Proben katholischer Polemik aus des hl. Ephräm Reden gegen die Ketzer

Von Ephräm d. Syrer (373)

Schliderung der streng scheinenden Liebe im Gegensatz zum Neid

Der strenge wohlwollende Arzt als Bild des die Ketzer aus Liebe strafenden Kirchenlehrers.

Wer in schweren Fällen heilen will, verursacht aus Liebe dem Kranken viele Verletzungen (z. B. durch Amputationen). Er macht ohne Erbitterung Schmerzen und fügt ohne Zorn Leiden zu. Es gibt nämlich keinen Wundarzt, der aus Haß schneidet. Obgleich aber seine Liebe sehr schön ist, so ist doch sein Eisen fürchterlich und grausam. Wohlwollend ist er bei seinen Heilmitteln, bitter aber durch seine Heilmittel.

Als Gegenbild Schilderung eines Neidischen.

Der Neidische rast heftig und beißt die Menschen. Sein Gift versetzt ihn in Wuth, und so beschädigt er, wen immer er findet. Grimm ist in seinem Herzen, Fluch in seinem Munde. Seine Quelle und seine Wurzel ist giftig. Schmeichelnd heuchelt er dir Liebe vor und betrügt dich. Die Frucht, welche er dir reicht, die von Sodoma stammt, ist das Erzeugniß seiner Gesinnung. Eine Masse von Unheil wirft er jederzeit herum, weil sein Kopf voll Übermuth ist. Aufgeregt durch Streitsucht legt er eine Schlinge, die anlockend schön ist. so daß man wähnt, sie sei ein Zufluchtsort.

Fortsetzung vom heuchlerischen Charakter des Neidischen.

Sein düstrer Geist ist dunkles Gewölk. Für das Leben (scheinbar) sorgend ruft er (sein Geist nämlich) den Tod herbei. Bei (anscheinend) wolkenloser Heiterkeit ist seine Vorrathskammer voll des Hagels, den er jederzeit zusammenhäuft. Innerlich finster und ränkevoll ist er äußerlich heiter und liebenswürdig. Er zeigt sich fröhlich und berückt dich; er spielt einen Ruhigen und stürzt dich zu Boden. Er scheint so ganz nur für dich zu sein und ist ganz gegen dich. Jederzeit zettelt er jede Art von Zwist an, lacht und betrügt dich, küßt und beißt dich, schmeichelt süß und erwürgt dich. So macht er es dir vom Anfang bis zum Ende.

Vergleichung mit einem Löwen, einer Schlange, einem Elephanten und bösen Geiste. Der Neidische ist mehr zu fliehen.

 

Wie oft bleibt der Löwe nicht ruhig in der Wüste und die Schlange in ihrer Behausung, ohne zu schaden! Der Eifersüchtige aber fügt äußerlich und innerlich unaufhörlich Böses zu. Selbst der Thurm von Fleisch im Morgenlande neigt seine Höhe willig dem Menschen herab, trägt ihn voll friedlicher Ruhe, indeß derselbe voll Stolz darauf reitet. Wenn du eine Schlange erblickst, so laß dich nicht so sehr erschrecken, und wenn ein böser Geist dir begegnet, so verachte ihn und weiche nicht zurück! Begegnet dir aber ein Neidischer, ja dann bekreuze dich und entflieh‘! Stellt der Neidische sich dir gegenüber, so bleibe ja nicht stehen! Geh‘ nur hin und lies im Job! An seinen Leiden betrachte dich selbst! Tod nämlich athmet er aus und haucht dir Verderben zu.

Fortsetzung von dem gefährlichen Charakter eines Neidischen.

Liebt dich ein Weib. so theilst du Josephs Loos. Wenn aber ein Weib dich haßt, so mußt du wie Elias (vor Jezabel) flieh’n; und wenn dein eigner Bruder dir entgegen ist, so verschaffe dir Jakobs Flügel (um zu entrinnen)! Wenn aber Jemand Neid gegen dich hegt, so gewährt Abel dir Belehrung. Wenn du aber überhaupt über den Neidischen nachforschest, so schau auf unsern Herrn und überzähle, wie viel Leiden ihm die Neidischen zufügten! Von Frevelthat ist der Neider nie frei; das Schwert des Eifersüchtigen ist immer gezückt, und mit Blut löscht er den Durst seiner Leidenschaft.

Der wohlthätige Arzt.

Der Wundarzt öffnet (sein Behältniß) und nimmt die Eisen der Heilung heraus. Nur Liebe ist das schmerzliche Schneiden. Der Arzt wird freilich, mögen die Leute geheilt werden oder nicht, gescholten. Wie sehr sie aber ihn geschmäht, freuen sich doch nachher die Genesenen, daß sie durch seine Heilmittel gerettet wurden.

Von den Wundern der Gerechten des alten Testaments. Gegen Astrologie und Fatalismus.

Die Gerechten als Schatzmeister und Gebieter über die Geschöpfe. Wundermacht und Größe des Moses.

An den Gerechten erblickte man das Bild von Schatzmeistern; denn sie eröffneten die Schätze der (göttlichen) Majestät der Menschheit. Gleich Gebietern waren sie für die Geschöpfe. Moses gebot dem Meere und fand Gehorsam; denn er befahl ihm nicht umsonst im Namen Gottes, sondern dem Namen folgte sogleich die That. Er wies die irrenden Anbeter der Geschöpfe zurecht; denn sehr groß war Moses und offenbarte uns zum voraus in allen seinen Büchern, daß die Gestirne des Himmels und die Gewächse der Erde zu unserm Dienste geschaffen seien.

Thorheit der Abgötterei. Selbsterniedrigung der Natur-Anbeter. Beispiele von Wundern im alten Bunde.

Doch — die Herren der Geschöpfe dienten den Geschöpfen. Betrachte, wie sehr die Thoren sich verirrten! Ihre Seele, die Herrscherin über die ganze Schöpfung, unterwarfen sie der Schöpfung, da doch der Herr der erschaffenen Dinge durch seine Diener sie ganz zum Beweise in Bewegung gesetzt hat. Ezechias hatte geweint, da betete Isaias und stand vor der Sonne: diese aber ging gegen ihre Natur rückwärts, um die Büßenden zu belehren, wie glorreich das Weinen siege, und wie mächtig das Gebet sei. Weil die Sonne ihren Lauf rückwärts kehrte, sah Babylon die Macht, welche ihre Götzen zu Schanden machte, und lobte die Wahrheit des Ezechias durch seine Geschenke.

Von dem Wunder des Josue beim Stillstande der Sonne und des Mondes. Sturz des Heidenthums. Das Erstaunen der Schöpfung.

Ein Anderer von ihnen streckte seine Hand mit seinem Gebete aus und hielt das Paar der Himmelsleuchten (Sonne und Mond) in seinem Laufe auf. Die Scheidewand der Finsterniß zwischen zwei Tagen nahm Josue, der Sohn Nuns, weg, sie verbanden sich und wurden ein Tag. Unser Herr aber riß durch sein Fleisch (seine Menschwerdung) die Scheidewand des Streites zwischen Beiden (dem Juden- und Heidenthume) nieder, und die zuvor einander anfeindeten, wurden beide Eins. Erschütterung ward (beim Wunder durch Josue) auf Erden, gewaltiger Aufruhr in der Welt. Das Götzenthum ward erschüttert, stürmisch aufgeregt das Magierthum. Vielleicht erhob sogar mancher Blinde sein Haupt in die Höhe. Gewiß richtete Jeder seine Augen empor und stand auf seinen Füßen. Die Schöpfung war regungslos und schaute zwei Tage lang auf die Erniedrigung der Himmelsleuchten, die sonst angebetet, jetzt aber zu Schanden gemacht wurden. Die Schöpfung sollte lernen, ihre Hoffnung und ihr Vertrauen auf die Gewalt ihres Schöpfers zu bauen. Glaube an den einen Herrn, und verläugne die vielen, da die Macht der Sieben nicht im Stande war, die Macht eines Mannes (Josue) zu überwinden!

Niederlage der Fatalisten.

Wenn aber die Thoren (Astrologen) sagen, auch dieser Vorfall sei unter dem Fatum gestanden, so entsteht die Frage: Wer hat dem Fatum Stillstand geboten, und wie hat er’s in allen Weltgegenden gehemmt und gefesselt? Da sogar Sonne und Mond unterlagen, so konnte kein Gestirn siegreich bestehen. Sie sagen ja, die Sonne sei gewaltiger als alle (Gestirne nämlich), nach ihr aber komme der Mond, welcher von allen der unbedeutendste sei. Der das gewaltige Gestirn (die Sonne) fesselte, hielt um desto leichter als unbedeutende (den Mond) auf. Zu Schanden gemacht wurden Alle (Astrologen, Sternanbeter), weil diese Gestirne besiegt wurden und zurückwichen, und doch ließen sie ihre Götzenbilder nicht fahren. Das Gebet überwand sie, so daß sie nicht bestanden. Für wen also vermögen sie zu bestehen (ihm zu helfen)?

ertheidigung der Freiheit des menschlichen Willens. Widerlegung der Sterndeuter aus Begebenheiten des alten Testaments.

Gebet um Heilung der Freiheit und Erleuchtung des Geistes; hoher Werth der Freiheit.

Unser Arzt, heile unsere Freiheit! Durch dich möge sie geheilt und geheiligt werden! Unterlaß‘ es nicht, ihr durch Heilmittel zu helfen; denn auf dir beruht auch ihre Genesung. Ein großes Geschenk ist sie; durch sie nämlich hast du uns bevorzugt vor den Meeren, die durch ihre Grenzen gefesselt werden, vor der Erde, dem Himmel und den Bergen, die ohne sie sehr gering sind. Möge unser Herr als Arzt unsern Geist besuchen; denn der zeitlichen Güter wegen sind dessen Willensentschlüsse und seiner Besitzungen wegen dessen Gedanken krank, und durch seine Gelüste ist seine Macht krank. Ein Böser ist, wenn er nicht will, auch nicht böse, gleichwie keine Finsterniß da ist, wenn es licht geworden ist, und gleichwie Dorngestrüppe nicht emporwächst. wenn es nicht gepflegt wird. Sei du, o Herr, sein Licht und sein Anbauer, auf daß er durch dich gereinigt und erleuchtet werde.

Wie die Läugner der Freiheit sich selbst widersprechen. Macht der Freiheit, Wahrheit ihrer Existenz.

Die Ungläubigen mit den Chaldäern heben in ihrer Freiheit die Freiheit auf. Das böse Urwesen ist (wie sie beaupten) mächtiger als dieselbe, und das Fatum ist die Gewalt, welche sie unterjocht. Zeigen wir nun, daß ihre (der Freiheit) Macht über Alles herrscht! Ihr Herr nämlich leitet alles Gute und Üble, und kein böses Urwesen steht ihr entgegen, keine Gewalt des Schicksals vermag Etwas wider sie. Gepriesen sei der Schöpfer der Freiheit, der Magd, welcher er die Herrschaft über sie selbst gab! Wer könnte Freiheit verbergen? Sie leuchtet ja wie die Sonne am Firmamente. Wer vermöchte ihre Herrschaft zu läugnen? Ihre Kraft ist ja wie Gott gewaltig. Wie klar erscheint sie! Denn sieh‘: ihre Verleumder sind ihre Posaunen. Leicht ist es, sie zu erkennen, und lieblich, ihr anzugehören. Ihr Name ist kostbarer als alle erschaffenen Dinge. Preis sei Demjenigen, der da Gebote wand, auf daß die Freiheit mit ihnen bekränzt werde. Gepriesen sei Er, der viele Gerechte aufstehen ließ als Zeugen, welche laut die Freiheit verkünden.

Beweis aus der hl. Schrift und Erfahrung.

Die hl. Schriften belehren uns über den Gerechten, daß er den Bösen der Freiheit wegen Vorwürfe machte. Wenn aber ein böses Urwesen wäre, so würde er dieses schelten oder bezwingen. Wenn ferner das Fatum es wäre, welches Leute zu Mördern macht, so würde jeder Mensch dieses tadeln und nicht die Mörder. Den Verbrechern selbst aber macht man Vorwürfe, weil sie durch ihre Naturen nicht gefesselt waren. Gepriesen sei Derjenige, welcher durch Moses und Daniel die Könige in ihren Burgen zurechtwies. Gleichwie aber die Freiheit die Kraft, welche in ihr verborgen liegt, (durch eigne Schuld) zurückhält oder durch Gelüste vergräbt, bis der Gerechte durch Züchtigungen sie enthüllt, damit sie (die Freiheit), wann sie leiden muß, ihrem Herrn das Anvertraute wieder gibt: ebenso hält sie durch Unwahrheit die Wahrheit zurück. Die Zauberer und Chaldäer aber bekannten gezwungen die Wahrheit. Preis Ihm, der die Hülle des Irrthums zerriß, daß aus ihr verborgene Wahrheit leuchtend aufging!

Adams leichte Prüfung.

Gepriesen sei, der den Adam nicht durch irgend etwas Großes oder Starkes prüfte, damit Niemand fälschlich behaupte, daß Zwang oder irgend eine andere fremde Gewalt stattgefunden habe! Es geschah Dieß durch ein verächtliches Werkzeug aus dem Geschlechte der Thiere, das er mit dem Namen beiro bezeichnete, d. i. das Unterjochte. Nebstdem machte er es lahm (auf dem Bauche kriechend), und auf diese Weise ward es erniedrigt, so daß den Adam ein Wesen zu Schanden machte, dessen er sonst nur spottete. Adam glich dem Meere, welches von einem Windhauche sich aufregen läßt.

Die Chaldäer und der Prophet Daniel.

Der Babylonier (König Nabuchodonosor) sprach über die Chaldäer das Todesurtheil wegen ihrer Lehre aus. Da flohen auch sie und nahmen ihre Zuflucht zu einem über den Namen des Fatums erhabenen Namen (Götter nur können des Königs Traum auslegen). Haben sie ihre eigenen Götter genannt, so mußten sie von ihnen Offenbarungen lernen. Wenn sie aber eine andere Macht verkündeten, so haben sie dadurch ihre eigenen Lehren zu Schanden gemacht. Gepriesen sei Derjenige, der in Daniels Gegenwart sie durch ihre eigenen Worte widerlegte! Die Chaldäer, welche sonst nie den über Alles erhabenen Gott bekannten, zwang die Nothwendigkeit, schlaue Ausflüchte zu ersinnen, und so verkündeten sie die Wahrheit, die sie läugneten (daß nämlich die Gottheit, nicht das Fatum Alles lenke). Ihr Wille hielt hartnäckig die Wahrheit zurück, und da sie den Namen Gott in der vielfachen Zahl nannten, trat Daniel auf und verkündete den einen Gott, der über Alles herrschend gebietet. Preis sei ihm, der seine Offenbarung bekannt machte, daß der Mensch durch das Gebet sie erhalten könne.

Fortsetzung dieser biblischen Geschichte. Kraft des Gebetes.

Das Fatum hat mit dem Gebete Nichts zu schaffen. Wie sie (die Astrologen) sagen, gab die Berechnung nach ihrem Worte die Offenbarung. Wer sie gelernt, dringt forschend in Alles ein. Weil sie (die Chaldäer bei Nabuchodonosor) aber zwischen Betrug und dem bloßen Schwerte standen, so eilten sie, fesselten und erklärten (oder auch milderten) das Fatum durch eine andere Macht, die keiner Kunst unterworfen sei. Das Gebet verrichtet der freie Wille und weil sie die offenbare Wahrheit bekannten, rettete auch Gott ihr Leben. Als die Mächtigen gedemüthigt und die Widerspenstigen ermüdet und in Bestürzung versetzt waren, und da ihre eigenen Lehren und Wahrsagungen und Götzen sie zu Schanden gemacht hatten und ihre Schmerzen schwächer zu werden begannen, berief der Gute die hebräischen Ärzte. Ihre (d. i. der Babylonier) eigenen Zeichen und Götzen waren die Arzneien für ihre Zerrissenheit. Gepriesen sei Er, der ihrer Leiden müde durch ihren eigenen Willen ihre Seelenkrankheiten entfernte!

Pharao’s Befehl, die hebräischen Knaben in Ägypten in den Nil zu werfen, widerlegt die Lehre vom Fatum.

Pharao, des Babyloniers Verwandter in Bezug auf die Wahrsagerkunst, verachtete das Fatum, welches dieser liebte. Er machte offenbar, daß es nicht von dort aus (von Fatum) bestimmt werde zu sterben. Ihre (der Ägyptier) Thaten widerlegten nämlich die Schriften derselben (d.i. der Chaldäer). Wie stimmt wohl die Nativität mit dem Flusse überein? Unter einem Horoskope nämlich kamen Mädchen und Knaben zur Welt. Jene bewahrte er und ließ sie am Leben; die Knaben aber befahl er zu ersäufen. Gepriesen sei Er, der sie maß und nachher mit dem großen Maße des Meeres bestrafte! Ägypten ward (durch Plagen) aufgerieben, lernte aber zugleich, daß die Macht, welche schlägt, auch heilt. Es lernte aber nicht von den Chaldäern, denn während der bösen Zeit (der Strafen) lief es zu Moses, der seine Leiden heilte.

Belehrung der Ägyptier durch Moses.

Wohl kamen viele Leiden über dasselbe, und zahlreich folgten sich Plagen auf Plagen, damit es nicht denke, daß es vielleicht nur Zufall sein könnte. Zehnmal (d. i. durch zehn Plagen) lernte es die Wahrheit. Moses belehrte Ägypten, Kühe belehrten das Philisterland. Gepriesen sei, der die Schöße aufdeckte, die voll von Wahrsagereien und Zaubereien waren: Ägypten den Schooß der Wurzeln, und Babylon, den Schooß der Amulette. Auch Assyrien lernte durch den Sturz des Sennacherib und (belehrt wurden auch) die Indier, welche durch das Gebet des Asa gefallen waren. Alle Völker stachelte der Allerhöchste durch verschiedene Anlässe auf, ihre Blicke auf ihn zu richten. Preis sei Ihm, der Beides zugleich lehrte, daß wir nämlich wohl einen Herrn, aber auch die Freiheit haben.

Beweise aus dem alten Bunde gegen die Astrologie und für die menschliche Freiheit.

Elias tritt gegen die Baalspfaffen der Jezabel auf.

Elias sah die unreine Versammlung der Baalspfaffen, die lärmend stritten und, da er das Wort der Wahrheit ausgesprochen hatte, mit lautem Geschrei ihn verspotteten. Da entbrannte sein heftiger Eifer, weil er sah, daß sie von der Macht der Jezabel abhingen. Er ließ sich nicht in ein wildes Gezänk ein und kämpfte nicht auf gemeine pöbelhafte Weise. Die Weisheit der Wahrheit wandte er an und machte mit der Spitze seines Fingers eine Fessel, auf daß sie dadurch über die Mächte zurechtgewiesen würden, welche Macht nämlich im Stande sei, sie (die Fessel) zu lösen. Er verschloß durch sein Gebet die Pforten der Höhe und die Regenströme und machte, daß kein Thau mehr fiel. Er entfernte Nebel und Wolken und fesselte die Winde in der verborgenen Vorrathskammer. Der sonst wasserreiche Himmel war von Erz, und die weiche Erde war wie hartgeschmiedet Eisen.

Vergleichung des Elias und Moses in ihren Wundern.

Gleichwie Moses zur Zeit des Hagels den Hagel zurückgehalten hatte und die Zauberer am Tage des Regnens zu Schanden machte, ebenso eiferte Elias und hielt den Regen zurück. Damit das Zeichen der Wahrheit sogar Blinden anschaulich werden möchte, hemmte er zur Regenszeit den Regen. Der Eine, der Sanftmüthige, hielt den Hagel ab, und der Andere, der Eiferer, den Regen. Man sah die Wolken weggezogen vor seiner Stimme, wie man sie nachher wieder zurückgeführt sah durch das Gebet seines Mundes, und durch Beides beschämte er den Achab. Das Firmament, welches die Schatzkammer der Sättigung ist, verschloß er durch die Stimme, ging dann weg und weilte versteckt an einem verborgenen Orte, damit sie daselbst ihn aufsuchend bei seinem Suchen auch die Wahrheit suchen sollten, und daß es, während sie ihm an verschiedenen Orten nachforschten, feierlich wie durch Siegel bestätigt würde, durch wessen Macht der Himmel verschlossen worden war!

Beschreibung der Dürre durch den drei Jahre langen Mangel an Regen.

Die Brust des Himmels machte der Eiferer versiegen, so daß die Säuglinge der Erde (Pflanzen u.s.w.) heftig litten. Aufhörten die Güter (Erzeugnisse), weil er den Thau zurückhielt, und er versengte die Saaten, weil er die Bewässerung innehielt; der Glaube hingegen nahm an Wachsthum zu, weil er an seinen Tisch die Guten dringend einlud. Sechs Monate und drei Jahre lang ließ der Himmel Asche auf die Erde herabfallen. Die falschen Propheten und Jedermann verhüllten das Haupt und schwiegen. Die Pfaffen Baals waren über die Götzenbilder beschämt, so wie die Wahrsager ihre Wahrsagereien einstellten und die Zanksüchtigen zurechtgewiesen wurden. Zu Schanden wurden die Chaldäer, die sonst Trug erdichteten; denn die sieben Kräfte (Gestirne) konnten durch ihre Aspekten ihren Dienern keinen Thau geben. Beschämt ward auch jener Hermes, den sie den nassen (d. i. Regen spendenden) nennen, weil Ein Mensch den dürstenden quälte.

Beschämung der Jezabel und der Baalspfaffen.

Jezabel ward beschämt, daß an ihrem Tisch ein Kreis von Lügenpropheten gemästet worden war. Die achthundert Propheten Baals waren nicht im Stand aufzulösen, was der Finger dieses Eiferers gebunden hatte. Er hing eine Schlinge um ihren Hals und entzog sich durch die Flucht. Mit seinem Verschwinden täuschte und blendete er auch ihre Augen, die gehalten waren, daß sie ihn nirgends fanden. und ihre Geister wurden ungemein in Vewirrung gebracht. Die Thoren sannen aber darauf, ihre Götzen zu versöhnen. Sie erbitterten aber noch mehr (den wahren Gott), weil sie eine Menge Opfer brachten. In ihrem Irrthume tappten sie an den Wänden (wie Blinde) hin und her und sahen nicht ein, daß nur eine Ursache diese Plage war, nämlich die Anbetung der Götzenbilder, denen die Völker der Erde dienten. Sie schauten auch nicht auf jenen Allerhöchsten, der sie schlug. Überzeugt waren sie aber, daß eine große Macht den Regen zurückhielt; doch vermochten sie nicht zu begreifen, wie und warum dieselbe Dieß geboten, auch ihre Namen und ihr Wesen nicht zu erkennen, wer nämlich und wie beschaffen Derjenige sei, der den Lauf der Zeiten und Jahre zu verwirren vermöge. Da aber Achab an allen Orten durch seine Sucher den Elias aufsuchen ließ, verkündete er die Wahrheit und deckte die Lüge auf, beschämte und demüthigte mit den Ungläubigen auch die Gottlosen.

Widerlegung der Lehre von der Ewigkeit der Materie mit Rücksicht auf die Ketzer Bardesanes, Marcion und Manes.

Von der Behandlung harter Stoffe.

Wenn harte Naturen (Stoffe) zu bearbeiten sind, so werden auch harte (d.i. starke, gewaltig wirkende) Werkzeuge zum Dienste benützt. Durch hartes Eisen und mächtiges Feuer und gewaltigen Wind und durch Geschicklichkeit und Kraft werden sie bewältigt und kommen dann zur Kunstbildung in den Ofen, damit sie zum Gebrauche dienen. Widerspenstige, die sich durch sanfte Behandlung nicht zum Gehen bringen lassen, bewegt man durch Zaum und Joch, daß ihre Unfolgsamkeit zur Ordnung gebracht wird. Empören sie sich noch, so werden sie gezüchtigt; wenn sie aber sich lenken lassen, so tritt liebreiche Behandlung ein. Widersetzen sie sich hartnäckig, so wird ihr Treiber der Stock; wenn sie aber gehorchen, so ist die Liebe ihre Führerin. Zu ihrer Unterwerfung dient das Joch, zu ihrer Züchtigung die Ruthe. Für ihre Störrigkeit gehört Leiden; sie in Ordnung zu bringen ist Kraft nothwendig. Sie zu bereden braucht es Rath, zu ihrer Führung ist Weisheit nöthig, zu ihrer Einigung Liebe, zu ihrer Prüfung eine Laufbahn. Ihrer Eintracht folgt dann Friede, ihrer Besiegung ein Schatz (von Glück und Segen), und ihrem Rathe Ruhm.

Unverbesserliche Charaktere.

Es gibt aber auch Störrige, die jenem Pharao verwandt (ähnlich) sind, der, wenn er geschlagen wurde, sich bekehrte und Buße that; wenn er aber wieder emporkam (frei von Plagen), Alles wieder vergaß und fortfrevelte, indem er das Vorbild der Verkehrten ist. Wenn diese nämlich geehrt werden, wollen sie lästern; durch Schmeichelei werden sie übermüthig und nur durch Strenge in Schranken gehalten. Beträgst du dich demüthig, so halten sie dich für einen Menschen ohne Einsicht; wenn du hingegen mit Kraft auftrittst, betrachten sie dich auch als einen Menschen ohne Verstand. Zeigst du dich liebreich, so verschlingen sie dich, und du wirst unterdrückt; bist du aber bitter, so entziehen sie sich dir, und du wirst verlästert. Mischest du dich (z.B. in Gesellschaften, in die Angelegenheiten Anderer), so halten sie dich für falsch, unzuverlässig, hinterlistig. Wenn sie krank werden, lassen sie dich holen; werden sie dann nicht beachtet, so richten sie dich; besucht man sie aber, so weisen sie dich verächtlich zurück. Wenn sie wieder gesund geworden, so verlassen sie dich und stürzen dich zu Boden, wenn sie einen festen Standpunkt gewonnen haben. Werden sie zur Rechenschaft gezogen, so verfluchen sie dich; behandelt man sie gnädig, so überwältigen sie dich. So gefällt ihnen weder ein gnädiges noch ein gerechtes Verfahren jemals, weil sie von Allem und durch Alles nur schlechter werden.

Gegen die Lehre von der Hyle oder ewigen Materie.

Seht nun, daß alle Söhne des Irrthums Eins sind! Von den Griechen haben sie den einen häßlichen Namen der garstigen Hyle genommen; denn weder Moses hat von ihr im Pentateuche geschrieben, noch haben die Propheten sie bezeichnet. Auch die Apostel machen von ihr keine Erwähnung in ihren Schriften. Ein ewiges Wesen verkündeten alle Söhne der Wahrheit. Dieß sahen und verbanden sich dann mit einander die Söhne der Lüge, die von ihr (der Hyle, Materie) schrieben, sie sei eine ewige Substanz. Marcion nämlich stellte sie in seinen Schriften dem Schöpfer entgegen. Von ihr schrieb auch Bardesanes in der Geschichte vom Werkmeister (der Welt). Manes aber von Babylon hat gedankenlos über sie geschrieben, daß sie gefesselt sei.

Moses‘ Lehre und die Verschwörung der Ketzer dagegen.

Moses‘ Sache war es, das Geheimniß des Heiligthums schriftlich bekannt zu machen; denn der Gerechte (Gott) schämte sich nicht, durch den Mund seiner Herolde die Wahrheit Jenen zu verkünden, die ihn hören wollten. Moses, der Auserwählte, schwieg (von der Materie), um die Verworfenen zu Schanden zu machen, die vom Namen Hyle schrien, gleichwie die Kreuziger, die einstimmig zugleich den Namen Barabbas ausschrieen; denn sie sahen, daß er ein Haupt von Räubern war, und machten sich ihn zum Oberhaupte, damit sie im Stande wären, durch einen Gewaltthätigen den Helden zu ermorden, der ihnen seine Kraft unterwarf. Marcion versammelte seine Wölfe, und sein Genosse seine Füchse. Manes aber seine Schweine, um gegen Denjenigen zu streiten, der durch Davids Hand den Löwen und Bären schlug und erlegte und durch Samsons Hand die Füchse zusammenband, die ein Vorbild ihrer Brüder (d. i. der arglistigen Ketzer) waren, welche die Wahrheit durch ihre (der Ketzer) eigenen Worte fesselt.

Diese Verschwörung unter verschiedenen Bildern dichterisch dargestellt.

Es ward ihnen der Irrthum zum Schlachthorn für die beschnittenen Irrenden. Durch Kriegstrompeten regten sie Alle auf und riefen Grübelei und Streit hervor. Die Distel rief die Dornen zu Hilfe, und der Dorn das Unkraut, und das Gestrüppe die Spreu. Herumziehend bestärkten sie sich gegenseitig und kamen, um mit jenem Feuer des Herrn des Weltalls (der verzehrenden Macht der Wahrheit) sich in Streit einzulassen. Dann verschworen sich mit einander die erbarmungslosen Vipern und die tauben Ottern und die kriechende Schlange und wagten es, in den Stein zu beissen, der das Bild zermalmte, welches der König in Babylon zusammengestellt hatte, mit dem Kopf eines Drachen, den Füßen eines Basilisken und dem Bauch einer Otter. Auch versammelten und verbanden sich Würmer und Raupen und die garstige Motte, um zu kommen und auf die Ferse des Helden zu treten. Diese Ferse aber ist vom Schenkel der Könige des Hauses Davids, die in’s Meer hinabstieg und auf ihm wandelte und den Leviathan zermalmte und siegreich heraufstieg. Der Geier schlug die Flügel, schwang sich empor und gesellte sich zu den Raben, den Kindern der Finsterniß. Der Habicht rief die Nachteule herbei, und damit übereinstimmte der Uhu, um mit jenem himmlischen Adler zu streiten, dessen donnerndes Flügelrauschen den Satan vertrieb und das Paradies öffnete und den Räuber hineinziehen ließ.

Über Adams Fall und Wieder-Erhebung. Von dem Ausdrucke der hl. Schrift: „Es reute Gott.“

Gottes Reue über die Erschaffung des Menschen wegen des Sündenfalls.

„Gott sah Alles, was er gemacht hatte, und sieh‘, es war schön.“ Er lobte die Geschöpfe, daß ihre Schönheit herrlich und glänzend sei; nur über den Menschen steht geschrieben, daß es Gott reute, obgleich er schöner als alle kriechenden Thiere ohne Unterschied war. Adam hatte gesündigt; denn er ward besiegt und zeigte auf dem Wege seiner Bosheit keine Reue. Ihm glich die Schlange; denn sie hatte ihn zur Sünde verleitet und bereute es nicht, bei ihm bewirkt zu haben, daß er erfuhr, er sei ein Bauer geworden.

Erhebung des Menschen durch Gott.

Der Schöpfer erhob ihn aber auch über Alles, weil er Gott geheissen und genannt wurde, und es besteht der Ausspruch über Adam, dass er durch seine Kinder wieder in Ordnung gebracht worden ist. Sieh‘, auch der Erstgeborene (der Eingeborene Sohn Gottes) verkündet laut, dass er aus Liebe die Schafe verlassen habe; und ihn, über den er Reue gehabt, erhebt er herrlich über sie. Den Menschen erkor er sich, damit sie wissen sollten, daß dieser das vollkommene Werkzeug zum Dienste des Erstgebornen sei. Durch unsere Sinne belehrt er uns, durch unsere (geistigen oder Gnaden-)Schätze verleiht er uns das Leben, unser Reisevorrath ist von dem Unsrigen.

Lob und Wirkungen der Reue Gottes. Heilung des Menschen an Leib und Seele.

Preis dem Schöpfer, der in Weisheit Reue (über den gefallenen Menschen) zeigte. Er tadelte sein Werk (die Erschaffung des Menschen) auf sehr kluge Weise, damit Diejenigen beschämt würden, welche Götter verkündeten, die vor demselben keinen Vorzug haben. Sie hörten den Ausdruck von der Reue der Seele und wurden bestürzt und merkten nicht, daß sie den Erstgebornen lästerten. Zeigen wir nun seine Vollkommenheit; schauen wir, ob er uns veränderte Glieder gegeben! Geheilt hat er, aber nicht verändert die Sinn‘ und Glieder, auf daß ihr Schöpfer verherrlicht würde. Und gleichwie er den Leib geheilt und zu seiner Natur zurückgeführt, seine erste Schönheit zurückgefordert und ihm wiedergegeben und ihn neu geschmückt hat, ebenso hat er auch der Seele die Gesundheit, welche sie verloren hatte, wiederhergestellt. Zeugniß dafür geben die Leiber, welche vom Tode erweckt wurden. Wenn er aber das Gebot änderte und sie zu neuem Leben erweckte, wie ein Arzt, der die Arzneien ändert, so sind seine Heilmittel der Schöpfung nicht fremd. Wie ein Arzt alle Mittel anwendet, um zu heilen, so benützt Gott alle Gelegenheiten, das Leben zu verleihen.

Falsche Auffassung des Ausdrucks „es reute Gott“ von Seite der Irrlehrer.

Getäuscht wurden die Lehrer (d. i. die Irrlehrer) durch das Wort: „Es reute ihn.“ Das Wort ist an sich gesund, für die Kranken aber bitter, und sie verwarfen es als schmählich, während es uns über den Menschen belehrte, welch‘ eine hohe Stellung er einnahm. Sieh‘: es beginnt zu überzeugen, daß der Mensch nicht ein Gefäß sei, dessen Werkmeister schwach gewesen; denn es gibt keinen andern Werkmeister, der ihn änderte (d. i. der den gefallenen Menschen wieder hätte herstellen können). Stumm sind die übrigen Kreaturen, der Mensch aber hat die Gabe der Sprache von Natur aus. Die Meere sind nach bestimmten Gränzen ausgedehnt und die Berge festgestellt, der Mensch aber ist Gebieter. Auf verkehrte Weise faßten sie also das Wort (von Gottes Reue) auf, und es ist auch heutzutage noch gebräuchlich und im Gange, daß die Leute zürnend klagen, daß Gott einen solchen hochstellte, den er nicht unterschied (zuvor geprüft).

Zu tadeln sind die Fehlenden, nicht Gott.

Zeuge dafür ist (ihrer Ansicht nach) auch Saul, den zum Könige gemacht zu haben Gott auch bereute. Er verlieh ihm königliche Würde, Saul aber ward lasterhaft. Adams Fall war verborgen, offenbar hingegen jener Sauls. Um die Lästerer zu widerlegen, fing er (Gott nämlich) durch die königliche Würde die Freiheit, die Gebieterin über Alles. „Söhne zog er auf und erhöhte sie,“ sie aber wurden verdorben und lasterhaft. Wen sollen nun die Zuhörer tadeln? Gott, der Ehren verliehen hat, oder Jene, die beschimpft haben? Die Thoren tadelten ihn; er hinwieder züchtigte sie, damit sie zurecht gebracht würden; allein sie tadelten ihn wieder. Wie schrecklich! Denn die Lästerung ist groß. Betrachtet den Streit (gegen Gott), der ohne Furcht und Liebe geführt wird! Auf diese Weise gibt es kein anderes Mittel mehr, den Menschen Barmherzigkeit zu erweisen.

Gegen die Sucht zu forschen.

Es soll ein Vermittler gegen das Forschen sein, und man soll untersuchen, in welcher Hinsicht schwach und mangelhaft ihre (der Menschen) Natur sei. Ist ihre Natur unvollkommen, so ist die Schlange die Uebelthäterin, der Wiederhersteller der Menschen aber ist der Schöpfer allein. Wer rief die Himmel in seiner Weisheit hervor? Und wer machte den Hennoch vollkommen, daß er nicht starb? Ist unsere Menschheit von Natur aus schon unvollkommen (verdorben), so verschloß der Gute seine Thüre und der Gerechte sein Paradies, des Bösen Thüre hingegen steht offen.

Gegen die Ketzereien im Allgemeinen gerichtet. Heimtücke und Ruhmsucht der Häretiker; Offenheit der katholischen Kirche und Bescheidenheit ihrer Lehrer

Bescheidenheit der Apostel; Falschheit der Irrlehrer.

Die zwölf Apostel waren die Anbauer des ganzen Erdreises, allein kein Ort oder keine Weltgegend wurde nach ihrem Namen benannt, bis allerlei Unkraut zum Vorschein kam, nachdem die Anbauer gestorben waren, und die Unkrautarten den Weizen mit ihren Namen benannten. Am Tage der Ernte sind sie auszurotten. Gepriesen sei Er, dessen Ernte naht! — Sie selbst (die Ketzer) haben mich gelehrt, sie zu hassen; denn die geheimen Schriften, welche sie geschrieben haben, verbergen sie, wie ein seinen Schandfleck verbergender Mensch, damit sie nicht öffentlich zu Schanden werden. Die Kirche zeigt ihre Herrlichkeit, offen erwirbt ihre Schönheit sich Ruhm. Sie hat keinen Flecken, den sie verhüllen, keine Makel, die sie verbergen müßte. Denn gleich einem Lichte strahlt offen ihre Lehre. Preis sei dem Vater der Lichter, der sie durch seine Wahrheit erleuchtete!

Joabs Beispiel, wie man nicht seine eigne Ehre suchen soll. Beispiel der Propheten und Apostel. Ruhmsucht der Ketzer.

Joab hatte eine Stadt erobert, welche die Residenzstadt des Königreichs war. Damit sie aber nicht nach seinem Namen genannt würde, daß nämlich Joab der Heerführer sie bezwungen habe, schickte er zu David, der dann sich eilends aufmachte, auf daß er als König einziehen könnte und als Derjenige genannt würde, der sie eroberte. Joab mühte sich als Diener ab, genannt ward aber der Name des Königs (als der des Bezwingers der Stadt). Dir sei Verherrlichung, o Herr, von den Wahren! Die Apostel und Propheten, welche Große und Heerführer waren, mühten sich ab und arbeiteten angestrengt, bildeten Schüler und lehrten und unterwarfen; genannt aber wird der Name Gottes. Unser Herr arbeitete und mühte sich ab und lehrte, und – genannt wird der Name von Betrügern, so daß Menschen nach dem Namen derselben benannt werden. Gepriesen sei Derjenige, durch dessen Namen sie öffentlich zu Schanden gemacht werden!

on Bardesanes insbesondere.

Man frage die Anhänger des Bardesanes, wie und warum sie nach dem Namen des Bardesanes benannt wurden, und was denn die Veranlassung dieser Benennung sei, ob sie etwa von ihm abstammen, wie die Hebräer von Heber? Wenn sie aber als Schüler von ihm unterrichtet sind, so beweist die Benennung mit seinem Namen schon, daß er eine böse Lehre zusammengestellt habe. Gepriesen sei Jener, der ihre Betrügereien aufgedeckt hat! Nicht Jeder aber, welcher Schüler unterweist, nennt seine Schüler nach seinem Namen. Der Apostel unterrichtete die Völker, nannte jedoch Niemand nach seinem Namen. In dem Namen, in welchem er sie unterwies, eben in diesem taufte er sie auch. In welchem Namen er sie taufte, eben denselben lehrte er sie anbeten; diesem Namen theilte er Alles zu. Preis sei Demjenigen, dessen Namen Alles gebührt!

Böses Beispiel eines heuchlerischen Irrlehrers.

Unter den Griechen stand ein Dämon auf, welcher, nachdem er Alles einzeln zu überdenken angefangen hatte, das ihm schön und passend Scheinende nachäffte. Auch heut zu Tage noch verführte er auf verschiedene Weise einfältige Personen weiblichen Geschlechts. Die eine fing er durch Fasten, eine andere durch Bußsäcke und Hülsenfrüchte. Manche nahm er durch Reden ein. Gepriesen sei, der seine Ränke zu nichte machte! Der häßliche Betrug kann nämlich ohne die Wahrheit sich nicht herausputzen, noch kann die Lüge wandeln, außer den Fußtapfen der Wahrheit nach. Durch ihre (der Wahrheit stückweise entlehnte) Schönheit verlobten sie die Verlobte (Braut), und Dieß beweist, daß sie (an sich, ohne die der Wahrheit entlehnten Lappen) selbst häßlich sind. Nachdem sie dieselbe sich verlobt hatten, nahmen sie sie, und Dieß beweist, daß sie arglistig sind. Wer soll daher vor ihnen nicht fliehen? Preis sei Demjenigen, zu dem Alles seine Zuflucht nimmt!

Warnung vor den Ketzern.

Enthüllen wir nun diese ausgespannten Hüllen (oder Schlingen, Ränke der Ketzer), daß auch die Gehörlosen davon hören! Dich mache ich zum Schiedsrichter, wähle du selbst, o Zuhörer! Was ist größer und herrlicher? Daß du ein Christusjünger heissest oder ein Marcionit? Daß man dich einen Christen nenne oder ein Daizonitisches Unkraut? Gepriesen sei Jener, nach dem sich Alles sehnt! Bevor noch Bardesanes war und Marcion genannt ward, lasset uns zu den Frühern gehen, die älter sind als Marcion, und sehen wir, wie die ersten Kirchen genannt wurden, und mit diesem Namen wollen wir genannt werden und die Benennungen mit später aufgekommenen Namen auszieh’n und wegwerfen! Preis sei Demjenigen, der durch seine Namen fortgepflanzt wurde!

Das hohe Alterthum der katholischen Kirche gegenüber den Neuerungen der Ketzer. Entstellung der hl. Schrift durch dieselben, ihre Eifersucht und Tücke.

Haß der Ketzer gegen die hl. Schrift.

Die Glaubensverläugner erfrechten sich, die hl. Schriften zu vertilgen, damit sie nicht widerlegt werden könnten; allein durch die eine, welche sie gelassen, wurden sie auf die Probe gestellt (überwiesen). Diese genügt und zwar sehr. Unser Herr erhielt sie in seiner Bibel, und sie (die Ketzer) vertilgten sie nicht wie die übrigen. Vielleicht, daß sie jetzt dieselbe ausmerzen. Unser Herr wird (oder möge) sie und auch mich bewahren, daß ich dazu nicht Veranlassung werde. Gepriesen sei Er, der meinen Glauben bewahrt!

Bescheidenheit der Apostel. Ehrsucht der Häretiker. Christus lehrt Demuth.

Gebietend warnte der Wahrhafte: „Nennet Niemanden Rabbi (Meister, Lehrer) auf Erden!“ Der Apostel (Paulus), der Dieß befürchtete, beeilte sich, die Schafe ja nicht nach seinem Namen benennen zu lassen. Wovor der Apostel sich fürchtete, dazu drängt sich bis zum Ersticken die Unkrautmasse. Die Veranlassung dazu ist das Streben nach Vorrang. Jedermann streitet nämlich darum in die Wette, wer auf diesem Throne sitze. Gepriesen sei Jener, dessen Kreuz uns verachten lehrte! Der Meister verweigerte in seiner Allwissenheit den Söhnen des Zebedäus die Throne, damit wir nicht verkehrter Weise diesen Grund (zum Streben nach Vorrang) davon hernähmen. Auf schonende Weise leitete er sie durch seine Fragen vom Streben nach Hoheit zur Demuth an, um in ihnen unsern Hochmuth zurecht zu weisen. Anstatt der Verherrlichung gab er das Leiden als Zurechtweisung unsers Stolzes. Preis sei dem Erhabenen, der bei dem Gerichtsstuhle (vor Kaiphas und Pilatus) stand!

Treue der Apostel, Betrügerei der Irrlehrer.

O der treuen Brautwerber, die sich dem Bräutigam nicht entgegen stellten, wenn eine Heerde sagte: „Ich bin des Petrus oder des Paulus oder des Apollo.“ O der Heerde, die sich selbst mit dem Namen von ihres Gleichen bezeichnete! Die guten Knechte (die rechten Glaubensprediger) fürchteten sich und entzogen der Heerde ihre Namen und bezeichneten dieselbe mit dem Merkmale ihres (d. i. der Heerde) Herrn (Christus). Gepriesen sei, der sie (nämlich die Heerde) durch seine Apostel bezeichnete! Die falschen Lehrer aber gleichen betrügerischen Brautwerbern; denn sie waren gesandt als treue (wahrhafte) und wandelten sich in Verstellte um, indem sie um die Bräute Christi für sich warben. Sie ahmten die Schönheit des Bräutigams nach, um die Braut durch seine Schönheit einzunehmen. Mit ihm selbst bewaffneten sie sich gegen ihn. Preis Ihm, durch dessen Prüfungsofen sie aufgedeckt wurden!

Beispiel des hl. Johannes des Täufers. Häßliches Betragen der Häresiarchen. Preis des Erlösers.

Johannes, der Brautführer zeigte, da er bei der Braut seines Herrn bemerkte, daß sie ihn für ihren Herrn ansah, als Diener, daß er nur Diener sei. Er machte seine sterbliche Natur bekannt, offenbarte seine niedere Stufe. Herrlichkeit und Niedrigkeit zeigte er ihr, daß er nämlich nicht einmal würdig sei, den Schuhriemen des Bräutigams aufzulösen. Gepriesen sei Jener, der ihn lehrte, sie (die Braut, Kirche) zu überzeugen. Die falschen Lehrer aber boten ihr nur eine falsche Schönheit dar, die Spitzfindigkeit ihrer Worte. Wer nämlich die Verlobte seines erhabnen Herrn verführen will, putzt und schmückt sich. Sie (die Irrlehrer) sind aber häßlich, so sehr sie sich herausputzen; denn die Verdemüthigung Jesu ist herrlicher als die Schönheit der Geschöpfe. Preis Ihm, dessen Schmach sogar Lob ist! Seine Erhabenheit sahen die Griechen und Perser und Ägyptier. Da verläugnete ihr Mund ihre Götzen und die Namen ihrer Götter. Die Verdorbenen änderten reuig ihren Sinn und entsagten den Namen ihrer Meister und bekannten ihren Glauben an den Lehrer der Wahrheit. Das Unkraut aber (die Abgefallenen) nennt sich nach den Namen von Menschen (Arius z. B., Nestorius u. s. f.). die in Irrthum gefallen waren. Gepriesen sei, der die Irrenden wieder zurückführt!

Das Gefährliche der Ketzer.

Die Braut des Sohnes schändeten sie (die Urheber von Ketzereien) unter den Griechen, weil auch ihre Jünger nach dem Namen ihrer Lehrer benannt wurden. So nahm die Verlobte, deren Liebe ausschweifend war, die Namen eines Knechtes an. Da entbrannte eifernd der mächtige Verlober, daß sie nicht völlig ausschweife und verdorben würde, und tilgte die Namen weg. Gepriesen sei Er, der Eiferer (apostolische Männer als eifrige Vertheidiger) gab! Wäre heut zu Tage der Apostel (Paulus) noch leiblich gegenwärtig, so würde er das Andenken der Betrüger wie Amaleks vertilgen. Wenn er nämlich nicht einmal zugab, daß der Name Simons (Petrus) der Heerde beigelegt wurde, um wie viel mehr hätte er die Namen der Diebe ausgerottet, welche sie (die Heerde nämlich) trennten, wegführten und nach ihren Namen benannten! Preis sei Ihm, der sie (die Kirche) an seinen anbetungswürdigen Namen fesselte!

Sie wünschen selbst ihre Namen zu verdecken.

Marcion, der zuerst Lästerungen aussprach, war nicht im Stande, seinem Namen zu entgehen. Der Name ging von seiner Spaltung aus, die Benennung von seiner Trennung. Selbst ein Dieb will nicht, daß man ihn nach seinem Handwerke benenne; er wird aber doch nothwendig so nach seiner Handlungsweise genannt. Die Thaten erwerben uns die Namen. Gepriesen sei Er, mit dessen Namen wir bekleidet sind! Die heilige Kirche aber flieht vor den Namen von Menschen, meine Brüder, so daß die Sabellianer und Arianer mit den Übrigen, die sich getrennt, weil sie nicht nach den Namen ihrer Meister genannt werden wollen, sich vor ihr schön zu machen arglistig versuchen, weil sie bemerkten, wo ihre (der Kirche) Liebe sei, daß sie nämlich ganz nur Christo anhange. Gepriesen sei der Name, an den sie gebunden ist! Lesen sie (die Irrlehrer) denn nicht im Apostel (Paulus), der Jenen tadelt, welcher sagt: „Ich bin des Kephas“ und den Andern, der sagt: „Ich bin des Paulus und Apollo.“ O, des großen Jammers, meine Brüder! Denn uns’re Genossen erfrechten sich, ihre Namen der Heerde beizulegen, und die Nennenden errötheten nicht, und die Hörenden fühlten keine Beschämung darüber, daß sie nach dem Namen eines Menschen genannt wurden. Gelobt sei jener Name, nach dem wir benannt sind!

Kennzeichen der wahren Lehre.

Kommt, schauen wir, bei wem die Lehre der Apostel ist, welche die Verlobte des Sohnes nicht nach ihren Namen nannten! Die Lehre eines Lehrers also, welcher der Heerde seinen Namen beilegt, ist fern von jener der Apostel. Wer sie aber nach dem Namen seines Herrn benennt, bei dem findet sich die Wahrheit erhalten. Gepriesen sei Jener, der da geoffenbart hat, bei wem sie sich befinde! Auch bei den griechischen Weisen wurden und werden noch ihre Schüler nach dem Namen eines Jeden benannt, meine Geliebten! Menschen unterwarfen sich einander und ließen sich nach ihren Namen nennen, und gegen den Namen des Herrn und Gottes empören sich stolz die Glaubensläugner, die ihren Namen der Menschheit beigelegt haben. Preis sei Demjenigen, der uns seinen Namen beigelegt hat!

Abscheulichkeit der Ketzer-Namen.

Eine garstige Sekte (wörtlich Lehre) haben sie nach dem abscheulichen Hunde benannt, und die Wahnwitzigen schämten sich nicht, nach dem Namen des Hundes benannt zu werden, wie auch die Udäer des Namens der Nachteule sich nicht schämten, noch die Arianer und Kukiten ihrer Namen. Auch ihre Namen sind, meine Geliebten, alle der eine abscheulicher als der andere. Gepriesen sei der Name womit wir geziert sind. Den Namen von Wölfen haben sie den Lämmern beigelegt und die Tauben mit dem Namen von Habichten bekleidet. Sie ließen den schönen Namen des Weizens fahren und benannten sich mit dem Namen von Dornen. Der Apostel schalt die Korinther, daß sie, da ihr Herr für sie gekreuzigt worden, nach den Namen von Dienern sich nannten, der ausgezeichneten Männer Kephas und Paulus. Um wie viel beleidigender handelten die Irrenden, die sich nach den Namen von Abtrünnigen nannten! Gepriesen sei der Name, den wir bekennen! Viele Christus werden verkündet: einer, der in den Tagen des Manes erschien, ein anderer in den Tagen des Bardesanes, und zu Marcions Zeit wieder ein anderer. Ein anderer Christus aber ist der, welcher in den Tagen der Apostel erschienen war. Mehr Christus nun sind mit einander im Widerspruche, und ist nur einer unter ihnen vertheilt, so streitet er in ihrem Munde mit sich selbst. Preis sei jenem (dem echten und wahren) Christus, der mit sich selbst Eins ist!

Abscheulichkeit der Zeit des Auftretens von Irrlehren.

Auch die Zeit, worin dieß verschiedene Unkraut (der Irrlehren) entsproßte, ist eine abscheuliche, meine Brüder! Verwirrt sind nämlich ihre (der Ketzer) Zeiten, und fremdartig ihre Lehren. Wenn sie aber (wie sie vorgeben) dieselben von den Aposteln erhalten haben, wer erhielt sie denn von ihnen? Arius, der heut zu Tag erst erschien? Oder Manes, der gestern zum Vorschein kam? O der Heuschreckenbrut, welche die Erde ausspie! Gepriesen sei, der da lacht im Himmel! Die Apostel predigten Jahre lang, dann Andere (apostolische Männer) nach ihnen, und da war noch kein Unkraut. Diese aber (die Irrlehrer), die nachher aufstanden, mögen uns sagen, nach wessen Namen ihre Lehre benannt ward. Die erste, welche Petrus lehrte, wurde nicht nach dem Namen Kephas benannt. Zeugen sind auch Paulus und Apollo. Preis sei Jenem, durch dessen Zeugen sie widerlegt werden!

Stiftung und Erhaltung der wahren Kirche.

Die Kirche der Völker bestand, und dann ward der Tempel des Volkes zerstört, und nachdem der Herr denselben von Grund aus vernichtet hatte, ward dort eine Kirche erbaut. Marcion diente in derselben nicht; denn man wußte von ihm noch Nichts. Auch Arius betrat sie nicht, sowie weder Manes noch Bardesanes. Die Propheten überlieferten (die Offenbarung) den Aposteln. Gepriesen sei der Herr der Anordnungen! Er pflanzte sie von Adam auf Noe fort, verbreitete sie von Noe auf Abraham, und von Abraham auf Moses, und von Moses auf David, und von David bis auf die Gefangenschaft, und von Babylon bis auf unsern Erlöser. Das Volk ward zerstreut, und es endete und vernichtete alle seine Überlieferungen. Aufhörte zwar auch die Hand der Apostel; Preis sei aber dem, welcher ihre Überlieferungen bewahrte! Der den Befehl zur Erbauung der Arche gab, eben Derselbe baute auch den Tempel des Volkes, und der Dieß alles gethan, stellte ebenfalls die hl. Kirche fest. Der die Fortpflanzungen der Wesen und Geschöpfe ordnet, ist auch der Anordner der Überlieferungen der Propheten und Apostel (der kirchlichen Nachfolge) von Geschlecht auf Geschlecht. Gepriesen sei Er, der den Anfang machte und vollendet!

Von Gottes Anstalten zur Fortpflanzung und Haltung der wahren Religion unter dem Bilde des einzig rechten Weges.— Vorbilder des allen Testaments. Beweis gegen die Juden, daß der verheissene Messias wirklich erschienen ist.

Der Weg des Lebens.

Gehen wir jetzt an die Widerlegung Derjenigen, welche sich verirrten und auf den Pfaden des Truges wandeln! Uns gibt nämlich der Weg des Lebens Zeugniß; denn die Gesandten des Friedens bahnten ihn, und die Weisen des Geistes zeigten ihn an. Wohl abwägend legten sie ihn an einem ebenen Platze an, und die Propheten und Apostel führten ihn weiter. Darauf befinden sich Meilenzeiger, welche die Wahrheit festgestellt hat, auch Herbergen, welche die Liebe errichtete. Wir aber, meine Brüder, wollen ihm nachgeh’n! Schickte ja der Vater seinen Sohn auf ihm.

Ermunterung ihn zu wandeln.

Laßt uns alle den Weg des Königs wandeln, damit alle zum Sohne des Königs hingelangen! Dieß ist nämlich der Weg, den das Heer des Königs1 vor dem Könige her zu bahnen ausgezogen ist, damit darauf der Königssohn in feierlichem Triumph einherziehe, um in die Residenzstadt zu kommen; denn auf diesem, dem herrlichen Wege Davids, ward er (der Messias als König) eingesetzt und angeordnet.

Der Messias als König; Moses als Weg-Bahner.

Als König kleidete er sich, da er verspottet ward; er wand sich die Krone um, da er verhöhnt wurde; dann stieg er empor und trug sie auf Golgatha. Er vollendete den Weg seiner Propheten und bahnte ihn hinwieder seinen Aposteln. Wandeln wir insgesammt auf dem Wege des Sohns, daß wir hingehen und die Herrlichkeit des Vaters schauen! Im Pentateuche bahnte Moses den Weg der geheimnißvollen Vorbilder vor dem Volke, das auf jedem Wege herumirrte. Unser Herr aber hat in seinem Testamente den Völkern, die zum Wege des Lebens kamen, den Pfad der Wahrheit vollkommen aufgestellt. Alle Vorbilder zogen also auf jenem Wege einher, welchen Moses anbahnte; in Erfüllung gingen sie aber auf dem Wege des Sohn’s. Unser Geist sei daher ein ebenes Land für jenen Weg. Anstatt der Länder seien die Seelen. Wandeln wir, meine Brüder, den Weg des Lebens!

Selbstverdammung der verstockten Juden.

Der Mund der Ungläubigen (der Juden) verdammt sie selbst, ohne daß sie es gewahr werden. Von Johannes (dem Täufer) nämlich bekennen sie, daß er gekommen sei. Schauen wir aber nun, ob es nicht Ordnung sei, daß die Gesandten vor dem Könige aufhören und verschwinden, wenn der König selbst gekommen ist! Den Johannes, welcher der letzte und das Ende der Propheten ist, sah Simon, das Haupt der Jünger. So stand unser Herr in der Mitte zwischen den Ersten und Letzten (den Propheten und Aposteln). Es schwiegen die Posaunen der Prophezeiung; dafür dröhnten aber die Trompeten des Apostolats. Vor dem kommenden Messias kam Johannes zu den Juden, um nach ihrem eigenen Geständniß (den Weg) zu bereiten. Wenn einmal die große königliche Heerstraße bereitet wird, meine Geliebten, so nimmt Jeder daraus ab, daß der König im Anzug ist. Seht: dreihundert Jahre sind es schon, seitdem Johannes den Weg bereitet hat, und wo ist der König, ihr Ungläubigen? Offenbar ist es auf unbestreitbare Weise, daß jene Vorbereitung des Johannes dem Königssohne voranging, der ihm auf der Stelle nachfolgte. Weil er gekommen war, verstummten die Herolde.

Alttestamentliche Vorbilder Christi.

Dieß ist der Weg, auf welchem Abel und Henoch und Noe und Abraham wandelten, Moses auch und Josue und Samuel, David und sein Nachkomme Joseph (der hl. Nährvater Christi) mit Vielen, die dazwischen waren. Siehe da eine Kette der Kinder des Lichts! Ja, selbst Ungläubige gestanden, daß unser Herr nach Sion als unser Herr nach seinen Dienern gekommen ist. Der Weg beweist überzeugend, daß er als König nach seiner Heeresmacht aufbrach und auszog. Indem sie durch Tücke ihn aus dem Wege räumten, beschloßen sie den Weg durch den Herrn des Weges (durch den Tod Jesu). Wer immer vorgibt, ein Gesandter (Christi) zu sein, aber vom Wege des Königs flieht, der ist ein Dieb an der Seite des Wegs; denn auch die Räuber kommen nahe an die Straße, um dort über die Handelsleute herzufallen. Wenn aber Jemand den Pfad anzugeben weiß und ihren Spuren nachgeht, so werden sie bei der Dieberei ertappt.

Untersuchung des Irrthums.

Gehen auch wir aus und forschen nach auf dem Pfade des Irrthums der Glaubensläugner! Untersucht ihre Reden und Nachstellungen, und entreißt die Schafe, welche sie weggerissen und gestohlen haben. Der arglistige und verkehrte Irrthum bahnte nämlich verstohlene Wege, meine Brüder, links vom Wege des Lebens, und seht: seine Führer auf seinen Pfaden sind mit der alten Schlange verwandt, der verkehrten Wegweiserin, welche die Gutgesinnten verführte. Der Schlange Rath ist häßlich wie sie selbst. Ihren Fußtapfen nachfolgend zogen die Irrlehren aus, die den Weg verkehrt haben, und die abscheulichen Verhüllungen ihrer Mysterien gewinnen jeden Einfältigen, und jeden Geradgesinnten machen sie zu ihrem Jünger und verkehren ihn, daß er für ihre Pfade paßt. So ward der Weg des Abfalls für den rechten Weg gehalten, weil mit ihm Pfade des Trugs in Verbindung standen. Die Sünde säete nämlich auf dem Wege des Lebens Spuren des Todes, um die Kinder des Lichtes in Verwirrung zu bringen. Sie machte den Betrug ähnlich der Wahrheit, damit entweder die Wahrheit falsch angesehen oder der Betrug geglaubt werde.

Ermahnung, den rechten Weg zu geh’n.

Du wandle auf dem rechten Wege und sei verständig und Präge die Schönheiten desselben deinem Geiste ein, daß dir nicht die verfluchte Schlange begegne und dich auf den garstigen Weg ablenke und dahinwerfe! Der Erstgeborne (Christus), der auf dem Wasser wandelte und seinem Jünger den Weg bahnte, zeigte Vorbilder auf den Fluten, und es entstanden Gleichnisse zwischen den Wogen. Auf den Gewässern bahnte er einen Pfad und prägte Zeichen des Festlands auf dem Meere ein. So nämlich bahnte er seinen Aposteln die Wege des Predigtamtes in der Welt, die dem Meere vergleichbar ist.

O Stimme, welche die Fluten schalt und einen Pfad auf den Gewässern ebnete, schilt die Streitigkeiten (über Glaubenslehren) gleich den Wogen und ebne deinem Diener den Weg der Wahrheit!

Lehren aus den biblischen Ausdrücken von Gottes Reue und Betrübniß. Wie unergründlich Gottes Wesen sei.

Über die Ausdrücke der hl. Schrift von Gottes Betrübniß und Reue.

Unser Schöpfer hüllte sich manchmal in Formen der Betrübniß, um seinen Geschöpfen einige Begriffe seiner Barmherzigkeit mitzutheilen. Während er an sich ohne Sorge (oder Kummer) ist, trägt er doch in seiner Liebe Sorge, damit wir seine Güte bemerken sollen. Wer immer sich über Etwas betrübt, dessen Sorge verkündet seine Liebe. So offenbarte das Weinen unsers Heilands seine Liebe, zu Lazarus. Wenn es einen andern Gott gäbe, — doch fern sei es, daß es einen gibt, — so würde derselbe sich wohl in Acht nehmen, über seine verdorbenen Kinder sich zu betrüben; wenn er sich nämlich betrübte, so wäre er Jenem gleich, von dem geschrieben steht, daß es ihn reute. Wenn aber jener erbarmungslose Gott über unser Leiden sich nicht betrübt, so nimm denn deine Zuflucht zu unserm Gotte, der Betrübniß zeigte, um uns den Werth seiner Erbarmung zu lehren!

Von der Stelle: „Betrübt den hl. Geist nicht!“

Der Apostel sagt: „Betrübet den hl. Geist nicht!“ Er mußte mit ihnen verkehrt sich ausdrücken, damit sie auf dem rechten Weg‘ erhalten würden. Fragen wir nun die Irrenden, was der Apostel den Zuhörern sagen wollte! Hat er uns eine Unvollkommenheit des hl. Geistes gezeigt, oder suchte er nur eine Warnung zu geben? War nicht Warnung die Veranlassung dazu, so hätte er uns Wirklich eine Schwäche des hl. Geistes gezeigt; denn nicht gesund und rein ist ein Wesen, das einer Unvollkommenheit fähig ist. Wie wäre auch ein Wesen rein, das durch Betrübniß beunruhigt wird?

Erklärung derselben.

Was sollen wir also untersuchen? Die Natur oder die Liebe des hl. Geistes? – Suchen wir darin. was seine Natur betrifft, so wird sie hier wirklich schwach gefunden; suchen wir aber darin die Eigenschaften seiner Liebe, so ist sie als sehr groß dargestellt, weil er durch seine Erniedrigung uns hochgeehrt hat: denn er hat seine reine und heilige Natur (als betrübbar oder unvollkommen) angeklagt. Da sie nämlich durch Betrübniß gar nicht beunruhigt werden kann, schrieb er an die Sterblichen, daß sie Ihn nicht betrüben möchten, um durch sein kluges Mittel zu versteh’n zu geben, daß er, was er sich beilegte, in seiner Huld auf uns ergießen wollte: denn durch die Leiden, die nicht in seiner Natur liegen, verhinderte er die Schulden, die in unserer Natur liegen.

Gott über jeden Tadel erhaben.

Wer unwissend ist, findet in Allem eine Veranlassung zu tadeln. Bei Gott aber kann nichts Tadelnswürdiges stattfinden. Er ist nämlich hocherhaben. seine Liebe aber erniedrigt ihn, und unsertwegen wird er klein, weil er mit uns und uns angemessen redete. Da wähnt dann ein Thor, daß Gott wirklich so sei, und tadelt die Bilder und Anordnungen, die voll der Heilmittel sind.

Gottes Wesen unergründlich.

Wer ist wohl im Stande, das Wesen der Gottheit zu ergründen? Wer vermag den Herrn der Herrschaft und der Herrscher zu ermessen? Wer ist fähig, die Tiefe der Majestät zu erforschen, und begreift untersuchend ihre Geheimnisse? Lässest du dich, o Staub, anlocken, in dieß gewaltige Meer hinabzusteigen, weil seine Wogen schön und anziehend sind, so reissen sie dich in die Tiefe. Gelüstet es dich nämlich, dieß Meer zu untersuchen, und nahest du dich auch nur einer kleinen Welle, so wird diese dich in eine größere stürzen, ja, alle Wogen mit einander werden dich versenken: denn dieses Meer ist ganz in sich vereint, verbunden, und gleich in Wesen und Einheit. Wenn du zu seiner äußern Woge nahe kommst, so schleudert sie dich in die innere Tiefe. Bereitest du dir aber ein Schiff zum Handel und gehst du zum Gewinne und nicht zur Grübelei auf’s Meer (es ist ein vernünftiges Meer, bereichert die Handelsleute und ersäuft die vermessenen Forscher), dann wirst du hundertfältigen Gewinn machen; denn seine Wogen werden dir wie führende Seeleute sein, alle Schätze wird es tragen, und es wird dich geleiten und am Ende in seinen Hafen führen.

Von den Anthropomorphismen Gottes in der hl. Schrift; seine Herablassung zu unserm Heile. Wohlthaten der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Undankbarkeit der Juden und Ketzer.

Erklärung des Ausdruckes: Schlafen von Gott und dem Erlöser. Haß der Juden und Grübler gegen Jesus.

Verhaßt ist den Irrenden die Veranlassung von Heilmitteln, daß nämlich geschrieben steht: „Gott erwachte wie ein Schlafender.“ Der Ewig-Wache schlief und lehrte dadurch, daß die Schulden der Menschheit ihn zu unser’m Heile eingeschläfert haben. Auch unser Herr schlief, wie geschrieben steht, im Schiffe. Er schlief, damit das Gebet ihn erwecke, auf daß er zeige, das Gebet vermöge in aller Noth Rettung zu erwecken. Wenn die Irrenden unser’n Erschaffer schon deßwegen haßten, weil er in allen Formen klein ward, um durch alle Mittel Leben zu spenden, so mußten sie den Erstgebornen noch mehr hassen, und sie haßten ihn auch auf allen Seiten als Aufreger der Geister, nahmen ihn gefangen, tödteten und begruben ihn. Wenn aber diese, die so böse waren, nicht forschten, zeigten die andern ihre Raserei, indem sie über Den forschten, der auf jede Weise sich in der Menschheit abmüdete, da er kein Mittel und keine Arznei unangewendet ließ, um nicht sich selbst den Vorwurf machen zu dürfen, es wäre noch ein anderes Mittel gewesen, und er habe es unterdrückt und nicht angewendet.

Gottes unermüdete Bereitwillligkeit zu helfen.

Er verachtete die Tadlungen der Sünde, um die Heilmittel der Gerechtigkeit uns zu verleihen. Er setze sich nämlich über jeden Vorwurf hinaus, nur damit seine eigene Gerechtigkeit ihn nicht tadle. Er zeigte, daß seine Macht nie überdrüssig werde uns zu helfen; er gab zu erkennen, daß seine Liebe unser’n Ruhm nicht mißgönne. Er lehrte, daß er selbst über die Beschimpfung sich nicht schämte, um zur Hilfe zu nahen. Wenn ein Hilfsmittel gewesen wäre, und unser Schöpfer hätte sich dazu nicht bequemt, so hätte ihn als Ursache (es nicht anzuwenden) Dieß genöthigt, daß er entweder träg oder furchtsam oder neidisch oder schwach ist; denn wer verlornen Bedrängten, die um Hilfe bitten, nicht zu Hilfe kommt, ist entweder neidisch oder furchtsam oder träg. Da es aber bekannt war, daß das unwandelbare Wesen ferne von Schwächen sei, fürchtete deßwegen Gott sich nicht, sich Reue beizulegen, scheute sich nicht, wie ein Eifernder zu sein, schämte deßhalb sich auch gar nicht, dem Schlafe sich hinzugeben und selbst Opfer zu verlangen. Er ließ kein Mittel zur Heilung der Freiheit unversucht, welcher er Vollmacht gegeben, so daß ein Tadler nur seinen Wahnsinn zeigte, der Erbarmer aber seine Güte bewies.

Sendung und Leiden des Sohnes Gottes.

Dieß hatte er in Bildern zum Nutzen (der Menschen) gethan, hernach aber that er es in Wahrheit zum Heile, sandte seinen Geliebten, und dieser kam zur Geburt, zur Beschimpfung und Kreuzigung, auf daß ihm seine Gerechtigkeit nicht vorwerfen möchte, er hätte durch die Geburt heilen können und habe nicht geheilt, und daß seine Güte ihn nicht richte, er hätte durch das Kreuz das Leben verleihen können und habe es nicht gegeben. Der Erstgeborne nahte sich und bot seine Wangen Faustschlägen dar. Wer nun tadelnd fragt, weßwegen er herabkam und sich schlagen ließ, mit dem wird der Gerechte rechten: „Für dich ward ich geschlagen, damit du durch meine Beschimpfung geehrt werdest.“ Er wurde für Diejenigen, die seine Geburt und seinen Tod tadeln, geboren und gekreuzigt. Wo sollen nun wohl die Tadler gefunden werden? Der Tadel kehrt ja auf sie zurück.

Ursache der Herablassung Jesu.

Wer die Majestät (Gottes) tadelnd fragt, wozu sie klein geworden, wird von ihr zurechtgewiesen, daß sie klein geworden, um ihn groß zu machen. Wer ihre Erniedrigung tadelt, wird von ihr mit Tadel belehrt, daß sie sich erniedrigt habe, um ihn zu erhöhen. Wenn du über deinen Herrn scheltend oder tadelnd dich aussprichst, so liegt die Anklage gegen dich klar und offen da: Wie magst du Jenen tadeln, der aus Liebe zu dir zu einem (anscheinend) tadelnswürdigen Werke kam? Sehr tadelnswerth ist es, daß deine Krankheit die Nothwendigkeit herbeiführte, daß die (göttliche oder höchste) Majestät durch eine Menge von Heilmitteln dir das Leben wieder gab. Weil du ein Kind warst, wurde sie gleichsam eine Säugamme, um dir Milch zu reichen. Weil sie sah, daß dein Körper durch Schmutz verunreinigt war, wurde sie zur Quelle der Reinigung. Schilt also die lautre Quelle, die durch deinen Schmutz getrübt ward, da sie (an sich) rein ist!

Undank der Ungläubigen.

Wie kann wohl ein Leidender, der geheilt wird, Eckel haben vor dem reinen Arzte, der seinem eiternden Geschwüre naht? Die Verwundeten (durch die Sünde) erblickten diesen Arzt, der voll ihres Eiters war, und bebten vor ihm zurück. Die Beulen der Ungläubigen empfanden Abscheu vor ihm. Weil der Barmherzige sich näherte und sie (die Beulen) heilte, schauderten sie (die Kranken) vor seiner Reinigkeit zurück, die voll Fäulniß ihrer Leiden war. Anstatt jenem glorreichen Arzte zu danken, der unser’m eitervollen Zustande nahte und unsere Wunden heilte, und anstatt seine Hände zu küssen, welche vom Unflathe unserer stinkenden Fäulniß besudelt wurden, schauderten die Verwundeten vor der Arznei des Lebens zurück, die mit dem Blute ihrer schmerzlichen Leiden verunreingt war, und während für sie (die Arznei) jede Danksagung zu gering war, begegneten die Ungerechten ihr mit Anklagen.

Vertheidigung der Herablassung Gottes zu unserer Schwachheit. Seine Erhabenheit über Lob und Tadel. Harmonie des alten und neuen Bundes. Gegen die Marcioniten und Doketen.

Von den ungerechten Vorwürfen gegen Gottes Handlungsweise.

Schaue, mein Sohn, auf Gott, wie er dasteht in der Mitte zwischen Vorwürfen von unserer Seite sowohl als auch von seiner Seite. Es tadeln ihn nämlich die Bösen, daß er klein geworden und sich erniedrigt und seinen Geschöpfen Hilfe geleistet hat. Wenn er aber nicht klein geworden wäre und nicht geholfen hätte, so würde er, der Gerechte, sich selbst Vorwürfe gemacht haben, daß er wegen der Beschimpfung von Seite Elender sich gescheut und gefürchtet habe, seinen Geschöpfen Hilfe zu bringen. Welcher Tadel fällt dem Gerechten wohl schwerer: daß ihn der Böse und Ungerechte grundlos tadle, oder jener Tadel, daß er selbst, wenn sonst kein Tadler sich fände, sich tadelte? Wenn nämlich der Böse die Güter tadelt, beraubt er sich ja selbst derselben; wem aber sein eigenes Herz Vorwürfe macht, ist sehr hassenswürdig, weil er sich selbst verachten muß.

Warnung vor falscher Scham und von dem Wohlgefallen am Lobe der Schlechten.

Es finden sich auch heut zu Tage Veranlassungen zu helfen, die mit Schmach, Beschimpfung und Lästerung umgeben sind. Wer aber entschlossenen Muth besitzt, reißt die Mauer der Beschämung nieder und tritt (in den Kampfplatz) ein, um glorreich zu triumphiren; denn wer sich vor Schimpf und Schmähung fürchtet und an das Werk der Hilfleistung nicht wagt, ist zwar von der Beschimpfung durch Andere entfernt, aber in seinen eigenen Augen verächtlich. Wenn die Gottlosen den Gerechten schmähen, winden sie ihm, ohne es zu merken, einen Kranz des Lobes. Nur dann beschimpfen sie ihn wirklich, wenn ihr häßliches Lob ihm angenehm wäre. Das Lob des Gottlosen gleicht ihm; das Lob des Unrechts1 ist verwerflich, wie es selbst, weil es das Lob eines Gottlosen ist. Sein Lob ist gleich einem Verdammungsurtheil durch die Gerechtigkeit.

Gottes Betragen gegen Lob und Tadel seiner Gegner.

Gott selbst, der nie kleiner oder größer wird, hat das Lob verschmäht und den Tadel verachtet und alle Gestalten angezogen und auf jede Weise sich erniedrigt und allen Kreaturen geholfen. Wenn er sich nämlich gefürchtet hätte, kleiner zu erscheinen, dann wäre er in Wahrheit kleiner geworden. Eben dadurch, daß er (aus Furcht) nicht kleiner geworden, wäre er es wirklich geworden, wie er groß und herrlich geworden ist, weil er (aus Liebe sich herablassend) kleiner geworden. Gottes Wesen ward nie kleiner und größer. Klein wird er aus freiem Willen und groß aus freiem Willen. Die Zunahme also, die seiner Natur nicht eigen ist, geschieht nach seinem Willen. Wenn er nämlich von den Sündern boshaft verunehrt wird, so wird er verherrlicht, und es ist dann sein Wille so. Ohne seinem Wesen nach kleiner und größer zu werden, wird sein Wille verherrlicht, und erhabener. Sieh‘: es steht ja für sie (die Ungläubigen und Sünder) und für uns über den Sohn Gottes geschrieben, daß er ein Opfer und Wohlgeruch für Gott geworden ist.

Übereinstimmung des alten und neuen Testamentes.

Mit welcher schamlosen Frechheit tadeln sie also Denjenigen, der Opfer der Thiere verlangte, und tadeln ihn nicht, der diese Opfer abschaffte und nach dem Opfer seines Sohnes verlangte! Das Testament, dessen Opfer sie verwarfen, ist ganz in Christus abgebildet. Beide Testamente, welche die Ungläubigen verwarfen, sind übereinstimmend eines im andern dargestellt. Es war nämlich das alte Testament gleichsam das Vorbild und Modell, das da um jenes Testaments willen war, welches als bleibend festgestellt wurde und dienet, ohne je sich zu ändern. Das neue Testament ward nach den Vorbildern seines Genossen geformt, und so gingen sie in Erfüllung. Wenn sie (die Ketzer) aber die Wahrheit des Ausspruchs läugnen und sagen, unser Herr sei nicht in der That ein Opfer geworden, so hat er (ihrer Ansicht nach) nur ein Scheinbild angenommen. Wenn sie nun solche unwesentliche Gestalten lieben, siehe: so hat ja auch der Schöpfer alle Gestalten angezogen. Weßwegen scheuen denn die Ungläubigen davor zurück? Von den Gestalten des Schöpfers wollen sie Nichts wissen, und mit den Gestalten des Fremden befreunden sie sich.

Von Gottes Reue.

Nicht ohne Grund zeigte der Allerhöchste Reue und Betrübniß. Dieß vernahmen die Irrenden und glaubten, daß es wahrhaft so sei. Es steht über unsern Herrn ferner geschrieben, daß er sich gefürchtet und verborgen habe, und darüber stellten sie eine exegetische Untersuchung an. So zeigten sie offenbar ihren Haß, indem sie das Eine tadelten und das Andere verwarfen. Die geheimnißvollen Bilder unser’s Schöpfers wurden (von den Irrlehrern) angeklagt; die Angelegenheiten des Fremden wurden willkürlich ausgelegt.

Gegen die Ketzerei der Doketen.

Wenn sie auf verkehrte Weise Überzeugung bewirken konnten, um wie viel leichter war demnach eine rechte Überzeugung! Allein den Verkehrten fällt es sehr schwer, den richtigen Grundsätzen sich anzuschließen. In Bezug auf unsern Herrn, der in Wahrheit starb und wieder auflebte, machten sie seinen Tod zu einem Scheine; aber bei unser’m Schöpfer, der bildlichen Ausdrücken nach kleiner ward, machten sie sein Kleinwerden zur Wahrheit. Von unser’m Herrn, der Kleider und Glieder angezogen, behaupten sie, daß er nur uneigentliche Scheingestalten gezeigt habe; vom Alten der Tage aber, der in weißen Kleidern erschien glaubten sie, daß er in Wahrheit so sei. Den Geistigen nämlich machten sie körperlich, den Körperlichen aber zu einer trügerischen Erscheinung. Sie finden ihre Ruhe nur darin, daß die Wahrheit auf jede Weise verwirrt wird.

Gegen die Ketzerei der Doketen.

Unser Herr, der in Wahrheit aß und trank, aß nämlich und aß doch wieder nicht (wie die Doketen sagen), trank und trank doch nicht. Den Schöpfer aber lästerten sie, daß er wirklich das Fett des zum Nutzen (des Opfernden) dargebrachten Opfers mit Wohlgefallen gerochen habe. Diesen also, der nur nach bildlichem Ausdrucke am Geruche Wohlgefallen hatte, lästern sie; Jenem aber (dem Erlöser), der in Wahrheit aß, lassen sie das nicht zu. So nehmen sie eine kämpfende Stellung gegen die Wahrheit ein, damit diese durchaus in Allem als lügenhaft erscheinen sollte. Es steht ferner von unser’m Herrn geschrieben, er sei dürftig gewesen und aufgenommen worden. Die Kinder des Irrthums aber mühten sich ab, über ihn die Auslegung zu geben, er sei ganz und gar nicht dürftig gewesen und habe sich uns gegenüber nur so gestellt, damit wir auf jede Weise leben (das Heil gewinnen) möchten. Die Wahrheit ist allerdings ihrem (der Irrlehrer) Geiste auch eingeprägt, allein sie halten dieselbe verhüllend zurück, wie die Erde ihren Samen, damit sie (die Ketzer nämlich), wie sie über unser’n Herrn Allerlei ersonnen und gelehrt, auch über unser’n Gott (den Vater und Schöpfer) den Leuten Allerlei einreden möchten.

Gottes Güte bei Bestrafungen und zeitlichen Übeln. Von der Ohnmacht der falschen Götter und ihrer Härte gegen ihre Verehrer. Gottes weise Weltregierung. Gerechte Verwerfung der Juden, gnädige Berufung der Heiden.

Gottes Absichten bei zeitlichen Übeln.

Gut ist der Allerhöchste; denn auch seine Übel sind in den Augen der Verständigen gut. David bediente sich in einem Psalme über ihn eines wunderbaren Ausdrucks, welcher den Irrenden als eine Veranlassung zum Spotte dient. Der Ausdruck lautet: „Er versenkte den Pharao in’s Meer,“ und sie lachen (über das zunächst Folgende), „denn ewig währt seine Barmherzigkeit.“ Da fragen sie denn: „Wo“? Aus Barmherzigkeit wurde dem Ruchlosen Einhalt gethan; denn Dich hatte er zum Zorne gereizt und wurde gezüchtigt.

Verlegenheit der Irrlehrer über Ursprung und Zweck der Übel.

Sieh‘ nicht darauf, was sie fragen, sondern vielmehr, wie sie in die Enge getrieben werden. Auf grübelnde Weise fragen sie: „Woher ist denn wohl das Übel?“ Und es versinken sie und ihre Götter, Götter, welche das Übel nicht hemmten. weil sie es weder wollten noch vermochten. Sie wurden überwunden und gingen in der Untersuchung über das Übel versinkend unter. Diese Krone winden die besiegten Frevler dem Prüfungsofen, der sie zu Schanden machte. Betrachte nur! Das Wort der Wahrheit beschließt nämlich in einer Frage alle Fragen. Alle verkünden das künftige Gericht und daß diese Wohnung vorübergehend sei. Gepriesen sei Er, der das Ende der Welt in dem Ende des Königs darstellte! Gepriesen sei, der dem Pharao Einhalt gebot, daß er nicht jeden Tag verkehrt handeln konnte. Gott nahm die Handschrift seiner Schuld und vertilgte sie, um die Zinsen derselben gegen die Kinder zu fordern.

Sieg über die Irrlehrer.

Mächtig werden sie besiegt, weil sie mächtig verfolgt werden, und ihre Götter kommen ihnen nicht zu Hilfe. Wenn nun sie (diese Götter) besiegt und unterlegen sind, so gereicht es zu ihrer (der Irrgläubigen) Beschämung; wenn sie aber sorglos waren, so ist dieß unser Sieg. Wie konnten berühmte Götter gleichgültig gegen die Wölfe sein, welche die Schafe würgen? Was immer sie (die Irrlehrer) also sagen mögen, sagen sie für den Gerechten, dessen Strafruthe sogar heilsam ist. Es widerlegen sie nämlich ihre Gesetze, denn Peinigungen sind ihre Gebote. Deßwegen sollen ihre Götter getadelt werden, daß sie an der Qual des Menschen Wohlgefallen haben. Während sie tadeln wollen, ziehen sie sich selbst Tadel zu; denn sie schlagen die Welt mit Fäusten. Weil ihr Forschen blind ist, traten sie den Sieg an die Partei der Wahren ab.

Gott als weiser Arzt und Regent der Welt.

Betrachte die Welt als einen Körper, der aus Schuld seiner (mißbrauchten) Freiheit eine Menge Krankheiten hat, aber einem milden Arzt anvertraut ist, der seiner Liebe wegen Jeden brennt und schneidet, der sich an ihn wendet, daß er ihn heile, und der auch Jeden heilt, welcher ihn anrührt, damit er ihn gesund mache. Er ist in Allem gut, und in allen seinen Bewegungen läßt er sich als liebreich erkennen. — Die ganze Schöpfung ist ferner nur ein kleines Schiff für jenen Steuermann, der in Allem weise ist. Sein Wink lenkt dasselbe ohne Mühe, und die Thoren wähnen, daß er ihm nicht gewachsen sei. Die Schöpfung ist für ihn auch ein gehorsamer Wagen, und ein Hauch seines Willens setzt denselben in Bewegung. Dabei ist auch ein Zügel für den Lasterhaften und eine Geißel, die ihn Weisheit lehrt. Sammle dir nämlich (in Gedanken sie zusammenstellend) alle Strafen und Leiden, sowohl die aufgeschriebenen als auch die nicht aufgeschriebenen, und nimm und betrachte sie alle, daß sie zum Heile Aller über Alle von dem Allgütigen kommen!

Von der gerechten Verwerfung der Juden.

Er rottete das (israelitische) Volk aus, um es auf die Wahrheit neu aufzubauen. Er nahm und zerstreute es und sammelte dann das verwirrte wieder. Wenn sie (die Juden) anders wollen, so sind sie zum Brautgemache (des Himmels) berufen; wo nicht, zur Hölle. Da der leere Weinberg seinen Herrn, der doch nur Güter mit sich brachte, nicht aufnahm, wer sollte nicht erstaunen, daß dem verfluchten Weinberge sein Herr dafür, daß er dem Erben keine Früchte gespendet, zur Vergeltung dennoch Früchte gab? Über die Früchte, die derselbe ihm gebracht, war er erzürnt; deßwegen rottete er ihn aus, um ihn unter den Völkern auf einen süßen Stamm von Milden zu pflanzen, wie er zuvor auf seine Gerechten die Völker als Proselyten gepflanzt hat.

Berufung der Heiden aus Liebe.

Weil ihr Weinstock bitterer war als jener von Sodoma und ihre Trauben bitterer als die von Gomorrha, so war Derjenige gewiß nicht böse, welcher ihren Rebstock entwurzelte; denn mit Recht war dieser des Untergangs würdig. Aus Liebe pfrofte er den Zweig der Bittern auf die Zweige der Süßigkeit. Wenn nun der Bittere, da er mitten unter Süßigkeit weilte, wohl bezwungen werden konnte, der Saft seiner Bitterkeit aber dennoch hervorsprang und aufstieg, um den süßen Geschmack zu verdecken: wie und was wäre er allein geworden? Es schweige die Zunge, daß er nicht (besser werden) konnte! Gott kann ja die Nägel, die sie in ihn hineinschlugen, in seinen Gliedern abkürzen.

Bedeutend für die katholische Lehre vom allerheiligsten Altarssakramente. Durch diese widerlegt Ephräm den Irrthum, daß der Leib oder das Fleisch an sich böse sei. Selbstwidersprüche der Ketzer. Jesus gibt in der hl. Kommunion wahrhaft und wirklich seinen Leib und sein Blut.

Wahrhafte Gegenwart des Leibes und Blutes Christi in der Eucharistie; bei den Ketzern findet sie nicht statt.

Die hebräischen Bräute setzten ihren Ruhm in ihre Schleier. Sieh‘: unser Ruhm beruht auch auf unserm Schleier, das über Alles kostbare Blut Jesu nämlich. Die Gemeinden der Abtrünnigen haben in ihren Schleiern nicht das wahre Blut Christi, sondern nur ein Scheinbild des Blutes, weil sie an den Leib Jesu nicht glauben. Wo der wahre Leib ist, da befindet sich auch das wahre Blut. Wenn unser Herr den Leib deßwegen verachtete, weil er unrein und häßlich und verabscheuungswürdig, so ist auch das Brod und der Kelch des Heiles (die Eucharistie) unter den Abtrünnigen häßlich und unrein. Wie geht aber Dieß zu, daß er den Leib verachtete und sich doch in Brod verhüllte? Denn sieh‘: das Brod steht ja doch in Verwandtschaft mit dem schwachen Leibe. Wenn ihm nun das stumme Brod gefiel, um wieviel mehr der redende Leib! Auch der Gerechte gab am Brode ein Gleichniß; denn sein Tisch liebte das Schaubrod.

Selbstwidersprüche der Irrlehrer.

Über die Hochzeit zu Cana spotten sie, daß es fern von unserm Herrn hätte sein sollen, zu ihr hinzugeh’n. Und doch nennen sie die Kirche Braut und unsern Herrn den wahren Bräutigam, und das Bild des Hochzeitweins ist in ihren Kelchen das Gleichniß des Mahles bei ihren Festen. Die Irrlehre ist uneinig; denn sie widerlegt sich selbst zu jeder Stunde, ohne es gewahr zu werden. Was nämlich ihre Reden verläugnen, darüber weisen ihre Handlungen sie zurecht. Möchten doch die Abtrünnigen, diese Kinder der Hölle, Arbeiter für dein Brautgemach werden, o Herr!

Gegen die Marcioniten.

Auch der Fremde, der zu keinem Hochzeitmahle ging, um weder dem Namen noch der That nach sich zu ergötzen, ergötzte sich doch als Bräutigam jeden Tag. Johannes (der Täufer) aber trauerte, war sittenstreng und übte sich im Fasten. Die Kinder des Brautgemachs können nämlich nicht fasten; denn die Hausleute des Schöpfers waren Fastende; der Fremde aber, der übrigens gar nicht existirt, ist vergnügungssüchtig. Beten, wir für sie, daß sie sich bekehren; denn sie sind Glieder, die uns gefangen entrissen worden sind. Ihre Bande liegen in ihren Büchern, und ihre Fessel in ihren Schriften.

Die Religion der Ketzer ist nur Schein, ohne innere Wahrheit.

Sollte aber ein Glaubensläugner sagen: „Nur wie zum Scheine ehren wir diese Dinge“ (Brod und Wein), so besteht also ihre Religion nur in Schein und nicht in Wahrheit. Sie mögen nur sofort ein wenig den Satan verehren, denn, wenn eine ist die Natur des Bösen und des Brodes, warum gilt der Böse ihnen als unrein und das ihm verwandte Brod als Heiligthum? Verherrlichung sei Dir, o Herr! Denn wie mit einem Schwerte schneidet und zieht das Wort der Wahrheit aus. Anstatt jenes Brods, des Schaubrods nämlich, brachten sie aber Honig und Milch dar; da aber diese ganz rein sind, vermochten sie auch so nicht Verwirrung hervorzurufen. Der Honig nämlich genügte nicht zum Opfer, und die Milch nicht zum Besprengen und Trankopfer. Das Schaubrod bringen sie nur im Symbole dar, und Blut und Wein opfern sie nur im Bilde. Die Kreuziger und Irrlehren widerlegt das geheimnißvolle Vorbild, wovon Moses schrieb.

Zweck Jesu bei der Einsetzung des Altarssakraments.

Was drängte wohl unsern Erlöser, das Brod zu brechen? Vor zwei Dingen mußte er als Fremder sich hüten, und zwar zuerst mußte er lehren, daß er nicht einen unreinen Leib angenommen habe; zweitens durfte er den Schöpfer nicht nachahmen, weil das Schaubrod nicht erhoben, sondern auf seinem Tische dargebracht wurde. Verherrlichung sei Dir, der du wie in einem Glutofen das (unächte) Erz der Lehre des Betrugs offenbartest!

Wahrhafte, wirkliche Gegenwart des Leibes und Blutes Jesu im Sakramente.

Wenn Er (Christus) Fleisch nur scheinbar angezogen hat, so müssen sie (die Ketzer) auch nur einen Schatten brechen, und wenn er nur einen Schein von Blut zeigte, so gießen sie auch bloß einen Schatten von Wein in den Kelch. Wenn sie aber wahres Brod brechen, so berühren sie seinen Leib wahrhaft und nicht bloß zum Scheine. Einen wahren Leib berührte die Sünderin, die unser’m Herrn nahte. Gepriesen sei Er, der zu Thomas sagte, er solle den Leib und nicht einen Schatten berühren! Gepriesen sei Er, der das verlorne Schaf, den in Allem herumirrenden Geist fand!

Lebendige Darstellung des Unsinns und der Undankbarkeit Marcions und der Ungläubigen insgesammt.

Zurechtweisung Marcions.

Marcion werde zurechtgewiesen; denn er vermochte in den Erdkreis keinen andern Namen, ausser den Namen Jesu einzuführen, der schon im Gesetze vorkommt, und ausser dem Namen des hl. Geistes, des Schatzes der Weissagung. und dem Namen Gottes, den jedes Wesen verkündet. Dieß sind die Zeugen unsers Sieges.

Undankbarkeit des Ungläubigen gegen Gottes Wohlthaten.

Erstaunen wir über den Ungläubigen! Er schwelgt nämlich den ganzen Tag hindurch im Gute des Herrn der Allheit und bekennt an einen Andern zu glauben, der gar nicht ist, der nicht einmal mit seiner Fingerspitze einen Tropfen Feuchtigkeit spendet, um die Glut jenes Feuers zu kühlen, worin Jener gepeinigt wird und nicht entfliehen kann. Der flüchtige Jonas weise den Atrünnigen zurecht. Der Athem in seiner Nase ist ein Zügel, der ihn hinzieht, seinen Schöpfer zu erkennen. Sein Hunger ferner ist ein Zaum, seinen Ernährer kennen zu lernen. Auch sein Schlaf ist eine Fessel für ihn: von ihm und an ihm selbst sind seine Anziehungen. Seine Fesseln sollen ihn belehren, daß es keine andere Macht gebe, welche sie auflösen könnte.

Sinnlosigkeit desselben.

Sehr sinnlos und verblendet ist er; denn auch er ist mit Allem in der Hand des Schöpfers eingeschlossen. Ein Körnlein Staub, ein Tröpfchen Wassers in einander geknetet und durch die Barmherzigkeit des Bildners zu einem Menschen gemacht: sieh‘, dieß niedrige verwerfliche Wesen verläugnet den Schöpfer! Dieß gefesselte und abhängige Ding lästert! Die Wächter spotten seiner, die Seraphim verhöhnen ihn, die Cherubim verlachen ihn. Die Berge empfangen Befehle, die Meere gehorchen, die Erde empört sich nicht, der Himmel erlaubt sich keine Verachtung O des Staubkörnleins, das da, während Alle Glauben bekennen, verläugnet, um sich den Tod zuzuziehen!

Gottes Einheit; Willensfreiheit des Menschen.

Alle spalteten und theilten den Namen, der nie sich spalten und theilen läßt. Ein Abtrünniger nämlich leitete aus dem Namen Gottes einen andern verläugnungswürdigen und fremden Namen ab, und dazu zwei seines Gleichen. Aus dem Namen eines ewigen Wesens erdichteten sie zwei getheilte Principe (Äonen). Preis sei Deiner Majestät, welche die Geschöpfe fesselte und die Seelen frei ließ! Gibt es eine andere Macht, so wird sie die Seele nicht aufregen; denn die Seele ist mit der Herrschaft über die Bewegungen ihrer Freiheit begabt. Wenn sie Gewalt besitzt, so möge sie die gefesselten Naturen der (unfreien) Geschöpfe lösen.

Besteht aus drei Abtheilungen. Gott als weiser Arzt sendet zeitliche Übel als Strafen zur Heilung der Sünder; Jesus als wunderthätiger Arzt; Widerlegung der Häresiarchen Marcion, Bardesanes und Manes.

Gott, der unendlich Gute, als weiser Arzt.

Wie kommt es, daß der Gute, welcher süße und liebliche Wohlthaten spendete, auch furchtbare und gewaltige Übel verhängte? Er ist ein einsichtsvoller Arzt und weiß, dass Arzneien verschiedener Art nothwendig sind; deßwegen verlieh er in Fülle Heilmittel der Güte, aber auch der Gerechtigkeit, um jedem Kranken die für ihn passende Arznei zu geben. Die Krankheit der Gotteslästerung und das Übel des Stolzes fand sich an den Kreuzigern. Der Arzt sah es diesem Leiden an, daß es ein schaudervolles Übel und ein garstiger Schandfleck sei; da nahm er und legte allerlei Wehe (Strafgerichte) auf, Brennmittel der Gerechtigkeit, um durch harte Strenge die Übel des Hochmuths, die aus freier Schuld (der Kranken) gewaltig überhand genommen hatten, mit der Wurzel auszurotten.

Des Propheten Jesaias drohende Weissagungen.

Das Buch des Jesaias spricht über sie mit allen schrecklichen Drohungen furchtbar von Schmerzen, die nie zur Heilung gelangen. weil sie sich empörten und vom Schatze der Heilmittel entfernten. Sie seien (sagt Jesaias) ein Volk, dessen Wunden stündlich wieder aufbrechen, und bei dem die Quelle der Krankheiten nie versiege. Jene Philister, deren After ihrer Sünden wegen Beulen bekamen, sahen ein, daß für ihre Leiden Heilmittel nothwendig seien, und es ward ihnen die Heilung ihrer Plagen zu Theil. Sie brachten jenem unsichtbaren Arzte, der in der Bundeslade wohnte, zum Lohne für seine Heilmittel Opfergaben.

Der Sohn Gottes als Arzt dargestellt.

Jener gute Arzt, der Sohn des unsichtbaren Arztes, der aus Gnade gesendet ward, die Kranken zu besuchen und die Leidenden zu heilen, eröffnete im Volke der Hebräer seinen an Hilfsmitteln reichen Schatz, und es wurden durch seine Arzneien Kranke gesund, die aber hernach aufstanden und ihm mit dem Kreuze vergalten, das sie ihm bereiteten. Ein unheilbares, nicht zu verbindendes Übel erweichte er durch Öl: die Quelle ihrer Leiden aber ward flüssiger und erhob sich mehr und ihr Schmerz siegte über die Arzneien und ward hartnäckiger. Er brauchte erweichende Mittel, und er ruhte nicht; er brauchte strenge, und er ließ nicht nach; er mischte Arzneien, und er wandte sich nicht; er war nachsichtig, und er hörte nicht auf.

Fortsetzung von dem Erlöser; wie schwer die Heilung eines kranken Willens und einer bösen Gewohnheit sei.

Es kam (wie oben gesagt) der unsichtbare Arzt, der alles Verborgene erreicht, und fühlte den Puls dem Volke, das da irrte und irreführte und sich selbst schmückte. Er mischte (als Arznei) seine süße Milde und verschmähte die Strenge der Gerechtigkeit, um sich in den Kampf mit dem versteckten Übel einzulassen, damit er als Arzt die Arznei kräftiger zur Heilung mache. Der Gute sah, daß das Volk aus freiem Willen krank war. Krank ist Jener, der zur Genesung nicht gelangen will. Wunden lassen sich verbinden, Schmerzen können geheilt werden; schwer aber ist es, einen kranken Willen zu heilen. Jedoch wenn er sich ergibt, kann der Arzt durch seine Heilmittel glänzend siegen. Eine häßliche und heimliche Gewohnheit ist sehr schwierig zu heilen; denn sie ist ein tückisches Leiden. Anschwellend schleicht sie verstohlen weiter, um dem Arzte zu entgeh’n; denn der Tod senkte sich verborgen Tropfen gleich in’s Herz hinein. Auswendig sieht da der Mensch schön und ganz gesund ans, allein im Innern ist er faul und vermodernd. Deßwegen hat er sie (die Pharisäer) mit gezierten Gräbern verglichen. Er öffnete in seiner Güte den Schatz des Lebens, damit Jeder nach seiner Freiheit die ihm zuträgliche Arznei wähle und nehme. Er ist ein Arzt, welcher kein Wohlgefallen an unser’n Krankheiten hat. Er wendete nicht scharfe Schnitte und gewaltsame Brennungen an; eine sehr gelinde Arznei bereitete er uns, um unsere Wunden mit der Wurzel auszurotten.

Gottes Diener sollen in der geistlichen Heilkunst ihm nachahmen. Marcion’s Hartnäckigkeit.

Wenn jedoch jener Gute, obwohl nicht feindlich drohend und leidenschaftlich verwirrt, gegen die Frevler einen sehr scharfen Schnitt, eine sehr stark wirkende Arznei, ein sehr schmerzliches Brennmittel anwandte, so sollen ihm auch seine Diener nachahmen. um mit dem Eisen der Wahrheit und mit der Arznei gerechter Strenge die Irrenden gesund zu machen. Das „Wehe!“ welches unser Herr ausgesprochen hat, komme über Marcion, weil er über seinen Erschaffer lästerte. Die Arznei selbst ist ein Beweis gegen die Krankheit der Lästerung, daß Er (der Erlöser nämlich) jenes Wehe nicht mit Gerechtigkeit ausgesprochen habe. Weil er (Marcion) seinen Wundarzt verläugnete, wurde sein Leiden nicht geheilt. Er schied mit seiner lebensgefährlichen Wunde dahin und vererbte sie auf seine Söhne (die Anhänger seiner Lehre).

Gegen Bardesanes.

Das Wehe, welches unser Herr aussprach, hing sich dann an Bardesanes, der sieben ewige Wesen (Äonen) aufstellte; denn das Eisen der Wahrheit schnitt ihn ab und überließ ihn sich selbst. Er verkündet die Zeichen des Thierkreises und beobachtet die Stunde (der Geburt, den Horoskop) und lehrt die sieben Planeten und forscht den Zeiten nach. Siebenfaches Wehe nahm er dafür hin und vererbte es auf seine Jünger.

Gegen Manes.

Die Wehe, welche unser Herr gegeben, sammelte Manes; denn er verläugnete seinen Schöpfer und lästerte mit jedem unschönen Namen den Heiligen. Auch Moses und die Propheten schmähte er rasend, und weil er seinen Arzt läugnete, ward er ohne Schonung vernichtet. Seine Verwundung nahm er mit sich und vererbte sie seinen Söhnen (Jüngern).

Die drohenden Aussprüche Jesu.

Wehe sprach Er auch wiederholt über Diejenigen aus, welche die Schlüssel verbargen und die arglose Kleinheit abhielten, in das Reich des Lebens einzugehen. Denjenigen, die durch das (rechte) Thor, das Thor der Wahrheit nämlich, eingehen, verleiht er das Leben; sie aber gleichen Irrenden, die bis an ihr Ende vielfach herumirren und sich Strafe beim Rächer aufhäufen, der sie zur Rechenschaft zieht, weil sie sich selbst den Untergang zuzogen und Viele in’s Verderben stürzten. Sieh‘ also! Durch die furchtbaren Wehe, die unser Herr gegeben, sind fortgeschnitten und aufgelöst die schmerzlichen Übel vermittelst der guten Eisen (der abschreckenden Drohungen) dieses guten Arztes. Er verband sie (die geistig Kranken) auch durch Worte der Erbauung, Freude verkündend, wenn sie gesund (bekehrt) wurden, wenn sie aber krank blieben, Furcht. Die Thoren aber vereitelten auf vielfache Weise die ganze Sorgfalt.

Über die Namen der ketzerischen Sekten. Preis der katholischen Kirche. Ermahnung zum Verlassen der Irrlehre. Schlußgebet des hl. Ephräm.

Von den ketzerischen Namen und vom Namen Christen.

Bardesanes bezeichnete und benannte seine schmutzige Heerde mit seinem eigenen Namen. Nach dem Namen des Manes ist ferner die unsaubere Heerde desselben benannt. Wie gestohl’ne Schafe sind sie mit dem häßlichen Kennzeichen der Diebe bezeichnet. Nach dem Namen unser’s Erlösers aber ist seine Heerde benannt. Christus ist’s, der sich die christlichen Lämmer gesammelt hat. Manes und Bardesanes verführten Gemeinden durch geheime Buhlerkünste und führten anstatt jenes herrlichen Namens (Christi nämlich) ihre eigenen Namen ein.

Lob des christlichen Namens.

Seine Braut nannten die Brautwerber, die Apostel, diese Söhne der Wahrheit, nach seinem Namen. Er gleicht seinem Vater, dessen Gemeinde die vom Hause Moses auch nach dem Namen desselben benannten. Moses, der verklärt leuchtete, macht die Irrenden zu Schanden; Denn er redete nicht in seinem eigenen Namen, sondern im Namen seines Herrn. Was hernach die Propheten sprachen, sprachen sie ebenfalls im Namen des Herrn, im Namen Gottes. Keiner ist, der sich erkühnt hätte, in seinem eigenen Namen zu reden; sondern im Namen des Herrn sprachen die Propheten, die Apostel aber im Namen Jesu.

Schande der Ketzer.

Errötheten sie denn nicht und schämten sie sich nicht, daß ihre Schriften im Namen von Menschen geschrieben sind und kein Sckriftkundiger sich erhebt und liest: „So spricht der Herr der Heerschaaren,“ sondern: „So spricht Marcion, der Rasende, und Manes und Bardesanes“? Es genügen ihre Namen zur Schmach ihrer Gemeinden. Fürchteten sie sich ferner denn nicht, daß der Apostel Jenen tadelte, der da sagte: „Ich bin des Kephas“? Wenn aber die Schafe nicht einmal nach dem Namen des Kephas benannt wurden, da er doch das Haupt der Apostel war, die Schlüssel hatte und Haupt der Heerde war, wehe dann Demjenigen, der sich erfrechte, Schafe, die nicht ihm gehörten, mit seinem Namen zu benennen!

Aufmunterung zur Rückkehr von Irrlehren.

Ziehet denn aus, kommt ihr Schafe und Lämmer, die ihr von Irrlehrern gestohlen worden seid! Entsaget den Bezeichnungen und dem Namen der Diebe! Kommt und lasset euch mit dem glorreichen Namen Gottes bezeichnen und Christen nennen, auf daß ihr durch Bezeichnung und Namen durchaus in Allem die christliche Heerde seiet! Niemand kann ja im Namen eines Menschen getauft noch benannt werden nach dem Namen eines Menschen. Wird er aber auf diese Weise benannt, so muß er auch im Namen eines Menschen getauft werden. Lasset euch also entweder im Namen eines Menschen taufen und nach seinem Namen nennen, oder laßt euch im Namen Jesu taufen und nach dem Namen Jesu nennen!

Preis der katholischen Kirche.

Dir aber Heil aus jedem Munde, o reine Kirche, die du einen nach dem andern verdammtest, den garstigen Koth des rasenden Marcion und seines Anhangs nämlich, und den Trug und die Verruchtheit des Manes und seines Gesindels wegfegtest, wie auch den Schmutz der trügerischen Lehren des Bardesanes und den stinkenden Unflath der übelriechenden Juden fortspültest! Der Herr erhöhe dein Horn (deine Kraft und Macht), o gläubige Kirche: denn in dir findet sich nicht das Buch jenes rasenden Marcion, noch die Schrift jenes wahnwitzigen Manes, noch das Werk der häßlichen Geheimnisse des Bardesanes. Die beiden Testamente des Königs und des Königssohnes sind in deiner Bundeslade hinterlegt.

Weihegebet des Verfassers.

Und nun, o Herr, möchten doch die Bemühungen deines Hirten nicht unbelohnt verworfen werden! Ich habe ja deine Heerde nicht verwirrt, sondern so viel ich vermochte die Wölfe von ihr fern gehalten und, so gut ich konnte, Hürden von belehrenden Gesängen für die Lämmer deiner Heerde gebaut. Schmerzen beängstigen mich, Schulden flößen mir Schrecken ein. Möchten sie doch durch deine Gnade überwunden werden! Einen Einfältigen und Unwissenden machtest du zum Jünger und hast noch mehr gethan; denn du übergabst ihm den Hirtenstab und die Arznei der Wundärzte, die Waffenrüstung der Forschers und die Ruhe der Einfältigen. Das Gefäß ist voll und fließt über und bekennt, daß es zu schwach ist. Hemme, o Herr, in deiner Güte den Überfluß deiner Gnade!

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