Gegen diejenigen, welche nicht zugeben wollen, dass die heilige Jungfrau Gottesgebärerin ist [Alte Version]

Von Cyrillus von Alexandrien (444)

Die Söhne von Ärzten kennen Vorbeugungsmittel gegen die Krankheiten, indem sie durch die Kunst den drohenden Schaden abwehren und durch die Mischung der verschiedenen Arzneien die Bösartigkeit der Übel überwinden; es sehen auch Steuermänner, durch die Erfahrung geleitet, oft die Veränderungen der Winde voraus, und durch Anwendung der dem Bedürfniß entsprechenden Vorsicht erhalten sie mit der Hilfe Gottes das Fahrzeug frei vom Schiffbruch; eine gleiche Vorsorge trägt Gott für unsere Seelen und sagt uns daher die Gefahr der Versuchungen voraus, damit wir durch die Kenntniß des Schadens vor der Erfahrung der Gefahr derselben sicher entfliehen. Denn er weiß Alles, bevor es geschieht, indem er nicht durch Muthmaßung wie Jene das Nützliche erschließt, sondern durch göttliches Vorherwissen das Künftige kennt; so hat er uns auch die Strafen des Gerichtes vor der Zeit gezeigt, damit wir, durch die Furcht vor den Übeln belehrt der Bestrafung mit denselben leicht entgehen. Nicht minder aber hat er zu dem Anderen hinzu auch Dieß vorausgesagt, daß falsche Christus und falsche Lehrer kommen werden, welche verderbliche Ketzereien einführen werden, indem sie unseren alleinigen Meister und Herrn Jesum Christum verläugnen, und daß Viele ihren Zügellosigkeiten folgen werden, durch welche die Ehre der Wahrheit werde gelästert werden, damit wir, wenn Dieses herankommt, uns keineswegs täuschen lassen und ihren verderblichen Lehren nachgeben.

Die Vorhersagung aber hat sich wirklich erfüllt; denn viele Ketzereien haben sich im Laufe der Zeit gegen die Kirche Gottes erhoben, mit vielfachen Versuchen, den rechten Glauben aufzulösen, von welchen die eine das Wort Gottes für der väterlichen Wesenheit völlig fremd zu erklären sich erkühnte, eine andere die Würde des heiligen Geistes nicht anerkannte, eine andere die Wahrheit der Menschwerdung des Wortes läugnete; zuletzt aber ist gleichsam als Hefe aller Übel die jetzige Lästerung aufgetaucht, mit der Behauptung, das Wort sei nicht Mensch geworden, sondern habe in einem vom Weibe gebornen Menschen gewohnt, so daß nun dadurch der eine Christus in zwei getheilt wird, in Gott nämlich und einen Menschen; das ist aber der apostolischen Lehre fremd und vielmehr eine Erfindung teuflischen Anschlages. Denn daß das Wort Gottes in der Vollendung der Zeiten Mensch geworden sei, verkündet uns das göttliche Wort,  nicht indem es sich in die Natur eines Menschen verwandelte, sondern diese in sich aufnahm; denn unwandelbar ist es und unveränderlich. Wenn aber, wie Jene sagen, auf einen vom Weibe gebornen Menschen die göttliche Herabkunft geschah, so geschah Das auch an allen Propheten; es müßte also, wenn es so wäre, in der heiligen Schrift die Anerkennung eines Jeden getrennt für sich gefunden und der Eine besonders für sich als Wort Gottes besungen, der Andere aber als Mensch und Einer der Unsrigen mit den einem Menschen geziemenden Worten gepriesen werden.

Aber nicht so haben uns die Apostel das rechte Evangelium verkündet, sondern einen und denselben Chri- stus haben sie uns als Gott zugleich und Menschen überliefert, und Das lehrt deutlich der gottgelehrte Johannes im Evangelium, da er sagt: „Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort,“ und hernach beifügt: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Und der Gottesherold Paulus schreibt an die Hebräer: „Da nun die Kinder an Blut und Fleisch Theil haben, hat auch er an ihnen Theil genommen.“ Hörst du, wie der Eine gesagt hat, das Wort sei Fleisch geworden, der Andere aber wieder, es habe daran Theil genommen? Wenn aber Jesus ein vom Weibe geborner Mensch wäre, hernach aber die Herabkunft des Wortes auf ihn stattgefunden hätte, dann müßten, wie gesagt, zwei Anerkennungen und zwar gewiß in völlig getrennter Weise sich finden. Nun aber, da die heilige Schrift sowohl das naturgemäß auf die Gottheit Passende als das der Natur des Menschen Angemessene gemeinsam aussagt, wird die Heilsordnung der Einheit rein gefunden. Da du also den Apostel sagen hörst: „Erwartend die selige Hoffnung und die Offenbarung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesu Christi,“ erröthest du nicht, Jesum vom Worte zu trennen? Denn er sagte nicht: des großen Gottes in Jesu Christo, sondern den Nämlichen verkündete er als Gott und Jesus; darum sprach er auch nur von einer Offenbarung.

Bisweilen aber verkündet die heilige Schrift auch das der Menschheit Eigene unter der Benennung Gottes. Denn obwohl das heilbringende Leiden keineswegs der Natur der Gottheit zukommen kann, sondern die Leiden jedenfalls am Körper stattfanden, so sagt doch, wegen der untrennbaren Vereinigung der Gottheit mit ihm, der Apostel: „Wenn sie ihn erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.“ Siehst du, wie das Wort der apostolischen Belehrung die Anerkennung [das Bekenntniß] Christi der Einigung wegen gemeinsam macht? Denn nie war Jesus ein bloßer Mensch vor der Verbindung und Vereinigung Gottes mit ihm, sondern das Wort selbst, das in diese Jungfrau kam, nahm sich seinen Tempel aus der Wesenheit der Jungfrau und kam hervor aus ihr als Mensch, äusserlich angeschaut, innerlich aber als wahrer Gott; darum bewahrte es die Gebärerin auch nach der Geburt als Jungfrau, was bei keinem der anderen Heiligen der Fall war. Denn da jene von Natur Menschen waren, hatten sie alle eine menschliche und gleiche Geburt; Dieser aber, da er von Natur Gott war, der in der letzten Zeit auch das Menschliche annahm, wies eine von Allen verschiedene Geburt aus der Jungfrau auf; folglich wird gewiß mit Recht die Selige auch Gottesgebärerin und jungfräuliche Mutter genannt; denn nicht ein bloßer Mensch war der aus ihr geborne Jesus.

Wie denn auch, da ja, auch was vor seinem Erdenleben geschah, die heilige Schrift seiner Wirksamkeit und Macht zuschreibt? Wenigstens hat der selige Jünger Judas mit lauter Stimme uns diesen Glauben überliefert; denn Dessen, was viele Generationen vor der Geburt aus der Jungfrau geschah, gedenkend sagt er so. „Ich will euch aber, obwohl ihr Alles wisset, erinnern, daß Jesus, nachdem er das Volk aus Ägypten gerettet hatte, hernach Die, welche nicht glaubten, vertilgte; die Engel aber, die ihre ursprüngliche Würde nicht bewahrten, sondern ihren Wohnsitz verließen, hat er zum Gerichte des großen Tages mit ewigen Fesseln in der Finsterniß verwahrt.“ Wenn aber die selige Jungfrau einen bloßen Menschen gebar, von Diesem aber der Jünger sagt, er habe Israel aus der Hand der Ägypter befreit und das Volk durch die Wüste geführt, der auch wunderbare Zeichen vollbrachte um so viele Geschlechter vor der Geburt aus der Jungfrau, wo werden sie dann zugeben daß Dieser zu jenen Zeiten gewesen sei, und wann daß er den Anfang der Geburt gehabt habe? Denn Das werden sie nicht mehr sagen können, daß er mit dem Hervorgang aus der Jungfrau den Anfang des Seins genommen habe. Die Erfinder der schlechten Lehren sollen also lehren, wann dieser Mensch den Anfang der Entstehung gehabt hat, und wo und in welchen Zuständen er so viele Jahre zubrachte! Aber kein recht Denkender wird Denjenigen mehr für einen Menschen erklären, welcher sowohl Denen, die vor Alters gesündiget haben, als Denen, die ihren Wohnsitz verließen, die Strafen bestimmte und Israel ruhmreich aus der Hand der Ägypter befreite. Wenn also, nach ihrer Äusserung, Jesus weder als Gott das Wort gedacht werden kann, weil er aus der Jungfrau geboren ist, noch auch als Mensch, weil er solche Wunder vollbrachte (denn fremd ist das vorher Genannte der Natur und Macht eines Menschen), welche Wesenheit und welchen Rang werden sie ihm dann noch zudenken [ersinnen] können?

Aber wir, die wir ihre Reden von so großem Unverstande und Unsinn voll sehen und gleichsam im Schlaf und Rausch von ihnen gesprochen, werden gemäß dem Ausspruche des Heilandes zu ihnen sagen: „Ihr irret, da ihr weder die Schrift kennet noch die Macht Gottes.“ Darum werdet nüchtern, wie es Recht ist, und sündiget nicht, die ihr so sehr krank seid an Unkenntniß Gottes! Indem wir dagegen recht, und wie es vorher erläutert wurde, die Herrlichkeit der Einigung denken und anerkennen, daß Dieser immer Gott sei, zuletzt aber auch Mensch wurden so jedoch, daß seine Gottheit unverwandelt und unverändert blieb, wollen wir glauben, daß er auch damals beim Auszug aus Ägypten Israels Heiland war, und daß er zwar immer Wort des Vaters und Licht und Abglanz ist und die Macht der göttlichen Herrlichkeit hat, weßhalb er auch zu dem seligen Moses sprach: „Ich bin der Seiende“ und: „Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs,“ daß er aber die Benennung Sohn annahm, da er Mensch wurde, der Einigung wegen und weil er selbst als Mensch geboren wurde, aber nicht in einem Menschen gewohnt hat, und daß er folgerichtig damals und jetzt unter dem Namen Jesus Christus von der heiligen Schrift verherrlicht wird.

Und diese Ansicht kann man aus Mehrerem durch die heiligen Männer verkündet sehen. So ruft Jeremias deutlich: „Dieser ist unser Gott; kein Anderer kommt in Vergleich mit ihm; er erfand jeden Weg der Wissenschaft und gab sie Jakob, seinem Sohne [Knechte] und Israel, seinem Geliebten; hernach wurde er auf Erden gesehen und verkehrte mit den Menschen.“ Der Hymnendichter David aber singt: „Mutter Sion wird sagen: Ein Mensch! Und ein Mensch ist geboren in ihr, und der Höchste selbst hat sie gegründet.“ Denn was heißt Das anders als: Er ist Gott und Mensch? Denn als Menschen und als Höchsten und Gründer bekennt er ihn. Nicht minder findet man ihn auch in einem anderen Psalme, mit Wahrung des ungetrennten Begriffes der Einheit, die Eigenschaften der Menschheit gleichsam Gott dem Worte selbst zuschreiben, nicht als ob er an der Vermengung der Wesenheiten [Naturen] arbeitete, sondern weil er den Begriff der Einheit der Wesenheit erkannte. Darum sagt er im vierundvierzigsten Psalme also: „Dein Thron, o Gott, steht in alle Ewigkeit; ein Scepter der Gerechtigkeit ist das Scepter deines Reiches; du liebest das Recht und hassest das Unrecht; darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit dem Öle des Frohlockens vor deinen Genossen.“ Siehst du, wie er von dem Worte, das er Gott nennt und als Gott und König bekennt, ohne zu trennen oder ihm eine andere Person anzuhängen, sagt, es sei auch gesalbt worden? Sie sollen nun sagen, was der Ausspruch heisse, und wie das Wort, das doch Gott ist, gesalbt wurde, ausser gewiß, weil es die Knechtsgestalt annehmen sollte, welcher es ganz angemessen ist, auch die Salbung zu empfangen. Denn wenn sie etwa sagen, wegen ihrer Einwohnung im Menschen, wie sie wähnen, werde die Person des Wortes „Salbung“ genannt, so sollen sie wissen, daß von einer Einwohnung nicht bei Christus, sondern bei den Propheten und den anderen Heiligen die Rede sei; und der Ausspruch übersteigt gar sehr die Grenzen der Einwohnung. Und wenn auch Gott in allen Heiligen wohnt und sie geheiligt und gesalbt werden, so heißt es doch nicht, daß er selbst geheiliget und gesalbt werde. Wenn sie also sagen, ähnlich wie bei den Heiligen sei auch bei ihm die Einwohnung, so wird Allen ihre Gottlosigkeit klar sein, die auch der apostolischen Lehre völlig fremd ist.

Denn von den Propheten und von Christus redend lehrte uns Paulus den unvergleichlichen Unterschied Dieses von jenen, Dessen nämlich, von dem es heißt, er sei gesalbt worden; denn Diesen nannte er Sohn und Abglanz des Vaters und Ebenbild seines Wesens, jene aber Propheten; und es ist merkwürdig, daß unter so viel Erhabenem auch er der Salbung erwähnte. Denn „nachdem Gott vordem,“ sagt er, „vielfach und auf mancherlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch seinen Sohn, den er zum Erben von Allem gesetzt, durch den er auch Welten erschaffen hat, welcher, da er Abglanz seiner Herrlichkeit und Ebenbild seines Wesens ist und Alles trägt durch das Wort seiner Kraft, nachdem er die Reinigung von den Sünden vollbracht hat, sitzet zur Rechten der Herrlichkeit in der Höhe.“ Und kurz darauf sagt er: „Und zu [von] den Engeln sagt er [der Psalmist]: Der seine Engel zu Winden macht und seine Diener zur Feuerflamme, zum Sohne aber: Dein Thron, o Gott, steht in alle Ewigkeit; ein Scepter der Gerechtigkeit ist das Scepter deines Reiches; du liebest das Recht und hassest das Unrecht; darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit dem Öl des Frohlockens vor deinen Genossen.“ Siehst du, wie bei Christus der Begriff der Einwohnung ganz fremd ist? Wenn sie aber sagen, hier sei die Einwohnung nicht so wie bei den Heiligen, sondern einigungsweise sei das Wort zu dem aus der Jungfrau gebornen Menschen hinzugekommen, so kann man nach der Geburt von einer wahren Einigung nicht reden, sondern nur von einer solchen durch Gnade und Theilnehmung an Gott, wie sie wieder bei den Heiligen stattfand.

Wenn sie aber sagen, hier sei die Einwohnung [wirklich] eine Einigung, nicht in der Jungfrau, sondern nach der Geburt aus ihr, wohlan, so laß uns auch so das Gesagte untersuchen! Wenn sie sagen, deßwegen sei die Salbung von der Person des Wortes ausgesagt, weil das Wort mit dem Menschen, wie sie sagen, verbunden und geeinigt sei, so werden sie durchaus genöthigt sein, zu sagen, es sei nach der Einigung gesalbt worden; denn von Gott dem Worte redend hat der Prophet und auch der Apostel deutlich ihm auch die Salbung zugeschrieben. Wenn also die Heiligen wegen seiner Einigung und Verbindung mit dem Menschen Das, was dem Menschen zukommt, dem Worte zueignen, so werden sie gewiß gestehen, die Salbung selbst sei nach der Einigung geschehen; wenn er aber nach der Einigung gesalbt wurde, sie aber die Einigung nicht vor seiner Geburt aus der Jungfrau gelten lassen wollen, so wird die Jungfrau von ihnen auch nicht mehr als Christusgebärerin anerkannt werden; denn wenn sie Christusgebärerin ist, ist sie gewiß auch Gottesgebärerin; wenn aber nicht Gottesgebärerin, dann auch nicht Christusgebärerin. Denn wenn die Salbung nach der Einigung stattfand und sie deßwegen von der Person des Wortes ausgesagt wird, die Einigung aber nach der Geburt aus der Jungfrau stattgefunden haben soll, dann wird sie auch nicht mehr als Christusgebärerin erfunden werden; wenn aber als Christusgebärerin, dann auch als Gottesgebärerin. Denn da die Salbung nicht vor der Einigung gedacht werden kann, so wird die Jungfrau, wenn sie Christusgebärerin ist, weil sie, wenn die Einigung in ihr stattfand, nicht mehr einen Menschen, wie sie sagen, sondern einen mit dem Worte Geeinigten geboren hat, mit Recht Gottesgebärerin genannt werden, wenigstens wenn sie, wie vorher gesagt, die Einigung für eine wahre und nicht für eine solche wie bei den Heiligen erklären. Das aber sagen wir, daß man die Einigung nach der Geburt keine wahre nennen kann. Wir aber wissen Christum nicht als einen mit Gott geeinigten Menschen, sondern als Gott, der das Menschliche angenommen hat, das heißt der Leib und Seele und Geist [Vernunft] vollkommen ohne Sünde mit sich geeinigt hat durch die heilige Jungfrau. Wenn du daher auch Christum einen Menschen genannt werden hörst, vergiß nicht, daß er auch Gott war! In diesem Bewußtsein verkündete ihn der selige Paulus bisweilen als einen Menschen. Denn „erinnere dich“, sagt er, „daß Jesus Christus von den Todten auferstand und aus Davids Samen war!“ Und wieder: „Gott aber hat sowohl den Herrn erweckt, als auch wird er uns auferwecken durch seine Macht.“ Hörst du, wie er deutlich verkündet wird als aus Davids Samen und als auferweckt von den Todten?

Da also klar erwiesen ist: Nicht ein Mensch, wie Jene meinen, sondern das Mensch gewordene ewige Wort Gottes ist der aus der Jungfrau Hervorgegangene, so sollen die Verirrten in sich gehen und von dem jüdischen Unverstande ablassen. Denn „wenn sie sich nicht bekehren, wird der Herr sein Schwert gegen sie funkeln lassen.“ Denn daß er ihre Lästerung nicht bis zum Ende ertragen wird und auch jetzt sie nur noch aus Langmuth erträgt, — höre, was er durch den seligen Propheten sagt, um die nach langer Geduld gegen die in der Bosheit Verharrenden losbrechende Rache anzuzeigen: „Ich schwieg,“ sagt er, „aber werde ich etwa immer schweigen und ertragen? Ich war geduldig wie eine Gebärende; ich werde verwandeln und verdorren lassen zumal und verwüsten Berge und Hügel und all’ ihr Kraut vertrocknen, und ich will Flüsse zu Inseln machen und Seen trocken legen.“ Um Nichts weniger lehrt auch der göttliche Sänger einen schnellen Untergang der Gottlosen, wenn sie auch durch die Langmuth Gottes einige Zeit mächtig sind. Denn „ich sah den Gottlosen erhöht und aufgerichtet wie die Cedern des Libanon; ich ging vorüber, und siehe, er war nicht mehr, und ich suchte ihn, und es fand sich seine Stätte nicht.“

Denn Dieses und Dergleichen gilt gemeinsam von Allen, welche den Schafstall der Gottseligkeit zu zerstreuen suchen, wie denn auch das Ende der vorgenannten Ketzereien gezeigt hat. Denn was hat der gottlose Irrthum des Arius genützt, und was die Verkehrtheit des Eunomius und Derer, die den heiligen Geist lästerten, und des Paul von Samosata und des Apollinaris? Denn alle Diese haben auch jetzt ein schmähliches Ende genommen und wurden aus dem Gehege der Kirche ausgestoßen und werden aus der Kirche der Erstgebornen im Himmel hinausgeworfen werden. Denn sie sind vertilgt aus dem Buche der Lebendigen, und zu den Gerechten werden sie nicht geschrieben werden. Dasselbe Ende aber erwartet auch Diese, wenn sie nicht schleunig ihren Unverstand einsehen und dahin zurückzukehren sich beeilen, wovon sie abfielen, und besonders die Führer der Verkehrtheit. Denn fast wird auch von ihnen ein Jeder von dem Heilande hören: „Wie ein von Blut besudelter Mantel nicht rein sein wird, so wirst auch du nicht rein sein, weil du mein Land verwüstet und mein Volk getödtet hast; du wirst nicht bleiben auf ewige Zeit.“ Wir aber, die wir unseren Glauben auf den unzerstörbaren Fels fest gebaut haben, wollen die Gottesfurcht bis an’s Ende bewahren und uns nicht von den Gegnern verwirren lassen, sondern mit der Liebe zum Herrn als einer unüberwindlichen Waffe ausgerüstet wollen wir allzeit in ihm uns rühmen, die Worte des Propheten sprechend und die Armseligkeit der Gegner verlachend: „Mit uns ist Gott; wisset es, ihr Völker, und werdet überwunden, ihr Mächtigen werdet überwunden; und wenn ihr wieder mächtig werdet, werdet ihr wieder überwunden werden! Und wenn ihr Rath schlaget, wird eueren Rath der Herr zerstören, und das Wort, das ihr redet, wird nicht bleiben in euch; denn mit uns ist Gott, der Herr.“

Aber siehe, sagen sie, der Apostel bekennt ihn deutlich als einen Menschen; denn im Briefe an Timotheus sagt er so: „Der Mensch Christus Jesus.“ Indem sie aber Dieses sagen, scheinen sie den Sinn der Einfältigen zu verwirren. Denn wenn Einer mit Verstand auf den apostolischen Ausspruch aufmerkt, so wird er sie gerade durch diesen Ausspruch der Gottlosigkeit überführen. Aber wir wollen den Ausdruck nicht so zuschneiden [verstümmeln], sondern wenn wir uns ein Bischen des Vorausgehenden erinnern, werden wir daraus das richtige Bekenntniß der Heilsordnung [Menschwerdung] erkennen. Was also sagt der selige Paulus? „Einer ist Gott“ sagt er vom Vater und, mag sein, vom Sohne, „Einer auch Mittler Gottes und der Menschen“. Denn wenn er, sagt er, auch Mensch geworden ist, so dürfen wir ihn doch nicht als Zwei betrachten; denn wie das Wort vor der Menschwerdung Gott war, so ist es auch als Mensch geworden und als Mittler und in der Menschennatur wieder Eines. Darum nämlich nannte er ihn Mittler Gottes und der Menschen, als aus beiden Wesenheiten einer seiend; denn der Mittler zwischen Zweien hat gewiß an Beiden Theil. Er ist also Mittler Gottes, weil er von derselben Wesenheit ist mit dem Vater; er ist aber wieder auch Mittler der Menschen, weil er auch der Menschennatur vollständig theilhaftig ist ohne die Sünde. Wenn er ihn also „Mensch Christus Jesus“ nennt, so sollen sie deßhalb keinen Anstoß nehmen, sondern bedenken, daß er auch Herr und Gott genannt werde, nebst Dem, daß er ihn auch wieder Christum und Jesum nennt. Sie sollen nämlich den Apostel selbst deutlich Dieses also verkünden hören: „Erwartend,“ sagt er, „die selige Hoffnung und die Offenbarung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus, der sich selbst für uns hingegeben hat.“

Siehst du, wie er dort Christum Jesum einen Menschen nennt, der sich selbst für Alle hingegeben habe, hier aber wieder als großen Gott bezeichnet Christum Je- sum, der sich selbst für uns hingegeben habe? Zweifach ist hier der Beweis gegen sie oder vielmehr für sie, wenn sie ihre Gesinnung ändern wollen, weil er Jesum sowohl Gott als Herrn nennt, den er dort einen Menschen genannt hat, und weil er beide Mal ihn bezeichnet als Den, der sich selbst für uns hingegeben habe. Denn „der Mensch“, sagt er, „Christus Jesus, der sich selbst als Lösepreis für Alle hingegeben hat;“ und wieder: „Erwartend die selige Hoffnung und die Offenbarung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus, welcher sich selbst für uns hingegeben hat, damit er uns erlöse von aller Sünde und sich reinige ein reichliches Volk, das sich beeifert um gute Werke.“ Wenn aber, nach Jenen, nur ein Mensch ist Christus Jesus, der sich selbst für uns hingegeben hat und uns sich als ein reichliches Volk erworben hat, so dienen wir wie die Heiden einem Menschen und theilen übrigens einem Geschöpfe die Würde des Herrn zu. Aber so ist es nicht, Das sei ferne, sondern als Herrn und Gott erkennen wir Christum; denn unsertwegen ist das Wort Gottes Mensch geworden, an der menschlichen Natur theilnehmend, und wurde aus unsäglicher Menschenliebe mit dieser aus der heiligen und ehelosen Jungfrau geboren; aber es [er] war auch so von Natur Gott und Gottes Sohn. Aus diesem Grunde daher wird es auch Mensch genannt; es wird aber auch Gott genannt, da in beiden Benennungen Christus Einer und Derselbe ist.

Daß aber nicht als Menschen, wie Diese fabeln, Paulus Christum verkündete, höre ihn, wie er an die Korinther schreibt und sagt: „Denn nicht uns selbst predigen wir, sondern den Herrn Jesum Christum, uns selbst aber als euere Diener durch Jesus.“ Siehst du die Richtschnur der apostolischen Gesinnung? Jesum Christum, sagt er, predigen wir als Herrn, uns selbst aber als Diener. An die Römer aber wieder schreibend sagt er so: „Aus welchen dem Fleische nach Christus [stammt], der Gott ist über Alles, hochgeloht in Ewigkeit. Amen.“ Wenn er aber Christum als Menschen wußte, dann mußte er sagen: Aus welchen dem Fleische nach Christus ist, in welchem der über Alles erhabene Gott ist. Nun aber sagte er Das nicht, sondern bezeichnete mit lauter Stimme Christum als Gott über Alles. Nicht bloß Dieß aber, sondern auch Das wollen wir bedenken, daß, wenn der göttliche Apostel Christum nicht als Gott zugleich und Menschen gewußt hätte, er nicht gesagt hätte: „dem Fleische nach;“ denn Das wird offenbar von Dem gesagt, der nicht bloß Mensch ist, sondern auch noch von anderer Wesenheit, wie er denn auch beifügte: „Der Gott ist über Alles.“ Ein zweifaches Bekenntniß nämlich hat er hier von unserem Heilande abgelegt, indem er sowohl das Fleischliche zeigte als auch ihn als Gott verkündete. Denn wie der irdische König, wenn er einmal in Gestalt eines Befehlshabers ausgehen will, darum nicht aufhört, König zu sein, noch auch die frühere Würde verliert, sondern Einer und Derselbe ist, der zur Königswürde hinzu auch die des Befehlshabers hat, und man, wenn man ihn auch König nennt, weiß, daß er Derselbe ist, der auch die Gestalt des Befehlshabers trägt, und man umgekehrt, wenn man ihn Befehlshaber nennt, weiß, daß derselbe auch König ist: so war unser Herr Jesus Christus zwar immer Sohn Gottes, da er wahrer Gott ist; da er aber in den letzten Zeiten auch das Menschliche annahm, ist er Einer und Derselbe, er mag nun Gott genannt werden oder Mensch oder Jesus.

Da nun Dieses so sich verhält, wohlan, laß uns auch die Stimme des Herrn anführen, auf die sie besonders und keck sich stützen, indem sie sagen, er selbst habe in den evangelischen Berichten sich einen Menschen genannt, da er sprach „Was suchet ihr mich zu tödten, einen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe?“ Wenn man aber wahrheitsliebend auf die evangelischen Stellen aufmerkt, wo der Heiland Dieses gesagt hat, so wird man gar sehr ihre verschmitzte Gesinnung verdammen und sie mit Recht Streitsucher und Verläumder nennen. Denn so viel hat er vor diesem Ausspruche geredet, um sich als Gott und Sohn Gottes darzustellen, daß auch die Juden selbst damals, weil sie ja am Auge des Geistes blind waren, besonders deßwegen ihn tödten wollten. Und alles Dieses dem Stillschweigen preisgebend raffen sie diesen Ausspruch auf, indem sie Ähnliches thun wie die damaligen Pharisäer; denn auch jene paßten auf den lehrenden Heiland auf, nicht weil sie glauben und sich belehren lassen wollten, sondern weil sie Etwas aus seinem Munde zu erhaschen gedachten, wie der Evangelist erzählt; wie denn auch Diese jetzt die heiligen Schriften lesen oder vielmehr durchsuchen, um Etwas zu finden, um Denjenigen anzuklagen, der seine Seele für sie eingesetzt hat.

Was er aber in Dem, was diesem Ausspruche vorherging, sagte, wollen wir beachten. „Mein Vater,“ sagt er, „wirket bis jetzt, und ich wirke,“ und er nannte Gott seinen Vater, indem er sich Gott gleich stellte, weil er Dasselbe wirke wie der Vater. Denn „was jener thut, Das thut auch der Sohn auf gleiche Weise;“ und „alles Gericht gab ihm der Vater, damit Alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren;“ und „es kommt die Stunde, und sie ist jetzt, da die Todten die Stimme des Menschensohnes hören werden; und die sie hören, werden leben.“ Hierauf, damit sie nicht, wenn sie so Göttliches hörten, Anstoß nähmen wegen des Fleisches, weil er, der als Mensch erschien, Solches redete, fährt er kurz darauf fort und sagt, er sei der Menschensohn; wundert euch nicht darüber, nämlich daß, wenn auch diese Stimme ertönt, Diejenigen, die sie hören, leben werden; „es kommt die Stunde, da auch Alle, die in den Gräbern sind, hören und hervorgehen werden, die Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses gethan haben, zur Auferstehung des Gerichtes;“ denn das zuerst Gesagte: „Es kommt die Stunde, und sie ist jetzt“ und das: „Die sie hören, werden leben“ sei von den zu jener Zeit auferstandenen Todten gesagt, das aber: „Alle, die in den Gräbern sind“ bedeute den Auferstehungstag seiner herrlichen Wiederkunft. Bald darauf aber sagt er wieder: „Ich bin das Brod des Lebens.“ Aber all Dieses lassen sie, als ob sie nicht hörten oder vielmehr freiwillig taub wären, vorübergehen; den Ausspruch aber, der sagt: „Nun aber suchet ihr mich zu tödten, einen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe“ tragen sie herum, um den Sinn der Einfältigen zu verwirren. Sie sollten aber, wenn sie ehrlich wären, Das bedenken, daß der Nämliche, der das Vorerwähnte sprach, auch diesen Ausspruch that, und nicht an diesem, so Vieles gleichsam vergessend, Anstoß nehmen. Denn auch Jene, weil sie einen Menschen sahen und die Gottes würdigen Aussprüche nicht ertrugen, sagten: „Ist Dieser nicht der Sohn Josephs, dessen Vater wir kennen?“ Und wieder begegneten sie ihm mit den Worten: „Wozu machst du dich selbst?“ und abermal: „Du hast noch nicht fünfzig Jahre und kennst den Abraham?“ Und sie sollten sich mit dem Vorhergesagten begnügen und nicht weiter nachsuchen; denn die bei Anhörung der heiligen Schriften die rechte Denkweise zu haben bestrebt sind, werden gutwillig sagen, daß es nichts Ungereimtes sei, daß Der, welcher zugleich Gott und Mensch ist, wenn er redete, sich bald Gott, bald aber einen Menschen nannte, da die eine Benennung die andere keineswegs aufhebt.

Sodann aber kann man auch auf andere Weise Das ersehen, daß man ihn deßwegen nicht als einen Menschen denken darf im Sinne von Diesen. Wenn nämlich die Juden, nachdem sie Das vollbracht hatten, was der Herr hier ihnen vorhielt, ich meine das heilbringende Leiden, als Mörder eines Menschen verurtheilt wurden, dann könnte das von ihnen [den Gegnern] Gesagte einen Sinn haben. Wenn sie aber als Die, welche sich an dem Meister und Herrn vergriffen, verurtheilt wurden, dann ist klar, daß sie sich eine eitle Meinung gebildet haben, wenn sie ihn für einen Menschen halten, wenn sie auch sagen, das Wort habe in ihm gewohnt. Der selige Paulus nun stellt sie, von den Kreuzigern redend, deutlich als Mörder des Herrn hin, indem er wörtlich also schreibt: „Denn wenn sie ihn erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.“ Auch der Herr selbst aber sagt in der Parabel vom Weinberge, der Hausherr habe seine Knechte zu Ackersleuten geschickt; und „den einen“, sagt er, „schlugen sie, den anderen tödteten, den anderen steinigten sie,“ die Ackersleute nämlich; zuletzt aber, sagt er, habe er den Sohn selbst geschickt, und als die Ackersleute diesen sahen, sprachen sie zu sich: „Dieser ist der Erbe; kommt, wir wollen ihn tödten und sein Erbe in Besitz nehmen; und sie nahmen ihn und warfen ihn aus dem Weinberge hinaus und tödteten ihn.“ Wenn also der Apostel den Gekreuzigten als Herrn der Herrlichkeit bekennt, der Heiland selbst aber die Propheten als abgesandte Knechte bezeichnet, sich selbst aber als Sohn des Herrn der Knechte, wer wird noch zu sagen wagen, daß Der ein Mensch war, welcher sprach: „Nun aber suchet ihr mich zu tödten,“ und nicht vielmehr Mensch gewordener Gott, und besonders wenn er von den dem Titel eines Menschen zugeschriebenen göttlichen Werken hört, die künftig geschehen sollen? Denn „es kommt die Stunde, und sie ist jetzt, da die Todten die Stimme des Menschensohnes hören werden; und die sie hören, werden leben;“ und : „Wenn der Menschensohn“, sagt er, „kommt in seinem Reiche und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Throne seiner Herrlichkeit, Allen das gerechte Gericht zutheilend;“ und: „Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen, ausser der vom Himmel herab kam, der Sohn des Menschen.“

Hörst du deutlich Gott das Wort wegen der Vereinigung mit dem Fleische mit dem Titel eines Menschen bezeichnet? Denn wer sonst wäre Der, der vom Himmel herab kam? Nimm also keinen Anstoß, wenn er sagt: „Nun aber suchet ihr mich zu tödten, einen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe,“ sondern denk’ an die Heilsordnung und nimm das Gesagte fromm an! Denn hieraus besonders wird die Heilsordnung der Einigung erwiesen, und wenn er auch Mensch genannt wird, so darf er doch nicht ohne die Gottheit an sich so genannt werden. Denn wer wird zu sagen wagen, ein Mensch werde auch jenes Vorerwähnte wirken, nämlich seine künftige Erscheinung vom Himmel her und das gerechte Gericht über Alle, zumal da der Psalmist David singt: „Dir gebührt ein Loblied, o Gott, in Sion, und dir soll Gelübde dargebracht werden in Jerusalem; höre das Flehen, denn zu dir wird alles Fleisch kommen“? Denn was sonst ist Das, als was wir gehört haben, daß der Sohn des Menschen thun werde? Denn „alsdann“, sagt er, „wird er sitzen auf dem Throne seiner Herrlichkeit, und es werden vor ihn gebracht werden alle Völker.“ Siehst du, wie, während David als zu Gott sagt: „Zu dir wird alles Fleisch kommen.“ Dieses als an dem Menschensohne sich erfüllen sollend gezeigt ist? Mensch gewordener Gott also ist der aus Maria Geborne, indem die heiligen Schriften Dieses durch viele Beweise uns deutlich darthun; Gottesgebärerin aber gewiß ist auch die herrliche Jungfrau selbst, wenn auch Diese nicht wollen. Denn wenn der aus ihr hervorgegangene Jesus Christus ein Mensch war, wie schrieb dann Paulus im Briefe an die Galater: „Paulus, Apostel, nicht von Menschen noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus“? Es ist klar, daß er nicht bloß Mensch, sondern Mensch gewordener Gott ist. Es sollen also nicht Anstoß nehmen an solchen Aussprüchen die Ungebildeten, sondern sollen die Heilsordnung des göttlichen Mysteriums kennen lernen und endlich mit den Engeln auch sie Christum anbeten. „Denn da er,“ sagt er, „den Erstgebornen in die Welt einführte, sprach er: Und es sollen ihn anbeten alle Engel Gottes;“ und: „Im Namen Jesu Christi aber wird jegliches Knie sich beugen im Himmel, auf Erden und unter der Erde und jede Zunge bekennen, daß Jesus Christus der Herr ist zur Ehre Gottes des Vaters.“ Sie sollen eingedenk sein, daß Christus Jesus als Herr anerkannt werde, und sollen nicht irre werden, wenn sie ihn wegen der Heilsordnung einen Menschen nennen hören.

So sollen sie auch das eines Nutzens oder der Heilsordnung wegen über ihn Gesagte verstehen, wie zum Beispiel auch den Ausspruch des Apostels Petrus; denn „Jesum von Nazareth“, sagt Petrus in seiner Ansprache an die Juden, „einen bei euch von Gott bewährten Mann.“ Es muß nämlich, wer die heiligen Worte hört [oder liest] sowohl die Personen in’s Auge fassen als auch die Zeit bedenken, und warum jedwedes gesagt sei; denn so wird man durch die Gnade des Geistes mit jedem Ausspruche den gehörigen Sinn verbinden können. Da nun auch diesen Ausspruch Jene zur Feststellung ihrer Gottlosigkeit vorbringen, so wollen wir sehen, was denn Petrus mit Rücksicht auf die Heilsordnung damit gesagt hat, oder vielmehr wir wollen ihn selbst bitten, uns die Ursache anzugeben, wodurch er so zu reden bewogen wurde. Was sagst du, o Seliger? Als Menschen predigst du Christum und beredest uns, Diesem zu glauben, um uns zu lehren, einem Geschöpfe zu dienen? Und doch tadelt ein anderer Apostel Diejenigen, welche dem Geschöpfe dienen wollten. Und wie dann hast du selbst auf seine Frage: „Für wen hältst du den Menschensohn?“ geantwortet: „Du bist der Sohn des lebendigen Gottes,“ obwohl damals die Frage Denen, die das Geheimniß der Heilsordnung nicht recht kannten, vielleicht auch einen solchen Gedanken nahe legen konnte, nämlich ihn für einen Menschen zu halten? Denn „für wen“, sprach er, „halten die Menschen den Menschensohn?“ Und damals, da du ihn als Menschensohn hörtest, erklärtest du ihn für den Sohn Gottes; jetzt aber nach dem Anblicke der Macht vieler anderer Zeichen, nach der gemachten Erfahrung seiner seligen Auferstehung und Himmelfahrt erklärst du ihn für einen Menschen?

Und Niemand meine, er habe auch damals als von einem Menschen sagen können: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes,“ da auch die Heiligen den Titel „Söhne Gottes“ führen; denn nicht einfach sprach er: „Du bist ein Sohn Gottes,“ sondern: „Du bist der Sohn Gottes;“ denn die Beifügung des Artikels zeigte Petrus habe den einen und einzigen wahren Sohn bekannt. Zudem aber begegnete Diesem fast der selige Petrus selbst mit den Worten: „Glaubet nicht, daß ich Das gesagt habe, Christus sei als Mensch Einer wie wir; Das ist es nicht, was ich sage, sondern ein wunderbares und unglaubliches Ereigniß stelle ich dar; und was ist das für eines? Von der Herabkunft des Geistes umtönt ist das Volk der Juden zu uns zusammengelaufen; da ich also finde, nun sei es Zeit, Menschen zu fischen, und ihnen doch nicht offen und geradezu Christum als Gott predigen kann, da sie ihn ja vor Kurzem gekreuziget hatten, und darum die Sache für sie schwer erschien, so verberge ich den Angelhacken der Rede, wie bei den Fischen im Köder, in diesen niedrigen Ausdrücken und nenne Jesum einen Nazaräer und Gekreuzigten und daß Gott ihn von den Todten auferweckte, und so verhüllt trage ich auch die Lehre von seiner Gottheit vor und zwar mit einer gewissen Kunst; denn ich erinnere sie nebenbei an die Worte Davids, weil sie dessen Aussprüche ohne Verdacht lieber annehmen, und durch diese schreibe ich Alles wieder der Macht Gottes zu, damit ich sie so die Heilspredigt allmählig annehmen mache; und wenn Dieß geschieht und sie zerknirscht werden, dann will ich ihnen schon deutlicher denselben als Gott darstellen durch die Verordnung dieser Taufe auf seinen Namen, indem ich lehre, daß ihnen dadurch Nachlassung der Sünden verliehen werde.“

Und betrachte die apostolische Klugheit! „Jesum von Nazareth,“ sagt er, deinen Mann, der von Gott unter euch bewährt wurde durch Kräfte und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in euerer Mitte gethan hat.“ Von Gott bewährt, sagt er, sei er, und Gott habe Dieses durch ihn gewirkt, um sie durch die Nennung des Vaters zu bereden, auch Jesum selbst und seine Werke anzunehmen, da jener, nämlich der Vater, durch ihn Dieses that, denn „die Gott“, sagt er, „durch ihn gethan hat.“ Sodann nach Erwähnung des Kreuzes trägt er auch die Auferstehung vor und diese wieder als durch den Vater geschehen, damit er sie dadurch auch diese [Auferstehung] annehmen mache; und endlich trägt er ihnen gleichsam verhüllt auch die Lehre von seiner Gottheit vor; denn nachdem er gesagt hatte: „Welchen Gott nach Lösung der Schmerzen des Todes auferweckt hat,“ fährt er fort: „Weil es nicht möglich war, daß er von ihm festgehalten wurde.“ Das sagt er schon nicht mehr als von einem Menschen; denn wenn er ein Mensch war, konnte er gewiß auch vom Tode festgehalten werden. Aber nachdem er Dieses gesagt hatte, nimmt er schnell zu dem prophetischen Zeugnisse seine Zuflucht, damit sie, nicht mehr als von ihm, sondern als von dem Propheten belehrt, das Gesagte bereitwilliger annehmen möchten, und sagt: „Denn David sagt auf ihn: Ich sah den Herrn allzeit vor mir“ u. s. w. Sieh’, mit welcher Kunst er ihnen die Lehre vom Herrn vortrug! Sodann, als er mit dem Zeugnisse fertig war, läßt er ihr Denken gleichsam wieder herunter, nachdem er ziemlich deutlich ihn als Gott bezeichnet hatte, und eilt wieder zur Nennung des Vaters und sagt: „Zuverlässig also erkenne das ganze Haus Israel, daß zum Herrn und Christus Gott diesen Jesus gemacht hat, den ihr gekreuzigt habt!“ Und als Jene dann fragten, was sie thun sollten, befahl er ihnen, sich taufen zu lassen auf seinen Namen und dadurch Nachlassung der Sünden zu erlangen, indem er durch die Nachlassung der Sünden sie denken ließ, daß er der Herr sei, dadurch aber, daß er sagte: „Gott hat ihn dazu gemacht,“ ihren Widerspruch ausschloß.

Denn daß ihn uns der Vater nicht zu einem neuen Herrn machte, wird, glaube ich, kein Rechtdenkender in Abrede stellen. Denn auch nicht so hat er es gesagt, wie Einige unverständiger Weise den Ausspruch auf die Gottheit des Sohnes beziehen; der Apostel hatte ja nicht die Absicht, von seiner Existenz zu reden, sondern von seiner Herrlichkeit nach der Auferstehung. Das „er hat ihn zum Herrn gemacht“ steht also statt: „Er gab ihm die Herrlichkeit des Herrn und Christus;“ nicht als ob der Sohn eine erworbene Herrlichkeit empfangen hätte, sondern er redete wegen der vorerwähnten Heilsordnung so zu ihnen: „So sollet ihr an ihn glauben, daß ihr zu ihm hintretet als zu Christus und dem Herrn!“ Denn daß Jesus von Nazareth, der sein Blut für uns zu vergießen auf sich nahm, kein Mensch wie wir war ohne Einigung mit dem Worte, Das höre deutlich vom Apostel Paulus, der den Lehrern der Ephesier offen erklärte: „Habet Acht“, sagt er nämlich, „auf euch und die ganze Heerde, in welcher euch der heilige Geist zu Bischöfen [Aufsehern] gesetzt hat, die Kirche Gottes zu weiden, die er sich erworben hat durch sein eigenes Blut!“ Hörst du, wie der Apostel deutlich den Gekreuzigten als Gott verkündet? Denn „die Kirche Gottes zu weiden,“ sagt er, „die er sich erworben hat durch sein eigenes Blut,“ nicht als ob er an der Natur der Gottheit gelitten hätte, sondern weil die Leiden seines Fleisches sich auf ihn beziehen, weil dieses nicht das Fleisch irgend eines Menschen, sondern das eigene Fleisch des Wortes selbst war. Wenn also das Fleisch Fleisch Gottes genannt wird, so ist klar, daß Gott mit dem Fleische bekleidet war.

Wenn sie aber dabei bleiben und sagen: Wo in der Schrift ist die Jungfrau Gottesgebärerin genannt? so sollen sie deutlich den Engel den Hirten Dieses verkünden und sagen hören: „Denn heute ist euch der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr:“ Er sagt aber nicht: „Welcher Herr sein wird“ oder: „In welchem der Herr wohnen wird,“ sondern: „Welcher Herr ist.“ Siehe, deutlich verkündet der Engel den Gebornen als Herrn! Sodann ihnen auch gleichsam ein Zeichen von der Schau des Herrn gewährend sagt er: „Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.“ Und ähnliches wie der Engel verkündete auch Petrus, da er zu Kornelius eintrat und sprach: „Er sandte den Kindern Israels das Wort, Friede verkündend durch Jesus Christus; Dieser ist der Herr Aller.“ Siehst du, wie er sagt, „das Wort“ statt „die Heilsbotschaft durch Jesus Christus“ sei gesendet worden? Und ihnen zeigend, wer Jesus Christus sei, sprach er: „Dieser ist der Herr Aller.“ Stehst du, wie das Kind sowohl vom Engel als von Petrus Herr genannt wird? Also ist ohne Zweifel Die, so den Herrn gebar, Gottesgebärerin. So hat sie auch die Mutter des seligen Täufers, vom heiligen Geiste bewegt, angeredet. Denn „es wurde“, heißt es, „Elisabeth vom heiligen Geiste erfüllt und rief aus: Gesegnet bist du unter den Weibern, und gesegnet die Frucht deines Leibes; und woher mir Dieß, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Wer ist so von Sinnen, daß er nicht mit den Evangelien die heilige Jungfrau Gottesgebärerin nennen wollte? Sie sollen also nicht die Ohren der Einfältigen verwirren, indem sie ihn Knaben und Kind nennen, damit sie nicht in Kurzem auch seinen ganzen Erdenwandel läugnen; denn Kind ist er von dem Engel genannt worden, aber zugleich auch Herr.

Sie sollen aber nicht auch hier wieder murmeln und das Leiden vorwenden und die Auferstehung und daß Gott ihn auferweckt habe; denn schon im Vorhergehenden wurde die Rücksicht der Heilsordnung gezeigt. Indeß wenn sie noch deutlicher vernehmen wollen, wer der Gekreuzigte war, so sollen sie den Lehrer der Welt hören, der an die Korinther Folgendes schreibt: „Denn ich,“ sagt er, „habe es von dem Herrn empfangen und euch überliefert, daß der Herr Jesus in der Nacht, in der er überliefert wurde, Brod nahm“ u. s. f. Siehst du, wie Der, der für uns litt, deutlich Herr genannt wird? Wenn aber auch das „Gott hat ihn von den Todten erweckt“ den Menschen zum Anstoß ist, als von einem Menschen gesagt, so sollen sie wieder den Apostel selbst auch diese Meinung aufheben hören; denn heilsordnungsgemäß ist Dieses in den heiligen Schriften gesagt. Denn daß, der im Fleische sowohl litt als auferstand, der Herr war und nicht, wie sie sagen, ein Mensch, der das Wort in sich wohnend hatte, sollen sie von Paulus hören, der an die Römer von Abraham freimüthig also schreibt: „Nicht bloß seinetwegen ist es geschrieben worden, sondern auch unsertwegen, denen es angerechnet werden soll, daß wir an Den glauben, der unseren Herrn Jesum von den Todten erweckt hat.“ Hast du gehört, wie der Erweckte als Herr bezeichnet wird? Nimm also keinen Anstoß mehr an Dem, was der Heilsordnung gemäß gesagt ist.

Auch Das aber muß man dem Gesagten beifügen, damit Niemand meine, auch er werde aus Gnade wie wir Gott und Herr und Sohn zugenannt. Denn wir, wenn wir auch Götter genannt werden, hören doch wieder auch das Maaß unserer Ohnmacht. Denn „ich sprach“, heißt es,  „ihr seid Götter;“ aber sogleich fährt er fort: „Ihr aber werdet wie Menschen sterben.“ Und es ist klar, daß wir die Benennung aus Gnade empfangen haben, er aber nicht so, sondern mit der göttlichen Herrlichkeit hat er auch die Benennung. Denn er wird nicht einfach Gott genannt, sondern „Gott über Alle“ und „hochgelobt in Ewigkeit“; und er wird ferner auch Herr genannt, und nicht bloß so wie wir, sondern „Herr der Herrlichkeit“ und „Herr Aller“, wie Petrus gelehrt hat; wenn er aber auch Sohn genannt wird, so auch Dieß nicht wie wir einfach Sohn, sondern einziger und wahrer Sohn der Wesenheit nach, wie Johannes sagt. „Und wir sind in dem wahren Gott und in seinem Sohne; dieser ist der wahre Gott und ewiges Le- ben.“ Noch deutlicher aber unterscheidet ihn der Apostel Paulus von den vielen als einzigen und wahren Sohn; denn er sagt so: „Denn wenn auch Viele Götter genannt werden, sei es im Himmel oder auf Erden, wie es denn viele sogenannte Götter und Herren gibt,“ dann, damit du es wissest: „Aber für uns ist ein Gott, der Vater, aus dem Alles, und ein Herr Jesus Christus, durch den Alles.“ Siehst du, wie nicht mit Allen er selbst Herr und Gott genannt wird, sondern allein zugleich mit dem Vater gepriesen wird, als der Natur nach aus ihm seiend?

Es ist aber übrigens Zeit, auch das andere Zeugniß des Apostels anzuführen, welches diesen wahren (Gott) Sohn als Menschen zeigt, der aus der herrlichen Jungfrau geboren ist. Es lautet aber so: „Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren vom Weibe.“ Niemand aber erröthe, Das zu sagen; denn keine Schmach mißt Dieses dem Worte bei, sondern vielmehr Menschenliebe und darum unbegrenzte und unermeßliche Ehre. Denn daß dadurch das Wort keinen Schaden litt, da es unberührbar ist in seiner Natur und leidensfrei und unumschränkt, sondern daß es Das aus unsäglicher Menschenliebe vollbrachte, höre wieder von Paulus selbst, der also lehrt: „Jesus Christus,“ sagt er, „gestern und heute Derselbe und in Ewigkeit.“ Denn indem er sagt „gestern“, deutet er seine vorweltliche Herrlichkeit an; das „heute“ aber bezeichnet die gegenwärtige Zeit; und weil er sich nicht änderte, sondern Derselbe blieb, auch da er Fleisch wurde, und Derselbe sein wird in Ewigkeit, darum fügte er bei: „Derselbe und in Ewigkeit.“ Da nun Dieses sich so verhält, so bewies er durch große Menschenfreundlichkeit seine Liebe zu uns und wurde unserer Natur theilhaftig, um sie wieder herzustellen und aus der Knechtschaft des Teufels zu befreien. Niemand also schäme sich, wenn er „Knabe“ hört und „Kind“, und was immer Menschliches von ihm geschrieben ist! Denn er unterzog sich Allem, nicht seinem, sondern unsertwegen, allenthalben Das bewahrend, was der menschlichen Natur zukommt, damit die Heilsordnung nicht für Einbildung gehalten werde.

Wenn du also auch hörst, daß ihn der selige Joseph nahm und nach Ägypten floh, so halte Das nicht für eine Schande, sondern bedenke die Heilsordnung! Denn nicht bloß damals ist Dieses von ihm geschrieben, sondern auch, als er, zum dreissigsten Jahre gelangt, zu predigen und zu lehren begann und Wunderthaten vollbrachte, finden wir wieder Solches von ihm geschrieben. Denn „da erhörte“, heißt es, „daß Johannes überliefert wurde, entwich er nach Galiläa.“ Und anderes Dergleichen kann man finden. Aber nicht aus Furcht that er Das, weder damals noch jetzt, sondern weil er die passende Zeit des heilbringenden Leidens abwartete. Denn er mußte zuerst die Botschaft leuchten lassen und Alles vollbringen, was er wollte, und dann auch in das heilbringende Leiden gehen, was auch geschah. Daß aber Dieses nicht aus Furcht und Feigheit geschah, ist klar aus Dem, was er that, als er nicht überliefert werden wollte; denn als die Juden ihn damals hinabstürzen wollten, „schritt er,“ heißt es, „mitten durch sie hindurch und ging fort,“ und ein ander Mal, als sie ihn fangen wollten, heißt es: „Niemand legte Hand an ihn; denn seine Stunde war noch nicht gekommen.“ Allein wiewohl er unantastbar sein konnte als Gott, so gab er doch wieder nach wegen des Menschlichen, damit er als in Wahrheit Mensch geworden erscheine. Wenn aber Jemand sagen wollte: Warum wich er nicht auch damals, als er ein Knabe war, durch sich selber dem Anschlage aus, sondern auf Mahnung des Engels? so soll er wissen, daß es auch damals sein Werk war; aber damit er nicht die so große Rücksicht auf die Heilsordnung auflöse im Kindesalter, darum bewerkstelligte er die Sache durch den Engel.

Daß er aber in der Absicht, das Gebührende zu wahren, Alles heilsordnungsgemäß that und dem Fleische bewährte, das ihm Zugehörige zu zeigen, Das wird wieder er selbst dir beweisen; denn als der selige Täufer zu ihm sprach: „Ich habe nöthig, von dir getauft zu werden,“ antwortete er ihm: „Laß Das jetzt; denn so gebührt es sich, alle Gerechtigkeit zu erfüllen!“ Siehst du, daß er auch die Taufe und alles Gebührende heilsordnungsweise annahm? Wenn du also hörst „Knaben und „Kind“, und was immer Menschliches von ihm geschrieben ist, so vermuthe, wie gesagt, nie, daß er ohne die Gottheit sei! Denn auch wenn er Mensch genannt wird, erweist er sich als Gott, wie schon oft gezeigt wurde. Das Gesagte wird aber ausserdem auch der selige Täufer bezeugen, der von ihm also spricht: „Nach mir kommt ein Mann, der mir vor geworden ist, weil er früher war als ich; und ich kannte ihn nicht.“ Wie nun nennt er ihn einen Mann und sagt, er sei früher als er gewesen? Und doch wird nach der Zeit der Heilsordnung der selige Täufer als früher geboren gefunden. Denn als Gabriel der Gottesgebärerin Maria die unbedeckte Empfängniß verkündete, sagte er, bei Elisabeth sei es schon der sechste Monat, daß sie den Täufer empfangen habe. Wie also nennt er ihn einen Mann und sagt, er sei früher gewesen als er, wenn er ihn nicht offenbar als Mensch gewordenen Gott wußte? Denn „nach mir“, sagt er, „kommt ein Mann, der mir vor geworden ist, weil er früher war als ich.“ Wenn er aber früher ihm vor [voraus] war, wie ist er hinter ihm geworden [nachgestanden]? In der Offenbarung und Erkenntniß bei dem Volke; denn bevor er anfing, zu predigen, war er der Menge nicht sehr bekannt, der Täufer aber predigte und taufte schon vor ihm. Als aber dann auch der Herr predigen begann und Wunder zu vollbringen, da gewann vor dem Täufer, das heißt mehr als er, den Vorrang. Und daß das „vor“ Dieses bedeute, höre, was zu Johannes seine eigenen Schüler sagten: „Meister, der bei dir war am Jordan, dem du Zeugniß gegeben hast, siehe, der tauft und Alle gehen zu ihm!“ Siehst du, wie er ihn als einen Mann und als den früheren verkündete?

Wenn, von dem vorhergehenden Rausche benebelt, die Verirrten auch jetzt noch zögern, der Wahrheit zu gehorchen, wohlan, so wollen wir ihnen auch jenes Zeugniß vorführen, gegen welches selbst die Dasselbe wie sie meinen, und ihn für einen bloßen Menschen haltenden Juden nicht mehr widersprechen konnten. Was ist aber das für eines? Der Herr selbst fragte einst die Pharisäer und sprach: „Was dünkt euch von Christus? Wessen Sohn ist er?“ Als sie aber antworteten: „Davids“, sprach er zu ihnen: „Wie also nennt David im Geiste ihn Herrn, da er sagte: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache? Wenn also David ihn Herrn nennt, wie ist er sein Sohn?“ Siehst du deutlich, wie er sich selbst als Herrn Davids darstellte? Wie also konnte der aus Davids Samen Stammende dessen Herr sein und Mitregent des Vaters, ausser weil er Gott war, der das Menschliche angezogen hatte? Als Sohn nämlich und als Herrn des David erwies er den aus der Jungfrau Gebornen, das heißt sich selbst. Aber Jene wandten sich nach Anhörung dieses Zeugnisses ab und hörten auf, zu widersprechen, wie der Evangelist erzählt. Denn „Keiner“ sagt er, „konnte ihm Etwas antworten; auch wagten sie von jener Stunde an nicht mehr, ihn zu fragen.“

Möchten aber auch Diese einmal, wiewohl spät, von ihrem Unverstand ablassen und die Botschaft der Gottesfurcht anerkennen; wir aber, Geliebte, wollen allzeit an diesem Glauben festhalten; diesen wollen wir sowohl im Herzen haben als mit der Zunge offen und mit Freimuth verkünden, seinetwegen Alles bereitwillig zu ertragen entschlossen. Denn dieser ist die Verkündung der Propheten, die Predigt der Apostel, der Verleiher des Himmelreiches, er ist der Führer des ewigen Lebens, er der Reichthum der Väter, er auch unser wahrer Schatz, für den wir Alles verkaufen und fahren lassen sollen. Wenn diesen [Schatz] uns Jemand rauben will, so wollen wir ihn fliehen als einen Widersacher Christi und Feind unseres Heiles, gehorchend dem Apostel, der uns mahnt: „Wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas Anderes verkünden würden als wir euch verkündet haben, der sei Anathema!“

 

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