Brief an den Bruder Serapion.

Von Athanasius (295-373)

Athanasius wünscht dem Bruder und Mitdiener Serapion Freude in dem Herrn.

Ich habe dein ehrfurchtsvolles Schreiben gelesen, in welchem du uns ermahntest, wir möchten dir unsere Angelegenheiten und die gegenwärtigen Vorfälle erzählen, und zugleich über die höchst gottlose Ketzerei der Arianer schreiben, wegen welcher wir diese Leiden erduldeten, und welches Lebensende Arius gehabt habe. Da du also drei Dinge von mir verlangtest, habe ich zwei bereitwillig gethan, und deiner Frömmigkeit mein Schreiben an die Mönche übersendet; denn aus diesem kannst du sowohl das auf uns, als auch das auf die Ketzerei Bezügliche ersehen. Was aber den dritten Punkt betrifft, nämlich den Tod des Arius, habe ich vieles erwogen, weil ich fürchtete, es möchte Jemand vermuthen, daß ich mich über den Tod des Mannes lustig mache. Weil jedoch bei euch über die Ketzerei gesprochen wurde, und die Untersuchung mit der Frage endigte, ob Arius in der Kirchen-Gemeinschaft gestorben sey; deßwegen habe ich, da ich von der Geschichte seines Todes die Lösung dieser Frage abhängt, nothwendiger Weise mich beeilt, die Sache genau zu erzählen, in der Meinung, es sey eines und dasselbe, dieses zu erzählen, und dem Streite für die Folge ein Ende zu machen. Denn ich glaube, daß, von seinem wunderbaren Tode in Kenntniß gesetzt, nicht einmal mehr diejenigen, welche früher hierüber Untersuchungen anstellten, es wagen werden, daran zu zweifeln, daß die arianische Ketzerei Gott verhaßt sey.

Ich war zwar in Constantinopel nicht anwesend, ats jener mit Tod abging; aber der Priester Makarius war zugegen, und aus dessen Munde habe ich die Sache vernommen. Arius wurde nämlich, auf Betreiben der Eusebianer, von dem Könige Constantius dahin berufen; und der König fragte den Arius, als dieser eingetreten war, ob er den Glauben der katholischen Kirche habe; dieser aber betheuerte seine Rechtgläubigkeit durch einen Schwur, und übergab eine Abschrift seines Glaubensbekenntnisses, in welchem er das verheimlichte, weßwegen er von dem Bischofe Alexander aus der Kirche gestossen worden, und Worte der heiligen Schriften arglistig einschaltete. Nachdem er nun geschworen hatte, daß er nicht jene Meinung gehabt habe, wegen welcher ihn Alexander ausgeschlossen hatte, entließ ihn der König mit den Worten: „Hast du den rechten Glauben, so hast du gut geschworen; ist aber dein Glaube gottlos, und du hast dennoch geschworen, so mag Gott nach dem Schwure deine Sache richten.“ Nachdem er also auf diese Weise von dem Könige hinweggegangen war, wollten ihn die Eusebianer mit ihrer gewöhnlichen Gewaltthätigkeit in die Kirche einführen; der Bischof von Constantinopel, der selige Alexander aber, widersetzte sich und sagte, der Urheber der Ketzerei dürfe nicht in die Kirchengemeinschaft aufgenommen werden. Und nun erwiederten die Eusebianer unter Drohungen: „Wie wir, auch gegen euern Willen, es bewirkt haben, daß der König ihn kommen ließ, so wird morgen, wenn es auch deiner Meinung nicht entspricht, Arius in dieser Kirche mit uns der Versammlung beiwohnen.“ Es war aber Samstag, als sie dieses sagten.

Als nun der Bischof Alexander dieses hörte, ward er tief betrübt, ging in die Kirche, hob seine Hände zu Gott empor, warf sich unter Thränen vor dem Altare auf sein Angesicht nieder, und betete auf dem Boden liegend. Es war aber auch Makarius zugegen; er betete mit ihm und hörte, was er sagte. Er flehte aber um diese zwei Dinge und sprach: „Wenn Arius morgen in die Kirche aufgenommen wird, so nimm mich deinen Diener vorher noch hinweg, und vernichte den Frommen nicht mit dem Gottlosen! Wenn du dich aber deiner Kirche erbarmest, (du wirst dich aber erbarmen, ich weiß es) so sieh jetzt an die Worte der Eusebianer, und gib nicht Preis dem Verderben und dem Gespötte dein Erbe! und nimm den Arius hinweg aus diesem Leben, damit, wenn er in die Kirche käme, nicht mit ihm die Irrlehre hineinzugehen scheinen, und man in der Folge nicht Gottlosigkeit für Gottseligkeit halten möchte.“ Nachdem der Bischof so gebetet hatte, ging er sehr besorgt hinweg; und es folgte ein wunderbares und unglaubliches Ereigniß. Als nämlich die Eusebianer gedroht hatten, betete der Bischof; Arius aber setzte sein Vertrauen auf die Eusebianer, plauderte Vieles, ging auf einen Abtritt, um die leibliche Nothdurft zu verrichten, stürzte vorwärts nieder, und borst, wie geschrieben steht, mitten entzwei, und hauchte, nachdem er niedergefallen war, sogleich seine Seele aus; so wurde er auf einmal beider Dinge, nämlich des Lebens und der Kirchengemeinschaft, beraubt.

Dieses nun war das Ende des Arius; und die Eusebianer begruben tief beschämt ihren Mitverschwornen. Alexander aber, seligen Andenkens, feierte zur Freude der Kirche mit Frömmigkeit und Rechtgläubigkeit die Versammlung, und pries Gott hoch, nicht aus Freude über den Tod desselben, dieses sey fern! denn es ist allen Menschen bestimmt, einmal zu sterben; sondern weil dieses Ereigniß über die Urtheile der Menschen hinauszugehen schien. Denn der Herr richtete selbst über die Drohungen der Eusebianer und über das Gebet des Alexander, verwarf die arianische Ketzerei, und gab dadurch zu erkennen, daß dieselbe der Kirchengemeinschaft unwürdig sey. Auch machte er es Allen einleuchtend, daß sie, wenn sie auch von dem Könige und von allen Menschen beschirmt wird, dennoch von der Kirche selbst verdammt sey. Es ist also dargethan, daß die Christum bekämpfende Werkstätte der Arianer Gott nicht angenehm, sondern gottlos ist. Und Viele von denen, welche früher verführt worden waren, haben ihre Gesinnung geändert. Denn nicht ein Anderer, sondern der Herr selbst, welchen jene lästern, hat die wider ihn sich erhebende Ketzerei verdammt, und abermal gezeigt, daß, wenn auch jetzt der König Constantius zu Gunsten dieser Irrlehre gegen die Bischöfe Gewalt gebraucht, dieselbe doch von der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen, und von dem Himmel weit entfernt ist. Es höre also bei euch von nun an eine solche Untersuchung auf, denn darüber seyd ihr mit einander übereingekommen; und Niemand schließe sich der Ketzerei an, sondern die Verführten sollen vielmehr in sich gehen. Denn wer wird die Ketzerei, welche der Herr verdammt hat, annehmen? und wie wird der, welcher sie, da der Herr an ihr Theil zu nehmen verboten hat, dennoch annimmt, nicht sehr gottlos handeln, und offenbar ein Feind Christi seyn?

Dieses genügt also, um die Streitsüchtigen zu beschämen; dieses lies nun den Urhebern dieser Streitfrage vor, so wie dasjenige, was ich kurz an die Mönche wider die Ketzerei geschrieben habe; damit sie hiedurch die Gottlosigkeit und Bosheit der Arianer noch mehr zu mißbilligen bewogen werden. Händige aber Keinem eine Abschrift von diesem ein, und nimm auch dir selbst keine davon; denn dieses habe ich auch den Mönchen zu wissen gethan. Sollte aber in dem, was ich geschrieben habe, etwas fehlen, so füge du es deiner Redlichkeit gemäß bei, und sende mir es sogleich wieder zurück. Denn aus meinem Briefe an die Brüder kannst du ersehen, was ich bei meinem Schreiben gelitten habe, und noch dazu erkennen, daß es deßwegen nicht sicher sey, Schriften eines Ungelehrten auszugeben, zumal über die höchsten und vorzüglichsten Glaubenslehren, damit nicht, wenn etwas aus Schwäche oder wegen der Undeutlichkeit der Sprache mangelhaft ausgedrückt ist, dieses den Lesern Schaden bringe. Denn die Meisten schauen weder auf den Glauben, noch auf den Zweck des Schreibenden, sondern nehmen entweder aus Neid, oder aus Streitsucht, nach ihrer einmal im Geiste gefaßten Ansicht, gerade wie sie wollen, die Schriften auf, und verdrehen sie nach eigenem Gutdünken. Möge aber der Herr es fügen, daß bei Allen, und zumal bei denen, welchen du dieses vorliesest, die Wahrheit und der gesunde Glaube an unsern Herrn Jesus Christus obwalte. Amen.

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