händen habe ich deine Mauern gezeichnet und vor meinen Augen bist du jede Stunde“.

David hinwieder sagt: „Der Grundstein, den die Bauleute verworfen haben, der ist Eckstein der Gebäude geworden. Vom Herrn ist dies geschehn.“ Und es nimmt Paulus dieses von dem Propheten und von dem Evangelium an; er sagt: „Er selbst das Haupt der Ecke des Gebäudes Christus, durch den zusammengehalten und in Ordnung gehalten wird das ganze Gebäude. Und er macht klar, daß wir Gläubigen ein Gebäude sind und Christus der Eckstein des Gebäudes ist. Und David wurde nicht Ecke, da ja nur eine Mauer des Gebäudes auf ihm gebaut wurde, die Beschneidung allein; aber Christus, weil er die Beschneidung und die Unbeschnittenheit verkündigte: von ihm wurden zwei Mauern gebaut und er selbst wurde Eckstein. Und warum und wie er ein verworfener Grundstein wurde, sagt er im Evangelium da: „Es ist nötig für den Sohn des Menschen, viele Leiden zu erdulden, verachtet und verworfen zu werden von den Ältesten und Schriftgelehrten.“ Und weil der Name „Grundstein“ nicht fern von ihm ist, sagt der Apostel selbst über den geistigen Felsen, der den Söhnen Israels Trank spendete: „Aber jener Fels ist Christus selbst.“. Auch den Simon, den Christus als Stellvertreter für sich zurückließ, daß er seiner Kirche vorstehen sollte, nannte er so. Und auf Grund dieser Gleichnisse der Propheten wurde die Kirche in Vergleich mit Gebäuden gesetzt.

Deswegen hat unser Herr seinen Glauben Gebäuden verglichen, darin, daß er sagt: „Jeder, der zu mir kommt und meine Worte hört und sie tut, der ist gleich geworden einem verständigen Manne, der sich das Haus baute, grub und vertiefte und das Fundament auf harten Felsen legte“. Und hierin, daß er sagt „grub und vertiefte“, macht er uns klar, daß die Erneuerung und Festigkeit, die der Unterricht der Lehre vorfindet, nicht nur kommend zu uns kam, sondern schon längst in uns war. Und wenn wir fortfahren würden mit Graben, woher würden wir stehen bleiben auf der Wahrheit, wenn sie nicht vom Vater zu uns gekommen wäre von Anfang her, von Ewigkeit? Und wenn wir auf jenen Stein des Felsens, in dem wir versinnbildet sind, hinblicken, so sehen wir, daß er fest ist von seiner ersten Erschaffung an. Und wann er niedersinkend fällt, wird seine Festigkeit von jenem Fallen und Zertrümmertwerden zertrümmert, und der Baumeister nimmt ein festes eisernes Werkzeug und gräbt [und] nimmt von ihm die überflüssige Erde und den abgebröckelten Lehm und legt sein Fundament auf felsigen festen Stein, der die Wucht der Bauten aushalten kann. So waren auch wir in unserer Kindheit heilig und unschuldig in der Lehre der Gottheit, und wenn die Festigkeit unserer Treue in die Unreinigkeit der Unzucht und in Begierde der Tollheit fällt, alsdann können wir die Wucht der Festigkeit des Gebäudes nicht aushalten.

Aber wann wir nach Art des Eisens das Evangelium der Erlösung in die Hand nehmen und auflesen [und] wegschaffen von uns alt diese Werke der Schlechtigkeiten und dann das Fundament des Glaubens auf unsere Herzen, auf felsigen Grund legen, wenn unser Sinn von allem Bösen gereinigt ist und wenn [dann] die Fundamente des Gebäudes gelegt werden, alsdann sind wir sowohl Arbeiter als auch Baumeister. Und wie es nicht der Fall ist beim Baumeister, wenn ihm überhaupt irgend etwas fehlen sollte, daß irgend [anders] wohin geht, sondern an die Türe des Herrn des Werkes, so sollen auch wir wissen, daß der reich ist, der der Herr unseres Werkes ist, von dem wir ein Angeld genommen haben, ihm dieses Gebäude zu bauen. Denn alles, was uns überhaupt als Material für das Werk des Lebens mangeln wird, werden wir von ihm begehren: die Heiligkeit, Barmherzigkeit, Liebe, Munterkeit, Bruderliebe, und er selbst gibt uns von seinen guten Schätzen mit seiner vollen Hand [und gestattet uns], daß wir seine Tür betreten und von ihm erbitten [was uns not tut]. Und in all diesem ist die Lehre unseres Herrn Gebäuden gleich.

Und wiederum hat unser Herr seinen Glauben mit dem Weine verglichen darin, daß er sagt: „Niemand gießt neuen Wein in alte Schläuche, sonst sprengt der neue Wein die alten Schläuche, der Wein wird verschüttet und die Schläuche gehen zu Grunde, sondern sie gießen den neuen Wein in neue Schläuche“. Was nun werden etwa die meinen, die [so] vergleichen? Etwa, daß das Neusein dem Altsein fremd ist? Werden sie vielleicht meinen, daß die alten Schläuche von Haus aus alt gewesen sind und daß sie niemals neu gewesen sind? Jedem Menschen ist es klar, daß sie, als Gott sie schuf oder als ihr Meister sie machte, neu waren und die Kraft des neuen Weines aushielten; nachher, als sie alt geworden waren, hielten sie die Kraft des neuen Weines nicht aus. So waren auch wir von unserer ersten Erschaffung her neu, schön und wohlgestaltet, um den Unterricht der Lehre Gottes zu empfangen wegen der Sündenlosigkeit der Kindheit. Und hinwieder nach vielen unserer Jahre, während wir rein sind vom Bösen wie ein Kind, halten wir es aus, die Kraft der neuen Lehre aufzunehmen, wie neue Schläuche, die die Kraft des neuen Weines aushalten. Darauf, wenn wir befleckt geworden sind und abgenutzt in den Begierden der Tollheit, in dem Abfall des Geizes und in der Trunkenheit der Unzucht, wann wir verwundet und morsch geworden in unseren Sünden und Gottlosigkeiten aufgebraucht sind, alsdann können wir den Unterricht der Lehre nicht aufnehmen.

Und dies ist klar, daß in unserer Kindheit, als Gott uns schuf, sich an uns nicht jene [Laster] vorfanden, von welchen sie gemeint haben, daß sie uns vom Leben entfernen und ausschließen; und später haften uns Werke der Bosheit an, [so daß wir sind] wie Schläuche, wenn sie zuletzt abgenutzt alt geworden sind. – Und es bezeugts mir der Apostel in seinem Ausspruche: „Nicht seid Kinder in eurem Verstande, sondern vom Bösen weg werdet Kinder, denn in eurem Verstande sollt ihr vollendet sein“. Und wenn wir sündlos vom Bösen befunden werden, wie unsere erste Schöpfung, alsdann können wir den Unterricht der Lehre aufnehmen und sind Schläuche, die die Kraft des neuen Weines aushalten, der in ihnen, wenn sie neu sind, ist. Wie auch der Prophet sagt: „Warum sagt das Haus Israels: Unsere Sünden und Ungerechtigkeiten sind in uns, und wir sind in ihnen abgenutzt?“ Und der Prophet macht klar, daß unsere erste Schöpfung neu war und Sünden und Ungerechtigkeiten alt und abgenutzt machen.

Es hat unser Herr den Unterricht seiner Lehre dem Weine verglichen und voll erfüllt er die Worte des Propheten; denn David sagt: „Es bringt Gott Brot aus der Erde hervor, und Wein macht fröhlich das Herz des Menschen“. Und wie der Prophet bezüglich des Weines gesagt hat, daß er ein Fröhlichmacher ist, so ist auch der Unterricht der Lehre unseres Herrn unser Fröhlichmacher. Wie der Wein nicht nur die Betrübten fröhlich macht, sondern auch die Geringen erhöht und die Armen reich macht, und die Sorgen und Betrübnisse von allen Gemütern wegnimmt, wenn jemand schwach ist an Kraft und Wein trinkt, alsdann die Geringheit seiner Kraft des Weintrinkens wegen vergißt; wenn Riesen gegen ihn kämpfen, er gar nichts von ihnen fürchtet — und es ist klar, daß jemehr einer Wein trinkt und trunken wird, er nicht sorgt, sich nicht fürchtet, nicht traurig ist, nicht bekümmert ist —: so stärkt auch der Unterricht der Lehre unsres, wenn wir sie trinken und sie sich mit unserem Sinne vermischt, unsere Schwachheit, und wir vergessen unsere Unadligkeit und sie nimmt von uns alle Sorgen und Kümmernisse weg.

[268 1. Abs.] Und mehr als alle Worte der Weisheit tröstet der Wein die Herzen der Traurigen. Denn wenn du dich hinsetzest und jenen trösten willst, der Kummer und Betrübnis und Krankheit und Prozesse hat: wie viel du auch abwägend vergleichen wirst die Zeit mit den Übeln, die vor ihm stehen, aufweckend wirst du seinen Sinn aufwecken, daß er sich an seinen Verlust erinnert. Wenn du ihm aber zu trinken gibst und ihn trunken machst, läßt du schweigend von ihm ab, und der Wein vergessen machend vertreibt von ihm alle seine Übel und Kümmernisse. Und das, was lodernd als Feuer seiner Übel in seinem Gemüte, das wie eine Lampe entflammt [und] in Brand gesetzt war, brennt, bringt Wein stillend und sänftigend zur Ruhe und versetzt ihn in Schlaf. So auch wir, wann uns Dinge auf der Erde zustoßen und wir ihretwegen Tröstung suchen und nicht finden, wann wir uns dann umwenden zum Unterricht der Lehre unseres Herrn, alsdann schleicht [und] tritt sie ganz sacht in unsere Herzen ein. Und wenn wir beichten und dabei fröhlich werden, alsdann werden wir still und haben Ruhe auch vor allen diesen Dingen, die brennend uns verbrannten. Und darin ist der Unterricht der Lehre unseres Herrn dem Weine verglichen worden.

Wodurch weiter der Unterricht der Lehre unseres Herrn dem Weine gleich ist, will ich sagen. Wenn es sich für einen armen Mann, der niedersitzt im königlichen Palaste, trifft, vom königlichen Weine zu trinken und berauscht zu werden, alsdann vergißt er das Haus seiner Armut. Und seine Füße, die ihn dürstend in den königlichen Palast trugen: sobald er eintritt, vom königlichen Weine trinkt, nicht verstehen seine Füße, ihn von dort fort in das Haus seiner Armut zu bringen, weil er Wein getrunken hat und trunken geworden ist. So auch wir, wann wir zur Kirche unseres Herrn gerufen werden und von seiner dortigen Lehre trinken, und sie eintritt, sich mit unserem Sinne und unseren Gedanken vermischt, vergessen alsdann unseren früheren Aufenthalt und nicht sind unsere Füße imstande, uns in die Wohnung unseres Götzendienstes [zurück] zu bringen und auf den Weg, auf dem wir aus dem Heidentume da gekommen sind, und wir kehren auch nicht wieder zu ihm zurück, da er für unseren Sinn wegen [des] Weintrinkens in Vergessenheit geraten ist.

Und dann, daß unser Herr sagt: „Wer dir einen Schlag auf deine Wange versetzt, dem biete du auch die andere dar, und wer dir dein Wams fortnimmt, dem gib dein Hemd; wer immer etwas von dir begehrt, versag [es] ihm nicht, und wer irgend etwas von dem deinigen nimmt, nicht fordere du es von ihm [zurück]“, dies alles vermögen Trunkene zu tun. Denn wenn wir trinken, berauscht werden und untertauchen in dem Unterricht der Lehre unseres Herrn, dann vermögen auch wir dies alles zu tun. Denn den Trunkenen schlagen sie, und er lacht darüber, er verhert, und er sucht nicht; sie entreißen, nehmen fort irgend etwas, was er hat, und er merkts nicht; sie verlachen ihn, er beachtet es gar nicht. So auch wir, wann wir den Unterricht der Lehre unseres Herrn trinken, die da selbst Fröhlichmacher ist, und durch sie trunken werden, vermögen alsdann, alles dies zu tun, was wir gehört haben. Wenn die götzendienerischen Heiden uns verlachen und höhnisch verspotten werden, jene, die ledig, entblößt und beraubt sind dieses Weines, den wir getrunken haben: für nichts erachten wir unserer Trunkenheit wegen ihr Gespött; und wenn sie uns in etwas verleumden, so liegt uns gar nichts daran, Haß und Groll hegen wir nimmer. Auch die schlimmen Leiden vermag der Wein vergessen zu machen; denn wenn einer zum Tode verurteilt ist, und sie ihn wegnehmen, um ihn zu töten, geben sie ihm Wein zu trinken, damit er furchtlos und kummerfrei sei; so auch werden die Gläubigen, wann sie den Unterricht der Lehre unseres Herrn trinken, trunken; wird ein solcher des Todes in den Augen der Richter schuldig, so stirbt er furchtlos, und für nichts erachten sie den Schrecken und die Furcht vor den Richtern, weil sie von dem Unterricht der Lehre unseres Herrn getrunken haben. Deshalb ist der Unterricht der Lehre unseres Herrn dem Weine verglichen worden.

Wiederum ist der Unterricht der Lehre unseres Herrn Kleidern verglichen worden. Wenn es wirklich wahr für uns ist, daß unser Herr seine Lehre wirklich Kleider genannt hat, so werden wir erkennen, daß Moses längst vorher hingewiesen hat auf das Tuch der Kleider in Gleichnissen von Beispielen der Geheimnisse dieser neuen Lehre. Es machte Moses dem Aaron und dessen Söhnen Schultertücher und Unterkleider und Gürtel und verschiedene neue Kleidungsstücke. Und er führte und stellte sie vor Gott, daß sie ihm wohlgefällig seien. Als die Söhne Aarons die Gesetze übertraten, ging Feuer vom Angesichte Gottes aus und verzehrte sie. Und Moses sagte zu ihrer Verwandtschaft: „Kommt heran und nehmt und schafft jene fort außerhalb des Lagers.“ Und zu Aaron, Eleazar, Ithamar sprach Moses: „Weint nicht, daß ihr die Kleider der Heiligkeit, die ihr anhabt, nicht verunreinigt“. Und deswegen hat auch unser Herr seine Lehre mit Kleidern verglichen. Und so ist die wahre Lehre unseres Herrn neuen Kleidern und einem ehrenvollen und heiligen Kleide verglichen worden. Denn jedem Menschen, der das Kleid der Ehre angezogen hat, wird Ruhm und Ehre und ein hervorragender Platz zuteil; wegen seines äußerlichen Kleides haben sie Ehrfurcht vor ihm, und seine Hausgenossen ehren ihn, und gewalttätige Herren, die Diener und Arbeiter zu einem Werke der Beleidigung treiben, nähern sich jenem nicht wegen der Ehre seiner Kleider. So auch wir: weil wir den Unterricht der Lehre angezogen haben, erfreuen sich die Apostel an uns, und die Engel des Himmels ehren und preisen uns, die Scharen der Dämonen fliehen vor uns, und die Leidenschaften sind uns Untertan.

Und wie die Gewänder der Kleidung die Kälte und die Hitze und die Unbilden von jenem abhalten und zurückhalten, der sie angezogen hat, so auch hält ab und hält zurück von uns der Unterricht der Lehre unseres Herrn alle Schwachheiten und Betrübnisse und Unbilden. Aber, wenn sie ein Kleid der Ehre und des Ruhmes angezogen haben, achten sie auf ihre Kleidung und hüten sie vor aller Unsauberkeit der Befleckung; denn, wenn die Kleider, die sie angelegt haben, vernachlässigt und beschmutzt werden, würden auch jene nur verlacht und verspottet werden, weil Vernachlässigung und Unbill an ihre Kleider gekommen sind. Denn wenn sie ihre Kleider vernachlässigen und verderben, geht mit ihnen auch die Ehre ihres Ruhms zu Grunde. So auch die, die den Unterricht der Lehre unseres Herrn angezogen haben: wenn sie sie verachten und sie verunreinigen, dann verderben auch sie ebenso die Ehre, die sie wegen der Lehre unseres Herrn gefunden haben.

Denn, wenn einer die Lehre unseres Herrn äußerlich mit Worten angezogen hätte, und an seinem Herzen in Bezug auf diese gute Lehre nackt wäre, so würde er Nabath und Abiuth, den Söhnen Aarons gleichen; nachdem sie das Kleid der Heiligkeit angezogen hatten und ohne Auftrag sich erdreisteten, gemäß ihrer Willkür das Gerät des Dienstes des Altares herbeizubringen, wurden sie im Feuer verbrannt. So auch stürzen die, die den Namen unseres Herrn äußerlich besitzen, aber seinen Willen nicht tun, in die Strafen der Züchtigung, weil sie das Kleid der Heiligkeit verunreinigen, und verurteilt werden sie für schuldig erklärt. Es gab auch Moses nach dem Tode des Nabath und Abiuth ihren Brüdern Befehl, daß sie nicht weinen und ihre heiligen Kleider nicht verunreinigen sollten. Und wie die Söhne Aarons, während sie mit den Kleidern der Heiligkeit bekleidet waren und ihr Sinn durch Willkür geteilt befunden wurden, ihre Brüder, als sie gestorben waren, nahmen und sie außerhalb des Lagers schafften, so auch wir: wenn bei jemandem irgendein Zweifel gefunden werden wird und Werke der Verderbnis, wenn er sich selbst auch hinter dem Kleide der Lehre verbirgt, entfernen ihn dennoch als einen Toten außerhalb der Kirche die, die seine geliebten Brüder waren, und wie ein Toter wird er außerhalb des Lagers des Lebens gestoßen. Verglichen worden also ist, siehe, die Lehre unseres Herrn Kleidern, weil wir durch sie erkannt werden. Und verglichen ist sie dem Weine, weil sie sich mit unserem Sinn verbindet. Deshalb ist sie nicht eine andere; denn alles, was es überhaupt hier geben mag, ist [ihr] Zug für Zug verglichen.

Und in all diesen Gleichnissen von Beispielen hat unser Herr das Gesetz und die Propheten erfüllt. „Alte und abgenutzte Kleider.“ Wie wir betreffs der Schläuche gehört haben, sollen wir wissen, daß auch alte und abgenutzte Kleidung nicht von Haus aus alt und abgenutzt ist, sondern wenn sie beschmutzt und verunreinigt wird, dann wird sie alt und abgenutzt. So auch die Lehre unseres Herrn, die uns gesandt worden ist, daß wir sie ganz und gar vollendet anziehen, wie ein Festkleid der Ehre und sie in Neuheit besitzen sollen. Dann, wenn wir in unseren Sünden beschmutzt, abgenutzt sind und verrottet: wenn wir auch die Lehre unseres Herrn teilen und [ein Stück] zu dieser Allheit, die sich mit uns verbunden hat, fügen wollen, so ist dennoch keinerlei Übereinstimmung der Lehre unseres Herrn mit unserer Abgenutztheit. Deswegen spricht unser Herr: „Es ist keiner, der einen Flicken von neuen Kleidern nimmt [und] abtrennt und ihn auf alte und abgenutzte Kleider näht“.

Es hat unser Herr hinwieder seine Lehre dem Feuer verglichen dort, wo er sagt: „Feuer auf die Erde zu werfen, bin ich gekommen, und ich will, daß es bereits brennt“. Aber auch dies hat er als ursprünglichen Gegenstand der Prophezeiung erfüllt. Es spricht Gott zu Jeremias, dem Propheten: „So spricht der Herr, der Gott der Heerscharen: Dafür, daß ihr diese Worte geredet habt, gebe ich nun, siehe, meine Worte in deinen Mund, Jeremias, wie Feuer, und dieses Volk wird wie Holz sein, und du wirst sie verbrennen“. Hinwieder sagt derselbe Jeremias: „Ich sagte, daß ich der Worte deiner Prophezeiung in meinem Munde auch fürder nicht mehr gedenken werde und ich in deinem Namen über das Haus Israels nicht mehr prophezeien werde. Und es wurden deine Worte in meinem Munde wie Feuer, das loderte und brannte in all meinen Gebeinen und ich wollte verschweigen [und] zurückhalten meine Prophezeiung in meinem Herzen, und nicht vermochte ich [es] auszuhalten“.

Und der Prophet macht uns klar, wenn von Gott dem Allmächtigen, vom Herrn dieses geschah, daß seine Geschenke Feuer genannt werden sollen. Und es kam Jesus als Vollender der Prophetie, er nannte seine Lehren Feuer, damit er klarmache, daß sie mit der früheren Prophezeiung übereinstimmend sind. Und wie Jeremias bezüglich des Feuers klargemacht und gezeigt hat, daß es in seinem Herzen brannte und flammte und ihn gar nicht beschädigte, sondern ihm nutzte, aber die anderen, die den Willen Gottes nicht taten, eben jene Worte, jenes Feuer, das ein Fröhlichmacher und Helfer für Jeremias war, anzündete und verbrannte, so ist es auch mit den Worten unseres Herrn; er hat sie Feuer des Brennens genannt, weil Feuer nicht etwa die Wahrheit anzündet und verbrennt, noch das Gold, noch das Silber, noch auch Edelsteine, sondern das Holz, das Gras, das Rohr, wie auch der Apostel sagt, denn er wurde Erfüller des Evangeliums und der Prophetie. So wohnt das Feuer unseres Herrn in unseren Herzen und erquickt uns. Wenn wir fest und wahrhaft im Glauben sind, brennt und versengt es uns nicht, sondern berauscht uns und feuert an, den Weg zu verkündigen und ihn zu verfolgen, wie den Jeremias. Und denen, die [zu] kleinmütig und leer waren, [als] daß die Worte der Prophezeiung unseres Herrn, die sie hören, aber nicht tun, sie anfeuerten, werden eben jene Worte Feuer sein und sie verbrennen.

Hinwieder ist die Lehre unseres Herrn dem Feuer verglichen worden, weil Feuer nur nach oben brennt und lodert; denn ein jegliches, was überhaupt sie von oben nach unten werfen, geht nach unten, aber das Feuer brennt und lodert nur nach oben, und gefangen genommen beschäftigt sich unser Sinn mit den Höhen des Himmels nebst der Liebe zu unserem Herrn; und wenn wir die Lehre unseres Herrn aufnehmen, lodert und brennt sie wie Feuer in unserem Sinne. Wiederum ist die Lehre unseres Herrn dem Feuer verglichen worden. Denn wenn sie in uns wohnt, lodert sie in unserem Sinne und brennt in unserem Leibe: sie brennt und verzehrt von uns weg alle Werke der Verderbtheit, die Unzucht, die Unreinheit, die Götzendienerei, die Betrügerei, die Rachsucht, die Bitterkeit und alles [was] mit Bösem [behaftet ist]. Und durch jenes Feuer werden wir vollendet als schöne Gefäße für den Schmuck der Gottheit wie Gold und Silber, wenn es sich mit dem Feuer verbunden hat, und das Feuer von ihm allen Schmutz und Rost verbrennt und aufzehrt, und lauteres Gold und Silber übrig bleibt. So werden durch das Feuer unseres Herrn alle Werke der Verderbtheit von uns weg verbrannt, und es bleiben in uns die Werke der Güte bestehen, die durch das Feuer schön werden, [und] es werden vollendet Liebe, Erkenntnis, Erbarmen, Demut und Bereitwilligkeit. Und hierin gleicht die Lehre unseres Herrn dem Feuer. Und in all diesem haben wir gefunden, daß unser Herr Jesus Christus die Prophetie bestätigt hat und in den Fußstapfen der Propheten wandelte und sie vollendete.

Es vergleicht hinwieder unser Herr das Wort seines Lebens Samenkörnern. Und er zieht die Erde, die die Samenkörner aufnimmt, zum Vergleich heran darin, daß er sagt: „Siehe es ging ein Säemann aus, seine Samenkörner zu säen; und als er jene säte, gab es welches, das auf den Weg fiel, es wurde zertreten und die Vögel lasen es auf; und es gab welches, das auf Steiniges fiel: als es aufgesproßt war, verdorrte es sogleich, weil es keine Feuchtigkeit unter seinen Wurzeln gab; und es gab welches, das inmitten von Dornen fiel: es wuchsen die Dornen und erstickten es; und es gab welches, das auf gutes Land fiel: es ging auf, wuchs und brachte Frucht“. Und bei seiner Erklärung des Wortes sagt er: „Das, was auf den Weg fiel, sind die, die das Wort hören und es kommt Satan [und] reißt das Wort aus ihrem Herzen. Und das, was auf den Felsen fiel, sind die, die, wenn sie das Wort hören, es mit Freude aufnehmen; aber weil sich für es keine Wurzeln darin befinden, glauben sie eine Zeitlang, und in den Zeiten der Versuchung verleugnen sie. Und das, was inmitten der Dornen fiel, sind die, die das Wort gehört haben, und [in] der Sorge der Welt und der Beschäftigung des Reichtums und in törichter Lust werden sie erstickt und bringen keine Frucht. Und das, was auf fetten Boden fiel, sind die, die mit reinem und lauterem Sinne das Wort der Wahrheit gehört haben und Frucht brachten“. Und er hat uns klargemacht und gezeigt, daß er die guten Menschen gutes, fettes Land genannt hat.

Hinwieder haben wir anderseits auch hier gefunden, daß er der Vollender einer Prophezeiung ist. Denn Jeremias der Prophet sagt: „So spricht der Herr Gott zum Hause der Juden und zu den Bewohnern Jerusalems: Wählet euch gutes und fettes Land aus und säet nicht auf Dornen. Heiligt euch vor dem Herrn und tut das Böse aus euren Herzen hinaus, du Haus Judas und Bewohner Jerusalems“. Und dieses Gleichnis, das unser Herr gesagt hat, daß [nur] gutes Land Frucht des Lebens gibt, hat vormals der Prophet vorher gesagt. Auch das [ist der Fall]: wo Dornen waren, leben auch, wenn der Bauer regsam ist [und] die Dornen sammelt, Saaten des Lebens; denn der Prophet fürwahr hat gesagt, daß wir gutes und fettes Land sind und die Werke der Bosheit Dornen. Und dies noch müssen wir wissen, daß Dornen von keiner anderen Seite ihm werden, als von ihm und in ihm [selbst], wie das Altsein den Kleidern und Schläuchen; und das Unkraut des Landes kommt von keiner anderen Seite, als von Nachlässigkeit und Trägheit. So finden wir auch bei allen Bodenarten, die die Samen zugrunde richten, daß das von der Trägheit des Bauern herrührt. Denn die Saat, die auf den Weg gefallen war: nicht als ob das Erdreich selbst die Saat nicht lebendig zu machen vermöchte! Denn das Land, auf dem der Weg hart gestampft worden war, das ist selbst von Haus aus jedem [andern] Erdboden gleich; aber wegen des Darauftretens der Menge der Füße vorübergehender Menschen und Tiere wurden die Samen zertreten und gingen zugrunde. So auch wir: von unserer Natur aus sind wir gutes Erdreich, um die Samenkörner des Königreichs [des Himmels] aufzunehmen und die Frucht des Lebens zu geben; aber wenn wir unsere Herzen [preis-]geben, daß sie Durchgangswege für fremde Worte werden, alsdann werden die guten Samen zertreten, die in uns gesät sind.

(Und durch diese Gleichnisse der Natur und der Geschöpfe hat uns unser Herr gezeigt, daß wir immer innerhalb der Grenzen uns halten müssen, die Gott uns gesteckt hat), und alles, was darüber hinausgeht, tötet uns, wie auch der Samen zertreten wird, der auf dem Wege ist, jener, der hinausfallend auf die Erde hinausfiel und dessen Frucht vernichtet wurde; oder es wird vielleicht jemand da sein, der glauben möchte, daß jener Weg nicht nur durch bereitetes Land vorbeiging und es schädigte. Wenn aber der Bauer regsam ist, arbeitet er bei Tage und wacht bei Nacht und schließt mit Hecken seine Saaten ein und rings um es gräbt er einen Graben, behütet es beständig vor fremden Hufen. Und es wird gute Frucht auf ihm in der Obhut des tatkräftigen und beständigen Bauern. Denn es weiß der Bauer, daß es nicht von anderer Seite Frucht des Lebens für ihn gibt, wenn nicht von jenen Saaten, die er gesät hat. So [wissen] auch wir, daß Leben von anderswo nicht herkommt, als aus jenem Samen, den wir aus dem Evangelium empfangen haben, wie in jeglichem die Propheten darüber bezeugen. Wir wollen unsere Ohren vor aufrührerischen Reden verschließen und unsere Herzen vor törichten, ungerechten Gedanken, und nicht sollen wir unsern Sinn zur Brücke für das Passieren aller törichten Reden machen, und dann leben wir.

Betreffs der Dornen hat uns unser Herr gesagt, daß, wie Dornen der Erde schaden, die doch aus ihr selbst hervorwachsen, so uns Begierden schädlich sind. Und wenn jemand zu zeigen vermag, daß Dornen nicht von der Erde her sind, ists ihm wohl auch einigermaßen möglich, zu glauben, daß auch die Begierden der Schlechtigkeiten an uns [von außen] herangebracht werden. Aber wie es ein Mittel gibt, die Dornen zu sammeln [und] wegzuschaffen, so daß die Saaten am Leben bleiben, so hat auch der Prophet zu uns gesagt; „Wählet ihr euch gutes und fettes Land und säet nicht auf die Dornen; seid heilig vor dem Herrn und tut das Böse hinaus aus euren Herzen, bevor der Zorn des Unmutes des Herrn hervorkommt wie Feuer und euch verbrennt, und niemand ist, der löscht“. Denn Dornen sind Nahrung fürs Feuer und Weizen ist für die Bedürfnisse des Lebens. Wenn aber unsere Werke böse und peinvoll sind wie Dornen, werden wir mit ihnen fürwahr bei den Dornen im Feuer verbrannt. Und wenn wir aus unserem Sinne alle schlechten Begierden hinaustun, alsdann verbleiben wir gutes und fettes Land für guten Samen, den wir empfangen, und wir bewahren ihn wie Weizen in den Scheunen des Lebens.

Aber betreffs des Felsens, von dem unser Herr gesagt hat, daß jene [Saat], die auf dem Felsen ist, eine kurze Zeit fröhlich gedeiht und darauf vertrocknet, so ist mir jenes Wort [ein Anlaß,] über die Herrlichkeit der Gottheit zu sprechen; denn diesen Namen des „Felsens“, der schwach an Saaten ist, hat er selbst für die Gebäude gewählt. Und es hat unser Herr diese Gleichnisse vorgebracht, um klarzumachen, daß nichts von allen Geschöpfen ihm fremd ist. Aber wodurch sind die Saaten schwach, die auf dem Felsen sind? Weil sie [zwar] zuerst den Regen sich aneignen und aufnehmen, aber auf ihm keine starke Humusschicht vorhanden ist, die Feuchtigkeit des Wassers in sich festzuhalten. Deshalb, wann die Strahlen der Sonne ankommen, verteilen sie sich nicht allein über den felsigen Ort, sondern über die ganze Erde. Aber der felsige Ort wird, weil keine Feuchtigkeit in ihm ist, von der Kraft der Sonne heftig berührt; und alle Saaten insgesamt gedeihen fröhlich, wenn sie strahlt, die die Saaten, die auf dem Felsen sind, dörrt. So auch wir, die wir die Lehre unseres Herrn gehört und sie in unsere Herzen eingeschlossen [und] gesammelt haben: auch wir wurden wie ein gutes und fettes Erdreich, das in sich die Feuchtigkeit eingeschlossen hat; und die, die sogleich die Lehre sich aneignen und aufnehmen, während sie öffnend die Schrift lesen, aber bei denen die Wahrheit der Lehre nicht im Sinne dauert, die sind felsigem Boden gleich; denn es kommt über ihn viel Wasser, wie über jedes [andere] Land, aber er nimmt es nicht auf; und wann irgendwelche Versuchungen nach Art der Sonne ankommen, so kommen sie nicht nur über jenen Menschen, der einem Felsen verglichen wird, sondern über jeden Menschen.

Aber die, die die Wahrheit der Lehre in ihrem Sinne bewahren, die erinnern sich, daß unser Herr der Sohn Gottes ist: er wurde verfolgt, gebunden, gemartert, er litt Hunger, er wurde verachtet und übel behandelt, und uns hat er dasselbe gelehrt; und je mehr wir uns hieran erinnern, werden wir fröhlich, wachsen und gedeihen in unseren Versuchungen, wie die Saaten fröhlich gedeihen durch das Wasser, wenn sie es trinken, und sie bewahrt und sie nicht angegriffen werden durch das Angesicht der Sonne. Aber die, die die Lehre aufnehmen wie ein Heilmittel [zur Erlangung] von Vorteilen dieser Zeit, verdorren, wenn irgendwelche Versuchungen über sie kommen, durch [deren] Angesicht. Und hierin ist der Glaube unseres Herrn den Saaten verglichen worden.

Es hat hinwieder unser Herr seinen Glauben einem Senfkorne verglichen, darin, daß unser Herr sagt: „Wem ist das Königreich des Himmels gleich oder welcher Gleichheit vergleiche ich es? Gleich ist es einem Senfkorn, das ein Mensch, da er es nahm, in einen Garten säte; und es wuchs, wurde groß und wurde zu einem Baume, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Ästen“. Und in derselben Rede sagt er: „Gleich ist das Königreich des Himmels einem Sauerteige, welchen ein Weib nahm und ihn in drei Scheffel Mehl mischte, bis der ganze Teig durchsäuert wurde“. Und damit wir erkennen sollen, daß in jeder einzelnen seiner Formen unser Glaube gleich ist den Formen in allen Dingen. Denn ein Senfkorn ist [dem] Sauerteige nicht gleich in seinem Aussehen. Aber das Königreich Gottes, sagt er, ist beiden gleich in seiner Wirkung. Es gleicht jenes einem Senfkorne darin, daß es ein Baum wird, groß wird, so daß es zum Ruheplatze für die Vögel des Himmels wird. Denn es kam unser Herr, er erschien uns als ein Mensch klein von Gestalt, gering, verachtet und demütig, er starb und wurde beerdigt wie ein Fremdling, er stand wieder auf Kraft seiner Gottheit, und erschien mit Herrlichkeit, und er wurde Ruhe und Rast für alle Menschen, die wir versinnbildet sind in den Vögeln, da unser Gesicht nach oben gerichtet ist, und durch unsern Sinn und Glauben flogen wir und schwangen uns auf und erhoben wir uns über alle Zerstreuungen der Erde und alle bösen Gedanken, und von da ab fürwahr wußten wir, daß unsere Wohnung im Himmel ist, woher wir unsern lebendigmachenden Herrn Jesus Christus erwarten.

Wiederum gleicht der Glaube unseres Herrn dem Senfkorn darin, daß es wächst, groß wird und zum Baume wird; denn er wird gesät und wohnt in uns zuerst in Kleinheit und nach und nach wachsen und werden kräftig und fest seine Wurzeln in unserem Sinne, denn zuerst wollen wir dies allein: glauben an Gott; und darauf, wenn der Glaube in uns befestigt ist, alsdann trennen wir uns von unseren Vätern und vergessend verabschieden wir uns von unseren Müttern, und wir sondern uns ab von unserer Verwandtschaft, und wir vermischen uns nicht mit unseren Freunden, die in der Welt sind, und von allen unseren Gewohnheiten, die in der Welt sind, sind wir losgelöst. Denn es hat uns gänzlich der Glaube besiegt, den wir vordem in Kleinheit wie ein Senfkorn empfangen haben. Wenn unser Herr selbst ein Samen ist, wie das Senfkorn, und sein Vater ihn auf die Erde, wie in einen Garten säte, weil die Erde dem Vater gehört, und wenn der Glaube unseres Herrn in jenem Senfkorn versinnbildet wurde, und er in uns gesät wurde, sind wir erfunden worden, daß wir sein fürwahr waren; denn der Säemann säte in seinen Garten.

Und gleich ist er dem Sauerteige, weil Sauerteig anziehend und gefangennehmend ist, und dies[e Eigenschaft] besitzt er beständig: wann der ganze Teig vermischt wird, verändert er sowohl, als auch zieht er die ganze Masse hinüber in seine eigenen Formen, und niemals kehrt Sauerteig zurück und wird [wieder] Mehl. So ist auch das Königreich Gottes dem Sauerteige gleich geworden, weil es sich in uns vermischt, im Leibe und in der Seele und im Atem nach der Teigmasse von 3 Scheffeln; und niemals bewegt  es sich in uns, zu werden, wie wir, sondern darin allein, daß es in uns gewirkt wird und uns alle an sich zieht und gefangen nimmt und verwandelt in die Gottheit [da] nach Art des Sauerteiges. Aber wie es beim Sauerteige der Fall ist, daß er zuerst selbst mit dem Mehle vermischt wird, und er bei ihm ist wie Teig, wie ungesäuerter [nämlich], aber die Kraft des Sauerteiges in der Teigmasse in unsichtbaren Formen verborgen ist, und nach und nach die große Teigmasse in jenen Sauerteig hinübergezogen wird, der von Aussehen kleiner war, als die Teigmasse und sie in sich verwandelt hat, und alsdann die Teigmasse von dem Sauerteige da nicht mehr unterschieden wird, weil sie untergegangen ist, so kam die Gottheit Christi [und] vermischte sich mit unserer Menschheit, und Christus wurde wie wir und vermischte sich mit unserem Teige und nicht war es ihm anzusehen, daß er nicht Mensch war, wie Sauerteig nicht sichtbar ist in jener Teigmasse, wenn er vermischt wird; und heimlich treten nach und nach [Kräfte] von jener Kraft Christi ein. Und wie Sauerteig wurden wir hineingezogen und gemischt in seine Gottheit da, wie auch er ja mit unserer Menschheit vermischt wurde, und nicht mehr sind wir von ihm getrennt, weil wir in ihm untergegangen sind. Und so ist das Wort, das der Apostel gesagt hat: „Verschlungen worden ist der Tod, spricht er, vom Leben“. Darin ist das Königreich unseres Herrn dem Sauerteige verglichen worden.

Jedoch auch dies sollen wir wissen, daß, wenn du den Sauerteig mit einem anderen Dinge vermischen würdest, [er es] nicht aufnimmt und sich [mit ihm] nicht vermischt, weder mit Gold, noch mit einer Perle, welche [Dinge] gepriesen werden und geehrt sind, noch mit Unrat, der da als verachtet erscheint, noch mit Eisen, das hart und fest ist, noch mit Wolle und mit Seide, die kostbar und fein sind, noch mit etwas anderem, was vermischt wird und nützlich wird; und nichts anderes gibt es, was verwandelt und Sauerteig wird, als Mehl und Sauerteig, die füreinander geschaffen und miteinander verbunden sind. So ist auch das Königreich des Himmels für uns bestimmt und vermischt sich mit uns, und wir sind bestimmt, es aufzunehmen, und wir werden von ihm nicht mehr unterschieden werden. In allem konnten wir beobachten, daß wir fähig sind, es aufzunehmen, wie der Felsen für ein Gebäude [geeignet ist], und wie Land für Saaten und wie ein Garten für Kräuter und wie Mehl für Sauerteig und wie ein Weingarten für Pflanzen und wie Schläuche für Wein, wie Kleider für einen Flicken. Deshalb, wie alle diese Dinge, wovon uns unser Herr in Gleichnissen [und] Beispielen gezeigt hat, daß sie zueinander passen in dem, wofür sie bestimmt sind, so wurden auch wir bestimmt, dies Königreich zu empfangen, das uns gesandt worden ist. Und das Königreich selbst war dafür bestimmt worden, zu uns gesandt zu werden.

Wiederum hat unser Herr seinen Glauben Silber verglichen, darin, daß er sagt: „Ein edler Mann reiste in ein fernes Land, um sich dort die Krone des Königreichs zu nehmen und zurückzukehren. Er rief seine zehn Diener und gab ihnen je ein Talent, und er sprach zu ihnen: Ziehet Gewinn und Nutzen hieraus, bis ich komme“. Aber mir obliegt es, zu sagen, daß Jesus jener edle und reiche Mann ist, denn ich bin fest überzeugt, daß er aus der Wesenheit der Gottheit ist, die groß, erhaben, überragend, herrlich, reich und Herr aller Naturen ist, die sichtbar sind und die nicht sichtbar sind, und Schöpfer und Ordner aller Naturen unter den sichtbaren und unsichtbaren [Wesen]. Hinwieder [ist er] ein edler Mann, weil er aus dem Geschlechte Judas hervorging. Aus dem ja gingen Könige und Propheten hervor. Wenn es auch andere Weise gab, so ist doch über Salomon [allein] im Buche der Könige geschrieben: „Niemandem, der vor ihm war, ist eine solche Weisheit gegeben worden und keinem nach ihm ist sie gegeben worden“. Und obwohl auch andere Könige waren, so ist doch [nur] bei David das Testament mit Eidschwüren bezüglich des Königtums niedergelegt worden, wie auch Jeremias der Prophet sagt: „Wäre es euch etwa möglich, Tag und Nacht in ihrer Stunde aufzuhaltend? Dann würde auch mein Eidschwur, den ich David, meinem Knechte, geschworen habe, aufgehalten werden, daß ihm ein Sohn sei, der auf dem Throne seines Königtums sitzen soll. Und es zeigt sich, daß unser Herr durch seine Gottheit und seine Menschheit edel ist. Aber die, die meinen, daß Christus aus einer anderen Wesenheit sei und von Gott[es Wesen] von ihm nichts innegehabt wurde und ihn vom Adel der Menschheit trennen [sic], für sie geziemt es sich nicht, ihn edel zu nennen.

Und es hat unser Herr seinen Glauben Silber verglichen. Das ist auch in der Weisheit Salomons geschrieben, er sagt: „Ein goldener Apfel auf einer silbernen Schüssel sind Worte der Ermahnung in aufmerksamen Ohren“. Und unser Herr hat uns klar gemacht, daß seine Worte mit den Schriften zusammengehen, die vor ihm gepredigt haben.

Ähnlich ist hinwieder der Glaube unseres Herrn geprägtem Silber, das gezählt wird nach den Zahlen der Wertangabe; denn ein jeder Mensch, der Silber in seiner Hand hat, der erhält alles für das Silber: Getreide, Wein, Kleidung und Nahrung und alles, was zum Leben und für die Bedürfnisse der Menschen erforderlich ist. So auch wir: wenn wir den Glauben besitzen, dann können wir durch ihn fasten, die Brüder lieben, Almosen geben, Verfolgung leiden und allen Lüsten widerstehen, da wir gläubig geworden wissen, daß für uns bestehen bleibt der Lohn unserer Vergeltung im Himmel. Wie, während unser Herr hier war, er zu jedem einzelnen von allen denen, die sich ihm nahten, also sagte: „Dein Glaube hat dich gerettet“. Auch die Apostel fingen, als sie den Glauben erlangt hatten, an, durch ihn die Dämonen zu vertreiben, die Aussätzigen zu reinigen, die Toten lebendig zu machen für himmlische [Dinge].

Und auf diese Weise gleicht der Glaube Silber; denn wie durch Silber ein jegliches erworben wird, was für das Leben dieser Welt notwendig ist, so wird alles, was überhaupt nur notwendig zum Leben ist, durch den Glauben erworben. Denn auch jene Liebe, die der Apostel mehr als alles schätzt, vermögen wir, wenn wir glauben, durch unseren Glauben zu erlangen. Deswegen ist unser Glaube Silber gleich, weil Silber denen alle Bedürfnisse erfüllen kann, die es haben, jenes [Silber], das die Züge der Ähnlichkeit des Herrn des Landes besitzt, denn mit jenem [Silber], das gemäß seinem [des Landesherrn] Befehl ist, gehen sie herum. Wenn aber ein Angehöriger eines fremden Landes käme und er mit den Zügen des Bildes eines anderen Königs beschriebenes Silber hätte, [das] aber die Schrift des Landesherrn nicht hätte, so befindet er sich in sehr großer Verlegenheit; denn nicht einmal bedürftige Borger nehmen etwas davon an, wodurch sie keinen Nutzen haben, noch auch nehmen Kaufleute jenes, wodurch sie keinen Vorteil haben. Obwohl sich in jenem Lande reichlich viel Kleidung und Lebensmittel und alle notwendigen Dinge finden, so wird er dennoch von Hunger und Kälte gequält und stirbt, weil er verachtetes und zurückgewiesenes Geld in seiner Hand hat.

Aber unser Herr hat, als er uns diesen Glauben, den er dem Silber verglichen hat, verkündigte, seinen Dienern freimütig gesagt: „Macht Gebrauch hiervon, bis ich komme“. Denn er wußte, daß die wahren Züge des Bildes des Landesherrn sich an ihm befinden und es unter allen Wesen geachtet wird. Überdies findet sich hier etwas, was dem seinigen, das er gebracht hat, ähnlich ist, denn bei seiner Wiederkunft hierher forderte er es mit Zinsen zurück. Wenn aber das Silber jenem gleich ist, der gekommen war, aber nicht mit ihm [noch anderes] hier wäre, woher denn würden Wucherzinsen gegeben? Oder auf welche Weise sagt Markion, daß sein Weg irgend etwas nicht gleicht? Als der kam, der das eine Talent empfangen hatte: der eben ist es, der dem Markion und anderen Irrlehrern gleicht; und es war für jenen, der das eine Talent besaß, eine schwere Sache, sich zu verantworten; und statt daß er dastand und mit frechen Mienen sagte: „Ich fürchtete mich vor dir, weil du ein strenger Mann wärest, und deswegen lieh ich dein Geld nicht aus,“ hätte es ihm obgelegen zu sagen: „Borger haben es von mir nicht angenommen, ich wollte Ähnliches, ihm gleichendes finden, aber ich fand nicht, um es zu vermehren.“

Aber weil das Silber, das mit unserem Herrn in die Welt gekommen ist, geschätzt wurde, wurde es angenommen, und [weil] die, die es angenommen haben, zu ihm hier ein jeder soviel hinzufügten, als sie nur zu sammeln vermochten, gab es, was zehnfältig war und solches, was fünffältig war. Und eben dieses Silber, das hier gesammelt ward, wird in den himmlischen Regionen geschätzt; und es ist klar geworden, daß einer Herr dieser beiden Reiche, des oberen und des unteren ist. Und wegen seines Befehles ist der Umlauf des Silbers ein einziger; es geht durch alle Regionen und wird geschätzt. Und hierin ist sein Glaube einer Silbermünze verglichen worden. Und durch diese Gleichnisse, die unser Herr gesagt hat, daß das Königreich des Himmels einem jeglichen Dinge gleicht, weil er es verglichen hat, hat er uns klargemacht und gezeigt, wie das Königreich ist und den einzelnen Dingen ähnlich wurde, wie es ihm eigen ist, abzunehmen und zuzunehmen, arm zu werden, reich zu werden, zu sterben und zu leben, und alles zu tun, was er will.

Und durch dieses Gleichnis wiederum, das unser Herr gesprochen hat: „Ein edler Mann reiste in ein fernes Land, um für sich daselbst ein Königreich zu nehmen und zurückzukehren“ hat er uns klargemacht, daß des Königreiches Heimat und sein Wesen oben im Jenseits ist und von dort hierher kommt; deswegen war unser Herr hier bei uns. Und er war wahrhaftig ein wirklicher Mensch, weil er die Menschheit angezogen hatte, und er war edel wegen dessen, was oben geschrieben worden ist, und weil er sagt: „um die Krone des Königreichs zu nehmen und zurückzukehren“; denn wann er kommt in seiner furchtbaren und herrlichen Wiederkunft, kommt er als König und Gott, Spruch und Urteil des Todes und des Lebens, der Freude und der Qual, wann er auf dem furchtbaren Throne des Schreckens und der Ermutigung sitzen wird, wann die Heerscharen der Engel mit Furcht und Schrecken vor seinem Angesichte stehen werden. Deswegen ist er als wahrer Mensch von uns entrückt worden, wie er als König bei uns existiert, denn das Haupt des Königreichs und der Gottheit ist oben. Denn dies ist jedem Menschen klar, wie es einem Könige so geziemt, König zu sein und zu heißen, daß er Städte und Dörfer hat und Produkte, Schätze, Truppen, Henker, Trabanten, Bediente, Kurriere, Pagen und Kämmerer und alle Erfordernisse, die klar vor seinen Augen erscheinen. Wenn aber der König ganz allein einhergehen und sich an einem wüsten Orte aufhalten würde, wenn dieser ganze Apparat fern von ihm wäre, dann wäre er auch kein König. Oder wen würde es geben, der ihn König nennte, wenn er allein dastünde und niemand bei ihm wäre?

Deswegen ist wirklich unser wahrer Gott ein gewaltiger König, dessen sind Himmel und Erde, Engel, Erzengel und Gestirne und Tod und Leben, Herrschaften und Gewalten, Blitze und Donnerschläge, Höhen und Tiefen und alle Geschöpfe, die sichtbar sind und die nicht sichtbar sind. König ist er und Herr aller Wesen, auch wegen des Bildes der Menschengestalt, mit der sich Christus bekleidet hat von seinem höchsten Vater her; denn er selbst ist König, der gesagt hat, daß er ausgehe und sich das Königtum nehme und zurückkehre. Und jene, die die Prophezeiung Christi verwerfen, in welcher Weise werden sie sich das Hingehen und das Nehmen des Königtums aus einem Orte, wo er nicht ist, denken?  Aber, wenn einige sind, die meinen, daß er einstmals ohne Engel, Herrschaften und Gewalten residiert habe und ihm nichts gehörte, auf Grund wovon würde er da etwa König genannt, er, der ohne Besitztümer war, bis er hierher kam? Und wenn er sich hier von Menschen das Königreich erworben hat, die von jenem wahren Könige erschaffen worden sind, über den sie gesagt haben: Christus hat sich Engel, Herrschaften und Mächte gemacht und über jene wurde er König genannt, ist klar geworden, daß er wahrlich nicht König wurde, wenn nicht von jenem wahren Könige aus, der der Herr aller Naturen ist. Denn siehe es ist klar, daß auch Christus, da ihn jene Lehren der Häresien entfremden wollten, sich von jenen Geschöpfen des großen und reichen Königs seine Besitztümer erworben hat und König über sie genannt worden ist.

Und es hat unser Herr die Wohnung seiner Herrlichkeit eine „Stadt“ genannt darin, daß er jenem zehn Städte zur Herrschaft gab, der die zehn Talente verdient hatte, und fünf Städte dem, der die fünf Talente gewonnen hatte. Das ist auch im Anfange [der Parabel] bereits geschrieben, [es heißt]: „Er rief seine zehn Diener“. Und als er bei seiner Wiederkunft kam, und sie kamen, ihm Rechenschaft zu geben, ist bloß von dreien geschrieben, die kamen, und betreffs der Sieben [anderen] sagt uns [die Schrift] nicht, wo sie geblieben sind, noch auch, warum sie nicht kamen. Aber daß geschrieben steht, daß er seine Diener „zehn“ genannt hat, das lud er wegen der ganzen Zahl jeder Schüler- gesagt, wie auch von Anfang an Gott die Zehnzahl zum Zählen für alle Sprachen fest aufgestellt hat: Griechen, Römer, Syrer, Parther; und man zählt alle Zahlen bis zu zehn und man kehrt zurück zur Eins, um hinzuzufügen zur zehnten Zahl. Auch zeigte uns Gott sehr seine Langmut und seinen Zorn bis zur zehnten Zahl. Denn bis zu zehn Geschlechtern hatte Gott in seiner Langmut Nachsicht mit der ersten Ungerechtigkeit der Menschen, und danach führte er über sie die Sintflut herbei; und damals hat er den Noe allein als gerecht gezeigt. Auch aus den Nachkommen Noes bis zu zehn Geschlechtern hat Gott den Abraham geheiligt und weggeführt, und wenn er in Sodom zehn Gerechte gefunden hätte, spricht der Herr, würde es vor dem Untergange gerettet worden sein. Und die gottlosen, frevelhaften Ägypter hat Gott mit einer Geißel von zehn Plagen gestraft und nicht hat er noch eine andere hinzugefügt. So hat auch unser Herr die Zahl zehn eingeführt in das frühere Beispiel, das aufgestellt war, und die ganze Gesamtheit der Zahl seiner Jüngerschaft nannte er zehn.

Und weiter wurden jene alle in drei Arten erfunden: der eine mit zehn Talenten Gewinn, der andere mit fünf und der andere ohne Gewinn; jener, der zehn Talente hatte, der empfing als Herrschaft zehn Städte. Zehn Talente [sinds], die er gewonnen hatte, weil er das ganze Gebot tat und befolgte; denn das ganze Gebot, das uns unser Herr gegeben hat, ist in zehn Talenten versinnbildet. Und dieser eine kam mit zehn Talenten Gewinn, weil er alle Gebote getan und vollendet hatte, und in diesem einen hier sind alle versinnbildet, die gehört haben und getan und vollendet haben, was überhaupt ihnen befohlen worden ist. Und der andere kam mit fünf Talenten Gewinn, weil er die Hälfte des Befehls, den er gehört hatte, getan hat und die andere Hälfte nicht getan hat. Und in diesem sind die versinnbildet, die alle das Gebot des Lebens gehört haben und an das Werk unseres Weges herantraten, aber ihn nicht vollenden wollten. Und noch ein anderer kam ohne Gewinn. Und in ihm sind alle versinnbildet, die das Wort des Lebens gehört haben, an seine Ausführung aber nicht herangetreten sind.

Und alle Schüler, die in der vollkommenen Zahl zehn versinnbildet sind, kommen auf diese drei Arten. Von ihnen kommen welche, wenn sie alles getan und vollendet haben werden, und von ihnen kommen [andere], wenn sie die Hälfte getan und die [andere] Hälfte nicht getan haben werden. (Und von ihnen kommen, wenn sie die Hälfte der Hälfte getan haben werden), und von ihnen kommen welche, wenn sie überhaupt nichts getan haben werden. Jener, der das Ganze getan und vollendet haben wird, kommt mit Freude, steht vor dem Herrn und spricht: „Dein Talent hat zehn Talente gewonnen.“ Und er empfing als Herrschaft zehn Städte; weil er alles getan und vollführt hatte, empfing er alle Ehren unverkürzt, und es wurden jene Ehren, die er ihm gab, zehn Städte genannt wegen der vollkommenen Zahl zehn. Und jener, der fünf Talente erworben hatte, der empfing als Herrschaft fünf Städte; denn [nicht mehr] als die Hälfte des ersten empfängt dieser an Ehren im Lande des Lebens. Und es wurden die Belohnungen jenes mit „fünf Städte“ bezeichnet: die Hälfte der Zehnzahl; wie der Apostel sagt: „Ein jeder Mensch empfängt gemäß seinen Anstrengungen auch seinen Lohn“. Aber jenen, der ohne Gewinn kam, nannte sein Herr ungläubig; weil er nicht glaubte, hatte er auch nicht gearbeitet; denn wer glaubt, daß es eine Vergeltung für gute Werke gibt, beginnt alsdann auch zu wirken. Und wenn wir die anderen Menschen unterrichten wollen, wann wir sie zu unserem Glauben überreden, vertrauen wir ihnen auch das Wort unseres Herrn an. Und weil jener nicht einem dieser Art glaubte, wird auch noch der Name des Glaubens, den er besitzt, am Ende von ihm genommen werden, und darauf wird er in Verderben und Untergang gestürzt werden. Denn jeden, der des Todes schuldig wird, den ziehen sie zuerst aus und darauf töten sie ihn. So auch dieser, der bloß den Namen des Glaubens, der durch Silber und Kleidung versinnbildet ist, angenommen hatte, aber nicht an das Werk desselben sich herangemacht hatte: es wird von ihm der Name des Glaubens, der „Talent“ genannt wurde, weggenommen, und darauf wird er verurteilt.

Und weil unser Herr die Wohnung seiner Herrlichkeit eine Stadt genannt hat, ist wirklich der Glaube unseres Herrn Städten ähnlich; wie wenn ein König irgend einem von seinen Dienern Herrschaft über Städte und Dörfer geben wird. Und es wohnt der Diener im Palaste des Königs, und er badet sich in dessen Bädern, und er setzt sich nieder auf dem Throne seines Königtums, und in seinen Wandelgängen wandelt er. Und darin allein ist der Diener als Fürst geringer als der große König, daß dieser sein [nämlich des Dieners] Herr ist; und er weiß, daß er nicht selbst Oberhaupt ist und daß er von seinem Herrn da [die] Herrschaft über dessen Eigentum hat. So auch wir; wenn unser Herr an uns die Milde seines Erbarmens übt und uns zu sich selbst und zu seiner Stätte emporhebt, wohnen wir in seinem Königreiche, und wir befinden uns äußerst wohl in seinem Lichte dort, und wir werden fröhlich bei seinen Gütern und aller seiner Besitztümer werden wir Teilhaber und Genossen; aber hierdurch allein sind wir geringer als er, daß er das Haupt ist und wir von ihm Macht erhalten, uns an seinen Gaben zu erfreuen. Und hierin ist der Glaube unseres Herrn [„den Städten“ oder: „dem Silber“] verglichen worden.

Im Evangelium da steht geschrieben, daß unser Herr seinen Glauben Pflanzen verglichen hat, er sagt: „Ein Mann pflanzte sich einen Weinberg, mit Mauern ummauerte er ihn, und mit Befestigungen befestigte er ihn. Eine Grube für die Weinkelter legte er in ihm an, und er baute [und] errichtete in ihm einen Turm. Und dort in derselben Rede macht er klar, daß er arbeitete, sich abmühte in dem Weinberge bis zur Zeit der Früchte und die Winzer ihn abwiesen“. Und wieder an einer anderen Stelle sagt er: „Ich bin ein Weinberg und ihr seid Weinstöcke. Jeder Weinstock, der in mich gepflanzt ist und Frucht nicht bringt, wird ausgerissen“. Denn wenn dieses auch in dem Evangelium da, das die ketzerischen Markionisten lesen, verschwunden ist, so ersteht ihnen doch von jenem aus, was bei dem Apostel geschrieben ist, was sie davon überführt, daß dieses wirklich in dem Evangelium geschrieben war, daß wir durch Pflanzen versinnbildet sind und die Markionisten dies ausgetilgt haben. Es schreibt der Apostel im Briefe an die Römer also: „Denn wenn wir zusammengepflanzte für den Tod unseres Herrn geworden sind, so gleicherweise auch für seine Auferstehung“. Und im ersten Briefe an die Korinther steht wiederum geschrieben, daß jene eine Pflanzung Gottes sind, er sagt: „Ich habe gepflanzt, Apolos begoß, aber Gott ließ wachsen“.

Und durch diese Gleichnisse hat die Schrift die Lehre der Prophezeiung erfüllt. Es sagt Isaias der Prophet, daß gläubig gewordene Menschen Pflanzen des Lebens sind, und wenn sie von den Werken des Lebens leer geblieben sind, sie alsdann ein verödeter Weinberg sind; er sagt: „Einen Weinberg habe ich gepflanzt an einem lieblichen Orte, an einem Orte der Fruchtbarkeit; durch einen Zaun hegte ich ihn ein, mit Festigkeit ummauerte ich [ihn], neue Pflanzen pflanzte ich, ich reinigte, beschnitt, ich lockerte [den Erdboden]; ein Weinspalier legte ich schön an, einen Turm errichtete ich, eine Grube für die Weinpresse baute ich; ich wartete beständig, daß er käme und mir Trauben trüge, er kam, trug Dornen und Disteln. Jetzt, Männer Judas und Bewohner Jerusalems, richtet zwischen mir und meinem Weinberge. Was war etwa für meinen Weinberg zu tun und ich habe es ihm nicht getan? Ich wartete beständig, daß er käme und mir Trauben trüge; er kam und trug mir Dornen und Disteln. Nun will ich selbst erzählen, was ich an meinem Weinberge tun werde. Zerstören werde ich die Festigkeit seiner Umhegung, und er wird werden zum Raube, zugrunde richten werde ich die Mauern, und ich werde [ihn] von Truppen zertreten lassen. Verlassen werde ich meinen Weinberg, daß er nicht beschnitten und gereinigt und locker gemacht wird, wachsen und ihm anhaften werden Dornen wie im Ödland; Befehl werde ich meinen Wolken gehen, daß sie meinem Weinberg keinen Regen geben, denn Weinberg des Allgewaltigen ist das Haus Israels und der Mann Judas eine liebliche Neupflanzung. Ich wartete beständig, daß sich an ihm Recht finden werde, und es fand sich Unrecht, ich hoffte auf Gerechtigkeit und es wurde Ungerechtigkeit“.

Und nach Verwüstung dieses einen Weinberges, betreffs dessen er gesagt hat, daß er eben das Haus Israels ist, macht Gott die Berge verwüstet hinsichtlich der Saaten und Pflanzen. Es spricht Isaias: „Und es wird sein an jenem Tage: jeder Ort, an dem tausend Handbreit Weinberg sind mit je Tausend an Wert, wird wüst und zu Dornen gewandelt werden. Mit Köcher Versehene und Geschickte und Geübte im Bogenschießen werden hineinsteigen, denn verwüstet und dornentragend wird das ganze Land sein. Und jeder Berg, der nicht gepflügt ist, wird gefurcht sein, und nicht wird Furcht dahin kommen, denn es wird aus der Wüste und dem dornentragenden Orte ein Weideplatz des Lammes und ein Stampfen des Ochsen werden“. Wie betreffs jenes [Jes 5,1 ff.] Weinberges der Prophet uns erklärt und gezeigt hat [Jes 5,7], daß er nicht ein Weinberg ist, sondern die Güte des Hauses Israels ein begehrenswerter Weinberg genannt wurde und der Glaube Gottes in ihnen [d. i. den Leuten des Hauses Israels], wie in einem neu gepflanzten Weinberge, gepflanzt worden war, und als sie zu dem Götzendienste zurückgekehrt waren, wurden sie verödete Berge, wuchsen an ihnen schlechte Werke wie Dornen hervor; so auch sind wir verödete Berge gewesen, weil wir niemals Frucht Gottes gegeben hatten. Er sagte: „Wie die Pflanze, wie der Samen wird der Glaube in uns wohnen, daß wir mit Fröhlichkeit Frucht Gottes geben.“

Wie Isaias bezüglich jenes Weinberges, der gepflanzt und dessen Frucht veredelt worden war, verkündigte, daß er entwurzelt werden würde, und bezüglich der verödeten Berge sagte, daß sie gefurcht werden würden, so steht auch bei Ezechiel geschrieben, daß Gott die frühere Pflanzung ausrotten werde, wie Menschen eine Karda-Pflanze, und er macht die andern Menschen, die im Götzendienste verödet und verdorrt waren, froh; und er macht sie zu geehrte und schönen Bäumen, da er aus jenem ersten Volke eine Pflanze nimmt [und sie] in sie hineinpfropft, [nämlich] Jesum Christum, der aus dem Geschlechte des Hauses Judas, nachdem das erste Königtum verachtet war, genommen ist; denn mehr als alle Söhne Israels, die eine verachtete und verworfene Pflanzung genannt wurden, war das Geschlecht des Hauses Judas mächtig und ausgesehen, weil aus ihm Jesus Christus hervorgesproßt ist. Es sagt Ezechiel, der Prophet: „So spricht der Herr der Allgewaltige: Ich werde aus den einzelnen auserlesenen Gipfeln der Zedern und der Zypresse nehmen, und ich werde nehmen von dem je vorzüglichen, das von dem jungen Sproß [kommt], und ich werde sie pflanzen auf der Höhe des Berges, und ich werde ihn an dem hohen Berge Israels anheften, ich werde pflanzen und festmachen, Äste wird er entfalten und Frucht tragen, und er wird ein großer Baum werden, und in der Festigkeit seiner Äste werden die Vögel des Himmels ruhen, und alle seine Zweige werden an ihm fest werden; und alle Hölzer des Waldes werden erkennen, wissen, daß ich der Herr bin, der ich die hohen Hölzer erniedrige und die niedrigen Hölzer erhöhe, verdorren lasse den grünenden Stamm und grünen mache den vertrockneten Baum“. Deshalb vergleicht uns unser Herr im Sinnbild von Beispielen Pflanzen, Bäumen und Reben.

Und auf diese Weise sind wir Pflanzen ähnlich, daß zuerst ein Steckling von den Reben ganz allein [und] nackt in die Erde angepflanzt wird, und darauf wird er stärker, und er empfängt im Verborgenen die Kraft der Rebe und Zweige und Laub und Blüten und Trauben, woher Wein wird. Und wenn der Abschnitt einer Rebe [noch] nackt ist, wird über sie ein Bauer zurückgelassen, der rings um ihre Wurzeln [den Boden] locker macht und ihre Zweige von den dürren Spitzen reinigt [und] säubert und ihr Unkraut entfernt und alle Arbeit an ihr zu seiner Zeit tut. Und in der Obhut des Winzers empfängt [dann noch] die Rebe die Pflege, die ihr von Gott gesandt wird: Sonne, Regen, Wolken, Tau, milde Winde, und es wird ihr Frucht der Güte, die den Herrn des Weinberges fröhlich macht. Wenn aber der Winzer bezüglich ihrer [etwas] vernachlässigt, und ihr Pflege, ein Erzieher, Ernährer fehlt, wird vertrocknend die Rebe dürr, und die Frucht geht verloren, jene, die bestimmt war, aus ihr erzeugt zu werden, und sie selbst wird Nahrung und Stoff des Feuers“. So auch werden die Menschen, die Schüler für das Königreich des Himmels werden, als einzelne durch den Glauben gepflanzt. In diesem [dem Glauben nämlich] werden wir ermutigt, den Namen Gottes anzurufen und daran zu glauben, daß ein alleiniger Gott ist; und wenn wir nach diesem Anfange ohne Frucht sind — denn wir sind an allen Arbeiten und Werken Kinder —, dann werden über uns Lehrer nach der Weise der Winzer aufgestellt.

Und wie ein Winzer jedes Werk zu seiner Stunde tut und die Rebe reinigt und beschneidet, so bringen auch Lehrer uns den Unterricht der Lehre nahe mit Wachsamkeit und Ermunterung zur passenden Zeit und weisen uns zurecht und lehren uns die Furcht und reinigen, nehmen weg von uns alle Werke der Bosheit, wie die Dornen und Disteln, die der Winzer sammelt und aus dem Weinberge hinausschafft, und wir empfangen gleich Regenschauern, Tau, Sonne, Wolke, Nebel und Winden das Lesen der [Heiligen] Schrift, die Erklärung, das Gebet und die Handauflegung und den Segen der Lobpreisung des Opfers; und wir wachsen und gedeihen fröhlich dadurch wie ein schöner Weinberg, und fest werden wir zur Rechten unseres Herrn stehen, wenn wir Frucht der Heiligkeit, [die] unserem Herrn angenehm [ist], tragen werden. Und jene [Dinge] werden uns zum Leben verhelfen, wofür unser Herr Zeugnis abgelegt hat, indem er sagt: „Kommt Gebenedeite meines Vaters, erbt das Königreich, das euch bereitet worden ist vom Anbeginne der Welt; denn ich war hungrig, und ihr gabt mir zu essen; ich war durstig, und ihr gabt mir zu trinken; ich war fremd, und ihr nahmt mich auf; ich war nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir“. Und hierin sind wir einer Pflanze ähnlich.

Aber wodurch wir nun die Frucht geben können, die Gott angenehm ist, oder wie wir Christus speisen können, überzeugt uns, siehe da, unser Herr in seinem Ausspruche: „Wahrlich ich sage euch: wieviel ihr immer einem aus meinen geringsten Brüdern getan habt, habt ihr mir getan“. Denn vorher ging Isaias der Prophet voraus und sagt: „Siehe die Jungfrau da wird empfangen und ein Kind gebären und sie werden seinen Namen Emanuel nennen, was verdolmetscht heißt: „unser Gott ist mit uns“. Und so wurde Jesus unser Gott mit uns. Denn er sagte: Was immer ihr jene geehrt habt: ich werde durch jene geehrt werden; denn bei uns und in uns ist er. Aber die, die vor ihren Brüdern ihre Augen niederschlagen: ins Gericht der Verurteilung tritt unser Herr [mit ihnen] ein und er wird Ankläger in Bezug auf sie, als ob sie auch vor ihm ihre Augen zu Boden geschlagen hätten.

Aber die, in die der Glaube gepflanzt worden ist, [die] aber noch nicht die Pflege der Ernährung, die [Dinge], die wir oben aufgezählt haben, empfangen haben, die verdorren, vertrocknen wie eine dürr gewordene Rebe und versagend bleibt die schöne Frucht aus, die bestimmt war an ihnen zu sein. Und wann der Herr des Weinbergs kommen wird, um die Frucht des fruchttragenden Weinberges zu nehmen und findet sie beraubt von guten Werken, werden sie ausgerottet und sie fallen dem Feuer als Stoff anheim, wie eine verdorrte Rebe. Und wie es bei der Rebe, wenn sie gepflanzt wird, nicht der Fall ist, daß sie zu ihren Wurzeln gehen, um zu graben [und] zu sehen, ob sie angewachsen sei und fest [mit dem Boden] verbunden sei, vielmehr innerhalb des Jahres das Zeugnis des Laubes an ihren Zweigen zeigt und darauf Frucht gibt: so auch wir, wenn in uns der Glaube gepflanzt ist und angenommen ist, nicht ists der Fall, daß jemand in unser Inneres kommt, um einzutreten [und] zu sehen, ob wir ihn angenommen haben, ob nicht. Sondern wie eine Rebe, daß sie im Verlaufe des Jahres Farbe beim Grünen des Laubes zeigt, so auch wir; wann der Glaube in unserem Innern fest geworden ist, so zeigt es sich zuerst bei uns, daß Liebe aus unserem Innern hervorsprießt und nach außen zum Vorschein kommt, und dann werden wir als fruchttragende offenbar. Und hierin ist unser Glaube Pflanzen ähnlich.

Und wiederum hat unser Herr seine Kirche einer Schafherde verglichen und er selbst wurde Hirt; wie er auch im Evangelium da sagt: „Wen gebe es aus euch, dem eine Schafherde zu eigen wäre, und es verirrte sich ein Schaf davon, [der] nicht die neunundneunzig auf dem Berge in der Wüste zurückließe und hinter dem verlorenen herginge, bis er es sucht und findet?“ Und dort, wo er gesagt hat: „Fürchte dich nicht, du winzige Herde“, und dort, wo er sagt: „Siehe wir (!) senden euch wie die Lämmer mitten unter die Wölfe“. Und mit vielen Gleichnissen nannte er seine gläubig gewordenen Jünger auch Schafe, und er selbst wurde Hirt. Auch hier wandelte der Herr nach dem Gesetze und den Propheten, weil viele Propheten, Könige und Herrscher, die vor unserem Herrn waren, Hirten geworden sind. Abel, der Gott angenehm war, war im Anfange Hirt; und Abraham, als ihm die Verheißung der Erbschaft gesetzt war, war Besitzer von Schafherden; und den Jakob nahm er aus den Hirten und Gott redete mit ihm; und den Moses nahm er von den Schafherden weg, und er wurde König und Gesandter Gottes; und David ist von den Herden berufen worden und hat als König über Israel geherrscht. Und diese alle sind als Vorläufer unseres Herrn Hirten über die Weiden von Menschen geworden, damit sie zuerst von den Schafherden da lernten, wie die Achtsamkeit des Hirten bezüglich seiner Herde ist: daß, wenn sich ein Schaf von der Herde verirrt, er es sucht und führt und es in das Innere seiner Hand tut und es unter seine Genossen mischt und er weiß, wie es geziemend ist, das kranke zu ernähren und das räudige zu salben und das zerbrochene zu verbinden.

Und damit sie erkennen sollen, daß, wie der Hirt sich selbst erniedrigt und sich abmüht wegen seiner Herden, so ihnen Sorge wegen des Weidens der Menschen sein soll. Und betreffs dieser [Dinge] bezeugt auch Ezechiel, der Prophet: „Es erging die Rede des Herrn an mich und sagt: Sohn des Menschen, weissage du über die Hirten Israels und sprich zu ihnen: So spricht der Herr der Allgewaltige: O ihr Hirten Israels, weiden etwa irgendwelche Hirten irgendwo sich selbst? Weiden Hirten nicht die Schafherden? Jetzt, siehe, die Milch esset ihr, das weiche zieht ihr an, die fetten zermalmt ihr mit den Zähnen und meine Schafe weidet ihr nicht: das krank gewordene heiltet ihr nicht und das schwach gewordene kräftigtet ihr nicht, das zerbrochene verbandet ihr nicht und das leidende tröstetet ihr nicht, das verirrte führtet ihr nicht zurück und das verlorene suchtet ihr nicht, das starke, mächtige vernichtetet ihr mit Betrug, das mächtige quältet ihr mit Gewalt und Täuschung; und meine Schafe wurden zerstreut, weil sich kein Hirt für sie fand und sie wurden Nahrung [plur.] für die Tiere der Wüste. Es wurden zerstreut, es gingen in die Irre meine Schafe auf allen hohen Bergen durch das ganze Weltall, und nicht war einer, der gesucht hätte, und nicht war einer, der zurückgeführt hätte. Deswegen, ihr Hirten alle, höret die Worte des Herrn: Lebendig bin ich, spricht der Herr, der Allgewaltige; dafür, daß meine Schafe dem Raube überlassen wurden und meine Schafe die Speise für alle Tiere der Wüste wurden, weil sich kein Hirt über sie fand und sie meine Schafe nicht besuchten, sondern jene sich selbst fütterten und meine Schafe nicht weideten, deswegen, Hirten, hört die Wolle des Herrn! So spricht der Herr, der Allgewaltige: Siehe, ich bin über euch Hirten gekommen und ich werde meine Schafe von euren Händen zurückfordern, und ich werde abschaffen euch Hirten meiner Schafe, und nicht mehr werden sie weiden, und ich werde meine Schafe aus ihrem Rachen erretten, und nicht mehr werden sie fürder ihnen [zur] Speise sein. So spricht der Herr, der Allgewaltige: Siehe, ich werde meine Schafe zurückfordern, und ich werde meine Schafe mustern; wie ein Hirt seine Herde mustert am Tage des Nebels und der Dunkelheit, so werde ich sie suchen und sie versammeln aus allen Orten, wohin sie zerstreut worden sind am Tage des Nebels, am Tage der Dunkelheit; und ich werde sie wegnehmen aus den Heiden, und ich werde sie versammeln aus den Ländern“. Und wiederum sagt er: „Ich selbst werde meine Schafe weiden, und ich werde sie ruhen lassen, spricht der Herr, der Allgewaltige. Das verloren gegangene werde ich suchen, das verirrte werde ich zurückführen, das zerbrochene werde ich verbinden, das schwach gewordene werde ich stärken, das fette und kräftige werde ich bewahren, und ich werde sie weiden mit Recht und Gerechtigkeit“. Hierdurch hat er uns klargemacht, daß er alle Könige und Herrscher hinaustreibt. Wiederum „spricht der Herr, der Allgewaltige: Siehe, ich bin über euch gekommen. Ich werde richten Schaf auf Schaf, ich werde auswählen das kräftige unter dem schwachen und das schwache unter dem kräftigen dafür, daß ihr geistlichen Führer gestoßen, geschlagen habt und das Schwache unter die Füße getreten habt, bis ihr [sie] hinausgetrieben hattet und meine Schafe zerstreut worden waren. Nun werde ich meine Schafe erretten und nicht mehr werde ich sie der Plünderung aussetzen; und ich werde richten Widder auf Widder, Ziegenbock auf Ziegenbock. Und ich werde wieder einsetzen [und] aufstellen über sie einen Hirten, meinen Knecht David, der sie weiden wird, und er wird sie zur Ruhe bringen, und er wird ihnen Hirt sein“.

Worte der Propheten sind allzeit wahr; aber diese beiden Worte sind verschieden untereinander; denn zuerst sagt er: „Ich werde ihnen Hirt sein,“ und darauf sagt er: „David mein Knecht wird sie weiden.“ Dennoch sind diese Worte gleich und übereinstimmend untereinander, da ja übernimmt Hirt zu sein der, der Gott ist und Mensch; das [letztere] ist unser Herr, weil er aus der Nachkommenschaft Davids geboren wurde, und Gott ist er, so daß beides in ihm erfüllt ist. Und Isaias der Prophet bezeugt, daß Gott als Erlöser geboren werden würde, er sagt: „Ein Kind ist uns geboren worden und ein Sohn ist uns geschenkt worden; und seine Herrschaft wird auf seine Schultern gegeben werden. Sein Name wird genannt werden: wunderbarer Ratgeber, Gott, Starker“. Denn Christus war Gott und Sohn Gottes. Nun ist sich erfüllend an ihm vollendet worden das, was Gott sagt: „Ich werde meinen Schafen ein Hirt sein und ich werde sie weiden.“ Und weil er Sohn Davids ist, ist David selber Hirt geworden; und es wurde das Wort erfüllt, das Gott jenen gesagt hatte: „David, mein Knecht, wird sie weiden, und er wird über sie Hirt sein.“

Und wenn mir jemand sagen wird: „Dieser, da er Sohn Davids ist, wie ist es möglich, ihn David zu heißen und die Vollendung des Hirtentums Davids?“, so ist es mir ein leichtes, aus der Hl. Schrift zu zeigen, daß David genannt wird, wer aus der Nachkommenschaft Davids ist und den Thron seines Königtums innehat. Denn in den Büchern der Könige steht geschrieben: zur Zeit, als die Scharen der Söhne Israels gekommen waren und zu Roboam dem Sohne Salomons sprachen: „Erleichtere uns die Steuern deines Vaters“, da spricht er zu ihnen: „Mein kleiner Finger ist dicker, als der Daumen meines Vaters; mein Vater züchtigte euch mit einem Stecken, ich aber werde mit Skorpionen züchtigen.“ Und sie sprechen zu ihm: „Von jetzt an ist uns kein Teil mit David und kein Erbe mit dem Sohne Jesses. Nunmehr geht ihr ein jeder in eure Zelte, Söhne Israels; jetzt siehe du nach deinem Hause, David!“ Nicht als ob es David gewesen wäre, sondern sein Sohn. Denn wenn dieser, der nur ein Abkömmling, der aus dem Hause Davids geboren ist, war, und im Verhältnis zur Gerechtigkeit und zu den Werken und zur Herrschaft Davids gering war und der nur über zwei Stämme König war, David genannt wurde, um wieviel mehr noch Christus, da er aus dem Geschlechte des Hauses Davids geboren ist, da seine Werke und seine Gerechtigkeit und [sein] Recht sehr wunderbar sind! Und von den Enden des Himmels bis zu seinen Enden erstrahlte sein Name und wurde seine Lehre verkündigt, und durch alle Orte hin wurde sein Königreich befestigt. Deswegen gehört es sich, ihn David zu nennen und Erfüllung des Hirtentums Davids, [die] durch ihn [bewirkt wurde]. Und wie David zuvor Hirt wurde und dann König, so wurde auch Christus zuerst Hirt für uns und führte die Verirrten zum Leben zurück und heilte die Krankgewordenen und stärkte die Schwachgewordenen und reinigte die Aussätzigen, und darauf herrscht er als König, und er kommt bei seiner zweiten Ankunft als ein mächtiger König und als herrlicher Gott. Und hierin gleicht die Kirche einer Schafherde und Christus einem Hirten.

Und damit er klar mache, daß die Menschen Schafherde der Weide genannt worden sind, hat Ezechiel in derselben Rede also gesagt: „Aber ihr meine Schafe, die Schafherde meiner Weide seid ihr Menschen, und ich bin euer Gott, spricht der Herr der Allgewaltige“. Deswegen hat auch Christus, damit er klar mache, daß er in allem mit der früheren Prophetie übereinstimme, die Menschen eine Schafherde genannt, die, die auf ihn hörten, und er wurde ihr Hirt. Deswegen hat unser Herr gesagt: „Nicht bin ich gekommen, aufzulösen das Gesetz oder die Propheten, nicht aufzulösen bin ich gekommen, sondern zu vollenden“. Und wenn wir vergleichend zusammenstellen, ob alle diese Hirten, deren Namen ich aufgezählt habe, Christus versinnbilden — einige von ihnen haben sie getötet, und einige von ihnen entgingen dem Tode und sind Könige geworden —, [so finden wir, daß] diese alle zur Ähnlichkeit mit dem Bilde der Gestalt Christi sind. Und wie Bilder eines Königs in seiner Kindheit gemalt werden und in seiner Jugendzeit und in seinem Alter und in seiner Herrschaft[szeit], so auch sind alle diese Hirten in ihren Lebensaltern Bilder der Gestalt Christi; denn das Bild des Königs, das sie in seiner Kindheit malen, ist nicht groß, aber es bewahrt die Ähnlichkeit der Kindheit, und ein anderes Bild weiter stellen sie ihm auf, wenn er ein Mann wird; hinwieder auch eben dieses Bild bewahrt die Ähnlichkeit jenes Alters; und wann er die Krone nimmt, malen sie ihm noch ein anderes. So auch diese, die ich aufgezählt habe; denn sie bewahrten die Ähnlichkeit der Gestalt Christi, und sie waren dabei, ein jeder von ihnen, gemalt zur Ähnlichkeit der einzelnen Altersstufen Christi, wozu sie auch von ihm bestimmt waren und [was] sie bewahrten.

Abel wurde Hirt, Priester und Verwundeter, und er nahm von den Erstlingen seiner Schafe und brachte Gott ein Opfer dar, und es wurde wohlgefällig das Opfer, das er von seinen Schafen auf dem Altare der Wohlgefälligkeit darbrachte; und nach diesem tötete ihn sein älterer Bruder und betrog ihn. Und weil der Höchste die Schalkheit des Herzens Kains kannte, nahm er seine Opfergaben nicht an. So wurde auch Christus Hirt, Priester und Verwundeter, als er Gott ein Opfer darbrachte; und darauf wurde er verwundet von den Händen jenes Volkes, das älter war als er der Geburt nach; denn sie betrogen ihn und verrieten ihn. Und wie Gott die Opfergaben Kains nicht annahm, weil sein Sinn geteilt war und seine Hände mit Blut befleckt waren, weil er voll war von Zorn, seinen Bruder zu töten, aber das Opfer des Erschlagenen würdig wurde, so auch nimmt Gott unsere Opfergaben an, weil wir hinter einem Hirten, Priester und Getöteten hergehen. Aber die Israeliten, die sich zu Christus nicht bekennen — denn er wird es Gott seinem Vater vorstellen — und in der Gesinnung des Herodes stehen bleiben und den mordgierigen Pharisäern nachfolgen, die werden nicht angenehm auf dem Altare des Wohlgefallens, denn sie sind Teilhaber und Mitschuldige des Blutes Christi.

Es spricht Isaias, der Prophet: „Ich bin satt, jetzt ists mir zuviel; die Brandopfer von Widdern und die Fette der Lämmer und das Blut der Stiere und das eurer Ziegen will ich nicht sehen, und euer gesamtes Auftreten will ich nicht. Überhaupt, wer nur hat dies von euren Händen gefordert? Daß ihr allesamt meine Vorhöfe betretet, von jetzt an setzt es nicht fort. Wenn ihr mir darbringen würdet das Feinmehl der Opfer, unnütz ist es euch. Und wenn ihr mir Räucherwerke hinwerft, auch das wird von mir zum Unrat gerechnet. Eure Neumonde und eure Sabbathe nehme ich nicht an, eure Festtage lasse ich nicht zu; das Fasten und die Untätigkeiten und eure Neujahrsfeiern hasse ich. Und ich habe euch jetzt satt. Es ist vorbei: von jetzt an und fürderhin werde ich eure Sünden nicht mehr verzeihen, wann ihr eure Hände in mir erheben werdet, werde ich mein Gesicht von euch abwenden, und wenn ihr fortfahren werdet, mir euer Gebet darzubringen, werde ich auf euch nicht hören, denn eure Hände sind voll von Blut“. Und daß die Vollendung der Schlachtopfer und Opfergaben Gebet und Wahrheit sind, hat der Prophet uns klar gemacht und gezeigt. Und die, die Gemeinschaft mit Mördern haben und mit Blut befleckt sind, deren Gebete – denn sie eben sind Opfergaben — sind auch nicht wohlgefällig, wie mich die Opfergaben Kains nicht wohlgefällig wurden. Aber wir, die wir Christus folgen, der dem Abel gleicht durch seine Gerechtigkeit, sein Priestertum und seinen Tod: unsere Opfergaben werden auf dem Altare angenommen werden; denn vom sündenlosen Vater sind wir wirklich dem wahren Hirten auf dem Altare dargebracht worden, wie auch der Apostel sagt: „Ich bitte euch, Brüder, bereitet eure Glieder als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer“. Und wiederum sagt er: „Jeden Tag wurden wir betrachtet wie Schafe zur Schlachtung“. Und hierin gleichen wir einer Schafherde. Und siehe, daß Abel gleichgesetzt wurde dem Hirten der Gerechtigkeit, Christus, und seinem Priestertume und seinem.

Jakob, der Patriarch, war Hirt seines Vaters Isaak, und er wurde vertrieben von seinem Bruder, der älter war als er, und darauf empfing er für sich eine syrische Schafherde. So wurde auch Christus Lehrer der Juden, der ersten Schafherde; und als er von Herodes, dem Könige, vertrieben wurde, wurde er Hirt der Heiden, der Syrer. Zur Zeit, als Jakob Hirt der Schafherde Labans wurde, nahm [und] teilte Laban dem Jakob eine besondere Schafherde zu, daß jedes Schaf, das gesprenkelt und gefleckt wäre, Jakob gehören solle, und die gänzlich einfarbigen Schafe; Laban gehören sollen. Es machte Jakob jene Stäbe gemäß dem Worte des Herrn bunt und warf [sie] vor die Schafe, und es wurden die Geburten der Schafe der Farbe der Gestalt des Bildes der Stäbe ähnlich. Und es gingen die Schafe hinter dem gerechten Hirten her zum gelobten Lande der Israeliten, das sie nicht gesehen hatten. Die in gewöhnlicher Art einfarbige Mutter, die die bunten Lämmer geboren hat, wurde in dem unreinen Lande aufgezogen; so wurden auch wir vom Heidentume da geboren, und wir sind gesprenkelt und gefleckt nach dem weißgemachten Zeichen zur Ähnlichkeit des Kreuzesholzes gemäß den Zeichen jener Stäbe. Und nicht sind wir gleich unseren gottlosen Vätern, die wir von ihnen erzeugt sind; und nach der Weise der Schafe Jakobs gehen wir hinter dem gerechten Hirten her zum gelobten Lande und in das Erbe Israels. Und unsere Väter, die uns im Heidentume erzeugt haben und an denen die Zeichen von den Stäben her sich nicht finden, verbleiben in dem profanen Lande. Und wie Jakob in jener seiner Verbannung die fremden Schafe zum Lande Israels zurückbrachte, so hat auch Christus, als er von den Juden da vertrieben worden war, die heidnischen Menschen zu dieser seiner Gottesverehrung zurückgeführt und ins Erbe des ersten Israel. Und wie die Schafe Jakobs in nichts jenen Schafen glichen, die sie geboren hatten, so sind auch wir in nichts unseren götzendienerischen Vätern ähnlich: denn wir haben an uns gerissen, in uns aufgenommen die Liebe zu den Stäben und wir wurden [ihnen] ähnlich. Und hierin sind wir einer Schafherde gleich, und Christus einem Hirten. Diese Zeichen sind [Zeichen] Christi, die gebildet wurden an Jakobs Hirtentume und seiner Verbannung und [darin], daß er die fremden Schafe zum Lande Israels zurückführte unter (?) den Zeichen der Stäbe.

Josephs ältere Brüder waren auch Hirten; und es schickte ihn sein Vater, zu gehen [und] nach seinen Brüdern, den Hirten, zu sehen; und großen Neid hatten die Brüder, die Hirten, gegen ihn deshalb, weil ihn der Vater liebte, und sie planten, ihn zu töten. Und gemäß dem Worte Judas wurde Joseph für den Preis von Silber verkauft, und sie ließen seine Kleidung dem Vater bringen, als ob er von einem wilden Tiere zerrissen worden wäre. Und als dieser verbannt, verwundet und verkauft in das Land gekommen war, wo sie ihn nicht kannten, wurde er der lebenspendende Ernährer aller Bewohner jenes Landes. Und weil ihn der König der Ägypter über das Leben der lebenden Wesen als Herrn aufgestellt hatte, und sich anderswo keine Nahrung fand, blieben alle, die sich aufmachten und sich unter die Hand Josephs fügten, am Leben. Ebenso, als seine Brüder kamen und sich vor ihm niederwarfen, ernährte er sie mit Brot. So auch Christus. Seine älteren Brüder waren Hirten. Es sandte ihn Gott, sein Vater, nach den Hirten und ihren Schafherden zu sehen; und seine Brüder, die Israeliten, beschlossen den Tod über ihn, weil sie Neid gegen ihn besaßen; und gemäß dem Worte des Judas wurde er verkauft und getötet, nicht als ob er gestorben wäre, nachdem er verwundet worden war.  Und als er verkauft war, hat ihn zum Herrn über das Leben der Lebendigen der König der Ewigkeiten gemacht. Und einen jeden, der immer sich an ihm festhält, nährt er mit Brot. Und wie die Brüder Josephs, als sie sich vor ihm niedergeworfen hatten, mehr als jeder Mensch [d.i. „als alle anderen“ ] genährt worden sind, so auch die Israeliten — denn sie eben sind Mörder, Kaufleute und Verfolger —: wenn sie kommen und sich Christus unterwerfen, finden sie von ihm das Leben und werden geehrt. Und wie in jener Zeit eine große Hungersnot auf der ganzen Erde wurde, und alle Menschen, ein jeder, hingingen, um sich Nahrung zu kaufen und zu leben, und wie die Söhne Israels kamen und sich Nahrung von Joseph holten, sie ihre Herzen mit dem Brote stärkten, aber noch nicht ganz satt geworden waren, bis sie in die Stadt kamen, in der der Verwundete und Verkaufte Herr geworden war und in der er die Vorräte des Lebens gesammelt und bereitet hatte: so ist auch in der jetzigen Zeit eine große Hungersnot, denn wir alle sind hungrig nach dem Worte Gottes, und wir alle haben den Unterricht der Lehre, und unsere Herzen befestigen wir allein durch das Wort unseres Herrn; und je mehr wir es kosten, umsomehr haben wir Verlangen danach; und wenn wir zu Christus gehen — denn er eben ist ein Verwundeter und Verkaufter — und wohnen im Bezirke des Lebens, in dem Christus herrscht, dann, in jener Stunde, werden wir ganz gesättigt. Und wie die Söhne Jakobs gingen, um sich Nahrungsmittel zu kaufen, und die Nahrung wirklich erhielten, und sie ein jeder ihr Geld in ihrer Last hatten und gar nichts gaben, so erhalten auch wir wahrhaftig das Leben umsonst und geben gar nichts [dafür], sondern wir erhalten das Leben ohne Silber, wie auch der Prophet gesagt hat. Wie die Brüder damals den Joseph nicht erkannten, daß er Chiliarch des Königs geworden war und daß er Herr und Herrscher über das Leben geworden war, weil er groß geworden und emporgestiegen war gar sehr seit jener Zeit, wo sie ihn töten [wollten] und ihn verkauften, ja nicht einmal mehr glaubten, daß er lebendig sei, so auch Christus: wann ihn seine Mörder, Verfolger und Verkäufer sehen, erkennen sie ihn nicht wegen seiner Größe, auch deswegen [nicht], weil sie nicht einmal glauben, daß er überhaupt noch lebendig sei. Und in all diesem ist Christus als Gebieter von Schafen [dem Joseph] verglichen worden. Und Joseph war Hirt und hat das Bild des Hirtentums Christi und seines Todes, seines Verkauftwerdens und seines Nährens bewahrt.

Aber auch David war Hirt und der jüngste seiner Brüder, und Gott hatte Wohlgefallen an ihm, als Saul, der König, ihn zuerst nicht kannte. Aber Saul rief ihn und brachte ihn sich nahe, daß er den Riesen Goliath töten sollte, der Kriegskampf gegen die Söhne Israels aufgestellt hatte, und nicht waren sie fähig, ihm entgegenzutreten. Als aber David den Goliath gesehen und ihn getötet hatte, priesen die Töchter Israels den David selig und lobten ihn; und es bekam Saul Neid gegen David bis zu seiner Verfolgung. So auch war Christus zuerst Hirt, weil er Lehrer war. Als die Söhne Israels von den Dämonen dort überwunden waren und von [Unglücks]schlägen, und als er sie von jenen schlimmen Plagen heilte, und sich seine Macht der Volksmenge zeigte und sie ihn lobten, bekam Herodes Neid gegen ihn bis zu seiner Verfolgung. Als Saul schickte, den David zu töten, entzog er sich durch die Flucht der Ermordung durch den gottlosen König, dem angekündigt worden war, er werde nur eine kurze Zeit König sein, und er selbst wurde ein wahrer König. So entging auch Christus dem Tode; jenem Töten durch den gottlosen König und er wurde selbst König der Ewigkeiten, nachdem er dem Tode entronnen war. Abel, der erste Hirt, wurde ein Vorbild der Ermordung Christi, denn er wurde wirklich getötet; und David, auch ein Hirt, wurde ein Vorbild der Auferstehung Christi von den Toten. Denn er entrann wahrhaftig lebend dem Zustande des Getötetseins, und er wurde König, und hierin ist die Kirche unseres Herrn einer Schafherde gleich, und er selbst gleicht einem Hirten.

Und wie [es bei] einem Hirten [ist], daß er selbst an der Spitze der Schafe an alle Orte geht, an die rauhen und sanften, auf Berge und in Täler, an dürre und sumpfige, und die Schafe hinter ihm hergehen, so hat auch Christus alles, was er nur immer uns gelehrt hat, zuvor selbst getan, und er ging damit vor uns her, daß wir hinter ihm hergehen sollten. Denn er hat uns gelehrt: „Heil sei den Armen an Geist!“; er selbst aber wurde vor uns arm, wie auch der Apostel im Korintherbriefe sagt, er spricht: „Nicht erkennt ihr die Gnade unseres Herrn Jesu Christi; denn euretwegen wurde arm der Reiche von seinem Reichtume weg, damit ihr durch seine Armut reich werden sollt“. Und gelehrt hat uns unser Herr, daß er verlästert und getötet wurde unsertwegen; denn er hat zu uns gesagt: „Heil wird euch sein, wann sie euch verlästern und etwas Böses über euch sagen werden“, da zuvor sein Name gelästert wurde, da er Wohltäter für einen jeden Menschen war, der sich ihm nahte. Und damit er uns lehrte, daß, wenn wir sterben, wir leben [werden], starb er selbst vor uns und stand von den Toten auf. Und weil er uns versprochen hat, uns zur Rechten seines Vaters, Gottes, sitzen zu lassen, stieg er selbst eher als wir in das obere Reich da droben; und mit alledem bahnte er selbst zuerst uns einen Weg, wie ein Hirt, der vor seinen Schafen hergeht.

Aber doch sollen wir dies erkennen, daß alle Schafe in den Fußtapfen des Hirten an alle Orte gehen, und ein Schaf, das sich von der Herde da und von den Spuren des Hirten verirrt, das wird sowohl ein Leichnam, als auch eine Speise reißender Wölfe und unersättlich hungeriger Bestien. So auch wir: die ganze Kirche — denn sie eben ist eine Herde — geht in den Fußtapfen [Christi]; und die Person die sich von der Schafherde — d. i. der Kirche — trennt und von den Spuren da des Hirten Christus abirrt, geht ins Verderben, in den Untergang und die Feuerspein. Und die ganze Kirche wandelt hinter dem wahren Hirten her und wird mit ihm versammelt in das Land des Lebens. Und hierin sind wir einer Herde gleich.

Und mehr noch als dieses alles hat unser Herr uns wegen des Berufes und unserer Liebe und Begeisterung, wodurch unser Sinn zu ihm fortgerissen und ausgegossen wird und wir mit ihm vereinigt werden, einer Einrichtung dieser Erde verglichen, der Braut und dem Bräutigam, jenen, die die Häretiker beschmutzten und [von denen] sie sagen, daß sie unrein sind; aber unser Herr hat diesem Sinnbilde seinen Weg verglichen, denn Johannes sagt: „Wessen die Braut ist, der ist Bräutigam“. Wenn dies auch für die Andersgläubigen als Schriftwort nicht existiert, so [gibt’s] gleichwohl aus den ihrigen [= aus ihren Schrifttexten], was auch sie fürwahr im Evangelium geschrieben haben, und wie wir lesen sie, nämlich: So spricht unser Herr: „Nicht ist es euch möglich, Befehl zum Fasten den Kindern des Brautgemaches zu geben, solange der Bräutigam bei ihnen ist“. Und er hat uns klargemacht und gezeigt, daß er selbst Bräutigam ist und wir Kinder seiner Begleitung und seines Brautgemaches sind. Wiederum sagt der Apostel im Briefe an die Epheser also: „Ein jeder Mensch soll sein Weib wie sich selbst lieben, wie auch Christus seine Kirche geliebt hat; denn Glieder sind wir seines Leibes; so auch ihr: ein jeglicher aus euch muß sein Weib wie sich selbst lieben, wie auch Christus seine Kirche geliebt bat. Deswegen wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe folgen, und es werden die beiden ein Leib sein. Dies Geheimnis ist groß, aber ich sage [es] hinsichtlich Christi und der Kirche“.

Auch hier hat unsere Schrift ein Kapitel der Prophetie erfüllt, denn es ist von Isaias, dem Propheten geschrieben: „Wie fröhlich wird ein Bräutigam bei der Braut, so wird fröhlich bei dir dein Gott; und wie wohnen wird ein junger Mann mit einer Jungfrau, so werden wohnen deine Söhne in dir“. Und David hinwieder sagt: „In jedes Land ging aus ihre Rede und bis zu den Enden der Erde ihr Wort; in der Sonne hat er aufgeschlagen sein Zelt und er selbst kommt hervor wie ein Bräutigam aus seinem Brautgemache“. Und immer reden die Propheten wegen des Volkes der Kirche, wann Gott sich selbst gibt, Scheu vor ihm zu haben und ihm zu dienen wie einem Bräutigam, und zwar zu dienen wie eine Frau ihrem Manne. Und sie lesen die Trennungen und Zweifel, und wenn es zweifelt, wird das Volk getrennt [von Gott ], wie ein Weib, das sich trennt von ihrem Manne und ihm untreu wird und unter ihm hurt.

Es sagt Jeremias, der Prophet, über die erste Synagoge: „Siehe ich richte dich, deswegen, weil du sagst: Nicht habe ich gesündigt. Warum nun rasest du, um zu erzählen deine Wege? Auch von den Ägyptern da wirst du Beschämung erleiden entsprechend der Schande, die du von den Assyrern ertrugst. Auch von da noch wirst du ausziehen, die Hand am Kopfe. Denn erzürnt wurde der Herr über die Hülfe deines Zufluchtsortes, und nicht sollst du Glück haben durch sie beim Sagen: Wenn ein Mensch sein Weib verlassen wird, und jenes Weib von ihm gehen wird und eines anderen Mannes sein wird: und wenn sie zurückkehrend wiederum zu ihm zurückkehren würde, siehe durch Bedeckung wird befleckt sein jenes Weib; und du hast Ehebruch begangen, hast gehurt mit vielen Hirten. Kehr du zu mir zurück, spricht der Herr, der Allgewaltige; erhebe du deine Augen zu den Fußtapfen und sieh, welchen Ort es gibt, den du nicht befleckt hättest. Auf Wegen bereitetest du dich für sie, wie ein Rabe in der Wüste, und du bedecktest die Erde durch deine Hurerei und deine Schlechtigkeit, und es wurde zurückgehalten Regen vom Himmel, und Tau taute nicht; und ein unverschämtes und freches Gesicht machtest du dir, wie ein buhlerisches Weib“. Und wiederum sagt er: „Wie ein Weib ihren Genossen belügt, so haben mich belogen die Söhne Israels“.

Hinwieder sagt Ezechiel, der Prophet: „Es erging die Rede des Herrn an mich also: Sohn des Menschen geh, tadle du Jerusalem und rufe ihm ins Gedächtnis seine Unreinigkeiten und sprich zu ihm: So spricht der Herr, der Allgewaltige, zu Jerusalem: War nicht deine Abkunft eine kanaanitische? Dein Vater war ein Amorhäer und deine Mutter eine Chetiterin. Deine Geburt: an dem Tage, wo sie dich geboren haben, hat überhaupt niemand deine Nabel[schnur] abgeschnitten, und mit Wassern hat niemand dich zu deiner Erlösung gewaschen, und mit Salz hat dich niemand gesalzen und in Windeln dich nicht gewickelt, denn nicht nahm Rücksicht auf dich mein Auge,und nicht habe ich an dir getan irgend eins von diesem allen und zu sorgen, daß irgendeine Klage an dir vorüberginge, sondern hingeworfen lagest du auf dem Antlitz des Feldes wegen deines queren Sinnes und deines verhärteten Herzens. An dem Tage, an eben dem sie dich geboren hatten, ging ich an dir vorüber, und ich sah dich eingetaucht in Blut, und ich sagte zu dir: Erhebe dich aus deinem Blute, und dein Leben wird sich aus dem Blute erheben, wachse, vermehre dich in Reinheit. Wie eine Gemüsepflanze im Felde machte ich dich: und du vermehrtest dich und wurdest groß, und du kamst, tratest ein in die Städte der Städte. Deine Brüste hatten sich gesenkt und die Haare entfaltet und du warest nackt und unschön; ich kam, gelangte zu dir und sah dich, daß angekommen war deine Zeit und die Stunde deiner Schleier. Ich breitete meine Schwingen über dich aus und bedeckte deine Scham und ich schwur dir, und in einen Bund der Festigkeit bin ich mit dir getreten, spricht der Herr, der Allgewaltige. Und ich führte dich für mich als Braut [heim], und ich wusch dich mit Wasser und reinigte von dir dein unerträgliches Blut, und ich reinigte dich und salbte dich mit Öl, ich schmückte dich mit verschiedenem Schmuck, ich bekleidete dich mit Purpur und Rot, ich schmückte dich und umwand deine Mitte mit Byssus und warf um dich Seidenflor, und ich schmückte dich mit Schmuck, ich legte Armbänder an deine Hände, und ich legte Halsschmuck an deinen Nacken; ich legte Ohrringe an dein Ohr, und ich legte Ohrgehänge um deine Ohren, und ich setzte die Krone des Rühmens auf dein Haupt. Ich schmückte dich gänzlich mit Gold, mit Silber, und ich machte zu deinen Kleidern Byssusstoffe und zu deinem Schmuck Atlasseide und bunte Seide. Ich kleidete dich und gab dir Speise: Feinmehl und Honig und Olivenöl, du aßest und wurdest zart und wurdest satt, du wurdest schön und wurdest üppig in den Weichlichkeiten des Königtums, und es ging aus der Name deiner Schönheit durch alle(n) Heiden; denn die Anmut der Schönheit ließ ich wohnen auf der Anmut deines Gesichtes, spricht der Herr, der Allgewaltige. Und du wurdest stolz und du wurdest eitel auf die Schönheit deines Gesichtes, begingest Ehebruch, hurtest in deinem glänzenden Namen, breitetest aus, ergossest deine Hurereien an allen Durchgängen ihrer Straßen, und du nahmest die Kleider deines Schmuckes und machtest dir zerlumpte Götzenbilder und hurtest mit ihnen. Und fürderhin wirst du dort nicht eintreten, denn nicht waren sie und nicht werden sie sein. Und du nahmst die Requisite des Rühmens, die von Gold und Silber, das ich dir gegeben hatte, und du machtest dir daraus wahnwitzige männliche Bilder und hurtest mit ihnen. Und die schöne Kleidung des Schmuckes, die ich dir gegeben hatte, damit schmücktest du jene, die wohlriechenden Öle und die bereiteten Räucherwerke weihtest du ihnen, und mein Brot, das Feinmehl, das ich dir gab, und das Olivenöl und den Honig gabst du ihnen zu essen, und du stelltest dies alles vor ihr Angesicht zum Geruch der Süßigkeit. Und du nahmst deine Söhne und deine Töchter, die du mir geboren hattest [und] opfertest [sie] ihnen zur Vernichtung. Und da du für zu gering noch deine Hurerei neidetest, schlachtetest du meine Söhne; dieses fürwahr wurde schlimmer, als alle deine Hurereien und Unreinigkeiten. Und du erinnertest dich nicht der Tage deiner Kindheit, an die Zeit, da du nackt [und] häßlich warst, eingetaucht, eingeknotet in dem unerträglichen Blute. Und es wurde Weh, Weh über Wehe, sagt der Herr, der Allgewaltige. Du bautest dir Bordelle, ein Haus für deine Buhlereien, und du machtest dir Götzenaltäre an allen deinen öffentlichen Plätzen“. Wiederum sagt er: „Und nicht so wurdest du, wie ein buhlerisches Weib, das sich den Hurenlohn sammelt. Sondern du wurdest wie ein Weib, das Ehebruch unter ihrem Manne begeht; denn es nimmt Schätze von ihrem Manne und gibt Löhne ihren Liebhabern; und alle hurerischen Weiber nehmen Hurenlöhne für sich selbst, aber du gabst Löhne deinen Galanen“.

Nach diesen Reden der Propheten hat unsere neue Schrift bestätigt, daß wirklich die Kirche einer Braut gleicht und Christus einem Bräutigam. Es sagt ja auch Paulus: „Ich habe euch verlobt, einem Manne wie eine reine Jungfrau euch Christus zu geben“. Und so gleicht unser Weg der Verlobung und dem Schmucke von Bräuten. Denn, wann ein Weib ihrem Manne verlobt wird, ist sie fern von ihm dem Anblicke nach, und die Vermittler stehen in der Mitte und gehen zur Braut; und von ihnen hört sie über den Reichtum des Bräutigams und über die Herrlichkeit seiner Schönheit und über seine Anmut. Und aus den Worten der Vermittler tröpfelt und wird gesät Liebe zum Bräutigam ins Herz der Jungfrau, und gefangen wird ihr Sinn zur Liebe zu ihm hingeführt. Und wenn sie[ihn] betrachtet hat, wartet sie darauf, zu verlassen ihre Mutter, die sie geboren hat, und ihren Vater und ihre Brüder und die Gewohnheit des vertrauten Umganges mit ihnen, und ausschauend wartet sie darauf, herauszugehen aus dem Hause ihrer Erziehung, zu gehen und mit dem Manne da vereinigt zu werden, obwohl sie ihn von Angesicht nicht gesehen hat, sondern nur sein Name ihr gegenüber erwähnt worden ist. So auch wir: es wurden für uns Vermittler die Apostel, und sie haben uns über die Reichtümer Christi erzählt und über seine Herrlichkeit und über seine Würde, und wir haben ihnen geglaubt. Und nachdem wir [ihn] betrachtet haben, warten wir [darauf], diese Erde, auf der wir wohnen, zu verlassen und zu verlassen unsere Väter, die uns erzeugt haben, und unsere Mütter, die uns ernährt haben, unsere Brüder und die Gewohnheit ihres Umganges und zu gehen, um vor Christus zu erscheinen, den wir von Angesicht nicht gesehen haben, sondern nur, weil sein Name bei uns erwähnt worden ist; und aufleuchtend brennt die Liebe zu ihm in unseren Herzen, und gefangen genommen, werden wir durch die Liebe zu ihm hingeleitet.

Und wie ein Bräutigam [sich verhält], daß er die Brautführer schickt, wenn sie Ehrenkleider angezogen haben, um zu gehen und in Empfang zu nehmen die Braut von ihren Brüdern und deren Verwandtschaft und sie [die Braut] nur jene Brautführer als ihre Brüder und Mutterbrüder betrachtet, und die Braut sich ihnen hoffnungsvoll anvertraut, so auch schickt der Herr die Engel des Himmels in Herrlichkeit, uns zu führen [und] dem Bräutigam vorzustellen, und ihnen vertrauen wir hoffnungsvoll uns an. Und wie die Brautführer mit dem Kleide des Schmuckes bekleidet sind, aber geringer sind an Herrlichkeit als ihr Bräutigam, so auch sind die Apostel und Engel mit einem Ehrenkleide bekleidet; gleichwohl sind sie geringer an Herrlichkeit als Christus. Und wie [es beim] Bräutigam [der Fall ist], daß er selbst Haupt aller Brautführer und Geladenen und Kinder des Brautgemaches ist, so sagt der Apostel bezüglich Christi: „Er selbst ist Haupt aller Mächte und Herrschaften“. Wie sich müht und arbeitet im Hause ihres Vaters die Jungfrau, um sich Kleidung zu machen aus dem väterlichen Hause, damit sie dadurch dem Bräutigam angenehm werde, so auch arbeiten wir und mühen uns auf dieser Erde, auf der wir geboren worden sind, zu tun [und] uns zu bereiten gute Werke von dieser Erde her, daß wir bei unserem Ausgange Christo durch sie wohlgefällig werden.

Und wie der Bräutigam der Jungfrau nicht fremd ist, die ihm anverlobt ist, weil sie von einer Natur sind, und ein Gott sie erschaffen hat, und sie gemäß dem Willen ihres Schöpfers miteinander verbunden sind, so auch sind wir unserem Herrn nicht fremd; denn der eine Gott hat uns erschaffen, und gemäß dem Willen unseres Schöpfers sind wir mit Christus verbunden. Und wie es einem Weibe nicht zusteht, das Bett ihres Mannes mit einem anderen Manne zu vertauschen, widrigenfalls sie als Hund betrachtet wird, so auch wir: statt des Dienstes des Ehebettes verlangt Gott von uns Anbetung und Lobpreisung, wie er es auch von Jerusalem verlangte. Und wie ein Weib, solange Zeit sie mit Ehre den Mann besitzt, der über sie genannt worden ist, Bescheidenheit der Keuschheit hat, wenn das Weib aber in ihrem Sinne in Verwirrung gerät, und jeder Mann wie ihr eigener Mann betrachtet wird, alsdann wird sie Hund und Hure genannt, nicht als ob sie ein anderes Werk noch tut, bei dem sie hurt, sondern wie den Mann empfängt sie jene: so auch wir; solange Zeit wir Furcht und Scheu haben, Anbetung Gottes und seinen Dienst, weil seine Gottheit im Anfange in uns bezeichnet war, wandeln wir gleichfalls in Keuschheit; wenn wir aber zu einer anderen Lehre abweichen und wir andere Götter machen, alsdann werden wir Hunde und Huren. Und hierin gleichen wir einer Braut, daß sie geht, sich vereinigt mit dem Bräutigam. Und wie sich eine Braut bekleidet und schmückt mit goldenem Schmucke — und sie selbst ist nackt allein für den Bräutigam notwendig, und ihre Kleider zu ihrem Schmucke machen sie angenehm7 für den Bräutigam vor ihr, und sie ist ihm nackt für seine Bedürfnisse nötig, und an dem Weibe selbst hat er Freude —: so auch wir; es werden unsere guten Werke und unsere Gerechtigkeiten ein Kleid wie ein angelegter Schmuck, daß wir durch sie unserem Herrn wohlgefällig werden sollen. Und wir fürwahr sind persönlich Christo notwendig, weil er der Bräutigam ist.

Und wie ein Weib, wenn sie sich schmückt, nicht geht [und] eine von ihren Genossinnen fragt, ob sie schön sei, ob nicht, und niemandem wegen ihres Schmuckes vertraut, ob er ihr gut stehe, sondern sie nimmt ihren Spiegel und blickt auf sich selber, und sie wird fröhlich über sich selber in ihrem Schmucke da; und sie weiß, wenn sie sich selber wohlgefällig ist, dann wird sie auch dem Bräutigam wohlgefällig sein, zu dem sie gehen will. Und wenn irgendeine Makel auf den Mienen ihres Gesichtes wäre oder eine Farbe der Unreinigkeit oder eine Falte der Runzligkeit, tilgt und glättet sie sie, und sie selbst schmückt ihre Person, damit sie dem Bräutigam wohlgefällig sei. So auch wir; denn in Verlobung zu Christus, dem Bräutigam, stehen wir, und niemand weiß, ob wir schön und ob wir mißgestaltet sind, wenn wir nicht die Hl. Schrift nach Art eines Spiegels in die Hand nehmen und betrachtend uns selbst erforschen; und wenn wir uns selbst gut sind durch unsere Werke, und ähnlich sind den lebendig machenden Geboten, — denn sie sind ein Spiegel —, dann werden wir auch unserem Herrn gut [genug] sein. Und wie es auf der Erde keine Möglichkeit gibt, daß jemand sein Gesicht betrachtend sieht, und daß es ihm glückt, vor sich die Schönheit und Häßlichkeit seiner Person zu sehen, außer durch einen Spiegel allein, so gibt es niemanden auf der Erde, der das Bild seiner selbst sehen kann, ob seine Werke häßlich sind oder ob schön, sondern jeder Mensch wird in seinen eigenen Augen als gut betrachtet. Aber, wann wir in die Hand den Spiegel der Hl. Schrift nehmen, nicht wie unser Sinn glauben möchte, daß wir gut seien, schmücken wir uns selbst, sondern wie unsere Schrift nach Ähnlichkeit eines Spiegels zeigt. Denn der Apostel sagt: „Wir sehen jetzt die Herrlichkeit des Herrn rätselhaft wie durch einen Spiegel“. Und darin gleichen wir einem Bilde. Je mehr wir in die Schrift blicken, findet sich in ihr die Kraft, unser Bild vor unser Gesicht zu stellen. Und sie wird ein Spiegel sein, und er wird fröhlich sein bei unserer guten Verfassung, und er wird tilgen und fortnehmen von uns die schlechten Flecken und die Makeln der Unreinheit; und wann unser Sinn erkennt, daß wir uns selbst gut sind, wie uns der Spiegel unserer Schrift zeigt, dann wissen wir, daß wir dem Herrn wohlgefällig sind, und er freut sich über uns, wie fröhlich wird ein Bräutigam bei einer Braut, da gar nichts mangelhaft ist.

Aber die, die die Vermittler sind, die erzählen der Braut über den Reichtum des Bräutigams, und über seinen Namen und über seine Anmut und Macht. So auch preisen sie die Braut vor dem Bräutigam und erzählen ihm über die Natur der Schönheit der Jungfrau, die sie ihm verlobt haben und über ihre Sittsamkeit und über ihr gutes Verhalten. Und wann die Braut geht, sich mit dem Bräutigam vereinigt und er über sie fröhlich wird alsdann wird sie Herrin über seine Besitztümer, und teilhaftig wird sie seiner Ehren. Aber die, welche Vermittler sind, sitzen dort im Hochzeitsgemache, und sie sind fröhlich mit der Braut und mit dem Bräutigam, da er auf ihre Häupter Kronen der Ehre gesetzt hat, und fröhlich sind sie auf der Hochzeit. Denn während die Braut fern von dem Bräutigam war, lehrten sie sie den Wunsch des Bräutigams. Da sie den Bräutigam sah, wurde sie fröhlich über ihn, und als zuverlässig bestätigten sich die Worte der Vermittler; und sie haben herrliche Ehre vom Bräutigam aus gefunden. So auch wir: geworden sind uns die Apostel Vermittler und Nahebringer und sie haben uns erzählt über die Größe und die Ehre der Herrlichkeit unseres Herrn, und sie brachten ihm Worte der Güte dar, und durch ihr Gebet brachten sie unser Gnadenflehen und unsere Bitten vor den Höchsten, und allen Willen unseres Herrn zeigten sie uns: wenn wir Keuschheit und Bescheidenheit und Reinheit und allen Willen des Bräutigams lernen, wann wir [dann] gehen [und] uns mit ihm vereinigen, wird er fröhlich über uns; und die Apostel haben von ihm herrliche Ehre gefunden, weil sie uns ermahnten und uns die Dinge des Bräutigams lehrten, und uns ihm als ein fröhliches Opfer darbrachten, und sie wurden unsertwegen geehrt. Denn es bezeugt Paulus selber und sagt:“Was wird unser Lohn sein oder [unsere] Freude oder die Krone des Rühmens, wenn nicht ihr vor unserem Herrn Jesus Christus bei seiner Ankunft?“

Hinsichtlich nun alles dieses legt das Gesetz selber Zeugnis ab; denn es steht im Buche der Schöpfung geschrieben: „In der Zeit als sie Rebekka dem Isaak verlobten, rief Abraham seinen ältesten Knecht — und dieser war sein Majordomus — und sagte zu ihm: „Wohlan! Leg du deine Hand unter meine Lenden und schwöre mir beim Herrn Gott, dem zu eigen sind Himmel und Erde, daß du nicht nehmen wirst ein Weib für meinen Sohn von den Töchtern der Kanaaniter, in deren Mitte ich jetzt wohne; sondern gehe du in mein Land und in mein [Väter-]Erbe, und dort sollst du für meinen Sohn Isaak ein Weib nehmen.“ Die Ruhe Gottes wohnte dort in dem Lande der Kanaaniter, aber die Bewohner des Landes waren böse und gottlos; deswegen gab Abraham dem ältesten Knechte einen Eid und sagt: „Nicht nimm du ein Weib für meinen Sohn aus diesem Lande hier.“ Sondern, weil den Isaak Gott gesegnet hatte, daß er Herr jenes Landes sein solle, befahl Abraham, daß er für Isaak kein Weib aus schlechten Menschen nehmen solle, so daß ein schlechtes Weib und ihre Kinder das Land der Güte erben würde; sondern jenes [Weib], das würdig sein sollte, sollte aus einem fernen Lande kommen und aus einem profanen Lande, daß sie das Weib jenes Sohnes würde, der von jenen Verheißungen her geboren war, und der König über das Land der Güte werden sollte. So auch wohnte die Güte des Herrn Gottes inmitten des Hauses Israels, aber nicht wurden jene [die Israeliten] würdig, vereinigt und verbunden zu werden mit Christus wegen ihrer Bosheit. Sondern es wurde das Wort unseres Herrn durch seine Apostel gesandt, daß sie gläubig machen und [herbei-]führen sollten ein Volk, dieses [nämlich], das aus den Heiden und aus einem profanen Lande und nach Art [jenes] Weibes ist, und kommen und mit Christus vereinigt werden sollte, der geboren ist von jenen Verheißungen her, und der König sein soll über die Erbschaft des Lebens.

Es spricht der älteste Knecht zu seinem Herrn: „Herr, wenn das Weib nicht mit mir gelten will, soll ich zurückführend deinen Sohn dorthin zurückführen?“ Es spricht Abraham zu seinem Knechte: „Wenn das Weib dir nicht wird folgen wollen, so sei du von diesem Eide hier entbunden, aber dennoch sollst du meinen Sohn nicht dorthin führen.“ Denn, wenn der alte Diener nicht kommen wird, um das Weib aus dem fernen Lande weg zu überreden, wird er seinem Herrn gegenüber strenger Strafen schuldig. Wenn er aber kommen, und das Weib nicht wollen wird, wird das Weib beraubt und verlustig jener Erbschaft, zu der es berufen worden war, und der Diener wird befreit von Strafenpein. So auch ist unsere Versammlung aus den Heiden, die gerufen wurde, zu gehen [und] die Erbschaft zu erben, die sie niemals gesehen hatte; wenn wir willig sind, den Aposteln, unseren Vermittlern, zu folgen, werden wir verbunden und vereinigt mit der Nachkommenschaft der Verheißung und mit dem gebenedeiten Bräutigam, und wir erben das Königreich, das wir niemals gesehen haben; und die Apostel, unsere Nahebringer erhalten Herrlichkeit und Ehre. Wenn sie aber feige sein werden [und] sich fürchten werden und nicht gehen werden, zu predigen und uns zu rufen, verdienen sie strenge Strafen, wie auch der Apostel sagt: „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünden würde“. Aber wenn sie uns rufen werden und wir nicht gehen, werden sie von Strafenpein befreit, aber wir werden arm und verlustig jener Erbschaft, zu der wir berufen waren; und Christus kommt [und] vereinigt sich nicht mit uns und wohnt nicht mit uns, wie auch der Knecht von Abraham Befehl erhielt: „Nicht sollst du meinen Sohn dorthin zurückführen.“

Denn während der Knecht auf dem Wege ging, da flehte er Gott an und bat im Gebete, daß mit Liebe und Bereitwilligkeit das Weib, deretwegen er gegangen war, verstehen möge, — indem er [dies] eher, als die Zeit [da war], festgesetzt hatte —, mit heiterem Antlitze vor ihm zu stehen und mit Freimut Antwort zu geben; denn also sagte er: „O Herr Gott meines Herrn Abraham, wenn du heute diesen Weg vor mir glücklich machen wirst, so geschehe es mir, wann ich eine Jungfrau über dieser Quelle sehen werde, und ich zu ihr sagen werde: „Gib mir ein wenig Wasser zu trinken“, und sie wird mir sagen: „Trinke du, und deinen Kamelen gib, daß sie trinken“, diese soll das Weib sein, das der Herr Gott seinem Diener Isaak bereitet hat.“ So auch wir, da wir auserwählt worden sind, ehe die Erde war, die auf die Apostel hörten, mit Liebe und Bereitwilligkeit, mit Freudigkeit und Ausdauer vor unseren Evangelisatoren zu stehen, damals wurden wir zum geehrten Bräutigam hingeführt.

Als nun der alte Knecht gekommen war, fand er dort eine sanfte [und] sittsame Jungfrau und einen Wasserschöpfkrug auf ihrer Schulter, und er spricht zu ihr: Gib mir Wasser hieraus zu trinken. Und sie beeilte sich sofort, ließ den Schöpfkrug herab, ließ ihn auf ihre Arme gleiten und sagt: Sowohl du trink, als auch deine Kamele. Und als er selbst getrunken hatte und den Kamelen gegeben hatte, sagt er zu ihr: „Wessen Tochter bist du?“ Und sie spricht zu ihm: „Die Tochter Bethuels bin ich, des Sohnes des Nachor, den ihm Milka geboren hat.“ Er sagt zu ihr: „Ist in deinem Hause Platz für uns zum Übernachten?“ Sie spricht zu ihm: „Viehfutter gibts in Fülle in unserem Hause und Platz zum Übernachten reichlich.“ Und der Knecht nahm Armbänder, legte [sie] an die Hände des Mädchens und Ohrringe in seine Ohren, und [zwar] dort über der Wasserquelle. So auch werden wir [gleich] von dem Quell der Taufe den Aposteln, unsern Vermittlern zugewiesen. Und aus der Taufe da empfangen wir den Schmuck guter Werke nach Art von Gold und Edelsteinen. Und dies ist uns klar, daß der alte Knecht, der Abrahams Majordomus war, nicht um zu essen und daß der ihn empfange, zu Bethuel, dem Vater der Rebekka, und zu Laban ihrem Bruder kam, sondern damit er das Mädchen nehme und in das Erbe der Güte führe. Aber es war ein Tribut dieser Angelegenheit und es war notwendig, daß er zuerst aufgenommen werde mit seinem Vieh in dem Hause dort, in dem die Braut aufgezogen war, und dann sie von dort zu nehmen und ins große und ehrenvolle Erbe zu führen. So auch in der Zeit, als unser Herr die zwölf Apostel sandte, gab auch er ihnen Befehl, jedem Menschen das Leben der Ewigkeiten als Evangelium zu predigen und [die] Versammlung von der Erde zum Himmel zu rufen.

Und das, daß unser Herr sagt: „Wer will werden mein Jünger; denn wenn er sich nicht trennt von all seinen Besitztümern, kann er nicht mein Jünger sein“, auch das lehrte er überdies aus den früheren Propheten, damit sie deren Jünger würden. Und sie haben deren Wandel gelernt und die Milde ihrer Weisheit und ihre Gedanken, die der Armut und der Einsamkeit, die in jenem Gottesdienste ihrer Lehrer war. Als Plan und Beispiel unseres Erlösers ihnen verkündet war, da kam er selbst und vollendete jener Gedanken und Gestalten, die seinetwegen [da] waren. Und ihren Zuhörern wurden bestätigt und besiegelt ihre Worte, die seinetwegen waren. So lehrte ja auch unser Erlöser selbst nichts aus seinem Sinne heraus, sondern entsprechend dem Willen seines Vaters lehrte er, wie er auch sagt: „Nicht, daß aus seinem eigenen Willen der Sohn redet, sondern was er sieht und hört von seinem Vater, das redet er“. Deswegen soll niemand meinen, daß aus sich selbst heraus unser Herr etwas geredet hat. Denn die Ähnlichkeit und die Gedanken, die seinetwegen waren, und die Bilder der Arten seiner Werke, wonach auch die Propheten, ein jeglicher, das taten, was nur immer seinetwegen war; er ist selbst gekommen, hat sie erfüllt und besiegelt ihren Hörern.

Nun wollen wir uns fürchten vor seinem strengen und gewaltigen Vater, wie auch die Schrift sagt: „Ein großer Schrecken ists, zu fallen in die Hände des lebendigen Gottes“. Denn er persönlich tut durch seinen Sohn alles, was er will. Deswegen, wie unser Erlöser selbst und die Propheten und seine Apostel sich von dieser Welt hier getrennt haben durch ihren Gottesdienst und durch ihre Weisheit und durch ihren geistlichen Wandel und durch ihr Wohnen und durch ihr Essen und Trinken und durch ihre glorreichen Worte, so sollen auch wir Nachahmer unseres Lehrers und unserer Genossen, seiner früheren Schüler sein. Denn wir selbst werden von der Welt hier uns scheiden durch Gottesdienst und Weisheit und durch das Wohnen in dieser Welt und durch Essen und Trinken und durch geistlichen Wandel; und mit den Worten und Reden dieser Welt sollt ihr euch nicht vermischen. Denn wenn wir durch unseren Wandel und unser Wohnen und durch Essen und Trinken und durch unsere Worte nicht getrennt und nicht unterschieden sind von den Menschen hier, wenn dieses also so wäre, dann wäre unser Herr zu Winden wohl und zu Steinen gekommen [und] hätte [zu ihnen] seine geehrten Befehle von seinem Vater geredet, und nicht zu uns wäre er persönlich gesandt worden. Oder richtet er vielleicht, wenn sein Vater den Thron seiner Größe, den furchtbaren und gewaltigen, seinem Willen gemäß aufrichtet, die Winde und Steine, nicht aber richtet er uns persönlich?

Wir wollen künftig gehen und tun, was immer der Erlöser uns nach dem Willen seines Vaters anempfohlen hat; denn Gott ist ein Feuer des Brennens, wie auch, die Schrift sagt. Wenn jemand sich selbst dem Namen der Jüngerschaft nähert, aber seiner nicht würdig ist, der möge auf Giezi den Jünger des Elisäus hinblicken, denn der hat sich dem Namen nach genähert, aber in Wirklichkeit sie nicht vollendet. Denn er gab auf den himmlischen Besitz, und er verlangte nach irdischen Besitztümern; deswegen wurde er verworfen und mit Aussatz bekleidet. Und wiederum möge er hinblicken auf Judas, der einer aus der Zahl der zwölf Apostel unseres Erlösers war; denn auch er verlangte nach den Dingen dieser Welt, und er wurde verworfen, und sein Name wurde aus der Zahl des Lebens getilgt.

Nun wollen wir uns fürchten vor dieser Welt hier und ihren Gütern, daß nicht auch wir verworfen werden und von der Stufe fallen, auf der wir stehen, wie auch jene verworfen worden sind. Denn sich entgegenstellen und auflehnen gegen die Jüngerschaft: das ist [soviel wie] Neid und Geiz und alle Begierden dieser Welt. Und diese fürwahr richteten die Weisen und die Riesen [und] die Starken zugrunde und vertreiben die vielen aus dem Königreiche an jenem Tage; denn eine Waffenrüstung des Satans sind jene [Leidenschaften], weil er durch sie gegen uns kämpft; deswegen raubte [und] nahm weg unser Herr die Rüstung jenes und gab sie uns, indem er zu uns spricht: „Wer mein Diener sein will, soll mir nachfolgen“. Deswegen folgen wir ihm nach und werden Nachahmer seines Wandels und ziehen jenen [Wandel] an wie eine Waffenrüstung; denn es kennt unser Erlöser die Kunst der Verstellung des Satans, daß er in Unordnung bringt und verwirrt die gläubig gewordenen Menschen; denn einige täuscht er mit Täuschungen, Gütern und Besitztümern und mit vielen anderen Dingen, damit er sie verderbe; und bisweilen sieht er einen, daß er eine Waffenrüstung angezogen hat, und er kämpft gegen ihn und den Sinn der Schrift, auf daß er den Stand des Gelübdes löse und ihn vernichte, und bisweilen verdrängt er einen aus den Zahlen der Lehren. Deswegen hatte unser Herr Mitleid mit uns, als er sagte, daß wir beobachten sollen seine Gebote, nicht daß dann zu uns kommen, gelangen werde die Gnade seines Erbarmens, uns zu erlösen von dem Bösen. Denn bei der Beobachtung seiner Gebote werden wir vom Satan erlöst, der gegen uns in verschiedenen Gestalten kämpft; und zärtlich sorgt für uns der Heilige Geist, wie auch für die Propheten.

Nun wollen wir ähnlich sein unserem Lehrer und den Propheten und den Aposteln, die wir gebaut worden sind auf jene, die die Waffenrüstung ihres Herrn angezogen und Satan besiegt haben. So sagt auch der selige Paulus: „Ich will, Brüder, daß ihr mir nachahmend seid“, darin daß er sagt: „Gold und Silber habe ich nicht begehrt und nicht Kleider der Weichlichkeit, sondern ich liebte, mit meinen Händen zu arbeiten und [dadurch] zu leben und auch dem Schwachen, Bedürftigen zu geben“; denn auch er zeigte, in welchem Wandel wir wandeln sollen. Und wie die Apostel hinwieder: das, was überhaupt ihnen an Besitz war, trugen sie dort in die Mitte [wohl = gaben sie heraus und legten zusammen], und nicht war unter ihnen jemand arm; denn alle waren gleich durch ihr Wohnen und ihre Liebe. Wenn wir aber auf Paulus nicht hören und unserem Erlöser nicht gehorchen, werden wir nicht der Propheten und der Apostel Nachahmer. Nicht wollen wir nunmehr die Worte der Heiligen Schrift unter die Füße treten unserer Schwachheit wegen. Denn die Worte Gottes sind: Das Ja ist ja und das Nein nein, wie auch Paulus sagt: „Lebendig ist das Wort Gottes und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, durchzudringen, vorzudringen, zu gelangen bis zur Teilung der Geister und Leiber, bis zu den Gelenken und Schenkeln, und Richter ist es der Gedanken und Pläne des Herzens, und es gibt kein Geschöpf, das vor ihm verborgen ist, sondern ein jegliches ist offenbar vor ihm, denn nackt werden wir, ein jeder von uns, vor seinem Angesichte stehen, ihm Antwort zu geben. Diese Form der Jüngerschaft, die unser Herr gesagt hat, hat er wegen der Vollkommenheit gesagt; denn wer vollkommen werden will, soll diesem gleichen.

Und jenes, daß Paulus sagt: „Wie Kindern in Christus gab ich euch Milch zu trinken, und nicht gab ich euch feste Speise, denn bis jetzt noch seid ihr fleischlich. Ihr könnt [sie] eben nicht aufnehmen, solange ihr fleischlich seid“. Und wiederum sagt er: „Für die Vollkommenen ist feste Speise, für jene, deren Geschmack kundig ist, zu unterscheiden das Böse und das Gute“. Und in Wahrheit ist das so, wie er sagt: „Wie Kindern in Christo gab ich euch Milch zu trinken,“ denn wie das Kind zuerst Milch saugt und durch sie ernährt wird und nach und nach kräftig wird für die Ernährung durch schmackhafte Nahrung und beginnt, zu unterscheiden das Gute und das Böse und das Süße vom Bitteren, und dann fortschreitet, die Speise des Brotes zu essen und ein jegliches wie ein Mann, und seine Kindheit vergißt [und] die [Speise] der Milch, die es in seiner Kleinheit [d. i. als es klein war] gesogen hat, wegen der Stärkung seiner Kraft und wegen der Speisen, weil es vollendet wurde zu dem Maße seiner Natur, die Gott ihm festgesetzt hat: so auch lernen wir nach Art der Milch die frühere Schrift, und mit ihr werden wir aufgezogen, und nach und nach wird unser Glaube und der Dienst unseres Herrn kräftig in uns, und dann fangen wir an, zu begreifen, zu unterscheiden das Gute und das Böse und das Süße vom Bittern. Als unser Glaube in seiner Gewalt in uns befestigt war, darauf treibt uns bei unserem gebundenen Willen unser Sinn zur Vollendung der Wahrheit des Evangeliums — denn das ist feste Nahrung, wie auch der Apostel sagt: „Für die Vollkommenen, sagt er, ist feste Nahrung.“ Deswegen fürwahr hat der Apostel gesagt: „Wie Kindern in Christo gab ich euch Milch zu trinken.“ Denn zuerst haben wir wie Milch den Unterricht der Lehre getrunken. Und wann wir vollendet und befestigt werden in ihr, dann, herangebracht, nähern wir uns den Vorschriften des Evangeliums; und dieses eben ist Vollendung des Alters Vollendeter und fester (sic!) Nahrung.

Und das, daß hinwieder unser Herr sagt: „Streng dich an, einzutreten durch die enge Pforte“. Und dies eben sehen wir, daß so [beschaffen] sei die Pforte des Königreiches. Wer sehnsüchtig wünscht, angeworben zu werden und sich selbst in die Zahlen der Liste der Krieger hier auf der Welt einzuschreiben, der setzt dies zuvor in seinen Sinn, herauszugehen aus seinem Hause und seiner Verwandtschaft, sich zu entfernen in andere Gegenden und sich zu stürzen in den Kampf des Krieges des Todes. Wie der Krieger, daß er zuerst lernt, zu putzen und blank zu halten seine Rüstung und die Dinge des Krieges lernt, solange er für sich ganz allein ist, bevor die Zeit des Kampfes gekommen ist. [Wenn aber die Zeit des Kampfes gekommen ist] stürzt er sich inmitten kampfesmutiger, begeisterter Männer; und nichts anderes sieht er dort, als nur das Glitzern der Waffen und das Blitzen des Schwertes und den Ansturm der Reiter und das Schwirren der Bogen; und nichts anderes hört er dort, als allein den Ton der geschlagenen Leier und das Schmettern der Trompeten und das Drängen der Flöte, den Schrecken des Schwertes und das Ermutigen der Trompeten. Einer geht vorm Blute vorüber, und ein anderer, wenn er die Stimme des furchtbaren Geschreies hört, wird, geschwächt [und] erschöpft, schlaff von seiner Furcht, und ein anderer wird ermutigt stark, und es werden durch ihn auch die Kriegskameraden, seine Genossen, ermutigt, und mancher erhebt seine Augen und sieht, daß ein Schwert vor ihm und ein Schwert hinter [ihm ist], und er spricht in seinem Sinne: Wenn ich erschlaffend schwach werde in diesem Kriegskampfe, wird das Schwert da vor mir mich töten, und wenn ich den Rücken wende, werden [meine] Schienbeine diejenigen schlagen, die die meinigen sind; aber ich will männlich sterben; und erhebt seine Augen zum Himmel und ruft zu Gott im Gebete und sich selbst gibt er männlich dem Kriegskampfe hin. Das ist, was unser lebendigmachender Erlöser gesagt hat: Er sagt: „Wer sich mir nähert, nähert sich dem Feuer, und wer sich von mir entfernt, entfernt sich vom Leben“. So auch wir, die wir Verlangen hatten nach der himmlischen Pforte des Königreiches, und [die wir] eingeschrieben sein möchten in die Liste des Lebens zu den Kriegern, zu den Propheten, zu den Aposteln: wir müssen zuvor die Dinge des Krieges lernen, die Vorschriften und Gesetze unseres Herrn, und uns in ihnen täglich üben und uns reinigen wie eine Rüstung und befestigt werden in unserem Herzen, und darauf legen wir sie an wie eine tapfere Rüstung; und alsdann werden wir mächtig, dem Kampfe des Krieges Widersland zu leisten, wenn wir jene angelegt haben.

Wenn wir aber diese Rüstung nicht tragen, wenn [dann] Krieg wird, oder Verfolgung oder irgendeine Feindseligkeit sich gegen uns erhebt — denn der Kampf unseres Krieges ist ein alltäglicher und die Glaubensrüstung ist [die Rüstung], die wir haben — und wann sich Satan einem aus uns naht, um gegen ihn Krieg zu führen, verleugnet mancher aus Furcht und hat nicht die Rüstung des Glaubens; ein anderer hört die Stimme der Trompete, die ihn anspornt, und ermutigt wird er gestärkt, ihm Widerstand zu leisten; und mancher liegt im Schlafe und wird nicht wach, und ein anderer steht im Bunde mit Gott, aber er steht nicht fest zu ihm, denn er betrachtet die nichtig gewordenen Irrlehrer als Diener Gottes. Und alle diese sind geschrieben in die Zahl der Liste der Krieger für die Berufung des Evangeliums, aber sie sind vom Satan unterjocht worden. So hat auch der Apostel gesagt: „Nicht ist uns Kriegskampf mit Fleisch und Blut, sondern mit den Herrschaften und dem Herrscher der Welt dieser Finsternis, die unter dem Himmel, und mit den Dämonen des Irrtums“.

Und wie ein Krieger, der Kriegsdienst tut, von Geringheit zur Größe der Berühmtheit gelangt wegen seiner Kriegskämpfe und wegen der Mühen seiner Heldentaten und wegen seiner Bereitwilligkeit, daß er in Dienstbereitschaft vor dem Könige steht, und von ihm sehr große Geschenke, Ruhm und Ehren und Würden empfängt, und emporgehoben zu seinem Range aufsteigt und an dem königlichen Hofe steht, und herrlich und in Freuden lebt in einem Hause der Größe, so werden auch wir berufen in Unansehnlichkeit und gelangen zur Größe wegen der Kämpfe unserer Anstrengungen und der Kriege unserer Heldentaten und [wegen] unserer Dienstbereitschaft; und wir stehen vor dem himmlischen Könige und erhalten von ihm sehr große Geschenke, den Ruhm und die Ehre und die Größe, und erhöht steigen wir empor auf Stufen hin zu den Propheten und Aposteln, und wir werden groß und erhaben und stehen vor dem himmlischen Könige, und wir leben in Wonne und Seligkeit im Hause der Größe bei den Himmlischen.

Und das hinwieder, daß unser Herr gesagt hat: „Gleich ist das Königreich des Himmels einem Kaufmanne, der da die köstliche Perle sucht; und er fand eine köstliche und wertvolle Perle, ging, verkaufte all seine Habe und kaufte jene für Geld, dieses hinwieder hat er zur vollkommenen Jüngerschaft gesprochen; denn er selbst ist eine Perle, und wir sind die Kaufleute, die wir sie gefunden haben. Und wie eine köstliche Perle das Herz fröhlich macht und Sinn und Geist und Seele jenes erhellt, der sie besitzt und ihn hübsch und schön macht, und er in seinem Sinne erhoben wird, so auch wir; wenn wir die Perle unseres Herrn, d. i. seine Gebote, gewinnen, wird fröhlich und freut sich unsere Seele und [unser] Geist und unser Herz im Innern, und hübsch geworden, werden wir schön an uns selbst durch unsere Perle, die in uns ist. Und wie sie eine köstliche und wertvolle Perle nicht nachlässig und in gewöhnlicher Art in dem Hause des Schatzes des Königreiches hinlegen, sondern eingebunden, eingeschlagen mit vielen Siegeln und sie mit großer Behutsamkeit in einem Behälter niederlegen, so auch ist unsere Perle eingehüllt und eingeschlagen und versiegelt mit mancherlei Siegeln und ist in unsern Herzen mit großer Sorgfalt in Verwahr gelegt; und sie liegt [und] wird verwahrt in den Herzen und Seelen und Gemütern als Religion unseres Herrn.

Und das hinwieder, daß unser Herr gesagt hat: „Gleich ist das Königreich des Himmels einem Menschen, der gefunden hat einen Schatz im Acker. Und infolge seiner Freude ging er [und] verkaufte und kaufte jenen“, auch das hinwiederum hat er wegen der vollkommenen Jüngerschaft gesagt; denn er selbst ist ein Schatz, den sein Vater uns zugeteilt hat. Aber wie ein Schatz, wenn wir ihn finden, nicht etwa erst aufgehäuft wurde in jener selbigen Stunde, in der er ihn fand, sondern schon längst aufgespeichert war, und gemäß dem Willen Gottes ihn jener gefunden hat, der ihn gefunden hat. Deswegen ist der Schatz unser Erlöser, und nicht eben etwa jetzt haben wir ihn gefunden, wie die Markionisten sagen, sondern sein Vater hatte ihn schon längst aufgespeichert [und] hinterlegt, aber nicht jenen Geschlechtern offenbarte er [ihn], die auf ihn die Augen richteten und ihn erwarteten, sondern er offenbarte ihn uns in diesem unserem Zeitalter. Deswegen wurde er verglichen mit einem Schatze und einer Perle und wir mit seinen Kindern gemäß dem Willen unseres Schöpfers. Und wie es bei einem Schatze ist, daß nicht nur ein einziges kostbares und prächtiges Stück in ihm sich findet, sondern sich in ihm viele Kleinodien und Wertstücke befinden, [so daß,] wenn ihn jener enthüllt, der ihn findet, erstaunt von Sinnen wird und voll Unrast sich selbst beeilt, und zu der Freude seines Herzens sich Angst und Furcht mischt, und seine Augen gespannt ausschauend hierhin und dorthin blicken und seine Augen zum Himmel erhebt und nicht Brot oder Wasser nötig hat wegen Sorgen und Mühen und der Schlaflosigkeit seiner Freuden, weil größer als er selbst sein Gewinn ist, den er gefunden hat: so auch hat unser Erlöser, der uns seinen Vater offenbarte, die frohen Schätze seines Mundes geöffnet, und nicht nur eine Größe und [ein] Kleinod ging aus ihm hervor, sondern viele Größen und Schätze. Und wenn wir uns hinsetzen und uns die Herrlichkeiten und Schätze seines Vaters zu Gemüte führen, gerät voll Staunen unser Herz außer sich vor freudigem Entzücken, weil mit ihm Angst und Furcht vermischt ist wegen der Größe, die wir gefunden haben; und durch Arbeit und Schlaflosigkeit und Sorgen bei Tag und Nacht hatten wir Sorge in uns wegen unseres Schatzes, und wir hatten keinen Hunger und Durst, und fortwährend sind unsere Augen zum Himmel erhoben.

Und das hinwieder, daß unser Herr gesagt hat: „Wenn euch jemand zu einer Hochzeit oder zu einem Bankett einladen wird, nicht geh du [und] setz dich auf dem ersten Sitze da nieder; vielleicht käme und träte ein einer von den Geladenen, ein Mann, [der] geehrter [ist] als du, und es käme jener, der dich und ihn, [euch] beide, geladen hat, und sagte: „Steh auf, mach diesem Platz“ und du dann mit Scham auf einen niedrigeren Platz dich begeben müßtest. Sondern, wann sie dich einladen, geh [und] laß dich auf einem niedrigen Platze nieder; wann [dann] kommen wird der, der dich geladen hat, [und] er sagt: „Freund, nach oben begib dich und laß dich nieder“, alsdann würde dir Ruhm vor allen zu Tische Sitzenden [zu teil] werden. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“. Und dies Wort hat er gesagt, weil er beobachtete [und] sah, daß sie die ersten Plätze suchten. Und eben dieses Wort wird hinsichtlich der Kirche vollendet. Denn unser Herr ist der Herr der Gäste, und wir sind seine Geladenen, die zur Tafel geladen sind, und das [Gastmahl oder: die Tafel?] wird so vollendet. Aber wie ein Mensch, wenn er die Geladenen einlädt, sie zuvor mit Worten einlädt, und sie darauf kommen [und] angelangen zur Tafel, so hat auch unser Erlöser zuerst durch sein Wort uns eingeladen, und darauf gehen wir zu jener Tafel.

Und es beobachtete [und] sah unser Herr, daß sie bei jenem Bankett die ersten Plätze suchten: an uns wird dies erfüllt; denn wir bemühen uns heutzutage, Oberhaupt zu sein, und nicht bemühen wir uns, zu wirken die Werke würdiger Vorsteherschaft. Und verachtet sind in unseren Augen heute die, die sich selbst auf Knien erniedrigen, wie auch unser Herr gesagt hat: „Wer sich selbst hochmachen wird, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst niedrig machen wird, wird erhöht werden“. Deswegen fürwahr setzen sich jene auf den ersten Platz, dafür, daß sie sich selbst niedrig gemacht haben und beobachtet haben die Vorschriften ihres Herrn. Jene, die unser Erlöser beobachtete und sah, daß sie sich drängten und die ersten Plätze beim Gastmahle suchten, sie sind die, die sich bemühen, ihre eigene Person vorzuschieben, um an der Spitze der Scharen zu stehen. Und dieselben wählten dies persönlich für ihre Personen, und keineswegs waren ihre Gedanken in Gerechtigkeit, sondern ihre Wahl war für ihre Person; aber die Auserwählung bei Gott ist diese, wann du beobachten wirst und dich kümmern wirst um seine Gebote und deine Werke unter den Menschen leuchtend sein werden, wenn du nicht willst, daß jemand deine Werke, die du wirkst, kennen soll, sondern allein Gott, wenn deine Werke selbst dir nicht gestatten, verborgen zu bleiben, wie die guten Werke unseres Erlösers ihm nicht gestatten, verborgen zu bleiben und den Propheten und Aposteln [ihre guten Werke nicht gestatteten, verborgen zu bleiben]. Einem solchen also steht die Vorsteherschaft zu, dessen Werke, bevor er der erste geworden ist, unter den Menschen leuchtend waren und in dem Gott verherrlicht ist.

Wann ein solcher Haupt und Führer wird durch seine Tüchtigkeit und seine guten Werke, so daß er viele aufweckt, werden durch ihn viele Menschen geheilt, daß sie zu Gott zurückkehren und leben; denn der Führer steht an der Spitze des Volkes. Und jener gleicht einem Arzte; denn ein Arzt heilt die Wunden durch seine Heilmittel, und jener heilt durch eine Arznei, nämlich durch die lebendigen Worte Gottes, die gebrochenen Herzen und die bedrückten Seelen. Und wie ein Arzt, der die Wunde sieht und durch seine Weisheit weiß, was für ein Heilmittel für sie nötig ist, so auch weiß ein weiser Arzt der Kirche aus der Heiligen Schrift, wann er jemanden sieht, daß dessen Herz gebrochen und sein Geist getrübt ist, welche Arznei ihm nötig ist, um ihn zu heilen durch Tröstung von den Peinen seiner Seele. Wie Moses, der Führer wurde und mit Gerechtigkeit führte und Hirt [wurde] und gut weidete, und Arzt [ward] und mit Heilsamkeit das Volk Jakobs heilte: ein solcher Führer also paßt für das Führeramt.

Und, daß unser Erlöser gesagt hat: „Beim Gebete bleibet und bittet, daß euch die Flucht nicht im Winter werde und nicht am Tage des Sabbaths“, [das] hat er wegen der Bitterkeit des offenbar werdenden Feindes gesagt, der über die Erde kommen wird. Und es halten Sabbath Himmel und Erde und alle Geschöpfe, so daß sein wird große Überstürzung und furchtbarer Lärm von Schreien, und Zittern und Beben auf der Erde, und es werden schlaff die Hände aller Menschen von dem Tumulte des furchtbaren Getöses. Deswegen sagt er: „Beim Gebete bleibet, daß euch die Flucht nicht im Winter werde und nicht am Tage des Sabbaths.“ Es sind nämlich über sie [die Erde] gekommen, angelangt Winter und Sabbathstag. Und es ließ Gott Jerusalem Sabbath haben, und er schaffte seine Sabbathe ab und sein Gesetz und die Rechte seiner schlechten Einwohner am Ende der Vollendung der Tage seiner Kreuzigung. Und es wurde eine große Überstürzung und furchtbarer Lärm des Getöses, Angst und Schrecken über jenem Lande. Und es wurden schlaff die Hände der Jünger aus fürchterlicher Angst, und es wurde finster die Sonne. Deswegen sagt er: „Bleibt beim Gebete, daß ihr würdig werdet, zu entrinnen aus allem jenem, was sein wird“. Wie auch in seinen Tagen, als ihn die Juden ans Kreuz schlugen, ein furchtbares Getöse von Lärm entstand, Angst und Furcht und Flucht und Zittern der Jünger wegen ihres Herrn, so auch wird, wenn uns jener Tag antrifft, über uns große Bedrängnis kommen und furchtbares Stimmengetöse und Furcht und Schrecken, Aufregung und Verfolgung, Kummer und Mutlosigkeit wegen unseres Herrn. Und wie es für jene außerdem [der Fall] war, daß der Anbruch des Morgens ihnen nahe war wegen der Verheißung der Freude ihres Herrn, so auch ist uns, wenn wir zu jenem Tage gelangen, der Anbruch des Morgens nahe in der Verheißung und Freude unseres Herrn, wie auch unser Erlöser gesagt hat: „Wegen der Auserwählten werden abgekürzt werden jene Tage“

Und das wieder, daß er sagt: „Es wird sein ein Herausgehen der Seelen der Menschen vor Aufregung der Furcht und bei dem fürchterlichen Stimmengetöse, [das] wie das Meer [ist], wenn es erregt ist“, so hat uns unser Erlöser inbezug darauf gewarnt, weil es ihm unsertwegen wehtat. Und wie ein Mensch Feuer in seinem Hause im Innern eingräbt und selbst auf dem Obergeschosse des Hauses schläft, und viel Rauch sich entwickeln wird, und der Rauch bis zu ihm emporsteigen und gelangen wird durch die Öffnungen der Decken und durch die Spalten der Decke, und das Haus von Rauch erfüllt wird, und der Mensch in seiner furchtbaren Angst erwachen und in seinem Sinne sagen wird: „Weh mir! Was für ein Unfall ist mir zugestoßen! Das Feuer, das ich eingegraben hatte, hat sich wohl wieder entzündet“: so auch wird Satan das Feuer gewahr, das für ihn inwendig in der Hölle eingegraben ist, daß es entzündet wurde zum Verbrennen; deswegen rast und wütet er, um die Menschen zu töten und zu verderben, er selbst mit seinen Heerscharen.

Deswegen hat uns unser Herr befohlen und er sagt: „Wenn sie euch sagen werden: Siehe, Christus ist hier oder er ist dort, geht nicht hinaus, damit ihr nicht fortgerissen werdet“. Zum Beispiel waren nirgendwo die Jünger der Juden wegen, da sie jenen ans Kreuz schlugen, [zu sehen], aber als er von den Toten auferstanden war, da zeigten sie sich und entkamen jenen, die sie morden wollten, und sie sahen ihn. Deswegen müssen wir, eher als der Mensch der Ungerechtigkeit sich erhebt, die Menschen lehren und ermahnen [bezüglich] seiner Schritte und Listen, die er vorbereitet hat, um sie auf Erden auszuführen; denn er macht sich zu einem Gott Ähnlichen durch alle Zeichen und Wunder; denn er [nämlich Gott] schickt ihn wegen der Heimsuchung der Erde. So gibt Gott ihm Herrschaft, wie auch Daniel selbst gesagt hat: „Über alle Götter und Dämonen der Verehrung wird er sich erheben“. Und er erhebt sich durch Stolz, Zeichen und Wunder, Lügen und Versuchungen. So hat auch unser Erlöser gesagt: „Wenn er es wird möglich machen können, verführt er viele von den Auserwählten“.

Deswegen ist es Pflicht für uns, unwissende Menschen zu warnen und [ihnen] zu predigen, weil sie in der Kenntnis der Schrift unwissend sind: vielleicht steht er irgendwo plötzlich auf und wird durch Zeichen, die er wirkt, täuschen. Denn er macht sich Christus ähnlich, damit sie diesem nicht folgen. Und es werden jene von unseren Händen gefordert, weil wir sie nicht gewarnt haben; aber wir haben (!) sie gewarnt darin, daß sie überhaupt keiner Sache bei jenem Stimmengetöse Glauben schenken sollen aus furchtbarer Angst und Furcht, die sein wird, und wegen der Zeichen, die sie hören, daß sie nicht jenen Dingen Glauben schenken sollen, sondern daß sie diesen Zeichen, die am Himmel sein werden, glauben sollen: wann sie die Sonne und den Mond sehen werden, daß sie sich verfinstern, und das Zeichen, das am Himmel sein wird, das Kreuz des Lichtes, das sich am Himmel ausbreiten wird, diesem nur sollen sie glauben und nichts anderem, wie unser Herr gesagt hat: „In jenen Tagen nach jener Bedrängnis wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird sein Licht nicht geben, und die Kräfte des Himmels werden bewegt werden; und darauf wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen, und sehen werden es alle Geschlechter der Erde und den Menschensohn, daß er kommt auf leuchtenden Wolken“. Und wenn wir jene warnen, wird an uns das erfüllt werden, was Daniel gesagt hat: „Strahlen werden wie die Lichter vom Himmel her die, die viele gerecht machen“. Und wenn diese Menschen sagen: „Ein Wort [von ihm] versetzt in Staunen den Sinn der Menschen, und sein Haupt reicht bis zum Himmel,“ glaubet ihnen nicht, denn er ist ein Mensch wie wir. Daniel und die Propheten geben bezüglich seiner Aufklärung; denn zur Zeit, als er das Gesicht von den Königen sah und sie Hörner und Bestien nannte, da hat er eben diesen, der unter ihnen war, Bestie und Horn genannt. Demnach ist er ein Mensch wie wir. Siehe, auch Isaias, der Prophet, hinwieder spricht, damals als er betreffs des Königs der Babylonier redete: „Du, spricht er, sagtest in deinem Sinne: Ich werde hinaufsteigen empor zum Himmel, und oberhalb der Sterne Gottes werde ich meinen Thron aufschlagen, und ich werde wohnen auf hohen Bergen in den Gegenden des Nordens, und ich werde aufsteigen zur Höhe der Wolken, und in Ähnlichkeit des Höchsten werde ich stehen“, während er ein Mensch war wie wir, wurde er dennoch so stolz und erhob und erhöhte sich in seinem Herzen; denn erweckt hatte ihn Gott, um durch ihn die Erde zu züchtigen.

Und wieder wollen wir hinblicken auf Moses und jene, die ihm feindlich gegenüberstanden und vor ihm Krafttaten und Zeichen und Wunder, Versuchungen und furchtbare Erscheinungen des Schreckens ausführten, die Gott den Hartnäckigen gab. Und damit er selber verherrlicht werde, durch das, was er an ihnen tun wollte, und damit sein Name durch alle Orte hin verkündigt werde, wie er auch selbst gesagt hat: „Deswegen habe ich dich als mir feindlich gezeigt, damit ich an dir meine Kräfte kund mache und meine Ehren unter dem ganzen Himmel“. Und betreffs jener, obwohl sie Menschen sind, macht dennoch die Schrift in dieser Weise klar, daß sie sich erhoben haben, hoch und stolz geworden sind gar sehr durch ihr Königtum, ihre Herrschaft und Gewalttätigkeit über alle Götter und Gottesverehrung, die auf der Erde mit Namen genannt sind; und einige durch Macht und Zeichen und wunderbare Gesichte und furchtbare Wunder. So auch der Mensch der Sünde, der am Ende der Welt kommen wird: obwohl er ein Mensch ist, wie wir, werden dennoch durch ihn Krafterweise und Zeichen, Versuchungen und wunderbare Erscheinungen sein, wie auch der Herr selbst gesagt hat. Und nicht, wie viele Menschen in ihrer Kenntnis sagen: „Sein Haupt reicht bis zu den Wolken, und er tut große Zeichen.“ Und wenn sie hinblicken auf die Zeichen [und] nach der Größe der Kraft, [die sich dabei offenbart], reden, so sollen sie auf jene blicken, die dem Moses feindselig geworden sind; denn sie haben gegen ihn fürwahr Zeichen und Krafterweise und furchtbare Erscheinungen vollführt.

Durch eben diesen unseren Widersacher haben sie dies alles gemacht; und jener, der kommen wird, kommt durch diesen Widersacher. Und es werden große Zeichen durch ihn geschehen zur Versuchung der Erde; und wegen der vielen Gottlosigkeit, die auf Erden ist, wird er zur Versuchung gesandt, daß die Erde durch ihn versucht wird, und die Auswählten und Gerechten durch ihn versucht werden, wie auch Daniel, der Prophet, sagt. Und vielleicht wird jemand sagen: „Was Daniel gesagt hat, ist unter den Makkabäern in Erfüllung gegangen, und es sind seine Gedanken hierdurch gestohlen worden“. Aber hierbei soll er begreifen, daß wohlverstanden alles, was Gott überhaupt geschaffen hat, er zu zwei und zwei einander gegenüberstehend erschaffen hat. Er hat erschaffen die Finsternis gegenüber dem Lichte und den Tod im Gegensatze zum Leben und das Böse gegenüber dem Guten. Alle Dinge nun, die er erschaffen hat, verhalten sich in dieser Weise: sie stehen einander gegenüber gemäß der Ehre seines Befehls. So war auch das Volk der Israeliten unser Vorbild; unser Wandel und unser [Gottes-]Dienst wurden durch jene ausgeführt; und es fand eine Vertauschung statt: Volk gegen Volk, Altar gegen Altar und Kirche gegen Jerusalem und Gesetz gegen Gesetz, wie auch der Apostel sagt: „Wie eine Vertauschung in diesem seinem Priestertume stattfand, so ergab sich auch für die Gesetze die Notwendigkeit, ersetzt zu werden“. Wenn auch das Gesetz eines ist, ist dennoch die Vollendung des Gesetzes Christus. Deswegen wie bei den Kindern Israels unser Gesetz und unsere Lebensart und die Wege unseres Gottesdienstes [waren], die durch jene zuerst befolgt worden sind, so sind wir gekommen [und] angekommen, und es wurde ausgeführt und vollendet durch uns ein jegliches, was der heilige Geist unsertwegen durch jene wie durch Hinweis gezeigt hat.

So waren auch die vier Könige des Hauses Alexanders, als sie sich erhoben und die ganze Erde unterjochten und über sie herrschten, ein Beispiel der vier Könige, die am Ende der Zeit sein werden, [und] sie haben klargemacht, daß sie die ganze Erde niedertreten und unterjochen und verschlingen und auf ihr herrschen. Und wie sich nach ihnen Antiochus mit frechem Gebahren. und tyrannischer Gewalt erhoben hat, und sich mit Stolz, Auflehnung und Tyrannei über alles erhob, was mit Namen Gott und Gottesdienst im Lande der Jerusalemer genannt wird, so auch jener, der sich am Ende der vier Könige erheben wird, die sich am Ende der Vollendung der Welt erheben werden. Denn er ist stolz, rebellisch und erhebt sich über alles, was mit Namen Gott und Gottesdienst auf Erden genannt wird.

Aber, wann die vier Könige sich gemäß der Ähnlichkeit der früheren erheben werden, wird vollendet der Hinweis des Bildes, das ihretwegen durch jene [früheren Könige] ausgeführt worden ist. Denn sie wurden ihretwegen vor der Zeit bezeichnet, wie auch wir durch die Israeliten. Und so hoffen wir, daß von den Tagen der vier Könige an die Ruinen aufgebaut werden, wie auch Markus in dem Evangelium sagt: „Wann ihr, spricht er, sehen werdet den Greuel in (!) der Einöde, daß er steht an einem Orte, wo es sich nicht gehört: wer liest, soll [es] verstehen.“ Und welches ist die Bedeutung des „Greuels“, von dem er spricht, wenn nicht Erschütterung und Zittern, Ausrottung und Vernichtung? Denn die Menschenkinder werden ausgerottet und vernichtet und aufgeregt und aufgeschreckt von Ort zu Ort, um zu wohnen in den Ruinen, wofür sie gebaut werden. Und erschlaffen werden die Hände der Menschen, die auf der ganzen Erde sein werden, wie auch im vierkapiteligen Evangelium Markus geschrieben hat; und viele von den Gelehrten beziehen diese Worte auf Jerusalem und die Heiden, denn sie wurden „Greuel“ benannt zur Zeit, sagen sie, wo sie es belagerten und es zerstört ward. Aber unser Herr hat, weil er Erbarmen mit uns hatte, uns das [Schicksal] Jerusalems klargemacht und uns auch das gezeigt, was an dem Ende sein wird. Und von dem [Schicksal] Jerusalems hat er erklärend gesprochen, darin, daß er zu jenen sagte: „Wann ihr Jerusalem umzingelt und eingeschlossen von Truppen sehen werdet, in jener Stunde werdet ihr wissen, daß seine Zerstörung gekommen ist.“ Und Jerusalem haben sie umzingelt und mit Truppen eingeschlossen, und es ist zerstört worden. Und dies hinwieder, was Matthäus sagt: „Wann ihr den Greuel der Verwüstung sehen werdet, daß er am Orte der Heiligkeit in Jerusalem stehen wird, ist von Daniel dem Propheten verkündigt worden: „wer liest, soll es sich zu Herzen nehmen“. Deswegen wissen wir, daß Jerusalem zerstört worden ist und daß alle Dinge, die die Propheten betreffs seiner gesagt haben, vollendet worden sind.

Jetzt wird es durch den Menschen der Sünde [wieder] gebaut. Wenn aber nicht, wie wird die Täuschung dessen unzweifelhaft bewiesen, der kommt und verführt? Siehe auch der Apostel sagt — er hat es gesagt, als er bezüglich der letzten Zeiten warnte – -: „Niemand, sagt er, soll euch täuschen und mit keinerlei Dingen, wenn sie, siehe, sagen: Gekommen ist der Tag des Herrn; denn wenn nicht zuvor Abfall kommen wird und sich der Mensch der Sünde zeigen wird, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles aufbläht, was Gott oder Dienst genannt wird“. Denn sein Kommen und Eintreten in den Tempel Gottes [geschieht], um sich [dort] zu setzen und sich den Anschein zu geben, daß er Gott sei. Und in welchem Tempel sitzt er? Doch wohl, siehe, in Jerusalem wegen seiner [bezieht sich auf den Menschen der Sünde!] Täuschung. Siehe ich bin Christus [wird er sagen], jener, über den die Propheten geredet hatten. Und was sonst wird er sagen, wenn er in ihrem Tempel sitzt? Denn er macht sich selbst zum Gotte unter ihnen. Das wissen wir, daß dies so ist, daß er sich selbst zum Gotte macht und gemäß der Ähnlichkeit [Gottes] sitzt. Auch hat der Apostel den Betrug jenes klargemacht, den jetzigen und den, der sein wird, darin, daß er sagt: „Das Geheimnis der Gottlosigkeit wird bereits kräftig, aber zur Stunde wird sich aus der Mitte der Machthaber erheben, und dann wird sich der gottlose Sohn des Verderbens offenbar machen“. Deswegen wissen wir von dem Hinweis auf die Dinge, daß dort Daniel betreffs der Wochen sagt, es kehre Jerusalem zurück und werde aufgebaut, die Plätze und die Straßen, bei der Vollendung der Zeit, und nach 62 Wochen Christus sterben werde und die Heilige Stadt zur Verwüstung zurückkehren werde mit dem Könige, der kommen wird, und dessen Ende [sein werde] zur Überschwemmung bis zum Kampfe entschiedener Zerstörung.

Und dies eben verhält sich so: etwas von ihm gibt es, was getan und vollendet worden ist, und etwas von ihm gibt es, was noch bevorsteht, zu werden; und das, was von ihm noch bevorsteht, zu werden, ist das, was Daniel gesagt hat, daß nämlich unser Herr ihn bei seiner zweiten Ankunft untertauchen wird. Aber wer ist dieser? Doch jener, der in ihm [d. i. im Tempel in Jerusalem] sitzt, jener Verführer in Wahrheit; denn er baut ihn [den Tempel] in die Flut des Feuers des Zornes, da in ihm das Gericht sein wird. Und das, daß Matthäus gesagt hat: „Wann ihr den Greuel der Verwüstung sehen werdet, daß er am Orte der Heiligkeit stehen wird“ das hat betreffs der Verwüstung, die verwüstet und zerstört und sich erhebt von den Händen des Gottlosen, der [Heilige] Geist durch Matthäus, durch die Erinnerungen seines Herzens aus dem Munde unseres Herrn klargemacht und gezeigt. „Wann ihr sehen werdet, sagt er, dieses Zeichen, in jener Zeit sollen die, die in Judäa sein werden, auf die Berge fliehen“. Und wer wird Judäa sein, wenn nicht die katholische Kirche, die Judäa benannt wurde und an ihn [Jesus] glaubte. Denn er fürwahr ist Judäa, weil er aus dem Geschlechte Judas ist, und sich selbst hat er Judäa genannt, und die, die von ihm abstammen, wurden Judäa genannt, und sie warnt er.

Wann ihr sehen werdet, sagt er, den Greuel der Verwüstung und der Zerstörung Jerusalems, wird sich erheben zum Gießbach des Feuers und zu den Versuchungen der Welt und der Auserwählten er, der aus jener Gottlosigkeit sein wird; in jener Zeit, sagt er, fliehet ihr, sagt er, die ihr in Judäa sein werdet, – betreffs seiner Kirche hat er es gesprochen – zu den Bergen. Und wenn jemand sagen wird: Was alles das Evangelium über diese letzten Zeiten gesagt hat, so ist doch das Wort über Jerusalem vollendet worden, in der Zeit, als es Truppen belagerten und verwüsteten; jener aber, der Verständnis hat, wird es darin verstehen, daß, obgleich alle Propheten betreffs unseres Herrn prophezeit haben, doch die Zeichen, die sie betreffs seiner zeigten, einander nicht gleich waren. Einer machte klar und zeigte betreffs seiner, daß er von einer Jungfrau geboren werden würde, einer zeigte an ihm seine Kreuzigung, und einer zeigte an ihm, daß er auf den Wolken kommen werde, und alle anderen machten irgend etwas klar und zeigten es. Und er ist gekommen, und es wurde getan und vollendet und es bewahrheitete sich an ihm alles, was sie überhaupt über ihn gesagt hatten. So auch sind die Worte unseres Herrn, die er sprach, getrennte und verschiedene Zeichen, und nicht sind sie einander gleich hinsichtlich der letzten Zeiten, die er uns gezeigt hat: denn der Heilige Geist machte klar und zeigte in jener Zeit, was in dieser Zeit geschehen sollte an den einzelnen Orten am Ende der Vollendung. Denn vor den Menschen hier sind verborgen [die Dinge] der nahen Zeit in ihrem Mangel an Wachsamkeit, wie auch gesagt worden ist. Und aus Barmherzigkeit wird es denen offenbart, die würdig sind, es in jener Zeit, ein jeder an seinem Orte, zu verkündigen, und viel wird seine [d. i. eines jeden Verkünders] Herrlichkeit sein, wie auch der Mund des Herrn bezeugt hat.

Durch Markus nun hat der Geist gemäß der Erinnerung der Worte seines Herrn gezeigt und klargemacht, daß die Ruinen aufgebaut werden, wo es nicht passend ist. Und durch Matthäus hat er die Verwüstung und die Zerstörung Jerusalems klar gemacht, daß er (?) sich erheben werde mit Täuschung zum Gießbach des Feuers. Was sich jetzt in dieser Zeit erheben wird, hat er uns betreffs Jerusalems sowohl erklärt und klargemacht, als auch betreffs jener, die an ihn glaubten: „In jener Zeit, wann ihr Jerusalem von Truppen eingeschlossen und belagert sehen werdet, wisset, daß seine Verwüstung gekommen ist“. Und Truppen haben es eingeschlossen und belagert, und es wurde zerstört, wie er auch gesagt hat. Und jene Zerstörung und jener Zorn und jene Bedrängnis, die über es kam und ankam am Ende seiner Tage, ist ein Beispiel der Werke der Bedrängnis, die später für uns kommen wird, und wurde dadurch bewirkt und gezeigt. Und daß er zu seinen Gläubigen gesagt hat: „In jener Zeit, wann ihr sehen werdet, sagt er, das furchtbare Zeichen der Zerstörung Jerusalems, das) über es gesagt worden ist, alsdann fliehet ihr, sagt er, die ihr in Judäa sein werdet, die ihr an mich glaubt, daß ich selbst Judäa bin, in die Berge, bevor man euch inmitten der Leiden festhält und einschließt“. Und eben dies fürwahr kehrt über uns zurück und wird an uns vollendet; denn das Wort, das geschrieben ist, geht nach zwei Seiten, wie sich gewandt und zu uns gegangen ist Israel, daß auch wir bereit und wachsam seien; denn wenn wir die Ruinen sehen werden, die aus dem Zorne zu Ruinen geworden sind, daß sie geordnet und gebaut werden zum Versammeln vieler Truppen, die sich versammeln und dort hingehen, wenn wir das furchtbare Zeichen jener großen Bedrängnis sehen werden, daß sie sich nähert und über uns kommt, wollen wir in die Berge fliehen, bevor wir hineingeraten sind. Denn alles, was überhaupt geschah und getan wurde bei den Früheren, ist ein Beispiel und unsere Sache, an jenen gewirkt und gezeigt, sei es daß es gut, sei es daß es schlecht ist; denn an uns wird alles in Wahrheit völlig vollendet werden. Wie auch der [heilige] Geist klarmacht und die Durchforschung der Schrift, wie auch geschrieben ist.

Und wie ich meine, so scheint es mir gut, daß beim Herannahen des Endes dieser Welt die Ruinen Mesopotamiens aufgebaut werden, wie auch im Evangelium des Markus geschrieben steht. Und nach dem Aufbau der Ruinen geht ein Gerücht im Lande aus, das kurze Zeit vorher ein Zeichen gibt. Siehe, sagen sie, die Juden versammeln sich. Aber du sollst wissen, daß sich jene zu einem falschen Glauben versammeln und zu der irreführenden Macht. Wehe jenem Zeitalter, in dem vier Könige nach Art der früheren sich erheben werden; denn darin liegt verborgen Weinen und Wehklagen und Verfolgung und große Bedrängnisse der Bitterkeit. Denn Himmel und Erde halten Sahhath in jenem Zeitalter. In jener Zeit soll niemand, der seinen Sinn bei sich hat, irgendein Werk auf der Welt tun, sondern nur Gebet und Flehen und Bitten [sollen ihn beschäftigen], damit er Rettung zu finden und zu entrinnen und zu siegen vermöge. Denn am Ende der Vollendung der vier Könige geraten in Aufregung und in Verwirrung alle Königreiche der Erde durch Kampf und Schlachten der Könige, die sich über die ganze Erde erheben werden entsprechend [dem Herrscher] der Herrschaft dieser Luft, wie auch geschrieben steht. Wie auch hinwieder unser Herr gesagt hat: „Siehe ihr hört den Lärm der Schlacht und den Lärm des Kampfes, in jener Zeit habt acht, daß ihr nicht in Verwirrung geratet“.

Und darauf wird sich nach den Kämpfen und Schlachten der Versucher erheben, und sie werden bei ihm eine kurze Zeit sein, und dann wird er sich erhöhen, wie die Schrift sagt. Denn plötzlich wird er sich erheben und die vielen verderben. Denn die Ankunft des Versuchers ist zuerst durch Zeichen und Wunder, Machttaten und Versuchungen und wunderbare und furchtbare Erscheinungen, denn er kommt, indem er die Welt in den Tod gefangen führt [mit der Behauptung]: „Siehe, ich bin Christus“, und alle Juden glauben an ihn: denn ihre Herzen sind in ihren verwüsteten Gebieten [fest]gelegt. Siehe, sagen sie, es kommt Christus, und wir alle werden dort versammelt. Denn gemäß ihrem Verlangen kommt jener und er versammelt sie dort, wie auch der Apostel gesagt hat: „Deswegen, sagt er, schickt ihnen Gott eine trügerische Macht, daß sie an den Irrtum glauben und sie dadurch gerichtet werden“. Sie glauben an ihn, und dann wird eine große Bedrängnis entstehen, Kummer und Mutlosigkeit, Angst und Furcht und Verwirrung und große Bestürzung, und die Menschenkinder werden mutlos werden, so daß ihre Gemüter in große Angst kommen werden von jener Furcht her. Viele von ihnen werden von Sinnen werden von dem Lärm des Getöses und von der Verwirrung der Furcht und davon, daß drückende Erregung unter dem ganzen Himmel entsteht. Und die Väter kehren nicht zu den Söhnen zurück, und die Söhne nicht zu den Vätern; denn zitternd stehen alle Geister wegen ihrer eigenen Verwirrung. Und die Augen der Menschen blicken hierhin und dorthin wegen des aufregenden Getöses und wegen des Entsetzens der erstaunlichen Furcht.

Wehe denen, die schwanger sein werden und die saugende Kinder haben werden in jenen Tagen; denn die Kinder derer, die schwanger sein werden, werden gekocht und verkommen in ihrem [nämlich der Mütter] Innern, und die, die saugende Kinder haben werden, sehen die Leiden ihrer Kinder. Und Himmel und Erde werden leer zur Verwüstung in den Augen der Menschen, wie das Meer aufgeregter Wogen, vor der Furcht, die dahei sein wird. Denn so werden dadurch alle Geschöpfe verwirrt, und Himmel und Erde kommen dadurch in Kummer wegen des Sohnes Gottes, denn er übergibt sie der Glut, prüft und reinigt die Gläubigen und Auserwählten. Wie Gold, das in die Feueröfen eintritt und geprüft und geläutert wird und dessen Vortrefflichkeit zum Vorschein kommt, und wann es aus dem Feuerofen hervorgeht und es in Wasser getaucht wird und dann, seine Vortrefflichkeit doppelt in Erscheinung tritt, so gehen ein in Glut und werden geprüft und auserwählt und werden offenbar die Söhne des Königreichs durch Machterweise, Zeichen und Versuchungen und furchtbare Erscheinungen und Wunderzeichen, die er bewirkt. Ein Ofen ist er für uns zur Prüfung, und dann, hierauf wird er zurückkehren und uns in die Taufe des Blutes des Schwertes seiner Martern tauchen, wie Gold, wenn es aus dem Feuerofen hervorgeht und darauf in Wasser eingetaucht wird und schön und glänzend wird.

Deswegen ist es Pflicht für uns, eher, als der Versucher inTätigkeit tritt, die unschuldigen1 Menschen, die dessen, was aus der Schrift gehört wird, unkundig sind, zu unterrichten und zu belehren; denn viele sind es, die nicht wissen, daß zuerst der falsche Christus kommen wird und dann der Sohn Gottes hinter ihm herkommt. Denn wenn wir von jetzt ab und weiterhin nicht warnen, und jener sich plötzlich erheben wird, so wird ihr Sinn hinter ihm her straucheln, und sie werden sagen: Siehe, dieser dürfte Christus sein. Wenn sie da die Verwirrungen und den Schrecken sehen und von den Machterweisen und Wundertaten, die er tut, hören, werden sie sein wie solche, die den rechten Weg gehen, und wenn sie an einen Ort kommen, wo ein Kreuzweg ist, dann dastehen, rechts und links blicken, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen oder auf welchem Wege sie gehen sollen; denn sie haben keinen Führer, der ihnen den Weg zum Ziele zeigt, auf dem sie verharren, wenn sie da sehen den Lärm des furchtbaren Getöses und die Verwirrungen und dazu den Schrecken und die wunderbaren Dinge, die sie hören werden; denn so wird sich jener in unverhoffter Stunde erheben. Und jeder Mensch ist zu sich selbst hingewandt [d. h. denkt nur an sich], um zu entrinnen, sich zu verbergen und sich selbst zu retten aus jener Verheerung, die entstehen wird.

Und es gibt danach Menschen, die wir nicht unterrichtet und belehrt haben über die Zeichen und das deutliche Ende auf dem engen Wege, auf dem sie vormals wandelten,1 so daß ihre Augen [daran] hafteten. Wenn sie hinblicken, werden sie sagen: Dieser ist gewiß Christus, oder sollte er es nicht sein?, weil ihnen ein Führer mangelt, der ihnen die Zeichen und den Ausgang des rechten Weges zeigt, jenes [nämlich], auf dem sie sich angestrengt haben und gewandelt sind mit Fasten und Gebet und Gerechtigkeit der Arbeiten sowohl durch die Kreuzigung ihres Herrn, der ihretwegen ans Kreuz gestiegen ist, als auch durch die Predigt der Apostel. Wenn jene verloren gehen, werden sie von unseren Händen gefordert; denn wir haben die Frucht der Erstlinge derer gegessen, die in Einfalt uns geehrt haben, und wir haben sie nicht behütet. Denn sie sind Schafe Christi, die er uns gab und anvertraute, sie zu weiden und zu behüten, und wir haben uns selbst geweidet und sie haben wir nicht behütet, wie auch geschrieben steht. Und wir, während wir entfliehen und uns selbst verbergen, um aus jener Verheerung der Angst, des Schreckens, der Furcht und des Hinausgehens der Seelen der Menschen zu entrinnen, [werden nicht entrinnen]. Und nicht kennen jene, die sich selbst nicht in der Wachsamkeit des Eifers und der Bereitwilligkeit halten, die Bedeutung der Vertrauensstellung, in der wir uns befinden. Wenn sie sich auch an unsichtbaren Orten verbergen, sind dennoch sie selbst verloren wegen des Wehklagens der Seelen, die verloren gehen, die ihnen vor dieser Zeit anvertraut worden sind.

Deswegen ist es Pflicht für uns, uns bereitwillig zu machen und zu bestärken, weswegen Christus ans Kreuz gestiegen ist und was er uns anvertraut hat darin, daß er gesagt hat: „Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut durch Zerstreuen“, zu unterrichten und zu belehren und auszusenden, um den Kindern der katholischen Kirche zu predigen vor der Überschwemmung und Verheerung der Verführung, die über die Erde zur Prüfung und Versuchung kommen wird, und wir untadelig und makellos seien. Denn in jener Zeit werden die Tore der Städte geschlossen und die Dörfer und Berge durchsucht und die Übergänge der Wege und die Brücken der Flüsse versperrt in bezug auf uns gemäß der Macht des Befehles seines Wortes, damit niemand vor ihm zu fliehen und sich zu retten vermöge. Und dies alles wegen der Auserwählten Gottes, bis er uns richtet und peinigt (?). Und dann wird geprüft und ausgewählt werden jegliche Tüchtigkeit und Standhaftigkeit aus uns. Deswegen hat unser Herr von jenen gesagt, die aus ihm sind, daß sie in jener Zeit wachsam sein sollen, um in die Berge zu fliehen, bevor sie eingeschlossen sein werden inmitten der Martern. Denn eher als die Martern kommt jener gemäß den Spuren der Schrift, damit die Welt an ihn glauben soll, daß er der wahre Christus ist. Denn den Juden sagt er nun etwa: „Ich bin in den Schriften der Propheten geoffenbart worden, daß ihr im voraus mich erwartetet und auf mich hofftet.“ Und zu uns hinwieder etwa: „Siehe, sagt er, ich bin in Herrlichkeit gekommen, und ich, der ich einstmals mit Demut gekommen bin, bin jetzt, siehe, in Herrlichkeit gekommen; und vollendet worden ist an mir beides“. Und dies ist der Gedanke unsres Geistes; denn wann jener Tag sich erhebt, denkt [diese Gedanken] und teilt seinen Sinn ein jeder von uns durch diese Gedanken, mancher in dieser Weise und mancher in jener Weise, wie auch diesen Tag, wo, siehe, noch nicht die Bedrängnisse entstanden sind, daß die Gedanken verwirrt würden.

Deswegen hat uns der Apostel gewarnt, indem er sagt: „Nicht fürchtet euch, sagt er, und nicht werdet verwirrt zur Überstürzung durch jene schreckliche Aufregung“; darin, daß er uns gesagt hat: „Von jetzt an kennen wir dem Leibe nach niemanden; wenn wir auch erkannt haben, haben wir Christus erkannt, aber von jetzt ab kennen wir [ihn] nicht mehr dem Leibe nach“, hat er über die Ankunft jenes, der gemäß der Ähnlichkeit Christi kommen wird, gesprochen, damit sie ihm nicht glauben sollen. Denn unser Herr Jesus Christus offenbart sich geistig und kommt vom Himmel leiblich und richtet die Lebendigen und die Toten; ebenso auch jener durch diesen Trug, denn gemäß der Ähnlichkeit Christi wird er kommen. Siehe, [so wird er sagen,] zuerst richte ich die Lebendigen und dann die Toten; deswegen ist jene Bedrängnis hart und bitter. Und dann nach der Bedrängnis und großen Mühsal wird eine ganz kurze Ruhe sein zur Freude über die Zerstörung bei den Bösen und zur höhnischen Verspottung der Bitterkeit.

Und wenn der Anfang des vollkommenen Maßes sein wird, das jenem zur Prüfung und Versuchung gegeben ist, werden die Juden ihm Antwort geben und sagen: „Wann wird Adonai unser Gott, dein Vater, die Toten auferwecken, so daß wir unsere Väter und Brüder sehen, denn auf dich haben wir in den einzelnen Zeitaltern gewartet und gehofft, [und wann werden wir] unsere Propheten [sehen], die von dir vordem prophezeit haben, [nämlich, oder: und] von dieser deiner Ankunft, und [wann] richtest du die Toten und nehmen wir Rache an unseren Feinden, die unser heiliges Heiligtum zerstört haben, die es mit Füßen getreten und verunreinigt haben und uns aus ihm vertrieben und verstoßen haben, und wir wurden zerstreut durch alle Orte und Städte gemäß der Güte unseres Gottes, den unsere Väter durch ihre Götzenbilder erzürnt haben.“

Und während jene dieses sagen, wird das Zeichen des Kreuzzeichens unseres Herrn am Himmel sichtbar. Und Wenn sie [es] sehen, stehen sie bestürzt, erstaunt, der Sinne beraubt, schlotternd, von Furcht getroffen da; und sie werden ihre Augen niederschlagen und niederfallend werden sie auf ihr Angesicht zur Erde niederstürzen zur Beschämung und zum Weinen und Weheklagen. Und dann erheben die Verfolgten und Unterdrückten und die, die gearbeitet und sich angestrengt haben, die in jener Zeit sein werden, ihre Häupter aus den Höhlen, jene, die verborgen sein werden in den Grotten, Höhlen und Löchern der Erde, von allen Seiten der Verborgenheit bei der frohen Botschaft ihres Herrn, wenn sie am Himmel das Zeichen seines Kreuzzeichens sehen. Und es versinkt der Schmerz ihrer Mutlosigkeit in jene(r) Freude, durch die Lüfte des Himmels zu fliegen, wie die Jungen der Taube, wenn ihnen die Flügel zu wachsen beginnen; sie werden fliegen wollen, aber sie werden es nicht können; zuerst werden sie mit den Flügeln schlagen und dann sich emporheben.

Nun wollen wir so wachsam sein und wollen bekleidet sein mit Regsamkeit jede Stunde durch Arbeit und Wachsamkeit und Sorgen und Betrachtung bei Tag und bei Nacht über die mannigfaltigen Zeichen und Wunder, was nur [immer] die Schrift jetzt geschrieben hat, [und] was sich an uns offenbaren wird. Wie auch Noe, der arbeitete und wachsam war zur Beachtung der Zeichen der Zeit, was ihm befohlen worden war. Und wie Ahraham, der wachsam war bei der Verheißung, worauf er wartete und hoffte. Und wie Job, der wachsam war bei den Prüfungen seiner Gerechtigkeit und in seiner Wachsamkeit die Geduld für seine Prüfungen bewahrte zum Nutzen und zur Übung seiner Gerechtigkeit. Und wie Moses, der wachsam in seiner Sanftmut war und durch das Gebet seiner Bitten für das Volk, dem er Führer war, und wie Aaron für seine Ehre. Und wie Daniel und seine Genossen in der Wachsamkeit ihres Glaubens. Ebenso waren auch alle Propheten wachsam in jeglichem, entsprechend den Werken, was ihnen übertragen war. Ebenso nun auch wir, die wir auf jene gebaut worden sind, daß auch wir wachsam seien wie sie durch Arbeiten und Wachsamkeit und darin, daß wir bei Tag und bei Nacht betrachten die Zeichen der Zeiten und die Ähnlichkeit mit jenen und die Ähnlichkeiten hinwieder der Zeichen, die sein werden und uns unversehens überraschen werden. Denn wir wollen durch sie von diesem Tage an rein werden in unserem Sinne. Vielleicht wird sich über uns jener Tag plötzlich erheben, und wir werden für jenen Tag nicht bereit erfunden werden.

Wenn jemand sagen sollte: Es [wird] nicht in meinen Jahren und nicht in diesen Tagen [geschehen], denn der Tag, an dem ich sterbe, der fürwahr ist mein Tag. Aber ein solcher, der dies spricht, liegt im Schlafe und ist verblendet und unterjocht von der Sünde und ist nicht wach, wie jener, der auf dem Depositum sitzen wird, das ihm anvertraut worden ist und das ihm unversehens weggenommen wird, weil er nicht wachsam war; und nicht weckt er in dieser Zeit des Kampfes, wie auch unser Herr zu Simon gesagt hat: „Sei wach, sagt er, und bewahre deine Brüder“. Denn jeder, der diese Welt liebt und das Kleid der Weichlichkeit und mannigfaltige Speisen und schöne Geräte erwirbt, ein solcher ist der Sünde Knecht und ihr Diener, wenn er auch überaus arm ist, aber nach dieser Welt verlangt und kein Verlangen hat nach dem geistlichen Wege des Himmels, wie auch geschrieben sieht: „Der Leib, sagt er, begehrt, was die Seelen schädigt, und der Geist begehrt, was nicht der Wunsch des Leibes ist, und beide sind einander entgegen“. Und es hat der selige Paulus, der Prophet und Apostel, gemäß dem Befehle des Auftrages unseres Herrn erklärt und gesagt: „Denn wenn ihr im Geiste wandelt und im Geiste euch bewegt, nicht soll es sein, daß ihr alles das tut, was ihr wünschen werdet, nicht, als ob wir nicht Macht hierin hätten, sondern, damit nicht der Hl. Geist betrübt werde, der in uns wohnt und er Ankläger gegen uns bei Gott werde“. Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, und die Propheten und die Apostel, die auf die Erde gekommen sind, standen nicht sowohl den Außenstehenden entgegen, als vielmehr den innerhalb [der Religion] Stehenden, denen die Wahrheit anvertraut wurde, [die] sie aber nicht ausführten. Aber wir wollen den Hl. Geist verehren in Keuschheit, Einsamkeit und Wachsamkeit, und wir wollen uns den Spiegel der Schrift nehmen und in ihm uns selbst besehen. Und was alles gezeichnete Flecken und Aussatz der Bosheiten an uns ist, wollen wir von uns tilgen und abwaschen, daß nicht auch wir verworfen erfunden werden wie jene, die sich selbst nicht in Wachsamkeit hielten.

Nun wollen wir von diesem Tage an wachsam sein für die Erscheinung der Ankunft des Aufruhrs [dessen], der in verschiedenen Gestalten auf der Erde offenbar werden wird, und wir wollen besitzen diese Wachsamkeit und Bereitwilligkeit des Eifers für jene, die nach uns kommen werden. Denn wenn Kampf entsteht, wird die Trompete dabei geblasen, und dieselbe Trompete fürwahr bläst Töne für ihn und ruft die Kämpfer. Und zwei Stimmen hat die Trompete, und ihre Stimmen sind voneinander unterschieden und getrennt; die erste Stimme ladet zum Ruhme ein und die andere zum Kriegskampfe, während sie selbst [die Trompete] eine einzige ist, wie auch im Gesetze Moses und beim Propheten Jeremias geschrieben steht.

Nunmehr ist es unsere Pflicht, von diesem Tage an bewaffnet, ausgerüstet und vorbereitet zu sein, um jenem entgegenzutreten, der bewaffnet, ausgerüstet und vorbereitet ist gegen uns mit mancherlei Mitteln und Listen, Zeichen und Wundern seiner Kräfte, um uns plötzlich mit großen Versuchungen zu erschrecken. Denn zuerst im Anfange seines Erscheinens kommt er mit Zeichen, Versuchungen, Krafttaten und furchtbaren Erscheinungen. Er und seine Krafttaten und Zeichen und Erscheinungen sind ein Beispiel der Erscheinung, die er der Furcht wegen zeigt. Und es ist wie bei den Zauberern, die eine Erscheinung und ein Beispiel nur zeigen; und das, was sie durch die Erscheinung und das Beispiel zeigen, zeigen sie durch Dämonen, denn [diese] gehorchen ihnen und tun ihren Willen, und sie gewähren ihnen alles, was sie überhaupt auf Erden zeigen wollen; wenn es durch Feuer sein soll, gewähren sie es ihnen, und wenn einer gestorben wäre: Tod und Leben ist in ihre Hände gegeben, und wenn es durch Schlangen sein soll oder was es sonst irgend sein soll, wie auch die Schrift zeigt; und in den Augen der Menschen ist dies wie etwas Wunderbares. So nun auch der, der die Quelle jener Bäche ist, der sich offenbaren wird durch die Kräfte des Teufels, bewirkt und zeigt ein wunderbares Beispiel von Erscheinungen der Zeichen; was überhaupt er zeigen will, ist in seine Hände gegeben; alles, was er überhaupt als wunderbare Dinge zeigt, zeigt er durch jene [die Kräfte, oder: Dämonen. Denn ein Dämon ist er, und einem jeden, dem er will, gleicht er zur Furcht der Auserwählten. Deswegen sagt der Apostel: »Falsch sind seine Krafttaten und Zeichen“.

Und dann wird hinter jenem her Elias kommen, um die Herzen aller Sterblichen zu Gott zu bekehren, [nämlich] die Juden, daß sie nicht an jenen glauben sollen und diese ganze Welt hinwieder, daß sie nicht zugrunde gehen soll(en), wie auch geschrieben steht: „Zuerst wird Elias kommen, daß er alles bereite“. Und dies ist die Vorbereitung, die Elias trifft, daß er die Herzen aller Menschen zu Gott bekehrt, wenn sie auf ihn hören. Denn aus Erbarmen wird er auf die Erde gesandt, damit sie nicht verloren gehen, daß im Glauben sie feststehen und verbleiben und die große Bedrängnis aushalten, aber jenem nicht glauben. Und dann nach den Zeichen und Krafttaten und Versuchungen, die er ausführt, kehrt er zurück, um jeden und was er überhaupt findet, durch mancherlei Leiden zu zerstören, die vor unseren Augen unsichtbar sind. Deswegen hat unser Herr gesagt: „Wegen der Auserwählten werden jene Tage abgekürzt werden“. Und die Engel des Himmels werden mit sehr großer Betrübnis betrübt sein wegen aller Menschen.

Und dann, wenn die Bedrängnisse aufhören werden, wird die Sonne und der Mond verfinstert werden, und es werden bewegt [und] erschüttert werden die Gestirne des Himmels. Und dann wird sein Zeichen am Himmel erscheinen, das Kreuz des Lichtes, das sich ausbreitet am Himmel eine siebentägige Zeit lang, und dann werden wehklagen Völker über Volk mit geschwundenen Sinnen in Verwunderung über die Angst und Furcht und Aufregung und Täuschung, mit der sie getäuscht werden, denn sie standen uns feindlich gegenüber.

Und das, daß unser Herr gesagt hat: „An jenem Tage, an dem der Sohn des Menschen offenbar werden wird, in jener Zeit, wenn jemand auf dem Dache steht und sein Gerät in seinem Hause liegen wird, soll er nicht hinabsteigen, es von da zu holen, und wer auf dem Felde sein wird, soll ebenso nicht von da heimwärts zurückkehren; erinnert [imptv.] ihr euch an das Weib Loths; wer seine Seele retten will, wird sie verlieren und wer seine Seele verliert, wird sie finden“, das hat unser Herr gesagt, daß wir täglich wachsam seien, zu warten und zu hoffen auf die, die gesandt werden unsertwegen, um uns vor sein Angesicht zu schleppen, jeden Tag und jede Nacht, an welchem Sonntage er eintritt. Wenn wir auf dem Dache sind oder irgendwo draußen, seien wir bereit, und wenn wir in großer Wachsamkeit sein werden, dann werden wir auch unsere Augen zum Osten erheben, zu den Höhen des Himmels, um nach dem Zeichen des Kreuzes auszuschauen jeden Tag und jede Nacht, daß unser Herr offenbar werden wird. Und wir wollen stehen und unsere Seelen bereithalten mit großer Wachsamkeit jeden Tag und jede Nacht für den Sonntag, an dem er eintritt.

Und nicht sollen wir zurückkehren, um etwas zu holen, denn nackt werden wir aufsteigen mit Geist, mit Atem und Körper wie auch Elias, der nackt zum Himmel aufgehoben und hinweggerissen wurde mit Geist, Atem und Körper; denn er trug nicht mehr irgendwelche Kleider bei sich; und daß er sie nicht mit sich genommen hat, ist klar, denn auch seinen Mantel sogar, den er hatte, auch den noch ließ er hier zurück. Und vielleicht werden wir dann in jener Stunde, während wir zurückkehren wollen, um etwas zu holen, beraubt erfunden werden von dem Hingerissenwerden zu den Freuden, und es werden verloren gehen unsere Anstrengungen und das Aushalten der großen Bedrängnis, die wir ausgehalten haben; und alsdann werden wir anstelle des Fortgerissenwerdens zu den Höhen des Himmels zu den unterirdischen Tiefen fortgerissen werden, wie auch das Weib des Loth, die das Gebot verachtete und übertrat. Und nicht wollen wir uns hinwieder fürchten vor jener Verwirrung bei der Erschütterung der Erde, wenn sie erschüttert wird, sich bewegt und bebt und vor der Stimme der Donnerschläge und davor, daß ein Krachen entsteht und vor den Blitzen, die über uns kommen werden in jener Zeit vom Angesichte der Trompete her; denn sie wird rufen und erschüttern die unteren Tiefen der Unterwelt, so daß dabei alle erwachen, die im Erdboden schlafen.

Denn so ist verglichen unser Volk — und dieses wird vollendet als der Weg unserer Berufung — mit einer Hochzeit, mit Braut und Bräutigam. Und wie eine Jungfrau, wenn sie mit einem Bräutigam verlobt ist und sich jener letzte Tag nähern wird, auf den sie gewartet und ihr Auge gerichtet hatte, und den sie herbeigewünscht, bevor sie sich dem Bräutigam näherte, und jene Nacht, die zwischen beiden steht, arbeitet und wachsam und tätig ist in der Freude ihres Gemütes die ganze Nacht, und der Schlaf von ihren Augen verscheucht ist bei den Sorgen und bei dem Sichfreuen über den Gedanken der Freude ihres Herzens, und wartet und hofft, ob es bald tagt, daß sie gehe, vor dem Antlitze des Bräutigams zu erscheinen, und in seine Arme fallend nackt umschlossen wird, und der Bräutigam ruhen wird und sich freuen wird über sie. über ihre Schönheit und zarte Sittsamkeit und über ihre Weisheit und das gute Benehmen seiner Braut, und sie Herrin über alle Schätze ihres Mannes, groß und klein, wird: ebenso nun auch wir, die wir verlobt sind dem Bräutigam, der da Christus der König ist, von seinem Vater in seinem eigenen Blute vordem. Und wann der letzte Tag naht, an dem die Nacht die einzige ist, daß der Sonntag anbricht, zwischen uns und zwischen dem Bräutigam, so wollen auch wir tätig und wachsam sein und in Sorgen und Betrachtung infolge der Freude unseres Gemütes, daß der Schlaf von unseren Augen verscheucht sei, und daß wir unsere Augen zum Himmel erheben die ganze Nacht in der Erwartung, da wir warten und hoffen und herbeisehnen, [sagen zu dürfen]: Siehe er hat sich offenbart. So wollen wir zueinander sagen die ganze Nacht, in der sich unser Herr offenbaren wird.

[Steht in der Vorlage nach dem Seitenwechsel] Und sie werden den Anfang machen, sich zu erheben und emporzusteigen, einer nach dem andern, die ganze Nacht bei der Stimme der Donnerschläge und des Krachens und durch die Erschütterungen und Verwirrungen. Und es wird Bruder zum Bruder sagen, da er von Furcht getroffen sein wird: Einer dieses Namens befand sich jetzt bei mir und nicht weiß ich, was aus ihm geworden ist. Und während er dies sagen wird, wird auch der andere sagen: Auch mein Bruder befand sich jetzt bei mir und nicht weiß ich, was er geworden ist. Wie viele andere noch werden so sagen! Darauf [bezieht sich] das, daß er uns gesagt hat: „Wer auf dem Dache steht oder irgendwo draußen ist, kehre nicht zurück, etwas aus seinem Hause zu holen“, daß er nicht, während er irgend etwas holen will, verlustig sei von dem Hingerissenwerden zu den Freuden und sich selber verliere. Und dasselbe eben ist dies, was Lukas im Evangelium zeigt, indem er sagt: „In dieser Nacht, sagt er, werden sein zwei in einem Bette, den einen werden sie nehmen, überliefern und den anderen werden sie zurücklassen. Zwei werden sein, die an einer Mühle malen, die eine werden sie nehmen, überliefern und die andere werden sie zurücklassen, und zwei werden auf dem Acker sein, den einen werden sie wegführen und den anderen werden sie zurücklassen“. Und er sagt: „Wo ein Körper ist, da werden sich auch die Adler versammeln“. Und wie die Adler, die sich versammeln und fliegen und sich emporschwingen zu den Höhen des Himmels über den Speisen, die sie sehen, so auch wir, die wir in den Adlern versinnbildet sind und unser Herr in dem Körper; denn uns werden die Engel aus allen Winden und allen Richtungen wegtragen, und sie schweben und fliegen in die Höhen des Himmels, uns vor unsern Herrn zu bringen — der mit einem Körper verglichen ist und wir mit einem Adler — vor der Flamme des angezündeten Feuers und [vor] der Stimme der großen Trompete und der Flöte (!), die antreibt, [vor] den Herrn der Engel, der begleitet ist von der Herrlichkeit seines Vaters und den Scharen seiner Engel in jener Nacht, in der der Bräutigam erscheinen wird. Beim Aufleuchten des Sonntags schickt er alle Brautführer [und] Kinder des Brautgemaches, die Braut zu holen [und] vor das Angesicht des Bräutigams zu führen, um sie ihm vorzustellen, angesichts der Herrlichkeit und bei der Stimme der Trompete, bei der der Bräutigam kommen wird beim Schall des Lobes der Herrlichkeit der Schönheit seitens der Heere der Engel. Und dann, wenn unsere Augen unsere Hoffnung und unser Leben sehen: durch Liebe und heißes Bemühen und Sehnen und durch unsere Arbeiten und Kämpfe sitzen wir bei ihm auf leuchtenden Wolken, und er läßt uns durch sie aufsteigen, durch Herrlichkeit und Opfergaben zu erscheinen vor dem Angesichte unseres Schöpfers, [er,] der Herr der Herrlichkeit ist nach dem Gerichte, wie er uns verheißen und gesagt hat: „Seligkeit sei jenen, die rein von Herzen sind, denn sie werden Gott schauen“.

Und getreulich haben sie uns bestätigt, was die Schrift sagt, daß gemäß der Ähnlichkeit der Braut unser Volk ist. Johannes hat gezeigt und klargemacht über das Bräutigamsein und die Größe dessen, der eher war. Und Lukas hat gezeigt und klargemacht den letzten Tag, an dem sie erhöht [und] fortgerissen werden vor das Angesicht des Bräutigams. Nun sind selig die, die die große Bedrängnis aushalten, die mehr als die früheren zum Tage des Herrn gearbeitet haben, mit den Engeln vom Himmel im Lichte der Herrlichkeit. Und nicht möge es sein, daß einer aus den Weisen das verachtet, was geschrieben steht; denn der Geist unterwirft sich den Propheten, wie auch geschrieben steht. Und wenn [doch] jemand verachtet, der möge auf die Kinder Israels hinblicken, die stolz die Hand an ihre Brust schlugen und sagten: „Weise sind wir und die Schrift haben wir“, und sie lasen wie wir. „Siehe, sagen sie, es kommt Christus.“ Und er ist gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt, deshalb, weil sie im Schlafe waren; und [doch] hatten ihre Propheten laut betreffs ihres Herrn verkündigt, daß er kommen werde. Nun ebenso auch wir, wenn wir nicht auf das Nahen der Zeit seiner Ankunft hinblicken und wachen und aufmerken und aufmerksam machen werden, werden auch wir ausgeschlossen und ausgestoßen nach dem Beispiel jener nach draußen. So hat auch der Apostel wegen jener zu uns gesagt: „Jene [Dinge] sind unseres Beispiels wegen geworden, daß wir nicht begierig nach dem Bösen seien, wie auch einige von ihnen begierig waren“. Und wiederum sagt er: „Das Ende dieser Welt ist über uns gekommen“

Nun wohl denen, die wachsam sind von heute an in Gerechtigkeit für die Erscheinung ihres Herrn, denn sie sind kräftig geworden. Das, daß er sagt: „Bleibet beim Gebet, daß ihr würdig werdet, zu entrinnen all dem, was sein wird“, das hat er so gesagt, weil er kannte die Krankheit der Schwäche des Glaubens der Menschen, daß sie nicht aushalten, dem Versucher zu widerstehen. Nun wohl denen, die Verstand haben und verstehen werden in jenen Tagen, wo die vier Könige sich am Ende der Welt erheben werden, zu bauen, zu befestigen, sicher zu machen in dem Bau und der Pflanzung der Welt das der Apostel und das ihrer Predigt, die [d. i. die Apostel] dort einst die geistlichen Menschen gelehrt haben, daß sie einmütig und gleichförmig seien, ob sie reich oder ob sie arm seien, [daß] alles Ihrige gemeinschaftlich sei, bevor es zur Plünderung, Beraubung und zum Ruin auch aller Kirchen gekommen sei, und [daß] sie ausdauern sollen mit Fasten [und] Gebet in Sack und Asche, bei Nacht und Tag mit gewaltigem Flehen, daß sie würdig werden, zu entrinnen aus dem Angesichte des großen Zornes und der schrecklichen Wunderzeichen [dessen], der kommen wird: [entweder] zu entrinnen vor seinem Angesichte oder auch stark zu werden und viele zu stärken. Und vermehrt wird ihre Herrlichkeit mehr wachsen, als die der ersten und letzten, weil sie die Menschen befreien aus dem Angesichte des lodernden Feuerstromes, der über den falschen Trug der Menschen kommen wird. Auf ihr Gold und Silber vertrauend haben sie auf sie mehr vertraut, als auf Gott. Und über alle ihre Begierden [nach dem], was auf der Erde ist, ist ihnen bereitet Geschenk und Gabe des Feuers infolge ihres Vertrauens darauf, daß sie dadurch gerettet zu werden hofften. Unverständig, unsinnig, ohnmächtig und verwirrt ist der Mensch, der [es] nicht versteht; weißt du nicht, daß das Brot, das du Tag für Tag issest, daß dies ein Teil und Bestandteil von dir ist? Du hast die Schrift und liest sie zur Ermahnung und zum Tadel deiner selbst, daß nicht eine Entschuldigung für dich gefunden werde. Und du blickst nicht hin auf das Fundament der Apostel und Propheten, worauf du gebaut worden bist, und du sollst ihnen gleich sein.

Nun wollen wir uns über uns selber erheben, und wir werden baldigst zu unseren Wünschen gelangen; und den Kampf des Krieges wollen wir anstellen gegen Stolz, gegen Hochmut, gegen Zweifel und gegen Neid, die in uns wohnen — denn sie sind Feinde unseres Lebens — und wir werden baldigst zu unserem Leben gelangen, das in unserem Gotte ist gemäß der ganzen Schrift. Christus sei Glorie, in Ewigkeit!

Amen.

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