Ausgewählte Gedichte des Baläus

Gedicht auf die Einweihung der Kirche in Kenneschrin.

Der volle Titel lautet: „Madrasche des Chorepiskopus Mar Balai auf die Einweihung der in der Stadt Kenneschrin neu erbauten Kirche“. – Die Stadt Kenneschrin [Adlerhorst] liegt in der Nähe von Aleppo auf einem Berge, woher sie ihren Namen hat. Der Dichter führt den Gedanken aus, dass der von der Gemeinde zu Kenneschrin unternommene Kirchenbau ein segensreiches Werk sei, nicht nur für die Förderer und Ausführer des Baues selbst, sondern auch für alle, welche die neu erbaute Kirche im Geiste der Andacht und Eintracht besuchen werden. Denn Gott sei zwar allgegenwärtig und wohne insbesondere im Himmel sowie in den Herzen der Gläubigen, aber seine Gegenwart sei doch nirgends so reich an Gnade und Barmherzigkeit als in der Kirche, weil er hier im hl. Altarssakramente verweile. Während Christus als Richter Furcht errege, sei er in der hl. Eucharistie nur Liebe, Milde und Erbarmen, ganz wie einst als Kind in der Krippe. Dies veranlasst Baläus zu einer langen Abschweifung über den Stern der Magier, nach welcher er mit einer etwas gewaltsamen Schlusswendung auf den eigentlichen Gegenstand seines Gedichtes zurückkommt.

Es freue sich, wer an Deinem Hause gearbeitet hat, weil er seinem Herrn und Schöpfer eine Wohnstätte bereitet hat, und es preise sich glücklich, wer den Heiligen Geist auf das Werk seiner Hände herabsteigen lässt! Denn nun, seit es das Wohnhaus der Gottheit geworden ist, findet man alles Heil daselbst; obgleich die Stätte auf Erden ist, lässt in ihr die Gnade sich antreffen, stets bereit, Barmherzigkeit herabzuströmen. In seinem Hause thront er, uns erwartend, auf dass wir eintreten und ihn um Erbarmen anflehen. Nicht weist er uns ab, damit wir nicht etwa seine, des Erbarmers Wohnstätte verlassen möchten. Denn kein gewöhnliches Haus ist dieses, sondern ein Himmel auf Erden, weil der Herr des Himmels in ihm wohnt. Statt der Engel sieht man da heilige Priester, welche in ihm der Gottheit dienen.

Seine Wohnstätte ist im Himmel, sein Haus auf Erden; ungeteilt ist er hier wie dort gegenwärtig. Willst du über ihn grübeln, so ist er ganz im Himmel; suchst du ihn aber fromm, so ist er ganz auf Erden. Hegst du frechen Dünkel, so ist er dir zu hoch; liebst du ihn aber, so naht er sich dir. Willst du ihn erforschen, siehe, er ist im Himmel; doch, wenn du glaubst, siehe, er ist im Tempel. Wenn du ihn aufsuchst, um über ihn zu grübeln, so entzieht er sich in seiner Himmelshöhe deinen Künsten; wenn du ihn aber andächtig zu schauen verlangst, so naht er sich liebevoll deiner Einfalt.

Deine Kraft ist zwar schwächer als die der Engel, doch ist deine Würde der der Himmelsgeister gleich; jene dienen ihm mit Zittern, wir empfangen ihn vertrauensvoll als Speise. Auf dass man ihn auf Erden finden könne, baute er sich ein Haus unter den Sterblichen und errichtete Altäre als Krippen, damit die Kirche an ihnen das Leben genießen solle. Niemand täusche sich, hier weilt der König! In den Tempel lasst uns gehen, um ihn zu schauen! Da, wo die Krankheit leicht Zutritt findet, steht auch der Arzt, ihrer harrend. Sein Leib ist sichtbar, doch das Feuer verborgen, damit nicht die Hand des Menschen davor zurückschaudere. Furchtbar ist er im Himmel, doch sanft auf Erden, damit man sich nicht scheue, sich ihm zu nahen.

Heilig sind die Fundamente und in Deinem lebenspendenden Namen sind ihre Steine gelegt. Tore der Gerechtigkeit hat man eingefügt, denn in Deinem Namen versammeln sich die, welche durch sie eintreten. Die Vorhöfe ertönen vom Psalmenklange; von denen, die außen, wie von denen, die innen sind, flammt Lobgesang auf gleich Fackeln. Die Stätte ist geschmückt, mit Lobpreis gekrönt, denn es ist ein Tag des Festes und der Feier, ein neues Brautgemach für Christus, den Bräutigam; die Engel freuen sich, die Menschen danken und preisen. Der Altar ist bereit, in Wahrheit gehüllt; vor ihm steht der Priester und entzündet das Feuer. Brot nimmt er, den Leib gibt er; Wein empfängt er und Blut verteilt er. Der Altar von Stein trägt unsere Hoffnung, der reine Priester ruft den Heiligen Geist an, das versammelte Volk stimmt in das Sanktus ein, der König hört es und lässt sein Erbarmen herabströmen.

Das Horn der Eintracht möge auf Erden erschallen: „Versammelt eure Scharen zu Ehren des Hauses! Zum Lohne gibt er, der euch berufen hat, im neuen Hause das neue Leben!“

Wer sich darum bemüht hat, wird Ruhe empfangen: wer daran gearbeitet hat, wird das Leben finden; wer dafür Gelübde getan hat, dessen Besitz wird sich mehren; und wer dazu geschenkt hat, dessen Herden werden fruchtbar sein. Wer mit Kraft sich abgemüht hat, wird Gesundheit und Stärke erlangen; wessen Hand Geschenke dargebracht hat, dessen Reichtum wird zunehmen; wer Gelübde getan hat, wird Hoffnung finden; aber auch das Volk, welches sich hier versammelt, wird mit jenen Anteil erhalten. Denn die Arbeiter haben ja gebaut, damit das Volk zur Kirche komme, und die Kirchenbesucher sind gekommen, weil jene gebaut haben; deshalb hat unser Herr den Besuchern und den Arbeitern einen gemeinsamen Lohn verliehen.

Drei in Deinem Namen Versammelte bilden schon eine Kirche. So bewahre die in Deinem Hause versammelten Tausende, welche in ihrem Herzen eine Kirche errichtet und diese dann zu dem heiligen Tempel, der in Deinem Namen erbaut ist, gebracht haben! Möge die innere Kirche ebenso schön sein, als die äußere prachtvoll ist! Mögest Du in der inneren wohnen und die äußere bewahren, denn Herz wie Haus ist ja mit Deinem Namen bezeichnet!

Die Priester, welche ein Tempel Deines Heiligen Geistes sind, haben für den Bau Deines Hauses Eifer bewiesen. Segne sie, denn Herz und Haus hat durch ihre Arbeit und Eintracht Deinen Namen verherrlicht!

Lange möge der Priester leben, der es erbaut hat! Viele Jahre möge er als Priester wallen in dem von ihm ausgeschmückten Tempel und durch die verborgene Schönheit seiner Seele den offenbaren Schmuck, der die Kirche ziert, noch übertreffen! Er, dessen Herz einen Tempel seines Herrn trägt, möge rein herzutreten in das Heiligtum, und mögest Du, seine gute Absicht wohlgefällig annehmend, ihm für den Bau dieser Mauern seinen Lohn verleihen! Dieses äußere Gebäude verkündet die Gesinnung dessen, der es erbaut hat; denn weil sein Herz innerlich klar und rein ist, hat er an diesem äußeren Bau seine besondere Liebe bewiesen. Der Heilige Geist erhöre den Priester, welcher dem Vater und dem Sohne eine Wohnstätte bereitet hat, er nehme an die Gelübde in Vereinigung mit dem Opfer; denn das Haus und die Gelübde sind Dir geweiht!

Dem David hatte er den Bau untersagt, euch aber hat er dazu aufgemuntert, so dass ihr euch beeifert habt. Der auserwählte David musste auf das Haus verzichten; so freut euch denn, dass ihr bauen und vollenden durftet! Dem Salomo, welcher gewürdigt wurde, den Tempel zu bauen, hatte sein Herr den Krieg verboten. Auch die Priester, welche Jesu dieses Haus errichtet haben, bewahre vor Streit! In Salomos Tagen verlieh unser Herr der ganzen Erde Ruhe und Frieden; ebenso möge er auch in eueren Tagen die ganze Kirche vor Zwietracht bewahren!

Seine Allmacht hätte ebenso leicht selbst ein Haus erbauen können, wie ihr Wink die Geschöpfe ins Dasein gerufen hat. Aber er hat den Menschen gebaut, auf dass der Mensch für ihn baue. Gepriesen sei seine Barmherzigkeit, die uns so sehr geliebt hat! Er ist unendlich, wir sind begrenzt; er baute uns die Welt, wir bauen ihm ein Haus. Wie wunderbar ist es doch, dass Menschen der allgegenwärtigen, alles durchdringenden Allmacht ein Haus erbauen können! Aber er wohnt unter uns sanftmütig und zieht uns liebevoll zu sich, er weilt bei uns und ladet uns ein, auf dass wir alle zum Himmel aufsteigen und bei ihm bleiben mögen. Er ließ sich herab von seiner Wohnstätte und erwählte sich die Kirche, damit wir unsere Stätte verlassen und das Paradies wählen sollen. Gott weilt unter den Menschen, damit die Menschen zu Gott gelangen.

Sein Altar ist bereit und er hält sein Mahl mit uns; seine Herrlichkeit ist für die Menschen hingegeben und sie legen sich zu Tische; wir speisen mit ihm an unserem Tische; einst wird er mit uns an dem seinigen speisen. Angebetet sei seine Herrlichkeit und Majestät! Hier gibt er uns seinen Leib und dort seinen Lohn. Auf Erden steht der Altar, welcher seinen Leib trägt, und im Himmelreich verleiht er ewiges Leben und Glorie. Es empfingen die Jünger das Brot, welches er gesegnet hatte; er nannte es seinen Leib und den Wein sein Blut. „Mit euch in Gemeinschaft habe ich das Sakrament genossen; wiederum werdet ihr es mit mir im Himmelreich genießen“.

Du, o Herr, hast Dich der Erniedrigung unterzogen, dem Mutterschoß und der Krippe, dem Kreuz und dem Grabe, Dem Menschen aber hast Du aus Liebe reiche Gaben verliehen, Himmel und Glorie, Krone und Paradies. Unser irdisches Geschlecht hast Du zum Paradiese berufen; im Himmel ist Deine Allmacht und auf Erden Deine Wohnstätte. Unser Geschlecht hast Du erhöht und Deine Glorie hast Du erniedrigt, um unsere Schmach aufzuheben.

Dein, o Herr, ist das Himmelreich und unser das Haus! Die Erbauer des Hauses aber erlangen dadurch das Himmelreich; denn der Priester bringt in Deinem Namen das Brot dar, aus welchem Du Deiner Herde Deinen Leib austeilst. Wo bist Du, o Herr? Dort im Himmel. Und wo sollen wir Dich suchen? Hier im Heiligtum. Da der Himmel für uns allzu hoch ist, so dass wir ihn nicht erreichen können, siehe, so schauen wir Dich in Deiner Kirche, welche uns leicht zugänglich ist. Dein Thron dort oben ist auf Feuer gegründet, und wer kann es wagen, sich ihm zu nahen? Aber Deine lebendige Allmacht wohnt in dem Brote, und wer da will, kann sich nahen und kosten. Die Gläubigen sehen, wie Du in Deiner Krippe ruhst und wie deine Glorie auf Deine Windeln gewebt ist; vor Deinen Strahlen scheuen sich die Augen, aber Deinen Leib kann die Hand leicht tragen. O wie mächtig und mild bist Du, wie gewaltig und demütig, wie flammend und schonend, wie allwissend und langmütig! Demütig vereinigt er sich mit uns und reicht uns milde seinen Leib; wiederum aber wird er als Richter thronen und nach den Werken das entscheidende Urteil sprechen. Im Himmel ist er gewaltig, auf Erden sanftmütig; er, der das Himmelszelt bewohnt, hat in der Höhle geruht. Verborgen bleibt das Feuer und bewahrt seine Hüllen; wohl hört er den Grimm seiner Feinde, doch seine Liebe duldet ihn.

Das obere Himmelszelt hält ihn nicht zurück, sondern er wohnt im Hause und ist damit zufrieden. Sein Blick macht Gabriel und dessen Gefährten erzittern, aber Maria trug ihn voll Ruhe und Zuversicht. Er legte seine Majestät in den Schoß seiner Mutter und verlieh ihm Stärke, ein solches Gewicht zu tragen; die Flamme suchte die Windeln heim und bewahrte sie doch vor dem Brand.

Demütig lag er in der Krippe, allmächtig brachte er Babel in Aufregung; die Hirten erblickten ein Kind, die Magier verkündigten ihn als König der Könige. Auch Maria mochte wohl von Staunen ergriffen werden, weil allerlei Unerhörtes auftauchte und sie umringte. Denn ihr als Jungfrau war ein Sohn geboren worden, und gleich einem Könige strömten ihm Geschenke zu. Einsam war die Höhle und angefüllt die Krippe, im Schlafe Zion und wachend Babel. Jene, die ihn hasste, verfinsterte sich mitten in seinem Lichte; doch die Kirche liebte ihn und ward durch seine Geburt erleuchtet. Die Levitentochter hatte einen Sohn, den ihr die Töchter Jitros wegnahmen; denn die, welche ihn geboren, hatte ihn misshandelt, aber die, welche ihn hinwegnahm, erkannte ihn an. Er verwarf seine Mutter, weil sie ihn hasste anstatt ihn zu lieben, obgleich sie ihn doch geboren hatte, aber er liebte die Kirche, weil sie ihn aufnahm, in ihren Armen trug und herzte.

Babel brachte die Kunde nach Judäa, Zion hörte davon und erhob sich zum Morde. Infolge der Geschenke, welche Babel sandte, brach sich in Zion neidischer Hass Bahn. Die Magier gingen des Weges vorbei, kehrten ein und betraten Zion. Durch ihre Fragen brachen sie ihm das Herz. Es schlug die heiligen Schriften auf und ward von Zittern ergriffen, denn die Schriften zählen es zu den der Zerstörung Verfallenen. Nachdem die Schriftgelehrten vorgelesen hatten, gaben sie die Erklärung, dass in Betlehem der Messias erstehen werde; aber Zion hatte, schon bevor es die Schriftgelehrten berief, die Seele so gestimmt, dass ihm die von jenen gegebene Erklärung widerwärtig war. Der Stern leitete die Magier so, dass sie sein Geheimnis von den Hebräern lernen sollten. Das Buch, welches Zion wegen des von ihm geborenen Sohnes öffnete, lehrte die Magier die Wahrheit. Sobald sie nach Judäa gekommen waren, erfuhren sie daselbst, dass die Mühen der Reise nicht vergeblich gewesen waren; denn sie hörten die Auslegung dessen, wonach ihre Gedanken vergeblich geforscht hatten, und wurden darüber gewiss.

Der Stern verbarg sich oben für eine Weile, als die heiligen Schriften auftraten und statt seiner redeten; er schwieg am Himmel, als er sah, wie die Schriftgelehrten seine Geheimnisse den Babyloniern deuteten. Als sie die Bücher aufschlugen, senkte er sein Licht, neigte sich herab und leuchtete in ihren Büchern. Nachdem sie die Bücher geschlossen hatten, zeigte er seine Strahlen wieder den Magiern, welche nur gelernt hatten, was er bedeutete. Jene wanderten auf dem Wege und er am Himmel, jene lasen durch die Schriftgelehrten und er in den Büchern; jene kamen nach Betlehem, da stand er über der Höhle; jene gelangten zur Krippe, da strahlte er in den Windeln.

Sein Stern bezeichnet seine Gottheit und deutet das Verborgene und das Offenbare in ihm an. Dass er den Weg zeigte, bedeutet die Gottheit; dass er sich zur Krippe herab senkte, die Menschheit. Der Himmel trug ihn bis nach Zion; in Judäas Stadt erstrahlte er in den Büchern. Er war in den Büchern und auch am Himmel; denn oben und unten ist er der Herr. Die Magier nötigten Zion sich zu erheben und sie aus ihren Büchern zu lehren, was es selbst vergessen hatte. Als nun Micha erschien und es verkündigte, da richteten die Magier ihren Weg geradeaus nach Betlehem. Als ihnen vorgelesen wurde, erfuhren sie erst, weshalb sie die Reise gemacht hatten; nun gingen sie voll Zuversicht weiter, weil sie die Wahrheit aus ihren Büchern erlangt hatten. Zion vermochte nun nicht mehr zu leugnen, denn seine eigenen Bücher verkündigten ihm das Geheimnis. Ihre Vorlesung diente als Zeugnis gegen Zion und widerlegte den Zweifel in ihrem Herzen,

Für alle heiligen Schriften sei Preis Deinem Namen, o Christus, der Du Deiner Kirche die Geheimnisse geoffenbart hast. Denn, wenn sie abirren sollte, so liest sie in den Propheten und kehrt zurück auf den Weg des Glaubens.

Auch von Deinem Hause haben die Propheten geredet, dass es auf dem Gipfel des Berges gegründet sein werde; und gleichwie wir über dasselbe belehrt worden sind, siehe, so haben wir ausgeschmückt die Mauern, in welchen Dein Lobpreis ertönt.

Fünf Loblieder auf den Bischof Akazius von Aleppo.

 

Einleitung

Der handschriftliche Titel lautet: „Madrasche des Mar Balai, gedichtet auf den seligen Bischof Mar Akak, nach dem Metrum: O Herr, in Deinen Gezelten.“ – Demnach hat unsere Überschrift, in der wir den von Baläus gefeierten Kirchenfürsten als Bischof von Aleppo bezeichnen, in der handschriftlichen Überlieferung keine Stütze. Es ist dies eine bloße, allerdings vollkommen sichere Vermutung, und bedarf daher zunächst noch des Beweises.

In der Zeit, welcher nach dem Zeugnis des Barhebräus unser Dichter angehört haben muss, gab es überhaupt nur zwei namhafte syrische Bischöfe, welche den Namen Akazius führten. Es war dies der Bischof Akazius von Amida und der Bischof Akazius von Aleppo, oder, wie diese Stadt bei den Griechen hieß, Beröa. Der Erstere kann wohl nicht gemeint sein, denn sonst würde seine bekannteste Handlung, der vom Kirchenhistoriker Sokrates berichtete Loskauf vieler persischer Kriegsgefangener aus dem Erlös der Kirchengefäße, vom Lobredner gewiss nicht mit Stillschweigen übergangen worden sein. So bleibt also nur Akazius von Aleppo übrig, für welchen außerdem noch folgende positive Gründe sprechen:

1. Aleppo liegt ganz nahe bei Kenneschrin, wo unser Dichter bekannt war. Aus der Biographie des hl. Rabulas wissen wir sogar, dass Akazius von Aleppo ein vertrauter Freund des Bischofs Eusebius von Kenneschrin war.

2. Der von Baläus gepriesene Akazius ist hundert Jahre alt geworden; ebenso wird auch berichtet, dass Akazius von Beröa das hundertste Lebensjahr überschritten habe.

3. Von unserem Akazius wird gerühmt, dass er auf dem Meere und in den vier Himmelsgegenden für die Kirche und ihren Frieden gearbeitet habe. Damit stimmt überein, dass Akazius von Beröa nach Rom reiste, um den Papst Siricius zur Anerkennung des Flavian als Patriarchen von Antiochien zu bewegen und auf diese Weise der durch das Meletianische Schisma hervorgerufenen Spaltung der antiochenischen Gemeinde ein Ende zu machen. Wahrscheinlich hatte auch seine erste Reise nach Rom unter Damasus den Zweck, diesen Papst mit Meletius auszusöhnen. Auf dem Rückwege von seiner zweiten Romreise besuchte er in gleicher Absicht Ägypten. Während des zweiten ökumenischen Konzils hielt er sich in Konstantinopel auf, welche Stadt er auch später mehrmals besuchte, jedoch leider nicht in friedlicher Absicht, sondern um den hl. Chrysostomos zu verfolgen.

Akazius von Beröa ist eine in der Kirchengeschichte viel genannte Persönlichkeit, und es ist schon für das Verständnis der folgenden Loblieder unerlässlich, hier eine kurze Übersicht über seinen Lebenslauf zu geben. Wenn wir dabei genötigt sind, ihn mehrmals als Verteidiger der Ungerechtigkeit und des Irrtums zu zeigen, so bürgt uns nicht nur seine allgemein anerkannte Frömmigkeit und die Hochachtung, welche mehrere der größten Heiligen seiner Zeit für ihn hegten, sondern auch die Bereitwilligkeit, mit der er sich noch in seinem letzten Lebensjahr dem gegen seine eigene Ansicht ausgefallenen Urteil der Kirche unterwarf, dafür, dass er sich auch bei jenen bedauerlichen Agitationen nur durch einen zeitweilig irregeführten Eifer für die Ehre Gottes und das Wohl der Kirche leiten ließ.

Von frühester Jugend an hatte sich Akazius dem asketischen Leben gewidmet. Als sein Lehrer wird ein gewisser Asterius genannt, Schüler des hl. Julianus Saba und Abt eines Klosters bei Gindarus, mit welchem er sich noch um 372 zu dem hl. Julianus Saba begab, um diesen zum Besuch von Antiochien zu bewegen, wo damals Kaiser Valens die Kirche verfolgte. Später wurde er selbst Abt eines Klosters in der Nähe von Beröa. Um das Jahr 374 empfing er hier den Besuch des hl. Epiphanius, dem er später gemeinschaftlich mit einem benachbarten Abt Paulus die briefliche Bitte um eingehende Beschreibung und Widerlegung aller Irrlehren vortrug. Diese Bitte veranlasste den hl. Epiphanius, sein Panarium zu schreiben und es den beiden Bittstellern zu widmen.

Bald darauf treffen wir unseren Akazius in Beziehungen zum hl. Basilius. Die Kirche von Beröa hatte ihn im Jahre 375 als ihren Abgesandten zu dem großen Kirchenvater geschickt, um diesem die ihr von den Arianern bereiteten Verfolgungen zu schildern. Im folgenden Jahre erhielten Akazius und mehrere andere Anachoreten von Basilius einen Trostbrief wegen der Beraubung und Vertreibung, die sie von den Häretikern zu erdulden hatten. Um diese Zeit scheint Akazius auch im Auftrag des Bischofs Meletius von Antiochien seine erste Reise nach Rom unternommen zu haben; wenigstens wissen wir, dass er bei einer vor dem Papst Damasus gehaltenen Disputation gegen die Apollinaristen zugegen war. Doch da dieser Umstand bereits Beziehung auf das meletianische Schisma hat, welches in den Lebensschicksalen unseres Akazius eine so bedeutende Rolle spielt, müssen wir etwas weiter ausholen, um Entstehung und Verlauf jener Spaltung kurz anzudeuten.

Nachdem der hl. Eustathius in den letzten Regierungsjahren Konstantins verbannt worden war, verwüsteten arianische Bischöfe die Kirche von Antiochien, bis im Jahre 360 Meletius zum Bischöfe gewählt wurde, der, obgleich von den Arianern eingesetzt, doch von Anfang an das katholische Glaubensbekenntnis verteidigte. Viele Katholiken erkannten ihn deshalb als rechtmäßigen Bischof an, während andere ihm misstrauten; für diese weihte Luzifer von Calaris einen Gegenbischof Paulinus, mit welchem der hl. Athanasius und der römische Stuhl Kirchengemeinschaft unterhielt, während fast der ganze Orient auf Seite Meletius trat. Da der hl. Stuhl den orientalischen Bischöfen, die wie der hl. Basilius den Meletius anerkannten, deshalb seine Gemeinschaft nicht entzog, so stand Meletius wenigstens indirekt auch in Gemeinschaft mit Rom, und wir können es daher entschuldigen, dass unser Akazius mit allem Eifer gegen Paulinus für Meletius wirkte und den hl. Papst Damasus für letzteren zu gewinnen suchte. Dagegen müssen wir einen anderen Schritt, welchen er in dieser leidigen Sache tat, auf das strengste tadeln.

Akazius nämlich, der schon bei seinem Zusammentreffen mit dem hl. Epiphanius die priesterliche Würde besaß, wurde kurz vor dem zweiten ökumenischen Konzil zu Konstantinopel, dem er beiwohnte, zum Bischof von Aleppo oder Beröa als Nachfolger des Theodotus erwählt. Eine seiner ersten Amtshandlungen war nun leider die Fortsetzung der Spaltung zu Antiochien, indem er nach dem Tode des Meletius einen Nachfolger für denselben in der Person Flavians weihte. Infolge dessen beschloss ein im Jahre 382 zu Rom versammeltes Konzil, nur den Paulinus als rechtmäßigen Bischof von Antiochien anzuerkennen, den Flavian ganz zu ignorieren, seine Konsekratoren Akazius und Diodor von Tarsus aber wegen ihrer fast mutwilligen Störung des Kirchenfriedens zu exkommunizieren. Bald nach der Konsekration des Flavian begleitete ihn Akazius zum hl. Einsiedler Marcian.

Paulinus starb im Jahre 388, weihte sich aber kurz vor seinem Tode in unkanonischer Weise selbst den Evagrius zum Nachfolger. Eine Folge dieses bedauerlichen Schrittes war, dass die abendländischen Bischöfe im nächsten Jahre auf dem Konzil zu Kapua beschlossen, die Kirchengemeinschaft mit allen rechtgläubigen Bischöfen wiederherzustellen, die Ansprüche des Flavian und Evagrius aber der schiedsrichterlichen Entscheidung des Patriarchen Theophil von Alexandrien zu überlassen. Aber erst im Jahre 398, nachdem Evagrius bereits gestorben war, gelang es dem hl. Chrysostomos, der Kirche von Antiochien den Frieden und die Gemeinschaft mit Rom wieder zu verschaffen. Eine Gesandtschaft, an deren Spitze Akazius stand, begab sich nach Rom, um dem Papst Siricius die Ernennung des hl. Chrysostomos zum Patriarchen von Konstantinopel anzuzeigen und zugleich die Anerkennung des Flavian zu erbitten. Nachdem die Gesandtschaft in Rom den vollständigsten Erfolg gehabt hatte, kehrte sie über Ägypten nach Syrien zurück, und die orientalischen Bischöfe schrieben das Verdienst, den kirchlichen Frieden wiederhergestellt zu haben, hauptsächlich dem Akazius zu, den sie ihren Vater nannten. Gerne erwähnen wir hier, dass dieser einst so heftige Gegner des Paulinus denselben in einem gegen Ende seines Lebens geschriebenen Brief „den seligen“ nennt.

Die dunkelste Seite an unserem Akazius aber bleibt sein Verhältnis zum hl. Chrysostomos, dessen erbittertster Gegner er war, wenn auch nicht, wie Palladius behauptet aus gekränkter Eitelkeit. Jedenfalls wirkte er auf den berüchtigten Synoden zu Konstantinopel in den Jahren 403 und 404 auf das eifrigste zur ungerechten Absetzung jenes großen Heiligen mit. Außerdem weihte er im letzteren Jahre nach dem Tod des hl. Flavian einen Feind des hl. Chrysostomos, namens Porphyrius, zum Bischof von Antiochien, den aber Rom niemals anerkannt hat. Nun traf unseren Akazius zum zweiten Male der Bannstrahl der römischen Kirche, dieser unerschrockenen Rächerin des Unrechts. Als jedoch der Nachfolger des Porphyrius, Alexander, eine Gesandtschaft an Papst Innozenz I. schickte mit dem Versprechen, den Namen des hl. Chrysostomos wieder in die Diptychen aufzunehmen und mit der Bitte um Aufhebung der Exkommunikation, legte auch Akazius einen Brief bei, in welchem er seine friedliebende Gesinnung beteuerte. Der Papst erklärte zwar, er habe das Schreiben des Akazius nur aus Achtung gegen Alexander angenommen, beantwortete es aber doch, indem er zugleich den Alexander beauftragte, dafür zu sorgen, dass Akazius alle vorgeschriebenen Bedingungen der Rekonziliation erfülle. Dies scheint geschehen zu sein, denn Akazius beteiligte sich später mit Alexander an einer Bischofsweihe. Theodotus, der Nachfolger Alexanders, wünschte den Namen des hl. Chrysostomos wieder aus den Diptychen zu entfernen, musste aber aus Furcht vor dem Volke von diesem Versuche abstehen. Darauf ließ er durch Akazius die Patriarchen Attikus von Konstantinopel und Cyrill von Alexandrien brieflich ersuchen, ihm ihren moralischen Beistand zu leihen und ihm durch ausdrückliche Sendschreiben von der Kommemoration des hl. Chrysostomos abzuraten. Dieser Plan misslang zwar, ist aber ein schmerzlicher Beweis dafür, dass Akazius selbst damals seine feindliche Gesinnung gegen den einst von ihm verfolgten Heiligen noch nicht aufgegeben hatte.

In seinen beiden letzten Lebensjahren finden wir den Akazius wieder in hervorragender Weise an den nestorianischen Streitigkeiten beteiligt. Kurz vor dem ökumenischen Konzil von Ephesus beantwortete er einen Brief des hl. Cyrill mit warnenden und mahnenden Worten, indem er ihn bat, den dogmatischen Streit mit Nestorius zu unterlassen. Wegen seines hohen Alters konnte er nicht persönlich auf dem ephesinischen Konzil erscheinen, sondern ließ sich durch den Bischof Paul von Emesa vertreten, welcher sich auf die Seite des Patriarchen Johannes von Antiochien und seines Gegenkonzils stellte. Ja, Akazius selbst ließ sich dazu verleiten, anfangs in diesem Sinne zu wirken und an den kaiserlichen Hof um Absetzung des hl. Cyrill und des Bischofs Memnon von Ephesus zu schreiben. Doch im Jahre 432 änderte er seine Gesinnung, verwandte seinen Einfluss in Konstantinopel zugunsten des kirchlichen Friedens und ließ dem hl. Cyrill durch Johannes von Antiochien mitteilen, dass er den Nestorius verwerfe, das Konzil von Ephesus anerkenne und mit den rechtgläubigen Bischöfen Gemeinschaft haben wolle. Es war hohe Zeit, diesen heilsamen Schritt zu tun, denn noch im selben Jahre starb der ehrwürdige Greis im Alter von 110 Jahren, nachdem er ein halbes Jahrhundert hindurch die Kirche von Aleppo regiert hatte. Sein hohes Ansehen in der Kirche, das er trotz aller Unbegreiflichkeiten seines öffentlichen Auftretens genoss, beruhte nicht nur auf der Ehrerbietung, welche sein fast beispiellos hohes Alter einflößte, sondern auch auf seiner persönlichen Heiligkeit. Denn schon in seinem Mannesalter hatte er sich die Bewunderung seiner gefeiertsten Zeitgenossen erworben. Ein Basilius und ein Epiphanius schätzten ihn hoch; der hl. Anachoret Eusebius von Telada, dessen Leben Theodoret nach den Berichten des Akazius beschrieben hat, wählte ihn zu seinem geistlichen Ratgeber. Die syrische Biographie des hl. Rabulas erwähnt ihn in der anerkennendsten Weise; hatte doch unser Akazius einen hervorragenden Anteil an der Bekehrung des Rabulas; ebenso nahm er an jener Bischofsversammlung zu Antiochien teil, welche Rabulas zum Bischof von Edessa wählte.

Die folgenden Loblieder bringen zwar keine Erweiterung oder Berichtigung dessen, was wir bereits über seine äußeren Schicksale wissen; dagegen entwerfen sie ein schönes Bild von der Heiligkeit, den Tugenden und der pastoralen Tätigkeit dieses merkwürdigen Bischofs. Das letzte Gedicht zeichnet sich durch wahre Erhabenheit aus.

O du unser Vater, erweise mir Gnade nach deiner Gewohnheit und bitte deinen Herrn für mich, auf dass er mir verleihe, dein Lob zu singen! Wenn du mir dies nicht abschlägst, so wird es mir auch dein Herr nicht verweigern, sondern er wird den Mund öffnen und mir meine Bitte gewähren nicht wegen meines, sondern wegen deines Verdienstes Alle preiswürdigen Tugenden fanden sich in deiner Wohnung vereinigt und deine Zunge war eifrig bemüht, Heiligkeit auszusäen. Dein Blick legte der Jugend Zügel an und dein Auge prägte den Jünglingen Behutsamkeit ein zur Bewahrung der Keuschheit. Wer dein Wort hörte, glaubte schon; wenn nicht, so betrachtete er deinen Wandel und ward alsdann fest überzeugt, dein Wirken legte Zeugnis für dich ab. Die Liebe Gottes ließest du in deinen Werken wohnen, und nachdem du sie selbst erworben hattest, teiltest du sie durch Worte aus, damit du viele Teilnehmer hättest. Über die Starken freute sich dein Herz und die Schwachen stärkte deine Stimme, auf dass sie mit den Starken wandern könnten. Den, der da hatte, ermahntest du, dass er es nicht verlieren möge, und wer da Mangel litt, der wurde von dir belehrt und arbeitete angestrengt, damit er etwas erhalten möchte. Der Reiche hörte von dir, er möge sich einen Schatz als seinen Anteil bewahren, nicht schlummern noch schlafen, damit nicht die Räuber kämen und ihm seinen Erwerb hinwegnähmen. Den Beraubten aber ermahntest du täglich, er möge sich doch die ihm von den Räubern entrissenen Schätze durch Tränen und Buße wieder verschaffen. Den Gefallenen reichtest du die Hand, damit sie wieder aufstünden; die Stehenden stützest du durch dein Wort, auf dass sie nicht fallen und zugrunde gehen möchten. Die Liebe zum Besitze hattest du von dir abgestreift, o Kämpfer, und auf dem Kampfplatz rang nur dein nacktes Ich und siegte, weil es sich aller Dinge entäußert hatte. Ohne Furcht wandertest du vorbei am Hinterhalte der Räuber, denn nur dein nacktes Selbst ging durch die Welt hindurch, nicht Reichtum, sondern Liebe mit sich tragend. Den Erwerb, den du dir verschafft hattest, legtest du jedem vor, denn dir war er ein Trost, und anderen eine Mahnung, gleich dir zu arbeiten. Der Böse versuchte gegen dich seine Ränke, aber sie wurden zunichte; denn obgleich du das Gewand des Leibes an dir trügest, konnte dich sein Pfeil nicht durchbohren, da dir das Fasten als Panzer diente. Weil dich dein Leib nicht verriet, vermochte dich auch der Böse nicht zu überwinden. Deine Festung ward nicht eingenommen, denn es erhob sich keiner gegen dich, der schlauer als du gewesen wäre. Deine Seele riet dem Leibe zur Arbeit und ward von ihm erhört; der Leib, der ihr half, richtete sich nach ihrem Rate, so dass beide Nutzen davon hatten. Der Leib verließ seine Gewohnheiten und schloss sich der Seele an; als diese nun sah, dass er ihr nachfolgte, reichte sie ihm ihre Speise, nämlich Fasten und Gebet. Und als sich dein Leib an die Sitten deines Geistes gewöhnt hatte, weil ihm dessen Nahrung gefiel, so verwandelte er sich und wurde selbst geistig, um seine Nahrung nicht zu verlieren. Und er erwarb sich gute Werke als Flügel, um zugleich mit der Seele hinwegzufliegen und nach dem Lichte Edens zu gelangen.

Nur ein einziges Ich hattest du zwar, o greiser Vater, aber Tausende von Zierden, deren jede einzeln für sich betrachtet die andern zu übertreffen schien. Wer es sah, staunte und wunderte sich, wie in einem einzigen Menschen die Ebenbilder so vieler verschiedener Heiligen vereinigt sein konnten. Deinem Leibe war deine reine Jungfräulichkeit eingepflanzt; ihr Glanz blieb in dir, weil ihre Furcht in dir Bestand hatte; darum bereicherte sie dich mit ihrer Kostbarkeit. In dir verbreitete sie ihr Licht, weil sie dich als geeignete Wohnung erfunden hatte, und obgleich sie verborgen war, strahlte ihr Glanz doch aus dir hervor, damit auch du durch sie geziert werden möchtest. Dagegen hatte auch dein Wille die Lust aus deinem Leibe vertrieben, damit du die Unreinheit nicht erst wieder abwaschen müßtest, welche die Klarheit einer reinen Seele trübt. Nie verweilte auch nur vorübergehende Lüsternheit in deinem Leibe; deshalb brauchte auch deine keusche Jungfräulichkeit nicht zu zürnen, sondern blieb dein ganzes Leben hindurch bei dir.

Neben der Reinheit glänzten aber auch ihre Freundinnen, das Fasten und das Almosengeben, indem sie in deinem Tempel die Keuschheit unterstützten. Bleibend ist dir das Gute, das du den Notleidenden gespendet hast; nicht unvergolten lässt es das Haus, in welchem du es niedergelegt hast, sondern im Himmel wirst du den Lohn dafür empfangen. Deine Stärke, o Held, hat alle Schwierigkeiten in dir überwunden; denn die Fesseln deines Leibes zerschnitt dein Wille mit dem Schwerte deiner Keuschheit. Offen und deutlich zeigten sich schon in deinem Äußeren alle diese Tugenden, von denen wir gesprochen haben, obgleich wir noch viele mit Stillschweigen übergangen haben.

Den Glanz deiner Kindheit bewahrte dein Jünglingsalter, denn vom Mutterschoße an warst du rein und bis zum Grabe heilig; in der Auferstehung wirst du zu den Auserwählten gehören. Rein war deine Geburt und heilig dein Hingang; gleichwie dich die Geburt in die Welt einführte, so empfing dich der Tod und überlieferte dich schuldfrei dem Grabe. Und weil das Grab deine Reinheit nicht behalten kann, so gebiert es dich wieder und übergibt dich dem Schoße des Himmelreiches, indem deine Zierde dir immer noch anhaftet. Dein Kampf zog sich in die Länge, aber dein Sieg wurde nur um so herrlicher; denn je länger er sich hinzog, um so überwältigender wurde seine Übermacht und sein Triumph. Sonst wird den Greisen der Kampf schwer, der den Jünglingen leicht fällt; aber über die angestrengte Arbeit deines Greisenalters staunten die Jünglinge und konnten dich nicht überholen, wie sehr sie auch liefen. Stark war dein Fuß beim Wandeln auf dem Wege; denn deine Reinheit säuberte den Pfad von Steinen, um furchtlos wandeln zu können. Dein Leib war schwach, aber deine Arbeit gewaltig, dein Körper war klein, aber deine Tätigkeit groß, denn dein Herr war deine Stärke. Abtötung machte deinen Leib fast zum Leichnam, denn du züchtigtest ihn bis an die Grenze der Vernichtung. Welches Wunder! Dein Leib war dahingeschwunden, während doch die Seele immer noch wach in ihm blieb! Nicht bedrängten die Angelegenheiten des Leibes deine Seele, denn deine Reinheit trieb die Gewohnheiten des Fleisches hinweg, um deinen Geist zu retten. Deine Ferse trat stets auf das Haupt der Schlange, damit sie dich nicht etwa biss, während du deine Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenktest und du so durch sie den Tod erlittest. Und dein Herr, den du liebtest, stärkte deine Gesinnung, dass du in ihr beharrtest und die schlangengleichen, dem Fleische entstammenden Gedanken tötetest. Alle Lüste schliefen und schwiegen in dir, ja sie waren erstorben, denn als ihre Monate herannahten, kam ihre Brut nicht zum Vorschein. Die Wahrheit gebarst du, die Sünde tötetest du; denn dein Wille schlachtete gleich einem Schwerte alles Böse und rief das Gute ins Leben. Weil du deinen Leib überwandest, hast du die Festung in deine Gewalt gebracht. Wer der Herrschaft seines Leibes zu entgehen versteht, den kann niemand besiegen; indem du jenen besiegtest, hast du alles besiegt. Pinhas der Eiferer tötete die beiden Unreinen, welche vor ihm Frevel begingen, weil er zuvor durch die Kraft seiner Reinheit den eigenen Leib besiegt hatte. Auch dir, o Seliger, riet dein Eifer, deinen Leib abzutöten und deiner Seele Gehör zu schenken, damit beiden das Leben zuteil werde.

Nach Art eines Künstlers schmiedetest du eine Waffenrüstung und bekleidetest damit umsonst die Leiber der Menschen, auf dass sie gleich dir siegen sollten. Zur Zeit des Kampfes zogst du voran, und wenn es Friede war, arbeitetest du an der Rüstung, um die anderen damit zu bekleiden. Du lehrtest aber nur das, was du selbst tatest und tatest das, was dein Herr zu tun befohlen hatte. Was dein Mund redete, bezeugte dein Wandel als Wahrheit; denn dein Schoß war angefüllt mit den Früchten deiner Predigt, mit Taten und guten Werken. Das, was man aus deinem Munde hörte, sah man auch an deinem Leibe; dein Wandel bestätigte durch Worte und Werke die Rede deiner Zunge. Die Gebote der Heiligen Schrift zeigtest du an dir selbst in einem lebendigen Beispiel; denn das, was du predigtest, tatest du zuerst selber. Was du tatest, schrieb dein Mund allen als Gesetz vor, und dem Ohr, welches dich hörte, bezeugte das Auge, dass deine Lehre in dir selbst lebte. Deine Lehre, o Vater, war süß für den Hörer; denn die Rede deiner Zunge war gleichsam ausgegossen über deine Gestalt und die Augen konnten dafür Zeugnis ablegen. Nicht einmal in Gedanken konnten dich die Zuhörer tadeln, denn das Wort deiner Zunge war durch das Strahlen deines Geistes auch an deinem Leibe ausgeprägt. Ohren und Augen hörten und sahen die Wahrheit; denn während das Ohr horchte, weidete sich auch das Auge an dem Gehörten und Geschauten. Du lehrtest schön, weil du es auch selbst übtest, und deine Worte wurden wegen deiner guten Werke freundlich aufgenommen, denn dein Herr war in dir wirksam.

Wer vermochte wohl die Früchte deiner Predigt aufzuladen und davonzutragen? Du aber ertrugst die ganze Last der von dir abgeschnittenen Ernte, und deine Zunge legte sie den anderen vor.Der Baum war nur ein einziger, aber seine Früchte waren zahlreich; an einem einzigen Menschen strahlten die unzähligen Zierden, die über dich ausgebreitet waren. Die Augen schlürften den Anblick der Ordnung in sich ein und die Ohren die reine Stimme, die aus deinem Munde ertönte. Täglich wurden die Früchte von deinen Zweigen abgepflückt und alsbald andere an ihrer Stelle hervorgebracht, denn täglich wurden solche erzeugt. Dein Herr war deine Zuversicht, welcher dich an die Wasser des Lebens gepflanzt hatte, wo du täglich Früchte der Vollkommenheit hervorbrachtest. Der Apostel schrieb das Buch des Geistes und du empfingst es; er erstaunte über dich, weil du es öffnetest und nicht nur vorlasest, sondern auch beobachtetest. Er wies dir durch seine Gebote die mannigfaltigsten Wege und du folgtest ihm nach, fähig, die Pfade zu wandern, die dir der Wegführer zeigte, Durch den Schmelztiegel seiner Leiden ging auch dein freier Wille hindurch; auf seine Leiden schautest du hin, über die deinigen freutest du dich, weil deine Mühsal der seinigen ähnlich war. Auf dem Meere und auf den Seen predigte er und ward verfolgt; siehe, auch du hast auf dem Meere und in allen vier Himmelsgegenden für die Kirche gearbeitet. Jene Sorgfalt, von welcher der Apostel schrieb, hast auch du angenommen und an allen Orten für die Kirche gewirkt, um deinem Herrn Wohlgefallen zu bereiten. Durch deinen Frieden zerstörtest du die Mauer der Zwietracht und erniedrigtest durch Liebe die Höhen des Zorns, damit die Kirche Frieden hätte. Die schwere Last kam dir leicht vor, ja du fügtest noch weitere Mühe hinzu, weil du des deiner Arbeit bestimmten Lohnes gedachtest.

Deine Fürbitte habe ich angerufen und deinen Lobpreis dargebracht. Möge durch dich meine Zunge Frucht bringen, weil mein Herz dich liebt! Möge ich deinem Herrn um deinetwillen Wohlgefallen!

Ich nehme mich deines Lobpreises an, damit ich von dir Hilfe erlange; denn ich liebe deine Liebe, welche den sich mit ihr beschäftigenden Geist niemals leer entlässt. Täglich bitte ich, dass ich meinen Blick auf dich zu richten vermöge; und da mein Geist sich an dir erfreut, so möge meine Bitte durch deine Vermittlung wohlgefällig aufgenommen werden und meine Liebe dich besitzen! Mein Nachdenken beschäftigt sich mit dir, aber meine Zunge bereitet ihm Schwierigkeiten; denn die äußere Rede kann das Verborgene nicht ausdrücken, was der Geist in sich überdenkt. Wer über dich staunen wollte, brauchte nur zu kommen, um dein armseliges Haus und deine freigebige Hand anzuschauen, welche, ehe sie noch gebar, schon wieder empfing. Täglich streutest du aus, und doch mehrte sich dein Vorrat; deine weit geöffnete Hand konnte den in ihr enthaltenen Reichtum nicht erschöpfen, denn dein Herr gab dir stets. Ärmlich war dein Haus, aber reich deine Hand, denn täglich war sie angefüllt mit Lebensunterhalt für die Hungernden, mit Früchten der Barmherzigkeit. Unser Herr versah deine gewohnte Freigebigkeit stets mit Vorrat, damit du deine Gewohnheit immer beibehalten könntest, nachdem du dir das barmherzige Wegschenken angewöhnt hattest. Die Gemächer deines Hauses waren leer und ausgeräumt, aber die Höhlungen deiner Hände waren angefüllt und gossen für die Hungrigen Sättigung aus, Deine Hand wurde nicht erschöpft, denn noch größer war dein Schatz. So eifrig du auch wegzugeben bestrebt warst, so übertraf dich doch dein Vorrat, denn dein Herr ist größer als du. Da du seine Gebote erfülltest, so tat er deinen Willen; wenn du ihn anriefst, erhörte er dich und häufte Schätze für dich auf, damit deine Hand gepriesen würde. Du empfingst von deinem Herrn Ersatz für das deinige, ja er verdoppelte und vermehrte ihn noch, damit du auch die anderen lehren solltest, es dir abzusehen und dir nachzuahmen.

Mit einer gleichsam gierigen Liebe verlegtest du dich auf das Fasten und ließest durch deine Schonungslosigkeit deinen Leib fast auf Haut und Knochen zusammenschrumpfen; denn dein Festmahl suchtest du im Paradiese. Weder aßest du gierig noch fastetest du hochmütig; du verteiltest die Gewichte je nach der Fähigkeit der Träger, und dies alles verschaffte dir die Krone. Selbst wenn du aßest, übtest du das Fasten; die Speise deines reinen Tisches war wie ein Fasten, weil du durch sie nur dein Leben fristen wolltest. Damit dein Leib nicht erliege und seinen mühevollen Lauf aufzugeben genötigt werde, zwangst du ihn, sich zu ernähren, auf dass sich nicht die Seele aus ihm entferne, bevor sie ihren Weg vollendet hätte. Kein noch so tüchtiger Faster konnte dich, den Greis, übertreffen; aber wenn dir Schwache Gesellschaft leisteten, so mildertest du dein Fasten, so dass sie gleichen Schritt mit dir halten konnten. Dein Fasten war nicht hochmütig gegen die Schwachen, und dein Mund trug keine Enthaltsamkeit zur Schau gegenüber den Essenden, auf dass du allen alles würdest. Ein Wunder sahen wir an dir, weswegen wir deine Einsicht preisen wollen; denn dein Essen war ein Fasten und dein Fasten ein Essen, beides nur ein einziges Werk. Du aßest nämlich, um nicht kraftlos zu werden, und fastetest, um nicht zu straucheln. Das Essen gereichte dir zur Erhaltung und das Fasten zum Nutzen. Möge dein Vorbild in uns lebendig bleiben!

Du erfülltest das Gebot der Hl. Schrift und aßest nicht allein; deshalb fastetest du so, dass du allen alles sein und auch den Tischgenossen nützen konntest. Dein Tisch wirkte ebenso heilsam wie deine Predigt; denn dein heiliger Mund pries Gott würdig und aß mäßig. Sein Reden war göttliches Geheimnis und sein Essen Mäßigkeit; er predigte über das Fasten und hielt seine Lippen von den Speisen fern, um sein Wort auf sich selbst anzuwenden. Dein Fasten nützte uns, aber auch dein Tisch förderte uns; denn das Ohr ward durch dich entzückt und der Magen wies, durch dich belehrt, die verächtliche Lust von sich. Jedem, den du belehrtest, warst du ein lebendiges Vorbild, damit sich der Apostel darüber freuen könne, dass du seine Vorschriften erfülltest und in deiner Person zur Darstellung brachtest. In der Kirche zeigte sich deine Heiligkeit, auf der Straße deine Keuschheit. Du trugst die Kirche in deinem Herzen, an welchem Orte auch immer dein heiliger Leib wandeln mochte. Die Herde, welche dich liebte, begleitete dich überall, um aus deiner Stimme Nutzen zu schöpfen und sich an deinem Anblick zu weiden, indem sie sich dein Auftreten zum Muster nahm.

Dieses ergreifende Gedicht legt Baläus dem Bischof Akazius selbst in den Mund, und zwar als eine vertrauliche Unterredung des sterbenden Greises mit Gott, in welcher er seine Freude über das Ende des langen, ungewissen Lebenskampfes ausdrückt und um die himmlische Seligkeit bittet.

Jetzt will ich mich rühmen, denn mein Kampf ist beendet und Du wirst mich erhören, o mein Erlöser, weil ich die Zuversicht besitze, dass ich Dein Gebot nicht übertreten habe. Erst zur Zeit des Scheidens ziemt sich das Rühmen, denn vor der Todesstunde hat man keine Sicherheit, weil das Leben voll Gefahren ist. Alle Tage meines Lebens wandelte ich in Furcht, denn stets musste ich wegen meines Strebens in Sorge sein; jetzt hat die Furcht aufgehört. Der Tod ist ein Siegel, welches den Erwerb sicherstellt; denn er nimmt den Lebenslauf in Empfang und übergibt einem jeden den für seine Arbeit hinterlegten Lohn. Der Leib löst sich auf, aber die Werke werden aufbewahrt. Dereinst werden auch die Leiber wieder auferweckt, alsdann führt man die Werke vor und bemisst nach ihnen die Vergeltung. Im Staube schweigt der Leib eine Zeit hindurch, aber wenn auch seine Tätigkeit aufgehört hat, so werden doch seine Arbeiten nicht vergessen; denn ihr Aufzeichner ist allwissend. Wir vergessen wieder, was wir selbst getan haben, aber du hebst unsere Taten auf; zur Zeit der Auferstehung werden die von uns einst vollbrachten Werke vorgelesen werden, so dass wir sie hören. Wenn jemand seine guten Handlungen vergessen hat, so sprießen sie alsdann vor seinen Augen wieder hervor. Wohl dem, welcher dann sieht, dass die Zahl seiner bösen Taten nicht die seiner guten übertrifft.

In der Welt fürchtete ich mich, Dir von meinen Arbeiten zu erzählen, denn der Böse legte mir auf mannigfaltige Weise Schlingen; jetzt aber bin ich seinen Netzen entronnen. An Deiner Türe habe ich bei Tag wie bei Nacht gestanden; denn ich habe erfahren, dass Du die Anklopfer nicht leer entlassest, wenn sie geduldig ausharren. Mein Leben ist in Deinem Dienste bis auf hundert Jahre gekommen, und am letzten Tage habe ich so eifrig gearbeitet wie am ersten, um mir Dein Wohlgefallen zu erwerben. Meinen geistlichen Kindern will ich statt eines Schatzes die Mahnung hinterlassen, sich gute Werke zu erwerben, die am Tage des Todes Ruhm bereiten. Ich habe auf Dich, o mein Erlöser, gehört und Dein Gebot bewahrt; nun bitte ich um eine solche Sterbestunde, wie sie den Gerechten, die Dir anhangen, verheißen ist.

Täglich hat Satan seine Kampfesart gegen mich verändert, doch mit dem Schilde meines Glaubens habe ich seine Pfeile abgewehrt und seine Siegeshoffnung zuschanden gemacht. Keinen Riss bewirkte die Lust an meinem Panzer, und keinen Eingang fand die Lanze an der Rüstung, die mir der Schmelztiegel gegossen hatte. Der Böse saß da, mir nachstellend, und konnte mich nicht fangen; er sah mich an und es schmerzte ihn, dass er Deinem Diener auch nicht eine einzige schimpfliche Wunde zu schlagen vermochte. Ich ging durch seine Nachstellungen hindurch, ohne dass mich seine Netze hinderten; ich stand im Kampfe mit ihm und bewahrte meine Glieder vor Verletzung durch seinen Pfeil. Nicht fing mich seine List, nicht ritzte mich sein Schwert; ich trat seine Schlingen nieder, schritt durch seine Pfeile hindurch und bin als Sieger herausgekommen. Bei meinem Tode freust Du Dich, weil ich mich rein bewahrt habe; aber mein Feind trauert, weil mich seine List nicht überwunden und sein Pfeil nicht beschädigt hat. Diese Freude begleitet mich, dass mein Scheiden Dich erfreut, und über die Trauer meines Feindes jubelt mein Geist noch mehr, weil ich ihm entgangen bin und er mich nicht ergreifen konnte. Du hattest mich mit dem Bösen allein gelassen, damit ich mit ihm kämpfen sollte, und ich habe Deinen Ruhm nicht gemindert; denn Dein Knecht ist von dem Feinde Deiner Wahrheit nicht besiegt worden. Mit Deiner Hilfe, o mein Erlöser, habe ich seinen Ansturm abgeschlagen. Täglich kämpfte er und ward täglich zuschanden; durch Deine Waffe habe ich ihn überwunden.

Nicht besiegte er mich durch seine Angriffe, weil mir Deine Gnade beistand; da änderte er seine Kampfesart und nahte mir mit Schmeichelei. Als ich ihn aber erkannte, verachtete ich seine Lüste. Ich verschmähte seinen Wein, weil ich Deines Essigs gedachte. Ich verachtete die Leckerbissen, weil ich an die Galle dachte, die Dir seine Diener reichten. Dir kreuzigte ich mein Leben, weil ich Deines Kreuzes eingedenk war. Zu Dir breitete ich meine Hände aus, weil ich die Deinigen am Kreuze ausgespannt schaute. Deine Schmach hörte ich und verachtete meine Ehre. Deiner Verspeiung gedachte ich und zwang mich zum Ertragen und Erdulden, Wegen des Gewandes, welches man Dir ausgezogen hatte, verschmähte ich kostbare Gewänder; da ich also durch mein armseliges Kleid Deine Schmach ehren wollte, so führe mich in Deine Glorie ein!

3. Gebete und Hymnen

Einleitung

Da uns die folgenden Gedichte des Baläus nur durch ihren Gebrauch im Gottesdienst der syrischen Kirche erhalten sind und sogar schon vom Dichter für die liturgische Verwendung bestimmt scheinen, sind zum Verständnis derselben einige Bemerkungen über den bei den Jakobiten und Maroniten üblichen westsyrischen Ritus unerlässlich.

Die kanonischen Tagzeiten sind bei den westlichen Syrern, abgesehen von kürzeren Orationen, von Lektionen aus dem Evangelium, dem, Martyrologium und patristischen Homilien, von Proklamationen oder Litaneien des Diakons und von den am Schluss der Horen erteilten Benediktionen, aus folgenden Hauptbestandteilen zusammengesetzt:

1. Psalmen, welche mit jedem Wochentag sowie an höheren Festtagen wechseln, so dass durch dieselben eine periodisch wiederkehrende Rezitation des ganzen Psalteriums hergestellt wird.

2. Ständige Psalmen, welche einer Hore für alle Tage angewiesen sind. Diese werden aber gewöhnlich mit einem wechselnden Hymnus in der Weise verflochten, dass nach je zwei Psalmversen sowie nach der Schlussdoxologie jedesmal eine Strophe eingeschaltet wird. In der Matutin werden derartige Hymnen unter dem Namen Kanones auch mit sämtlichen alttestamentlichen Canticis verbunden. Auch das Magniftkat, die Seligpreisungen, ja sogar ein dem hl. Ephräm zugeschriebenes Morgenlied werden in dieser Weise zur ständigen Grundlage wechselnder Hymnen gemacht.

3. Längere Gebete, welche ebenfalls wechseln, aber nach einem ganz bestimmten Plane geordnet sind. Nach einer zur Andacht ermahnenden Aufforderung des Diakons beginnt der Priester, während er Inzens einlegt, mit dem Proömion, worin er ankündigt, dass Weihrauch, Gebet und Gesang zur Verherrlichung Gottes bestimmt sei, und bereits den Charakter des Gebetes andeutet, welches sich entweder auf die Buße oder auf die hl. Jungfrau, die hl. Märtyrer, die verstorbenen Gläubigen oder den Gegenstand der Festfeier bezieht. An das Proömium schließt sich die Sedra an, ein langes Gebet, welches den Gegenstand der Feier ausführlich erwähnt, Gott mit Bezug auf denselben preist und mit Bitten schließt. Alsdann wird das sogenannte Kala gesungen, ein kürzerer Hymnus, welcher ebenso auf einen Psalmvers gebaut ist, wie das Eniana auf einen ganzen Psalm. Auf die erste Hälfte des Psalmverses folgt nämlich die erste Strophe, auf die andere Hälfte die zweite; den beiden folgenden Strophen wird die in zwei Hälften geteilte Doxologie vorausgeschickt. Das Kala schließt dann gewöhnlich mit einer Strophe für die Verstorbenen, der zuweilen noch andere, auf die hl. Jungfrau, die hl. Märtyrer u.s.w. bezogenen, vorhergehen. Während eines Gebetes nimmt dann der Priester die Inzensation vor. Endlich wird noch ein Lied gesungen, welches gewöhnlich in dem siebensilbigen ephrämischen oder dem zwölfsilbigen jakobitischen oder dem fünfsilbigen baläischen Metrum abgefasst ist und in diesen Fällen als „Bitte“ bezeichnet wird.

Das jakobitische Brevier hat nun solche nach Baläus benannte metrische Bitten am Schluss der dritten Sedra der Nokturn, sowie in der Sext und Non, das maronitische nur am Schluss der letzten Sedra der Nokturn, und zwar für jeden Wochentag eine eigene, während die Jakobiten nur für den Sonntag der Nokturn ein anderes baläisches Lied wählen. Auch geben die Maroniten den Baläus nicht als Verfasser an, sondern überschreiben sie: „Nach der Melodie: Der Du Dich der Sünder erbarmst“; die Jakobiten aber haben die Überschrift: „Bitte von Mar Balai“. Freilich haben wir schon gesehen, dass bereits in sehr alter Zeit die Worte von „Mar Balai“ als bloße Bezeichnung des Versmaßes gebraucht werden konnten, wie sich denn auch sonst die Überschrift: „Nach der Weise des Mar Balai“ findet.

Wir entnehmen die folgende Auswahl teils den bei Overbeck a.a.O. abgedruckten Texten, teils den von Zetterstéen zusammengestellten und erstmals veröffentlichten Gebeten. Für die Echtheit des hier Gebotenen kann allerdings keine absolute Sicherheit gewährleistet werden. Die von Overbeck aufgenommenen Gebete weisen gegenüber der für liturgische Zwecke mehr oder minder adaptierten Textgestalt in den maronitischen und jakobitischen Brevieren jedenfalls die ursprünglichere Form auf; auch ist die Diktion nach dem Urteile Bickells ganz und gar baläisch. Der Sammlung Zetterstéens, die sich hauptsächlich auf verschiedene liturgische Handschriften in London, Oxford, Paris und Berlin stützt, haben wir nur solche Gebete entnommen, welche ausdrücklich dem Baläus zugeschrieben werden; nur die Nummern 2, 4, 5 und 10 sind solche Gedichte, welche die Überschrift: „Nach dem Versmaß: Der Du Dich der Sünder erbarmst“ tragen.

Inhaltlich sind diese Gebete und Lieder sehr mannigfaltig: da sie meist vom Dichter selbst schon für den liturgischen Gebrauch bestimmt waren, bewegen sie sich fast ausschließlich innerhalb des Kirchenjahres, indem sie bald Festgeheimnisse feiern, bald besondere Pflichten einschärfen, welche gewisse Zeiten mit sich bringen, dann wieder an die Erzählung des Evangeliums anknüpfen und diese zu einem Loblied oder einer Bitte verarbeiten, kurz alle Saiten anschlagen, welche der geordnete tägliche Gottesdienst im Lauf eines Jahres in den Herzen der Gläubigen erklingen lässt. Die meisten der uns erhaltenen Gebete scheinen dem Osterfestkreis anzugehören und davon wieder der weitaus größere Teil der ersten Hälfte derselben, also der hl. Fastenzeit. Das Fasten ist darum auch jenes Thema, welches am meisten behandelt wird. Weiter sind es die allerseligste Jungfrau, einzelne Apostel, speziell der hl. Petrus als Primas, die hl. Märtyrer überhaupt, dann der Einzug Jesu in Jerusalem, die Geheimnisse des Kreuzes, die Auferstehung des Herrn, einzelne seiner Wundertaten u.s.w., welche unsern Dichter begeistert haben.

Lied auf den wundertätigen Heiland.

Als der Herr im Lande der Gadarener wanderte, da vertrieb er die Legion der Geister aus seinem Geschöpfe und zeigte, dass er Gott sei und über alles Macht habe. Da er zur Hochzeit geladen war und es an Wein mangelte, da ward auf einen leisen Wink Wasser in Wein verwandelt, Da tranken die Tischgenossen und sangen sein Lob. Mit fünf Broten sättigte er fünftausend Menschen, wobei Frauen und Kinder nicht mitgerechnet sind; und wegen dieser wunderbaren Sättigung glaubten die Leute, dass er Gott sei. Lob sei ihm, der kam und unseren Hunger stillte! Lob sei ihm, der uns zum Trank ward und uns erquickte! Lob sei ihm und seinem Vater und Ehre dem Heiligen Geiste!

Gebet am Palmsonntag.

Wer sollte sich nicht wundern und dem Sohne lobsingen, der sich um unserer Erlösung willen erniedrigte und in den Straßen Jerusalems auf dem Eselsfüllen ritt? Kinder und Säuglinge priesen ihn mit Hosanna-Rufen und die Schar der Jünger breitete ihre Kleider aus. Olivenzweige in den Händen lobten ihn die Jungen, aber die törichten Söhne Zions beneideten ihn und nahmen ihn nicht auf.

Gebet bezüglich des Verrates des Herrn.

An jenem Tage herrschte Trauer, Kummer und Betrübnis unter der Schar der reinen und heiligen Jünger, da ihr Meister zu ihnen gesprochen hatte: „Fürwahr, einer von euch wird mich verraten“; da trat Simon, das Haupt der Jünger, hinzu und begann den herrlichen Johannes zu bitten: „Nahe dich ihm und frage ihn: Wer ist es, der Dich verraten wird?“ Da antwortete ihnen der Meister und sprach zu ihnen, indem er ihnen ein Zeichen gab durch das Brot, das er ins Wasser eingetaucht hatte: „Derjenige, der es nimmt, der ist es, der mich verraten wird!“ Lob sei ihm, dem Erhabenen, der kam, um uns zu erlösen, Lob ihm, dem Allmächtigen, dessen Wink die Welt trägt, ihm sei Lob von allen, und über uns seine Barmherzigkeit!

Gebet am Feste Christi Himmelfahrt.

Am Tage Deiner Himmelfahrt, Christus, Gott, erfreue Deine Geschöpfe, die über Deine Himmelfahrt jauchzen, und behüte Deine Herde unter den Fittichen Deines Kreuzes! Es freuen sich die Engel, es jauchzen die Jünger, es lobsingen Dir die Menschen auf Erden wegen Deiner Himmelfahrt und Deines Aufstieges in den Himmel!

Gebet am Pfingstfeste.

An diesem Tage freut sich die Kirche überall, weil sie aus der Höhe Zungen vom Feuer empfing, o Heiliger Geist, der Du über die Apostel ausgegossen wurdest! Ehre sei dem Glanze, der im Obergemach über die auserwählten Apostel strahlte und sie erleuchtete!

Gebet zur hl. Jungfrau.[Mariae Geburt]

Selig bist du, Maria, weil in dir die von den Propheten verkündeten Geheimnisse und Rätsel ihre Lösung gefunden haben! Moses stellte dich dar im Dornbusch und in der Wolke, Jakob durch die Leiter, David durch die Bundeslade und Ezechiel durch die Pforte, die verschlossen und verriegelt war. Und siehe, heute sind durch Deine Geburt ihre Geheimnisse erfüllt worden! Lob sei dem Vater, der seinen eingeborenen Sohn gesandt hat, der von Maria aus aufging, uns vom Irrtum erlöste und ihr Andenken im Himmel und auf Erden verherrlichte!

Selig bist du, o Maria, weil in dir erfüllt worden sind die von den Propheten verkündeten Geheimnisse und Rätsel! Selig bist du, denn du hast ihn empfangen! Selig bist du, denn du hast ihn geboren! Selig bist du, denn du hast ihn gesäugt, den Allernährer! Selig bist du, denn auf deinem Schoße hast du jenen Gewaltigen getragen, der die Welt trägt durch seine Macht, der alles lenkt! Selig bist du, o Gebenedeite, denn deine Lippen haben jene Glut geküsst, die das Kind aus dem Geschlecht Adams verzehrt! Selig bist du, denn aus deinem Schoße leuchtete ein Glanz hervor und überstrahlte den ganzen Erdkreis und dieser lobsingt dir! Selig bist du, denn mit deiner Milch hast du Gott ernährt, der in seiner Barmherzigkeit gering geworden ist, um die Elenden groß zu machen!

Heil dir, du unsere Zuflucht, Heil dir, du unser Ruhm, denn durch dich ist unser Geschlecht zum Himmel erhöht worden! Bitte Gott, der aus dir geboren ward, dass er seiner Kirche Frieden und Ruhe sende! Möge er durch die Kraft deines Gebetes, o Mutter des Allerhöchsten, der Erde und ihren Bewohnern völligen Frieden geben! Lob sei ihm, der kam und aus Maria aufging, sie zu seiner Mutter machte und durch sie zum Kinde ward! Gebenedeit sei der König der Könige, der Mensch geworden ist und das Menschengeschlecht zur Höhe des Paradieses erhoben hat! Lob sei seinem Sender, der ihn zu unserer Erlösung sandte, und Preis dem Heiligen Geiste, der unsere Sünden tilgt!

Gebet zur hl. Jungfrau.

Maria, Tochter Davids, wer sollte dich nicht preisen, da doch die ganze Schöpfung deinen Sohn bewundert! Obwohl Jungfrau, hattest du Muttermilch und säugtest den Ernährer; denn er ist es, der alles ernährt! An deinem Gedenktag freut sich die Kirche; durch dein Gebet werde der Welt Erbarmen zuteil! Lob sei Dir, o Herr, am Gedächtnistag Deiner Mutter, im Himmel und auf Erden und in den vier Weltgegenden!

Gebet zur hl. Jungfrau für die Verstorbenen.

Wer sollte je ablassen, dein Lob zu singen, die du getragen und gebracht hast die Hoffnung aller Geschöpfe? Wer vermöchte die Geschichte eures Todes zu erzählen, ihr gewaltigen Kämpfer, Arbeiter Gottes? Himmlischer König, mache durch Deine Gnade die gläubigen Verstorbenen würdig, in das Paradies einzugehen! Ehre sei Dir, o Herr, am Gedächtnistag Deiner Mutter, und Preis Deinem Kreuze, das Deine Kämpfer stärkte, und Deinem lebendigen Geiste, der die Verstorbenen wieder erweckt!

Gebet zu Ehren des hl. Johannes des Täufers.

Selig bist du, Johannes, Auserwählter, Heiliger! Denn unter den von Frauen Geborenen ist keiner erstanden, der dir gleich wäre! Denn dein Herr hat über dich ein schönes Zeugnis abgelegt, als du ihn im Jordan tauftest, ihn, den Herrn der Schöpfung. Selig bist du, Johannes, Prophet und Apostel! Denn wie einen Märtyrer tötete dich das Schwert des Herodes, wie ein Prophet verkündigtest du, wie ein Apostel predigtest du und wie ein Priester wiesest du hin auf den Hohenpriester! Wehe dir, Herodes, frevelhafter König! Denn deiner wartet das Gericht vor dem Tribunal Christi, weil du den Heiligen mit dem Schwerte hast enthaupten und sein Haupt auf einer Schüssel vor die Tischgenossen hast bringen lassen! Lob sei ihm, der sich erniedrigte und von seinem Knechte taufen ließ, der jetzt uns getauft hat mit einer geistigen Taufe; seinem Vater und seinem Geiste sei Lob und Preis!

Gebet zum hl. Apostel Petrus.

Selig bist du, Auserwählter, Haupt der Schar, Simon! Denn dein Herr und Gott hat dir Heil gegeben und Fels und Fundament bist du von ihm benannt worden! Durch dein Gebet, o Auserkorener, heiliger Apostel Simon, sind von der Kirche Spaltungen und Streitigkeiten gewichen. Möge der Friede des Sohnes, deines Herrn, für immer in ihr wohnen!

Gebet zu Ehren der hl. Märtyrer

O ihr heiligen Märtyrer, Freunde des Königssohnes, die ihr im Kampfe gegen den Widersacher gesiegt habt, so dass er noch heute vor eueren Reliquienschreinen heult; ihr habt in den Schlachtreihen das heilige Kreuz, das Siegeszeichen, ergriffen, und der Böse ward vor ihm beschämt und zuschanden, als er es erblickte. O ihr Heiligen, ihr seid für unsere Heimat zu einer Mauer geworden; erhebt euch also eifrig und bewahrt unsere Stadt, damit der Verwüster, welcher nach unserer Vernichtung dürstet, nicht in sie eindringe! Ehre sei jener Allmacht, welche euch, o Märtyrer, stärkte, so dass ihr im Kampfe gegen die Verfolger bestandet und eure Festigkeit heute in allen Weltgegenden triumphiert! Euer Gebet möge für uns in dieser und in jener Welt eintreten!

Gebet zu einem hl. Bischof.

Selig bist du, o unser Vater, wenn der König erscheint und nach Gerechtigkeit Vergeltung übt, jedem nach seinen Werken! Denn du hast vom Morgen bis zum Abend in seinem Weinberg gearbeitet. Siehe, darum ist dir dein Lohn hinterlegt, vollgültige Denare! Bitte für uns alle bei deinem Herrn, der an dir sein Wohlgefallen hat, damit auch wir auf dein Gebet hin mit dir teilnehmen an deiner Freude! Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, der dich, o unser Vater, auserwählt hat, dass du siegtest und gekrönt würdest!

Gebet um Gnade.

Es möge trauern Deine Gnade, wenn sie meine Sünden sieht, doch möge sie bitten Deine Gerechtigkeit, dass ich nicht ganz zugrunde gehe! Und wenn ich auch keine Werke aufweisen kann, belebe mich um meines Glaubens willen, ganz allein durch Deine Gnade belebe mich und richte mich, den Allergeringsten, auf und belehre mich, den Allerschwächsten! Es möge sich ausgießen Deine Barmherzigkeit, o Herr, über mich durch Deine Gnade! Dir sei Lob, o Christus, Du Hoffnung, auf die alle Sünder harren, zu der alle flehen!

Gebet bezüglich des Fastens.

Selig derjenige, der fastet! Wenn der König kommt und ihn bekleidet findet mit dem Gewand des Himmelreiches, wird er ihm für sein Fasten unvergängliche Güter geben. Wer in Liebe sein Fasten hält, dem wird zu seinem Fasten die Fülle des Glückes zuteil werden und Liebe bei jedermann; denn mit seinem Fasten und seiner Liebe wird er Gott versöhnen. Jenes Fasten nämlich macht uns zu Erben des Himmelreiches, mit dem Liebe und Almosen verbunden sind. Selig jener, der gearbeitet hat und sich bei seiner Arbeit abgemüht hat! Lob sei der Barmherzigkeit, die Dich zu unserer Erlösung gesandt hat! Gnadenvoller Christus, erbarme Dich unser, die wir auf Dich hoffen und nimm an unser Gebet, unser Fasten möge Dich, o Herr, versöhnen!

Gebet für die Verstorbenen (Dieses Gedicht ist deshalb so wichtig, weil es den Nutzen des Gebetes und des hl. Messopfers für die Verstorbenen lehrt.).

Unser Herr gebot seinen Jüngern im Speisesaale: „Versammelt euch und tut dies zu meinem Andenken1 bis zu meiner zweiten Wiederkunft bei der Auferstehung!“ Klar ist es für die Verständigen, dass die Verstorbenen Nutzen haben von den Vigilien und vom Messopfer und vom Weihrauchfass der Versöhnung, wenn der Priester vor dem Altare ihrer Namen gedenkt. Dann freuen sich die Himmlischen und jubeln die Irdischen und auch die Verstorbenen frohlocken, denn man ruft sie ja heute herbei, um durch das himmlische Opfer erquickt zu werden. Ehre sei dem Lebendigen, der die Toten durch seinen Tod erweckt und ihnen die Hoffnung der Auferstehung verliehen hat, der auch wiederkommen und sie auferwecken wird, auf dass sie ihm lobsingen!

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