Ausgewählte Akten persischer Märtyrer

Schâpûr und Genossen 

Zeugnis des Schâpûr, Bischofs von Bêt Nikâtôr, des Isaak, Bischofs von Karkâ de Bêt Slôk, des Ma’nâ, Abraham und Simon, welche in Bêt Pârsâjê in den Tagen des persischen Königs Schâpûr Zeugnis gaben und (deren Reliquien) sich gegenwärtig im neuen Martyrium innerhalb der Stadt Edessa befinden.

Im dreißigsten Jahre der Regierung Schâpûrs, des Königs von Persien, traten Magier hinzu, klagten die Nazarener an und sprachen zum König: „Wir können der Sonne nicht dienen, noch die Luft klären, noch das Wasser hell machen, noch die Erde reinigen wegen der Nazarener, welche die Sonne schmähen, das Feuer verachten und das Wasser nicht ehren.“ Da wurde Schâpûr von großem Zorne erfüllt; er blieb von der Rennbahn weg, wohin er zu gehen im Begriff war und befahl, daß die Nazarener ergriffen würden. Da zogen die Polizeihauptleute und Notare (ταβελλάριος) des Königs aus und ergriffen den Ma’nâ, Abraham und Simon.

Am folgenden Tage standen die Magier anklagend vor dem König der Könige und sagten: „Schâpûr, der Bischof von Nikâtôr, und Isaak, der Bischof von Karkâ de Bêt Slôk bauen Tempel (ναός) und errichten Kirchen und durch schöne Worte verführen sie die Leute.“ Da befahl der König: „Binnen drei Tagen sollen sie sich an meinem Hofe einfinden.“ Da der Befehl des Königs drängte, zogen Reiter bei Tag und Tag und brachten sie herbei. Und da man dem König meldete, Schâpûr und Isaak seien gekommen, befahl er, sie mit ihren Genossen im Gefängnis zu verwahren. Und wie der König befohlen, wurden sie eingesperrt.

Am folgenden Tage berief der König die Vornehmen und sprach: „Kennt ihr die Nazarener Schâpûr und Isaak?“ Sie sprachen: „Wir kennen sie.“ Da entbrannte der Zorn des Königs und er befahl, daß sie vor ihm erscheinen sollten. Man brachte die Bischöfe Schâpûr und Isaak, sowie den Ma’nâ, Abraham und Simon und sie erschienen vor ihm, wie er befohlen. Der König sprach: „Wißt ihr nicht, daß ich vom Samen der Götter bin? Und ich bete die Sonne an und ehre das Feuer. Aber wer seid ihr, daß ihr meinem Befehle widersteht, die Sonne schmäht und das Feuer verachtet?“ Einstimmig antworteten alle: „Wir beten den einen Gott an und ihm allein dienen wir.“ Der König sprach:„Wer ist der Gott, der besser ist als Hôrmizd, oder dessen Zorn härter ist als der Ahrimans? Welcher Mensch ist weise und betet die Sonne nicht an?“ Bischof Schâpûr sprach: „Wir kennen keinen andern Gott neben Gott, der Himmel und Erde, Sonne und Mond, alles Sichtbare und Unsichtbare gemacht hat. Und wir glauben an Jesus, den aus ihm geborenen, der Nazarener genannt wird.“

Als der König das hörte, befahl er, ihn auf den Mund zu schlagen. Man schlug ihn, bis seine Zähne herausbrachen. Der König sprach: „Rufe Jesum, daß er dir (wieder) Zähne gebe.“ Schâpûr sprach: „Jesus gibt mir etwas, was du nicht wissen kannst.“ Der König sprach: „Wie kann ich es nicht wissen?“ Schâpûr sprach: „Weil du böse bist.“ Da befahl der König, von großem Zorne erfüllt, ihn mit Stöcken zu schlagen und man schlug ihn, bis alle seine Knochen zerbrachen. Da noch ein wenig Leben in ihm war, befahl er, ihn in Eisen im Gefängnis zu bewahren und man fesselte ihn nach Befehl.

Hernach brachte man den Isaak herbei und der König befahl, ihm sein Gewand zu nehmen und man nahm es. Der König sprach: „Hältst auch du die Torheit Schâpûrs fest, daß ich dein Blut mit dem seinigen mische?“ Isaak sprach: „Was du Torheit nennst, ist herrliche Weisheit; aber du fühlst es nicht.“ Der König sprach: „Ich sehe, daß du viel redest; ich befehle, daß man dir die Zunge ausreiße.“ Isaak sprach: „Es steht geschrieben: Ich werde in Gerechtigkeit vor den Königen reden und mich nicht schämen.“ Der König sprach: „Wie wagtest du es, eine Kirche zu bauen?“ Isaak sprach: „Wann habe ich aufgehört, Kirchen zu bauen?“

Da er so sprach, ergrimmte der König. Er rief die Vornehmen von Karkâ und sprach zu ihnen: „Wißt ihr nicht, daß, wenn Hinterlist im Herzen oder auf der Zunge eines Mannes gefunden wird, er der Todesstrafe schuldig ist? Wie gefällt euch meine Beschimpfung und freut euch meine Geringschätzung? Mit Isaak aber habt ihr Gemeinschaft und tretet zu seinem Sakrament hinzu. Bei der Sonne schwöre ich und dem Feuer, das nicht erlischt, daß, wenn ich in meiner Hülle (? am Leben) bleibe, ihr ihm in das Grab vorangehen sollt.“ Als die Vornehmen das hörten, stockte ihr Herz und sie fielen auf ihr Angesicht. Sie führten den Isaak von ihm fort, brachten ihn an den dafür bestimmten Ort und steinigten ihn, daß er starb, weil sie den Zorn des Königs fürchteten. Jene Vornehmen waren Christen dem Namen nach.

Als Bischof Schâpûr im Gefängnisse hörte, daß Isaak von den Vornehmen gesteinigt worden und gestorben war, freute er sich und lobte Gott, der ihn gekrönt. Auch er starb nach zwei Tagen wegen der Schläge und der Eisen. Man teilte dem König mit, daß Schâpûr im Gefängnis gestorben sei und er befahl, ihm den Kopf abzuschneiden und zu bringen. Und man tat so. Er glaubte nämlich nicht, daß er gestorben sei.

Nachdem Isaak gesteinigt worden und Schâpûr im Gefängnis gestorben war, befahl der König, den Ma’nâ, Abraham und Simon vorzuführen und sprach:„Betet ihr die Sonne an und ehrt ihr das Feuer?“ Sie antworteten: „Das sei ferne von uns. Wir beten Jesum an und ihn bekennen wir.“ Da verurteilte sie der König zu verschiedenen Todesarten. Er befahl, den Ma’nâ zu schinden vom Kopf bis zu den Hüften und dieser starb, als es geschah. Dann befahl er, eiserne Nägel im Feuer glühend zu machen und dem Abraham in beide Augen zu stoßen und nach zwei Tagen starb er. Dann befahl er, eine Grube zu graben und den Simon bis zur Brust einzugraben. Und er ließ Bogenschützen mit Pfeilen nach ihm schießen und er starb. Es kamen christliche Brüder, stahlen ihre Leichen und begruben sie heimlich.

Mâr Simon und Genossen

Im Namen des Herrn Jesu Christi schreibe ich das Zeugnis des Mâr Simon, des Hauptes der Bischöfe der orientalischen Kirche, sowie der Bischöfe, Priester, Diakone, Bundessöhne und gläubigen (Laien), die mit ihm Zeugnis gaben. Ihr Andenken sei zum Segen und uns sei Hilfe durch ihr Gebet. Amen.

Wir kommen zu der Geschichte der traurigen Hinrichtung des heiligen Zeugen Gottes, Mâr Simon, des Hauptes der Bischöfe und Katholikos der orientalischen Kirche, der zuerst im Orient im guten Zeugnisse Gottes sich hervortat, des Gadjahb und Sâbinâ, der Bischöfe von Bêt Lâpas, des Johannan, Bischofs von Hôrmizd Ardaschîr, des Bôlida‘, Bischofs von Prât de Maischân, des Johannan, Bischofs von Karkâ de Maischân, der siebenundneunzig Priester und Diakone, des Obereunuchen Gûhaschtazâd, der seinem Range nach Arzabed war, des Karogbed Pûsai, der seinem Range nach Werkmeister war, und seiner Tochter, einer Bundestochter, welche mit dem seligen Simon in gutem Zeugnisse Gottes gekrönt wurden.

Wir sagten in unserem ersten Buche, daß von dem Regierungsantritt des seligen Constantin bis zu seinem Tode — er regierte 33 Jahre über die Römer —das Abendland keine Zeugen hatte. Sobald der herrliche Constantin starb, begann Schâpûr, der König der Perser, das Christenvolk zu bedrängen, die Priester und den Bund zu quälen und die Kirchen in seinem ganzen Gebiet zu zerstören. Gott ließ aber zu, daß die Verfolgung über uns komme, damit nicht Satan und seine Knechte und Diener unter den Menschen sagen können: „Der Friede hat das Volk Gottes groß gemacht. Das Wohlergehen machte die Kirche Christi wachsen. Die Könige reichten ihr die Hand und erhöhten sie. Sieh, beiderseits herrscht Frieden; es ist kein Verfolger noch Bedränger.“ So verleumdeten sie den seligen Job bei Gott: „Nicht umsonst fürchtet Dich Job. Sieh, Du ließest Deine Hand auf ihm ruhen, sowie auf seinem Haus, seinen Kindern und allem, was er irgendwo besitzt. Sein Händewerk hast Du gesegnet und sein Besitz ist viel auf Erden. Aber strecke Deine Hand aus und tritt an alles heran, was er hat, so wird er Dich ins Angesicht lästern.“ (Gott ließ nun die Verfolgung zu), damit nicht (Satan) zu ihm spreche: „Du hast die Christen in dieser Welt geehrt. Es sind Könige, Fürsten, Machthaber, Richter, Beamte unter ihnen. Deshalb hatten sie Erfolg; deshalb wurden sie viel im Lande; deshalb haben sie sich vermehrt und wurden sie stark gar sehr. Der Friede gewährte ihnen Wachstum; die Ruhe gab ihnen Raum zum Erstarken. Wer sollte nicht sich den Königen nachziehen lassen? Wer sollte nicht den Fürsten nachgehen? Wer sollte nicht lieben den Ruhm der Welt? Wer nicht Freude und Üppigkeit? Wer sollte nicht Reichtum begehren? Wer nicht den Ruhm dieser begehrenswerten Welt ersehnen? Wer sollte sich Mühen statt der Ruhe, Plagen statt des Vergnügens, Schimpf statt Ehre, Schmach statt Lob erwählen?“

Damit nicht der Verleumder solches vorbringen könne, ließ der angebetete Gott, der alles in seiner Weisheit lenkt, dreihundert Jahre im Römerland die Verfolgung zu. Die Gläubigen wurden durch die Verfolgung geprüft, die Treue der Verfolgten geoffenbart und Satan der Mund gestopft. Dann gab ihnen Gott Ruhe; er sendete ihnen den Engel des Friedens, den siegreichen König Constantin, und ließ sie in Ruhe wohnen. Dadurch wurde der Verleumder überführt, daß Jesus nicht aus Unvermögen seine Verehrer hatte verfolgen lassen. Und sieh, es befahl nun sein Wink, und aus der Finsternis und dem schwarzen Dunkel der Peinen und Verfolgungen ging plötzlich ein herrliches Licht auf, das durch seine Strahlen das Dunkel der Verfolgungsnacht vertrieb. Und nachdem dreiunddreißig Jahre in den beiden Weltgegenden bei den Untertanen des christlichen Königs und den Knechten des heidnischen Königs überall Friede geherrscht, obwohl die Erinnerung an die erste Verfolgung noch nicht geschwunden war, sondern im Geiste der Augenzeugen (fort)lebte, da ließ der allweise Gott nach dreiunddreißig Friedensjahren eine Verfolgung über die Gläubigen kommen, indem böse Menschen ihren gottfeindlichen Willen zeigten, damit nicht, indem in der Folge der Geschlechter die Erinnerung an die Verfolgung vergehe, Satan jene Meinung (wieder) in die Welt säe. Jedoch zeigt er jederzeit in seiner unerforschlichen Weisheit durch den Abgrund ihrer Bosheit die Gnade und Weisheit seiner Heilsordnung und seine unbesiegliche Kraft zeigt er in der körperlichen Schwäche seiner Diener. Wie er das körperliche Leben durch die durch Joseph vollzogene Getreideaufspeicherung vielen Völkern erhielt, nachdem er diesen hatte verkaufen lassen, ebenso gab er, nachdem Christus in das Leiden verkauft war, durch seinen Kaufpreis (τιμή) unserer an die Sünde verkauften Knechtschaft Lösung. In seinem Leiden räumte er unser Leiden weg, in seiner Hinrichtung unsern Tod und durch die Schwäche seines Kreuzes wurde seine Kraft offenbar. Ebenso wurde durch die Verfolgung seiner Diener seine Wahrheit offenbar ; durch ihre Qualen wurde der Glaube an ihn bekräftigt; durch ihre Peinen wurde seine Erkenntnis verkündet; durch ihre Todesarten wurde sein Leben geoffenbart, durch ihre Geduld seine Kraft angesagt. Und durch all das wurde der Trug aufgedeckt, Satan niedergeschlagen, der Mund des Verleumders gestopft. Das in kurzem, damit niemand, der diese Geschichten findet, denke und sage: Es war nicht schön, daß Gott es zuließ, daß wir in die Hände der Verfolger überliefert wurden.

Beginnen wir nun die Erzählung der Verfolgungen und Hinrichtung der obengenannten heiligen Zeugen. Im Jahre 655 seit der Regierung Alexanders, dem Jahre 296 seit der Kreuzigung, dem Jahre 117 der Herrschaft der Perser und dem Jahre 31 der Regierung Königs Schâpûr, Sohnes des Hôrmîzd, nachdem der selige Constantin, König der Römer, gestorben war, fand Schâpûr Gelegenheit, seine Söhne ihrer Tugend halber anzugreifen und beständig räuberische Einfälle in das römische Gebiet zu machen. Deshalb entbrannte er besonders in Haß gegen die Diener Gottes in seinem Reiche und ging daran, einen Grund zur Verfolgung der Gläubigen zu suchen. Er ersann eine List, die Christen in Persien durch doppelte Steuer zu drücken. Er schrieb folgendes Edikt (σάκρα) aus Bêt Hûzâjê an die Beamten von Bêt Arâmâjê: „Sobald ihr diesen unseren, der Götter, Befehl in diesem von uns gesendeten Schreiben sehet, so ergreifet Simon, das Haupt der Nazarener, und lasset ihn nicht frei, bis er eine Urkunde besiegelt, daß er es auf sich nimmt, von dem ganzen Volke der Nazarener, das in unserem, der Götter, Land sich auf- .hält und in unserem Reiche wohnt, doppeltes Kopfgeld und zweifache Steuer zu erheben und zu bezahlen. Denn wir, die Götter, sind in Kriegsnöten; sie sind in Freuden und Vergnügen. Sie wohnen in unserem Lande, sind aber Gesinnungsgenossen des Kaisers (καῖσαρ), unseres Feindes.“ So wurde von König Schâpûr aus Bêt Hûzâjê an die Beamten von Bêt Arâmâjê geschrieben. Als sie das Edikt des Königs erhalten hatten, ergriffen sie den seligen Simon bar Sabbâ’ê, lasen ihm das königliche Schreiben vor und verlangten, daß er das Geschriebene vollziehe.

Der heilige Simon antwortete ihnen mit großer Demut, ohne in seinem Mute verwirrt zu werden: „Ich adoriere den König der Könige und ehre seinen Befehl aus ganzer Kraft. Aber bezüglich dessen, was sein Befehl von mir verlangt, glaube ich, daß auch ihr überzeugt seid, daß es mir nicht zusteht, Steuer (und) Kopfgeld vom Volke Christi, meines Herrn, zu fordern1. Denn unsere Macht über sie bezieht sich nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare, das heißt auf den Glauben an unseren Herrn, die Wahrheit unserer Lehre, die Frömmigkeit lehrende Demut, keusche, den Sinn der Hörer nicht verderbende Bitte, reine und beständige Gebete, ermüdendes Wachen, seufzendes Flehen, starkes Rufen, überströmende Gottesliebe, indem wir um Erbarmen flehen für den König, seine Diener und all seine Grenzen, damit die Kriege aufhören, und der Friede auf dem Erdkreis viel sei. Wenn wir weltliche Gewalt hätten, würden wir nicht in diesen Sitten wandeln, sondern nach weltlicher Art (τάξις) und Weise (σχῆμα) leben. Zugleich bitte ich eure Macht und euren Adel und wünsche zu erfahren, von wem das Geforderte gefordert wird. Wenn von Reichen, so weiß jedermann, daß wir arm sind und des üppigen Mammons ermangeln. Wenn von Trägen, so habt ihr ebenfalls erfahren, daß von uns niemand im Dienste des Königs müßig ist, da wir alle der Steuerordnung (τάξις) unterstehen. Wenn von Feinden, so hat sich vielleicht mancher aus euch überzeugt, daß wir alle Menschen lieben, besonders aber den König der Könige. Wenn geschrieben steht, daß wir unsere Hasser lieben und für unsere Feinde beten sollen und den, der uns flucht, segnen sollen, um wieviel mehr müssen wir dann eure Gewalt lieben und für den König beten, dessen Majestät Gott uns unterwarf und in dessen Reich er uns wohnen ließ? Denn unsere Schriften befehlen uns: „Jede Seele sei den Gewalten der Oberherrschaft unterworfen, und es ist keine Gewalt, die nicht von Gott ist und die, welche sich gegen sie erheben, werden Gericht erhalten.“ Auch ist uns befohlen, für die Könige und Großen zu beten. Denn es spricht einer unserer Lehrer: „Vor allem sollt ihr Gebet darbringen für die Könige und die Großen.“ Da uns also unsere Schriften so befehlen, wie können wir Hasser und Feinde des Königs der Könige sein und als Gegner Gottes erfunden werden, der uns so durch unsere Lehrer befiehlt?“

Nachdem der selige Simon so gesprochen, antwortete der Vorsitzende der versammelten Beamten: „Deine Worte, Simon, sind sehr schön und weise; jedoch muß ihnen die Tat folgen. Ich erinnere mich, daß du gesagt: Unsere Schriften befehlen: „Jede Seele sei den Gewalten der Oberherrschaft unterworfen, und es ist keine Gewalt, die nicht von Gott ist.“ Da also jede Gewalt von Gott ist, so gehorche König Schâpûr, dem Herrn der ganzen Erde, dessen Natur von Gott ist, besiegle die Urkunde und willige ein, jene Steuer zu geben, wie der König der Könige befiehlt. Widerstehet nicht euren (eigenen) Schriften, die euch Gehorsam gegen die Machthaber befehlen. Wenn ihr aber der Obrigkeit Gehorsam schuldet, um wieviel mehr dann dem König der Könige?“ Der heilige Simon antwortete: „Wir dürfen unsere Schriften nicht übertreten. Sie lehren uns Gehorsam, zeigen uns aber auch das Maß des Gehorsams. Denn sie lehren uns darüber: ‚Erstattet jedem, wie ihr ihm schuldig seid, wem Kopfsteuer, Kopfsteuer, wem Zoll, Zoll.‘ Nicht heißt es, daß wir doppelte Kopfsteuer geben sollen. Wie sollen wir da jetzt Kopfgeld oder Steuer doppelt geben?“ Darauf antworteten die Beamten: „Sieh zu, was du dir selbst zufügest, da du dich gegen den Befehl des Königs der Könige erhebst, die Urkunde nicht besiegelst und nicht einwilligst, dem König der Könige von den Nazarenern, seinen Knechten, doppeltes Kopfgeld zu geben. Denn du weißt, daß er nicht ferner gegen den, der seinem Willen widersteht, barmherzig sein kann. Denke nach, nimm darüber Vernunft an und sieh zu, daß du nicht statt deiner früheren Freundschaft ihn anreizest, als dein Feind dein Blut wie Wasser zu vergießen. Er ist Schâpûr, der König, dessen Erwähnung alle Völker schreckt, und du bist sein Knecht. Wie kannst du es wagen, seinem Befehl zu widerstehen? Gehorche unseren Worten, verharre in deiner Freundschaft, fertige die Urkunde aus und widerstehe nicht dem Befehl des starken Königs.“

Der herrliche Simon sprach: „Ihr habt gehört, was ich soeben gesagt. Schreibt genau, was ihr gehört und tut dem König kund, daß sein Befehl unsere Kraft übersteigt und daß wir um unserer Armut willen doppeltes Kopfgeld nicht auf uns nehmen können. Jedoch liegen unsere Wohnungen und Besitzungen vor ihm und sind in seinem Lande. Er befehle eurer Gewalt, sie uns zu nehmen und wir lassen freudig vor ihm all unsere Habe. Denn unsere Leiber, Besitzungen, Häuser und alle unsere Habe, unsere Seelen ausgenommen — sein sind wir. Nur befehle er uns nicht, Tyrannen (τύραννος) und weltliche Gewalthaber gegen unsere Brüder, das Volk Gottes, zu sein. Denn nicht von dem König dieser Welt haben wir unsere Gewalt empfangen, sondern von dem König der Ewigkeit, dessen Reich nicht vergeht, und unsere Gewalt ist nicht auf Erden, weil sie himmlisch ist. Nicht befehle er also uns Demütigen, streng, noch uns Santfmütigen, hart zu sein. Und wenn ihr sagtet: „daß nicht die Freundschaft des Königs gegen dich sich wegen deines Ungehorsams in Haß verkehre und er dein Blut wie Wasser vergieße“, so sage ich vor eurer Gewalt die Wahrheit. Ich freue mich, wenn der König in seiner Liebe zu mir verharrt, falls er mich in der Liebe meines Gottes beläßt, und noch lieber gehorche ich seinem Befehle, wenn er mich dem Befehle meines Königs und Gottes gehorchen läßt, und teuer ist mir mein Leben, wenn er mich in meiner Demut und der Lehre meines Herrn beläßt. Wenn er mich aber durch seine Freundschaft von der Liebe meines Gottes abziehen und mich ihm zum Feinde machen will, wenn er mir rät, seinem Willen zu gehorchen, indem ich dem Willen und Befehl meines Herrn widerstehe und mir das Leben in seiner Freundschaft zugestehend mich bezüglich des wahren Lebens töten will, das der lebendige Lebengeber uns verhieß, der uns das zeitliche Leben gab und das zukünftige verhieß, dann ist mir sein Haß besser als seine Freundschaft und Ungehorsam gegen seine Befehle besser als Gehorsam, und Todesarten aller Art für meinen Gott und sein Volk nützen mir mehr als das zeitliche Leben.“ Diese Worte des seligen Simon schrieben die Beamten nieder, so wie sie gesprochen wurden, und schickten sie durch Eilboten (veredarii) an König Schâpûr nach Bêt Hûzâjê. Als sie vor ihm verlesen wurden, wurde er von großem Zorne erfüllt, knirschte mit den Zähnen, schlug die Hände zusammen und sprach: „Simon will seine Jünger und sein Volk gegen meine Majestät zur Empörung bringen und zu Knechten des Kaisers (καῖσαρ) machen, der ihr Glaubensgenosse ist. Deshalb gehorcht er meinem Befehle nicht.“ Nachdem der König so gesprochen, verbreitete sich die Kunde (davon) am Hofe und seine harten Worte gegen Simon und das Christenvolk wurden allgemein bekannt. Sogleich begannen die Feinde unseres Volkes uns zu hassen und vor dem König und seinen Großen feindselige Reden gegen Simon und das Christenvolk zu führen.

Die Juden, Leute, die jederzeit gegen unser Volk sind, welche die Propheten töteten, Christum kreuzigten, die Apostel steinigten und beständig nach unserem Blute dürsten, fanden Gelegenheit zur Verleumdung. Und weil sie durch ihre Verbindung mit der Königin, ihrer Glaubensgenossin), freie Rede hatten, begannen sie, den herrlichen Simon zu verleumden: „Wenn du, o König der Könige, Herr der ganzen Erde, dem Kaiser (καῖσαρ) lange und weise Schreiben deiner Majestät, herrliche Geschenke und prächtige Ehrengaben schickst, so finden sie vor seinen Augen keine Anerkennung. Wenn aber Simon ihm einen verächtlichen, kleinen Brief schickt, so steht er auf, adoriert, nimmt ihn mit beiden Händen und erfüllt sofort seinen Befehl. Überdies hast du kein Staatsgeheimnis, das er nicht sofort dem Kaiser (καῖσαρ) schriebe und mitteilte.“ Die Juden sind nämlich gewohnt, jederzeit falsches Zeugnis zu geben, und wie gegen den Herrn, so gaben sie auch gegen seinen Diener Simon falsches Zeugnis. Aber diejenigen, welche gegen den Herrn falsches Zeugnis gegeben, wurden verworfen und fielen durch das römische Schwert zur Zeit der Zerstörung ihrer Stadt. Ebenso fielen die, welche gegen Simon Böses bezeugten, durch das Schwert in der Hand der Perser. Dort hatten sie gerufen: „Wir haben keinen König als den Kaiser“ und waren durch das Schwert des Kaisers gefallen. Hier rühmten sie sich des Königs Schâpûr und wurden von ihm getötet. Die Ursache davon müssen wir kurz berichten. Nach vierundzwanzig Jahren, als Constans und Constantius, die Söhne Constantins des Großen, gestorben waren, kam Julianos zur Herrschaft über die Römer. Sofort opferte er den Götzen, und um die Prophezeiung Christi über die Zerstörung Jerusalems: „Nicht wird darin ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht zerstört würde“, Lügen zu strafen, befahl er den Juden seines ganzen Reiches, nach Judäa zu ziehen, Jerusalem und den Tempel aufzubauen und nach Vorschrift des Gesetzes die Opfer darzubringen. Es kamen viele und begannen, die Grundmauern Jerusalems aufzugraben. Unterdessen kam ein Betrüger nach Persien und verkündete allen Juden: „Es ist die von den Propheten verkündete Zeit der Rückkehr. Ich erhielt von Gott den Befehl, euch die Rückkehr anzukündigen; kommet.“ Jener Betrüger kam auch nach Mâhôzê in Bêt Arâmâjê und betrog Tausende von Juden. Sie brachen auf, zogen aus Mâhôzê wegen der Hoffnung auf die Heimkehr und entfernten sich drei Parasangen von der Stadt. Als Schâpûr das erfuhr, schickte er seine Streitmacht aus, die viele Tausende von ihnen tötete. Hiermit haben wir so kurz als möglich über die Judenmetzelei unter König Schâpûr berichtet und wollen (wieder) zu unserer Geschichte kommen.

Nachdem das Schreiben der Beamten über den seligen Simon abgefaßt war, wurde es vor dem König verlesen. Nun schrieb der König den Beamten bezüglich Simons ein anderes Verfahren vor: „Sobald ihr dieses unser, der Götter, Edikt (σάκρα) sehet, rufet Simon vor euch und sagt ihm entsprechend unserem Befehl: Warum vernichtest du in deiner Frechheit dein und deiner Glaubensgenossen Leben und überlieferst dich und sie bitterem Tode? In deinem Stolz und Hochmut willst du dein Volk gegen mich aufreizen. Nunmehr gedenke ich, euch von der Erde zu vertilgen und aus den Menschen auszurotten, wenn ihr meinen Befehl nicht erfüllt.“ Dieses zweite Edikt wurde den Beamten von Bêt Arâmâjê aus Bêt Hûzâjê gesendet. Sobald es angekommen war, wurde der heilige Simon von den Beamten gerufen, um ihm das Edikt vorzulesen. Als er gekommen war, las man es ihm vor, schüttete die darin enthaltenen Drohungen in seine Ohren und verlangte von ihm darüber eine Antwort. Nicht wurde der Starke erschüttert, nicht erzitterte der Held, nicht wurde der Streiter Christi verwirrt. Sondern er antwortete; „Eines ist mein erstes und letztes Wort: Das Volk, das Christus, mein Herr, mir anvertraut, überliefere ich für die Wahrheit keiner Steuer, sondern jeden Tod nehme ich dafür auf mich. Und wie Christus für die Völker aller Länder und Königreiche gekreuzigt wurde, so sterbe auch ich für das Volk dieses Reiches, das mir anvertraut ist, damit sie nicht der Wahrheit Christi sterben. Ich sage eurer Herrlichkeit die Wahrheit und lüge nicht. Besser ist mir der Tod als ein Leben beständiger Drangsale. Und es ist gut für mich, das Licht dieser Welt, aber auch die Peinigung der Erlösten meines Herrn nicht zu sehen. Ferne sei es mir, mein Leben dem Tode zu entreißen, aber das Leben der Diener Gottes in harte, bittere Steuer hinzugeben. Ferne sei es mir, die Vergewaltigung der Kinder Gottes, die Hingabe meiner Brüder und den Verkauf meiner Kinder zu sehen. Nicht halte ich meine Füße zurück, den Weg des Todes für meine Seele und mein Volk zu gehen, noch weigere ich mich, für meine Wahrheit und den Glauben der von mir Unterwiesenen geopfert zu werden. Für meine Herde gebe ich mein Blut, und meinen Nacken beuge ich unter das Schwert für meine Schafe. Und wenn der König schreibt: ‚Deine Genossen töte ich mit dir‘, so steht das seinem Willen frei und er hat Macht über seine Knechte. Aber ich und sie werden durch das Blut entsühnt. Denn auch sie treten für die Wahrheit ihres Herrn ein, und wenn der König sie prüft, lernt er ihre Treue kennen.“

Als die Beamten die Antwort des seligen Simon hörten, schrieben sie sie nieder und teilten sie dem König mit, und ihr Schreiben wurde vor ihm verlesen. Da erregte er sein Herz zu heftigem Zorn wie ein reißender Löwe, der kostbares Menschenblut gekostet, wetzte seine Zähne und knirschte mit ihnen, entbrannte zum Mord, wurde zum Zermalmen erbittert, brüllte mit lauter und harter Stimme, erschütterte das Land durch sein heftiges Wort und befahl, daß die Priester und Leviten sofort enthauptet, die Kirchen zerstört, das Opfer entweiht und (die Gefäße des) Dienstes geraubt würden. „Und Simon, das Haupt der Zauberer, werde gefesselt und zu mir geschickt, weil er meine Majestät verworfen und die des Kaisers (καῖσαρ) erwählt hat, weil er seinen Gott anbetet und meine Götter verachtet“. Sofort gelangte ein drittes Edikt von König Schâpûr aus Bêt Hûzâjê an die Beamten von Bêt Arâmâjê, worin es hieß: „Sobald ihr dieses unser, der Götter, Edikt sehet, ergreift und fesselt Simon, das Haupt der Nazarener, und schickt ihn rasch an den Hof. Seine Kirche reißet nieder.“ So schrieb der König. Als der selige Simon das hörte, zitterte er nicht, noch geriet er in Erregung, und als er mit seinen Augen die Zerstörung seiner Kirche sah, wurde er nicht verzagt, sondern stark und mutig und lobte Gott. Er erhob sich und erschien vor den Machthabern, bevor sie ihn ergriffen. Sie setzten ihm den Termin: „Von jetzt in drei Tagen wirst du an den königlichen Hof gehen.“ Freudig nahm er es auf sich. Sofort entstand in den Städten Seleucia und Ktesiphon große Aufregung, da die Verfolger kamen, die Kirchen niederzureißen. Der Bund verbarg sich. Die Schafe versteckten sich. Simon, das Haupt, wurde ergriffen. Die Bösen erhielten Gewalt. Die Kirche füllte sich mit Unbeschnittenen und statt der Stimme des ehrbaren Gebetes wurde die Stimme des Lärmes und des Schreckens gehört. Von dem zerstörten Kirchengebälk und statt des duftenden Weihrauchs stieg der Staub der eingerissenen Wände bis zum Himmel. Und alle Kirchen an jedem Ort gerieten in Furcht und Zittern.

Aber bei all dem wankten die Hirten nicht, wurde der Geist der Priester nicht kleinmütig und die Treue des Bundes nicht gemindert. Sondern sie wurden stark und mutig um des Namens Jesu, unseres Erlösers willen; gegen die Verfolger wurden sie tapfer, und niemand von den Kindern der Kirche beugte sich ihrem Willen. Jedermann war bekleidet mit Bekenntnistreue und trug in der Hand die Lanze des Kreuzes Christi, die Feinde zu durchbohren. Der selige Simon sammelte den ganzen Bund, die Priester und Diakone darin, redete mit ihnen, ermutigte sie und sprach: „Seid mutig und stark und ermattet nicht. Dazu seid ihr berufen und habt ihr euch verlobt. Ihr seid Jünger des Herrn Jesu. Schauet seine für euch (erlittene) Schmach; betrachtet sein Kreuz, sehet, daß ihr ihm eine unbezahlbare Schuld schuldet. Wer könnte auch die Schuld bezahlen, die der Heilige durch seinen für uns (erlittenen) Tod uns auferlegt hat? Lasset uns also nach unserer Kraft vergelten; unseren Tod für seinen Tod, obwohl er nicht genügt. Sehet auf die Propheten, die getötet, auf die Apostel, die gesteinigt wurden, damit ihr wisset, daß Gott nicht schwach, noch sein Christus gering und machtlos ist. Seine Kraft will er in den Schwachen zeigen und sein Leben in ihrem Tode verkünden. Wenn ihr eure geistigen Augen zu ihm erhebt, so sieht er noch mehr auf uns, stärkt unsere Schwäche und macht uns in den Kämpfen (ἀγών) ruhmvoll siegen. Auch davon, Geliebte, seid überzeugt, daß diese Trübsal vorübergeht, daß nach ihr ruhige Zeiten kommen und die zerstörte Kirche herrlich aufgebaut und mit allem Schmuck geziert wird. Über die Zerstörung unserer irdischen Kirche möge unsere Gemeinde sich nicht betrüben; denn wir haben ein nicht von Menschenhänden gemachtes Haus im Himmel, jene Kirche der erstgeborenen Kinder, nicht in Seleucia und Kôkê, sondern im himmlischen Jerusalem. Jetzt wandere ich an den Hof des Königs und weiß nicht, was nach mir geschieht. Ihr aber seid so bereit, jederzeit mit dem guten Panzer der Gerechtigkeit bekleidet, damit, wenn der Krieg sich gegen euch ordnet, keinen eurer Panzer der Pfeil durchdringen könne, sondern ihre Pfeile an eurem Panzer zerbrechen.

Haltet euch ferne von der Religion der Gefäße Satans, der Manichäer, Marcioniten, Gêlâjê, Mukrê (Mhdrâjê), Kutâje, Maidâjê (Mbdâjê) und den übrigen Heiden. Schließet euch ab vom Verkehr mit den Juden, den Feinden des Vaters, den Hassern des Sohnes und Widersachern des Heiligen Geistes, welche jederzeit den Geist des Herrn betrübten, wie der Prophet Isaias bezeugt, welche Lästerungen gegen den Erhabenen redeten, wie der Psalmist, der heilige David, bezeugt, welche unschöne Worte gegen Moses und gegen Gott redeten, wie wir aus dem Buch der Könige erfahren, welche die Propheten töteten, Christus kreuzigten und die Apostel steinigten, welche Feinde des Kreuzes Christi sind und Neider der Erlösung des Menschengeschlechtes, welche unser Volk verleumden und die Diener Gottes überliefern. Hütet euch vor allen (falschen) Religionen, wie ich soeben gesagt; besonders vor dem Irrtum der Juden und der Lehre Marcions. Denn diese beiden Parteien (τάγμα) sind freche und tolle Hunde. Beide, Propheten und Apostel, nennen sie im Geiste Gottes redend Hunde. Isaias sagt: „Sie sind Hunde, deren Seele gierig ist.“ Und der Apostel lehrt uns, vor ihnen uns zu hüten: „Hütet euch vor den Hunden.“ Gut werden sie Hunde genannt. Denn sie wüteten gegen die Propheten und töteten sie; sie wüteten gegen Christus und kreuzigten ihn; sie wüteten gegen die Apostel und steinigten sie. Ebenso zerfleischen die Manichäer den Leib Christi durch ihre Lästerungen. Sie schmähen ihn und halten ihn für nicht würdig der Annahme, der Auferstehung und Erlösung. Auch den Schöpfer der Leiber und Seelen greifen sie in ihrer Tollheit an und sind wie ein toller Hund, der seinen Herrn beißt. Auch die Marcioniten bellen ihren Herrn und Schöpfer an durch ihre Lästerungen, weil sie ihn nicht beißen können, da seine Natur erhaben ist. Das habe ich euch gesagt und euch ermahnt wie ein Vater, der seine Kinder mahnt. Haltet die Gebote des Herrn, daß er euch behüte. Liebet den, der uns geliebt und sein Leben für uns hingegeben hat, damit wir durch seinen Tod leben. Hütet den Glauben an die Trinität des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes aus ganzer Seele. Duldet für den Glauben schwere Leiden und bitteren Tod aller Art. Erinnert euch des Wortes des Apostels7: ‚Glaubwürdig ist das Wort und der Annahme würdig’, daß, wenn wir mit Christus sterben, wir mit ihm auch leben werden und, wenn wir mit ihm leiden, mit ihm auch herrschen werden; wenn wir aber ihn verleugnen, wir von ihm verleugnet werden, und wenn wir an ihn nicht glauben, er in seinem Glauben bleibt. Denn er kann sich selbst nicht verleugnen. Dessen habe ich euch jetzt gemahnt. Denn ich bin überzeugt, daß ihr mich nicht mehr sehen werdet. Denn um des Volkes Christi willen und für den Glauben an Gott werde ich geopfert werden. Wer wird mich dessen würdig machen, wenn nicht die Liebe Jesu Christi, unseres Herrn? Er sei mit euch und auch mit uns durch euer Gebet in Ewigkeit. Amen.“

Als die Versammlung das gehört, weinten alle schmerzvoll über den Hingang des wachsamen Hirten, die Trennung des eifrigen Regenten, das Scheiden des standhaften, untadeligen Hauptes, den Weggang des weisen Lehrers, die Entfernung des Gerechten und Heiligen und ihre Losreißung von dem gütigen und barmherzigen Vater. Und alle riefen Wehe über sich selbst: „Wehe uns, daß Simon, der Fels, von uns genommen wird. In dir sehen wir die Apostel. Wer wird uns einen Bischof gleich dir geben?“ Besonders weinten sie bitter, da sie ihn sagen hörten: „Ihr werdet mich nicht mehr sehen, weil ich werde geopfert werden.“ Da schalt sie der selige Simon und gebot ihnen Schweigen. Er ließ sie herankommen, liebkoste und umarmte sie; er betete, erhob die Hände über sie und segnete sie: „Das Kreuz unseres Herrn bewahre das Volk Jesu. Der Friede Gottes sei mit den Dienern Gottes und befestige eure Herzen im Glauben Christi, in Drangsal und Erleichterung, im Leben und Tod, jetzt und jederzeit und in Ewigkeit der Ewigkeiten.“ Sobald der selige Simon dieses Gebet vollendet hatte, wanderte er mit einigen Priestern nach Bêt Hûzâjê an den Hof des Königs. In diesen Tagen wurden gefangen genommen Gadjahb und Sâbinâ, Bischöfe von Bêt Lâpat, Johannan, Bischof von Hôrmîzd Ardaschîr, Bûlîdda’, Bischof von Prât, Johannan, Bischof von Karkâ de Maischân und viele Priester und Diakone. Sie wurden gefesselt und kamen an den königlichen Hof, nach Karkâ de Lêdân in Bêt Hûzâjê, das Schâpûr neugebaut hatte und wo er viele Kriegsgefangene aus ‘Arab, Schigâr, Bêt Zabdai, Arzun, Kardû, Armen und verschiedenen Gegenden angesiedelt hatte. In denselben Tagen wurde der Katholikos, der heilige Simon, gefesselt und aus Bêt Arâmâjê nach Karkâ de Lêdân geschickt.

Auch ein Obereunuch des Königs, vom Range eines Arzabed, wurde bei dem König als Christ angeklagt. Sofort ließ ihn der König vor sich kommen und sprach: „Gûhaschtâzâd“. Dieser sprach: „Da bin ich, dein Knecht, Herr, König, lebend in Ewigkeit und bleibend in deiner Macht in Ewigkeiten.“ Der König sprach: „Ist das deine Aufrichtigkeit gegen mich? Bist du nicht der Oberste aller Eunuchen? Haben nicht ich und mein Vater deine Ehre gemehrt und dich groß gemacht?“ Gûhaschtâzâd antwortete: „So ist es, guter König, wie der König spricht. Aber warum spricht der König so zu mir?“ Der König sprach: „Ich habe gehört, daß du Christ bist.“ Gûhaschtâzâd sprach: „So ist es, guter König, lebend in Ewigkeit. So ist es in Wahrheit, wie der König der Könige gehört.“ Der König ergrimmte über ihn und sprach: „Wenn du jetzt meinen Willen tust und die Sonne, den Gott, anbetest, (so ist es recht); wenn nicht, wirst du sofort getötet.“Da umringten ihn die Großen des Königs und alle Miteunuchen, führten ihn auf die Seite und schmeichelten ihm mit listigem Zureden: „Erfülle für den Augenblick den Willen des Königs; hernach bleibe bei deiner Religion.“ Gûhaschtâzâd gehorchte ihrem Rat, ließ sich durch ihre schmeichelnde List fangen und tat den Willen des Königs.

Am anderen Tage kam der herrliche Simon nach Karkâ de Lêdân in Bêt Hûzâjê. Als er hörte, wie Gûhaschtâzâd sich hatte fangen lassen, wurde er über ihn sehr traurig und betrübt. Als Gûhaschtâzâd hörte, daß der Katholikos nach Karkâ gekommen sei, erhob er sich sofort und kam an die Türe des Hauses, wo dieser abgestiegen war. Man ging und teilte Simon mit: „Sieh, Gûhaschtâzâd ist an der Türe und will zu dir kommen.“ Simon sprach: „Schliesset die Türe und lasset den nicht zu mir kommen, der Christus, meinen Herrn, verleugnet, den Gott der Wahrheit, das wahre Wesen verlassen und den Schöpfer mit dem Geschöpfe vertauscht hat, den König, dessen Reich in Ewigkeit ist, mit dem König, dessen Tage wie Gras sind, den Herrn der Engel mit einem Mann aus Fleisch, den, der in seinem ewigen Wesen lebt, mit einem sterblichen Menschen, den Leidensunfähigen und Unveränderlichen mit einem leidensfähigen, veränderlichen und vergänglichen König.“ Da ließ ihm Gûhaschtâzâd sagen: „Befiehl, Herr, daß man mich zu dir eintreten lasse; ich will deiner Väterlichkeit mitteilen, wie dieses große Übel geschah.“ Das wurde Simon berichtet, aber er ließ ihn nicht eintreten. Da ließ ihm Gûhaschtâzâd wiederum melden: „Laß mir diese Sünde diesmal nach; ich werde sie nicht mehr tun.“ Simon ließ ihm melden: „Es ist keine Sünde, daß ich dich reinige, noch ein Vergehen, daß ich dir nachlasse. Einen Frevel hast du begangen, nicht eine Sünde. Deinen Gott hast du verleugnet. Wer soll dir (das) nachlassen? Von Christus, deinem Lebendigmacher, hast du dich abgewendet. Welcher sterbliche Mensch kann deine Sterblichkeit (wieder) beleben? Wo ist dein Glaube, in dem dein schöner Wandel verlief? Vor dem Worte Folter fürchtetest du und verlorst in einer Stunde dein Leben. Böse Vergeltung verdienst du, weil du bei dem Anblick vergänglicher Herrlichkeit erschrakst und den Heiligen und Herrlichen, das verborgene Wesen, den König aller Welten nicht fürchtetest, den ob der Gewalt seiner Herrlichkeit die Seraphim nicht anzusehen wagen. Jetzt kann deine Sterblichkeit nicht leben außer wenn du aufstehst an dem Orte, wo du fielst, wenn du eintrittst durch die Türe, durch die du hinausgingst, und an dem Orte deiner Niederlage dich auszeichnest. Ich muß über dich weinen und klagen und Weheruf geziemt mir heute. Wehe mir über dein Zerbrechen, Kind meines Volkes, über deine Niederlage, o Held, über deine Schande, Ehrwürdiger, über dein Unglück, du Tüchtiger, über dein Verderben, du Herrlicher, über den Tod deiner Seele, über die in dir verlorene Perle. Geh und komm nicht wieder zu mir, außer wenn du deine Perle gefunden hast. Sie hat keinen Preis (τιμή) außer daß der Mensch sein Leben für sie in den zeitlichen Tod gebe; denn sie ist im Blute Jesu, meines Herrn, erkauft.“

Als Gûhaschtazâd das hörte, erschrak er und gedachte, sich mit Buße zu waffnen. Von der Stunde an begann er bitter zu weinen wie Simon Petrus, dem solches geschehen war, da er die Gottheit des Eingeborenen nicht kannte. Er ging in sein Haus, breitete einen Sack aus, streute Asche darauf, bereitete sein Lager auf Sack und Asche, setzte sich darauf und trauerte. Durch Wachen, schmerzvolles Weinen und leidvolles Fasten quälte er seinen Leib, indem er rief: „Erbarme dich meiner, o Herr, denn ich bin krank; hüte mich, Herr, denn erschüttert sind meine Gebeine; es stinken und faulen meine Wunden.“ Auch die übrigen, ähnlichen Psalmworte wählte er aus und sprach sie zwei Tage lang. Nicht erschien er vor dem König, noch an seinem Platz unter seinen Genossen. Am dritten Tage wurde Simon vor den König gerufen, weil der Großmôpêt vor dem König gesagt hatte, Simon, das Haupt der Zauberer, sei gekommen. Er wurde gerufen, weil man ihm am dritten Tage nach seiner Ankunft in Karkâ das Angesicht des Königs zeigte. Als Gûhaschtazâd das hörte, stand er von seinem Sack auf und kam an den Hof, ob er nicht dort Gelegenheit fände, ihn zu sehen und mit ihm zu sprechen.

Der König befahl, daß Simon vor ihn komme. Als er eintrat, fiel er vor ihm auf sein Angesicht. Der König sprach: „Simon, was ist das für eine Verwegenheit, die du gegen mich gezeigt? Ist das meine Liebe zu dir? Ist das die Ehre, womit ich dich ehrte? Ist das das Lob, womit ich dich vor meinen Großen lobte und sprach: Er ist ein weiser und erleuchteter Mann? So ehrte ich dich, daß ich dich sogar den Magiern zum Neide machte. Warum hast du gegen mich wie ein Feind gehandelt, dein Volk gegen mich aufgewiegelt und warum habt ihr meinem Befehle nicht gehorcht?“ Da warf er sich wieder vor dem König auf sein Angesicht zur Erde und sprach: „Herr, König, wer ist es, der den Befehl des Königs verachtete? Wer ist es, der es wagte, auch (nur) gegen die Befehle deiner Beamten und Knechte sich zu erheben, wenn sie dem Willen Gottes entsprechen? Gewiß, Herr, König, wurde ich von deiner Majestät geehrt und von deiner Güte gelobt. Lüge ist verhaßt vor Gott und dir, bester der Männer. Aber, um deines Lobes willen (will) ich das Lob Gottes nicht entbehren, und um deiner Ehrung willen weise ich die Ehrung des Gottes der Wahrheit nicht zurück. Er hat dich verherrlicht und groß gemacht und zum König der Könige über die Völker und ihre Könige gemacht und diese große, starke und wunderbare Macht in deine Hand gegeben. Und warum werde ich, der geringste und niedrigste Knecht deiner Majestät, von deiner Majestät Aufrührer genannt?“ Der König sprach: „Weil du die von uns, den Göttern, befohlene Steuer deinem Volke nicht auflegst.“ Der selige Simon sprach: „Ferne sei es deinem Knecht, Herr, König, das demütige Volk Gottes zu unterdrücken. Ferne sei es auch deiner geehrten Majestät, mir, einem armen Manne, der ich jederzeit mein Volk Armut und Demut lehre und der ich sie lehre: ,Wer dich auf deine (eine) Wange schlägt, dem reiche die andere, und wer deinen Mantel nimmt, dem füge auch deinen Rock hinzu‘, zu befehlen, ihr Bedrücker und Räuber zu werden, ihre Decke zu nehmen und ihre Kleider auszuziehen. Ferne sei es mir, Herr, König, daß mir solches geschehe.“

Nachdem Simon so gesprochen, umringten ihn die gewalttätigen Magier und Beamten von allen Seiten und sprachen: „Diese Steuer will er nicht auf sich nehmen; er will mit sich auch sein Volk zum Aufruhr treiben.“ Der herrliche Simon antwortete: „So genügt es euch nicht, die Armen zu unterdrücken, zu berauben und zu mißhandeln und die Schwachen zu vergewaltigen; wollt ihr auch uns an das harte Joch eurer Tyrannei spannen? Für was haltet ihr uns, daß ihr von uns doppelte Steuer fordert? Wenn für Reiche, so sind wir ärmer als alle Völker.“ Die Magier sprachen: „Weil ihr nicht Glaubensgenossen des Königs der Könige seid, dessen Natur von den Göttern ist“. Der in seiner Wahrheit weise Simon sprach: „Man fordere für unseren Glauben nicht Steuer, sondern eine Apologie darüber. Jedoch wir sind bereit, für die Wahrheit unserer Lehre auch unser Leben hinzugeben, nicht nur unsere Habe. Aber Steuer zu geben, nehmen wir nicht an, weil unsere Macht keine weltliche ist, so daß wir unsere Brüder vergewaltigen dürften. Sondern unsere Macht ist von Gott, der uns in allen unseren Schriften Demut befiehlt. Wir lehren, den Armen zu geben, nicht sie zu berauben, die Gedrückten zu erleichtern, nicht die Geschlagenen zu bedrücken.“

Als der König das gehört, sprach er: „Mit mir rede, Simon; denn ich bin dein Herr. Laß deine Genossen. Nicht dazu wurdest du vor mich gerufen, um mit deinen Genossen zu reden, sondern um auf meine Frage zu antworten.“ Da adorierte Simon und sprach: „Mein Herr, der König, rede mit seinem Knechte, was er will.“ Der König sprach: „Viel sind die Kriege und schwer die Kämpfe; ihr aber, die ihr durch euren Glauben meine Feinde seid, wohnt in Ruhe. Jedoch gehorche meinem Befehl, du und dein Volk; nimm und gib von deinem Volke doppeltes Kopfgeld und sei frei und geh in Frieden in dein Haus.“ Simon antwortete: „Unsere Leiber sind deiner Majestät dienstbar; unsere Häuser und all unsere Habe ist dein, o König. Denn wir haben nichts in diesem Lande der Trübsal. Mein Herr, der König, befehle, wenn es ihm gefällt, sie zu nehmen. Denn ich sage die Wahrheit: Ich zwinge mein Volk nicht und die Steuer für seinen Glauben erpresse ich nicht, auch wenn deine starke Majestät befiehlt, mir die Haut vom Leibe zu ziehen. Denn besser ist mir, der leiblichen Haut entkleidet zu werden, als das Kleid des Armen zu nehmen und die Befreiten des Herrn zu bedrängen.“ Der König sprach: „Ich will also die Steuer aufgeben und dir etwas deinem Leben Nützliches raten.“ Simon antwortete: „Gewiß, alles, was meinem Leben nützlich ist, möge mir deine Majestät befehlen, auch wenn ich sterben muß; nicht lasse ich dein Wort zu Boden fallen.“ Der König sprach: „Morgen tue, was ich dir befehle. Denn nicht gefällt es mir, dich zu töten, da du ein weiser und erleuchteter Mann bist, wie ich dir schon oft früher gesagt. Jetzt höre meinen Rat, gehorche meinem Befehl und sei nicht hartnäckig, sondern erfülle sofort meinen Willen und bete Sonne und Feuer an.“ Der mutige, seinen Herrn liebende Simon antwortete: „Ist das der meinem Leben nützliche Rat, den du mir, Herr, König, versprachst? Dieser Befehl ist meinem Leben schädlich, nicht nützlich.“ Der König sprach: „Nutzt dir dieser Rat nicht?“ Simon sprach: „Bei meinem Gott, der deine Majestät groß gemacht, schwöre ich: kein Rat ist mir schädlicher als dieser.“ Der König sprach: „Ich lobte dich als einen Weisen; jetzt erscheinst du mir als gegen meinen Befehl streitender Tor. Denn Sache von Toren ist es, gegen meinen, der Götter, Befehl zu streiten.“

Der lobwürdige Simon antwortete: „Ferne sei es Simon, dem Diener des einen lebendigen und wahren Gottes, andere Götter anzuerkennen und Sonne und Mond anzubeten, deren Lauf vergänglich ist, oder das Feuer, das täglich (aus Mangel an) nährendem Holz stirbt und erlöscht. Diesem deinem Befehl, Herr, König, gehorche ich nicht, auch wenn du befiehlst, daß alle meine Gebeine im Feuer verbrannt werden. Ich, der Vernünftige, werde nicht das Unvernünftige anbeten, noch ich, der Lebendige, das Sterbliche.“ Der König sprach: „Wenn du das Feuer nicht anbetest, weil es sterblich ist, so darfst du auch deinen Gott nicht anbeten. Denn auch er starb, als ihn die Juden kreuzigten. Die Sterblichkeit des Feuers bedeutet somit soviel wie die Sterblichkeit deines Gottes.“ Als der herrliche Simon das hörte, erschrak er und sprach: „Ferne sei es, Herr, König, daß Gott leide oder sterbe. Wer leidet und stirbt, ist nicht Gott, weil die göttliche Natur über Leiden und Tod erhaben ist. Nicht leidet er in seiner Natur noch in etwas anderem.“ Der König sprach: „Wenn du sagst, daß dein Gott nicht stirbt, so wirst du als Lügner erfunden.“ Der selige Simon sprach: „Nicht habe ich gelogen, Herr, König.“ Der König sprach: „Ist Jesus, den ihr Christus nennt, nicht gestorben?“ Simon sprach: „Gewiß ist er gestorben, wieder zum Leben gekommen und auferstanden, aber nicht Gott.“ Der König sprach: „Wer ist Jesus Christus, den ihr nennt?“ Simon sprach: „Gott und Mensch.“ Der König sprach: „Wie wurde Gott Mensch?“ Simon sprach: „Da Gott die Menschen vom Irrtum belehren und ihre Wunden heilen wollte, die Menschen aber Gott nicht sehen und leben können, nahm er Menschennatur an, lehrte die Menschen, tat ihnen Gutes, heilte ihre Wunden und bekehrte sie vom Götzentrug, Die Juden eiferten gegen den Sichtbaren, nicht gegen den Unsichtbaren, sie ergriffen und kreuzigten ihn. Er gab sich hin, daß er sterbe und (wieder) lebe und allen Menschen einen Beweis der Auferstehung gebe. Er kehrte (wieder) zum Leben, stand auf, stieg auf zum Himmel und wird (wieder) kommen und die Toten erwecken. Und diese Sonne, die du mir jetzt anzubeten befiehlst, verfinsterte sich, als er gekreuzigt wurde, um die Juden anzuklagen, daß jener Heilige nicht Kreuzigung, sondern Anbetung verdient.“ Der König sprach: „Bis jetzt habe ich so gehört; denn man sagt, daß die Juden den Christengott kreuzigten.“ Der heilige Simon sprach: „Ferne sei es den Christen, so zu sagen, Herr, König. Die Marcioniten sind es, die so sagen, sie, die sich lügenhafter Weise Christen nennen“).

Der König sprach: „Wenn du das Feuer nicht anbetest, weil es sterblich ist, so bete die unsterbliche Sonne an.“ Der heilige Simon antwortete: „Wie soll ich die Sonne anbeten, deren Herrschaft nicht lange dauert, sondern täglich vergeht, so daß ihr Dunkel auf der Ferse folgt und deren Umlauf bald lang, bald kurz ist? Wie soll ich ferner anbeten, was zwar unsterblich ist, aber nicht Wissen noch Vernunft besitzt? Wie soll man drittens für (un) sterblich halten, was überhaupt nicht lebt?“ Über diese Worte ergrimmte der König, bezwang jedoch seine Leidenschaft und sprach: „Ich will deine Worte übergehen. Tue, was ich dir befohlen habe; bete Feuer und Sonne, die Götter, an und du sollst leben und nicht sterben.“ Der herrliche Simon sprach: „Du hast, Herr, König, von deinem Knechte gehört, daß ich das nicht tun werde, auch wenn alle meine Gebeine auf den Befehl deiner Majestät im Feuer verbrannt werden.“ Der König sprach: „Jetzt, Simon, wirst du aus dem Grunde, weil du Feuer und Sonne anbetest, von der Hinrichtung gerettet; du wirst nicht dem Tode überliefert, sondern sollst leben.“ Der selige Simon antwortete: „Hinrichtung um Gottes willen ist mir besser als alle Freuden. Nicht mit Furcht, sondern mit Freude aus ganzem Herzen nehme ich sie auf mich. Selig, wer ihrer würdig ist, oder wer um Gottes willen geschmäht oder im Gefängnis gefoltert wird, oder wer Qualen für die Wahrheit erträgt. Selig vor allem, wer für Gott getötet wird. Ihm ist das Leben versprochen in Ewigkeit der Ewigkeiten.“

Der König sprach: „Es ist nicht weise, Simon, daß du auf deinem Willen verharrst, so daß mit dir viele vertilgt werden. Schone deiner und der Tausende, die ich verderben werde. Denn bei der Sonne, dem Richter der ganzen Erde, schwöre ich: Wenn du mich, der ich dein Freund bin, zwingst, werde ich dich töten und dann werde ich auch keinen schonen, der diesen Namen trägt. Halte mich also von deinem Blute zurück, damit ich auch von dem Blute Unzähliger zurückgehalten werde. Und wenn du aus Herzenshärtigkeit dich selbst nicht schonst, so schone wenigstens andere,“ Der mutige Simon antwortete: „Wahrlich, Herr, König, ein Narr ist, wer seine und seiner Brüder Seele nicht schont. Weil ich aber das tue, halte ich an meiner Lehre fest, die lehrt: ,Was ist das für ein Nutzen, wenn jemand die ganze Welt gewinnt, aber seine Seele schädigt. Oder was soll jemand als Ersatz für seine Seele geben?‘ Über unser Leibesleben hast du Macht, Herr, König. Wenn es dir gefällt, nimm es uns sofort, wenn es dir gefällt.“ Der König sprach: „Auch wenn du jetzt in deiner Torheit deine Seele nicht schonst, so werden doch deine Glaubensgenossen durch deinen Tod erschreckt und tun meinen Willen.“ Simon antwortete: „Ferne sei es ihnen, so zu leben und das künftige Leben zu verlieren. Jetzt siehst du, Herr, König, ihre Treue gegen Gott, und durch ihren Tod wird ihre Liebe zu ihrem Gott und Schöpfer kund, weil sie gegen deine kostbare und herrliche Krone das Lob des lebendigen Gottes nicht vertauschen und verleugnen,“ Der König sprach: „Warum zwingst du mich, deine liebliche Schönheit mit dem Schwerte zu vernichten und deine prächtige Gestalt mit Blut zu bespritzen? Wenn du mir jetzt nicht vor den Großen Ehre erweisest und die Sonne, den Gott des Ostens, anbetest, wird morgen in kurzer Frist deine Schönheit durch den Tod vernichtet.“ Der seelenstarke Simon antwortete: „Ich bete die Sonne nicht an. Nimm mein Leben, wenn du willst heute und wenn es dir gefällt morgen. Wenn du sagst: ich vernichte deine Schönheit, so hat sie einen Erwecker und Wiederhersteller, der ihrer gebeugten Erniedrigung herrliche, unaussprechliche Schönheit gibt.“

Da befahl der König, daß er bis zum Morgen gefesselt werde. Denn er sprach: Vielleicht läßt er sich raten und hört auf mich. Und als man ihn an einer Kette vom Hofe hinausschleppte, stand Gûhaschtazâd auf der Seite. Und da er gar sehr den Gruß des heiligen Simon begehrte, wagte er es, sich zu nahen und vor ihm niederzuwerfen. Der selige Simon wurde zornig, wendete sein Gesicht ab und sprach: „Ich habe keinen Gruß für den, der aus Furcht und Ehrsucht vor Schâpûr, dem König der Könige, Gott, den wahren König, verleugnete, und werde keinen Gruß haben für den, der meinen Gott und seinen Christus, Jesus, meinen Herrn verleugnete.“ Sofort jammerte Gûhaschtazâd laut und bitter; er schrie und weinte heftig und sprach: „Weh mir, was geschah mir? Wenn Simon, der mehr als alle mein Freund war und der mich liebte wie sich selbst, so sehr mir zürnt, wieviel mehr wird mir dann Gott zürnen? Oder was wird er mir tun, der ich ihn verleugnete? Was brauche ich zu Hause einen Sack? Was nützt mir Asche im Verborgenen? Jesum, den ich verleugnete, werde ich heute vor dem bekennen, (um dessen willen) ich ihn verleugnete. So wahr Gott ist, von dessen Wahrheit ich durch meine Lippen, die ich besudelte, abfiel, heute werde ich sie durch das Bekenntnis seines Namens heiligen.“ Sofort ging er nach Hause, kleidete sich aus, zog schwarze Trauerkleider an und kam und setzte sich an die Spitze seiner Miteunuchen. Seine Stellung war nämlich sehr angesehen, da er nicht nur der Vorsteher der Eunuchen, sondern auch der Sohn der Erzieher König Schâpûrs war. Alle Ein- und Ausgehenden wunderten sich über ihn. Da es auch dem König nicht verborgen blieb, ließ er ihm melden: „Was ist dir für eine Torheit zugestoßen? Ich lebe gesund und die Krone ist auf meinem Haupte, du aber sitzest in Trauer. Wer ist in deinem Hause gestorben? Dein Weib oder deine Kinder, da du trauerst? Und doch bezeugt deine Natur, daß du nicht Weib noch Kinder hast.“ Als Gûhaschtazâd das von den Boten des Königs hörte, antwortete er: „Mit Recht trauere ich; denn ich bin des Todes schuldig.“ Da fragte der König: „Was redet da Gûhaschtazâd ?“ Es antworteten einige seiner Miteunuchen: „König der Könige, wir wollen es deiner Kenntnis nicht verbergen, daß drei Tage lang, seit Simon, das Haupt der Nazarener, nach Karkâ kam, Gûhaschtazâd erst heute an den Hof kam. Wir hörten, daß er zu Hause auf Sack und Asche sitze.“

Als der König das gehört, befahl er, daß Gûhaschtazâd vor ihm erscheine, damit er von ihm die Ursache seiner Trauer erfahre. Als Gûhaschtazâd eintrat und der König ihn sah, sprach er: „Hast du einen Teufel (dêv), daß du meiner Majestät so schlimm wahrsagst?“ Gûhaschtazâd antwortete: „Nicht spreche mein Herr, der König, so. Denn nicht nur habe ich keinen Teufel, sondern bei der Erfahrung meines Alters kann ich törichten Gedanken auch (keinen) Geschmack abgewinnen.“ Der König“ sprach: „Was trägst du außer der Trauerzeit schwarze Kleider wie ein Narr und ließest mir dann melden: ich bin des Todes schuldig?“Gûhaschtazâd sprach: „Gewiß bin ich des Todes schuldig, da ich eine sehr schwere Sünde begangen und ein gar großes Vergehen verübt habe.“ Der König sprach:„Ist deine Sünde so schwer, daß du auf Sack und Asche sitzest, und dein Vergehen so groß, daß du dich schwarz kleidest?“ Gûhaschtazâd sprach: „Ja, Herr, König;schwer ist meine Sünde und es gibt keine Heilung; groß ist mein Vergehen und es gibt kein Verzeihen. Dem Willen nach habe ich getötet und gar bitter (ist die Sünde). Der König sprach: „Gegen wen hast du gesündigt?“ Gûhaschtazâd sprach: „Gegen Gott, den Allherrn, weil ich ihn mit seinem Geschöpfe vertauscht.“ Der König sprach: „Was hast du zugrunde gerichtet?“ Gûhaschtazâd sprach: „Den Lauf meines Glaubens von meiner Jugend bis jetzt.“ Der König sprach: „Wen hast du getötet?“ Gûhaschtazâd sprach: „Mich selbst habe ich getötet, weil ich die Sonne anbetete.“ Der König sprach in großem Zorne: „Hast du die Sonne nicht aufrichtig angebetet?“ Gûhaschtazâd sprach: „Nein, sondern zum Truge habe ich sie angebetet. Deshalb bin ich auch darüber traurig, daß ich weder bei Gott noch bei dir, bester der Menschen, aufrichtig erfunden wurde, daß ich Gott belog, seine Wahrheit verließ und deinen Willen tat, dich aber, o König, täuschte und die Sonne mit dem Angesicht, nicht mit dem Herzen anbetete.“ Als der König das hörte, sprach er zornig: „Ist das deine ganze Trauer, törichter Greis? Ich werde dich bald in Trauer und Weinen versetzen, wenn du auf dieser bösen Gesinnung bestehst und davon nicht abgehst.“ Der wahrhaft reuige Gûhaschtazâd sprach: „Wenn der gute König will, möge er mich hören und wenn es dir gefällt, will ich meine Eide bestätigen. Denn bei Gott, der Himmel und Erde besitzt, habe ich geschworen und bekräftigt: mehr als daß ich deinen Willen getan und deinen Befehl erfüllt, werde ich an Verleugnung Gottes nicht mehr tun.“

Der König sprach: „Ich schone (deiner), Gûhaschtazâd, wegen der rechtschaffenen Mühewaltung, die du meinem Vater und mir bis heute erwiesen. Deshalb bin ich langmütig gegen dich, daß ich dich bitte, du mögest nicht bei der Gesinnung jener Christen genannten Zauberer verharren und mögest doch nicht das Leben und den Umgang mit dem Herrn der ganzen Welt verlieren.“ Gûhaschtazâd adorierte und sprach: „Es lebe der König und deine Macht regiere die Welt, bester der Menschen. Was du mir gesagt, werde ich gewiß tun, um nicht das Leben und den Verkehr des Herrn der ganzen Erde zu verlieren, welcher ist der wahre Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde und von allem, was in ihnen ist. Glaube mir, Herr, König, ich will mein Wort in Wahrheit bekräftigen: Niemand trennt mich von dem Verkehr mit dem Herrn des Himmels und der Erde, weder du, Herr, König, noch die Könige und Großen, die vor dir stehen. Aber was nenne ich die Könige und die Großen? Auch wenn die Engel Gottes mir raten wollten, mich von der Liebe meines Gottes zu trennen, sie könnten meine feste Gesinnung nicht beugen, den Schöpfer zu verlassen und die Geschöpfe anzubeten.“ Der König sprach: „O törichter und schlechter Greis; bete denn ich die Geschöpfe an?“ Der selige Gûhaschtazâd sprach: „Befiehlst du mir, die Wahrheit zu sagen, Herr, König, oder eine Lüge?“ Der König sprach: „Sprich die Wahrheit.“ Der selige Gûhaschtazâd sprach: „Möchtest du doch die beseelte, lebende, gefühlsbegabte Schöpfung anbeten, nicht die stumme, unbeseelte und unvernünftige, die dem Menschen zum Dienste gegeben ist.“ Da befahl der König in großem Zorne, seinen Kopf zu nehmen.

Als ihn die Henker (quaestionarii) eilig an den Ort schleppten, der den Todesstrick spannt, sprach Gûhaschtazâd laut zu den Kommissären des Königs, die ihn hielten: „Wartet ein wenig.“ Sie hielten an und standen in eitler Hoffnung, die sie von ihm hegten. Er rief einen Eunuchen und sprach: „Geh und sage dem König: Gûhaschtazâd spricht: Ich habe deiner Majestät etwas zu sagen.“ Der Eunuch ging und sagte es dem König. Als dieser es hörte, freute er sich gar sehr, weil er hoffte, daß sein Wille geschehe, und befahl, ihn hereinzuführen. Als Gûhaschtazâd eintrat, adorierte er und sprach: „Du weißt, Herr, König, daß ich treu und gewissenhaft war auch gegen dich, bester der Männer, und nicht nur gegen dich, sondern auch gegen deinen Vater vor dir, wie du von deiner Mutter, der Königin, gehört, guter König. Auch deine Majestät hat das so eben bezeugt, indem du sagtest: Ich schone deiner wegen deiner rechtschaffenen Mühewaltung, die du gegen mich und meinen Vater bewiesen und bin deshalb langmütig gegen dich. Deshalb bitte ich dich um eines. Deine Barmherzigkeit möge befehlen, daß meine Bitte erfüllt werde.“ Der König, sprach: „Um was bittest du?“ Gûhaschtazâd sprach: „Deine Barmherzigkeit befehle, daß ein Herold auf die Mauer steige, mit einer Pauke herumgehe und verkünde: Gûhaschtazâd, der hingerichtet wird, wird nicht hingerichtet, weil er ein Staatsgeheimnis verriet, oder bei einem anderen Verbrechen betroffen wurde, nach dem ihn die Gesetze zum Tode verurteilten; sondern, weil er Christ ist, wird er hingerichtet. Der König befahl, daß er seinen Willen tue und die Sonne anbete; aber er gehorchte nicht, seinen Gott zu verleugnen.“

Der weise Greis dachte nämlich: Jetzt ist von mir bekannt geworden, daß Gûhaschtazâd seinen Glauben verleugnete und um meinetwillen sind viele schwach geworden. Wenn ich nun hingerichtet werde, so genügtmein Tod nicht (zur Gutmachung) des Übels, das ich durch mein Ärgernis gesät. Nur wenn das jedermann durch den Herold bekannt wird, werden wieder um meinetwillen die Wankelmütigen sich ermannen, die Schwachen Kraft gewinnen und alle erfahren, daß ich um Christi willen hingerichtet werde.

Als der König das hörte, freute er sich sehr,da er sagte: „Viele werden es hören und schwach werden, den Christenglauben verlassen und meinen Willen tun.“ So dachte Gûhaschtazâd und so der König, und der Gedanke des weisen Greises vereitelte den des törichten Königs. Dieser befahl, daß man mit der Pauke verkünde, wie der herrliche Gûhaschtazâd verlangt. Man brachte ihn vor …… , um dort seinen Kopf zu nehmen. Als er an den Ort kam, an dem er gekrönt werden sollte, kniete er nieder, betete Gott gegen Osten an und sprach: „Ich bekenne dich Christus, der du mich, das aus deiner heiligen Hürde verirrte Schaf zurückgeführt, der du mich fandest durch Simon, deinen wachsamen, eifrigen Hirten, der ausging, mich zu suchen, und mich aufnahmst in die Zahl deiner himmlischen Schafe, damit ich sei ein Sohn der Apostel, ein Bruder der im Abendland gekrönten Märtyrer, ein gutes Vorbild deinem Volk im Osten, damit sie nicht schwach werden und abfallen vom wahren Glauben an den Vater, Sohn und Heiligen Geist, das Wesen der Wahrheit und den König der Herrlichkeit, dem Bekenntnis ist aus dem Munde der Anbeter der heiligen Trinität im Himmel und auf Erden, jetzt und jederzeit und in Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.“ Von seinem Gebete wendete er sich mit frohlockendem Gesicht, sah die Umstehenden an und sprach: „Gott, der Lebengeber, möge sich heute freuen über einen Toten, der zurückkehrt; sein Christus freue sich über einen Verlorenen, der gefunden wurde; die Engel mögen jubilieren über einen Sünder, der Buße tut; unser geistiger Vater, Mâr Simon, der Katholikos, möge sich freuen und aus ganzem Herzen bekennen; er möge Gott preisen und erheben, der auf die Demut seiner Seele sah und seinen Sohn, der die Reichtümer seines Glaubens verschwendete, zu ihm zurückführte. Er (Gott?) eilt zu mir durch die Stimme meines Bekenntnisses; er fällt auf meinen Nacken durch das Schwert; er umarmt mich durch die Enthauptung; er küßt mich durch mein Zeugnis.“ Nachdem er so gesprochen, neigte er sein Haupt dem Schwerte und wurde so in gutem Zeugnis vollendet. Es war der Donnerstag der großen Woche der ungesäuerten (Brote), der dreizehnte Nisan des Mond(jahres).

Nachdem der selige Simon von dem König weggegangen war, nachdem Gûhaschtazâd sich ihm genaht, ihn adoriert und von ihm das oben Gesagte vernommen hatte, kam er zu den Bischöfen, seinen Brüdern und Genossen, deren Namen wir am Anfang unseres Berichtes angeführt, und zu den Priestern und Diakonen aus verschiedenen Gegenden, die mit ihnen gefangen genommen waren, bevor der selige Simon an den Hof kam, die tapfer, mutig, freudig und bereitwillig in den Kampf (ἀγών) für die Religion hinabstiegen, sich auszeichneten und gekrönt wurden. Als sie ihn sahen, freuten sie sich sehr, den Vater der Bischöfe zu sehen, da sie sich sehr nach seinem Anblick sehnten, als sie hörten, er sei nach Karkâ gekommen. Er grüßte und küßte alle und begann zu sprechen: „Was soll ich eurer Weisheit sagen, die ihr vor meinen Worten Werke vollbracht? Denn zuvor habt ihr euch in großen Peinen ausgezeichnet. Woran soll ich euren Geist erinnern, der im Himmel wohnt? Und was soll ich über euren Wandel sagen, der längst über die Erde erhaben und dessen Aufenthalt in der Höhe ist? Denn siehe, bevor ihr an den Hof des Königs kamt, wurdet ihr durch die Peinen, die ihr von den Verfolgern ertrüget, in eurem Zeugnis vollendet. Mit euren Augen saht ihr die Zerstörung eurer Kirchen, und euer Sinn wankte nicht. Auch jetzt, Brüder, seid mutig und mannhaft und haltet mit ganzem Herzen eure Hoffnung fest. Denn sehet, von nun an sind euch Kronen bereitet; die Türe des Hochzeitsaales steht vor euch offen. Kommet, schmücken wir uns mit den Kronen des Zeugnisses; kommet, treten wir ein in den Hochzeitsaal Gottes. Die Kronen liegen in der Höhe; der dorthin führende Weg ist schmal und die zum Himmel führende Tür ist eng, wie der Herr sagt: ,Wie eng ist die Türe und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind es, die auf ihm gehen.‘ Kommet, lasset uns Flügel gewinnen und unseren Lauf beschleunigen. Kommet, lasset uns unseren Leib zusammenpressen, durch diese Türe eingehen, auf diesem Wege gehen und uns zu dieser Höhe im Fluge erheben. Lasset uns nicht sehen auf unser Geschlecht und unsere Abstammung, nicht schauen auf unsere Brüder und Verwandten, nicht auf unsere leiblichen Eltern den Blick richten. Sondern kommet, schauen wir auf die Scharen der Engel, auf die Reihen der Seraphim, auf die Ordnungen (τάγμα) der Cherubim, auf die Klassen der Fürstentümer (ἀρχαί), auf die Ränge (τάξις) der Herrschaften, denen wir beigesellt werden, wenn wir unseren Kampf (ἀγών) vollenden. Kommet, betrachten wir die Scharen der Apostel und die Reihen der Jünger. Dehnen wir den Blick unserer Gedanken aus auch auf die Propheten und sehen wir sie teils getötet, teils zersägt, teils gesteinigt, teils gekreuzigt, teils durch den Rachen des Schwertes hinweggerafft, teils durch Hunger und Durst gequält, gefoltert und gemartert, Männer, derer die Welt nicht wert war. Wenn wir wacker und mutig mit ihnen im Zeugnis vollendet werden wollen, haben wir mit ihnen Teil an der Seligkeit der künftigen Güter, am Himmelreich, das uns durch Christus bereitet wurde, der litt und versucht wurde und deshalb denen helfen kann, die versucht werden, nach dem Worte unseres Lehrers, des seligen Apostels. Wenn wir für seinen Namen leiden, wird er uns in diesem Kampfe stärken und unterstützen. Wir werden im Zeugnisse Christi zur Vollendung kommen und im Bekenntnisse des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes vollendet werden.“

Nachdem der selige Simon so zu seinen Brüdern gesprochen, trat plötzlich jemand ein und sprach: „Freuet euch im Herrn, ihr Seligen; denn der herrliche Gûhaschtazâd wurde im Zeugnisse vollendet und gekrönt.“ Alle Bekenner wunderten sich über das, was sie hörten, da er ihnen alle Ereignisse erzählte, und freuten sich gar sehr. Und Simon erhob sich, im Gebete Gott zu bekennen für das, was an dem ruhmreichen Gûhaschtazâd geschehen war und sprach zu allen Brüdern im Gefängnis: „Kommet, lasset uns den Herrn loben; kommet, lasset uns unserem Gott, dem Erlöser, lobsingen; kommet, lasset uns Christus bekennen und seinen erhabenen Namen erheben um der großen Freude willen, die uns Gott gemacht, da er das von der Herde verirrte Schaf in die Hürde Christi zurückgeführt, den der Kirche verlorenen Heller in den sicheren Beutel und den Sohn, der seine Habe verschwendet, in sein Vaterhaus (zurückgebracht).“ Und er begann zu beten: „Angebetet ist Deine Hoffnung, o unser Gott, gepriesen Deine Kraft, o unser Schöpfer, vorzüglich Deine Macht, o unser Erlöser, der Du die Toten belebst, die Gefallenen aufrichtest, dem Hoffnungslosen Hoffnung gibst. Dieser, der der letzte war meinem Denken, wurde der erste meinem Willen; der fremd war meinem Werke, wurde Hausgenosse meinem Tun; der fern war meiner Wahrheit, wurde nahe meinem Glauben; der in die äußere Finsternis hinausgegangen war, wurde Gast im Brautgemach; den sein Wille von mir getrennt, führte sein Bekenntnis zu mir herein. Während ich ihm zuvorkommen wollte, kam er mir zuvor; während ich ihn zu übertreffen wünschte, erreichte er mich. Er durchbrach die Mauer des schrecklichen Todes und erfreute mich; es erschien an ihm der Weg des Lebens und beglückte mich. Er wurde Führer meinen Füßen auf dem schmalen Pfad; er stellte meine Füße auf den engen Weg. Wozu zögere und warte ich? Er ließ mir das Unterpfand (ἀρραβών): steh auf; sein Vorbild ließ er mir: komm; er sprach zu mir freudig: ,Du hast mir ferner nichts vorzuwerfen, Simon; die Türe deiner Wohnung darfst du mir nicht verbieten, noch ist mein Angesicht mehr betrübt wegen deines Zornes gegen mich; tritt freudig ein zu mir in das Haus, das ich mir bereitet habe und in die Ruhe, die ich mir gerichtet. Wir wollen uns an unserem gegenseitigen Verkehr am Orte des Lichtes erfreuen, da wir auch in dieser Welt der Trübsal uns gemeinsam an leiblichen und geistigen Dingen erfreuten.‘ Was hindert, ihn zu hören? Was verzögert, ihn zu erreichen? Selig bin ich, wenn man mich rasch zur Hinrichtung schleppt. Selig in der Stunde, da man mich zum Tode bringt, vor allem, da ich entrinne den Nöten, die das Volk Christi, meines Herrn, umringen, und den Prüfungen, welche die Gläubigen Jesu, meines Erlösers, erfaßt haben.“

Er beugte sein Knie und begann zu rufen: „Herr Jesus, gib mir die Krone des Zeugnisses! Denn Du weißt, daß ich sie aus ganzem Herzen ersehne. Du prüfest das Verborgene und weißt, daß ich Dich aus ganzer Seele liebe. Du prüfest das Herz und kennst, daß ich aus ganzer Kraft Dich liebe, diese Krone ersehne und Dich darum bitte. Gib mir, das Schwert zu sehen und mich zu freuen. Gib mir, in Deinem Reiche zu ruhen und in Deiner Herrlichkeit Trost zu finden. Gib mir, nicht weiter in dieser Welt zu leben und die Leiden meines Volkes ferner nicht zu schauen. Gib mir, nicht zu leben und zu sehen Deine Kirchen zerstört, Deine Altäre umgestürzt, Deine heiligen Bücher zerrissen, Deinen Dienst geplündert und verhöhnt, Dein Opfer zertreten, Deinen Bund überall bedrückt und gequält. Gib mir, nicht zu leben und zu sehen die Schwachen verunreinigt, die Kleinmütigen von der Wahrheit abgefallen. Gib mir, nicht zu leben und zu sehen meine dichten Herden von den reißenden Wölfen zerfleischt, noch meine vielen, falschen Freunde, die heute als meine Feinde und Mörder erfunden werden, noch möge ich ferner sehen meine Freunde auf Zeit, welche die Prüfung der Zeit genommen hat. Gib mir, nicht zu leben und zu sehen das unreine Volk der Kreuziger, die Dein heiliges Volk verspotten und verhöhnen und über Deine Diener sich erheben. Gib mir, daß mein Bekenntnis im Zeugnis vollendet werde, daß ich mutig an der Spitze des ganzen Orients stehe und Deinem, der Gewalt dieses harten Reiches unterstehenden Volke ein gutes Beispiel bin. Denn um Deines Namens willen wurde ich an die Spitze der Brüder und Deines Volkes in diesem Reiche berufen und ich werde an der Spitze aller sterben, indem ich mein Blut für sie gebe und mit ihnen jenes Leben empfange, worin nicht ist Sorge und Kümmernis, Bedrängnis und Mühe, nicht Bedränger und Bedrängter, Unterdrücker und Unterdrückter. Denn Du, Herr, hast jene Welt Deinen Erwählten bereitet; Dich erwartet meine Seele. Gib mir, Herr, diesem Leben zu entrinnen, worin die Lästerung der Könige mich erschüttert, die Gewalttätigkeit der Mächtigen gegen Deinen mächtigen Namen mich zittern macht. Die Ärgernisse meiner Füße mögen durch Dich gesunden, o Weg der Wahrheit; die Müdigkeit meiner Glieder in Dir Ruhe finden, Christus, unser fettes Salböl; die Trübsale meines Herzens mögen in Dir vergessen werden, Jesus, Kelch unserer Erlösung; die Tränenbäche meiner Augen in Dir versiegen, Trost unserer Freuden.“

Die mit dem Heiligen gefangenen Bischöfe, Priester und Diakone staunten über seinen mutigen Sinn und seinen Gebetseifer und staunten, wie lange er mit zum Himmel ausgebreiteten Händen verharrte. Sie betrachteten sein Angesicht (πρόσωπον), dessen gewöhnliches Aussehen verändert war und dem einer Rose glich. Er vollendete sein Gebet mit dem Bekenntnisse gegen Gott, und alle antworteten: „Amen.“ Er wendete sich zu seinen Brüdern, segnete sie und sprach dann: „Freuet euch, Brüder, im Herrn; wiederum sage ich: freuet euch. Fasset Mut; erhebet eure Häupter; denn die Zeit unserer Erlösung ist gekommen. Morgen, am Tage des Leidens des Herrn, werden wir getötet.“ Und vieles sprach er zu ihnen aus den Schriften.

Nachdem er seine Unterweisung vollendet, sprach er: „Stehet auf, kommet, lasset uns den Herrn loben und unserem Gott, dem Erlöser, lobsingen, der seinen Diener, Gûhaschtazâd, vom Tode erlöst und aus dem Scheol befreit hat. Lasset uns vor sein Angesicht kommen im Bekenntnis, daß er rasch ihm mit seiner Gnade zu Hilfe kam, ihn aus der Macht des Irrtums befreite, ihn aus der Hand der Teufel und aus Satans Finsternis und Dunkel rettete, ihn in das von ihm ausgehende Licht führte, in das Reich seines Sohnes Jesus, aus dem er vertrieben war, geleitete, so daß er des Anteils gewürdigt wurde, der den Heiligen am Orte des Lichtes zukommt. Kommt, lasset uns sein Gedächtnis freudig begehen, sein Pascha mit dem Pascha Christi mischen und an dem Leibe und Blute des Lammes Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, uns erfreuen. Er hat es uns im Geheimnis gezeigt, uns zu belehren, daß das Geheimnis der Opferung seines Leibes nicht von den Juden, sondern von seinen heiligen Dienern in den Kirchen geopfert wird.“ Sie erhoben sich im Gebete und brachten die Geheimnisse auf ihren Händen im Gefängnis dar, da man ihnen die Gefäße des Dienstes aus Furcht vor den Verfolgern nicht hineinbringen konnte. So mischten sie Pascha mit Pascha und Gedächtnis mit Gedächtnis. Der heilige Simon sprach: „Dieses Geheimnis des Leibes des Herrn, Geliebte, sei uns ein Begleiter bis zu dem Tage, da wir seine Offenbarung empfangen werden, da er auf den Wolken des Himmels mit dem Heer seiner heiligen Engel kommt, unsere Seelen in den Leib zurückführt, ihn aus dem Staube erweckt, uns mit sich in den Himmel erhebt, mit seinem ersehnten Anblick erfreut, an seiner Herrlichkeit teilnehmen läßt und im Himmelreiche beseligt in Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.“ Alle Heiligen, die mit ihm waren, sprachen: „Amen.“

Dann begannen sie, die ganze Nacht zu beten,aus der der Freitag des Leidens des Herrn aufleuchtet und verbrachten sie stehend mit Psalmen, Hymnen und Lobgesängen. Nicht besiegte sie der verwirrende Schlaf, noch hinderte sie zerstreuende Sorge. Sondern alle beteten und flehten mit gebeugten Knien: „Gib uns, Herr, daß an diesem Tage Deines Leidens auch wir leiden und diesen Kelch des Todes um Deines Namens willen kosten, damit die Geschlechter nach uns sagen: Simon und seine Brüder waren Jesu gehorsam und wurden wie er am Freitag, dem vierzehnten Nisan, geopfert.“

Am Morgen des Freitag zur ersten Stunde des Tages wurden alle aus dem Gefängnis an die Pforte des königlichen Hofes gerufen. Als sie kamen, ließ der König Simon und allen seinen Brüdern sagen: „Betet diese Sonne an, in deren Aufgang diese Welt lebt, und ihr sollt leben.“ Da ließ Simon im Namen aller Seligen mit ihm dem König durch dessen Kommissär (scharrirä)melden: „Wozu sollen wir anbeten, was unsere Anbetung nicht sieht? Und wozu zu dem beten, was unser Gebet nicht hört? Und wozu das preisen, was nicht einmal von seinem Lichte weiß? Ferne sei es den Christen, die Anbetung des Schöpfers den Geschöpfen darzubringen und den Schöpfer mit seinem Geschöpfe zu vertauschen. Auch wenn wir mit allen Peinen gepeinigt und in allen Todesarten getötet werden, unseren Gott verlassen wir nicht. Und wenn mein Herr, der König, sagt, daß im Sonnenaufgang die Welt lebt, so lebt die Welt nicht im Sonnenaufgang. Wie kann, was selbst nicht lebt, Leben geben? Die Welt lebt im Winke Gottes, dessen Wesen Leben ist. Leben ja auch die Blinden, ohne die Sonne zu sehen. Wenn die Sonne Verstand hätte, müßte sie den Augen Dank sagen. Denn wenn das Auge nicht leuchtend wäre, so wäre der Gebrauch des Sonnenlichtes zwecklos.“

Diese Worte der Heiligen wurden dem König überbracht und wieder ließ er ihnen melden: „Gehorchet meinem Befehl und tut meinen Willen, und ich mache eure Ehre viel und eure Regierung groß.“ Der heilige Simon und die Heiligen mit ihm ließen dem König melden: „Du weißt, Herr, König, daß du einen Offizier, wenn er von dir in den Krieg geschickt wird und in der Schlachtreihe aus Todesfurcht und Liebe zum Leben den Rücken zeigt und flieht, dem Tode überlieferst. Wenn aber aus der Schlachtreihe deiner Knechte der, welcher aus dem Kriege flieht, getötet wird, was für einen Tod verdient dann die Verleugnung dessen, der sich von Gott, dem Richter der Toten und Lebendigen, abwendet und im Kriege für die Wahrheit dessen flieht, der der König aller Völker und Könige ist und dessen Reich das ewige Reich ist? Denn er fürchtet vor dem Anblick der Menschen, sieht aber nicht auf Gott, auf dessen Blickes Wink Himmel und Erde erschüttert werden und alles, was darin ist, dessen große Herrlichkeit seine Diener, Feuer und Wind, nicht einmal zu sehen ertragen. Vor diesem Gott muß man sich fürchten, Herr, König, nicht vor sterblichen Menschen; diesen Herrn Himmels und der Erde muß man anbeten und loben, nicht diese Sonne, welche täglich Finsternis zudeckt. Wenn sie Vernunft hätte, müßte sie uns danken, daß Gott ihr um unsertwillen Licht gab und sie an das Himmelsgewölbe setzte, die Erde zu erleuchten. Und wenn du uns Ehre und Vorrang versprachst, so gibt es in der himmlischen Schatzkammer alle Schätze, die besser und vorzüglicher sind als alle vergänglichen Ehren und Freuden. Und wenn wir um Gottes willen getötet werden, werden wir Fürsten der Gerechtigkeit und rechte Regenten genannt.“

Diese Worte des seligen Simon und seiner heiligen Genossen wurden dem König gemeldet. Dieser befahl, daß der selige Simon allein vor ihm erscheine. Es war die dritte Stunde. Man brachte ihn eilig und führte ihn vor den König. Als er eingetreten war, warf er sich vor dem König auf sein Angesicht. Der König sprach: „Simon, Rebell, in welcher Gesinnung bist du heute befangen? Willst du unser Freund bleiben oder soll ich dich als Feind in den Scheol senden?“ Der heilige Simon sprach: „Lebe, König, lebe; ich, dein Knecht, bin in einer nützlichen Gesinnung befangen.“ Der König sprach: „In welcher?“ Der selige Simon sprach: „Daß mir der Tod besser ist als in Gottesverleugnung zu leben.“ Der König sprach: „Wo ist deine Freundschaft zu mir?“ Simon sprach: „Gewiß liebe ich dich und jederzeit beten ich und mein Volk für deine Majestät, wie uns unsere Schriften befehlen. Aber die Liebe meines Gottes ist besser als deine Freundschaft, o König. Denn beide lassen sich so wenig vergleichen wie ein kleiner Stern mit der Sonne, obwohl beide Licht sind. So wird deine Freundschaft, o König, Freundschaft genannt, die Gottes aber Liebe und beide sind verschieden. Deine Majestät liebe ich als König und den, der für sein Reich sorgt; Gott aber als Gott, als Herrn, Schöpfer und Geber des Lebens, als Bewahrer, Fürsorger, Ernährer, Erwecker und Geber unvergänglicher Herrlichkeit an seine Freunde und alle, die seine Gebote halten.“

Der König sprach: „Bete einmal, nicht öfter, die Sonne an und ich rette dich von den Magiern, die dein Leben begehren.“ Als der selige Simon das hörte, erschrak er und sprach: „Ach Herr, König, nicht werde das auf der Erde gehört, noch in der Schöpfung gesagt, noch auf der bewohnten Erde gesprochen, noch mögen sich darüber freuen, die mir umsonst Feind sind, noch darüber frohlocken meine bösen Hasser und sagen: Simon ist von seinem Gott abgefallen und hat die Sonne angebetet, weil er den Tod fürchtet, vor der Hinrichtung zittert und das zeitliche Leben liebt.“ Der König sprach: „Wisse Simon, wegen meiner Freundschaft zu dir bin ich gegen dich langmütig; ich riet dir, aber du hörtest mich nicht. Jetzt sollst du wissen ….“  Simon sprach: „Solche Ratschläge sind mir überflüssig. Aber wenn du befiehlst, wird man mich für die Wahrheit meines Gottes töten. Dann offenbart sich mir durch die Tat deine Freundschaft gegen mich, weil mir die Freundschaft des Königs, die mir Gottes Haß zuzieht, nichts gilt.“ Als der König das hörte, wunderte er sich über seinen Mut, sah die (Klein-)könige, Großen und Freien, die vor ihm saßen an und sprach seufzend: „Bei den Göttern schwöre ich und bei der Sonne, der Richterin der Gerechtigkeit: ich sah fremde Völker, ferne Länder sowie unsere Landsleute. Aber ich sah keine Schönheit des Angesichtes und Bildung der Gestalt wie diese. Sehet wie er sein Leben nicht schont um des Irrtums willen, in dem er befangen ist.“ Alle antworteten: „Herr, König, sieh nicht auf die Leibesschönheit, sondern schau auf die Schönheit der Seelen der vielen, die er unserer Lehre verdirbt und verführt.“

Da erging über ihn und alle seine Brüder der Befehl, daß sie mit dem Schwerte weggerafft würden. Es war Freitag und die sechste Stunde. Zu der Zeit, da der Herr zu dem Leiden des Kreuzes hinauszog, zogen auch jene Herrlichen in den Tod. Und der Großmôpêt ging hinaus und fragte noch einmal die Schar der Bekenner, die mit dem heiligen Simon war: „Betet ihr die Sonne, den Gott, an und tut ihr den Willen Schâpûrs, des Königs der Könige und Herrn aller Herren, und ihr sollt leben.“ Alle antworteten laut: „Gewiß tun wir den Willen des Königs der Könige und Herrn der ganzen Erde, des Königs der Ewigkeit.“ Als der Großmôpêt das hörte, freute er sich und sprach: „Betet die Sonne an.“ Da lachten die Seligen laut über ihn und sprachen: „Hast du nicht gesagt, daß wir den Willen des Königs der ganzen Erde tun sollen? Auch tun wir ihn jetzt und beten die Sonne nicht an.“ Der Großmôpêt sprach: „Wer ist der König der Könige, der Herr der ganzen Erde, wenn nicht Schâpûr, der König der Könige?“ Die Heiligen sprachen: „Du hast eine offenbare Unwahrheit gesagt. Der König der Könige, der Herr der ganzen Erde ist Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde und von allem, was darin ist. Er ist der König der Könige in Ewigkeit. Schâpûr regiert einen Winkel der Erde; heute ist er und morgen ist er nicht auf ihr. Wenn er der Herr der Erde ist, möge er ihr befehlen, daß sie Samen ohne Samen, ohne Mühe des Landmanns und ohne Regen sprossen lasse und daß sie Bäume hervorbringe, die nicht gepflanzt sind. Um dich aber nicht mit vielem zu ermüden, höre nur kurz: Gott möge uns davon befreien, daß das bei uns gefunden werde, daß wir die Sonne oder irgendein Geschöpf anbeten und von unserem Gott abfallen.“ Der Môpêt antwortete: „Sehet, was ihr tut; denn der Tod ist über euch vom König verhängt.“ Die Heiligen antworteten: „Es ist uns eine Gnade, wenn dieser Befehl an uns vollzogen wird und das Leben in Gott wird uns für den um Gottes willen (erlittenen) Tod gegeben. Wisse du und dein König mit dir, daß wir die Sonne nicht anbeten und unseren Gott nicht verleugnen.“

Der Großmôpêt berichtete das dem König und dieser befahl, daß alle vor dem herrlichen Simon getötet würden, ob er vielleicht durch den Anblick des Todes der vielen wankelmütig würde. Da man die Heiligen hinausführte, war große Aufregung in Karkâ de Lêdân, da man viel Scharen von Bekennern gemartert und gequält sah. Infolge der erlittenen Peinen war zwar ihr Angesicht entstellt, aber ihre Gedanken und Reden waren mutig. Als man sie hinausführte, ging der selige Simon wie ein mutiger Feldherr an ihrer Spitze und ermutigte sie auf dem Wege mit lauter Stimme: „Seid stark, Brüder, in Gott und fürchtet nicht. Sehet, der Herr ermutigt euch, indem er sagt: ‚Habet Mut; ich habe die Welt besiegt.‘ Für den Erwecker sterben wir und für Christus werden wir getötet. Er ist unsere Auferstehung und unser Leben, wie er sagt: ,Ich bin die Auferstehung, die Erweckung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.‘ Um wieviel mehr wird also, wer um seines heiligen, gepriesenen Namens willen stirbt, leben.“ Sie zogen nun alle aus der Stadt Karkâ de Lêdân hinaus, umringt von vielen Tausenden Ungläubigen und (kriegs) gefangenen Christen. Denn die Schar der Gottesmänner, die um Gottes willen getötet wurden, war ein wunderbarer Anblick. Aller Augen schauten auf die Herrlichen, die fern aller Furcht sich freuten und lachten.

Das Angesicht des seligen Simon war entzückt und bei aller Eile ließ er nicht ab, zu belehren. Und nachdem sie an den Ort gekommen waren, wo sie geopfert werden sollten, begann er, sie zu ermutigen: „Fürchtet euch nicht, Brüder, fürchtet euch nicht vor denen, welche den Leib töten, die Seele aber nicht töten können. Gedenket des Wahrhaftigen, der sprach: ‚Jeder, der um meinetwillen seine Seele hingibt, wird das ewige Leben finden.‘ Gedenket des Wortes des Lehrers der Wahrheit: ,Es gibt keine Liebe, die größer ist als diese, daß jemand seine Seele für seine Freunde gebe.‘ Denn Jesus hat für uns, Feinde, seine Seele gegeben; lasset uns mühen, für ihn, unseren Freund, unsere Seele zu geben. Wenn unsere Mörder im Eifer des Irrtums uns töten, nicht aus Feindschaft, so haben wir die Vorhersage des Herrn als Trost: ,Es werden Tage kommen, da jeder, der euch töten wird, glaubt, Gott ein Opfer zu bringen.‘ Wenn sie es aber als Hasser und Verfolger tun, so ermutigt uns sein Wort: ‚Wenn sie mich gehaßt, werden sie auch euch hassen, und wenn sie mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen.‘ Gedenket der im Geiste gesprochenen Worte des erwählten Apostels Paulus: ,Ich denke, daß die Leiden dieser Zeit nicht gleich sind der Herrlichkeit, die in uns offenbar werden wird.‘ Und: ,Wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mit ihm verherrlicht.‘ Und: ;Wenn du mit deinem Munde den Herrn Jesus bekennst und in deinem Herzen glaubst, daß Gott ihn aus den Toten erweckt hat, wirst du leben.‘ Und: ‚Niemand ist, der sich selbst lebt, und niemand aus uns, der sich selbst stirbt; denn wenn wir leben, so leben wir dem Herrn und, wenn wir sterben, so sterben wir dem Herrn; ob wir also leben oder sterben, des Herrn sind wir.‘ Deshalb auch ist Christus gestorben, wieder lebendig geworden und auferstanden, daß er sei der Herr der Toten und der Lebenden.“

Gedenket, Brüder, der seligen Apostel, die nach dem Worte des auserwählten Paulus ein Schauspiel (θέατρον) wurden der Welt, den Engeln und Menschen. Sie waren hungrig und durstig wie ihr; sie waren nackt und wurden mit Fäusten geschlagen wie ihr; sie wurden verachtet und ermüdeten, da sie mit ihren Händen arbeiteten; sie wurden gelästert und segneten; sie wurden verfolgt und hielten aus; man spottete sie und sie baten sie; wie der Auswurf der Welt sind sie geworden und der Abschaum von allen bis jetzt nach dem Zeugnis des Apostels. Höret ihn wieder: ,Die Zeit ist verkürzt, daß die, welche weinen, (sind) wie nicht Weinende, und die, welche sich freuen, wie nicht sich Freuende; denn die Gestalt dieser Welt vergeht.‘ Erinnert euch, daß er sagt: ,So laufet, daß ihr erreichet; denn jeder, der einen Wettkampf (ἀγών) macht, enthält sich von allem; und diese laufen, eine vergängliche Krone zu empfangen, wir aber eine unvergängliche.“ Und er ruft: „Ich laufe so, nicht wie nach etwas Unbekanntem, und kämpfe so, nicht wie der, welcher die Luft schlägt; sondern ich bändige und unterwerfe meinen Leib, damit ich nicht, der ich anderen gepredigt, selbst verworfen werde.“ Glauben wir dem, der gesagt: „Getreu ist Gott, daß er euch nicht über euer Können versucht werden läßt, sondern daß er eurer Prüfung einen Ausgang gibt, damit ihr ertragen könnt.“ Höret ihn sagen): „Werdet mir gleich, wie auch ich Christus.“ Denn er wurde geopfert wie Christus und auch wir sollen wie er geopfert werden. Horchet auf ihn, da er spricht: „Wenn wir bloß in diesem Leben auf Christus vertrauen, sind wir ärmer als alle Menschen.“ Denn vorgelesen und gewiß ist euch der Trost, den er bezüglich der Toten gibt, indem er sie Schlafende nennt, damit ihr wisset, daß der Tod ein Schlaf ist: „Christus erstand aus den Toten und wurde der Erstling der Schlafenden“ und so weiter. Und: „Wenn wir glauben, daß Jesus starb, lebendig wurde und auferstand, ebenso bringt auch Gott die in Jesus Schlafenden mit ihm.“ Lasset uns hören, wie er uns in der Wahrheit befestigt: „Wachet auf und stehet im Glauben; seid tapfer und stark.“ Lasset uns Gott loben, geliebte Brüder, jetzt, da wir geopfert werden. Lasset uns sagen: „Gepriesen ist Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der Vater der Barmherzigkeit, der Gott alles Trostes, der uns in allen Trübsalen tröstet, damit auch wir diejenigen trösten können, die in allen Trübsalen sind, mit jenem Trost, mit dem wir von Gott getröstet werden. Denn wie in uns die Leiden Christi sich mehren, so wird auch durch Christus unser Trost gemehrt.“ Lasset uns, Brüder, jenes Wortes gedenken, in dem er unsere im Feuer des Heiligen Geistes gebrannten Leiber tönerne Gefäße nennt: „Wir haben diesen Schatz in einem tönernen Gefäß, damit die Größe der Kraft von Gott sei, nicht von uns.“ Und deutlich zeigt er die Kraft Gottes in uns durch die Worte: „Denn täglich werden wir gepeinigt, aber nicht überführt, verlacht, aber nicht geschmäht, gezüchtigt, aber nicht verlassen. Wir werden herabgestürzt, aber wir gehen nicht zugrunde. Denn jederzeit haben wir die Sterblichkeit Jesu an unseren Leib genommen, damit das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde. Denn wenn wir lebend um Jesu willen dem Tod überliefert werden, so wird auch das Leben Jesu an diesem unserem Leibe, der stirbt, offenbar werden, da wir wissen, daß der, welcher unseren Herrn Jesus erweckte, auch uns durch Jesus erwecken und mit euch ihm nahe bringen wird.“ Und er fügt hinzu: „Deshalb verdrießt es uns nicht, wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht, aber der innere Tag für Tag erneuert wird. Denn diese zeitliche Trübsal bereitet uns, so gering sie ist, große Herrlichkeit ohne Ende in Ewigkeit der Ewigkeiten, die wir uns nicht freuen über das Sichtbare, sondern über das Unsichtbare. Denn wir wissen, daß, wenn dieses unser Haus des Leibes, das auf Erden ist, aufgelöst wird, wir doch ein Gebäude von Gott haben, ein Haus nicht von Händewerk im Himmel in Ewigkeit.“ Wie sehnte sich dieser Wunderapostel nach dem Tode des Leibes: „Solange wir im Leibe wohnen, sind wir von dem Herrn weg tot. Deshalb sehnen wir uns, von dem Leibe weg zu sterben und bei dem Herrn zu sein.“ Und sich mühend, von sich selbst zu zeigen, worin er als Diener Gottes erkannt werde, sagt er: „In allem lasset uns zeigen, daß wir Diener Gottes sind, in vieler Geduld, in Trübsalen, Nöten (ἀνάγκη), Gefängnissen, Geißeln, Fesseln, Aufruhr, Ermüdung, Wachen, Fasten, Reinheit, Weisheit, Langmut, Freundlichkeit im Heiligen Geist, Liebe ohne Hinterlist, im Wort der Wahrheit, mit den Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und Linken, in Lob und Schimpf, Ehre und Schmach, als Betrüger und doch Wahrhaftige, als Unangesehene und doch sind wir angesehen, als ob wir tot wären, und sieh, wir leben, als Gezüchtigte und doch sterben wir nicht, als Betrübte und jederzeit freuen wir uns, als Arme und die vielen machen wir reich, als solche, die nichts haben und alles besitzen wir.“

Gedenket, Brüder, des Seligen, der fünfmal von den Juden mit Peitschen (σκύτος) geschlagen wurde, dreimal von den Heiden mit Ruten gepeitscht, einmal gesteinigt wurde und daran war, den wilden Tieren vorgeworfen zu werden, der täglich am Sterben war, wie er bezeugt, viele Gefahren sah, wie geschrieben steht, und endlich von König Nero in Rom geopfert wurde. Lasset uns in Christus freudig sterben, Brüder; lasset uns stark sein im Herrn und in der Kraft seiner Stärke. Wenn wir mit dem Herrn und seinen heiligen Aposteln sterben, haben wir mit ihnen auch Teil an der Herrlichkeit. Und es ist euch, Brüder, gegeben, daß ihr nicht bloß an Christus glaubet, sondern daß wir auch Führer seien, und er hat uns zu Verwaltern und Lehrern gemacht; und nicht nur, daß wir bloß Führer und Lehrer seien, sondern daß wir auch für seinen Namen leiden und diesen Kampf der Zeugenschaft aushalten. Lasset uns also diese Welt und alles, was darin ist und ihr Leben für Kot erachten, um, wie Paulus, bloß Christus zu gewinnen. Freuet euch, Brüder, im Herrn; freuet euch jederzeit gar sehr. Unser Zeugnis für Christus und unsere Opferung für ihn werde allen bekannt. Der Herr ist nahe, der unsere getöteten Leiber mit seiner Auferstehung krönt. Freuen wir uns also über die Leiden für Gottes Volk. Vollenden wir den Mangel der Peinen Christi an unserem Leibe für seinen Leib, welcher die Kirche ist, wie der Apostel sagt. .Lasset uns aufschauen, Geliebte; lasset uns, was oben ist, verlangen, wo Christus ist zur Rechten Gottes, der von dort über uns offenbar werden wird. Denn auch unser Leben und Tod sind in ihm verborgen. Wenn Christus offenbar wird, unser Leben, dann wird auch unser Leben mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.

Sehet, heute werden wir gleich den Propheten und Aposteln, die gesteinigt und getötet wurden, wie der selige Paulus über die Verfolgung der Thessalonicher sagt: „Ihr seid gleich geworden, Brüder, den Kirchen Christi in Judäa. Denn so habt auch ihr von den Heiden geduldet, wie sie von den Juden, die unseren Herrn Jesus Christus töteten und die von ihnen (stammenden) Propheten und uns verfolgten.“ „Lasset uns nicht verdrießen, Brüder, der Leiden und des Todes für Christus, da wir dafür bestimmt sind.“ „Wir duldea Trübsal, Verfolgung und Tod zum Erweis des gerechten Gerichtes Gottes, damit wir gewürdigt werden jenes Reiches, für das wir leiden. Wenn es gerecht ist vor Gott, vergilt er mit Pein unseren Peinigern, und uns, die Gepeinigten, wird er lebendig machen in der Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus vom Himmel mit der Heerschar seiner Engel, wenn er kommt und Rache nimmt in der Feuerflamme an denen, die Gott nicht kennen und der Verkündigung unseres Herrn Jesu Christi nicht gehorchen, denen im Gerichte in ewigem Verderben vergolten wird vor dem Angesichte des Herrn und durch die Herrlichkeit seiner Kraft, wenn er kommt, in seinen Heiligen verherrlicht zu werden und seine Wunder in seinen Gläubigen zu zeigen, da unser Zeugnis Glauben gefunden.“ Geglaubt und wahr, Brüder, ist das Wort Pauli: „Wenn wir mit ihm sterben, werden wir auch mit ihm leben, und wenn wir dulden, werden wir auch mit ihm herrschen. Wenn wir aber ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen, und wenn wir an ihn nicht glauben, wird er in seinem Glauben bleiben; denn er kann sich nicht selbst verleugnen.“

Seien wir nicht betrübt noch beängstigt heute, da wir die Welt verlassen, weder über unsere Verfolgung, noch über die Zerstörung unserer Kirchen, auch wenn sie guten Vorwand haben, da ja auch wir aus Christus sein werden. Denn der heilige Apostel sagt: „Alle, die in Jesus Christus leben wollen, werden verfolgt.“ Und wenn auch unsere Kirchen zerstört sind, so ist unser Gebäude im Himmel nicht mit Händen gemacht. Denn die meisten Gerechten starben für die Religion. Und um nicht zu lang zu werden — sehet, unsere Mörder schleppen uns eilig vor den Mund des Schwertes — lasset uns kurz das Zeugnis des Apostels auch über sie anführen, damit man jederzeit wisse, daß ich nicht nach meinem Sinn, sondern nach den Schriften Gottes rede: andere starben in Qualen; andere wurden gesteinigt; andere wurden zersägt; andere starben durch den Mund des Schwertes; sie waren arm, gedrückt und gequält, Menschen, derer die Welt nicht wert war. Werden wir, Brüder, jetzt ihnen gleich im Tode, wie wir ihnen in den Drangsalen gleich wurden. „Siehe, (es ist) der willkommene Tag, siehe die Zeit der Erlösung.“ Niemand fürchte das blitzende Schwert. Gedenken wir des Wortes Gottes, das schärfer ist als ein zweischneidiges Schwert. Niemand verlasse unsere Reihe. Wandeln wir vollkommen und wir werden uns dann vollkommen freuen. Seien wir aus ganzer Seele bereit, zu zeigen, daß, was wir schuldig sind, unser ist; da die (Güter) Gottes uns längst bereitet sind. Unser ist die Liebe, sein der Lohn; unser die Furcht, sein das Geschenk; unser die Mühe, sein der Lohn; unser das Leiden, sein die Beseligung; unser das Blut, sein das Reich; unser der Tod, sein das Leben, das ruhige, freudige, zu Tisch ladende, beseligende, da er laut zu uns spricht: „Wohlan, ihr guten Knechte, da ihr gut mit den euch anvertrauten Talenten gehandelt, empfanget je zehn Minen“.

Nachdem der selige Simon so gesprochen, traten die Henker heran, sie zu opfern. Da sprach einer aus der Schar der Bekenner unter seinen Brüdern zu dem herrlichen Simon: „Vater, Herr Katholikos, sehr hast du uns durch deine Belehrung erfreut; mögen wir nun in der Tat geopfert werden.“ Da trat der selige Simon hinzu, küßte ihn und sprach: „Gesegnet sei dein heiliger Mund von Gott, o Herr, da dieses mutige Wort aus ihm hervorging und von der Festigkeit deiner Seele Zeugnis gibt.“ Dann wendete er sein Gesicht nach Osten und alle Herrlichen mit ihm, sie beugten die Kniee, adorier-ten zur Erde und Simon sprach: „Herr, Herr, Wesen, das allein ist, wir bekennen die Natur Deines Wesens und den Unterschied der Personen der Trinität. Du schufest uns in Deiner Gnade, ließest uns nicht in unserem Irrtum und der Knechtschaft des Teufels, sondern bekehrtest uns durch Deinen eingeborenen Sohn, erlöstest uns durch ihn vom Tode und befreitest uns vom Scheol, bereitetest durch seine Auferstehung dem ganzen Menschengeschlechte Auferstehung, verhießest das Himmelreich allen Heiligen, erwähltest uns aus Deinem gläubigen Volke, Erzieher, Priester, Lenker und Häupter der Kirche zu sein, verbandest mit Christus die Erstlingschaft unserer Erlösung und würdigtest uns, für das Bekenntnis Deines Namens zu leiden und für uns selbst und für Deine im Blute Deines Geliebten, unseres Herrn Jesu Christi erlöste Kirche zu sterben. Nimm, Herr, das Opfer unseres Leibes an, laß uns sein reine und wohlgefällige Opfer und würdige uns des Anteils, der den Heiligen im Lichte zukommt. Stärke die Schwachen Deines Volkes, befestige die Gläubigen in ihrem Bekenntnis zur Zeit ihrer Bedrängnis und wirke an ihnen ein gutes Zeichen, damit ihre Hasser es sehen und sich schämen. Denn Du, Herr, bist unser Helfer und Tröster; Dir schulden die in der Höhe und Tiefe Lob, Ehre und Ruhm für Deine ganze Regierung voll aller Weisheit, jetzt und jederzeit und in Ewigkeit der Ewigkeiten.“ Und alle Versammelten antworteten: „Amen.“ Und sie fügten hinzu: „Segne, Herr; segne, Herr.“ Und er streckte seine Rechte über sie und sprach: „Die Kraft, die nicht versagt, sei zu unserer Hilfe in Ewigkeiten. Amen.“

Hernach traten sogleich zehn Henker hinzu und überlieferten je zehn dem Schwerte. Freudig ließen sich die Heiligen opfern, da ihr Mund voll Lachen und ihre Zunge voll Lob war. Die Vorangehenden küßten die Nachfolgenden und so wurden sie zu je zehn hinweggerafft. Der selige Simon ermutigte einen nach dem anderen, indem er sprach: „Tretet nieder den Stachel des Todes, da Jesus in seinem Tode ihn zerbrach.“ Nachdem hundert Heilige vollendet waren, rief Simon laut, da er ihre Leichen auf Haufen geworfen sah:„Wo ist dein Stachel, Tod; wo ist dein Sieg, Scheol? Bekenntnis Gottes, der uns den Sieg durch unseren Herrn Jesus Christus gab. Wie gut und schön ist es für Brüder, die gemeinsam gekrönt wurden. Wie schön ist die Krone der Zeugenschaft, die den Hundert zuteil wird.“

Der herrliche Simon und zwei greise Priester, die mit ihm waren, waren noch übrig geblieben. Der eine hieß Hannanja, der andere ‚Abdhaiklâ. Als manden Hannanja auszog, um ihn zu binden, zitterte sein Leib, aber nicht sein Geist. Es stand aber ein angesehener Mann, namens Pûsai, dort, dem eben in diesen Tagen die Ehre des Ranges eines Werkmeisters, welchen man Kârôgbêd nennt, vom König gegeben worden war, um an dem Anblick des Opfers der Heiligen teilzunehmen. Als dieser den zitternden Leib des Greises sah, sprach er: „Fürchte nicht, Hannanja, fürchte nicht. Schließe deine Augen einen Augenblick und du siehst das Licht Christi.“ So wurde jener Selige gekrönt. Pûsai aber wurde sofort auf Befehl des Großmôpêt, der als Kommissär (scharrîrâ) anwesend war, ergriffen und gefesselt, bis seine Sache vor den König gebracht würde. Nach Hannanja brachte man den ‘Abdhaiklâ, der ebenfalls in Christus, seinem Vertrauen, gekrönt wurde.

Darauf trat der Held Simon hinzu und betete: „Herr Jesu, der Du für Deine Kreuziger betetest und uns lehrtest, für unsere Feinde zu beten, der Du die Seele Deines Diakons Stephanus aufnahmst, der für seine Steiniger betete, nimm auf die Seelen dieser Brüder und mit ihnen auch meine Seele mit allen Deinen Zeugen, die im Abendland gekrönt wurden, den heiligen Aposteln und seligen Propheten. Rechne es den Verfolgern Deines Volkes und den Mördern unseres Leibes nicht als Sünde an, sondern gib ihnen, Herr, daß sie sich bekehren zu der Erkenntnis Deiner Gottheit und Herrschaft. Segne, Herr, die Städte und alle Ortschaften im Gebiete des Orients, die Du mir anvertraut. Bewahre alle Gläubigen darin wie den Augapfel. Unter dem Schatten Deiner Flügel mögen sie Schutz finden, bis die Verwirrung vorübergeht. Sei nach Deiner Verheißung mit ihnen bis an das Ende der Welt. Herr, segne auch dieses Karkâ , wo wir aufgenommen und gekrönt wurden. Dein Kreuz bewahre es im wahren Glauben jetzt und jederzeit und in Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.“ So vollendete der herrliche Simon seine Worte und zugleich seinen Sieg durch Enthauptung. Es war die neunte Stunde am Freitag des Leidens des Herrn.

Hernach wurde Finsternis; die Sonne verbarg sich plötzlich und Furcht und Zittern ergriff alle Zuschauer. Während der Nacht wurden ihre Leichen von (kriegs) gefangenen Römern, die in Karkâ de Lêdân wohnten, heimlich weggenommen und mit Ehren begraben. Auch Gläubige von verschiedenen Orten, die beim königlichen Heere waren, suchten Reliquien von den Leibern der Heiligen und es wurden ihnen solche von den Bischöfen gegeben, die damals in Karkâ waren, die allein von den Bewohnern des Orients nicht Folter und Hinrichtung überliefert wurden. Denn die Stadt war neu erbaut und der König wollte sie in Ruhe lassen. Auch hatte er die dort angesiedelte Bevölkerung eben erst gefangen genommen und aus verschiedenen Orten dort angesiedelt, sie schonend, weil sie Verbannte waren. Das geschah so bis jetzt.

Ende der Ruhmestaten des heiligen Simon, des Bischofs, Katholikos des Orients, der Bar Sabbâ’ê genannt wird, weil seine Eltern königliche Purpurfärber waren, sowie der ganzen gesegneten Schar der seligen Zeugen mit ihm. Wir haben sie kurz verfaßt, so wie die Gnade Gottes uns verlieh, mit Verwendung des Stoffes, den wir in den Erzählungen eifriger Männer vor uns fanden, deren Gebet mit uns allen sei. Amen.

Pûsai

Zeugnis des herrlichen Pûsai.

Wir wenden uns nun zur Erzählung des Bekennertums des unter den Zeugen berühmten, herrlichen und mutigen Pûsai, der, nachdem er in Christi Herde ein Lamm gewesen, in ihr als wackerer Hirt erfunden wurde und dessen Mut nicht (nur) bis zur Unterstützung und Rettung seiner Mitschafe, sondern bis zur Ermutigung und Stärkung der Hirten (gehend) erfunden wurde,wie er in der vorausgehenden Erzählung (mêmrâ) durch seine Worte an den seligen Hannanjâ zeigte. Um aber nicht nachlässig zu erzählen, müssen wir seine Geschichte von vorn beginnen.

Der herrliche Pûsai stammte von (Kriegs) gefangenen ab, die Schâpûr bar Hôrmîzd aus Bêt Rômâjê gebracht und in Beh Schâpûr, einer Stadt in der Provinz Pârs, angesiedelt hatte. Er hatte in dieser Welt vor seiner Gefangenschaft ruhig als Christ gelebt, wohnte auf Befehl des Königs in Beh Schâpûr und hatte dort das Vorsteheramt. Er nahm ein persisches Weib aus der Stadt, unterrichtete sie, taufte seine Kinder, erzog und unterwies sie im Christentum. Als nun dieser König Schâpûr bar Hôrmîzd, der die Verfolgung über die Kirchen des Orients begann, die Stadt Karkâ de Lêdân erbaute und dort Gefangene aus verschiedenen Gegenden ansiedelte, gefiel es ihm, auch von der Bevölkerung aller Städte der Provinzen seines Reiches ungefähr je dreißig Familien unter ihnen anzusiedeln, damit infolge der Vermischung mit ihnen die Deportierten durch die (Bande der) Familie und der Liebe gefesselt würden, damit es ihnen nicht leicht würde, allmählich in ihre Heimat zu entfliehen. Das hatte Schâpûr in seiner Schlauheit ersonnen; Gott aber benützte es in seiner Barmherzigkeit zum Guten, um durch die Vermischung der Deportierten mit den Heiden diese für die Erkenntnis der Wahrheit zu fangen und auf dem Wege der Wahrheit zu unterweisen. Wie andere Familien, die man aus verschiedenen Orten auf Befehl des Schâpûr bar Hôrmîzd in Karkâ ansiedelte, brachte man auch solche aus Beh Schâpûr in Pârs. Und unter diesen siedelte man auch den seligen Pûsai, sein Weib, seine Kinder, seine Brüder und Schwestern und seinen ganzen Haushalt in Karkâ de Lêdân an. Pûsai war ein ausgezeichneter Handwerker und verstand meisterhaft die Weberei und Stickerei von Goldornamenten. Auch gehörte er zu jenen Handwerkern, welche der König aus allen Völkern, aus Deportierten und Untertanen sammelte und die er zu einer Genossenschaft mit vielen Unterabteilungen (τάγμα) machte und denen er eine Werkstätte neben seinem Palast (παλάτιον) in Karkâ de Lêdân einrichtete. Da nun der selige Pûsai in seinem Handwerk geschickt war, wurde er dem König empfohlen und dieser gab ihm beständig große Ehren und Geschenke und machte ihn nach kurzer Zeit zum Werkmeister, da er sich täglich mehr auszeichnete und Beifall fand.

Wenige Tage bevor die Verfolgung sich gegen die Kirchen erhob und der selige Simon mit vielen anderen aus verschiedenen Gegenden an den Hof des Königs zum Verhör gebracht wurde, war dem herrlichen Pûsai von König Schâpûr eine vergängliche Ehre erwiesen worden, da er ihn zum Werkmeister auch der anderen Provinzen des Reiches machte1. Wenige Tage nachdem er vom König diesen Ehrenrang erhalten, erhielt er von ihm den Auftrag, die Handwerker in der Stadt Schadbûr, die aramäisch Râmâ heißt, zu visitieren. Als er nun von Karkâ an seinen Bestimmungsort wanderte, sah er jene Schar der hundertdrei Bekenner, Simon und seine Genossen, die man zum Tode führte. Der die Wahrheit glaubende Pûsai begleitete sie und ging mit ihnen, um die Vollendung ihres Zeugnisses zu sehen. Als sie an die Hinrichtungsstätte gekommen waren und hundert Heilige unter dem Munde des Schwertes gefallen waren, brachte man den hundertundersten, einen Greis, dessen Leib sehr schwach war und dessen Fleisch zitterte, nicht aus Furcht, sondern aus natürlicher Schwäche, die viele befällt, nicht zur Zeit der Furcht, sondern beständig. Sein Name war Hananjâ; seinem Range nach war er ein ehrwürdiger Priester der Hauptkirche von Seleucia in Bêt Arâmâjê. Als man ihn auszog und fesselte und der mutige Pûsai seinen Leib zittern sah, glaubte er, es geschehe aus Furcht und rief ihm laut aus der Menge zu: „Sei stark, Hananjâ, und fürchte nicht; schließe deine Augen ein wenig und du siehst das Licht Christi.“

Als diese Stimme gehört wurde, ergriff alle Staunen über den Mut des herrlichen Pûsai, der in dieser Zeit voll Furcht, Zittern und Gefahr wie ein starker Held mit kräftiger Stimme jauchzte angesichts der teuflischen Scharen und einem weisen Feldherrn glich, der, wenn er zufällig jemand sieht, der schlaff und schwach im Kampfe scheint, ihn ermutigt und seine Schlaffheit stärkt, indem er ihm die Schwäche der Feinde vorhält, sowie die Tapferkeit der eigenen Schlachtreihe, die Kraft des starken Reiches, dessen Krieger sie sind, die Belohnungen, die der König seinem Heere für ihren Kampf geben wird, und die Ehren, die den tapferen Streitern bereitet sind. So tat der in Gott weise Pûsai; er stärkte den Greis, von dem er glaubte, sein Herz fürchte und zittere mit seinem Leibe, wenn es auch nicht so war; er ermutigte ihn, eiferte ihn an zum geistigen Kampfe, ermunterte ihn durch himmlische Geschenke und die Verheißung göttlicher Ehren; die verdunkelten Augen forderte er auf, in das heitere Licht Christi zu schauen. Ob dieser Tat ergriff Bestürzung den Großmôpêt und die übrigen Kommissäre mit ihm, daß ein Mann, den sie für einen der ersten Magier gehalten, der von dem König Geschenke und Ehren erhalten und dem ein hoher Rang zuteil geworden war, plötzlich als Feldherr des Lagers der Bekenner, als Ermutiger und Stärker der Christen erfunden wurde. Sofort befahl er, ihn zu ergreifen und herbeizubringen. Er fragte ihn: „Bist du Christ?“ Der in Gott starke Pûsai antwortete: „Diese Frage ist überflüssig; denn mein Ausruf bezeugte, daß ich Christ bin.“ Der Großmôpêt sprach: „Wurdest du in diesem Weg unterwiesen, oder hast du ihn von deinen Eltern empfangen?“ Der tapfere Pûsai sprach: „Ferne sei es mir, den Glauben meiner Eltern zu verleugnen. Im Christentum bin ich geboren.“ Da befahl der Großmôpêt, ihn ins Gefängnis zu bringen, bis seine Worte dem König überbracht würden.

Am Morgen des Samstag nach jenem Freitag, an dem der selige Simon und die Seinigen gekrönt worden waren, trat der Môpêt vor den König und setzte ihm alles auseinander, was Pûsai gesprochen. Als der König das hörte, staunte er, schlug mit der Hand auf den Schenkel und sprach: „Nein, bei dem Glücke der Götter, ich wußte nicht, daß jener Mann Christ ist. Hätte ich es gewußt, so hätte ich ihm keinen Tag unser, der Götter, Werk anvertraut, noch ihn dieser großen Ehre gewürdigt. Aber so glaubte ich, daß er, weil er Perser ist, unsere, der Götter Religion festhalte. Aber härter als alles ist, daß er, obwohl er weiß, daß ein starker Löwe wie ich gegen die sogenannten Christen brüllt und daß ich begonnen habe, solche zu zerschmettern, mich wie ein Fuchs verlacht, sich offen als Rebell gegen mich erweist und mich für einen Menschen hält, dessen Befehl verächtlich und dessen Wort verwerflich ist. Das ärgste aber ist, daß es ihm nicht genügt, jene gottlose Religion festzuhalten, sondern daß er auch andere ermutigt und bestärkt. Deshalb schwöre ich bei den Gottern und errichte einen Bund vor der Sonne, der Richterin der ganzen Erde, die Gerechtigkeit sieht und Recht spricht: er muß jene falsche Religion, die er festhalt, aufgeben; wenn nicht, wird sein Leben heute nicht bei ihm bleiben.“

Der König befahl, ihn vorzuführen. Als der herrliche Pûsai eintrat, warf er sich vor dem König auf sein Angesicht nieder. Dieser sprach: „Du eines bösen Todes Sterbender, wie hieltst du mich für einen Nichtkönig, verachtetest meine Herrschaft, schätztest meine Furchtbarkeit gering, verschmähtest meine Majestät, zähltest nicht meinen die Völker und Reiche in Zittern versetzenden Befehl, als wäre es der Befehl irgendeines Verächtlichen und Geringgeschätzten, und redetest, was der Großmôpêt berichtete.“ Der herrliche Pûsai sprach: „Ferne sei es dem Diener des lebendigen Gottes, dich, mächtiger König, für verächtlich und geringgeschätzt zu halten und nicht vielmehr für einen starken König, einen berühmten König, den König der Könige.“ Der König sprach: „Wie hältst du mich für das in deiner Rede? Du hast es doch gewagt, bei Gott zu schwören, nicht bei den Göttern.“ Der herrliche Pûsai sprach: „Bei Gott schwöre ich, weil ich Christ bin; bei den Göttern schwöre ich nicht, weil ich kein Heide bin.“ Der König sprach: „Wie gelte ich dir als König, als starker, mächtiger König der Könige, da du so verwegen warst, vor mir zu sagen: ich bin Christ?“ Der herrliche Pûsai sprach: „Bester König, darin bin ich geboren und darin erzogen. Wie soll ich es jetzt verleugnen, besonders da ich überzeugt bin, daß es mein Leben ist?“ Der König sprach: „Sag nicht mehr vor mir: ich bin Christ.“ Der starke Pûsai sprach: „Wenn deine Majestät mich tausendmal darüber fragt, oder darüber mit mir spricht, so hörst du von mir: ich bin Christ.“ Der König sprach: „Du des Todes Schuldiger, stehst du nicht vor dem König der ganzen Erde? Wie redest du mit mir wie mit deinesgleichen?“ Der herrliche Pûsai sprach: „Nicht, guter König; nicht rede mein Herr so von seinem Knecht, dem Abschaum seiner Knechte. Denn nicht als deinesgleichen rede ich mit dir, sondern als Knecht Gottes und des Königs der Könige.“ Der König sprach: „Wie sagtest du vor mir: ich bin Christ, und schämtest dich nicht, vor mir eine Religion zu bekennen, die ich hasse?“ Der selige Pûsai sprach: „Guter König, höre mich. Ich bekenne unsere, der Christen, Religion vor deiner Majestät und schäme mich nicht. Denn es lehrt uns einer der Diener Gottes: „Ich will reden in Gerechtigkeit vor dem König und mich nicht schämen.“ Und Christus, den ich bekenne, sagt: „Wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen.“ Wenn aber der König sagt: ich hasse die Religion der Christen, so ist es Gott, der sie liebt, er, dessen Religion unveränderlich bleibt in Ewigkeit.“ Der König sprach: „Du eines bösen Todes Sterbender, ich sage dir: du sollst vor mir nicht sagen: ich bin Christ; und jetzt sprichst du sogar von den Büchern der Nazarener mit mir.“ Der herrliche Pûsai sprach: „So wahr Christus lebt, dem ich diene, guter König, in dem, was ich aus den Schriften gehört, ist beständig mein Sinnen und Denken.“

Über das Gehörte wurde der König sehr erzürnt und er sprach zu den (Klein) königen und Vornehmen, die vor ihm saßen: „Was soll diesem Manne geschehen, der so vor mir sprach?“ Alle sprachen: „Er verdient tausendfachen Tod.“ Wieder sprach der König: „Was sollen wir über jene Zauberer sagen, die Bischöfe und Priester genannt werden, welche die Religion der Nazarener bekennen und andere lehren, wie dieser, der von mir geehrt und wegen des von mir erhaltenen Ranges von vielen beneidet wurde, offen vor mir bekennt: ich bin Christ. Und ein Mann, von dem ich glaubte, er sei hervorragend in der Lehre der Magier, redet jetzt mit mir von den Büchern der Christen. Drittens: Die von dem Großmagier berichteten Worte, die er zu jenem zum Tode Verurteilten sprach, der aus Furcht seinen Gott verleugnen wollte, hat nicht einmal einer jener Bösewichter, die Bischöfe genannt werden, in jener Zeit des Schreckens zu ihm zu sagen gewagt. Eines wie vielfachen Todes ist nun der Mann würdig, der solche Ehren von mir erhielt, der mich verachtete und solche Worte, wie sie der Großmagier berichtete, sprach und sogar zu mir von den Büchern der Nazarener redete?“ Alle antworteten: „Tausendfachen Todes ist er würdig.“

Der selige Pûsai sprach: „Herr, König, was habe ich gesagt, daß ich deshalb des Todes schuldig bin?“ Der König sprach: „Zuerst, was du zu jenem zum Tode verurteilten Nazarener sagtest, der fürchtete und meinen Willen tun wollte, wie der Großmagier berichtete.“ Der selige Pûsai sprach: „In Ewigkeit lebe, guter König. Der Magier sage, was er von mir gesagt, daß ich es höre, wenn deine Herrschaft befiehlt.“ Der König befahl dem Großmôpêt, was er zuvor als Worte des Pûsai berichtet, zu erzählen. Dieser stand auf und sprach: „Guter, in Ewigkeit lebender König, dessen Reich in Ewigkeit dauert. Gestern standen ich und die Eunuchen, die von deiner Majestät geschickt waren, mit vielen Magiern an dem Orte, wo jene Christen genannten Zauberer getötet wurden, um zu sehen, ob sie aus Todesfurcht schwach würden und des Königs Willen täten. Als man nun einen Greis auszog und band, zitterte sein Leib, und vielleicht hätte er auch den Willen deiner Majestät getan, wenn er ihn nicht ermutigt hätte. Aber plötzlich schrie er aus dem dort stehenden Gedränge: Sei stark und fürchte nicht; schließe deine Augen ein wenig und du siehst das Licht Christi. Als ich das, o König, hörte, wünschte ich, daß die Erde ihren Mund geöffnet und mich verschlungen hätte, statt daß ich das von ihm hörte. Denn es ist Schimpf und Schande für das ganze Land der Helden und den ganzen Stand (τάγμα) der Magier, da niemand ihn für einen Nazarener hielt, sondern jedermann glaubte, er sei ein Magier. Ich neigte aus Scham mein Haupt zur Erde.“ Der König sprach zum seligen Pûsai: „War es so, wie der Großmagier sagt?“ Der herrliche Pûsai sprach: „Es war so, guter König; ich sagte so zu jenem Gerechten. Aber in einem Punkte lügt der Magier, da er sagt, jener Greis habe den Willen des Königs tun wollen. Es sei ferne, daß solches bei einem wahren Christen gefunden werde. Sein Leib war schwach, nicht sein Geist.“ Der König sprach: „Du des Todes Schuldiger und der Zerschmetterung Würdiger, was sprichst du mir von dem Willen jenes? Du hast also das zu ihm gesagt?“ Der mutige Pûsai sprach: „Gewiß habe ich es zu jenem Gerechten gesagt, weil ich sein Glaubensgenosse bin und seine Gottesliebe unterstütze. Wenn ich länger in dieser Welt lebe, so werde ich zu jedem, der im Christentum getötet wird, solches sagen, ihn ermutigen und stärken.“ Der König sprach: „Wenn du am Leben gelassen wirst, so kannst du noch mehr als dieses sagen.“ Der herrliche Pûsai sprach: „Ich schulde dir Dank, guter König, wenn du mir diese Gnade erweisest und dieses Geschenkes mich würdigest. Wenn aber deine Majestät sagt: ,wenn du am Leben gelassen wirst, so kannst du noch mehr als dieses sagen‘, so wird gewiß dieses mein Wort nach meinem Tode noch mehr an alle Christenohren klingen.“ Der König sprach: „Du des Todes Schuldiger und böser Hinrichtung Würdiger, antworte auf das, was du gefragt wirst.“ Der herrliche Pûsai sprach: „Der König spreche und ich, sein Knecht, werde auf jede Frage antworten.“ Der König sprach: „Bösewicht, der du nicht verdienst zu leben, gab ich dir nicht Ehre und sendete ich dich in meinen, der Götter, Dienst?“ Der Christus liebende Pûsai sprach: „Ja, guter König, gewiß wurde ich von deiner Majestät geehrt und erstieg eine vergängliche Stufe in dieser Welt, die ich nicht verdiene und die mir, dem Geringsten, dem Abschaum deiner Knechte, nicht zusteht. Ich ging auf Befehl deiner Majestät an das von dir befohlene Werk deiner Herrschaft. Als ich fortging, sah ich ein wunderbares Schauspiel; ich blieb stehen und ging nicht weiter, da das Werk Gottes mich zurückhielt.“ Der König sprach: „Was sahst du für ein wunderbares Schauspiel?“ Der herrliche Pûsai sprach: „Was für ein Schauspiel ist wunderbarer als eine Schar von Gerechten, die nicht Sünde, noch Böses, noch irgend Tadelnswertes getan, die auf ihre Hoffnung auf Gott hin sich töten lassen, die Welt und ihre Freuden verachten, dich, starker König, vor dem alle Völker zittern, nicht fürchten, vor deinem Befehle, der das Herz starker Majestäten beben macht, nicht erschrecken, das blitzende Schwert verachten, die furchtbare Hinrichtung geringschätzen und bloß den Einen lieben, der allein der Gott der Wahrheit ist.“ Der König sprach: „Unverständiger, ist das ein wunder- barer Anblick, stehen zu bleiben, um Toren sterben zu sehen?“ Der herrliche Pûsai sprach: „Herr der Könige, lästere nicht die Diener Gottes. Denn wären sie Toren, so wären sie nicht für ihren Gott gestorben. Denn daraus, daß sie für ihren Gottesglauben starben, geht hervor, daß auch in ihrem Leben ihnen Mühe und Arbeit für die Liebe ihres Gottes am Herzen lag.“

Der König ergrimmte über das Gehörte und sprach zu den (Klein) königen und Vornehmen, die vor ihm saßen: „Jetzt genügt es ihm nicht, für sich selbst zu reden, sondern auch für seine Mitzauberer (spricht er). Ich werde diese freche Stimme durch bittere Todesarten verderben.“ Der selige Pûsai sprach: „Ich bin um Gottes willen zu jedem Tod bereit, bester der Männer; deshalb rede ich freimütig (παρρησία) die Wahrheit über jene Herrlichen.“ Der König sprach: „Warum verschmähtest du meine Ehre, des Todes schuldiger Bösewicht?“ Der herrliche Pûsai sprach: „Ich verschmähte deine Ehre nicht; aber auch von meinem Gott erstrebe ich Ehre aus ganzer Seele und ersehne sie aus ganzer Kraft.“ Der König sprach: „Weißt du nicht, daß jeder Christ meine Ehre verschmäht?“ Der mutige Pûsai sprach: „Ferne sei es den Christen, die Ehre des Königs zu verschmähen, wenn er sie Gott als Gott und den König als König ehren läßt. Wenn er sie aber nicht in Ehre vor Gott verharren läßt, müssen sie die zeitliche, ihnen vom König gegebene Ehre verschmähen und die Ehre vor Gott erwählen.“ Der König sprach: „Jeder Christ haßt mich.“ Der starke Pûsai sprach: „Nicht rede der gute König so; denn jeder Christ ist ein Freund des Königs.“ Der König sprach: „Wie, ist nicht jeder Christ ein Feind meiner Majestät, da er meinen Willen nicht tut und Sonne und Feuer, die Götter, nicht anbetet?“ Der in Gott feste Pûsai sprach: „In allem tun die Christen deinen Willen, wenn er mit dem Willen Gottes übereinstimmt. Widerspricht er ihm aber, so dürfen sie deinen Willen als Christen nicht tun.“ Der König sprach: „Du böse Seele, wie kann mein Wille dem göttlichen feindlich sein, da ich befehle, Sonne, Mond, Feuer und Wasser anzubeten, die Söhne des Hôrmîzd sind?“ Der heldenmütige Pûsai sprach: „Guter König, befiehlst du mir, die Wahrheit zu reden?“ Der König sprach.-^In jedem Fall ist es Tod, was du reden willst. Sprich.“ Der Christus liebende Pûsai sprach: „Auch ich sehne mich nach dem Tod und bete, für die Wahrheit zu sterben, nicht für die Lüge zu leben. Aber gerade darin stimmt dein Wille mit dem Willen Gottes nicht überein, daß du befiehlst, den Geschöpfen die Anbetung des Schöpfers darzubringen. Denn deutlich befiehlt Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde und von allem, was in ihnen ist: ,Ihr sollt kein Bild und kein Gleichnis anbeten, das im Himmel oben, auf der Erde unten und im Wasser unter der Erde ist.‘ Und: ,Ihr sollt eure Augen nicht zum Himmel erheben und Sonne, Mond und Sterne ansehen, sie anbeten und ihnen dienen.‘ Wie soll man wagen, den Befehl Gottes zu übertreten? Wenn deine Majestät sagt: Sonne, Mond und Sterne sind Kinder des Hôrmîzd, so glauben wir Christen weder an den Bruder Satans noch bekennen wir den feindlichen Bruder des Teufels, wie die Magier sagen, Hôrmîzd sei der Bruder Satans. Wenn wir den Bruder Satans nicht anbeten, wie sollen wir dann die Kinder seines Bruders bekennen?“

Als der König diese harten (Worte) hörte, wurde er verwirrt und sprach zu den (Klein)königen und Vornehmen, die vor ihm saßen: „Genügte es dieser gottlosen Seele nicht, die Götter nicht anzubeten, sondern (muß er sie) auch verspotten?“ Der in seiner Hoffnung mutige Pûsai sprach: „Ich verspotte niemand, bester der Männer. Wenn aber meine Worte für Spott erachtet werden, so spottet durch sie die Lehre der Magier, nicht ich.“ Der König sprach: „Du hast einen Teufel und ich bin sicher, daß jene Zauberer dir den Verstand geraubt. Deshalb bist du plötzlich ein Hasser meiner Befehle, ein Feind meiner Majestät und ein Verspotter meiner Götter geworden. Ich aber ertrug dich durchaus und rate dir jetzt: laß ab von dieser törichten Gesinnung und stehe ab von dieser schlechten Meinung. Zittere vor der Fortuna (gad) Schâpûrs, des Königs der Könige, dessen Natur von den Göttern ist. Gedenke der Ehren, die ich dir austeilte, und bereue, was du zuvor gesprochen. Beichte deine Sünden vor dem Großmagier und nimm die dir gebührende Zurechtweisung an, wie sie unsere Lehre für die Büßer vorschreibt. Dann werde ich deine Ehre mehren und dich beneidet machen an Geschenken. Wenn du aber nicht gehorchst, so habe ich vor allen Göttern einen Bund festgesetzt, daß ich dich eines bösen Todes voll Schrecken sterben lassen werde, um durch dich alle in Furcht zu setzen, die die Lehre jener Zauberer festhalten und gleich dir irren.“ Der herrliche Pûsai sprach: „Guter König, lebe in Ewigkeit und stehe in Ewigkeiten. Höre mich, Herr, König; ich habe niemals einen Teufel gehabt noch habe ich ihn jetzt. Auch hat mich kein Zauberer verführt. Sondern Christ bin ich von Jugend an. Die Christen treiben aber die Teufel aus; sie sind Gegner der Zauberer und verurteilen sie zum Tode. Niemals hegte ich auch schlechte Gesinnung, noch hege ich sie jetzt; sondern (ich hege) die selige, gerechte und einem Diener Gottes geziemende Gesinnung, Auch gedenke ich der von deiner Majestät erhaltenen Ehre; aber ich vergesse auch nicht die Ehre meines Gottes, die alle Ehren übertrifft; sondern sie ersehne und verlange ich. Bei meinem Gott, dem Schöpfer Himmels und der Erde und von allem, was in ihnen ist, der der König der Könige ist, schwöre ich, diesem deinem Befehle nicht zu gehorchen, meinen Gott nicht zu verleugnen, noch Sonne, Mond, Feuer, Wasser oder irgendein Geschöpf mit der Anbetung, die Gott allein erwiesen wird, anzubeten. Für jeden harten und schweren Tod ist mein Leib bereit und meine Seele gerüstet; tu was immer du willst; du hast Gewalt über mein Leibesleben; nimm es mir, wie du begehrst.“ Der König sprach: „Sieh, was du dir selbst antust. Gedenke, wie ich dich ertragen. Mehr als gegen Simon, der mein Freund war, war ich gegen dich langmütig. Beachte, was Simon traf, der gegen meinen Befehl sich erhob, meinem Worte widerstand und mit vielen der Seinigen durch das Schwert fiel. Obwohl du sahst, was ihm geschah, wagtest du ein großes Wagnis, schlimmer als das seinige. Sieh, du bestehst auf deiner harten Leidenschaft; wir, die Götter, raten dir, aber du hörst nicht auf uns. Jetzt schwöre ich bei den Göttern: ich werde dich später nicht mehr verhören. Wenn du am Schlusse dieses Verhörs meinen Willen tust, (ist es gut); wenn nicht, werde ich dich mit einem bitteren Tode quälen.“ Der herrliche Pûsai antwortete: „Nach dem Wohlgefallen deiner Majestät warst du gegen mich langmütig und aus Güte ertrugst du mich. Jetzt bitte ich deine Herrschaft, dich nicht zu bemühen und gegen mich, den Abschaum deiner Knechte, nicht bloß Worte zu gebrauchen, sondern wirklich nahe mir nun der Tod, den du mir bereitet hast. Denn eines ist unser, der Christen Wort, wie wir von dem Herrn gelernt: ,Es sei eure Rede ja, ja, und nein, nein.‘ Wenn du, König der Könige, jenes Geschenkes des Todes für Gottes Religion mich würdigst, so genügt meine Zunge nicht, deiner barmherzigen Majestät Dank zu sagen. Denn unter allen Ehren, Geschenken und Gnaden, die ich von deiner Majestät empfing, ist keine wie diese. Denn vorzüglicher ist diese Ehre als (alle) Ehren und größer ist dieses Geschenk als alle in deiner und aller Könige Schatzkammer befindlichen Schätze. Denn Gott ist ihr Geber und durch dich will er sie mir und meinen Genossen geben. Jetzt wisse deine Majestät, daß weder du, König der Könige, noch alle Könige unter dem Himmel, noch alle Engel Gottes, weder Höhe noch Tiefe, noch alle stummen Naturen, falls sie auch vernünftigen Mund besäßen, mich trennen können von der Liebe des Gottes der Wahrheit, dem wahren Wesen, unserem Schöpfer und unserem Herrn, dem Erlöser Jesus Christus.“

Da befahl der König: „Führet ihn hinaus ausder Stadt und da, wo er jenen Nazarener ermutigte, durchbohrt seinen Nacken und reißt seine Zunge von ihrer Wurzel. Mit bitterem Tode werde er gequält, weil er gewagt, so zu reden und die Götter nicht gefürchtet.“ Als der mutige Pûsai das hörte, warf er sich vor dem König nieder und sprach: „Der König lebe und sterbe nicht, da er eine solche Gnade mir ersonnen, daß er befahl, meine Zunge, die für Gott gesprochen, für Gott herauszureißen.“ Sofort führten ihn eilig fort die dazu aufgestellt waren und schleppten ihn aus der Gegenwart des Königs. Man brachte ihn aus der Stadt hinaus zur selben Stunde, da am vergangenen Tage die starke Schar der Genossen des Feldherrn Simon sie verlassen, und führte ihn an denselben Platz, wo die Heiligen gekrönt worden waren. Der König befahl dem Großmôpêt: „Gehe rasch jenem Unseligen nach und bemühe dich, ihm zu raten, daß er unseren Willen tue und lebe und nicht sterbe. Denn er ist ein meiner Regierung sehr nützlicher Mann. Ich habe ja geschworen, mit ihm über diese Sache nicht mehr zu reden. Aber geh du und bemühe dich an ihm aus ganzer Seele. Wenn er die Sonne nur einmal anbetet, soll er leben.“

Eilig folgte ihm der Môpêt. Er ließ ihn vor sich sitzen und begann zu reden: „Beschäme nicht das Land der Helden; betrübe nicht den König der Könige; bring nicht deine Freunde in Trauer; folge meinem Rat; bete einmal die Sonne an; willfahre dem Willen des Königs und du sollst leben und nicht sterben.“ Der herrliche Pûsai sprach: „Was bemühst du dich und was beschwert dich dein Sinn? Von der dritten bis zur sechsten Stunde ließ sich der König zu mir herab und redete freundlich zu mir und drang in mich mit vielen (Worten) und nicht gab ich ihm nach. Und jetzt glaubst du, daß ich dir gehorchen werde? Ferne sei, daß das geschehe. Bemühe dich jetzt nicht; erfülle den vom König dir gegebenen Auftrag und laß dich nicht hindern.“ Wieder sprach der Môpêt: „Ich würde das auch nicht zu dir sagen, wenn ich die Gesinnung des Königs nicht kennen würde, daß es ihn freut, wenn du mir gehorchst. Nicht zürnt er, daß du ihm nicht gehorchtest, aber mir gehorchst, sondern er freut sich und ist entzückt. Denn nicht ohne seinen Willen rate ich dir dieses.“ Der herrliche Pûsai sprach: „Du hast gehört, du und alle (Klein)könige und Vornehmen, die vor dem König saßen, daß, wenn auch alle Engel Gottes mir zuredeten, mich von der Liebe Gottes, die in unserem Herrn Jesus Christus (ist), zu trennen, ich mich nicht trennen werde.“ Der Môpêt sprach: „Bist du nicht blind, Pûsai? Sind deine Augen nicht geblendet? Und siehst du nicht, daß diese Sonne Gott ist, in deren Licht die ganze Schöpfung wohnt?“

Der klar denkende Pûsai sprach: „Wenn wir zu disputieren anfangen, so genügen Tage nicht, um fertig zu werden. Um aber dir gegenüber nicht ohne Verteidigung zu sein, höre mich kurz, damit auch der über mich ergangene Befehl des Königs nicht verzögert werde. Alles Sichtbare ist nicht Gott, weil es geschaffen und veränderlich ist. Denn gerade dadurch zeichnet sich unsere Wahrheit aus und ist unser Glaube gesund, daß wir den Unerreichbaren, Unbegrenzten und Unveränderlichen anbeten. Und wir erwarten, Gutes zu empfangen, wenn es auch jetzt in dieser Welt nicht sichtbar ist. Denn das Sichtbare soll man nicht erwarten. Wie soll man denn erwarten, was vor den Augen liegt? Der Mensch erwartet, das Unsichtbare, das wir im Glauben sehen, zu empfangen. Ihr seht als Fleischliche, weil ihr von dieser Welt seid, nur das Sichtbare; wir erwarten das Geistige, das Verborgene. Und wenn du sagst, daß die Schöpfung im Licht (der Sonne) wohnt, so ist weder das Licht, das sie besitzt, noch die Herrlichkeit ihres Wesens ihr Besitz. Wie sollte sie das besitzen, da sie von diesem Besitze nicht einmal weiß? Sondern es ist der Besitz des Schöpfers, die Herrlichkeit ihres Bildners und der Schmuck ihres Gründers. Deshalb bewundern wir Christen nicht sie, sondern ihren Schöpfer, und wenn wir ihre Strahlen betrachten, loben wir nicht sie, sondern ihren Gründer; auch wenn wir die Perle sehen, bewundern wir nicht sie, sondern die Kraft des weisen Schöpfers, der die verschiedengestaltigen Geschöpfe viel gemacht und neidlos dem Menschengeschlechte gegeben, daß es an ihnen menschliche Freude habe und ihren Schöpfer lobe.“ Da der herrliche Pûsai so sprach, wunderte sich der Großmôpêt und sprach: „Verderben über dich, Pûsai; Verderben deiner Schönheit, die zerstört wird; Verderben deiner geschmackvollen Weisheit und deinen verständigen Worten. Geh nun und stirb eines bösen Todes nach dem Befehle des Königs.“

Da erhob sich der in Gott starke Pûsai, lief mutig nach dem bestimmten Ort, zog seine Kleider aus und gab sie einem seiner Hausgenossen. Es näherte sich ein Haufe Gläubiger, deren viele Tausende dort versammelt waren; sie traten einander, viele drängten hinzu, entrissen seinen Hausgenossen seine Kleider, zerrissen sie und nahmen sie einander mit Gewalt ab und es entstand deshalb viel Gedränge und Lärm. Der Môpêt und viele Magier mit ihm wunderten sich, wie sehr die Christen die Kleider des Seligen ehrten, daß sie dieselben mehr als alle Geschenke raubten. Während nun das Volk lärmte, kniete er nieder und sprach: „Ich bekenne Dich, Gott der Wahrheit, wahres Wesen, dessen Kenntnis ich von meinen Eltern empfing, in der ich erzogen und getauft wurde mit der heiligen Taufe im herrlichen und heiligen Namen der erhabenen Trinität, des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes, welche das Unterpfand der Kindesannahme ist, worin wir Erben und Teilnehmer am Leibe Christi geworden sind, der für uns litt, starb, zum Leben kehrte und auferstand, in „dem uns die Auferstehung aus den Toten und in dessen Himmelfahrt das Himmelreich geoffenbart wurde. Jetzt gabst Du uns und würdigtest uns in Deiner Barmherzigkeit, vor Deinen Feinden Anwälte (συνήγορος) der Wahrheit zu sein und vor den Königen und Großen zu bezeugen, daß Du allein der Gott der Wahrheit bist und unser Erlöser, Jesus Christus, durch den Du uns erlöstest, zurückführtest, nahe brachtest, heiligtest und erneuertest. Gib mir, Herr, mich an jenem Lichte zu erfreuen, das ich vor den Feinden Deiner Wahrheit dem Hananjâ verkündete, in jenem Erbe, das du Deinen Heiligen in Deinem ewigen Lichte bereitetest, daß ich darin frohlocke und jauchze und Deinen erhabenen Namen preise. Deine Verheißung durch Christus möge Deine Kirche bewahren, daß sie von den Ärgernissen der Scheol nicht erschüttert werde, wie Du ihr verhießest, daß sie Dir freimütig (παρρησία) mit Simon Petrus bekenne: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Dir, ihm und dem Heiligen Geist sei Lob, Ehre und Preis, jetzt und jederzeit und in Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.“

Er sprach zum Henker: „Tritt nun heran und vollbringe, was dir befohlen wurde.“ Der Henker trat heran, warf ihn auf das Gesicht, setzte sich auf seine Schultern, nahm das Messer und schnitt von der Mitte des Nackens bis zum Hirnschädel. Ungefähr eine Stunde marterte er ihn; denn dieser Tod war ohne Erbarmen. Alle Zuschauer schrien laut und bitter; niemand war dort, der nicht geweint hätte, und ihr Geschrei stieg bis zum Himmel. So schnitt er ihm in jener schweren Marter die Zunge von der Wurzel, riß sie rückwärts durch den Nacken heraus und rasch entfloh seine Seele. Es war die Stunde, da er mit Hananjâ gesprochen, als dieser gekrönt wurde, der Samstag, auf den der Sonntag des großen Festes der Auferstehung folgt.

Da die Feinde unseres Volkes sahen, daß von den hundertdrei Leichen der tags zuvor Getöteten nichts dort geblieben war, sondern daß sie alle weggenommen und begraben waren, und daß auch die Stellen, an denen Blut vergossen war, unkenntlich waren, indem der Staub, auf dem Blut vergossen war, als Eulogie und Segens(mittel) weggenommen war, befahl er (der Môpêt?), daß Wächter bei der Leiche des Seligen sitzen sollten. Aber Gott ließ schweren Hagel auf die Wächter fallen. Nicht überall; sondern der Hagel schied zwischen den ungläubigen Wächtern und wachenden Gläubigen, wie der Todesengel zwischen den Erstgeborenen der Israeliten und Ägypter schied. Die Wächter flohen und kamen in die Stadt, vor Schmerzen schreiend und jammernd. Einer aber aus der Menge derer, die dort wachten, stand mit seinem Knechte von seinem Platze auf; sie traten hinzu, legten die Leiche des herrlichen Pûsai in einen Sack, legten sie auf einen Esel und brachten sie in die Stadt. Als sie in die Stadt kamen, entstand plötzlich, bevor sie zu ihrem Hause kamen, große Finsternis. Während die Leute wegen der Finsternis hierher und dorthin strauchelten, ging der Esel vor ihnen her, wendete sich aber nicht nach dem Hause seines Herrn, sondern ging einen anderen Weg und kam und blieb stehen an der Türe einer deportierten Bundestochter von aszetischem Wandel, die ihr ganzes Leben in Enthaltsamkeit verbrachte und nie ihr Haus verließ. Als nun tags zuvor der selige Simon, seine Genossen und Brüder und dann auch Pûsai gekrönt wurden, weinte und seufzte sie, daß sie die ihr gesteckte Grenze nicht überschreiten konnte und deshalb gehindert war, den Segen der Heiligen zu empfangen. Aber der Herr beraubte sie nicht ihrer Sehnsucht. Als nämlich der Esel, der die Leiche des seligen Pûsai trug, an der Türe des Hofes jener Seligen stehen blieb und die Magd zur Zeit des Hahnenschreies die Hoftüre öffnete, um hinauszugehen, lief der Esel in den Hof. Die Magd erschrak und sprach zu der Seligen: „Ein Esel mit einer Last lief in den Hof und sieh, er steht da.“ Die Selige sprach zu ihrer Jüngerin: „Führe ihn hinaus.“ Das Mädchen zerrte ihn sehr, um ihn hinauszubringen, aber er bewegte sich nicht von seiner Stelle. Da er nicht hinausgehen wollte, kam. auch die Selige in den Hof und sie zogen ihn beide oftmals und schlugen ihn; aber er ging nicht hinaus. Da sagte die Selige zu ihrer Jüngerin, sie möge ihren Bruder rufen, der in der Nachbarschaft wohnte, daß er komme und ihn hinausbringe. Der Bruder kam, nahm einen Stock und schlug den Esel sehr; aber er wollte nicht hinausgehen und bewegte sich nicht einmal von seiner Stelle. Da trat er hinzu, berührte die Last und sah, daß es eine Leiche war, und daß aus dem Sack Fäulnis und Blut floß. Er sprach zu seiner Schwester: „Bring mir eine Lampe, Schwester; wir wollen sehen, ob das nicht eine uns gesendete Gabe Gottes ist.“ Als sie die Lampe brachten, die Last herunternahmen und den Sack öffneten, sahen sie, daß es eine Leiche war. Sie schauten ihr ins Gesicht und sahen, daß es Pûsai war. Denn sie kannten ihn, da er aus ihrer Stadt war, und besonders, weil die Stelle an seinem Nacken, durch die seine Zunge herausgerissen war, es bezeugte. Sobald sie dem Esel die Last abgenommen, lief er hinaus und wendete sich nach dem Hause seines Herrn, der sich aus Furcht vor den Persern gescheut, nach der Leiche zu forschen. Die Selige und ihr Bruder salbten die Leiche, wie es sich geziemt, mit großem Eifer und begruben sie in Ehre, damit sie für ihre Landsleute ein Schatz des Segens sei. Das geschah durch die Fügung Gottes, dem Ehre sei durch den Mund von uns allen in Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.

Marta, die Tochter des Pûsai

Zeugnis der heiligen Maria, der Tochter des Pûsai, einer Bundestochter.

Der herrliche Pûsai hatte eine Tochter namens Marta, die Bundestochter war. Auch sie wurde angeklagt, am großen Sonntag des Festes der Auferstehung ergriffen und vor den Großmôpêt gebracht. Dieser ging zum König und berichtete ihm. Der König befahl ihm, hinzugehen und sie zu befragen: wenn sie ihre Religion aufgibt und das Christentum verleugnet, ist es gut; wenn sie es nicht tut, soll sie einem Manne gehören und heiraten; wenn sie keines von beiden tut, werde sie der Hinrichtung überantwortet. Der Großmôpêt ging und befragte die herrliche Marta: „Was bist du?“ Die herrliche Marta sprach spottend: „Ein Weib bin ich, wie du siehst.“ Die Leute, die vor dem Großmôpêt zugegen waren, neigten ihr Haupt vor Scham, als sie seine Frage und die Antwort der weisen Marta hörten, und das Gesicht des Môpêt wurde grün vor Zorn und Scham. Aber er beherrschte seinen Grimm und sprach: „Auf meine Frage gib Antwort.“ Die weise Marta sprach: „Ich habe ja auf deine Frage geantwortet.“ Der Môpêt sprach: „Was habe ich dich gefragt und was hast du mir geantwortet?“ Marta sprach: „Deine Gewalt hat gefragt: was bist du? und ich habe geantwortet: ein Weib bin ich, wie du siehst.“ Der Môpêt sprach: „Ich habe dich gefragt: welche Religion hast du?“ Die herrliche Marta sprach: „Ich bin Christin; auch mein Kleid (σχῆμα) bezeugt es.“ Der Môpêt sprach: „Sag mir die Wahrheit. Bist du die Tochter jenes Pûsai, der den Verstand verlor, sich gegen den König erhob und eines bösen Todes starb?“ Die Selige sprach: „Dem Fleische nach bin ich seine Tochter. Dem Glauben nach bin ich die Tochter jenes in seinem Gott weisen und die Wahrheit dessen kostenden Pûsai, der nicht König der Könige, sondern König der Wahrheit ist, jenes Pûsai, der gestern durch den Tod für seinen Gott unendliches Leben gewann. Und jetzt, wer wird mich würdig machen, die Tochter des seligen Pûsai zu werden, der jetzt mit den Heiligen in ewigem Licht und Frieden ist? Ich aber bin mit den Sündern in der Welt der Trübsal.“ Der Môpêt sprach: „Höre mich, ich will dir zum Nutzen raten. Der König der Könige ist barmherzig und gefällt sich nicht am Tod der Menschen. Sondern, da er gut ist, will er, daß alle seine Freunde seinen Glauben teilen und von ihm geehrt werden. Auch deinen Vater ehrte und förderte er, weil er ihn liebte. Dein Vater aber war töricht und redete, was ihm nicht zustand. Hernach redete ihm der König der Könige zu, er möge nicht bei seiner Gesinnung beharren. Aber er gehorchte nicht und starb deshalb eines bösen Todes. Und jetzt beharre nicht du bei deiner Hartnäckigkeit wie dein Vater, sondern erfülle den Willen Schâpûrs, des Königs der Könige und Herrn aller Weltgegenden; bete die Sonne an; verleugne die Religion der Christen und du wirst in Ehren sein und all dein Verlangen nach Vergnügen wird dir vom König erfüllt werden.“ Die herrliche Marta antwortete: „Es lebe König Schâpûr; seine Gnade weiche nicht von ihm; seine Barmherzigkeit bleibe bei ihm; seine Gnade werde seinen Söhnen bewahrt und seine Barmherzigkeit ihm und seinem Geschlechte, das ihrer würdig ist, und das Leben, das er liebt, werde ihm, all seinen Brüdern und Freunden zuteil. Aber der böse Tod, den, wie du sagst, mein Vater starb, werde allen, die meinem Vater gleichen. Was nützt mir, der armen Magd, dem Abschaum der Mägde Gottes und des Königs, vergängliche Ehre? Ich bin entschlossen, wie mein Vater für den Gott meines Vaters Schmach zu erleiden und wie er für meinen Glauben an ihn zu sterben.“ Der Môpêt sprach: „Ich kenne eure Herzenshärte, todeswürdiges Volk, und besonders (weiß ich), daß von einem Rebellen kein gehorsamer Samen kommt. Bloß um vor den Göttern nicht schuldig zu sein, als hätte ich mich nicht bemüht, zu mahnen, plage ich mich mit dir aus ganzer Seele, um dich zur Religion der guten Götter, der Fürsorger der bewohnten Erde, zu bekehren.“ Die heilige Marta sprach: „Du hast das Deinige gesagt; ich das Meinige. Wärest du nicht blind, so daß du die von mir gesprochene Wahrheit um eitlen Ruhmes der vergänglichen Welt willen nicht prüfst, so würdest du jetzt hören und sehen, welche Unterweisung nützt und welche schadet, welche zum Himmelreich und welche zur Feuerhölle führt, welche Leben gibt und welche Tod gestaltet.“

Der Môpêt sprach: „Jetzt höre mich, verhärte dich nicht, bleibe nicht hartnäckig stehen und wirke nicht in allem deinen bösen Willen. Nachdem du nicht einwilligst, deine Religion zu verlassen, so tue wie du willst. Nur eines tue und du sollst leben und nicht sterben. Sieh, du bist ein junges Mädchen, schön von Ansehen. Nimm einen Mann, heirate, zeuge Söhne und Töchter und verharre nicht in diesem häßlichen Namen des Bundes.“ Marta, die weise Jungfrau, sprach: „Befiehlt das Naturgesetz, daß, wenn eine Jungfrau einen Bräutigam hat, ein anderer komme, sie ergreife (?) und die Braut des anderen raube, oder daß die Jungfrau sich zur Ehe gebe einem, der nicht ihr Bräutigam ist?“ Der Môpêt sprach: „Nein.“ Marta, die Braut Christi, sprach: „Wie befiehlt dann deine Macht mir, einer Braut, einen anderen Mann zu nehmen, dem ich nicht verlobt bin?“ Der Môpêt sprach: „Bist du wirklich verlobt?“ — Die selige Marta sprach: „Gewiß bin ich verlobt.“ Der Môpêt sprach: „Wem?“ Die herrliche Marta sprach: „Kennt ihn deine Macht nicht?“ Der Môpêt sprach: „Wo ist er?“ Die im Herrn weise antwortete: „Eine lange Reise hat er als Kaufmann angetreten; aber er ist nahe und wird bald kommen.“ Der Môpêt sprach: „Wie ist sein Name?“ Die selige Marta sprach: „Jesus ist sein Name.“ Und da sie der Môpêt noch nicht verstand, sprach er: „In welches Land ist er gegangen und in welcher Stadt ist er?“ Die kluge Marta sprach: „In den Himmel ist er gegangen und in Jerusalem, der Stadt in der Höhe, ist er.“ Nun merkte der Môpêt, daß sie von unserem Herrn Jesus Christus sprach und sagte: „Habe ich es nicht zuvor gesagt, daß das ein hartes, ungehorsames Volk ist? Sieh, ich will deine Gestalt mit Blut besudeln und dann soll dein Bräutigam kommen und dich finden und zum Weibe nehmen, da du Kot und Asche geworden bist.“ Die geistesmutige Marta sprach: „Gewiß, wenn er in Herrlichkeit auf dem Wolkenwagen kommt und mit ihm die Engel und Kräfte des Himmels und alles, was zum Hochzeitsmahle gehört, reinigt er die Leiber seiner Bräute vom Staube, wäscht sie mit himmlischem Tau, salbt sie mit dem Öl der Freude, bekleidet sie mit dem Kleide der Gerechtigkeit, welches heiteres Licht ist, steckt ihnen als Ring an die Wahrheit seiner Gnade, setzt ihnen auf das Haupt die Krone der Anmut, welche unvergängliche Herrlichkeit ist, setzt sie auf seinen herrlichen Wolkenwagen, erhebt sie in die Luft und führt sie in sein himmlisches Brautgemach, das bereitet ist in einem nicht von Händen gemachten Hause, erbaut in Jerusalem, der freien Stadt in der Höhe.“

Als der Großmôpêt das hörte, ließ er sie in seinem Palast (παλάτιον); er selbst ging und meldete alles dem König. Dieser befahl: „Man führe die freche Tochter des Frechen aus der Stadt und da, wo ihr Vater getötet wurde, werde auch sie geschlachtet.“ Um Mittag am Sonntag des großen Festes der Auferstehung Christi führte man Marta, die reine Jungfrau, hinaus. Da man den Platz herrichtete, auf dem sie geschlachtet werden sollte, fiel sie auf ihr Angesicht, kniete vor Gott gegen Osten und sprach: „Ich bekenne Dir, Jesus Christus, mein Herr, König und Bräutigam, daß Du meine Jungfräulichkeit bewahrt hast, besiegelt mit dem Siegelring deiner Verheißungen, und meinen Glauben an die gepriesene Trinität bewahrt hast, in dem ich geboren bin, in dem mich meine Eltern erzogen und in dem ich getauft bin, für den auch Pûsai, mein Vater, gekrönt wurde. Ich bekenne Dich Jesus, Lamm Gottes, hinwegnehmend die Sünde der Welt, für dessen Namen geopfert wurden die Hirtenbischöfe, die Oberhirten, nämlich die Priester, die Hirten, (nämlich) die Diakone, die Helfer der Hirten, (nämlich) der heilige Bund, die durch die Gnade fetten Schafe, Gûhaschtazâd und Pûsai, mein Vater. Und jetzt werde auch ich, das Lamm, das gemästet wurde auf den Wiesen Deiner Verheißungen und an den Quellen Deiner Versprechungen, vor Dir geopfert. In Deine Hände, Jesus, hoher Priester der Wahrheit, möge ich geopfert werden als reines, heiliges, annehmbares Opfer vor der Trinität, dem verborgenen Wesen, in deren Namen Du uns lehrtest, uns unterrichten und taufen zu lassen. Suche, o Herr, Dein verfolgtes Volk heim und bewahre sie unter ihren Feinden im wahren Glauben, daß sie im Ofen der über Dein Volk kommenden Verfolgungen als reines Gold erfunden werden, in der Anbetung Deiner Herrschaft Kraft finden und ohne Gefahr den Vater, Sohn und Heiligen Geist anbeten, jetzt und jederzeit und in Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.“

Sogleich, nachdem sie das Gebet vollendet, lief sie, als niemand sich ihr näherte, und legte sich über die Grube, die man für sie gegraben. Als der Henker herzutrat, sie zu binden, sprach sie; „Binde mich nicht; denn freudig nehme ich die Hinrichtung für meinen Herrn an.“ Als sie den Henker das Schwert wetzen sah, lachte sie und sprach: „Sag jetzt nicht wie Isaak: ,Sieh, Feuer und Holz; wo ist das Lamm zum Opfer?‘ Ich sage: sieh Lamm und Messer; wo ist Holz und Feuer? Jedoch, ich habe Holz und Feuer. Sieh, das Holz ist mir das Kreuz Christi, meines Herrn. Und Feuer habe ich, jenes Feuer, das Christus auf die Erde sendete, wie er sagt: ‚Feuer bin ich gekommen auf die Erde zu werfen und ich will: möchte es bereits brennen.‘“ Die Tausende der dastehenden Zuschauer staunten über den Mut der Keuschen und alle lobten Gott, der so ermutigt, die ihn fürchten. Der Henker trat hinzu und schlachtete sie wie ein Lamm und sie empfahl ihre Seele Christo. An ihrer Leiche saßen Wächter und sie blieb zwei Tage an dieser Stelle. In der Nacht des Dienstag wurde sie durch Bestechung der Wächter weggenommen, nachdem viele um Christi willen getötet waren. Der Bruder jener seligen (Bundestochter), der ihren Vater begraben, gab Geld, erhielt ihre Leiche, nahm sie weg, salbte sie und begrub sie mit ihrem Vater.

Die selige Marta wurde gekrönt am Sonntag des großen Festes der Auferstehung.

Jene Selige, die sie begraben, feierte ihr Gedächtnis alljährlich in ihrer Wohnung, solange sie lebte, in Anwesenheit der Priester der Kirche. Nach ihremTode blieb ihre Wohnung dem Sohn ihres Bruders, undauch dieser feierte sorgsam ihr Gedächtnis nach dem Brauche jener Seligen. Als auch er starb, hinterließ er zwei Söhne, die einige Zeit nach seinem Tode wegen der Gebeine der Heiligen zu streiten begannen, da einer von ihnen, weil ihm die Hälfte des Hauses der Seligen zukam, sie mit seinem Bruder teilen wollte. Das erfuhr der guten Gedächtnisses würdige Bischof Saumai von Karkâ und überredete beide, so daß er sie von ihnen erhielt und der Kirchengemeinde von Karkâ übergab, damit sie seien zum guten Gedächtnis und kostbaren Schatz in der Kirche Christi. Das tat der heilige Bischof Saumai im achten Jahre des Königs Bahrâm bar Jezdegerd, 89 Jahre nach ihrer Krönung.

Das große Schlachten in Bêt Hûzâjê

Das große Schlachten, das in Bêt Hûzâjê geschah.

Wenden wir uns wieder zur Reihenfolge unserer Geschichte. Am Montag der (ersten) Woche der Freudigen (?) brachten die Môpêts aus den verschiedenen, ihnen anvertrauten Orten Priester, Diakone, Bundessöhne, Geheiligte, heilige Frauen und Bundestöchter, mit Ketten beladen, nachdem sie zu Hause von den Môpêts viele Qualen, bittere Marter und harte Fesseln erduldet. Man brachte sie an den Hof des Königs, weil die Nachricht von den früher Getöteten sich verbreitete. Die Mehrzahl derselben waren aber Laien, die man in den Ortschaften der Provinzen ergriffen hatte und unter dem Titel von Bundes(söhnen) herbeibrachte. Als sie angekommen waren, ging der Großmôpêt zum König und benachrichtigte ihn davon. Dieser befahl: „Geh hinaus und befrage sie. Wenn sie unseren, der Götter, Willen tun und die Sonne anbeten, sollen sie frei nach Hause gehen; wenn nicht, so bereite ihnen das Ende jener ihrer Genossen, die am Vortage getötet wurden.“

Der Großmôpêt ging hinaus, stellte sie reihenweise in ihren Ketten auf und fragte alle mit lauter Stimme: „Der König der Könige hat euch Gnade erwiesen.“ Als sie das hörten, warfen sich alle nieder und sprachen: „Es lebe der König der Könige.“ Der Großmôpêt sprach: „So spricht der König der Könige. Ihr sollt nicht umsonst sterben, noch für nichts zugrunde gehen. Tuet meinen Willen; betet diese die ganze Welt erleuchtende Sonne an, die ich, Schâpûr, der König der Könige, dessen Natur von den Göttern ist, anbete, und ihr sollt leben und nicht sterben.“ Alle antworteten mit lauter Stimme: „Es lebe der gute König. Wir sterben nicht umsonst, noch gehen wir für nichts zugrunde. Wir sterben nicht, sondern wir leben, da wir die Sonne nicht anbeten, den Geschöpfen die Ehre des Schöpfers nicht erweisen, unserem Gott nicht sterben und die Anbetung seiner Herrschaft nicht unterdrücken.“ Wiederum sprach der Großmôpêt: „Beharrt ihr einmütig darauf, die Sonne nicht anzubeten?“ Die Heiligen riefen laut: „Nein, wir beten nicht an. Jedermann höre, daß wir Christen sind und die Sonne nicht anbeten.“ Der Môpêt sprach: „Wenn nicht, so fallet ihr alle unter dem Schwerte und sterbet.“ Alle Seligen riefen: „Wir sterben nicht, sondern wir leben. Denn unser Sterben in Gott ist Leben.“

Da befahl der Großmôpêt, sie an den Ort zu führen, an dem ihre Genossen tags zuvor getötet worden waren. Tausende von Menschen, Soldaten und Einwohner von Karkâ gingen mit ihnen hinaus; einer trat den anderen, um die vielen Scharen vieler Zeugen zu sehen, die eine große Zahl ausmachten. Als sie hinauszogen, (hörte man) auf den Plätzen von Karkâ die verschiedenen Melodien von Hymnen und Psalmen von Männern und Frauen. Man führte viele Mörder aus den Gefängnissen von Karkâ, sie zu töten. Trotzdem genügten sie nicht, alle an jenem Montag zu töten; sondern teils töteten sie dieselben, teils ließen sie sie in ihren Ketten gefesselt über Nacht als Wächter neben den Leichen.

Da die ersten noch nicht getötet waren, brachten die Môpêts am Dienstag noch mehr als die am Montag gebrachten. Auch diese wurden wie die früheren befragt und das gleiche Urteil erging auch über sie, da sie ebenso bekannten. Zum Schlusse genügten weder Mörder noch Schwerter zum Morden. Schwer war das Schlachten und viele waren die Geschlachteten. Die Henker ermüdeten. Von allen wurde das unreine Königtum verflucht; alle verzweifelten an ihrem Leben und waren bereit zur Hinrichtung. Die Begeisterung der Christen stieg und wuchs täglich und nacheinander zogen sie zur Hinrichtung. Die Zahl der Bekenner wuchs täglich von Montag bis Donnerstag.

Viele Christen, die aus verschiedenen Orten des Weges kamen, und Soldaten, die herbeikamen, die Hinrichtung der Zeugen zu sehen, zogen ihre Kleider aus, traten unter den Bekennern hinzu und sagten: „Wir gehören zu diesen Christen“ und wurden so getötet. Die Unordnung wurde groß; die Aufregung verwirrte alle und man wußte nicht, wen man tötete. Ich erwähne hier ein Ereignis, das den meisten unglaublich ist. Damit uns aber kein Vorwurf treffe, wenn wir wegen des Zweifels anderer die Wahrheit verhüllen, will ich berichten, was geschah, damit jeder, der diese Bücher trifft, von dem großen Schlachten wisse, das eine unvernünftige Regierung unter den Dienern Gottes anrichtete. Am Donnerstag der ersten Woche der Freudigen,in der das große Schlachten der Zeugen Gottes außerhalb Karkâ de Lêdân geschah, begehrte ein Verschnittener, das ist ein Eunuch (εὐνοῦχος), ein Genosse des herrlichen Gûhaschtazâd, der zu den vornehmsten Verschnittenen gehörte und bei dem König sehr in Ehren stand, namens Azad, ein Christ, die Krone des Zeugnisses und ersann (eine List), sie ungehindert zu erhalten, da er dachte, daß die menschlichen Schmeicheleien zahlreich und die Listen Satans bedrängend sind. Er vertauschte nun an diesen Tagen sein Kleid, zog das Kleid (σχῆμα) eines Bundessohnes an, knüpfte eine schwarze Kapuze (?) um den Kopf, ging hin und stellte sich unter die seligen Bekenner, die hingerichtet wurden. Mit ihnen trat auch er hinzu und sprach zu dem Magier, der dort Kommissär (war) und zu den Mördern: „Auch ich bin Christ“ und so wurde auch der heilige Azad gekrönt. Am Morgen des folgenden Freitag wurde Azad vor König Schâpûr gerufen. Man suchte ihn unter seinen Miteunuchen; aber er war nicht da. Man suchte ihn in seinem Hause; aber er wurde nicht gefunden. Ein Herold rief ihn im ganzen Heere zwei Tage lang aus, und alles wunderte sich, daß Azad nicht da war.

Da Gott nicht wollte, daß dieses Wunder verborgen bleibe, sagte ein Magier aus der Gegend, der Azad gut kannte: „Ein Bundessohn von jenen Nazarenern, die am Donnerstag getötet wurden, glich an Aussehen und Statur sehr dem Azad. Ich glaubte, daß er es sei, zweifelte aber wegen des Bundeskleides, das er trug. Ich suchte, ihn zu sehen und mit ihm zu sprechen. Aber ich. fürchtete und sagte: Vielleicht ist er es nicht und ich bringe mich in bösen Verdacht, daß ich in dieser unruhigen Zeit mit einem Nazarener spreche.“ Dieses Wort kam unter die Leute; der Hof wurde erregt; die Vornehmen erfuhren davon und das Wort gelangte zum König. Dieser befahl, die Leichen sollten eilig durchsucht werden. Man ging hinaus, durchsuchte die Leichen der heiligen Zeugen, da Wächter sie bewachten, fand unter ihnen die Leiche und das Haupt des herrlichen Azad und meldete es dem König. Als dieser es hörte, wurde er betrübt, staunte sehr, kam zu sich und sprach: „Von nun an soll dieses Schlachten nicht mehr so ordnungslos geschehen. Sondern jeder, der als Christ ergriffen wird, werde nach dem Namen seines Vaters, seiner Mutter und seiner Familie gefragt, sowie nach der Stadt, dem Dorfe und Volke, woher er ist. Seine Worte sollen auf eine Karte geschrieben werden. Hernach komme man zur Frage nach seiner Religion, und auch darüber werde seine Antwort aufgeschrieben. Durch Foltern, Schläge und Torturen werde er oft befragt. Wendet er sich von seiner Religion nicht ab, so teile man es uns, den Göttern, mit, und wie es uns gut scheint, werden wir befehlen“. Dieses Gesetz erging am Sonntag der zweiten Woche der Freudigen. Hernach hörte jenes ungeordnete, turbulente Schlachten auf und es trat geringe Erleichterung ein.

Die Namen derer, die in diesen Tagen getötet wurden, vermag niemand zu sammeln und aufzuschreiben, weil es (erstens) Fremde (ξένοι) waren, nicht aus der Gegend, wo sie getötet wurden, und besonders wegen des ungeordneten Vorgehens. Dann weil es viele waren und ihre Zahl die von vielen Tausenden übersteigt. Drittens weil die Perser ihre Namen, die ihrer Eltern, Provinzen, Städte und Dörfer nicht in die Verzeichnisse aufnahmen, weil das Schlachten in wilder (Hast) verlief. Jedoch kennen wir die Namen des Amarjâ und Mekkajjemâ, die zu den ersten Bischöfen von Bêt Lapät gehörten, sowie den des Priesters Hôrmîzd aus der Stadt Schûschter, weil sie aus derselben Provinz sind, in der sie gekrönt wurden. Alle diese Heiligen wurden im Zeugnis für Christus gekrönt im einunddreißigsten Jahre des Schâpûr bar Hôrmîzd vom Donnerstag der großen Woche der ungesäuerten (Brote) bis zum Sonntag der zweiten Woche der Freudigen neben einem Hügel im Süden der Stadt Karkâ de Lêdân. Deshalb wird ihr Gedächtnis von den Gläubigen von Karkâ jährlich in der ersten Woche der Freudigen drei Tage lang am Freitag, Samstag und am Sonntag der zweiten Woche begangen.

Das, was geschah am Anfang unserer Verfolgung, im einunddreißigsten Jahre der Regierung Königs Schâpûr bar Hôrmîzd, bei jenem ersten Schlachten an jenen zehn Tagen vom Donnerstag der ungesäuerten (Brote) bis zum Sonntag der zweiten Woche der Freudigen, schließen wir mit diesem Buche ab. Gott, dem Verherrlicher der Heiligen, sei Lob, Bekenntnis, Ehre und Anbetung in Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.

Tarbô und Genossinnen

Zeugnis der Märtyrinnen Tarbô, ihrer Schwester und Dienerin.

Damals erkrankte die Königin durch einen Unglücksfall, und da sie ihrer Gesinnung nach den Juden, den Feinden des Kreuzes, nahe stand, sagten diese nach ihrer Gewohnheit in böser Verleumdung: „Die Schwestern Simons haben dich verzaubert, weil ihr Bruder getötet wurde.“ Als das der König erfuhr, wurde Tarbô, eine Bundestochter, ihre Schwester, eine Geheiligte, und ihre Magd, eine Bundestochter, die in der guten Lehre Christi wandelte, ergriffen und man brachte sie zur Befragung an den Hof der Königin. Der Großmôpêt und zwei Vornehme wurden abgeordnet, über sie zu Gericht zu sitzen. Als sie vor ihnen erschienen, sahen sie, daß die tapfere, heilige Tarbô vor allen Frauen schön war von Ansehen und herrlich von Erscheinung, und sogleich kam allen dreien ein unreiner Gedanke und ein schmutziger Wille gegen sie. Aber keiner offenbarte es dem anderen, sondern hart redeten sie zu ihnen: „Ihr seid des Todes schuldig, weil ihr der Königin, der Herrin des ganzen Orients, böse Dinge angetan habt.“

Die heilige Tarbô antwortete: „Was bringt ihr gegen uns falsche Anklagen vor, die unserem Wege fremd sind? Und was haben wir gegen euch verbrochen, daß ihr uns wegen etwas verleumdet, was unserer Wahrheit fern ist? Dürstet ihr nach unserem Blute? Wer hindert euch, es zu trinken? Seht ihr es auf unseren Tod ab? Siehe, täglich sind eure Hände damit bespritzt. Denn als Christen werden wir getötet und verleugnen nicht. Denn unsere Schrift sagt, daß wir bloß einem Gott dienen und mit ihm kein Bild im Himmel und auf Erden zählen sollen. Ferner: ,Ein Zauberer, der gefunden wird, sterbe durch die Hand seines Volkes.‘ Wie sollten also wir Zauberei treiben, da dieses der Verleugnung Gottes gleichsteht und auf beides der Tod gesetzt ist?“

Freundlich, aber heimtückisch hörten sie jene bösen Richter, indem sie schweigend ihre herrliche Schönheit und große Weisheit bewunderten. Und da sie in ihrem bösen Sinne eitle Hoffnung über sie hegten, dachte jeder: „Ich rette sie vom Tode“, damit sie sein Weib werde.

Der Môpêt antwortete: „Weil euer Bruder getötet wurde, habt ihr aus Zorn auch euer Gesetz übertreten und die Königin verzaubert, obwohl es euch, wie ihr sagt, verboten war.“ Die herrliche Tarbô sprach:„Was ist denn unserem Bruder Simon Böses und Verhaßtes geschehen, daß wir deshalb unser Leben vor Gott vernichten sollten? Wenn ihr ihn auch aus Haß und Neid getötet habt, so lebt er doch in dem hohen Reiche, das euer niedriges Reich übertrifft, eure Macht zerstört und diese eure vergängliche Ehre endet.“

Hernach sendeten sie alle drei in das Gefängnis zur Bewachung. Am anderen Tage ließ ihr der Môpêt melden: „Ich will den König bitten und euch drei vom Tode erretten; aber werde mein Weib.“ Als die Herrliche das hörte, wurde sie erregt und sprach: „Schließe deinen Mund, Gottloser, Feind Gottes, und rede nicht weiter dieses verhaßte Wort. Denn nicht tropft eure freche Stimme in meine reinen Ohren, noch geht euer unreines Wort in meinen reinen und heiligen Sinn. Denn ich bin Christi Braut. In seinem Namen bewahre ich meine Jungfräulichkeit; meine Treue hänge ich an die Hoffnung auf ihn; mein Leben vertraue ich ihm an, der mich aus euren unreinen Händen und aus eurer bösen Gesinnung gegen mich retten kann. Nicht fürchte ich den Tod, noch zittere ich vor der Hinrichtung. Denn ihr bahnt mir den Weg, auf dem ich gehen und meinen Bruder Simon, den Bischof, den mich liebenden Geliebten, sehen werde, daß ich getröstet werde von allen Leiden und Trübsalen um ihn.

Auch jene beiden Vornehmen schickten ihr heimlich voreinander über dieselbe Sache Botschaft; aber ebenso heftig und hart antwortete sie ihnen in großem Zorne. Da verbündeten sich alle drei zu einem bitteren Rat; sie bezeugten Verleumdung und redeten Böses: „Gewiß, sie sind Zauberinnen.“ Der König schickte Botschaft: „Wenn sie die Sonne anbeten, sollen sie nicht sterben; denn vielleicht können sie doch nicht zaubern.“ Als sie das hörten, sprachen sie: „Unseren Gott vertauschen wir nicht mit seiner Schöpfung; die Anbetung unseres Schöpfers erweisen wir nicht der Sonne, seinem Werk, und Jesum, unseren Erlöser, verlassen wir nicht wegen eurer Drohung.“ Sofort schrien die Magier: „Zugrunde gehen sollen sie unter dem Himmel, weil sie die Königin verzaubert, daß sie erkrankte.“ Da erhielten die Magier die Erlaubnis, sie eines beliebigen Todes sterben zu lassen. Sie sagten nämlich: „Ihre Körper sollen zerschnitten werden und die Königin soll zwischen den Hälften durchgehen und sie wird gesund. Noch als man sie zum Tode führte, ließ der Môpêt der herrlichen Tarbô melden: „Wenn du mir gehorchst, stirbst weder du noch deine Genossinnen.“ Aber die Heilige schmähte ihn laut: „Du unreiner und frecher Mensch, was rasest du in deiner Narrheit nach dem, was nicht recht, noch erlaubt ist? Ich sterbe mutig, da ich (dadurch) lebe; ich will nicht in Niedrigkeit leben, da ich (dadurch) sterbe.“

Man führte nun die drei Heiligen aus der Stadt, schlug für jede je zwei Pfähle ein, streckte sie aus mit dem Kopf und den Füßen wie Schafe, wenn sie geschoren werden, führte eine Säge mitten durch ihre Leiber, schnitt sie in sechs Teile, legte diese in sechs Körbe (σπύρις), hing diese an sechs Querhölzern auf und befestigte sie zu je dreien auf beiden Seiten des Weges, so daß je ein halbes Kreuz einen halben Körper trug, daran Früchte hingen, die den vergifteten, der sie gepflanzt, und die Früchte trugen bitter für die, welche sie sammelten.

Man brachte die Königin des Weges und ließ sie mitten zwischen den Körpern hindurchgehen. Und da der Aufbruch des Königs geschah, marschierte das ganze Heer hinter ihr her.

Die Herrlichen wurden gekrönt am fünften des Monats Jjjar (Mai) nach der Mondrechnung.

Schâhdôst und Genossen

Zeugnis des Schâdôst, des Bischofs und Katholikos von Seleucia und Ktesiphon, und der hundertachtundzwanzig Märtyrer mit ihm.

Schâdôst, der an Stelle Simons in den Städten Seleucia und Ktesiphon Bischof geworden war, sah eines Tages ein wunderbares Gesicht. Er staunte und berief seine Priester und Diakone, da sie sich verborgen hielten, und sprach: „Ich sah heute im nächtlichen Gesicht eine Leiter der Herrlichkeit, die von der Erde bis zum Himmel aufgerichtet stand. An ihrer Spitze stand der selige Simon in großer Herrlichkeit; ich aber stand unten auf der Erde. Er rief mir in großer Freude zu: Steig herauf, Schâdôst, steig herauf zu mir und fürchte nicht. Denn ich stieg gestern herauf, du steigst heute herauf. Sobald ich erwachte, glaubte ich fest, daß ich ihn rasch in gutem Zeugnis für unseren Gott erreichen werde. Und daß er sagte: ich stieg gestern herauf, du steigst heute herauf, (bedeutet,) daß er im vergangenen Jahre getötet wurde und ich in diesem getötet werde.“ Er ermutigte sie mit den Worten des Apostels und sprach: „Seid stark im Herrn und in der Festigkeit seiner Kraft. Ziehet an die Rüstung Gottes. Denn durch diese Dinge erscheint ihr den Menschen als Leuchtende und durch das Wort des Lebens seid ihr behütet. Nicht lasset uns also fürchten und zittern vor dem über uns kommenden Tode. Sondern wer stirbt, kämpfe als Held, und wer lebt, erscheine tapfer. Denn für Christus und unsere Wahrheit werden wir getötet. Solange das Schwert gezückt ist, kommet, lasset uns eifrig sein; solange das Schwert glänzt, kommet, lasset uns Geschäfte machen. Bis die Sonne aufgeht in der Nacht, lasset uns wandern nach den Wohnungen des Reiches. Namen und Ruhm in Ewigkeit gewinnen wir und den kommenden Geschlechtern lassen wir große Ruhmestaten zurück.“ Ferner sprach er: „Betet, daß die Bedeutung des Gesichtes sich rasch erfülle.

Wie ersehnt ist die Ankunft des Todes für den, der geistig lebt; aber wie furchtbar und schrecklich istseine Kunde für den, der fleischlich wandelt. Die Eifrigen folgen ihm, um das Leben zu erlangen. Die Lässigen sehen ihn und verbergen sich. Die Gottliebenden gehen zu Gott; die die Welt liebenden bleiben in der Welt. Der eine (geht) in die Freuden, der andere in die Peinen.“

Im zweiten Jahre unserer Verfolgung war der König in Seleucia. Da wurde der herrliche Schâhdôst ergriffen, dessen Name Freund des Königs bedeutet; er liebte nämlich den himmlischen König wahrhaft aus ganzer Seele und ganzer Kraft. Er war lauter und rein, wahrhaftig und heilig und glich seinem Genossen, dem heldenmütigen seligen Simon. Mit ihm wurden aus den Städten selbst sowie aus den Dörfern und Ortschaften der Umgebung 128 Priester, Diakone, Bundessöhne und -töchter ergriffen. Alle wurden in Ketten geworfen und in einem harten, bitteren Gefängnis fünf Monate lang eingeschlossen. Man befragte sie dreimal und brachte sie in böse Foltern und harte Schrauben, damit sie die Sonne anbeteten, indem man ihnen im Auftrag des Königs sagte: „Wenn ihr meine Befehle tut, sollt ihr nicht sterben.“ Der selige Schâdôst antwortete aus dem Munde aller: „So antwortet dem, der euch gesendet: Wir stehen in einer Kraft, einer Wahrheit, einem Willen, und in einem Glauben verkünden wir einen Gott und ihm dienen wir mit ganzer Seele. Aber die Sonne, die er geschaffen und gemacht, beten wir nicht an; das Feuer, das er uns zum Dienste gab, verehren wir nicht; deinem bösen Befehl gehorchen wir nicht mit Übertretung unseres guten Befehles, und wegen deiner Drohungen werden wir unserem Gesetze nicht untreu. Du hast das Schwert, wir den Nacken; du hast den Tod, wir das Leben. Verzögere unsere Hinrichtung nicht einen Tag; schone nicht eine Stunde, unser Blut zu vergießen. Denn deine Langmut verdirbt die ihr Gehorsamen.“

Als das alles dem König gemeldet wurde, sendete er ihnen folgende harte Antwort: „Wenn ihr meinen Willen nicht tut und meinen Befehlen nicht gehorcht, so kommt sofort die böse Stunde eures Verderbens über euch.“ Die Heiligen antworteten einstimmig: „Wir gehen unserem Gott nicht zugrunde, noch sterben wir seinem Christus. Sondern er wird uns in neuem Leben erwecken und im Himmelreich erneuern. Bringet nunmehr euren Tod, welcher er sei. Denn wir sind bereit, tapfer für unseren Gott zu sterben. Nicht beten wir die Sonne an, noch gehorchen wir eurem Befehl, der die Kinderseelen tötet.“

Hernach wurden sie zur Hinrichtung hergerichtet und zum Tode bereitet, weil das Urteil des Schwertes über alle gleichmäßig ergangen war. Die Henker mit den Kommissären1 des Königs führten sie in Ketten aus der Stadt zum Tode, während sie mit einer einmütigen und frohen Stimme psallierten: „Richte, o Gott, unser Gericht, und fordere unsere Rache von dem erbarmungslosen Volke und erlöse uns von den Blutvergießern und Betrügern“ und so fort. Und als sie an den Richtplatz kamen, sprachen sie: „Gepriesen sei Gott, der uns diese Krone gab, auf die wir schauten, und der uns dieses Erbe, das wir begehrten, nicht vorenthielt. Gepriesen sei sein Christus, der uns nicht in dieser Welt ließ, sondern uns rief und vor sich stellte in der Versöhnung unseres Blutes.“ Und nicht erstarb das Lob in ihrem Munde, bis der letzte von allen getötet war.

Die Herrlichen wurden am zwanzigsten Schebat (Februar) des Mondjahres getötet. Den seligen Schâhdôst brachte man in seinen Ketten nach Bêt Lapât in Bêt Hûzâjê . Dort wurde er enthauptet und in Christus, seinem Vertrauen, gekrönt.

Einhundertelf Männer und neun Frauen

Zeugnis von einhundertelf Männern und neun Frauen.

Im fünften Jahre unserer Verfolgung war der König in den Städten. Da wurden an verschiedenen Orten und in den Städten selbst Priester, Diakone, Bundessöhne und -töchter ergriffen, einhundertzwanzig an Zahl, und sechs Monate lang den ganzen Winter hindurch eingekerkert. Es befand sich dort eine vornehme Frau, ihr Andenken sei gesegnet, namens Jazdândôcht, was „Tochter Gottes“ bedeutet, aus der Stadt Arbel in der Provinz Hdajab. Diese unterhielt die heiligen Zeugen Gottes von ihrem Vermögen während derganzen Zeit ihrer Gefangenschaft; sie bestritt alle Ausgaben für sie und ließ nicht zu, daß ein anderer für sie sorge.

Fortwährend brachte man sie zur Befragung, man folterte und peinigte sie nach Herzenslust der unreinen Magier. Auf Befehl des Königs wurde ihnen gesagt: „Betet die Sonne, den Gott, an; sonst sterbet ihr alle eines bösen Todes.“ Die Heiligen aber beharrten alle in einer guten Gesinnung und einem einträchtigen Willen und sprachen: „Ferne sei es uns, den wahren Dienern des wahren Gottes, des Schöpfers und Gründers von Himmel und Erde und von allem, was darin ist, ihn zu verleugnen, uns von ihm abzuwenden, von seinem Wege abzuirren, von seiner Anbetung abzufallen und die Sonne, sein Geschöpf und Werk, statt seiner anzubeten. Zeiget uns nur rasch unsere Hinrichtung und wir werden uns freuen; bringet herbei unseren Tod und wir werden glücklich sein, da wir ruhen von eurem Hohne und eurer Eifersucht, die uns täglich umgeben.

Als der Tag kam, an dem der König (nach seiner Sommerresidenz?) aufbrach, wurde jener gläubigen Frau von einem Gläubigen (oder Eunuchen?), der ihr Freund war, heimlich mitgeteilt, daß die heiligen Zeugen am Morgen des nächsten Tages getötet würden. Da bereitete sie ihnen ein schönes Mahl, richtete ihnen ein herrliches Gastmahl und bediente sie stehend. Sie tauschte ihre Gefangenenkleider um, bekleidete sie alle mit neuen, weißen Gewändern, schmückte sie wie Bräutigame und sprach: „Seid mutig im Herrn und stark in seiner Verheißung, die er im Evangelium niederschrieb und in der Welt hinterließ. Er litt in seinem Leibe und öffnete uns die Türe zum Zeugentum, damit wir ihm gleich würden und den Tod nicht fürchteten, wenn er durch die Feinde der Gerechtigkeit über uns kommt. Jetzt seid eifrig, erhebet euch, betet diese ganze Nacht, singet Psalmen, lobet und bekennet ohne Unterlaß, damit ihr würdig werdet des erwählten, herrlichen Loses des Zeugentums für Jesus, den ihr liebt.“ Jedoch offenbarte sie ihnen am Abend nicht, daß sie am Morgen sterben sollten. Diese wunderten sich nun sehr und sprachen: „Was bedeutet diese große Auszeichnung, die du uns heute bereitetest, und diese achtsame Fürsorge, die du uns erwiesen?“ Sie sprach: „Ich habe ein Gelübde gemacht und es erfüllt.“ Dann ging sie nach Hause und übernachtete. Aber sogleich in der Morgenfrühe kam sie zu ihnen und sprach: „Betet nunmehr in der Freude eurer Seele, mit reinem, ausgegossenem Herzen, mit gutem, vollkommenem Gewissen. Denn heute empfanget ihr die Siegeskrone; heute ersteigt ihr die hohe Stufe des Reiches; heute empfanget (?) ihr euren großen Sieg in der Welt; heute endet ihr euren tapferen Kampf in der Schöpfung, indem ihr ihn durch euren Tod verkündet und durch euer Blut vermehrt. Eines, bitte ich euch, tuet mir; bittet für mich euren Herrn, den ihr liebt und um dessentwillen ihr geschlachtet werdet, daß er mich würdige, an jenem Tage euch zu sehen, an euren Ort einzugehen und mich im Umkreis eurer Wohnung zu verbergen. Denn ich weiß, daß ich eine Sünderin bin und ich glaube, daß, wenn ihr euren Herrn bittet, er mir meine Sünden verzeiht.“

Die ehrwürdigen Greise aus ihnen antworteten:„Wir vertrauen auf die große Barmherzigkeit Gottes, daß er uns erhöre und dir mit guten Gaben vergelte, daß du uns um seines Namens willen geehrt und erquickt hast diese ganze Zeit unserer Drangsal, und daß er deine Bitte um deines Glaubens willen dir in allem erfülle.“

Als die Stunde des Tages gekommen war, erging über sie der Befehl, daß sie hingeführt würden. Sie stand an der Türe des Gefängnisses und küßte dem ersten, der in seinen Ketten herauskam, Hände und Füße. Ebenso tat sie allen. Eilig brachte man sie aus der Stadt, da der Großmôpêt geschickt war, ihrer Befragung und Hinrichtung zu präsidieren. Er sprach auf Befehl des Königs: „Betet die Sonne an und ihr sollt leben.“ Die Heiligen riefen laut: „Sehet ihr nicht, ihr Blinden und Unverständigen, daß die, welche zum Tode geführt werden, Trauerkleider tragen und die Gesichts (färbe) aus Furcht verändern. Wir aber tragen Freudenkleider und unser Gesicht ist wie eine Rose am Morgen. Tuet uns, was ihr wollt, ihr Gottlosen. Denn ferne sei es uns, unseren Gott zu verlassen und die Geschöpfe anzubeten. Dieses euer Reich verachten wir und seinen Befehlen gehorchen wir nicht, damit jenes unsichtbare Reich in unserem Blute geehrt und in unserem Tode gepriesen werde, in das ihr uns durch eure Bosheit eilig sendet. Uns ist dort ewige Ruhe und Erquickung, euch Pein und Zähneknirschen in Ewigkeit.“

Da erging gegen sie das scharfe Urteil, daß alle mit dem Schwerte enthauptet werden sollten. Mannhaft ließen sie sich m der Hoffnung auf Christus mit dem Munde des Schwertes töten. In derselben Nacht mietete jene Gläubige Leute vom Markt, je zwei für einen Leichnam, und bereitete für jeden linnene Gewänder zum Begräbnis. Man brachte sie weit weg, machte eilig Gruben für sie, und aus Furcht vor den Magiern wurden je fünf in einer Grube beigesetzt.

Die Herrlichen wurden gekrönt am sechsten Nisan der Mondrechnung.

Barba’schmîn und Genossen

Zeugnis des Bischofs und Katholikos Barba’schmin und der sechzehn Zeugen mit ihm.

Im sechsten Jahre unserer Verfolgung wurde Barba’schmin, der Bischof von Seleucia und Ktesiphon, vor dem König angeklagt. Man sagte zu ihm: „Es ist hier ein harter Mann, der unserer Lehre widersteht und viele von unserer Religion abwendet, sie dem Dienste des Königs abspenstig macht, die Sonne verachtet und Feuer und Wasser geringschätzt.“ Der König fragte: „Wer ist es, der das tut?“ Sie sagten: „Der Schwestersohn des Simon bar Sabbâ’ê, der an dessen Stelle das Haupt der Christen ist.“ Sofort geriet er in heftige Erregung und befahl, ihn vorzuführen. Da wurde Bischof Barba’schmin ergriffen und mit ihm sechzehn Priester, Diakone und Bundessöhne aus verschiedenen Orten sowie aus den Städten selbst, und man brachte den seligen Barba’schmin vor den König. Dieser sprach: „Du eines bösen Todes Sterbender, warum übertratet ihr in eurer Frechheit meinen Befehl und wurdest du das Haupt dieses Volkes, das ich hasse, das meine Götter verschmäht, um so mehr als Simon, den ich liebte, deshalb getötet wurde?“

Barba’schmin antwortete: „Wenn wir deinem Befehle gehorchen, so verbietet er uns, nach unserem Glauben überhaupt zu wandeln. Da wir aber nicht einmal einen kleinen (Teil) unserer Wahrheit auf deinen Befehl aufgeben, werden wir auch das, was größer als alles unter uns ist, beobachten.“ Der König sprach: „Ich sehe, daß du streitsüchtig und töricht bist und nach dem Tode dürstest wie dein Onkel, der zugrunde ging und viele mit sich zugrunde richtete.“ Der selige Barba’schmin antwortete: „Ich dürste nicht nach Hinrichtung, noch sehne ich mich nach dem Tode, wenn du mich auf meinem wahren Wege gehen und meine rechte Lehre wirken lassest. Wenn du mich aber durch deine Macht zwingst, mich zu deinem Irrtum zu wenden, so verlange ich den Tod, weil er mir Leben ist, und dürste ich nach der Hinrichtung, weil sie mir Freude ist. Ferne sei es mir, meinen wahren Glauben an e i n e n Gott zu verlassen, den mir mein Erzieher, Mâr Simon, anvertraute.“

Da ergrimmte der König und schwor bei der Sonne, seinem Gott: „Ich werde eure Lehre von der Erde vertilgen und eure Religion aus der Schöpfung ausrotten.“ Da lachte Barba’schmin und sprach: „Warum hast du nicht deine beiden anderen Götter, Feuer und Wasser, beigebracht, daß sie mit der Sonne an dem Schwure teilnehmen, die doch vielleicht alle deine Genossen sind, und rottest uns von der Erde aus, wie du geschworen.“ Da entbrannte der Gottlose und sprach: „Weil du dich dem Tode geweiht, sprichst du so, damit ich dich sofort töte. Aber ich bewahre dich für die Furcht und das Entsetzen, daß jeder, der in deiner Lehre steht, über deine Pein und deinen bitteren Tod zittere.“ Er befahl, und man warf sie ins Gefängnis in schwere Ketten und harte Folter vom Monat Schebat (Februar) bis zum neunten des (zweiten) Kanon (Januar), wobei die gottlosen Magier Qualen, Peinen, harte Schläge und Schrauben über sie verhängten. Auch quälte man sie mit der Not des Hungers und Durstes, bis die Haut an ihren Knochen verdorrt abfiel, ihr Gesicht sich zu schwarzer Aschenfarbe verwandelte und ihr Aussehen wegen der Menge der überstandenen Qualen sich änderte.

Um die Wende des Jahres war der König in Karkâ de Lêdân, in Bêt Hûzâjê . Er schickte, man solle den Bischof Barba’schmin und die sechzehn mit ihm in ihren Fesseln bringen. Als sie zur Stadt kamen, meldete man sie dem König. Dieser befahl, sie vor ihn zu führen und sprach: „O törichtes und unweises Volk, das ihr freiwillig sterbet. Mit euch ist es aus und vorbei und (doch) reut euch eure Frechheit nicht. Wo sind jene früheren, die getötet wurden, die zum Leben und zur Herrschaft kamen, wie ihr sagt, daß ihr ihnen gleich werdet und sterbet, wie sie starben, aber nicht (wieder) zum Leben kamen, wie sie glaubten? Jetzt höret mich; verachtet nicht meine Befehle und ihr sollt leben. Mit Geschenken und Gaben ehre ich euch alle, und besonders dich, Barba’schmin, erhöhe ich heute, wenn du mich hörst und mit mir die Sonne, den Gott, anbetest.“ Sogleich befahl er, ihm einen goldenen Becher zu bringen, worin tausend halbe Golddrachmen waren und sprach: „Nimm ihn sogleich zur Ehrenerweisung vor den Zuschauern und dann erhebe ich dich zu Rang und Macht.“ Der Selige sprach: „Warum schmeichelst du mir wie ein Kind und handelst verächtlich wie einer, der jung an Jahren ist, und lockst mich mit wertlosem Staub und abfallender Blüte, den unvergänglichen Gott zu verlassen, in dessen Wort dies alles geschaffen ist? Nicht nur lasse ich mir damit nicht schmeicheln, sondern auch wenn du dein ganzes Reich mir geben solltest, würde ich nicht gehorchen, den zu verlassen, den ich wahrhaft besitze.“ Der König sprach: „Verachte nicht und weise nicht zurück diese Gabe, womit ich dich ehre, wenn du leben willst, du und die Deinen. Wenn du frech mit mir streitest, erfülle ich mein Begehren an dir und stille ich mein Verlangen an eurem ganzen hartnäckigen und ungehorsamen Volke.“ Der Heilige sprach: „Soll Gott an jenem Tage, da alle Völker und Nationen zitternd im Gerichte vor ihm stehen, zu mir sagen: O Tor, warum hast du mich mit Gold, das ich König Schâpûr gab, vertauscht und bist um des Nichts willen dem Nichts nachgeirrt? Wisse, König, daß ich vertrauend in meinem Glauben stehe und zu meiner Wahrheit klug meine Zuflucht nehme. Du aber, Bösewicht und Verführer, vollende dein böses Verlangen und zeige deinen mörderischen Sinn im Werke, nicht im Wort.“ Der König sprach: „Bisher habe ich dich als einen Weisen in Rat und Tat geehrt. Aber jetzt weiß ich, daß du ein Tor bist und von jenem törichten Volke stammst. Aber ihr werdet unsanft behandelt werden. Ich verordne gegen euch Hartes, und durch Züchtigung will ich euch lehren, wie die Welt gelenkt und die Schöpfung regiert wird.“ Der heilige Barba’schmin antwortete: „Wir sind ein weises und wahrhaftiges Volk; wir geben uns für unseren wahren Gott bereitwillig in den Tod. Wir treten deinen Hochmut nieder durch unseren Wagemut, zur rechten Zeit demütig und zur rechten Zeit hart. In ihm verkünden wir der Welt, daß sie vergänglich ist; in ihm verkünden wir dir, daß du in ihr nicht bleibst. Siehe, du schmeichelst uns, daß wir unser kostbares Leben um deine armseligen Geschenke verkaufen und unseren herrlichen Reichtum um deine nichtigen Gaben verpfänden möchten, die wie deine Götter vergehen.“ Da ergrimmte der König und sprach: „Von heute an schreibe ich meinen Truppen an jeglichem Ort, daß sie das Gedächtnis eines jeden, der diesen Namen trägt, mit dem Schwerte von der Erde vertilgen sollen.“ Barba’schmin antwortete: „Unsere Tapferkeit im Herrn ist im Kampfe für ihn stärker als das Streiten deiner Truppen für dich. Und wenn du glaubst, durch Morden mit uns fertig zu werden, und durch den Tod uns zu verderben, so macht dein Schlachten uns noch fruchtbarer und dein Schwert vermehrt und stärkt uns Geschlecht für Geschlecht. Angesichts der Festigkeit unseres Volkes kannst du nicht bestehen. Zerstöre unser Leben nach deiner Gewohnheit. Entvölkere dein Land von uns, da du gewohnt bist, unser Leben zu verfolgen, damit wir in unser Land aufgenommen werden, das ein Leben gleich dem unserigen liebt. Mühe dich vergeblich, deine mit unserem Blute befleckten Hände zu waschen. Denn sieh, deine Gemordeten, unsere Freunde, sind selig in der Höhe; deine Niedergestreckten, unsere Lieben, frohlocken im Paradiese; die Jünglinge, die du schlugst, die Jungfrauen, die du quältest, freuen sich und sind glücklich im Reiche. Dir aber ist angesichts ihrer Freude und gegenüber all ihrer Ruhe Pein in Ewigkeit bewahrt und Weinen und Zähneknirschen ohne Ende.“

Der gottlose Feind der Gerechtigkeit wurde von tiefem Zorn erfüllt. Seine Bosheit stieg empor und floß über. Seine Worte tauchte er in Blut und seine Rede befleckte er mit Mord. Er befahl, daß allen der Kopf genommen werde. Wie eine am Wege lauernde Schlange und ein zum Morden vorschnellender Drache krümmte er sich zum Schlage, bog er sich und blies er sich auf vor Zorn; sein Gift kam in Bewegung und strömte hervor, um Leichen hinzuwerfen und ihr zeitliches Leben zu vernichten. Durch sein Wort verwirrte er die ganze Erde, indem er schrieb: „Wer mich liebt und meine Regierung will, bemühe sich, daß kein Christenname in seinem Gebiete und Bereiche sich finde. Sie sollen die Sonne anbeten, Feuer und Wasser ehren und Tierblut trinken. Wer das nicht tut, werde den Môpêts übergeben, die ihn nach Belieben foltern und verderben sollen.“

Der heilige Barba’schmin und die sechzehn Zeugen mit ihm wurden am neunten (Tage) des zweiten Kanon getötet.

Der Principat war aus Furcht vor diesem harten Befehl ungefähr zwanzig Jahre von den Städten Seleucia und Ktesiphon genommen.

Jakob und seine Schwester Maria

Zeugnis des Priesters Jakob und seiner Schwester Maria, einer Bundestochter.

Im siebenten Jahre unserer Verfolgung wurden Jakob, der Priester des Dorfes Tellä Schallilä, und seine Schwester Maria, eine Bundestochter, auf Befehl des Narsê Tamschâbôr ergriffen und mit bösen Schlägen erbarmungslos gepeinigt, da dieser sie dazu bringen wollte, Blut zu trinken. Sie aber stärkten ihre Hände in ihrem Gott; mit reinem, geradem Herzen schauten sie auf ihn, riefen ihn an, ihnen Hilfe zu bringen und baten ihn um Kraft und Hilfe.

Da nun jener Tyrann sah, daß sie durch nichts von ihrer Wahrheit abließen, befahl er einem vornehmen Laien, namens Mâhdâd, der dem Namen aber nicht der Tat nach Christ war, daß er hingehe und sie enthaupte. Dieser hielt, um ihm zu gefallen, seinen Tod für sein Leben und schnitt um der Zeit willen seine Hoffnung ab. Er ging hin und enthauptete beide mit dem Schwerte in Teil Darâ, einem Dorfe am großen Zâb.

Die Heiligen wurden gekrönt am siebzehnten Adar (März) der Mondrechnung.

Tekla und Genossinnen

Zeugnis der Bundestochter Tekla und anderer vier Bundestöchter mit ihr.

Damals wurde ein böser Mann, namens Paula, der dem Namen nach Priester in dem Dorfe Kaschâz war, vor Narsê Tamschâpûr angeklagt, indem man sagte: „Dieser hat großen Reichtum und vielen Besitz.“ Er ließ sofort sein Haus umzingeln, ihn ergreifen, sein Haus plündern und das große Vermögen, das man bei ihm fand, wegnehmen. Um seinetwillen ergriff man auch die Bundestöchter seines Dorfes mit ihm, namens Tekla, Maria, Marta, Maria und Emmi1, und brachte ihn und sie gefesselt in das Dorf Hazzâ. Man führte ihn vor den verfluchten Tamschâpûr und (dieser) sprach: „Wenn du den Willen des Königs tust, die Sonne anbetest und Blut trinkst, gebe ich dir alles zurück, was dir genommen wurde.“ Jener gottlose Sohn der Hölle wurde nach seinem Reichtum hungrig; er begehrte nach seinem Vermögen, darin zu verbrennen und tat seinen Willen in allem, was er ihm befahl.

Als Tamschâpûr sah, daß er keinen Grund fand, ihn zu töten, dachte er sich aus, ihm zu sagen, er solle jene Bundestöchter töten, (indem er dachte): vielleicht schämt er sich, das zu tun und das ihm Genommene meinen Händen zu entreißen. Sofort befahl er, sie vor ihn zu bringen und sprach heftig: „Tuet den Willen des Königs, betet die Sonne an und heiratet, und ihr entrinnt der Folter und rettet euch von dem euch bestimmten Tode des Schwertes. Gehorcht ihr nicht, so tue ich,

was mir befohlen ist, und niemand rettet euch aus meinen Händen.“ Die Heiligen sprachen laut: „Ο stolzer, ruhmrediger Mann, erschrecke und schmeichle uns nicht durch deine verführerischen Reden, sondern was dir befohlen ist, vollende rasch. Denn ferne sei es uns, von unserem Gott und Schöpfer abzufallen und etwas von dem, was du uns lehrst, anzunehmen.“

Da befahl er, sie von seinem Sitze fortzuführen. Jede erhielt je hundert Rutenstreiche, wobei sie laut bekannten: „Nicht vertauschen wir unseren Gott mit der Sonne und wir werden nicht unvernünftige Toren wie ihr, die ihr den Schöpfer verließet und sein Geschöpf anbetetet.“ Darauf erging über sie das Todesurteil und man sagte zu jenem bösen Paula: „Wenn du diese Bundestöchter tötest, erhältst du alles, was dir genommen wurde.“ Da zog in ihn derselbe ein, der auch in Judas eingezogen war.

In der Begierde nach seinem Vermögen, das er doch nicht gewann, machte der Geizige wegen der Schmeichelei des Bösewichtes, der ihm Vertrauen machte, sein Gesicht zu Eisen und seine Stirne zu Erz. Er nahm ein Schwert und wagte es, auf die Heiligen loszugehen, die einstimmig sagten: „O feiger Hirt, zerstreuest du deine Schafe und schlachtest du die Lämmer deiner Herde? Bist du, Geiziger, ein Wolf geworden und erwürgst du die Schafe deiner Herde ? Ist das das versöhnende Opfer, das wir aus deinen Händen empfingen? Ist das das lebengebende Blut, das du wahrhaft unserem Munde reichtest? Auch jetzt ist dein Schwert unser Leben und unsere Erlösung. Wir gehen zu Jesus, unserem ewigen Besitz und Gewinn; aber den Besitz und Gewinn, den du liebst, erlangst und erbst du nicht. Vor dir kommen wir ins Gericht und mit uns unsere Anklage gegen dich, die nicht unterbleibt, und bald erreicht dich das gerechte Gericht Gottes. Nicht läßt man dich lebendig bei dem, um dessentwillen du uns tötest. Du sündigst, um wessentwillen du sündigst; wir sterben, um wessentwillen wir sterben; aber wehe, wehe dem Mann, durch dessen Hand wir sterben. Tritt rasch heran, Geiziger; deine Sünden sollen an uns ein Ende finden und dein hartes Gericht mit uns beginnen. Komm zu uns, komm Verwegener und löse uns rasch. Erlöse uns von deinem Anblick; laß dich am Strick erwürgen; platze durch Erhängen, indem du in deiner Pein die Hände zusammenschlägst und die Füße ineinander in dem harten Erhängungstod verschlingst.“

Da trat der verwegene Sohn des Verderbens hinzu; der Höllenanteil erhob seinen Arm mit dem Schwerte; er schlug alle fünf, tötete sie und nahm ihr Haupt als tüchtiger Meister. Nicht ermüdete der Bösewicht, da doch sein Arm im Morden nicht geübt war. Nicht wurde das Schwert des Verbrechers stumpf, da es doch nicht einem tüchtigen Kämpfer gehörte. Es war geschärft und hielt aus und sah, daß so (günstige) Zeit sich fand. Nicht zitterte die Rechte des Gewalttätigen bei Hieb und Schlag. Vielleicht stärkte er sie durch die Liebe zu seinem Geld und kräftigte sie durch die Begierde nach seinem Gold. Nicht fürchtete der Verwegene, da er doch an das Halten des Schwertes nicht gewöhnt war. Nicht zitterte der Betrüger, da er doch Menschenblut nicht kosten gelernt hatte. Nicht schämte sich der ganz Schamlose vor dem Volke, das in jener Stunde auf ihn wie auf einen Verfluchten und Entmenschten sah. Sondern der zuerst den Mord auf Erden durch Kain gezeigt hatte, übte und gewöhnte ihn daran. „Ihr seid Söhne dessen, der von Anfang an der Menschenmörder ist.“

Mutig ließen sich die Heiligen töten; die Keuschen gingen kraftvoll dahin und wurden ein Wohlgeruch vor dem Angesichte ihres Herrn, der ihnen die guten Werke ihres Laufes und ihr ruhmvolles Leiden doppelt vergalt. Gekrönt wurden die Herrlichen am sechsten Haziran (Juni) des Mondjahres.

Jener Verrückte hatte weder gehört, noch gelesen, was von dem Reichen geschrieben steht, dem sein Grundstück viel eintrug und der sprach: „Meine Seele iß, trink und freue dich“ und dem zum Schluß seiner Rede gesagt wurde: „Du Tor, sieh, in dieser Nacht fordert man deine Seele von dir; wem wird gehören, was du bereitet hast?“ So geschah auch ihm. Da er glaubte, seinen Reichtum der Sünde zurückzuerhalten, um dessentwillen er (geistig) starb, wurde er in derselben Nacht weggerafft. Da nämlich der Richter fürchtete, er möchte in seiner Keckheit vor dem König klagen und (dieser) möchte ihm den Raub abnehmen, schickte er Gesinnungsgenossen in das Gefängnis, die ihm einen Strick um den Hals warfen und ihn aufhängten, daß er erstickte. Seine Ermordung wurde verheimlicht.

Kriegsgefangene

Zeugnis der Kriegsgefangenen.

Schâpûr, König der Perser, zog in seinem dreiundfünfzigsten Regierungsjahre gegen die Grenzen und Burgen der Römer, belagerte das Kastell (κάστρον) Bêt Zabdai, eroberte es, schleifte seine Mauer, überlieferte viele Krieger dem Munde des Schwertes1 und nahm ungefähr neuntausend Seelen, Männer und Frauen, gefangen, darunter den Bischof Heliodor, die greisen Priester Dausâ und Mârjahb, (andere) Priester, Diakone und den Bund von Männern und Frauen. Und da man sie nach Bêt Hûzâjê führte, marschierte auch der König mit seinem Heere dorthin.

In einer Station namens Dâskartâ erkrankte Bischof Heliodor, weihte den Dausâ zum Bischof und machte ihn zum Haupte aller. Auch übergab er ihm den mitgenommenen Altar, daß er an ihm achtsam diene. Er entschlief und wurde dort ehrenvoll begraben.

Da sie von dort des Weges zogen, begannen sie sich in eine Gemeinde zusammenzuschließen und in Chören Psalmen zu rezitieren. Und da sie so täglich Gottesdienst feierten, fühlten sich die bösen Magier in ihrem Innern betroffen; ihr Gewissen wendete sich gegen sie und sie klagten sie vor Adarfarr an, dem Großmagier, auf dessen Rat viel Blut der Zeugen Gottes im Orient vergossen wurde. Dieser Verfluchte trat vor den König und sprach: „Guter König, unter diesen Gefangenen befindet sich ein Haupt der Christen, namens Dausâ, der viele gefangene Gesinnungsgenossen, Männer und Frauen, um sich sammelt, die sich erheben und mit e i n e m Mund deine Majestät verfluchen und lästern; und täglich tun sie das. Ich schalt sie ein- und zweimal, aber noch mehr verfluchten sie dich und lästerten sie die Götter der Perser“.

Der König befand sich in der Station Dûrsak, im Gebiete der Darâjê, und befahl diesem Môpêt und einem Großen, namens Hazaraft: „Gehet, bringet mit List das Haupt dieser Christen und alle seine Gesinnungsgenossen fort und sagt zu ihnen:,Dem König hat es gefallen, euch Gutes zu tun, und er befahl, daß ihr euch hier auf diesem Berge niederlasset; das Land ist fett, seine Dörfer sind schön, der Boden ist wasserreich: das gewährt euch beständige Ruhe alle Tage eures Lebens.‘ Sehet zu, wenn sich alle diejenigen versammeln, die sich täglich versammeln, unsere Majestät lästern und unsere Götter schmähen; laßt sie auf diesen Berg hinaufsteigen und befragt sie an irgendeiner Stelle. Jeder, der meinen Willen tut, Sonne und Mond anbetet, und den Gott, den der Kaiser anbetet, verleugnet, soll nach Wunsch und Lust in diesen Dörfern sich niederlassen. Wer aber diesem Befehle nicht gehorcht, werde dem Schwerte überliefert.“

Darauf zogen jene beiden Großen mit hundert Reitern und zweihundert Fußsoldaten (paig) aus, riefen vor sich den Bischof Dausâ, den Chorbischof Mârjahb, die Priester, Diakone, den Bund und die gläubigen, ihnen anhängenden Laien und redeten so hinterlistig zu ihnen. Es waren aber gegen dreihundert Personen. Man führte sie auf den Berg, namens Mâsabadân, zu einem Dorfe namens Geftâ und stellte sie außerhalb des Dorfes auf. Da offenbarte jener bittere Blutvergießer, der Môpêt Adarfarr seine Hinterlist, zeigte seine Verschlagenheit und sprach: „Wisset, der König befahl, daß ihr hier alle niedergemacht werden sollt, weil ihr ihn täglich schmäht und die Götter der Perser lästert. Wenn ihr aber jetzt unserem Rate gehorcht, so sollt ihr leben und gerettet werden Tuet den Willen des Königs, betet Sonne und Mond an, lasset die Religion des Kaisers und ergreift die Religion Schâpûrs, des Königs der Könige. Denn ihr seid seine Knechte, und er ist euer Herr. Wenn ihr hierin gehorcht, so habe ich die Vollmacht, euch in diesen reichen und fetten Dörfern zu lassen und in dieser Gegend, die, wie eure Augen sehen, mit Weinstöcken, Reben und Palmen bepflanzt ist. Auch gibt er euch allen Geschenke und Gaben, wie ihr von mir begehrt. Wenn ihr aber dem Befehl des Königs nicht gehorcht, so wisset, daß ihr heute durch das Schwert sterbet und daß gemäß seinem Urteil keiner von euch am Leben bleibt.“

Laut sprach der mutige Dausâ: „O Volk, das im Blute des eigenen Landes schwimmt und wiederum im Blute der Länder sich wälzt. Sieh, du tötest die Eigenen und tötest die Fremden; du mordest die Einheimischen und mordest die Einwanderer. Was habt ihr für einen Nutzen und womit werdet ihr euch verteidigen? Sieh, in Gerechtigkeit ist eure Rache aufgeschrieben; das Urteil ist über euch ergangen und wird nicht vergessen. Ihr wurdet viel befleckt mit dem Blute der Zeugen des Ostens und seid besprengt mit dem Blute der Zeugen des Westens, so daß auch unser heiliges Zeugenblut eure Handschrift zugleich mit dem siegreichen Blute der heiligen Zeugen, das ihr vergossen habt, besiegelt. Das Geheimnis der Hinterlist, das ihr uns enthüllt, ist uns heimliche Freude, und der Befehl des Bösen, den ihr uns zeigtet, ist uns offenes Frohlocken. Somit sind wir nicht gefangen und unserer Heimat entrissen, noch in der Fremde gestorben, noch sterben wir als Gefangene. Wer wird uns töten? Er bleibe nicht stehen und zögere nicht. Wer mordet uns? Er zaudere nicht. Einer ist unser aller Gott, der uns um unserer Sünden willen in eure Hände gegeben. Jetzt hat er sich unser erbarmt und sich mit uns versöhnt; deshalb sterben wir heute von eurer Hand. Ferne sei es uns, Sonne und Mond, das Werk seiner Hände, anzubeten und den Willen eures die Menschen verzehrenden Königs zu tun. Wir sind stark in unserem Glauben; unseren wahren Gott, den auch der Kaiser anbetet, beten wir an, und an ihn glauben wir. Wir gehen in Lob und Seligpreisung an den uns bestimmten Ort. Aber wehe euch Unreinen und Verworfenen, die ihr den Orient durch jene eure gottlose Lehre verführtet. Rasch zerstört sie Gott in euch, verdirbt euch in ihr, vernichtet euren Trug und vertilgt eure Lüge aus dem ganzen Orient. Wisse, daß wir alle in dieser festen Gesinnung, die ich bekannt, beharren. Tue nun, was dir befohlen ist, ohne Zögern.“ Da befahl er seinen Soldaten, je fünfzig Männer und Frauen wegzuführen und niederzumachen, so daß die Zahl auf zweihundertfünfundsiebenzig stieg. Fünfundzwanzig Männer und Frauen wurden aus Angst schwach und beteten die Sonne an. Sie wurden dort bis auf den heutigen Tag angesiedelt.

Ein Diakon namens ‚Abdîschô‘ blieb am Leben, da ihn das Schwert nicht gut getroffen hatte. Nach Sonnenuntergang erhob er sich, ging in das Dorf und traf einen armen Mann, der ihn in sein Haus führte und seine Wunden wusch und verband. Als es Tag geworden war, führte ‚Abdîschô‘ jenen Mann und seine zwei Söhne zu den Getöteten und zeigte ihnen die Leiche des Dausâ, des Mârjahb und der anderen greisen Priester. Sie nahmen sie weg, stiegen ein wenig höher hinauf, fanden eine kleine Höhle, legten sie darin nieder und verschlossen sie mit mächtigen Steinen. Dann kehrten sie zu ‚Abdîschô‘ zurück und fanden ihn auf dem Mordplatz im Gebete kniend und weinend.

Heidnische, karmanische Hirten, die ihre Schafe weideten, sahen dort drei Nächte Heere von Engeln, die an dem Mordplatz der Heiligen auf und ab schwebten und Gott lobten. Sie erschraken und fürchteten sehr und verkündeten es in der ganzen Gegend, und ließen sich wegen dieses Gesichtes im Glauben unterrichten.

‚Abdîschô‘, der trotz des Schwerthiebes am Leben blieb, begann, die Seelen der durch die Sünde Getöteten zum Leben zu führen. Er hatte nämlich beschlossen, wegen der Gebeine der dort gefallenen Gerechten alle seine Tage dort zu bleiben. Dreißig Tage lang hörte er nicht auf, die Frömmigkeit durch gute Werke zu lehren. Als aber ein böser Mann, der Herr des Dorfes, sah, daß er die Leute vom Irrtum zur Erkenntnis der Wahrheit bekehrte, zog Satan neidisch in ihn ein und lehrte ihn böse, neidische Eifersucht. Er ergriff den ‚Abdischö‘, schlug ihn, hielt ihn vier Tage lang in Fesseln und sprach: „Wenn du von hier fortgehst und diese Lehre in diesem Dorfe nicht mehr lehrst, lasse ich dich frei; geh, wohin du willst.“ Der selige ‚Abdîschô‘ sprach: „Ich habe beschlossen, hier zu bleiben und nicht aufzuhören, diese Lehre den Ohren aller, die hören, gehorchen und sich zum Leben wenden, zu predigen.“ Da entbrannte der Bösewicht, führte ihn aus dem Dorfe an den Ort, an dem seine Gefährten getötet worden waren und gab einem Karmanier fünfzig Silberlinge. Dieser traf ihn dort mit dem Schwerte, daß er starb. Wiederum zog jener Arme mit seinen Söhnen aus; sie nahmen den Leib des Krafthelden, verbargen ihn und errichteten darüber einen großen Steinhaufen, der bis heute Grab des ‚Abdîschô‘ heißt. Aber der Zorn des Himmels traf den gottlosen Mörder und sein Haus.

Seine vier Söhne verfielen dem Teufel, der sie rasch tötete. Er selbst wurde wassersüchtig; saß dreißig Tage in unsäglicher Qual auf dem Mist, und als er dort starb, fraßen ihn die Hunde. Sein Vermögen ging plötzlich verloren; seine Knechte flohen und zerstreuten sich; sein Weib bettelte Brot und starb in Geisteszerrüttung. Da der Fluß jenes Dorfes von Menschen gegraben war, ließ Gott darin Mäuse wachsen, die ihn durch ihr Wühlen mit Erde füllten. Und als sich die Bewohner des Dorfes zusammentaten und die Erde wieder aushoben, gruben die Mäuse wieder und füllten ihn aus. So geschah es wiederholt, und da das Dorf Durst litt und die Gewächse verdorrten, blieb es zweiundzwanzig Jahre wüste und war zum Fluche in der ganzen Gegend.

Hernach kam ein Sohn jenes Mannes, der ‚Abdîschô‘ aufgenommen und mit den Zeugen Gottes begraben hatte, betete an der Mündung der Höhle und gelobte, jährlich zu kommen und dort das Gedächtnis zu feiern. Hernach grub er den Fluß aus, baute Häuser und ließ sich in Frieden nieder. Gott segnete ihn; er gewann es in Besitz und es wurde ihm zugesprochen. Zu jeder Zeit beging er dort das Gedächtnis, und durch die Gebeine der Heiligen geschahen Heilungswunder.

Ein Klostervorsteher eiferte im schönen Eifer Gottes. Er baute dort ein Martyrium, nahm ihre Gebeine aus der Höhle, legte sie in dem von ihm erbauten Hause nieder, und bis heute werden dort (gottesdienstliche) Versammlungen abgehalten.

‚Akebschemâ und Genossen

Zeugnis des Bischofs ‚Akebschemâ, des Priesters Joseph und des Diakons Aitillâhâ.

Im siebenunddreißigsten Jahre unserer Verfolgung erging ein harter Befehl, und die Môpêts erhielten Gewalt über das ganze Christengeschlecht (γένος), durch Foltern und Qualen sie zu peinigen und durch Steinigung und Hinrichtung zu töten. Die tüchtigen Hirten, die sich in dieser Verfolgung nicht verbargen, wurden von frechen Dienern des Bösen angeklagt, die zu den Richtern sprachen: „Die Christen zerstören unsere Lehre und lehren die Menschen, e i n e m Gott allein zu dienen, die Sonne nicht anzubeten, das Feuer nicht zu ehren, das Wasser durch häßliche Waschung zu verunreinigen, nicht zu heiraten, Söhne und Töchter nicht zu zeugen, mit den Königen nicht in den Krieg zu ziehen, nicht zu töten, ohne Gewissensbisse die Tiere zu schlachten und zu essen, die Toten in der Erde zu begraben und zu sagen, daß Gott, nicht Satan, die Schlangen, Skorpione und alles Gewürm der Erde gemacht hat. Auch verderben sie viele Diener des Königs und lehren sie Zauberei, die sie Schriften nennen.“ Als das jene bösen Richter hörten, gerieten sie in großen Zorn, der wie Feuer im Holz in ihnen brannte.

Damals wurde ‘Akebschemâ ergriffen, der Bischof des Gebietes von Hnaitâ; der Name seines Dorfes war Pakâ. Er war ein ehrwürdiger, achtzigjähriger Greis, starken Körpers, der Gestalt nach herrlich und ansehnlich, in der Welt angesehen, barmherzig, für die Armen und Fremden besorgt, durch sein göttliches Wort die Heiden zur Wahrheit führend, voll großen Leidens und Fastens, eifrig im Gebet, täglich viele Tränen vergießend, so daß sogar die Erde, auf der er kniete, naß wurde.

Einige Tage, bevor er ergriffen wurde, küßte ihn einer der Brüder namens Pâpâ Bâdôkâ auf den Kopf, als er ihn von Läusen reinigte und sprach: „Selig diese Glatze, die im Zeugnis Christi stirbt.“ Der Selige war nämlich kahlköpfig. Und er nahm ihn, umarmte und küßte ihn und sprach: „Möge deine Prophezeiung wahr sein, mein Sohn. Möge sie Gott bald hören und mir diesen großen Anteil geben, von dem du sprichst.“ Auch ein anderer Bischof saß dabei und sprach lachend zu dem Bruder: „Und mir, wenn du es weißt, was geschieht mir?“ Er sprach: „Wenn du auf dem Wege des Gebietes von Arran gehst, stirbst du.“ So geschah es. Der heilige ‚Akebschemâ wurde im Zeugnis getötet; jener ging und starb in Arran.

Als ‚Akebschemâ gefesselt war und angesichts seines Hauses vorbeiging, sprach ein Gesinnungsgenosse aus denen, die mit ihm gingen: „Befiehl jemand, auf dein Haus acht zu haben, damit es nicht verfalle.“ Er breitete angesichts seines Hauses die Hände aus und sprach: „Dieses Haus ist nicht mein Haus und dieser Besitz ist nicht mein Besitz. Mein ist nunmehr Christus; er ist mein Gewinn, neben dem ich nichts achte.“ Als man ihn nach Arbel gebracht, führte man ihn vor den Môpêt namens Adôrkorkschîr. Dieser fragte ihn: „Bist du Christ?“ Er antwortete laut: „Ich bin Christ und bete den wahren Gott an.“ Der Môpêt sprach: „Also ist wahr, was ich über dich gehört, daß du in dieser Gegend gegen den König der Könige lehrst?“ ‚Akebschemâ sprach: „Alles, was dir über mich gesagt wurde, ist wahr. Gewiß predige ich den Menschen nur e i n e n Gott, damit sie Buße tun und sich zu ihm von ihren bösen Wegen bekehren, wie in unseren heiligen Schriften steht.“ Der Môpêt sprach: „Ich habe gehört, daß du weise bist und siehe, du bist auch ein Mann alt an Jahren. Warum irrst du, betest du nicht die Sonne an und ehrst du nicht das Feuer, da doch der ganze Orient“‚) ihnen dient?“ Der Heilige sprach: „Gar sehr töricht handelt der Orient, da er den Schöpfer verließ und das Geschöpf anbetet. Auch habt ihr ihn durch eure abscheuliche Lehre irregeführt, die, was das Werk e i n e s Schöpfers ist, der Gott über alles ist, für viele Götter hält.“ Der Môpêt sprach: „Abscheulich nennst du die wahre Lehre, die der König der Erde festhält, du eines bösen Todes Sterbender?“ Der Heilige sprach: „Wo ist die Wahrheit eurer Lehre? Siehe, sie leugnet ja die Wahrheit, sie, die Geschöpfe für anzubetende Söhne hält.“ Der Môpêt sprach: „Jetzt tue den Willen des Königs und bete die Sonne an und du wirst von den dir bewahrten Peinen befreit. Ich schone dein Alter, daß du nicht im Blute in den Scheol hinabsteigst.“ ‚Akebschemâ sprach: „Schließe deinen Mund, Bösewicht, diesem abscheulichen Wort und rede nicht weiter so zu mir. Von Jugend an bin ich im wahren Glauben erzogen. Und jetzt im Alter ziemt es mir noch mehr, einen guten Namen zu haben, tapfer die Krone zu empfangen und dein böses Wort zu verachten und zu verwerfen.“ Da befahl der Bösewicht, ihn zur Geißelung auszuspannen. Bei den bitteren Hieben floß sein Blut und seine Füße waren in Ketten geschlagen. Der Gottlose sprach: „Wo ist dein Gott? Er komme und rette dich aus meinen Händen.“ Der Heilige sprach: „Mein Gott existiert und kann mich aus deinen unreinen Händen retten. Aber du rühme dich nicht. Denn du bist eine Blume, die verdorrt, und eine Blüte, die verwelkt. Du bist lebendig tot, da du nicht in Gott, deinem Schöpfer, lebst. Du stirbst den zeitlichen Tod und wiederum stehst du auf, um in Ewigkeit in der Hölle zu sterben. In diesem Feuer, das du ehrst, wird dein Leib mit deiner Seele im gerechten Gerichte Gottes gepeinigt.“ Da befahl er, daß er mit schweren Ketten gefesselt und in ein finsteres Gefängnis geworfen werde.

In denselben Tagen wurde der Priester Joseph von dem Dorfe Bêt Kâtôbâ ergriffen, ebenfalls ein herrlicher Greis von siebzig Jahren, voll Eifer für die Religion und in seinem Priestertum und Wandel ausgezeichnet und eifrig. Ebenso wurde ergriffen der Diakon Aitillâhâ aus dem Gebiete von Bêt Nûhadrâ, ebenfalls ein Greis von sechzig Jahren, scharf im Wort und widerlegend in der Rede, leidenschaftlichen Sinnes, von freundlichem Äussern, glühend von Gottesliebe und mächtig aus ganzer Seele Christus liebend. Man brachte sie gefesselt nach Arbel und stellte sie vor den nämlichen Môpêt Adôrkorkschîr. Dieser sprach: „Ihr eines bösen Todes Schuldige; warum betrügt ihr einfache, unschuldige Leute durch die Zauberei eurer Lehre?“ Der selige Joseph sprach: „Wir sind keine Zauberer, sondern wir lehren die Menschen die Wahrheit, damit sie sich von der Religion toter Bilder bekehren und leben“. Der Môpêt sprach: „Welche Religion ist die wahre, Unvernünftiger, diejenige, welche der König der Erde, die Vornehmen und Reichen festhalten, oder die eurige, die von armen und geringen Leuten?“ Joseph sprach: „Gott hat kein Wohlgefallen am Hochmut, der Größe und dem Reichtum dieser Welt. Deshalb sind wir hier gering und arm, um der Ehre der anderen Welt, welche diese auflöst, würdig zu sein.“ Der Môpêt sprach: „Weil ihr nicht arbeitet und euch nicht müht, in Müßiggang von Haus zu Haus (ziehend), seid ihr stolz und rühmt euch der Armut.“ Joseph sprach: „Wenn du uns schmähst und müßig nennst, so frag und sieh: wenn es uns gefiele, den Ertrag unserer Hände zu besitzen, so wäre er größer als der deine, den du dir durch Raub und Habgier sammelst. Denn wir geben ihn den Armen; ihr raubt ihn denselben.“ Der Môpêt sprach: „Sehr begehrt ist der Reichtum und jedermann liebt ihn. Wer soll dir glauben, wenn du sagst: wir hassen ihn?“ Joseph sprach: „Weil wir sehen, daß er ein vergänglicher Wanderer ist und bei niemand bleibt, lieben wir ihn nicht. Denn auch bei dir, der du ihn liebst, bleibt er nicht. Der Reichtum entflieht dem Reichen, der Ruhm dem Ruhmsüchtigen, und in der Unterwelt bleibt jedem Staub und Zertretung.“ Der Môpêt sprach: „Laß die vielen überflüssigen (Worte) und sag mir das eine Notwendige: Betest du die Sonne, den Gott, an und willst du den dir bereiteten Peinen entrinnen oder nicht?“ Joseph sprach: „Darüber täusche dich nicht, Gottloser, daß ich die Sonne anbete, von der ich viele gelehrt, daß sie nicht Gott, sondern ein Geschöpf ist.“

Da befahl er in großem Zorne, daß ihn zehn Männer ausspannen sollten. Und er wurde mit dicken Granatzweigen, deren Dornen nicht abgeschält waren, gepeitscht, bis er dem Tode nahe war. Er schaute zum Himmel und bat schweigend den Herrn um Hilfe und Stärkung, da sein ganzer Leib mit Blut gefärbt war. Und er erhob seine Stimme und sprach: „Ich bekenne Dir, Christus, Sohn Gottes, daß Du mich gewürdigt hast, daß ich mich in der zweiten Taufe wasche und von all meinen Schulden gereinigt werde.“ Als sie das hörten, entbrannten sie sehr und geißelten ihn noch mehr, bis an ihm keine gesunde, unverletzte Stelle blieb. Und er befahl, daß er in dem Gefängnis, in dem ‚Akebschemâ war, gefesselt werde.

Man brachte auch den tapferen Aitillâhâ vor ihn. Der Môpêt sprach: „Bete die Sonne an, trink Blut, nimm ein Weib, vollbringe den Befehl des Königs und du entrinnst der Folter und dem dir bestimmten Tode.“ Aitillâhâ rief: „Besser ist mir, zu sterben, um in Ewigkeit zu leben, als zu leben, um in Ewigkeit zu sterben. Trink du Blut; denn du bist ein gieriger Hund. Bete du die Sonne an; denn du bist blinden Herzens und siehst nicht das herrliche Licht, das in der Schöpfung aufging und dessen Verkündigung an alle Grenzen der Welt drang.“ Der Gottlose preßte seinen bitteren Grimm in sich zusammen und sprach: „Ο du, der du vom Leben zum Tod fliehst, wer wird dir deine Erklärung glauben, so daß er das Leben hasse und den Tod liebe, außer Schwachsinnige wie ihr?“ Der Heilige sprach: „Nenne dich selbst und deine irrenden Glaubensgenossen schwachsinnig. Denn ihr kennt die Wahrheit nicht. Unser Lehrer hat uns geschrieben, das Leben zu lieben, das ihr Tod nennt und den Tod zu hassen, den ihr Leben nennt.“ Da wurde der Gottlose von großem Zorn erfüllt und befahl, die Hände des Seligen unter seine Knie zu binden und ein dickes Holz über seinen Oberarmen und unter seinen Oberschenkeln durchzuführen, und je sechs Männer traten auf beiden Seiten auf das Holz, eine harte, erbarmungslose Marter, und sie begannen, ihn schrecklich zu geißeln eine lange Zeit. Denn er schmähte den Môpêt, nannte ihn unrein, schmutzig, Blut leckend wie ein Hund, einen frechen Raben, der sich auf Leichen niederläßt. Der Gottlose knirschte mit den Zähnen ergrimmt über die Schlagenden: „Warum wird er nicht gepeinigt, daß er nicht reden kann?“ In dieser Qual lösten sich seine Knochen und seine Gelenke wurden auseinander gerissen, so daß man ihn forttrug und zu seinen Gefährten in das Gefängnis brachte.

Nach fünf Tagen brachte man sie aus dem Gefängnis in den Garten in der Nähe des Feuertempels. Der Môpêt setzte sich zu ihrer Befragung und sprach: „Beharrt ihr noch in dieser bösen Gesinnung und gehorcht ihr nicht dem Befehle des Königs, ihr bösen Zauberer?“ Einmütig antworteten sie alle drei: „In e i n e m festen Willen, in e i n e r guten Gesinnung und in e i n e m rechten Glauben beharren wir, und so oft du fragst, werden wir darin erfunden. E i n e m Gott dienen wir und dem Befehle deines gottlosen Königs stimmen wir nicht zu. Bring herbei, was du willst, verwegener Frevler.“ Da brachte man dünne, leinene Stricke, streckte die Heiligen auf dem Boden aus und jedem legte man je drei hölzerne Prügel an Unterschenkel, Oberschenkel und Lenden, und starke Männer zogen (sie mit den Stricken) zusammen, bis das Krachen der Knochen und Bänder gehört wurde, indem sie zerbrochen und zermalmt wurden. Und wieder wurden sie gefragt: „Tuet den Willen des Königs und ihr sollt leben.“ Aber sie riefen laut: „Auf unseren wahren Gott hoffen wir; auf den Willen des Königs hören wir nicht“. Durch all diese Marter wuchs ihre Bewährung und verdoppelte sich ihr Sieg. Man trug sie hierauf wie leblose Leichen in das Gefängnis. Täglich marterten sie die unreinen Magier nach ihrem Belieben durch Schläge und Martern aller Art, durch Hunger, Durst und allerlei Drangsal. Man gestattete niemand, ihnen warme Kleider und eine Decke zu bringen, und weder Brot noch (andere) Nahrung konnte man ihnen bringen, da der Môpêt einen strengen Befehl erlassen hatte, daß jeder, der bei einem Besuch bei ihnen betroffen würde, hundert Streiche erhalten solle, sowie daß ihm Ohren und Nase abgeschnitten würden. Aber andere, dort festgehaltene Gefangene gingen in die Stadt, bettelten Brot und brachten es ihnen, weil auch die Wächter wegen ihres Alters mit ihnen sehr Mitleid hatten.

Nachdem sie drei Jahre gefangen gewesen waren, kam der König in die Provinz Mâdai. Jener Môpêt führte alle drei gefesselt vor, da sie nicht mehr Menschengestalt hatten, so daß, auch wer ohne Erbarmen war, wenn er sie sah, heftig weinte über die Pein und Schande, worin sie lagen. Er lieferte sie an den Hof und brachte sie vor Adarschâpûr, den Großmôpêt des ganzen Orients. Als sie vor ihn kamen, adorierten sie nicht. Es saßen aber dort viele Vornehme und Môpêts. Der gottlose Adarschâpûr fragte sie: „Seid ihr Christen?“ Die Heiligen antworteten: „Wir sind Christen und dienen dem einen Gott, dem Herrn von allem.“ Wieder sprach er: „Ihr seid Greise und ich sehe, daß große Pein und harte Folter über euch hinging, wie euer Aussehen kündet. Jetzt rate ich euch, euer selbst zu schonen, daß ihr nicht bitteren Todes sterbet. Betet die Sonne an; gehorchet dem Befehl des Königs; denn das Todesurteil ist über jeden gefällt, der auf diesem eurem Wege verharrt.“ Der selige ‚Akebschemâ antwortete: „Ich weiß, daß du in der gottlosen Gewalt, die du innehast, sehr geschäftig bist. Laß nicht ab, in dieser bösen Gesinnung gegen uns zu verharren, und laß dir auch nicht die geringste Hoffnung beikommen, daß jemand von uns dir darin gehorche. Beschleunige deinen Befehl, sei es zum Tode, sei es zu Martern, und zögere nicht. Deine Drohungen fürchten wir nicht; den Befehl des Königs vollziehen wir nicht, und die Wahrheit unseres Gottes lassen wir nicht im Leben und im Tode.“ Der Gottlose sprach: „Der Tod ist Freiheit und ich weiß, daß ihr ihn sucht. Aber ich gebe ihn euch nicht, bis ich euren Tod euren Augen zeige, in dem ihr auch jetzt steht. Hernach töte ich euch zur Abschreckung für die Zauberer, eure Glaubensgenossen.“ ‚Akebschemâ sprach: „Wir fürchten nicht deine Martern, noch deine Drohungen, noch dein Schwert. Jener Gott, der uns bis jetzt in den Martern deiner gottlosen Genossen stärkte, stärkt uns auch hier vor dir. Mit jeder Marter, mit der du willst, erprobe heute unser tapferes Greisenalter, prüfe unsere vertrauensvolle Geduld. Dann wird unsere Wahrheit in unserer Prüfung sichtbar und dein Irrtum in unserer Erprobung erkannt.“ Da befahl der Gottlose in großem Zorne, von dem Markte sieben Paar neue Peitschen (aus) rohem (Leder) zu bringen und sprach: „Bei der Sonne, dem Gott und der Fortuna Schâpûrs, des Königs der Könige, schwöre ich: Wenn ihr mir nicht den Willen tut, werde ich eure Leiber verderben, eure weißen Haare mit eurem Blute besprilzen und euer Fleisch schonungslos diesen Peitschen hingeben, auch wenn ihr schon tot seid, bis daß nichts davon übrig bleibt.“ ‚Akebschemâ sprach: „Weil du bei einem Nichtgott schwörst und bei einer Fortuna, die nicht ist, versprachst, fürchte ich, daß du deinen Schwur nicht ausführst. Wir stehen in der Wahrheit unseres Glaubens im Leben und im Tode. Unser Leib ist dir gegeben; unsere Seele vertrauen wir Gott an. Was du tun willst, tue rasch; denn wir warten darauf.“

Da befahl er in großem Zorn, und je fünfzehn Männer streckten ihn an den Armen aus und zwei Männer nahmen Peitschen und schlugen ihn, der eine auf die Lenden, der andere auf die Brust; in heftigem, bitterem Schmerze zerrissen sie sein Fleisch, und Blut und Fleisch floß zugleich von ihm. Als er wieder gefragt wurde: „wenn du den Willen des Königs tust, sollst du leben und gerettet werden“, sprach der Heilige laut, solange er Kraft hatte, zu reden: „Den Willen des gottlosen Königs verwerfe ich und im Willen meines heiligen Gottes verharre ich.“ Er wurde ohnmächtig und konnte nicht mehr reden. Und wiederum rief man ihm zu: „Wenn du den Willen des Königs tust, wirst du ge- G.1: ἑπτὰ ζυγὰς ὠμοβύρσων (G.3: βουνεύρων). rettet werden und leben.“ Der Heilige winkte mit dem Kopfe aufwärts: nein. Und in dieser Ausdauer entwich die Seele des Helden, während die ihn peitschten, nicht aufhörten, und die ihn ausspannten, nicht nachließen, so daß sie, als er schon tot war, noch lange seinen Leib mit Schlägen zerrissen und daß seine Schultern und Arme durch das harte Ausspannen losgetrennt wurden. Als die, welche ihn ausspannten, merkten, daß er bereits tot war, ließen sie ihn aus und er fiel nieder; sein Kopf wurde unter seinen Leib gedrückt und er brach das Genick. Sie schleppten ihn fort, warfen ihn hinaus und setzten Wächter an seine Leiche. Nach drei Tagen wurde sein Leib heimlich durch die List einer armenischen Königstochter weggenommen, die als Geisel in einer Festung in Mâdai festgehalten wurde.

Der herrliche ‚Akebschemâ wurde am zehnten des ersten Tischri der Mondrechnung (Oktober) gekrönt.

Nach ihm wurde der selige Joseph herbeigebracht. Der Môpêt Adarschâpûr sprach: „Siehst du, in welcher Pein dein törichter Genosse starb, weil er nicht gehorchte und den Willen (des Königs) tat. Jetzt gehorche du als Verständiger; bete die Sonne an; vollziehe, was der König befiehlt und du sollst leben und dem bitteren, dir bewahrten Tod entrinnen.“ Der heilige Joseph sprach: „Die Sonne bete ich nicht an, weil sie nicht Gott ist; was der König befiehlt, tue ich nicht, weil er Böses befiehlt; unseren Gott, den Schöpfer, vertausche ich nicht mit geschaffenen Göttern; tue, was du willst.“ Da befahl er in großem Zorn, daß die dreißig Männer auch ihn ausspannen sollten und er wurde mit diesen harten Peitschen geschlagen, bis sein ganzes Fleisch eine Beule wurde, wobei man auch zu ihm sagte: „Tue den Willen des Königs und du wirst gerettet.“ Der Heilige aber sprach: „Gott ist einer und es ist kein anderer außer ihm; einer ist unser Glaube und unsere Wahrheit und wir drei beharren in e i n e m Willen.“ Nachdem man ihn mit diesen bösen Schlägen sehr gepeinigt, verstummte seine Seele in ihm. Sie hielten ihn für tot, ließen ihn aus und er fiel ebenfalls zu Boden. Sie schleppten ihn fort und warfen ihn hinaus. Bald darauf merkte man, daß er noch lebe. Und er befahl, ihn zu bewahren.

Auch der Held Aitillâhâ wurde herbeigebracht und der Gottlose sprach: „Wenn du nicht hartnäckig bist wie deine Vorgänger, die eines bösen Todes starben, so tue den Willen des Königs, bete die Sonne, den Gott, an und du sollst leben und Ehre und Geschenke von uns erhalten.“ Der heilige Aitillâhâ antwortete: „Ich wundere mich über deine geistige Blindheit, der du nicht siehst. Wahrlich, du bist ein unvernünftiges Tier. Denn sieh, diese, die an Jahren älter sind als ich, haben ausgehalten und durch den Tod, den sie durch dich erlitten, ewige Ehre erworben. Ziemt es mir nicht, noch tapferer zu sein und mit ihnen den guten Namen und die herrliche, unvergängliche Krone zu erlangen? Somit beharre ich in meiner Wahrheit und auf den Befehl deines Königs, der ein Feind alles Guten und ein Gegner alles Schönen ist, höre ich nicht.“ Als der Gottlose den Schimpf des Königs hörte, wurde er sehr verwirrt; er veränderte seine Gesichtsfarbe und befahl, daß ihn zwanzig Männer an jedem Arm ausspannen und starke Männer mit jenen bitteren Geißeln schlagen sollten. So schlugen sie ihn ohne Erbarmen wie einen Stein und gefühlloses Holz, bis sein ganzer Leib zerrissen und zerfleischt war. Der Held sprach laut: „Gar schwach und gering sind deine Martern, du Unreiner und Kraftloser. Wenn du Willfährige hast, bringe neue herbei, damit meine Seele noch mehr befestigt werde und mein Leib gänzlich erstarke.“ Der Môpêt sprach zu seinen Beisitzern: „Was ist das, daß diese Zauberer so nach dem Tode verlangen, wie ein Hungriger nach Brot und Wasser?“ Diese sagten: „Sie stimmen mit ihrer Lehre überein, die ihnen eine andere, unsichtbar‘ Welt verkündet.“ Alle Glieder des Athleten lösten sich durch diese harten Schläge; seine Schultern und Arme wurden von ihren Stellen losgerissen; Knochen trennten sich von Knochen; Gelenk löste sich von Gelenk wegen der erbarmungslosen Ausspannung; bloß die Haut blieb dazwischen. Während zwei Männer standen und ihn hielten, sprach der Gottlose: „Wenn du den Willen des Königs tust, befehle ich den Ärzten, dir Hilfe zu leisten, daß du gesundest.“ Der Selige sprach: „Gar wenig ist es, was du von den Arzneien gesagt. Aber wenn du auch nur ein Wort sagen würdest und ich geheilt würde, so glaube ich dir doch nicht; ich lasse meinen Gott nicht, der Himmel und Erde gemacht, und bete nicht die Sonne, sein Geschöpf, an, das er zum Nutzen der Menschen gemacht.“ Der Môpêt sprach: „Was bleibt an dir, das lebt und hält, auch wenn du den Willen (des Königs) tun und leben willst? Aber ich will euch zum bösen Beispiel für alle Frechen gleich euch machen.“ Der Heilige sprach: „Du hast gut prophezeit wider Willen. Denn ein gutes Beispiel sind wir für alle Treuen gleich uns, und als herrlichen Ruhm hinterlassen wir den nach uns kommenden Geschlechtern den großen Kampf unseres Streites, die offenkundige Geduld unseres Sieges und die unvergängliche, unserem Greisenalter geflochtene und bewahrte Krone, die in der Herrlichkeit unseres Herrn am jüngsten Tage erneuert wird.“

Da rief Adarschâpûr den Adôrkorkschîr, den Môpêt von Hdajab, und sprach: „Wenn diese beiden Toren am Leben bleiben, so bring sie dorthin, damit sie dort von allen ihren Religionsgenossen gesteinigt werden. Deshalb ließ ich sie, ohne sie hier zu töten.“ Man richtete für sie zwei Esel, um sie ihnen aufzuladen. Nachdem man sie aufgeladen und fortzog, glichen sie einer leblosen Last, da man sie sogar mit Stricken auf die Esel gebunden hatte, damit sie wegen der Lostrennung der Knochen, der Zerreißung der Gelenke und der Zerfleischung der Leiber nicht herabfielen. Sobald sie in die Station kamen, warfen sie sie, von Haß erfüllt, wie Holz und Stein von den Eseln, brachten sie nach Arbel und warfen sie ins Gefängnis. Da lagen die Heiligen wie kalte Leichen, und Blut und Eiter floß aus ihren Wunden. Man setzte Wächter hin, damit kein Glaubensgenosse zu ihnen komme.

In der Stadt war eine vornehme, christliche Frau, deren Andenken zum Segen sei, deren Namen wir in einem der Kapitel geschrieben. Sie ehrte die Zeugen Gottes und alle, die in Arbel um Christi willen gefangen waren, erhielt sie mit ihrem (Vermögen). Als sie hörte, daß die Zeugen Gottes so bedrängt waren, ließ sie den Gefängnisvorsteher zu sich kommen und bat ihn mit vieler Bestechung, daß sie zu ihr kommen (dürften), damit sie sie sehe. Er versprach es ihr, trotzdem er fürchtete. Sie sendete nun ihre Knechte, die sie nachts in ihr Haus brachten. Sie nahm Linnen, verband mit eigener Hand ihre Wunden, legte ihren Mund auf ihre gebrochenen Hände und zerrissenen Arme, küßte sie und weinte schluchzend über die Qual dieser beiden heiligen Greise, die gleichsam ohne Bewegung und Leben vor ihr lagen. Joseph sprach: „Nicht wie eine Vollkommene handelst du, da du über mich weinst,“ Sie sprach: „Nicht über euren Tod, Herr, weine ich. Denn es wäre mir eine große Freude, wenn ihr bereits getötet wäret. Sondern darüber bin ich betrübt, daß ihr in dieser bitteren Pein verbleibt.“ Er sprach: „Diese Pein ist nur Erquickung. Denn der Herr sagt: ,Wie schmal und eng ist der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden.‘ Und: ,Wer aushält bis zum Ende, wird leben.“ Und der Apostel bezeugt von sich selbst: ‚Dreimal wurde ich gegeißelt, einmal gesteinigt‘ und (er sagt, daß Leute in großer Pein waren, deren die Welt nicht wert war. Freue dich als Gläubige, wenn der Kampf der Christen lange dauert und sie aushalten; denn (dadurch) mehrt sich ihr Lohn und mehrt sich ihre Krone.“ Als der Morgen kam, brachte man sie (wieder) in das Gefängnis und sie waren dort sechs Monate in unsäglicher Pein bis zum Monat Nisan (April).

Jener frühere Môpêt wurde gewechselt und es kam statt seiner ein anderer namens Zardhûscht, ein unreiner Hund, schlimmer als der erste und er brachte einen harten Befehl des gottlosen Königs mit, daß alle Laien, die auf dem Wege des Christentums beharrend erfunden würden, gezwungen werden sollten, ihre Visitatoren zu steinigen. Da entstand große Erregung und harte Pein. Es flohen freie Männer und Frauen, die wenigen Gläubigen, die in der Provinz waren, und versteckten sich im Gebirge an verborgenen Orten aus Furcht, um nicht unschuldiges Blut zu vergießen. Als dieser gottlose Zardhûscht kam und in den Feuertempel anzubeten ging, sagten ihm die Feuerdiener: „Es sind hier zwei Zauberer von denen, die Christen genannt werden, die drei Jahre und ein halbes hier im Gefängnisse sind und die der Môpêt Adôrkorkschîr viel folterte; aber sie taten durchaus nicht seinen Willen. Sofort befahl er, sie vor ihn zu bringen und sprach grob und hart: „0 hartnäckiges und verwegenes Volk, hat euch noch nicht erschüttert der große und strenge Befehl Schâpûrs, des Königs der Könige und Herrn der ganzen Welt, der große Reiche verwüstete, starke Städte eroberte, viele Provinzen unterwarf und alle (Himmels-) gegenden unter seine Füße trat? Ihr aber sitzet in seinem Land und seinen Städten, empört euch gegen ihn, verwerft sein Gesetz und verachtet seine Befehle.“ Der selige Joseph antwortete mit lauter Stimme: „Wenn wir, wie du sagst, Rebellen gegen den König sind, und Feinde, wie du uns anklagst, warum hat er nicht starken Kampf bereitet und tapfere Männer mit Waffen, Bogen und Köcher ausgerüstet und gegen uns gesendet, wie gegen jene Völker, die du genannt, sondern hat er dich gesendet, dich Schwachherzigen und Furchtsamen, der du sogar den Laut eines rauschenden Blattes fürchtest. Denn du hast keine Übung in der Jagd mit Männern im Felde, sondern dein ganzer Umgang besteht im Müßiggang mit Frauen im Schlafgemach. Deshalb schäme dich bei dir selbst, daß du nicht kommst, Rebellen gegen den König zu unterdrücken, sondern daß du gesendet wurdest, in der Wahrheit Schwache zu verführen und zu Rebellen gegen Gott zu machen. Nun aber tropft dein verderblicher Rat nicht in unsere Ohren, der treuen Freunde des treuen Herrn.“ Der Môpêt sprach: „Gottloser Zauberer, du beschimpfest und schmähest mich so sehr, während ich mit dir langmütig bin, indem du glaubst, ich werde dich sofort enthaupten, so daß du den Martern entrinnst, die ich lange Zeit über dich verhängen werde. Aber jetzt schweige ich, bis ich Gelegenheit finde zu tun, wie mir befohlen wurde.“ Der Heilige sprach: „Ich weiß, daß du listigen Herzens bist und still wie eine Zauberschlange (ἀσπίς), die zu beißen dürstet, und daß dein Leib (aus Haß) grün gefärbt ist wie eine böse Viper (ἐχίδνα), die nach Verderben hungert. Offenbare nunmehr deine heimtückische Kunst; zeig deine verwegene Macht; zücke dein mörderisches Schwert; kühle deine Bitterkeit in unserem unschuldigen Blute, du ewigen Gerichtes und ewiger Strafe Schuldiger, und schick uns rasch zu den großen Reichtümern, dorthin, wohin wir zu kommen erwarten, in jenes Reich, das euer Reich zerstört und eure vergängliche Macht endet.“

Da befahl er, ihn kopfüber an den Zehen mit neuen Stricken aufzuhängen, und mit ungegerbten Peitschen schlug man ihn bitter auf seine Wunden, daß Blut und Eifer aus seinem Rücken, seiner Brust und seinen Seiten floß. Viele von den Umstehenden weinten sehr über die Qualen und Peinen des ehrwürdigen Greises, und die Magier flüsterten ihm zu: „Wenn du dich wegen der zuschauenden Menge schämst, so führen wir dich in den Feuertempel; bete dort heimlich das Feuer an und du bist gerettet.“ Der Unschuldige sprach laut: „Weichet von mir, Kinder des Feuers und Freunde des Feuers. Nähret das euch Verzehrende und dienet dem euch Verderbenden, solange dessen Zeit ist.“ Ungefähr zwei Stunden hing er kopfüber in dieser harten, erbarmungslosen Qual. Dann befahl der Môpêt , ihn herabzunehmen und sprach: „Gehorchst du auch jetzt nicht, daß du lebst, verwegener Schwätzer?“ Der Heilige sprach: „Von deinen Händen will ich auch nicht leben.“ Der Môpêt sprach: „Wenn ich dir den Tod gebe, nimmst du ihn an?“ Joseph sprach: „Der Tod von dir ist mir Leben, das Leben von dir ist Tod.“ Der Môpêt sprach: „Deinem Leib habe ich das Leben genommen; nur ein Atem atmet noch in dir; auch den vernichte ich durch böse Qualen, die ich neuerdings über dich bringe.“ Joseph sprach: „Meine Seele kannst du nicht verderben. Denn es steht uns geschrieben: ‚Fürchtet nicht den, der den Leib tötet, die Seele aber nicht verderben kann; sondern fürchtet den, der Leib und Seele tötet und beide in die Feuerhölle wirft.‘ Du hast durch diese deine Macht meinen Leib zerstört; aber meiner Seele kannst du die gute Zukunftshoffnung nicht zerstören, noch die uns verheißene Auferstehung des Lebens, worin euch Gottlosen Weinen und Zähne-knirschen in Ewigkeit der Ewigkeiten bereitet ist.“ Höhnend sprach der Gottlose: „Wenn es dort so ist, wie du gesagt, mit welchem Verderben vergiltst du mir ? “ Der Selige sprach: „Der milde Herr hat befohlen: Segnet den, der euch flucht, und tuet Gutes dem, der euch haßt und verfolgt.“ Lachend sprach der Gottlose: „Also bist du schuldig, mir dort Gutes zu tun für das Böse, das ich dir hier tue.“ Der Selige sprach: „In jener Welt kann niemand dem anderen Gutes tun. Aber in dieser, in der du bist, bete ich für dich, daß du dich zu Gott bekehrest, daß er sich deiner erbarme und du erkennest, daß er ist und kein anderer außer ihm.“ Der Gottlose sprach: „Laß das, was du in jener Welt erklärst. Denn sieh sogleich sende ich dich dorthin, wenn du den Willen des Königs nicht tust.“ Der Heilige sprach: „Auch mein Sehnen ist es, daß du mich bald in jene Welt sendest, um derentwillen ich dieses ertrage.“ Der Gottlose sprach: „Ich will durch deinen Anblick viele in Furcht und Zittern versetzen.“ Der Heilige sprach: „In den Peinen, in denen ich stand, wurde ich herrlich erfunden; die anderen, die du über mich bringst, ertrage ich tapfer. Den Kindern und Jünglingen, die auf mein Greisenalter sehen, hinterlasse ich ein gutes Beispiel, daß sie mutig deinen Hochmut verschmähen und deine Anmaßung verachten, die ich, der Greis, besiegt durch eigene und Gottes Kraft, der mich gestärkt, da ich meinen Willen dir nicht hingab, noch bis zum Ende meines Lebens hingebe.“ Da befahl er, ihn wegzunehmen, weil er nicht stehen noch gehen konnte und man brachte ihn in das Gefängnis.

Hernach sprach der Môpêt zu dem seligen Aitillâhâ: „Verharrst auch du bei deiner rebellischen Gesinnung; gehorchest du nicht und betest du nicht mit uns die Sonne an, daß du lebest?“ Aitillâhâ sprach: „So wahr mir Christus, der Sohn Gottes, lebt, auf den ich in Wahrheit hoffe: fester als alle verharre ich bei dieser rechten Gesinnung; den Schöpfer vertausche ich nicht mit seinen Geschöpfen und die Anbetung des Schöpfers erweise ich nicht seinen Werken.“ Da befahl er, daß auch dieser wie sein Genosse kopfüber aufgehängt werde. Und da er lange Zeit in dieser Pein hing, schrie er: „Ich bin Christ; ich bin Christ; jeder höre, daß ich Christ bin und um dieses Namens willen solches dulde.“

Es war dort ein Manichäer im Gefängnis, der ebenfalls zur Folter und Geißelung gebracht wurde. Sofort verleugnete er seine Irrlehre und seinen falschen Glauben entsprechend ihrer lügnerischen und laxen Gewohnheit. Man ließ nun den heiligen Aitillâhâ herab, daß er ihn sehe: „Sieh, er hat in allem unseren Willen getan.“ Und als er sah, daß er verleugnet und die Ameise getötet, die sie lebende Seele nennen, da wurde sein Gesicht von Freude erfüllt; seine Farbe wurde rosig; er tanzte mit dem Fuße und sprang und seine abgestorbenen Arme schwankten, indem sie wie Rockärmel herabhingen. Er rief laut: „Wehe dem Mann, wehe ihm; denn er ist schuldig und hat seinen Gott, der nicht ist, zugleich verurteilt. Selig bin ich, der ich gesiegt und in dem Christus, der Heilige, der Sohn Maria, gesiegt, der von Anfang und in Ewigkeit ist.“ Als der Verfluchte das hörte, wurde er verwirrt und befahl, ihn mit harten Ruten zu schlagen, bis er bewußtlos schwieg. Man schleppte ihn hinweg und warf ihn hinaus nackt und bloß, weil er keine Hände hatte, einen Lendenschurz (περίζωμα) anzuziehen. Ein Magier, in dem die Natur Adams sich regte und menschliche Barmherzigkeit glühte, trat hinzu, warf seinen Mantel über ihn und deckte ihn zu, um ihn dem Spott und Hohn frecher Blicke zu entziehen. Böse Genossen, die es sahen, klagten ihn bei dem Môpêt an, der befahl, ihn zur Geißelung auszuspannen. Er erhielt zweihundert Rutenstreiche, bis er bewußtlos wurde. Vielleicht erhielt er deshalb einen Tropfen Barmherzigkeit. Den seligen Aitillâhâ nahm man weg und warf ihn in das Gefängnis.

Nach fünf Tagen kam Schâpûr Tamschâpûr in sein Dorf Bêt Tabâhâ, das mit Recht so (Metzgerhausen) heißt, da die Menschenschlächterei jederzeit von dort ausging, und es brachte sie der Môpêt dorthin und stellte sie vor ihn. Tamschâpûr sprach: „Trinket Blut und ich lasse euch frei und ihr sollt nicht sterben; denn ich schone eures Alters.“ Die beiden Heiligen sprachen: „Trinket ihr Blut, die ihr heimlich und öffentlich Bluttrinker seid.“ Da sie gezwungen werden sollten, befahl er, daß sie gepeitscht würden. Es traten nun Leute zu ihnen, als ob sie Mitleid hätten und sprachen: „Wir machen euch Rosinensaft ähnlich dem Blut und bringen es euch; trinket und ihr werdet nicht sterben.“ Die Heiligen sprachen: „Ferne sei uns, unser Greisen alter zu beflecken und unseren Glauben und unsere Wahrheit um feindseliger und verkehrter Menschen willen zu verbergen.“ Da erhielten sie je vierzig Peitschenhiebe. Wiederum sprach der Gottlose: „Man bringe euch reines Fleisch; nicht Opferfleisch, noch Fleisch von einem verendeten (Tiere); esset und ich lasse euch frei.“ Sie sprachen: „Reines Fleisch aus deinen Händen ist immer unreines Opferfleisch, und die Ausführung deines Befehles ist immer unreine Gottlosigkeit. Für uns ist das überflüssig. Denk nun daran, uns zu töten, damit wir durch eure Hände rasch geopfert werden.“

Da beschlossen der Môpêt und Tamschâpûr miteinander, vornehme Männer und Frauen, die den Christennamen trugen, aus Arbel und Umgebung zu sammenkommen zu lassen, um den einen von ihnen dort zu steinigen. Es wurde nun eine große Schar von Männern, Frauen und Kindern ergriffen, um sie an ihm zur Sünde zu zwingen. Auch die ehrwürdige Jazdândôcht wurde ergriffen, damit sie komme und auf ihn einen Stein werfe. Man brachte nun den heiligen Joseph vor den gottlosen Tamschâpûr und stellte ihn in ihre Mitte, da seine Gestalt von den Menschen zerstört war, und er stand unter jenen Erbarmungslosen ohne Erbarmen und Mitleid. Es saßen dort der Môpêt, viele Herren, Vornehme und Magier. Während ein Mann den seligen Joseph stehend hielt, daß er nicht falle, winkte er dem Môpêt, daß er zu ihm komme, als wolle er ihm etwas sagen. Der Unreine erhob sich in großem Eifer, da er glaubte, er wolle ihm den Willen tun, und er trat zu ihm, um mit ihm zu sprechen. Joseph nahm den Mund voll Speichel, spie ihm plötzlich das Gesicht voll und sprach: „Du Unreiner und Befleckter, schämst du dich nicht, daß du mich, der ich vom Leben (bereits) gelöst bin, wieder zur Befragung bringst? Weißt du nicht aus all diesen Peinen, die ich erduldet, daß ich bis zum Tode bei meiner Wahrheit beharre?“ Da lachten Tamschâpûr und jene Herren heftig über den Môpêt, und er schämte sich sehr, da sie sagten: „Wer zwang dich denn, zu ihm zu gehen?“ Sofort führte man ihn hinaus zur Steinigung; auch führte man ungefähr fünfhundert Menschen hinaus mit Gewalt, in großer Betrübnis, damit sie ihn steinigten. Man grub in der Erde (eine Grube), band ihn und setzte ihn hinein bis zu den Lenden. Dann begann man die Leute zu zwingen, auf ihn mit Steinen zu werfen. Auch jene Selige zwang man, auf ihn einen Stein zu werfen. Aber tapfer und mutig beharrte sie bei ihrer Treue und rief: „Niemals haben Frauen Männer getötet, wie ihr hier erzwingt. Aufgegeben sind die Kämpfe und Kriege mit den Feinden und ihr habt Muße zum Schlachten’und Blut (vergießen) im friedlichen Lande.“ Da band man einen Griffel an die Spitze eines Rohres und sagte zu ihr: „Wenn du keinen Stein auf ihn wirfst, so nimm das, strecke es aus und stich ihn ein wenig, damit wir sagen können, du habest den Willen des Königs getan.“ Da jammerte sie laut: „Besser ist es mir, es in meinen Leib zu stoßen als in den des heiligen Kämpfers Gottes. Wenn ihr die Macht habt, mich zu töten, so werde auch ich mit ihm sterben. Ferne sei es mir, meine Hand in das Blut des Heiligen zu tauchen, das ihr vergießt“. Infolge der Steine, die ihn trafen, mischte sich Blut und Gehirn des Seligen. Sie warfen auf ihn, bis sich über ihm ein großer Haufen erhob und bloß sein Haupt (sichtbar) blieb, das hierhin und dorthin schwankte und sich neigte. Und da er lange nicht starb, befahl einer der umstehenden Herren einem Soldaten. Dieser nahm einen großen Stein und schlug ihn auf den Kopf und sofort entwich seine Seele. Drei Tage setzte man Wächter neben seine Leiche. Am Morgen des vierten Tages war ein großes Beben; Donner erschütterte die Erde; schwerer Hagel fiel vom Himmel; ein heftiger Wind wehte; furchtbare Blitze erschreckten die Menschen, so daß auch die Wächter an ihrem Leibe von dem herabkommenden Feuer und Schwefel getroffen wurden. In jenem Beben wurde der Leib des Zeugen hinweggenommen und verborgen; ob von Gott oder von Menschen, wissen wir nicht, weil er nirgends mehr gesehen und bekannt wurde. Der Heilige wurde am Freitag der ersten Pfingstwoche gekrönt.

Den Aitillâhâ brachte Tamschâpûr in das Gebiet von BêtNühadrä in ein großes Dorf, namens Dastegerd. Auch dort ließ man den Herrn und die freien Männer und Frauen des Gebietes von Bêt Nûhadrâ kommen, die den Christennamen trugen. Man führte den Seligen außerhalb des Dorfes an einen hochgelegenen Platz, fesselte ihn und zwang alle diese Leute, auf ihn Steine zu werfen. Man errichtete über ihm einen großen (Stein) haufen und er starb sogleich. Auch neben ihn setzte man zwei Tage lang Wächter. In der Nacht des dritten Tages kamen die dortigen Christen heimlich, stahlen seinen Leichnam und ehrten ihn in Furcht entsprechend dem, was geschah.

In jenen Tagen geschah dort ein großes Wunder; am Ort der Steinigung ging eine Myrte auf und wuchs empor, so daß die Bewohner der Gegend fünf Jahre im Glauben von ihm Heilung erlangten. Hernach wurde sie von jemand aus Neid ausgerissen. Auch bezeugen glaubwürdige Leute: wir sahen oft nachts an dem Orte, wo er gesteinigt wurde, Heere von Engeln auf- und absteigen und Gott loben. Der Heilige wurde am Mittwoch der letzten Pfingstwoche gekrönt.

Mit Simon und den Seinigen begann die vierzigjährige Verfolgung im dreißigsten Jahre Schâpûrs und mit ‚Akebschemâ und den Seinigen schloß sie in seinem siebenzigsten Jahre. „Wir haben die Geschichte der Leiden, Foltern, Qualen, Peinen, Hinrichtung und Steinigung der heiligen Zeugen, ihrer Liebe und Geduld und ihrer wahrheitsgemäßen Antworten an die Richter aus den korrekten Aufzeichnungen, die wir in den Hymnen der Väter fanden, auch wenn sie von ihnen einfach, ohne Trennung niedergeschrieben wurde. Aus dieser ihrer Anschauung ließen wir dieses herrliche Bild des großen Ruhmes und der gepriesenen Tüchtigkeit ihrer Tapferkeit erstehen. Wir schrieben es in unserem ersten Buche und dehnten unser Wort über alle heiligen Zeugen der Gebiete des Orients aus. Und da wir Urteil und Hinrichtung der einzelnen nicht aussondern noch die Namen aller schreiben konnten, haben wir ihr Gericht wie e i n Gericht und ihren Triumph wie e i n e n Triumph zusammengestellt.“ „Der Leser glaube aber nicht, daß, was wir im ersten Buche geschrieben, von der Besteuerung unseres Volkes, der Hinrichtung Simons, des Bischofs von Seleucia und Ktesiphon, und dem großen Schlachten der Zeugen im Gebiet von Bêt Hûzâjê im zweiunddreißigsten Jahre des Perserkönigs Schâpûr geschah. Sondern eher diese Zeit ist der Anfang unserer Verfolgung.“ Denn wir wollten damit nur eine Grundlage für unsere Darstellung schaffen. „Sag auch nicht: Wo geschahen jene bitteren Foltern und Martern und die bösen Todesarten, die im ersten Buche geschrieben sind. Sondern wer so sagt, lasse sich von uns überzeugen, daß wir nur wenig aus vielem darstellen konnten. Alle Zeugen, die am Hofe des Königs getötet wurden, wurden durch das Schwert hinweggerafft. Diejenigen aber, welche durch die Môpêts fielen, von denen nicht einmal Namen und Heimat uns bekannt wurden, wurden gepeinigt und gequält, wie wir schrieben. Die meisten früheren Martern und Leiden, die wir aufgeführt, wurden den Zeugen, den Dienern Gottes in den Städten von Pârs durch böse Môpêts angetan, die dort die Macht hatten. Von den anderen Zeugen, deren ganzes Zeugentum, Gericht und Tod wir niederschrieben, gaben manche in unseren Tagen Zeugnis und wir sahen sie. Die genaue Geschichte derer, die vor uns waren, haben wir aus dem Munde greiser, wahrheitsliebender und vertrauenswürdiger Bischöfe und Priester niedergeschrieben. Diese sahen sie nämlich mit ihren Augen und lebten in ihren Tagen.“

Mâr ‚Abdâ und Genossen

Bekenntnis des seligen Mâr ‘Abdâ, des Bischofs von Hôrmîzd Ardaschîr, der Priester Hâschû und Isaak, des Schreibers Aprem, des Hypodiakons Pâpâ, der Laien Dâdûk und Dûrtân und des Pâpâ, des Bruders des heiligen Mâr ‘Abdâ.

Im zweiundzwanzigsten Jahre des persischen Königs Jezdegerd (I.) erhob sich ein schwerer Sturm der Feinde gegen unser Volk. Die Großen des Königs und die regierenden Magier klagten unser Volk an und sprachen vor dem König: „Diese Nazarener, die Bischöfe, Priester, Diakone und Bundessöhne heißen, übertreten deinen Befehl, verachten deine Majestät, schmähen deine Götter, verspotten Feuer und Wasser, reißen die Gestelle unserer Feuertempel nieder und verachten unsere wichtigen Gesetze.“ Darüber erregt und erzürnt versammelte der König alle Großen seines Reiches und befragte sie über uns: „Ist das so, wie ich höre?“ Die Großen und Magier verstärkten noch ihre Hetze gegen unser Volk, und infolge dessen erging ein scharfer Befehl des Königs: im ganzen Reiche sollten die Kirchen und Klöster zerstört, der Dienst darin aufgehoben, die Priester und Vorsteher ergriffen und an den königlichen Hof gebracht werden.

Als der Befehl die Nazarener sammelte und an den Hof des Königs brachte, brachte man zuerst die Schar dieser Heiligen gefesselt aus ihrer Stadt an den Hof. Als der König hörte, daß alle in Fesseln gekommen seien, befahl er, sie vor ihn zu bringen. Er fragte: „Warum verachtet ihr unseren Befehl und neigt euch nicht vor der von unseren Vätern überkommenen Lehre, sondern wandelt im Willen eures Herzens auf dem Wege des Irrtums?“ Die Herrlichen sprachen: „Wir folgen nicht der Lehre der Menschen, die befiehlt, viele Götter, Herren, Elemente und Lichter zu ehren, den Schöpfer aller Geschöpfe aber zu verachten und zu schmähen. Sondern wir beten den Schöpfer des Alls an, die zu unserem Gebrauche geschaffenen Geschöpfe unterwerfen wir, wie sie uns gegeben sind.“ Der König sprach zu Mâr ‘Abdâ, dem Bischof: „Warum kümmerst du dich, da du Haupt und Vorsteher dieser bist, nicht darum, daß sie meine Majestät verachten, unseren Befehl übertreten und ihrem Willen nachgehen? Unsere Gebetshäuser und die Gestelle der Feuertempel, die wir von den Vätern unserer Väter zur Verehrung empfangen haben, reißt ihr nieder und zerstört sie.“ Der selige ‘Abdâ sprach: „Die Magier hetzen gegen uns durch Lügen vor eurer Majestät; wir haben nichts getan.“ Der König sprach: „Ich rede nicht Gewalt, noch (falsche) Anklagen; ich habe es von den Kommissären erfahren.“

Da sprach der mit Gottes Kraft bekleidete Priester Hâschû: „Wir haben kein Gestell Gottes, noch einen heiligen Altar umgestürzt.“ Der König sprach: „Ich habe nicht dich gefragt, sondern den, der größer ist als du; er schuldet mir Antwort.“ Der selige Hâschû sprach: „Unsere Lehre befiehlt, daß weder Großer noch Kleiner sich des Wortes Gottes schäme, wenn er vor dem König befragt wird. Ferner hat unser Lebendigmacher gesagt: ,Ich werde euch geben einen Mund und Weisheit, der eure Verfolger nicht widerstehen können.‘ Deshalb ist unser Wort wahr, ob es von einem Großen oder Kleinen gesprochen wird.“ Der König sprach: „Was ist deine Lehre, o Frecher, daß du statt deines Meisters sprichst und für dein Volk Eifer anziehst?“ Der Herrliche sprach: „Ich bin Messianer, der Diener des lebendigen Gottes, dem niemand vorwerfen und sagen darf: Was tust du?“ Der König sprach: „So ist es also wahr, daß du ein Feuergestell umgestürzt, das Feuer ausgelöscht und unseren Befehl übertreten hast.“ Der selige Hâschû sprach: „Das Ge- stell habe ich umgestürzt und das Feuer ausgelöscht. Denn es ist nicht Gottes Haus; noch ist das Feuer Gottes Tochter, sondern Magd und Dienerin für Könige und Niedrige, für Reiche, Arme und Bettler. Aus dürrem Holze wird es geboren; zum Gebrauche gibt es Gott wie die übrigen Geschöpfe im Himmel und auf Erden, die zu unserem Gebrauche geschaffen sind. Wir sollen von den Gott geschaffenen Geschöpfen geehrt werden, und dafür soll ihr Schöpfer von uns angebetet und geehrt werden.“

Wiederum fragte der König: „Wer von euch hat das Feuergestell herausgerissen und es gewagt, seine Hand gegen das auszustrecken, worin unsere Macht besteht?“ Der herrliche Hâschû sprach: „Mache nicht groß, o König, was dir gegeben ist, und stelle nicht über dich, was kleiner ist als du. Denn wie der Mensch vorzüglicher ist als das Haus, das er bewohnt, und ehrwürdiger als der Besitz, den er gebraucht, so ist der Mensch größer und erhabener als das Feuer, dem ihr dient. Ihr haltet für Gott, was zum Gebrauche des Menschen geschaffen ist, aber wenn es aus irgendeinem Grunde den Menschen oder seine Habe ergreift, ihn verzehrt…. „.

Narsê

Zeugnis des Bundessohnes Narsê aus Bêt Râzîkâjê, der in Seleucia und Ktesiphon in den Tagen des Königs Jezdegerd und des Môpêt Adârbôzî Zeugnis gab.

Dieser Narsê war vor seinem Zeugentum ein reiner, heiliger Mann, der vollkommen wandelte und Christo diente. Er wandelte in Fremdlingschaft und war abgetötet bezüglich aller Hindernisse der Welt. Es war nun ein Priester, namens Schâpûr, ein Freund des seligen Narsê. Ferner war ein Mann, namens Adârparwâ, der dem Magierglauben anhing und infolge eines bösen Geistes krank war. Dieser kam zu dem Priester Schâpûr, um von seiner Krankheit geheilt zu werden. Schâpûr sprach: „Wir Christen haben keine Arzneien noch Kräuter, durch die wir heilen; sondern im Worte Gottes und im Glauben an Christus (heilen wir). Wenn du den Glauben der Magier an Sonne und Feuer verleugnest und an Gott glaubst, wird dir Heilung und Hilfe.“ Adârparwâ bat den Priester Schâpûr: „Komm mit mir in mein Dorf, baue eine Kirche und bleib (dort) und ich höre auf alles, was du mir befiehlst.“ Schâpûr ging mit ihm hin und ließ ihn die Magierreligion verleugnen und er wurde von seiner Krankheit geheilt. Er zeigte ihm einen Platz für den Kirchenbau. Priester Schâpûr sprach: „Wenn du mir nicht eine Urkunde über den Verkauf des Grundes ausstellst, so baue ich die Kirche nicht“. Da stellte er ihm die Urkunde aus und er baute die Kirche.

Bald darauf trat der Môpêt Adârbôzi vor König Jezdegerd und sprach: „Alle Großen und Adeligen haben die Magierreligion verlassen und sind Christen geworden. Gib mir persönlich den Befehl, sie vom Christentum, das sie angenommen, abzubringen.“ Der König befahl: „Du hast die Vollmacht, sie durch Einschüchterung und etliche Schläge, aber nicht durch Hinrichtung abzubringen.“ Er machte auch einige abwendig, die nicht fest waren in der Hoffnung des Glaubens, darunter auch den Adârparwâ. Dieser sprach zum Priester Schâpûr: „Verlaß die Kirche und gib mir die ausgestellte Urkunde.“

Als Schâpûr gedrängt wurde, die Urkunde zu geben, besuchte ihn nach seiner Gewohnheit der selige Mâr Narsê. Da ihm Schâpûr erzählte, man dränge ihn so, von ihm die Urkunde zu erhalten und ihn aus der Kirche zu vertreiben, sagte Narsê: „Gib die Urkunde nicht her. Sondern wenn man dich drängt, so nimm sie und geh fort. Nach einiger Zeit prozessiere mit ihnen und du gewinnst, weil du die Urkunde über das ver kaufte Land hast.“ Nachdem Narsê fortgegangen war, ergriff man den Schâpûr, um ihm die Urkunde zu neh men. Er entkam und ging mit der Urkunde fort. Die Kirche aber machte man zu einem Feuertempel.

Nach einigen Tagen kam der selige Narsê dort hin, nicht wissend, daß Schâpûr fortgegangen und die Kirche in einen Feuertempel verwandelt war.

Er öffnete die Kirchtüre, trat ein und fand einen Feuerherd aufgebaut nach der Feuersitte der Magier und Feuer brannte darin. Er löschte das Feuer aus, nahm die Ziegel des Ofens und die Geräte des Magiers heraus und warf sie hinaus; er brachte die Kirche in Ordnung und richtete sie (wieder) her und setzte sich hinein. Bald darauf kam der Magier aus dem Dorfe, fand das Feuer ausgelöscht, den Herd herausgerissen, die Geräte hinausgeworfen und den herrlichen Narsê drinnen sitzend. Da der Magier ihn sah, stand er sich über ihn wundernd und sprach: „Was hast du da getan?“ Narsê sprach: „Ich fand im Hause Gottes Unreinheit, die ihn erzürnt und seiner Ehre fremd ist. Soll ich das zulassen?“ Da packte ihn der Magier, schrie in das Dorf und brachte viele Heiden zusammen. Man schlug ihn heftig, warf ihn in Ketten, übergab ihn dem Magier, brachte ihn nach Seleucia und Ktesiphon, wo der König war, zu Adär-bözi, dem Haupt der Magier, und führte ihn diesem vor.

Adârbôzi, das Haupt der Magier, befragte den seligen Narsê im Gericht und sprach: „Wie hast du diese ganze Frechheit begangen, daß du in den Feuer tempel gingst und es tötetest, ohne zu fürchten. Auch den Herd, in dem es sich befand, hast du getötet, ohne das Gericht des Königs zu fürchten.“ Der selige Narsê antwortete: „Wen soll man fürchten, Gott, der dem König die Krone gibt und dessen Macht über alle Geschöpfe reicht, oder den vergänglichen König, der heute ist und bald sein Reich einem anderen übergibt? Ihr sollt fürchten, daß ihr, was dem Hause Gottes nicht geziemt, nicht hineinbringet.“ Da befahl er, ihn in seiner Gegenwart mit vielen Schlägen zu züchtigen und sprach: „Versprich, daß du hingehst, den Herd aufbaust, wie er war, und Feuer hineinsetzest und du sollst Gnade erhalten und das Leben wird dir geschenkt.“

Der selige Narsê sprach: „Unverständiger Tor, wenn ich das tue und Feuer hineinbringe und aufstelle, warum habe ich das dort aufgestellte weggenommen und hinausgeworfen? Ich vertraue auf Gott, dem ich diene, aus dessen Haus ich das Feuer wegnahm und hinauswarf, daß es nicht mehr hineinkommt. Und wenn ihr wagt, es hineinzubringen und ich am Leben gelassen werde, werfe ich es hinaus wie zuvor.“ Da entbrannte Adârbôzi, das Haupt der Magier, in großem Zorn und befahl, daß er zu den früheren Schlägen noch viele erhalte und sprach: „Warum gingst du in ein Haus, das nicht dein ist, das sein Herr verließ und floh?“ Der selige Narsê sprach: „Es ist nicht mein Haus noch dessen, der daraus floh, sondern Gottes Haus. Gott schrieb uns aber in seinen heiligen Schriften: ‚Mein Haus soll Bethaus und Versöhnung für alle Völker genannt werden, und nicht geht Unreinheit darin ein.‘ Auch ist geschrieben: ,Der Eifer Deines Hauses hat mich verzehrt.‘ Deshalb habe auch ich, der Knecht Gottes, für sein Haus geeifert und daraus entfernt, was in ihm nicht vollzogen werden darf.“ Da sprach der Gottlose lästernd: „Es komme der Gott, für den du eiferst und sei dein Helfer.“ Der Selige sprach: „Wahrlich, zu jeder Zeit hat er mir geholfen und bis zum Ende ist er mein Helfer.“ Da befahl er, ihn in einem engen, harten Gefängnis gefangen zu setzen, und er war neun Monate im Gefängnis in großer Not, mit harten Eisen gefesselt, unter Räubern und Mördern.

Nachdem der ganze Winter und der halbe Sommer über ihn im Gefängnisse hingegangen war und der König nach seiner Sommergewohnheit aus Seleucia und Ktesiphon fortgezogen war, baten wir Christen jenen Magier), dem er zur Bewachung übergeben war, daß er ihn gegen Bürgschaft herausgebe. Wir gaben ihm vierhundert Drachmen (zûz) und stellten einen vornehmen christlichen Laien als Bürgen. (Dieser) nahm es schriftlich auf sich, daß er ihn auf eine Aufforderung hin beibringen werde. Wir führten ihn heraus und er lebte in einem sechs Meilen von Seleucia entfernten Kloster.

Zwölf Tage, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen war, kam ein Edikt (σάκρα) des Königs an den Statthalter (marzbân) von Bêt Arâmâjê), worin stand: „Entlaß die im Gefängnis Eingeschlossenen. Die des Todes Schuldigen sollen sterben. Die eine Züchtigung verdienen, sollen gezüchtigt werden. Narsê, den Naza- rener, laß vor dich kommen. Wenn er leugnet, das Feuer ausgelöscht, und den Herd, worin es war, herausgerissen zu haben, werde er freigelassen. Wenn er bekennt, (ihn) herausgerissen und hinausgeworfen zu haben, soll er hingehen, Feuer von dreihundertsechsundsechzig Orten sammeln, es hineinbringen und niederlegen in jenem Hause, dessen Herd er herausgerissen und dessen Feuer er ausgelöscht.“

Nachdem das Edikt des Königs vor dem Statthalter in Gegenwart des Magiers, dem er übergeben war, verlesen worden war, befahl dieser dem Magier: „Bring den Mann, der dir übergeben ist.“ Dieser ging in großer Furcht von dem Statthalter fort, kam zu dem Bürgen des seligen Narsê und sprach: „Gib den Mann heraus, den du erhalten hast.“ Der Bürge stand auf, ging in das Kloster, wo der selige Narsê war und brachte ihn zur Mittagszeit. Sofort stellte man ihn vor den Statthalter. Dieser befahl, daß das Edikt vor Narsê verlesen werde. Hernach sprach er zu ihm, um ihm zu helfen: „Ich weiß, daß du das Feuer nicht getötet hast.“ Er wollte ihn nämlich von dem Tode retten. Der selige Narsê sprach: „Einmal wurde ich bei Gericht vor dem Môpêt Adârbôzi gefragt und sagte die Wahrheit: Ich habe es getötet. Und jetzt sollte ich vor dir leugnen?“ Hernach sprach der Statthalter: „Gemäß dem Befehle des Königs gehst du und sammelst dreihundertsechsundsechzig Feuer, legst sie in jenem Hause nieder, aus dem du das Feuer entfernt und betest es an. Wenn du aber nicht nach dem Befehle des Königs handelst, so stirbst du, wie über dich befohlen ist, und hast deinen Willen erfüllt.“ Der selige Narsê sprach: „Das erste habe ich getötet; ein anderes lege ich dort nicht nieder. Tue, was dir befohlen ist.“ Der Statthalter sprach: „Mir ist befohlen, daß du, wenn du es nicht tust, sterben sollst.“ Der selige Narsê rief laut: „Ich ziehe den Tod um Gottes willen dem in Sünden verstrickten Leben vor.“ Sogleich befahl er über ihn nach dem Gesetze; man legte einen Riemen an seinen Nacken; er wurde mit einem Siegelringe gesiegelt und (die Hände) wurden ihm rückwärts gefesselt1. Dann wurde er dem Magier als Kommissär übergeben, daß dieser ihn an die Richtstätte führe. Der Statthalter aber war außerhalb der Stadt Seleucia.

Als man den Seligen an dem Kloster der Brüder vorbeiführte, das außerhalb der Stadt war, brachte ihm ein Bruder Wasser zum Trinken heraus. Er wollte aber nicht trinken und sprach: „Betet für mich, meine Herren und Brüder, daß mich Christus würdig mache, lebendiges Wasser von seiner unversieglichen Quelle zu trinken.“ Als er unter der Stadtmauer hinging und zum Tore kam, kam ihm viel Volk, Männer und Frauen, ent gegen, heftig weinend und schluchzend. Als der Kommissär, der ihn zur Richtstätte führte, die weinende Menge sah, fürchtete er, daß er ihm entrissen werde und kehrte aus Furcht um, ihn (wieder) in die Stadt zu führen. Als der selige Narsê den Magier umkehren sah, wurde er betrübt und bekümmert, weil er glaubte, daß er ihn wieder in das Gefängnis führe und daß sein Zeugnis nicht, wie er wünschte, mit dem Schwerte gekrönt würde.

Wir, die wir dem Seligen anhingen und mit ihm gingen, sagten zu dem Magier: „Warum führst du ihn hinein und bringst ihn nicht dorthin, wo dir befohlen ist?“ Er sprach: „Ich fürchte, daß er mir von all diesem Volke geraubt werde und ich böse Strafe erhalte.“ Wir redeten ihm zu: „Niemand von uns erhebt sich gegen den Befehl des Königs; das tun wir nicht. Sondern wir alle sind herausgegangen, den Mann zu begleiten, der für Gott stirbt, und seinen Segen zu empfangen.“ Da der Selige sah, daß der Magier wieder umkehrte, um dorthin zu gehen, wo ihm befohlen war, daß er gekrönt werde, freute er sich sehr und begann, den hundertsiebzehnten Psalm zu singen und freudigen Sinnes zu gehen, bis er an den Ort seiner Krönung kam, der Slîk harôbtâ heißt.

Als er an den Ort kam, an dem er die Siegeskrone empfangen sollte, kniete er im Gebete nieder (mit) rückwärts gefesselten (Händen), und die ganze Schar, die in seiner Begleitung herausgezogen war, brachte Gebet dar, damit der Herrliche und Selige nach seinem Wunsche gekrönt werde und über seinen Feind siege. Da befahl der Kommissär, der ihn hielt, einem Henker, der dem Namen nach Christ war, das Schwert zu ergreifen und mit ihm den Kopf des Seligen zu nehmen. Dieser nahm in seiner Frechheit das Schwert mutig und ohne Zögern und erhob es, um ihn auf den Nacken zu schlagen. Der Herr aber zeigte ein großes Wunder. Die Kraft Gottes erhob den Mann zweimal vom Boden und schmetterte ihn nieder, daß er drei Stunden wie tot lag und Schrecken und Furcht die Anwesenden ergriff.

Darauf befahl der Magier einem anderen, das Schwert zu nehmen und den Seligen zu töten, und da dieser nicht wollte, zwang er ihn mit vielen Schlägen. Dieser sprach: „Ich fürchte, es möchte mir gehen wie meinem Genossen.“ Als der selige Narsê das sah, sprach er: „Tue, was dir befohlen wurde und fürchte nicht.“ Dieser sprach: „Du stirbst für Gott; aber mir sagst du, ich soll am unschuldigen Blut teilhaben.“ Der Selige sprach: „Es ist nicht dein Wille, sondern Gewalt, die stärker ist als du. Erhebe deine Rechte und triff mich mit dem Schwerte. Ich gehe nach meinem Wunsch und Willen zu Gott; dir aber möge Christus verzeihen und dieses Blut werde dir nicht zur Sünde gerechnet.“ Da erhob er das Schwert zitternd vor Furcht und schlug den herrlichen Zeugen auf den Nacken. Dieser fiel auf sein Angesicht nach Osten schauend. Der Griff des Schwertes zerbrach und er schlug ihn hernach mit achtzehn Schwertern; aber (sein Haupt) wurde nicht abgetrennt, bis er es mit dem Messer abtrennte.

Nachdem der selige Narsê im Blute seines Nackens gekrönt war, ließ ihn jener Kommissär, der Magier, liegen und ging. Wir Christen nahmen Leib, Kopf und Blut des seligen Zeugen und brachten sie in das Martyrium, das der selige, guten Gedächtnisses würdige Genosse der Zeugen, Mâr Mârûtâ, Bischof von Sôf, auf ein Edikt des Königs an jenem Orte erbaut hatte. Weil König Schâpûr an einem Tage dort hundertachtzehn Zeugen getötet hatte, erbat sich Mâr Mârûtâ, der Bischof, den Platz und baute dort einen prächtigen, schmuckvollen Tempel zur Ehre der herrlichen Märtyrer. Wir wuschen den Leib des Herrlichen, salbten ihn mit Öl und Salben, hüllten ihn in Decken und Linnen und begruben ihn an einem Ehrenplatz im Martyrium. Als aber diese Verfolgung (des Bahram?) kam, erhoben wir die Gebeine des herrlichen Zeugen aus Furcht vor den Magiern, damit nicht diese sie bloßlegten und damit Spott trieben und brachten sie zum Teil in das Martyrium von LWRN‘ und legten sie nieder zur Hilfe und Heilung der Menschen. Wir bitten Christus, den Herrn der Zeugen und Kröner der Bekenner, daß er uns mit den Zeugen, die in seiner Wahrheit sich auszeichneten und in seiner Liebe gekrönt wurden, Anteil und Erbe im Himmelreiche gebe in Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.

Mâr Jakob

Zeugnis des Mâr Jakob, des Zerschnittenen, aus der Stadt Bêt Lâpat, in Bêt Hûzaje.

Im Jahre 732 Alexanders, dem zweiten Jahre des Perserkönigs Warahrân, wurde das Zeugnis des seligen Jakob für die Wahrheit besiegelt. Er war aus der Königsstadt Bêt Lâpat, angesehen in der Welt, aus berühmtem Geschlecht, groß vor Gott, wegen seiner Eltern und seiner Frau Christ, am Hofe des Königs ein angesehener Beamter. König Jezdegerd hatte ihm beständig Gaben und Geschenke gegeben und wegen seiner Freundschaft zu ihm hatte er ihn sogar von seinem Glauben abgewendet und dem Christengott abtrünnig gemacht. Als seine Mutter und Gattin hörten, daß er wegen der Schmeichelei des Königs vom Wege der Wahrheit sich abgewendet, schickten ihm beide, da er beim Heere war, einen Brief: „Wir haben gehört, daß du aus Schmeichelei des Königs und wegen der Geschenke und Gaben einer kurzen Zeit von der ewigdauernden Freundschaft Gottes abfielst. Wo ist der König, dessen Wille du tatest? Sieh, wie alle übrigen Menschen ist er gestorben, verwest und im Grabe zu Staub zerfallen. Durch seine Geschenke kann er dir nicht helfen noch dich von der ewigen Pein erlösen. Wisse nunmehr, daß, wenn du bei dieser Gesinnung verharrst und die Religion, in der du stehst, nicht verleugnest, dich wie den König, deinen Freund, Strafe vor Gott und gerechtes Gericht trifft. Wir sind dir nunmehr fremd und du hast mit uns keinen Teil noch Erbe.“

Als Jakob diesen Brief erhielt, kam er zu sich und Reue quoll in seiner Seele auf. Er sprach bei sich selbst: „Wenn meine Mutter und meine Frau in dieser Welt sich mit so festen Schwüren von mir lossagten, wie wird dann Gott, von dem ich abfiel, dessen Wahrheit ich zur Lüge machte, sich am jüngsten Tage von mir abwenden und (schon) in dieser Welt mich bittere Strafe finden lassen.“ Sofort lief er in sein Zelt, nahm die Schrift zur Hand, las eifrig darin und mit ihren Worten tröstete er seine Seele und erfreute er seinen Geist. Nachdem er durch die Schriftlesung sich geändert hatte und aus dem Tode wie durch e i n Wort erweckt war, begann er zu sich selbst zu sprechen: „Wo bist du, meine Seele? Wo bist du, mein armseliger Leib? Wenn die Mutter, die mich gebar, über das Verderben meiner Seele so bekümmert ist, und meine Gattin, das Weib meiner Jugend, über meine Schande in dieser Welt so gebrochen ist, und alle meine angesehenen Freunde über das, was mir geschah, so bekümmert sind, auf welche Seite werde ich dann gesetzt, der ich die Wahrheit mit der Lüge vertauscht, an dem Tage, da alle Menschen erneuert werden und die Gerechten den Lohn ihrer Mühen, die Abtrünnigen ihre Pein erhalten. Jetzt weiß ich, welchen Ausweg ich suchen muß, um nicht verloren zu gehen. An die Türe, durch die ich hinausging, werde ich anhaltend klopfen und sogleich öffnen mir, die drinnen sind.“

Da er so dachte, teilten Apostaten, die seine Worte hörten und ihn über die Schrift meditieren sahen, all das rasch dem König durch Vertraute mit. Als dieser die Änderung des Herrlichen erfuhr, befahl er sofort, daß er vor ihm erscheine. Als er eintrat und vor ihm stand, sprach der König: „Bist du ein Nazarener?“ Der Herrliche sprach: „Ja, ich bin ein Nazarener.“ Der König sprach: „Wurdest du nicht ein Magier?“ Der Heilige sprach: „Nein.“ Der König sprach: „Erhieltest du nicht wegen des Magiertums von meinem Vater Geschenke und Ehren?“ Der Herrliche sprach: „Wo ist der, von dem ich Geschenke und Ehren erhielt?“ Der König wurde darüber zornig und gedachte, ihn verschiedene Qualen erdulden zu lassen. Er sprach sofort: „Glaube nicht, daß du einfach durch das Schwert sterben werdest, wenn du nicht sogleich von dem Wege, auf dem du stehst, umkehrst.“ Der Selige antwortete: „Bemühe dich nicht, Herr, König, und verschwende an mir nicht Drohungen im Wort ohne Tat. Nicht achte ich auf das, was du sagst. Wie ein Wind, der feste Felsen anbläst, ist dein Wort in meinen Ohren.“ Der König sprach: „Auch deine Glaubensgenossen haben in den Tagen meiner Väter gewagt, in dieser Gesinnung zu beharren und diese Religion festzuhalten, und es trafen sie verschiedene Todesarten und harte Hinrichtungen, weil sie nicht auf den Befehl des Königs hörten.“ Der Herrliche sprach: „Beständig bete ich zu Gott, daß ich so wie sie sterben möchte und daß mein Ende wie das Ihrige sei.“ Der König sprach: „Erhebe dich nicht verwegen gegen den Befehl meiner Majestät.“ Der Selige sprach: „Dieser Tod ist kein Tod; er ist wie ein Schlaf, den ein Mann schläft und erweckt wird.“ Der König sprach: „Die Nazarener mögen dich nicht betrügen und dir sagen: Der Tod ist wie ein Schlaf; fürchte nicht. Denn sieh, auch die Könige und Machthaber fürchten ihn.“ Der Herrliche sprach: „Die Könige und Machthaber und alle, die Gott nicht gedient, fürchten beständig den Tod, da sie wissen, was sie in der Welt getan. Denn so ist uns geschrieben: ,Der Heide starb und seine Hoffnung verging; die Hoffnung der Bösen vergeht‘.“ Der König sprach: „Gelten wir euch als Heiden, ihr törichten Nazarener, die ihr den Göttern nicht dient, noch der Sonne, dem Mond, dem Feuer und Wasser, die Kinder Gottes sind?“ Der Herrliche sprach: „Ich tadle dich nicht, König. Denn es ist uns, die wir würdig sind, in diesen Kampf einzutreten, geschrieben: ,Es kommt die Stunde, da jeder, der (einen) aus euch tötet, glaubt, Gott zu dienen.‘ Nicht als ob ihr durch unsere Hinrichtung Gott dientet, sage ich (so), sondern weil ihr irrtümlich glaubt, Gott allein zu kennen, indem ihr die Geschöpfe und die stummen Naturen anbetet, den Namen Gottes geschaffenen Naturen beilegt, den erzürnt, der euch das Reich gab, und denen zu gefallen sucht, die euch weder Gutes noch Böses zu tun vermögen.“

Da ergrimmte der König; sein Zorn brannte wie Feuer und er befahl, daß die weisen Lehrer des Königs über ihn entsprechend seiner Verwegenheit das Todesurteil fällen sollten, da er den Willen des Königs nicht tun wollte. Der Richter beriet sich mit den Weisen über die Todesart. Da ersann einer, der beständig Hassenswertes riet, einen bösen Gedanken und sprach: „Nicht einmal bloß werde er getötet oder fünf oder zehnmal. Sondern man spanne ihn an Händen und Füßen aus und schneide seine zehn Finger und Zehen einzeln ab; dann schneide man seine Hände und Füße ab, trenne seine Arme ab und schneide seine Schenkel von den Knieen ab. Nachdem seine Glieder einzeln abgeschnitten sind, schneide man ihm den Kopf ab.“ Als dieser Befehl ergangen war, schleppte man den Seligen eilig hinaus und brachte ihn an den Ort der Hinrichtung. Zur Zeit, da der Befehl erging, versammelte sich die ganze Stadt, und das Heer des Königs marschierte hinter ihm an den Ort, wo er gekrönt wurde. Viele Gläubige fielen, als sie sein Urteil hörten, im Gebete vor Gott auf ihr Angesicht nieder, indem sie weinend sprachen: „Herr, starker Gott, der Du den Gequälten Stärke gibst, und den Leidenden die Kraft mehrst, Stärker der Schwachen, Retter der Verlorenen, stärke Deinen Knecht durch Dein großes Erbarmen, daß er siegreich aus diesem schrecklichen Kampf hervorgehe. Dir, o Herr, ziemt der Sieg; Du bist der Herr, der Sieger, Christus, Erlöser der Welt.“

Als der Heilige an den Ort der Hinrichtung gebracht war, bat er die Henker: „Gebt mir zuvor etwas Raum, den zu bekennen, um dessentwillen ich leide.“ Er wendete sein Gesicht nach Osten, beugte die Knie zur Erde, richtete den Blick seines Herzens zu dem, der in den Himmeln der Himmel wohnt und betete: „Höre, Herr, das Flehen Jakobs, Deines schwachen Dieners; gib Deinem Diener Kraft in dieser Zeit; rette den Sohn Deiner Magd, der Dich ruft in dieser Stunde und tue an mir ein gutes Zeichen, damit ich ein Genosse aller Freunde Deines Namens sei, die um Deines Namens willen verfolgt wurden und werden. Wenn ich in Deiner großen Kraft gesiegt und die Krone empfangen habe mit den Auserwählten, die Dich geliebt und gekrönt wurden, dann sollen meine Hasser sehen und sich schämen, daß Du, Herr, mir halfest und mich tröstetest.“ Sofort legten sie an ihn Hand an, streckten ihn ohne Erbarmen an Händen und Füßen aus und sprachen: „Sieh zu, was du tust. Denn ohne Unterbrechung und Zögerung wird Glied für Glied deines Leibes abgeschnitten, werden deine Finger und Zehen abgetrennt, deine Arme abgelöst, deine Knie aus ihren Gelenken geschnitten, und nach dem Abschneiden deiner Finger und dem Verderben deiner Glieder wird dir der Kopf abgeschnitten. Denk nun nach und sieh zu, was du dir wählst: entweder gehst du durch ein Wort zum Leben, oder du hältst deinen Willen fest und stirbst alle diese verschiedenen, schrecklichen Todesarten.“ Vornehme Männer, die zugegen waren, weinten über den Anblick seiner lieblichen Schönheit, über seine herrliche, prächtige Gestalt und sprachen einstimmig: „Richte dich nicht umsonst zugrunde, sondern tue dem König den Willen und lebe; hernach kehre zu deiner Religion zurück.“ Der Selige öffnete seinen Mund und sprach: „Weinet nicht über mich, sondern über euch selbst. Denn um ein wenig irdische Freude erbt ihr ewige Pein. Und nicht nur ihr, sondern auch die Teufel und die Schatten, die ihr anbetet. Ich erbe durch diese Hinrichtung ewiges Leben und für die abgeschnittenen Glieder wird mir weiterer Lohn hinzugefügt. Denn alle erhalten von Gott, der nicht benachteiligt, den ihrer Mühe entsprechenden Lohn.“ Da sprach der königliche Kommissär, der mit seiner Hinrichtung beauftragt war, zu den Henkern: „Was stehet ihr und gebet acht; beginnet, seine Finger abzuschneiden.“

Sie begannen, seinen rechten Daumen abzuschneiden. Hernach öffnete er den Mund und sprach: „Erlöser der Nazarener, nimm den Baumzweig in Erbarmen an. Denn wenn er auch durch die Hand der Winzer abgeschnitten wurde, so kommt doch der Frühling, da er Frucht bringt und gekrönt wird“. Der mit seiner Hinrichtung beauftragte Kommissär weinte und sprach zu dem Seligen: „Genug ist es für dich, daß dir ein Finger abgeschnitten wurde. Wenn du willst, wirst du durch Arzneien geheilt; nur möge dieser dein zarter Leib nicht zugrunde gehen. Du hast Reichtümer; gib sie den Armen und du wirst deiner Seele durch Almosen Leben geben. Nur (sieh zu, daß) du lebest und nicht sterbest.“ Der Herrliche öffnete den Mund und sprach: „Lernst du nicht vom Weinstock, daß er, wenn er zugeschnitten wird, nackt steht wegen des Winters. Wenn aber der Frühling kommt, glänzt er noch mehr in seiner Schönheit. Wenn aber bei dem vergänglichen Weinstock solcher Wechsel stattfindet, um wieviel mehr treibt und wächst dann der gläubige Mensch, der in den Weinstock der Wahrheit gepflanzt ist, durch die Hand Gottes, des Bebauers des Weinbergs.“ — Darauf schnitt man ihm den Zeigefinger ab und der Selige rief: „Mein Herz freut sich im Herrn und meine Seele frohlockt in seinem Heile.“ Und er fuhr fort: „Herr, nimm den zweiten Zweig von dem Baume, den Dein Befehl gepflanzt.“ Und sein Angesicht war freudig und lachend, als hätte er bereits die Herrlichkeit des Herrn gesehen. — Darauf schnitt man ihm den Mittelfinger ab und der Herrliche rief: „Mit den drei (Jünglingen) im Ofen will ich dem Herrn aus ganzem Herzen bekennen und in der Schar aller Zeugen will ich Deinem erhabenen Namen lobsingen.“ — Da schnitt man ihm den Ringfinger ab und er sprach: „Auf dem vierten der zwölf Söhne Jakobs ruhte der Segen des Königs, Christi; deshalb will auch ich durch den vierten Zweig den bekennen, durch dessen Segen allen Völkern Erlösung wurde“.
— Da schnitt man ihm den kleinen Finger ab und er füllte seinen Mund mit Lob und sprach: „Durch die fünf Finger der rechten Hand meines Baumes sollen dem Pflanzer meines Baumes Früchte gebracht werden.“ —
Da begannen sie, die Finger der linken Hand abzuschneiden und sprachen: „Was sagst du? Du sollst leben, wenn du dem König den Willen tust. Schone dein Leben, damit nicht deine Glieder einzeln abgeschnitten werden, während du zusiehst. Denn bei dem Schmerz über jedes Glied, das dir abgeschnitten wird, kostest du den Tod.“ Der Herrliche sprach: „Wenn man ein Schaf schert, schert man es dann ringsherum, oder schert man bloß seine rechte Seite und läßt die linke übrig? Wenn man ein Schaf wegen der wertlosen und im Übermaß vorhandenen Wolle so eifrig schert, daß keines entkommt und die Scherer in ihrer Tätigkeit nicht nachlassen, wieviel mehr geziemt es mir, den lebendigen Gott zu loben und zu bekennen, in dessen Herde ich ein Schaf bin, daß er mich, den Geringen, gewürdigt, vor die Scherer gebracht zu werden, wie das Lamm Gottes, um dessentwillen ich in all diesen verschiedenen Todesarten geopfert werde, in die Hände der Kreuziger (gegeben wurde).“

Wieder nahten sie und begannen die Finger seiner linken Hand abzuschneiden. Zuerst schnitten sie den kleinen Finger ab. Mit großem Freimut (παρρησία) sprach er: „Klein bin ich vor Dir, o Großer, der Du Dich selbst klein gemacht und die Tausende Geringer gleich mir in Deinem Opfer für die ganze Welt groß gemacht. Deshalb übergebe ich Dir freudig Seele und Leib. Denn Du, o Herr, wirst ihn zu seiner Zeit als einen unversehrten und gesegneten auferwecken“. Dann schnitt man ihm den Ringfinger ab und, noch mehr in Liebe zu seinem Herrn entflammt, sprach er: „Siebenmal will ich mit dem siebten Finger den Vater, Sohn und Heiligen Geist loben.“ — Sie schnitten ihm den achten Finger ab und er sprach: „Am achten Tage wird der Hebräer beschnitten und von den Unbeschnittenen ausgesondert. Auch ich, Dein Diener, habe den Blick meines Herzens und meinen Sinn von diesen unreinen Unbeschnittenen ausgesondert. Nach Dir allein dürstet meine Seele, mein Gott: wann werde ich kommen und Dein Angesicht sehen.“ — Da schnitten sie ihm den neunten Finger ab und er öffnete den Mund zur Rede: „In der neunten Stunde, o Herr, warst Du um unserer Sünden willen am Kreuze ausgespannt. Und auch jetzt bekenne ich Dich, Christus, der Du am Holze ausgespannt wurdest, mit dem neunten Finger, da auch ich, Dein Diener, gewürdigt wurde, ausgespannt zu werden, damit die Zweige meines Leibes um Deines Namens willen abgeschnitten würden.“ — Darauf schnitt man ihm den zehnten Finger ab. Er bekannte und sprach: „Mit (dem Buchstaben) Jod wird jede Zahl gerechnet; mit demselben Buchstaben werden Tausende und Zehntausende gerechnet und durch Jesus geschah die Erlösung der Welt. Deshalb will auch ich, der Geringe, mit der zehnsaitigen Zither Lob zur Ehre dessen singen, der mich dieses Opfers gewürdigt hat, daß ich statt mit Saiten von Schafdärmen mit den Saiten (der) abgeschnittenen (Finger) meiner Zither ihm wohl tönendes Lob singe und sage.“

Da sprachen Vornehme zu ihm: „Wenn du willst, steht es dir frei zu leben. Auch wenn deine zehn Finger abgeschnitten sind, kannst du leben. Es gibt weise Ärzte, die deine Wunden heilen. Tue nur den Willen des Königs und du wirst nicht sterben. Hab Erbarmen mit dir selbst und du wirst aus dieser begehrenswerten Welt nicht sterben. Du hast ja ein großes Vermögen; du kannst geheilt werden und dich an den sichtbaren Freuden ergötzen. Wärest du arm, so könntest du denken: Was nützt mir die Welt, da mir die zehn Finger abgeschnitten sind? Denn ich habe nichts, womit ich arbeite und mich ernähre. Aber wir wissen, daß du reich bist und dich auch ohne Arbeit ernähren kannst. Erfreue dich an dem Weibe deiner Jugend, die im Lande der Hûzâjê ist, während du im Lande Babel bist. Willst du dich selbst zugrunde richten, weil du nicht ein kleines Wort sagen willst, das, wenn es aus deinem Munde kommt, dir sogleich das Leben gibt?“ Der Selige sah sie an und sprach: „Kann der Mensch zwei Dinge in einem tun, daß er die Hand an die Pflugschar lege und sich zurückwende und (doch) für das Reich geeignet sei? Wozu sind mir Mutter und Weib besser als Gott, der gesagt: ,Jeder, der um meinetwillen seine Seele verdirbt, wird sie finden.‘ Und: .Jeder, der seinen Vater, seine Mutter, seine Brüder und alles, was er liebt, verläßt, mich liebt und mir nachfolgt, dem werde ich unsterbliches Leben geben und unvergängliche Ruhe in Ewigkeit.‘ Wozu braucht es also Worte, die mir zum Schaden und euch zum Ärgernis sind? Tretet heran und tuet, was euch befohlen ist, ohne Schonung.“

Da wendeten sich die Henker zu seinem rechten Fuß und schnitten ihm zuerst die große Zehe ab. Er öffnete den Mund und sprach: „Ehre sei Dir, o Gott, der Du einen Leib anzogst, mit der Lanze durchbohrt wurdest und dessen Fuß mit Blut von dem Blut und Wasser seiner Seite gefärbt wurde. Auch ich, Dein Diener, nehme freudig auf mich, im Leibe, der Wohnung der Seele, zu leiden und das Blut meines Körpers durch das Abschneiden meiner Finger und Zehen zu vergießen.“ — Sie schnitten ihm die nächste Zehe ab und er sprach: „Das ist der größte Tag aller meiner Tage von Jugend an bis jetzt. Denn bevor ich in diesen Kampf eintrat, lobte ich (Gott) nur so äußerlich, da ich in irdische Gesinnung und trügerischen Besitz versunken war. Wie oft ließ ich mich durch Weltliebe im Gebete hindern. Und auch wenn ich betete, war ich im Gebete dort und nicht dort. Mein Leib war in der Kirche; aber mein Geist erstieg Berge und stieg in Täler hinab. Heute aber habe ich mein Gesicht von der Erde und allem, was darin ist, abgewendet und strebe, nach der Welt, die vor mir liegt, zu gehen, und freudigst rufe ich mit jedem Glied, das mir abgeschnitten wird, dem Lob, der mich des Leidens gewürdigt hat.“ — Da schnitten sie ihm die dritte Zehe ab und warfen sie vor ihn hin. Als er sie sah, lachte er und sprach: „Folge auch du, dritte Zehe, deinen Genossinnen und sei unbesorgt. Denn wie Weizen, der in die Erde fällt und im Frühling seine Genossen hervorbringt, so auch verbindest du dich am Tage der Auferstehung in einem Augenblick mit deinen Genossinnen.“ — Da schnitt man ihm die vierte Zehe ab und er sprach zu sich selbst: „Warum bist du betrübt, meine Seele, und bekümmert? Hoffe auf Gott. Denn ich werde ihn ferner als meinen Erlöser und Gott bekennen.“ — Da schnitten sie ihm die fünfte Zehe ab und er begann zu sprechen: „Jetzt beginne ich zu reden vor dem Herrn, der an mir sein Wohlgefallen hat und mich dieses Kampfes gewürdigt, dessengleichen ich nicht sah, und mich stärkte, in ihm zu bestehen.“ — Da wendeten sie sich zu seinem linken Fuß und schnitten ihm die kleine Zehe ab. Er sprach: „Kleine Zehe, du bist nicht klein. Denn das Verhältnis von klein und groß ist dasselbe. Und wenn kein Haar vom Haupte verloren geht, um wieviel weniger wirst du unter der Zahl deiner Genossinnen vergessen.“ — Da schnitt man ihm die nächste Zehe ab und er sprach freudig: „Zerstöret dieses baufällige Haus; denn ein größeres und herrlicheres als dieses wird erbaut werden.“ — Da schnitt man ihm die nächste Zehe ab und er sprach: „Wisset ihr nicht, daß die Steineiche (?), so sehr sie verletzt wird, ausdauert und es nicht fühlt?“ — Man schnitt ihm die vierte Zehe ab und er sprach: „Stärke mich, starker Gott, auf den ich vertraue.“ — Man schnitt ihm die fünfte ab und er erwachte wie aus dem Schlaf und rief: „Richte, o Gott, mein Gericht und räche meine Rache an dem erbarmungslosen Volke. Denn siehe, zwanzigmal wurde ich getötet und die reißenden Wölfe schonen nicht Dein Gebilde“. Da sprachen die Jünglinge weinend zu den Greisen: „Geschah solches in euren Tagen oder in den Tagen eurer Väter, daß ein Zeuge solche Qualen erduldete?“ Mit noch größerem Mute sprach er zu den Henkern: „Was steht ihr müßig? Fället den Baum und seine Äste. Nicht mögen eure Augen schonen. Denn mein Herz frohlockt im Herrn und meine Seele ist zu dem erhoben, der die Demütigen liebt.“

Zähneknirschend in großem Zorne traten die Henker hinzu und schnitten ihm den rechten Fuß ab. Der Herrliche sprach zu ihnen: „Jedes Glied, das ihr mir abschneidet, wird als Opfer dem König des Himmels dargebracht.“ — Sie schnitten ihm den linken Fuß ab und er sprach: „Erhöre mich, o Herr, denn Du bist gut und groß ist Deine Güte allen, die Dich anrufen.“ Sie schnitten ihm die rechte Hand ab und er rief: „Die Gnade Gottes war groß über mir; befreie meine Seele von dem tiefen Scheol.“ — Sie schnitten ihm die linke Hand ab und er sprach: „Siehe, den Toten tust du Wunder“. — Sie traten hinzu und trennten seinen rechten Arm ab und er sprach wieder: „Ich will loben den Herrn in meinem Leben und lobsingen meinem Gott, solange ich bestehe. Es gefalle ihm mein Lob; ich will mich freuen im Herrn.“ — Sie schnitten ihm den linken Arm ab und er sprach: „Von jetzt an soll mein Haupt über meine Feinde, die mich umgeben, erhoben sein. Meine Kraft und Ehre ist der Herr; er ist mein Erlöser.“ Sie wendeten sich an seinen rechten Schenkel und trennten ihm vom Kniegelenk. Und in diesem Schmerz, den er heftiger fühlte, sprach er wieder: „Herr, Jesus Christus, hilf mir und rette mich; denn die Stricke des Todes haben mich umgeben.“ Die Mörder sprachen: „Haben wir dir nicht vorausgesagt, daß hart die Qual ist, die über dich kommt?“ Der Herrliche sprach: „Alles, was ich jetzt fühlte, (ist,) daß ich erkannte, daß ich mit einem Leibe bekleidet bin. Um der Liebe Gottes willen will ich noch mehr leiden. Denn in all diesen Qualen, womit ihr mich quält, litt ich nicht; denn mein ganzer Sinn war zu Christus, dem Herrn, entrückt. Stehet nicht da; tut, was euch befohlen ist.“ Die Henker ermüdeten, da sie seine Glieder abschnitten und zur Erde warfen; aber seine Liebe erglühte noch mehr. Und obwohl es ihnen leid tat, trennten sie auch seinen linken Schenkel von seinem Knie.

Da lag nun der Herrliche mit abgetrennten Gliedern und er war nichts mehr als Kopf, Brust und Unterleib, vergleichbar einer wohlriechenden Zypresse, deren Gipfel allein steht, nachdem alle Zweige abgeschnitten sind. Der Leib des Heiligen lag auf der Erde mit abgeschnittenen Gliedern halb tot, halb lebendig. Nachdem er ein wenig geschwiegen, öffnete er wieder den Mund und sprach: „Herr, Gott, Barmherziger und Erbarmer, ich bitte Dich, höre mein Gebet und nimm mein Flehen an. Ich liege hier meiner Glieder beraubt; zur Hälfte liege ich hier und schweige. Nicht habe ich, Herr, Finger, mit ihnen Dich anzuflehen; noch haben mir die Verfolger Hände gelassen, sie zu Dir auszustrecken. Die Füße, sie sind abgeschnitten; die Kniee, sie sind abgetrennt; die Arme, sie sind losgelöst; die Schenkel sind abgeschnitten. Jetzt liege ich vor Dir wie ein zerstörtes Haus, von dem nur ein Stück Dachkranz geblieben ist. Ich flehe Dich an, Herr, Gott, nimm meine Seele aus dem Gefängnis, daß ich Deinen Namen bekenne. In mir und in allen Seligen, die um Deines Namens willen getötet werden, möge Dein Zorn sich beruhigen. Über Deinem verfolgten Volke möge Friede werden und der von Dir ausgehende Frieden möge sie einander nahe bringen; denn sieh, sie sind auf der ganzen Erde zerstreut. Und ich, Dein geringer Knecht, bekenne und lobe Dich, und mit allen Zeugen und Bekennern des Ostens und Westens, des Südens und Nordens erhebe ich (Dein) Lob. Dir Herr, Deinem Christus und Deinem Heiligen Geist sei Lob und Erhebung in Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.“ Nachdem er Amen gesagt, trat ein Henker hinzu und schnitt ihm mit dem Messer den Kopf ab. Er übergab seine Seele dem Herrn und entschlief in Frieden.

Der selige Jakob wurde gekrönt im Jahre 732 Alexanders, dem ersten Jahre des Perserkönigs Warharân, am Freitag, dem siebenundzwanzigsten des ersten Tischri (November) der Griechen. Sein Leichnam lag hingeworfen. Gläubige Christen sammelten viel Geld und gaben es den Henkern (quaestionarius), um den Leichnam des Herrlichen zu erhalten; aber diese ließen sich nicht überreden. Aber zur neunten Stunde, da sie fortgingen, stahlen einige Gläubige seine Leiche und blieben, bis es dunkel wurde, bei seinem Versteck. Am Abend sammelten sie alle achtundzwanzig abgeschnittenen Glieder seiner Hände und Füße, die großen und kleinen und legten sie mit dem Leichnam in e i n Tuch und Blut floß aus den Gliedern und träufelte auf die Erde. Wir, die Gläubigen, beteten heimlich den Psalm Miserere. Plötzlich stieg Feuer herab, umgab das Tuch und leckte das Blut aus der Spreu und dem dichten Staub der Erde — wir alle fielen aus Furcht zur Erde — bis die Glieder des Heiligen sich röteten und wie eine reife Rose wurden. Wir glaubten alle, daß uns etwas geschehen werde, nahmen zu seinem Gebete unsere Zuflucht und bekannten Christus, der ihn ausgezeichnet, daß wir dieses furchtbaren Anblickes gewürdigt worden waren. Gemäß der Gnade des Herrn, die uns gab, zu ihr Zuflucht zu nehmen, hüllten wir den Leib des Seligen, obwohl wir seine Verfolger fürchteten, ein und begruben ihn heimlich mit der gebührenden Ehre durch die Gnade und Barmherzigkeit Christi, der seine Zeugen krönt. Ihm sei mit dem Vater und dem Heiligen Geiste Lob, Ehre, Bekenntnis und Anbetung jetzt und jederzeit und in Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.

Pêrôz

Zeugnis des herrlichen Pêrôz aus Bêt Lâpat.

Im Jahre 733 der Griechen, dem ersten Jahre des persischen Königs Warharân, der nach seinem Vater die Regierung übernahm, gab dieser den unreinen Magiern und den heidnischen Großen am Hofe nach, die ihm aus allen seinen Brüdern die Krone aufgebunden. Er gehorchte dem Gebot des verfluchten Mihrschâpûr, des Hauptes der Magier, nahm die Toten, die seit den Tagen seiner Väter begraben worden waren, heraus und verstreute sie vor dem Angesicht der Sonne. Dieser Befehl blieb fünf Jahre bestehen. Diese Schlechtigkeit genügte ihm nicht, sondern, um sie zu erfreuen und ihnen entgegenzukommen, befahl er, daß Bedrängnis und Verfolgung über das Volk Gottes komme und daß alle, die an die nazarenische Religion glaubten, harte Verfolgung treffe.

Als die unreinen Magier diesen Befehl erhielten, freuten sie sich darüber, besonders weil er das böse Erbe seines Vaters übernahm, der am Ende seines Lebens alle seine guten Werke vernichtete, den ruhigen Frieden störte und Verfolgung erregte, in dessen Tagen viele den Peinen, Martern und harter Gefangenschaft überliefert wurden, von denen manche noch leben, manche ihr Leben schlössen, manche von ihm bei seinem Tode seinen Erben als Erbe hinterlassen wurden in der Art, daß nach ihm sein Sohn, der die Reichsregierung erhielt, gegen das ihm hinterlassene Erbe angeeifert, die schwere Verfolgung und harte Prüfung infolge der Verleumdung der Magier gegen das Volk Gottes noch verstärkte und seine Macht zeigend seine Furcht im Christenvolke verbreitete, das er aus seinem Reiche ausrotten wollte. Denn er befahl, die in der Gottesfurcht lebenden Großen aus ihrer Heimat zu vertreiben, ihre Häuser einzuziehen, ihr ganzes Vermögen wegzunehmen. Sie selbst sendete er in ferne Gegenden, damit sie durch Strapazen und Kriege aufgerieben würden. „So sollen alle Bekenner des Christentums gepeinigt werden, bis sie ihre Religion verleugnen und sich unserer, der Götter, Religion zuwenden.“

Während überall so geschah, verleugneten viele in den Provinzen angesehene Große ihren Besitz und liebten Christum. Und nicht nur wollte er an den gottesfürchtigen Menschen seinen Willen erfüllen, sondern (er wollte) auch die für den Dienst Gottes und die Erbauung seiner Lieblinge bestimmten Gegenstände zerstören. In den in den Tagen seines Vaters kultivierten Gegenden verhängte er Drangsale über die Bewohner, bis Dürre und Trockenheit sich bei ihnen einnistete. Städte und Dörfer, in denen der Frieden gedonnert hatte, glichen durch die Martern, denen ihre Priester unterworfen wurden, Leibern, aus denen die Seelen gewichen sind. Die Ortschaften, die wegen ihrer gesegneten Hüter (?) und emsigen Arbeiter sich ihrer Einkünfte erfreuten, sind allseits zum Schrecken der Vorübergehenden geworden. Die Plätze der Städte, die von Menschen dröhnten — diese werden im Gefängnisse durch Gewalt und List gequält. Die geschmückten Kirchen sind zerstört, ihr Mörtel umhergestreut; aus den herrlich anzuschauenden Dächern wurden Kanalbrücken gemacht. Keine Kirche blieb unzerstört, kein Martyrium entging der Vernichtung. Das Holz der Türen der Kirchen und Martyrien und ihre Säulen (?) nahm man weg und machte Stufen für die Kanalbrücken. Die Dächer der Klöster der Anachoreten und der friedlichen Wohnungen der Heiligen deckte man ab, das auserlesen Schöne brachte man in seine Magazine (ambâr); den Rest verteilte man an die Magier. Der Karwânkirche in MSCHK‘, der seinem Vater Jezdegerd zu Gefallen vom König der Römer durch den ehrwürdigen Bischof Acacius ein wunderbarer Schmuck geschenkt worden war, raubte er allen Schmuck. Die herrlichen Gewänder, das Gold, Silber, Erz und Eisen darin ließ er teils zum Bau eines Feuerbeckens verwenden, teils gab er sie den Magiern zum Feuerdienst. Die äußere Decke (?) und ihre Vorhänge machte er zu einem Zelt für die Jagd auf Wildesel und Antilopen. Ebenso raubte er die (Gefäße des) Dienstes der großen Kirche von Seleucia, die den seligen Bischöfen Jahballâhâ und Mârûtâ als Gesandten vom römischen König und seinen ehrwürdigen Großen für die Kirche gegeben worden waren, und gab sie seinem und seiner Tochter Feuertempel. Die Kirchen selbst zerstörte und verstreute er und machte ihren herrlichen Bau dem Boden gleich. Alles, was wir erzählt, tat er, um die Worte der Magier zu bekräftigen und die Lügner zu beruhigen. Wie sollten wir vermögen, zu erzählen, was er dem Volke Gottes auflud?

Damals (lebte) in einer der berühmten Städte von Bêt Hûzâjê, namens Bêt Lâpat, ein ausgezeichneter Mann, namens Pêrôz, angesehen in der Welt, reich an Vermögen, angesehenen Geschlechtes und aus hoher Familie (tohm). Dieser wurde ergriffen wie die meisten übrigen, die gleich ihm festgenommen und in Eisen gefesselt wurden. Als ihm aber die Eisen heiß wurden und hart drückten, wurde er schwach und wendete sich von der Wahrheit zur Gottesverleugnung. Sobald seine Eltern und seine Frau das hörten, schrieben sie ihm einen Brief voll von Leid und Seufzern, in dem kummervolle Tränen, schluchzendes Weinen und große Trauer ausgedrückt waren. Als er den Brief las, wurde er sehr ergriffen und sprach weinend und schluchzend: „Wenn Vater und Mutter, Brüder und Frau mir so schrieben und sich lossagten: „du hast keinen Teil mehr mit uns; weil du die Wahrheit verließest, bist du nicht mehr unser Sohn, noch sind wir deine Eltern, noch ist deine Frau dein Weib“, was soll ich tun, nachdem meine Eltern mich verleugnet? Wohin soll ich gehen? Wo mich verbergen? Was soll mich erfreuen?“

Er beriet sich selbst und sprach: „Eines weiß ich, wo ich Eintritt habe; ich will wieder durch die Türe eingehen, durch die ich hinausging. Der Herr vergibt mir und durch mein Bekennertum mache ich auch meinen Eltern große Freude.“ Er wurde stark im Herrn und sprach vor dem Verfolger: „Wer von euch scheidet mich von der Liebe Christi?“ Einer der Großen des Königs, namens Mihrschâpûr, das Haupt der Magier, der Satan und Widersacher des Volkes des Herrn, glaubte, als er den Herrlichen hörte, er rede in Trunkenheit. Und da er ihn wiederum fragte, besiegelte er seine früheren Worte. Der Gottlose sprach: „Sieh zu, daß du nicht wiederum wagest, so vor mir zu sprechen; sonst stirbst du in bitteren Qualen und engen Banden einen bösen Tod.“ Der Herrliche sprach: „Rede nicht weiter; denn darüber ist kein Wort mehr zu verlieren. Der wahre Gott, dem die Nazarener dienen, wird uns stärken, deine Qualen zu ertragen.“ Sofort erhob er sich zornig, ging zum König und begann ihm als Verleumder zu schmeicheln: „Nunmehr, o Herr, haben sich alle Nazarener gegen dich empört und tun deinen Willen nicht. Sie verachten deine Befehle und dienen deinen Göttern nicht. Wenn du mich hören willst, o König, so befiehl, daß die Nazarener von ihrer Religion sich abwenden. Sie sind Glaubensgenossen der Römer und ihre Sache ist die gleiche mit jenen. Wenn ein Krieg entsteht, sind die Nazarener ein Pfahl im Kriege und durch ihre Hinterlist richten sie deine Macht zugrunde.“

Sogleich befahl der König im Zorne, ihn sogleich hereinzuführen. Furchtlos trat er ein und stand in Klugheit. Der König sprach: „Bist du Pêrôz, der Nazarener?“ Der Herrliche sprach: „Ich bin ein Nazarener, wenn ich würdig bin, diesen Namen zu tragen. Denn dieser Name ist erhaben für den, der ihm Treue hält.“ Der König sprach: „Bist du nicht einmal von diesem Namen abgefallen?“ Der Herrliche sprach: „Ferne sei es mir, die Finsternis zu lieben und das Licht zu hassen. Denn wer im Finstern wandelt, stößt an.“ Der König sprach: „Wie ich hörte, liest du auch in den Schriften der Nazarener?“ Der Herrliche sprach: „Ja, Herr.“ Der König sprach: „Somit seid ihr nach deinem Wort Gottes Volk?“ Der Herrliche sprach: „In Wahrheit sage ich, daß jeder, der den wahren Gott nicht bekennt, in Finsternis wandelt.“ Der König sprach: „Wegen eurer Verstocktheit, da ihr uns nicht hört, töten wir euch beständig als rebellische Knechte.“ Der Herrliche sprach: „Muß man Gott oder den Menschen mehr ge-horchen?“ Der König sprach: „Gott muß man gehorchen.“ Der Herrliche sprach: „Wenn man Gott gehorchen muß, so höre: Gott ist einer und darf mit nichts vertauscht werden, wie er uns befiehlt.“ Der König sprach: „Ich weiß, daß euch niemand mit Worten besiegen kann, da ihr euch selbst in den Tod hingebt.“ Der Herrliche sprach: „Es ist nur geschrieben: Jedes Volk und jede Zunge, die gegen euch zu Gericht sich erhebt, sollt ihr widerlegen.“ Der König sprach: „Wage nicht zu sagen, daß Sonne und Mond nicht Kinder Gottes sind.“ Der Selige sprach: „Ich sagte und sage es: es ist nur ein Gott.“ Der König sprach: „Auch wir sagen, daß e i n Gott ist; die wir (als Götter) erachten, sind seine Großen. Denn es ist kein König ohne Große. Den Hohen ehren wir nach seiner Erhabenheit; die unter ihm Stehenden nach Gebühr.“ Der Herrliche sprach: „Wenn auch manche Götter genannt werden im Himmel und auf Erden, so ist uns nur e i n Gott, einer sein Sohn und einer sein Geist, welcher Schöpfer und Erneuerer von allem ist und unser Zurückführer aus dem Irrtum.“ Der König sprach: „Was hast du kostbareres als deine Seele, daß du sie in einem Augenblick in freventlichem Willen verderben willst?“ Der Heilige sprach: „Ich freue mich, solchen Todes zu sterben. Denn ich halte den Tod nicht für Tod, sondern für Leben, da ich durch ihn ins ewige Leben eingehe.“ Der König sprach: „Man hat dich nicht vor mich gebracht, daß du mir die Schriften der Nazarener erklärest, sondern daß du meinen Willen tuest.“ Der Herrliche sprach: „Eines ist das Wort der Nazarener: ja, ja und nein, nein; was mehr als das ist, hassen sie als vom Bösen.“

Da wendete der König sein Gesicht dem Herrlichen ab und es erging über ihn das Todesurteil. Soldaten schleppten ihn fort und führten ihn eilig an den Ort der Krönung, indem viele Christen und Heiden ihm folgten. Als sie an die Richtstätte gekommen waren, redeten ihm die königlichen Kommissäre zu: „Tue den Willen des Königs und du sollst leben und nicht sterben.“ Der Herrliche sprach: „Ich habe dem König nicht gehorcht; wie sollte ich auf euch hören? Tretet herzu und erfüllet den Befehl des Königs; denn dieser Tag ist mir besser als alle Tage, die ich auf Erden verlebt.“ Die Henker sprachen: „Wir haben den Auftrag, dir nicht nur den Kopf abzuschneiden, sondern zuerst die Zunge und dann den Kopf.“ Und wieder sagten sie: „Schone dein Leben, geliebter Jüngling, und tue den Willen des Königs, wenn auch nur auf einen Augenblick zum Schein, und du sollst leben und nicht sterben.“ Der Herrliche sprach: „Schonet meiner nicht; eure Schonung nützt mich nichts. Denn wer mich von Gott abwendig macht, den höre ich nicht.“

Da traten sie hinzu, zogen ihm die Kleider aus und sprachen: „Gib deine Hände den Fesseln.“ Er sprach: „Wartet ein wenig, daß ich bete.“ Er kniete nieder und sprach: „Ich will Dich preisen, o Herr, in meinem Leben, und will Dich feiern, solang ich bestehe, daß Du mich dieses Kelches gewürdigt hast, Du Mehrer der Kleinen. Mache Frieden Deinem verfolgten Volke, das getötet und verfolgt und durch alle Martern gequält ist. Hilf mir, Herr, Deinen Namen zu bekennen, daß ich Dich bekenne um Deiner Gnade willen in Ewigkeit der Ewigkeiten.“ Da fesselten sie ihn, legten ihn hin, spalteten seinen Nacken, rissen seine Zunge von der Wurzel und hielten sie ihm vor die Augen. Er bekannte Gott in seinem Herzen und pries ihn, daß er ihn dieses Anteils gewürdigt. Dann schnitten sie ihm in Anwesenheit vielen Volkes den Kopf ab.

Er wurde gekrönt im Jahre 733 der Griechen, im ersten Jahre des persischen Königs Warharân, am fünften Elul (September) der Griechen im Gebiete von Schahrazûr (i. J. 421 n. Chr.).

Jakob

Zeugnis des Jakob, welcher Sekretär des Königs war, der in Seleucia und Ktesiphon in den Tagen des Königs Warharân und des Hyparchen (ὕπαρχος) Mihrschâpûr Zeuge wurde.

Dieser Jakob stammte aus der Stadt Karkâ de Adsâ (?) und wurde im Alter von zwanzig Jahren mit fünfzehn anderen Notaren wegen des Glaubens ergriffen, um gezwungen zu werden, das Christentum zu verleugnen und Feuer und Sonne anzubeten. Da sie nicht gehorchten, wurde ihr Vermögen konfisziert. Ihre Häuser wurden versiegelt und es wurde befohlen, daß sie den ganzen Winter als Elephantenwärter eingestellt werden solllen.

Als die Zeit kam, daß der König nach seiner Gewohnheit nach (dem Fest) der ungesäuerten Brote in die kühleren Gegenden ziehe, wurde befohlen, sie von den Elephanten wegzunehmen und mit der Instandsetzung des Weges des Königs zu beschäftigen. Man gab ihnen Äxte und sie fällten Bäume, gruben Steine aus und setzten während der sechs Sommermonate im Gebirge den Weg vor dem König instand. Oft sprach der König zu ihnen: „Warum haßt ihr die Ehre, die ihr besaßt, und liebt ihr diese Schmach?“ Sie sprachen: „Alles, was uns von deiner Majestät befohlen wird, ist uns große Ehre; jedoch unseren Glauben verleugnen wir nicht.“

Als die Zeit der beiden Tischri (Oktober, November) vor der Kälte kam und der König sich zur Reise nach Seleucia und Ktesiphon rüstete, wo er nach seiner Gewohnheit überwinterte, und sie durch das harte und rauhe Gebirge, das Land von Blâschfarr genannt wird, kamen, trat der Hyparch Mihrschâpûr vor den König und sprach: „Wenn diese Sekretäre so gelassen werden, sehen viele auf sie, fassen Mut und fallen vom Christentum nicht ab.“ Der König sprach: „Was soll ich ihnen noch weiter tun? Ihr Vermögen ist konfisziert, ihre Häuser sind versiegelt und sie leben in dieser Qual.“ Der böse Mihrschâpûr sprach: „Deine Majestät möge mir befehlen und ich bringe sie ohne Schläge und Hinrichtung zum Abfall.“ Er erhielt den Befehl des Königs, ihnen zu tun, was er wolle, mit Ausnahme des Todes.

Er ließ jeden einzelnen kommen und übergab ihn einem Soldaten (paig); über die Soldaten stellte er einen Freien als Kommissär. Er befahl, sie nachts nackt aus zuziehen, die Schuhe ihnen von den Füßen zu nehmen, die Hände auf den Rücken zu binden und sie ohne Pfad nachts durch die Bergwildnis zu führen: sobald es aber Tag würde, sie in ihren Fesseln unbekleidet auf den Rücken zu werfen und Brot und Wasser ihnen nur spärlich zu geben.

Nach sieben Tagen, da sie durch die Kälte der Nacht und die Hitze des Tages, durch Hunger und Durst gepeinigt wurden, da ihre Füße durch das Barfußgehen zerschunden waren, indem sie nie barfuß ge gangen waren, und da sie wegen der Fesseln an ihren Händen wie tot dalagen, da manche von ihnen das Bewußtsein verloren hatten, und, die sie sahen, sie für hingeworfene Leichen hielten, da rief der verfluchte Mihrschâpûr den über sie gesetzten Kommissär und sprach: „Wie sehen jene gottlosen Nazarener aus?“ Dieser sprach: „Gnädiger Herr, sie sind dem Tode nahe.“ Er sprach: „Geh und sag ihnen: So hat der König mir befohlen: Tut meinen Willen und betet die Sonne an. Sonst lasse ich Stricke an eure Füße legen und über das ganze Gebirge lasse ich euch schleifen, bis euch das Fleisch von den Knochen fällt und zwischen den Bergesfelsen bleibt und bloß der Fuß am Stricke hängen bleibt.“

Er überbrachte ihnen dieses Wort, wie er es aus dem Munde des Gottlosen gehört. Da er redete, merkten es manche gar nicht wegen des peinvollen Schmerzes, indem sie wie Tote lagen. Die es aber merkten und hörten, antworteten in Schmerz und Trauer: „Nachdem uns nach all unserer Pein das geschieht, tun wir dem König den Willen in allem, was er befiehlt.“ Der Kommissär überbrachte das Gehörte dem gottlosen Hyparchen und dieser befahl, sie zu lösen und frei zu lassen, obwohl sie Sonne und Feuer nicht anbeteten. Man brachte sie auf Lasttieren nach Seleucia, wo der König überwinterte. Nach wenigen Tagen, da sie von der Pein ihrer Schmerzen und Leiden wieder hergestellt waren, verharrten sie in vielem Fasten, Gebet, Tränen und Leiden.

Dieser Jakob, der vollkommene Streiter, war wie gesagt jung an Jahren, aber dem Geist und der Gesinnung nach besaß er den Verstand eines Greises. Er war fest und stark in seinem Glauben, da er aus römischem Geschlechte war, und es ist sicher, daß er, bevor er in diesem Bekenntnis ergriffen wurde, beständig zu den Bischöfen kam dahin, wo sie in dieser großen ausgebrochenen Verfolgung sich am Hofe des Königs zu versammeln pflegten, ihnen heimlich überbrachte, was er vom König gehört und was gegen die Christen und gegen die Kirche ersonnen worden war, und sie durch seine Worte stärkte und ermutigte. Die ehrwürdigen Bischöfe umfaßten ihn wegen seines wahren Glaubens an Christus mit großer Liebe. Da jene seine Genossen gefragt wurden und sagten: „Wir tun dem König den Willen“, stimmte er nicht zu und sprach nicht, da er in viel Pein, Leiden und Schmerz war. Nachdem er, wie gesagt, in die Stadt gekommen war, nahm er Sack und Asche und lebte in Fasten, Gebet, Trauer und Tränen. Die Brüder waren beständig bei ihm und seine Wohnung war die Kirche.

Eines Tages fuhr Satan in einen seiner Jünger. Dieser ging hin wie Judas Iskariot, schlug am Hofe des Königs vor dem Hyparchen Lärm und sprach: „Jakob hat nicht verleugnet, sondern sitzt auf Sack und Asche in beständigem Fasten und Gebet. Die Christen sondern sich von ihm nicht ab und das Buch der Christen, worin er den ganzen Tag liest, kommt nicht aus seinen Händen.“ Als der böse und unreine Hyparch das hörte, wurde er erregt, schickte nach dem seligen Jakob und seinen Genossen, ließ sie kommen und fragte seine Genossen für sich allein: „Habt ihr nicht verleugnet und dem König den Willen getan?“ Sie sprachen: „Einmal haben wir unser Leben zerstört. Was wollt ihr von uns? Willst du uns zum zweitenmal abtrünnig machen?“ Als er das hörte, entließ er sie und sie gingen nach Hause.

Den seligen Jakob behielt er allein zurück und sprach: „Hast du nicht den Christenglauben verleugnet?“ Der Herrliche antwortete: „Das sei ferne von mir. Niemals habe ich den Christenglauben verleugnet, noch verleugne ich ihn. Er ist mein Leben, und auch meine Väter standen und lebten in ihm in der Welt.“ Da befahl er in großem Zorn und Grimm, seine Hände auf den Rücken zu fesseln und ihn mit den Fäusten in den Nacken und auf die Wangen zu schlagen. Abwechselnd schlugen ihn drei Männer, bis sein Nacken an schwoll und über die Wangen hinaustrat. Dann sprach er: „Verleugne deinen Gott, der dir nicht hilft, und bete die Sonne an.“ Der Selige sprach: „O verzweifelter Bösewicht, was rätst du mir, zu verleugnen und was zu bekennen?“ Er sprach: „Verleugne deinen Gott, der dir nicht hilft, und bete die Sonne an, die der König anbetet, der dir das Leben geben kann.“

Da es Winter war, war der Tag bewölkt und regnerisch. Der ruhmreiche Streiter sprach zu dem unreinen Hyparchen: „O Blinder an den Augen und Verfinsterter im Verstande, zeige mir, wo die Sonne ist, die du mich anzubeten zwingst?“ Der Gottlose sprach zu dem Herrlichen: „Dein Gott, den du anbetest, wo ist der?“ Der Selige sprach: „Du verdienst nicht zu hören, wo mein Gott ist. Damit du mich aber nicht für einen Toren haltest, will ich dir kurz bekennen: Mein Gott ist seinem Wesen und seiner Gottheit nach verborgen, aber den Geschöpfen offenbar durch seine Gnade, seine Vorsehung und Hilfeleistungen; er geht auf und wohnt im Herzen seiner Gläubigen.“

Der Unreine sprach: „Laß diese Worte, die es nicht braucht. Da du diesen Vorwand ergreifst und die Sonne nicht anbetest, die hinter Wolken ging und unsichtbar ist, so bete das Feuer an, das da sichtbar vor dir steht.“ Nach dem Gesetze der Unreinen stand nämlich ein Feuerbehälter vor ihnen. Er antwortete: „Laß dieses Feuer wegnehmen und hinaus in den Regen stellen. Wenn es bewahrt bleibt und nicht stirbt, und wenn der Regen es nicht auslöscht, so hast du recht gesagt, daß wir es anbeten sollen. Wenn aber die Wolken die Sonne verhüllen und Wasser das Feuer auslöscht und tötet, so sind sie uns zum Dienste gegeben.“ Er sprach: „Du schmähst den König, der sie anbetet und ihnen dient.“ Der Selige sprach: „Der König soll Gott anbeten, der ihm die Krone flocht und die Herrschaft gab.“

Da erhob sich der Unreine in großem Zorn und gab ihn in Gewahrsam. Er ging zum König und sprach: „Von jenen fünfzehn Sekretären, die abfielen, beharrt nur noch ein Jüngling auf seiner nazarenischen Gesinnung und redet verwegen.“ Der König befahl, den Jakob vorzuführen und sprach: „Hast du, Todeswürdiger, nicht den Nazarenerglauben verleugnet?“ Der Herrliche sprach: „In Wahrheit, ich habe ihn nicht verleugnet und bis zum Tode verleugne ich ihn nicht.“ Der König sprach: „Ich befehle, dich mit vielen Martern zu peinigen, bis du verleugnest.“ Der Selige sprach: „Wenn deine Majestät nicht zürnt, möchte ich dir ein Wort sagen.“ Er sprach: „Sprich.“ Er sprach: „Dein Vater Jezdegerd regierte einundzwanzig Jahre in Ruhe und Frieden und alle Feinde überall wurden ihm Freunde und Untertanen, weil er die Christen ehrte, Kirchen baute und ihnen Frieden gab. Aber am Ende, da er sich von all diesen guten Dingen abwendete, ein Christenverfolger wurde und das unschuldige Blut der Gottesverehrer vergoß — du weißt, welchen Todes er im Unterschied von allen Menschen starb und sein Leib erhielt kein Begräbnis. Auch du nimm dich in acht, daß du nicht durch solches Tun zu solchem Ende kommst.“ Der König wurde von großem Zorne erfüllt und sprach: „Ich befehle, daß dieser neunmal getötet werde.“ Er schrieb eine Urkunde (πιττάκιον) und gab sie einem Eunuchen als Kommissär, zwei Magiern und einem der Großen und befahl: „Wie in dieser Urkunde geschrieben steht, so soll diesem geschehen, der sich gegen unsere Majestät verging, den Nazarenerglauben nicht verleugnen und Sonne und Feuer nicht anbeten will.“

Man führte ihn nach dem königlichen Befehl nach Slik charôbtâ und sprach: „Gehorche uns und bete die Sonne an, und wir bitten den König, daß du lebest und nicht deine Jugend verderbest.“ Der Selige sprach: „Es tut mir leid um euch, daß ihr im Bösen eure Tage vollendet, und mir ratet ihr, mit euch ins Verderben zu gehen. Tuet, was euch vom König befohlen ist; ich gehorche euch nicht und wegen des kurzen, vergänglichen Lebens vernichte ich mein Leben bei Christus nicht.“ Da schnitt man ihm die Finger ab, was als der erste Tod gilt. Sie sprachen: „Verleugnest du jetzt?“ Der Selige sprach: „Ihr verkehrten Menschen! Als ich die Finger hatte, mit denen ich schrieb und arbeitete, verleugnete ich nicht. Soll ich jetzt verleugnen?“ Da schnitt man ihm die Zehen ab, was als der zweite Tod gilt. Man schnitt ihm die Hände und Füße ab, was als der (dritte und) vierte Tod gilt und sprach: „Verleugnest du jetzt?“ Er sprach: „Nehmet diese meine Hände, tragt sie hin und schlagt den König ins Gesicht, und (nehmet) meine Füße und schlagt den gottlosen Mihrschâpûr; vielleicht schämt er sich.“ Man schnitt ihm die Arme von den Ellenbogen und die Schenkel von den Knieen, was als der (fünfte und) sechste Tod gilt. Bei all diesen Martern litt er nicht, noch schrie er, als ob es ihn nicht berühre. Dann richtete man ihn in sitzende Stellung auf und sprach höhnend: „Verleugnest du, Jakob?“ Er seufzte und sprach: „Ich bekenne Dich, Christus, der Du mich dieses Anteils gewürdigt.“ Man schnitt ihm die Ohren und die Nase ab, was als der (siebente und) achte Tod gilt. Am Schlusse der Krönung des herrlichen Märtyrers schnitt man ihm den Kopf ab, was als der neunte Tod gilt.

Brüder liefen (hinzu) und stahlen seine Hände, Füße und Finger; es blieb sein Leib und sein Haupt. Der Hyparch beauftragte Soldaten (paig), ihn zu bewachen, damit keiner seiner Glaubensgenossen ihn stehle. Wir waren in jener Verfolgung in der Stadt im Hospiz (ξενοδοχεῖον), weil man uns aus der Stadt, in der wir lebten, auf Befehl des Königs vertrieben hatte. Es kamen Kaufleute, Landsleute des seligen Jakob, weinend und sagten zu uns: „Mihrschâpûr hat befohlen, daß der Leib des seligen Jakob bewacht werde, bis die Hunde und Vögel ihn fressen.“ Zu mir sagten sie: „Wenn du sagst, daß es für uns keine Sünde ist, gehen wir hin, ziehen das Magierkleid an, gehen hinaus und sagen zu jenen Soldaten: Der Hyparch hat uns befohlen, herauszukommen und über euch Kommissäre zu sein, damit ihr nicht seinen Leib den Nazarenern, seinen Glaubensgenossen, verkauft.“ Ich sagte: „Das ist für euch keine Sünde, weil Gott die Absicht kennt.“

Sie standen auf und taten, wie sie ausgesonnen. Vier von ihnen gingen hinaus und sagten zu den Soldaten: „Uns hat der Hyparch befohlen, ihn zu bewachen, damit die Vögel, aber nicht die Hunde ihn fressen.“ Wenn aber die Vögel und auch die Hunde kamen, und sie Steine gleichsam nach den Hunden warfen, flogen auch die Vögel fort. Die Soldaten sagten: „Was tut ihr, daß ihr weder Hunde noch Vögel fressen laßt?“ Jene Landsleute sprachen: „Wir tun, wie uns vom Hyparchen befohlen ist.“ Und sie bewachten ihn den ganzen Tag. Als es aber Abend wurde, gaben sie den Soldaten zehn Drachmen (zûz); diese standen auf, nahmen (das Geld) und gingen in die Stadt. Sie aber hüllten nachts Kopf und Leib in einen linnenen Umschlag und verbargen ihn in dem Gehöft1. Nach einigen Tagen brachten sie ihn auf ein Schiff, führten ihn auf dem Tigris nach seiner Stadt und verbargen ihn außerhalb der Stadt auf einem der Kirche (gehörenden) Landgut.

Die Mutter des Seligen war seit vielen Jahren Witwe. Sie war im Begriffe, nach ihm zu schicken und ihn vom Hofe des Königs kommen zu lassen, um ihm Hochzeit zu halten, da er noch nicht verheiratet war, und hatte diese ihm widerfahrene Gnade noch nicht gehört. Da kamen, die ihn brachten, und sagten zu ihr: „Jakob ist Zeuge geworden und wir haben ihn gebracht.“ Sie erhob sich mutig, sich freuend wie die Heldin Schâmûni, zog weiße Kleider an und ging zu Saumai, dem Bischof der Stadt Karkâ, in der sie wohnte. Als dieser sie in weißen Kleidern sah, wunderte er sich über sie, da er von ihrem Sohn nichts gehört hatte und sprach: „Was ist dir geschehen? Ich sah dich doch sonst nicht in weißen Kleidern.“ Sie sprach: „Soll ich bei der Hochzeit Jakobs nicht weiße Kleider anziehen?“ Der Bischof sprach: „Jakob ist noch nicht gekommen und du hast ihm die Hochzeit bereitet?“ Sie sprach: „Steh auf, komm und sieh Jakob, dessen Hochzeit herrlicher ist als alle Hochzeiten dieser vergänglichen Welt und dessen Vermählung größer ist als die jedes sterblichen Bräutigams.“

Sie stand auf und führte den Bischof. Sie nahm Öl und Wohlgerüche, Linnen und Kleider, die sie zur Hochzeit hergerichtet hatte. Man salbte den Leib des Seligen, hüllte ihn ein nach der Sitte und begrub ihn an einem Ehrenplatz, der der Ruhmestaten des vollkommenen Zeugen würdig war. Was sie für die Hochzeit des Herrlichen bereitet hatte, (davon) machte sie zum Gedächtnis (ein Hospiz), worin die Heiligen, Witwen, Armen und Bresthaften aufgenommen wurden. Seine Gebete seien über uns allen. Amen.

Märtyrer von Karkâ

Aus der Geschichte der Märtyrer von Karkâ de Bêt Slôk.

Nachdem (Bischof Schâpûrbarâz) im Frieden zu seinem Herrn versammelt war, folgte ihm nach der herrliche Kämpfer, der keusche Priester, der Tempel der Heiligkeit Mâr Johannan, der im Priestertum und in der Zeugenschaft vollendet wurde. Zu seiner Zeit herrschte Jezdegerd als der fünfte nach Schâpûr in Persien. Wie dieser erregte er eine Verfolgung gegen die Kirche Gottes, nachdem er sich sieben Jahre lang wohlwollend benommen hatte. Im achten Jahre tötete er seine Tochter, die seine Frau war, und die Großen seines Reiches. Er ging in das Land Tschûl, unterwarf die dortigen Kleinkönige, baute eine Stadt und nannte sie nach sich selbst Schahrastân Jezdegerd. Da er dort war, trieb er die Christen aus seinem Lager, (da) der Elende glaubte, daß wegen der Christen ihn die Feinde besiegten. Er wählte achttausend Männer der Magier aus, nahm ihnen ihre Mannheit und stellte sie in seinen Dienst. Viele starben aber an dieser Exekution. Den Brauch der persischen Könige, daß an jedem Monatsanfang eine Woche lang jeder Angesehene Zutritt hatte, um die Sache der Unterdrückten und jede schlechte Anordnung dem König vorzutragen, diese Sitte (τάξις) schaffte der Bösewicht ab. Als er von Tschûl zurückgekehrt und in seine Residenz gekommen war, schrieb er an Tahmjezdegerd, der Môg(ân)andarzpat — das Ordner der Magierschaft bedeutet — in Nisibis war, daß er mit Adôrfrôzgerd, dem Srôschavarzdâri der Provinz Arzûn und Sûrên, dem Dastbarhamdâd von Hdajab und Bêt Garmai, zu dreien nach Karkâ gehe, um durch Schmeicheleien und Geschenke die Christen der vier Provinzen, welche jene vier (!) genannten Beamten verwalteten, zu zwingen, daß sie Christus verleugneten und die Sonne anbeteten. Wenn sie aber die Sonne nicht anbeten und dem Feuer und Wasser nicht opfern würden, sollen sie den Foltern, Kämmen und dem Schwerte überliefert werden.

Am fünfzehnten Tammûz (Juli) kamen Tahmjezdegerd und seine Begleiter nach Karkâ. Sie schleppten die Häupter, die Vornehmen und die übrigen Angesehenen von Karkâ weg und warfen sie ins Gefängnis. Sie sendeten rohe Soldaten (paig) in die fernen Gegenden und befahlen ihnen: „Alle Christen, die ihr findet, sollen in schweren Banden hierher kommen, um in verschiedenen Todesarten zugrunde zu gehen, wenn sie ihren Glauben nicht verleugnen.“ Als Bischof Johannan sah, was geschah, schrieb er dem Patriarchen von Antiochien, sie möchten für ihn und seine Herde beten, damit Gott ihnen helfe und sie siegreich aus dem Kampfe, zu dem sie berufen waren, führe. Und vom fünfundzwanzigsten Tammûz, an dem Tahmjezdegerd in Karkâ einzog, bis zum zwanzigsten Ab (August) verließ er den Tempel nicht, sondern rief mit seiner in der Kirche versammelten Herde zu Gott, daß er ihnen zu Hilfe komme. In diesen Tagen befahl Tahmjezdegerd, daß man den Hirten von seiner Herde trenne und man warf ihn mit vielen Christen, die dort gefesselt waren, ins Gefängnis und quälte ihn, daß er die Sonne anbete. Als er sein Haus verließ um hinzugehen, und den Richter sah, sprach er laut zu Tahmjezdegerd: „Sei gegrüßt, Richter und Gerichteter; sei gegrüßt, Züchtiger und Gezüchtigter; sei gegrüßt, Magier, Bekenner und Zeuge; mach dir viel, Tahmjezdegerd, mach dir viel die Schar, mit der du dem Bräutigam entgegengehst, der uns in sein Reich geladen hat. Ich sehe dich dem Simon Petrus gleich geworden; kopfüber wirst du um des Namens Christi willen ans Kreuz gehängt werden.“ Mit dem seligen Johannan waren Vornehme aus den angesehenen Familien von Karkâ im Gefängnis, darunter Isaak bar Hôrmîzdgerd, Ardaschîr bar Arzanjâ (?), Abraham und sieben andere, von denen die einen in ihrer Treue beharrten, andere verleugneten. Da Isaak bar Hôrmîzd (sie) um der Gottesfurcht willen in Fesseln war, öffnete er seinen Mund und sprach zu Tahmjezdegerd ähnliche prophetische Worte wie Johannan: „Ο Tahmjezdegerd, du wirst in gutem Zeugnis für den Herrn gekrönt werden. Aus einem Wolf wirst du ein Lamm und gibst deinen Leib als lebendiges, heiliges, angenommenes, Gott gefälliges Opfer.“

Auf Befehl des Tahmjezdegerd wurden sofort die Güter und Einkünfte der Bewohner von Karkâ von Heiden und Manichäern geplündert. Diejenigen, denen befohlen war, die Christen in den verschiedenen Gegenden zu sammeln und herbeizubringen, zogen wilden Sinnes aus, sammelten und brachten herbei nicht nur die Laien, Männer und Frauen, sondern auch die Bischöfe, Priester und Diakone, nämlich den Metropoliten von Arbel und die Bischöfe von Nûhadrâ und Ma’altâ; mit ihnen den Metropoliten von Schargerd1, seinen zweiten, Johannan von Karkâ, den dritten von Lâschom, den vierten von Mâhôzê (de Arêwân), den fünften von Harbat glâl, den sechsten vom Dorfe Darâ (?) neben dem kleinen Zâb. Diese Hirten kamen mit ihrem Klerus und der Mehrzahl ihrer Herden froh nach Karkâ, um die Krone der Zeugenschaft mit großer Freude zu empfangen. Als sie einzogen, zog das Kreuz, ihr Ruhm, an ihrer Spitze und sie feierten es mit achtsamem (Psalmen) dienst und Alleluja. Wie es heißt, waren sie hundertdreißigtausend, abgesehen von den zwanzigtausend Bewohnern von Karkâ, die im Gefängnis waren. Als die Gefangenen das Donnergedröhn des (Psalmen) dienstes der Ankommenden hörten, all der Scharen, die zum Reiche geladen waren, freuten sie sich gar sehr. Aber die Umgebung des Tahmjezdegerd wurde sehr bestürzt, als sie die Myriaden von Scharen sah, da sie glaubten, es sei ein Aufstand.

Tahmjezdegerd stieg an den Ort hinauf, der Bot Tittâ (Feigenhausen) heißt, wo in den Tagen König Schâpûrs die Zeugen getötet worden waren, setzte sich auf den Richterstuhl und ordnete vor jenen Scharen alle verschiedenen Folterwerkzeuge und sprach: „König Jezdegerd befahl: ,Wenn ihr auf die Befehle seiner Majestät nicht hört, seinen Willen nicht tut, die Sonne, den großen Gott, nicht anbetet, und Feuer und Wasser, die Kinder des Hôrmîzd, nicht ehrt, so wird euer Leben durch diese ausgelöscht.“ Mit den Folterwerkzeugen waren auch sechzehn Elephanten gekommen, die sie mitgebracht, damit sie diejenigen, welche Christum nicht verleugneten, zertreten sollten. Der gesegnete Isaak nahm die Folterwerkzeuge, küßte sie, legte sie auf seine Augen und sprach: „Seid gegrüßt, ihr Eisen, durch die wir in den Palast (παλάτιον) des Reiches der Höhe eingehen und uns in Lichtzelten erfreuen, die uns von Christus, dem Herrn, vor Gründung der Welt bereitet sind.“ Und er öffnete den Mund und sprach zum Richter: „Was stehst du, o Richter? Tritt heran und vollzieh deinen Auftrag; denn wir sind alle bereit, freudig für den Namen unseres Herrn Jesu Christi zu sterben.“ Als der Richter das hörte, befahl er, den heiligen Isaak auf dem Boden mit seinen vier Gliedmaßen auszustrecken. Man schlug Nägel in seine Hände und Füße und kämmte seinen Leib mit eisernen Kämmen, bis man sein Fleisch von den Knochen zog. Da er auf dem Felsen von Bêt Tittâ ausgespannt war, und die Gottlosen ihn kämmten, rann sein Blut hinab in das Tal von Bêt Tittâ . Und da der Heilige so gemartert wurde, befahl Tahmjezdegerd, daß alle um Christi willen Gefangenen neben Bêt Tittâ zum Gericht kommen und befragt werden sollten. Wenn sie den Namen Christi nicht verleugneten, sollten sie wie Isaak gemartert werden. Als das heilige und auserwählte Christenvolk merkte, daß die Zeit seiner Krönung gekommen sei, sammelten sich Hirten und Herden in der Kirche, feierten das Opfer, nahmen an den Leben gebenden Sakramenten teil, umarmten und küßten einander im heiligen Kusse, zogen aus, indem sie das Kreuz trugen, und kamen im (Psalmen) dienste bis Bêt Tittâ . Als sie den heiligen Isaak ausgestreckt sahen, wie man seinen Leib kämmte, schrien sie laut und lobten Gott; sie ermutigten den Seligen, damit er in den Martern nicht gebrochen werde. Da befahl der Richter, daß man Naphta bringe, die Knochen des Heiligen (damit) salbe und anzünde. Als die Feuerflamme in seinen Knochen knisterte und er nahe daran war, zu seinem Herrn zu gehen, erhob er seine Stimme, pries die Ordnungen Israels Gottes und wurde in gutem Zeugnis gekrönt.

Da befahl der Richter, nach ihm den achtsamen Priester Johannan, den Bischof von Karkâ selbst herbeizubringen. Man brachte ihn an den Ort, an dem man den herrlichen Isaak ausgestreckt hatte und hieb ihm die Hände ab, so daß sein Blut in das Tal von Bêt Tittâ hinabrann. So führte man ihn und seine sechzig Gefährten in die Schlucht östlich von Bêt Tittâ. Rasch und die Psalmen Davids jubelnd liefen jene Heiligen an den Ort, der als Schlinge des Todes gespannt war. Auf Befehl des Richters las man ihnen das Schreiben des Königs vor, das für jeden, der Christus verleugnete, Würden, Geschenke und Ämter enthielt; für jeden aber, der nicht gehorchen und verleugnen würde, Schwert, Feuer, Folter und Kämme. Einstimmig sprachen die Heiligen: „Die Geschenke des Königs mögen ihm bleiben; seine Ämter und Würden möge er anderen geben; wir haben einen Schatz im Himmel, der in Ewigkeit nicht vergeht. Von dort erwarten wir unseren Lebendigmacher, unseren Herrn, Jesus Christus, der den Leib unserer Niedrigkeit verwandeln wird, daß er sei das Bild des Leibes seiner Herrlichkeit.“ Als der Richter das hörte, befahl er, daß man den Herrlichen teils die Füße abhaue, teils die Zunge abschneide, teils die Augen aussteche, teils die Kopfhaut abziehe. Zum Schlusse ihres Kampfes befahl er, daß man Rohr und Reiser bringe. Man suchte Baumharz, um das Holz zu bestreichen. Da man dieses aber in unserer Gegend nicht findet, nahmen sie Naphta, setzten die Heiligen mitten hinein und den Bischof Johannan an ihre Spitze, legten Feuer an das Holz und verbrannten die Leiber der Kämpfer. Es waren diese der Bischof, die Priester Dâdîschô‘, Schûbhâlîschô‘ und Bôchtîschô‘ nebst achtundzwanzig angesehenen Laien aus Karkâ selbst. Diese wurden am ersten Tage gekrönt, am vierundzwanzigsten Ab (August), am Freitag der sechsten Woche nach dem Fasten der Apostel.

Am Samstag, den fünfundzwanzigsten Ab, führte man an den Ort, an dem die erste Schar gekrönt worden war, dreitausend Bewohner von Karkâ heraus, deren Namen im Buche des Lebens stehen. Auf Befehl Tahmjezdegerds baute man einen Altar und zwang die Bewohner von Karkâ zu opfern. Die in ihrem Gott Starken aber riefen: „Ferne sei es uns, Christum zu verlassen, der für uns zum Opfer wurde, und den abtrünnigen Teufeln zu opfern.“ Und so große Martern über sie kamen, wurden sie nur noch stärker in Christo. Bezüglich der Kleriker unter ihnen, deren Namen sind Priester Isaak und Stephanus, und der anderen aus ihnen befahl er, sie am Aufstieg oberhalb des Dorfes Kanar (?) zu steinigen. Zwei Bundestöchter aus Karkâ kreuzigten sie in der Mitte des Aufstiegs und steinigten sie an ihren Kreuzen. Für Abraham, Simon und Ma’nâ machten sie eine Grube auf der Höhe des Aufstiegs, wo die Genossen des Stephanus gesteinigt worden waren, und führten sie in schweren Fesseln hin. Der Rest der dreitausend wurde dort gekrönt, wo die Genossen des Johannan am ersten Tage verbrannt worden waren. Zu den Genossen der eben genannten Abraham, Simon und Ma’nâ schickte man Soldaten (paig), die sie mit Pfeilen schossen, da sie in der Grube saßen, die Nägel glühend machten und in ihre Pupillen bohrten, und andere Nägel heiß machten und in die Leiber der Herrlichen bohrten. Diese wurden am zweiten Tage, Samstag, den fünfundzwanzigsten Ab, gekrönt.

Am Sonntag, dem dritten Tage der Krönung der Herrlichen, befahl Tahmjezdegerd, daß man an den Gerichtsort herausbringe die achttausendneunhundertvierzig Seelen, die von den nahen und fernen Städten und Dörfern herbeigeschleppt worden waren, darunter den Metropoliten von Schargerd und die Bischöfe von Lâschôm, Mâhôzê, Harbatglâl und des Dorfes Darâ. Als sie versammelt waren, setzten sie die Bischöfe gebunden für sich allein und führten das Heer der Heiligen in Abteilungen zur Befragung. Da alle bekannten und nicht verleugneten, und die Heiden fanden, daß alle einmalig und eines Sinnes waren, bestellte der Richter ungefähr dreitausend rohe, grausame Magier, welche die Heiligen teils mit dem Schwerte löteten, teils dem Feuerbrand überlieferten; teils wurden sie zersägt, teils gesteinigt, teils tat man ihnen Essig und Senf in Mund, Augen und Nase, bis sie starben. Kurz, durch verschiedene Todesarten und Qualen trennten sie die Herrlichen von dieser Welt, daß sie hinübergingen an ihren Ort und zu ihrem Erbe kamen, das Licht, Leben und Friede ist.

Hernach wurde ein Beamter des Tahmjezdegerd zu den genannten Bischöfen geschickt. Er kam und fragte: „Wer ist euer Haupt?“ Da alle schwiegen, war dort ein Knabe gebunden, der Sohn einer Witwe aus Karkâ, namens Dêndôê, gleich dem ersten Dendöe in den Tagen Schâpûrs. Wegen dieses Dêndôê kam die Metropolitanwürde nach Karkâ. Er erhob sich nämlich mutig und sprach zu den Vätern: „Seid stark, Väter im Herrn, und fürchtet nicht. Steht den Feinden Rede. Wenn nicht, so gebt eure Zustimmung zum Prinzipat von Karkâ und wir nehmen statt euer die Folterqualen auf uns.“ Sofort stimmten der Metropolit von Schargerd und seine Bischöfe zu, schrieben und besiegelten es und sagten: „Dir, o Knabe, steht die Metropolitanwürde zu; du bist der zweite Elias und Knabe David in dieser Zeit der Not.“ Von da an war die Metropolitanwürde in Karkâ festgelegt. Sie legten ihm die Hand auf und segneten ihn in ihren Fesseln. Als die Heiden sahen, daß die Christen auf ihrem Stolz bestanden und nach ihren Kanonen furchtlos wandelten, mordeten sie sie mit dem Schwerte. Zuerst töteten sie den gepriesenen Dêndôê, dann die Bischöfe und die übrigen, die teils aus Karkâ, teils aus verschiedenen Orten waren.

Eine Frau, namens Schîrin, in der Nachbarschaft von Bêt Zâdôk buk Brot in ihrem Hause. Als sie hörte, daß die Heiligen gekrönt wurden, ließ sie ihr Brot und ihren Teig im Trog, nahm ihre beiden Kinder mit, eines auf der Schulter, eines an der Hand, und lief, bis sie Tahmjezdegerd, den Richter, unterhalb Chôrä fand, Sie fiel in die Zügel des Pferdes, auf dem er ritt, und beschwor ihn persisch, er möge sie nicht des Weges berauben, den die heiligen Märtyrer geschickt wurden. Staunend darüber kehrte der Richter zurück, und nach dem er ihr zugeredet, von ihrer Absicht abzustehen und sie nicht nachgab, befahl er, daß ihr und ihres älteren Sohnes Kopf mit dem Schwerte genommen werde. Als der jüngere das sah, fiel er weinend auf die Leiche seiner Mutter und seines Bruders; er nahm von ihrem Blute, bestrich damit seine Augen und seinen Leib, und so sehr der Richter und die Heiden ihn wegnahmen und ihm durch Worte und Geschenke schmeichelten, lief er zu der Leiche seiner Mutter und seines Bruders, warf sich auf sie und küßte sie weinend. Da töteten die Grausamen auch ihn.

Nachdem diese getötet waren, öffnete der Herr dem Tahmjezdegerd die Augen und er sah eine Leiter auf der Erde stehen, deren Spitze zum Himmel reichte, und alle von ihm Getöteten stiegen hinauf. Oben stand der Herr und setzte ihnen herrliche Kronen auf das Haupt. Sogleich wendete sich sein Sinn zur Buße und er rief laut: „Ich bin Christ“, wie von ihm prophezeit war. Er jammerte über sich und weinte und flehte zu Christus, daß er das von ihm vergossene Zeugenblut vergebe. Als König Jezdegerd hörte, daß Tahmjezdegerd das Magiertum abgeworfen und das Christentum angenommen habe, befahl er, ihn durch Foltern zu befragen. Nachdem man Foltern, Fesseln, Gefängnisse, Schläge und Kämme über ihn verhängt, befahl der König, daß er kopfüber ans Kreuz gehängt werde. So wurde der selige Tahmjezdegerd im guten Zeugnis gekrönt am Montag, den fünfundzwanzigsten Elul (September 447).

Mâr Abâ

Geschichte der wunderbaren und göttlichen Kämpfe des heiligen Zeugen Mâr Abâ, des Katholikos, Patriarchen des Orients.

(Einleitung: Wenn man große Männer durch Bildsäulen ehrt, um wieviel mehr geziemt es dann, die Zeugen Christi, besonders Mâr Abâ, zu ehren.)

Mâr Abâ war ursprünglich Heide und übertraf die meisten Heiden durch seinen (Eifer für das) Heidentum. Auch war er in der persischen Literatur unterrichtet. Da er in der Literatur sehr unterrichtet war, sahen Vornehme seiner Gegend, daß er sehr unterrichtet und scharfsinnig war und redeten ihm zu, sich ihnen anzuschließen, damit sie ihn angesehen im Staatsdienst und in weltlicher Stellung machten. Und da der Selige ihnen Gehör gab, machten sie ihn zum Arzabed; er ging bei ihnen ein und aus und war angesehen bei vielen. Er war ein harter, bitterer Heide; er schmähte die Christen und verhöhnte die Bundessöhne. Aber als er den Tigris überschritt, warf Jesus über ihn sein Netz und fing ihn darin. Denn der Herr pflegt so zu tun, wie er dem seligen Paulus tat, als dieser nach Damaskus ging, seine Jünger zu verfolgen, zu fesseln und dem Tode zu überliefern. Er wandelte ihn aus einem Verfolger in einen Verfolgten; er wurde gefesselt, litt und starb für ihn. Ebenso sendete Jesus diesem Heiligen, als er ging, von dem Dorfe Châlê zu seiner Heimat überzufahren und mit anderen im Schiffe (κέρκουρος) saß, über den Tigris zu fahren, einen Studenten (σχολάριος) als Lehrer, einen abgetöteten Aszeten, einen sanften und demütigen Mann, sittsam und demütig in seinem Äußern (σχῆμα), namens Joseph, mit dem Beinamen Moses. An seiner Angel hatte er die süße und angenehme Speise geistlicher Lehre, den Heiligen vom Tode zum Leben zu fangen.

Als der Selige im Schiffe saß, um überzufahren, stieg auch der Student ein, mit ihnen überzufahren. Da der Heilige sein Kleid (σχῆμα) sah und ihn für einen Bundessohn hielt, schlug er ihn, nahm die Tasche, die er bei sich hatte, warf sie ans Land und zwang ihn, auszusteigen. Der Student antwortete darauf kein Wort, sondern stieg aus und setzte sich an das Ufer des Tigris. Nachdem aber der Selige und seine Begleiter abgefahren waren und sich ein wenig vom Ufer entfernt hatten, wehte ihnen durch Gottes Fügung ein heftiger Wind entgegen; der Tigris wurde stürmisch als eifriger Knecht und seine Wellen erhoben sich gegen sie, da er gegen den Seligen brüllte, weil er den Jünger Christi geschlagen und gehöhnt und an der Überfahrt gehindert. Es überfiel ihn Furcht und er befahl, das Schiff an das Ufer zurückzulenken. Nachdem er gelandet und ausgestiegen war, legte sich der Wind und es ward große Stille. Da stieg er wieder in das Schiff und auch der Student stieg wieder zu ihnen ein und setzte sich zu ihnen in das Schiff, und wieder erhob sich der Selige gegen ihn und zwang ihn, ans Land zu steigen. Und da sie ein wenig gefahren waren, erwachte wieder der Wind gegen die heidnische Frechheit, daß er den Schöpfer des All nicht erkannte und er wurde noch mehr erregt als zuvor. Und wieder kehrten der Selige und seine Begleiter zurück und stiegen ans Land. Jener treffliche Student aber saß am Ufer des Tigris.

Als der Selige dessen Kleid (σχῆμα) ansah, das keusch und (nicht) bunt (?) war, kamen ihm Zweifel, er möchte vielleicht kein Bundessohn Christi, sondern ein Marcionit oder Jude sein und er fragte ihn: „Bist du ein Jude?“ Er sprach: „Ja.“ Wieder sprach er: „Bist du ein Christ?“ Er sprach: „Ja.“ Wieder sprach er: „Verehrst du den Messias?“ Er sprach: „Ja.“ Über diese Antwort des Studenten wurde der Selige sehr zornig und sprach: „Wie bist du Jude, Christ und Messianer (meschîchâjâ) ?“ Christ nannte er nämlich nach der dortigen Gewohnheit den Marcioniten. Der Student sprach: „Jude bin ich insgeheim. Ich bete den lebendigen Gott an und glaube an seinen Sohn, Jesus Christus, und an den Heiligen Geist. Ich fliehe den Götzendienst und alle Unreinheit. Christ bin ich in Wahrheit, nicht wie die Marcioniten irre führen und sich selbst Christen nennen. Denn Christ ist ein griechisches Wort, das auf syrisch Messianer bedeutet. Und wenn du mich fragtest: „Verehrst du den Messias“, so verehre ich ihn in Wahrheit und ich fliehe alles Böse um des wahren Lebens willen.“

Als der Selige das hörte, frohlockte er in seinem Geiste. Er erkannte die Weisheit und Demut des Studenten, des Jüngers Christi. Wieder stieg er in das Schiff und setzte sich, und auch der Student stieg ein. Und da der Selige aufhörte, den Studenten zu verachten, hörte auch der Wind auf; die Wellen des Tigris beruhigten sich; sie fuhren über und kamen ans Land. Da beide ausgestiegen waren, sprach der Student: „Was hat es dir jetzt geschadet, daß ich mit dir überfuhr?“ Der Selige wunderte sich über seine Ruhe und bereute sehr, daß er ihn beschimpft. Er trat hinzu, fiel vor ihm nieder und sprach: „Ich bitte dich bei dem lebendigen und wahren Gott, verzeih mir diese an dir begangene Sünde.“ Der Student sprach: „Der Herr hat uns Christen befohlen, gegen niemand Zorn zu bewahren, noch Böses für Böses zu vergelten.“ Darauf traten sie herzu, grüßten einander und schieden voneinander.

Da der Selige die Tugend dieses Studenten gesehen und über seine Worte viel nachgedacht, setzte er sich in den Sinn, sich zur Hausgenossenschaft Christi unterweisen zu lassen und fastete und betete beständig. Er war einem angesehenen Mann zugeteilt namens Chûdâibôd, der Sekretär des Finanzdirektors dieses Gebietes von Bêt Arâmâjê war und sich damals in Radan befand. Nachdem dieser nach Ktesiphon hinabgezogen war, zog auch der Selige hinab mit jenem Sekretär, dem er zugeteilt war. Er fastete täglich und betete beständig in der Kalkkirche. Da hörte der Sekretär, bei dem er war, der Selige sei zum Christentum unterwiesen worden und sprach eines Tages: „Abâ, bist du Messianer geworden?“ Er sprach: „Ja, ich bin Messianer.“ Der Sekretär sprach: „Ich sage es und klage dich vor dem Finanzdirektor an und man fesselt dich.“ Der Selige sprach: „Sag es nur; ich bin bereit, für den Namen Christi mich fesseln zu lassen und zu sterben.“ So sprach der Heilige, obwohl er das Siegel der Taufe noch nicht empfangen hatte. Nachdem er einige Zeit in Ktesiphon verbracht, kehrte er in seine Heimat zurück, und nachdem er beständig gefastet und gebetet, trat er zur heiligen Taufe hinzu im Dorfe ‚KD. Von da an war er noch eifriger im Fasten, im Gebet und in Werken der Tugend. Er verließ den Sekretär und seinen Dienst, verschmähte die Welt und nahm sich vor, in die Wüste und in das Gebirge zu gehen, dort zu wohnen und Gott durch seinen Wandel zu gefallen.

Nachdem er nach Nisibis hinaufgezogen war, trat er in die dortige heilige Schule und gewann den Umgang mit den göttlichen Schriften lieber als sein Leben. Er lernte den (Psalter) Davids in wenigen Tagen und begann mit der Betrachtung der göttlichen Schriften. So verkehrte er mit dem in Gott ruhenden Ma’nâ, dem Bischof von Arzôn, einem Gottesmann und Lehrer der Wahrheit, der durch seine guten Sitten die meisten und durch seinen Scharfsinn und seine Gelehrsamkeit alle übertraf, die damals bewundert wurden und der (sogar) seine meisten Vorgänger übertraf. Nachdem Mâr Ma’nâ Bischof geworden war, schloß er sich ihm an und ging mit ihm und wurde mit dem Lehramt der Provinz Arzôn betraut. Alle, die dort waren, ernteten von ihm großen Gewinn, und viele Häretiker bekehrte er zum wahren Glauben. Hernach kehrte er nach Nisibis zurück und machte täglich Fortschritte, indem er sich mit der Erklärung (der Schriften) und geistlichem Studium beschäftigte. Hernach sah er sich gezwungen, in das römische Reich zu gehen, einmal, um die ersehnten Stätten der Heiligen zu sehen, um den Segen ihres Gebetes zu empfangen, dann wegen eines Mannes, namens Sergius, der arianische Gesinnung mit Heidentum verband, mit dem er disputieren und den wahren Glauben befestigen wollte.

Als er nach Edessa kam, schloß sich ihm ein Bruder an, namens Tômâ, der von Jugend an (im Glauben) unterrichtet worden war. Und so übertraf er die meisten durch sein Wissen, das er in den vielen Jahren, die er mit ihm war, von dem Seligen erworben hatte. Nachdem er herumziehend viele unterrichtet hatte, da er von ihm auch in der griechischen Sprache unterwiesen worden war, zog er in die ägyptische Wüste hinab und erleuchtete dort viele durch seine Lehre und seine Sitten. Er ging in ferne Länder mit großen Mühen und auf schwierigen Reisewegen. Er erklärte in Alexandrien die heiligen Schriften griechisch und bekehrte viele, die heidnischen Sinnes waren. Er widerlegte die, welche sich mit Zauberei beschäftigten, warf die Häretiker (αἱρεσιώτης) nieder, indem er sie durch seinen schönen Wandel in Bewunderung setzte. Jedermann staunte über seine Abtötung und wurde von seiner Lehre erleuchtet. Von da ging er nach Athen, züchtigte die Athener, die sich für etwas Großes hielten, da sie sich von Anfang an mit heidnischer Wissenschaft beschäftigt hatten und bekehrte viele zur Erkenntnis der Wahrheit durch Zeichen und Wunder, die durch ihn dort wie in Korinth geschahen. Ein doppeltes Wunder wollen wir berichten.

In einem heiligen Schwesternkloster war die Oberin lange Zeit krank an einem Unterleibsleiden und Dysenterie, und nahe daran, zu sterben. In jenem Kloster war auch eine Häretikerin, die gegen die Oberin hochmütig war und sie durch ihre Lästerungen erbitterte. Als die Oberin, eine große, treffliche Frau, von der Gelehrsamkeit und Tugend des Seligen hörte, glaubte sie, daß, wenn er ihr von seiner Nahrung eine Eulogie senden würde, sie sogleich gesund würde. Sie ließ ihn darum bitten. Da sie (gerade) Erbsen aufweichten, wovon sie sich nährten, schickte er ihr davon, da sie nichts anderes hatten. Sobald die Oberin, die dem Tode nahe war, von den Erbsen aß, wurde sie gesund und sogleich kam die Dysenterie zum Stillstand, ob gleich die Erbsen bei diesem Leiden schädlich sind. Aber die göttliche Vorsehung ist gewohnt, so zu tun. Und wie sie durch den seligen Moses mit bitterem Holze oder durch den Prophet Elisäus mit Salz bitteres Wasser süß machte, so tat sie auch hier durch diesen Seligen. Und jene Oberin flehte Gott an durch das Gebet des Seligen wegen der Lästerung jenes im Kloster befindlichen Weibes, und in der Nacht, da die Oberin genas, starb jene, da sie Gott und den Seligen gelästert, weil die Oberin durch seine Eulogie genesen war.

Manche Sophisten (σοφιστής). die in heidnischer Gesinnung festgehalten waren, traten, als sie seine Gelehrsamkeit hörten, der Erkenntnis der Wahrheit bei und verbrannten ihre Fabelbücher. Die Kunde davon verbreitete sich im ganzen Lande Achaja und man bekannte und pries Gott. Die Häretiker, die dort waren, wurden von seiner Gelehrsamkeit aufgestachelt, weil er kundig ihre Einwände löste und ihre Gründe widerlegte und suchten ihn deshalb zu töten. Er stieg in ein Schiff, fuhr in die Reichshauptstadt Konstantinopel und lehrte dort ungefähr ein Jahr lang den wahren Glauben. Viele brachten ihm nicht wenig Gold und kostbare Kleider; er aber ließ sich nicht herbei, davon zu nehmen. Er nährte sich von seiner Hände Werk, soweit der Lebensunterhalt es erforderte, indem sie Körbe (σπυρίς) flochten und verkauften und (davon) lebten, so daß ihm und seinem Jünger im Land Cilicien (?) fünf Laibe (? φοῦρνος) Brot und ein wenig grünes Kraut volle sieben Monate genügten. Was soll ich über die Wegelagerer sagen, die von ihrem Räuberhandwerk ließen, in die Städte und Dörfer zurückkehrten, für ihre Freveltaten Buße taten und fremden (ξένοι) -liebend wurden. Eines Tages, da er in der Thebais, die von Räubern voll ist, einen gefürchteten Weg zog, begegneten ihm (solche) und sprachen: „Zieh aus und lege weg alles, was du bei dir hast.“ Er tat es und sie sahen, daß er nichts hatte als das Lehrbuch. Da weinten die Räuber, fielen ihm zu Füßen und flehten ihn an, daß er ihnen verzeihe, daß sie ihn belästigt, und sie baten ihn: „Nimm dir Gold und Silber von uns, soviel du willst.“ Er aber wollte nicht. Sie bekehrten sich von ihren Werken und verteilten, was sie besaßen, den Armen.

Solches und noch mehr wirkte er im Abendland, so daß sogar der Kaiser des Abendlandes ihn wegen des Rufes seiner Lehre und seiner Frömmigkeit zu sehen begehrte. Als der Selige das erfuhr, ging er fort nach Antiochien. Und da er nach Nisibis kam und das Schisma der Hierarchie sah, wollte er eilig in die Wüste gehen. Als aber die Bischöfe der Provinz (ὑπαρχία) das hörten, verboten sie ihm, unter Androhung von Kirchenstrafen, fortzugehen. Er blieb nun lange Zeit im Lehramt und erfreute sich an geistiger Beschäftigung mehr als an allen Gütern dieser Welt. Von seinen dortigen Werken will ich nur eines aus vielen erzählen. Es studierte dort ein Bruder, der vom Teufel bös gequält wurde. Der Selige fastete und betete mit den Brüdern, indem er sprach: „Ich vertraue auf Gott, daß der böse Geist rasch von ihm weicht.“ Wie er gesprochen, so geschah es. Nach drei Tagen wich jener Geist von dem Bruder und kam ihm nicht mehr nahe. Alle die es hörten und sahen, bekannten und lobten Gott.

Hernach wurde er von den Metropoliten und Bischöfen und allen Klerikern und Gläubigen der (beiden) Städte ohne sein Wissen zu diesem hohen Amte des Katholikates gewählt. Der König sendete nach ihm Berittene, ohne daß er es vermutete, und er wurde zum Patriarchat erhoben, ohne daß er daran dachte. Er erbte den Thron des Katholikos Mâr Simon (bar Sabbâ’ê), des herrlichen Zeugen und seiner seligen Genossen, und er erbte auch ihre geliebten Kämpfe (ἀγών). Er brachte den Kirchen Frieden, rottete die Feindschaft aus, die der Feind zur Zeit des Schismas hineingeworfen, säte Frieden in den fernen, schwer zugänglichen Provinzen und Städten, indem er viel Hitze (und Kälte) ertrug, erneuerte das Alte, erleuchtete das Finstere und befestigte die Kanonen der Apostel im Orient. Nachdem er in die Provinzen der Hûzâjê, Pârsâjê und Maischânâjê hinab- gezogen war, die untereinander gespaltenen Kirchen versöhnt und zum Frieden gebracht und die ihn begleitenden Metropoliten und Bischöfe in ihre Heimat entlassen hatte, ging er dem König der Könige entgegen, stellte sich ihm vor und wurde von ihm empfangen. Hernach kehrte er zu seinem Stuhle und zu seinen Residenzstädten zurück. In den Nächten beschäftigte er sich mit den Schreiben, die er bezüglich der Kirchenregierung in die Provinzen verschickte; bei Tag (beschäftigte er sich) bis zur vierten Stunde mit der Erklärung der heiligen Schriften und von da bis zum Abend mit Rechtsprechung und Lösung der Streitigkeiten zwischen den Gläubigen, sowie zwischen ihnen und den Heiden. Es freuten sich über ihn die Diener Christi; es frohlockten die Kirchen aller Provinzen seines Patriarchates.

Satan, der Feind unseres Geschlechtes, konnte das nicht ansehen, sondern er krümmte sich drohend. Er wirkte auf den Großmagier, den Môpêtân Môpêt, namens Dâdhôrmizd, und seine Genossen, die Großen der Magier, ein, daß sie zum König der Könige gingen und ihn durch ihre Anklagen aufreizten, indem sie sagten: „Der Katholikos Abâ, das Haupt der Christen, achtet euch nicht als König und Herrn und diese eure große und herrliche Majestät ehrt er nicht. Als er nach Pârs und in die östlichen Provinzen eures Reiches kam, nahm man ihn mit großen Ehren auf. Die Religion (dên) des Magiertums, die von Gott Hôrmîzd gegeben wurde, in der euer Reich regiert wird, klagt er als verwerflich an und zerstört sie. Viele Magier bekehrt er zum Christentum. Unsere Religion schädigt er; die seinige fördert er. Uns, die Großen der Magier, hält er für nichts. Kurz, er ist ein Freund des Kaisers und ein Feind eurer Majestät.“ Der friedfertige und gütige König der Könige nahm ihre Anklage nicht an. Nachdem sie aber oft vor ihn gekommen und geredet, übergab er ihnen die Sache. Nachdem sie eine Gelegenheit gefunden, ihr Verlangen (auszuführen), sandten die Magier nach dem Seligen und ließen ihn vor ihre Versammlung fordern, sobald der König, der im zwölften Jahre seiner Regierung aus dem königlichen Quartier (ôstân) aufbrach, um in das nördliche Gebiet der Armenier und Gûrzânâjê zu ziehen, mit den Chazaren Krieg zu führen. Nachdem er gekommen war, benahmen sich alle höchst erregt und knirschten gegen ihn in großer Erbitterung mit den Zähnen. Der Heilige ließ sich dadurch nicht erschrecken, sondern er machte das Kreuz Christi auf die Stirn, die gefestigt war mit allen unüberwindlichen Schilden, indem er sich freute und frohlockte, dessen um Christi willen gewürdigt zu werden.

Als der Großmagier und seine Genossen sahen, daß er sich nicht vor ihren Drohungen fürchtete, wunderten sie sich über den Mut des Streiters Christi und entließen ihn an jenem Tage, ohne ihn etwas zu fragen. Ebenso tat der Großmagier am zweiten und dritten Tage. Am vierten Tage lärmten sie heftig gegen ihn, indem sie schrien: „Von der Erde werde hinweggeräumt, wer so unserer Religion widersteht.“ Da erhoben sich zwei vornehme Magier; der eine war Schahrdâwer, namens Adôrpâreh; der andere war der Rad von Pârs, und klagten ihn an: „Als dieser in die Gegenden von Pârs hinabkam, machte er viele Magier von der Religion (dên) des Hôrmîzd abwendig und machte sie zu Christen. Viele Christen in Pârs, welche das Fleisch des Gemurmels aßen, hielt er durch seine Anatheme vom Essen ab.“ Als die Magier das hörten, lärmten sie noch lauter und sprachen: „Dieser Mann werde getötet, weil er ein Gegner des Magiertums ist.“ Obwohl es Pflicht des Großmagiers war, als Richter die Worte zu prüfen, den Angeklagten über die Anklagepunkte zu fragen und dann das Urteil (ἀπόφασις) zu fällen, wie Recht (κανών) und Gesetz der Richter fordern, tat er nicht so, weil auch er ein Feind der Wahrheit war. Sondern als ob das Vorgebrachte voll Schreckens wäre, heulte auch er und schrie: „Wenn dieser Mann hundert Köpfe hätte, müßten sie abgeschlagen werden.“ Da machte der Streiter Christi das Kreuzzeichen auf seine Stirn, erhob seine Stimme und sprach: „Bei allem, worüber ich von den Magiern wegen des wahren Glaubens Christi angeklagt werde, o Môpêtân Môpêt, bin ich voll großer Freude, daß ich gewürdigt wurde, in dieser eurer Versammlung ihn zu verteidigen. Jedoch nur auf Befehl des Königs der Könige, wenn mit euch auch andere zugegen sind, — dann antworte ich.“

Als der Großmagier und seine Genossen diese Worte des Seligen hörten, wurden sie noch mehr ergrimmt. Sie gingen zum König der Könige und klagten ihn an: „Dieser Mann, das Haupt der Christen, darf nicht leben, weil er die Religion (dên) des Hôrmîzd zerstört.“ Da sie nun den König der Könige sehr bedrängten, ließ dieser dem Seligen durch den PSNIK‘ DRWSPN melden, er möge vor dem Môpêtân Môpêt, jenem PSNIK‘, und den ihn anklagenden Magiern sich verantworten. Als der Selige diese Botschaft hörte, warf er sich nieder, gegen Osten gewendet, machte das Kreuzzeichen auf sein Angesicht, erhob sich mutig und sprach: „Einer ist Gott, der Schöpfer, Herr und Lenker von allem und er ist in drei Personen ohne Anfang und Ende. Der Glaube an ihn und sein Bekenntnis ist vor jedem Menschen ausgebreitet, daß er mit dem freien Willen, den ihm sein Schöpfer gegeben, seine Herrschaft glaube und bekenne. Von diesem Glauben an Gott, den jeder zu bekennen schuldig ist, darf niemand sagen: ,Er ist der meinige allein‘, wie die übrigen, eitlen Religionen tun. Und wie diese Luft, die wir einatmen, allen Menschen gemeinsam ist, und wie das Licht der Sonne, des Mondes und der Sterne, so und millionenmal mehr ist das Christentum nicht bloß mein, sondern aller Vernunftbegabten der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die glauben wollen. Ich sage vor den Menschen, was ich aus der Heiligen Schrift gelernt. Wer es hört, annimmt und tut, den lobe, ehre und preise ich und nicht stoße ich ihn aus der Kirche. Denn er kennt seinen Schöpfer und glaubt an dessen Vorsehung. Nicht befiehlt mir die Heilige Schrift, jemand zu binden, zu schlagen, noch ihm etwas zu nehmen. Sondern wir beten und flehen für die Irrenden zu Gott, daß er sie zur Erkenntnis der Wahrheit führe; die Christen aber mahne ich, sich vor aller Unreinheit der Opfer zu hüten.“ Da urteilten über ihn der Môpêtân Môpêt und alle Anwesenden: Er ist des Todes schuldig.

In der Versammlung, in der sie mit dem Seligen verhandelten, war auch ein angesehener Gläubiger aus Bêt Ardaschîr, namens Abrôdak, ein Mann, der mit dem König und seinen Großen sehr vertraut war. Als dieser die Worte des Katholikos hörte, geriet er in göttlichen Eifer und sprach zum Môpêtân Môpêt: „Auch dich, der du der Großmagier bist, nimmt der Katholikos auf, wenn du auf seine Lehre hörst und Christ zu werden begehrst, und wir Christen stoßen dich nicht aus der Kirche.“ Der Môpêtân Môpêt und die Magier wurden darüber sehr zornig; da aber jener Gläubige ein großer Herr war, konnten sie ihm nichts tun. Jedoch erhoben sich der Großmagier und seine Genossen und kamen in großem Zorn zum König, indem sie über dieses Wort erbittert schrien: „Ein Christ hat zu dem Môpêtân Môpêt gesagt: Wenn du Christ wirst, nehmen wir dich mit Freuden auf.“ Der König der Könige sprach, um ihren Zorn zu besänftigen: „Warum habt ihr ihm nicht sofort den Prozeß gemacht?“ Als sie vom König weggegangen waren, suchten sie, ihn zu fangen; aber sie fanden ihn nicht, weil er auf des Königs Befehl in Amtsgeschäften nach den (Haupt) städten gegangen war. So entrann er den Händen der Magier.

Da hernach der Selige täglich in die Versammlung der Magier ging, diese mit ihm verhandelten und ihn um allerlei fragten, erhob sich der Môpêt von Bêt Arâmâjê und sprach: „Oft, wenn Christen miteinander Prozesse führten und eine vom Môpêtan Môpêt gesiegelte (Urteils?)schrift (bûchtnâmag) hatten, sendete er hin, ließ sie aus dem Gerichtshaus kommen und zerriß die (Urteils) schrift. Alle Prozesse, die uns zustehen, entscheidet er, und wir erleiden durch ihn viele Gewalt.“ Der Katholikos sprach: „Daß ein Christ seinen Bruder böswillig anklage, lasse ich ihm in der Kirche nicht hingehen.“ Da erhob sich ein Mann aus Samarra (?), namens Dêndâd, der den Christennamen angezogen hatte, aber in dieser wie in vielen anderen Anklagen sich den Magiern angeschlossen hatte, und da er Gottes Wahrheit mit der Lüge vertauscht hatte, war sein Leib nach wenigen Tagen durch Gottes Strafe aufgeschwollen. Da erhob er sich offen vor den Magiern und sprach: „Böswillig habe ich den Katholikos angeklagt.“ Aber er starb in seiner Strafe.

Weil der Selige sich selbst für die Gebote des Herrn und der Apostel hingegeben hatte, mahnte er jederzeit die Bischöfe und Priester, ihre Herden, alle Stände (räy/ua) der Christenheit zu mahnen, die Kanonen der Apostel nicht zu übertreten und seine Stiefmutter, Schwiegertochter und Frau des Onkels zu heiraten, oder zwei (Schwestern) zu nahen. Wer anders tat, den stieß er durch Bindungen und Anathem aus der Kirche. Da erhoben sich der Rad und der Môpêt von Bêt Aramâjê und klagten ihn auch dessen an. Der Môpêtân Môpêt sprach zu dem Seligen: „Denen, welche, bevor du Katholikos wurdest, solche Männer oder Frauen nahmen, gewähre den Eintritt in die Kirche, da sie das nicht zu deiner Zeit taten.“ Der Katholikos sprach: „Ich übertrete die Befehle meines Herrn nicht und denen, welche sie übertraten oder übertreten, gewähre ich den Eintritt in die Kirche nicht, damit sie nicht das Volk des Herrn verderben.“ Der Großmagier sprach: „Die zu deiner Zeit das taten, sollen nicht eintreten.“ Der Katholikos sprach: „Ob der Teufel vor oder nach meinem Katholikat in jemand einzog, soll er diesen verlassen oder nicht?“ Der Großmagier sprach: „Er soll ihn verlassen.“ Der Katholikos sprach: „Ebenso sollen auch jene von der Übertretung des göttlichen Gebotes frei werden, damit sie nicht mit Satan und den Teufeln der ewigen Hölle überliefert werden“.

Da der Môpêtän Môpêt und die Magier erkannten, daß sie von dem Seligen durch diese Antwort zurückgewiesen wurden, suchten sie einen anderen Weg, die Sache mit dem Befehl des Königs zu verknüpfen. Der Môpêtân Môpêt sprach: „Wenn in deinen (heiligen) Schriften steht: „Wenn du das tust, so handelst du recht“ und wenn von einer anderen Sache geschrieben steht, daß du sie nicht tun sollst, weil es nicht recht ist, und wenn der König der Könige zu dir sagt, daß du das, worüber dir befohlen ist, es zu tun, nicht tun sollst, das aber, worüber dir gesagt ist, es nicht zu tun, dir zu tun befiehlt, gehorchst du dann dem Befehl des Königs der Könige und tust du seinen Willen, oder übertrittst du seinen Befehl?“ Der Katholikos sprach: „Ferne sei es dem König der Könige, daß er bezüglich des Guten, das zu tun mir geboten ist, und des Bösen, das mir verboten ist, mir befahl, befiehlt oder befehlen wird, das Gute nicht zu tun und das Böse zu tun.“ Der Môpêtän Môpêt und die Magier sprachen: „Wenn er aber befiehlt?“ Der Katholikos sprach: „Er befiehlt nicht.“ Und da sie ihm sehr damit zusetzten, sprach er: „Wenn er es befiehlt, werde ich seiner Zeit antworten: Gott, dem Schöpfer und Herrn aller Dinge muß man mehr gehorchen als den Menschen.“ Da antworteten sie ihm nichts weiter.

Nach einigen Tagen sah der König der Könige den Seligen auf dem Wege; er sprach über ihn und nahm den Gruß an, den der Herrliche ihm sendete. Da wurde die Eifersucht der Magier wieder erregt und wieder führten sie ihn in ihre Versammlung. Nachdem er vor ihnen erschienen war, erhob sich einer als Ankläger und sprach: „Dieser war früher Heide und der Sohn von Heiden und wurde erst später Christ.“ Da klatschten alle in die Hände und sagten: „Dieser Mann ist des Todes schuldig.“ Da verfaßten sie über ihn eine Untersuchungsschrift1 und lasen sie untereinander vor. Sie zeigten ihm die Schriftstücke, die sie gegen ihn abgefaßt und sagten: „Wenn du unseren Willen tust und bei uns schreibst und besiegelst, daß du diejenigen, welche ihre Stiefmütter, Schwestern und Stieftöchter geheiratet haben, sowie die, welche die anderen nach eurer Schrift verbotenen (Ehen geschlossen haben), nicht vor Gericht ziehst, keinen Magier und Heiden in das Christentum aufnimmst und den Christen nicht verbietest, das Fleisch, über das die magischen Gebete rezitiert wurden, zu essen, so lassen wir dich frei und werfen dich nicht in das Gefängnis. Geh in dein Haus und verwalte dein Katholikat. Wenn du aber nicht auf uns hörst, so besiegeln wir gegen dich eine Untersuchungsschrift (purschaschnâmag) und werfen dich in das Gefängnis.“ Der Katholikos sprach: „Gott, dem ich diene, bewahre mich davor, daß ich den wahren, christlichen Glauben, den ich festhalte und lehre, übertrete und in irgendeinem der genannten Punkte euch den Willen tue. Denn jeder, der etwas davon tut, verleugnet Christum und ist kein Christ.“ Nachdem sie das gehört, besiegelten sie die Untersuchungsschrift und befahlen, ihn in das Gefängnis zu werfen.

Da aber die Christen wegen des Seligen am Hofe heftig lärmten und schrien, befahl der König der Könige, daß er nicht in das Gefängnis geworfen werde. Man übergab ihn dem Rad von Adorbaigan, namens Dâd(d)ên, einem gegen jedermann bösen und harten Mann, der aber durch Gottes Gnade gegen den Seligen und seine Jünger sanft, freundlich und friedfertig erfunden wurde. Hinterlistig überlieferten der Môpêtân Môpêt und die vornehmen Magier auf den Rat des Teufels, des Feindes der Wahrheit, den Heiligen dem Gewahrsam in eben der Provinz Adorbaigan, die durch den Irrtum verfinstert ist, in einem durch das Heidentum verdunkelten Gau (rûstâkâ), namens PRHRWR, in einem Dorfe, namens SRSCH der Magier, das die ganze Magierschaft hervorbringt. Dort versammeln sich nämlich die Magier aus dem ganzen Perserreich, um das törichte Gemurmel des Zardûscht bar Spidtahman zu lernen, Leute, die aller Wahrheit Feind sind. Sie ziehen herum in Scharen und Banden, folgen ihren Meistern, schwätzen und streiten in dem Gefasel ihres Irrtums, kreischen und stottern und knirschen mit den Zähnen wie Wildschweine. Welchen Anblick und welches Anhören der Wildheit und Streitsucht von Leuten, die nicht einmal den Christennamen hören, seinen Gruß annehmen und mit ihm wie Menschen reden mochten, vermochte der Selige auszuhalten. Diesen also übergab man den Seligen zur Bewachung. Und infolge des Antriebs Satans gewährten sie ihm auch nicht die geringste Erleichterung in den Peinen, die sie ihn dulden ließen, damit er bald aus diesem Leben scheide.

Als der Heilige das erfuhr, bekannte er Gott: „Ich bekenne Dich, Herr Christus, Herr aller Könige und König aller Herren, daß du mich, den Schwächling, all dieser Größe gewürdigt hast, daß ich verfolgt und geschmäht werde, weil ich in Wahrheit Dich, Gott, Deinen Vater und den heiligen, Leben gebenden Geist bekenne und daß ich um Deines großen, furchtbaren Namens willen unter Deinen Verfolgern dem Gefängnis und Gewahrsam überliefert werde. Du, o Herr, tue in Deiner Gnade an mir und Deiner ganzen heiligen Kirche, was zum Ruhme und zur Erhöhung Deines heiligen Namens nützlich und ersprießlich ist.“ Dann sprach er zum Môpêtân Môpêt: „Des Herrn ist die Erde in ihrer Fülle, der Erdkreis und alle seine Bewohner.“ Mutig ergriff er den Rad von Adorbaigan bei der Hand und sprach: „Komm und bring mich, wohin dir befohlen ist; sieh, ich gehe freudig mit dir.“ Der rüstige Kämpfer (ἀγωνιστής) ging von dem Kampfplatze in der starken Kraft Christi, nachdem siebenzig Tage seines Kampfes vergangen waren, durch die Kraft Christi von den Magiern nicht besiegt, sondern durch den Kampf gestärkt. Siegreich ging das Lamm Christi hervor, um hinzugehen und mit den jungen Löwen zu kämpfen. Nachdem ihn der Rad dem Rittmeister (aïnbed) und den Polizeisoldaten der Provinz übergeben hatte, um ihn nach diesem Dorfe zu bringen, erhoben sich die Christen am Hofe des Königs der Könige; sie gingen mit dem Seligen und begleiteten ihren geistigen Vater, der von seinen Verfolgern in das Gefängnis geschickt wurde. Sie gedachten der geistigen Milch, die sie beständig aus seiner Lehre sogen und des guten Hirten, der sie auf den Wiesen seiner geistlichen Worte weidete und unterwies, dessen sie beraubt wurden. Die einen weinten und schluchzten; andere zerrissen ihre Kleider und rauften ihr Haar; andere küßten seine gequälten Füße und nahmen Gnadenstaub von seinen Fußspuren. Der Selige war sehr betrübt und bekümmert über das, was er seine Herde tun sah, mehr als eine stillende Amme, und sie weinten mehr als Kinder, wenn ihre Mütter in die Gefangenschaft geführt werden. Zuletzt betete er in großem Schmerz, segnete sie und übergab sie Gott und dem Worte seiner Gnade und so schieden sie voneinander.

 

Darauf kam der Selige in das Dorf, welches der Schlupfwinkel des Magiertums ist. Als er bei ihnen ankam, sagten sie: „Nicht geschah solches, daß ein Christ dieses Dorf betrete und darin übernachte. Jetzt aber wurde das Haupt der Christen uns gesendet, daß wir ihm ein Haus geben und er bei uns lebe.“ Diejenigen, die aus den verschiedenen Provinzen dort versammelt waren, waren bald zornig, bald rühmten sie sich: „Wir disputieren mit ihm und bekehren ihn zum Magiertum.“ Jedoch wendete Gott ihre Gesinnung gegen ihn und sie kamen, ihn zu grüßen. Und seit sie die göttliche Weisheit, die in ihm wohnte, hörten, kamen sie beständig mit ihren Waffen zu ihm und disputierten mit dem Heiligen, und durch Gottes Gnade löste er ihre Einwände, trat ihren Gründen entgegen und widerlegte ihren Irrtum. Oft auch suchten sie ihn heimlich zu töten; aber Gott schnitt ihre Bosheit ab und wendete sie zur Friedfertigkeit. Als sie aufhörten, mit ihm zu disputieren und ihn bloß befragten über Gott und Welt, Gut und Bös, die Auferstehung, das künftige Gericht und das unter Christi Leitung folgende Leben, sprach der Herrliche mit ihnen und belehrte sie über all dieses. Sie staunten über seine geistlichen Worte und bekannten Gott. Manche disputierten darüber untereinander, manche mit ihren Meistern. Auch aus anderen Orten kamen viele Magier, die Lehre des Herrlichen zu hören und seinen Wandel zu sehen. Denn überall nannte man ihn dort den Gott des Ortes wegen seiner geistlichen Lehre, seines Mitleides mit den Armen und seiner Fürsorge für die Kranken. Aber er hatte mit keinem von ihnen irgendeinen Verkehr und obwohl ihm der dortige Rad und die Herren des Ortes sehr zuredeten, er möge seine Bedürfnisse von dem Ihrigen befriedigen, wollte er nicht. Viele glaubten an ihn. Denn so wendete Gott ihre Bosheit zum Guten.

Es war an jenem Orte ein Sterben, das die es sahen, zittern machte, und die es hörten, erschreckte. Man bat den Seligen, daß er fortgehe; aber er wollte nicht, indem er sagte: „Tod und Leben sind in Gottes Hand; wo immer ich bin, sein bin ich im Leben und im Tod. Nur das ist notwendig, daß wir an ihn glauben und nach seinem Willen in guten Werken wandeln. Glaubet auch ihr und bleibet.“ Und viele blieben und wurden von jenem harten Sterben nicht getroffen. Wenn aber jemand getroffen wurde, segnete er Öl und gab es, und man salbte ihn und gemäß seinem Glauben genas er von jener tödlichen Krankheit. Eine Frau aus jenem Dorfe, deren Mann, namens Arwândâd (?), Richter war, wurde vom bösen Geiste versucht. Sie kam und warf sich mit ihrem Manne lange Zeit vor der Türe des Seligen nieder, um vor ihn zu kommen, daß er seine Hand auf ihr Haupt lege. Er aber wollte nicht, sondern segnete Öl und sendete es ihr. Sie salbte sich und der Teufel wich von ihr und sie wurde nicht mehr versucht. Alle, die sie zuvor gekannt, bekannten und priesen Gott.

 

Das Haus, worin er wohnte, machte er zur Kirche. Er stellte darin Christi Altar auf und ergab sich mit seinen Jüngern täglich dem Fasten und Gebet. Dort, wo von Anfang an die Wohnung Satans gewesen war, wurde hernach ein Haus des Gebetes zu dem wahren Gott. Es kamen nämlich aus den Provinzen Metropoliten, Bischöfe, Priester, Diakone und gläubige Männer und Frauen zusammen, um zu beten und seinen Segen zu empfangen. Manche standen wegen ihrer Sünden in Sack und Asche an seiner Türe und erhielten Nachlassung. Manche erhielten die Weihe der geistlichen Würde des Episkopates. Manche empfingen die Würde des Priestertums und Diakonates und andere kirchliche Grade (τάξις). Alle Häuser der Verfolger und Lästerer wurden Niederlassungen der Heiligen und Häuser des Gebetes und Lobes Gottes. Scharen von Bischöfen begegneten einander, und man hörte den Hall ihrer Lieder des Heiligen Geistes. Züge von Priestern kamen zu den Niederlassungen ihrer Genossen und erzählten einander die großen und wunderbaren Dinge, die sie sahen und hörten. Die Berge und Höhen von Adorbaigan wurden zu Stätten, (auf denen) die Füße der Heiligen wandelten. Greise, die den Heiligen zu sehen kamen, vergaßen ihr hohes Alter und sprangen wie Hirsche, und die von Krankheiten heimgesuchten genasen, sobald sie sich vornahmen, zu ihm zu gehen und seinen Segen zu empfangen.

Nachdem so der Heilige sieben Jahre in der Verfolgung verlebt, ohne je die Türe des Hauses, in dem er lebte, zu überschreiten, beständig beschäftigt mit Fasten, Gebet und der Abfassung nutzlicher Schreiben voll Trefflichkeit aller Art, die er für die seiner Regierung unterstehenden Provinzen erließ, mühte sich Satan voll Neid und konnte diese herrlichen Dinge nicht ertragen. Er gab dem zweiten Judas ein, der seines Namens Petrus Gûrgânârâ nicht würdig war, der aus einem geistlichen Hirten zuletzt ein reißender Wolf wurde, Christum zu verleugnen und den Irrtum des Magiertums zu bekennen, da ihn die Reinheit und Lauterkeit der Kirche wegen seiner vielen Abscheulichkeiten und Unsittlichkeiten aus ihrem Schοße verstoßen wie einen Splitter aus dem Augapfel und wie den Verräter, seinen Genossen. Dieser ging hin und ließ sich vom Großmagier auf Befehl des Königs ein Zeugnis des Abfalls geben, daß jeder von dem Seligen ordinierte Bischof, Priester und Diakon, wenn er nicht abdanke, in das Gefängnis geworfen werde, und daß niemand ihn weiter Katholikos nennen dürfe, weil er erst später Christ geworden sei.

Als dieser Befehl auf das Betreiben des Abtrünnigen und seiner Genossen hin erlassen war, ergriff einige Schwache Furcht, und alle baten Gott, daß er sich seiner Kirche erbarme, daß sie nicht in die Hände der Zerstörer überliefert werde. Als aber der Verräter dieses Zeugnis erhalten und nach Adorbaigan gebracht hatte, und vor dem Môpêt der Gegend durchgesetzt hatte, daß er die Jünger des Seligen vor ihnen anklage und fessle und durch sie seine mörderische Begierde an dem Seligen selbst wie an seinen Jüngern befriedige, erfüllte der Herr seine böse Begierde nicht, sondern er gab dem Môpêtân (Môpêt) und den Magiern ein, ihn vor sich zu fordern und über das Verlangte zu befragen. Der Môpêt sagte aber: „Ich habe nicht die Macht, ihn zu fordern.“ Manche von den vornehmen Magiern sagten aber: „Er soll herauskommen, denn wir verlangen sehr, ihn zu sehen.“ Und da man ihm zuredete, kam er in ihre Versammlung heraus, und sie ließen ihn in großer Ehre sich setzen. Und da sie die gesunden Worte aus seinem Munde vernahmen, schmähten und schlugen sie den Abtrünnigen, so daß er sich vor ihnen verbarg. Da er sah, daß seine Hoffnung zunichte geworden, versuchte er ein anderes Mittel, den Heiligen zu verderben. Er bestach Taugenichtse seinesgleichen und kam mit ihnen nachts dorthin, wo der Herrliche wohnte, um ihn zu ermorden und die Ausrede zu gebrauchen, er sei aus dem Gewahrsam entflohen. Aber Gott, der die Gedanken des Verräters kannte, ließ das nicht zu. Als nämlich der Verräter nachts heimlich mit den Seinen kam, eindrang und nach seinen Jüngern suchte, hörte er die Stimme des Seligen, und aus Furcht und Scham wurde er schwach und zitterte und konnte nicht Hand an ihn legen. Das erfuhren die Herren des Hauses und die Leute des Dorfes und sie kamen, schlugen den Abtrünnigen und vertrieben ihn nebst den Magiern, die er mitgebracht.

Hernach dachte der Selige: „Vielleicht findet der Mörder Gelegenheit, seine mörderische Begierde an mir auszuführen und streut das Gerücht aus, ich sei geflohen.“ Da gab er sich in den offenen Tod hin, erhob sich in der Nacht mit einem seiner Jünger, namens Jakob, und wanderte im Vertrauen auf Gott aus dem Dorfe in Begleitung des eifrigen, rüstigen, Gott liebenden Mâr Johannan, des Bischofs von Adorbaigan. Er kam im Winter, in Kälte, Frost und Schnee, über Berge und Hügel bis an den königlichen Hof, trat ein und ergriff HRPDKA. Als der König der Könige von seiner Ankunft erfuhr, ergriff ihn großes Staunen, daß er nicht anderswohin gegangen, sondern dahin gekommen war, wo jedermann fürchtete, da er von dem HRPDKA hörte. Die Christen aus den (beiden) Städten und allen Orten machten sich auf und kamen, den Seligen zu sehen, und alles wartete auf den Ausgang dieser unseligen Sache. Die Magier aber freuten sich und sagten: „Nachdem er nunmehr den Befehl des Königs der Könige übertrat, wird dieser sogleich seine Hinrichtung befehlen und uns von ihm befreien. Da alles zusah und auf das Kommende wartete, ließ der König der Könige dem Seligen durch Ferrûchdâd Hôrmîzd DZ’DGW melden: „Was ist das Urteil dessen, der den Befehl seines Herrn übertritt?“ Der Katholikos sprach: „Ist er Knecht, so werde ihm Nahrung und Kleidung genommen; ist er ein Lohndiener, so werde ihm sein Lohn nicht gegeben.“ Hôrmîzd DZ’DGW sprach: „Was ist dein Urteil, der du den Befehl des Königs der Könige übertratst und gegen seinen Befehl kamst?“ Der Katholikos sprach: „Ich habe den Befehl des Königs der Könige nicht übertreten, sondern ich bin sein Freund und halte seinen Befehl. Da über mich ein Abtrünniger kam, mich heimlich zu ermorden, ging ich dort fort und kam an seinen Hof, damit man nicht glaube, ich sei geflohen. Wenn ich gefehlt, befehle er offen meine Hinrichtung.“ Da ging Hôrmîzd DZ’DGW hin und meldete es dem König der Könige.

Da ließ ihm der König der Könige melden: „Daß du unseren Befehl übertratest und kamst, verzeihen wir dir. Aber die vier sehr schweren Anklagen, welche die Magier gegen dich vorbringen, sind folgende: daß du die Magier der Religion (dên) abwendig und zu Christen machst; daß du deine Volksgenossen nicht nach Wunsch viele Frauen nehmen lassest; daß du die Prozesse von den Magiern weg an dich ziehst; daß du Heide warst und erst später Christ wurdest. Dazu kommt, daß du da, wo du interniert warst, Bischöfe, Priester und Diakone aufstelltest und ihnen befahlst, zu lehren und zum Christentum zu bekehren wie du. All das verzeihen wir dir in unserer Güte. Nur darüber, daß du erst später Christ wurdest, gib Rechenschaft, wenn es der Môpetân Môpêt von dir verlangt. Jetzt geh nach Hause und beruhige dich.“ Da bekannte und pries der Heilige Gott; er segnete den König der Könige und ging in großer Freude von dem HRPDKA. Aber wegen des Gedränges der ihn begleitenden Menge konnte er nicht durch das Stadttor kommen, sondern er ging über den Stadtgraben. Darüber wunderten sich und schrien die vornehmen Magier; sie gingen und erregten den König und sagten: „Den Mann, der Gegner der Religion (dên) des Hôrmîzd ist, ließest du frei und er ging in sein Haus.“

Am Morgen des (folgenden) Tages, als der Selige in Begleitung der Christen an den Hof ging, dem König der Könige zu danken, suchten die vornehmen Magier, wie sie ihn töten könnten. Sie fürchteten, ihn offen zu ergreifen wegen der Menge der ihn begleitenden Gläubigen, damit nicht, wenn sie sich ihm näherten, ein Aufruhr entstehe, und entschlossen sich, den Rad und Ainbed zu schicken, ihn heimlich zu ergreifen. An jenem Tage fiel starker Regen, und so gingen diese in das Jagdhaus, an einen Ort, der Vogelhaus genannt wird, neben dem (Palast) des Königs der Könige. Die Magier schickten nach ihm, als ob sie mit ihm sprechen wollten. Nachdem er eingetreten war, schlossen sie die Türe, damit niemand ihm folge, und sprachen zu dem Seligen: „Seitdem du Christ wurdest, hast du viele Magier zu Christen gemacht und du darfst nicht (mehr) leben.“ Manche sagten: „Er soll den Löwen vorgeworfen werden.“ Manche sagten: „Er soll erdrosselt werden.“ Andere sagten: „Man werfe ihn in einen Brunnen, daß er so sterbe, ohne daß es die Christen erfahren.“

Während sie solcherlei ausdachten, kam das christliche Volk herauf und ging überall herum in der Meinung, er sei bereits gekrönt worden, oder nahe daran, gekrönt zu werden. Aber Gott rettete ihn in seiner Gnade aus ihren Händen. Durch sein geheimes Wirken regte er einen der Großen des Reiches an, daß er vor dem König aufstand und sprach: „König der Könige, bester der Männer, in Ewigkeit lebe und deine Majestät herrsche in Ewigkeit. Das Christenvolk, das in deinem Reiche ist, ist ein starkes, großes Volk, unzählbar an Menge; auch im Dienste der Regierung sind sie nützlich. Wenn dieser Mann, ihr Haupt, getötet wird, schmerzt sie das sehr und dein Reich erleidet keinen geringen Schaden.“ Als der König der Könige in seinem Wohlwollen das von jenem Manne hörte, gefiel es ihm und seiner ganzen Umgebung, soweit sie nicht dem Stande (τάγμα) der Magier angehörten, und er befahl, daß der Heilige Christi nicht getötet werde.

Da banden sie den Heiligen an Händen, Füßen und Nacken mit schweren, eisernen Fesseln, setzten ihn mit verhülltem Angesicht, damit man ihn nicht erkenne und kein Aufruhr entstehe, auf ein Maultier und übergaben ihn dem MLbed, daß er ihn im Gefängnisse am Hof bewache. Der MLbed tat nach Befehl und man ließ das Haus, worin der Selige war, durch Reiter und Fußsoldaten bewachen. Als der Heilige hörte, daß eifrige Gläubige hingingen und das Haus zu zerstören suchten, war er sehr bekümmert und ließ ihnen den Aufenthalt in der Umgebung des Hauses verbieten. Sogleich gingen sie fort nach seinem Befehl; der Heilige aber saß im Gefängnis von Gott bewacht, der gesagt hat: „Mit dem Gerechten bin ich in der Bedrängnis; ich werde ihn stärken, ehren und ihm mein Heil zeigen.“ Und obwohl gefesselt, weihte er Bischöfe, Priester und Diakone, rüstete sie aus mit Segnungen und Gebeten und entließ sie in die Provinzen.

Zur Zeit der Übersiedlung, als der König der Könige aufbrach, um nach Adorbaigan zu gehen, führte man den Heiligen (mit) in seinen Fesseln, in großen Peinen, über Berge und Hügel, in Hitze und Dürre, in Durst und Hunger, in vielem Fasten, nebst seinen Jüngern. Wohin immer man kam, empfingen ihn die Gläubigen mit großer Ehre und nahmen die Erde um sein Zelt als Gnaden- und Segensmittel. Überall, wo der König lagerte, baten die Gläubigen Ort für Ort, daß der Heilige von jenen harten Fesseln gelöst werde. Als der König der Könige nach Adorbaigan kam und die Magier des Ortes, an dem der Selige in Gewahrsam gewesen war, hörten, daß er am Hofe sei, kamen alle, ihn zu verehren und zu grüßen, indem sie weinten, daß sie durch die Entfernung des Herrlichen einer solchen Gnade beraubt worden waren. Überall, wohin sie kamen, wo immer die Großen des Reiches versammelt waren, erzählten sie von seiner Weisheit und seinem Wandel. Die Großen der Magier am Hofe verboten ihnen, solches über ihn zu erzählen, bis unter den Großen der Magier Kardag, der Ainbed, und Schahrdâwer und Azadsad, der (?) Môpêtân Môpêt, in ihrem Zorn gegen ihn sich beruhigten, indem sie sich wegen der schönen Dinge, die man von dem Heiligen erzählte, schämten. Hierauf ließen sie ihm durch einen Môpêt sagen: „Wie wir von vielen Leuten hören, bist du ein guter und gerechter Mann, und wir verlangen sehr, dich aus deinen Banden zu lösen. Sage jetzt nur mündlich, daß du nicht dem Magiertum widerstehst und (niemand) mehr zu einem Christen machst, und sogleich lösen wir dich und du kannst nach Belieben gehen.“

Nachdem der Môpêt so zu dem Herrlichen gesprochen, unterwies ihn dieser weitläufiger aus der Heiligen Schrift über den wahren Glauben, die Unerschütterlichkeit des Christentums, die Größe der Ökonomie Gottes, über Auferstehung und Gericht, über die Güter, welche den Gerechten im Himmelreich bereitet sind und die Strafe, welche die Bösen in der ewigen Hölle mit Satan und den Teufeln erhalten. Als der Môpêt das hörte, ergriff ihn Staunen und Furcht; er schlug die Hände zusammen über die große Mannigfaltigkeit und Unbesiegbarkeit dieser Gedanken und stand auf, indem er Gott bekannte und lobte. Da sprach der Herrliche: „Geh und sag ihnen: Ich bin der Diener Gottes und den Befehl meines Herrn übertrete ich nicht, der gesagt: .Gehet, unterweiset alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.‘ Mit Satan und den Teufeln gehe ich nicht in die ewige Hölle; die lange Pein der vergänglichen Zeit fürchte ich nicht, und das wahre Leben und die endlosen Güter vertausche ich nicht mit den vergänglichen (Gütern) dieser nicht bleibenden Welt.“ Als der Môpêt gegangen und das den Magiern gesagt hatte, staunten sie über den Mut des Herrlichen und sprachen: „Ihr seht, daß er uns nicht gehorcht und nicht nachgibt, so daß wir ihn von seinen Fesseln lösen könnten. Nun möge er sich selbst Vorwürfe machen.“ Nach einigen Tagen, da er von seinen harten Fesseln und der Anstrengung der schwierigen Wege erschöpft war, und zu einer Station gekommen war, um von den Strapazen auszuruhen, brachten die Magier zwei Paar dicke, neue Fesseln, nahmen die früheren weg und legten ihm die mitgebrachten an Hände und Füße, so daß er sie wegen ihres Gewichtes nicht heben konnte. Er nahm sie freudig an und bekannte und lobte Gott.

Nachdem der Heilige im Gefolge des Königs in diesen Fesseln ungefähr vierhundert Parasangen herumgezogen war, bis der König der Könige nach den (beiden) Städten hinabzog, zog auch er hinab und wohnte in seinen Fesseln mit seinen Jüngern in einem Hause, indem er das Patriarchat durch die Kraft Christi in allen seinen Verpflichtungen verwaltete. Da befahl der König der Könige in seiner Güte, daß man ihn löse; aber die Magier beharrten in ihrer gewohnten Feindschaft und ließen den Heiligen in seinen Fesseln. Sobald der König der Könige aus den (beiden) Städten aufbrach, führte man ihn im Gefolge des Hofes in seinen Fesseln an einen Ort, namens PS’I. Nachdem sie ihn in jenen harten Fesseln gequält und gepeinigt hatten und die wunderbaren Schönheiten, seiner Geduld in Gottesfurcht offenbar geworden waren, da gab der unbesiegbare Gott, der Allherr, in seiner wunderbaren Macht, durch sein unaussprechliches Wirken, in seinem unaufhaltbaren Wink in den Sinn des Königs der Könige, daß er hinsendete und durch ein großes Wunder, den Streiter (ἀθλήτης) Christi von allen seinen Fesseln löste. Darüber ward dem ganzen Volke Gottes große Freude und es brachte Anbetung und Lob dar.

Da der König der Könige beabsichtigte, daß er nach seiner Freilassung einige Tage dort bleiben und dann nach den Städten seines Thrones gehen solle, erweckte Satan durch das Betreiben von Heiden in Bêt Hûzâjê Unruhe und Aufruhr. Die Magier verdächtigten den Seligen vor dem König der Könige: „Wenn der Katholikos gewollt hätte, so wäre der Aufruhr nicht ausgebrochen.“ Sofort ließ man ihn mit einem Fußsoldaten (paig) durch eine starke Kette am Halse (zusammen) fesseln und brachte ihn an den Hof des Königs der Könige und alles glaubte, daß er sofort hingerichtet würde. Der König der Könige, durch die Verleumdung der Magier erbittert, ließ ihm durch seinen Kommissär (Farruchdâd Hôrmîzd) DZ’DGW melden: „Du bist ein Feind unserer Majestät und die Christen sind um deinetwillen übermütig geworden. In vielen Städten haben sie sich gegen die vornehmen Magier erhoben, sie geschlagen und geplündert, und auch jetzt haben sie Aufruhr erregt. Du weihst Bischöfe und Priester und schickst sie in die Provinzen, obwohl du im Gefängnisse bist; mich aber achtest du für nichts. Deshalb befehle ich, daß man dich morgen blende und in eine Grube werfe, daß du dort sterbest.“

 

Der Katholikos erhob mutig seine Stimme und sprach; „Nachdem der König der Könige durch die Einflüsterung meiner Feinde solches über mich beschlossen, sind (weitere) Worte nicht erforderlich. Er befehle sofort, mich zu töten und mit großer Freude nehme ich den Tod für Christi Wahrheit an. Nachdem die Magier mich schuldlos verfolgt und sieben Jahre unter meinen Verfolgern im Gefängnis eingeschlossen und einen Abtrünnigen als Mörder gegen mich ausgesendet, Gott aber in seiner unüberwindlichen Kraft mich gerettet, nachdem ich an den Hof seiner Majestät des Königs der Könige kam, die mir und dem Volke Gottes zugefügte Gewalt zu erzählen, sie aber mich an Händen, Füßen und am Nacken wie einen Übeltäter fesselten, nachdem Gott, der Allherr, der weiß, daß ich von ihnen böswillig mit Gewalt fortgeschleppt wurde, dem König der Könige eingab, daß er mich von den Fesseln lösen ließ, und nachdem sie jetzt wieder hintraten, und mich vor seiner erhabenen Majestät verleumdeten und er schließlich solches gegen mich beschloß, möge er nun sofort meine Hinrichtung befehlen.“ Da ging der PSNIK‘ und berichtete diese Worte dem König. Hernach ließ der König der Könige dem Seligen ruhig und freundlich sagen: „Geh und verfasse Schreiben an die Christen jener Provinz, daß, wenn jene Empörer sich nicht gutwillig beruhigen wollen, man mit Schwert, Pfeil und Bogen gegen sie ziehen, mit ihnen kämpfen und jeden, der im Aufruhr verharrt, töten wird, sei er Magier, Jude oder Christ.“ Nachdem der PSNIK‘ die Botschaft überbracht hatte, übernahm er es zu schreiben. Nachdem (dieser) fortgegangen war, wirkte zuletzt Gott auf den König der Könige ein und man redete ihm zu, daß er befahl, den Seligen von der Kette zu lösen. Und als der König der Könige in das (Winter) quartier nach den (beiden) Städten zog, zog auch der Selige hinab.

Nach einiger Zeit sendete der Fürst der Hephtaliten (haftarân chudâ) einen Priester an den König der Könige, und viele christliche Hephtaliten verfaßten Schreiben an den Seligen, er möge ihnen den an den König der Könige gesendeten Priester zum Bischof für das ganze Hephtalitenreich weihen. Nachdem der Priester vor den König gekommen war und dieser die Angelegenheit seiner Sendung erfahren hatte, wunderte er sich über das Gehörte und staunte über die große Kraft Christi, daß auch die christlichen Hephtaliten den Herrlichen als Haupt und Regenten ansehen und ließ ihm sagen, er solle gehen und die Kirche nach (seiner) Gewohnheit zieren, er solle in sein Haus und seine Kirche gehen, die Bischöfe nach (seiner) Gewohnheit versammeln und einen von dem Fürsten der Hephtaliten gesendeten Mann zum Bischof weihen. Als das Volk des Herrn diese Botschaft hörte und der Heilige aus dem Gefängnis in diese Kathedrale seines apostolischen Stuhles kam, welche Freude gleicht jener Freude, da der Herrliche zu seiner gesegneten Herde zurückkehrte nach neun Jahren, die er im Kampfe mit Löwen und Panthern für seine geliebte Herde verbracht, da er siegreich wieder zu ihr kam. Wer ist der Hirt, der so seine Herde liebt wie dieser unser Vater, der Meister der geistlichen Hirten, der für sie alle Mühen und Verfolgungen trug und sich selbst in alle Todesarten hingab. Als der gute Hirt in den heiligen Schafstall seiner gesegneten Schafe eintrat, liefen die Schafe und Lämmer Christi, sobald sie seine geliebte Stimme hörten, von allen Seiten zu ihm, indem sie ihn umringten, bei ihm Zuflucht suchten, sein Haupt, seine Hände und Füße und seinen ganzen Leib küßten, der durch Krallen und Fesseln zerrissen und zerfleischt war. Und sie warteten, den Ton seiner süßen Hymnen zu hören und geistige Milch aus seiner geliebten Lehre zu saugen. Da die Schafe die Stimme des gesegneten Hirten hörten, freuten sie sich sehr darüber, und nur mit Mühe konnte er wegen des Gedränges der Leute in seine gesegnete Wohnung eintreten. Am folgenden Morgen war die Kirche durch Scharen von Gläubigen geziert; der Heilige weihte jenen hephtalitischen Priester zum Bischof für das Land der Hephtaliten, und im Volke des Herrn wuchs die Freude über die Anordnungen der göttlichen Vorsehung.

Hernach schickte ihn der König der Könige in die Provinz Bêt Hûzâjê und durch Gottes Wirken und seine Sorge wurden viele Priester vom Tode gerettet und ihr Blut wurde nicht vergossen. Er tröstete sie und erfüllte ihr Herz mit den Worten geistlicher Lehre. Dann kehrte er an den Hof des Königs der Könige zurück, der ihm erlaubte, zu wohnen, wo er wolle. Der Hauptmann der Fußsoldaten (paig), der ihn bewachte, erhielt den Befehl, ihn in Frieden zu führen. Er nahm seine Wohnung neben der Kirche von Bêt Narkôs. Dort lebte er, indem er sich mit göttlichem Unterricht beschäftigte, täglich mit denen, welche zu ihm kamen, wunderbare Dinge redete und viele von der Häresie bekehrte, die mit dem König der Araber kamen, dem König der Könige zu huldigen und die zu ihm pilgerten. Als er wegen der langen Kerkerhaft einige Zeit krank war, befahl der König, daß man Ärzte schicke, ihn zu heilen; aber sie vermochten es nicht. Der Selige entschlief von seinem heiligen Kampfe am Freitag der zweiten Fastenwoche.

Hernach lärmten die Magier überall, man dürfe ihn nicht beisetzen, bis der König es befehle. Als man ihn auf die Bahre (λεκτίκιον) legte und mit großer Mühe wegen des Gedränges der Gläubigen hinausbrachte, da viele Schweißtücher (σουδάριον) und Mäntel darauf warfen und als Gnaden- und Segensmittel (zurück)nahmen, bis man zur Kathedrale von Koke gelangte, befahlen die Magier, daß er den Hunden vorgeworfen werde. Da erhoben sich die Gläubigen scharenweise: „Wenn je mand dem Leibe des Heiligen naht, so richten wir ein Blutbad an.“ Haufenweise traten sie hinzu, zerrissen die Sänfte (? BSPK‘) und nahmen sie als Reliquie, und es blieb nichts da als der Sarg (γλωσσόκομον), worin der Leichnam des Heiligen lag.

Nachdem er sieben Tage lang in der Kathedrale bei Tag und Nacht durch Schriftlesungen, Lobgesänge, Homilien und geistige Gesänge geehrt worden war, und alle Scharen der Gläubigen aller Provinzen durch Schweißtücher (ὠράριον) und Kleider, die sie auf seinen Leib legten, den Segen nach Hause genommen, schickten der König der Könige und der Môpêtân Môpêt den Môpêt (der Provinz?) und den Richter und andere Magier, um zu sehen, ob es der Heilige sei oder nicht, da sie aus Furcht und Schrecken an seinen Tod nicht glaubten. Nachdem diese Abgesandten ihn gesehen hatten, wurde der Leib des Heiligen auf eine andere Bahre (λεκτίκιον) gelegt und mit großen Ehren unter verschiedenen geistlichen Gesängen beigesetzt, und unzählige Scharen ehrten ihn eifrigst durch die ganze Stadt mit Wohlgerüchen und Lampen bis zum Kloster von Seleucia. Auch jene abgesendeten Richter und Magier gingen vor der Sänfte (? BISPK‘), worin der Leib des Heiligen lag, und nachdem er durch Gottes Kraft mächtig geehrt war, kehrten die Magier, verwundert und staunend über das Gesehene und Gehörte, zu ihrem Absender zurück. So lobten und priesen alle Scharen Gott wegen der wunderbaren Dinge, die bei dem Tode des Heiligen geschahen.

Um nicht durch zu vieles eurem Gehör lästig zu fallen, übergehen wir, was Gott durch ihn und um seinetwillen tat bald in vielen fernen Ländern, indem er die Streitigkeiten schlichtete, die Satan, der Feind unserer Natur, erregte, dann in dem Gewahrsam, dem er sieben Jahre in Adorbaigan überliefert war, dann in den Ketten, die er drei Jahre um den Nacken, an Händen und Füßen am Hof des Königs trug. Viel ist es und zahlreich; der Mund vermag es nicht zu erzählen und ihr kennt ja auch vieles davon. Wir besiegeln unser Wort mit dem Wort des seligen David und sagen: „Selig das Volk, das solches besitzt, und selig das Volk, an dessen Spitze ein solcher Mann stand, die vernünftige Herde unseres Erlösers Jesu Christi zu weiden.

Mâr Gîwargîs

Geschichte unseres herrlichen und allheiligen Vaters Mâr Gîwargîs (Georg), des Mönches, Bekenners und gekrönten Märtyrers, verlaßt vom heiligen Rabban Mâr Bâbai, dem Abte auf dem Berge Izalâ.

Wenn du, Diakon Schâpûr, mir auch etwas anderes befohlen hättest, so hätte ich es sogleich getan. Denn wer kennt nicht dein in göttlichen Dingen berühmtes Geschlecht und besonders unseren Vater der Fremden, meinen Herrn Bûrzôê. Als ich bei dir in der Hauptstadt Mâchôzê war, batest du mich, dir das Leben des Gîwargîs zu schreiben, und vor einigen Tagen schriebst du mir dieselbe Bitte und auch viele Gläubige baten mich, es zu tun. Deshalb will ich jetzt eurer Bitte willfahren, die ihr zur Ehre des Krönungstages des Heiligen heute versammelt seid. Vor ungefähr dreiunddreißig Jahren schrieb ich die Geschichte des Abrahams von Kaschkar, des Gründers dieses Klosters auf dem Izalâ. Später schrieb ich die Geschichte seines Nachfolgers Dâdischô‘ aus Bêt Dârâjê. Ferner die Geschichte der Priester Johannan aus Marga und Râmischô‘ aus Kaschkar, die mehr als vierzig Jahre als Einsiedler mit Satan kämpften. Ferner die Geschichte aller Brüder, die in dieser Genossenschaft starben, die Geschichte des Ischô’sabran, der auch Châjê l’emmeh heißt, aus Karkâ de Bêt Slôk, des Priesters und Märtyrers Abimelek aus Kardû und die des Johannes des Arabers aus Hira, der in der Nähe unseres Klosters in einer Höhle lebte. Ferner die Geschichte des Priesters und Abtes Daniel aus Babel, der als Zuflucht für die Reisenden in der Wüste ein Kloster baute; die Geschichte der heiligen Bekennerin und Nonne Maria, der Schwester des Märtyrers Gîwargîs, und die Geschichte des Metropoliten Gregor von Nisibis, der wie Gîwargîs gemartert wurde.

Die Heimat des Seligen war im Orient, in Ur der Chaldäer, in Babel der (sprachen)verwirrten, die Geschöpfe anbetenden und den Teufeln Trankopfer bringenden, in dem Gau (rûstâkâ) CHISCHTR und dem Dorfe PKWRI‘ DBNSCHBIL. Nach der Sitte der Großen hatte (die Familie) prächtige Häuser in Mâchôzê, wo der König den Winter zuzubringen pflegt. Sein Vater, namens Bâbai, war ehrenhalber und zur Sicherung der Grenzen Statthalter (ôstandârâ) in Nisibis. Sein Großvater, namens Abâ, war aus königlichem Stamme und Präfekt (ὕπαρχος) von Mâchôzê ch’edattâ. Der Vater seiner Mutter war Môpêt. Sein heidnischer Name war Mihrâmgûschnasp. Auch hatte er eine Schwester, die im Heidentum Hazarôê hieß. Nachdem ihre Eltern als Heiden gestorben und sie als Waisen zurückgeblieben waren, erzog sie ihr Großvater, bis sie erwachsen waren. Mihrâmgûschnasp, der spätere Märtyrer Gîwargîs, wurde von Jugend an in der persischen Literatur gründlich unterwiesen und im Magiertum unterrichtet, so daß er, noch nicht sieben Jahre alt, entsprechend dem Irrtum des Magiertums das Opfergebet (jascht) verrichtete und die Barschôm(zweige) hielt. Als König Hôrmîzd das hörte, wunderte er sich sehr. Er ließ ihn kommen und befahl ihm, aus (den heiligen Schriften) des Magiertums zu rezitieren. Da er genau rezitierte, lachte der König, befahl, ihm ein Kissen zu geben, und sagte in seiner Weisheit, aus diesem Kinde würde etwas Großes werden. Da seine Eltern vornehmen Standes waren und der Knabe ein schönes Äußere und einen hellen Verstand hatte, wurde er unter die Diener an der königlichen Tafel aufgenommen, welche KWNWI heißen, und er erhielt die Ehre des Ranges eines PDKSCHR. Nach der unreinen Heidensitte, welche jene Irrgläubigen als Gerechtigkeit festhalten, nahm er auch seine Schwester zur Frau.

Was wurde nun daraus durch die Barmherzigkeit des guten Säemanns, der gewohnt ist, auf die bereit willigen Felder, die sich zuvor durch guten Willen selbst beackert, guten Samen zu säen? Infolge seines klugen Sinnes und der Gnade Gottes erwachten in ihm beständig Gedanken, daß das teuflische Magiertum ein Irrtum sei, daß in ihm durchaus nichts der Wahrheit Entsprechendes sei, worauf sich der Geist stürzen könne, daß es sich selbst auflöse und widerspreche wie Spinnengewebe. Beständig disputierte er mit den Magiern über das Geschwätz, an dem sie festhalten und das sie Avesta (abastag) nennen, und sie konnten ihm nichts antworten als, es sei das väterliche Erbe; auch der König halte es fest, und man müsse ihm zustimmen. Mihrâmgûschnasp dachte in seinem scharfen Verstand und seiner großen Weisheit: Was nützt ein schlechtes Vätererbe, das durch hoffnungslosen Irrtum sie ins Verderben stürzte? Und was nützt ein vergängliches Reich, auf das kein Vertrauen ist und das nicht Bestand hat? Siehe, sie vergehen, wie die vor ihnen vergingen und zu Staub und Asche wurden.

Was begann darauf die Gnade in ihrer Barmherzigkeit zu zeigen? In Mâchôzê brach ein Sterben aus und er floh nach der Gewohnheit der Heiden und nahm auf einem seiner Landgüter (dâskartâ) Wohnung, um dem Tode zu entrinnen. Es war damals die Zeit des vierzigtägigen Fastens, und da er die Christen seiner Umgebung fasten sah, begann er ebenfalls, des Fleisches und Weines sich zu enthalten und ohne Brot bis zum Abend auszuhalten. Er hatte einen gläubigen Mann, der über seine Dörfer und übrigen Besitzungen Vollmacht hatte und den er beständig über das Christentum, sein Wesen, seinen Anfang und wie man dazu kommen könne, befragte. Entsprechend der Gnade, die ihm gegeben war, begann dieser mit demütigen, sanften und verständigen Worten zu ihm zu reden über das, was bei dem Beginne des Katechumenats erforderlich ist, (sowie über das,) was dem christlichen Wandel angesichts der zukünftigen Hoffnung entspricht. Da sprach er: „Es komme jemand, der die Schriften lesen kann und lese sie mir vor. Denn ich freue mich sehr über deine Worte und sehne mich, sie auch aus der Schrift zu hören.“

Zufällig war gerade die Geschichte des großen Märtyrers Gîwargîs zur Stelle. Da ihm diese vorgelesen wurde, nahm er sich sofort vor: „Wenn ich Christ werde, will ich statt des heidnischen Namens Mihrâmgûschnasp Gîwargîs heißen.“ Denn er hatte gehört, daß dem Täufling mit der neuen Taufe ein neuer Name beigelegt wird. Von dem Tage an begann der eheliche Umgang mit seiner Schwester ihm zu widerstehen und das Gemurmel des Magiertums ihn anzuwidern. Wenn nach der Sitte des Heidentums ein Magier kam und ihm zur Mahlzeit den Segen (? waskâ) gab, begann er, nachdem er ihn entlassen hatte, dreimal im Herzen zu beten: „Heiliger Gott, heiliger Starker, heiliger Unsterblicher, erbarme Dich meiner.“ Dann machte er das Kreuzzeichen auf das gesegnete Brot (drôn) und so aß er. So verbrachte er ein ganzes Jahr. Als seine Schwester das merkte, trennten sie sich nach Gottes Anordnung auf gegenseitiges Übereinkommen und sie heiratete einen der Großen des Reiches, weil es den Heiden leicht ist, zu heiraten und sich zu scheiden. Nach der ihm gesetzten Bestimmung nahm er sich eine christliche Frau aus einer angesehenen Familie (tohm) der Gegend und begann, seiner christlichen Frau und ihren Brüdern allmählich mitzuteilen: „Ich will Christ werden; mein Sinn ist bereit.“ Daraufhin beschleunigte er seine Reise nach Hirâ der Araber, ließ sich dort von Simon, dem Bischof der Hirenser, mit dem großen Sakramente taufen und nahm nach seinem Gelübde den Namen Mâr Gîwargîs an, der ihn tatsächlich (für das Christentum) gewonnen hatte.

Nachdem er getauft und befestigt und gestärkt war durch die Lehre des Bischofs Mâr Simon über die Hoffnung der Christenheit, kehrte er nicht zu seiner zweiten Frau zurück. Sondern er stieg auf ein Maultier und kam allein nach Bâlâd, einer Stadt im Gebiete von Nisibis. Da ergriff ihn die Wache (pahragbânâ) und fragte ihn: „Was ist es mit dir?“ Denn sie hatte Verdacht gegen ihn. Aber durch Gottes Vorsehung, die ihn begleitete, entrann er ihr und ging in die Schule (σχολή) in ein Dorf, namens Bêt Rastak, im Gebiete von Hdajab. Er verkaufte das Maultier, (um Mittel) für seine Bedürfnisse (zu gewinnen), nahm sich eine Zelle und begann, den Psalter zu lernen, indem er beständig in aller Keuschheit fastete und betete. In wenigen Tagen hatte er den David auswendig gelernt und begann, in den (heiligen) Schriften zu lesen und voll Einsicht die Erklärung zu hören. Da kam ihm in den Sinn, einen Bruder der Schule zu seiner Schwester zu schicken, um von ihr zu erfahren, was sie vom Königshofe gehört, nachdem seine Bekehrung zum Christentum bekannt geworden war. Als seine Schwester das hörte, ließ sie ihm in großer Freude melden: „Komm nur; es ist für dich keine Gefahr. Als der König hörte, du seiest Christ geworden, sagte er nichts Schlimmes. Er sagte nur: Mihrâmgûschnasp ist zur Hölle gefahren. Komm; vielleicht befiehlt der König, daß man dir auch deine Besitzungen lasse.“ Er ging nun, indem er Gott bekannte, errichtete in vielen Gegenden Schulen, mietete Lehrer und es sammelten sich die Brüder zum Unterricht. Er selbst begann, sich in die (heiligen) Schriften und die Kommentare des seligen Theodoros einzuleben, wobei er seine Frau nach Christensitte hielt und von ihr ein Söhnchen erhielt.

Was nun? In wunderbarer Weise redete er beständig durch ermunternde und belehrende Worte auf allerlei Art, auf tausenderlei Weise, mit vieler Mühe seiner Schwester zu, daß auch sie Christin werde und ihr Leben gewinne. Aber sie wollte ihn durchaus nicht hören und Christin werden, da sie in die Freuden und Vergnügungen des Heidentums und den verderblichen Irrtum verstrickt war. Der heilige Mâr Gîwargîs flehte nun beständig zu Gott durch fortgesetzte Abtötungen und inniges Flehen, er möge sie zur Wahrheit des Lebens bekehren, daß sie nicht verloren gehe und ohne Hoffnung sterbe. Was nun in überfließendem Erbarmen geschah, haben wir in ihrer Vita niedergeschrieben, so wie es uns unser Vater, der gekrönte Zeuge, erzählte. Wir wollen die Art ihrer Bekehrung aber auch hier kurz erzählen, weil die Erzählung verlangt, daß wir die Sache der Bekennerin mit der ihres Bruders, des gekrönten Zeugen, verbinden, sowie um den Grund anzugeben, weshalb der Zeuge zum Mönchsstande aufstieg.

Man erzählt, daß seine Schwester in eine schwere, sehr harte Prüfung fiel und in (Lebens) gefahr (κίνδυνος) kam. Nach heidnischer Gewohnheit brachte sie den stummen Götzen viele Libationen nebst den unreinen Kuchen des Magiertums und lief auch anderen törichten Dingen nach. Aber sie fand keine Erleichterung und kein Ende ihrer Prüfung. Und da alle, die im Irrtum des Heidentums verstrickt sind, den Götzen Libationen spenden und die Geschöpfe anbeten, an ihren stummen Göttern zweifeln und ihre eitle, zum Verderben führende Religion nicht feststeht, machte sie ein Gelübde und sprach: „Wenn ich gerettet werde und dieser bösen Prüfung entrinne, will ich das Fasten der Christen nach ihrer Sitte annehmen.“ So geschah es durch wunderbare, unaussprechliche Fügung, damit ihr Anfang (der Bekehrung) dem ihres Bruders gleiche. Jedoch (tat sie es) nicht in gläubiger Gesinnung, sondern (in der Hoffnung), ob ihr vielleicht geholfen werde. Aber Christus, der alles voraus weiß, ehe es geschieht, dessen Erbarmen überströmend und dessen Gnade viel ist, der für alle Verlorenen sorgt, daß er sie zum wahren Leben zurückführe, rettete sie in seiner Menschenliebe aus jener bösen Prüfung und gab ihr Rettung in Erbarmen. Obwohl sie jedoch wie die Christen fastete, verehrte sie die gleichen stummen Elemente (στοιχεῖα) nach heidnischer Sitte und väterlicher Überlieferung.

 

Später kam ihr jedoch ein guter Gedanke mit einem nützlichen Rat: „Wenn Christus, den die Christen anbeten und zu dem ich Zuflucht nahm, mich von jener bösen Prüfung errettet hat, so will ich auch in sein Haus gehen und ihn dort anbeten, wie die Christen ihn anbeten.“ Sie stand auf und ging hin mit vielen ihrer Knechte und Mägde und vielen Gläubigen der Nachbarschaft, obwohl ihr Sinn noch nicht heil und gefestigt war. Der gute Herr, dessen Erbarmen überfließend ist, der will, daß alle Menschen sich vom Irrtum abwenden, durch seine Erkenntnis ihr Leben gewinnen und seine Herrschaft anbeten, sah nicht auf ihre geringe Einsicht und ihren kindlichen Sinn und ließ ihr Bemühen nicht eitel und nutzlos sein. Sobald sie die Kirche betrat, wie sie die Christen beten sah, betete und den lieblichen Klang des Psalmendienstes und der geistlichen Alleluja hörte, erhob sich ihr Herz sofort von dem finsteren Druck, der auf ihr lag, ihr Sinn erglühte und sie war ganz von großer, unaussprechlicher Freude erfüllt. In dem Feuer ihrer Liebe sah sie sich nicht mehr unter den Menschen, sondern unter den Himmlischen, wie gesagt ist: „Es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen“, und: „Süß sind Deine Worte meinem Gaumen, mehr als Honig dem Mund.“ Durch die Vorsehung Gottes wurden an jenem Tage geeignete Abschnitte aus der Apostelgeschichte (πράξεις), den Briefen des Apostels und dem heiligen Evangelium gelesen, die zur Gotteserkenntnis belehren, antreiben, führen und ziehen, den heidnischen Irrtum und Götzendienst, sowie alle abscheulichen und schmutzigen Sitten der Kinder der Finsternis verwerfen. Sogleich öffnete Gott ihr Herz, wie das der herrlichen Lydia, daß sie alles, was sie aus den heiligen Schriften hörte, verstand und annahm, besonders was zur künftigen Seligkeit anlockt. Von dieser Stunde an war sie fest entschlossen, mit aller Entschiedenheit und ohne Schwanken Christin zu werden und von der Liebe Christi nicht abzulassen, auch wenn alle möglichen Prüfungen über sie kommen sollten.

In ihrem augenblicklichen Frohlocken vermochte sie, was sie in ihrem Herzen fest glaubte, nicht zu verbergen, sondern sie bekannte es auch mit dem Mund vor den Zuhörern. Sie sprach zu ihren Knechten und Mägden, die mit ihr in der Kirche waren, voll Freude und Jubel, indem ihre Lippen in geistlichem Lachen redeten: „Nunmehr werde ich Christin und verleugne allen heidnischen Irrtum des Magiertums.“ Als das ihre Verehrer, die bei ihr waren, hörten, hielten sie es für Gerede, Spott und Scherz. Sie verachteten ihre Worte, begannen einander anzusehen und zu lachen, da sie ihre Vergnügungssucht, Genußsucht und die unreinen, heidnischen Sitten, die sie infolge ihrer schlechten Erziehung festhielt, kannten. Bald darauf geschah ihr, was der Frauennatur zukommt. Da nun (die Heiden) dieses Gesetz (der Absonderung) mehr als alle Gesetze des Magiertums ängstlich beobachten und sich von der Annäherung an eine Frau zur Zeit der Menses fernhalten, so daß sie sie nicht einmal Licht noch Feuer sehen lassen, lief sie, um ihren Knechten und Hausgenossen zu zeigen, daß sie nicht ein leeres Wort vor ihnen gesprochen, sondern daß sie in Wahrheit, zweifellos, aus ganzer Seele bereit sei, Christin zu werden, während ihrer Menses munter, froh und lachend herum, nahm das Feuer, die Göttin der Magier, in die Hand, warf es auf den Boden und zertrat es mit den Füßen. Da war allen gewiß, daß sie wirklich Christin sei. Am folgenden Tage schaffte sie alle heidnischen Gebräuche, Sitten und Kleider ab, worin sie erzogen war, und lebte in einem keuschen, schamhaften Kleid und ehrbaren Sitten.

Da liefen ihre Knechte sogleich hin zu ihrem Bruder Mâr Gîwargîs, dem herrlichen Märtyrer, und teilten es ihm mit, wie er selbst uns erzählte. Mâr Gîwargîs kannte ihren heidnischen Sinn, die abscheulichen und unreinen Sitten und die bösen Gewohnheiten, denen sie anhing, all den Hochmut, Stolz, die Spottsucht und Vergnügungssucht, die prächtigen Kleider und das unsittliche Lachen, worin die Töchter des Irrtums, die sogenannten Adeligen, die Heidinnen, verstrickt sind. Und (er wußte), wieviel er sich mit ihr auf verschiedene Weise Mühe gegeben, durch Belehrung, Ermahnung, Tadel, Ermunterung und Drohungen mit dem kommenden Gericht, daß er aber auf keine Weise ihren heidnischen Sinn hatte erweichen können. Als er das von dem Beten hörte, zweifelte er deshalb ebenfalls und glaubte es nicht. (Dann) begann er staunend und freudig zu sagen: „Wie kann das sein, besonders da ihr Mann einer der Großen des Reiches ist, und da kein Christ ist, der es wagte, das Mädchen zu unterweisen und von ihrem Heidentum, worin sie aufgewachsen ist, zu bekehren, so daß sie sich dem unterdrückten Stande (τάξις) des Christentums beuge. Selbst wenn es einen Christen gibt, der sie unterwies und belehrte, so hielt sie doch seine Worte für verächtlich, wie sie mir tat.“ Dennoch stand er auf, kniete nieder und betete flehend: „Herr, Gott, möge wahr sein, was ich gehört. Suche in Deinem Erbarmen jenes Mädchen heim, daß sie sich von jenem Irrtum zu der Anbetung Deiner Herrschaft wende, worin allein das wahre Leben ist, wie du auch mir in Deiner gnädigen Barmherzigkeit getan.“

Er ging hin und trat vor sie, und da sie noch in jenem stolzen Stande (τάξις) war und wegen der hohen Würde ihres Mannes, der einer der Großen des Reiches war, während Gîwargîs bereits das demütige Kleid (στολή) des Priesters und Bekenners trug, adorierte er vor ihr von weitem zur Erde. Sie erhob sich von ihrem Ruhebett, ihren Bruder zu ehren und breitete ihm nach der Sitte des Heidentums und der vornehmen Damen des Hofes die Hand hin, ergriff seine Hand und begann, mit ihm sich zu freuen und zu lachen: „Freue dich, Bruder, denn nunmehr bin ich Christin. Sieh, da es mir nach der natürlichen Art der Frauen geht, sitze ich beim Feuer und breite dir die Hand hin, da es nichts gibt, was vor Gott und seinen Heiligen unrein ist.“ Nunmehr erkannte unser heiliger Vater, Mâr Gîwargîs, der Märtyrer, glaubte fest und war überzeugt, daß sie fest entschlossen sei, Christin zu werden und daß sie alle Gebräuche des heidnischen Irrtums aufgegeben. Freudig und Gott bekennend lief er zu Mâr Sabrîschô‘, dem Katholikos, und erzählte ihm die Sache. Als dieser befahl, daß sie vor ihn komme, stand sie sogleich rasch auf in aller Freude, mit der Bereitwilligkeit eines frohen Sinnes, und ging zu ihm in ihren Prachtgewändern und Kostbarkeiten und mit einem großen Ehrengefolge von Knechten und Mägden und anderen Leuten. Als der Mâr Katholikos und die anderen Bischöfe, die vor ihm waren, sie in all dieser stolzen Pracht und diesem sinnlichen Schmuck sahen, staunten sie sehr und begannen, Gott zu loben und zu bekennen für die Größe seiner Gnaden und sein überströmendes, unaussprechliches Erbarmen, dem allein alles Schwere möglich ist und der diejenigen, welche ohne Hoffnung sind, zu offenbaren, wunderbaren Taten führt. Sogleich erhoben sich alle zugleich und beteten für sie zu Gott, dem Kenner der Herzen, daß er sie in ihrer Liebe stärke und vollende, damit sie bis zu ihrem Lebensende seinen Willen erfülle. Darauf berief der Mâr Katholikos den Bruder der Bekennerin, Gîwargîs, und befahl ihm, sie alles zu lehren, was den Katechumenen, die zur Taufe kommen, nötig ist, sowie über die einfache Kleidung (σχῆμα), das ruhige Benehmen und die keuschen Sitten, in denen sie nunmehr leben solle mit Ablegung aller unsittlichen Kleidung und heidnischen Sitten.

Als der große Festtag des Ostersonntags gekommen war, kam sie in großem Entzücken zur allgemeinen Freude der ganzen Kirche und wurde von dem Mâr Katholikos getauft, wobei sie statt des Namens Hazarôê den Namen Maria erhielt, da sie, wie wir oben dargelegt, um diesen Namen gebeten hatte. Nachdem sie getauft war und eine neue Braut in einem neuen Menschen und ein herrliches Lamm in der Herde Christi geworden war, faßte sie den festen Entschluß: „Nunmehr bin ich eine Geheiligte Christi in Ewigkeit und bewahre Leib und Seele in Reinheit, Heiligkeit, Keuschheit und Vollkommenheit als wohlgefälliges Opfer für Christus, der an mir, der Sünderin, Wohlgefallen hatte und in seinem überfließenden Erbarmen mich in seine Hausgenossenschaft aufnahm. Zum ehelichen Umgang mit einem Manne wende ich mich nicht mehr; sondern Christus, meinem Herrn, (gehöre ich) in e i n e m Geist und in Ewigkeit.“ (So) beschloß sie und blieb beharrlich treu, und ihr Wille wurde erfüllt durch die Kraft des Herrn, der an ihr wie an ihrem Bruder, dem gekrönten Zeugen, Mâr Gîwargîs, Wohlgefallen hatte. Sie wurde alle Tage ihres Lebens in Tugenden erfunden, die würdig sind der geistigen Krönung und des festen Bundes mit ihrem himmlischen Bräutigam, wodurch sie vollendet wurde an Gnaden, welche die Zeit nicht hinwegnimmt. Auch trug sie nicht mehr die Kleider der Weltleute, sondern einfache Kleider, wie sie die reichen Bundestöchter jener Gegend zu tragen pflegen. Vor ihrer Taufe hatte sie gefragt und geforscht, welcher Frauenname unter den Christen besonders geehrt sei. Als sie erfahren, daß es keinen geehrteren Namen gebe als den der seligen Herrin Maria, der Christusgebärerin, hatte sie beschlossen, diesen Namen anzunehmen, damit durch dessen Erinnerung größerer Segen auf ihr ruhe und sie von allen Übeln Satans und böser Menschen bewahrt bleibe.

Nunmehr begann sie zu fragen und auszuschauen nach einem Weg (πόρος), wohin (sie gehen solle). Sie flehte im Gebete unter schmerzlichen Tränen Tag und Nacht und bat Christus, daß er ihr einen Weg bahne, auf dem sie ihre Keuschheit und Sittsamkeit wahren könne. Da hörte sie von einem Schwesternkloster in Nisibis, dessen Schwestern ein frommes Leben führten in einem demütigen, erhabenen, sittsamen Wandel unter einer vorzüglichen Regel (κανών), durch die sie ihr Leben in Christo behüten. Da entbrannte in ihr das erhabene Verlangen und das treffliche Begehren, in dieses Kloster zu gehen, damit dort ihr Leben in sittsamer Keuschheit sich vollende. Sie offenbarte das Geheimnis ihrem Bruder Mâr Gîwargîs, dem gekrönten Märtyrer; „Das ist mein Wille und sogleich gehe ich hin.“

Als unser Vater, Mâr Gîwargîs, das hörte, staunte er und wunderte sich über diese Sache und über die erhabene Gesinnung, die dieses Mädchen in kurzer Zeit erworben, sowie darüber, daß es ihm vor diesem Gedanken seiner Schwester nicht in den Sinn gekommen war, seine Heimat und sein Haus zu verlassen und in die Fremde zu gehen, da er von der Taufe und seinem Übertritt vom Heidentum keinen Schaden gehabt hatte. Auch hatte er in den Gesetzen des Christentums recht gelebt, so wie rechtschaffene Leute in der Welt leben sollen; er hatte beständig die Schulen besucht und sich um alle Gott versöhnenden guten Werke bemüht. Als er nun die Worte seiner heldenhaft vertrauenden und hoffenden Schwester hörte, begann er, wie er mir erzählte, zu staunen und nachzudenken: „Wie hat dieses in Vergnügen erzogene Mädchen, das noch nicht zwanzig Jahre alt ist, soeben erst getauft wurde, das große Reichtümer besitzt, beständig und wandellos geehrt wird und Erholungen und Vergnügungen findet, in kurzer Zeit, sogleich mit dem Katechumenat und der Taufe ihren Sinn von der Ehe abgewendet und ihren Mann, alle vergänglichen Ehren und sogar das unmündige Söhnchen, das sie gebar, verleugnet. Siehe, sie hat die Welt gänzlich gekreuzigt und eilt, ihre Heimat mit der Fremde zu vertauschen, um ihre Heiligkeit, Keuschheit und Sittsamkeit zu bewahren, damit ihr Sinn durch nichts von der Liebe Christi mehr abirre. Ich aber bleibe bei meinem Weibe in den gleichen Ehren und Vergnügungen, die mir als Christen sich sogar verdoppeln. Ja, ich erkenne den Weg und die darauf (gegründete) Hoffnung besser als das Kind Maria. Beständig lese und vernehme ich: ,Jeder, der nicht Weib und Kinder und all seine Habe verläßt, sein Kreuz nimmt und mir folgt, kann mein Jünger nicht sein‘). Selig preist er die Armen und wehe ruft er über die Reichen; wehe den Satten und selig den Hungernden, und so weiter (gemäß den Worten des Herrn), an die ich glaube und (in denen) ich getauft bin. Und (er sagt), daß die wahren Christen durch viele Pein in das Himmelreich eingehen müssen. Es ist wahrlich für mich große Schande und Beschämung für mich, daß, nachdem meine Schwester von hier fortging um des Christentums willen und um ihre Keuschheit und Heiligkeit in fernen Ländern in Klausur mit keuschen (Frauen) zu hüten, ich hier bleibe, wo man mich kennt und ehrt, in frohem Verkehr mit meinen Freunden. Wie kann ich mich an dem Tage der Vergeltung verteidigen, daß ich, aus dem Heidentum gerettet, nicht getan, was alle wahren Christen und Anbeter Christi zu tun schuldig sind, gleich diesem jungen, schwachen, in Vergnügungen aufgewachsenen Mädchen? Vor jenem gerechten Richterstuhl, wo es kein Ansehen der Person gibt, bleibt mir kein Reichtum, nützt keine Ehre, befreien keine Brüder, rettet kein Weib, nützen keine Kinder. Vor jenem schrecklichen Tribunale (βῆμα) Christi wird jedem persönlich vergolten für das, was er getan, es sei gut oder schlecht.“

Da er so in diesem nützlichen Sinnen war, beschloß er, mit seiner Schwester Maria in die Fremde zu gehen und allem dem Seinigen zu entsagen. Er kam zu der Heiligen, der neuen Braut, und sprach: „Auch ich, Schwester und Herrin, gehe mit dir nach Nisibis und lebe dort in der Lehre (Christi) und mit dir in der Fremde.“ Jedoch gedachte er nicht im Mönchsstande zu leben, bevor er zu uns, der Genossenschaft unseres Vaters Mâr Abraham, des Hauptes der Mönche, der der Erstling war im Lande der Perser, heraufstieg, den Wandel der Genossenschaft sah und liebgewann. Er kannte auch ihre Verhältnisse nicht, außer vom Hörensagen.

Was (taten sie) nun, rüstig, mutig und heldenhaft in ihrem Vertrauen? Sie beschleunigten ihre nächtliche Flucht, die ihnen Schutz durch Vertrauen und die Bewahrung des wahren Lebens bereitete. Diese Nacht behütete der Herr. Als die Ägypter im Todesschlaf versunken waren und die Babylonier schwach dalagen, ohne Bewegung, durchzogen die einen (die Juden) das Rote Meer, (entrinnend) dem Widerstand der pharaonischen, Tod schnaubenden Nachstellungen, da Ägypten die Erstgeborenen des Volkes Gottes tötete, indem sie ihre Hände nach oben im Geheimnis des Kreuzes ausgebreitet hatten; diese (beiden) aber verließen ihre Erstgeborenen und alles, was sie hatten, aus Liebe zu Christus und um der verheißenen Seligkeit willen. Die Bekennerin Maria floh vor dem Heidentum, das noch durch die unreinen, gottlosen Magier brüllte, und vor ihrem Manne, der zu den Großen des Reiches gehörte, damit sie nicht von ihnen gefangen und an der Bereitschaft ihres Willens gehindert werde. Unser Vater Mâr Gîwargîs floh vor den Verwandten seiner Frau, die zu den Angesehenen des Reiches gehörten, und seinen teuren Freunden, die ihm in aller Freundlichkeit rieten, er möge sie nicht verlassen, um seine Absicht auszuführen.

Da seine Schwester, die Bekennerin, von dem erhabenen Wandel des Einsiedlerlebens gehört hatte und aus dem, was sie vernommen, wußte, daß sie die Stadt, sobald sie sie betreten, nicht mehr verlassen dürfe, bat sie ihren Bruder, unseren heiligen Vater Mâr Gîwargîs, den gekrönten Märtyrer: „Mein Bruder und Herr, laß uns hinaufsteigen und jene Väter, die heiligen Mönche der Genossenschaft unseres Vaters Mâr Abraham, unseres Landsmannes, besuchen, um ihren Segen zu empfangen. Dann wollen wir in die Stadt gehen.“ Als Mâr Gîwargîs das hörte, freute er sich sehr und sprach froh: „Du hast gut geredet, Schwester und Herrin; wir wollen hinaufsteigen und den Segen jener Heiligen empfangen, damit wir beide durch ihre Erhörung findenden Gebete Erhörung finden; dann gehst du in das Kloster. Sie stiegen hinauf und beteten nach der Sitte in der Kirche. Dann gingen sie zu der Zelle unseres Meisters hinauf, traten ein und empfingen den Segen unseres Vaters Mâr Dâdîschô‘, des Abtes, und hernach am Sonntag von der ganzen Gemeinde der Brüder.

Nachdem sie den Segen unseres Greises emp fangen hatten und die heilige Maria in das Kloster (κοινόβιον) hinabgestiegen war, nach der keuschen Ord nung (τάξις) und Sitte jener Gemeinschaft (zu leben), trat Mâr Gîwargîs, der Priester, in die Zelle eines der Brüder der Genossenschaft in der Nähe der Zelle unseres Meisters. Nachdem er gebetet und der Sitte gemäß das Kreuz gemacht, jubelten sie einander in vollkommener Liebe zu, grüßten und umarmten einander in vollkommener Liebe. Sie grüßten und umarmten einander in heiligem Kusse, da etwas Großes und Unaussprechliches sich über ihre Seelen ergossen hatte. Sie freuten sich, frohlockten, entbrannten zugleich in der Liebe Christi und begannen, Gott zu bekennen, daß sie gewürdigt wurden, einander in dieser trüben, den Tugendzielen feindlichen Fremde zu sehen. Jener Bruder begann in brennender Liebe und kochendem Eifer zu dem Priester Gîwargîs zu reden von den traurigen, jetzt in dieser Welt der Heimsuchung um unserer Sünden willen so zahlreichen Übeln, und über die Ärgernisse und Trübsale, welche die Menschen um ihrer Sünden willen durch die erbarmende Züchtigung treffen: Hungersnöte, Seuchen, Kriege, Aufruhr und alle anderen zahllosen Übel. Auch ist bei uns vielleicht schon eingetreten, was der selige Paulus voraussagte.

Besonders ist in dieser Gegend durch die Schwäche der die Ehre und Ruhe liebenden Hirten das Übel der Übel aufgesproßt, dessen Bosheit alle anderen Übel übertrifft. Auch die Zeit reichte ihm die Hand wegen der Tumulte und Kriege der Völker gegen einander, wodurch Satan Raum fand vermittels seines Werkzeugs (ὄργανον), dieser gottlosen Häresie, dem Abschaum aller Häresien, die er in das Herz des Hannânâ Hdajâbâjâ spie. Dieser lehrt das Fatum und verkündigt die Vorausbestimmung und schwätzt allerlei Gottlosigkeit und abscheuliche Unsittlichkeit. Gott macht er begrenzt, leidensfähig, sterblich und in Teile zerfallend. Er leugnet die Auferstehung der Leiber und (lehrt), daß es eine Erlösung nur für die Seelen gebe. Gericht und Strafe gebe es nicht. Nicht sündige, wer hurt und die Ehe bricht, weil er dazu von Geburt an bestimmt sei. Auch würden am Ende alle der göttlichen Natur teilhaftig, wie Origenes, der Heide der Heiden, gesagt hat. Sieh, bereits ist diese ganze arme Stadt durch diesen gottlosen Irrtum verdorben und nur ein kleiner Same der Wahrheit ist durch Fügung der Gnade geblieben. Das geschieht jetzt um unserer Sünden willen und bereits begann, was von dem Fürsten (ἄρχων) des Bösen und seinen Schülern vorausgesagt ist, daß, wenn es möglich wäre, sie auch die Auserwählten verführen würden. Da du nun (zwar) ein Mann bist von scharfem Geist und klarem Verstand und die richtige verständige Einsicht besitzest, was du dir erwählt, auch festzuhalten, aber mit deiner Schwester erst vor kurzem im Christentum unterrichtet wurdest, deshalb hütet euch vor diesem listigen Ärgernis des Verderbens. Mahne sie, daß sie nicht irrend vielen folge, die den Namen von Lehrern tragen, sowie schwachen Frauen, die unter dem Schein der Gerechtigkeit das Ordenskleid tragen. Viele verführen sie, indem sie wie alle Häretiker Stellen der Schrift in irreführender Darstellung herausreißen und loslösen. Besonders betören und verführen sie viele wegen des hohen Allers jenes schändlichen Greises, des verfluchten Hannânâ. Hütet euch, sehet zu und bewahret euch vor ihrem Umgang, damit ihr euch nicht zu ihrer verderblichen Lehre hinziehen lasset, sonst wäret ihr als Heiden besser daran gewesen und wäret nicht Abtrünnige ohne Hoffnung. Denn wenn alles nach dem Fatum geschieht, wie der gottlose Hannânâ und seine Schüler lehren, und es weder Gericht, noch Lohn und Strafe gibt, so ist das Christentum und seine Gesetze überflüssig, und alle, die an Christus geglaubt, seine Gebote gehalten und für ihn gelitten, sind zunichte geworden. Dann sind Fasten, Almosen, Enthaltsamkeit und die übrigen Werke, die um der Tugend willen geübt werden, überflüssig und nutzlos. Lasset uns also essen und trinken; denn morgen sterben wir. Auch eure Mühen und Abtötungen, die ihr in der Fremde um der Liebe Christi willen ertragen wollt, sind überflüssig und nutzlos und die Hoffnung ist eitel. Ferne sei das. Denn Christus ist wahrhaftig in seinen Befehlen und treu in seinen Abmachungen, und jeder wird nach seiner Arbeit seinen Lohn empfangen.“

Nach vielen solchen Worten, zu denen jener Bruder von der göttlichen Gnade getrieben wurde, erhob sich Mâr Gîwargîs rasch und fiel vor dem Bruder auf sein Angesicht zur Erde. Sogleich warf sich auch der Bruder vor ihm nieder, schlug seinen Kopf auf den Boden und sprach sanft und reuig: „Verzeih mir, Vater.“ Nachdem sie sich dann erhoben und gesetzt, bekannte zuerst Mâr Gîwargîs Gott und dankte ihm. Dann begann er zu ihm zu sagen: „Ich habe, Bruder, von allen Schlechtigkeiten und den verschiedenen Unreinheiten des Hannânâ gehört, sowie von seiner gottlosen, der Gottesfurcht fremden Lehre. Auch von den Mordtaten, die um seinetwillen in der Schule (zu Nisibis) geschahen, sowie über die oftmalige Vertreibung der treuen Brüder aus der Schule, welche die Wahrheit festhielten und seinen gottlosen Lehren nicht zustimmten, durch die Gewalt der Großen der Stadt, die seinem Chaldäertum zustimmten, so daß ihre Wege durch seine unreine Lehre ausschweifend wurden. Ebenso (weiß ich), was unserem heiligen Vater, dem lebendigen Märtyrer Mâr Gregor, dem Bischof, durch sie geschah, der von allen orientalischen Bischöfen gesendet war, ihn zurechtzuweisen, der infolge ihrer erlogenen, bösen Anklagen den Elephanten vorgeworfen wurde.“

Nach einer langen Unterredung verneigte sich Mâr Gîwargîs vor ihm und ging hinaus, um fortzugehen. Nach der Sitte ging auch jener Bruder aus der Zelle, ihn durch seine Begleitung zu ehren. Da sie miteinander ein wenig hinausgetreten waren, wurde jener Bruder von Liebesglut erregt; er nahm seinen Mantel ab, der durch ein härenes Geflecht zusammengehalten war, und warf ihn dem Mâr Gîwargîs um den Nacken. Da jauchzte ein Bruder, der als Landsmann bei Mâr Gîwargîs war, laut und sprach fröhlich lachend: „Wahrhaftig, jetzt bist du erjagt, Mâr Gîwargîs, und bist ein Mönch ge worden.“ Froh lachend antwortete er: „Der Wille des Herrn geschehe.“ Und von der Stunde an nahm er sich vor, mit Hilfe des Herrn Mönch zu werden und in dieser Regel sein Leben zu beschließen. Nachdem sie einander der Sitte gemäß gegrüßt, stieg Mâr Gîwargîs ins Kloster (κοινόβιον) hinab; der Bruder kehrte in seine Zelle zurück.

Was nun? In dieser Nacht sah seine Schwester eine Offenbarung, die sie zum Teil erzählte, zum Teil verheimlichte, wie ihr Bruder uns berichtete. Sie erzählte: „Ich sah in dieser Nacht im Traume alle Brüder dieses Gebirges in weißen Kleidern versammelt, im Kreise zu zweien geordnet und uns in der Mitte. Plötzlich lachten alle gleichmäßig laut zugleich, wobei ihre Hände zum Himmel erhoben waren. Ich erwachte von dem Stimmenlärm und war in großer Furcht. Hernach überkam mich eine unaussprechliche Freude und ich sprach bei mir selbst, indem ich Gott bekannte: Lob sei Dir, Herr, daß Du mich und meinen Bruder gewürdigt hast, den Segen dieser gesegneten Brüderschaft zu empfangen. Hier gibt es nicht Große und Kleine; dieser Ort steht wahrhaftig unter der Herrlichkeit Gottes; sein Wille wird hier erfüllt und seine Fürsorge liegt darüber durch seine heiligen Engel.“ In der Morgenfrühe stiegen sie hinauf und empfingen nach der Sitte den Segen des Rabban Mâr Dâdischô’; dann kamen sie nach Nisibis. Sie ging in das Kloster der Frau Narsôê, wurde nach der Sitte aufgenommen und vollendete ihren geistlichen Kampf (ἀγών) in all der den Bräuten Christi gebührenden Herrlichkeit, wie wir in ihrer Geschichte geschrieben haben.

Als unser Vater Mâr Gîwargîs, der Priester, sich einige Zeit in Nisibis aufgehalten hatte, kam Simon, der Bischof von Hirtâ, dorthin, der ihn getauft und zum Priester geweiht hatte, und nahm ihn mit nach Konstantinopel wider seinen Willen, (da er fürchtete,) er möchte gehindert werden, sein Verlangen nach dem Mönchtum zu erfüllen. Nachdem er in die Stadt zurückgekehrt war, eilte er rasch auf den Berg, um nicht durch anderes gehindert zu werden, und Rabban (Dâdischô’) nahm ihn auf. Denn auch das Mönchtum und seine Mühen sind eine Art Martyrium durch Mühen, Willensbereitschaft, Todesbetrachtung und Entäußerung aller vergänglichen Dinge. Auch die Väter sagen, die Entäußerung der Welt sei Flucht des Leibes und Denken an den Tod. Schön erklärt das der heilige Basilius von Cäsarea: „Der Mensch soll durch die Länge der Jahre einen guten Namen gewinnen durch Leiden bis an das Ende (und so) ist er ein erprobter Märtyrer, der nicht stirbt, da er leidet, der nicht durch die Qualen des Schwertes seinen Leib opfert, daß er gekrönt entschlafe, sondern dessen Leben mit den schmeichelnden Vergnügungen kämpft, um ohne Unterlaß zu siegen. Denn anderen Qualen vermag der Leib seiner Natur nach nicht lange mit Erhaltung des Lebens zu widerstehen, wohl aber die ganze Zeit seines Lebens, solange es dauert, gegen die Vergnügungen zu kämpfen. Im Martyrium des Leibes wollen die Menschen durch Qualen erzwingen, daß Gott durch seine Anbeter verleugnet werde; in diesem anderen Martyrium des Leibes wollen die Vergnügungen durch ihn selbst erzwingen, daß er das Gebot übertrete, damit Gott durch die, welche ihn lieben, geschmäht werde.“

Nachdem er aufgenommen worden war und die Brüder nach der Sitte über ihn gebetet hatten, begann er, sich in wenigen Tagen eine Zelle zu bauen, indem er ablegte alle Weichlichkeit, Üppigkeit und Bequemlichkeit, er, der bis er Christ wurde, sogar das Wassertrinken verschmäht hatte. Was (geschah) nun in staunenswerter Weise durch den, der reichlich gibt und denen hilft, die würdig sind, seinen Willen zu erfüllen? Wie einer, der von Jugend an mit ermüdender, abgetöteter Knechtesarbeit sich gemüht, wandelte er sein ganzes Leben arbeitsam in Selbstverachtung und aller gebeugten Demut, indem er täglich für die Bauleute Steine trug und herbeischleppte, beständig für den Mörtel Erde herbeitrug und für die den Lehm Knetenden Wasser aus der Zisterne heraufzog. Außerdem richtete er auch den Tisch für die Knechte und Brüder, die ihm halfen, stand beständig schüchtern vor ihnen wie ein Knecht vor seinem Herrn, und ließ niemals zu, daß ein Bruder nach der Sitte aufstehe und ihn bediene. Nachdem die Zelle nach seinem Wunsch vollendet, mit einem Zaun umgeben und mit Türen versehen war, und so die Zeit gekommen war, daß er nach Mönchsbrauch ruhig in der Klausur sitze, versammelten sich die Brüder nach der Sitte und hielten in seiner Zelle Vigil. In der Kirche wurde konsekriert und die ganze Brüderschaft kommunizierte. Dann kamen sie und empfingen die Eulogie (ein Liebesmahl?) in seiner Zelle nach dem bei den Brüdern geltenden Brauche, wobei er in der Reihe nach seiner Sitte und Neigung stand und die Brüderschaft bediente. Nachdem ihm der Abt der Sitte gemäß den Segen gegeben, ging er weg, fiel auf sein Angesicht und betete an. Nachdem wir uns vom Tische erhoben, nach der Sitte (Gott) gelobt und der Abt ihn gesegnet über das, was an ihm geschah, antwortete er frohlockend in herzlichem Bekenntnis: „Ich bekenne Christo, dem Herrn, was ich war, worin und wie ich war, die Abscheulichkeiten, verschiedenen Unreinheiten und verderblichen Hindernisse, aus denen ich gerettet wurde in überfließendem Erbarmen, ich und meine Schwester durch gegenseitige Unterstützung und die wunderbare Leitung der Gnade, die den büßenden Sündern (wird), sie in das Schwesternkloster, ich in diese gesegnete Gemeinde. Gebe der Herr durch Erhörung eurer Gebete, daß ich und meine Schwester alle Tage unseres Lebens ihm gefallen und daß unser Leben in vollkommener Liebe nach seinem Willen vollendet werde.“ Hernach riefen alle Brüder: „Ja und Amen, Amen.“

Was nun? Er ging hinein und ließ sich nach dem Kanon der wahren Mönche in seiner Zelle verschließen, um zu kämpfen, zu siegen und gekrönt zu werden. Er begann, stark und mutig Leib und Seele in vernünftigen, gottgefälligen Diensten als lebendiges, annehmbares Opfer darzubringen. Er bereitete alle seine Glieder für den Dienst der Wahrheit, Gerechtigkeit und behutsamen Keuschheit und für alle Tugenden, die in der Stille der Zelle gewirkt werden, die Gott versöhnen und zur Vollkommenheit hinaufführen, durch anstrengendes Fasten, Nachtwachen, beständiges, unaufhörliches Gebet, fortwährende Inklinationen und Ausbreiten der Hände, demütiges Stehen und Prostrationen. Auch seinen Geist bildete er beständig und wachsam durch Lesung der heiligen Schriften und die Lehre der heiligen Väter zwischen den Zeiten des (Kirchen)dienstes nach dem Brauche der nach geistlicher Erkenntnis Verlangenden, in einem unersättlichen Durst, indem er die Nacht zum Tag machte und den Tag mit der Nacht vermischte, so daß er jede Nacht den David durchnahm. Und (er war) wie einer, der große Schulden hat und sich ängstlich jederzeit müht, daß er die unbezahlbare Schuld bezahle. Und er pflegte zu sagen: „Bis jetzt waren es die Gnade Gottes und seine Gaben in Barmherzigkeit, was sich meiner erbarmte und sich reichlich über mich, den Unwürdigen, ergoß. Nun muß ich mich mühen nach meiner Kraft, mit bereitem Willen flehen, tapfer kämpfen und starkmütig wachen, damit mein Sinn seine Einfalt und Christusliebe keinen Augenblick ändere. Nichts nützen mir Glaube und Taufe, wenn nicht meine eigenen Werke die in der Taufe, dem Unterpfand (ἀρραβών) des Lebens, erlangte Reinheit bewahren und in mir den Glauben vermehren durch gestärkte Kraft, Haß meiner selbst und in den Gekreuzigten versenkte Liebe, in dem ich erlöst bin durch sein überfließendes Erbarmen. Wie zahlreich sind hier verschiedene Trübsale, mühsame Kämpfe, heftige, zahllose Kriege, Erinnerungen an die Vergangenheit, Regungen der Leidenschaft der Jugend. Die Dinge von außen erregen das Innere. Das Innere entzündet und verwirrt nach außen: das Herumschweifen der irrenden Gedanken, unkeusche Phantasiebilder, das Festhalten von allerlei Unsittlichkeit. Wieviel sind die Bedrängnisse, zahllos in ihrer Verschiedenheit: Nachlässigkeit, Stumpfsinn, Trägheit, Kummer, Trauer, Seufzen, schluchzendes Weinen. Dazu die heftigen Stürme der Geister, der Fürsten (der Welt) 1, die durch zahllose Listen und böse Nachstellungen (sich mühen), durch ihre Frechheit und starke Überhebung jedes festgegründete und gerade, auf das Fundament Jesu gegründete Gebäude zu zerstören und zu zerstreuen. Durch die Flut der verschiedenen Begierden und heftige, beständige Stürme peitschen sie und stürzen sie um, um zu zerstören: Ruhmsucht, Machtliebe, Zorn, Hochmut und alles, wovon bloß die in Wahrheit der Welt gekreuzigten Mönche wissen, wie hart und schwer es ist, da nur einzelne daraus gerettet werden.“

Unser großherrlicher Märtyrer siegte und vollendete in all diesem und wurde gekrönt, und sein Sinn ließ sich in nichts von dem Ziel und Zweck erschüttern oder abbringen, die ihm für immer gesetzt waren. Und so sehr machte er sich verächtlich, verdemütigt und zum Geringsten aller, daß er auch, wenn er mit den Brüdern an die Arbeit ging, wie es Sitte ist, einander zu helfen, mit dieser so schweren und erniedrigenden Tätigkeit den Anfang machte und eifrig und unverdrossen den ganzen Tag arbeitete. So reinigte und hütete er mit diesen Arbeiten auf dem Berge und Gott wohlgefälligen Übungen mehr und mehr sein schönes Herz und gewann das Verständnis der Heiligen Schrift und der Lehren der Einsiedler und erfaßte alle Kommentare des seligen Theodor, des ökumenischen Lehrers. In wenigen Jahren wurde er Lehrer der Mönche und der erste derer, die als Erklärer der Schrift gelten. Denn wer verstand besser als er, schwierige Fragen und Gedanken des Mönchtums, die aus den Kriegen der bösen Teufel (stammen), zu lösen, sowie das, was darüber scharfsinnig von den früheren Vätern geschrieben wurde, die an sich selbst deren Kampfesweise und Schlauheit erfahren hatten, und endlich zu prüfen, zu unterscheiden und zu erkennen, wen dieser Kampf trifft und wen dieser Gedanke, was diese Leidenschaft erzeugt, welcher gar schwierige und anhaltende Kampf ausgetrieben wird und (doch) nicht weicht, was die Ursache davon sei, was der Sieg eines jeden, wie und in welcher Weise.

Was nun? Nachdem er in der Stille in diesem Krieg gesiegt, seine Sinne unterworfen, seine Regungen bezähmt, seine Gedanken zur Ruhe gebracht, die bösen Teufel und alle ihre Listen niedergeworfen und in jenem geistlichen Krieg enthüllt und die drei Köpfe ihrer Grausamkeit zertreten, ging er auch in den zweiten Krieg mit dem Werkzeug (ὄργανον) der bösen Teufel, den Mund der Kinder des Bösen zu schließen, die wie die Schriftgelehrten, Pharisäer und Sadducäer das falsche Gewand (σχῆμα) der Lehre tragen, und ihre ganze, auf Sand erbaute Größe umzustürzen, die sich gegen die Gotteserkenntnis erhebt.

Nicht nur durch das Wort, sondern auch durch Schriften widerlegte er gemeinsam mit einem Bruder desselben Berges1 die gottlose Lehre der Theopaschiten und des Chaldäertums Hannânâs. Auch wenn Schüler jenes verlorenen Hannânâ, des Häretikers, Chaldäers und Origenisten, kamen und in der Disputation die einzelnen schlechten Lehrpunkte jenes Verfluchten, in dem alle Häresien des Sohnes des Verderbens zusammengetragen sind, aufgriffen, so widerlegte er ihr Gerede über den Satz ihres Lehrers Hannânâ, daß die Ursache von allem das Fatum und Schicksal sei und (dieses) sich von den Gestirnen herleite, (indem er sagte): „Wenn es so ist, so gibt es weder menschliche Freiheit noch Vorsehung. Und wie lenken es die Gestirne, daß die Menschen teils an ihr Fatum glauben, teils nicht? So widerlegt das Chaldäertum sich selbst.“ Und wenn sie nach der Lehre des Origenes frevelten: „Obwohl die Menschen Gottes Schöpfung sind, macht er sie seiner Natur gleich“, sagte er: „Also werden auch die Mücken und Mäuse als Geschöpfe Gottes seiner Natur gleich.“

Dagegen, daß er mit den Severianern verbündet zum Frevel e i n e Natur und e i n e Hypostase in Christo (lehrte) und das Leiden auf die Gottheit übertrug, antwortete er mit unwiderleglichen Schlüssen. Er sagte — und wir führen jedes einzelne seiner Worte und Einwendungen an, weil die Sache große Ausführlichkeit fordert, wenn alles dargelegt werden soll —: „Sagt mir: ihr behauptet immerhin eine Einigung. Wenn nun vor der Einigung e i n e Natur und e i n e Hypostase ist, nach der Einigung aber die eine Natur und Hypostase gleich sind, so ist das keine Einigung und der Begriff Einigung ist inhaltslos.“ Wenn sie dann einwendeten und bekannten: zwei Naturen, eine Hypostase, so widerlegte er ihren Irrtum folgendermaßen: „Sagt mir, gibt es eine Natur, die nicht in und unter der Hypostase erkannt wird? Und gibt es eine Hypostase, die nicht eine allgemeine Natur anzeigt? Werden nun in der einen Hypostase, die ihr nennt, die beiden Naturen als in ihren Eigenschaften bewahrt erkannt, oder (nur) eine? Wenn e i n e Natur, welche ist das? Wenn die Natur Gottes, des Logos, so ist die menschliche Natur nicht vorhanden. Wenn die menschliche, so ist die göttliche nicht vorhanden. Wenn die Naturen zum Teil die zusammengesetzte Hypostase ausmachen, wie der gottlose Kaiser Justinian sagt, so (gibt es) hier eine Zusammensetzung, Teilung und Teile, und diese eine Hypostase ist einzig in ihrer Art und verschieden vom ewigen Wesen und der menschlichen Natur, und weder ist Gott vollkommener Gott in seiner Hypostase, noch der Mensch vollkommener Mensch in seiner Hypostase. Sondern er ist mit dem Vater und Geist eine Teilhypostase und ebenso mit den Menschen.“

Auch wenn sie festhielten: „zwei Naturen, eine Person (πρόσωπον) in der Einigung“, so deuteten sie es entsprechend ihrem Irrtum in schlechtem Sinn, nicht im richtigen Sinn der früheren Väter, die, wenn sie so sagten, auch die Eigenschaften der einzelnen Naturen zugaben, weil die Eigenschaft der Natur in den einzelnen Hypostasen (besteht), worin sie erkannt wird, und nicht ist es anders. Auch hatte damals Satan jene (Irrlehre) noch nicht hervorquellen lassen, die er hervorquellen ließ durch den gottlosen Cyrillus, Eutyches, Julian (von Halicarnass) und die übrigen Theopaschiten, welche schwätzen, die Hypostase sei Person und die Person Hypostase, wogegen die heiligen Väter, nämlich Nestorius und die Seinigen erklärten: „zwei Naturen und zwei Hypostasen, ihre Eigenschaften bewahrend in der einen Person Christi.“ Dieser (Formel) bedienten sich auch die früheren in aller Korrektheit gegen den gottlosen Apollinaris, der sagte: „Mischung und Vermengung in einer Person und einer Hypostase.“ So sagt (auch) der selige Theodor im achten Buche seiner Schrift (über) die Leiblichkeit und erklärt dort deutlich zwei Naturen und zwei Hypostasen in einer Person Christi, des Sohnes Gottes. Und so erklären alle Väter, wenn sie gegen die gottlose Häresie des Arius, Apollinaris und der übrigen Theopaschiten sprechen, die Eigenschaften der beiden Naturen in ihrer Hypostasierung.

Sagt mir jetzt: Sagt ihr von diesen zwei Naturen, (der) e i n e n Person Christi in e i n e r Einigung, (von) dieser Person der Einigung, daß sie die ganze Trinität durch die Einigung ist? Oder daß (sie ist) Gott der Logos, von dem es heißt: „Das Wort ist Fleisch geworden“, und: „Das Bild Gottes nahm das Bild des Knechtes an“? Und (sagt ihr, daß) wir in dieser Person die ganze, allgemeine Menschennatur, die männliche und weibliche, erkennen, oder Jesum, eine menschliche Hypostase, der das Bild des Knechtes ist und aus dem Samen Abrahams angenommen wurde, wie es heißt: „Nicht aus den Engeln nahm er an, sondern aus dem Samen Abrahams“, und nicht sagte er zu ihm, wie zu vielen, „deine Samen“, sondern wie von einem, der Christus und auch Mensch ist, „deinen Samen“? Somit werden in dieser e i n e n Person Christi nicht nur die Naturen in e i n e r Zusammenheftung erkannt, sondern auch die ihre Eigenschaften bewahrenden Hypostasen, die Gottes des Logos (als) einer vollkommenen Hypostase gleich der des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes, und die des Menschen Jesus (als) einer vollkommenen Hypostase gleich der Abrahams und Davids, aus deren Samen er genommen ist, und geeinigt in e i n e r Einigung und Zusammenheftung: Tempel und sein Bewohner, Annehmender und Angenommenes, Vollender und Vollendetes, Mensch und Gott in e i n e r untrennbaren Einigung der einen Person des einen Herrn Jesu Christi, des Sohnes Gottes, gestern und heute und in Ewigkeit. Somit ist jeder, der heute, da diese vermischende, vermengende und Gott leidensfähig machende Häresie aufgesproßt ist, zwei Naturen (und) e i n e Person nennt, aber nicht mit ihnen (den Vätern) auch die zwei ihre Eigenschaften bewahrenden Hypostasen in der einen Person Christi, des Sohnes Gottes, in e i n e r Einigung und Zusammenheftung und in Ewigkeit festhält, ein Häretiker und von der ganzen katholischen Kirche unter dem Himmel ausgeschlossen.“

Hernach bekannten sie, durch diese starken Argumente in die Enge getrieben: „Gewiß ist jeder, der nicht so bekennt, ein Häretiker.“ Aber man reichte ihnen in unserer Gemeinschaft die Kommunion nicht, bis sie den Häretiker und Chaldäer Hannânâ und seine ganze Lehre anathematisierten. So schrieb auch nach dem zweiten Tode jener Hefe aller Häresien, des gottlosen Hannânâ, dieser herrliche Vater, der gekrönte Märtyrer, dessen Anathem nieder und heftete es an die Kirchentüre: „Jeder, der dem häretischen, chaldäischen und origenistischen Irrtum und aller gottlosen Lehre des häretischen Hannânâ, die allem Christentum fremd ist, zustimmt und nicht rechtgläubig ist nach der Überlieferung der ganzen persischen Kirche, oder wer verwirft oder tadelt diese drei seligen, heiligen, ökumenischen Lehrer, die Säulen der Kirche, und ihre apostolische, den ganzen Orient erleuchtende Lehre, nämlich den seligen Diodor, den seligen Theodor und den seligen Nestorius, die herrlichen Zeugen und die übrigen Lehrer, die auf ihren Spuren wandelten, darf im Worte Gottes, das Höhe und Tiefe beherrscht, in dieser Gemeinschaft die Kommunion nicht empfangen, und kein Bruder unserer Gemeinschaft darf die Kommunion empfangen, wo der Name des Chaldäers und Häretikers Hannânâ (in den Diptychen?) verkündet wird.“ Nachdem er dieses Anathem geschrieben und an die Türe der Kirche geheftet hatte, ging er hin und besiegelte es im Blute seines Kreuzes, und in Ewigkeit der Ewigkeiten wird es nicht aufgehoben. Denn das Wort des Herrn ist wahr und die Macht, die er seinen treuen Priestern gab, wird nicht überwunden: „Was ihr auf Erden binden werdet, wird im Himmel gebunden sein.“ Dieses Anathem ist treu bewahrt und wir und alle Treuen gleich uns halten es fest, bis wir seinen Verfasser, den gekrönten Märtyrer, an jenem furchtbaren Tage der Vergeltung empfangen. Ja und Amen und Amen. Auch die unreine Häresie der fälschlisch sogenannten Mezallianer und teuflischen Zauberer deckte er vor jedermann auf und (zeigte), daß das Teufelswerk und Gemeinschaft mit den Teufeln ist.

Nach dem allherrlichen und erhabenen Sieg, in dem er kämpfte und siegte in der Stille der Zelle in allen Kämpfen und nachdem er auch diese Kinder der Bosheit, die Hannanianer und ihre Genossen, die Mezallianer, niedergeworfen, verband sich die Häresie des Hannânâ mit der teuflischen, theopaschitischen Häresie, weil die Häresie in der medizinischen Wissenschaft am Hofe einen Anwalt fand. Denn jener theopaschitische Schiggarener ging zum König und sprach: „Ihr Lehrer stimmt mir zu und sieh, sein Schüler kam mit seinen Schreiben zu mir.“ Der König glaubte ihm und befahl ihm, sich nach einer geeigneten Person umzusehen, damit er sie zum Katholikos mache. Da gerieten die orientalischen Bischöfe und die wahren, glaubenseifrigen Gläubigen in Erregung und Furcht und alle Bischöfe rüsteten sich, sogleich an den Hof zu reisen, einen Ausweg zu suchen und dem König zu melden, damit nicht dieses Übel geschehe, nicht große Erregung die ganze Kirche des Perserreiches treffe und auch der König sie strafe, „da ihr ihn nicht zuvor über die Sache unterrichtet habt“. Auf den Rat angesehener, für die Wahrheit eifernder Laien schrieben nun die Bischöfe an unsere Gemeinschaft, da sie von dem warmen Eifer unseres Vaters Mâr Gîwargîs gehört, sowie daß er in Glaubenssachen wohl bewandert sei und den Großen und Angesehenen des Reiches nahestehe und Zutritt (παρρησία) habe, er möchte kommen und nebst anderen dazu geeigneten Brüdern der Gemeinschaft sich mit ihnen vereinigen. Als dieser Brief ankam und wir ihn im Konvent verlasen, beeilte sich Mâr Gîwargîs freudig, die Sache auf sich zu nehmen, als ob er fühle, es sei nun die erwartete und ersehnte Zeit gekommen, daß durch ihn Christi Wahrheit und Liebe, sowie die (Gnaden), deren er gewürdigt worden war, erkannt würden.

Wir wählten nun zwei geeignete Priester und Diakone, mit ihm zu gehen, die Priester Mâr Andreas und Mâr Michael aus der Provinz Bêt Garmai, Lehrer in Wort und Tat, ausgezeichnet in allen Tugenden und göttlichen Dingen, in Wahrheit einige Einsiedler, der Welt gekreuzigte Aszeten, keusch, demütig und bescheiden, in der Gemeinde klare Spiegel der Tugenden und der Kenntnis der Wahrheit, fleißige Arbeiter und Heilige Christi, die auf dem Wege unseres herrlichen Vaters den Lauf ihres Kampfes vollendeten, indem auch sie in zahllosen Peinen für den wahren petrinischen Glauben litten, von ihren Mühen entschliefen und sich die Krone des Bekennertums wanden. Auch ihr Gebet sei mit uns allen. Amen. Auch ging mit ihnen die gesegnete Frucht, der zweite Joseph, der Diakon Mâr Gausîschô’, die Wohnung des Heiligen Geistes, der Spiegel der Keuschheit und Heiligkeit, der in allem durch seine erhabene Liebe dem Liebesjünger Johannes glich und von Jugend an solche Klugheit besaß, daß er, obwohl er der Sohn angesehener Leute aus der Gegend von Kardû war, die Knechte und Mägde und viele Besitzungen hatten, aus Herzensreinheit, da der Lebenstropfen der Christusliebe ihm die Hoffnung der Christen einträufelte, kampfbereit alles Vergängliche auszog und wegwarf, und nachdem er all seine Habe den Armen verteilt und seinen Knechten die Freiheit geschenkt, in der Fremde, welche die Kinder des Reiches erzieht, das Kreuz auf sich nahm und dem zu allen Tugenden, die er besaß und in denen er sich abmühte, sich selbst zum Ziele der wahren Mönche zu erziehen, auch das von Gott gegeben wurde, daß er der vollkommene Freund und Nachfolger in allem unseres Vaters Mâr Gîwargîs, des gekrönten Zeugen, werde, so daß er als ein von der Gemeinschaft gewählter Begleiter gewürdigt wurde, ihm in seinen Fesseln bis zu dem Tage seiner Krönung zu dienen. Das Gebet des Mâr Gîwargîs, der ihn oft segnete, sei mit ihm. Ja und Amen.

Als sie bereit waren, sich auf diesen gefährlichen Weg zu machen, auf dem sein Kampf zum Ruhme der ganzen Kirche und besonders unserer Gemeinschaft vollendet werden sollte, zogen wir, die ganze Gemeinschaft, in die Kirche, beteten vor dem Altar und fügten Psalmen an und den klagenden Lobpreis; zuerst (den Psalm 67): „Es erhebe sich der Herr“, dessen Worte für uns und sie gut paßten; dann (den Psalm 68): „Rette mich, Herr, denn die Wasser kamen bis zur Seele“, der sowohl für sie, die gingen, als für uns, die wir blieben, paßte. Dann fügten wir hinzu mit voller Stimme den Lobhymnus: „Neige Dich dem Gebete Deiner Diener“ und fügten nach der Sitte das „Heilig“ an. Dann gingen wir in das Oratorium und wiederum segneten, beteten, küßten und umarmten wir einander. Dann machte die ganze Gemeinschaft das Kreuz über die Fortziehenden und auf ihren Weg und diese machten es über die Bleibenden, und so machten sie sich auf den Weg. Als sie nach Karkâ de Bêt Slôk kamen, wurden sie von jenen gläubigen, treuen und eifrigen Orthodoxen, den angesehenen Freien und Leuten des Segens, mit Lichtern und Weihrauchfässern, mit allen erhabenen Ehren empfangen, die Heiligen, welche bereits Bekenner und Märtyrer sind, gebühren, und obwohl Mâr Gîwargîs wiederholt bescheiden einwendete: „Wir ziehen so nicht ein, da das für unseren Stand zu ehrenvoll ist“, gehorchten jene Leute, voll von allen Segnungen, nicht. Sondern wie Gott in ihren Sinn gesät, daß das eine Schar von Märtyrern und Bekennern sei, die in ihre Stadt komme, nahmen sie sie in aller Herzensfreude wie Christus auf, der sie krönt. Und von solcher Freude und Jubel war die in Glauben und Liebe gesegnete Stadt erfüllt, als ob sie Engel Gottes gesehen und ihren Segen empfangen hätten.

Nachdem sie dort einige Tage geblieben waren, zogen sie fort an den Königshof. Als sie dort ankamen, sagten die Bischöfe zu ihm: „Geh, o Bruder, zu den Vornehmen, von denen du weißt, daß sie beim König freie Aussprache (παρρησία) haben und suche von ihnen zu erfahren, was wir wissen müssen.“ Er ging nun zu angesehenen christlichen Beamten, von denen er wußte, daß ihre Stelle ihnen zu reden und zu handeln erlaubte, und erzählte ihnen die Ursache der Ankunft der Bischöfe. Jene Gläubigen fürchteten und zitterten aber so sehr aus Schrecken vor der Sache, daß sie sagten: „Es ist für uns zu schwierig, davon vor dem König zu sprechen, da das Horn der Häretiker sehr erhöht ist. Geh und sag den Bischöfen, sie sollen heimkehren.“ Unser der Welt gekreuzigter Vater sprach glühend von göttlichem Eifer: „Wenn wir so fürchten und zittern, da wir noch keinen Krieg und kein Übel gesehen, so müssen wir das Christentum verleugnen, wenn die offene Verfolgung sich erhebt. Und auch die Furcht und die Zustimmung zur Häresie ist offene Verleugnung Christi.“

Nachdem er sie mutig und freimütig aufgeweckt, bestärkt und ermutigt, sagten sie: „Schick nun die Bischöfe an den Hof.“ Als sie nun gleichfalls durch die Worte des herrlichen Märtyrers ermutigt kamen, benachrichtigte Mâr Gîwargîs einen von denen, die vor dem König stehen, namens Farruchân, daß er zum König gehe und ihm von der Ankunft der Bischöfe spreche und das sei die Ursache ihrer Ankunft und ihre Bitte, daß ihnen nach ihrer Sitte und Ordnung (τάξις) ein Haupt gesetzt werde. Nachdem Farruchân die Sache vor dem König vorgebracht, sprach dieser: „Zuerst muß man (untersuchen), welcher der wahre Glaube ist; dann sollen sie ein Oberhaupt erhalten.“ Farruchân sprach: „Wenn ihr befehlt, soll eine Disputation stattfinden“.

Der König sprach: „Ich befehle nicht, außer was uns angeht (?).“ Und er ließ die Sache eine Stunde lang gehen. Und da noch viel mehr Zeit hinging, erinnerte er sich nicht. Hernach kam Farruchân auf Bitten des Mâr Gîwargîs wiederum vor den König und sprach: „Was befehlt ihr wegen jener Bischöfe, von denen wir vor eurer Majestät sprachen?“ Der König antwortete: „Da ihr Glaube nicht der rechte ist, wie sollen wir ihnen ein Oberhaupt setzen?“ Farruchân sprach, wie ihn Mâr Gîwargîs belehrt: „Wenn ihr befehlt, sollen sie ihren Glauben schriftlich darlegen und man bringe ihn vor euch.“ Da befahl der König, daß sie in Frieden (ein Glaubensbekenntnis) fertigen sollten. Farruchân ging hinaus und teilte es dem Mâr Gîwargîs mit. Dieser teilte den Bischöfen mit: „So hat der König befohlen: sie sollen ihren Glauben schriftlich darlegen und vor mich bringen.“ Da versammelten sich die Bischöfe, sowie Mâr Gîwargîs, der Bekenner, und unser Vater Mâr Henânischô‘, der Mann Gottes, der in Wahrheit Orthodoxe, der eifrige, feurige Lehrer der Orthodoxie, der in Liebe zu Christus glühte, der erprobte Mönch und Haupt der Mönche. Auch er war bei der Regierung groß und angesehen gewesen, hatte aber alles hinter sich gelassen, und tapfer, mutig und jugendlich erglühten seine Schritte im Lauf und Kampf um Gerechtigkeit, Tugend und Erkenntnis der Wahrheit. Und er zeichnete sich aus in dieser Gemeinschaft durch zahllose Großtaten, so daß in dieser Zeit nach dem gekrönten Märtyrer Mâr Gîwargîs niemand erfunden wurde, der ihm gleich gewesen wäre, weder an festem Glauben, noch an Glaubenseifer, noch an jugendlicher Hoffnung, noch an brennender Liebe. Auch er erwartete sehnsüchtig die Bekennerkrone. Seine Gebete seien über uns allen. Amen.

Da beide in allen göttlichen (Dingen) miteinander verbunden waren und einander glichen, fertigten und schrieben sie auch mit den Väterbischöfen das Bekenntnis des orthodoxen Glaubens und setzten in ihrem im Heiligen Geist (verfaßten) Bekenntnis fest die zwei ihre Eigenschaften bewahrenden Naturen und Hypostasen der Gottheit und Menschheit in der einen Person Christi, des Sohnes Gottes. Auch fügte er die Schwierigkeiten und Einwände bei, welche die Häretiker in ihrem Irrtum zu erheben pflegen, sowie ihre starke Widerlegung durch die unüberwindliche Orthodoxie. Hernach ließen sie das Glaubensbekenntnis und die Einwendungen durch Mâr Gîwargîs aus dem Syrischen ins Persische übersetzen und übergaben es dem Farruchân, der es vor den König brachte. Nachdem dieser es gelesen, sprach er zu Farruchân: „Sie sollen wissen, daß wir ihnen kein Oberhaupt bestimmen, solange sie den Namen des Nestorius verkünden.“ Auch schrieb der König folgende drei Fragen nieder und schickte sie den Bischöfen, damit sie sich verteidigten. Erstens: „Seitdem die Apostel den Glauben gepredigt und hernach, wer irrte zuerst ab, die Mönche oder die Nestorianer?“ Zweitens: „Wen hat Maria geboren, Gott oder den Menschen?“ Drittens: „Gibt es einen Lehrer, der vor Nestorius Christus zwei Naturen und zwei Hypostasen nannte?“ Sie fertigten nun eine starke, unüberwindliche Widerlegung auch dieser Punkte aus den Worten der Heiligen Schrift und der Lehre der heiligen Väter, der festen Säulen der Kirche, und sendeten sie vor den König. Dieser tat wie zuvor; er schwieg und sprach nichts.

Nachdem einige Zeit vergangen war, machte sich der König nach seiner Gewohnheit auf, in die Provinz Bêt Mâdâje zu reisen. Da baten alle Bischöfe, die mit den angesehenen Gläubigen des Hofes versammelt waren, Mâr Gîwargîs und Mâr Henânîschô’, die wahren Lehrer, daß sie in jedem Falle mit ihnen im Gefolge des Königs nach Bêt Mâdâjê zögen, indem sie ihnen sagten, welchen Nutzen ihr Hingehen und welchen Schaden ihr Dableiben bringen würde. Da gehorchten sie in ihrer großen Weisheit und ihrem göttlichen Eifer um des Nutzens der ganzen Kirche willen, und um alles Kommende bis zum Blutvergießen auf sich zu nehmen, gehorchten sie und gingen mit ihnen. Als sie in Bêt Mâdâjê angekommen waren, blieben sie dort längere Zeit, ohne daß jemand etwas von den kirchlichen Angelegenheiten redete oder anhörte. Es befindet sich nun dort ein großes und be rühmtes, auf den Namen des angesehenen Märtyrers Mâr Sergius erbautes Martyrium. Dieses Kloster wird von den Gläubigen sehr geehrt, so daß sogar eine bekannte christliche Königin dort jährlich das Gedächtnis des Namens des heiligen Märtyrers zu begehen pflegt. Als das der Anwalt der Häresie, der hinterlistige Schig-garener, der sich lügenhafterweise Gabriel nannte, erfuhr, riß er zuvor in seiner Frechheit die Sache an sich. Er sammelte seine Spießgesellen, die Theopaschiten, die Anhänger der gottlosen Häresie, und kam übermütig mit aller gottlosen Gewalttat, um jenes heilige Haus in Besitz zu nehmen und sich seiner zu bemächtigen.

Als der selige Mâr Gîwargîs, der Märtyrer, und Henânîschô’, der eifrige Kämpfer (ἀγονιστής) und die Bischöfe mit ihnen den Übermut, die Wut und den teuflischen Stolz jenes verfluchten Schiggareners, des Teufelsnestes und der Wohnung der bösen Geister, sahen, sowie daß er sich anschickte, mit seiner wütenden Rotte jenes heilige Haus gewaltsam an sich zu reißen, sprachen jene Heiligen, die gesegnete Schar, ruhig und freundlich und in vieler, den Jüngern Christi geziemender Demut, ohne jedoch ihren göttlichen Eifer außer acht zu lassen, durch dessen Schweigen viele in Schaden und Verderben kommen: „Wir, o Herr, lassen das Haus Gottes, das Erbe unserer heiligen Väter, nicht in die Hände der gottlosen Häretiker kommen.“ Als nun der Wütende sah, daß die heiligen Väter sich durchaus nicht zur Abtretung des heiligen Hauses herbeiließen, empörte sich sofort Satan in ihm, der ihn wie Judas, den Verräter und Mörder, nicht verlassen hatte und machte ihn in bitterem, todschnaubendem Zorn entbrennen gegen das Haupt der am Hofe anwesenden Bischöfe, Mâr Schubhâ le mâran, den Metropoliten von Karkâ de Bêt Slôk, der ebenfalls, in Fesseln geworfen, um seines göttlichen Eifers willen litt, weil er es wagte, mutig dem reißenden Wolf zu widerstehen. Besonders aber redete der kluge Mâr Gîwargîs, der gekrönte Märtyrer, gegen den verfluchten Schiggarener spitzige, sehr schmerzende und brennende Worte. Nicht daß er ihn irgendwie beschimpfte und schmähte; sondern er mahnte ihn der gerechten, zukünftigen Vergeltung, die diejenigen (trifft), die nicht an sie glauben, und die sich um ihrer vergänglichen Macht willen hochmütig an das wagen, was ihnen nicht zusteht, sowie daran, daß (zwar) die Gerechtigkeit (Gottes) wegen der Erprobung und des freien Willens langmütig ist, daß aber trotzdem viele den Vorgeschmack der ihnen bereiteten Pein hier kosten und ihr Gott feindlicher Hochmut gedemütigt wird.

Nachdem der gekrönte Märtyrer jenen Verfluchten so gescholten, wurde dieser in Gemeinschaft mit den verfluchten Hannanianern in seiner bösen Grausamkeit die Ursache seiner Kreuzigung. Wenn auch der herrliche Märtyrer dieses begehrte und beständig erwartete von dem Tage seiner Taufe an, bis sein Wille erfüllt wurde, so geschah doch und wird geschehen an dem verfluchten Schiggarener das Wort des Herrn: „Es müssen Ärgernisse kommen; aber wehe dem Manne, durch den sie kommen. Es wäre jenem Manne besser, wenn er nicht geboren wäre, oder wenn, nachdem er geboren ist, eine Eselsmühle an seinen Hals gehängt und er in die Tiefen des Meeres versenkt würde.“ Was tat nun jener Verfluchte, das Satansherz? Er ging zum König und verklagte in aller bitteren Mordlust Mâr Schubhâ le mâran, den Metropoliten, und unseren allheiligen Vater Mâr Gîwargîs, den gekrönten Zeugen. Den Metropoliten: „Er hat gegen mich eine große Pöbelmenge (ὄχλος) gesammelt, mich zu ermorden.“ Gegen Mâr Gîwargîs log er in teuflischer Lüge und todschnaubender Verleumdung: „Einer der Priester, der bei ihnen ist, hat den König gelästert. Er war einst ein Magier, wurde von eurer Majestät geehrt und diente vor euch. Aber er ließ davon, ging hin und wurde Christ. Und er war nicht damit zufrieden, daß er von euch am Leben gelassen wurde, sondern in aller Frechheit kehrte er wieder, kam an den Hof eurer Majestät, ist der Anwalt der Nestorianer und ermutigt die Bischöfe und die übrigen.“

Als der König das über den gekrönten Märtyrer hörte, begann er genau zu fragen und nachzuforschen, wer dieser sei. Hernach ließ er ihn an den Hof kommen und befahl einem der Großen, namens Darmakan (?), jeden einzelnen für sich über die Anklagen des Arztes (durûstbed) zu befragen. Als er sie über ihr Gespräch mit dem Schiggarener befragte, begann jeder einzelne von ihnen die ganze Sache und die Worte, so wie sie gesprochen waren, vor dem königlichen Kommissär genau zu erzählen. Jedoch fragte der königliche Beamte den Mâr Gîwargîs nicht, ob er zuvor Heide gewesen und dann Christ geworden sei; sondern er ließ sich mit ihm in allerlei Erörterungen und Fragen ein, um aus seinem Munde zu hören, ob er direkt gestehe, welche Religion er ursprünglich gehabt und welche er jetzt festhalte. Der selige Kämpfer sagte ihm in allem Freimut offen die Wahrheit, wie geschrieben steht: „Ich werde reden in Gerechtigkeit vor dem König und mich nicht schämen“, und: „Sei recht in deinen Worten und du wirst siegen, wenn sie mit dir streiten“, und: „Im Herzen werde die Wahrheit geglaubt und im Munde bekannt.“ Und er legte ihm die ganze Sache dar: „Ursprünglich war ich Heide; jetzt aber bin ich, obwohl unwürdig, Christ.“ Auch teilte er dem Kommissär seine frühere Stellung vor dem König mit, sowie sein ganzes früheres Leben im Heidentum.

Der Kommissär ging nun zum König und teilte ihm alle seine Worte mit. Dieser sagte: „Wir kennen ihn gut; er stand vor uns und machte Jascht und ließ es.“ Dann befahl er dem Kommissär: „Was jener dir mündlich sagte, kannst du mir nicht wörtlich sagen. Geh also, laß ihn wieder kommen und frag ihn, ob er der ist, den wir kennen; er soll uns seine Geschichte aufschreiben, sowie, was er an jenem Tage zu dem Arzte sagte.“ Am zweiten Tage ging der Kommissär, ließ den seligen Mâr Gîwargîs allein kommen und sagte; „Der König kennt dich gut, wenn du der und der bist. Und es gefiel ihm, daß du alle deine Verhältnisse, in denen du warst und bist, niederschreiben sollst und (den Grund), weshalb du die gute Religion (beh dêni) verließest — mit diesem falschen Namen bezeichnen die Magier das Magiertum —, weshalb du zum Christentum kamst, in welchem Alter du getauft wurdest, ob du freiwillig oder unfreiwillig getauft wurdest, ob dich jemand täuschte, das zu tun, wie dein Vater und Großvater, deine Mutter und Schwester heißen, ob du von uns eine Ehre erhalten hast, was aus deinem Besitz und Vermögen wurde und was du für einen Streit mit dem Arzt Gabriel hattest.“

Der der Welt gekreuzigte Kämpfer sprach voll Mut und Vertrauen auf Christus, seinen Herrn, zum Kommissär: „Laß Pergament und Tinte (? ‚rpsnâ) kom men und ich schreibe dir mit meiner Handschrift, was du zum König bringen sollst.“ Rasch ließ er es kommen. Er nahm nun das Pergament, machte das Zeichen des siegreichen Kreuzes darauf und begann zu schreiben: „Als Gott an mir Gefallen fand und sich in seiner Barmherzigkeit meiner erbarmte, und ich mich zur Wahrheit wandte, geschah folgendes an mir. In eurem, sechsten Jahre brachte mich Gott von PWRIKISCHIH zum Christentum.“ — Als die umstehenden Christen und Heiden dieses Wort hörten, baten sie ihn dringend, er möge nicht so schreiben; „sondern schreib: gute Religion (beh dêni), damit der König nicht aufgeregt werde“. Er aber sagte mit vielem Mut: „Der Herr hat gesagt: Jeden, der mich vor den Menschen bekennt, werde ich auch vor meinem Vater, der im Himmel ist, bekennen. Er hat uns nicht gelehrt, anders im Herzen zu glauben und anders mit dem Munde zu bekennen.“ Und so sehr sie ihn baten, daß er gute Religion (beh dêni) schreibe, gab er nicht nach, sondern schrieb, wie gesagt, PWRIKISCHIH. — „Damals war ich zwanzig Jahre alt. Eure Majestät weiß aber, daß, wer zwanzig Jahre alt geworden, Urteilskraft besitzt und erkennt, was ihm schadet und nützt. Nicht aus Unerfahrenheit und weil es so kam, wurde ich Christ, sondern freiwillig und absichtlich, nachdem ich gut geprüft und geforscht und gefunden, daß alle Religionen Irrtum sind und keinen Bestand haben, daß eine die andere aufhebt und widerlegt, ja daß sie und besonders das Magiertum sich selbst widerlegen und daß nur der Christenglaube Wahrheit und Hoffnung des ewigen Lebens besitzt. Ich erwählte es, gewann es lieb und halte es mit aller Sorgfalt bis zum Tode fest; denn es ist der Atem des wahren Lebens. Weder Feuer noch Schwert, noch irgendeine Drangsal und Todesgefahr trennen mich von der Liebe Christi. Darauf vertraue ich und mein Sinn ist ohne Wanken, befestigt durch die Hilfe Christi, der mich stärkt.“ Er schrieb dann die Namen seiner Eltern, sowie alle seine Verhältnisse vor seiner Bekehrung zum Christentum, die Ehren, die er vom König erhalten hatte, was aus seinen Besitzungen und Sklaven geworden war, wo er sich von seiner Taufe bis jetzt aufgehalten und warum er jetzt an den Hof gekommen sei. Auch die ganze Unterredung mit Gabriel von Schiggar, dem Arzt, schrieb er nieder. Der Kommissär nahm dann das Schreiben und brachte es vor den König. Als dieser es gelesen, staunte er über seinen mutigen Sinn.

„Ihr betet es (das Feuer) an und opfert ihm. Wie hat es euch das Dasein gegeben, da ihr ihm durch Holz und anderes Material, das es stärkt, das Leben gebt?“ Der Rad1 antwortete: „Wir halten das Feuer nicht für Gott; sondern wir adorieren Gott durch das Feuer, wie ihr Gott durch das Kreuz adoriert. Der heilige Gîwargîs antwortete: „Wenn wir das Kreuz adorieren, so sagen wir nicht: Wir adorieren dich Kreuz, Gott, wie ihr sagt: Wir adorieren dich Feuer, Gott.“ Der Magier antwortete: „Es ist nicht so.“ Da rezitierte der Bekenner vor dem Rad einen magischen Text und zeigte ihm: „So habt ihr im Awesta (abastag), daß es ein Gott ist.“ In die Enge getrieben ging der Rad von seinen ersten Worten ab und sprach: „Wir adorieren das Feuer, weil es gleicher Natur mit Hôrmîzd ist.“ Der Heilige sprach: „Hat alles, was das Feuer hat, auch Hôrmîzd?“ Der Rad antwortete: „Ja.“ Der Heilige sprach: „Wir sehen, daß das Feuer Mist und Unrat verzehrt, wo es sie findet. Somit tut nun auch Hôrmîzd so, wenn er gleicher Natur mit dem Feuer ist.“ Der Magier wurde darüber sehr beschämt. Wieder fragte ihn der Heilige: „Warum adoriert ihr das Feuer nicht, solange es in Stein, Holz und anderen Dingen verborgen ist, bis ihr es an das Licht hervorzieht; dann adoriert ihr es ? Somit macht ihr es anbetungsfähig und ohne euch ist es nicht anbetungsfähig. Auch hat es so wenig Versland, daß es den Magier, der ihm Libationen spendet, von dem, der es nicht adoriert, nicht unterscheiden kann, sondern beide unterschiedslos verbrennt.“ Mit solchen und anderen starken Einwendungen verstopfte er dem Rad den Mund und brachte ihn zum Schweigen. Als die Magier sahen, daß er den Rad vollständig widerlegt, riefen alle einstimmig mit ihrem Vorsteher: „Nie sahen wir einen Mann, der so das Magiertum zu widerlegen und das Christentum zu begründen versteht, wie dieser.“ Zuletzt ließ sich auch der Rad von ihrem Lobe fortreißen und bekannte ebenfalls: „Auch mir begegnete bis heute kein Mann wie dieser.“ Und alle sagten: „Weh uns; da wir auf den Rad vertrauten, der mehr als alle Magier den Awesta (abastag) kennt, unterlag er und wußte nicht, zu reden. Nunmehr ist unsere Hoffnung abgeschnitten.“

Mit diesem Tage begannen alle insgesamt den heiligen Mâr Gîwargîs zu ehren, und auch ihr Vorsteher achtete ihn sehr. Und so sehr wendete er ihren Sinn vom Magiertum ab, daß sogar zwei Jünglinge, leibliche Brüder von vornehmer Abkunft, nachdem sie die starken Worte des heiligen Märtyrers gehört, womit er den Rad gänzlich widerlegt und die Wahrheit und unbesiegliche Festigkeit des Christentums gezeigt hatte, von diesem Tage an fest beschlossen: „Wir werden Christen.“ Sofort gingen sie in die Zelle des Heiligen und bekannten: „Wir sind jetzt Christen.“ Als der heilige Märtyrer das hörte, freute er sich sehr und bekannte Gott. Er brachte Brot, legte es vor sie hin, machte das Kreuz darüber und gab es ihnen als Eulogie. Sie nahmen es und aßen in aller Herzensfreude. Dann lehrte er sie: „So oft ihr hinzutretet und Brot esset, sprechet dreimal: Heiliger Gott, heiliger Starker, heiliger Unsterblicher, erbarme Dich unser, und dann esset.“ So hatte der Heilige selbst im Anfang seines Katechumenates getan. Was soll ich nun weiterhin sagen? Allen Gefangenen war er wie ein tröstender Vater, nicht nur durch Worte, die sie trösteten und in der Hoffnung des künftigen Lebens bestärkten; sondern er sorgte auch in jeder Weise für ihre leiblichen Bedürfnisse, wobei schon sein geliebter Anblick ihnen zur Linderung ihrer Leiden genügte.

Lasset uns nun sagen, durch welche Mühen, wahren Abtötungen und nützlichen Betrachtungen er sich beständig stärkte und sich beständig zu dem ihm bevorstehenden Kampfe waffnete und ermutigte alle Tage seiner Gefangenschaft bis zum Tage seiner Krönung am Kreuze. Ohne Unterlaß verharrte er im Offizium, im Gebete und schluchzenden Flehen, in beständigen Prostrationen, und nach der Gewohnheit seiner Zelle rezitierte er den David Tag und Nacht. Und so lautete sein beständiges Gebet und Flehen zu Gott: „Herr, Gott, Erbarmer und Barmherziger, der Du reichlich Deine Gnade über meine Schwachheit ausgössest und seit langem begannest, meine Sündhaftigkeit in Deiner Barmherzigkeit heimzusuchen, gib mir, o Herr, daß mein Wille in dem, wozu ich berufen wurde, vollendet werde, damit ich stark und mutig werde gegen alle Leiden, die mich treffen werden, in denen Du mir durch das Erbarmen Deiner Gnade den Sieg verleihen mögest.“ Auch schickte er beständig Schreiben an die Gemeinschaft der Mönche, in der er in der Tugend herangereift war und aus der er zum Opfer geführt wurde, voll von schluchzenden Bußworten, die erschüttern und zum Weinen bewegen und sogar steinerne Herzen zerreißen: „Ich bitte euch, meine Väter und Brüder im Herrn, dem ihr Tag und Nacht dient, flehet ihn für mich an mit Bitten und schluchzenden Tränen, daß mein Wille in dem, was ich ersehne, rasch sich erfülle, wenn es auch für mich zu erhaben ist, damit ich für seine Wahrheit sterbend einer der Märtyrer Christi genannt werde. Für ihn bin ich gefesselt und um seiner in mir flammenden Liebe und Barmherzigkeit und seiner wunderbaren Erlösungen und Leitungen willen, die er meiner Schwachheit (erwies).“

Auch gedachte er beständig nacheinander der Leiden der einzelnen Märtyrer und der schmerzlichen Qualen, worin sie die Krone des Martyriums erlangt um der Liebe und Treue gegen ihren Herrn willen und wegen der Hoffnung der zukünftigen Güter. Er stellte sich vor, was der in seinem Vertrauen starke, von Gott ermutigte Kämpfer Ignatius, der Bischof von Antiochien (erduldete), der vom Morgenland ins Abendland geführt wurde, um von den Tieren verzehrt zu werden. Dieser schreibt nämlich an die Römer, die sich mühten, ihn von diesem erbarmungslosen Tode zu befreien: „Haltet mich, Brüder, nicht von diesem Wege zurück; denn der Herr gab mir, auf ihm mein Leben zu erben. Denn jetzt begann ich, Christ zu sein. Denn ich bin der Weizen des Brotes des Lebens und ich verlange, von den Zähnen der Tiere gemahlen und ein annehmbares Opfer für Gott zu werden.“ Auch gedachte er des Gordius, der dem Heidentum entfloh und einsam als Einsiedler auf einem Berge lebte. Als er aber hörte, daß viele Märtyrer getötet wurden, wie mutig wallte da sein Herz über, daß er den Berg verließ und sich um Christi willen dem Tod überlieferte. Besonders gedachte er der Knaben und Mädchen, welchen Kampf und welche schweren Peinen bereitwillig sie erduldet: Kämme, Verstümmelung, Verbrennen und tausenderlei Leiden. Und sie lachten, tanzten und freuten sich; sie streckten die Zunge heraus zum Abschneiden, ihre Glieder zum Zerfleischen, Zerstampfen und den anderen verschiedenen Qualen; sie neigten ihr Haupt zur Enthauptung in Freude und starker Hoffnung und wurden so mannhaft gekrönt. Durch solche (Gedanken) schärfte er beständig seine Seele, rüstete er sich und stärkte er seinen Geist in der Erinnerung an alle diese heiligen Märtyrer, die auf verschiedene Weise litten und gekrönt wurden.

Sieben Monate war der Heilige am königlichen Hofe gefangen; dann führte man ihn in Fesseln nach Mâhôzê und brachte ihn auf ein Schloß, das persisch GRWNDGN, syrisch Akra (ἄκρα) de Kôkê heißt, wo er acht Monate lang schwer gefoltert und gequält wurde. Als die Zeit seiner Krönung kam, in der nach seiner Erwartung sein Wille erfüllt werden sollte, kam ein königlicher Befehl, man solle ihn aus seinem Gefängnis in der Akra herausführen und auf dem Strohmarkt kreuzigen. Man brachte den vertrauenden Helden heraus und führte ihn gleich seinem Herrn wie ein Lamm zur Schlachtung. Und wie es heißt: „Einer werde weggeführt, der andere werde freigelassen“, so wurde er von seinem mitgefangenen Genossen weggeführt. Als nun der in seiner Hoffnung Mutige an den Ort der Kreuzigung geführt wurde, der selbst wie ein Kreuz die Kreuzung von vier Straßen bildete, und als er das Kreuz, an das er geheftet werden sollte, sah, trat er eilig, in unvergleichlicher Freude hinzu, küßte das Holz und umarmte es freudig. Hernach wendete er sich nach Osten, breitete seine Hände gegen den Himmel und sprach mit hörbarer Stimme zu dem vielen, versammelten Volke: „Ich bekenne dich Christus, Herr, wahre Hoffnung der Christen, der du mich unwürdigen Sünder in deiner überfließenden Barmherzigkeit all dieser großen Gnade gewürdigt hast“.

Nachdem er das alles syrisch gesagt, sagte er es wiederum persisch, damit auch die Perser es hörten und verstünden, was er sagte.

Hernach ging er hin und bat den zur Kreuzigung kommandierten Kommissär: „Gib mir ein wenig Zeit, daß ich bete und Christum bekenne, der der wahre König und der Herr unseres Todes und Lebens ist und an dem die Hoffnung aller Christen hängt.“ Gerührt durch Gottes Fügung gab dieser es zu und sprach: „Bete, wie du begehrst.“ Der Heilige, mit Gott Bekleidete, kniete nieder und betete: „Heilig, heilig, heilig, starker Herr, voll sind Himmel und Erde von Deinen Lobpreisungen.“

Am Schlusse fügte er dreimal hinzu: „Heiliger Gott, heiliger Starker, heiliger Unsterblicher, erbarme Dich meiner“.

Nachdem er nach Gottes Anordnung vollendet, sprach der Kommandant: „Steh auf; wir haben Eile.“ Er machte das Kreuz auf sein Herz, seine Stirn und alle seine Glieder und richtete sich auf. Seine Lippen klangen im Lachen aus Freude und sein Angesicht frohlockte wie ein Engel des Lichts, so daß niemand die Schönheit und den Glanz beschreiben kann, die in jener Stunde zum Staunen aller Zuschauer über sein Gesicht ausgegossen waren. Froh und freudig sprach er zu dem Kommissär: „Wem werden solche Güter gegeben, wie sie mir heute gegeben werden, und auf wessen Haupt wird diese Krone gesetzt, die auf mein Haupt gesetzt wird? Wie soll ich nicht schneller als ihr eilen, sie zu empfangen? Ich habe eine dringende Bitte an dich. Da du aber nicht Christ bist und die Kraft des Christentums nicht kennst, will ich sie dir kurz sagen. Christus, unser wahrer König, den wir anbeten und an den wir glauben, hat zur Erlösung der Menschen und weil er seiner Menschheit nach aus unserem Geschlechte war, sich selbst dem Kreuzestod überliefert, um sie vom Irrtum zu befreien, zu seiner Erkenntnis zu bekehren und ihnen das wahre Leben zu geben. Weil er aber der von allen angebetete Herr ist und ich sein anbetender Knecht bin, wage ich es nicht, mich aufrecht wie er mich kreuzigen zu lassen, sondern nackt und kopfüber.“ Der Kommandant sprach: „Ich kann nicht etwas neues tun, was gegen den persischen Brauch ist. Der König würde es erfahren und zornig werden“. Als der Heilige sah, daß seine Bitte nicht angenommen wurde, erhob er die Hände zum Himmel und sprach: „Christus, du weißt, daß es mein Wille war, kopfüber gekreuzigt zu werden.“

Da sprach der königliche Kommissär: „Zieh deine Kleider aus.“ Froh und rasch zog sie der Heilige aus und warf sie weg. Sogleich liefen vornehme Heiden und Juden hinzu und rissen sie an sich, die Heiden als Reliquien, die Juden um ihre Habgier zu befriedigen. Auch hierin können wir die Ähnlichkeit des Dieners mit seinem Herrn sehen. Als nun der Kommandant sah, daß er in seinem Lendenschurz (περίζωμα) nackt da stand, nahm er ein Unterkleid (?) und gab es ihm anzuziehen. Als der Heilige nicht wollte, zwang er ihn dazu. Da machte der Heilige das Kreuz über das Unterkleid (?) und zog es an. Hernach sprach er zu dem königlichen Kommissär: „Keine meiner Bitten hast du erhört. Jetzt bitte ich dich nur um eines, daß man mich nicht um den Nacken, sondern um die Brust fessle, da mit von der Stunde an, da ich an das Holz gefesselt werde, bis ich meinen Geist aufgebe, alle hier Versammelten das Lob und die Danksagung hören, die ich Gott dafür, daß er mich dessen gewürdigt, mit lauter Stimme darbringe.“ Da willigte der Kommissär ein und befahl, daß es so geschehe.

Da erhoben sich die verfluchten Juden in ihrem grausamen Haß und sagten zu dem Kommissär: „Wenn wir den Kopf des Mannes nicht an das Holz binden, bewegt er sich, während die Pfeile auf ihn abgeschossen werden, und erschüttert das Holz, so daß es uns schwer wird, ihn zu treffen.“ Da sprach der Heilige in seinem Mut und Vertrauen auf den Herrn mit freudigem Angesicht: „Wenn ihr seht, daß ich aus Schmerz wegen der Pfeilschüsse ein Glied bewege, so ist, was ich euch gesagt, gelogen und unglaubwürdig.“ Munter lief er hinzu, machte wieder das Kreuzzeichen auf all seine Glieder, spannte froh seine Arme am Holze aus und sprach: „Sieh, auf Deine Kraft, Herr Jesus Christus, hoffe und vertraue ich.“ Und zu den kreuzigenden Juden sprach er: „Kreuzigt mich, wie ihr verlangt.“ Da fesselten ihn die Grausamen nach ihrem Verlangen und aus bitterem Hasse verdrehten sie seinen rechten Arm, um ihm Schmerz auf Schmerz zu bereiten, so daß sogar Blut floß. Die Linke blieb jedoch durch Gottes Fügung zur Widerlegung der Juden frei.

Nachdem sie ihn festgebunden, richteten sie sein Kreuzholz auf, und von der Stunde an war der Blick seiner Augen nach oben gerichtet, während seine Lippen beständig Lob und Preis Gottes murmelten. Nun befahl der Kommissär einem seiner Soldaten, auf ihn zu schießen. Als dieser seinen Bogen spannte und den ersten Pfeil abschoß, flog dieser durch Gottes Fügung und damit beides bekannt würde (?) an seiner rechten Seite vorbei, ohne ihm nahe zu kommen. Als der Soldat das sah und die Sache erkannte, ergriff ihn Furcht und Zittern; von Schrecken erfüllt legte er sogleich seinen Bogen weg und wollte nicht mehr schießen. Laut sprach er, so daß es viele hörten: „Ich bin unschuldig; denn ich bin gezwungen worden.“ Der Kommissär befahl nun anderen Soldaten, zu schießen. Da aber auch sie nicht wollten, rief der Kommissär den Soldaten, der zuerst geschossen hatte, und redete ihm heimlich zu. Dieser trat vor, schoß auf ihn (wieder) den ersten Pfeil und traf ihn in die Leber. Um nun allen die Widerlegung und Beschämung der Juden zu zeigen, bewegte sich der Heilige nicht, wie er vorausgesagt, und zeigte auch keinen Schmerz. Auch zeigte er es durch die Tat. Da er sie nicht durch Worte widerlegen und den Mut, den Frieden und die Ruhe, die durch Gottes Kraft ihn beseelten, nicht durch Worte zeigen konnte, begann er, die Pfeile mit den Fingern der freien Hand zu zählen. Auf den ersten Pfeilschuß krümmte er vor aller Augen nach Art der Zählenden den kleinen Finger. Auf den zweiten Schuß, der ihn in die Leber traf, krümmte er den zweiten Finger. Auf den dritten Schuß, der ihn ins Herz traf, den dritten, auf den vierten, der ihn ebenfalls ins Herz traf, krümmte er den vierten im Geheimnis des Kreuzes. So blieb er einige Zeit, ohne den zum Himmel erhobenen Blick zu senken. Da man nicht mehr nach ihm schoß, streckte er die vier Finger vor den Augen der verwunderten Zuschauer aus, schloß die Augen, preßte die Lippen durch Gottes unaussprechliche Fügung zusammen, und wie einer, der auf seinem Bette stirbt, gab er in fester, nicht zweifelnder Hoffnung seine selige Seele in die Hände seines Herrn und entschlief. Sein Leib wird leibliche Herrlichkeit anziehen, deren Geheimnis in seinem Kreuze erschien. Zu einem neuen Menschen wird sein Leib und seine Seele am Tage der Auferstehung erneuert werden; mit brennender Lampe wird er seinem Herrn entgegengehen, mit ihm in das geistige Brautgemach eingehen und an den unaussprechlichen Seligkeiten sich erfreuen.

Nachdem er so seine Seele seinem Herrn übergeben, ließ man ihn drei Tage und drei Nächte am Holze. Bei Tage war sein Angesicht für die Zuschauer heiter und von frischer Farbe und von der Schönheit, die er vor seiner Kreuzigung hatte. In den drei Nächten aber, die er am Kreuze hing, war über seinem Haupte zum Staunen und zur unaussprechlichen Verwunderung der ganzen Schöpfung ein glänzendes Licht sichtbar, damit jedermann die Seligkeit erkenne, die solchen gekrönten Märtyrern und allen, die Christus in Wahrheit lieben, bereitet ist. Hernach stellte man viele Wächter auf, damit nicht die Christen kämen und seinen reinen und heiligen Leib heimlich wegnehmen möchten. Die Kunde von seinem Martyrium flog rasch überallhin, und es sammelten sich viele Scharen aus allen Ständen (τάγμα), um den Leib des Heiligen wegzunehmen. Als das die Beamten erfuhren, vermehrten sie die Wächter durch Bewaffnete und vertrieben die Menge. In diesen drei Tagen, die der heilige Märtyrer am Kreuze hing, gaben alle ein Geschenk, wofür man sie herantreten und vom Leichnam des Heiligen Abschied nehmen ließ. Andere tauchten Lappen ins Wasser, liefen hin und wischten von dem Blute weg, das aus seinem heiligen Leibe sickerte, der Wohnung des Heiligen Geistes.

Auch folgendes dürfen wir nicht übergehen, wenn es auch unbedeutend erscheint. Ein kleiner Knabe aus Bêt Garmai trotzte, als man auf den herrlichen Märtyrer mit Pfeilen zu schießen begann, verwegen dem Tode. Er stellte sich zum Kreuze und als auf den ersten Pfeilschuß ein Blutstropfen aus dem heiligen Leib quoll, ließ er ihn nicht zur Erde fallen, sondern rasch lief er hin und fing ihn mit dem Kopfe auf, wofür er viele Schläge erhielt, so daß er dem Tode nahe war. Und ein Wunder war es, daß auch der Knabe sich sehr freute und bekannte, daß er gewürdigt wurde, mit diesem Märtyrer zu leiden, weil er gewagt, seinen Segen zu empfangen.

Am dritten Tage, da die Menge wußte, daß die Zeit der Abnahme des gekrönten Märtyrers vom Holze nahe sei, und da man ihn heimlich fortbringen wollte — man wollte ihn nämlich wie gewöhnlich zur neunten Stunde vom Kreuze abnehmen —, da rüstete sich die gläubige Menge, als sie das hörte, mutig und beherzt, ihn wegzunehmen. Als die Beamten das sahen, nahmen sie ihn, solange es Tag war, nicht herab. Sondern sie warteten bis zur sechsten Nachtstunde; dann boten sie viele Soldaten und Infanteristen (paig) auf, die ihn vom Kreuze herabnahmen und ihm Kopf und Füße abschnitten, damit dasselbe Geheimnis der vier Pfeile im Geheimnis des Kreuzes vollendet würde. Als sie suchten, ihn fortzubringen, geriet die Stadt in Aufruhr und sie kamen erregt in großer Wut. Viele wurden in der Stadt geschlagen und verwundet und es entstand ein großer Kampf und viel Getümmel, so daß die Soldaten den heiligen Märtyrer nur mit Mühe zum Stadttor hinausbringen konnten. Nachdem sie ihn hinausgebracht, schlossen sie die Tore angesichts der Menge. Aber die Gläubigen waren in zwei Teile geteilt; ein Teil blieb innerhalb, der andere außerhalb der Stadt, indem sie auf das Herausbringen des Märtyrers acht gaben. Als nun diejenigen, die seinen heiligen Leib herabgenommen, herauskamen, fanden sie draußen viele Scharen, die sich deshalb draußen angesammelt hatten. Da befahl der Kommandant der Soldaten, daß jeder, der sich treffen lasse, tot geschlagen werde. So wurden Laien und Kleriker geschlagen und auch sie freuten sich darüber. Ja sogar einer der Gläubigen, ein angesehener Mann, namens Azadmard, gab sich aus brennender Liebesglut zum Herrn und aus großer Liebe zu dem heiligen Märtyrer so sehr dem Tode preis, um seinen heiligen Leib (ihnen) zu entreißen und nach Gebühr zu ehren, und wurde von den Soldaten so geschlagen und verwundet, daß auch er sich mit dem heiligen Märtyrer die Krone des Bekennertums wand. Diejenigen nun, die den heiligen Leib weggenommen, warfen ihn weg und kehrten zurück.

Die heiligen Brüder, die ihn im Gefängnisse be dient halten, die Diakone Mâr Gausîschô‘ und Mâr Timotheus, flohen ebenfalls in jener Stunde nach verschiedenen Seiten. Aber die Gnade Gottes, (die sich) durch wunderbare und unaussprechliche Fügungen in allen Dingen des gekrönten Märtyrers (offenbarte), bewirkte, daß ein kleiner Knabe zufällig dort hinkam, wohin der Diakon vor der Verfolgung geflohen war. Jener gesegnete Knabe hatte den Ort gesehen, wohin der heilige Leib des gekrönten Märtyrers geworfen worden war und kannte ihn genau. Durch Gottes Fügung fragte er den Bruder: „Was ist dir?“ Der Bruder sprach: „Ich bin ein fremder Mann und bin ausgezogen wegen dieses heiligen Märtyrers, der gekreuzigt wurde, um ihn zu sehen, ihm zu nahen und den Segen seines heiligen Leibes zu empfangen.“ Der Knabe sprach: „Steh auf und geh mit mir; ich will dir zeigen, wo sie den Leib des Heiligen hingeworfen.“ Beide gingen hin und fanden den heiligen Leib und über ihm einen anderen Leib, der soeben hingeworfen worden war, und zusammengelaufene Hunde, die ihn fraßen; aber über den Leib des Heiligen machte sich keiner. Nachdem sie den. Leib so gefunden, freuten sie sich sehr; beide bekamen Mut, nahmen ihn auf und trugen ihn weg.

Es geschah auch folgendes Wunder. Als jener Diakon drei Tage nach der Kreuzigung den heiligen Leib des herrlichen Märtyrers aufnahm und in eine Decke wickelte, floß soviel Blut aus ihm, daß der Rock des Bruders und die Decke, in die der Leib gehüllt war, benetzt wurde, als ob er soeben darin getötet worden wäre. Ebenso entströmte ihm ein unsäglich lieblicher Wohlgeruch. Als die Gläubigen erfuhren, daß die Soldaten in die Stadt gegangen seien, kehrten sie um, um den Ort zu sehen, an den der Leib des heiligen Märtyrers geworfen worden war. Als sie die Brüder sahen, die ihn dahertrugen, freuten sie sich sehr, trotzdem viele aus ihnen von den Soldaten geschlagen und verwundet worden waren. Sie traten hinzu, trugen mit ihnen den heiligen, gekrönten Leib in großer Ehre unter Psalmengesang, Lobliedern und Gesängen des Heiligen Geistes und legten ihn nieder im Martyrium des seligen Mâr Sergius, des Märtyrers.

Auch diesen Umstand dürfen wir nicht einfach übergehen, da er wie der andere sehr wunderbar ist. Die erste Ursache der Gefangennahme des Märtyrers Gîwargîs war sein Eifer für das Haus des Mâr Sergius, da er die Häretiker es nicht betreten und verunreinigen ließ. Und jetzt nach seiner Krönung am Kreuze wurde er in demselben Martyrium desselben Mâr Sergius sogleich niedergelegt als sein Mitkämpfer und Miterbe. Auch geschah es nicht so von selbst; sondern so wie es eine gläubige, gottesfürchtige Frau gesehen hatte, deren Haus dem Haus des Mâr Sergius nahe lag. Diese hatte einige Tage vor der Krönung des Märtyrers im Traume ein Gesicht, das sie vielen erzählte: „Drei Tage, einen nach dem anderen, kam zu mir ein großer Mann in glänzenden Kleidern und sprach zu mir: Steh auf und sag den Klerikern des Hauses des Mâr Sergius: Richtet den Tempel her und bereitet alles; denn ein großer Mann kommt, hier zu wohnen.“ Am ersten Tage wollte sie es nicht offenbaren, da sie es für einen bloßen Traum und ein Phantasiebild hielt. Am zweiten Tage kehrte die Erscheinung wieder und sagte ihr im Traume das glei- ehe. Am dritten Tage sprach er: „Wenn du nicht sagst, was ich dir gesagt, so tue ich dir sehr Böses an.“ Da ging die Frau aus und erzählte es vielen. Da nun alle, die es gehört, zuwarteten, was aus dem Traume werden würde, erfüllte sich die Sache, indem man den Märtyrer Gîwargîs nach seiner Krönung brachte und in jenem Martyrium des Mâr Sergius für den Augenblick niederlegte, bis seine eigene Kirche gebaut war. Hernach erschien das unsägliche Wunder auch hier, indem das gleiche wunderbare Licht, das während der drei Tage, die er am Kreuze war, über seinem Haupte erschien und angesichts aller leuchtete, auch über seinem Grabe in der gleichen Weise den Christen und wahren Gläubigen, die dessen würdig sind, erscheint.

Am Tage, da dieser gekrönte Märtyrer gekreuzigt wurde, wurde ihm in allen Kirchen von Mâhôzê ein Gedächtnis gefeiert mit großer Ehre und glänzender Festlichkeit, entsprechend seinem staunenswerten Bekennertum, seiner wunderbaren Kreuzigung, seinem gekrönten Martyrium, seiner vollkommenen Liebe und seinem Eifer für die Wahrheit Christi. Sein geliebter, ehrwürdiger Name wurde aufgeschrieben und im Buche des Lebens mit allen übrigen heiligen Märtyrern, seinen Mitkämpfern, verlesen (κηρύσσω). zuerst in der großen Kirche des Hauses der Katholici, hernach in allen übrigen Kirchen. Nachdem die Kunde von seiner Krönung überallhin geflogen war, wurde in allen Gegenden sein Gedächtnis begangen und sein Name verlesen, in Bet Aramâjê, Bêt Hûzâjê, Bêt Katrâjê, Bêt Hendôjê, Bet Tajjâjê, Bêt Garmai und allen umliegenden Gegenden.

Am zweiten Tage, nachdem man ihn aus der Stadt gebracht, zogen alle Scharen, die sich in Seleucia angesammelt hatten, aus und irrten herum auf der Suche nach dem Aufbewahrungsort seines heiligen Leibes, weil die Gläubigen ihn geheim hielten aus Furcht vor den vielen Scharen, die sich zusammengetan, ihn zu rauben. Da sie trotz ihres vielen Herumstreifens in die Irre gingen und ihn nicht fanden, kehrten sie sehr betrübt an den Ort der Kreuzigung zurück, gruben die Stelle ungefähr eine Elle tief auf und nahmen mit Gewalt den Staub des Ortes fort. Als die Heiden sahen, wie die Gläubigen sich so in Eile drängten, den Staub der Kreuzigungsstelle des heiligen Märtyrers fortzunehmen, kamen auch sie gläubig herbei und nahmen davon. Und da sie ihn in ihre Häuser brachten und niederlegten, erglänzte Licht aus dem Staube, wo er lag, in derselben Nacht, so daß die Heiden erschraken und sich fürchteten, ihn ehrenvoll an einen geehrten Platz niederlegten und jenen kostbaren Staub adorierten und verehrten.

Von den Zeichen und Wundern, die damals besonders durch den von der Kreuzigungsstätte genommenen Gnaden (staub) geschahen, sowie durch die Pfeile, von denen er getroffen wurde, will ich zur Erinnerung und zur Stärkung der Gläubigen nur einiges erzählen. Eine Frau, die vier Tage ohne zu gebären in Wehen lag, erhielt sofort Erleichterung und gebar, als man ein Stück eines der auf den Heiligen abgeschossenen Pfeile brachte. Einer anderen geschah ebenso durch denselben Pfeil. Und damit das Wunder um so deutlicher werde und die Kraft des Christentums, sowie der Unterschied derer, welche um der Liebe Christi willen leiden, und derer, welche anderswie gekreuzigt werden und sterben, mehr offenbar werde, wurde durch Gottes Fügung an demselben Tage mit dem Heiligen auch ein angesehener Heide aus den Großen des Reiches gekreuzigt. Als man auf ihn mit Pfeilen schoß, jammerte, schrie und krächzte er. Aus Furcht vor den Pfeilen bückte er den Kopf nach unten und sein Blut erstarrte in ihm. Aber der heilige Märtyrer Mâr Gîwargîs bewegte sich nicht, noch schrie und jammerte er, während auf ihn geschossen wurde, wie wir oben gesagt, sondern sein Blick war immer zu Gott gerichtet; während seine Lippen Loblieder murmelten, übergab er seinen Geist Christo, der ihn krönte, und wie aus geheimer Fügung entströmte ihm auch am Kreuze viel Blut, so daß auch dieses offenbare Zeugnis seinen Mut und seine Furchtlosigkeit bewies und daß er um guter Hoffnung willen seine Seele hingab.

Der heilige Märtyrer wurde gekrönt im Jahre 926 der Griechen am vierzehnten Tage des zweiten Kanon (14. Januar 615), das ist nach persischer Rechnung das Jahr 25 des Königs Kosrav bar Hôrmîzd und der persische Monat Mihrmâh ZMIDRWZ. Auch im folgenden wie in allem, was diesem gekrönten Märtyrer geschah, (offenbart) sich die Vorsehung in nicht geringem Grade, wenn es auch gering scheint. Sein erster, heidnischer Name war Mihrâmgûschnâsp; von der geistigen Taufe an, die das geheimnisvolle Bild des Todes und der Auferstehung im Unterpfande (ἀρραβών) des unsterblichen Lebens ist, wurde er Gîwargîs genannt, was Pflanze bedeutet, nämlich himmlische Pflanze. So verließ er auch in seiner Krönung aus diesem zum ewigen Leben im Mihrmâh, der zu den vergänglichen Zeiten gehört, diese Sterblichkeit, wurde zu seligem Leben gekrönt und erhielt den unvergänglichen Titel: gekrönter Märtyrer. Seine Gebete seien über uns allen. Amen. Amen.

 

 

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