Über die Einheit der Kirche

Von Cyprian von Karthago

Ebenso sorgsam wie vor den offenen Angriffen und Verfolgungen des bösen Feindes muß man vor dessen geheimen Anläufen auf der Hut sein.

Da der Herr mahnt und sagt: „Ihr seid das Salz der Erde“, und da er uns auffordert, in Unschuld einfältig und dennoch bei aller Einfalt klug zu sein, was haben wir da anderes zu tun, geliebteste Brüder, als alle Vorsicht aufzubieten und sorgsamen Herzens wachend die Nachstellungen des arglistigen Feindes zu erkennen und uns zugleich dagegen vorzusehen? Es könnte sonst scheinen als ob wir, die wir Christus, die Weisheit Gottes des Vaters, angezogen haben, in der Fürsorge für unser Heil zu wenig weise wären. Denn nicht nur die Verfolgung ist zu fürchten und all das, was in offenem Kampfe darauf ausgeht, die Diener Gottes zu stürzen und zu Fall zu bringen. Leichter ist es ja, auf seiner Hut zu sein, wenn der Gegenstand der Furcht klar vor Augen liegt, und der Geist rüstet sich schon vorher zum Kampfe, wenn der Widersacher sich offen zu erkennen gibt. Mehr muß man sich vor einem Feinde fürchten und hüten, wenn er heimlich heranschleicht, wenn er unter dem Scheine des Friedens uns berückt und sich auf verborgenen Wegen heranschlängelt, weshalb er auch den Namen „Schlange“ bekommen hat. Darin besteht ja von jeher seine Hinterlist, darin seine geheime und versteckte Kunst, den Menschen tückisch zu umgarnen. So hat er gleich von Anbeginn der Welt betrogen und mit lügnerischen Worten schmeichelnd die noch unerfahrenen Seelen in ihrer unvorsichtigen Leichtgläubigkeit hintergangen. So unternahm er es sogar, den Herrn selbst zu versuchen, und näherte sich verstohlen, wie wenn er wiederum heimlich heranschleichen und täuschen könnte; doch er wurde bemerkt und zurückgewiesen und eben deshalb niedergeschmettert, weil er erkannt und entlarvt wurde.

Diesen Todesschlingen können wir nur entgehen, wenn wir Christi Gebote befolgen und so den Weg des Heils einhalten.

Damit ist uns ein mahnendes Vorbild gegeben, den Weg des alten Menschen zu meiden und in die Fußtapfen des siegreichen Christus zu treten, auf daß wir nicht von neuem durch unsere Unvorsichtigkeit in die Schlingen des Todes uns verwickeln, sondern, vor der Gefahr sorgfältig auf unserer Hut, der erlangten Unsterblichkeit teilhaftig werden. Wie aber sollten wir der Unsterblichkeit teilhaftig werden können, wenn wir nicht das, wodurch der Tod bezwungen und besiegt wird, die Gebote Christi, halten wollen? Mahnt und sagt er doch selbst: „Willst du zum Leben gelangen, so halte die Gebole!“ und wiederum: „Wenn ihr tut, was ich euch gebiete, so nenne ich euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde“. Von solchen sagt er des weiteren auch, sie seien mutig und standhaft, sie seien in starkem Bau auf Felsen gegründet, sie seien gegen alle Ungewitter und Stürme der Welt mit unbeweglicher und unerschütterlicher Festigkeit gesichert. „Wer meine Worte hört“, sagt er, „und sie tut, den will ich einem weisen Manne vergleichen, der sein Haus auf einen Felsen baute. Der Regen fiel herab, die Flüsse kamen heran, die Winde erhoben sich und stürmten an gegen jenes Haus: und es fiel nicht; denn es war auf einen Felsen gegründet“. An seinen Worten müssen wir also festhalten, alles, was er gelehrt und getan hat, müssen wir lernen und tun. Wie kann aber einer sagen, er glaube an Christus, wenn er nicht tut, was Christus zu tun geboten hat? Oder wie kann der zur Belohnung treuen Glaubens gelangen, der das Gebot nicht getreulich halten will? Haltlos wanken muß er notgedrungen und unstet umherirren und, vom Geiste des Irrtums fortgerissen, hin- und hertreiben wie der Staub, den der Wind emporwirbelt; und dem Heile wird der auf seiner Bahn nicht näher kommen, der nicht festhält an der Wahrheit des Heilsweges.

Die gefährlichste Tücke des Widersachers zeigt sich in den Ketzereien und Spaltungen, die er erfunden hat, um die Einheit der Kirche zu zerreißen.

Auf der Hut zu sein aber, [geliebteste Brüder,] gilt es nicht nur vor dem, was offen und klar zutage liegt, sondern auch vor allem, was durch die Schlauheit arglistigen Truges täuscht. Was gibt es aber Arglistigeres oder Schlaueres, als daß der durch Christi Ankunft entlarvte und niedergeworfene Feind, nachdem das Licht zu den Völkern gekommen und die Leuchte des Heils zur Errettung der Menschen aufgegangen war, so daß die Tauben die Verkündigung der Geistesgnade vernahmen, die Blinden ihre geöffneten Augen zum Herrn erhoben, die Kranken zu ewiger Gesundheit genasen, die Lahmen zur Kirche eilten, die Stummen in lauten Worten und Gebeten flehten, — als daß er gerade jetzt, wo er die Götzenbilder verlassen und wegen der übergroßen Menge der Gläubigen seine Stätten und Tempel verödet sah, einen neuen Betrug ersann, um gerade unter dem Deckmantel des christlichen Namens die Unvorsichtigen zu täuschen? Irrlehren und Spaltungen erfand er da, um durch sie den Glauben zu untergraben, die Wahrheit zu fälschen, die Einheit zu zerreißen. Diejenigen, die er in der Finsternis des alten Weges nicht festzuhalten vermag, die umgarnt und verleitet er auf einem neuen Irrpfad. Aus der Kirche selbst reißt er die Menschen los, und während sie sich einbilden, bereits dem Lichte nahe gekommen und dem Dunkel der Welt entronnen zu sein, hüllt er sie, ohne daß sie es merken, wieder in eine andere Finsternis. So nennen sie sich Christen, obwohl sie sich an das Evangelium Christi, an seine Beobachtung und an das Gesetz gar nicht halten, und sie glauben das Licht zu haben, obgleich sie in der Finsternis wandeln, indem der Widersacher sie berückt und irreführt, der nach dem Ausspruch des Apostels sich als einen Engel des Lichtes hinstellt und seine Diener als Diener der Gerechtigkeit erscheinen läßt. Und doch bieten sie nur die Nacht statt des Tages, das Verderben statt des Heils, hoffnungslose Verzweiflung unter dem Scheine der Hoffnung, Abfall und Unglauben unter dem Vorwande des Glaubens, den Antichrist unter dem Namen Christi, um so durch schlauen Trug die Wahrheit zu entstellen, indem sie mit ihren Lügen den Schein der Wahrheit erwecken. Dies kommt daher, geliebteste Brüder, daß man nicht auf den Ursprung der Wahrheit zurückgeht, daß man nicht die Quelle aufsucht und die Lehre der himmlischen Unterweisung nicht beachtet.

Die Einheit der Kirche findet neben anderen Bibelstellen ihren klarsten Ausdruck in den Worten, mit denen der Herr Petrus und den Aposteln ihre besondere Stellung zuwies.

Erwägt und prüft man dies, so bedarf es nicht erst noch einer langen Abhandlung und vieler Beweise. Die Beweisführung vermag leicht zu überzeugen schon bei kurzer Zusammenfassung der Wahrheit. Der Herr spricht zu Petrus die Worte: „Ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich bauen meine Kirche, und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; und was du binden wirst auf Erden, wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du lösen wirst auf Erden, wird auch im Himmel gelöst sein“. Auf e i n e n baut er die Kirche, und obwohl er den Aposteln allen nach seiner Auferstehung gleiche Gewalt erteilt und sagt: „Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch. Empfanget den Heiligen Geistt. Wenn ihr einem die Sünden erlasset, so werden sie ihm erlassen werden; wenn ihr sie einem behaltet, so werden sie ihm behalten werden“, so hat er dennoch, um die Einheit deutlich hervorzuheben, durch sein Machtwort es so gefügt, daß der Ursprung eben dieser Einheit von e i n e m sich herleitet. Gewiß waren auch die übrigen Apostel das, was Petrus gewesen ist, mit dem gleichen Anteil an Ehre und an Macht ausgestattet, aber der Anfang geht von der Einheit aus, damit die Kirche Christi als e i n e erwiesen werde. Auf diese eine Kirche weist auch im Hohen Liede der Heilige Geist hin aus der Person des Herrn heraus und sagt: „E i n e ist meine Taube, meine Vollkommene, sie ist die einzige ihrer Mutter, die Auserwählte ihrer Gebärerin“. Wer an dieser Einheit der Kirche nicht festhält, vermeint der an dem Glauben festzuhalten? Wer der Kirche widerstrebt und sich widersetzt, ist der noch überzeugt, innerhalb der Kirche zu stehen? Lehrt doch auch der selige Apostel Paulus das gleiche, indem er auf das heilige Geheimnis der Einheit hinweist mit den Worten: „E i n Leib und e i n Geist, e i n e Hoffnung eurer Berufung, e i n Herr, e i n Glaube, e i n e Taufe, e i n Gott“.

Die kirchliche Einheit und die mit ihr zusammenhängende Einheit des Episkopats wird an mehreren anschaulichen Gleichnissen dargetan.

Diese Einheit müssen wir unerschütterlich festhalten und verteidigen, vor allem wir Bischöfe, die wir in der Kirche den Vorsitz haben, damit wir auch das Bischofsamt selbst als ein einziges und ungeteiltes erweisen. Niemand täusche die Gemeinde der Brüder durch eine Lüge, niemand fälsche die Wahrheit des treuen Glaubens durch treulose Entstellung ! Das Bischofsamt ist nur eines, an dem jeder einzelne nur unter Wahrung des Ganzen seinen Anteil hat. Auch die Kirche ist nur eine, die sich zur Vielheit bloß durch ihr üppiges Wachstum immer weiter ausbreitet, ebenso wie die Sonne viele Strahlen hat, aber nur ein Licht, und wie der Baum zwar viele Zweige besitzt, aber nur einen auf fester Wurzel gegründeten Stamm; und wenn aus einem Quell noch so zahlreiche Bäche entspringen, die Einheit bleibt dennoch im Ursprung gewahrt, mag auch eine recht stattliche Zahl [von Gewässern] in dem Reichtum überquellender Fülle zu entströmen scheinen. Reiß einen Strahl los von dem Lichtkörper [der Sonne]: die Einheit des Lichtes läßt eine Absonderung nicht zu; brich vom Baume einen Zweig: einmal abgebrochen, wird nicht mehr zu sprossen vermögen; schneide einen Bach ab von seiner Quelle; sofort wird er vertrocknen. Ebenso sendet auch die von des Herrn Licht durchströmte Kirche über den ganzen Erdkreise ihre Strahlen aus; dennoch ist es nur ein Licht, das überallhin flutet, ohne daß die Einheit ihres Körpers getrennt wird. Ihre Zweige streckt sie in reicher Fülle aus über die ganze Erde hin, mächtig hervorströmende Bäche läßt sie immer weiter sich ergießen; und nut eine Mutter, die mit glücklicher Fruchtbarkeit ihrer Milch genährt, von ihrem Geiste beseelt.

Dabei kommt Cyprian zu dem bedeutungsvollen Schluß: „Wer die Kirche nicht zur Mutter hat, kann Gott nicht zum Vater haben“ und: „Außerhalb der Kirche kein Heil!“

Zum Ehebruch läßt sich die Braut Christi nicht verführen, sie ist unbefleckt und züchtig. Nur ein Haus kennt sie, die Heiligkeit eines Schlafgemachs bewahrt sie in keuscher Scham. Sie ist es, die nur für Gott errettet, sie weist die Kinder, die sie geboren hat, seinem Reiche zu. Jeder, der sich von der Kirche trennt und sich mit einer Ehebrecherin verbindet, schließt sich aus von den Verheißungen der Kirche, und wer die Kirche Christi verläßt, wird nicht zu den Belohnungen Christi gelangen. Er ist ein Fremder, er ist ein Unheilige, er ist ein Feind. Gott kann der nicht mehr zum Vater haben, der die Kirche nicht zu Mutter hat. Wenn irgendeiner zu entrinnen vermochte, der außerhalb der Arche Noes war, nur dann mag auch einer entkommen, der draußen, außerhalb der Kirche steht. Der Herr mahnt und sagt: „Wer nicht mit mir ist, ist wider nicht, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut“. Wer den Frieden und die Eintracht Christi bricht, der handelt wider Christus; wer anderwärts, außerhalb der Kirche sammelt, der zerstreut die Kirche Christi. Der Herr sagt. „Ich und der Vater sind eins“. Und wiederum, steht über den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist geschrieben:“ Und diese drei sind eins!. Und da glaubt jemand, diese der göttlichen Festigkeit entstammende und mit himmlischen Geheimissen engverbundene Einheit könne bei der Kirche zerrissen und durch den Widerstreit einander widerstrebender Meinungen aufgelöst werden? Wer an dieser Einheit nicht festhält, der hält nicht fest an Gottes Gesetz, der hält nicht fest den Glauben an den Vater und den Sohn, der hält nicht fest am Leben und am Heile.

Ein Sinnbild für die Einheit der Kirche ist der ungenähte und deshalb ungeteilt gebliebene Rock Christi.

Dieses heilige Geheimnis der Einheit, dieses Band unzertrennlich verbundener Eintracht ist gemeint, wenn im Evangelium der Rock des Herrn Jesu Christi keineswegs etwa geteilt oder zerrissen, sondern das Kleid unversehrt in Empfang und der Rock unverletzt und ungeteilt in Besitz genommen wird, als man damals um das Kleid Christi loste, wer nun eigentlich Christus anziehen dürfe. Die göttliche Schrift spricht und sagt. “ Wegen des Rockes aber, weil er von oben herab nicht zusammengenäht, sondern im ganzen gewoben war, sagten sie zueinander: „Wollen wir ihn nicht zerreißen, sondern um ihn losen, wem er gehören soll‘!“ Dieser Rock trug [bildlich] die Einheit an sich, die von oben, das heißt: vom Himmel und vom Vater, herabkam und die von dem Empfänger und Besitzer auf keinen Fall zerrissen werden konnte, sondern ein für allemal die ganze und volle Festigkeit unzertrennlich bewahrte. Das Gewand Christi kann nicht besitzen, wer die Kirche Christi zerreißt und spaltet. Als hingegen beim Tode Salomos sein Reich und Volk sich spaltete, da riß der Prophet Achias, als er dem König Hieroboam auf dem Felde begegnete, sein Kleid in zwölf Stücke auseinander mit den Worten: „Nimm dir zehn Stücke; denn so spricht der Herr: ‚Siehe, ich reiße das Reich aus der Hand Salomos und will dir zehn Szepter geben, und zwei Szepter werden ihm bleiben wegen meines Dieners David und wegen der Stadt Jerusalem, die ich auserwählt habe, um meinen Namen dort aufzurichten‘.“ Als die zwölf Stämme Israels zerrissen wurden, riß der Prophet Achias sein Kleid auseinander. Weil dagegen das Volk Christi nicht zerrissen werden kann, wurde sein im ganzen gewobener und unzertrennlicher Rock von den Besitzern nicht geteilt. Ungeteilt, engverbunden und in eins verwoben, weist er auf die innig vorknüpfte Eintracht unseres Volkes hin, auf uns, die wir Christus angezogen haben; mit dem geheimnisvollen Zeichen seines Kleides hat er die Einheit der Kirche deutlich kundgetan.

Die Einheit der Kirche und einmütige Liebe wird den Christen in der Heiligen Schrift wiederholt ans Herz gelegt; auch Rhaab und das Osterlamm sind als Symbole auf die einheitliche Kirche zu deuten.

Wer also wäre so verrucht und treulos, wer so von der Raserei der Zwietracht betört, daß er glaubte, die Einheit Gottes, das Kleid des Herrn, die Kirche Christi könne zerrissen werden, oder daß er es gar wagte, sie zu zerreißen? Er selbst mahnt und lehrt in seinem Evangelium, indem er sagt: „Und es wird eine Herde und ein Hirte sein. Und da wähnt noch jemand, es könne an einem Orte viele Hirten oder mehrere Herden geben? Ebenso beschwört, mahnt und spricht der Apostel Paulus, indem er uns diese gleiche Einheit ans Herz legt: „Ich beschwöre euch“, sagt er, „ihr Brüder, bei dem Namen unseres Herrn Jesu Christi, daß ihr alle die gleiche Rede führet und daß es unter euch keine Spaltungen gebe; seid aber geeinigt in gleichem Sinne und in gleicher Meinung!“ Und wiederum sagt er: “ . . . einander tragend in Liebe, eifrig bemüht, zu wahren die Einheit des Geistes in der Verbindung des Friedens“. Glaubst du, es könne einer stehen und leben, der von der Kirche sich trennt, der sich einen anderen Wohnsitz und eine gesonderte Behausung gründet? Ist doch zu Rhaab, in der die künftige Kirche im Bilde dargestellt war, gesagt worden: „Deinen Vater und deine Mutter und deine Brüder und das ganze Haus deines Vaters wirst du zu dir selbst versammeln in dein Haus, und jeder, der zur Türe deines Hauses herausgeht, wird für sich verantwortlich sein“. Ebenso enthält doch das Geheimnis des Paschafestes im Gesetze des Exodus nichts anderes, als daß das Lamm, das als Vorbild für Christus geschlachtet wird, in einem Hause gegessen werden soll. Gott spricht und sagt: „In einem Hause soll es verzehrt werden, ihr sollt das Fleisch nicht aus dem Hause hinausbringen!“ Das Fleisch Christi und der heilige Leib des Herrn kann nicht hinausgebracht werden, und für die Gläubigen gibt es kein anderes Haus außer der einen Kirche. Dieses Haus, diese Stätte der Einmütigkeit bezeichnet und verkündigt der Heilige Geist in den Psalmen mit den Worten: „Gott, der die Einmütigen wohnen macht im Hause“. Nur im Hause Gottes, in der Kirche Christi wohnt man einmütig beisammen, nur hier verharrt man in Eintracht und Herzenseinfalt.

Nicht alle zeigen die Einfalt und Sanftmut der Tauben und Lämmer. Da aber bloß die Schlechten die Kirche verlassen, so ist es nur zu begrüßen, wenn durch solche Spaltungen die Spreu vom Weizen geschieden wird.

Deshalb kam auch der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Ein einfältiges und munteres Geschöpf ist es, ohne bittere Galle, ein Tier, das nicht wütend um sich beißt, nicht gewaltsam mit den Krallen zerfleischt: die menschlichen Wohnungen liebt sie, und sie kennt das Zusammenwohnen in einem Hause. In der Brutzeit brüten sie ihre Jungen gemeinsam aus; wenn sie ausfliegen, halten sie sich im Fluge nahe aneinander; in engem Zusammensein verbringen sie ihr Leben, schnäbelnd und kosend bezeugen sie die Eintracht des Friedens, und in allem erfüllen sie das Gesetz der Einmütigkeit. Diese Herzenseinfalt sollte man in der Kirche wahrnehmen, solche Liebe gilt es auch hier festzuhalten, auf daß die Brüderschaft in Zärtlichkeit die Tauben nachahme, an Sanftmut und Milde den Lämmern und Schafen gleichkomme. Was soll in einem christlichen Herzen die Wildheit der Wölfe, die Wut der Hunde, was das tödliche Gift der Schlangen und die blutdürstige Grausamkeit reißender Tiere? Beglückwünschen darf man sich, wenn solche Glieder aus der Kirche ausscheiden, damit sie nicht die Tauben, damit sie nicht die Schafe Christi durch ihre unheilvolle und giftige Berührung zu Fall bringen. Ein Zusammenhang und eine Verbindung ist unmöglich zwischen bitter und süß, zwischen der Finsternis und dem Lichte, zwischen Regen und Sonnenschein, zwischen Kampf und Frieden, zwischen Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit, zwischen sprudelnden Quellen und der Trockenheit, zwischen Windstille und Sturm. Glaube keiner, daß die Guten von der Kirche sich zu trennen vermögen! Den Weizen weht kein Wind davon, und den Baum, der durch starke Wurzeln mit dem Grunde verwachsen ist, stürzt kein Sturm um: nur die leere Spreu ist es, die vom Winde hin und her getrieben wird, nur die kraftlosen Bäume werden durch den Anprall eines Wirbelwindes entwurzelt. Solchen gilt die Verwünschung und Zurechtweisung des Apostels Johannes, wenn er sagt: „Von uns sind sie hinausgegangen, aber sie sind nicht von uns gewesen. Denn wenn sie von uns gewesen wären, so wären sie bei uns geblieben“.

Denn die Häresien sind nur ein Mittel in der Hand Gottes, um die Gläubigen zu prüfen und die Ungerechten auszuscheiden.

Dadurch sind schon häufig Irrlehren entstanden, und sie entstehen noch, indem der verkehrte Sinn keinen Frieden hat, indem widerspenstige Untreue an der Einheit nicht festhält. Daß dies aber geschieht, erlaubt und duldet der Herr; denn die Selbständigkeit des eigenen freien Willens bleibt unbeschränkt, damit die unverletzte Treue der Erprobten in hellem Lichte erstrahlt, indem die Unterscheidung der Wahrheit unsere Herzen und Sinne prüft. Durch den Mund des Apostels spricht der Heilige Geist im voraus die Mahnung aus: „Es muß auch Irrlehren geben, damit die Erprobten offenbar werden unter euch“. So werden die Treuen erprobt, so die Treulosen entlarvt, so werden schon vor dem Tage des Gerichts auch hier bereits die Seelen der Gerechten und der Ungerechten geschieden und von dem Weizen die Spreu gesondert. Daher stammen sie, die sich eigenmächtig vor einer Versammlung von zusammengelaufenen, unbesonnenen Leuten ohne göttliche Verordnung als Vorsteher aufwerfen, die sich ohne irgendwelche gesetzliche Weihe als Vorgesetzte aufstellen, die den Namen eines Bischofs sich anmaßen, ohne daß ihnen jemand die bischöfliche Würde übertragen hätte. Sie bezeichnet der Heilige Geist in den Psalmen als die, die auf dem Stuhle der Pestilenz sitzen, als die Pest und Seuche des Glaubens, die mit dem Munde der Schlange täuschen, und als Meister in der Entstellung der Wahrheit, die mit ihren verderbenbringenden Zungen tödliches Gift ausspeien. Ihre Rede frißt um sich wie ein Krebs, ihre Schriften gießen in Brust und Herz eines jeden todbringendes Gift.

Vor der gefährlichen Verführungskunst dieser Abtrünnigen, gegen die schon der Herr seine mahnende Stimme erhebt, kann man sich gar nicht genug in acht nehmen.

Gegen solche Menschen erhebt der Herr seine Stimme, von ihnen zieht und ruft er sein irrendes Volk zurück mit den Worten: „Höret nicht auf die Reden der falschen Propheten, denn die Gesichte ihres Herzens täuschen sie! Sie reden, aber nicht aus dem Munde des Herrn. Sie sagen zu denen, die das Wort Gottes verwerfen: Friede werdet ihr haben und alle, die nach ihrem Willen wandeln. Jeder, der im Irrtum seines Herzens wandelt, über den wird kein Unheil kommen. „Ich habe nicht zu ihnen geredet, und sie haben selbst geweissagt. Wären sie auf meiner Grundlage stehen geblieben und hätten sie meine Worte gehört und mein Volk gelehrt, so hätte ich sie von ihren bösen Gedanken bekehrt“. Auf die gleichen zeigt und weist abermals der Herr hin, wenn er sagt: „Mich haben sie verlassen, den Quell des lebendigen Wassers, und haben sich löcherige Behälter gegraben, die kein Wasser halten können“. Obwohl es doch eine andere Taufe außer der einen nicht geben kann, bilden sie sich ein, taufen zu können; obwohl sie den Quell des Lebens verlassen haben, verheißen sie die Gnade des leben- und heilspendenden Wassers. Nicht gereinigt werden dort die Menschen, sondern vielmehr beschmutzt, und nicht gesühnt werden dort die Sünden, sondern im Gegenteil noch gehäuft. Nicht für Gott, sondern für den Teufel bringt jene Geburt Kinder hervor. Durch die Lüge geboren, erlangen sie nicht die Verheißungen der Wahrheit; aus dem Unglauben erzeugt, gehen sie der Gnade des Glaubens verlustig. Zur Belohnung des Friedens können die nicht gelangen, die den Frieden des Herrn in rasender Zwietracht gebrochen haben.

Ganz mit Unrecht berufen sie sich auf das Schriftwort: ,,Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mit ihnen“ [Matth. 18, 2.

Mögen sich auch gewisse Leute davor hüten, sich mit einer unrichtigen Auslegung zu täuschen, weil der Herr gesagt habe: „Wo immer zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich bei ihnen“. Indem sie das Evangelium verdrehen und falsch auslegen, berufen sie sich auf das letzte und übergehen dabei das Vorhergehende, lassen den einen Teil gelten und unterschlagen in betrügerischer Absicht den anderen. Wie sie selbst von der Kirche sich losgerissen haben, so zerreißen sie den Sinn eines einheitlichen Abschnittes. Denn als der Herr seinen Jüngern Einmütigkeit und Frieden ans Herz legte, sprach er; „Ich sage euch: Wenn zwei von euch übereinstimmen auf Erden, so wird euch in jeder Sache, um die ihr bittet, Erfüllung werden von meinem Vater, der im Himmel ist. Denn wo immer zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mit ihnen“; damit wollte er nur zeigen, daß es nicht auf die Menge, sondern auf die Einmütigkeit der Bittenden am meisten ankomme. „Wenn zwei von euch“, sagte er, „übereinstimmen auf Erden“: die Einmütigkeit hat er vorangestellt, friedliche Eintracht hat er vorausgesetzt; übereinstimmen sollen wir, das hat er getreulich und mit Bestimmtheit gelehrt. Wie aber kann der mit irgendeinem übereinstimmen, der mit dem Leib der Kirche selbst und mit der gesamten Brüdergemeinde keine Übereinstimmung zeigt? Wie können sich zwei oder drei in Christi Namen versammeln, von denen feststeht, daß sie von Christus und seinem Evangelium geschieden sind? Denn nicht wir sind von ihnen, sondern sie sind von uns weggegangen, und da Irrlehren und Spaltungen erst später entstanden sind, haben sie die Quelle und den Ursprung der Wahrheit verlassen, indem sie für sich gesonderte Vereinigungen gründeten. Der Herr aber spricht nur von seiner Kirche, und er redet nur zu denen, die in der Kirche stehen; sie können, wenn sie selbst eines Herzens sind, wenn sie nach seinem Gebot und seiner Mahnung auch nur zu zweien oder dreien sich versammeln und einmütig bitten, von der Majestät Gottes das Gewünschte erlangen, selbst wenn es nur zwei oder drei sind. „Wo immer zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich“, sagte er, „mit ihnen“: mit den Herzenseinfältigen nämlich und Friedfertigen, mit solchen, die Gott fürchten und Gottes Gebote halten. Mit diesen ist er, hat er gesagt, selbst wenn es nur zwei oder drei sind. So war er auch mit den drei Jünglingen im Feuerofen und belebte sie inmitten der sie umzüngelnden Flammen mit dem Hauche des Tauwindes, weil sie herzenseinfältig gegen Gott und einmütig untereinander blieben. So erschien er auch selber den beiden im Kerker eingeschlossenen Aposteln, weil sie herzenseinfältig, weil sie einmütig waren; er selbst öffnete das Schloß des Kerkers und setzte sie wieder in Freiheit, damit sie das Wort, das sie getreulich predigten, der Menge weiter verkündigten. Wenn er also in seinen Geboten die Worte gebraucht: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mit ihnen“, so will er damit nicht etwa die Menschen von der Kirche trennen, er, der die Kirche eingesetzt und geschaffen hat, sondern indem er den Treulosen ihre Zwietracht vorhält und den Getreuen den Frieden durch sein Wort ans Herz legt, zeigt er, daß er eher mit zweien oder dreien ist, die in Einmütigkeit bitten, als mit einer noch so großen Zahl von Uneinigen, und daß das einträchtige Flehen weniger mehr zu erreichen vermag als das uneinige Gebet vieler.

Ohne den Frieden mit den Brüdern gibt es auch keinen Frieden mit Gott.

Deshalb hat er auch, als er seine Vorschrift für das Beten gab, die Worte hinzugefügt: „Und wenn ihr dasteht zum Gebet, so vergebet, wenn ihr etwas wider jemand habt, damit auch euer Vater, der im Himmel ist, euch die Sünden vergibt“. Und den, der in Uneinigkeit lebt und zum Opfer kommt, ruft er vom Altar zurück und fordert ihn auf, sich zuerst mit seinem Bruder auszusöhnen und dann erst friedfertig wiederzukommen und Gott seine Gabe darzubringen, weil Gott auch Kains Gaben nicht angesehen hat. Denn mit Gott konnte doch der keinen Frieden haben, der mit seinem Bruder aus Zwietracht und Eifersucht keinen Frieden hielt. Welchen Frieden versprechen sich also sie, die Feinde ihrer eigenen Brüder? Was für Opfer glauben die neidischen Gegner der Priester zu feiern? Bilden sie sich etwa ein, Christus sei mit ihnen, wenn sie versammelt sind, obwohl sie sich doch außerhalb der Kirche Christi versammeln?

Selbst der Märtyrertod solcher Schismatiker vermag ihre schwere Schuld nicht auszugleichen: das Martyrium außerhalb der Kirche bleibt nutzlos.

Selbst wenn solche bei dem Bekenntnis des [christlichen] Namens ihren Tod finden, so laßt sich dieser Flecken nicht einmal durch das Blut abwaschen. Die unsühnbare, schwere Schuld der Zwietracht wird selbst durch das Leiden nicht getilgt. Wer nicht in der Kirche steht, der kann kein Märtyrer sein; zum Himmelreich wird der nicht gelangen können, der sie verläßt, die zur Herrschaft im Himmel bestimmt ist. Den Frieden hat uns Christus gegeben, eines Herzens und eines Sinnes zu sein, hat er uns befohlen, den Bund der Zärtlichkeit und Liebe hat er uns unversehrt und unverletzt zu bewahren geboten. Der kann sich nicht als Märtyrer erweisen, der an der brüderlichen Liebe nicht festgehalten hat Dies lehrt und bezeugt auch der Apostel Paulus mit den Worten: „Und wenn ich einen Glauben hätte, so daß ich Berge versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich zur Speisung [der Armen] meine ganze Habe verteilte und wenn ich meinen Leib zum Verbrennen hingäbe, hätte aber die Liebe nicht, so nützte es mir nichts. Die Liebe ist hochherzig, die Liebe ist gütig, die Liebe kennt keine Eifersucht, sie bläht sich nicht auf, sie läßt sich nicht aufreizen, sie handelt nicht leichtfertig, sie sinnt nichts Arges, alles liebt sie, alles glaubt sie, alles hofft sie, alles erträgt sie. Die Liebe wird niemals aufhören“‚. „Niemals“, sagt er, „wird die Liebe aufhören.“ Denn sie wird stets im Himmelreich herrschen, sie wird kraft der Einheit der unter sich innig verbundenen Brüdergemeinde in Ewigkeit währen. Zum Himmelreich kann die Zwietracht nicht gelangen; am Lohne Christi, der da gesagt hat: „Das ist mein Gebot, daß ihr einander liebet, wie ich euch geliebt habe“, wird der keinen Anteil erlangen können, der die Liebe Christi durch treulosen Abfall verletzt hat. Wer die Liebe nicht hat, der hat Gott nicht. Ein Wort des seligen Apostels Johannes lautet: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott bleibet in ihm“. Mit Gott können diejenigen nicht vereint bleiben, die in der Kirche Gottes nicht haben einmütig sein wollen. Mögen sie auch den Flammen und dem Feuer übergeben werden und verbrennen oder den wilden Tieren vorgeworfen ihr Leben enden, so wird das doch nicht die Krone des Glaubens sein, sondern nur die Strafe für ihre Treulosigkeit, nicht das ruhmvolle Ende frommer Tugend, sondern nur der Untergang der Verzweiflung. Getötet werden kann ein solcher, gekrönt werden kann er nicht. Als Christ bekennt er sich in der gleichen Weise, in der auch der Teufel sich oft für Christus ausgibt, wie der Herr selbst schon im voraus warnend spricht: „Viele werden kommen in meinem Namen und sagen: ,Ich bin Christus‘, und sie werden viele täuschen“. Sowenig jener Christus ist, obwohl er unter seinem Namen irreführt, ebensowenig kann der für einen Christen gelten, der nicht bei seinem Evangelium und im wahren Glauben beharrt.

Denn wer an der Einheit und Liebe, wie der Herr sie gebietet, nicht festhält, der kann nicht ins Himmelreich kommen.

Denn auch die Gabe, zu weissagen und böse Geister auszutreiben und große Wunder auf Erden zu verrichten, ist gewiß etwas Erhabenes und Bewunderungswürdiges: und doch gewinnt einer, bei dem auch all diese Fähigkeiten sich finden, deswegen das Himmelreich noch nicht, wenn er sich auf seinem Wege nicht an die gerade und rechte Straße hält. Das kündigt der Herr an und sagt: „Viele werden zu mir an jenem Tage sagen: .Herr, Herr, haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt und in Deinem Namen böse Geister ausgetrieben und in Deinem Namen große Wunder getan?‘ Und dann werde ich zu ihnen sagen: ,Ich habe euch nie gekannt; weichet zurück von mir, die ihr Unrecht übt!“ Gerechtigkeit ist nötig, um an Gott einen gnädigen Richter zu finden. Seinen Geboten und Mahnungen gilt es zu gehorchen, damit unsere Verdienste ihren Lohn erhalten. Als der Herr im Evangelium uns den Weg unserer Hoffnung und unseres Glaubens in gedrängter Kürze zeigte, sagte er: „Der Herr, dein Gott, ist ein einziger Herr, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus allen deinen Kräften! Dies ist das erste [Gebot], und das zweite ist ihm ähnlich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“. Einheit, vereint mit Liebe, empfahl er in seiner Lehre, alle Propheten samt dem Gesetz faßte er in den zwei Geboten zusammen. Welche Einheit aber bewahrt, welche Liebe beachtet oder bedenkt einer, der, von der Raserei der Zwietracht betört, die Kirche spaltet, den Glauben untergräbt, den Frieden stört, die Liebe zerreißt und das heilige Geheimnis entweiht?

Solche Spaltungen sind für das bevorstehende Ende der Welt schon längst vorhergesagt.

Dieses Übel, getreueste Brüder, hatte schon längst eingesetzt, jetzt aber hat die feindliche Verheerung eben dieses Unheils noch zugenommen, und das giftige Verderben ketzerischer Verirrungen und Spaltungen hat sich allmählich immer mehr erhoben und um sich gegriffen; denn so mußte es ja auch beim Untergang der Welt kommen, da der Heilige Geist durch den Mund des Apostels uns im voraus verkündigt und warnend zuruft: „In den letzten Tagen werden unliebsame Zeiten kommen; die Menschen werden selbstgefällig sein, übermütig, aufgeblasen, habgierig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, ruchlos, ohne Liebe, ohne Treue, verleumderisch, unmäßig, grausam, ohne Liebe zum Guten, verräterisch, frech, von dummem Stolz aufgebläht, Leute, die die Wollust mehr lieben als Gott, die den Schein der Gottesfurcht haben, aber deren Kraft verleugnen. Zu diesen gehören sie, die sich in die Häuser schleichen und mit Sünden beladene Weiblein gefangen nehmen, die von mannigfachen Lüsten getrieben werden, indem sie immer lernen und niemals zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Und wie Jannes und Mambres sich Moses widersetzten, so widersetzen sich auch diese der Wahrheit. Aber sie werden nicht sehr viel erreichen; denn ihr Unverstand wird allen offenbar werden, ebenso wie es auch der jener beiden gewesen ist“. In Erfüllung geht alles, was vorhergesagt ist, und da das Ende der Welt bereits naht, ist es schon eingetroffen, wie es die Menschen sowohl als die Zeiten bestätigen. Mehr und mehr wütet der Widersacher, täuscht der Irrtum, erhebt dünkelhafter Stolz, entflammt der Neid, verblendet die Begierde, verführt die Ruchlosigkeit, bläht der Hochmut auf, erbittert die Zwietracht, führt der Jähzorn ins Verderben.

Ebenso eindringlich sind wir aber auch schon im voraus vor dem verderblichen Einfluß der Abgefallenen gewarnt.

Doch der übergroße und unerwartete Abfall so vieler soll uns nicht beunruhigen oder verwirren, sondern vielmehr unseren Glauben bestärken; denn damit hat sich nur das Vorherverkündigte verwirklicht. Wie einige solche Abtrünnige geworden sind, weil dies vorausgesagt ist, so mögen sich die übrigen Brüder vor derartigen Menschen in acht nehmen; denn auch dies ist schon vorherverkündigt, indem der Herr lehrt und sagt: „Ihr aber seid auf eurer Hut! Seht, ich habe euch alles vorhergesagt“. Meidet, ich bitte euch, solcherlei Menschen und haltet ihre verderblichen Reden wie eine tödliche Seuche von eurer Seite und euren Ohren fern, wie geschrieben steht: „Umzäune deine Ohren mit Dornen und höre nicht auf eine böse Zunge!“ und wiederum: „Schlechte Gespräche verderben gute Herzen“. Der Herr lehrt und mahnt, man müsse sich von solchen Menschen zurückziehen. „Blind sind sie“, sagt er, „Führer von Blinden. Wenn aber ein Blinder einen anderen Blinden führt, so werden sie zusammen in die Grube fallen“. Abwenden muß man sich von einem solchen Menschen und flüchten vor jedem, der sich einmal von der Kirche getrennt hat. „Verkehrt ist ein solcher, und er sündigt und ist von sich selbst verurteilt“. Oder bildet sich der ein, mit Christus zu sein, der den Priestern Christi zuwiderhandelt, der sich von der Gemeinschaft mit seinem Klerus und Volke lossagt? Die Waffen führt er gegen die Kirche, gegen Gottes Verordnung kämpft er an. Ein Feind des Altars, ein Aufrührer wider das Opfer Christi, statt der Glaubenstreue treulos, statt der Gottesfurcht ein Tempelschänder, ein ungehorsamer Knecht, ein liebloser Sohn, ein feindseliger Bruder, verachtet er die Bischöfe und verläßt die Priester Gottes und wagt es, einen anderen Altar zu bauen, ein neues Gebet in unerlaubten Worten zu verrichten und das wahrhaftige Sühnopfer des Herrn durch falsche Opfer zu entweihen, ohne zu bedenken, daß jeder, der gegen die Anordnung Gottes sich auflehnt, für seine kühne Vermessenheit durch göttliche Heimsuchung bestraft wird.

So ersehen wir aus dem Schicksal der Rotte Kore und des Königs Ozias, welch schwere Strafe die Auflehnung gegen die rechtmäßigen Priester zu gewärtigen hat.

So haben Kore, Dathan und Abiron, die es versuchten, wider Moses und den Hohenpriester Aaron das freie Recht des Opferns sich anzueignen, sofort für ihr Wagnis büßen müssen. Die Erde ging aus den Fugen und öffnete sich bis in die innersten Tiefen. Wie sie leibten und lebten, verschlang sie der Schlund des unter ihnen schwindenden Bodens; und nicht nur sie, die die Anstifter gewesen waren, traf der Grimm des zürnenden Gottes, sondern auch die übrigen zweihundertfünfzig Teilnehmer und Genossen des gleichen wahnwitzigen Beginnens, die sich mit ihnen zusammen zu dem vermessenen Unterfangen verbunden hatten, verzehrte das vom Herrn ausgehende Feuer in schleuniger Rache: zur Warnung offenbar und zum Zeichen dafür, daß alles sich gegen Gott richtet, was die Ruchlosen in ihrem menschlichen Eigenwillen unternehmen, um die Anordnung Gottes umzustoßen. So wurde auch der König Ozias, als er mit der Räucherpfanne in der Hand gegen Gottes Gesetz die Befugnis zu opfern sich gewaltsam anmaßte und trotz des Widerstandes des Hohenpriesters Azarias nicht gehorchen und nachgeben wollte, von Gottes Zorn gestraft und durch fleckigen Aussatz an der Stirne entstellt und so für die Beleidigung des Herrn gerade an dem Körperteil gebrandmarkt, wo die gezeichnet sind, die sich die Gnade des Herrn verdienen. Auch Aarons Söhne, die auf den Altar anderes Feuer legten, als der Herr geboten hatte, wurden sogleich vor den Augen des rächenden Herrn hinweggerafft.

Die Trennung von der Kirche ist sogar ein schlimmeres Verbrechen als die Schuld der Gefallenen, die ihre Sünde reumütig bekennen und sie durch ihren nachträglichen Märtyrertod sühnen können.

Ihre Nachahmer und Nachfolger sind doch offenbar diejenigen, die unter Mißachtung der göttlichen Überlieferung neuen Lehren sich zuwenden und Schulen rein menschlicher Erfindung begründen. Gegen sie erhebt der Herr Tadel und Vorwurf in seinem Evangelium mit den Worten: „Ihr verwerfet Gottes Gebot, um eure Überlieferung aufzustellen“. Dieses Verbrechen ist schlimmer als das, das die Gefallenen begangen haben, die doch wenigstens für ihr Vergehen Buße tun und in voller Genugtuung Gottes Gnade erflehen. Hier sucht und bittet man die Kirche, dort bekämpft man sie: hier kann ein Zwang stattgefunden haben, dort verharrt man freiwillig im Verbrechen; hier hat der Gefallene nur sich geschadet, dort hat der, der es unternommen hat, einen Abfall oder eine Spaltung herbeizuführen, viele andere mit sich in den Irrtum hineingezogen; hier handelt es sich nur um den Verlust einer Seele, dort ist eine ganze Menge in Gefahr. Dieser sieht wenigstens seine Sünde ein und beweint und beklagt sie, der andere hingegen ist gar noch stolz auf seine Versündigung und gefällt sich gerade in seinen Verbrechen, während er die Kinder von der Mutter losreißt, die Schafe von dem Hirten hinweglockt und die heiligen Geheimnisse Gottes zunichte macht. Und während der Gefallene nur einmal gesündigt hat, sündigt jener Tag für Tag. Schließlich kann der Gefallene, wenn ihm nachmals der Märtyrertod beschieden ist, die Verheißungen des Himmelreiches noch ernten; wenn aber jener außerhalb der Kirche den Tod erleidet, so kann er unmöglich zu den Belohnungen der Kirche gelangen.

Daß auch einige Bekenner abtrünnig geworden sind, darf nicht wundernehmen: denn sie sind gegen Versuchungen des Teufels ebensowenig gefeit wie Salomo.

Auch möge sich niemand darüber wundern, geliebteste Brüder, wenn auch von den Bekennern einige auf diese Abwege geraten, wenn auch von ihnen etliche sich so schrecklich, so schwer versündigen. Denn das Bekenntnis bewahrt nicht vor den Nachstellungen des Teufels und verleiht einem, der noch in der Welt steht, keine dauernde Sicherheit gegen die Versuchungen und Gefahren, gegen die Anläufe und Angriffe der Welt. Sonst würden wir nie bei den Bekennern nachmals Betrug, Unzucht und Ehebruch zu sehen bekommen, wie wir sie jetzt zu unserem großen Leidwesen bei einigen wahrnehmen müssen. Mag der Bekenner sein, wer er will, größer, besser oder Gott wohlgefälliger ist er nicht als Salomo. Und doch behielt auch er nur so lange, als er auf des Herrn Wegen wandelte, die Gnade, die er von dem Herrn empfangen hatte; nachdem er aber den Weg des Herrn verlassen hatte, verlor er auch die Gnade des Herrn. Und deshalb steht geschrieben: „Halte fest, was du hast, damit nicht ein anderer deine Krone nehme!“ Diese Drohung, daß die Krone der Gerechtigkeit auch wieder entrissen werden könne, spricht der Herr sicherlich nur deshalb aus, weil mit dem Verluste der Gerechtigkeit notwendigerweise auch die Krone verloren geht.

Der Bekenner hat eben das Ziel noch nicht erreicht, sondern er ist ihm nur einen Schritt näher gekommen und sollte sich deshalb um so mehr hüten, anderen ein schlechtes Beispiel zu geben.

Das Bekenntnis ist nur der erste Schritt zum Ruhme, nicht etwa schon der Gewinn der Krone, und es bildet nicht die Vollendung des Ruhmes, sondern nur den Anfang der Würdigkeit, Und da geschrieben steht: „Wer ausharret bis ans Ende, der wird selig sein“, so ist alles, was vor dem Ende liegt, nur eine Vorstufe, auf der man zum Gipfel des Heils emporsteigt, nicht das Endziel, mit dem man bereits die höchste Spitze erreicht hat. Ein Bekenner ist er: aber nach dem Bekenntnis ist die Gefahr nur noch größer, weil der Widersacher jetzt noch mehr gereizt ist. Ein Bekenner ist er: um so mehr muß er dann zu dem Evangelium des Herrn stehen, nachdem er durch das Evangelium von dem Herrn seinen Ruhm erlangt hat. „Wem viel gegeben wird, von dem wird viel gefordert, und wem viel Würde zuteil wird, von dem wird mehr Unterwürfigkeit verlangt“. Niemand möge durch das böse Beispiel eines Bekenners sich ins Verderben stürzen lassen, niemand möge Ungerechtigkeit, niemand möge Übermut, niemand möge Treulosigkeit im Glauben dem schlimmen Wandel eines Bekenners ablernen! Ein Bekenner ist er: dann sei er demütig und friedfertig, er sei in seinem Tun züchtig und bescheiden, damit er, der ein Bekenner Christi heißt, Christus, den er bekennt, auch nachahmt! Denn da dieser sagt: „Wer sich selbst erhebt, der wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöhet werden“, und da er selbst vom Vater erhöht worden ist, weil er, das Wort und die Kraft und die Weisheit Gottes des Vaters, sich auf Erden erniedrigt hat, wie kann dann der die Selbstüberhebung lieben, der uns nicht nur durch sein Gesetz Demut geboten, sondern auch selbst vom Vater zum Lohne für seine Demut den herrlichsten Namen erhalten hat? Ein Bekenner Christi ist er: aber nur, wenn durch ihn nicht nachher die Majestät und Würde Christi gelästert wird. Die Zunge, die Christus bekannt hat, darf nicht schmähsüchtig, nicht aufrührerisch sein, sie soll nicht lärmende Beschimpfungen und Zänkereien vernehmen lassen, sie soll nicht gegen die Brüder und die Priester Gottes nach Worten des Ruhmes das Gift der Schlange schleudern. Wenn er sich aber nachher schuldig und verabscheuenswert gemacht, wenn er das Gut seines Bekenntnisses durch schlechten Lebenswandel vergeudet, wenn er sein Leben mit Schimpf und Schande befleckt hat, wenn er endlich die Kirche, in der er Bekenner geworden ist, verlassen, die in der Einheit begründete Eintracht zerrissen und so die frühere Glaubenstreue mit dem späteren Unglauben vertauscht hat, so kann er sich wegen seines Bekenntnisses nicht damit schmeicheln, als sei er zum Lohne der Herrlichkeit auserwählt; denn gerade dadurch ist das Maß der verdienten Strafe für ihn noch mehr angewachsen.

Der größere und bessere Teil der Bekenner ist ja doch der Kirche treu geblieben.

Auch den Judas hat ja der Herr unter die Apostel gewählt; und doch hat Judas nachmals den Herrn verraten. Aber die Festigkeit und der treue Glaube der Apostel ist deshalb doch nicht zu Fall gekommen, weil der Verräter Judas von ihrer Gemeinschaft abfiel. Ebensowenig hat auch hier die Heiligkeit und Würde der Bekenner etwa sogleich eine Einbuße erlitten, weil einige die Glaubenstreue gebrochen haben. Der selige Apostel [Paulus] erhebt seine Stimme und sagt in seinem Briefe: „Denn was liegt daran, wenn einige von ihnen vom Glauben abgefallen sind? Hat etwa ihr Unglaube die Glaubwürdigkeit Gottes entkräftet? Das sei ferne; denn Gott ist wahrhaftig, jeder Mensch aber lügenhaft“. Noch steht der größere und bessere Teil der Bekenner fest in der Kraft seines Glaubens und in der Wahrheit des Gesetzes und der Zucht des Herrn, und den Frieden der Kirche geben die nicht auf, die sich dessen bewußt bleiben, daß sie in der Kirche von Gott gewürdigt wurden, die Gnade zu erlangen. Und sie ernten gerade dadurch um so reicheren Ruhm für ihren Glauben, weil sie von dem Glaubensbruch derer, die ehedem durch die Gemeinschaft des Bekenntnisses mit ihnen vereint gewesen waren, sich fernhielten und sich so einer Befleckung durch das Verbrechen entzogen. Durch das wahre Licht des Evangeliums erleuchtet, von dem reinen und lauteren Glänze des Herrn umstrahlt, sind sie in der Bewahrung des Friedens Christi ebenso preiswürdig, als sie siegreich waren im Kampfe gegen den Teufel.

Wenn daher die Urheber des Abfalls sich nicht bekehren lassen, so sollen doch wenigstens die von ihnen Verführten durch ihre Rückkehr in den Schoß der Kirche die Einheit wiederherstellen.

Mein Wunsch geht nun zwar, geliebteste Brüder, ebenso wie meine Sorge und meine Mahnung dahin, daß wo möglich keiner von den Brüdern zugrunde gehe und daß die Mutter den einen Leib des einmütigen Volkes freudig in ihren Schoß einschließe. Wenn jedoch mein heilsamer Rat einige Führer der Spaltungen und Urheber des Abfalls, die in ihrem blinden und hartnäckigen Wahnsinn verharren, nicht auf den Weg des Heils zurückzurufen vermag, so machet doch wenigstens ihr anderen euch frei von den Schlingen des Truges, die ihr euch in eurer Einfalt habt fangen oder von Irrtum euch habt verleiten oder durch irgendwelche Ränke trügerischer Arglist euch habt hintergehen lassen! Lenket eure irrenden Schritte zurück von den Abwegen und erkennet den rechten Pfad, der zum Himmel führt! Das bekräftigt der Apostel mit dem Worte: „Wir gebieten euch im Namen des Herrn Jesu Christi, daß ihr euch von allen Brüdern zurückzieht, die unordentlich wandeln und nicht nach der Überlieferung, die sie von uns empfangen haben“. Und wiederum sagt er: „Niemand täusche euch mit nichtigen Worten; denn deshalb kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Werdet also nicht ihre Genossen!“ Zurückziehen muß man sich von den Sündern oder vielmehr sich vor ihnen flüchten, sonst irrt man ab von der Bahn des richtigen Weges und macht sich selbst des gleichen Verbrechens schuldig, indem man sich Leuten zugesellt, die einen schlechten Wandel führen, und auf den Wegen des Irrtums und Verbrechens dahinschreitet. Nur einen Gott gibt es und nur einen Christus, nur eine Kirche und nur einen Glauben und nur ein Volk, das durch den Kitt der Eintracht zu einem festen, einheitlichen Körper verbunden ist. Diese Einheit läßt sich nicht spalten, und der eine Leib kann durch eine gewaltsame Trennung seines festen Gefüges nicht geteilt, kann durch das Zerreißen und Zerfleischen seines Inneren nicht zerstückelt werden. Was immer vom Mutterleib sich trennt, das kann für sich gesondert nicht leben und atmen, das verliert die Möglichkeit des Heils.

Wahre Christen haben vor allem an dem Frieden und der Liebe des Herrn festzuhalten.

Es mahnt uns der Heilige Geist und sagt: „Wo ist ein Mensch, der das Leben begehrt und es liebt, die besten Tage zu sehen? Bewahre deine Zunge vor dem Bösen und deine Lippen, daß sie nicht tückisch reden! Laß ab vom Bösen und tue Gutes, suche den Frieden und strebe ihm nach!“ Den Frieden muß suchen und erstreben der Sohn des Friedens, vor dem Übel der Zwietracht muß seine Zunge bewahren, wer das Band der Liebe kennt und schätzt. Seinen göttlichen Geboten und heilsamen Lehren fügte der Herr noch kurz vor seinem Leiden die Worte bei: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“. Ihn gab er uns als Erbe, alle Gaben und Belohnungen seiner Verheißung versprach er uns für die Bewahrung des Friedens. Sind wir die Erben Christi, so laßt uns im Frieden Christi beharren; sind wir Söhne Gottes, so müssen wir friedfertig sein! „Selig“, heißt es, „sind die Friedfertigen, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden“. Friedfertig müssen die Söhne Gottes sein, sanftmütig im Herzen, aufrichtig in ihren Worten, einträchtig in der Liebe und in Treue miteinander verbunden durch die festen Bande der Einmütigkeit.

So wird dieselbe Einmütigkeit wieder erstehen, die sich zur Zeit der Apostel im Glauben und in werktätiger Liebe wirksam erwies.

Diese Einmütigkeit herrschte dereinst zur Zeit der Apostel. So bewahrte das neue Volk der Gläubigen, den Geboten des Herrn gehorsam, die rechte Liebe. Das bestätigt die [göttliche] Schrift, die da sagt: „Die Schar derer aber, die gläubig geworden waren, war eines Herzens und einer Seele“, und abermals: „Und sie verharrten alle einmütig im Gebete samt den Frauen und Maria, die Jesu Mutter gewesen war, und mit seinen Brüdern“. Und deshalb waren ihre Bitten und Gebete so wirksam, deshalb vermochten sie auch mit Zuversicht alles zu erlangen, was sie von Gottes Barmherzigkeit erflehten.

Von diesem idealen Zustand der apostolischen Kirche sind wir gegenwärtig allerdings weiter als je entfernt, ein Zeichen, daß die Wiederkunft des Herrn nahe ist.

Bei uns aber ist die Einmütigkeit in demselben Maße geschwunden, wie auch die Freigebigkeit im Wohltun zurückgegangen ist. Damals verkaufte man Häuser und Grundstücke, und indem man sich Schätze im Himmel sammelte, brachte man den Erlös den Aposteln, damit sie ihn zum Besten der Armen verteilten. Jetzt hingegen geben wir von unserem Vermögen nicht einmal den Zehnten, und während der Herr befiehlt, zu verkaufen, kaufen wir vielmehr noch hinzu und mehren unseren Besitz. So sehr ist in uns die Kraft des Glaubens dahingewelkt, so sehr die Stärke der Gläubigen erlahmt. Und deshalb sagt der Herr in seinem Evangelium im Hinblick auf unsere Zeiten: „Wenn des Menschen Sohn kommt, meinst du, er wird Glauben finden auf Erden?“ Wir sehen, wie das in Erfüllung geht, was er vorhergesagt hat. In der Furcht Gottes, im Gesetze der Gerechtigkeit, in der Liebe, in der Wohltätigkeit ist keine Glaubenstreue mehr zu finden. Kein Mensch denkt an Furcht vor der Zukunft, keiner achtet auf den Tag des Herrn, auf den Zorn Gottes, auf die schweren Strafen, die über die Ungläubigen kommen werden, und auf die ewigen Qualen, die für die Treulosen festgesetzt sind. Alles das, was unser Gewissen fürchten würde, wenn es gläubig wäre, fürchtet es in Wirklichkeit nicht, weil es eben überhaupt nicht glaubt Wäre es aber gläubig, so würde es auch auf der Hut sein; wäre es auf seiner Hut, so würde es auch entrinnen.

Sorgen wir also dafür, daß uns der Herr am letzten Tage als wachsame Knechte findet, die des Lohnes würdig sind!

Wollen wir uns gegenseitig ermuntern, geliebteste Brüder, soviel wir können; wollen wir den Schlaf der alten Trägheit abschütteln und wachsam sein, um die Gebote des Herrn zu beobachten und zu erfüllen! Wollen wir so sein, wie er selbst uns zu sein geboten hat mit den Worten: „Eure Lenden seien umgürtet und die Lampen brennend und ihr Leuten ähnlich, die ihren Herrn erwarten, wenn er von der Hochzeit kommt, damit sie ihm öffnen, wenn er kommt und anklopft. Selig jene Knechte, die der Herr bei seiner Ankunft wachend findet!“ Umgürtet müssen wir sein, damit wir nicht, wenn der Tag des Aufbruchs kommt, unvorbereitet und ungerüstet betroffen werden. Leuchten und strahlen laßt unser Licht in guten Werken, damit es uns aus dieser Finsternis der Welt zu dem Glänze der ewigen Herrlichkeit emporführe! Laßt uns stets wachsam und vorsichtig der plötzlichen Ankunft des Herrn harren, damit, wenn er anklopft, unser Glaube wach ist und den Lohn seiner Wachsamkeit von dem Herrn empfängt! Werden diese Gebote gehalten, werden diese Mahnungen und Vorschriften befolgt, so können wir nicht vom Teufel tückisch im Schlafe überfallen werden, sondern wir werden als wachsame Knechte herrschen in Christi Reich.

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