Martyrium des Heiligen Karpus, Papylus und Agathonike

Märtyrerakten

Als der Prokonsul zu Pergamum verweilte, wurden ihm vorgeführt die seligen Märtyrer Christi Karpus und Papylus. Nachdem aber der Prokonsul sich niedergesetzt hatte, sagte er: Wie heißest du? Der Selige antwortete: Mein erster und bester Name ist Christ; fragst du aber nach meinem Namen in der Welt, so heiße ich Karpus. Der Prokonsul erklärte: Es sind dir die Befehle der Kaiser bekannt, daß man die allwaltenden Götter verehren soll; darum rate ich euch, hinzuzutreten und zu opfern. Karpus entgegnete: Ich bin ein Christ und verehre Christus, den Sohn Gottes, der in den letzten Zeiten zu unserm Heile gekommen ist und uns von dem Truge des Teufels befreit hat; diesen Götzenbildern da aber opfere ich nicht. Tu, was du willst; denn mir ist es unmöglich, Truggestalten der Dämonen zu opfern; sind doch die, welche diesen opfern, ihnen gleich. Wie nämlich die wahren Verehrer – nach der göttlichen Erzählung des Herrn die, welche Gott im Geiste und in der Wahrheit anbeten – der Herrlichkeit Gottes ähnlich werden und mit ihm unsterblich sind, teilhaftig des ewigen Lebens durch den Logos, so werden auch die, welche diesen dienen, ähnlich der Eitelkeit der Dämonen und gehen mit ihnen in der Hölle unter; sie teilen die gerechte Strafe mit demjenigen, der den Menschen, das auserwählte Geschöpf Gottes, hintergangen hat, ich meine mit dem Teufel, der in seiner Schlechtigkeit den Menschen beneidet hat. Darum wisse, Prokonsul, daß ich diesen nicht opfere.

Der Prokonsul aber sprach. zornig: Opfert den Göttern und seid vernünftig! Karpus entgegnete lächelnd: Götter, die den Himmel und die Erde nicht geschaffen haben, mögen zugrunde gehen! Der Prokonsul sprach: Du mußt opfern; denn der Kaiser hat es befohlen. Karpus antwortete: Die Lebenden opfern nicht den Toten. Der Prokonsul sprach: Die Götter hältst du für tot? Karpus entgegnete: Willst du hören? Sie haben nicht einmal als Menschen gelebt, um zu sterben. Willst du sehen, daß das wahr ist? Entzieh ihnen deine Ehre, die du ihnen zu erweisen scheinst, und du wirst erkennen, daß sie nichts sind; Erdstoff sind sie und gehen mit der Zeit unter. Unser Gott nämlich, der zeitlos ist und die Zeit geschaffen hat, bleibt selbst immer unvergänglich und ewig; er ist immer derselbe und erleidet keinen Zugang noch Abgang; jene aber werden von Menschen gemacht und, wie ich sagte, von der Zeit vernichtet. Daß sie aber Orakel geben und täuschen, möge dich nicht wundern; denn der Teufel macht von Anbeginn an, nachdem er aus seiner erhabenen Stellung gefallen ist, vermöge der ihm eigenen Bosheit die Liebe Gottes gegen die Menschen zuschanden, arbeitet den Heiligen, die ihm zusetzen, entgegen, erregt Feindschaften und gibt von diesen im voraus seinen Anhängern Kunde. In gleicher Weise erschließt er auch aus dem, was uns täglich zustößt, da er der Zeit nach älter ist, die Zukunft und sagt das Schlimme voraus, das er selbst zu tun beabsichtigt. Denn infolge der Verfluchung Gottes sinnt er auf Ungerechtigkeit und mit Zulassung Gottes versucht er den Menschen, den er von der Frömmigkeit abzubringen sucht. Glaube mir also, Konsular, daß ihr in nicht geringem Wahne seid.

Der Prokonsul sprach: Indem ich dich viel Törichtes reden ließ, habe ich dich zur Schmähung der Götter und Kaiser verleitet. Damit du aber darin nicht weiter gehest, opferst du oder was sagst du? Karpus entgegnete: Ich kann nicht opfern; denn niemals habe ich Götzen geopfert. Sofort ließ er ihn darnach aufhängen und ihm mit Krallen die Haut aufreißen; der aber rief in einem fort: Ich bin ein Christ; nachdem er aber lange zerfleischt worden war, verlor er seine Kräfte und konnte nicht mehr reden. Der Prokonsul wandte sich von Karpus weg zu Papylus und sprach zu ihm: Bist du ein Ratsherr? Der entgegnete: Ich bin ein Bürger. Der Prokonsul sprach: Welcher Stadt? Papylus antwortete: Von Thyatira. Der Prokonsul fragte: Hast du Kinder? Papylus antwortete: Sogar viele um Gottes willen. Einer aus der umstehenden Menge rief: Nach seinem Christenglauben sagt er, daß er Kinder habe. Der Prokonsul sagte: Warum lügst du und sagst, du habest Kinder? Papylus entgegnete: Willst du sehen, daß ich nicht lüge, sondern die Wahrheit sage? In jeder Provinz und Stadt habe ich Kinder in Gott. Der Prokonsul sagte: Opferst du oder was sagst du? Papylus entgegnete: Von Jugend an diene ich Gott und habe nie Götzen geopfert, sondern ich bin ein Christ, und mehr als dies kannst du von mir nicht erfahren; denn nichts Größeres und Schöneres als dies könnte ich sagen. Auch dieser wurde aufgehängt und mit drei Paaren eiserner Krallen zerfleischt; aber er gab keinen Laut von sich und ließ wie ein großmütiger Kämpfer den Zorn des Widersachers über sich ergehen.

Als der Prokonsul ihre außerordentliche Standhaftigkeit sah, befahl er, sie lebendig zu verbrennen. Und beschleunigten Schrittes traten die beiden in das Amphitheater ein, um baldigst von dieser Welt befreit zu werden. Zuerst wurde Papylus mit Nägeln an dem Pfahle festgemacht und gab, als das Feuer angelegt war, ruhig betend seinen Geist auf. Nach diesem wurde Karpus angenagelt und lächelte. Die Umstehenden sprachen erstaunt zu ihm: Warum lächelst du? Der Selige antwortete: Ich sah die Herrlichkeit des Herrn und freute mich, zugleich aber wurde ich euch los und habe keinen Teil an eurem Unglück. Als aber der Soldat die Holzstücke aufschichtete und anzünden wollte, sagte der heilige Karpus, während er da hing: Wir sind von derselben Mutter Eva geboren worden und haben dasselbe Fleisch, aber hinblickend auf das untrügliche Gericht erdulden wir alles. Als er dieses gesagt hatte und das Feuer brannte, betete er sprechend: Gepriesen seist du, Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, daß du auch mich Sünder deines Besitzes gewürdigt hast. Und nach diesen Worten gab er seinen Geist auf.

Eine gewisse Agathonike aber stand dabei und sah die Herrlichkeit des Herrn, die Karpus gesehen zu haben erklärte; sie erkannte darin den himmlischen Ruf und erhob sofort ihre Stimme: Dieses Mahl ist mir bereitet, ich muß also kosten und essen von dem himmlischen Mahle. Das Volk aber rief: Erbarme dich deines Sohnes. Die selige Agathonike antwortete: Er hat Gott, der sich seiner annehmen kann, den, der für alles sorgt; aber ich, was stehe ich hier? Sie zog ihre Kleider aus und ließ sich frohlockend an das Holz nageln. Die Dabeistehenden aber sprachen unter Tränen, Ein grausamer Urteilsspruch und ungerechte Befehle! Als sie aufgerichtet und vom Feuer erfaßt war, rief sie dreimal: Herr, Herr, Herr, hilf mir, denn zu dir habe ich mich geflüchtet. Und so gab sie ihren Geist auf und wurde mit den Heiligen vollendet. Ihre Überreste aber trugen die Christen heimlich davon und hüteten sie zur Ehre Christi und zum Ruhme seiner Märtyrer; denn ihm gebührt Ruhm und Macht, dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

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