Lebensbeschreibung seiner Schwester Makrina

Von Gregor von Nyssa (394)

Unseres heiligen Vaters Gregor, Bischofs von Nyssa, Lebensbeschreibung der seligen Makrina, seiner Schwester, an den Mönch Olympius.

Dieses Büchlein scheint, wie die Form der Überschrift ergibt, seiner Art nach ein Brief zu sein, sein Umfang geht aber über die herkömmlichen Grenzen eines Briefes hinaus und erweitert sich zu einer ausführlichen Erzählung. Jedoch rechtfertigt uns der Stoff, um dessentwillen du mich zum Schreiben ermuntert hast und der das für einen einfachen Brief passende Maß überschreitet. Sicherlich erinnerst du dich noch unseres Beisammenseins, als ich, einem Gelübde entsprechend, nach Jerusalem pilgern wollte, um die Denkmale des Wandels unseres Herrn im Fleische an Ort und Stelle zu besichtigen, und mit dir in Antiochien zusammentraf, und gedenkst auch noch der dabei von uns geführten mannigfachen Gespräche; es wäre ja nicht recht gewesen, die Zusammenkunft still abzumachen, da deine Einsicht reichlichen Stoff zur Unterhaltung bot.

Wie es aber in solchen Fällen oftmals zu gehen pflegt, so kam unsere Unterhaltung in ihrem Verlauf auf das Andenken eines hochberühmten Lebens. Ein Weib bildete den Stoff des Gesprächs, so es überhaupt ein Weib war. Ich weiß nämlich nicht, ob es sich ziemt, sie nach ihrer Natur zu benennen, da sie über ihre Natur erhaben war. Unser Gespräch stützte sich aber nicht auf Gespräche, die wir von andern gehört hatten, sondern wir haben davon ausführlich gesprochen, was die eigene Erfahrung uns gelehrt hatte, ohne uns auf das, was andere erfahren, stützen zu müssen. Denn die erwähnte Jungfrau ist unserer Familie keineswegs fremd, so daß wir nötig gehabt hätten, von andern ihr wunderbares Leben zu erfahren, sondern sie stammte von denselben Eltern wie wir, und ist sozusagen als heilige Erstlingsfrucht zuerst dem mütterlichen Schoße entsprossen. Weil du nun gemeint hast, daß die Beschreibung des Lebens guter Menschen einigen Gewinn bringe, so glaubte ich, damit nicht ein solches Leben der kommenden Zeit verborgen bliebe und sie, die sich durch wahre Lebensweisheit zur höchsten Grenze menschlicher Tugend erhoben hatte, ohne Nutzen für andere, in Stillschweigen gehüllt, vorüberginge, gut zu tun, wenn ich dir nachgebe und so kurz als möglich ihr Leben in schmuckloser und einfacher Erzählung beschreibe.

Makrina hieß die Jungfrau; einem altberühmten Geschlechte gehörte aber Makrina, die Mutter unseres Vaters, an, die sich zur Zeit der Verfolgungen durch ihr Bekenntnis für Christus hervorgetan hatte und nach der das Kind von den Eltern benannt wurde. Das war jedoch nur ihr offenkundiger Name, mit dem sie von den Bekannten genannt wurde; im geheimen war ihr noch ein anderer beigelegt worden, den sie, bevor sie unter den Wehen das Licht der Welt erblickte, auf Grund einer Erscheinung erhalten hatte. Denn auch ihre Mutter war so tugendhaft, daß sie sich überall vom göttlichen Willen leiten ließ und besonders einen reinen, unbefleckten Lebenswandel liebte, so daß sie sich auch für die Ehe nicht freiwillig entschlossen hatte. Aber da sie eine Doppelwaise war, in überaus herrlicher Jugendschönheit erblühte und der Ruf ihrer schönen Gestalt viele Bewerber um sie scharte und für sie Gefahr vorhanden war, wenn sie nicht freiwillig mit einem sich verlobte, gegen ihren Willen einen Frevel erleiden zu müssen, indem die, welche für ihre Schönheit rasend schwärmten, entschlossen waren, sie zu entführen, ― deswegen wählte sie sich einen ob seines ehrenhaften Lebens bekannten und bewährten Mann, um einen Beschützer ihres Lebens zu erhalten, und wurde dann gleich bei ihrer ersten Geburt Mutter von dieser. Und da die Zeit kam, wo die Wehen durch die Geburt ein Ende nehmen sollten, verfiel sie in einen Schlaf und da träumte ihr, sie trüge schon in Händen, was noch im Schoße ruhte, und eine Erscheinung von übermenschlich herrlicher Gestalt und Schönheit redete das Kind, welches sie trug, mit dem Namen Thekla an, jener Thekla, die unter den Jungfrauen so gefeiert ist. Und nachdem die Erscheinung dies getan und dreimal wiederholt hatte, sei sie wieder verschwunden und habe ihr eine leichte Geburt verschafft, so daß sie zugleich mit dem Erwachen das im Traum Geschaute leibhaftig vor sich sah. Das war also ihr geheimer Name. Ich glaube aber, daß die Erscheinung mit jenem Ausruf nicht so sehr die Gebärende zur Benennung mit dem rechten Namen anleiten, sondern damit das Leben des Kindes voraussagen und durch den gleichen Namen auf die Gleichheit der Gesinnung hinweisen wollte.

Das Kind wurde nun aufgezogen. Obwohl es seine besondere Wärterin hatte, wartete ihm doch meistens die Mutter mit eigenen Händen ab. Als es dann das erste Kindesalter überschritten hatte, übte es sich in Erlernung des elementaren Unterrichtsstoffes. Und was das Mädchen nach dem Urteil der Eltern lernen mußte, darin zeichnete sich seine Begabung aus. Die Mutter war aber bestrebt, das Mädchen auszubilden, jedoch nicht nach dieser weltlichen und enzyklischen Bildung, bei der die jüngsten Altersklassen der Zöglinge zumeist mit Hilfe der Dichterwerke unterwiesen werden. Denn sie hielt es für schimpflich und gänzlich ungeziemend, mit den Schreckensszenen der Tragödie, für welche oft das Leben der Frauen den dichterischen Ausgangspunkt und Stoff abgibt, oder mit den Unanständigkeiten der Komödie die zarte und empfängliche Natur zu belehren, da sie durch die gar schamlosen Weibergeschichten gewissermaßen beschmutzt worden wäre. Vielmehr dienten die Teile der gotterleuchteten Schrift, welche für die erste Jugendzeit faßlicher erscheinen, dem Kind als Unterrichtsstoff, zumeist die Weisheit Salomos und auch von dieser vor allem das, was sich auf unser sittliches Leben bezieht. Auch das Psalmenbuch blieb ihr durchaus nicht unbekannt, indem sie zu gewissen Zeiten immer einen Teil davon durchging: wenn sie vom Lager aufstand und die Arbeit begann und wieder davon ausruhte, wenn sie die Mahlzeit einnahm und vom Tisch sich erhob, zu Bett ging und zum Gebet aufstand, überall hatte sie den Psalter bei sich wie einen lieben Gefährten, der sie zu keiner Zeit verließ.

Bei solchen und ähnlichen Beschäftigungen wuchs sie heran, erwarb sich in der Zubereitung der Wolle noch eine besondere Geschicklichkeit und kam so ins zwölfte Jahr, wo in der Regel sich die Blüte der Jugendzeit zu entfalten beginnt. Da war es nun auffallend, wie die Schönheit des Mädchens auch in seiner Verborgenheit nicht geheim blieb. In ihrem ganzen Heimatland fand sich kein solches Wunder von Schönheit und Wohlgestalt, das den Vergleich mit ihr hätte aushalten können, so daß auch Malerhände ihre Anmut nicht erreichen konnten, vielmehr diese Kunst, die alles versucht und sich an das Größte wagt, ja selbst von den Elementen nachahmende Bilder fertigt, ihre auserlesene Gestalt nicht genau wiederzugeben vermochte. Deswegen umlagerte ihre Eltern ein ganzer Schwarm von Freiern, die um ihre Hand anhielten. Der Vater zog aber, denn er war verständig und darauf bedacht, nach Recht zu entscheiden, einen geachteten, wegen seines Charakters bekannten Jüngling aus guter Familie, der eben von seinem Studium zurückkehrte, den übrigen vor und beschloß, ihm das Mädchen zu verheiraten, wenn es zu seinem Alter gekommen wäre. Unterdessen weckte dieser die schönsten Hoffnungen und bot dem Vater des Mädchens den Ruhm seiner Beredsamkeit wie ein willkommenes Brautgeschenk dar, indem er in Prozessen für die bedrückte Unschuld die Macht seiner Rede betätigte. Der Neid des Schicksals aber zerstörte die herrlichsten Hoffnungen und raffte ihn in bedauernswerter Jugend aus dem Leben weg.

Das Mädchen kannte das Vorhaben des Vaters wohl. Aber nachdem durch den Tod des Jünglings das, was für sie bestimmt war, zunichte geworden, nannte sie die Entscheidung des Vaters Ehe, wie wenn die Entscheidung zur Wirklichkeit geworden wäre, und beschloß, von nun ab für sich zu bleiben. Und dieser Entschluß war stärker als ihr Alter. Denn da ihre Eltern ihr oftmals Vorschläge wegen der Hochzeit machten, weil es viele gab, die um sie wegen ihrer gefeierten Schönheit freien wollten, erklärte sie es für widersinnig und unerlaubt, nicht den ihr einmal vom Vater bestimmten Gatten zu lieben, sondern genötigt zu werden, sich nach einem weiteren umzusehen, während es doch in der Natur nur eine Ehe gäbe, wie auch nur eine Geburt und einen Tod. Und sie bestand darauf, daß derjenige, der ihr nach dem Willen der Eltern anverlobt war, nicht gestorben sei, sondern ihrer Überzeugung nach wegen der Hoffnung auf die Auferstehung bei Gott lebe und so bloß in einem fremden Lande weile, aber nicht tot sei. Es sei unziemlich, dem abwesenden Bräutigam nicht die Treue zu bewahren. Mit solchen Reden wies sie die zurück, welche sie zu überreden versuchten, und sie sah ein sicheres Schutzmittel für ihren edlen Entschluß darin, daß sie sich niemals von ihrer Mutter auch nur für kurze Zeit trennte. Daher sagte oftmals die Mutter zu ihr, die übrigen Kinder hätte sie eine bestimmte Zeit lang im Schoß getragen, sie aber trage sie gewissermaßen allzeit und überall mit sich herum. Aber dieses Zusammenleben mit der Tochter war für die Mutter nicht mühsam noch auch ohne Vorteil, denn die Pflege der Tochter ersetzte ihr viele Dienerinnen und zwischen beiden fand ein guter, sich gegenseitig ergänzender Austausch statt. Die eine pflegte nämlich die Seele des Mädchens, die andere aber den Leib der Mutter, indem sie nicht bloß sonst alle erforderlichen Dienste leistete, sondern auch damit, daß sie oftmals der Mutter eigenhändig das Brot bereitete. Das betrachtete sie jedoch nicht als ihre Hauptbeschäftigung. Vielmehr hielt sie erst dann, wenn sie ihre Hände durch religiöse Dinge gesalbt hatte, für passend, den Geschäften des Lebens nachzugehen, und verschaffte der Mutter mit ihrer häuslichen Arbeit reichlichen Unterhalt. Und nicht bloß das, sondern überhaupt alle auf ihr ruhende Sorge teilte sie zugleich mit ihr; denn sie war Mutter von vier Söhnen und fünf Töchtern und mußte an drei Fürsten Abgaben entrichten, weil ihr Besitztum unter so vielen Völkerschaften zerstreut lag.

Weil nun die Mutter darob von mannigfachen Sorgen in Anspruch genommen war, der Vater war nämlich schon aus dem Leben geschieden, trug sie in alledem gemeinschaftlich mit der Mutter die Mühen, indem sie mit ihr die Sorgen teilte und ihr die Last der Leiden erleichterte. So bewahrte sie sich unter der Führung der Mutter ein untadeliges Leben, das unter den Augen der Mutter immerdar gelenkt und überprüft wurde. Zugleich aber gab sie der Mutter durch ihr eigenes Leben eine gute Anleitung zum gleichen Ziel, nämlich zur Lebensweisheit, indem sie dieselbe allmählich zu einem dem Irdischen abgewendeten, vollkommenen Leben nach sich zog. Und nachdem die Mutter die anständige Versorgung der Schwestern in Übereinstimmung mit ihren Wünschen geordnet hatte, kehrte inzwischen von den Bildungsanstalten, wo er lange Zeit den Studien nachgegangen war, der große Basilius, der Bruder der Vorgenannten, zurück. Sie nahm nun ihn, der von Wissensdünkel mächtig aufgeblasen war, alle Autoritäten verachtete und in seinem Hochmut sich selbst über erlauchte Machthaber erhaben dünkte, und gewann auch ihn so schnell für das Ideal der Lebensweisheit, daß er auf weltliche Ehre verzichtete, den Ruhm der Redekunst verachtete und sich diesem tätigen, die Handarbeit übenden Leben zuwandte, indem er sich durch völlige Besitzlosigkeit von den Hindernissen für das Tugendleben frei machte. Aber sein Leben und seine nachherige Wirksamkeit, durch die er sich in der ganzen Welt einen Namen machte und an Ruhm alle, die durch Tugend hervorleuchteten, in Schatten stellte, erforderte eine ausführlichere Darstellung und viele Zeit. Ich will in meiner Erzählung wieder zu dem mir vorliegenden Gegenstand zurückkehren.

Nachdem sie sich nämlich nunmehr aller Voraussetzungen für ein mehr irdisches Leben entledigt hatte, überredete sie die Mutter, das bisher geübte Leben mit der ziemlich prunkhaften Art und der gewohnten Verpflegung durch Dienerinnen aufzugeben, der Gesinnung nach den einfachen Leuten gleich zu werden und ihr Leben in enger Verbindung mit dem der Jungfrauen zu verbringen, nachdem sie aus den vielen Sklavinnen und Leibeigenen, welche sie besaß, Schwestern und Genossinnen gemacht hatte. Doch ich will die Erzählung lieber ein wenig unterbrechen und jenes Ereignis nicht unerwähnt übergehen, welches die ideale Gesinnung der Jungfrau noch mehr verrät.

Unter den vier Brüdern war der zweite nach dem großen Basilius Naukratius, der sich durch glückliche Naturanlage, körperliche Schönheit, Kraft, Behendigkeit und Geschick in allen Dingen auszeichnete. Dieser gab mit zweiundzwanzig Jahren in öffentlichem Auftreten von seinen Studien solche Beweise, daß die ganze Zuhörerschaft durch ihn in gewaltige Erregung kam. Trotzdem gab er in einer Art göttlicher Vorsehung alles, was er in Händen hatte, preis und wandte sich in gar hohem Geistesflug dem einsamen und besitzlosen Leben zu, ohne etwas außer sich selbst mit sich zu führen. Dabei folgte ihm auch einer seiner Diener, namens Chrysaphius, weil dieser in trautem Verhältnis zu ihm stand und zugleich demselben Lebensberuf nachstrebte. Er lebte also für sich an einem entlegenen Orte, den er am Iris vorgefunden hatte. ― Der Iris ist aber ein Fluß, der mitten durch Pontus fließt. Er entspringt in Armenien, fließt durch unsere Heimat und mündet im Schwarzen Meer. ― In dessen Nähe fand der Jüngling einen Platz, mit tiefem Wald bewachsen und mit einem durch einen überragenden Bergrücken verdeckten Hügel und verweilte nun daselbst, indem er den Lärm der Stadt und die Unruhe des Soldatenlebens und des Advokatenberufes weit von sich ließ. Und nachdem er sich von allem, was auf Erden das menschliche Leben umbraust, freigemacht hatte, verpflegte er eigenhändig einige Greise, die in Armut und Gebrechlichkeit mit ihm lebten, da er es für sein Leben für angemessen erachtete, solche Arbeit zu besorgen. Jagend also (fing der Edelgeborene Fische, und) da er in jeder Art des Jagdwesens geschickt war, verschaffte er solchen, die das liebten, Nahrung und hielt mit derartigen Anstrengungen zugleich seine Jugend im Zaum. Aber auch den Wünschen der Mutter stand er, wenn sie ihm einmal etwas auftrug, bereitwillig zu Diensten und gab so durch beide Dinge seinem Leben die rechte Richtung, indem er nicht nur durch die Anstrengungen seine Jugend beherrschte, sondern auch durch seine Sorge um die Mutter in Beobachtung der göttlichen Gebote den rechten Weg zu Gott wandelte. Es war schon das fünfte Jahr, daß er also der Weisheit nachging und durch sein Leben die Mutter beglückte, weil er einerseits durch Besonnenheit sein Leben zierte, anderseits all seine Kraft dem Willen der Mutter unterordnete. Da traf die Mutter, wie ich meine, durch Nachstellung des Widersachers ein schweres, erschütterndes Leid, das die ganze Familie mit Unglück und Schmerz erfüllte. Denn er wurde plötzlich dem Leben entrissen, ohne daß eine vorausgehende Krankheit das Unglück hätte ahnen lassen oder daß sonst irgendeiner der gewöhnlichen und bekannten Umstände den Tod des Jünglings verursacht hätte. Vielmehr war er zum Jagen fortgegangen, womit er den von ihm unterhaltenen Greisen die nötige Nahrung verschaffte, und wurde nun tot in seine Behausung zurückgebracht, er selbst mit seinem Gefährten Chrysaphius. Die Mutter aber weilte abseits, drei Tagreisen weit vom Unglücksort entfernt. Und es kam einer, ihr das Unglück zu melden. Sie war zwar vollkommen in aller Tugend, aber da gewann auch bei ihr begreiflicherweise die Natur die Oberhand. Mit gebrochenem Herzen ward sie nämlich sofort ohnmächtig und sprachlos, indem ihr Geist vom Leide erdrückt wurde und unter dem Ansturm der schlimmen Botschaft lag sie da, wie ein durch einen unerwarteten Schlag zu Boden geworfener edler Held.

Bei diesem Unglück ward der Starkmut der großen Makrina kund: mit ihrem Geiste sich dem Leid entgegenstemmend, zeigte sie sich nämlich ungebrochen und ward zugleich der Schwachheit der Mutter zur Stütze und richtete sie aus der Tiefe ihres Schmerzes wieder auf, indem sie durch ihre eigene Festigkeit und Standhaftigkeit auch die Seele der Mutter zur Mannhaftigkeit erzog. So wurde die Mutter vom Schmerz nicht jäh fortgerissen, noch ließ sie etwas Unedles und Weibisches über sich kommen, so daß sie zum Unglück geschrieen oder ihr Kleid zerrissen oder im Leid geheult oder mit jämmerlichen Tönen die Totenklage angestimmt hätte; vielmehr hielt sie ihn in ruhiger Gelassenheit aus, indem sie mit besonnenen Erwägungen die Anfechtungen des natürlichen Gefühls abwehrte, sowohl mit den eigenen Erwägungen als auch mit denen, welche die Tochter ihr darbot, um das Leid zu heilen. Damals trat nämlich die erhabene und hochgesinnte Seele der Jungfrau ganz besonders zutage. Denn auch ihre Natur litt eigentlich mit. War es doch ihr Bruder und zwar ihr Lieblingsbruder, der ihr auf solche Weise durch den Tod entrissen worden war. Trotzdem überwand sie ihre Natur und richtete zugleich mit ihren Tröstungen die Mutter auf und half ihr das Leid überwinden, indem sie dieselbe durch ihr Beispiel zu standhaftem und männlichem Starkmut anhielt. Außerdem ließ auch ihr allzeit erhabenes Tugendleben der Mutter keine Gelegenheit, sich eher über den Verlust aufzugrämen als sich am gegenwärtigen Glück freudig aufzurichten.

Als nun für die Mutter die Sorge der Kinderernährung und die Mühewaltung mit der Erziehung und Unterbringung der Kinder ein Ende hatte und die meisten Gelegenheiten zum mehr erdenhaften Leben auf die Kinder verteilt waren, da veranlaßte, wie schon erzählt, das Leben der Tochter die Mutter zu solcher beschaulichen und dem Irdischen abgewandten Lebensführung. Und nachdem sie dieselbe bewogen hatte, allen gewohnten Umgang aufzugeben, leitete sie dieselbe zum eigenen Streben nach der Demut an, indem sie dieselbe dahin brachte, selber der Gesamtheit der Jungfrauen gleichförmig zu werden, so daß sie den Tisch, das Lager und alles, was zum Leben gehörte, in gleicher Weise mit ihnen allen teilte, wobei aller Rangunterschied in ihrem Leben aufgehoben war. Und so vortrefflich war ihre Lebensordnung und so hoch ging ihre Lebensweisheit und die ernste Lebensführung bei Tag und Nacht, daß man es mit Worten nicht beschreiben kann. Denn wie die durch den Tod vom Leibe befreiten Seelen damit auch von den Sorgen dieses Lebens miterlöst sind, so war ihr Leben von aller irdischen Eitelkeit getrennt und geschieden und ward zur Nachahmung des Lebens der Engel hingeleitet. Denn wo man keinen Zorn, keinen Neid, keinen Haß, keine Überhebung noch sonstiges dieser Art bemerkte und wo kein Streben nach Eitlem, weil Ehre und Ruhm, Stolz und Überhebung und alles Derartige verbrannt war, wo Enthaltsamkeit als Selbstverständlichkeit und Unbekanntheit als Ruhm, Besitzlosigkeit als Reichtum galt und man allen irdischen Überfluß wie Staub vom Leibe abstreifte, wo weiter die Beschäftigung mit dem, was man in diesem Leben mit Eifer besorgt, bloß als Nebenarbeit angesehen wurde und man sich vielmehr nur mit dem Göttlichen abgab, wo unaufhörlich das Gebet gepflegt wurde und der Psalmengesang nicht aufhörte, der gleichmäßig auf die ganze Zeit bei Nacht und bei Tag verteilt war, so daß darin ihre Arbeit wie ihre Erholung von der Arbeit bestand, wer vermöchte solchen Lebenswandel mit menschlicher Rede veranschaulichen, da ihr Leben sich auf der Grenze zwischen der menschlichen und der körperlosen Natur bewegte? Denn daß ihre Natur von den menschlichen Leidenschaften frei war, das ging über Menschenkraft hinaus. Daß sie aber im Leibe erschienen und vom Körper umgeben waren und ihre Sinneswerkzeuge gebrauchten, darin standen sie der Natur der Engel und des Unkörperlichen nach. Vielleicht möchte aber einer die Behauptung wagen, daß der Unterschied keinen großen Abstand bedeutete. Denn da sie im Körper nach Art der unkörperlichen Mächte lebten, so wurden sie durch die Last des Körpers nicht beschwert, sondern ihr Leben ging nach oben, dem Himmel zu, indem es zugleich mit den himmlischen Mächten in der Höhe wandelte. Und die Zeit eines solchen Wandels dauerte nicht bloß kurz. Und mit der Zeit nahm der Gewinn entsprechend zu, indem ihre Weisheitsliebe durch den Zuwachs der neugewonnenen Güter zu immer größerer Reinheit fortschritt.

Am meisten half ihr zur Erreichung dieses großen Lebens ein leiblicher Bruder, namens Petrus, den unsere Mutter zuletzt geboren hatte. Dieser war nämlich die letzte Frucht ihrer Wehen und er hieß zugleich Sohn und Waise; denn als er zur Welt kam, schied der Vater aus dem Leben. Aber das älteste der Geschwister, dieselbe, von der die Rede ist, nahm ihn, der nur kurze Zeit nach seiner Geburt die Mutterbrust genossen hatte, alsbald der Wärterin ab, zog ihn selbst auf und brachte ihm sogar alle höhere Bildung bei, indem sie ihn von Kindheit an in den heiligen Wissenschaften unterrichtete, so daß sie seiner Seele keine Zeit ließ, sich irgendeiner Eitelkeit hinzugeben. Vielmehr machte sie dadurch, daß sie dem Kinde alles wurde, Vater, Lehrer, Erzieher, Mutter, Ratgeber zu jeglichem Guten, einen solchen Menschen aus ihm, daß er, bevor er das Kindesalter überschritten, noch als Knabe in der Blüte der Unschuld seines Alters sich für das hohe Ziel der wahren Weisheitsliebe begeisterte und durch eine glückliche Naturanlage sich jegliche Fertigkeit und Art in den Handarbeiten angeeignet hatte, so daß er ohne Anleitung mit allem Fleiß die Geschicklichkeit zu all dem besaß, was die meisten erst mit Aufwendung von Zeit und Mühe erlernen. Dieser verachtete also die Beschäftigung mit außerchristlicher Bildung und hatte in seiner Naturanlage eine tüchtige Lehrmeisterin zu allem Guten; dabei schaute er allzeit auf seine Schwester und wählte sie sich zum Vorbild für jegliches Gute. Dadurch wuchs er zu solchem Muster der Tugend heran, daß er in seinem späteren Leben den Tugendvorzügen des großen Basilius keineswegs nachzustehen schien. Damals aber ging er der Mutter und Schwester über alles, da er ihnen zu jenem englischen Leben mitverhalf. Er hatte auch einmal, als drückender Getreidemangel entstanden war und viele von allen Seiten auf den Ruf seiner Wohltätigkeit hin zur Einöde, wo sie wohnten, hinströmten, durch seine umsichtigen Maßregeln solchen Überfluß an Nahrungsmitteln zu verschaffen verstanden, daß die Einöde bei der Menge der Besucher einer Stadt glich.

Inzwischen war die Mutter ins Vollalter gekommen und schied zu Gott hinüber, indem sie in den Armen ihrer beiden Kinder ihr Leben aushauchte. Erwähnung verdient ihr Segensspruch, den sie über ihre Kinder sprach, indem sie sich sowohl aller abwesenden in Liebe erinnerte, so daß keines ihres Segens verlustig ging, als auch besonders die bei ihr anwesenden Gott im Gebete anempfahl. Wie nämlich diese zwei neben ihr zu beiden Seiten ihres Lagers saßen, faßte sie ihre beiden Kinder je mit einer Hand an und betete mit ihren letzten Worten also zu Gott: „Dir, o Herr, weihe ich die Erstlingsgabe und den Zehnten meiner Mutterschmerzen. Erstlingsgabe ist mir diese Erstgeborene und Zehnter hier dies letzte Kind meiner Schmerzen. Dir ist im Gesetz beides geheiligt und dir gehören sie als Geschenke an. So komme denn dein Segen auf diesen meinen Erstling und diesen Zehnten!“ wobei sie mit diesen hinweisenden Worten die Tochter und den Sohn meinte. Und wie sie zu segnen aufhörte, hörte auch ihr Leben auf, nachdem sie noch ihren Kindern aufgetragen hatte, im väterlichen Grab ihren Leib zu bestatten. Diese erfüllten den Auftrag und strebten dann noch mehr nach der Weisheitsliebe, indem sie immer mit ihrem eigenen Leben wetteiferten und die erreichten Tugenden durch die nachfolgenden in Schatten stellten.

Währenddessen wurde der hochselige Basilius zum Vorsteher der großen Kirche von Cäsarea erhoben. Er führte den Bruder zum Erbteil der Weihe im Priestertum, indem er ihn durch den mystischen Weihegottesdienst persönlich weihte. Inzwischen machte ihr Leben weitere Fortschritte zu größerer Tugend und Heiligkeit, da jetzt ihre Weisheitsliebe noch durch die Weihe gefördert wurde. Als dann acht Jahre vorüber waren, wanderte der auf der ganzen Erde bekannte Basilius im neunten Jahre von den Menschen zu Gott hinüber und gab dadurch dem Vaterland und der ganzen Erde Anlaß zu allgemeiner Trauer. Sie aber, die in der Ferne die Botschaft vom Unglück vernahm, litt wohl in ihrer Seele ob solchen Verlustes gewaltig, ― wie hätte denn nicht auch sie das Unglück treffen sollen, von dem selbst die Feinde der Wahrheit berührt wurden? ― gleichwie aber die Prüfung des Goldes in verschiedenen Schmelzöfen erfolgen soll, so daß, was beim ersten Schmelzen entgeht, beim zweiten ausgeschieden wird und schließlich beim letzten aller dem Metall beigemischte Unrat entfernt wird, und gleichwie das die beste Prüfung des echten Goldes bedeutet, wenn es durch jeden Schmelzofen hindurchgeht, ohne mehr einen Unrat abzusetzen, etwas Ähnliches traf auch bei ihr zu, indem ihre hohe Gesinnung durch die verschiedensten Stürme von Trauerfällen geprüft und ihre Seele doch immer in unverfälschter Art und ungeschwächter Kraft sich zeigte; so zuerst beim Hingang des andern Bruders, dann beim Tode der Mutter, zum drittenmal, als der gemeinsame Ruhm der Familie, der große Basilius, aus dem Leben schied. Sie hielt also aus wie ein unbesiegbarer Kämpfer, ohne jemals dem Ansturm der Schicksalsschläge zu erliegen.

Es war im neunten Monat nach diesem Todesfall oder ein wenig darüber, da kam in der Stadt des Antiochus eine Versammlung von Bischöfen zusammen, an der auch wir teilnahmen. Und als wir noch vor Jahresschluß ein jeder wieder in seine Stadt zurückkehrten, da kam mir, dem Gregor, der Wunsch, sie zu besuchen. Denn inzwischen war geraume Zeit vergangen, in der die Aufregungen der Umtriebe, welche ich überall zu erdulden hatte, da ich von den Anführern der Häresien aus der Heimat vertrieben war, ein Wiedersehen verhinderten. Und wie ich die Zeit berechnete, während der die Heimsuchungen ein persönliches Zusammentreffen unmöglich machten, ergab sich mir der nicht kleine Zeitraum von fast acht Jahren. Als ich nun schon den größten Teil des Weges zurückgelegt hatte und nur mehr eine Tagereise entfernt war, hatte ich ein Traumgesicht, das mich mit argen Befürchtungen für die Zukunft erfüllte. Es war mir nämlich, als trüge ich Märtyrerreliquien in meinen Händen und als ginge von denselben ein Glanz aus, wie von einem reinen Spiegel, wenn man ihn der Sonne gegenüberstellt, so daß mir die Augen ob des Lichterglanzes geblendet wurden. Und wiewohl ich in derselben Nacht dreimal dieses Gesicht hatte, konnte ich das Rätsel des Traumes nicht klar deuten. Ich ahnte aber in meiner Seele ein betrübendes Ereignis und wartete mit meinem Urteil über das Traumbild bis zum Ausgang.

Wie ich nun in die Nähe der Einsamkeit kam, in der sie ihr englisches und himmlisches Leben verbrachte, fragte ich zuerst einen der Genossen nach dem Bruder, ob er da wäre. Als er mir erklärte, daß er mir entgegengereist sei und zwar schon vor drei Tagen, merkte ich, wie es wirklich der Fall war, daß er auf einem andern Wege uns entgegengegangen, und erkundigte mich dann auch nach der Hohen. Als er mir sagte, daß sie krank darniederliege, so beeilte ich mich, den Rest des Weges schneller zurückzulegen. Denn eine gewisse Traurigkeit und ahnungsvolle Besorgnis hatte mich ergriffen und machte mich unruhig. Als ich darauf am Orte selber angekommen war und das Gerücht der Brüderschaft meine Anwesenheit meldete, kam die ganze Schar Männer aus dem Männerheim uns entgegen, denn sie haben es in der Gewohnheit, liebe Gäste durch Entgegengehen zu ehren. Der weibliche Chor der Jungfrauen aber erwartete unsere Ankunft züchtig bei der Kirche. Als dann das Gebet und der Segen beendet war, beugten die letzteren ihr Haupt in sittsamer Haltung zum Segen und zogen wieder ab, indem sie in ihre Behausung zurückkehrten, ohne daß eine von ihnen bei uns verblieb; so vermutete ich, wie es tatsächlich war, daß die Vorsteherin nicht unter ihnen sei, und begab mich ins Innere jener heiligen Wohnung, wobei mich jemand in die Behausung, wo die Hohe wohnte, führte und mir die Türe öffnete. Sie aber war bereits heftig erkrankt, ruhte jedoch nicht auf einem Lager oder Ruhebett, sondern auf dem Boden, indem ein Brett unter das Bußgewand gelegt war und das Haupt wieder von einem andern Brett gestützt wurde, das so zugerichtet war, daß es dem Kopf als Kissen diente, indem es in seiner schrägen Lage unter die Schultern reichte und nach Wunsch ihren Nacken emporhielt.

Wie sie mich nun zur Türe eintreten sah, richtete sie sich, auf den Ellenbogen gestützt, auf, konnte mir aber nicht entgegengehen, da das Fieber ihre Kraft schon gebrochen hatte. Sie stemmte sich aber mit ihren Händen gegen den Fußboden und streckte sich, so gut es ihr möglich war, von ihrem Lager auf bloßer Erde vorwärts, um mir dadurch die Ehre der Begrüßung zu ersetzen. Ich aber eilte herzu, ergriff ihr tiefgebeugtes Haupt mit meinen Händen von unten, richtete sie wieder auf und legte sie in die gewohnte Lage der Ruhe zurück. Sie aber streckte ihre Hände zu Gott empor und sprach: „Auch diese Gnade hast du, o Gott, mir erfüllt und hast mein Begehr nicht abgewiesen, daß du deinen Diener zum Besuche deiner Magd bewogen hast.“ Und um in meiner Seele kein schmerzliches Gefühl zu wecken, suchte sie das Stöhnen zu unterdrücken und zwang sich, ihren engen Atem möglichst zu verbergen. Und in allem suchte sie uns heiter zu stimmen, indem sie selber eine fröhliche Unterhaltung begann und auch durch ihre Fragen dazu veranlaßte. Als aber im Verlauf der Unterhaltung des großen Basilius gedacht wurde, ward mir die Seele niedergedrückt, mein Angesicht verfiel in Traurigkeit (und aus meinen Augen stürzten die Tränen); sie aber wurde so wenig durch unsern Schmerz zugleich niedergedrückt, daß sie vielmehr die Erwähnung des Heiligen zum Anlaß einer gar erhabenen Erörterung machte und sich darüber ausließ, indem sie über die menschliche Natur tiefsinnig redete und zugleich in ihrer Rede darlegte, wie die göttliche Vorsehung in den Trübsalen verborgen wirke, und indem sie die Dinge des kommenden Lebens, wie vom Heiligen Geist getragen, erläuterte, daß es mir beinahe schien, als ob meine Seele außerhalb der menschlichen Natur weilte, indem sie durch ihre Worte zugleich mithinaufgehoben und unter der Führung ihrer Rede in die heiligen Räume des Himmels versetzt wurde. Und wie wir in der Geschichte Jobs lesen, daß er, obwohl sein ganzer Leib ob der eiternden Wunden unter den Geschwüren dahinsiechte, in seinem Sinnen nicht darauf achtete, sondern wohl am Leibe den Schmerz spürte, aber deshalb in seiner eigenen Betätigung nicht nachließ, noch seine in höheren Ideen sich bewegende Erörterung abbrach: etwas Derartiges bemerkte ich auch bei jener Hohen; obwohl das Fieber ihre ganze Kraft aufzehrte und sie dem Tode zutrieb, gebrauchte sie doch, wie wenn sie mit Tau ihren Körper erfrischt hätte, ihren Geist in der Betrachtung der erhabenen Dinge ganz ungehindert, ohne daß er irgend unter der schweren Krankheit litt. Und wenn unsere Erzählung nicht eine unermeßliche Ausdehnung annähme, würde ich alles der Reihe nach schildern, wie sie in ihrer Rede sich erhob, da sie sich mit uns über die Seele unterredete und die Ursache des Lebens im Fleische durchging und weshalb der Mensch da sei, inwiefern er sterblich sei, woher der Tod komme und worin die Rückkehr von ihm wieder zum Leben bestehe. Alles das ging sie, wie von der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt, vollständig genau und in klarer Gedankenfolge durch, wobei ihre Rede ganz leicht dahinfloß wie bei einer Quelle, wo das Wasser ohne Hindernis nach unten strömt.

Als sie aber ihre Darlegung beendet hatte, sagte sie: „Bruder, es ist für dich Zeit, den Leib ein wenig ausruhen zu lassen, da du von der großen Anstrengung der Reise müde geworden bist.“ Mir war es zwar eine große und wirkliche Erholung, sie zu sehen und dazu ihre erhabenen Worte zu hören. Da ihr aber dies erwünscht und lieb war, so ruhte ich, um mich der Meisterin in allem willfährig zu zeigen, in einem der anliegenden Gärtchen, wo ich ein willkommenes Ruheplätzchen vorfand, im Schatten der an den Bäumen gezogenen Weinreben aus. Aber es war mir nicht möglich, die Annehmlichkeiten zu genießen, da mein Herz im Innern ob der düsteren Befürchtungen beklommen war. Denn das Traumgesicht schien mir durch das, was ich gesehen, sein Geheimnis zu enthüllen. Bildete doch das, was sich meinen Augen dargeboten, in Wahrheit Überbleibsel eines heiligen Märtyrers, welche durch die Sünde ertötet worden waren, durch die innewohnende Gnade des Geistes aber in hellem Glanz erstrahlten. So sprach ich mich auch gegenüber einem von denen aus, die vorher von mir den Traum gehört hatten. Während wir uns nun natürlicherweise voller Betrübnis im Geiste mit der Erwartung des Traurigen beschäftigten, hatte sie, ich weiß nicht auf welche Weise, unsere Gedanken erraten und sandte eine Botschaft heiterer Art uns zu und hieß uns, guten Mutes zu sein und ihretwegen die besten Hoffnungen zu haben. Sie merke nämlich eine Wendung zum Besseren. Das ließ sie uns aber nicht sagen, um uns zu täuschen, sondern ihre Rede war ganz wahrheitsgemäß, wenn wir es auch für den Augenblick nicht begriffen. Wie nämlich fürwahr ein Wettläufer, der seinen Gegner überholt hat und schon ans Ziel der Laufbahn gekommen ist, wenn er dem Siegespreis sich nähert und den Kranz schaut, bei sich frohlockt und auch seinen Gönnern unter den Zuschauern freudig den Sieg ankündigt, gleich als ob er das Ziel schon erreicht hätte, in solcher Stimmung mahnte auch sie, betreffs ihrer das Beste zu hoffen, indem sie schon den Lohn der Berufung nach oben schaute und fast das Wort des Apostels auch von sich gebrauchte: „Es ist mir fortan hinterlegt der Kranz der Gerechtigkeit, welchen mir geben wird der gerechte Richter, nachdem ich ja den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt habe.“

Wir faßten nun auf die Nachricht von ihrem guten Zustand frohen Mut und machten uns an den Genuß des Vorgesetzten. Mannigfaltiges fand sich da und das Zubereitete bestand aus lauter herzerfreuenden Dingen, indem die Fürsorge der Hohen sich auch auf solche Dinge erstreckte. Als wir aber wieder vor ihren Augen standen, ― denn sie ließ uns die freie Zeit nicht für uns verbringen ― nahm sie die Erinnerung ihrer Erlebnisse seit der Kindheit auf und ging alles wie in einem Buch der Reihe nach genau durch, was sie vom Leben der Eltern im Gedächtnis hatte, wie auch die Ereignisse vor meiner Geburt und das spätere Leben. Der Zweck ihrer Erzählung war aber die Danksagung gegen Gott. Sie legte nämlich dar, wie dem Leben der Eltern bei den Zeitgenossen nicht so sehr der Reichtum Glanz und Ansehen gab, daß vielmehr dasselbe durch göttliche Güte gefördert wurde, indem den Eltern des Vaters wegen ihres Bekenntnisses für Christus das Vermögen eingezogen wurde, während der Großvater mütterlicherseits durch königliche Ungnade aus dem Leben geschafft wurde und all sein Eigentum auf andere Herren überging; gleichwohl sei durch den Glanz ihr Besitz so gewachsen, daß es damals niemanden gab, der einen größeren Namen hatte, als sie. Und obwohl ihr Vermögen nach der Zahl der Kinder wieder neunfach geteilt wurde, sei jedem unter dem Segen das Erbteil so vermehrt worden, daß das Vermögen jedes einzelnen der Kinder den Wohlstand der Eltern übertraf. Ihr selbst sei von dem, was ihr nach dem gleichen Anteil der Geschwister zuerkannt wurde, nichts geblieben, sondern alles sei durch die Hände des Priesters nach dem göttlichen Gebote verwendet worden. Ihr Leben aber sei unter der göttlichen Leitung derart gewesen, daß sie niemals aufgehört habe, mit ihren Händen nach dem Gebote zu arbeiten, noch je nach einem Menschen sich umgesehen habe oder durch irgendwelche menschliche Wohltat sich zu ihrem rechtschaffenen Lebenswandel habe bewegen lassen. Vielmehr habe sie sich weder von den Bittenden abgewendet noch die Gebenden aufgesucht, indem Gott unbemerkt ihre kleinen Werke durch seinen Segen wie Samenkörner zu reichlicher Frucht vermehrte. Als ich aber von den eigenen Leiden, in denen ich mich befunden, erzählte, indem zuerst Kaiser Valens mich um des Glaubens willen verbannte und dann die Verwirrungen in den Kirchen uns zu Kampf und Mühe aufriefen, da sprach die Hohe: „Wirst du nicht davon abstehen, den göttlichen Wohltaten gegenüber unerkenntlich zu sein? Wirst du nicht der Undankbarkeit deiner Seele wehren? Wirst du nicht dein Geschick dem deiner Eltern gegenüberhalten? In dieser Welt rühmen wir uns ja vor allem dessen, daß wir dafür angesehen werden, von edler Geburt zu sein und von edlem Geschlechte abzustammen. Als Mann von hoher Bildung, sprach sie, galt doch damals der Vater viel, aber sein Ruhm beschränkte sich auf die einheimischen Gerichtshöfe. Und als er später die übrigen durch seine Redekunst übertraf, drang sein Ruhm auch nicht über Pontus hinaus, vielmehr genügte es ihm, in der Heimat geachtet zu sein. Du aber, sprach sie, wirst in Städten, Gemeinden und bei Völkern genannt. Dich schicken und rufen die Kirchen, mit ihnen zu kämpfen und Ordnung zu schaffen. Und du willst die Gnade nicht sehen und die Ursache so großer Vorzüge nicht erkennen, daß die Gebete der Eltern dich in die Höhe bringen, obwohl du von Hause aus keine oder nur eine geringe Ausrüstung dazu hast?“

Wie sie so redete, wünschte ich, daß die Dauer des Tages sich noch verlängerte, damit sie nicht aufhörte, unser Ohr zu erfreuen. Aber die Stimme der Singenden rief zum nächtlichen Dankgebet hinaus. So sandte die Große auch mich zur Kirche und zog sich wieder im Gebete zu ihrem Gott zurück. Und so verging die Nacht. Als es aber Tag geworden war, war es mir nach dem, was ich sah, ganz klar, daß der bevorstehende Tag für sie die letzte Grenze des Lebens im Fleische bedeute, da das Fieber die ganze Kraft ihrer Natur aufgezehrt hatte. Sie aber suchte im Hinblick auf unsern schwachen Mut uns von der traurigen Befürchtung abzubringen, indem sie die Betrübnis der Seele wieder mit jenen herrlichen Gesprächen, von nun an freilich mit schwachem und beengtem Atem, zerstreute. Bei solchem Anblick ward nun meine Seele ganz verschieden gestimmt: einerseits war mein Herz, wie begreiflich, in Traurigkeit versunken, weil es nicht mehr erwarten durfte, noch weiterhin diese Stimme zu hören, sondern befürchten mußte, der gemeinsame Ruhm unserer Familie werde in nicht langer Zeit aus dem Leben hinscheiden, anderseits begeisterte sich meine Seele geradezu an dem, was sich hier zeigte; denn sie schien wahrhaftig die irdische Natur überstiegen zu haben. Denn daß sie nicht einmal in den letzten Zügen bei der Erwartung des Hinübergehens etwas Fremdartiges erlitt, noch wegen des Scheidens aus dem Leben Furcht zeigte, das schien mir nicht mehr Menschenart zu sein, sondern geradezu die Art eines Engels, der nach göttlicher Ordnung Menschengestalt angenommen hatte, bei dem keine Verwandtschaft und kein Zusammenhang mit dem Leben im Fleisch vorhanden war, so daß es wohl begreiflich ist, daß der Geist in Leidenschaftslosigkeit verharrte, ohne daß ihn das Fleisch zu den eigenen Leidenschaften herabzog. Deswegen, glaube ich, hat sie jene göttliche und reine Liebe zum unsichtbaren Bräutigam, welche sie in den geheimen Kammern ihres Herzens still pflegte, damals ihrer Umgebung geoffenbart und ihre Herzensstimmung dadurch gezeigt, daß sie nach dem Geliebten verlangte, um bald mit ihm vereinigt zu werden, befreit von den Fesseln des Leibes. Und wirklich ging ihr Lauf der Tugend zu, indem sonst keine Lust des Lebens ihr Auge auf sich zog.

Schon war der größte Teil des Tages vorübergegangen und die Sonne neigte sich dem Untergang zu. Ihre Freudigkeit aber ließ nicht nach, sondern je näher es dem Ende zuging, um so mehr schien sie die Schönheit des Bräutigams zu schauen und mit um so heftigerem Begehr drängte sie zum Ersehnten, indem sie ihre schwach werdende Rede nicht mehr an uns, die Anwesenden, sondern an eben jenen, auf den sie unverwandt mit den Augen schaute, richtete. Gegen Osten war nämlich ihr niedriges Lager gekehrt und, nachdem sie aufgehört hatte, nach unserer Weise zu reden, verkehrte sie von nun ab im Gebete mit Gott, mit den Händen flehend und mit leiser Stimme lispelnd, so daß wir ihre Worte nur schwer vernahmen; solcher Art war das Gebet, das unzweifelhaft an Gott gerichtet war und von ihr her vernommen wurde: „Du, o Herr,“ sprach sie, „hast uns die Furcht vor dem Tod genommen. Du hast uns das Ende des Erdenlebens dahier zum Anfang des wahren Lebens gemacht. Du läßt unsere Leiber eine Zeitlang im Schlafe ruhen und erweckst sie daraus wieder mit der letzten Posaune. Du übergibst unsere Erde, die du mit deinen Händen geformt hast, der Erde zur Aufbewahrung und holst dann wieder zurück, was du gegeben, nachdem du das Sterbliche und Unschöne von uns zu Unsterblichkeit und Herrlichkeit umgewandelt hast. Du hast uns vom Fluch und von der Sünde errettet, indem du beides für uns geworden bist. Du hast die Köpfe des Drachen zerquetscht, der mit seinem Rachen den Menschen in den Abgrund des Ungehorsams hinabgerissen hatte. Du hast uns den Weg der Auferstehung bereitet, da du die Pforten der Hölle zerbrochen und den, der die Macht über den Tod hatte, überwunden hast. Du hast denen, die dich fürchten, als Zeichen das Abbild deines heiligen Kreuzes gegeben zur Überwindung des Widersachers und zur Sicherheit unseres Lebens. O ewiger Gott, dem ich vom Mutterleibe an zugeteilt gewesen, den meine Seele aus allen Kräften geliebt hat, dem ich Leib und Seele von Kindheit an bis jetzt geweiht habe, stelle du mir einen lichten Engel zur Seite, der mich geleite an den Ort der Erquickung, wo das Wasser der Ruhe ist, in den Schoß der heiligen Väter, der du das flammende Schwert zerbrochen und den mit dir gekreuzigten Menschen, der dein Erbarmen anflehte, dem Paradies wiedergegeben hast. Gedenke auch meiner in deinem Reiche! Denn auch ich bin mit dir gekreuzigt, da ich aus Furcht vor dir mein Fleisch angenagelt habe und vor deinen Gerichten mich fürchte. Möge der schreckliche Abgrund mich nicht von deinen Auserwählten trennen, noch der Verleumder mir in den Weg treten, noch mögen vor deinen Augen meine Sünden erfunden werden und, wenn ich aus Schwachheit unserer Natur etwas gefehlt und in Wort oder Werk oder Gedanke gesündigt habe, so verzeihe es mir, der du auf Erden die Macht hast, Sünden zu vergeben, damit ich die Erquickung erhalte und, wenn ich meinen Leib ablege, vor dir erfunden werde, an der Gestalt meiner Seele ohne Makel zu sein; ja möge meine Seele untadelig und makellos in deine Hände aufgenommen werden wie liebliches Opferwerk vor dir!“ Während sie so sprach, machte sie zugleich auf die Augen, den Mund und das Herz das Kreuz. Und allmählich konnte ihre im Fieber ganz ausgetrocknete Zunge kein Wort mehr hervorbringen, die Stimme versagte, und wir erkannten nur mehr am Öffnen der Lippen und an der Bewegung der Hände, daß sie mit Gebet beschäftigt war.

Als inzwischen der Abend herangekommen war und man ein Licht brauchte, schlug sie ihre Augen auf, schaute zum Glanz hin und gab zu erkennen, daß sie auch das abendliche Dankgebet sprechen wolle; weil aber die Stimme versagte, führte sie im Herzen und durch Bewegung ihrer Hände den Vorsatz aus; und ihre Lippen bewegten sich dem inneren Drang gemäß. Wie sie aber das Gebet vollendet hatte und die Hand zur Bekreuzung ans Gesicht führte, um damit das Ende des Gebets anzuzeigen, beschloß sie, ganz schwer und tief aufatmend, zugleich mit dem Gebet ihr Leben. Als sie nun atem- und bewegungslos dalag, erinnerte ich mich des Auftrags, den sie sofort bei der ersten Begegnung gegeben, wo sie den Wunsch ausdrückte, daß meine Hände ihr die Augen zudrücken und daß ich die herkömmlichen Dienstleistungen an ihrem Leibe vornehme, und so berührte ich mit der durch das Leid erschlafften Hand das heilige Antlitz, nur um nicht den Anschein zu geben, als ob ich ihren Auftrag versäumte. Denn ihre Augen brauchten keine Zubereitung, da sie, wie beim natürlichen Schlaf, von den Lidern ganz schön bedeckt waren. Ebenso waren die Lippen natürlich geschlossen, die Hände lagen in züchtiger Ordnung auf der Brust und die ganze Haltung des Körpers war von selbst passend gefügt und so bedurfte es keineswegs einer zurichtenden Hand.

Meine Seele war aus doppeltem Grunde niedergeschlagen, sowohl durch das, was sich meinen Augen darbot, wie dadurch, daß meine Ohren vom schrecklichen Wehklagen der Jungfrauen umtönt wurden. Bisher nämlich hatten sie sich ruhig verhalten, den Schmerz in ihrer Brust verschlossen und den Drang zum Wehklagen durch Ehrfurcht vor ihr unterdrückt, gleich als fürchteten sie den Tadel ihres zwar bereits schweigenden Antlitzes, damit nicht etwa die Meisterin, wenn sich gegen ihre Anordnung eine Stimme vernehmen ließe, darüber betrübt würde. Als sich aber das Leid nicht mehr still bezwingen ließ, da der Gram wie ein inneres Feuer ihre Herzen durchwühlte, brach plötzlich ein bitteres, nicht mehr aufzuhaltendes Wehklagen los, so daß auch mir der Geist nicht mehr fest blieb, sondern wie von einem losgebrochenen Sturzbach mitfortgerissen sich dem Leid ergab und sich unbekümmert um das, was Pflicht war, ganz dem Wehklagen überließ. Und mir schien, daß die Jungfrauen in mancher Beziehung berechtigten und begründeten Anlaß zum Trauern hatten. Sie beklagten ja nicht den Verlust einer gewohnten leiblichen Pflege und Fürsorge, noch sonst etwas Derartiges, worüber die Menschen sich bei Unglücksfällen abgrämen, sondern im Gefühl, daß ihre Hoffnung bei Gott und das Heil ihrer Seele von ihnen geschieden sei, riefen sie laut und jammerten tief wehklagend also: „Erloschen ist die Leuchte unserer Augen, beseitigt das Licht des Weges unserer Seelen, zerstört die Sicherheit unseres Lebens, gebrochen das Siegel der Unvergänglichkeit, zerrissen das Band der Eintracht, zertrümmert die Stütze der Schwachen und weggenommen das Heil der Kranken! Bei dir war uns die Nacht wie der Tag, von einem reinen Leben erleuchtet; jetzt aber verwandelt sich auch der Tag in Finsternis!“ Noch gewaltiger aber als die andern, ließen jene ihren Schmerz auflodern, welche sie Mutter und Ernährerin nannten. Das waren aber diejenigen, welche sie zur Zeit der Hungersnot von den Wegen aufgehoben, ernährt und erzogen und zu einem reinen und unverdorbenen Leben angeleitet hatte.

Als ich aber meine eigene Seele sozusagen wie von einem Abgrund heraufgeholt hatte, richtete ich meine Blicke auf jenes heilige Haupt und rief, wie wenn ich ob der Verwirrung derer, die mit ihren Klagen solchen Lärm machten, beleidigt worden wäre, mit lauter Stimme den Jungfrauen zu: „Schauet auf sie und gedenket ihrer Weisungen, mit denen sie euch immer an Ordnung und Wohlanständigkeit gemahnt hat. Nur eine bestimmte Zeit hat uns diese göttliche Seele für die Tränen verstattet, da sie uns mahnte, zur Zeit des Gebetes dies zu tun; das sollt ihr denn jetzt besorgen, indem ihr euer Klagegeschrei in Psalmengesang umwandelt!“ Das rief ich mit ziemlich lauter Stimme, um das Geschrei der Klagenden zu übertönen. Dann hieß ich sie, ein wenig in ihre Behausung sich zu begeben, während einige von ihnen zurückbleiben möchten, deren Dienstleistung sie im Leben gerne angenommen hatte.

Unter diesen war eine gar ehrbare Frau, durch Reichtum, hohes Geschlecht, körperliche Schönheit und sonstige Zier sehr geachtet; in ihrer Jugend hatte sie sich mit einem Mann aus höherem Stand vermählt; nachdem sie nur kurze Zeit mit ihm verlebt hatte, wurde ihre Verbindung noch in der Blüte ihrer Jugendzeit getrennt, und dann hatte sie die erhabene Makrina zur Wächterin und Leiterin ihrer Witwenschaft gemacht und lebte meistens mit den Jungfrauen zusammen, indem sie von ihnen das Tugendleben erlernte. ― Vestiana hieß die Jungfrau, und ihr Vater war Araxius, einer von denen, welche den Rat der Hypaten bildeten. Zu ihr sagte ich, niemand werde es verübeln, wenn man jetzt wenigstens ihrem Leib einen besseren Schmuck anlege und mit weißen Kleidern ihr reines und unbeflecktes Fleisch schmücke. Sie aber erwiderte, man müsse sich erkundigen, was die Heilige hierüber für gut befunden habe; denn es wäre nicht recht, wenn wir etwas gegen ihre Anordnung besorgten. Jedenfalls aber sei das, was Gott lieb und wohlgefällig sei, auch jener angenehm.

Im Chor der Jungfrauen war nun eine Vorsteherin, die den Rang der Diakonie besaß und Lampadia hieß. Sie erklärte, die Anordnung der Toten betreffs ihres Begräbnisses genau zu kennen. Als ich sie darüber befragte, sie war gerade bei der Beratung anwesend, sagte sie unter Tränen: „Der Schmuck, den die Heilige sorglich pflegte, war ein reines Leben; das war im Leben ihre Zier und ist auch im Tode ihr Grabschmuck. Was aber den Schmuck ihres Leibes angeht, so hat sie sich darum weder in der Zeit ihres Lebens bekümmert, noch hat sie dafür zur jetzigen Verwendung gesorgt: daher bleibt auch für uns, selbst wenn wir es wollten, nichts weiter übrig, da eine Ausstattung hiezu fehlt.“ Ich entgegnete: „Ist auch unter den Vorräten nichts zu finden, um damit ihr Begräbnis in etwas auszustatten?“ „Unter welchen Vorräten?“ fragte sie. „Du hast alles Verwahrte vor dir. Siehe hier das Oberkleid, hier den Kopfschleier und die abgenützten Sandalen für die Füße: das ist ihr Reichtum, das ihr Vermögen. Außer dem, was du hier siehst, liegt nichts weiter in Kästen und Kammern verborgen und verwahrt. Nur einen Aufbewahrungsort für ihren Reichtum kannte sie, die himmlische Schatzkammer; dort hat sie alles niedergelegt und nichts auf Erden zurückgelassen.“ „Was nun,“ erwiderte ich, „wenn ich von dem, was ich fürs Begräbnis hergerichtet habe, etwas beitrüge, so wird damit doch nichts gegen ihren Willen geschehen?“ Sie erklärte, nach ihrer Meinung sei das nicht gegen ihren Willen. Denn sie hätte wohl auch im Leben eine solche Ehre von dir angenommen aus doppeltem Grunde, einmal wegen deines Priestertums, das sie allzeit schätzte, und dann wegen der Verwandtschaft. Sie hätte nämlich eine Gabe von ihrem Bruder niemals als etwas Fremdes betrachtet. Deswegen hatte sie auch angeordnet, daß ihr Leib durch deine Hände die letzte Dienstleistung erhalte.

Da aber dieses beschlossen war und man ihren heiligen Leib mit den Gewändern bekleiden mußte, teilten wir uns ins Geschäft miteinander, indem das eine dies, das andere jenes für sie besorgte. Ich ließ durch einen meiner Diener das Gewand herbeibringen. Die genannte Vestiana aber richtete jenes heilige Haupt mit eigenen Händen her und als sie die Hand an den Nacken legte, sprach sie, zu mir aufblickend: „Siehe, was für ein Schmuck am Hals der Heiligen hängt!“ Und zugleich, wie sie das sagte, löste sie hinten das Band und hielt uns ein Kreuzbild von Eisen und einen Ring aus demselben Stoffe her. Diese beiden Dinge hatte sie an einer feinen Schnur immer auf dem Herzen getragen. Und ich sprach: „Wir wollen den Schatz miteinander teilen; behalte du das geweihte Kreuz: mir soll das Erbteil des Ringes genügen.“ Denn auch seinem Siegel war das Kreuz eingegraben. Darauf hinschauend sagte die Frau wieder: „Die Wahl dieses Besitzstückes war für dich kein Fehlgriff. Denn der Ring ist an seiner Kapsel hohl und darin ist ein Stück vom Holz des Lebens verborgen. Und so verrät das Siegel oben durch sein Gepräge, was darunter sich befindet.“

Als es aber an der Zeit war, ihren reinen Leib mit dem Gewand zu umhüllen und mir der Auftrag jener Hohen diesen Dienst zur Pflicht machte, war jene Frau, welche mit uns die große Erbschaft geteilt hatte, beim Geschäfte zugegen und sprach, indem sie die Hände dazu anlegte: „Laß die Größe der von dieser Heiligen vollbrachten Wundertaten nicht unerzählt vorübergehen!“ „Was meinst du damit?“ erwiderte ich. Sie aber entblößte einen Teil der Brust und sprach: „Siehst du dieses kleine und unscheinbare Zeichen unter dem Hals?“ (Es glich aber dem Stich einer feinen Nadel) und zugleich hielt sie das Licht näher an die mir gezeigte Stelle. „Was ist denn Auffallendes daran,“ fragte ich, „wenn ihr Leib an dieser Stelle mit einem unscheinbaren Mal versehen ist?“ „Das ist“, sagte sie, „ihrem Leib als Erinnerung an die mächtige Hilfe Gottes geblieben. Denn als einmal an dieser Stelle ein schweres Leiden auftrat und Gefahr war, daß man die Geschwulst aufschneiden mußte oder daß das Leiden völlig unheilbar werde, wenn es sich der Herzgegend näherte, bat die Mutter, wie sie erzählte, sie dringend und flehte sie an, sich in die Behandlung des Arztes zu begeben, weil ja auch diese Kunst, wie sie sagte, von Gott zum Heil der Menschen geoffenbart worden sei. Sie aber hielt die Entblößung des Körpers vor fremden Augen für schlimmer als die Krankheit und ging zur Abendzeit, nachdem sie der Mutter mit ihren Händen den gewohnten Dienst besorgt hatte, in das Heiligtum und lag hier die ganze Nacht vor dem Gott der Heiligen und, nachdem sie mit dem aus den Augen tränenden Wasser die Erde begossen hatte, verwendete sie den durch die Tränen entstandenen Kot als Heilmittel für ihr Leiden. Als aber die Mutter in ihrer Verzagtheit sie wieder aufforderte, sich an den Arzt zu wenden, erklärte sie, es genüge zur Heilung ihres Leidens, wenn die Mutter mit ihrer eigenen Hand auf die Stelle das heilige Kreuzzeichen mache. Wie dann die Mutter ihre Hand in den Busen geführt hatte, um die Stelle ringsum mit dem Kreuze zu bezeichnen, tat das Kreuz seine Wirkung und das Leiden war verschwunden. Aber dieses kleine Mal, sagte sie, war schon damals an Stelle des schrecklichen Geschwüres sichtbar und blieb ihr bis ans Ende, damit es, wie ich glaube, als Erinnerung an die göttliche Hilfe zum immerwährenden Dank gegen Gott anspornte und veranlaßte.“

Als unsere Arbeit fertig und der Leib so gut wie möglich geschmückt war, erklärte die Diakonisse wieder es für ungeziemend, daß sie in bräutlichem Schmuck von den Augen der Jungfrauen erblickt werde. „Aber ich habe“, sagte sie, „das dunkle Gewand eurer Mutter in Verwahrung. Es wird wohl gut sein, das ihr aufzulegen, damit nicht diese heilige Schönheit durch den herzugebrachten Kleiderschmuck aufgeputzt erscheine.“ Der Vorschlag fand Gefallen, und das Gewand wurde über sie gelegt. Sie aber glänzte auch in dem dunklen Gewand, indem die göttliche Macht, wie ich glaube, dem Leib auch noch diese Anmut verlieh, so daß es genau nach dem Traumgesicht schien, als ob gewisse Strahlen von ihrer Schönheit ausgingen.

Als wir aber damit beschäftigt waren und die frommen Lieder der Jungfrauen, mit dem Wehklagen vermischt, den Ort erfüllten, da strömten auf das Gerücht, das sich, ich weiß nicht wie, ringsum überall zugleich verbreitet hatte, alle Umwohner des Ortes zusammen, so daß der Vorplatz nicht ausreichte, die Zusammenströmenden aufzunehmen. Als nun die nächtliche Feier mit den frommen Liedern, wie bei einem Märtyrerfest, vorüber war und der Morgen anbrach, störte die Menge der aus der ganzen Umgebung zusammengekommenen Männer und Frauen mit ihren Wehklagen den Psalmengesang; ich aber suchte, wiewohl in der Seele ob des Trauerfalles ganz betrübt, soweit es den Umständen nach möglich war, nichts von dem zu unterlassen, was sich für ein solches Leichenbegängnis geziemte, teilte das zusammenströmende Volk nach dem Geschlechte ab, reihte die Menge der Frauen in die Schar der Jungfrauen, das Männervolk aber in die Schar der Mönche und sorgte wie bei einem Chor für einen einheitlichen, wechselseitig geordneten und harmonischen Psalmengesang, in dem die Stimmen aller passend vereinigt waren. Als aber der Tag allmählich heranrückte und der ganze Platz der Einsiedelei von der Menge der Trauergäste besetzt war, befahl der Bischof jener Gegend, ― Aracius war sein Name; er war mit dem ganzen Chor der Priesterschaft anwesend ― die sterbliche Hülle langsam fortzutragen, weil die Entfernung groß war und die Menge einer schnellen Bewegung des Zuges hätte hinderlich werden können. Zugleich mit diesen Worten forderte er alle Mitgenossen der priesterlichen Würde auf, dem Leib das Geleite zu geben.

Als dies angeordnet war und man mit Eifer sich daran machte, trat ich unter die Bahre und rief jenen auf die andere Seite, während zwei andere angesehene Kleriker unter den hinteren Teil der Bahre traten, und brach auf, wobei wir schrittweise, wie es sich gehörte, und langsam uns bewegten. Denn da das Volk sich um die Bahre drängte und alle an dem heiligen Bild sich nicht satt sehen konnten, war es uns nichts Leichtes, den Weg zu vollenden. Es schritt aber auf beiden Seiten eine nicht geringe Schar von Diakonen und Kirchendienern voraus und geleitete in Ordnung die Leiche, wobei alle Wachskerzen in den Händen trugen. Und was sich vollzog, war ein ganz feierlicher Zug, wobei gemeinsam von den ersten bis zu den letzten ein Psalmenlied, ähnlich dem Liede der drei Jünglinge gesungen wurde. Da die Entfernung von der Einöde bis zum Haus der heiligen Märtyrer, wo die Leiber der Eltern ruhten sieben bis acht Stunden betrug, so brauchten wir fast den ganzen Tag für den Weg. Denn die Menge, welche zusammengekommen war, und die immer noch mehr anwuchs, ließ uns den Weg nicht, wie wir wollten, vollenden. Als wir nun ins Innere des Hauses gekommen waren, stellten wir die Bahre ab und wandten uns zunächst dem Gebete zu; das Gebet aber wurde dem Volk Anlaß zum Wehklagen. Als nämlich der Psalmengesang vollendet war und die Jungfrauen jenes heilige Antlitz schauten und schon das Grab der Eltern geöffnet war, in dem sie beigesetzt werden sollte, da rief eine in heftiger Gemütsbewegung: „Nimmer werden wir nach dieser Stunde dieses Gott ähnliche Antlitz schauen!“ Und wie dann auch die anderen Jungfrauen mit ihr das gleiche schrieen, da störte eine regellose Verwirrung jenen geregelten und feierlichen Psalmengesang, indem alles vom Wehklagen der Jungfrauen ergriffen war. Und nur mit Mühe, als wir Stillschweigen winkten und der Vorbeter zum Gebete aufforderte und der Versammlung die üblichen Worte zurief, nahm das Volk die Haltung zum Gebete ein.

Nachdem das Gebet das geziemende Ende genommen, beschlich mich eine gewisse Furcht vor dem göttlichen Gebot, das da verbietet, die Scham des Vaters oder der Mutter aufzudecken. „Wie kann ich“, sagte ich, „einem solchen Gericht entgehen, wenn ich an den begreiflicherweise zerfallenen, aufgelösten und in häßliche und widerliche Ungestalt verwandelten Leibern der Eltern die dem menschlichen Geschlecht gemeinsame Scham anschaue?“ Da ich mir das erwog und der Unwille des Noe über seinen Sohn meine Furcht noch steigerte, riet mir die Geschichte des Noe, was ich tun solle. Beim Wegheben des Deckels wurden nämlich die Leiber, bevor sie uns zu Gesicht kamen, mit einem reinen Leinentuch verhüllt, indem das Linnentuch zu beiden Seiten hineingeführt wurde. Nachdem so die Leiber durch das Tuch verhüllt waren, hoben wir, ich und der vorgenannte Bischof des Bezirks, jenen heiligen Leib von der Bahre ab und legten ihn neben die Mutter, indem wir damit einen gemeinsamen Wunsch beider erfüllten. Darum beteten nämlich beide während ihres ganzen Lebens einstimmig zu Gott, daß ihre Leiber nach dem Tode miteinander vereinigt und ihre Lebensgemeinschaft auf Erden auch im Tode nicht getrennt werden möchte.

Nachdem alles, was bei der Bestattung Vorschrift ist, erfüllt war und man wieder den Rückweg antreten sollte, fiel ich erst am Grabe nieder und küßte den Staub; dann machte ich mich auf den Weg, niedergeschlagen und verweint ob des Gedankens, von welch teurem Schatz mein Leben sich trennen mußte. Auf dem Wege aber kam ein hochgestellter Kriegsmann, der in einem Städtchen von Pontus, namens Sebastopolis, das militärische Kommando inne hatte und mit seinen Untergebenen dort wohnte, mir bei der Ankunft daselbst teilnehmend entgegen; er hatte vom Trauerfall gehört und war darüber schmerzlich berührt ― er gehörte nämlich zu den nahen Verwandten unserer Familie ― und erzählte mir noch ein wunderbares Ereignis von ihr, das ich allein noch dem Berichte anfügen möchte, um dann die Schrift zu beendigen. Als wir nämlich unsere Tränen gestillt und eine Unterhaltung begonnen hatten, sagte jener zu mir: „Vernimm, was für ein teures Gut dem menschlichen Leben entrückt wurde!“ und begann mit diesen Worten also zu erzählen:

„Es kam einmal uns, meine Gattin und mich, das sehnliche Verlangen an, die Schule der Tugend zu besuchen. Denn so muß man, sagte er, nach meiner Meinung jenen Ort nennen, wo die glückliche Seele sich aufhielt. Bei uns war unser Töchterlein, das infolge einer pestartigen Krankheit an einem Augenübel litt. Es war ein widerlicher und mitleidenswerter Anblick, da sich die Hornhaut an der Pupille verdichtet hatte und infolge der Krankheit eine weißliche Farbe zeigte. Als wir aber an jenem gottgeweihten Orte angelangt waren, teilten wir unseren Besuch bei denen, welche am Orte der Weisheitsliebe nachgingen, nach dem Geschlecht, ich und meine Gattin; ich verweilte in der Männerwohnung, der dein Bruder Petrus vorstand; sie befand sich in der Jungfrauenabteilung bei der Heiligen. Und nachdem inzwischen eine gehörige Zeit verflossen war, hielten wir es für angemessen, die Einsamkeit wieder zu verlassen. Und schon rüsteten wir uns zum Aufbruch, da wurde uns von beiden Seiten in gleicher Weise eine freundliche Aufmerksamkeit zuteil. Mich hieß nämlich dein Bruder, zu bleiben und am Tisch der Mönche teilzunehmen. Die Selige aber ließ meine Gattin nicht fort, sondern drückte das Töchterlein an ihren Busen und erklärte, es nicht herauszugeben, bis sie ihnen den Tisch bereitet und sie mit dem Reichtum der Weisheitsliebe bewirtet hätte; als sie aber das Kind, wie es so Brauch ist, liebkoste und auf seine Augen küßte, bemerkte sie das Übel an der Pupille und sprach: „Wenn ihr mir den Gefallen erzeiget und an unserem Tische teilnehmet, will ich euch für solche Ehre ein nicht unwürdiges Gegengeschenk geben.“ Als dann die Mutter des Mädchens fragte: „Was für eines?“ erklärte die Hohe: „Ich besitze ein Mittel, das imstande ist, das Augenleiden zu heilen.“ Da mir hierüber von der Frauenabteilung durch einen, der jenes Versprechen verriet, Botschaft zukam, so blieben wir gerne, ohne uns viel um die drängende Notwendigkeit der Abreise zu kümmern.

Als aber das Mahl ein Ende hatte und unser Herz satt war, da der treffliche Petrus uns eigenhändig bediente und uns Unterhaltung leistete, während die heilige Makrina mit aller ehrbaren Fröhlichkeit die Gattin zu uns entließ, kehrten wir also, freudig gestimmt und wohlgemut, denselben Weg zurück, indem wir auf dem Wege einander unsere Erlebnisse erzählten; ich berichtete das, was ich in der Männerwohnung gesehen und gehört hatte, während jene alle Einzelheiten schilderte und nichts, auch nicht das Unbedeutendste, auslassen zu dürfen glaubte. Als sie nun alles der Reihe nach, wie in einem Buch zusammengestellt, durchging und an jenen Punkt kam, wo es sich um das Versprechen der Heilung des Auges handelte, brach sie die Erzählung ab und rief: „Was ist uns Schlimmes widerfahren? Wie konnten wir das Versprochene vergessen, jene uns zugesagte Augensalbe?“ Und da auch ich mich über die Nachlässigkeit ärgerte und einem den Auftrag gab, schnell das Heilmittel zu holen, blickte das Kind, das die Wärterin auf ihren Armen trug, zufällig zur Mutter hin. Die Mutter aber rief, auf die Augen des Kindes schauend: „Laß ab, dich wegen der Nachlässigkeit zu grämen! Denn siehe,“ sprach sie mit vor Freude und Staunen zugleich erregter Stimme, „nichts vom Versprochenen fehlt uns; vielmehr hat sie ihr wirklich heilkräftiges Mittel, nämlich die Heilung durchs Gebet, uns nicht bloß geschenkt, sondern auch bereits wirksam gemacht und an dem durch jenes göttliche Heilmittel geheilten Auge ist von der Krankheit nichts mehr vorhanden!“ Zugleich mit diesen Worten nahm sie das Kind an sich und legte es auch in meine Arme. Und ich dachte damals an die unglaublichen Wunder des Evangeliums in meinem Geiste und sagte: „Was bedeutet es noch Großes, wenn durch die Hand Gottes Blinde ihr Gesicht wiedererhalten, da hier seine Dienerin durch den Glauben an ihn jene Heilungen zuwege gebracht und damit ein Werk vollzogen hat, das nicht viel hinter jenem Wunder zurücksteht?“ Da er dies erzählte, erstickte ihm vor Schluchzen die Stimme, indem die Tränen zwischen seine Erzählung rannen.

Das erzählte mir der Kriegsmann. Was wir aber sonst noch Derartiges von ihren Mitgenossinnen und von denen, die ihr Leben genau kannten, gehört haben, halte ich nicht für sicher genug, um es der Erzählung anzuschließen. Denn die meisten Menschen bemessen die Glaubwürdigkeit des Berichteten nach ihrem eigenem Maßstab. Was aber über die Fassungskraft des Zuhörers hinausgeht, das verdächtigen sie, als ob es jenseits der Wahrheit läge, frevelhafterweise als Lüge. Deshalb übergehe ich jenes unglaubliche landwirtschaftliche Vorkommnis während der Hungersnot, wie man an dem zum Verbrauch bestimmten Getreide keine Verminderung merkte, indem es immer die gleich große Masse blieb sowohl vorher, ehe es an die Bittenden verteilt wurde, als nachher. Und anderes, was noch mehr auffallend ist als dieses, wie Krankenheilungen, Befreiungen von bösen Geistern und untrügliche Vorhersagungen zukünftiger Dinge. Alles halten die Eingeweihten für wahr, wenn es auch unglaubhaft erscheint; von den fleischlich Gesinnten aber wird es als außerhalb des Möglichen angesehen, sie, die nicht wissen, daß nach dem Maß des Glaubens auch die Verteilung der Gnadengaben erfolgt: eine geringe für die Kleingläubigen, eine große für die, welche in ihrem Herzen für den Glauben einen weiten Raum haben. Damit nun nicht die Ungläubigen Schaden leiden, wenn sie den Gaben Gottes nicht glauben, deswegen sehe ich davon ab, von den höheren Wundern im einzelnen zu berichten, indem es genügen dürfte, mit dem Ausgeführten ihr Leben erzählt zu haben.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s