Sieben Bücher über die Menschwerdung Christi

Von Cassian (430/35)

Vorwort des Priesters Johann Cassian zu den Büchern über die Menschwerdung Christi gegen den Häretiker Nestorius

 

Vorwort des Priesters Johann Cassian zu den Büchern über die Menschwerdung Christi gegen den Häretiker Nestorius.

 

An Leo, den Bischof der Stadt Rom.Als ich vor einiger Zeit die Bücher der geistlichen Unterredungen fertig gemacht hatte, die mehr durch den Inhalt als die Darstellung sich auszeichnen, weil ja unser ungeübtes Wort den hohen Gedanken der hl. Männer nicht gewachsen war: Da hatte ich gedacht und fast beschlossen, nach dieser Beschämung meiner bloßgestellten Unfähigkeit mich so in den Hafen des Stillschweigens zurückzuziehen, dass, so viel auf mich ankäme, die kühne Redseligkeit entschuldigt wäre durch schüchternes Schweigen. Aber du hast mit lobenswertem Eifer und deinem mir so gebieterischen Wunsche meinen Vorsatz und Entschluß besiegt, o mein verehrungswürdiger Leo, zu dem ich in Liebe aufschaue, du Zierde der römischen Kirche und des göttlichen Amtes! Du führst mich aus dem Zufluchtsorte des vorgenommenen Schweigens wieder heraus vor das öffentliche Urteil, das so zu scheuen ist, zwingst mich, Neues zu unternehmen, während noch wegen des Vergangenen sich die Wange rötet, und obwohl ich dem Geringern nicht gewachsen war, treibst du mich an, mit der größern Aufgabe mich zu messen. Ich hätte ja nicht einmal in jenen Schriftchen, in welchen ich mit den Gaben meines kleinen Geistes dem Herrn ein Opfer brachte, etwas zu unternehmen oder mir herauszunehmen versucht, wenn nicht bischöflicher Befehl mich gezogen hätte. Nun aber soll durch dich meine Rede und Darstellung sich zu größerer Würde erheben; denn während wir vorher nach Befehl über göttliche Bestrebungen sprachen, verlangst du nun, dass wir über die Menschwerdung und Majestät des Herrn selbst reden. So dringen wir nun unter deiner Führung und Hilfe in das Allerheiligste ein, da wir vorher nur wie von Priesterhand in das Heiligtum des Tempels geleitet wurden. Groß ist die Ehre, aber gefährlich der Fortschritt, weil die Palme des heiligen Geheimnisses und des göttlichen Siegeslohnes nicht erlangt werden kann, es sei denn der Feind überwunden. Du verlangst und befiehlst also, ich solle mit meiner schwachen Hand gegen die eben entstandene Häresie und gegen den neuen Feind des Glaubens kämpfen; ich solle gegen den furchtbaren Hauch der pestbringenden Schlange mit offenem Munde, wie man sagt, Stand halten, damit nämlich den Drachen, der in krummen Zügen in die Kirchen Gottes einbrechen will, gleichsam durch meine Beschwörung die Kraft der Propheten und die göttliche Macht des evangelischen Wortes treffe. Ich entspreche deinem Drängen, ich gehorche deinem Befehle; denn ich will in Betreff meiner lieber dir als mir glauben. besonders weil jenes zugleich mit dir auch die Liebe meines Herrn Jesu Christi verlangt, der zu Ebendemselben auch dich antreibt. Es erübrigt nur, dass du den Erfolg der befohlenen Arbeit auch von jenem erflehest, durch welchen du sie geboten hast. Denn es handelt sich hier mehr um deine Angelegenheit als um die meine, und dein Urteil ist mehr in Gefahr als meine Leistung. Für mich ist ja, ich mag nun deinem Auftrage gewachsen sein oder nicht, immerhin der Gehorsam und die Demut einiger Entschuldigungsgrund, wenn nicht in meinem Gehorsam noch um so mehr Verdienst liegt, je geringer mein Vermögen ist; denn wir genügen leicht irgend einem Befehle im Überflusse der Kraft; aber jener leistet Großes und Bewundernswertes, welcher selbst für das noch Bereitwilligkeit hat, wofür er die Kraft nicht hat. Also dein ist diese Angelegenheit, dein dies Geschäft, du musst dabei in Scham kommen; bitte und flehe, dass nicht durch meine Unfähigkeit deine Wahl eine gefährliche werde und so, wenn ich einer so hohen Meinung nicht entspreche, auf dich der Schein falle, in unüberlegtem Urteil schlecht befohlen zu haben, während ich, dem der Gehorsam zu gute kommt, trefflich gehorcht hätte.

Erstes Buch

Die Häresie wird mit der Schlange der Dichter verglichen.

Es erzählen die Fabeln der Dichter, dass einer Schlange für abgeschnittene Köpfe mehrere wuchsen und sie durch ihren Verlust größer wurde, so dass in einem neuen und unerhörten Wunder diesem durch seinen Tod vermehrten Ungeheuer der Verlust zu einer Art des Gewinnes wurde, weil eben, was immer das Eisen des Schneidenden trennte, durch eine verschwenderische Fruchtbarkeit sich ganz wieder erzeugte, bis endlich Einer, der das angefangene Abschneiden mit heisser Mühe verfolgte, nachdem seine Kraft so oft in erfolgloser Arbeit vergeblich gewesen war, die Kriegerstärke mit kluger Geschicklichkeit ausrüstete. Er wandte, wie man erzählt, Feuer an, schnitt den vielfachen Nachwuchs des merkwürdigen Körpers mit glühendem Schwerte ab, und als er so durch Verbrennung des innersten Markes die unnachgiebigen Ouellen der schändlichen Fruchtbarkeit verbrannthatte, da hörte endlich die ungeheuerliche Erzeugung auf. So haben nun die Häresien in den Kirchen eine Ähnlichkeit mit jener Schlange, welche die Poeten in ihren Dichtungen erfunden haben; denn auch sie zischen gegen uns mit tierischen Zungen, auch sie spritzen ein tödliches Gift aus, auch sie erzeugen sich nach abgeschnittenen Köpfen auf’s Neue. Aber weil bei dem Wiederaufleben der Krankheit die Medizin nicht fehlen darf, so muss auch der Heilversuch um so eifriger sein, je schwerer die Krankheit ist; denn der Herr unser Gott ist mächtig genug, dass bei den wilden Tieren der Kirche die Wahrheit das tue, was heidnischer Wahn über den Tod jener Schlange erdichtet hat, und dass das feurige Schwert des hl. Geistes bei Vertilgung der neuen Häresie das Mark der verderblichen Zeugungskraft so vollständig versenge, dass endlich die verschwenderische Fruchtbarkeit durch die Vernichtung der QuelIen zu gebären aufhöre.

Er beschreibt verschiedene Ungeheuer von Häresien, die gegenseitig auseinander hervorgingen.

Nicht neu sind nun in den Kirchen diese Sprossen eines fruchtbaren Samens. Immer duldete der Saatwuchs des göttlichen Ackers diese Kletten und Dornen, und beständig tauchten unter ihm die Keime des erstickenden Unkrautes auf. Denn so entstanden die Hebioniten, so die Sabellianer und Arianer, so ferner die Eunomianer und Macedonianer, die Fotinianer, Apollinaristen und die übrigen Dorngesträuche der Kirchen, dieses Unkraut, welches die Frucht des guten Glaubens ertötet. Der Erste derselben, Hebion, beraubte, da er die Menschwerdung des Herrn zu sehr betonte, ihn der Verbindung mit der Gottheit. Die Spaltung des Sabellius aber, welche nachher aus dem Gegensatze mit der vorigen Häresie entstand, vermischte, soviel an ihr lag, die heilige und unaussprechliche Trinität durch eine gotteslästerliche Gleichmachung, während sie behauptete, dass zwischen dem Vater und dem Sohne und heiligen Geiste gar kein Unterschied sei. Auf den Genannten folgte nun die gottlose arianische Verkehrtheit. Um nicht in den Schein zu fallen, als vermische sie die heiligen Personen, behauptete diese, dass es in der Trinität verschiedene, einander unähnliche Substanzen gebe. Eunomius dagegen, der nachher kam, aber von ganz gleicher Verkehrtheit war, behauptete, obwohl er die Ähnlichkeit in der göttlichen Trinität betonte, doch eine Verschiedenheit in derselben und ließ die Ähnlichkeit zu mit Ausschluß der Gleichheit. Auch Macedonius lästerte mit unheilbarer Gottlosigkeit den hl. Geist, nannte ihn, obwohl er zugab, dass Vater und Sohn von gleichem Wesen seien, ein Geschöpf und versündigte sich so an der ganzen Gottheit, weil in der Trinität nichts verletzt werden kann, ohne dem Ganzen zu schaden. Photinus aber wähnte, obwohl er Jesum, der aus der Jungfrau geboren worden, Gott nannte, doch in übler Weise, dass der Anfang des Gottes zugleich sei mit dem Anfange des Menschen. Apollinaris dann, welcher den mit Gott vereinigten Menschen gedankenlos auffasste, glaubte zu seinem Unheil, derselbe habe keine menschliche Seele gehabt; denn es ist kein geringerer Irrtum, unserm Herrn Jesus Christus Ungehöriges zuzuschreiben, als ihm das Zukommende abzusprechen, und was von ihm nicht so ausgesagt wird, wie es ist, das ist eine Schmähung, wenn es auch den Schein der Ehre hat. So erzeugte jeder durch die Ähnlichkeit mit der einen Häresie eine andere, und alle hatten zwar unter sich verschiedene, aber immer dem Glauben entgegengesetzte Ansichten. Auch vor Kurzem noch, d. h. in unsern Tagen, sahen wir eine giftige Häresie besonders in der Stadt der Belizer auftauchen, deren Irrtum sicher ist, unsicher ihr Name, weil sie, entstanden mit neuem Haupte aus dem alten Stamme der Ebioniten, es sehr zweifelhaft lässt, ob man sie alt oder neu nennen soll. Neu ist sie nämlich durch ihre Verkünder, alt durch ihre Irrtümer. Indem sie also die Lästerung ausspricht, dass unser Herr Jesus Christus als bloßer Mensch geboren worden sei, behauptet sie ferner, es sei Sache des menschlichen Verdienstes, nicht seiner göttlichen Natur gewesen, dass er nachher zu göttlicher Ehre und Macht gelangt sei; folglich habe er die Gottheit nicht immer durch den Besitz der mit ihm vereinigten göttlichen Natur gehabt, sondern sie nachher zum Lohne seiner Mühen und Leiden durch sein Verdienst erlangt. Da sie so in allweg die Lästerung festhält, unser Herr und Erlöser sei nicht als Gott geboren, sondern von Gott aufgenommen, so nähert sie sich jener Häresie, die jetzt auftritt, und ist gleichsam ihre Schwester und Blutsverwandte, die sowohl mit den Ebioniten als diesen Neuesten übereinstimmt und, wenn auch der Zeit nach zwischen Beiden, doch der Verkehrtheit nach mit ihnen vereint ist. Obwohl es noch einige, den Genannten ähnliche gibt, so würde es doch zu weit führen, alle aufzuzählen; denn wir haben jetzt nichte die Erwähnung der alten, sondern die Widerlegung der neuen (Häresien) zur Besprechung genommen.

Er kennzeichnet den verpestenden Irrtum der Pelagianer.

Jenes eine meinen wir wahrhaftig nicht übergehen zu sollen, wie es etwas Besonderes und Eigentümliches an der obengenannten aus dem Irrtume des Pelagius hervorgegangenen Häresie war, dass sie bei ihrer Lehre, der bloße Mensch Jesus Christus habe ohne jede Sündenbefleckung gelebt, soweit gingen, zu behaupten, die Menschen könnten, wenn sie wollten, ohne Sünden sein. Denn sie dachten folgerichtig, es könnten , wenn der bloße Mensch Jesus Christus ohne Sünde gewesen sei, auch alle Menschen ohne Hilfe Gottes das sein, was jener bloße Mensch ohne Gemeinschaft mit Gott hatte sein können. Und so würden sie also keinen Unterschied sein lassen zwischen den übrigen Menschen und unserm Herrn Jesus Christus, da jeder Mensch in allweg durch seine Anstrengung und seinen Fleiß das verdienen könnte, was Christus durch seine Mühe und Arbeit verdient hatte. Dadurch geschah es, dass sie in einen noch größern und ungeheuerlichern Wahnsinn stürzten und behaupteten, unser Herr Jesus Christus sei nicht in diese Welt gekommen, um dem Menschengeschlechte die Erlösung zu verschaffen, sondern um Beispiele guter Handlungen zu geben, damit nämlich jene Menschen, welche seiner Anleitung folgten, dadurch, dass sie denselben Weg der Tugend wandelten, auch zu demselben Lohne der Tugend gelangen möchten. So viel an ihnen lag, erklärten sie für eitel jede Gabe der heiligen Ankunft und jede Gnade der göttlichen Erlösung, da sie behaupteten, dass die Menfchen durch ihr Leben dasselbe erreichen könnten, was Gott durch seinen Tod für das Heil der Welt geleistet hätte. Sie fügen noch bei, dass unser Herr und Erlöser nach der Taufe Christus geworden sei, nach der Auferstehung Gott, und schreiben das Eine dem Geheimnisse der Salbung zu, das Andere dem Verdienste des Leidens. Deshalb merkt auch der neue Urheber einer nicht neuen Häresie, der da behauptet, unser Herr und Erlöser sei als bloßer Mensch geboren worden, dass er ganz dasselbe sage, was die Pelagianisten früher gesagt hatten, und wie es also seinem Irrtume entspreche, dass derjenige, welcher durchweg behauptet, der bloße Mensch Christus Jesus habe ohne Sünde gelebt, auch die Gotteslästerung ausspreche, alle Menschen könnten durch sich selbst ohne Sünde sein; und dass nach seinem Beispiele die andern sagen, die Erlösung des Herrn sei nicht nötig gewesen, da, wie sie behaupten, die Menschen durch ihre bloße eigene Anstrengung auch zum himmlischen Reiche gelangen können. Das unterliegt keinem Zweifel, sondern steht durch die Tatsache selbst klar zu Tage. Denn daher kommt es, dass er durch seine Fürsprache die Klage der Pelagianisten hätschelt, durch seine Schriften die Sache derselben bekräftigt, dass er ihnen fein oder, um mich besser auszudrücken. hinterlistig hilft und der ihm blutsverwandten Gottlosigkeit mit gottloser Liebe beispringt, da er wohl weiß, dass er denselben Sinn und Geist hat, und also es schmerzlich empfindet, wenn die ihm verwandte Häresie von der Kirche getrennt ist, während er dieselbe in allweg mit ihm durch Verkehrtheit verbunden weiß.

Leporius widerruft zugleich mit einigen andern den Pelagianismus.

Weil nun aber Solche, die aus dem Stamme dieser verderblichen Dornen hervorgewachsen waren, bereits durch die gütige Hilfe Gottes geheilt sind, so müssen wir auch nun den Herrn bitten, es möge, weil jene alte Häresie und diese neue in manchem übereinstimmend sind, dem im Übeln gleichen Anfange auch ein im Guten gleicher Ausgang gewährt werden. Leporius nämlich, damals Mönch, jetzt Presbyter, der wie gesagt aus des Pelagius Schule oder vielmehr Verkehrtheit hervorging, in Gallien entweder zuerst oder am meisten als Lehrer der genannten Häresie auftrat und von uns ermahnt, von Gott aber gebessert wurde, hat die unglücklicher Weise empfangene Überzeugung so herrlich verdammt. dass seine Besserung fast ebenso bewunderungswürdig ist, als der unverletzte Glaube anderer; dann das Erste ist, durchaus in keinen Irrtum zu fallen, das Zweite aber, ihn gut wieder aufzugeben. Dieser also hat, in sich gekehrt, nicht nur in Afrika, wo er damals war und nun ist, seinen Irrtum mit Schmerz und ohne Scheu bekannt, sondern auch fast in alle gallischen Städte Briefe voll Tränen, Bekenntnis und Jammer geschrieben, damit nämlich, wo früher seine Verirrung offenkundig war, jetzt auch seine Besserung bekannt würde und ebendieselben, welche vorher Zeugen seines Irrtums gewesen waren, jetzt auch Zeugen seiner Änderung wären.

Er bestätigt nach dem Beispiele des Leporius, dass eine öffentliche Sünde durch ein öffentliches Bekenntnis getilgt werden müsse, und zeigt zugleich aus dessen Darstellung, wie man von der Menschwerdung des Wortes denken müsse.

Aus seinem Bekenntnisse oder vielmehr aus seiner ränenvollen Klage haben wir geglaubt, einiges einreihen zu sollen, aus dem doppelten Grunde: dass die Besserung jener sowohl uns zum Zeugnis als auch denen, welche wanken, zum Beispiele sei, und dass keine Scham sie abhalte, die Besserung derjenigen nachzuahmen, deren Irrtum zu folgen sie sich nicht schämten. Mögen sie so, wie sie an gleicher Krankheit litten, auch durch das gleiche Mittel geheilt werden. Nachdem also Jener die Verkehrtheit seiner Meinung erkannt und das Licht des Glaubens gesehen hatte, begann er in seinem Schreiben an die gallischen Bischöfe so: „Was ich, o meine verehrungswürdigen Herren und gottseligsten Priester, bei mir zuerst anklagen soll, weiß ich nicht, und was ich an mir zuerst entschuldigen soll, finde ich nicht. So hat Unerfahrenheit und Hochmut, so törichte Einfalt und schädliche Sicherheit, Eifer ohne Mäßigung, so hat, um mich wahrer auszudrücken, ein schwacher Glaube, der sich selbst verminderte, ja so hat all das, was ich zugleich in mich aufnahm, in mir gelebt, dass es ebenso Verwirrung war, so Vielem und Mächtigem zugleich zu gehorchen, als es für mich ein wunderbares Glück ist, dass solches aus dem Gemüte wieder weichen konnte.“ Bald nach diesem fügt er bei: „Wenn wir also diese Macht Gottes durchaus nicht erfassen, und wenn wir, gleich als scheine sonst Gott auf zu Niedriges einzuwirken, nach der Weisheit unseres Sinnes und Verstandes den Menschen so mit Gott geboren sein lassen, dass wir getrennt das, was Gottes ist, nur Gott zuschreiben und das, was dem Menschen gehört, nur diesem zurechnen, so führen wir offenbar in der Trinität eine vierte Person ein und beginnen, aus dem einen Gott-Sohn nicht einen, sondern zwei Christus zu machen, was Christus selbst, unser Herr und Gott, fern von uns halten möge. So bekennen wir also, dass unser Herr und Gott Christus Jesus, der einzige Sohn Gottes, der für sich geboren wurde vor der Zeit aus dem Vater, für uns in der Zeit vom hl. Geiste aus Maria der immerwährenden Jungfrau Mensch geworden und als Gott geboren sei. Indem wir so beide Naturen, die des Fleisches und des Wortes bekennen, nehmen wir immer mit frommer Glaubenstreue einen und denselben unzertrennlichen Gott und Menschen an und sagen, dass von der Zeit der Menschwerdung an alles, was dem Gotte eigentümlich war, so auf den Menschen übergegangen sei, dass alles, was zum Menschen gehörte, auf Gott kam. Es ist also das Wort Fleisch geworden nicht in dem Sinne, dass es durch irgend eine Veränderung oder Wandelbarkeit angefangen hätte zu sein, was es nicht war, sondern dass durch die Kraft der göttlichen Anordnung das Wort des Vaters, ohne ihn je zu verlassen, sich würdigte, wahrhaft Mensch zu werden, und der Eingeborene Fleisch wurde nach jenem verborgenen Geheimnisse, das nur er kennt; denn uns gehört das Glauben, ihm das Wissen. Und so ist nun Gott, das Wort, indem es alles annahm, was des Menschen ist, Mensch, und der angenommene Mensch kann, da er alles erhielt, was Gottes ist, nichts anderes sein als Gott. Aber deshalb, weil er fleischgeworden und vermischt genannt wird, darf man keine Verringerung seines Wesens annehmen; denn Gott weiß, ohne Abbruch zu leiden, sich zu vermischen und dennoch in Wahrheit vermischt zu werden; er weiß, etwas so anzunehmen, dass ihm dadurch keine Vermehrung zuwächst, wie er auch sich selbst ganz so einzugießen weiß, dass kein Verlust eintritt. Wir wollen also nicht nach unserm schwachen Verstande den sichtbaren Erfahrungsbeweisen gemäß unsern Schluß machen, wie über gleiche, sich gegenseitig vereinigende Geschöpfe, und nicht glauben, dass Gott und Mensch so verbunden wären und durch einen solchen Zusammenguß des Fleisches und Wortes irgend ein Körper geworden seien. Ferne sei von uns ein solcher Glaube, dass wir meinen, die zwei Naturen seien durch eine Art Verschmelzung zu einer (original ‚gesperrt’ gedruckt) Wesenheit geworden; denn eine solche Vermischung wäre ein Abbruch für beide Teile. Denn Gott, der erfassend, aber nicht umfaßbar ist, durchdringend, aber nicht durchdringlich, erfüllend, nicht erfüllbar, der überall zugleich ganz ist und überallhin verbreitet, hat sich in seiner Macht durch Eingießung barmherzig mit der menschlichen Natur vermischt. Etwas später heißt es: „Es wird also recht eigentlich für uns aus dem hl. Geiste und Maria der immerwährenden Jungfrau geboren der Gottmensch Christus Jesus, der Sohn Gottes. Und so werde Wort und Fleisch gegenseitig eins, dass sie, während jede Substanz in ihrer natürlichen Vollkommenheit bleibt, ohne Nachteil für sich der Menschheit das Göttliche mitteilen und der Gottheit das Menschliche. Nicht ist also der eine Gott, und ein anderer der Mensch, sondern Ebenderselbe ist Gott, der auch Mensch ist; und andererseits ist derjenige Mensch, der auch Gott genannt wird und wirklich ist, Jesus Christus der einzige Sohn Gottes. Deshalb müssen wir voll Glauben immer darauf sehen, dass wir nicht leugnen, unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, der wahre Gott, der nach unserm Bekenntnis immer mit dem Vater und dem Vater gleich war vor aller Zeit, sei von dem Augenblicke der Fleischannahme an Gottmensch geworden. Auch dürfen wir nicht glauben, dass er wie durch Stufen und Zeitabschnitte zum Gotte geworden sei und einen andern Stand vor der Auferstehung gehabt habe, einen andern nachher, sondern immer dieselbe Fülle und Kraft.“ Ebenso heißt es bald darauf: „Aber weil das göttliche Wort durch gnädige Annahme der Menschennatur zum Menschen herabstieg und durch die Aufnahme Gottes der Mensch zum Worte emporstieg, so ist der ganze Gott-Wort ein ganzer Mensch geworden. Nicht Gott Vater nämlich ist Mensch geworden und nicht der hl. Geist, sondern der Eingeborene des Vaters und deshalb ist eine Person des Fleisches und Wortes anzunehmen, so dass wir treu ohne jeden Zweifel glauben, ein und derselbe Sohn Gottes, immer unteilbar, der auch in den Tagen seines Fleisches „der Riese von zwei Naturen“ genannt wurde, habe wahrhaft immer alles getan, was zum Menschen gehört, und wahrhaft immer besessen, was Gottes ist. So wurde er auch gekreuzigt gemäß seiner Schwäche und lebt durch die Kraft Gottes.“

Die übereinstimmende Lehre der Katholiken ist als der rechte Glaube anzunehmen.

Dieses sein Bekenntnis nun, also den Glauben aller Katholiken haben denn auch alle Bischöfe Afrikas, von wo aus er schrieb, und alle Bischöfe Galliens an welche er schrieb, gebilligt. Und überhaupt gab es noch keinen, welchem dieser Glaube mißfiel, ohne dass er sich gegen die Gleubigkeit versündigt hätte, da er doch wohl offen gestandene Gottlosigkeit ist, die bewährte Gottesverehrung zu verwerfen. Es müsste nun eigentlich zur Widerlegung der Häresie schon die allgemeine Übereinstimmung hinreichen, weil ja das Ansehen Aller die Wahrheit unzweifelhaft macht und ein vollkommener Beweisgrund da ist, wo niemand widerspricht, sodass, wenn jemand anders zu meinen sucht, gleich im ersten Augenblick nicht seine Behauptung zu hören, sondern seine Verkehrtheit zu verwerfen ist, weil derjenige schon im Voraus das Urteil der Verdammung mit sich bringt, welcher die allgemeine Entscheidung angreift, und der kein Recht auf Gehör besitzt, welcher das von allen Bestimmte zerstört. Denn wenn einmal die Wahrheit von allen bekräftigt ist, so muss, was immer dagegen andringt, gerade deshalb sogleich als falsch erkannt werden, weil es (jener) Wahrheit widerspricht. Und so gehört es sich also, dass für einen solchen zum Urteil der Verwerfung schon allein hinreiche, von der Entscheidung der Wahrheit abgewichen zu sein. Weil aber eine vernünftige Besprechung ja nicht gegen die Vernunft ist und immer eine hin- und hergeschwungene Wahrheit mehr glänzt; weil es ferner besser ist, wenn Irrende durch heilsame Unterredung gebessert, als wenn sie durch strenge Verurteilung gestraft werden; so müssen wir, so viel an uns liegt, mit Gottes Hilfe die alte Häresie an den neuen Häretikern heilen, damit sie durch heilige Barmherzigkeit die Gesundheit erlangen und so lieber das Heilmittel ein Zeugnis für den heiligen Glauben ablege, als die Verurteilung ein Beispiel gerechter Strenge. Möge nur die Wahrheit selbst der Unterredung und Darlegung, welche über sie unternommen wird, beistehen und dem menschlichen Irrtum mit jener Liebe helfen, in welcher Gott sich herabliess, zu den Menschen zu kommen, der ja ganz besonders dazu auf Erden und in Menschennatur geboren werden wollte, damit das Irrige fortan keinen Platz mehr habe.

Zweites Buch

Dass die Irrtümer der neuern Häretiker schon in ihren Urhebern und Erfindern verworfen und widerlegt worden seien.

Da wir in dem ersten Büchlein einiges vorausgeschickt haben, wodurch wir beweisen wollten, dass der neue Häretiker aus alten Stämmen der Häresie sprosse, so müsste die gerechte Verurteilung der frühern Häretiker eigentlich auch für diesen genügen, um dass Urteil gerechter Verwerfung zu empfangen. Denn da er dieselben Wurzeln hat und aus den nämlichen Irrtümern auftaucht, so ist er schon genügend in seinen Vorfahren verworfen, besonders da seine Behauptungen auch von solchen gut verurteilt wurden, welche kurz vorher jenen in übler Weise gefolgt waren, so dass den jetzigen die Beispiele ihresgleichen nach beiden Seiten hin im Überflusse hinreichend sein könnten, nämlich sowohl die der Gebesserten als die der Verurteilten. Wenn sie also gebessert werden können, so haben sie ein Heilmittel in den Besserungen der ihrigen; wenn sie dies aber nicht können, so haben sie ein Urteil in der Verwerfung der ihrigen. Damit man jedoch nicht glaube, dass wir mehr ein Vorurteil als ein Urteil gegen dieselben anwenden wollen. so lasst uns ihre eigene verpestende Lehre oder viel mehr ihren gotteslästerlichen Wahnsinn vorführen, indem wir zu allem den Schild des Glaubens nehmen und das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist, damit nämlich das wiedererstehende Haupt des alten Drachen auch jetzt in diesen neuen Schlangen von demselben Schwerte des göttlichen Wortes abgeschnitten werde, welches früher bei dem alten Gewürm den trennenden Hieb führte. Denn da diese den gleichen Irrtum haben wie jene, so ist auch der Schnitt bei den einen der Schnitt für die andern; weil aber die wiedererstehenden Schlangen ihren Pesthauch in der Kirche des Herrn ausstoßen und manche durch ihr Zischen matt machen, so muss man wegen der neuen Krankheiten ein neues Mittel mit den alten Heilarten verbinden, damit , wenn das früher Geschehen zur Vernichtung der Sucht nicht hinreicht, doch das, was wir jetzt tun, stark sei zur Erholung der Erschlafften.

Dass die jungfräuliche Gottesmutter nicht nur Christusgebärerin, sondern auch Gottesgebärerin und Christus wahrhaft Gott sei, wird nun bewiesen.

Wer immer du nun bist, o Häretiker, der du leugnest, dass Gott aus der Jungfrau geboren sei, du behauptest also, Maria, die Mutter unseres Herrn Jesus Christus, könne nicht θεοτόκος d. i. Mutter Gottes genannt werden. sondern χριστότοκος d. i. nur Christi Mutter, nicht Gottes; denn keine, sagst du, bringt einen zur Welt, der älter ist als sie. Über diesen so törichten Beweis nun, in welchem du die Geburt Gottes nach fleischlichem Verständnis abschätzen zu müssen und das Geheimnis der Majestät nach menschlichen Verhältnissen beurteilen zu müssen glaubst, wollen wir nachher mit Gottes Hilfe reden; für jetzt wollen wir einstweilen durch göttliche Zeugen bewähren, dass Christus Gott und Maria die Mutter Gottes war. Höre also über die Geburt Gottes den Engel Gottes zu den Hirten sagen: „Geboren wurde euch heute der Erlöser, der da ist Christus der Herr, in der Stadt Davids.“ Damit du nun unter Christus nicht nur den Menschen verstehest, hat er dir auch noch den Namen des Herrn und Erlösers beige fügt, damit du nämlich durchaus nicht zweifeln mögest, dass derjenige Gott sei, den du als Erlöser erkanntest, und damit du nicht anstehest, dem göttliche Macht zuzuschreiben, bei welchem du die Macht zu erlösen sahest, die ja doch nur der göttlichen Kraft zukommen kann. Aber das dürfte wohl deiner Ungleubigkeit noch wenig scheinen, weil ihn doch der Engel eher Herrn und Erlöser nennt als Gott und Sohn Gottes, während du gerade in ruchloser Weise leugnest, dass jener Gott sei, von welchem du zugibst, dass er Erlöser sei. So höre denn weiter den Erzengel Gabriel, welcher Maria der Jungfrau verkündet und sagt: „Der heilige Geist wird auf dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; daher wird auch das Heilige, das aus dir geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden.“ Siehst du nun, wie er, um die Geburt Gottes anzeigen, das Tun der Gottheit vorausschickt? Denn, sagt er, der heilige Geist wird auf dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. In gar schöner Rede hat so der Engel mit göttlichen Worten die Majestät des göttlichen Werkes dargestellt. Denn der heilige Geist, der den Schoß der Jungfrau heiligte und in demselben die Macht seiner Gottheit ausströmte, hat sich dadurch der menschlichen Natur eingegeben und vermischt und das, was ihm so ferne stand, zu dem seinigen gemacht, indem er es in seiner Kraft und Majestät für sich nahm. Und damit die menschliche Schwäche nicht etwa bei dem Einzuge der Gottheit unterliegen möchte, hat die Kraft des Allerhöchsten diese allen verehrungswürdige Jungfrau gestärkt, um die körperliche Schwäche durch den ringsumgebenden Schutz seines Schattens zu heben und die menschliche Hinfälligkett bei Erfüllung des unaussprechlichen Geheimnisses der hl. Empfängnis nicht dahinsinken zu lassen, sondern sie durch göttliche Umschattung zu halten. „Der hl. Geist also“, sagt er, „wird auf dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten.“ Wenn nun der von der unverletzten Jungfrau zu Gebärende ein bloßer Mensch war, was sollte dann mit einer so großartigen Botschaft bezweckt werden, was mit einer solchen Bereitstellung der Gottheit selbst? Wenn doch nur Mensch vom Menschen und Fleisch vom Fleische geboren wurde, so hätte dazu doch wohl ein bloßer Befehl Gottes oder sein Wille hinreichen können. Denn wenn zur Herstellung des Himmels, zur Gründung der Erde, zur Erschaffung des Meeres, für die Herrschersitze und Throne, die Engel und Erzengel, die Fürstentümer und Mächte, wenn endlich zur Erschaffung des ganzen himmlischen Heeres und jener unzähligen tausendmal tausende der Schaaren Gottes sein Wille und Befehl ihm hinreichte (denn) „er sprach, und sie wurden; er befahl, und sie waren geschaffen“) ; — warum sollte das zur Empfängnis eines einzigen Menschen, wie du sagst. zu wenig geschienen haben, was doch genug war zur Erschaffung aller Gotteswerke, und warum hielt Gottes Macht und Majestät bei der Entstehung eines Kindleins das für zu gering, was doch hingereicht hatte für die Gründung alles irdischen und himmlischen? Die Sache ist in allweg die, dass all jene Werke geschehen waren durch den Befehl Gottes, die Geburt aber nur durch seine Ankunft geschehen konnte, weil ja Gott von einem Menschen nicht empfangen werden kann, wenn er sich nicht gibt, und nicht geboren werden kann, wenn er sich nicht berabsenkt. Deshalb zeigte der Erzengel der Jungfrau die Herabkunft der hl. Majestät an, damit so, weil eine so hohe Sache nicht durch menschliche Dienstleistung betrieben werden konnte, schon für die kommende Empfängnis die Majestät dessen geziemend geehrt würde, der da kommen wollte in der Geburt. Deshalb also stieg herab das Wort, der Sohn, deshalb war zugegen die Majestät des hl. Geistes und die überschattende Kraft des Vaters, damit doch ja bei dem Geheimnisse der hl. Empfängnis die volle Mitwirkung der Trinität stattfinde. „Deshalb“ , sagt er, „wird auch das Heilige, das aus dir wird geboren werden Sohn Gottes genannt werden.“ Treffend setzte er bei „deshalb“. um nämlich zu zeigen, dass dieses folgen werde, weil jenes voraus geschickt sei, und dass, weil Gott herabgekommen sei bei der Empfängnis, auch Gott in der Geburt sein werde. Er gibt also der nichts davon wissenden Jungfrau den Grund der so hohen Sache an, indem er sagt: „Gerade weil der hl. Geist herabkommen und weil die Kraft des Allerhöchsten (dich) überschatten wird, deshalb wird auch das Heilige, was aus dir geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden.“ Das will sagen: „Lass nicht unbeachtet diese feierliche Zurüstung einer so hohen Sache, dies heilige Dunkel eines so großen Geheimnisses; denn deshalb wird die ganze Majestät Gottes auf dich herabkommen, weil aus dir der Sohn Gottes geboren werden wird.“ Was kann da noch weiter gezweifelt, was sollte noch weiter gesagt werden? Er sagt, dass Gott herabkommen, dass der Sohn Gottes werde geboren werden. Nun frage du, wenn es dir beliebt, wie entweder der Sohn Gottes nicht Gott sein soll, oder wie diejenige, welche Gott gebar, nicht Theotokos. d. i. Mutter Gottes sein könne! Es müsste dir also dies allein, ja dies am meisten genügen.

Er setzt denselben Beweis fort mit Zeugnissen des alten Testamentes.

Weil uns nun aber für die hl. Geburt Stellen im Überflusse zu Gebote stehen. die alle deshalb geschrieben sind, um Zeugnis dafür abzulegen, so wollen wir wenigstens zum kleineren Teile auch im alten Testamente die Vorherverkündigung Gottes untersuchen, damit du einsehest. dass die kommende Geburt Gattes aus der Jungfrau nicht nur damals verkündet wurde, als sie geschah, sondern dass sie selbst vom Anfange der Welt an vorhergesagt wurde, doch sicher deshalb, damit bei der Unaussprechlichkeit des Werkes, das geschehen sollte, die fortwährend vorausgeschickte Verkündigung des Zukünftigen einmal den Unglauben an das Gegenwärtige heben möge. Es sagt also der Prophet Jesaja: „Siehe, die Jungfrau wird empfanden und einen Sohn gebären, und man wird seinen Namen nennen Emmanuel, was verdollmetscht ist: Gott mit uns.“ Wo gibt es nun da noch Platz für ungleubige Zweifelsucht? Der Prophet sagt, dass die Jungfrau empfangen werde, und die Jungfrau hat empfangen; — dass ein Sohn werde geboren werden, und der Sohn ist geboren worden; dass man ihn Gott nennen werde, und Gott wird er genannt; denn er wird mit jenem Namen genannt, welcher seiner Natur entspricht. Wenn also der Geist Gottes sagte, dass er Gott zu nennen sei, so beweist derjenige, welcher sich von der Einheit mit der göttlichen Botschaft trennt, dass ihm der Geist Gottes fehle. „Sieh also,“ sagt er, „die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und man wird seinen Namen Emmanuel nennen, was verdollmetscht ist: Gott mit uns.“ Aber vielleicht ist es dies, wohin sich die Ausflucht des Unglaubens wendet, dass sie sagt, der prophetische Ausspruch, jener sei Gott zu nennen, beziehe sich nicht auf die Majestät der Gottheit, sondern nur auf die Mitteilung eines Namens. Was tun wir aber, wenn nun Christus in den Evangelien überhaupt nicht mit diesem Namen genannt ist und man doch nicht sagen kann, dass der hl. Geist durch den Propheten die Unwahrheit gesprochen habe? Wozu nun dies? Gerade damit wir einsehen, dass jene Propheten damals den Namen der Gottheit vorher gesagt habe nicht den des Fleisches. Denn wenn der mit Gott vereinte Mensch im Evangelium einen andern Namen erhalten hat, so muss notwendig dieser der Name des Menschen gewesen sein, jener der des Gottes. Aber wir wollen weiterfahren und zur Erhärtung der Wahrheit andere Zeugnisse herbeiholen. Denn wo man von Gott handelt, da wird die Gottheit durch nichts besser bewiesen als durch ihre eigenen Zeugen. Es sagt also derselbe Prophet an einer andern Stelle: „Ein Sohn ist uns geboren, ein Kindlein uns geschenkt, auf dessen Schultern die Herrschaft ruht, und man wird seinen Namen nennen „Engel des großen Rates, Gott, Starker, Vater der künftigen Welt, Fürst des Friedens.“ Wie nun oben der Prophet gesagt hatte, man müsse ihn durchaus Emmanuel nennen, so sagt er hier, er werde auch Verkünder des großen Ratschlusses, Gott, Starker, Vater der künftigen Weltzeit, Fürst des Friedens genannt werden, während wir ihn gewiss an keiner Stelle der Evangelien mit diesen Namen bezeichnet finden, damit wir nämlich einsehen, dass diese Benennungen nicht dem Fleische gebühren, sondern der Gottheit, und dass jener evangelische Name der angenommenen Menschennatur gehöre, dieser aber der ungezeugten Macht. Da also Gott in dem Menschen geboren werden sollte, so sind durch göttliche Anordnung die Namen so verteilt worden, dass dem Fleische der menschliche Name beigelegt wurde und der Gottheit der göttliche. Er wird also, sagt er, genannt werden „der Bote des großen Ratschlusses, Gott, Starker, Vater der künftigen Weltzeit, Fürst des Friedens“. Hier hat nicht, o Häretiker, wer du auch immer bist, hier hat nicht jener vom hl. Geiste erfüllte Prophet denjenigen, der geboren wurde, nach Art deiner Behauptung mit einer gegossenen Statue oder mit einem gefühllosen Gebilde verglichen. Denn, sagt er, „ein Sohn ist uns geboren, ein Kindlein uns geschenkt, auf dessen Schultern die Herrschaft ruht, und nennen wird man seinen Namen Bote des großen Ratschlusses, Gott, Starker.“ Damit du nun unter dem Verkündeten keinen Andern als den im Fleische geborenen verstehst, fügt er das Wort „Geburt“ hinzu und sagt: „Ein Kindlein ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt.“ Siehst du, wie viele Bezeichnungen der Prophet angewendet hat, um die Eigentümlichkeit der körperlichen Entstehung zu bezeichnen; denn er nennt ihn sowohl geboren als auch Kindlein, damit nämlich die Bezeichnung der Kleinheit um so deutlicher den Sinn eines geborenen Sprößlings ausdrücke. Da der hl. Geist ohne Zweifel diese Verkehrtheit häretischer Gotteslästerer voraussah, so hat er den Gott, der geboren wurde, aller Welt mit diesen dem Sachverhalte ganz angepaßten Benennungen bezeichnet, so dass der Häretiker, wenn er auch lästern wollte, doch durchaus nicht Raum für seine Lästerung finden könne. Ein Sohn also, sagt er, ist uns geboren, ein Kindlein uns geschenkt, auf dessen Schultern Herrschaft ruht, und dessen Namen man nennen wird Bote des großen Ratschlusses. Gott, Starker, Vater der künftigen Weltzeit, Fürst des Friedens. Von diesem Kindlein, welches geboren wurde, lehrt er, es sei der Fürst des Friedens, der Vater der künftigen Weltzeit, Gott und der Starke. Wo ist nun hier ein Raum für Ausflüchte? Dieses Kind, welches geboren wurde, kann von dem Gotte, der in ihm geboren wurde, nicht getrennt werden. Diesen, von welchem er die Geburt aussagt, nennt er Vater der künftigen Weltzeit; diesen, welchen er Kind nannte, kündigt er an als Gott, als Starken. Wo willst du nun dich hinwenden, o Häretiker? Alles ist umzäunt, alles geschlossen und gar nirgends ein Ausweg. Es erübrigt nur, dass endlich die Not anfängt, den Irrtum zu bekennen, welchen der freie Wille nicht einsehen mag. – Aber nicht zufrieden hiermit, obwohl es hinreichend wäre, wollen wir untersuchen, was der hl. Geist noch durch einen andern Propheten sagt: „Kreuzigt denn der Mensch seinen Gott, weil ihr mich kreuzigt?“ Damit das Prophezeite deutlich genug würde, sagt der Prophet Das, was er über das Leiden des Herrn singt, wie mit dem Munde desjenigen, von welchem er redet: „Kreuzigt denn der Mensch seinen Gott, weil ihr mich kreuzigt?“ Scheint es dir nun nicht, ich bitte dich, dass unser Herr und Gott dies gesagt habe, als würde er gerade zum Kreuze geführt? „Warum doch erkennet ihr in mir nicht euern Erlöser? Warum kennt ihr den Gott nicht, der für euch mit dem Fleische bekleidet ist? Eurem Heilande bereitet ihr den Tod? Den Urheber des Lebens führt ihr zum Tode? Ich bin euer Gott, den ihr hinhänget, euer Gott, den ihr kreuzigt.“ Wo doch, ich bitte, ist hier der Irrtum, worin besteht die Torheit? „Kreuzigt denn der Mensch seinen Gott, weil ihr mich kreuzigt ?“ Du siehst, wie dieses Wort gerade die eigentliche Bezeichnung dessen ist, was geschah. Suchst du noch etwas Ausdrücklicheres oder Klareres? Siehst du, wie die hl. Zeugnisse den im Fleische geborenen Herrn Jesus Christus gewissermaßen begleiten von der Wiege bis zum Kreuze, das er erduldete, da sich dir ja doch zeigt, wie eben derjenige, von welchem du dort liesest, dass er als Gott geboren werde, hier als Gott ans Kreuz geheftet wird. Daher heißt er beim Propheten sowohl dort Gott, wo er geboren wird, als auch wird er aufs Deutlichste dann Gott genannt, da er gekreuzigt wird, damit nämlich der göttlichen Würde durch die Annahme des Fleisches in nichts Abbruch geschehe und weder die Niedrigkeit des Leibes noch die Schmach des Leidens die Ehre der Majestät mindere. Muss ja doch gerade sowohl die Herablassung bei der so niedrigen Geburt als auch die so wohlwollende Liebe des Leidenden in uns die Liebe mehren und die Verehrung, da es gewiss das größte und roheste Verbrechen wäre, wenn gerade durch das seine Ehre bei uns vermindert würde, was einen größern Aufwand seiner Liebe beweist.

Er bringt aus dem Apostel Paulus Beweise für dieselbe Lehre vor.

Um nun aber diese Dinge zu übergehen, die doch nicht dargestellt werden können, weil die Aufzählung seiner Wohltaten ebenso wenig eine Grenze hätte als diese selbst, so ist es nun Zeit, den kräftigsten und klarsten Zeugen über ihn zu befragen, nämlich den Apostel Paulus; denn am treuesten kann uns derjenige alles von Gott sagen, aus dessen Brust Gott immer geredet hat. Er leistet also in folgender Weise Zeugschaft für die Gnade und Ankunft des Herrn unseres Gottes, er, der da gesendet war zur Vertilgung des Irrtums heidnischen Aberglaubens als auserwählter Lehrer der Völker: „Es erschien“, sagt er, „die Gnade Gottes unseres Erlösers, allen Menschen und lehrte uns, dass wir aufgeben sollen die Gottlosigkeit und die irdischen Begierden und nüchtern, fromm und gerecht leben in dieser Welt, voll Erwartung auf die selige Hoffnung und Ankunft der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesu Christi.“ Es erschien, sagt er, die Gnade Gottes unseres Erlösers. Ein gar passendes Wort hat er gebraucht, um den Eintritt einer neuen Gnade und Zeugung zu bezeichnen. Denn indem er sagt: „es erschien.“ drückt er den Ursprung der neuen Gnade und Geburt aus, weil das Geschenk der neuen Gnade gerade von da an zu erscheinen begann, als Gott in der Welt geboren erschien. So zeigt er also in würdiger und passender Eigentümlichkeit des Wortes dieses Licht der neuen Gnade an, indem er gleichsam mit dem Finger darauf hinweist. Denn mit Recht sagt man, dass etwas erscheine, was gleichsam mit plötzlichem Lichte aufgeht und sich zeigt, wie wir ja in den Evangelien lesen, dass den orientalischen Magiern ein Stern erschienen sei, und wie es im Exodus heißt: „Es erschien dem Moses ein Engel im Feuer des flammenden Dornbusches.“ Denn in all diesen und andern heiligen Visionen glaubte die Schrift am ehesten dieses Wort anwenden zu sollen, so dass sie also von dem das „Erscheinen“ aussagte, was in unverhoffter Klarheit leuchtete. Da also der Apostel die Ankunft der himmlischen Gnade, welche mit dem Eintritte der hl. Geburt erschien, kannte, bezeichnete er sie mit dem Ausdrucke einer glänzenden Erscheinung, so dass er schlechthin „erschienen“ nannte, was mit dem Glanze eines neuen Lichtes aufstrahlte. Es erschien also die Gnade Gottes, unseres Erlösers. Kannst du hier vielleicht etwas vorbringen wie von Zweideutigkeit der Worte, so dass du sagst: „Etwas anderes sei Christus, etwas anderes Gott,“ oder dass du dem Heiland die Majestät seines Namens nimmst und den Herrn von der Gottheit trennst? Siehe, hier spricht ein Mann Gottes aus Gott und bezeugt in klarster Verkündung, dass aus Maria die Gnade Gottes erschienen sei. Und damit du nicht etwa sagen könnest, Gott sei nicht aus Maria erschienen, so fügt er sogleich die Bezeichnung „Heiland“ hinzu, damit du nämlich glaubest, dass jener aus Maria als Gott geboren sei, von welchem du nicht leugnen kannst, dass er als Heiland geboren sei, nach jener Stelle: „Denn es ist euch heute der Heiland geboren worden.“ O du wunderbarer und wahrhaft von Gott den Völkern geschenkter Lehrer! Du kanntest den künftigen Wahnsinn häretischer Verkehrtheit, der die Bezeichnungen Gottes zum Gegenstande des Streites macht und sich nicht scheut, Gott zu lästern wegen seiner Namen. Darum hast du den Namen Gottes vorausgeschickt, damit der Häretiker die Benennung „Heiland“ nicht von der Gottheit trenne, und damit so der vorausgeschickte Name Gottes alle folgenden Namen zu den seinigen mache. Niemand aber glaube, jener Christus der folgenden sei ein bloßer Mensch, da er doch gleich in der ersten Bezeichnung gelernt hatte, dass derselbe Gott sei. „Voll Erwartung“, sagt derselbe Apostel, „auf die selige Hoffnung und die Ankunft der Herrlichkeit unsers großen Gottes und Heilandes Jesu Christi.“ Wahrhaftig dieser Lehrer der göttlichen Weisheit sah, dass für die hinterlistigen Ränke teuflischer Verblendung die einfache Lehre nicht hinreichend sei, wenn er nicht die heilige Predigt des Glaubens mit dem Schutze der Vorsicht ausrüste. Wie er also oben die Bezeichnung „Gottes und Heilandes“ hingesetzt hatte, so fügt er hier bei „Jesu Christi“, damit du nicht etwa ungleubig hierüber sein mögest, dass zur Bezeichnung des Herrn Jesu Christi der Name Heiland dir hinreiche, und damit du nicht ohne die Einsicht bleibest, dass ebenderselbe Christus Gott sei, von welchem du erkanntest, dass er der Gott = Erlöser sei. Was sagt er also? In Erwartung, sagt er, der seligen Hoffnung und der Ankunft der Herrlichkeit unsers großen Gottes und Heilandes Jesu Christi. Da fehlt nichts von den Namen unsers Herrn; du siehst hier den Gott und den Heiland, den Jesus und Christus; aber indem du all dies siehst, erkennst du auch, dass alles im Gotte sei; denn du hörst von einem Gotte, aber er ist Erlöser; du hörst von einem Gotte, aber er ist Jesus; du hörst von einem Gotte, aber er ist Christus. Was nun die Gottheit als Einheit sich verbunden hat, das kann durch die Verschiedenheit der Namen nicht getrennt werden. Wie du nun auch hierüber untersuchen magst, du wirst das Gleiche finden. Der Erlöser ist Gott, Jesus ist Gott, Christus ist Gott; alles, was du hier hörst, ist vielfach dem Namen nach, aber eines in der Bedeutung; denn wenn der Erlöser Gott ist und Jesus Gott und Christus Gott, so kann man offenbar sehen, dass all dies unterschieden wird in der Benennung, aber verbunden in der Majestät. Und wenn du so deutlich hörst, dass in jedem der eine Gott bezeichnet wird, so kannst du doch klar einsehen. dass in Allen der eine Gott ist und so ist es dir also nicht erlaubt, in der Verschiedenheit der Namen des Herrn auch eine Ungleichheit der Macht zu suchen und wegen der wechselnden Benennung auch einen Unterschied in der Person zu machen. Es ist nicht erlaubt, zu sagen: „Christus ist aus Maria geboren worden und nicht Gott,“ denn der Apostel verkündet: „Gott“ (ist geboren usw.). Es ist nicht erlaubt, zu sagen: „Jesus ist aus Maria geboren worden, nicht Gott;“ denn der Apostel bezeugt: „Gott.“ Es ist nicht erlaubt, zu sagen: „Ein Erlöser ist geboren worden, nicht Gott“ — denn der Apostel bestätigt: „Gott.“ Es gibt keinen Ausweg für dich; welche von den Bezeichnungen des Herrn du immer hernimmst, es ist Gott, was du genannt hast. Es gibt nichts, was du sagen, nichts, was du beibringen, nichts, was du mit ruchloser Falschheit erdichten könntest. Du kannst in deinem gottlosen Unglauben noch etwas haben, was du nicht glaubst; du hast aber trotz dieser Gelegenheit zum lästern nichts, was du leugnen könntest.

Er schließt aus den Geschenken der göttlichen Gnade, die wir durch Christus empfangen, dass derselbe wahrhaft Gott sei.

Weil wir etwas weiter oben angefangen haben, von der göttlichen Gnade unsers Herrn und Heilandes zu reden, so will ich über eben dieselbe Sache aus den heiligen Lesestücken noch einiges anführen. Wir lesen in der Apostelgeschichte, dass der Apostel Petrus jene, welche das Evangelium annahmen und nichts destoweniger meinten, man müsse das Joch des alten Gesetzes fort tragen, so anklagt: „Was versuchet ihr Gott, den Schultern der Jünger ein Joch aufzubürden, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten? Durch die Gnade unsers Herrn Jesu Christi glauben wir gerettet zu werden, wie auch jene.“ Der Apostel sagt also doch gewiss, dass das Geschenk dieser Gnade durch Jesus Christus gegeben sei. Antworte mir nun, wenn es dir gefällt, ob du glaubst, dass diese Gnade, die zum Heile aller verliehen ist, von einem Menschen gegeben worden sei oder von Gott. Wenn von einem Menschen, so ruft dir das Gefäß Gottes, Paulus, entgegen und spricht: „Es erschien die Gnade Gottes, unsers Erlösers.“ Er lehrt, diese Gnade sei Sache eines göttlichen Geschenkes, nicht menschlicher Schwäche. Und wahrhaftig, wenn uns auch das heilige Zeugnis nicht zu Gebote stünde, so würde doch die Wahrheit der Sache für sich selbst zeugen; denn das Gebrechliche und Irdische kann doch nicht bieten, was von ewiger und unsterblicher Güte ist; noch kann je einer dem andern geben, was ihm selbst fehlt, oder Vorrat von dem verleihen, woran er nach eigenem Geständnisse Mangel leidet. Du darfst also durchaus nicht leugnen, dass die Gnade von Gott gegeben sei, sondern Gott ist, der sie gab, und gegeben wurde sie durch unsern Herrn Jesus Christus; also ist der Herr Jesus Christus Gott. Wenn er aber, durchaus so wie er ist, Gott ist, so ist jene, welche Gott gebar, Theotokos, d. i. Gottesgebärerin; wenn du nicht etwa deine Zuflucht zu der so lächerlich widerspruchsvollen Gotteslästerung nehmen willst, dass du jene, aus welcher Gott geboren wurde, nicht als Gottesgebärerin anerkennst, da du doch nicht leugnen kannst, dass der Geborene Gott sei. Sehen wir aber nun doch nach, was auch das Evangelium von dieser Gnade unsers Herrn gemeint habe. Es sagt: „Gnade und Wahrheit sind durch Jesus Christus geworden.“ Wenn nun Christus ein bloßer Mensch ist, wie sind dann diese durch ihn geworden? Woher wohnt eine göttliche Kraft in ihm, wenn, wie du sagst, nur menschliche Beschaffenheit in ihm ist? woher göttlicher Reichtum, wenn nur irdische Armut? Niemand kann geben, was er nicht hat; wenn also Christus göttliche Gnade gab, so hatte er, was er gab. Kann ja doch niemand den Widerspruch so ganz verschiedener Dinge in sich tragen, dass er zugleich die Not des Dürftigen leidet und den Reichtum des Freigebigen hat. Da also der Apostel Paulus wußte, dass alle Schätze göttlichen Reichtums in Christo seien, schreibt er mit Recht an die Gemeinden: ,,Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit euch.“ Wer nämlich schon öfter gelehrt hatte, dass eben derselbe Gott sei und Christus, dass in ihm alle Majestät der Gottheit sei, und dass leibhaftig in ihm alle Fülle der Gottheit wohne, der wünscht nun gewiss mit Recht ohne Beifügung des Namens Gottes nur die Gnade Christi. Denn da er schon öfter gelehrt hatte, dass die Gnade Gottes und Christi eine und dieselbe seien, so reicht es jetzt vollkommen hin, nur die Gnade Christi zu wünschen, weil er weiß, dass in der Gnade Christi alle Gnade Gottes enthalten sei. Er sagt also: „Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit euch.“ Ich frage dich nun, o Häretiker, wer du auch immer seiest, was wünschte der Apostel Paulus, als er dies an die Kirchen schrieb, hiermit denjenigen, an welche er schrieb? Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, sagt er, sei mit euch. Wenn nun Jesus Christus ein bloßer Mensch war, so verlangt also auch jener, der da wünscht es möge den Kirchen die Gnade Christi gegeben werden, dass ihnen die Gnade eines Menschen gegeben werde; und indem er sagt: „Die Gnade Christi sei mit euch,“ sagt er: die Gnade eines Menschen sei mit euch. die Gnade des Fleisches sei mit euch, die Gnade der leiblichen Schwäche, die Gnade der menschlichen Gebrechlichkeit. Oder warum sollte er überhaupt das Wort „Gnade“ anwenden, wenn er die Gnade eines Menschen wünschte? War ja doch an einen Wunsch gar nicht zu denken, wo nichts wünschenswertes vorhanden war, und er konnte nicht wünschen, dass jenen die Gnade desjenigen zuteil werde, der, wie du sagst, die Natur der gewünschten Gnade nicht hatte. Du siehst also, wie so ganz töricht und lächerlich dies ist, oder vielmehr nicht lächerlich, sondern beweinenswert; denn was den Leichtsinnigen lächerlich ist, das ist für Fromme und Gleubige beweinenswert, da sie bei der Torheit eures Unglaubens Tränen der Liebe vergießen und der Unvernunft fremder Gottlosigkeit ihre weinende Frömmigkeit entgegenstellen. Lasst uns also einmal wieder zu Vernunft und Geist kommen; denn diese Lehre ermangelt nicht nur der Weisheit, sondern auch des Geistes, da sie schlechterdings sowohl leer von geistiger Weisheit als fern von dem Geiste des Heiles ist.

Dass die Macht, göttliche Gnade zu verleihen, Christo nicht mit der Folge der Zeit zugegangen, sondern ihm von Anfang an sei angeboren gewesen.

Aber vielleicht möchtest du sagen, dass diese Gnade unsers Herrn Jesus Christus, von welcher der Apostel schreibt, nicht mit ihm geboren, sondern ihm nachher durch Herabkunft der Gottheit eingegossen worden sei; da ja auch unser Herr Jesus Christus, den du einen bloßen Menschen nennst, nicht mit Gott geboren wurde, wie du sagst, sondern nachher von Gott aufgenommen ward, und also hierdurch jenem Menschen die Gnade gegeben wurde, als er die Gottheit erhielt. Auch wir sagen nicht anders, als dass die göttliche Gnade zugleich mit der Gottheit herabgestiegen sei, weil die göttliche Gnade eben von Gott ist und gewissermaßen die Freigebigkeit der Gottheit ist, ihre Schenkung aber gnädige Wohltätigkeit. Man könnte also etwa glauben, es sei unter uns mehr ein Unterschied in der Zeit als in der Sache, weil du die Gottheit, von welcher wir sagen, dass sie mit dem Herrn Jesu Christi geboren wurde, eine nachher eingegossene nennst; aber die Sache ist die, dass du die bei der Geburt geleugnete Gottheit auch nachher nimmer gleubig bekennen kannst; weil nicht eine und dieselbe Sache zum Teile gottlos sein und zum andern Teile als göttlich sich bewähren kann und nicht eben dasselbe Teil haben kann am Glauben und am Unglauben. Zuerst will ich nun das von dir wissen: Nennst du unsern Herrn Jesus Christus, der aus der Jungfrau Maria geboren wurde, nur den Sohn eines Menschen oder auch den Sohn Gottes? Denn wir, also der Glaube aller Katholiken, wir alle, sage ich, glauben beides und verstehen es so, wissen und bekennen: dass er sowohl der Sohn eines Menschen ist, weil er aus einem Menschen geboren wurde, als auch der Sohn Gottes, weil von der Gottheit empfangen. Gestehst du nun zu, dass er beides ist, sowohl Sohn Gottes als des Menschen, oder nur des Menschen? Wenn nur des Menschen, so rufen wider dich die Apostel, es rufen die Propheten, ja derjenige selbst, durch welchen die Empfängnis geschah, der hl. Geist. Erdrückt wird deine unverschämte Zunge durch alle Zeugnisse der höchsten göttlichen Autoritäten, erdrückt durch die hl. Bücher, die heiligen Zeugen. Erdrückt endlich durch das Evangelium Gottes selbst, wie durch göttliche Hand. Und jener große Gabriel, der des Zacharias ungleubige Stimme durch die Macht seines Wortes in Fesseln legte, er hat noch viel mehr deine gotteslästerliche und ruchlose mit eigenem Munde verurteilt, da er zu Maria, der jungfräulichen Gottesmutter, sprach: „Der hl. Geist wird auf dich herabkommen. und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Heilige, welches aus dir geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden.“ Siehst du, wie Jesus Christus zuvor Sohn Gottes genannt wird, damit er dann Sohn würde dem menschlichen Fleische nach? Denn die Jungfrau Maria, die den Herrn gebären sollte, ermpfing dadurch, dass der heilige Geist auf sie herabstieg und die Kraft des Allerhöchsten sie überschattete. Damit siehst du ein, dass der Ursprung unseres Herrn und Erlösers dort ist, woher er empfangen wurde, und dass, da er durch Herabkunft der ganzen Fülle der Gottheit auf die Jungfrau geboren wurde, er nicht Sohn des Menschen sein konnte, wenn er nicht zuvor Sohn Gottes gewesen wäre. Deshalb legt auch der Engel Gottes, der zur Verkündung dieser so heilig bereiteten Geburt gesandt war, nachdem er zuvor von der geheimnisvollen Empfängnis gesprochen hatte, auch dem Sprößling selbst den Namen bei, indem er sagte: „Deshalb wird auch das Heilige, das aus dir wird geboren werden, Sohn Gottes genannt werden“ (d. h. er wird der Sohn desjenigen genannt werden , durch dessen Zeugung er entsproßte). Jesus Christus ist also der Sohn Gottes, weil er von der Gottheit gezeugt, durch die Gottheit empfangen wurde. Wenn aber Sohn Gottes, so ist er ohne Zweifel Gott; wenn aber Gott, so ist er nicht ohne die Gnade Gottes; denn er entbehrte nie, was er selbst geschaffen hat. „Die Gnade“ nämlich „und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“

Dass in Christo von Ewigkeit her vollkommen war, ist und sein wird: die Gottheit, die Majestät, die Macht, die Kraft usw.

Es waren also immer mit ihm und in ihm alle Gnade, alle Macht und Kraft, alle Gottheit, kurz die ganze Fülle der Gottheit und ihrer Majestät, sei es im Himmel oder auf der Erde, sei es im Leibe der Mutter oder bei der Geburt; nichts fehlte jemals diesem „Gott von Gott“; denn immer ist die Gottheit bei Gott, nie weder dem Raum noch der Zeit nach von ihm getrennt. Ist ja Gott überall ganz, überall vollkommen, nicht geteilt, nicht verändert, nicht verkleinert, weil Gott nie weder etwas beigefügt eoch Etwas genommen werden kann und er so wie keine Verminderung, auch keine Vermehrung seiner Gottheit hat. Er war also derselbe auf Erden wie im Himmel, derselbe in der Niedrigkeit wie in der Hohheit, derselbe in der Kleinheit des Menschen wie in der Majestät Gottes. Deshalb nannte der Apostel richtig, als er von Christi Gnade redete, die Gnade Gottes, weil Christus ganz war, was Gott ist, und weil sogleich bei der Empfängnis des Menschen die ganze Kraft Gottes, die ganze Fülle der Gottheit herabkam. Ward ihm ja die vollkommene Gottheit von ebendaher, woher ihm sein Ursprung kam; denn nie war jener Mensch ohne Gott gewesen, welcher schlechthin das, was er war, von Gott empfangen hatte. Zuerst also musst du, magst du nun wollen oder nicht, schon unterlassen, zu leugnen, dass der Herr Jesus Christus der Sohn Gottes sei. Ruft ja doch der Erzengel im Evangelium geradezu: „Das Heilige, welches aus dir wird geboren werden, wird man Sohn Gottes nennen.“ Steht dies fest, so musst du wissen, dass du alles, was du von Christus liesest, vom Sohne Gottes liesest, und was du vom Herrn oder Jesus gelesen hast, dir den Sohn Gottes nannte; all diese seine Namen bezeichnen den Sohn Gottes. Und wenn du also in all dem, was du immer hörtest, den Namen der Gottheit findest und siehst, dass du unter allem den Sohn Gottes zu verstehen hast, so zeige jetzt, wenn es dir beliebt, wie du Gott von dem Sohne Gottes zu trennen vermagst.

Drittes Buch

Dass ebenderselbe Gottmensch Christus dem Fleische nach aus Israel und aus der Jungfrau Maria geboren sei.

Als jener göttliche Lehrer der Kirchen in seinem Schreiben an die Römer die Ungleubigkeit der Juden, also seiner Brüder, rügte, ja beweinte, da bediente er sich folgender Worte: „ich wünschte selbst verbannt zu sein hinweg von Christum für meine Brüder, welche meine Verwandten sind dem Fleische nach, welche Israeliten sind, denen die Annahme an Kindestatt geworden und die Herrlichkeit und der Bund, die Gesetzgebung und der Gottesdienst und die Verheissungen; deren die Väter sind, und aus denen Christus ist dem Fleische nach. der da ist Gott über alles, hochgelobt in Ewigkeit.“ O Innigkeit des treuesten Apostels, des zärtlichsten Verwandten, der in unschätzbarer Liebe sterben will für seine Verwandten als der Nächste, für seine Schüler als Lehrer! Und was ist nun die Ursache, dass er sterben will? Ganz nur die eine, damit jene leben. Worin aber bestand ihr Leben? Ebendarin, dass sie, wie er selbst sagt, Christum, welcher dem Fleische nach aus ihrem Fleische entsproßt war, als Gott erkennen möchten. Uud deshalb empfand der Apostel gerade um so mehr Schmerz, weil diejenigen den aus Israel Geborenen nicht erkannten, welche den aus ihnen Hervorgegangenen mehr hätten lieben sollen. Von denen Christus, sagt er, dem Fleische nach ist, der da ist Gott über alles, hochgelobt in Ewigkeit. Er sagt nämlich. dass jener Christus dem Fleische nach aus ihnen geboren sei, der da sei Gott über alles, hochgelobt in Ewigkeit. Du leugnest nun keineswegs, dass Christus dem Fleische nach aus jenen geboren sei; aber Ebenderselbe, der aus ihnen entsproßte, ist Gott. Was machst du Umschweife, was suchst du Ausflüchte? Der Apostel sagt, dass der dem Fleische nach aus Israel geborene Christus Gott sei! Zeige nun du, wann er es nicht gewesen sei! Aus welchen Christus ist, sagt er, dem Fleische nach, der da ist Gott über alles. Du siehst, es kann Gott nicht von Christus getrennt werden, da der Apostel dies so eng verbunden hat. Denn wie er lehrt, dass aus jenen Christus stamme, so bestätigt er auch, dass Gott in Christus sei. Entweder musst du beides leugnen oder beides eingesehen. Von Christus heißt es, dass er dem Fleische nach aus jenen geboren sei; aber ebenso wird von dem Apostel verkündet, dass Gott in Christus sei. Deshalb sagt er auch anderswo: „Gott war in Christus, die Welt mit sich versöhnend.“ Das kann nicht von einander getrennt werden: entweder leugne, dass Christus aus jenen hervorging, oder bekenne, dass in Christus Gott aus der Jungfrau geboren worden, „der da ist“, wie es heißt, „Gott über alles,“ hochgelobt in Ewigkeit.“

Der Name Gottes wird anders Christo, anders den Menschen erteilt.

Es hätte nun wohl der Name Gottes für die Gleubigen mehr als genug sein können, um die Majestät der Gottheit anzuzeigen; aber durch den Beisatz: „Gott über alles. hochgelobt“ schloß er die Gotteslästerung einer elenden Behauptung aus, damit nämlich nicht so ein Gottloser den Namen Gottes, wie er zuweilen auch vorübergehend durch gnädige Erlaubnis Gottes Menschen verliehen wird, hernähme zur Beleidigung der höchsten Gottheit und ihn zu Vergleichungen benütze, die für Gott schimpflich sind. Der Art ist gewiss jene Stelle, da Gott zu Moses sagt: „Ich gab dich dem Pharao zum Gotte,“ oder jene: „Ich habe es gesagt, ihr seid Götter,“ wo sich doch sicher überall auf’s Deutlichste die Bedeutung eines nur erlaubten Namens zeigt. Denn wo es heißt: „Ich habe gesagt,“ da entspringt der Name nicht aus der Macht, sondern aus der Anrede des Sprechenden; aber auch wenn es heißt: „Ich gab dich dem Pharao zum Gotte,“ drückt er nicht die Gottheit des Annehmenden, sondern die Macht des Gebenden aus. Denn wenn er sagt: „Ich gab,“ so ist doch sicherlich die göttliche Macht in jenem bezeichnet, welcher gab, nicht aber die göttliche Natur dessen, der empfing. Wenn es aber von unserm Gott und Herrn Jesus Christus heißt: „Der da ist Gott über alles, hochgelobt in Ewigkeit .“ so ist sofort die Sache im Worte bewährt und der Inhalt des Wortes durch den Namen bewiesen, weil der Name Gottes bei dem Sohne Gottes nicht die Bezeichnung einer verliehenen Kindesannahme ist, sondern Wahrheit und Eigentum der Natur.

Er erklärt jenes Wort des Apostels: „Wir kennen von jetzt an niemand dem Fleische nach.“

„Sonach“, sagt derselbe Apostel, „kennen wir von jetzt an niemanden dem Fleische nach, und wenn wir Christum dem Fleische nach kannten, so kennen wir ihn jetzt nicht mehr.“ Trefflich stimmen alle Schriften des göttlichen Wortes unter sich überein und in all ihren Teilen; ja selbst wo sie nach dem Scheine der Worte nicht zusammenpassen, sind sie doch einig in der Bedeutung der Sache, wie gerade hierin, dass es heißt: „Und wenn wir Christum dem Fleische nach erkannten, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr;“ denn das Zeugnis des hier stehenden Wortes ist eine Bestätigung des frühern, wo er sagte: „Aus denen Christus ist dem Fleische nach, der da ist Gott über alles, hochgelobt in Ewigkeit.“ Dort nämlich setzte er: „Aus welchen Christus ist, dem Fleische nach,“ hier aber: „Wenn wir Christum kannten dem Fleische nach;“ dort: „Der da ist Gott über alles“ — hier aber: „Wir kennen jetzt Christum nicht mehr dem Fleische nach.“ Die Form der Worte ist verschieden, aber die Bedeutung der Sache gleich; denn ebendenselben, welchen er dort als den im Fleische Geborenen „Gott über alles“ nennt, kennt er, wie er hier bekräftigt, nun nicht mehr dem Fleische nach; deshalb nämlich, weil er Ebendenselben, den er als im Fleische Geborenen kannte, als ewigen Gott bekennt, der gerade deswegen von ihm dem Fleische nach nicht mehr gekannt sei, weil er sei „Gott über alles, hochgelobt in Ewigkeit“. Darum also sagt er sowohl dort: „Der da ist Gott über alles“ — als auch hier: „Wir kennen nun Christum nicht mehr dem Fleische nach“ — weil er eben Gott ist, hochgelobt in Ewigkeit. So steigt also die apostolische Lehrpredigt gewissermaßen zu einer höheren Stufe auf, und obwohl sie dem Sinne nach auf beiden mit sich übereinstimmt, so bestätigt sie doch das Geheimnis des vollkommenen Glaubens gleichsam mit deutlicherem Ausspruche, indem sie sagt: „Und wenn wir Christum dem Fleische nach kannten, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr“ — weil wir ihn nämlich früher als Men schen und Gott wussten, jetzt aber nur als Gott; denn da die Schwäche des Fleisches gewichen ist, kennen wir in ihm nichts mehr als die Kraft der Gottheit; weil alles in ihm göttliche, majestätische Kraft ist, sobald die Schwäche der menschlichen Unfähigkeit aufhörte. Er hat also durch dieses Zeugnis wirklich das ganze Geheimnis sowohl des angenommenen Fleisches als der vollkommenen Gottheit dargelegt; denn da er sagt: „Und wenn wir Christum dem Fleische nach kannten,“ so hat er das Geheimnis des im Fleische geborenen Gottes besprochen; — wenn er aber beifügt: „Jetzt kennen wir ihn nicht mehr“ — so hat er die Macht der abgelegten Schwäche dargelegt. Und so gehört jene Kenntnis des Fleisches zur Bezeichnung der Menschheit, die Nichtkenntnis aber zur Ehre der Gottheit; denn es will dies ja sagen: „Wir kannten Christum dem Fleische nach, so lange er war, was dem Fleische nach erkannt werden kann; jetzt kennen wir ihn nicht mehr, weil er aufgehört hat, dies zu sein.“ Die Natur des Fleisches ist ja erhoben worden zu geistiger Wesenheit, und was einst des Menschen war, ist ganz Gottes geworden. Deshalb kennen wir Christum nicht dem Fleische nach, weil, nachdem durch die göttliche Majestät des Körpers Schwäche verschlungen ist, in dem hl. Leibe nichts übrig blieb, woraus seine fleischliche Armseligkeit hätte können erkannt werden. So wurde alles, was vorher von doppelter Natur gewesen war, jetzt zu einer Kraft; da durchaus nicht zweifelhaft ist, dass Christus, der gemäß unserer Schwäche gekreuzigt wurde, ganz lebe durch göttliche Majestät.

Er führt nun eine Stelle aus dem Briefe an die Galater an, durch welche er beweist, dass die Schwäche des Fleisches in Christo durch die Gottheit verschlungen sei.

Wie nun dies der Apostel in jedem Teile seiner Briefe predigt, so sagt er auch trefflich in seinem Schreiben an die Galater: „Paulus, Apostel nicht von Menschen noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott den Vater.“ Du siehst, wie gut er mit sich übereinstimmt in dem Frühern und dem Gegenwärtigen. Denn dort sagt er: „Wir kennen jetzt Christum nicht mehr dem Fleische nach.“ hier aber sagt er: „Nicht von Menschen, noch durch einen Menschen, sondern durch Jesum Christum.“ Es ist klar, dass er auch hier dasselbe lehrt, wie oben; denn indem er sagt, er sei nicht durch einen Menschen gesandt, sagt er wieder dies: „Wir kennen Christum nicht mehr dem Fleische nach,“ und deshalb sei er nicht durch einen Menschen gesandt, sondern durch Jesus. Durch Christus bin ich gesandt, nicht durch einen Menschen, sondern durch Gott; denn der Name des Menschen trifft nicht mehr denjenigen, in welchem die Gottheit alles sich zu eigen gedacht hat. Nachdem er also gesagt hatte, er sei nicht von Menschen noch durch einen Menschen gesandt, sondern durch Jesus Christum, setzt er ganz richtig bei: „Und Gott den Vater,“ wodurch er eben bezeichnet, er sei gesendet von Gott dem Vater und Gott dem Sohne. Denn obwohl in diesen wegen des Geheimnisses der heiligen und unaussprechlichen Zeugung allerdings zwei Personen sind, die des Zeugenden und Gezeugten, so ist doch die Kraft des sendenden Gottes nur eine. Und so zeigt er uns in seiner Behauptung, er sei vom Vater und vom Sohne gesandt, zwar die Doppelzahl in den Personen, lehrt aber doch die eine Gewalt in der Sendung.

Wie es eine Gotteslästerung ist, Christo die Gottheit zu nehmen, so ist es auch gotteslästerlich, zu leugnen, dass er wahrer Mensch sei.

„Sondern durch Christus Jesus“, sagt er, “und Gott den Vater, der ihn auferweckt hat von den Toten.“ Da der in allweg herrliche und bewunderungswürdige Lehrer wohl wußte, dass unser Herr Jesus Christus wie als wahrer Gott, so auch als wahrer Mensch zu verkünden ist, so predigt er immer die Majestät der Gottheit, die in ihm ist, so dass er auch das Bekenntnis der Menschwerdung durchaus nicht wegläßt. Er schließt also vollständig sowohl das Scheinbild des Marcion durch die wahre Menschwerdung aus, als auch die Armseligkeit des Ebion durch die vollkommene Gottheit; damit nämlich nicht durch die Verkehrtheit einer dieser beiden Gotteslästerungen unser Herr Jesus Christus entweder nur für einen Menschen ganz ohne Gott, oder für Gott ohne den Menschen gehalten werde. Treffend also fügt der Apostel seiner Erklärung, dass er wie von Gott dem Vater, so auch von Gott dem Sohne gesandt sei, sogleich das Bekenntnis der Menschwerdung des Herrn bei, indem er sagt: „Der ihn auferweckte von den Toten.“ Er lehrt also, dass der wahre Leib des menschgewordenen Gottes von den Toten erweckt worden sei, gemäß jener Stelle: „Und wenn wir Christum dem Fleische nach kannten“ – wo er gut beifügt: „aber wir kennen ihn nicht mehr.“ Denn das behauptet er an ihm dem Fleische nach zu kennen, dass er auferweckt wurde von den Toten; aber darin kenne er ihn nun nicht mehr dem Fleische nach, dass er ihn nun nach Entfernung der fleischlichen Gebrechlichkeit nur mehr in der Kraft Gottes wisse. Er ist nämlich ein treuer und ganz geschickter Zeuge der zu verkündenden Gottheit des Herrn, da er am Anfange seiner Berufung vom Himmel in Zucht genommen die Majestät unsres von den Toten erweckten Herrn Jesus Christus nicht nur mit dem Glauben in seinem Innern erfaßte, sondern sie auch mit den Augen des Leibes bewährt gefunden hatte.

Aus der Erscheinung Christi, welche dem Apostel bei seiner Verfolgung der Kirche zuteil wurde, beweist er nun, dass beide Naturen in ihm gewesen seien.

So sagt denn auch der Apostel in seiner Rede vor dem König Agrippa und den übrigen Richtern dieser Welt. wie folgt: „Als ich mit Vollmacht und Erlaubnis des Hohenpriesters nach Damaskus ging, da sah ich, o König, mitten am Tage auf der Straße vom Himmel her mich und alle, die bei mir waren, ein Licht umleuchten, heller als der Glanz der Sonne. Und als wir alle zur Erde gestürzt waren , hörte ich eine Stimme, welche zu mir in hebräischer Sprache sagte: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Hart ist es dir, wider den Stachel auszuschlagen.“ Ich aber sprach: „Wer bist du Herr?“ Und der Herr sagte zu mir: „Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst.“ Siehst du nun, dass der Apostel mit Recht sagte, er kenne den nicht mehr dem Fleische nach, welchen er in einem solchen Glanze der Majestät gesehen hatte? Denn als er jenen Glanz des göttlichen Lichtes, den er nicht ertragen konnte, bei seinem Niederstürzen gesehen hatte, da folgte diese Anrede: „Saul, Saul. warum verfolgst du mich?“ Auf seine Frage, wer es sei, antwortet dann der Herr mit deutlicher Bezeichnung seiner Person also: „Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst.“ Nun sage ich, o Häretiker, und frage dich und fordere dich auf: Glaubst du demApostel über sich selbst, oder glaubst du ihm nicht? Und wenn dir das zu wenig scheint, glaubst du dem Herrn über sich, oder glaubst du ihm nicht? Wenn du glaubst, so ist die Frage bereinigt; denn du musst glauben, was wir glauben. Wir aber kennen nach dem Apostel, wenn wir Christum auch dem Fleische nach kannten, ihn nun nicht mehr. Wir tun Christo keine Schmähungen an, wir trennen nicht das Menschliche von dem Gotte und glauben, dass alles. was Christus ist, in Gott ist. Wenn du also dasselbe glaubst wie wir, so musst du auch dieselben Glaubensgeheimnisse zugestehen. Wenn du aber von uns abweichst, wenn du weder den Kirchen noch dem Apostel, ja nicht einmal dem von sich redenden Gotte glaubst, so zeige uns, was in dem Gesichte des Apostels Mensch und was Gott sei. Ich vermag nämlich hier nicht zu unterscheiden. Ich sehe ein unausprechliches Licht, sehe eine unerklärliche Helle, einen für die menschliche Gebrechlichkeit unerträglichen Glanz und eine unfaßbare Majestät, die über alles hinausgeht, was menschliche Augen ertragen können, und im Lichte Gottes leuchtet. Wo ist hier die Trennung, wo die Unterscheidung? In der Stimme hören wir Jesus, in der Majestät sehen wir Gott; wie geht es also anders, als dass wir glauben, in einer und derselben Person sei Gott und Jesus? Ich will aber gerade über diesen Punkt noch Etwas mit dir reden. Sage mir, ich bitte dich, wenn dir bei Verfolgung des katholischen Glaubens das erscheinen würde, was damals dem noch unwissenden Apostel erschien; wenn dich wider dein Vermuten, mitten in deiner Sorglosigkeit jener Glanz umegeben würde, wenn dich das Leuchten eines unendlichen Lichtes treffen, erschrecken, niederschmettern würde und du nun daliegen würdest in der Finsternis deiner Augen und deiner Irrthümer: wie würde dir dein zagender Geist die Angst ins Unermessliche und Unaussprechliche vermehren! Sage mir, ich beschwöre dich: wenn dich der Schauer des nahenden Todes pressen und die Furcht vor der von oben herab drohenden Majestät bedrängen würde; wenn du in  Geistesverwirrung noch jenes für deine Bosheit so passende Wort hörtest: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“ – und dir dann auf deine Frage, wer dies sei, vom Himmel her geantwortet würde: „Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst“ : was würdest du sagen? Etwa: Ich weiß es nicht, ich glaube es noch nicht ganz und will erst bei mir weiter überlegen, für wen ich dich halten soll, der du vom Himmel herab mit mir redest, der du mich mit dem Glanze deiner Gottheit bedeckst, dessen Stimme ich höre, und dessen Majestät ich nicht ertragen kann? Es bedarf erst einer Verhandlung über diese Sache, ob man dir glauben soll oder nicht; ob du Christus bist oder Gott; ob du Gott allein bist oder in Christus, ob du Christus allein bist oder in Gott. Ich will genau die Unterscheidung machen und erwägen, wofür man dich halten, wie man dich beurteilen soll; denn ich will meine Leistungen nicht verschwenden, so dass ich dir Etwas von göttlicher Ehre erwiese, während ich dich als einen Menschen gering schätzen sollte. Wenn du also niedergeschmettert da lägest, wie damals der Apostel Paulus, wenn du, geblendet, von dem Glanze des göttlichen Lichtes, den letzten Atemzug zu tun glaubest: würdest du da etwa so reden und in solch müßiger, wortreicher Geschwätzigkeit nergeln? Und was tun wir? Etwas ganz Anderes, wie es damals dem Apostel gut schien. Als er nämlich zitternd und halbtot zusammengebrochen war, da glaubte er nicht weiter etwas verleugnen, nicht weiter etwas überlegen zu müssen, und es war ihm hinreichend, durch unaussprechliche Erfahrung ermahnt, den als Gott erkannt zu haben, welchen er vorher in seiner Unwissenheit für einen Menschen gehalten hatte. Er verleugnete nicht, er schob nicht auf, er verlängerte nicht den empfangenen Irrtum noch weiter durch ungleubiges Grübeln, sondern nachdem er den Namen seines Herrn Jesu vom Himmel gehört hatte, antwortete er mit unterwürfiger Rede wie ein Diener, mit zitternder wie ein Geschlagener, mit andächtiger wie ein Bekehrter: „Was soll ich tun, o Herr?“ So verdiente er aber auch durch seinen so bereitwilligen und ergebenen Glauben sogleich, dass er denjenigen nicht für immer entbehren musste, an welchen er treu geglaubt hatte, und dass derjenige selbst in sein Herz kam, zu welchem er sich von Herzen gewendet hatte . wie ja der Apostel von sich selbst sagt: “Sucht ihr vielleicht eine Probe dessen, der in mir spricht, Christi?“

Nun lehrt er noch mit andern Zeugnissen des Apostels, dass Christus Gott sei.

Hier will ich nun, o Häretiker, dass du mir auseinandersetzest, ob derjenige . von welchem der Apostel sagt, dass er in ihm rede, Mensch sei oder Gott. Wenn ein Mensch, wie konnte der Leib eines andern in seinem Herzen reden? Wenn Gott, so ist ja Christus nicht Mensch, sondern Gott; denn da Christus in dem Apostel redete, nur Gott aber in ihm reden konnte, so hat eben der Gott Christus in ihm geredet. Du siehst also, dass sich hier Nichts weiter sagen läßt, und dass keine Trennung oder Teilung zwischen Christus und Gott geschehen könne weil Gott ganz in Christus und Christus ganz in Gott ist. Hier darf keine Scheidung, keine Zerreißung angenommen werden; es gibt nur ein Bekenntnis, welches voll Einfalt, nur eines, welches fromm, nur eines, das gesund ist: anzubeten, zu lieben. zu verehren den Gott = Christus. Willst du aber noch vollständiger, noch umfassender wissen, dass zwischen Gott und Christus kein Unterschied sei, und dass ganz Ebenderselbe als Gott zu erkennen sei, den wir als Christus kennen: so höre, was der Apostel zu den Korinthern spricht: „Wir alle müssen offenbar werden vor dem Richterstuhle Christi, damit jeglicher entgegen nehme das dem Leibe Gebührende, so wie er geübt hat, sei es Gutes oder Böses.“ An einer andern Stelle aber sagt er in seinem Schreiben an die Römer „Alle werden wir stehen vor dem Richterstuhle Gottes, denn es steht geschrieben: So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir wird sich beugen jedes Knie, und jede Zunge wird Gott bekennen.“ Du siehst also, dass der Richterstuhl Gottes und Christi einer und derselbe sein werde; erkenne also auch ohne zu zweifeln Christum als Gott: und wo du einmal siehst, dass die Wesenheit Gottes und Christi unzertrennlich seien, da erkenne auch, dass die Person unteilbar ist. Du musstest nur etwa, weil der Apostel in dem einen Briefe sagt, dass wir vor dem Richterstuhle Christi erscheinen müssen, in dem andern vor dem Richterstuhle Gottes, zwei Tribunale annehmen und glauben, dass die einen von Christus gerichtet werden, die anderen von Gott; aber derlei ist zu leichtsinnig und witzig und selbst für Irrsinnige zu unvernünftig. Erkenne also den Herrn aller, erkenne den Gott des Weltalls erkenne in dem Richterstuhl Christi den Richterstuhl Gottes! Liebe dein Leben, dein Heil, liebe denjenigen, von welchem du geschaffen bist, fürchte jenen, von welchem du gerichtet werden wirst. Denn du magst nun wollen oder nicht, du musst dich doch zeigen vor dem Richterstuhle Christi. Da wirst du die gottlose Lästerung und den Singsang ungleubiger Worte, als ob du den Richterstuhl Gottes für einen andern haltest als den Christi, wohl unterlassen und wirst vor den Richterstuhl Christi kommen, um in einem ganz unaussprechlichen Beweise zu finden, dass Gottes und Christi Tribunal das Gleiche seien, und dass in dem Sohne Gottes Christus die ganze Majestät und Macht sowohl Gottes des Sohnes als Gottes des Vaters sei. „Denn nicht der Vater richtet irgend einen, sondern er hat alles Gericht dem Sohne übergeben damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren.“ ……. „der da leugnet den Vater und den Sohn. Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater.“ Lerne also, dass die Ehre des Vaters und des Sohnes untrennbar ist, untrennbar ihre Würde; und dass der Sohn nicht geehrt werden könne ohne den Vater, noch der Vater ohne den Sohn. Keiner aber vermag Gott und den Sohn Gottes zu ehren ausser in Christus, dem eingeborenen Sohne Gottes, weil er schlechterdings den Geist, Gott zu ehren, nicht haben kann ausser im Geiste Christi, da der Apostel sagt: Ihr aber seid nicht im Fleische sondern im wenn anders Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber mand Cbristi Geist nicht hat. so gehört er auch nicht ihm an;“ und wieder: „Wer wird Anklage erheben gegen die Auswählten Gottes? Gott ist es, welcher rechtfertigt; wer ist nun, der verdammen sollte? Christus Jesus, der gestorben ist, ja der auch auferstanden ist.“ Du siehst also nun, selbst wenn du nicht willst, dass durchaus kein Unterschied sei zwischen dem Geiste Gottes und dem Geiste Christi, zwischen dem Gerichte Gottes und dem Gerichte Christi. Wähle nun, denn eins von beiden muss geschehen — ob du lieber durch den Glauben einsehen willst, dass Christus Gott sei, oder ob du den Gott in Christus durch die Verdammung erkennen willst!

In dem Bekenntnisse der Gottheit Christi sei das Bekenntnis des Kreuzes nicht durch Stillschweigen zu unterdrücken.

Lasst uns jedoch auch das Übrige ansehen, was folgt. In einem Schreiben an die Gemeinde der Korinther sagt derselbe obengenannte Lehrer aller Kirchen, nämlich Paulus, wie folgt: „Die Juden verlangen Wunderzeichen, und die Griechen suchen Weisheit; wir aber predigen Christum den Gekreuzigten, freilich den Juden als ein Ärgernis, den Heiden als eine Torheit, aber denen, die gerettet werden, Juden wie Griechen als Christum, der da ist die Kraft Gottes und die Weisheit Gottes.“ O mächtiger Lehrer des Glaubens, dem es hier bei der Unterweisung der Kirchen noch zu wenig schien, zu sagen, dass Christus Gott sei, wenn er nicht beigefügt hätte: der Gekreuzigte, damit er nämlich zum Zwecke einer ganz offenbaren und kräftigen Lehre des Glaubens ebendenselben als Weisheit Gottes verkünde, welchen er den Gekreuzigten genannt hatte. Er bediente sich also nicht irgend einer feinen Wendung oder eines Umschweifes in den Worten, noch schämte er sich bei der Predigt des Evangeliums an dem Namen des Kreuzes Christi; und obgleich es den Juden. ein Ärgernis, den Heiden eine Torheit war, zu hören, dass Gott geboren worden, dass er in einem Körper sei, dass er gelitten habe und gekreuzigt worden sei: So hat doch jener wegen der Gottlosigkeit des judäischen Ärgernisses die Kraft seiner Gottseligkeit nicht entnervt und wegen der Ungleubigkeit fremder Torheit nicht die Kraft seines Glaubens vermindert, sondern er predigte öffentlich, standhaft und mutig denjenigen, welchen das Fleisch geboren, die Menschen getötet, die Lanze durchbohrt, das Kreuz ausgespannt hatte , als die Kraft und Weisheit Gottes, den Juden freilich als Ärgernis, den Heiden als Torheit; aber was den Einen Ärgernis und Torheit war, das war den Andern Kraft und Weisheit Gottes; denn nach der Verschiedenheit der Personen war auch die Auffassung verschieden, und was der Unglaube bei seinem Mangel an gesunder Einsicht und seiner Unfähigkeit für das wahre Gut wahnwitzig verneint hatte, das fühlte der weise Glaube in den verborgenen Tiefen der Seele als heilig und heilbringend.

Die Predigt des Apostels sei von Juden und Heiden deshalb verworfen worden, weil er bekannte, dass Christus der Gekreuzigte Gott sei.

Sage mir nun, o Häretiker, der du allen feind bist, am meisten aber dir selbst, — du, dem das Kreuz unsers Herrn Jesus Christus mit den Juden ein Ärgernis ist und mit den Heiden eine Torheit , — der du die Geheimnisse des wahren Heiles verwirfst mit dem Ärgernisse jener und nicht verstehst mit der Torheit dieser: warum war die Predigt des Apostels Paulus den Heiden eine Torheit und den Juden ein Ärgernis? Konnte er denn bei Menschen anstoßen, wenn er lehrte, was du behauptest, dass Christus ein bloßer Mensch gewesen sei? Oder wem hätte denn seine Geburt, sein Leiden, sein Kreuz und seine Tötung unglaublich oder gar lästig sein können, und was hätte die Predigt Pauli Neues oder Unerhörtes enthalten, wenn er gesagt hätte, der Mensch Christus habe das erduldet, was allenthalben und täglich unter den Menschen die menschliche Anlage erträgt? Aber das war es gerade, was heidnische Torheit nicht annahm und jüdischer Unglaube verwarf, dass der Apostel schlechterdings aussprach, Christus, welchen jene wie du für einen bloßen Menschen hielten, sei Gott. Das war es eben, was der Sinn der Gottlosen zurückwies, was die Ohren der Treulosen nicht ertragen konnten, dass bei dem Menschen Christus Jesus die Geburt Gottes gepredigt, ein Leiden Gottes behauptet, ein Kreuz Gottes verkündet werde. Das war lästig, das war unglaublich, weil dem menschlichen Gehöre das nicht glaubwürdig war, was als Geschick einer göttlichen Natur unerhört war. Darum bist du bei deiner Behauptung und Lehre sicher, dass deine Predigt nie, weder den Heiden eine Torheit noch den Juden ein Ärgernis sein werde. Niemals wirst du von den Juden und Heiden weder mit Petrus gekreuzigt, noch mit Jakobus gesteinigt, noch mit Paulus enthauptet werden, weil ja deine Predigt nicht das Anstößige jener hat. Du behauptest, dass ein bloßer Mensch geboren worden sei, ein bloßer Mensch gelitten habe; und so kannst du nicht fürchten, es möchten dich jene durch ihre Verfolgung verletzen, da du sie durch deine Predigt stärkst.

In welcher Weise der Apostel Christum als die Macht Gottes und Weisheit Gottes darstellt.

Lasst uns nun aber gerade diesen Punkt noch näher ansehen! Christus ist also nach dem Apostel die Macht Gottes und die Weisheit Gottes. Was hast du hierauf zu antworten? Wohin willst du dich wenden? Es gibt keinen Ausweg und kein Entkommen. Christus ist die Weisheit Gottes und die Kraft Gottes. Jener, welchen die Juden verfolgten, die Heiden verlachten, welchen du mit ihnen verfolgst; jener, sage ich, welcher den Heiden eine Torheit, den Juden ein Ärgernis ist und dir beides: jener, sage ich, ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Was willst du nun tun? Du wirst vielleicht die Ohren schließen, um nicht zu hören. Das haben auch die Juden bei der Predigt des Apostels getan. Du magst tun, was du willst, Christus ist im Himmel, in Gott und mit Gott und also eben in demjenigen, in welchem er auch hier unten war, und du kannst ihn nicht mehr mit den Juden verfolgen. Aber eines tust du und kannst es auch: du verfolgst ihn im Glauben, verfolgst ihn in der Kirche, verfolgst ihn mit dem Pfeile einer gottlosen Meinung, mit dem Schwerte eines falschen Glaubenssatzes. Du tust vielleicht noch etwas mehr als einige der alten Juden, da du jetzt Christum verfolgst, nachdem auch jene an ihn geglaubt haben, welche ihn einst verfolgten. Vielleicht hältst du aber dein Verbrechen für geringer, weil du nicht mehr Hand an ihn legen kannst. Ich sage aber, nicht weniger schwer liegt auf ihm jene Verfolgung, in welcher ihn die Gottlosen in den seinigen verfolgen. Aber es stößt dich das Wort vom Kreuze des Herrn; das war ja auch den Juden immer zum Anstoß. Du entsetzest dich, zu hören, dass ein Gott gelitten habe; aber dies verlachte auch der Heide in seinem Irrtum. Ich frage nun, worin du von jenen abweichst, da du in dieser Verkehrtheit mit ihnen übereinstimmst. Ich aber will diese Predigt von dem hl. Kreuze, diese Predigt von dem Leiden des Herrn nicht nur nicht mindern, sondern ich mehre sie, soweit es in meinem Willen und meiner Macht steht; denn ich werde den Gekreuzigten nicht nur verkünden als die Kraft und Weisheit Gottes, in Vergleich mit welcher nichts größer ist, sondern auch als den Herrn der ganzen Gottheit und Majestät. Dies um so mehr, als diese meine Rede die Lehre Gottes ist, da der Apostel sagt: „Wir reden Weisheit unter Vollkommenen, nicht aber Weisheit dieser Welt, noch auch der Fürsten dieser Welt, welche vernichtet werden; sondern wir reden die Weisheit Gottes im Geheimnisse, die da verborgen war, die Gott vorherbestimmt hat vor den Weltzeiten zu unserer Herrlichkeit, die keiner der Fürsten dieser Welt gekannt hat; denn wenn sie dieselbe gekannt hätten, so würden sie nie den Herrn der Majestät gekreuzigt haben; sondern wie geschrieben steht: „Was ein Auge nicht gesehen, noch ein Ohr gehört hat, und was in kein Menschenherz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ Siehst du nun, wie kurz des Apostels Wort, und wie Großes doch er ausgesprochen hat? Er sagt, dass er Weisheit rede, aber eine Weisheit, welche nur die Vollkommenen verstehen, die Klugen dieser Welt aber nicht kennen; denn es sei die Weisheit Gottes, welche von göttlichem Dunkel bedeckt und vor aller Zeit zur Verherrlichung der Heiligen bestimmt sei; und darum sei sie nur denen bekannt, welche Sinn für Gott haben, den Hohen dieser Welt aber sei sie völlig unbekannt. Dann fügt er den Grund bei, durch welchen er beides, was er gesagt hatte, bewähren will, und spricht: „Denn wenn sie Kenntnis gehabt hätten, würden sie nie den Herrn der Majestät gekreuzigt haben; sondern wie geschrieben steht: Was kein Auge gesehen, noch ein Ohr gehört hat und was in keines Menschen Herz gekommen ist, — was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ Siehst du nun, dass die Weisheit Gottes im Geheimnisse verborgen und vor aller Zeit vorher bestimmt, denen unbekannt war, welche den Herrn der Majestät kreuzigten, bekannt aber denen, welche ihn aufnahmen? Treffend aber sagt er, dass die Weisheit Gottes im Geheimnisse verborgen gewesen sei, weil das ja keines Menschen Auge je sehen, kein Ohr hören und kein Herz es ahnen konnte, weder dass der Herr der Majestät geboren werden sollte aus einer Jungfrau, noch dass er im Fleische erscheinen und mit allem Leid der Strafe und Schmach sollte beladen werden. Wie es aber niemand gibt, der diese Gaben Gottes, so lange sie im Geheimnisse verborgen sind, ahnen könnte, so ist jener selig, welcher sie nach der Offenbarung erkennt. Wer immer sie also nicht erkennt, muss notwendig unter die Fürsten dieser Welt gerechnet werden, wer sie aber erkennt, unter die Weisen Gottes. Es erkennt nun den im Fleische geborenen Gott nicht, wer ihn verneint; also erkennt auch ihr ihn nicht, weil ihr ihn verneint. Ihr mögt aber tun, was ihr wollt, ihr mögt ihn noch so gottlos verleugnen, wir glauben mehr dem Apostel; doch was sage ich, dem Apostel! Wir glauben mehr Gott; denn ihm glauben wir durch den Apostel, da er, wie wir sicher sind, in dem Apostel geredet hat. Das göttliche Wort sagt, dass der Herr der Majestät von dem Fürsten dieser Welt gekreuzigt worden sei, du verneinst es; auch seine Kreuziger aber verneinten, dass sie Gott kreuzigten. So haben also die ihn Bekennenden teil mit dem bekennenden Apostel, du aber hast notwendig deinen Anteil mit seinen Verfolgern. Was kann nun hier noch gesagt werden? Der Apostel lehrt, dass der Herr der Majestät gekreuzigt worden sei! Ändere dies, wenn du kannst! Trenne nun, wenn du es vermagst, Jesum von Gott! Dass Christus von den Juden gekreuzigt worden sei, kannst du gewiss nicht leugnen; aber derjenige, welcher gekreuzigt wurde, ist der Herr der Majestät; also musst du entweder leugnen, dass Christus an das Kreuz geschlagen wurde, oder du musst zugeben, dass Gott daran geheftet wurde.

Er bekräftigt nun dieselbe Lehre durch Zeugnisse des Evangeliums.

Aber vielleicht ist es dir zuwider, dass ich so lange und am meisten mit den Stellen des einzigen Apostels Paulus rede. Nun, mir ist derjenige, den Gott erwählte, passend genug, und ich schäme mich nicht, jenen zum Zeugen meines Glaubens zu haben, welcher nach Gottes Willen Lehrer der ganzen Welt sein sollte. Damit ich aber in diesem Punkte bei deinem Willen bleibe, da du ja sonst vielleicht glauben würdest, ich hätte keine andern, von deren Zeugnis ich Gebrauch machen könnte: so höre, wie im Evangelium Martha das vollkommene Geheimnis des menschlichen Heiles und der ewigen Seligkeit verkündet. Was sagt sie nun? „Allerdings, o Herr, glaube ich, dass du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, der du in diese Welt gekommen bist.“ So lerne von einem Weibe den wahren Glauben, lerne das Bekenntnis der ewigen Hoffnung! Du hast ja hierbei einen großen Trost, denn du darfst dich nicht schämen, von jener das Geheimnis des Heiles kennen zu lernen, von welcher Gott sich nicht weigerte ein Zeugnis anzunehmen.

Nun beweist er aus dem so berühmten Bekenntnisse des hl. Petrus, dass Christus Gott sei.

Solltest du jedoch vielleicht die Autorität einer größern Person wünschen — nun, es braucht eben niemandes Person oder Geschlecht mißfällig zu sein, wenn einem das Bekenntnis eines Geheimnisses Ansehen verleiht; denn wenn auch jemandes Lage oder Stellung geringer ist, so kennt doch die Kraft des Glaubens keine Verringerung. Wir wollen aber nun nicht etwa einen knabenhaften Anfänger fragen, dessen Unterricht noch wenig fortgeschritten ist, noch auch ein Weib, dessen Glaube vielleicht noch ein anfänglicher scheinen könnte, sondern jenen, der als Jünger unter den Jüngern und als Lehrer unter den Lehrern der höchste ist, der das Steuer der römischen Kirche leitete und wie im Glauben. so auch im Priestertume den obersten Rang hatte. Sage uns also, sag‘ uns, wir bitten dich, o Petrus, du Fürst der Apostel, sag’ uns, wie die Kirchen an Gott glauben sollen; denn es ist billig, dass du uns lehrest, der du vom Herrn belehrt bist, und dass du uns die Türe öffnest, zu welcher du den Schlüssel erhalten hast. Schließe aus alle diejenigen, welche das himmlische Haus untergraben, und die durch betrügerische Höhlungen und auf verbotenen Wegen einzudringen gedenken, die halte ab; denn es ist sicher, dass keiner zur Türe des Reiches wird eingehen können, dem nicht der von dir in der Kirche hinterlegte Schlüssel aufgeschlossen hat. Sag‘ also, was wir von Jesus Christus zu glauben und von dem gemeinsamen Herrn zu bekennen haben. Ganz ohne Zweifel wirst du antworten: „Was fragst du mich, wie der Herr zu bekennen sei, da dir vorliegt, wie ich ihn selbst bekannt habe? Lies das Evangelium, und du wirst nicht nach meiner Person suchen, da du mein Bekenntnis hast; oder vielmehr du hast dort meine Person, wo du mein Bekenntnis hast; denn da meine Persönlichkeit ohne das Bekenntnis keine Autorität hat, so ist das Bekenntnis selbst die Autorität meiner Person.“ Sage also, o Evangelist, sage uns das Bekenntnis, sag‘ uns den Glauben des höchsten Apostels, ob er Jesum nur als Menschen bekannt habe oder als Gott, ob er gesagt habe, dass nur das Fleisch an ihm sei, oder ob er ihn als Gott verkündet habe. Auf die Frage also unsers Herrn Jesus Christus, wer er nach dem Glauben und Bekenntnisse der Jünger sei, da antwortete der Erste der Apostel, Petrus, und zwar er allein für alle, denn die Antwort des einen enthielt in sich, was der Glaube aller enthielt. Aber es ziemte sich, dass der Erste antworte, damit im Antworten die nämliche Reihenfolge war wie im Rang und derjenige im Bekenntnisse voranginge, der auch voran war im Alter. Was sagt er nun? „Du bist Christus,“ sagt er, „der Sohn des lebendigen Gottes.“ Da muss ich mich nun, o Häretiker, um dich zu widerlegen, einer einfältigen und plumpen Frage bedienen. Sage mir, ich bitte dich, wer jener gewesen sei, dem Petrus dies geantwortet hat. Du kannst nicht leugnen, dass es Christus gewesen sei. Ich frage also: Wen nennst du Christus? Einen Menschen oder Gott? Allerdings und ohne Zweifel einen Menschen, denn davon kommt ja deine ganze Häresie, dass du Christum als Sohn Gottes leugnest. Deshalb sagst du auch, dass Maria Christusgebärerin sei, aber nicht Gottesgebärerin, weil sie die Mutter Christi sei und nicht Gottes. Von Christus behauptest du also, dass er ein bloßer Mensch sei und nicht Gott und so auch der Sohn eines Menschen, aber nicht Gottes. Was antwortet nun Petrus hierauf? „Du bist Christus,“ sagt er, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Von diesem Christus. den du nur den Sohn eines Menschen sein lässest, bezeugt jener, dass er der Sohn Gottes sei. Wem willst du nun dass wir glauben, dir oder dem Petrus? Ich glaube, du bist doch nicht so unverschämt, dass du es wagst, dich dem Ersten der Apostel vorzuziehen. Und doch. was gibt es, das du nicht wagen würdest, oder wie solltest du den Apostel nicht verachten, da du Gott verleugnen konntest? Er sagt also: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Hat dies etwas Zweifelhaftes oder Dunkles in sich? Es ist nur ein einfaches, offenes Bekenntnis, er verkündet Christum als den Sohn Gottes. Du leugnest vielleicht den Ausspruch, aber der Evangelist bezeugt ihn. Oder sagst du, dass der Apostel lüge? O verabscheuungswürdige Fälschung, die den Apostel einer solchen beschuldigt! Oder behauptest du vielleicht, dass dies von einem andern Christus gesagt sei? Aber diese Art einer abenteuerlichen Erklärung wäre doch neu. Was bleibt also übrig? Wohl nur eines, dass nämlich, wenn gelesen wird, was geschrieben steht, und wenn wahr ist, was gelesen wurde, du doch endlich durch Gewalt oder Not gezwungen aufhörest, die Wahrheit zu bekämpfen, da du die Lüge nicht zu begründen vermagst.

Das Bekenntnis des hl. Petrus hat von Christus selbst das Zeugnis der Wahrheit erhalten.

Da ich mich nun des Zeugnisses des größten Apostels bedient habe, durch welches er unsern Herrn Jesus Christus in Gegenwart Gottes bekannte, so lasst uns nun auch sehen, wie derjenige, welchen er bekannt hat, sein Bekenntnis bestätigt habe; weil es viel mehr ist als das vom Apostel Gesagte, wenn Gott selbst seinen Ausspruch lobt. Was wurde also dem Apostel auf seine Erklärung: „Du bist Christum, der Sohn des lebendigen Gottes,“ von dem Herrn und Erlöser geantwortet? Er sagt: „Selig bist du, Simon, Sohn des Jonas; denn Fleisch und Blut haben dir (dies) nicht geoffenbart, sondern der Geist meines Vaters, der im Himmel ist.“ Wenn es dir nun nicht gefällt, das Zeugnis des Apostels zu gebrauchen, so nimm das Gottes; denn Gott hat durch das Lob dieses Ausspruches seine Autorität dem Worte des Apostels beigefügt, so dass, wenn das Gesagte auch aus dem Munde des Apostels kam, doch Gott, der es bestätigte, dasselbe zu dem seinen machte. „Selig bist du,“ sagt er, ,,Simon, Sohn des Jonas, weil nicht Fleisch und Blut dir eine Offenbarung gemacht hat, sondern der Geist meines Vaters, der im Himmel ist.“ Du siehst also in dem Worte des Apostels das Zeugniss des hl. Geistes, des gegenwärtigen Sohnes und Gottes des Vaters. Was verlangst du also noch mehr oder was dem Ähnliches? Der Sohn hat gelobt, der Vater war beteiligt, der hl. Geist hat geoffenbart, und so ist das Wort des Apostels ein Zeugnis der ganzen Gottheit, weil dieser Ausspruch notwendig das Ansehen dessen hat, der sein Urheber war. „Selig“ also, sagt er, „bist du, Simon, Sohn des Jonas; denn nicht Fleisch und Blut hat dir eine Offenbarung gemacht, sondern der Geist meines Vaters, der im Himmel ist.“ Wenn also dies dem Petrus nicht Fleisch und Blut geoffenbart und eingegeben hat, so siehst du wohl jetzt ein, wer dich inspirirt habe. Wenn jenen, der da bekannte, dass Christus Gott sei, der Geist Gottes gelehrt hat, so siehst du, dass du, der es leugnen konnte, von dem Geiste des Teufels unterrichtet bist.

Das Bekenntnis des heiligen Petrus sei der Glaube der ganzen Kirche.

Aber welche andern Aussprüche folgen nun jenem Worte des Herrn, mit welchem er den Petrus lobte? „Und ich,“ spricht er, „sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.“ Siehst du, dass die Erklärung des Petrus der Glaube der Kirche ist? Also ist notwendig ausserhalb der Kirche, wer den Glauben der Kirche nicht bewahrt: „Und dir.“ sagt der Herr, „werde ich geben die Schlüssel des Himmelreiches.“ Dieser Glaube hat den Himmel verdient, dieser Glaube hat die Schlüssel des himmlischen Reiches erhalten; sieh‘ also ein, was dich erwarten mag. Durch die Türe dieses Schlüssels wirst du nicht eingehen können, da du den Glauben dieses Schlüssels verleugnet hast. „Und die Pforten der Hölle,“ sagt er, „werden dich nicht überwältigen.“ Die Pforten der Hölle sind der Glaube oder vielmehr der Glaubensbruch der Häretiker. Denn so groß die Kluft ist zwischen Himmel und Hölle, so groß ist sie zwischen dem, der Christum als Gott bekennt, und dem, der ihn leugnet. „Was du auf Erden“ heißt es, „gebunden haben wirst, wird auch gebunden sein im Himmel; und was du auf Erden gelöst haben wirst, wird auch gelöst sein im Himmel.“ Der vollkommene Glaube des Apostels hat gewissermaßen die Macht der Gottheit erhalten, so dass, was er gebunden oder gelöst hatte auf Erden, auch gebunden war oder gelöst im Himmel. Wenn also du, der du gegen den Glauben des Apostels angehst, dich schon auf Erden gebunden siehst, so bleibt nur übrig. dass du erkennst, du seiest auch im Himmel gebunden. Aber es würde zu weit führen, das Einzelne durchzugehen, was durch seine Zahl die Abhandlung gar weitgedehnt und inhaltsreich machen würde, wollte man es auch nur kurz und knapp erwähnen.

Denselben Glauben des Petrus bekannte auch der hl.Thomas nach der Auferstehung des Herrn.

Aber ich will dir noch ein Zeugnis eines Apostels beifügen, damit du einsehest, dass mit dem, was vor dem Leiden des Herrn geschehen ist, auch das übereinstimme, was nach demselben folgte. Als der Herr bei verschlossenen Türen plötzlich in der Versammlung seiner Jünger erschien und ihnen die Wirklichkeit seines Leibes dartun wollte, was hat denn da der Apostel Thomas ausgerufen, nachdem er seinen Leib betastet, seine Seite berührt, seine Wunden untersucht und so die Wirklichkeit des gezeigten Körpers vollständig erfahren hatte? „Mein Herr ,“ sprach er, „und mein Gott!“ Sagte er vielleicht wie du: Mensch und nicht Gott, Christus und nicht die Gottheit? Er berührte den Leib seines Herrn und antwortete, dass er Gott sei. Hat er vielleicht irgend eine Unterscheidung des Menschen und Gottes vorgebracht, oder nannte er jenen Leib, wie du sagst, theodochisch, d. i. einen Empfänger der Gottheit; oder hat er nach Art deiner Ruchlosigkeit Etwas davon erwähnt, dass jener, welchen er berührte, nur wegen desjenigen, den er in sich aufgenommen hatte, nicht um seiner selbst willen zu verehren sei? Aber vielleicht kannte der Apostel Gottes diese Feinheit deiner Unterscheidung nicht und hatte nicht die Eleganz und Genauigkeit deines Urteils? Er war wohl ein ländlicher, ungebildeter Mann, der Nichts von dialektischer Kunst wußte und philosophische Untersuchungen nicht kannte, da ihm ja die Lehre seines Herrn überreich genügte und er durchaus nichts wußte, als was er durch den Unterricht von seinem Herrn gelernt hatte? Aber gerade deshalb war sein Wort himmlische Lehre, sein Glaube eine göttliche Unterweisung. Den Herrn, wie du es machst, von seinem Leibe zu trennen, hatte er nicht gelernt, und Gott von sich selbst loszureissen, davon wußte er durchaus nichts. Heilig, aufrichtig, fromm; hatte er nur Unschuld, Kenntnis, unverletzten Glauben, ein unverdorbenes Wissen; einen Sinn voll Einfalt. gepaart mit Klugheit, eine Weisheit mit vollkommener Einfalt, die nichts von Bosheit wußte, nichts von Verdorbenheit, und die von aller häretischen Verkehrtheit frei war; welche ferner die Form der göttlichen Lehre in sich ausdrückte und nur das festhielt, was sie gelernt hatte. Dieser ländliche und ungebildete Mann, wofür du ihn ja wohl hältst, bringt dich nun durch eine kurze Antwort in die Enge, vernichtet dich mit den wenigen Worten seiner Rede. Oder was hat der Apostel Thomas denn berührt, als er hinzutrat, um einen Gott mit den Händen anzufassen? Doch wohl ohne Zweifel Christum! Was hat er aber ausgerufen „Mein Herr,“ sagt er, „und mein Gott!“ Nun trenne, wenn du kannst, entweder Christum von Gott, oder ändere diese Rede, wenn du es vermagst. Biete jetzt auf deine dialektische Untersuchung, die weltliche Klugheit und jene törichte Weisheit voll schlauer Worte! Wende dich nach allen Seiten und sammle, was du immer an Geist und Kunst vermagst! Was du aber immer sagen oder tun willst, du kannst von hier keinen Ausweg finden, wenn du nicht gestehst. dass es Gott war, was der Apostel berührte. Wohl möchtest du vielleicht, wenn du auf irgend eine Art könntest, den Bericht der evangelischen Erzählung ändern, so dass weder zu lesen wäre, der Apostel Thomas habe den Leib des Herrn berührt, noch er habe Christum Herrn und Gott genannt. Aber was im Evangelium Gottes geschrieben ist, kann durchaus nicht geändert werden; denn Himmel und Erde werden vergehen, aber die Worte Gottes werden nicht vergehen. Auch jetzt nämlich ruft dir jener Apostel Thomas, welcher damals Zeugnis ablegte, zu: „Jesus, den ich berührte, ist Gott; Gott ist es, dessen Glieder ich betastete; denn ich habe nicht UnkörperIiches festgehalten, noch Unberührbares angerührt oder einen Geist mit der Hand gefaßt, so dass man glauben könnte, ich hätte nur von ihm gesagt: „Er ist Gott;“ denn ein Geist hat nach dem Auspruche meines Herrn nicht Fleisch und Bein. Ich habe den Leib meines Herrn berührt; ich habe Fleisch und Bein betastet; ich habe meine Finger an den Ort seiner Wunden gelegt und von Christo meinem Herrn, den ich betastet hatte, rief ich aus: „Mein Herr und mein Gott!“ Denn ich weiß keinen Unterschied zu machen zwischen Christus und Gott; ich will nicht sakrilegischen Meinungen Raum geben zwischen Jesus und Gott, und ich kann meinen Herrn nicht trennen von sich selbst. Weg von mir, wer immer du bist, der du Anderes denkst, Anderes redest. Ich weiß nichts davon, dass Christus etwas Anderes sei als Gott. Dies hielt ich wie meine Mitapostel fest, dies überlieferte ich den Kirchen, dies predigte ich den Heiden und rufe es auch dir zu: Christus ist Gott, Christus ist Gott! Anders denkt nicht der rechte Geist, anders redet nicht der gesunde Glaube; die Gottheit kann nicht von sich selbst getrennt werden; und da in allweg, was immer Christus ist, Gott ist, so kann in Gott nichts Anderes gefunden werden als Gott.

Er führt nun das Zeugnis Gottes des Vaters über die Gottheit des Sohnes an.

Was sagst du nun, o Häretiker? Genügen etwa diese Zeugnisse für den Glauben nicht auch der größten Ungleubigkeit oder muss man noch etwas beifügen? Und was könnte denn nach den Propheten, ja nach den Aposteln noch beigegeben werden, wenn nicht etwa auch du verlangst, wie einst die Juden, dass dir ein Zeichen vom Himmel gegeben werde? Dann muss dir aber auch auf deine Forderung geantwortet werden, was jene zur Antwort erhielten: „Dies böse und ehebrecherische Geschlecht verlangt ein Zeichen, es wird ihm aber keines gegeben werden, als das Zeichen des Propheten Jonas.“ Und in der Tat hätte auch dir wie den jüdischen Kreuzigern dies Zeichen hinreichen können, so dass du unsern Herrn für Gott hieltest, wenn auch nur durch das belehrt, was auch jene, seine Verfolger, zum Glauben an ihn brachte. Weil wir aber nun schon einmal eines himmlischen Zeichens Erwähnung getan haben, so will ich dir ein Zeichen vom Himmel zeigen und zwar ein solches. dem nicht einmal die Teufel je widersprochen haben; da sie, unter dem Drucke der zwingenden Wahrheit. obwohl sie die Körperlichkeit Jesu sahen, dennoch schrieen, er sei Gott, was er auch war. Was sagt also der Evangelist von unserm Herrn Jesus Christus ? Es heißt: „Nach der Taufe stieg er sogleich aus dem Wasser; und sieh, es öffnete sich ihm der Himmel, und er sah den Geist herabsteigen wie eine Taube und auf sich herabkommen. Und siehe eine Stimme vom Himmel sprach: Die ist mein geliebter Sohn. an welchem ich mein Wohlgefallen habe.“ Aber du wirst vielleicht , obwohl es ein Wahnsinn ist, zu sagen versuchen, dies sei vom Worte gesagt, nicht von Christus. Sage mir also: Wer war es, der getauft wurde? Das Wort oder Christus? Das Fleisch oder der Geist? Du kannst in allweg nicht leugnen, dass es Christus gewesen sei. Also jener Mensch, aus einem Menschen und Gott geboren, empfangen durch die Herabkunft des hl. Geistes auf die Jungfrau und durch die überschattende Kraft des Allerhöchsten, jener, der auf solche Weise der Sohn des Menschen und Gottes ist, er wurde, wie du nicht leugnen kannst, getauft. Wenn also dieser getauft, dieser genannt wurden da ja eben jener genannt wurde, der getauft worden war, wie es heißt: „Dieser ist mein gelabter Sohn, an welchem ich mein Wohlgefallen habe:“ kann dann noch etwas bezeichnender und ausdrücklicher gesagt sein? Christus ist getauft worden, Christus stieg aus dem Wasser empor, und dem getauften Christus öffnete sich der Himmel; um Christi willen stieg die Taube herab über Christus; in körperlicher Gestalt war der hl. Geist zugegen, Christum nannte der Vater. Wenn du zu leugnen wagst, dass dies von Christus gesagt sei, so bleibt dir nur übrig , zu behaupten, dass weder Christus getauft worden, noch der hl. Geist herabgekommen sei, noch auch der Vater gesprochen habe. Aber es drängt und preßt dich die Wahrheit selbst, so dass du sie nicht leugnen kannst, wenn du sie auch nicht eingestehen willst. Denn was sagt der Evangelist? „Nachdem er aber getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser.“ Wer ist getauft worden? Sicherlich Christus. Und, sagt er, „siehe, es öffnete sich ihm der Himmel.“ Wem denn, wenn nicht jenem, welcher getauft worden, also doch wohl Christo? „Und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabsteigen und auf sich herniederkommen.“ Wer sah? Freilich Christus. Auf wen stieg er herab? Gewiss auf Christus. „Und es kam eine Stimme vom Himmel, welche sprach.“ Von wem (sprach sie)? Nun, von Christus; denn was folgt hierauf? „Das ist mein geliebter Sohn, an welchem ich mein Wohlgefallen habe.“ Damit sich zeige, um wessen willen all jenes geschehen sei, folgt eine Stimme, die da sagt: „Dieser ist mein geliebter Sohn.“ Das heißt doch sagen: Dieser ist es, um dessen willen all dies geschehen ist ; denn dieser ist mein Sohn, und um seinetwillen öffnete sich der Himmel, um seinetwillen kam mein Geist, um seinetwillen ertönte meine Stimme. Denn dieser ist mein Sohn. Wen bezeichnet er nun mit dem Ausspruche: Dieser ist mein Sohn? Sicherlich jenen, welchen die Taube berührte. Wen hat nun die Taube berührt? Eben Christum. Also ist Christus der Sohn Gottes. So ist denn, wie ich glaube, mein Versprechen erfüllt. Du siehst nun wirklich, o Häretiker, dass dir ein Zeichen vom Himmel gegeben ist; und zwar nicht nur eines, sonder, sogar viele und ausgezeichnete. Denn du hast eines in der Öffnung des Himmels; ein Anderes in der Herabkunft des Geistes, ein drittes in der Stimme des Vaters. Dies alles zeigt doch auf das Deutlichste, dass Christus Gott sei, weil ihn sowohl die Aufschließung des Himmels als Gott bezeichnet, und die Herabkunft des hl. Geistes über ihn seine Gottheit bewährt, als auch die Anrede des Vaters bestätigt, dass er Gott sei. Denn der Himmel hätte sich nicht aufgetan, ausser zur Ehre seines Herrn, noch wäre der hl. Geist in körperlicher Gestalt herabgekommen, ausser über den Sohn Gottes. Auch der Vater hätte ihn nicht als Sohn erklärt, wenn er nicht wahrhaft sein Sohn gewesen wäre, besonders nicht mit diesen Bezeichnungen der göttlichen Abstammung, welche nicht nur die Wahrheit des frommen Glaubens bestärken, sondern auch die Verkehrtheit gottloser Meinung ausschließen sollten. Denn als der Vater mit der Herrlichkeit eines göttlichen Wortes ausdrücklich und deutlich gesagt hatte: „Dieser ist mein geliebter Sohn,“ da fügte er auch das Folgende bei: der geliebte nämlich, „an welchem ich mein Wohlgefallen habe.“ Wie er ihn also schon durch den Propheten als starken Gott und großen Gott verkündet hatte, so fügt er jetzt noch die Bezeichnung seines eigenen Sohnes bei, indem er sagt: „Mein geliebter Sohn, an welchem ich mein Wohlgefallen habe,“ damit so durch die Beifügung solcher Namen die Eigenheit der göttlichen Natur bezeichnet werde und, was durchaus keinem Menschen zukäme, ausschließlich zur Ehre des Sohnes Gottes gereichen möge. Wie es also etwas Eigenes und Besonderes bei der Person unseres Herrn Jesu Christi war, dass der Himmel sich öffnete, dass ihn Gott Vater vor aller Augen durch die Ankunft und Gegenwart der Taube gleichsam mit seiner Hand berührte und wie mit dem Finger zeigend auf ihn deutete, indem er sprach: „Dieser ist mein Sohn:“ so ist auch das für ihn eigentümlich und ausschließlich, dass er besonders der Geliebte und besonders der dem Vater Wohlgefällige genannt wird, so dass in allweg besondere Beisätze die besondere Bedeutung der Natur zeigen möchten und die Eigentümlichkeit des eingeborenen Sohnes, welche schon die Ehre der vorausgehenden Zeichen bewährt hatte, auch noch durch die Eigentümlichkeit der Beinamen bestätigt würde. Aber nun mag dieses Buch zu Ende sein; denn dieser Ausspruch Gottes des Vaters kann durch menschliche Worte weder verstärkt noch auch nur erreicht werden; uns ist Gott der Vater an und für sich schon ein genügend hinreichender Zeuge über unsern Herrn Jesus Christus, seinen Sohn, wenn er sagt : „Dieser ist mein Sohn.“ Wenn du glaubst, diesen Worten Gottes des Vaters widersprechen zu müssen, so musst du eben dem widersprechen, welcher mit der deutlichsten Erklärung die ganze Welt erkennen ließ, dass jener sein Sohn sei.

Viertes Buch

Dass Christus vor Annahme des Fleisches von Ewigkeit Gott gewesen sei.

Da wir nun drei Bücher vollendet haben und zwar mit den treuesten und gehaltvollsten Zeugen, deren Wahrheit nicht nur durch menschliche, sondern auch durch göttliche Aussprüche gehoben wurde, so könnte uns dies wegen der göttlichen Autorität zum Beweise unserer Sache weitaus hinreichen, da ja die göttliche Autorität in ihrer eigenen Sache doch sicherlich schon für sich allein genügt. Aber weil die Sammlung der hl. Schriften von solchen Zeugnissen voll ist, so dass dort so viele Beweise find als Aussprüche, ja die ganze hl. Schrift gleichsam nur ein Zeugnis des göttlichen Mundes ist: so glaubten wir noch einiges beifügen zu sollen, nicht wegen des nöigen Verweises, sondern weil der Stoff in Menge zuhanden ist, damit so alles, was zur Verteidigung nicht nötig ist, der Ausschmückung zu gute komme. Weil wir also in den vorigen Büchern nicht nur durch prophetische und apostolische, sondern auch durch Zeugnisse des Evangeliums und der Engel bewiesen haben, dass unser Herr Jesus Christus Gott war, als er im Fleische und auf Erden weilte, so wollen wir jetzt zeigen, dass derjenige, welcher im Fleische geboren wurde, auch vor Annahme des Fleisches immer Gott gewesen sei; damit du durch die übereinstimmenden und zusammenklingenden Zeugnisse der hl. Bücher einsehest, dass du ebendenselben in der leiblichen Geburt und als Menschen gleubig für Gott halten müssest, den du vor der leiblichen Geburt nur für Gott hältst, und dass man einen uud denselben vor der Geburt aus der Jungfrau als Gott-Wort bekennen müsse und nach dem Hervorkommen aus der Jungfrau als Gott im Fleische. Lerne also von dem Apostel, diesem Lehrer der ganzen Welt, dass jener, der da ist Gott ohne Anfang, dass der Sohn Gottes am Ende der Weltzeit, das ist in der Fülle der Zeiten Sohn des Menschen geworden sei; denn er sagt: „Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, der geworden ist aus dem Weibe, geworden unter dem Gesetze.“ Sage mir nun also: Hatte Gott einen Sohn, oder hatte er keinen, ehe der Herr Jesus Christus aus seiner Mutter Maria geboren wurde? Du kannst nicht leugnen, dass er einen hatte; denn es war weder jemals der Sonn ohue den Vater noch der Vater ohne den Sohn, weil ja der Vater wegen des Sohnes seinen Namen hat, wie der wegen des Vaters.

Er schließt aus dem Gesagten, dass die Jungfrau Maria einen Sohn geboren habe, der älter und größer war als sie.

Du siehst also, dass, wenn der Apostel sagt: „Gott sandte seinen Sohn,“ dann auch wirklich Gott seinen Sohn, um mich der Worte des Apostels selbst zu bedienen ja seinen Sohn gesendet hat. Denn er hat nicht irgend einen andern Sohn gesandt, weil es ja heißt, er habe den seinen gesandt; und er konnte überhaupt keinen senden, wenn nicht einer da war, der gesendet würde. Er sandte also, heißt es, seinen Sohn, der gemacht ist aus dem Weibe. Da er ihn also sandte, sandte er einen, der war; und da er den seinen sandte, hat er doch wahrhaftig nicht einen fremden, sondern eben den seinen gesendet. Wo bleibt nun also jener dein Beweis voll irdischer Schlauheit: „Keine gebiert einen, der älter ist als sie?“ Ist der Herr nicht älter als Maria? Ist der Sohn Gottes nicht älter als die Tochter des Menschen, und endlich Gott nicht älter als der Mensch, da es doch keinen Menschen gibt, der nicht von Gott käme? Du siehst also, dass Maria nicht nur einen geboren hat, der älter war als sie, nicht nur, sage ich, einen älteren, sondern ihren Urheber, und indem sie ihren Erzeuger gebar, wurde sie die Mutter ihres Vaters; weil es ja Gott ebenso möglich war, sich selbst die Geburt zu verleihen als einem Menschen; ebenso leicht, selbst aus einem Menschen geboren zu werden, als einen Menschen geboren werden zu lassen. Denn die Macht Gottes ist nicht beschränkt in Betreff seiner eigenen Person, so dass ihm nicht gestattet wäre für sich, was ihm gestattet ist bei alle, und dass Gott, der in der Natur seiner Gottheit sicherlich das hat, dass er alles kann, nur für seine Person das nicht haben sollte, dass er Gott sei im Menschen. Wir müssen also die leichtfertigen und hinfälligen Torheiten irdischer Beweise ausgeben und zurückweisen und nur dem einfachen Zeugnisse und der nackten Wahrheit glauben. Auch dürfen wir nur jenen Zeugen in Betreff Gottes glauben, welche Gott sandte, und in denen er so zu sagen selbst von sich predigte. Es ist ja doch billig, dass wir in Betreff seiner Erkenntnis ihm selbst glauben, von dem ja alles ist, was wir über ihn wissen; denn sicherlich konnte Gott von dem Menschen nicht erkannt werden, wenn er ihm nicht selbst die Erkenntnis seiner verliehen hätte. Deshalb ist es gerecht, dass wir alles glauben, was wir von demjenigen wissen, von welchem alles ist, was wir wissen, weil ja, wenn wir dem nicht glaube, von welchem unser Wissen stammt, es dahin kommt, dass wir überhaupt nichts wissen, indem wir jenem nicht glauben, durch welchen wir wissen.

Aus dem Briefe an die Römer beweist er die ewige Gottheit Christi.

Nachdem also durch den obigen Beweis klar geworden ist, dass Gott seinen Sohn sandte, und dass jener der Sohn des Menschen wurden welcher immer Sohn Gottes war; so lasst uns nun sehen, ob nicht derselbe Apostel an anderer Stelle etwas diesem Beweise ähnliches gesagt habe, so dass die durch sich selbst schon leuchtende Wahrheit durch das doppelte Licht der Zeugnisse noch mehr leuchtet. Es sagt also derselbe Apostel: „Es sandte Gott seinen Sohn in die Ähnlichkeit des Fleisches der Sünde.“ Siehst du also, dass der Apostel nichts zufällig oder unüberlegt gesagt habe, so dass er das einmal Gesagte nicht weiter beachtet, weil nämlich weder ein Zufall noch eine Unüberlegtheit bei demjenigen eintreten konnte, in welchem die Fülle göttlicher Einsicht und Rede wohnte? Der also sagt: „Es sandte Gott seinen Sohn in die Ähnlichkeit des Fleisches der Sünde,“ Ebenderselbe wiederholt, Ebenderselbe sagt so eindringlich: Es sandte Gott seinen Sohn. O gewiss ein herrlicher und bewunderungswürdiger Lehrmeister, der da wußte, wie hierin das ganze Geheimnis des katholischen Glaubens enthalten sei, dass der im Fleische geborne Herr auch gleubig für den in diese Welt gesandten Sohn Gottes gehalten werde, und der deshalb gerade dieses wieder und wieder laut sagt: „Es sandte Gott seinen Sohn.“ Es ist auch kein Wunder, wenn der ganz besonders zur Verkündung der Ankunft Gottes Gesandte so predigte, da dies auch vor dem Gesetze der Gesetzgeber selbst ausrief, indem er sagte: „ich beschwöre dich, o Herr: suche einen Andern, den du senden mögest.“ Das liest man in der Aufgabe der Hebräer noch deutlicher: „ich beschwöre dich, o Herr: sende, den du senden wirst.“ Der fromme Prophet, welcher in sich das Gefühl des ganzen menschlichen Geschlechtes hatte, erflehte von Gott dem Vater gleichsam mit der Stimme alles menschlichen Fleisches, dass derjenige, welcher von dem Vater zur Erlösung und Rettung aller gesendet werden sollte, so schnell wie möglich gesandt werde, und sprach: ,,ich beschwöre dich, o Herr: sende, den du senden willst. „Es sandte“ also, sagt er, „Gott seinen Sohn in die Ähnlichkeit des Fleisches der Sünde.“ Trefflich hat er die Sünde des Fleisches von ihm ausgeschlossen, als er ihn den im Fleische Gesandten hieß. Denn er sagt: „Es sandte Gott seinen Sohn in die Ähnlichkeit des Fleisches der Sünde.“ Das ist dazu, dass man erkennen möge, es sei in der wahren Annahme des Fleisches doch nicht die wirkliche Sünde gewesen, und damit in Bezug auf den Körper die Wirklichkeit verstanden werde, in Bezug auf die Sünde aber nur die Ähnlichkeit derselben. Da nämlich alles Fleisch sündhaft ist, jener aber einen Leib ohne Sünde hatte, so hatte er die Ähnlichkeit des sündigen Fleisches an sich, so lange er im Fleische war; die Wirklichkeit der Sünde aber hatte er nicht, da er ohne Sünde war. Also heißt es: „Es sandte Gott seinen Sohn in die Ähnlichkeit des Fleisches der Sünde.“

Er bringt noch von anderer Seite Zeugnisse für dieselbe Lehre vor.

Willst du wissen, wie trefflich diese Aussprüche des Apostels seien, so höre, wie dieselben in den Mund des Apostels gleichsam aus dem Mund des Herrn selbst geflossen seien da der Herr spricht: „Denn es sandte Gott seinen Sohn nicht in die Welt, um die Welt zu richten, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde.“ Siehe da, wie der Augenschein dir zeigt, hat der Herr selbst bestätigt, dass er vom Vater zum Heile des menschlichen Geschlechtes gesandt sei. Wenn du nun glaubst, dass noch deutlicher erklärt werden müsse, welchen Sohn Gott zur Erlösung der Menschen gesandt habe, obgleich es doch nur einen eigentlichen und eingeborenen Sohn Gottes gibt, so dass, wenn es von Gott heißt, er habe seinen Sohn gesandt, hiemit doch sicherlich gezeigt ist, er habe seinen Eingeborenen gesendet: so höre, wie der Prophet David denjenigen, der zum Heile der Menschen geschickt ist, auf das Deutlichste bezeichnet: „Er sandte sein Wort und heilte sie.“ Kannst du nun das so wenden, als ob es vom Fleische gelte, so dass du sagest, es sei zur Erlösung des Menschengeschlechtes nur ein Mensch von Gott gesandt worden? Das kannst du keineswegs; denn es ruft dir mit allen heiligen Schriften der Prophet David entgegen und sagt: „Er sandte sein Wort und heilte sie.“ Du siehst also, dass zur Erlösung der Menschen das Wort gesandt worden sei; weil, obgleich das Heil durch Christus gegeben wurde, doch das Wort Gottes in Christus war und durch Christus alles rettete. So wurde, nachdem Christus und das Wort Gottes durch das Geheimnis der Menschwerdung geeint waren, eben Christus und das Wort Gottes der eine Sohn Gottes nach beiden Seiten hin. Das wollte sicherlich der Apostel Johannes offen darlegen und sagte: ,,Es sandte Gott seinen Sohn als Erlöser der Welt.“ Verstehst du, zu welch‘ untrennbarer Verbindung er Gott und den Menschen vereint? Denn Christus, der aus Maria geboren wurde, wird ohne Zweifel Erlöser genannt nach jener Stelle: „Es ist euch heute der Erlöser geboren worden, der da ist Christus, der Herr.“ Dieser aber nennt gerade das Wort Gottes, welches gesandt worden, den Erlöser. indem er sagt: „Es sandte Gott seinen Sohn als Erlöser der Welt.“

Wegen der hypostatischen Verbindung beider Naturen in Christo werde mit Recht das Wort sowohl Erlöser oder leiblicher Mensch als auch Sohn Gottes genannt.

Es ist also klar, dass wegen des Geheimnisses des mit dem Menschen vereinigten Wortes Gottes sowohl das Wort, welches zur Erlösung gesandt worden, Erlöser heißt als auch der im Fleische geborene Erlöser durch die Gemeinschaft mit dem Worte Sohn Gottes genannt wird; und weil so Gott mit dem Menschen vereint ist, so wird, ohne dass man auf den Unterschied in der Majestät beider Namen achtet, alles, was Mensch und Gott ist, im vollen Sinn Gott genannt. Deshalb fügt derselbe Apostel treffend bei, indem er sagt: „Wer immer glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott, und die Liebe Gottes ist in ihm vollkommen.“ Jenen verkündet er als wahrhaft gläubig, jenen als sicher erfüllt von der göttlichen Liebe, welcher Jesum gläubig als Sohn Gottes bekennt. Er bezeugt aber, dass das Wort Gottes der Sohn Gottes sei, und damit will er, dass das eingeborene Wort Gottes und Jesus Christus, der Sohn Gottes, ganz für ein- und dasselbe gehalten werden. Willst du aber vollständiger wissen, dass, obwohl Christus dem Leibe nach wahrhaft als Mensch vom Menschen geboren wurde, dennoch wegen der unaussprechlich geheimnisvollen Einheit, in welcher der Mensch mit Gott verbunden ist, durchaus kein Unterschied zwischen Christus und dem Worte sei? Höre das Evangelium des Herrn, ja höre vielmehr den herabkommenden Gott selbst! „Das ist,“ sagt er, „das ewige Leben, dass sie dich erkennen, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesum Christum.“ Oben hast du gehört, dass das Wort Gottes zur Rettung der Menschen gesandt worden sei; hier aber hörst du, das derjenige, welcher gesandt wurde, Jesus Christus sei. Trenne das, wenn du kannst, da du doch siehst, dass die Einheit Christi und des Wortes so groß sei, dass man nicht nur von dem mit Christus vereinigten Worte redet, sondern dass auch gerade wegen der Einheit Christus selbst das Wort genannt wird.

Dass eine Person in Christus sei.

Aber du glaubst vielleicht, dass hierin noch zu wenig Licht sei; nicht weil es zu wenig hell ist, sondern weil die finstere Ungleubigkeit sich immer selbst mitten im Lichte Finsternisse macht. Höre also, wie der Apostel in wenigen Worten dies ganze Geheimnis der Einheit des Herrn zusammenfaßt und sagt: „Ein Herr Jesus Christus, durch welchen alles ist.“ O guter Jesu, welches Ansehen haben deine Worte! Denn dein ist, was von den deinen durch dich gesagt wird! Siehe, wie vieles dieser Ausspruch des Apostels in wenigem enthält! Er sagt: „Ein Herr Jesus Christus, durch welchen alles ist.“ Hat er etwa irgend welche Umschweife in den Worten gemacht, um das Dunkel eines solchen Geheimnisse zu predigen, oder hat er das, was er uns zum Verständnisse bringen wollte, in langer Rede und Abhandlung dargelegt? .“Ein Herr,“ sagt er, „Jesus Christus, durch welchen alles ist.“ So hat er in einfacher und kurzer Rede ein Geheimnis von solcher Majestät gelehrt, voll jenes Vertrauens, in welchem er wusste, dass seine Rede im Amte Gottes nicht langer Beweisführungen bedürfe, und dass die Gottheit seinen Worten Glauben verschaffe. Denn es genügt zur Bestätigung der Worte die Darlegung der Verhältnisse, wenn die Bewährung in dem Ansehen des Sprechenden liegt. Also „Ein Herr Jesus Christus.“ sagt er, „durch welchen alles ist.“ Denke nun nach, wo du das von dem Worte des Vaters gelesen hattest, was du hier von Christus liesest. „Alles“, sagt das Evangelium, „ist durch dasselbe gemacht worden, und ohne dasselbe wurde nichts gemacht.“ Der Apostel sagt: „Durch Christus ist alles;“ das Evangelium sagt: „Durch das Wort ist alles.“ Widersprechen sich nun die hl. Aussprüche? Gewiss nicht, sondern es ist ein- und derselbe, welchen der Apostel Christus nennt durch den alles erschaffen sei, und welchen der Evangelist als das Wort bezeichnet, durch welches alles gemacht worden sei. Höre, sage ich, was von sich selbst das Wort Gottes verkündet: „Niemand“, sagt es, „steigt in den Himmel hinauf, als wer vom Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist.“ Und wieder sagt es: „Wenn ihr werdet gesehen haben den Sohn des Menschen hinaufsteigen, wo er früher war.“ Er sagte, dass der Sohn des Menschen im Himmel gewesen sei, und lehrte, dass der Sohn des Menschen vom Himmel herabgestiegen sei. Wie steht es nun? Was zögerst du? Leugne das, wenn du kannst! Aber du verlangst einen Grund für das Gesagte. Ich gebe keinen; denn Gott hat dies gesagt, Gott hat es zu mir gesprochen; sein Wort ist der höchste Grund. ich weise zurück die Beweise, ich weise zurück den Streit; es genügt mir zur Gleubigkeit die Person des Sprechenden schon allein. Es ist mir nicht erlaubt, über die Glaubwürdigkeit des Gesagten im Zweifel zu sein; es ist mir nicht erlaubt, zu überlegen. Was soll mir das Nachsuchen, wie das wahr sei, was Gott gesagt hat., da ich nicht zweifeln darf, dass seine Worte wahr seien? „Niemand“, sagt er, „steigt in den Himmel hinauf, als wer vom Himmel herabstieg, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist.“ Das Wort des Vaters war freilich immer im Himmel; aber wie sagt nun jener, dass der Sohn des Menschen immer im Himmel gewesen sei? Erkenne also, dass er lehrte, der Sohn des Menschen sei jener, welcher immer der Sohn Gottes war, da er doch sicher bestätigt, dass jener, welcher vor kurzem Sohn des Menschen wurde, immer im Himmel gewesen sei. Dazu kommt noch etwas Wichtigeres, dass er nämlich bezeugt, es sei derselbe Sohn des Menschen, nämlich das Wort Gottes, von welchem er das Herabsteigen vom Himmel aussagte, auch da gerade im Himmel, als er auf Erden redete. Denn er sagt: „Niemand steigt in den Himmel, als wer vom Himmel herabkam, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist.“ Wer ist es, ich bitte dich, der dieses spricht? Sicher Christus. Wo aber war er damals, als er sprach? Nun, auf Erden. Und wie behauptet er nun einerseits, er sei vom Himmel gestiegen als er geboren wurde, anderseits, er sei im Himmel, als er redete? Und wie sagt er, dass eben er der Sohn des Menschen sei, da er doch wahrhaftig nur als Gott vom Himmel herabsteigen und nur durch die Unendlichkeit Gottes im Himmel sein konnte, als er auf Erden redete? Merke also doch und verstehe, dass Ebenderselbe Sohn des Menschen ist, welcher das Wort Gottes ist; nämlich Sohn des Menschen, soweit er wahrhaft aus Menschen geboren wird, und Wort Gottes, insofern derselbe, welcher auf Erden redet, immer im Himmel bleibt. So kommt es also von der menschlichen Geburt, dass er sich wahrhaft einen Sohn des Menschen nennt; aber von der göttlichen Unendlichkeit, dass er sich gar nicht vom Himmel entfernt. So lehrt treffend gemäß den göttlichen Worten der Apostel, wenn er sagt: „Denn der da herabstieg, ist jener selbst, der auch hinaufstieg über alle Himmel, um alles zu erfüllen;“ so dass er von einem und demselben das Herabsteigen und Hinaufsteigen aussagt. Aber herabsteigen vom Himmel konnte nur das Wort Gottes. Dieses hat in der Tat, „als es in der Gestalt Gottes war, sich selbst erniedrigt, die Knechtsgestalt angenommen, ward zum Gleichbild der Menschen und im Äussern erfunden als Mensch. Er erniedrigte sich selbst. wurde gehorsam bis zum Tode, und zwar bis zum Tode des Kreuzes.“ Es stieg also herab vom Himmel das Wort Gottes; es stieg aber hinauf der Sohn des Menschen; von einem und demselben aber sagt er das Herabsteigen und Hinaufsteigen aus: also siehst du, dass Ebenderselbe Sohn des Menschen ist, der das Wort Gottes ist.

Er kehrt zu der frühern Betrachtung zurück, um gegen die Nestorianer zu zeigen, dass das, was der göttlichen Natur zukomme, von dem Menschen ausgesagt werde, als wäre er die Person der göttlichen Natur; und das, was Sache der menschlichen Natur sei, von Gott (gesagt werde), als wäre er die Person der menschlichen Natur, deshalb weil in Christus nur eine einzige und einfache Person ist.

So müssen wir nun also ohne Zagen und Zaudern bekennen, dass der Sohn des Menschen vom Himmel herabgestiegen und dass der Herr der Majestät gekreuzigt worden sei, weil nach dem Geheimnisse der Fleischannahme ebenso der Sohn Gottes Sohn des Menschen gewordn ist, wie im Sohne des Menschen der Herr der Majestät gekreuzigt wurde. Und wozu nun noch mehr? Es wäre zu lange, über das Einzelne vieles zu sagen; denn es wird mir der Tag nicht reichen, wenn ich versuchen will, alles, was hierfür angeführt werden kann, zusammenzusuchen und darzulegen. Wer dies will, muss die ganze hl. Schrift wieder durchgehen und lesen. Denn wo ist etwas was sich nicht hierauf bezöge, da doch alles gerade deswegen geschrieben ist? Kurz und knapp muss ich also einiges sagen, damit es überhaupt gesagt werden kann, muss manches mehr aufzählen als aufführen und so zu sagen Verlust durch Verlust verhindern; denn es muss fast alles werden, da es sich ziemt, dass einiges durchgenommen werde. „Es kam also“, sagt der Erlöser im Evangelium, „ der Sohn des Menschen, zu retten, was verloren war.“ Und der Apostel sagt: „Es ist ein zuverlässiges Wort und aller Annahme würdig, dass Jesus Christum in die Welt kam, die Sünder zu retten, deren erster ich bin.“ Aber auch der Evangelist Johannes sagt: „Er kam in sein Eigentum, und die seinen nahmen ihn nicht auf.“ Siehst du also, dass die Schrift hier von dem Sohne des Menschen, dort von Jesus Christus und dann wieder von dem Worte Gottes lehrt, es sei in die Welt gekommen? Verstehe nun, dass die Unähnlichkeit nur in den Benennungen liege, nicht in der Sache, und dass in der verschiedenen Form der Namen die gleiche Bedeutung sei; denn obgleich nun der Sohn des Menschen, nun der Sohn Gottes, d. i. das Wort, als in die Welt gekommen bezeichnet wird, so wird doch mit beiden Namen nur einer bezeichnet.

Dass diese Verschiedenheit der Benennungen der göttlichen Macht keinen Abbruch tue.

Da nun sicher nach dem Evaugelisten jener in die Welt kam, durch welchen die Welt erschaffen wurde, und jener Sohn des Menschen geworden ist. welcher der Schöpfer der Welt ist, – Gott: so liegt nichts daran, wie derjenige im einzelnen genannt wird, der in Allem als Gott erkannt wird. Denn nie spricht ihre Gnade oder ihr Wille gegen die Gottheit: da ja gerade dies das göttliche Wesen noch mehr beweist, wenn es alles war, das es wollte. Also kam es auch in die Welt, weil es wollte, und Gott wurde als Mensch geboren, weil er wollte, und wurde Sohn des Menschen genannt, weil er wollte. Denn wie all dies Namen Gottes sind, so sind es auch Machtäusserungen von ihm. Es verminderte in ihm die Unähnlichkeit des Namens nicht die Macht und Gewalt. Wie er auch immer genannt wurde, in allem ist es das eine. Also in der Form der Worte ist einige Verschiedenheit, aber in der Bedeutung der Namen ist nur die eine Majestät.

Er bekräftigt diese Lehre durch das Ansehen der alten Propheten.

Weil wir nun aber bisher meist die evangelischen und apostolischen Zeugen in Anwendung brachten, die als neu gelten können, so wollen wir nun solche von den alten prophetischen anführen, indem wir zuweilen Neues dem Alten beimischen, damit alle einsehen, dass die hl. Schrift gleichsam mit ihrem ganzen Körper wie mit einem Munde gerufen habe, es werde der Herr im Fleische erscheinen. Es sagt also jener ausgezeichnete und bewunderungswürdige Prophet Jeremias, der reich war wie an Gottes Gnade so an Zeugnis, und dem es allein zu Teil ward, vor der Geburt geheiligt zu werden: „Dieser ist unser Herr; es wird kein anderer mit ihm verglichen werden. Er fand jeden Weg der Zucht und gab ihn Jakob, seinem Diener, und Israel, seinem Liebling. Danach ward er auf Erden gesehen und wandelte unter den Menschen.“ Dieser ist also, sagt er, unser Gott. Siehst du nun, dass der Prophet wie mit dem Zeigefinger auf Gott hinweist und wie mit deutender Hand ihn zeigt? Denn dieser ist, sagt er, unser Gott. Sage mir doch, auf welchen Gott der Prophet damals mit diesen Zeichen und Andeutungen hinwies! Aber wozu war es denn nötig, dass derjenige gezeigt wurde, von welchem alle glaubten, dass sie ihn kennen? Denn die Juden kannten ja Gott, da sie unter dem Gesetze Gottes lebten. Aber darum handelte es sich, dass sie den Sohn Gottes als Gott kennen lernen sollten. Und deshalb sagte der Prophet treffend, dass jener, welcher alle Zucht gefunden d. i. das Gesetz gegeben hatte, auf Erden zu schauen sein d. i. im Fleische kommen werde, damit die Juden, welche nicht zweifelten, dass der Gesetzgeber Gott sei, erkennen möchten, es sei auch jener Gott, welcher im Fleische erscheinen werde, da sie ja hörten, es werde gerade derjenige. welchen sie gleubig für Gott, den Gesetzgeber, hielten, unter den Menschen gesehen werden durch die Annahme des menschlichen Fleisches; um so mehr, als Ebenderselbe seine eigene Ankunft durch den Propheten versprach: „Siehe, ich selbst, der ich rede, bin da.“ „Es wird also“, sagt die hl. Schrift, „kein anderer mit ihm verglichen werden.“ Schön hat hier der Prophet, welcher die falschen Lehrbestimmungen voraus sah, den ganzen Sinn der häretischen Verkehrtheit ausgeschlossern, da er sagt: „Es wird kein anderer mit ihm verglichen werden.“ Denn das ist der Eine, der aus Gott zum Gotte geboren wurde, dessen Befehl die ganze Schöpfung folgte, dessen Wille der Anfang der Dinge ist, dessen Machtwort weltschöpferisch war, der sprach, und alles ward, der befahl, und alles war geschaffen, dieser ist der Eine, der zu den Patriarchen sprach, der in den Propheten weilte, der aus dem Geiste empfangen und aus der Jungfrau Maria geboren wurde, der in der Welt erschien, unter den Menschen wandelte, den Schuldbrief der Sünde an das Holz des Kreuzes heftete, durch sich selbst triumphierte, der durch seinen Tod die uns widerstrebenden und feindlichen Kräfte vernichtete, allen die Zuversicht der Auferstehung verlieh und durch die Verherrlichung seines Leibes die Verderbnis des menschlichen Fleisches aufhob. All dies ist also unserm Herrn Jesus Christus eigentümlich, und deshalb wird kein anderer mit ihm verglichen werden, weil er allein in dieser Einzigkeit der Glorie und Seligkeit Gott von Gott geboren wurde. Das wurde also damals durch die prophetische Lehre bezweckt, dass er von allen als der eingeborene Sohn Gottes des Vaters erkannt würde; und da sie hörten, dass mit dem Sohne kein anderer Gott verglichen werde, so sollten sie erkennen, dass durchaus im Vater und Sohne der eine Gott sei. „Danach“, sagt er, „wurde er auf Erden gesehen und wandelte mit den Menschen.“ Siehst du, dass hier deutlich die Ankunft und Geburt des Herrn bezeichnet wird ? Oder ist denn jemals der Vater, der, wie wir lesen, nur dem Sohne sichtbar ist, auf Erden gesehen oder im Fleische geboren worden, oder ist er unter den Menschen gewandelt? Durchaus nicht. Du siehst also ein, dass all dieses von dem Sohne Gottes gesagt ist. Denn da der Prophet sagt, dass Gott auf Erden zu schauen sei, und ein anderer als der Sohn nicht auf Erden gesehen wurde, so hat ohne Zweifel der Prophet dies von keinem andern gesagt als von jenem, in Betreff dessen sich nachher das Wort durch die Tat bewährte; denn wenn er geradezu sagt, Gott werde gesehen werden, so konnte er dies von keinem andern in Wahrheit sagen als von dem, der nachher wirklich gesehen wurde. Aber hievon mag es jetzt genug sein, und wir wollen zu anderm übergehen. Der Prophet Jesaja sagt: „Der Erwerb Ägyptens und Äthiopiens Handelsgewinn und die hohen Männer der Sabäer werden an dich übergehen und dir eigen sein. Hinter dir werden sie gehen, in Handfesseln einberschreiten und werden dich anbeten und anflehen: „„Wahrhaftig in dir ist Gott, und nicht ist ein Gott ausser dir.“ “ Denn du bist unser Gott, und wir wussten es nicht, Israels Gott und Heiland!“ Wie tresfflich stimmen doch die göttlichen Schriften immer zusammen. Denn der vorige Prophet hat gesagt. „Dieser ist unser Gott,“ — der jetzige aber: „Du bist unser Gott.“ Bei jenem also haben wir die göttliche Lehre, bei diesem das menschliche Bekenntnis. Der eine entfaltet die Rolle des lehrenden Meisters, der andere die des bekennenden Volkes. Stelle dir nun den Propheten Jeremias, wie er es ja wirklich tut, als täglich in der Kirche lehrend vor, da er eben über unsern Herrn Jesus Christus sagt: „Dieser ist unser Gott“: was würde doch die ganze Kirche, wie sie auch wirklich tut, Anderes antworten, als was der andere Prophet zu unserm Herrn Jesus Christus sprach: „Du bist unser Gott“; so dass dem gegenwärtigen Bekenntnisse ganz gut auch die frühere Unwissenheit beigesetzt werden kann, da das Volk sagt: „Du bist unser Gott, und wir wussten es nicht;“ denn wohl können jene, welche früher von teuflischem Aberglauben eingenommen waren und Gott nicht kannten, nach ihrer Bekehrung zum Glauben sagen : „Du bist unser Gott, und wir wussten es nicht.“

Er beweist die Gottheit Christi sowohl aus der Treulosigkeit der judaisierenden Juden, als aus dem Bekenntnisse jener, welche sich zum Glauben Christi bekehren.

Wenn du nun lieber willst, dass dir ebendasselbe aus dem Beispiele der Juden bewiesen werde, so betrachte die Stämme der Juden, wie sie sich nach jener unseligen Unwissenheit und gottlosen Verfolgung zum Glauben bekehren und Gott erkennen, und siehe, ob sie mit Recht sagen können: „Du bist unser Gott und wir wussten es nicht.“ Aber ich füge noch etwas anderes hinzu, damit ich nicht nur den bekennenden, sondern auch von den verleugnenden den einen Beweis für dich hernehme. Frage also jene Juden, welche noch in der Gottesschändung verharren, ob sie Gott kennen oder an ihn glauben. Sie werden sicher behaupten, dass sie erkennen und glauben. Frage sie dagegen, ob sie an den Sohn Gottes glauben, und sie werden gewiss verneinen und lästern. Du siehst also, dass der Prophet dies von jenem gesagt hat, welchen die Juden niemals kannten und noch nicht kennen; nicht aber von jenem, den sie ganz sicher gleubig zu bekennen meinen. Und deshalb können diejenigen unter den Juden, welche nach der Unwissenheit zum Glauben kamen, ganz gut sagen: „Du bist unser Gott, und wir wussten es nicht.“ Ja mit Recht sagen jene, welche nach der Unwissenheit glauben, dass sie den nicht kannten, von welchem die noch Ungleubigen hehaupten, dass sie ihn nicht kennen; denn es ist offenbar, dass die nach der Unwissenheit gleubig Bekennenden sagen, sie hätten den früher nicht gekannt. welchen die Widersprechenden noch nicht kennen.

Er kehrt nun zu der Weissagung des Jesaja zurück.

Es heißt also: „Der Erwerb Ägyptens und der Handelsgewinn Äthiopiens und die hohen Männer der Sabäer werden an dich übergehen.“ Es ist nun niemandem zweifelhaft, dass mit diesen Namen verschiedener Völker die Ankunft der gleubigen Heiden bezeichnet werde. Du vermagst aber nicht zu leugnen, dass die Heiden zu Christus übergegangen seien, da sie ja durch die Aneignung des Namens „Christenheit“ nicht bloß dem Glauben, sondern selbst dem Namen nach zu dem Herrn Jesus Christus übergingen. Denn wenn sie ebendasselbe genannt werden, was sie sind, so ist ja das Werk des Glaubens zum geheimnisvollen Inhalte des Namens geworden. „An dich“, heißt es, „werden sie übergehen und dein sein; hinter dir werden sie gehen und in Handfesseln einherschreiten.“ Wie dies nun Bande des Zwanges sind, so sind es auch Bande der Liebe, nach jenem Worte des Herrn: „Ich zog sie an in Banden der Liebe.“ Ja, wahrhaft mächtig sind diese Bande und von unausprechlicher Liebe, da jene, welche mit ihnen gefesselt sind, sich ihrer Ketten freuen. Willst du wissen . ob das wahr sei, so höre den Apostel Paulus, der sich freut und jubelt über seine Fesseln, da er sagt: „So beschwöre ich euch nun, ich, der Gebundene im Herrn.“ Und dann: „Ich bitte dich — da du so bist wie Paulus, ein Greis — nun aber auch ein Gefangener Christi Jesu.“ Siehst du, wie er sich freute über das Verdienst seiner Fesseln, durch deren Beispiel er auch Andere anreizte? Es ist aber kein Zweifel, dass jene, in welchen die gleiche göttliche Liebe war, auch das gleiche Gefühl für die göttliche Gefangenschaft hatten, nach jener Stelle: „Aber es war bei der Menge der Gleubigen nur ein Herz und eine Seele.“ — „Dich“, heißt es, „werden sie anbeten und anflehen, weil in dir Gott ist und ausser dir nicht Gott.“ Das Wort des Propheten hat augenscheinlich der Apostel ausgelegt, da er sagt: „Gott war in Christus, die Welt mit sich versöhnend.“ In dir also, sagt er, ist Gott, und nicht ist ausser dir Gott. Trefflich hat der Prophet mit dem Worte: „In dir ist Gott“ nicht nur den gezeigt, der gegenwärtig war, sondern auch denjenigen, welcher in dem Gegenwärtigen war, indem er nämlich durch die Bezeichnung der Naturen, nicht durch die Leugnung der Einheit, den Einwohnenden von jenem unterschied, in welchem er wohnte.

Dass der Name „Erlöser“ anders Christo und anders einzelnen Menschen verliehen worden sei.

„Du,“ sagt er, „bist Gott, und wir wussten es nicht, Israels Gott und Erlöser.“ Obgleich die Schrift schon in vielen und augenfälligen Zeichen gezeigt hat, von wem sie rede, so hat sie doch auf’s Klarste in dem Namen des Erlösers den Namen Christi ausgedrückt, weil sicherlich derselbe Erlöser ist, welcher Christus ist, da der Engel sagt: „Es ist euch heute der Erlöser geboren worden, der da ist Christus der Herr.“ Es ist ja Niemandem zweifelhaft, dass Jesus im Hebräischen einen Erlöser bedeute, wie auch der Engel der hl. Jungfrau Maria bezeugt, da er sagt: „Und du wirst seinen Namen Jesus nennen, denn er wird sein Volk von dessen Sünden erlösen.“ Nun sollst du aber ja nicht sagen, dass er in der nämlichen Weise Erlöser genannt sei, in welcher es von Andern heißt : „Und es erweckte ihnen der Herr einen Erlöser, Othoniel, den Sohn des Chonez;“ und wieder: „Es erweckte ihnen der Herr einen Erlöser, Aod, den Sohn des Gera.“ Deshalb fügt er bei: „Und er wird sein Volk von dessen Sünden erlösen.“ Es ist aber nicht Sache einer menschlichen Hilfe, das Volk von der Gefangenschaft der Sünde zu erlösen, da dies allein jenem möglich ist, von welchem es heißt: „Siehe das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt.“ Die andern haben ja nicht ihr Volk, sondern das Volk Gottes, und nicht von den Sünden, sondern von den Feinden erlöst.

Er führt nun aus, an wessen Stelle der Prophet sich gestellt habe, in jenen Worten: „Du bist unser Gott, und wir wussten es nicht.“

Er sagt also: „Du bist unser Gott, und wir wussten es nicht, Gott, der Erlöser Israels.“ Von welchen nun glaubst du am ehesten, dass sie so sagen? Auf wen glaubst du, dass es besser passe, auf die Juden oder auf die Heiden? Wenn auf die Juden — nun, die Juden haben sicherlich Christum nicht erkannt nach jener Stelle: „Israel aber hat mich nicht erkannt, und mein Volk mich nicht verstanden.“ Und nach der andern Stelle: „Und die Welt ist durch ihn gemacht, und die Welt erkannte ihn nicht; er kam in sein Eigentum, und die seinen nahmen ihn nicht auf“ Wenn aber auf die Heiden — nun so ist es offenbar, dass das Heidentum, welches von seinen Götzen eingenommen war, Christum nicht kannte, da es ja auch den Vater nicht kannte, und wenn es ihn jetzt kennt, ihn nur durch Christum kennt. Du siehst also, dass das gleubige Volk, mag es aus den Heiden stammen oder aus den Juden, ganz gut von sich sagt: „Du bist unser Gott, und wir wussten es nicht, Gott, Israels Erlöser.“ Ja, weder die Heiden, welche früher Götzen verehrten, kannten Gott, noch haben die Juden, welche den Herrn verleugneten, den Sohn Gottes erkannt, und deshalb sagen sowohl jene als diese ganz gut von Christo: „Du bist unser Gott, und wir wussten es nicht ;“ denn jene, welche nicht glaubten, kannten Gott ebenso wenig als jene, welche den Sohn Gottes leugneten. So muss also Christus geglaubt werden, wie die Wahrheit sagt, wie die Gottheit bezeugt, wie endlich Christus selbst predigt, der beides ist. Wozu nun, unseliger Wahntrieb, suchst du dich zwischen Gott und Christus hineinzudrängen? Wozu verlangst du, von dem Sohne Gottes seinen Leib zu trennen und strebst, Gott von sich selbst zu scheiden ? Vereintes zerteilst du und eng Verbundenes trennst du! Glaube doch in betreff Gottes dem Worte Gottes; denn durch nichts kannst du die göttliche Natur Gottes überhaupt besser bekennen, als wenn du ebendasselbe, was die Gottheit von sich lehrt, als dein Bekenntnis aussprichst. Denn wisset, dass, nach dem Propheten. „der Herr selbst Gott ist, der ausfindig machte jeglichen Weg der Zucht; – der wirklich auf Erden gesehen wurde und unter den Menschen wandelte. Er selbst brachte das Licht des Glaubens in die Welt, er zeigte das Licht des Heils; denn „Gott ist der Herr und leuchtete uns auf.“ Diesen also glaube, ihn liebe, ihn bekenne; denn wenn ihm, wie geschrieben steht, jedes Knie sich beugen wird derer, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind, und jede Zunge bekennen wird, dass der Herr Jesus Christus ist in der Herrlichkeit Gottes des Vaters: so wirst du, magst du nun wollen oder nicht, eingestehen müssen, dass der Herr Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters ist. Denn das ist das volle Gewicht eines vollkommenen Bekenntnisses, einzugestehen, dass unser Gott und Herr Jesus Christus immer sei in der Herrlichkeit Gottes des Vaters, Amen.

Fünftes Buch

Er geht nun auf das Heftigste vor gegen die Pelagianisten, welche behaupten, Christus sei ein bloßer Mensch.

Wir haben im ersten Buche gesagt, dass diese Häresie, eine Schülerin und Nachahmerin der pelagianischen, das auf jede Weise erstrebt und erkämpft habe, dass unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, der aus der Jungfrau Geborene. nur für einen bloßen Menschen gehalten würde, so dass er nach betretenem Tugendpfade durch sein frommes, religiöses Leben erreicht habe, wegen der Heiligkeit seines Lebens würdig zu werden der Vereinigung mit der göttlichen Majestät. So war die Würde seines hochheiligen Ursprunges völlig von ihm ausgeschlossen, und ihm nur die Erwählung wegen seiner Verdienste gelassen. Dabei war es ihr Streben und Mühen, ihn gleichsam in die allgemeine Menge herabzudrängen und dem großen Haufen des Menschengeschlechtes beizugeben, um sagen zu können, alle Menschen vermöchten durch einen Wandel voll guter Taten dasselbe zu verdienen, was jener durch sein gutes Leben verdient habe. Wahrhaftig eine Behauptung voll Pest und Tod, welche Gott das ihm wahrhaft Zukommende abspricht, den Menschen Falsches verheißt und in beidem wegen schändlicher Lüge zu verdammen ist, da sie Gott eine sakrilegische Unbild antut, und den Menschen zu falschen Hoffnungen und Forderungen verleitet. Ja es ist die verkehrteste und gottloseste Behauptung, wenn man der Sterblichkeit zuschreibt, was sie nicht war, und Gott nimmt, was er war. Indem nun also diese neue, eben entstandene Häresie gleichsam die Asche dieser verderblichen und tödlichen Verkehrtheit wieder zum Leben erweckt, erregt sie in den alten Funken einen neuen Brand. Sie lehrt also, dass der Herr Jesus Christus als bloßer Mensch geboren wurde; und was brauchen wir dann noch zu untersuchen, ob sie in den Folgerungen von gleicher Verkehrtheit ist, wenn sie im Hauptsatze dieselbe Schändlichkeit enthält? Ist’s ja doch überflüssig, zu warten, wie sie im Nachfolgenden sein werde, wenn sie schon im Anfange keinen Grund zum Abwarten ließ. Oder welchen Grund hat man denn, zu untersuchen, ob sie nach Ähnlichkeit der frühern Häresie dem Menschen das Gleiche verspreche, wenn sie, was doch das schrecklichste Verbrechen ist, Gott das Gleiche nimmt? So kommt es, dass es fast gottlos ist, zu untersuchen, was folgt, wenn wir sehen, was vorausgegangen ist; als ob in dem Nachfolgenden irgend ein Grund beigebracht werden könnte, mit welchem sich beweisen ließe, dass derjenige nicht gottlos sei, welcher Gott leugnet. Es lehrt also, wie wir schon oft gesagt haben, die neue Häresie, dass der Herr Jesus Christus nur als bloßer Mensch aus der Jungfrau geboren worden sei, und dass deshalb Maria nicht Gottesgebärerin, sondern Christusgebärerin zu nennen sei, als Mutter Christi, nicht Gottes. Sie fügt dann noch der sakrilegischen Behauptung Beweise bei, die ebenso verkehrt als leichtfertig sind, und sagt: Niemand gebiert einen, der vor ihm war. Als ob die Geburt des eingeborenen Gottes, die von den Propheten vorhergesagt, und seit Jahrhunderten verkündet worden war, nach menschlichen Begriffen zu behandeln oder abzuschätzen sei! Oder, o Häretiker, wer du auch immer seiest, der du über ihre Geburt lästerst — hat vielleicht die Jungfrau Maria das, was geschehen ist, aus eigenen Kräften getan und vollendet, dass ihr in einer so großen Sache und bei einem so großen Werke die menschliche Schwäche entgegengehalten wird? Wenn also in dieser Sache etwas durch Menschenwerk geschehen ist, dann suche nach menschlichen Verhältnissen; wenn aber alles Geschehene Gottes Macht ist , was achtest du dann auf die menschliche Unmöglichkeit, wenn du doch siehst, dass die Wirksamkeit eine göttliche ist? Aber das Weitere hierüber nachher; für jetzt wollen wir ausführen, was wir kurz vorher angefangen haben zu sagen, damit alle wissen, dass du in pelagianischer Asche Feuer suchst und mit neuem gottesräuberischem Hauche alle Funken aufweckst.

Der Lehrsatz des Nestorius ist dem pelagianischen Irrtum nahe und mit ihm verbunden.

Du sagst also, dass Christus nur als bloßer Mensch geboren worden sei. Das hat schlechthin auch jene Häresie pelagianischer Gottlosigkeit, weche wir im ersten Buche deutlich dargelegt haben, gepredigt, dass (nämlich) Christus nur als bloßer Mensch geboren worden sei. Du fügst überdies bei, dass Jesus Christus, der Herr aller, ein theodochisches Ebenbild zu nennen sei, d. h. nicht Gott, sondern ein Empfänger Gottes, dass er nämlich, wie du glaubst, nicht um seinetwillen, und weil er Gott war, sondern weil er Gott in sich aufnahm, zu ehren sei. Das behauptete geradezu auch die obengenannte Häresie, dass Christus nicht um seinetwillen, nämlich als Gott, zu ehren sei, sondern weil er durch gute und fromme Taten verdient habe, Gott zu besitzen. Du siebst also, dass du pelagianisches Gift ausspeiest, und mit pelagianischem Hauche zischest. Deshalb scheinst du füglich nicht erst gerichtet werden zu müssen, sondern schon gerichtet zu sein; weil du ja in demselben Irrtum bist und also auch der gleichen Verwerfung wert gehalten werden musst; einstweilen nichts davon zu sagen, dass du mit deiner Vergleichung zwischen dem Herrn und einer Statue des Kaisers dich zu einer solch sakrilegischen Ruchlosigkeit und Gotteslästerung durchgearbeitet hast, dass es mit Recht den Anschein gewinnt, du habest durch diesen Wahnsinn selbst den Pelagius, der doch alle an Gottlosigkeit übertraf, noch überboten.

Dass eine solche Teilnahme an der Gottheit, wie sie die Pelagianer und Nestorianer Christo zuschreiben, allen heiligen Männern gemeinsam sei.

Du sagst also, dass Christus ein theodochisches Ebenbild zu nennen sei, d. h. dass er nicht um seiner selbst willen zu ehren sei, und weil er Gott sei, sondern weil er Gott in sich aufgenommen habe. Auf diese Weise behauptest du also, dass zwischen ihm und allen heiligen Männern, die es gab, kein Unterschied sei, weil durchweg alle hl. Menschen Gott in sich gehabt haben. Wir wissen ja gar wohl , dass Gott in den Patriarchen gewesen sei, dass er in den Propheten geredet habe. Endlich glauben wir, dass ich will nicht sagn die Apostel, die Märtyrer, sondern auch alle Heiligen Gottes und Diener Gottes den Geist Gottes in sich haben nach jener Stelle: „Ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: „ „Jch werde in ihnen wohnen.“ “ Wieder heißt es: „Wisset ihr nicht, dass ihr ein Tempel Gottes seid und dass der Geist Gottes in euch wohnt?“ So sind sie nun alle Gott-Empfänger, und du nennst sie also alle Christo ähnlich und Gott gleich. Aber ferne sei diese Gottlosigkeit eines verabscheuungswürdigen Irrtums , dass der Schöpfer mit seinem Geschöpfe, der Herr mit seinen Dienern, der Gott Himmels und der Erde mit der irdischen Gebrechlichkeit gleichgestellt werde, und ihm aus seinen Wohltaten Unbild entstehe, so dass er, welcher den Menschen seiner Einwohnung würdigt, deshalb als dasselbe hingestellt wird, was der Mensch ist.

Welcher Unterschied sei zwischen Christus und den Heiligen.

In der Tat, zwischen ihm und allen Heiligen ist derselbe Unterschied wie zwischen der Wohnung und dem Bewohner. Es kommt doch sicherlich nicht auf die Wohnung an, dass sie bewohnt werde, sondern auf den Bewohner, in dessen Belieben ja sowohl die Erbauung der Wohnung steht als der Gebrauch derselben, so dass er je nach seinem Willen die Wohnung errichten und die errichtete bewohnen kann. „Oder verlangt ihr“, sagt der Apostel, „einen Nachweis dessen, der in mir redet, Christus?“ Und anderswo: „Wisset ihr nicht, dass Christus Jesus in euch ist, wenn ihr nicht etwa Verworfene seid?“ Und wieder heißt es: „Dass Christus wohne durch den Glauben in euren Herzen“ Siehst du nun, welch ein Unterschied sei zwischen der apostolischen Lehre und deiner Gotteslästerung? Du sagst, dass Gott in Christus wie in einem Menschen wohne, jener aber bezeugt, dass Christus selbst in den Menschen wohne. Das kann in der Tat, wie du sagst, Fleisch und Blut nicht tun, so dass also Christus gerade in dem sich als Gott bewährt, wegen dessen du leugnest, dass er Gott sei. Denn da du nicht leugnest, dass derjenige, welcher in dem Menschen wohnt, Gott sei, so müssen wir glauben, dass jener, welcher unserer Erkenntnis gemäß in dem Menschen wohnt, ganz offenbar Gott sei. Alle Patriarchen also oder Propheten, alle Apostel oder Märtyrer, kurz alle Heiligen hatten zwar Gott in sich und waren Gotteskinder und Gottes Empfänger, aber in einer ganz verschiedenen und sehr unähnlichen Weise. Denn Alle, die an Gott glauben, sind Kinder Gottes durch Annahme, aber nur der eingeborene Sohn ist es durch die Natur. Er ist nicht aus irgend einer Materie vom Vater gezeugt, da ja jedes Ding und jeder Stoff der Dinge durch den eingeborenen Sohn ist; er ist nicht aus nichts gezeugt, weil aus dem Vater; nicht wie herausgeboren, da ja in Gott nichts leer und veränderlich ist, sondern unaussprechlich und unbestimmbar hat Gott der Vater in dem, was ungezeugt in ihm war, seinen Eingeborenen erzeugt; und so ist von dem ungezeugten höchsten und ewigen Vater der eingeborene, höchste und ewige Sohn. Er muss für den Gleichen gehalten werden im Fleische wie im Geiste, für den Gleichen im Leibe wie in der Majestät, weil er bei seiner Geburt im Fleische nicht eine Trennung und Zerreissung seiner selbst bewirkte, so dass. während er zum Teile nicht geboren wurde, ein anderer Teil von ihm wäre geboren worden; oder dass nachher etwas von der Gottheit auf ihn herabgekommen wäre, was nicht in ihm aus der Jungfrau wäre geboren gewesen. Denn nach dem Apostel „wohnt in Christo die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“. nicht als ob sie einmal in ihm gewohnt hätte und einmal nicht, und auch nicht, als ob sie nachher dagewesen wäre und vorher nicht. Sonst würden wir in jene Gottlosigkeit der pelagianischen Häresie gestürzt, so dass wir sagen, der von einer bestimmten Zeit an in Christus wohnende Gott sei dann auf ihn herabgekommen, als er durch sein Leben und seinen Wandel es verdient habe, dass die Kraft der Gottheit in ihm wohne. Bei den Menschen also, bei den Menschen ist dies so, nicht bei Gott, dass sie, soweit die menschliche Gebrechlichkeit es vermag, sich vor Gott demütigen, sich ihm unterwerfen, sich zur Wohnung Gottes machen und durch Glaube und Frömmigkeit es verdienen, Gott als Gast und als Inwohner zu haben. Wie nämlich jemand für die Gabe Gottes geeignet ist, so beschenkt ihn die göttliche Gnade. Wenn also einer als Gottes würdig erachtet wird, so erfreut er sich der Ankunft Gottes nach jener Verheissung des Herrn: „Wenn mich jemand liebt, so wird er mein Wort halten, und ich und mein Vater werden kommen zu ihm und Wohnung bei ihm nehmen.“ Aber weit anders ist die Sache und das Verhältnis bei Christus. in welchem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt, und der ebendiese Fülle so in sich hat, dass er allen von ihr mitteilt; der, während in ihm die volle Gottheit wohnt, selbst in den einzelnen Heiligen so weilt, wie er sie seiner Einwohnung würdig hält; und der allen so von seiner Fülle mitteilt, dass er selbst beständig in derselben bleibt. Wohnte er ja sicherlich auch, so lange er in seinem Leibe auf Erden war, den Seelen aller Heiligen ein, erfüllte Himmel, Erde, Meer, kurz das ganze Universum mit der Unendlichkeit seiner Macht und Majestät, und war so ganz in sich selbst, dass ihn das Weltall nicht fassen konnte; denn so groß und unaussprechlich das Erschaffene auch sein mag, so ist es doch nie so weit und unermesslich, dass es den Schöpfer selbst fassen könnte.

Dass Christus vor seiner zeitlichen Entstehung immer von den Propheten Gott genannt worden sei.

Er also ist es, von welchem der Prophet sagt: „In dir ist Gott und es ist nicht ausser dir Gott; denn du bist unser Gott, und wir wussten es nicht, Gott, Israels Erlöser,“ der in der Tat „nachher auf Erden erschien und unter den Menschen wandelte. Von ihm sagt auch David wie aus dessen Munde: „Vom Leibe meiner Mutter an bist du mein Gott,“ wodurch er zeigt, dass dieser göttliche Mensch nie ohne die Verbindung mit Gott war, da ja sofort im Leibe der Jungfrau die Fülle der Gottheit in ihm wohnte. So sagt derselbe Prophet auch an einer andern Stelle „Die Wahrheit entsprosst von der Erde, und die Gerechtigkeit schauet nieder vom Himmel.“ Damit wir nämlich einsehen möchten, dass bei dem Herabschauen des Sohnes Gottes vom Himmel, das ist bei seiner Ankunft und Herabkunft, die Gerechtigkeit aus dem Fleische der Jungfrau geboren worden sei, nicht mit dem Scheine, sondern der Wahrheit eines Körpers; denn gerade er ist die Wahrheit nach jenem Zeugnisse der Wahrheit selbst: „Ich bin die Wahrheit und das Leben.“ Weil wir nun in den vorigen Büchern diese Wahrheit bewiesen haben, nämlich dass der Herr Jesus Christus, geboren aus der Jungtrau, Gott sei, so wollen wir jetzt, wie wir in dem vorletzten Buche bestimmt haben, lehren, dass derjenige, welcher aus der Jungfrau geboren werden sollte, immer als Gott vorherverkündet worden sei. Es sagt also der Prophet Jesaja : „Lasset also ab vom Menschen, dessen Odem in seiner Nase ist; denn worin ist er hochzuachten“? Oder, wie es wahrer und deutlicher im Hebräischen heißt: „Denn er ist für den Hohen gehalten.“ Schön drückt er in dem Ausdrucke „lasset ab“ durch die Bezeichnung eines Gewalt Abwehrenden die Unruhe der Verfolgung aus. „Lasset ab“ , sagt er . „von dem Menschen, dessen Odem in seiner Nase ist, denn er ist für den Hohen gehalten!“ Hat er nun nicht mit einem und demselben Satze sowohl die Annahme der Menschheit, als auch die wirkliche Gottheit ausgesprochen? „Lasset ab“, sagt er, „von dem Menschen, dessen Odem in seiner Nase ist, denn er ist für den Hohen gehalten!“ Scheint es dir nun nicht, ich bitte dich, als ob er öffentlich die Verfolger des Herrn anrede und sage: „Lasset ab von dem Menschen, den ihr verfolgt, weil dieser Mensch Gott ist, und obwohl er in der Niedrigkeit des menschlichen Fleisches erscheint, dennoch in der Höhe der göttlichen Herrlichkeit bleibt. Gut aber sagt der Prophet: „Lasset ab von diesem Menschen. dessen Odem in seiner Nase ist“ und beweist durch diese ganz deutliche Bezeichnung des menschlichen Körpers die Menschheit. Furchtlos fürwahr und voll Zuversicht; da er ja die Wahrheit der menschlichen wie der göttlichen Natur gleich standhaft bekennen würde. Und dies ist auch der wahre und katholische Glaube, zu bekennen, dass der Herr Jesus Christus ebenso die Substanz des menschlichen Leibes wie die wahre und volle Gottheit gehabt habe. Du müsstest denn nur darin einiges zu bezweifeln finden, dass er für Gott setzt: „der Hohe,“ während es doch wahrhaftig Gebrauch der hl. Schrift ist, statt Gott zu sagen: „Der Hohe,“ wie jene Stelle beim Propheten zeigt: „Es gab seine Stimme von sich der Hohe und es erbebte die Erde.“ Und: „Du allein bist der Hohe über die ganze Erde.“ Auch Jesaja zeigt dies, der so sagt: „Der Hohe und Erhabene, der die Ewigkeit Bewohnende.“ Daraus kann man deutlich erkennen, warum er dort „der Hohe“ ohne jede Beifügung „Gott“ gesetzt habe, weil er ja auch hier Gott mit dem Namen des Hohen nennt. Da also das göttliche Wort unsern Herrn Jesus Christus durch den Propheten ganz deutlich als Menschen und Gott verkündet, so wollen wir sehen, ob mit den alten Zeugnissen nun auch die neuen zusammenpassen und übereinstimmen.

Ebendieselbe Lehre beleuchtet er nun mit Zeugnissen des neuen Testamentes.

„Was von Anfang war ,“ sagt der Apostel Johannes, „was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir geschaut und unsere Hände berührt haben, von dem Worte des Lebens — und das Leben ist uns ge-offenbart worden, und wir haben geschaut und bezeugen, und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschien.“ Du siehst, wie das Alte durch das Neue bekräftigt wird und auf die alte Weissagung eine Bestätigung durch die neue Predigt folgt. Jesaja sagt: „Lasset ab von dem Menschen, dessen Odem in seiner Nase ist, weil er für den Hohen gehalten wird!“ Johannes aber sagt: „Was von Anfang war, was wir gehört, was wir mit unsern Augen gesehen haben, was wir geschaut und unsere Hände berührt haben.“ Jener sagt, dass der von den Juden Verfolgte ein Mensch sei, dieser predigt einen von Menschenhänden berührten Menschen. Jener hat vorausgesagt, dass eben jener, welchen er als einen Menschen verkündet hatte, der erhabene Gott sein werde; dieser sagt, dass derjenige, von welchem er gelehrt hatte, er sei von Menschen berührt worden, von Anfang immer Gott gewesen sei. Es ist also handgreiflich, dass beide den Herrn Jesus Christus ebenso als Menschen offenbarten wie als Gott; weil der Gleiche nach ihrer Offenbarung später Mensch und immer Gott war, also Mensch und Gott, weil der Mensch selbst Gott war. Also „was vom Anfange an war,“ sagt er, „was wir gehört. was wir mit unsern Augen gesehen haben, was wir geschaut, und unsere Hände berührt haben von dem Worte des Lebens, — und das Leben ist uns geoffenbart worden, und wir haben geschaut und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschienen ist.“ Siehst du nun, durch wie viele Kennzeichen. auf wie viele, verschiedene, vervielfachte Weisen dieser geliebteste und mit Gott innigst vereinte Apostel das Geheimnis der göttlichen Menschwerdung uns nahe legt? Einmal zuerst dadurch, dass er bezeugt, derjenige, welcher von Anfang immer gewesen sei, sei im Fleische gesehen worden. Damit es dann den Ungleubigen nicht zu wenig scheine, dass er vom „Hören“ und „Sehen“ gesprochen habe, bestätigt er, dass jener auch betastet, d. i. von seinen und der übrigen Händen berührt und gehalten worden sei. Wahrhaft vortrefflich schließt er durch diese offene Erklärung der Fleischannahme die Meinung der Marcioniten und den Irrtum des Manichäers aus, damit ja niemand glaube, es sei eine bloße Erscheinung von den Menschen gesehen worden, nachdem der Apostel gepredigt hat, es sei ein wirklicher Leib von ihm berührt worden. Dann fügt er bei: „Das Wort des Lebens und das geoffenbarte Leben,“ das habe er gesehen, das verkünde er, das bezeuge er, wodurch er also zugleich die Glaubens Pflicht darstellt und der Ungleubigkeit Schrecken einjagt, so dass derjenige, welcher nicht hören wollte, sich seine Gefahr selbst zuzuschreiben hätte, da jener entschieden bezeugt, er predige. „Wir verkünden euch“, sagt er, „das ewige Leben, welches beim Vater war und uns erschienen ist.“ Was immer beim Vater war, sei den Menschen erschienen; was von Anfang an immer war, sei von den Menschen gesehen worden; was das Wort des Lebens ohne Anfang war, sei, so lehrt er, von menschlichen Händen betastet worden. Du siehst, in wie vielen und verschiedenen, in wie vervielfachten und wieder besondern und klaren Weisen er das Geheimnis des mit Gott vereinigten Fleisches darlegt, so dass durchaus niemand das eine nennen kann, ohne Beides zu erwähnen. Das sagt auch der Apostel selbst an einem andern Ort ganz deutlich: „Jesus Christus gestern und heute, derselbe auch in Ewigkeit.“ Das ist in der Tat, was er in dem frühen Zeugnisse gesagt hat: „Was von Anfang an war, das haben unsere Hände betastet.“ Nicht als ob ein Geist an und für sich betastet werden könnte, sondern weil das fleischgewordene Wort in dem Menschen, mit welchem es vereint war, gleichsam betastet wurde. Und deshalb ist Jesus derselbe gestern und heute, d. h. derselbe vor dem Anfange der Welt wie im Fleische; derselbe in der Vergangenheit wie in der Gegenwart, und auch in Ewigkeit, weil Ebenderselbe durch alles hindurch, wie vor allem. Und dies alles ist der Herr Jesus Christus.

Wieder zeigt er aus der Verbindung der zwei Naturen zu einer Person in Christus, dass das, was der göttlichen Natur zukomme, mit Recht auf den Menschen angewendet werde, und was der menschlichen, — auf Gott.

Wie ist nun aber Ebenderselbe, welcher vor kurzem anfing, vor dem Anfange der Welt? Weil eben gerade derjenige in dem Menschen neulich angefangen hat, welcher vor dem Anfange aller Dinge war, nämlich Gott. Und deshalb wird Christus alles genannt, was Gott, weil die Einheit Christi und Gottes so groß ist, dass es durchaus niemand vermöchte, entweder Christum nennend, Gott nicht in dem Namen Christi zu nennen, oder von Gott redend, Christum nicht in dem Namen Gottes zu bezeichnen. Dadurch also, dass durch die Majestät der hl. Geburt beide Substanzen geheimnisvoll sich vereinigten, wurde, was da war, nämlich Mensch und Gott. als Ganzes: Gott. Deshalb ladet der Apostel Paulus, da er mit den eröffneten Augen des Glaubens das ganze Geheimnis unerklärlicher Majestät in Christo schaute, die Völker, welche die Wohltaten Gottes erkennen, ein zur Danksagung vor Gott und spricht so: „Dank sagend dem Vater, der uns befähigt hat zum Anteile an dem Loose der Heiligen im Lichte, der uns errettet hat aus der Gewalt der Finsternis und versetzt hat in das Reich des Sohnes seiner Liebe, in welchem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Erlassung der Sünden, welcher ist Bild Gottes, des Unsichtbaren, Erstgeborner vor aller Schöpfung, weil in ihm alles ist geschaffen worden im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne, seien es Herrschaften, seien es Fürstentümer, seien es Gewalten; alles ist durch ihn und in ihm erschaffen worden, und er selbst ist vor allen und alles hat in ihm Bestand. Und er ist das Haupt des Leibes, der Kirche, der da ist Anfang, Erstgeborner aus den Toten, damit in allem er die erste Stelle habe, weil es gefallen hat, dass in ihm die ganze Fülle wohne, und dass durch ihn alles versöhnt werde mit ihm, sowohl was auf Erden als was im Himmel ist, indem er Friede machte durch das Blut seines Kreuzes.“ Braucht dies nun etwa auch noch einen erklärenden Zusatz, da es doch so ausführlich und deutlich dargestellt ist, dass es nicht nur den Glaubensinhalt in sich hat, sondern auch die Klarheit einer Auslegung? Er heißt uns also dem Vater Dank sagen und fügt wahrhaft einen mächtigen Grund für die Danksagung bei, weil er uns nämlich würdig gemacht habe des Anteiles der Heiligen, uns herausgerissen habe aus der Gewalt der Finsternis und uns versetzt habe in das Reich des Sohnes seiner Liebe, in welchem wir Erlösung hätten und Nachlassung der Sünden; der da sei Bild Gottes, des Unsichtbaren, Erstgeborener vor aller Schöpfung, weil in ihm und durch ihn alles erschaffen sei, und er wie der Schöpfer, so auch der Regent von allem sei. Und was dann? „Er ist“, sagt er, „das Haupt des Leibes, der Kirche, der da ist der Anfang, der Erstgeborene aus den Toten.“ Die Schrift nennt die Auferstehung gleichsam eine Zeugung, weil wie die Zeugung Leben schafft, so die Auferstehung zum Leben erzeugt. Deshalb wird auch die Auferstehung gerade Wiedergeburt genannt nach jenem Ausspruche des Herrn: „Wahrlich sage ich euch, dass ihr, die ihr mir gefolgt seid, bei der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen sich auf den Thron seiner Herrlichkeit gesetzt haben wird, gleichfalls sitzen werdet auf zwölf Thronen, richten die zwölf Stämme Israels.“ So nennt er jenen den Erstgeborenen aus den Toten, welchen er oben als unsichtbaren Sohn und Bild Gottes ausgerufen hatte. Wer ist aber Bild des unsichtbaren Gottes, wenn nicht der Eingeborene, das Wort Gottes ? Und wie kann von Demjenigen, der Bild und Wort des unsichtbaren Gottes genannt wird, die Auferstehung von den Todten ausgesagt werden? Und was wird nun doch noch beigefügt? Er sagt: „Damit er in allem die erste Stelle habe, weil es gefallen hat, dass in ihm die ganze Fülle wohne, und durch ihn zu versöhnen alles zu ihm hin, sowohl was auf Erden als was im Himmel ist, indem er Friede machte durch das Blut seines Kreuzes.“ Braucht nun vielleicht den Vorrang vor allem der Schöpfer des Alls, oder derjenige, welcher schuf, den Vorrang vor dem, was von ihm geschaffen wurde? Oder kann man etwa vom Worte sagen, dass es gefallen habe, es solle in ihm, als dem Erstgebornen von den Toten, alle Fülle wohnen, da es ja doch als eingeborner Sohn Gottes vor allem Anfang der Dinge den unsichtbaren Vater in sich hatte, und so schon zuvor alle Fülle so umfaßte, dass es selbst die Fülle von allem war? Und wie heißt es zuletzt? Er sagt: „Indem er Friede machte durch das Blut seines Kreuzes für alles, sowohl was auf Erden, als was im Himmel ist.“ Er hat also doch auf das Deutlichste gezeigt, von wem er rede, und wen er den Erstgebornen aus den Toten nenne. Oder sind denn etwa durch das Blut des Wortes oder des Geistes alle Dinge versöhnt und zum Frieden gebracht worden? Durchaus nicht; denn es kann weder irgend etwas von Leiden auf eine unsterbliche Natur fallen, noch auch Blut vergossen werden ausser von einem Menschen, noch kann ein anderer sterben als ein Mensch; und doch wird Ebenderselbe, welcher im Folgenden ein Gestorbener genannt wird, weiter oben als Bild des unsichtbaren Gottes bezeichnet. Wie geht also das zu? Es wurde eben von Aposteln auf jede Weise vorgesorgt, dass in Christus keine Trennung zu sein scheine, und dass nicht der mit dem Menschensohne geeinte Sohn Gottes durch irrige Auffassungen mit einem Male zwei Personen habe, und so derjenige, der in sich einer ist, durch verkehrte und gottlose Meinungen in uns zweifach werde. So steigt denn die apostolische Predigt schön und bewunderungswürdig von dem eingebornen Sohne Gottes zu dem mit dem Gottessohne vereinigten Menschensohne herab, damit das Lehrwort denselben Verlauf habe wie die tatsächliche Reihenfolge. Alles ist in so untrennbarer Verbindung, und wie durch eine Brücke vereint, dass man ohne irgend welche Teilungen oder Zwischenräume ebendenselben, von welchem man am Anfange der Welt gelesen hat, auch am Ende der Zeit wieder findet, so dass man, weil durchaus keine Auseinanderzerrung in gottloser Trennung zugelassen ist, nicht einen andern Sohn Gottes im Fleische und einen andern im Geiste glauben kann; denn die apostolische Lehre hat Gott und den Menschen durch das Geheimnis der körperlichen Geburt so geeint, dass sie dir ebendenselben als den Allversöhner am Kreuze zeigt, welchen sie vor dem Beginne der Welt als Bild des unsichtbaren Gottes gepredigt hatte.

Er bekräftigt den Ausspruch des Apostels durch das Ansehen des Herrn.

Obwohl nun dies ein Ausspruch des Apostels ist, so ist es doch die Lehre des Herrn; denn Ebenderselbe sagt dies durch den Apostel zu den Christen, welcher ein ähnliches Wort im Evangelium selbst an die Juden richtete, da er sprach: „Nun aber suchet ihr mich zu töten, einen Menschen, der ich die Wahrheit zu euch geredet habe, die ich gehört von Gott.“ — „Denn ich kam nicht von mir selbst, sondern jener hat mich gesendet.“ Da zeigt er doch wahrhaftig, dass er Gott und Mensch sei; Mensch, weil er lehrt, dass er Mensch sei; Gott, weil er bekräftigt, dass er gesandt sei; denn er muss ja notwendig bei dem gewesen sein, von welchem er gekommen war, und er war von jenem gekommen, von welchem er, wie er sagte, gesandt worden. Daher kam es auch, dass er auf die Rede der Juden : „Du hast noch nicht fünfzig Jahre und willst Abraham gesehen haben?“ — in einer für seine Ewigkeit und Majestät so sehr passenden Sprache antwortete: „Wahrlich, wahrlich sage ich euch: Ehe Abraham war, bin ich.“ Ich frage also: Wem willst du diesen Ausspruch zuschreiben? Doch ohne Zweifel Christo. Wie kann aber nun derjenige, welcher in jüngster Zeit geboren worden war, sagen, er sei vor Abraham? Freilich in Kraft jenes Wortes Gottes, mit welchem er ganz vereint war, so dass alle einsehen sollten, wie eng die Einheit Christi und Gottes sei, da, was immer Gott in Christus sagte, dies alles sich die göttliche Einheit zueignete. Passend aber hat er im Bewußtsein seiner Ewigkeit den Juden in seiner leiblichen Erscheinung mit jener Sprache geantwortet, die er einst im Geiste gegen Moses führte; denn hier sagt er: „Ehe Abraham ward, bin ich;“ zu Moses aber: „Ich bin, der ich bin.“ Mit wunderbarer Herrlichkeit der Rede hat er fürwahr die Ewigkeit der göttlichen Natur verkündet, weil von Gott nichts so Passendes gesagt werden kann, als dass er immer sei, weil das Sein weder einen Anfang hat in der Vergangenheit, noch eine Grenze in der Zukunft, und so wird als das DeutIichste das von der Natur des ewigen Gottes ausgesagt, was für die Ewigkeit am Besten paßt. Das hat nun der Herr Jesus Christus selbst, als er von Abraham redete, durch die Unterscheidung in seiner Rede gezeigt, indem er sagt: „Ehe Abraham ward, bin ich.“ Von Abraham sagte er: „Ehe er ward;“ von sich aber: „bin ich,“ weil es nämlich in der Zeitlichkeit liegt, zu werden, in der Ewigkeit, zu sein. Deshalb teilte er jenes Gewordensein der kurzen Dauer des Menschen zu, aber jenes „ich bin“ seiner Natur. Und dies alles ist in der Tat Christus, der in Folge der geheimnisvollen Vereinigung des Menschen mit Gott sagen konnte, er sei schon in dem gewesen. welcher immer gewesen war.

Da Christo auch jene wunderbaren Werke zugeschrieben werden, welche in Betreff der Söhne Israels schon von den Zeiten des Moses an verzeichnet sind, so wird daraus geschlossen, dass er schon längst vor seiner zeitlichen Geburt gewesen sei.

Da auch der Apostel dieses allen klar und deutlich machen möchte, spricht er so: „Da Jesus das Volk aus dem Lande Ägypten rettete, vernichtete er nachher jene, welche nicht glaubten.“ Aber auch an einer andern Stelle sagt er: „Lasset uns Christum nicht versuchen, wie ihn einige von jenen versuchten und dann durch Schlangen umkamen.“ Auch der Erste der Apostel. — Petrus, sagt: „Und nun, was versuchet ihr Gott, um ein Joch auf den Nacken der Jünger zu legen, das weder unsere Väter tragen konnten, noch wir? (Nein) sondern durch die Gnade unsers Herrn Jesu Christi glauben wir gerettet zu werden, wie auch jene.“ Wir wissen, dass das Volk Gottes ohne Zweifel nur von Gott aus Ägypten befreit, durch ungeheure Wasserwege mit trockenen Füßen geführt, und in den weiten Einöden der Wüste erhalten worden sei, nach jener Stelle: „Der Herr allein führte sie, und nicht ein an^ derer Gott war bei ihnen.“ Wie konnte nun der Apostel durch so viele und klare Zeugnisse verkünden, dass das Judenvolk von Jesus aus Ägypten befreit, und dass Christus von den Juden damals in der Wüste versucht worden sei, wie er ja sagt: „Lasset uns Christum nicht versuchen, wie einige von jenen ihn versucht haben, und durch Schlangen umkamen?“ Und lehrt nicht der hl. Apostel Petrus, dass alle Heiligen, welche unter dem Gesetze des alten Testamentes lebten, durch die Gnade unsers Herrn Jesu Christi gerettet worden seien? Nun ziehe dich heraus und entfliehe hier, wenn du kannst, wer du immer bist, der da mit rasendem Munde und gotteslästerlichem Geiste wütet und meint, es sei fast kein Unterschied zwischen Adam und Christus, und der da leugnet, dass jener auch nach der Geburt aus der Jungfrau Gott gewesen sei! Zeige nun recht, wie du beweisen kannst, er sei auch vor der leiblichen Geburt nicht Gott gewesen! Sieh doch, es ruft der Apostel dass das Volk von Jesus aus dem Ägyptenlande befreit worden, und dass Christus in der Wüste von Ungleubigen versucht worden sei; dass ferner auch unsere Väter, nämlich die Patriarchen und Propheten, durch die Gnade unseres Herrn Jesu Christi gerettet worden seien. Leugne nun das, wenn du kannst! Ich würde mich aber auch nicht wundern, wenn du es tätest und leugnen würdest, was wir alle lesen, da du ja auch geleugnet hast, was wir alle glauben. Sieh also endlich ein, dass schon damals Christus in Gott das Volk aus Ägypten geführt hat, und dass Christus in Gott von dem versuchenden Volke versucht worden ist; dass ferner Christus in Gott alle Gerechten durch die Freigebigkeit seiner Gnade gerettet hat, weil durch die geheimnisvolle Einheit Gott so in Christus und Christus in Gott überging, dass man bei allem, was Gott tat, sagen kann, Christus habe es getan. und bei allem, was später Christus litt, — Gott habe es gelitten. Wenn also der Prophet sagt: ,,Es soll bei dir kein neuer Gott sein, und einen fremden Gott sollst du nicht anbeten“: so hat er das in dem Sinne und Geiste gemeint, in welchem der Apostel sagte, dass Christus der Führer des israelitischen Volkes aus Ägypten sei, so dass er also meinte, jener Mensch, welcher aus der Jungfrau geboren worden, sei immer durch das Geheimnis der Vereinigung in Gott gewesen; denn wenn man nicht so glaubt, so wird entweder Christus mit den Häretikern nicht für Gott gehalten, oder doch gegen den Ausspruch des Propheten für einen neuen Gott. Aber das sei ferne von dem katholischen Volke Gottes, dass es entweder von dem Propheten abzuweichen, oder mit den Häretikern übereinzustimmen scheine, und so vielleicht das Volk des Segens in jenen Fluch verfalle, dass man von ihm sage, es habe seine Hoffnung auf einen Menschen gesetzt. Denn wer behauptet. dass unser Herr Jesus Christus als bloßer Mensch geboren worden sei, muss auf doppelte Weise dem Fluche verfallen, er mag an. ihn glauben oder nicht. Denn wenn er glaubt, so ist verflucht, wer seine Hoffnung auf einen Menschen setzt; wenn er aber nicht glaubt, so ist er nichts desto weniger verflucht. weil er eben Gott vollständig geleugnet hat, obwohl er an einen Menschen nicht glaubte.

Er erklärt, was Christum bekennen heiße, und was ihn aufhebe.

Das ist es nun, was auf Offenbarung des Herrn jener Liebling Gottes, Johannes, voraussah, und Folgendes von jenem sprach, der in ihm redete. Er sagt also; „Jeder Geist, der da bekennt. dass Jesus im Fleische gekommen sei, ist aus Gott, und jeder Geist, welcher Jesum auflöst, ist nicht aus Gott, und das ist Sache des Widerchrists. von dem ihr gehört habt, dass er kommt, und nun ist er schon in der Welt.“ O wunderbare und einzige Güte Gottes, der wie der vorsichtigste und klügste Arzt die einst über seine Kirche kommenden Krankheiten zuvor geweissagt hat, und der, gerade indem er die Schwäche vorhersagte, durch die Vorhersagung selbst ein Heilmittel bot, damit nämlich alle durch die Erkenntnis der hereinbrechenden Krankheit gleich Anfangs und schon von weiter Ferne das vermeiden könnten, über dessen Nahen sie unterrichtet wären. Deshalb sagt der hl. Johannes: „Jeder, welcher Jesum auflöst, ist nicht aus Gott, und das ist Sache des Antichrist.“ Verstehst du ihn, o Häretiker? Siehst du ein, dass er laut und deutlich schon von dir geredet habe? Denn niemand hebt Jesum so auf, wie der, welcher ihn nicht als Gott bekennt. Denn da der ganze Glaube und der ganze Gottesdienst der Kirche darin besteht. Jesum als wahren Gott zu bekennen. wer kann da die Verehrung und Anbetung desselben mehr auflösen, als wer alles an ihm leugnete. was wir alle verehren? Hüte dich also, ich beschwöre dich, hüte dich, dass dich nicht jemand auch noch Antichrist nenne! Du glaubst wohl, dass ich schmähe oder bösartig rede? Es ist nicht von mir, was ich sage, sondern siehe, der Evangelist spricht: „Jeder, welcher Jesum auflöst, ist nicht aus Gott, und das ist der Antichrist.“ Wenn du Jesum nicht auflösest, und seine Gottheit nicht leugnest, so kann dich niemand Antichrist nennen. Wenn du sie aber leugnest, was willst du irgend einen anklagen, dass er dich so geheißen hat? Du hast dich ja selbst so genannt, du sage ich, indem du leugnest. Willst du wissen, ob dies wahr sei? Sage mir, was soll nach dir Jesus gewesen sein, da er aus der Jungfrau geboren wurde, Mensch oder Gott? Wenn nur Gott, so lösest du in der Tat Jesum auf, da du ja leugnest, dass in ihm der Mensch mit Gott vereint gewesen sei. Wenn aber Mensch , so lösest du ihn gewiss nichts desto weniger auf, da du ja wirklich die Gotteslästerung aussprichst, es sei nur ein Mensch geboren worden. Du müsstest nur etwa meinen, dass du ihn nicht auflöst, wenn du leugnest, dass er Gott gewesen sei; da du ihn doch sicher auflösenen würdest auch durch die Leugnung, dass er als Mensch mit Gott geboren worden sei. Aber vielleicht willst du, dass dir das durch Beispiele klarer gemacht werde. Höre nun davon über Beides. Der Manichäer ist ausserhalb der Kirche, da er behauptet, dass Jesus nur Gott gewesen sei, und Hebion ist draussen, weil er ihn nur für einen Menschen erklärt. Denn jeder leugnete Jesum und löste ihn auf, der eine durch seine Behauptung, dass er nur Mensch, der andere, dass er nur Gott gewesen sei. Obwohl sie nemlich Verschiedenes gesagt haben, so ist doch in der Verschiedenheit die gleiche Gottlosigkeit. Ja, wenn vielleicht unter der Größe der Untaten irgend eine Unterscheidung stattfinden kann, so ist deine Gotteslästerung, welche nur den Menschen gelten läßt, sündhafter als jene, welche den bloßen Gott annimmt; weil, obwohl Beides böse ist. man doch den Herrn mehr schmäht, wenn man ihm das Göttliche, als wenn man ihm das Menschliche raubt. Es ist also nur dies der katholische, nur dies der wahre Glaube, dass man unsern Herrn Jesus Christus wie für Gott, so auch für einen Menschen, und wie für einen Menschen, so auch für Gott hält. „Jeder, der Jesum auflöst, ist nicht aus Gott;“ auflösen heißt aber das, was in Jesus geeint ist, zerreissen wollen, und was unteilbar ist, trennen wollen. Was ist nun aber in Jesus geeint und unteilbar? Wahrhaftig der Mensch und Gott. Also Jeder löst Jesum auf, welcher dies trennt und zerreißt. Anders, wenn einer nicht zerreißt und trennt, so löst er auch nicht auf. Wenn er aber trennt und zerreißt, so löst er doch gewiss auf.

Er beweist nun klar das Geheimnis der Menschwerdung des Herrn und die Gottheit Christi.

Deshalb ruft jedem Menschen, der sich in diese Gotteslästerung und Wahnwitzigkeit stürzt, der Herr Jesus im Evangelium für sich sebst das zu, was er zu den Pharisäern gesagt hatte, und beteuert: ,,Was Gott zusammen gefügt hat, soll der Mensch nicht trennen!“ Obwohl nun dies, wo es von Gott gesagt worden, einer andern Sache entsprechen zu sollen scheint , so wollte doch die Tiefe Gottes, welche nicht minder von geistigen als von leiblichen Dingen redete, dass dies Wort sowohl von diesen, als noch mehr von jenen verstanden werde. So hat der Herr den Juden, welche damals dasselbe glaubten, was du sagst. nämlich, dass Jesus nur ein Mensch ohne Gott sei, als sie ihn über die eheliche Gemeinschaft fragten, nicht nur über diese, sondern auch über das andere eine Lehre gegeben, und da er also über Geringeres gefragt war, auch über das Höhere und Größere geantwortet in dem Ausspruche: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen.“ Das heißt: Trennet nicht, was Gott in mir verbunden hat; es scheide nicht die menschliche Unfrömmigkeit, was die göttliche Majestät in mir geeint hat. Willst du aber noch vollständiger wissen, dass dies so sei, so höre den Apostel, der gerade diese Dinge, welche der Heiland damals lehrte, auseinandersetzt. In der Tat hat er als ein von Gott gesandter Lehrer gerade das, was Gott im Geheimnisse gepredigt hatte, so erklärt, wie es die damalige Schwäche seiner Zuhörer fassen konnte. Denn als er über die fleischliche Gemeinschaft, wegen welcher der Erlöser im Evangelium befragt worden war, sprach, wiederholte er eben dieselben Zeugnisse des alten Testamentes, deren sich jener damals bedient hatte, damit man nämlich einsehe, dass derjenige die gleiche Sache darlege, welcher die gleichen Zeugnisse gebrauche. Indem er so, damit der Sache nichts zu fehlen scheine, auch die Stelle von der fleischlichen Gemeinschaft beigefügt, stellt er noch die Anführung des Weibes und des Mannes, die er zu wechselseitiger Liebe ermahnt, so: „ihr Männer, liebet eure Weiber wie auch Christus die Kirche!“ Und wieder: „So sollen auch die Männer ihre Weiber lieben wie den eigenen Leib. Wer sein Weib liebt, liebt sich selbst. Niemand hat jemals sein eigen Fleisch gehaßt, sondern er nährt und pflegt es, wie auch Christus die Kirche; denn wir sind Glieder seines Leibes.“ Siehst du, wie er die Namen Christi und der Kirche mit den Namen des Mannes und Weibes verbindet und alle vom fleischlichen Hören zum geistigen Verstehen zieht? Denn nachdem er all das gesagt hat , fügt er jene Zeugnisse bei, deren sich der Herr im Evangelium bedient hatte und spricht: „Deshalb wird der Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden zwei in einem Fleische sein.“ Und hierauf fügt er wie mit lauter Beteuerung bei und sagt: „Es ist dies ein großes Geheimnis.“ Er drängt also gewiss die fleischliche Auffassung hier ganz zurück und schneidet sie ab, da er sagt, es sei ein ganz göttliches Geheimnis. Und was setzt er dann hinzu? „Ich aber sage: in Christus und in der Kirche.“ Nachdem er also gesagt hat: „Dies ist ein großes Geheimnis.“ fährt er nicht fort : „Und das ist seine Auslegung,“ sondern wie? „Ich aber sage: in Christus und in der Kirche.“ Das heißt sagen: „Jenes ist zwar ein großes Geheimnis, aber ich sage: in Christus und in der Kirche.“ Weil also für jetzt vielleicht nicht alle jenes fassen können, so sollen sie wenigstens dieses fassen, was jedoch von jenem nicht abweichend, noch verschieden ist, weil beides von Christus ist. Wer aber jenes Tiefere nicht faßt, soll wenigstens dieses Leichtere erkennen, damit er nach begonnenem Verständnis des naheliegenden Sinnes zu dem Höheren gelangen könne und so die gegenwärtige Erreichung des auf der Oberfläche Liegenden nachher der Weg sei zur Tiefe.

Er setzt nun weiter auseinander, welches jenes Geheimnis sei, das unter der Nennung von Mann und Weib bezeichnet wird.

Welches ist nun jenes große Geheimnis, das unter dem Namen von Mann und Weib bezeichnet wird? Wir wollen den Apostel selbst fragen, der, um dieselbe Sache zu lehren an einer andern Stelle den Namen der Sache selbst gebraucht und sagt: „Und offenbar groß ist das Geheimnis der Frömmigkeit, welches offenbar geworden ist im Fleische, gerechtfertigt im Geiste, sichtbar geworden den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit.“ Welches ist also dieses große Geheimnis, das geoffenbart wurde im Fleische? Es ist eben Gott, geboren aus dem Fleische, Gott, erschienen im Leibe. In der Tat, wie dieser öffentlich sichtbar wurde im Fleische, so wurde er auch öffentlich aufgenommen in Herrlichkeit. Das also ist das große Geheimnis, von welchem er sagt: „Deshalb wird der Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen und sie werden zwei in einem Fleische sein.“ Wer waren also zwei in einem Fleische? Eben Gott und die Seele. Denn in dem einen Fleische des Menschen, welches mit Gott vereint ist, befindet sich Gott und die Seele nach jenem Worte des Herrn selbst: „Niemand kann mein Leben (Seele) von mir nehmen, sondern ich gebe es hin von mir selbst aus; und ich habe Macht, es hin zu geben, und habe Macht, es wieder zu nehmen.“ Dreierlei siehst du nun hierin: Gott, das Fleisch und die Seele. Gott ist es, der redet, das Fleisch ist es, in welchem er redet, die Seele, von welcher er redet. Deshalb lesen wir von einem Menschen, von welchem der Prophet sagt „Der Bruder erlöset nicht, wird ein Mensch erlösen?“ Dieser steigt, wie gesagt ist, hinauf, wo er vorher war. und von ihm lesen wir: „Niemand steigt in den Himmel, als wer vom Himmel herab kam, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist.“ Deshalb, sage ich, verläßt der Mensch seinen Vater und die Mutter, das ist Gott, aus dem er geboren ist, und jenes Jerusalem, welches die Mutter von uns allen ist, und er hängt dem menschlichen Fleische an wie seinem Weibe. Deshalb hat er vom Vater ausdrücklich gesagt: „Es wird der Mensch seinen Vater verlassen,“ von der Mutter aber hat er nicht gesagt „seine“, sondern nur hingesetzt: „die Mutter,“ weil es nicht sowohl seine Mutter war, als die Mutter aller Gleubigen, das ist von uns allen. „Und er hängt seinem Weibe an;“ denn wie Mann und Weib ein Körper sind, so ist die Majestät der Gottheit und der Leib des Menschen geeint, und es sind geworden Zwei, das ist, Gott und die Seele in einem Fleische. Wie nämlich jenes Fleisch Gott als Bewohner in sich hat, so auch die Seele als Mitwohnerin Gottes. Das ist also jenes große Geheimnis, zu dessen Erforschung uns der staunende Apostel ruft, und die mahnende Gottheit einladet, und das gewiss auch nicht unähnlich ist Christo und der Kirche, wie er selbst sagt: „Ich aber sage, in Christo und der Kirche.“ Es ist ja der Leib der Kirche auch der Leib Christi, und im Leibe Christi ist Gott und die Seele, und so ist dasselbe in Christus, was in der Kirche ist, weil das Geheimnis, welches im Leibe Christi geglaubt wird, auch im Glauben an die Kirche enthalten ist.

Mit welcher Sehnsucht die alten Patriarchen die Offenbarung dieses Geheimnisses zu schauen verlangten.

Dieses Geheimnis also, welches geoffenbart wurde im Fleische, sichtbar erschien in der Welt und gepredigt wurde den Völkern, haben viele der alten Heiligen auch im Leibe schauen wollen, wie sie es im Geiste voraussahen. „Denn wahrlich,“ spricht der Herr, „ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte verlangten zu sehen, was ihr gesehen habt, und sie haben es nicht gesehen; und zu hören, was ihr gehört habt, aber sie haben es nicht gehört.“ Deshalb sagt der Prophet Jesaja: „Möchtest du doch, o Herr, die Himmel durchbrechen und herabsteigen !“ So auch David: „Herr. neige die Himmel und steige herab!“ Moses ferner sagt: Zeige dich mir, damit ich dich deutlich sehe!“ Fast niemand trat näher als Moses beim Empfange des Gesetzes zu dem aus den Wolken redenden Gotte und zu der selbst gegenwärtigen Majestät hinzu. Wie verlangt er nun aber, da doch niemand eine größere Nähe Gottes als er gesehen hatte, doch noch deutlicher zu sehen und sagt: „Zeige dich mir, damit ich dich deutlich sehe?“ Er flehte eben, dass das geschehen möge, was fast mit denselben Worten der Apostel als geschehen bezeichnet, dass nämlich der Herr sichtbar im Fleische geoffenbart werde, sichtbar der Welt erscheine, sichtbar in Herrlichkeit aufgenommen werde, und so die Heiligen alles mit den leiblichen Augen schauen möchten, was sie mit den geistigen vorausgesehen hatten.

Nun weist er die ruchlose und gotteslästerliche Lehre der Häretiker zurück, welche sagten, Gott habe in Christus wie in einem Werkzeuge oder einer Statue gewohnt und geredet.

Wenn nun, wie der Häretiker sagt, Gott in dem Herrn Jesus Christus so sein sollte wie in einer Statue oder in einem Instrumeute, das heißt, dass er nur wie in einem Menschen wohnen und wie durch einen Menschen reden sollte, ohne dass dieser auch der bewohnende, aus sich und seinem Körper redende Gott wäre, so hatte er ja schon auf diese Weise auch in den Heiligen gewohnt und aus den Heiligen geredet. Gerade auch in jenen, welche, wie ich oben sagte, seine Ankunft erflehten, war er und redete er so. Wozu war es da notwendig, dass alle das verlangten, was sie schon hatten und das erflehten, was sie schon erhalten hatten? Oder wozu sollten sie verlangen, mit den Augen zu schauen, was sie im Herzen bewahrten, besonders da es mehr heissen will, eine Sache in sich zu haben, als sie ausser sich zu sehen? Oder, wenn Gott in Christus so wohnen sollte wie in allen Heiligen, warum hätten dann diese alle mehr begehrt, Christum zu sehen, als sich selbst? Und wenn sie dieselbe Sache in dem Herrn Jesus sehen sollten, welche sie in sich hatten, warum sollten sie es nicht viel höher schätzen, dieselbe in sich zu haben, als sie in einem andern zu sehen? Aber du irrst, unseliger Wahnsinn, da du, wie der Apostel sagt, nicht einsiehst, was du redest und worüber du Behauptungen aufstellst. Denn alle Propheten und alle Heiligen haben von Gott je nach ihrer Fassungskraft einen gewissen Anteil des hl. Geistes erhalten. In Christus aber wohnte und wohnt leibhaftig die ganze Fülle der Gottheit. Es sind also alle, welche aus seiner Fülle etwas empfangen, weit von dieser Fülle entfernt. Ihre Erfüllung ist Sache Christi, weil sie in der Tat alle leer gewesen wären, wenn nicht er die Fülle aller geworden.

Was die Wünsche der Heiligen in Betreff der Ankunft des Messias in sich enthielten, oder welches ihre Sehnsucht gewesen sei?

Das also wünschten alle Heiligen, um das flehten sie und das verlangten sie, so mit den Augen zu schauen, wie sie es mit Herz und Sinn ahnten. Deshalb sagt derProphet Jesaja: „Möchtest du die Himmel durchbrechen und herabsteigen.“ Aber auch Habakuk sagt, indem er dasselbe verkündet, was jener wünscht: „Wenn die Jahre sich nähern, wirst du dich zeigen; wenn die Zeit kommt, dich offenbaren“ ……… „Gott wird von Theman“ oder anders „Gott wird von Süden kommen.“ Auch David sagt: „Gott wird sichtbar erscheinen“. und wiederum: „Der du sitzest über Cherubim, erscheine!“ Die einen verkündeten seine Ankunft, die er der Welt gewährte, andere verlangten sie. Die Form war zuweilen verschieden, aber das Gefühl gleich, da sie einigermaßen einsahen, um welch große Sache sie flehten, dass nämlich Gott in Gott wohnend, in der Gestalt und in dem Schoße Gottes bleibend, sich selbst entäussere, Knechtsgestalt annehme und sich selbst zur Übernahme aller Bitterkeit des Leidens und der Schmach herbeilasse; dass er Strafe für Wohltaten annehme und, was am Unerträglichsten und Unwürdigsten ist, gerade von denjenigen den Tod erhalte, für welche er selbst sterben sollte. Da also alle Heiligen dies einigermaßen einsahen, – einigermaßen sage ich, denn wie groß es ist, begreift niemand , — so flehten sie alle wie mit einer Stimme und wechselseitiger Harmonie nach der Ankunft Gottes. Sie wussten wahrhaftig, dass hierin die Hoffnung aller bestehe, dass hierin das Heil aller enthalten sei, weil keiner Gefesselte lösen könnte, er sei denn frei von Banden; weil keiner Sünder loskaufen könnte, er sei denn ohne Sünde; denn man kann ja doch niemand von etwas befreien, ausser man ist selbst frei von dem, wovon der andere frei werden soll. Weil also der Tod auf alle übergegangen ist, so entbehrten alle des Lebens, so dass die in Adam Gestorbenen in Christus leben mussten. Obwohl daher viele heilig, viele auserwählt und Gott sehr nahe stehend waren, so konnte doch keiner durch sich selbst irgendwie gerettet werden, wenn sie nicht durch die Ankunft und Erlösung des Herrn ihr Heil gefunden hätten.

Sechstes Buch

1. Er zeigt nun aus dem Wunder der mit fünf Gerstenbroten und zwei Fischen gesättigten Menge die Unermeßlichkeit der göttlichen Macht.

Wir lesen im Evangelium, dass auf Befehl des Herrn fünf Brote herbeigebracht und eine unzählige Menge des Volkes Gottes gesättigt worden sei. Wie nun das geschehen sei, kann weder ein Wort ausdrücken, noch eine Meinung erschließen, noch ein Sinn erfassen. So groß und so unbegreiflich ist die Kraft der göttlichen Macht, dass, obwohl wir in uns das Wissen von der Tat haben, es uns doch unmöglich ist, die Weise der Tat zu wissen. Denn wer könnte vor allem begreifen, wie eine so kleine Zahl von Broten, ich will nicht sagen zur Speise und Sättigung, sondern auch nur zur Teilung und Vorlegung hingereicht habe, da es mehr Tausende von Menschen waren, als Brote; mehrere Mahlgenossenschaften, als Stückchen von diesen Broten da sein konnte. Es entstand also durch das Wort des Herrn die Menge des Vorrates; es wuchs derselbe unter der Hand, und da zu wenig schien, was vor Augen lag, wurde unermeßlich, was zur Darreichung kam. Da ist also kein Platz für Mutmaßungen, keiner für menschliche Meinung oder Vernünftelei. Was in einer solchen Sache der Verstand der Gleubigen und Weisen begreifen kann, ist nur dies, dass sie, wie groß und und unschätzbar auch die Werke Gottes seien, und obwohl sie dieselben nicht mit dem Sinne erfassen können dennoch einsehen, es sei für Gott nichts unmöglich. Aber von diesen so unaussprechlichen Taten der göttlichen Macht wollen wir nachher, weil es die Sache so verlangt, ausführlicher reden, da ja dies ganz gut zu den unaussprechlichen Wundern der hl. Geburt paßt.

Das Geheimnis der Siebenzahl von fünf Broten und zwei Fischen wendet nun der Verfasser auf sein Buch an.

Da wir indessen der fünf Brote Erwähnung getan haben, so können wir sie nicht unpassend, wie ich glaube, mit den fünf Büchern vergleichen, die wir schon fertig gemacht haben; denn wie sie der Zahl nach gleich sind, so sind sie auch der Art nach nicht verschieden. Da nämlich jene von Gerste waren, so können auch diese, was unser Talent betrifft, gerstenartig genannt werden, obgleich sie bei dem Reichtum an Stellen aus der hl. Schrift mit der verachtungswürdigen Hülle doch heilsame Schätze decken. Auch darin weichen sie nicht von einander ab, dass jene ihrer Art nach armselig waren, durch Segnung aber reich wurden, und so auch diese unserer Begabung nach zwar wertlos, aber durch die Beimischung des Heiligen kostbar sind. Während sie also wegen unserer Darstellung den geringern Wert der Gerste in sich tragen, haben sie doch wegen der göttlichen Zeugnisse im Innersten den Wohlgeschmack des lebendigen Brotes. Es bleibt nun noch übrig, dass sie nach dem Beispiele jener durch gnädige Gottesgabe aus dem gestreuten Samen Unzähligen eine heilsame Speise bieten. Mögen sie den Lesenden die geistige Gesundheit bringen, wie jene den Essenden die Kraft des Leibes gaben! Gott aber, dessen Gabe dieses wie jenes ist, hat die Macht, auch durch diese Speise die Gesättigten nicht vom Wege abkommen zu lassen, wie er durch jene die Satten nicht auf dem Wege verschmachten ließ. Wie wir nun aber dort, wo durch wenig Speise, aber durch eine große Gnade ein zahlloser Teil des Volkes Gottes genährt wurde, lesen, dass zu den fünf Broden auch zwei Fische gelegt wurden: so ist es billig, dass wir gemäß unserm Wunsche, allen Gott nachfolgenden Völkern die Spende eines geistigen Mahles zu bieten, jenen fünf Büchern als den fünf Broten noch zwei Büchlein als die zwei Fische beilegen. Dich bitten wir, o Herr, dich beschwören wir, dass du, ansehend das Streben für unsere Pflicht und unsern Wunsch, dem frommen Unternehmen einen wirksamen Erfolg verleihen wollest; und da wir nach unserm Wunsch und Willen jene Zahl der Brote und Fische mit der Zahl unserer Büchlein gleich zu machen verlangen, so übertrage du auch die Kraft jenes Segens auf diese. Ja, da du unser Schriftchen nach evangelischer Zahl zählest, so erfülle auch die Zahl mit evangelischer Frucht und lass das Vorliegende allen Völkern deiner Kirche, jedem Alter und jedem Geschlechte zur heiligen und heilsamen Speise werden! Sind aber vielleicht einige schon durch den tötlichen Hauch der giftigen Schlange getroffen, so dass ihnen der Zustand von Seele und Geist verdorben ist, und sie in siechen Adern totbringende Krankheiten dahinschleppen, so gib allen die Kraft des gesunden Sinnes, gib die volle Gesundheit des Glaubens, so dass du durch dieses unser Schriftwerk allen die heilsame Sorgfalt deiner Gnade zuwendest und nach dem Beispiele der so ganz von dir geweihten Speise im Evangelium hier die Kranken gesund werden heissest, wie du durch jene Nahrung dort die Hungernden gestärkt hast!

Er widerlegt seinen Gegner durch das Zeugnis der Synode von Antiochia.

Da wir nun, wie ich glaube, dem gottesleugnerischen Häretiker durch alles bisher Geschriebene mit dem Ansehen der göttlichen Zeugnisse hinreichend geantwortet haben, so wollen wir nun zu dem Glauben und der Kraft der antiochenischen Bekenntnisformel kommen. Da er auf diese selbst getauft und wiedergeboren ist, so muss man ihn mit seinem eigenen Bekenntnisse überführen und, so zu sagen, mit seinen eigenen Waffen niederschmettern; denn so ist es in Ordnung, dass der schon durch heilige Zeugnisse Überwundene nun auch, um mich so auszudrücken, durch sein eigenes Zeugnis besiegt werde. Denn es wird nicht mehr nötig sein, mit anderen Dingen gegen ihn aufzutreten, wenn er offenkundig und deutlich sich selbst widerlegt hat. Der Text also und Glaube des antiochenischen Symbols ist dieser: „Ich glaube an den Einen und allein wahren Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Geschöpfe. Und an unsern Herrn Jesus Christus, seinen eingebornen Sohn und den Erstgebornen vor aller Kreatur, der aus Ihm geboren, und nicht erschaffen wurde vor aller Zeit, den wahren Gott vom wahren Gott, gleichwesentlich mit dem Vater, durch welchen auch die Zeitenreihe und alles erschaffen wurde. Er kam um unsertwillen, wurde geboren aus Maria der Jungfrau, gekreuzigt unter Pontius Pilatus und begraben. Am dritten Tage stand er auf, so wie es geschrieben war, stieg zum Himmel auf und wird wiederkommen, zu richten die Lebendigen und die Toten“ u. s. f. Nun möchte ich wissen, woraus du in dem Symbol, welches den Glauben aller Kirchen ausspricht, mehr geben willst, auf das Ansehen der Menschen oder Gottes? Obwohl ich eigentlich nicht einmal so genau und streng mit dir umgehen will, dass ich dir nur die Wahl eines Punktes frei ließe und so das eine behaupten, das andere verneinen würde; denn ich gewähre dir beides, Iasse beides zu. Ich will dir auch sagen, was ich zugebe, und ziehe dich zu beidem hin, wenn du auch nicht willst. Denn wenn du zugibst, dass beides im Symbol sei, so bist du eben freiwillig klug; wenn du es aber nicht zugibst, so musst du gegen deinen Willen gezwungen werden. Du weißt nun, dass das Symbol den Namen von der Zusammentragung erhalten hat; denn was im Griechischen σύμβολον heißt, wird im Lateinischen collatio genannt, weil, nachdem von den Aposteln des Herrn der Glaubensinhalt des ganzen katholischen Gesetzes einheitlich zusammengestellt worden. Alles, was sich in dem Gesammtwerke der heil. Schriften in unermeßlicher Menge zerstreut findet, in der Kürze des Symbols vollständig zusammengestellt ist nach jenen Worten des Apostels: „Ein zusammenfassendes( consummans ) Wort“, sagt er „und ein kürzendes in Gerechtigkeit; „denn ein kurz gefaßtes Wort wird verwirklichen der Herr auf Erden.“ Das ist also das kurz gefaßte Wort, welches der Herr verwirklicht, dass er nämlich den Glauben seiner beiden Testamente in Wenigem zusammenstellte, den Sinn aller Schriften in Kürze umfaßte, sein Eigentum zusammendrängte und die Kraft des ganzen Gesetzes in der knappsten Kürze vollständig wiedergab. Er sorgte hierin wie ein gar liebevoller Vater sowohl für die Nachlässigkeit, als auch Unwissenheit mehrerer seiner Kinder, damit nicht ein auch noch so einfältiger und unwissender Geist Mühe habe, das zu fassen, was so leicht im Gedächtnisse behalten werden konnte.

Dass die Bekenntnisformel des Glaubens ein göttliches und ein menschliches Ansehen habe.

Du siehst also, dass in dem Symbole das Ansehen Gottes sei; denn „ein abgekürztes Wort wird der Herr verwirklichen auf Erden.“ Aber du fragst vielleicht nach der Autorität der Menschen? Auch diese fehlt nicht; denn durch Menschen hat Gott dies getan. Wie er nämlich jene unermeßliche Menge der hl. Schriften durch seine Patriarchen und Propheten herstellte, so errichtete er auch die Bekenntnisformel durch seine Apostel und Priester, und was er dort in reicher und überfließender Masse durch die Seinen weit angelegt hat, das hat er hier durch eben dieselben in vollkommenster Kürze zusammengefaßt. Es fehlt also nichts im Symbole; denn was durch die Apostel Gottes aus den Schriften Gottes hergestellt ist, hat doch, was die Autorität betrifft, alles in sich, sowohl menschliches wie göttliches. Gleichwohl muss auch das Gott zugeschrieben werden, was durch die Menschen geschehen ist; denn man muss glauben, dass es nicht sowohl Sache jener ist, durch welche es geschah, als desjenigen, welcher es tat. „Ich glaube, sagt also das Symbolum, an den einen, wahren, alleinigen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Geschöpfe, und an unseren Herrn Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn und den Erstgebornen vor aller Kreatur, der aus ihm gezeugt wurde vor aller Zeit und nicht erschaffen, den wahren Gott vom wahren Gott, gleichwesentlich mit dem Vater, durch welchen auch die Zeitenreihe geworden und alles erschaffen ist. Er kam wegen uns, wurde geboren aus Maria der Jungfrau, gekreuzigt unter Pontius Pilatus und begraben. Am dritten Tage stand er auf, wie geschrieben war, und fuhr in den Himmel. Und wieder wird er kommen, zu richten die Lebendigen und die Toten, u. s. f.“

Er tritt nun mit den vortrefflichsten Beweisen wider seinen Gegner auf und zeigt, dass die von den Vorfahren überkommene Religion mit aller Kraft festzuhalten sei.

Wenn du ein Verfechter der arianischen oder sabellianischen Irrlehre wärest, und ich nicht dein eigenes Glaubensbekenntnis gegen dich gebrauchen könnte, so würde ich dich doch durch das Ansehen der heiligen Zeugnisse überwinden, würde dich überwinden durch die Stimme des Gesetzes selbst, überwinden endlich durch die in der ganzen Welt anerkannte Wahrheit der Bekenntnisformel. Ich würde sagen, du müssest, wenn du auch ohne Verstand und Einsicht bist, doch wenigstens der Übereinstimmung des menschlichen Geschlechtes glauben und du dürfest nicht die Verkehrtheit einiger Gottlosen höher schätzen als den Glauben aller Kirchen, der doch wahrhaftig von Christus gegründet, von den Aposteln überliefert und für nichts anderes zu halten sei, als für die Stimme und Autorität Gottes, wie er auch wahrhaftig Wort und Sinn Gottes in sich enthält. Und nun, wenn ich so mit dir reden würde, was würdest du sagen, was würdest du antworten? Etwa nicht Folgendes? So seiest du nicht unterrichtet, so nicht belehrt worden; Anderes sei dir von deinen Eltern, deinen Lehrern und Schriftstellern beigebracht worden. Solches hattest du nicht in den Zusammenkünften nach der väterlichen Lehrsatzung, noch auch in der Kirche eures Bekenntnisses gehört; Anderes endlich enthalte selbst der Text und der Wortlaut des dir übergebenen und eingelehrten Symbolums. Darauf seiest du getauft, darauf wieder geboren; du wollest halten, was du empfangen habest und in dem leben, worin, wie du erfahren, du wiedergeboren worden seiest. Würdest du, ich bitte dich, nicht glauben, an diesem Gerede einen ganz starken Schild selbst gegen die Wahrheit zu haben? Und in der Tat, die Verteidigung ist, wenn auch im unrechten Handel, für dich nicht ungünstig, und würde die Ursache des Irrtums nicht gerade abgeschmackt behandeln, wenn sie nur nicht Verstocktheit mit dem Irrtum verbände. Denn wenn du das festhalten würdest, was du von Kindheit auf erhalten hast, so hätte viel eher die Belehrung an deinem gegenwärtigen Irrtume zu bessern, statt dass die Strenge den vergangenen bestrafen müsste. Nun aber, da du in einer katholischen Stadt geboren, im katholischen Glauben unterrichtet und in katholischer Taufe wiedergeboren bist, kann ich da so mit dir verhandeln, wie mit einem Arianer oder Sabellianer? Wärest du das doch gewesen! Ich würde weniger Schmerz empfinden über den im Schlechten Geborenen, als über den vom Guten Abgefallenen; weniger über den nie gehabten Glauben, als über den verlornen; weniger würde ich den Häretiker scheuen, als den frisch Abtrünnigen; denn du hättest der ganzen Kirche weniger Befleckung und Verpestung angetan und wärest endlich eine weniger bittere Kränkung und ein nicht so schwer wiegendes Beispiel, wenn du nur als Laie und nicht als Geistlicher die Kirche versuchen könntest. Also, wie ich oben sagten wenn du ein Schüler oder Verfechter der sabellianischen, arianischen oder irgend einer Häresie wärest, so könntest du dich gewiss verteidigen mit dem Beispiele der Eltern, dem Unterrichte der Lehrer, der Volksgemeinschaft, dem Inhalte deiner Glaubensformel. Ich verlange nichts Unbilliges, o Häretiker, nichts Unbilliges oder Schweres. Tue als der im katholischen Glauben Geborene das, was du für den Irrtum getan hättest! Bewahre die Lehre der Eltern, bewahre den Glauben der Kirche, bewahre des Symbolums Wahrheit und das Heil der Taufe! Was bist Du doch gegen dich selbst für eine Art von Wunder, für eine Art von Ungeheuerlichkeit? Für dich tust du nicht, was andere selbst für den Irrtum getan haben! Aber wir sind weit genug gekommen und haben aus Liebe zu der uns so nahestehenden Stadt dem wie glühender Wind angreifenden Schmerz nachgegeben, so dass wir trotz unseres  Verlangens vorwärts zu kommen, von der Richtung des rechten Weges zu weit abgewichen sind.

Er dringt nun wieder wegen des Bekenntnisses der antiochenischen Glaubensformel auf jenen ein.

Die Glaubensformel also, o Häretiker, deren Text wir oben angeführt haben, gehört zwar allen Kirchen an, weil alle einen Glauben haben, besonders aber der antiochenischen Stadt und Kirche, also jener, in welcher du geboren, unterrichtet und wiedergeboren bist. Ihr Glaubensbekenntnis führte dich zur Quelle des Lebens, zur Wiedergeburt des Heiles, zur Gnade der Eucharistie, zur Vereinigung mit dem Herrn. Und wozu noch? O Klage, all zu schwer und traurig! Ja es führte dich auch zum Amte des Dienstes, zur Höhe des Vorstehers, zur Würde des Priestertums. Glaubst du nun, unseliger Wahnsinn, dass dies leicht oder gering sei? Siehst du nicht, was du getan, in welchen Abgrund du dich gestürzt hast? Mit dem Verluste des Bekenntnisses hast du alles, was du warst, verloren; denn die Sakramente deines Priestertums und deines Heiles beruhten auf der Wahrheit des Symbols. Glaubtest du nur jenes zu leugnen? Ich sage dir, du hast dich selbst geleugnet. Aber du glaubst vielleicht nicht, dass du dich selbst verneinst? So lass uns den Text des Bekenntnisses nachsehen, und du sollst nicht beschuldigt werden, wenn du dasselbe lehrst wie früher; wenn aber etwas ganz anderes und Entgegengesetztes, so brauchst du nicht zu erwarten, dass du von mir widerlegt werdest, da du dich selbst verurteilt hast. Denn wenn du nun etwas anderes behauptest, als was im Symbole steht und du früher selbst gesagt hast, was bleibt dann noch übrig, als deinen Tadel keinem andern ausser dir anzurechnen, da du siehst, dass das Urteil aller gegen dich dasselbe sei wie dein eigenes? „Ich glaube, sagt das Symbol, an einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Geschöpfe. Und an den Herrn Jesus Christus seinen eingebornen Sohn, den Erstgebornen vor aller Kreatur, der aus ihm gezeugt wurde vor aller Zeit und nicht erschaffen“. Gleich zuerst musst du nun hierauf antworten, ob du dies von Jesus Christus, dem Sohne Gottes, bekennst oder verneinst? Wenn du es bekennst, so ist alles in Ordnung; wenn aber nicht, wie kannst du denn jetzt leugnen, was du früher selbst bekannt hast? Wähle also jetzt, was du lieber willst; denn Eines von diesen Zweien muss geschehen, dass dich entweder eben dieses dein Bekenntnis, wenn es fortdauert, allein befreit, oder wenn du verneinst, es dich zuerst verurteilt. „Ich glaube, hast du nämlich in der Bekenntnisformel gesagt, an unsern Herrn Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, und den Erstgeborenen vor aller Kreatur.“ Wenn der Herr Jesus Christus der Eingeborene und Erstgeborene vor aller Kreatur ist, so ist er ja nach deinem eigenen Bekenntnisse unzweifelhaft Gott. Denn kein anderer Eingeborener ist der Erstgeborene vor aller Kreatur, als allein der eingeborene Sohn Gottes. Er ist wie vor den Geschöpfen geboren, so auch der Schöpfer aller, Gott. Und wie kannst du behaupten, dass derjenige als bloßer Mensch aus der Jungfrau geboren worden sei, von welchem du bekannt hast, dass er Gott vor aller Zeit gelesen sei? Dann sagt das Symbolum: „Der aus dem Vater geboren wurde vor aller Zeit und nicht erschaffen.“ Das hat es durch dich gesagt, das du durch jenes, dass Jesus Christus vor aller Zeit aus Gott dem Vater geboren und nicht erschaffen worden ist. Sagt es vielleicht etwas von den Phantasien, in welchen du jetzt rasest? Hast du selbst etwas davon gesagt? Wo ist da die „Statue“, wo dein — so sage ich — „Instrument“? Denn es sei ferne, dass dies einem andern zugeschrieben werde als dir. Wo ist etwas davon, dass der Herr Jesus Christus, wie in deiner Behauptung nach Art einer Statue anzubeten sei, nicht als Gott. soundern als Bild Gottes? Dass er, den du aus dem Herrn der Majestät zu einem Instrumente machst, nicht seinetwegen zu ehren sei, wie du lästerst, sondern wegen desjenigen, der in ihm gleichsam weht und tönt? Du hast im Symbole gesagt, dass der Herr Jesus Christus aus Gott dem Vater vor aller Zeit geboren worden sei und nicht erschaffen, was doch wahrhaftig nur dem eingebornen Sohne Gottes zukommt, dass nämlich seine Geburt keine Schöpfung sei, und er nur geboren, nicht aber erschaffen genannt werde. Ist es ja doch gegen das innere Wesen und die Ehre, dass der Schöpfer von Allem für ein Geschöpf gehalten werde, und so der Urheber alles Anfangenden selbst angefangen hätte, wie von ihm alles den Anfang nahm. Deshalb heißt er also geboren, nicht erschaffen, weil er eine ihm eigene Entstehung hat, nicht die gemeinsame Schöpfung. Da er nun Gott ist, aus Gott geboren, so muss die Gottheit des Erzeugten alles haben, was immer die Größe des Erzeugers hat.

Er bleibt nun bei demselben Beweise, der aus dem antiochenischen Glaubensbekenntnisse genommen ist.

Es folgt nun aber im Bekenntnisse: „An den wahren Gott vom wahren Gott, gleichwesentlich mit dem Vater, durch welchen auch die Zeiten aneinander gereiht sind, und Alles erschaffen.“ Da du nun all dieses gesagt hast, so bedenke, dass du alles von dem Herrn Jesus Christus gesagt hast. Denn das hast du im Bekenntnisse: Du glaubest an den Herrn Jesus Christus, den eingeborenen Sohn Gottes und den Erstgeborenen vor aller Kreatur. Und nach diesem und anderem: den wahren Gott vom wahren Gott, gleichwesentlich mit dem Vater, durch welchen auch die Zeitenreihe geworden ist. Wie soll nun Ebenderselbe Gott sein und nicht Gott, Ebenderselbe Gott und eine Bildsäule, Ebenderselbe Gott und ein Instrument? Das stimmt in nichts überein, o Häretiker, und paßt nicht zusammen, dass du Einen und Denselben, je nachdem du willst , Gott nennst oder für ein Gebilde hältst. Du hast im Symbole gesagt: „den wahren Gott“ — jetzt nennst du ihn einen bloßen Menschen. Wie kann Das zusammengehören, wie sich gegenseitig angepaßt werden, dass Ebenderselbe die höchste Macht und die bloße Schwäche sein soll? Ebenderselbe die höchste Majestät und die bloße Sterblichkeit? Es geht nicht zusammen bei einem und demselben Herrn, ihn zu verteilen zwischen Verehrung und Schmach, und nach Belieben auf den einen Teil Ehre, auf den andern Unbild zu setzen. Als du das Sakrament des wahren Heiles empfingst, hast du im Glaubensbekenntnisse gesagt: „An den Herrn Jesus Christus, wahren Gott vom wahren Gott, gleichwesentlich mit dem Vater, den Schöpfer der Zeiten, den Schöpfer aller Dinge.“ Wo bist du nun, o des Schmerzes, wo bist du nun derjenige, welcher du damals warst? Wo ist jener Glaube, wo jenes Bekenntnis? In Abenteuerliches und Ungeheuerliches bist du gefallen. Welche Torheit, welcher Wahnsinn hat dich zu Grunde gerichtet? Den Gott aller Macht und Majestät hast du zu seelenloser Materie, zu gefühllosem Gebilde umgewandelt! Wohl nahm zu dein Glaube mit der Zeit, er nahm zu mit dem Alter, nahm zu mit dem Priestertum; aber jetzt ist der Greis schlechter geworden als einst der Knabe war, schlechter der Veteran als der Neuling, schlechter der Bischof als der Anfänger; und nachdem du schon angefangen hast, Lehrer zu sein, bist du nicht einmal Schüler.

Wie es von Christus heiße, dass er gekommen und aus der Jungfrau geboren worden sei.

Lasst uns nun aber das Übrige, was folgt, betrachten! Das Symbolum sagt also: „An den Herrn Jesus Christus, den wahren Gott vom wahren Gott, gleichwesentlich mit dem Vater, durch welchen die Zeitenreihe geworden und alles erschaffen ist.“ Aber es fügt in untrennbarer Verbindung sogleich bei: „Der wegen uns kam und geboren wurde aus Maria der Jungfrau.“ Also jener, welcher wahrer Gott, gleichwesentlich mit dem Vater, der Schöpfer der Zeiten und der Erschaffer aller Dinge war, jener sage ich, kam in die Welt und wurde geboren aus Maria der Jungfrau, nach jener Stelle des Apostels Paulus: „Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geworden aus dem Weibe, geworden unter dem Gesetze.“ Siehst du, wie die Geheimnislehren des Bekenntnisses mit den hl. Schriften übereinstimmen? Der Apostel verkündet, dass der Sohn Gottes vom Vater gesandt worden sei, das Bekenntnis bestätigt , dass er gekommen sei; denn dies musste natürlich die Folge sein, dass unser Glaube denjenigen als gekommen bekannte, von welchem der Apostel gepredigt hatte, dass er gesandt sei. Dann sagt der Apostel : „Geworden aus dem Weibe,“ das Symbolum aber: „Geboren aus Maria.“ Merkst du also, dass im Symbolum die hl. Schrift selbst redet, von welcher abzustammen jenes selbst bezeugt? Treffend aber setzt der Avostel in seinem Ausspruche: „Geworden aus dem Weibe“ das „geworden“ für „geboren“, nach dem Gebrauche des göttlichen Wortes, nach welchem „geworden“ für „geboren“ steht, wie in jener Stelle: „Statt deiner Väter wurden dir Söhne“, oder anderswo: „Ehe Abraham ward, bin ich.“ Daraus ersieht man deutlich, dass er sagen wollte: „Ehe er geboren wurde, bin ich.“ So drückt er mit der Bezeichnung des Gewordenseins den sachlichen Inhalt der Geburt aus, weil hier immer die wirkliche Natur des Werdens vorliegt, wenn auch Etwas nicht erst zu werden braucht. Es heißt also: „Der wegen uns kam und geboren wurde aus Maria, der Jungfrau.“ Wenn ein bloßer Mensch aus Maria geboren wurde , warum heißt es dann, dass er gekommen sei? Es kommt ja doch keiner, in dessen Natur es nicht liegt, dass er kommen kann? Wer aber noch nicht einmal das Sein erlangt hatte, wie konnte der im Stande sein, zu kommen? Siehst du also, dass gerade durch das Reden von einer Ankunft gezeigt wird, der Ankommende sei schon vorher gewesen, weil keiner die Fähigkeit hierzu hatte als derjenige, welchem es gerade dadurch, dass er war, zu Gebote stand, zu kommen? Nun war aber der Mensch vor der Empfängnis überhaupt nicht, und es stand also nicht in seiner Macht, kommen zu können. So ist es gewiss, dass Gott kam, welchem in beiden Fällen sowohl das Sein zu Gebote stand als das Kommen. In der Tat, dieser kam, weil er war, und weil er immer kommen konnte, ist er immer gewesen.

Nochmal überführt er den Gegner aus dessen eigenem Bekenntnisse des verpestenden Irrtums.

Wozu aber nehmen wir von einem Worte die Beweise, da klare Tatsachen vorliegen, und was suchen wir in dem Wortlaute des Symbolums ein Urteil über den Sachverhalt, da doch in demselben von der Sache selbst die Rede ist? Lasst uns die Formel des Glaubensbekenntnisses wiederholen und dein eigenes; denn dein ist es, wie es in jener steht, weil du durch dein Bekenntnis das dortige zu dem deinen gemacht hast. So magst du einsehen, dass du nicht nur von dem Symbolum, sondern von dir selbst abgefallen bist. Es sagt also die Formel: „Ich glaube an den einen, einzigen, wahren Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Geschöpfe; und an den Herrn Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, den Erstgeborenen vor aller Kreatur, aus ihm geboren vor aller Zeit, nicht erschaffen; wahren Gott vom wahren Gott, gleichwesentlich mit dem Vater, durch welchen auch die Zeitenreihe geworden und alles erschaffen ist. Er kam unsertwegen und wurde geboren aus Maria, der Jungfrau.“ Wegen uns also, sagt das Symbolum, kam unser Herr Jesus Christus und wurde geboren aus Maria, der Jungfrau, und gekreuzigt unter Pontius Pilatus und begraben und ist auferstanden der Schrift gemäß. Die Kirchen schämen sich nicht, dies zu bekennen, der Apostel schämte sich nicht, es zu predigen. Du aber, du sage ich, dessen jedes Wort jetzt gottesräuberisch ist, der fast alles leugnet, du hast auch dies alles geleugnet, dass Gott geboren worden sei, dass Gott gelitten habe und auferstanden sei. Und was dann? Wohin bist du gestürzt, was ist aus dir geworden, wozu bist du gebracht? Was sagst du, was gibst du von dir, was nicht einmal für einen Wahnsinnigen passen, was nicht einmal der rasende Orestes behaupten würde, wie sich einer ausdrückt? Was also sagst du? Du sagst: „Was soll doch das sein, dass aus der Christusgebärerin der Sohn Gottes geboren wurde! Als ob nicht, wenn wir sagen:„ „Ich glaube an Gott das Wort, den Sohn Gottes, den Eingeborenen, aus dem Vater gezeugt, gleichwesentlich mit dem Vater, der herabkam und begraben wurde“ “ — als ob dann nicht sofort das Gehör einen Schlag bekäme! Gott soll gestorben sein?“ Und wieder sagst du: „Wie, sollte es möglich sein, dass jener, welcher vor aller Zeit geboren ist, ein zweites Mal geboren würde, und dass dies Gott wäre?“ Wenn dies alles durchaus nicht sein kann, wie sagt dann die Glaubensformel der Kirchen, dass es wirklich geschehen sei? Wie konntest du selbst es sagen? Lass uns doch das, was du jetzt sagst, mit dem vergleichen, was früher von dir gesagt wurde! Früher bast du gesagt: „Ich glaube an Gott Vater, und an Jesus Christus seinen Sohn, wahren Gott vom wahren Gott, gleichwesentIich mit dem Vater; der wegen uns kam und geboren wurde aus Maria, der Jungfrau, gekreuzigt unter Pontius Pilatus und begraben wurde.“ Was sagst du aber jetzt? „Wenn man sagt: Ich glaube an Gott das Wort, den eingebornen Sohn Gottes, geboren aus dem Vater, gleichwesentlich mit dem Vater, der herabkam und begraben wurde; — erhält da nicht gleich das Gehör einen Schlag?“ Dein roher und gottloser Ausspruch könnte uns zwar zwingen, dich mit ungemäßigter, hitziger Antwort anzugreifen, aber wir wollen den heiligen Schmerz noch ein wenig in straffen Zügeln halten.

Er tritt nun streng gegen jenen auf, weil er trotz seines Abfalles von der katholischen Religion noch gewagt habe, in der Kirche zu lehren, zu opfern und Recht zu sprechen.

Nun aber sage ich und frage dich, ja dich selbst: Sage mir, ich bitte dich, ob du meinst, wenn einer von den Juden oder Heiden die Bekenntnisformel des katholischen Glaubens leugnen würde, dass dieser zu hören sei? Gewiss nicht. Wie nun, wenn dasselbe bei einem Häretiker oder Abtrünnigen der Fall ist? Dann noch viel weniger; weil es unerträglicher ist, die erkannte Wahrheit zu verlassen, als die ungekannte zu leugnen. Zwei also sehen wir in dir: Den Katholiken und den Apostaten, und zwar zuerst den Katholiken und dann den Abtrünnigen. Bestimme nun selbst, wem wir folgen sollen; denn du kannst nicht den einen, der in dir ist, vorziehen, ohne den andern selbst zu verdammen. Sagst du also, es werde von dir jener verdammt, der du früher warst, verdammt das katholische Bekenntnis, verdammt das Bekenntnis aller, verdammt der Glaube? Wie aber nun? O unwürdige Tat, o unerträglicher Schmerz! Was tust denn du in der katholischen Kirche, du von den Katholiken Abgefallener? Was schändest du die Versammlung des Volkes, der du den Glauben des Volkes verleugnet hast? Überdies hast du gewagt, am Altare zu stehen, den Richterstuhl zu besteigen, dein so schamloses und treuloses Antlitz dem Volke Gottes zu zeigen, die Kanzel einzunehmen, das Priestertum dir anzumassen und dich als Lehrer auszugeben! Wozu lehrst denn du Christen, da du nicht an Christus glaubst, da du ihn, in dessenTempel sie sind, in seiner Gottheit leugnest? Und nach all diesem, o Wahnsinn, o Raserei, hältst du dich für einen Lehrer und Bischof, da du ja gerade jenen selbst, o unselige Blindheit, jenen selbst, sage ich, als Gott leugnest, dessen Priester zu sein du behauptest! Aber ich komme ausser mir vor Schmerz. Was sagt also das Bekenntnis, oder was hast du selbst darin gesagt? In der Tat: Der Herr Jesus Christus , wahrer Gott vom wahren Gott, gleichwesentlich dem Vater, durch welchen die Zeit erschaffen und alles gemacht wurde, gerade er sei wegen uns gekommen und aus Maria der Jungfrau geboren worden. Wenn du also sagtest, Gott sei aus Maria geboren worden, warum verwirfst du dann Maria als Gottesmutter? Wenn du gesagt hast, Gott sei gekommen, wie leugnest du jetzt, dass derjenige Gott sei, welcher kam? Du hast im Bekenntnisse gesagt: Ich glaube an Jesus Christus, den Sohn Gottes, ich glaube an den wahren Gott vom wahren Gott, gleichwesentlich dem Vater, der wegen uns kam und geboren wurde aus Maria der Jungfrau, gekreuzigt unter Pontius Pilatus und begraben wurde. Jetzt aber sagst du: „Wenn wir sagen: „ „Ich glaube an Gott, das Wort, den eingebornen Sohn Gottes, gezeugt aus dem Vater, gleichwesentlich mit dem Vater, der herabkam und begraben wurde,“ “ ist da nicht sogleich schon unser Gehör verwundet?“ Siehst du also, dass du allen Glauben an das katholische Bekenntnis, an das katholische Geheimnis, völlig zerstörst und mit der Wurzel ausreisstest? O Laster, o Scheusal, das, wie jener sagt, an die Grenzen der Erde versetzt werden sollte! Ja dies wird mit mehr Recht von dir gesagt, dass du nämlich in jene Einöde gehen solltest, wo du keinen finden würdest, den du verderben könntest. Also der Glaube unseres Heiles, das Geheimnis der kirchlichen Hoffnung, gilt dir wie ein Schlag für dein Gehör und deine Ohren? Aber wie konntest du dann doch einst, als du zur Taufe eiltest, diese Geheimnisse mit unverletzten Ohren hören? Warum sind denn deine Ohren nicht verwundet worden, als die Lehrer der Kirche dich unterrichteten? Ebenso hast du sicher ohne jede Wunde das doppelte Geschäft des Mundes und der Ohren verrichtet, als du das von andern Gehörte aussprachest und dich dabei selbst hörtest. Wo waren damals diese Wunden deiner Ohren, wo dieser Schlag auf dein Gehör? Warum hast du nicht widersprochen und Rechenschaft gefordert? Aber freilich ganz nach deinem Belieben und deiner Leidenschaft bist du, wenn es dir gefällt, ein Jünger der Kirche, und wenn es dir anders gefällt, ihr Feind; Katholik, wenn du willst, und wenn anders, ein Abtrünniger. Freilich du bist ein so würdiger Gewährsmann, dass du die Kirchen nach dir ziehst, nach welcher Seite immer du dich wenden magst, so dass dein Wille Gesetz unseres Lebens sein muss, und du durch deine Veränderlichkeit das menschliche Geschlecht änderst, oder weil du nicht sein willst, was alle sind, diese sein müssen, was du willst. O, das ist freilich eine herrliche Autorität, wenn die Welt aufhören muss, zu sein, was sie war, weil du nicht bist, was du warst !

Er widerlegt die verschwiegene Entgegnung der Häretiker, welche ihr Glaubensbekenntnis zurücknehmen wollen, weil es im Kindesalter gemacht worden sei.

Aber vielleicht sagst du, bei deiner Wiedergeburt seiest du ein Kind gewesen und hättest deshalb die Sache weder verstehen, noch Einsprache erheben können. Es ist wahr, die Kindheit hinderte dich, zu widersprechen, während du als Mann durch deinen Widerspruch hättest sterben können. Oder wie, wenn du in jener so treuen und frommen Kirche Christi, als der Priester dem antwortenden und beistimmenden Volke Gottes das Glaubensbekenntnis vorsagte, auch nur bei etwas leise zu murren oder Einsprache zu tun gewagt hättest, würde man dich vielleicht gehört und nicht sogleich wie eine neue Art von Ungeheuer und Schreckbild irgendwie dem Verderben und Tode preisgegeben haben? Nicht als wollte sich jenes so fromme und religiöse Volk Gottes mit irgend eines Menschen, selbst des ruchlosesten, Blute beflecken, sondern weil in großen Städten meistens das von Gottesliebe glühende Volk die gleubige Entflammung nicht zurückhalten kann, wenn es sieht, dass jemand gegen seinen Gott sich erhebt. Aber sei es! Als Kind, wenn dies nun einmal gelten soll, konntest du dem Bekenntnisse nicht widersprechen und Einwände machen; warum aber hast du auch geschwiegen, als du schon älter und kräftiger warst? Du bist ja gewachsen, bist ein Mann geworden und eingereiht in den kirchlichen Dienst. Also durch so viele Altersperioden, durch so viele Stufen des Amtes und der Würde hindurch hast du nie den Glauben verstanden, den du solange lehrtest ? Du wußtest, dass du ein Diakon und Priester desselben seiest: wenn dir nun die Regel des Heiles nicht gefiel, warum nahmst du Ehre von jener Sache an, deren Glaubwürdigkeit du nicht anerkanntest? Aber freilich, als vorsichtiger Mann und als Religiose voll Einfalt. wolltest du dich zwischen beidem so wenden, dass du sowohl die Ungleubiqkeit des Gottesräubers, als die Würde des Katholiken beibehalten konntest.

Der gekreuzigte Christus ist ein Ärgernis und eine Torheit für jene, welche behaupten, er sei ein bloßer Mensch gewesen.

Also ein Schlag für dein Gehör und eine Wunde für deine Ohren ist der Gott, welcher geboren wurde und gelitten hat ! Wo ist nun jenes dein Wort, o Apostel Paulus: „Wir aber predigen Christum, den Gekreuzigten, den Juden wohl als ein Ärgernis, den Heiden als eine Torheit; ihnen selbst aber, den Berufenen, Juden sowohl als Griechen, Christum als Gottes Kraft und Gottes Weisheit?“ Was ist nun die Weisheit und die Kraft Gottes? Offenbar Gott. Er predigt aber Christum, der gekreuzigt worden, als die Kraft und die Weisheit Gottes, wenn also ohne Zweifel Christus die Weisheit Gottes ist, so ist auch ohne Zweifel Christus Gott. Er sagt also: „Wir predigen Christum den Gekreuzigten, den Juden wohl ein Ärgernis, den Heiden aber eine Torheit.“ Also das Kreuz des Herrn, welches eine Torheit den Heiden, und den Juden ein Ärgernis war, ist für dich beides. Denn keine Torheit ist größer, als nicht zu glauben, noch ist ein Ärgernis größer, als nicht hören zu wollen. Es wurden also die Ohren jener bei der Predigt und dem Leiden Gottes verwundet, wie jetzt die deinen. Sie glaubten, dass dies ein Schlag für ihr Gehör sei, wie du es nun glaubst. Und daher kam es, dass jene bei dem Namen Gottes und unseres Herrn Jesu Christi, wenn der Apostel Christum als Gott predigte, die Ohren ihres Hauptes schlossen, wie du nun die deines Herzens. Es könnte eure beiderseitige Gottlosigkeit in dieser Sache gleich scheinen, wenn nicht dein Verbrechen darin größer wäre, dass jene den verleugneten, in welchem das Leiden noch den Menschen zeigte; du aber denjenigen, welchen die Auferstehung schon als Gott bewiesen hat. So also verfolgten ihn jene auf Erden, du aber verfolgst ihn auch im Himmel. Und nicht nur dies, sondern es ist auch sicherlich grausamer und verbrecherischer von dir, dass ihn jene aus Unkenntnis verleugneten, du aber nach dem Glauben; jene in Unwissenheit über den Herrn, du, nachdem du ihn als Gott bekannt hattest; jene in der Eifersucht für ihr Gesetz, du in dem Berufe eines Bischofes; jene, da sie sich ihm fremd glaubten, du aber als sein Priester. O unwürdige, unerhörte Tat! Gerade jenem stellst du in meiner Verfolgung nach, dessen Amtswürde du noch benützest.

Er antwortet jenem Einwurfe, in welchem sie sagten, die Geburt müsse der Gebärenden dem Wesen nach gleich sein.

Aber freilich, du wendest, um Gott den Herrn zu verleugnen und zu verfolgen, einen großen Beweis für deinen Unglauben und deine Gottlosigkeit an in der Behauptung: ,,Gleichwesentlich mit den Eltern muss die Geburt sein.“ Ich antworte noch nicht auf das Ganze mit der Entgegnung, dass dies bei der Geburt Gottes durchaus nicht festzuhalten sei, weil die Geburt nicht so fast Sache der Gebärenden war als des Geborenen, und so wie er wollte, gerade derjenige geboren wurde, von welchem es überhaupt kam, dass er geboren wurde. Da du übrigens sagst, dass gleichwesentlich den Eltern die Geburt sein müsse, so erwidere ich, dass ja wirklich unser Herr Jesus Christus sowohl demVater als der Mutter gleich im Wesen war; denn nach der Verschiedenheit der Personen entsprach er jedem der Eltern in der Ähnlichkeit. Der Gottheit nach war er ja gleichwesentlich dem Vater, dem Leibe nach aber gleichwesentlich der Mutter. Nicht als wäre der mit dem Vater Gleichwesentliche ein anderer gewesen und wieder ein anderer der mit der Mutter, sondern weil ebenderselbe Herr Jesus Christus als Mensch geboren war und als Gott und so beider Eltern Eigentümlichkeit in sich hatte; da eben, was in ihm Mensch ist, die Ähnlichkeit mit der menschlichen Mutter darbot, und was Gott in ihm ist, die wahre Natur Gottes hatte.

Er vergleicht nun diesen Irrtum mit der Lehre der Pelagianer.

Wenn nun nicht derselbe Christus aus Maria geboren wurde, wie aus Gott, so machst du ohne Zweifel zwei Christus, gerade wie es in der Schandtat pelagianischer Gottlosigkeit geschieht, welche behauptet, es sei ein bloßer Mensch aus der Jungfrau geboren worden, und nun sagt, er sei mehr der Lehrer, als der Erlöser des menschlichen Geschlechtes gewesen, weil er den Menschen nicht die Erlösung, sondern nur ein Beispiel des Lebens gegeben habe, so dass also die Menschen, ihm nachfolgend, Ähnliches tun und zu Ähnlichem gelangen sollen. Eure Gottlosigkeit hat also gleichen Ursprung, und gleich ist die Wurzel eurer Irrtümer. Jene behaupten, dass ein bloßer Mensch aus Maria geboren worden sei, und du dasselbe. Jene trennen den Sohn des Menschen von dem Sohne Gottes, und du gleichfalls. Jene sagen, dass der Heiland durch die Taufe Christus geworden sei, und du, dass er in der Taufe Tempel Gottes wurde, jene leugnen nicht, dass er nach dem Leiden Gott geworden sei, du aber leugnest dies sogar nach der Himmelfahrt. Also fast nur in einem geht eure Verkehrtheit auseinander, indem jene den Herrn auf Erden zu lästern scheinen, du aber auch im Himmel. Du hast überwunden und überholt, wir gestehen es, die du nachahmtest. Jene hören doch gleichsam einmal auf, Gott zu leugnen, du niemals. Gleichwohl ist auch der Glaube jener nicht als ganz wahr anzunehmen, welche dem Erlöser nur nach dem Leiden die Ehre der Gottheit zuschreiben, und ihn erst nachher als Gott bekennen, während sie ihn vorher verleugnen; weil, wie mir scheint, derjenige, welcher in Gott einen Teil leugnet, das Ganze leugnet, und wer nicht bekennt, dass er immer war, ihn für immer verneint. So würdest auch du nicht das Wahre bekennen, wenn du schon lehren würdest, dass unser Herr Jesus Christus, welcher aus Maria der Jungfrau geboren wurde, heute im Himmel wahrer Gott sei, wofern du nicht auch sagen würdest, dass er es immer gewesen sei. Aber freilich, du willst deine Lehre in Nichts ändern oder wechseln, und den du als bloßen Menschen geboren werden ließest, von dem behauptest du, dass er auch beute nicht Gott sei. O neue und ganz besondere Gottlosigkeit! Den du mit den Häretikern für einen Menschen erklärst. bekennst du nicht einmal mit den Häretikern als Gott!

Er zeigt, dass jene, welche diesen Irrtum verteidigen, zwei Christus anerkennen.

Aber ich hatte vor, davon zu reden, dass von dir ohne Zweifel zwei Christus gemacht werden, und dies müssen wir jetzt klar machen. Sage mir doch, ich bitte dich, du, der du Christum vom Sohne Gottes trennst, wie du im Symbolum zugestehen kannst, dass Christus aus Gott geboren sei? Denn du sagst: „Ich glaube an Gott Vater und an Jesus Christus, den Sohn Gottes.“ Da hast du also Jesus Christus als Sohn Gottes; du sagst aber, aus Maria sei nicht ebenderselbe Sohn Gottes geboren worden, also ist ein anderer Christus aus Gott, ein anderer aus Maria, und so sind in deiner Lehre zwei Christus, da du nämlich im Symbolum Christum nicht Ieugnest, aber einen anderen Christus aus Maria behauptest, als der ist, welchen du im Symbole bekennst. Aber du sagst vielleicht, Christus sei nicht aus Gott geboren worden. Wie sagst du aber dann in der Bekenntnisformel: „Ich glaube an Jesus Christus, den Sohn Gottes ?“ So musst du also entweder das Symbolum leugnen, oder Christum als Sohn Gottes bekennen. Wenn du aber im Symbolum Christum als Sohn Gottes bekennst, so musst du auch eben denselben Christus aus Maria als Sohn Gottes bekennen. Wenn du aber den Christus aus Maria als einen andern hinstellst, so lehrst du gewiss die Gotteslästerung, dass es zwei Christus gebe.

Er zeigt, dass diese Lehre überdies das Bekenntnis der Dreieinigkeit zerstöre.

Wenn aber deine Verkehrtheit und Treulosigkeit durch diesen Glauben des Symbols noch nicht abgefertigt ist, wirst du dann nicht, ich bitte dich, durch die Vernunft selbst und das Licht der Wahrheit erdrückt? Sage mir, ich bitte dich, o Häretiker, wer du auch immer seiest, ist es nicht wenigstens die Trinität, welche wir glauben, welche wir bekennen, nämlich der Vater, der Sohn und der hl. Geist? Über die Majestät des Vaters und des Geistes ist keine Frage. Den Sohn schmähst du, weil du nicht sagst, dass Ebenderselbe aus Maria geboren worden sei, der aus Gott dem Vater gezeugt wurde. Sage mir also, wenn du den eingebornen Sohn Gottes als aus Gott geboren nicht leugnest, wer soll dann nach dir jener sein, welcher aus Maria geboren wurde? Du nennst ihn einen bloßen Menschen gemäß dem, was er selbst gesagt hat: „Was aus dem Fleische geboren ist. ist Fleisch.“ Aber ein bloßer Mensch kann der nicht genannt werden, welcher nicht nach dem bloßen Gesetze menschlicher Zeugung zum Leben kam. Denn, sagt der Engel, „was in ihr geboren wurde, ist vom hl. Geiste.“ Und dies wagst nicht einmal du selbst zu leugnen, der du doch fast alle Geheimnisse des Heiles leugnest. Wenn er also aus dem heiligen Geiste geboren ist, und der kein bloßer Mensch genannt werden kann, welcher unter Einhauchung Gottes empfangen wurde; und nun doch derjenige nicht sein soll, welcher nach dem Apostel sich selbst entäusserte, Knechtsgestalt annahm; – als Wort Fleisch wurde, sich selbst erniedrigte, indem er gehorsam wurde bis zum Tode, und der unsertwegen arm wurde, da er reich war: so sag‘ mir doch, wer denn jener ist, der aus dem hl. Geiste geboren und unter Überschattung Gottes empfangen wurde? Ohne Zweifel sagst du, dass es ein anderer sei. Es sind also zwei, nämlich jener, welcher aus Gott dem Vater im Himmel gezeugt wurde, und der andere, welcher in Maria durch Einhauchung Gottes empfangen wurde. Dadurch ist dieser, welchen du einführst, der vierte, den du zwar mit Worten einen bloßen Menschen nennst, in der Tat aber so wenig als solchen bestätigst, dass du sogar, wenn auch nicht in dem ganzen Maße deiner Pflicht, gestehst, er sei hochansehnlich, verehrungs- und anbetungswürdig. Wenn also in der Tat anbetungswürdig ist der Sohn Gottes, der aus dem Vater geboren wurde, und anbetungswürdig jener, welcher durch den hl. Geist aus Maria entsprosste, so machst du dir ja zwei Erhabene und Verehrungswürdige, welche du so von einander unterscheidest, dass du jeden besonders mit seiner Ehrfurcht verehrest. Deßhalb musst du einsehen, dass du durch diese Verleugnung und Trennung des Sohnes Gottes, so viel an dir liegt, das ganze Geheimnis der Gottheit zerstörst; denn indem du versuchst, eine vierte Person in die Trinität einzureihen, leugnest du vollständig, wie du siehst, die ganze Trinität.

Wer in einem Artikel der katholischen Religion sich der Täuschung hingibt, vereitelt den ganzen Glauben und das Verdienst des Glaubens.

Da dies nun so ist, so hast du mit deiner Leugnung des einen Jesus Christus, als Sohnes Gottes, alles geleugnet. Denn auch das ist eine Eigentümlichkeit des kirchlichen Geheimnisses und des katholischen Glaubens, dass derjenige, welcher einen Teil des göttlichen Geheimnisses verneint, nicht einen andern Teil bejahen kann. Denn es ist alles so mit einander verbunden und zusammengegliedert, dass das eine ohne das andere nicht bestehen kann und dass es demjenigen, der eines von allem leugnet, nichts nützt, alles andere zu glauben. Wenn du also den Herrn Jesus Christus als Gott nicht annimmst, so musst du notwendig mit der Leugnung des Sohnes Gottes auch den Vater leugnen, weil nach dem Ausspruche des Johannes „Derjenige, welcher den Sohn nicht hat, auch den Vater nicht hat; wer aber den Sohn hat, auch den Vater hat.“ Wenn du also den Erzeugten leugnest, so leugnest du auch den Erzeuger. So auch musst du mit der Verneinung des im Fleische gebornen Gottessohnes notwendig auch den im Geiste gebornen verwerfen, weil Ebenderselbe im Fleische geboren wurde, welcher zuerst im Geiste geboren war. Glaubst du nicht, dass er im Fleische geboren wurde, so kannst du auch unmöglich glauben, dass er gelitten habe; glaubst du aber nicht an sein Leiden, was bleibt da übrig, als dass du auch seine Auferstehung verwirfst, weil der Glaube an den Auferweckten aus dem Glauben an den Gestorbenen stammt, und der Begriff der Auferstehung nicht Platz greifen kann, wenn nicht der Glaube an den Tod vorausgegangen ist. Also wenn du den Leidenden und Gestorbenen leugnest, verwirfst du auch den von den Toten Auferstandenen. Daraus folgt gewiss, dass du auch seine Himmelfahrt leugnest, weil die Himmelfahrt ohne die Auferstehung nicht sein konnte, und also jeder, der nicht glaubt, dass er auferstanden sei, auch nicht glauben kann, dass er aufgefahren sei, da der Apostel sagt: „Denn wer herabstieg, Ebenderselbe ist es, der hinaufstieg.“ So weit es also auf dich ankommt, ist der Herr Jesus Christus weder von den Toten auferstanden, noch in den Himmel aufgefahren, noch sitzt er zur Rechten Gottes des Vaters, noch wird er, wie wir erwarten, zu jenem Tage des letzten Gerichtes kommen, noch richten die Lebendigen und die Toten.

Er wendet nun seine Rede an den Gegner selbst, den er bekämpft, und ladet ihn ein, wieder zur Einsicht zu kommen. Das Sakrament der Versöhnung sei d en Gefallenen zum Heile nötig.

Siehst du nun ein, o unselige, rasende Verkehrtheit, dass du vollständig allen Glauben des Bekenntnisses, alle Kraft der Hoffnung und des Sakramentes nichtig gemacht hast? Und doch wagtest du, in der Kirche zu stehen und meinst, du seiest ein Priester, während du doch alles geleugnet hast, wodurch du Priester zu sein anfingst! Kehre also zurück auf den rechten Weg, nimm an die frühere Denkweise und komme wieder zur Einsicht, wenn du je eine hattest. Komme zu dir selbst zurück, wenn du je etwas in dir hattest, wohin du jetzt zurückkehren kannst! Erkenne die Sakramente deines Heiles, durch welche du neugeschaffen, durch welche du wiedergeboren wurdest! Sie sind dir jetzt nichte weniger nötig als damals, um dich jetzt durch die Buße neu zu beleben, wie sie dich damals durch die Taufquelle geboren baben. Halte den ganzen Zusammenhang des Symbols, halte die volle Wahrheit des Glaubens fest! Glaube an Gott den Vater, glaube an Gott den Sohn, an einen Erzeuger und einen Erzeugten, und zwar den Eingeborenen und Erstgeborenen, an den Herrn aller, Jesum Christum, gleichwesentlich dem Vater, geboren in der Gottheit. geboren im Leibe, von doppelter Geburt, aber einer Majestät, der als der Schöpfer aller Kreaturen ebenso aus dem Vater geboren ist, wie nachher aus der Jungfrau.

Dass die zeitliche Geburt Christi der Gottheit nichts an Ehre oder Kraft genommen habe.

Dass der Herr nun aus dem Fleische und im Fleische kam, war für ihn eine Entstehung, nicht eine Verkleinerung, und er wurde nur geboren, nicht verändert. Obwohl er nämlich in der Gestalt Gottes bleibend die Knechtsgestalt angenommen hatte, so konnte doch die Schwäche des menschlichen Standes, nicht die Natur Gottes schwächen, sondern bei unverletzter und vollständiger Kraft der Gottheit im Fleische des Menschen war alles, was geschah, eine Erhebung des Menschen, nicht eine Minderung der Majestät. Denn wenn Gott im menschlichen Fleische geboren ist, so ist er es nicht dazu, dass er nicht in sich Gott bleibe, sondern damit der Mensch Gott sei, während Gott in sich selbst bleibt. So bekannte Martha, obwohl sie mit den leiblichen Augen einen Menschen sah, doch mit den geistigen Gott und sprach: „Wahrhaftig, o Herr. ich glaube, dass du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, der in die Welt kam.“ Deshalb verkündete auch Petrus auf Eingebung des hl. Geistes, obwohl er von aussen den Sohn des Menschen sah, doch den Sohn Gottes und sprach: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Deshalb ferner glaubte Thomas, als er den Leib berührte, er habe Gott berührt und rief: „Mein Herr und mein Gott!“ Denn alle bekannten den einen Christus, um nicht zwei zu machen. An ihn also glaube und glaube so an ihn, als den Herrn aller, Jesus Christus, den Erstgeborenen und Eingeborenen, ebenso den Schöpfer der Dinge als den Erhalter der Menschen, der ebenso vorher der Erschaffer der ganzen Welt war, wie nachher der Erlöser des Menschengeschlechtes. Dieser hat, obwohl er mit dem Vater und in dem Vater blieb und ihm gleichwesentlich war, nach dem Apostel die Knechtsgestalt angenommen, sich erniedrigt bis zum Tode, und zwar bis zum Tode des Kreuzes. Er ist nach dem Symbolum geboren worden aus Maria der Jungfrau, gekreuzigt unter Pontius Pilatus und begraben. Am dritten Tage aber stand er wieder auf, wie geschrieben steht, und stieg in den Himmel und wird wieder kommen, zu richten die Lebendigen und die Toten. Denn das ist unser Glaube, das ist unser Heil, einen und denselben Gott und Herrn Jesus Christus ebenso vor allem zu glauben, wie nach allem, weil, wie geschrieben steht: „Jesus Christus gestern und heute, derselbe auch in Ewigkeit.“ In „gestern“ nämlich deutet er die ganze vergangene Zeit an, in welcher der Herr vor dem Anfange vom Vater geboren wurde. In „heute“ aber den Zeitraum dieser Welt, in welchem er wieder von der Jungfrau geboren wurde, litt und auferstand. Darin aber, dass es heißt: „Derselbe auch in Ewigkeit“ wird die ganze Unermeßlichkeit der künftigen, ewigen Dauer bezeichnet.

Er lehrt nun, aus dem Gesagten folge nicht, dass man behaupte, ein sterblicher oder leiblicher Gott sei vor der Zeit gewesen, obwohl es ebenderselbe Christus sei, der von Ewigkeit Gott war und in der Zeit Mensch wurde.

Aber du sagst vielleicht: Wenn ich lehre, dass Ebenderselbe am Ende der Zeiten aus der Jungfrau geboren worden sei, welcher vor allem aus Gott dem Vater gezeugt worden, so lehre ich auch einen leiblichen Gott vor Anfang der Welt, da ich ja sage, dass Ebenderselbe ein Mensch sei, welcher immer Gott war, und dass also jener Mensch, welcher geboren wurde, auch nachher immer sei. Ich will nicht, dass du durch diese blinde Unwissenheit und diese Nacht des Irrtums verwirrt werdest, so dass du meinest, ich stelle den Menschen, der aus Maria geboren wurde, vor den Anfang der Dinge hin und lehre einen Gott, der auch vor dem Anfang der Welt immer körperlich gewesen wäre. Nicht so, sage ich, nicht so lehre ich, dass der Mensch, ehe er geboren wurde, in Gott gewesen sei, sondern dass nachher im Menschen Gott geboren worden sei. Denn nicht war immer jenes Fleisch, welches aus dem Fleische der Jungfrau geboren wurde, sondern Gott, welcher immer war, kam aus dem Fleische der Jungfrau im Fleische des Menschen; denn das Wort, welches Fleisch geworden, hat nicht das Fleisch mit sich gebracht, sondern durch die Herablassung der Gottheit sich dem menschlichen Fleische geeint. Oder sage mir doch, wann oder wo das Wort Fleisch geworden ist, wo es sich selbst erniedrigt hat, die Knechtsgestalt annehmend, oder wo es arm wurden da es reich sein konnte, wenn nicht in jenem heiligen Schoße der Jungfrau, wo das Wort bei seiner Einleibung Fleisch geworden heißt, bei seiner Geburt in Wahrheit Knechtsgestalt annahm, bei der nach seinem menschlichen Zustande erfolgten Anheftung an den Balken dürftig wurde und arm durch das leibliche Leiden, während es durch die göttliche Majestät reich sein konnte? Sonst, wenn, wie du sagst, die Gottheit nach diesem auf ihn kam, wie auf einen der Propheten und Heiligen, so ist ja das Wort auch in jenen Fleisch geworden, in welchen es sich zu wohnen würdigte; dann hat es sich ja durch jeden derselben selbst erniedrigt und Knechtsgestalt angenommen. So wäre nichts Neues und Hervorragendes in Christo geschehen, nichts Besonderes, nichts Wunderbares hätte weder seine Empfängnis, noch seine Geburt, noch sein Tod gehabt.

Die Autorität der göttlichen Schriften lehrt, dass Christus von Ewigkeit gewesen sei.

Damit wir jedoch zum Obigen zurückkehren: Wie kann denn, wenn das alles so ist, wie wir gesagt haben, Jesus Christus, den du einen bloßen Menschen nennst, auch bevor er aus der Jungfrau geboren wurde der heiligen Lesung nach immer gewesen sein und von den Propheten und Aposteln auch als vorzeitlicher Gott gepredigt werden, wie Paulus sagt. „Ein Herr Jesus, durch welchen alles ist?“ Aber auch anderswo sagt er: „Weil in Christus alles erschaffen ist im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare.“ Auch das Symbolum, eben so durch menschliche wie göttliche Autorität verfasst, sagt: „Ich glaube an Gott den Vater und an den Herrn Jesus Christus, seinen eingebornen Sohn und den Erstgebornen vor aller Kreatur.“ Bald darauf: „Den wahren Gott vom wahren Gott, durch welchen auch die Zeitenreihe geworden ist, und alles erschaffen.“ Und ebenso: „Der unsertwegen kam und aus Maria der Jungfrau geboren wurde, gekreuzigt und begraben.“

Die hypostatische Verbindung macht, dass das, was in Christo zum Fleische gehört, Gott zugeschrieben wird.

Wie wird nun, da nach unserm eigenen Bekenntnisse der Gottmensch vor der Empfängnis und Geburt der Jungfrau überhaupt nicht war, dennoch Christus, der von dir bloßer Mensch genannt wird, in den hl. Schriften als Gott ohne Anfang gepredigt, und ist eine solche Einheit des Menschen und Gottes zu lesen, dass sowohl der Mensch dem Gotte immer gleich ewig gewesen zu sein, als auch Gott mit dem Menschen zugleich gelitten zu haben scheint, während doch sicherlich zu glauben ist, dass weder der Mensch ohne Anfang noch Gott leidensfähig sein kann? Es ist eben so, wie wir in dem bisher Geschriebenen bewiesen haben, dass der mit dem Menschen, als mit seinem Leibe, geeinte Gott nicht nach menschlicher Meinung einen Unterschied zwischen Mensch und Gott machen läßt. Er wollte durchaus nicht zugeben, dass von irgendeinem ein anderer für den Sohn des Menschen, ein anderer für den Sohn Gottes gehalten würde, sondern verbindet und verkörpert in allen heiligen Schriften den göttlichen Menschen so mit Gott, dass man weder in der Zeit den Menschen von Gott, noch im Leiden Gott vom Menschen unterscheiden kann. Denn wenn du auf die Zeit siehst, so findest du immer den Sohn des Menschen mit dem Sohne Gottes, wenn auf das Leiden, so wirst du immer den Sohn Gottes mit dem Sohne des Menschen finden, nämlich Christus, den Sohn des Menschen und Gottes so in sich geeint und unteilbar, dass, soweit es auf die Ausdrücke der hl. Schrift ankommt, weder der Zeit nach der Mensch von Gott, noch dem Leiden nach Gott von dem Menschen getrennt werden könnte. Daher jene Stelle: „Niemand steigt in den Himmel hinauf, als wer vom Himmel herabstieg, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist.“ Während hier der Sohn Gottes auf Erden redete, bezeugte er, der Sohn des Menschen sei im Himmel, und versicherte, ebenderselbe Sohn des Menschen, von welchem er gesagt habe, dass er in den Himmel aufsteigen werde, sei auch zuvor vom Himmel herabgestiegen. Oder jenes andere Wort: „Wenn ihr den Menschensohn werdet hinaufsteigen sehen, wo er vorher war,“ wo er den, welcher aus dem Menschen geboren ist, nennt, und lehrt, dass er immer im Himmel gewesen sei. Aber auch der Apostel predigt, was die Zeit betrifft, dass durch Christus alles erschaffen sei, denn er sagt: „Ein Herr Jesus Christus, durch welchen alles ist.“ in Anbetracht aber des Leidens der Majestät bezeichnet er den Herrn als Gekreuzigten, da er sagt: „Denn wenn sie (ihn) erkannt hätten, würden sie nie den Herrn der Majestät gekreuzigt haben.“ Deshalb nennt ihn auch das Symbolum den eingeborenen und erstgeborenen Herrn Jesus Christus, den wahren Gott vom wahren Gott, gleichwesentlich mit dem Vater, den Schöpfer aller Dinge und bezeugt dann doch, dass er aus der Jungfrau geboren, dass er gekreuzigt und begraben worden sei. Er gliedert also den Sohn Gottes und des Menschen so zusammen und einigt so sehr Gott und Mensch, dass weder der Zeit nach irgend eine Trennung geschehen kann, noch im Leiden, da gelehrt wird, dass ebenderselbe Herr Jesus Christus durch die Ewigkeit der Dauer Gott und durch die Erduldung der Leiden Mensch gewesen sei. Obwohl nämlich weder der Mensch anfangslos noch Gott leidensfähig genannt werden darf, so wird doch in dem einen Herrn Jesus Christus der Mensch als ewig und Gott als gestorben verkündet. Siehst du also, dass Christus alles ist und sein Name die Bezeichnung beider Naturen, weil er, zugleich als Mensch und Gott geboren, alles so in sich umfasst, dass in seinem Namen, wie wir sehen, nichts fehlt? Es ist also die Ewigkeit des Menschen vor der Geburt aus der Jungfrau in der Vergangenheit nicht dieselbe wie die Gottes; sondern weil in dem Schoße der Jungfrau Gott mit dem Menschen vereinigt wurde, so erfolgte, dass in Christus das eine ohne das andere durchaus nicht genannt werden kann.

Diese synekdochische Redeweise, in welcher unter dem Teile das Ganze verstanden wird, sei den göttlichen Schriften sehr vertraut.

Was du also immer von dem Herrn Jesus Christus aussagen magst, das sagst du vom Ganzen und nennst in dem Sohne Gottes den Sohn des Menschen und im Menschensohne den Sohn Gottes, nach der Redefigur nämlich der Synekdoche, in welcher unter dem Teile das Ganze verstanden und der Teil mit dem Ganzen benannt wird. Dies lehren in der Tat auch die hl. Schriften, in welchen der Herr oft sich dieser Redeweise bedient und nun, da er von andern so redet, auch in Betreff seiner selbst so verstanden sein will. Denn in den göttlichen Büchern werden nicht anders zuweilen die Tage, Sachen oder Menschen oder Zeiten bezeichnet. So jene Stelle, in welcher Gott verkündet, dass Israel vierhundert Jahre den Ägyptern dienen werde, indem er zu Abraham sagt: „Wisse, dass fremd sein wird dein Same in einem Lande, welches nicht sein ist; man wird sie in Knechtschaft bringen und vierhundert Jahre bedrängen.“ Wenn man nun aber die ganze Zeit betrachtet, von welcher Gott geredet hat, so sind es mehr als vierhundert Jahre; sieht man dagegen nur auf jene, in welcher sie in Sklaverei waren, so sind es weniger. Wenn also die Zeit nicht nach dieser Redefigur verstanden wird, so möchte — fern sei dies von christlichen Gedanken — der Ausspruch Gottes unwahr scheinen. Nein, sondern da in der Tat von der göttlichen Verheißung an die ganze Zeitdauer mehr, die der Sklaverei aber viel weniger beträgt, so folgt, dass entweder der Teil unter dem Ganzen, oder das Ganze unter dem Teile verstanden werden kann. Nicht unähnlich geschieht auch oft die Bezeichnung der Tage und Nächte, wobei in dem Teile der ganzen Zeit beide Zeiten dargestellt werden, obwohl der ganze Tag. wie man es gewöhnlich auffasst, aus beiden Zeitteilen besteht. Auf diese Weise wird ja auch klar, was bei der Zeit des Leidens unseres Herrn dunkel scheint. Denn da unter dem Beispiele des Propheten Jona der Herr voraussagte, dass der Menschensohn drei Tage und drei Nächte in dem Innern der Erde sein werde; er aber nach der sechsten Stunde des Freitag, an welchem er gekreuzigt wurden nur einen Tag und zwei Nächte bei den Toten war: wie soll sich da die Wahrheit des göttlichen Wortes zeigen? Eben in der Redefigur der Synekdoche, so dass zu dem Tage, an welchem er gekreuzigt wurde, die vergangene Nacht und zu der Nacht, in welcher er auferstanden, der kommende Tag hinzugenommen wird, und so nach Zugabe der verflossenen Nacht zu ihrem Tage und des kommenden Tages zu seiner Nacht nichts, wie wir sehen, der ganzen Zeit fehlt, da sie von ihrem Teile vertreten wird. Die hl. Schriften sind voll von Beispielen dieser Art; aber es wäre zu lang, alles zu erwähnen. So sagt auch der Psalm: „Was ist der Mensch, dass du sein gedenkst?“ und versteht unter dem Teile das Ganze, indem unter der Nennung eines Menschen das Ganze des menschlichen Geschlechtes dargestellt wird. So ist es auch dort, wo Ahab sündigte, aber vom ganzen Volke gesagt wird, es habe gesündigt, indem die Gesamtheit genannt, mit dem Ganzen jedoch der Teil bezeichnet wird. Auch Johannes, der Vorläufer des Herrn, sagt: „Nach mir kommt der Mann, welcher vor mir war, weil er früher war, als ich.“ Wie sagt er nun, dass jener nach ihm kommen werde, welchen er doch als den vor ihm Gewesenen bezeichnet? Denn wenn das Nachhergeborensein vom Menschen verstanden wird, wie war er vor ihm? Wenn aber vom Worte, wie heißt es dann: „der Mann kommt nach mir.“ wenn nicht in dem einen Herrn Jesus Christus sowohl das Nachher des Menschen als das Vorher des Wortes angezeigt wird? So geschieht es, dass einer und derselbe Herr vor ihm war und nach ihm kam, weil er dem Fleische nach später war als Johannas und der Gottheit nach früher als alle. Deshalb zeigte jener, indem er ihn nur einen Mann nannte, sowohl den Menschen als das Wort, da ja unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, aus dem Menschen und dem Worte bestand, und er also mit der Nennung des einen alles bezeichnet hatte. Doch wozu noch mehr? Es würde mir ja, wie ich glaube, der Tag nicht reichen, wenn ich alles, was hierüber gesagt werden kann, sammeln oder aufzählen wollte. Zudem ist auch das Gesagte genug, wenigstens nach unserer jetzigen Aufgabe, sowohl für die Auslegung des Symbolums, als auch für die Erledigung der Sache und das Maß des Buches.

Vor der Antwort auf die Lästerungen der Gegner ruft er die Hilfe des göttlichen Wesens an, um zu zeigen, dass diejenigen, welche sich zum Streite mit den Häretikern anschicken, das Gebet voraussenden müssen.

Wie es denjenigen, welche dem Meere schon entronnen sind, zu geschehen pflegt, dass sie die bei den Häfen liegenden Sandbänke oder die Felsen in der Näbe des Ufers fürchten: Das begegnet nun auch mir gar sehr, dass ich nämlich, gewisse Lästerungen der Häretiker bis zuletzt aufschiebend und fast schon am Ende der vollbrachten Arbeit angelangt, gerade dieses Ende nun zu fürchten anfange, zu welchem zu kommen ich so ersehnte. Aber wie der Prophet sagt: „Der Herr ist mein Helfer, ich will nicht fürchten, was mir ein Mensch tue,“ so wollen wir nicht fürchten die von den nachstellenden Häretikern angelegten Gruben und die oft mit fürchterlichen Dornen umzäunten Wege; denn da solches den Weg mehr erschwert als schließt, so haben wir eher eine Mühe zu unserer Reinigung als Furcht we-gen des Fortkommens. Stellen sich ja diese Dinge uns, die wir den rechten Weg verfolgen, machtlos entgegen und können mehr nur die Wanderer schrecken als aufhalten, so dass unser Walten und Mühen eher bei der Reinigung etwas zu tun, als bei der Schwierigkeit etwas zu fürchten hat. Da wir also die Hand an den ungeheuren Kopf der todbringenden Schlange legen und alle Glieder des geschmeidigen Körpers, die in mächtigen Windungen verwickelt sind, berühren wollen, so flehen wir dich, o Herr Jesu, zu dem wir immer gebetet haben, wieder und wieder an, du wollest uns den Mund öffnen und die Worte verleihen zur Zerstörung der Bollwerke, indem wir vernichten die Trugschlüsse und all den Hochmut, der sich erhebt wider die Wissenschaft Gottes, so dass wir gefangen nehmen jeden Verstand zu deinem Gehorsam, weil ja nur jener wahrhaft frei wird, welcher anfängt, dein Gefangener zu sein. Steh‘ also bei mit deinem Walten dem Werke derjenigen, welche sich für dich über das Maß ihrer Kräfte mühen. Gib, dass wir den gähnenden Rachen der neuen Schlange und den von tödlichem Gifte geschwollenen Hals zertreten, du, der du machst, dass die Füße der Gläubigen unverletzt über Schlangen und Skorpionen wandeln, und hinschreiten über Natter und Basilisk, zertreten den Löwen und Drachen! Verleihe auch durch die furchtlose Kühnheit der standhaften Unschuld, dass der Säugling spiele an der Natter Kluft und der kaum Entwöhnte seine Hand stecke in die Höhle der Schlange! Ja gib auch uns, in die Höhlen dieser so wilden und lasterhaften Schlange unschuldige Hände zu stecken! Und wenn sie schon in gewissen Klüften, d. i. im Innern der Menschen, Schlupfwinkel oder Lagerplätze gehabt, oder Eier gelegt, oder eine Spur der kriechenden Schuppen hinterlassen hat, so nimm du von allen die schmutzige und tierische Befleckung dieser verderblichsten Schlange hinweg! Entferne den hineingetragenen Schmutz der Treulosigkeit, und befreie mit der Wurfschaufel deiner hl. Reinigung die von übelriechendem Kote bedeckten Gemüter, damit die Räuberhöhlen Häuser des Gebetes seien. Ja, an den Orten, wo jetzt nach dem Schriftworte Igel und Einhorn und Waldteufel und die Schreckgestalten mannigfacher Ungeheuer hausen, dort mögen leuchten die Gaben deines hl. Geistes, nämlich die Herrlichkeiten des Glaubens und der Religion! Und wie du einst hinausstießest die Verehrung der Götzen und zerstörtest die Bilder, um dann aus den Hainen der Dämonen Tempel der Tugend zu machen; wie du hineinleuchtend in die Höhlen der Schlangen und Skorpione mit dem Strahle des glänzenden Lichtes, aus den Schlafkammern des Irrtums und der Schandtaten Wohnungen voll Schmuck und Schönheit gemacht hast: So gieße allen, deren Augen die Nacht häretischer Verkehrtheit bedeckt, das Licht deiner Barmherzigkeit und Wahrheit ein, damit sie endlich mit offenem und reinem Auge das große und heilbringende Geheimnis deiner Menschwerdung schauen und einsehen, du seiest so aus jenem hl. Leibe der unbefleckten Jungfrau als wahrer Mensch für die Welt hervorgegangen, dass du dennoch stets als wahrer Gott zu erkennen bist.

Er löst nun den Einwand, der aus den Worten genommen ist: Niemand gebiert einen, der vor ihm war.

Bevor ich aber nun über jene Dinge zu reden beginne, die ich noch nicht in den obigen Büchern schon berührt habe, halte ich es für angemessen, einen Versuch zur Lösung dessen zu machen, was ich schon früher versprochen habe; damit ich, nach vollständiger Erfüllung des Versprechens, ungestörter über das noch Unberührte zu reden beginnen kann, weil ich in Betreff des Versprochenen Befriedigung gewährt habe. Es sagt also zur Zerstörung des Glaubens an die hl. Geburt zischend die in der Kirche Gottes neue Schlange: „Niemand gebiert einen, der vor ihm war.“ Zuerst nun glaube ich, dass du nicht nur nicht wissest, was du sagst, sondern auch nicht, wovon du redest. Denn wenn du wüsstest oder Einsicht hättest, wovon du redest, so würdest du doch die Geburt des eingeborenen Gottes nicht nach dem Maße menschlicher Klügelei bemessen und würdest nicht versuchen, demjenigen, der ausserhalb aller menschlichen Ursprungsweise geboren wurde, durch menschliche Begrifflein Abbruch zu tun, oder du würdest nicht der göttlichen Allmacht irdische Unmöglichkeiten entgegen stellen, wenn du je erkannt hättest. dass bei Gott nichts unmöglich ist. Niemand also, sagst du, gebiert einen, der vor ihm war. Sag mir doch, von welchen Verhältnissen du redest und welcher Lebewesen Natur du zu bestimmen gedenkst? Willst du für Menschen oder Bestien, für Vögel oder Vierfüßler ein Gesetz aufstellen? Denn diese und andere derartige sind es, von welchen solches gesagt werden kann. Denn keines von diesen vermag zu erzeugen, was vorher war, weil, was einmal schon entstanden ist, nicht darauf zurückgehen kann, neuerdings erzeugt zu werden. Darum kann auch niemand einen gebären, der vor ihm war, weil Niemand einen früher Gewesenen erzeugen kann; und zum Gebären kommt es ja nur durch die Möglichkeit der Zeugung. Du willst also, dass man bei der Geburt des allmächtigen Gottes ebendasselbe in Anschlag bringe wie bei dem Entstehen irdischen Lebens, und hältst demjenigen die Natur des menschlichen Zustandes entgegen, welcher selbst der Urheber der Natur ist. Du siehst also, dass, wie ich oben sagte, du nicht weißt, wovon oder von wem du redest, da du die Geschöpfe mit dem Schöpfer vergleichst und zur Beurteilung der göttlichen Allmacht jene Dinge als Beispiel anwendest, welche überhaupt nicht wären, wenn sie nicht gerade das, was sie sind, durch Gott wären. Gott kam also, wie er wollte und wann er wollte und aus welcher er wollte. Ihm konnte weder Zeit noch Person noch Menschenbrauch oder anderer Dinge Beispiel Schranken setzen; denn es konnte das Gesetz der Geschöpfe dem nicht entgegen sein, welcher selbst der Schöpfer aller ist. Auch war es ihm leicht, zu können, was er wollte, weil die Macht dem Willen vereint war. Willst du vielleicht in etwa wissen, wie groß die Allmacht Gottes sei? Ich glaube, dass der Herr auch an seinen Geschöpfen tun konnte, was er, wie du glaubst, an sich selbst nicht konnte. Denn alle lebenden Wesen, welche gebären, was nach ihnen ist, können, wenn es nur Gott befiehlt, auch gebären, was lang vor ihnen war. Denn auch die Speisen und Getränke können, wenn dies der Wille Gottes ist, für gewisse Empfängnisse und Zeugungen umgeändert werden; ja selbst die Gewässer, welche doch schon vom Anfange der Dinge an fließen, da sie von allen lebenden Wesen benützt werden, können auf Befehl Gottes in Mutterleibern verkörpert und gezeugt werden. Denn wer kann dem hl. Wirken ein Maß setzen oder die göttliche Vorsehung einschränken? Oder wer wird, wie geschrieben steht, ihm sagen: „Was hast du getan?“ Wenn du leugnest, dass Gott alles kann, dann magst du leugnen, dass ein Früherer aus Maria geboren werden konnte, da Gott geboren wurde. Wenn aber für Gott nichts unmöglich ist, warum hältst du ihm gerade bei seiner Ankunft eine Unmöglichkeit vor, da du doch erkennst, dass ihm in allen Dingen nichts unmöglich ist?

Er erwidert auf jene Worte, nach welchen das Geborene der Gebärenden wesensgleich sein müsste.

Die zweite schmähende Gotteslästerung oder gotteslästerliche Schmähung deiner Verkehrtheit ist die, dass du sagst: Gleichwesentlich der Gebärenden muss die Geburt sein. Sie ist nicht unähnlich der obigen, denn sie unterscheidet sich von ihr mehr den Worten als der Sache und Art nach. Da es sich nämlich um die Geburt Gottes handelt, so sagst du dasselbe mit der Behauptung, es habe ein Höherer aus Maria nicht geboren werden können, wie oben mit der andern, es habe ihr ein Früherer nicht entstammen können. Deshalb kannst du das vorher Gesagte auch als Antwort hierauf nehmen, oder das, was ich jetzt sagen werde, auch noch als Erwiderung auf jenes betrachten. Du sagst also: Die Geburt muss der Gebärenden gleichwesentlich sein. Wenn man auf die irdischen Zeugungen sieht, dann ist es sicher so; wenn aber auf einen Ursprung Gottes, wozu betrachtest du bei seiner Geburt die Beispiele der Natur, da ja doch die Satzungen dem Gesetzgeber unterworfen sind, nicht der Gesetzgeber den Satzungen? Willst du aber noch genauer wissen, wie deine Lästerungen nicht nur gottlos sind, sondern auch töricht und nur das Gerede eines Menschen, der durchaus nichts von Gottes Allmacht sieht? Sage mir doch, du, der du glaubst, dass nur Gleiches aus Gleichem entstehen könne, woher jene unsagbare Menge von Wachteln einst in der Wüste zu Israels Nahrung plötzlich entstanden sei? Denn wir lesen nicht, dass sie zuvor an irgend einem Orte von ihren Müttern geboren, sondern dass sie plötzlich hergeführt worden und angekommen seien. Woher ferner floss jene himmlische Speise vierzig Jahre hindurch auf das Lager der Hebräer herab? Hat etwa ein Manna das andere erzeugt? Doch das sind alte Wundertaten, was wissen wir von neuen? Mit wenigen Broten und Fischen hat der Herr Jesus Christus nicht nur einmal unzählige ihm nachfolgende ScharenVolkes in der Wüste gespeist. Der Grund der Sättigung lag nicht in der Speise, sondern die Hungernden hat eine unsichtbare und geheimnisvolle Ursache gesättigt, besonders da noch viel mehr den Gesättigten übrig blieb, als den Hungernden vorgesetzt worden war. Auf welche Weise ist nun dieses geschehen, dass, nachdem die Essenden schon satt geworden, doch durch die unaussprechliche Vermehrung noch reichlich Speise vorhanden war? Wir lesen, dass in Galiläa Wein aus Wasser entstanden sei. Sage mir, wie hier der eine Naturstoff die von seiner Art so verschiedene Substanz hervorbringen konnte, besonders da, was so gut zu der Geburt des Herrn passt, die Entstehung eines edlern Dinges aus einem geringern statt fand? Sage mir also, wie aus jenem einfachen Wasser der herrliche und wundervolle Geschmack des Weines entstanden, wie etwas anderes geschöpft, etwas anderes eingegossen worden sei? Hatte vielleicht eine Cisterne oder ein Brunnen diese Eigenschaft, dass sie die aus ihnen genommenen Wasser in die besten Weine verwandelten? Oder hat dies die Eigentümlichkeit der Gefäße oder die Kunst der Diener getan? Nichts von allem dem! Wie kommt es nun, dass die Erklärung der Tatsache nicht von unsern Gedanken begriffen wird, während doch die Wahrheit derselben im bestimmten Wissen bewahrt wird? Dem Blinden im Evangelium wurde Kot auf die Augen gelegt, und Augen entstanden aus dem Kote. Hatte nun das Wasser diese Eigenschaft, dass es Augen erzeugte, oder der Kot dass er Licht gebar? Nichts hiervon, da ja das Wasser dem Blinden nichts bieten konnte, der Kot aber auch die Sehenden hindern muss. Wie konnte also ein Ding, welches die Macht zu schaden in sich hat, eine helfende und heilsame Leistung bieten, und wie war das. was den Gesunden zu schaden pflegt, nun der Gesundheit dienlich? Nun sagst du, Gott habe diese Kraft verliehen, Gott das Heilmittel gegeben, und all das Gesamte habe ganz die göttliche Allmacht bewirkt, da sie ja fähig sei, aus ungewöhnlichen Stoffen Neues zu gründen und aus feindlichen Heilsames herzustellen und überhaupt, was im Bereiche des Unmöglichen oder Nichtwirklichen liegt, so zu ändern, dass es möglich und wirklich wird.

Gott habe wie in den übrigen Dingen so auch bei seinem zeitlichen Anfange seine Allmacht gezeigt.

So gesteh‘ nun ebendasselbe gerade von der Geburt unsers Herrn, wie von allen Dingen! Glaube, dass Gott geboren worden sei, wie er wollte, da du nicht leugnest, dass er konnte, was er wollte; du müsstest denn meinen, dass die Kraft, welche ihm für alles andere zu Gebote stand, gerade für ihn selbst gefehlt habe, und dass zu seiner Geburt die Allmacht nicht vorhanden gewesen sei, die doch von ihm ausgehend alles durchdrang. Du hältst mir bei der Entstehung des Herrn entgegen: „Niemand gebiert einen, der vor ihm war“ und du sagst bei jener Geburt, in welcher der allmächtige Gott geboren worden ist: „Gleichwesentlich mit der Gebärenden muss das Geborene sein.“ als ob du mit irgend einem Menschen nach menschlichen Gesetzen zu tun hättest, dem du alles, was bei ihm unmöglich ist, vorhalten, und den du mit seiner irdischen Schwäche in die Enge bringen könntest. Du behauptest, dass die Verhältnisse bei der Geburt für alle gemeinsam seien, und das gleiche Gesetz für die Zeugung gelte; für das ganze menschliche Geschlecht sei es unmöglich, dass Einem glücke, was Gott für die Gesammtheit nicht vorkommen lasse. Du verstehst nicht, von wem du dies behauptest, und siehst nicht, von wem du redest, da es ja wahrhaftig der Urheber aller Verhältnisse und das Gesetz aller Naturen ist, von welchem auch kommt, was immer der Mensch kann und was er nicht kann; denn er hat festgestellt das Maß einer jeden Sache, und wie weit die Fähigkeit gehen oder die Schwäche nicht gehen sollte. Mit welcher Torheit also hältst du die menschliche Unmöglichkeit demjenigen entgegen, welchem die Macht selbst gebührt. Wenn du die Person des Herrn nach menschlichen Schwachheiten beurteilen und die Allmacht Gottes nach irdischem Maße messen willst, so wirst du gewiss nichts finden, was in seinem körperlichen Leiden für Gott passend schiene. Denn wenn es für wahrscheinlich gelten kann, dass Maria Gott, der vor ihr war, nicht gebären konnte, wie soll es denn wahrscheinlich sein, dass Gott von den Menschen gekreuzigt worden? Und doch hat ebenderselbe Gott welcher gekreuzigt wurde, vorausgesagt: „Kreuzigt denn der Mensch seinen Gott, weil ihr mich kreuzigt?“ Wenn also der Herr nicht aus der Jungfrau geboren sein soll, weil sonst der Geborene früher gewesen wäre als die Gebärerin, wie kann man dann glauben, dass Gott Blut gehabt habe? Und doch wird den Vorstehern der Epheser gesagt: „Lenket die Kirche Gottes, welche er mit seinem Blute erworben hat.“ Endlich wie soll man glauben, dass der Urheber des Lebens desselben beraubt worden sei? Und doch sagt Petrus: „Ihr habt den Urheber des Lebens getötet.“ Niemand, der auf Erden weilt, kann im Himmel sein, aber wie sagt dann der Herr selbst: „Der Sohn des Menschen, der im Himmel ist?“ Wenn du ferner deshalb nicht glaubst, dass Gott aus der Jungfrau geboren sei, weil die Geburt gleichwesentlich mit der Gebärenden sein müsse, wie kannst du dann glauben, dass ungleiche Dinge aus ungleichen Naturen entstanden seien? Bei dir also hat weder der Wind plötzlich die Wachteln herbeigeführt, noch ist das Manna gefallen, noch Wein aus dem Wasser hervorgegangen, und es wurden nicht viele tausend Menschen mit wenig Speise ernährt, noch auch kam dem Blinden das Licht aus dem Kote. Wenn nun das alles gewiss unglaublich und widervernünftig scheint, wofern wir nicht glauben, dass es von Gott geschehen sei: Warum leugnest du dann bei seiner Geburt, was du bei seinen Werken bekennst? Oder konnte er vielleicht seiner Geburt und Ankunft das nicht leisten, was er für die Hilfe und den Nutzen der Menschen nicht verweigerte?

Er zeigt nun mit Beweisen, welche aus der Natur der Sache genommen sind, wie vielfach hinfällig jene Regel der Gegner sei, in welcher sie festsetzen, dass die Geburt der Gebärenden gleich an Wesen sein müsse.

Es wäre nun zu lange und fast redselig, von dieser Sache weiter zu sprechen; aber zur Widerlegung deiner Torheit und Wahnwitzigkeit, in welcher du behauptest. dass die Geburt der Gebärenden gleichwesentlich sein müsse, und also kein Ding etwas sich Unähnliches hervorbringen können will ich doch noch Beispiele von irdischen Dingen beibringen, um zu zeigen, dass vieles aus Unähnlichem entstehe. Nicht als ob in solcher Sache eine Vergleichung möglich oder nowendig wäre, sondern nur damit du nicht ferner zweifelst, es habe auch bei der hl. Geburt das stattfinden können, was, wie du siehst, schon in diesen irdischen und hinfälligen Dingen vorkommt. Die Bienen, welche wie fast die kleinsten, so auch die klügsten und fleissigsten Tiere sind, werden nach den verschiedensten Gesetzen hervorgebracht und entstehen aus den ungleichsten Naturen. Denn obwohl sie Wesen von wunderbarer Begabung sind, und nicht nur an Feingefühl, sondern auch an Klugheit Überfluss haben. so werden sie doch durch Abpflücken gewisser Pflanzenblüten erzeugt. Was für ein schwerer wiegendes Beispiel soll man noch anwenden oder herbeiziehen? Aus Atomen entstehen Tiere! Wer ist da der Künstler, wer der Werkmeister, wer bildet die Körper oder haucht die Lebensgeister ein? Und wer hat ferner den Ton gegeben, mittelst dessen sie gleichsam unter einander sich besprechen? Wer hat die Übereinstimmung der Füßchen, die künstlichen Mundwerkzeuge, die Pracht der Flügel gebildet und zusammengestellt? Durch wessen Lehre oder Gabe, durch wessen Unterricht oder Anleitung haben sie die Anlage bekommen und das Streben, die Vorsicht, die Bewegung, die Verträglichteit und Eintracht, oder den Streit und Krieg, den Frieden und die Ordnung, die Einteilung, die Geschäftigkeit und die Regierung, kurz alles, was sie gleichsam mit dem menschlichen Geschlechte gemeinsam haben? Ist ihnen dies aus dem väterlichen Samen geworden oder haben sie es im mütterlichen Schoße oder Fleisch gelernt? Aber sie kennen weder einen Schoß, noch wissen sie etwas vom Samen; nur abgeweidete Blüten sammeln sich im Mutterleibe und aus ihnen gehen in unaussprechlicher Bildung die Bienen hervor. Da bietet der Mutterschoß nichts den Sprösslingen, und es werden nicht Bienen von Bienen geboren; arbeitend nur sind sie, nicht gebärend. Aus Pflanzenblüten gehen Iebende Wesen hervor; was haben nun ähnliches Pflanzen und Tiere? Ich glaube, du weißt nun wer der Werkmeister dieser Dinge ist. Geh‘ nun und zweifle, ob der Herr seine Geburt mit dem habe austatten können, was er, wie d siehst, auch den kleinsten Geschöpfen verliehen hat. Es möchte nun vielleicht überflüssig sein, nach diesem und ähnIichem etwas beizufügen; aber wir wollen, was nicht nötig ist des Beispiels wegen, doch um des gehäuften Reichums willen, hinzusetzen. Wir sehen plötzlich die Luft wie durchwoben mit Heuschrecken, und den Boden von ihnen bedeckt.2 Verrate uns nun ihren Samen, ihre Geburt, ihre Mutter. Denn, wie du siehst. kommen sie von daher. wo sie geboren werden. Schreibe nun all dem vorr dass die Geburt der Gebärenden gleichwesentlich sein müse, und man wird dich in diesen Vorschriften so lächerlich finden, als du nun in der Leugnung der Geburt des Herrn wütend bist. Was aber nun? Glaubst du wirklich selbst, dass wir noch weiter vorgehen müssen? Dennoch fügen wir noch etwas bei. Es ist zweifellos, dass aus den Eiern der Vögel, welche man in Ägypten Ibis nennt, die Basiliskenschlangen entstehen. Was für eine Verwandtschaft und Gleichmäßigkeit besteht nun zwischen Vogel und Schlange? Warum ist hier die Geburt nicht gleichwesentlich mit der Gebärenden? Und doch tun dies alles weder die Zeugenden, noch wissen es die Geborenen, sondern es geschieht aus verborgenen Ursachen und nach einem unaussprechlichen und mannigfaltigen Gesetze der zeugenden Natur. Und du , der nicht einmal Rechenschaft geben kann von jenen Erzeugungen, welche auf den Wink und Befehl des Herrn entstehen, legst nun die Regelchen irdischer Klügelei der Geburt desjenigen in den Weg, dessen freie Wahl alles tut, dessen Befehl alles bewirkt, dem nichts entgegen sein, nichts widerstehen kann, und dessen Wille hingereicht hat, alles zu tun, was möglich war!

Er widerlegt nun einen andern Beweis des Nestorius, in welchem dieser dafür stritt, dass Christus dem Adam in allem gleich sei.

Aber es ist endlich Zeit, auch deine übrigen mehr verborgenen und hinterlistigen Gotteslästerungen aufzudecken, weil wir sie ja doch nicht, wie wir lieber möchten, übersehen können, da sie sonst Unwissende betrügen dürften. Du hast in einer deiner pestartigen Abhandlungen die folgende Behauptung aufgestellt: „Der Mensch ist das Ebenbild der göttlichen Natur; dieses aber stürzte der Teufel in das Verderben; so empfand Gott Schmerz um sein Ebenbild, wie ein Kaiser für seine Statue. Er stellte das verdorbene Ebenbild wieder her und bildete ohne Samen aus der Jungfrau eine Natur nach jenem Adam, welcher ohne Samen geboren wurde, und weckte durch einen Menschen die menschliche Natur wieder auf; denn weil durch einen Menschen der Tod, darum kam auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.“ Man sagt, dass gewisse Giftmischer gewöhnlich in den Bechern, welche sie bereiten, dem Gifte Honig beimischen, damit das Schädliche durch das Süße verborgen, und der durch die Süßigkeit des Honigs Verlockte von dem pestartigen Gifte getötet werde. So machst du es mit deinem Ausspruche: „Bild Gottes ist der Mensch; dieses aber hat der Teufel in’s Verderben gestürzt, und Gott tut es nun leid um sein Bild wie dem Kaiser um seine Statue.“ Du bestreichst so gleichsam den Rand des tödtlichen Bechers mit Süßigkeit oder Honig, damit die Menschen, welche den dargereichten Trank schlürfen, das Verderbliche nicht merken, da sie das Reizende kosten. Du hältst den Namen Gottes hin, um im Namen der Religion zu lügen; Heiliges schickst du voraus, um für deine Verkehrtheiten zu gewinnen und durch das Bekenntnis Gottes möglich zu machen, dass du gerade den leugnen kannst, welchen du bekennst. Wer sieht doch nicht, wo du hinauswillst, was du im Sinne hast? Du sagst nämlich: .,Es empfand Gott Schmerz um sein Ebenbild wie der Kaiser um seine Statue; er stellte das verdorbene Ebenbild wieder her und bildete ohne Samen aus der Jungfrau eine Natur nach jenem Adam, welcher ohne Samen geboren wurden. Er richtete also die menschliche Natur durch einen Menschen wieder auf, weil wie durch einen Menschen der Tod kam, so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.“ Das also hast du als lauernder Betrüger mit so viel Eifer, mit so viel Mühe durch deine verlockenden Vorworte zu Stande gebracht, dass du im Vorausgehenden Gott nennst und im Nachfolgenden beim Menschen anlangst, und gerade denjenigen hintennach mit der Schmähung eines bloßen Menschen bewirfst, welchem du vorher in der Bezeugung hinterlistiger Demut die Ehre Gottes angetan hattest. Du sagst also, es habe die göttliche Liebe das Ebenbild Gottes, welches der Teufel ins Verderben gestürzt hatte, wieder hergestellt. Ja freilich das verdorbene Ebenbild wieder hergestellt! O wie hinterlistig ist schon dies, dass du sagst, er habe das verdorbene Ebenbild wieder hergestellt. Du möchtest nämlich die Überzeugung beibringen, es sei nicht mehr in jenem gewesen, in welchem das Ebenbild erneuert wurde, als gerade in jenem Bilde selbst, welchem die Erneuerung geleistet wurde. Und eben deshalb willst du, dass der Herr dasselbe gewesen sei wie Adam, der Wiederhersteller des Bildes nicht mehr als das zerfallende Ebenbild selbst. Was du ferner willst, was du im Sinne hast, beweisest du in dem Folgenden, da du sagst „Ohne Samen bildete er eine Natur nach jenem Adam, welcher ohne Samen geboren wurde, und durch einen Menschen richtete er die menschliche Natur wieder auf.“ in allem ist nach deiner Behauptung der Herr Jesus dem Adam ähnlich und gleich gewesen: Jener kam ohne Samen und auch dieser; jener war ein bloßer Mensch und eben so dieser. Damit siehst du, wie sorgfältig du verhütet und vorgsorgt hast, dass doch ja der Herr Jesus Christus nicht in etwas für größer oder vielleicht für besser gehalten werde als Adam; da du sie in so gleichem Maße gegen einander abmissest, dass du glauben würdest, dem Adam etwas abzubrechen, wenn du jenen in etwas vorgelogen hättest.

Die Häretiker sind gewohnt, ihre Lehrmeinungen mit dem Mantel der göttlichen Schrift zu bedecken.

Du sagst: „Wie durch einen Menschen der Tod so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.“ Suchst du selbst durch des Apostels Wort die Verkehrtheit und das Verbrechen zu rechtfertigen und bringst durch die Ansteckung mit deiner Ruchlosigkeit selbst das Gefäß der Auserwählung in schlechten Ruf, so dass es den Anschein gewinnt, als ob auch der Apostel Gott verleugnet habe, wie der Urheber deines Heiles von dir nicht erkannt wird? wenn es dir schon einmal beliebte, apostolische Zeugnisse anzuführen, warum hast du dich mit einem begnügt, alle adern aber verschwiegen, und hast nicht sogleich beigefügt: „Paulus, Apostel, nicht von Menschen noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus?“ Oder jene Stelle: „Wir reden Weisheit bei den Vollkommenen?“ Und nach anderem: „Welche Niemand von den Fürsten dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie dieselbe erkannt bätten, so würden sie nie den Herrn der Majestät gekreuzigt baben.“ Oder jenes Wort: „In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ Und: „Ein Herr Jesus Christus, durch welchen alles ist?“ Oder willst du dem Apostel nur zum Teil beistimmen, zum Teil aber ihn verwerfen und ihn nur dort annehmen, wo er je nach seinem Plane Christum einen Menschen nennt; dort aber ihn abweisen, wo er jenen Gott nennt? Denn Paulus leugnet den Menschen in Jesus nicht aber er bekennt ebendenselben Menschen als Gott und verkündet seine Lehre, dass dem Menschengeschlechte die Auferstehung durch einen Menschen gekommen sei, so, dass er bestätigt, in dem Menschen gerade sei Gott auferstanden. Oder sieh zu, ob er den Auferstandenen Gott nennt, wenn er bezeugt, der Gekreuzigte sei der Gott der Majestät gerwesen.

Die Häretiker schreiben Christo nur das Ebenbild der Gottheit zu und behaupten deshalb, er sei nur mit Gott, nicht als Gott zu verehren.

Aber damit der Herr Jesus nach deinem Glauben nicht wie einer aus dem gemeinen Volke dastehe, hast du ihm etwas Würde gegeben, und ihm Ehre zugeschrieben wie einem hl. Menschen, nicht aber die Gottheit dem wahren Menschen und wahren Gott. Denn was sagst du? Es bildete Gott eine göttliche Einleibung; wir wollen die Gestalt des Gottgeborenen ehren mit Gott, als eine Form der Gottheit. als eine von dem göttlichen Willen unzertrennliche Natur, als ein Bild des verborgenen Gottes. Oben hast du gesagt, dass Adam ein Ebenbild Gottes gewesen sei, hier nennst du Christum ein solches; jenen nanntest du eine Statue und ebenso diesen. Man muss dir wirklich danken für die Gott erwiesene Ehre, dass du erlaubst, die Gestalt des Gottgeborenen sei mit Gott zu ehren; aber es ist eben hierin doch weniger Ehre als Unbild. Denn gerade hierin schreibst du unserm Herrn Jesus Christus nicht die Ehre der Gottheit zu, sondern sprichst sie ihm ab. Sagst du doch mit der schlauen Kunst der Gottlosigkeit, er sei mit Gott zu ehren, damit du nicht gestehen musst, er sei Gott, und trennst ihn gerade durch das, wodurch du ihn täuschend vereint zu haben scheinst. Denn da du wirklich in deiner Gotteslästerung sagst, er sei nicht als Gott anzubeten, sondern nur als mit Gott vereint zu ehren, so sprichst du ihm die Einheit der Gottesnähe zu, um ihm die wirkliche Gottheit zu nehmen. O du ruchlosester und schlauester Feind Gottes, die Untat des Leugners willst du ausüben unter dem Namen des Bekennenden. Lasst uns ihn ehren, sagst du, als die unzertrennliche Bildsäule des göttlichen Willens, als das Ebenbild des verborgenen Gottes. Aber es hat eben bei uns die Ehre unseres Schöpfers und Erlösers Jesu Christi durch seine Wohltaten zugenommen. Wenn wir dazu durch ihn von dem ewigen Tode erlöst worden sind, dass wir unsern Erlöser eine Statue nennen: So sind wir ja freilich bestrebt, seiner Güte und Liebe mit würdigem Dienste, mit geziemender Verehrung zu entsprechen, da wir ja die Majestät, welche jener um unsertwillen ohne Weigerung erniedrigte, noch ganz aufzuheben trachten.

Im Irrtum seien jene, welche sagten, dass die Geburt Christi verborgen gewesen sei, da sie selbst dem Patriarchen Jakob deutlich gezeigt worden.

Aber du entschuldigst ja die dem Herrn in der niedrigen Ehrenerweisung zugefügte Beleidigung damit, dass du sagst: „Wie ein Ebenbild des verborgenen Gottes.“ Damit, dass du ihn Ebenbild nennst, stellst du ihn in die Lage der übrigen Menschen; mit den Worten des „verborgenen Gottes“ tust du seiner so gewissen Würde Abbruch. Denn David sagt: „Gott wird sichtbar kommen, unser Gott, und er wird nicht schweigen.“ Und er kam in der Tat und schwieg nicht, da er ja, bevor er selbst nach seiner Geburt etwas sprach, seine Ankunft durch irdische und himmlische Zeugen gleichmäßig verkündete, so dass der Stern sie anzeigte, die Magier anbeteten, die Engel Botschaft brachten. Was suchst du noch mehr? Seine Stimme schwieg noch auf Erden und schon rief seine Ehre am Himmel. Du behauptest also, es sei Gott in ihm verborgen gewesen und noch verborgen; aber dies haben nicht die Propheten, nicht die Patriarchen, kurz das ganze Gesetz nicht vorausgesagt; denn sie sagten nicht, dass derjenige verborgen sein werde, der nach ihrer Prophezeiung allen erscheinen werde. Du irrst, o unselige Blindheit, da du Stoff zum Lästern suchst und nicht findest. Du sagst, dass er auch nach seiner Ankunft verborgen gewesen sei; ich lasse aber nicht einmal gelten, dass er verborgen war, ehe er kam. Da ist jener herrIiche Patriarch, welchem die Schauung des gegenwärtigen Gottes einen Namen beilegte, da er durch dieselbe von der Benennung des „Hinterlistigen“ (Jakob) zu dem Namen Israel gelangte! War ihm vielleicht das Geheimnis des Gottes, der aus der Jungfrau geboren werden sollte, verborgen, während er doch, nachdem er das Mysterium der zukünftigen Menschwerdung aus dem Kampfe eines mit ihm ringenden Menschen erkannt hatte, ausrief: „Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und meine Seele ist gerettet worden“? Was hatte er denn, ich ditte dich, gesehen, um glauben zu können, er habe Gott gesehen? Hatte sich ihm Gott unter Blitz und Donner dargeboten, oder hatte im aufgeschlossenen Himmel sich ihm das leuchtende Antlitz der Gottheit gezeigt? Wahrhaftig nichts von alle dem, sondern vielmehr sah er einen Menschen sich gegenüber und erkannte Gott. O, wahrhaftig würdig ist er des erlangten Namens, da er, mehr durch die innern als durch die äussern Augen die Würde des von Gott gegebenen Namens verdiente. Er sah eine menschliche Gestalt mit sich ringen und bezeugte, dass er Gott schaue. Er wusste in der Tat, dass jene menschliche Scheingestalt wahrhaft Gott sei, weil Gott in jener Gestalt, in welcher er damals geschaut worden war, später wirklich kommen wollte. Was wundern wir uns übrigens, wenn ein so großer Patriarch unzweifelhaft glaubte, was ihm Gott selbst unmittelbar so deutlich zeigte, dass er sagt: „Ich sah Gott von Angesicht zu Angesicht und meine Seele ist gerettet worden.“ Was hatte ihm denn Gott von der gegenwärtigen Gottheit gezeigt, dass er sagte, es sei ihm das Angesicht Gottes enthüllt worden? Es war ihm ja dem Anscheine nach nur ein Mensch erschienen, welchen er auch im Kampfe überwunden hatte. Aber Gott beabsichtigte sicherlich durch die vorausgehenden Anzeichen des Kommenden dieses, dass es niemanden geben solle, welcher nicht an den aus dem Menschen geborenen Gott glauben möchte, da schon der Patriarch Gott in menschlicher Gestalt gesehen hatte.

Er reiht noch mehrere Zeugnisse für dieselbe Sache an einander.

Aber wozu verweile ich so lange bei einem Beispiele, als ob nicht mehrere vorhanden wären? Oder konnte denn der im Fleische kommende Gott schon damals den Menschen verborgen sein, als der Prophet öffentlich wie zu dem ganzen Menschengeschlechte über ihn sprach: „Siehe, euer Gott.“ und anderswo: „Siehe, unser Gott!“ oder: „Der starke Gott, der Vater der künftigen Welt, der Fürst des Friedens, und seines Reiches wird kein Ende sein.“ Und als er nun gekommen war, konnte da seine Ankunft denjenigen verborgen sein, welche öffentlich bekannten, dass er gekommen sei? Kannte etwa Petrus die Herabkunft Gottes nicht, als er sagte: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes?“ Wusste etwa Martha nicht, was sie sagte, oder an wen sie glaubte? Doch wohl, denn sie sprach: „Ja, Herr, ich glaube, dass du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, der in diese Welt gekommen ist.“ Alle jene endlich, welche von ihm Hilfe gegen Krankheiten, oder Wiederherstellung ihrer Glieder oder Leben für Tote erbaten, verlangten sie etwa dies von der Schwäche des Menschen oder von der Allmacht Gottes?

Der Teufel sei durch viele Gründe angetrieben gewesen, Christum für Gott zu halten.

Da nun der Teufel selbst ihn mit allem Aufwand seiner Lockungen, mit aller Kunst seiner Bosheit versuchte, was vermutete er denn in seiner Unwissenheit, oder was wünschte er durch die Versuchung zu erfahren? Oder was hatte ihn so sehr bewogen, Gott in der Niedrigkeit des Menschen zu suchen? Hatte er dies aus früheren Erfahrungen gelernt? Wo hatte er aber einen kennen gelernt, der als Gott in menschlichem Leibe gekommen wäre? Nein, gewiss nicht; sondern durch große Wunderzeichen, durch schwer wiegende tatsächliche Erprobungen, durch die Aussprüche der Wahrheit selbst war er zur Vermuung und Untersuchung dieser Sache getrieben worden. Hatte er ja doch schon einmal von Johannes gehört: „Seht das Lamm Gottes, seht, welches hinwegnimmt die Sünde der Welt.“ Und wieder von demselben: „Ich muss von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“ Auch die vom Himmel herabkommende und über dem Haupte des Herrn weilende Taube hatte sich als deutliche und sichtbare Zeugin der göttlichen Herrlichkeit erwiesen. Ferner hatte ihn angetrieben die von Gott nicht in Rätseln und Gleichnissen ausgesandte Stimme, welche sprach: “Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich mein Wohlgefallen.“ Obwohl er also von aussen nur einen Menschen in Jesus sah, so forschte er doch nach dem Sohne Gottes und sagte: ,,Wenn du der Sohn Gottes bist, so sprich, dass diese Steine Brot werden.“ Hat nun dem Teufel der Anblick des Menschen die Vermutung der Gottheit nicht genommen, so dass er glaubte, es könne Gott nicht da sein, weil er nur einen Menschen sehe? Durchaus nicht, sondern was sagt er? „Wenn du der Sohn Gottes bist, so spricht dass diese Steine Brot werden.“ Er zweifelte doch gewiss nicht, dass das möglich sei, dessen Wirklichkeit er untersuchte. Um die Wirklichkeit war er besorgt, aber gewiss nicht um die Unmöglichkeit.

Diese Meinung und lebhafte Vermutung des Teufels vergleicht er mit der hartnäckigen und unbiegsamen Lehre der Gegner und zeigt, dass diese noch schlechter sei und gotteslästerlicher als jene.

Er wusste nun aber sicher, dass der Herr Jesus Christus aus Maria geboren sei, er wusste, dass er in Windeln gewickelt, in die Krippe gelegt worden, dass armselig seine Kindheit und voll menschlicher Anfänglichkeit gewesen sei und sogar der nötigsten Wiegendienste entbehrte. Er zweifelte auch nicht, dass er wahrhaft einen Leib gehabt habe und wahrhaft als Mensch geboren worden sei. Warum schien ihm dies nun doch zur Sicherheit zu wenig, und warum glaubte er, dass derjenige wahrhaft Gott sein könne, von welchem er wusste, dass er wahrhaft Mensch sei? Lerne also, o du unselige Wut, lerne o Wahnsinn und grausame Gottlosigkeit, lerne endlich doch vom Teufel, weniger ungläubig zu sein! Wenn jener gesagt hat „du bist der Sohn Gottes,“ so sagst du: „Du bist es nicht.“ Was jener erfragte, leugnest du. Ausser dir ist bisher Nnemand gefunden worden, welcher des Teufels Gottlosigkeit übertroffen hätte. Was jener am Herrn als möglich bekannte, hältst du für unmöglich.

Dass der Teufel diese Meinung von der Gottheit Christi wegen einer geheimen, ihm fühlbaren Wirkung derselben bis zum Kreuz und Tode immer gehabt habe.

Aber vielleicht liess er später ab, hielt Ruhe und legte nach Vereitlung seiner Versuchungen die Mutmaßung ab, weil er nicht Erfolg hatte. Nein, sie blieb immer in ihm und noch am Kreuze des Herrn kam diese Vermutung, durch seinen eigenen Schauer verstärkt, auf ihn. Wozu noch mehr? Er hörte also nicht einmal da auf, in ihm den Sohn Gottes zu vermuten, als er erkannte, dass seinen Verfolgern so viele Macht über ihn eingeräumt sei. Aber der schlaue Feind sah eben selbst mitten unter den körperlichen Leiden die Zeichen der Gottheit und wurde so angetrieben, den Gott zu vermuten, obwohl er lieber einen bloßen Menschen vor sich gehabt hätte. Er fühlte sich durch deutliche Anzeichen zu dem genötigt, was er fürchtete, obwohl er lieber das geglaubt hätte, was er wünschte. Und das ist kein Wunder, denn obwohl er ihn bespieen, gegeißelt, mit Schmähungen überhäuft und ans Kreuz gebracht sah, so bemerkte er doch mitten in der Schmach der Beleidigungen den Überfluss göttlicher Kräfte. Da der Vorhang desTempels zerreißt, die Sonne sich verbirgt, die Taghelle der Finsternis weicht, und alles die Macht dieses Leidens fühlt: Da erkennt auch alles, was Gott nicht kennt, das Werk der Gottheit. Dies sah der Teufel, zitterte und suchte auf jede Weise zu der Erkenntnis des Gottes zu kommen, selbst als es bei dem Menschen zu Ende ging und sagte durch jene, welche ihn gekreuzigt hatten: „Wenn er der Sohn Gottes ist, so steige er nun vom Kreuze herab, und wir glauben an ihn.“ Er merkte sicherlich, dass der Herr unser Gott durch sein körperliches Leiden die Erlösung des menschlichen Geschlechtes bewirke, und dass durch dasselbe er ebenso geschwächt und unterjocht werde, wie wir erlöst und gerettet. So wollte der Feind des menschlichen Geschlechtes auf jede Weise und durch jede List das vereitelt wissen, was, wie er erkannte, für die Erlösung aller geschah. Er sagt: „Wenn er der Sohn Gottes ist, so steige er nun herab vom Kreuze, und wir glauben an ihn.“ So hätte nämlich der Herr, durch die Schmähworte gereizt, das Geheimnis aufgeben sollen, indem er die Beleidigung strafte. Du siehst also, dass der Herr sogar am Kreuze hängend Sohn Gottes genannt wird; du siehst, dass man das Genannte auch vermutet; lerne also, wie ich oben sagte, entweder von den Verfolgern oder vom Teufel, an den Sohn Gottes zu glauben! Wer hätte je des Teufels Unglauben erreicht, wer ihn sogar überboten? Jener hält ihn noch für den Sohn Gottes, selbst da er den Tod erduldet; du leugnest ihn, auch nachdem er auferstanden ist. Jener, welchem er sich verbarg, vermutete in ihm den Sohn Gottes; du aber, dem er sich bewährte. verleugnest ihn.

Er zeigt nun, dass die Häretiker die hl. Schrift verkehren, indem er auf jenen Beweisgrund antwortet, der genommen ist aus den Worten des Apostels: „Ohne Vater, ohne Mutter“ usw. Hebr. 7:3.

Du bedienst dich also gegen Gott der hl. Schriften und suchst seine Zeugen gegen ihn selbst zu drängen. Aber wie? wahrhaftig ja, dass du nicht nur treulos mit Gott, sondern auch mit den Stellen selbst umgehst. Das ist in der Tat nicht zum wundern; denn du tust eben nur, was du kannst, weil du das nicht kannst, was du willst; und da du also die hl. Zeugnisse nicht gegen Gott zu kehren vermagst, so verkehrst du sie selbst, wie du kannst. Denn du sagst: „Also lügt auch Paulus von Christus indem er spricht: „ „Ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister“ “. Ich frage dich nun: Von wem willst du, dass Paulus dies gesagt habe: Von dem Sohne und Worte Gottes, oder von dem Christus, welchen du von dem Sohne Gottes trennst und gotteslästerlich für einen bloßen Menschen erklärst? Wenn wirklich von dem Christus, den du nur für einen Menschen ausgibst, wie konnte ein Mensch ohne Mutter und ohne Geschlechtsregister der mütterlichen Abstammung geboren werden? Wenn aber von dem Worte Gottes und dem Sohne Gottes, was fangen wir dann an, wenn derselbe Apostel, dein Zeuge, wie du gotteslästerlich glaubst, an derselben Stelle und in dem nämlichen Zeugnisse erklärt, dass jener, welcher nach deiner Behauptung ohne Mutter war, auch ohne Vater sei, da er sagt : „Ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister“? Es bleibt also nur übrig, dass du bei dem Gebrauche der apostolischen Worte den Sohn Gottes in gotteslästerlicher Weisel auch ohne Vater sein lässest, wie er nach deiner Behauptung ohne Mutter ist. Du siehst also, in welchen Abgrund der Gottlosigkeit du dich durch dein verkehrtes und schlechtes Streben gestürzt hast. dass du nämlich, nachdem du gesagt hast, der Sohn Gottes habe keine Mutter gehabt, auch den Vater ihm absprichst, was seit aller Zeit noch niemand behauptet hat, er wäre denn ein Wahnsinniger gewesen. Und hierbei weiss ich nichts, ob die Gottlosigkeit größer ist oder die Torheit; denn was ist törichter, was abgeschmackter, als von einem Sobne zu reden und das Wort „Vater“ nicht gebrauchen zu wollen? Aber du sagst: „Ich verschweige es nicht, ich leugne es nicht.“ Aber welcher Wahnwitz hat dich denn dann getrieben, diese Stelle anzuführen, nach welcher es den Schein gewinnen muss, du habest auch den Vater ihm weggeleugnet, indem du zeigst, wie er nach ihr keine Mutter gebabt habe. Denn da es in demselben Zeugnisse von ihm heisst, dass er wie ohne Mutter, so auch ohne Vater sei, so muss man glauben, dass er in demselben Sinne, in welchem er hier ohne Mutter gedacht werden kann, auch ohne Vater sein könne. Aber jener in der Leugung Gottes so ungestüme Wahnsinn sah dies nicht ein. Als er verstümmelt anführte, was vollständig geschrieben ist, sah er nicht, dass die unverschämte und offene Lüge durch die Aufdeckung des Zusammenhanges der hl. Schrift widerlegt werden könne. O törichte Lästerung und Raserei! Während sie selbst nicht sieht, wonach sie sich richten soll, versteht sie auch nicht, was gelesen werden kann; als ob sie allen das Lesen nehmen könnte, wie sie sich selbst das Verständnis nahm, oder als ob alle die Augen des Kopfes verlieren sollten, weil einer die des Geistes sich zu Grunde gerichtet hat. Höre also, o Häretiker, was du gefaselt hast; höre voll und unverkürzt, was du matt und verstümmelt angeführt hast. Der Apostel wünscht, allen die doppelte Geburt Gottes nahe zu legen, und sagt, um zu zeigen, dass der Herr ebensowohl in der Gottheit als im Fleische geboren worden sei: „Ohne Vater, ohne Mutter.“ Das eine ist eben der göttlichen Geburt eigen, das andere seiner menschlichen; und wie er also in der Gottheit ohne Mutter erzeugt wurde, so im Leibe ohne Vater, so dass wir ihn im Glauben ohne Vater und ohne Mutter annehmen müssen, obwohl er weder ohne Vater noch ohne Mutter ist. Sehen wir nämlich auf seine Geburt aus dem Vater, so ist er ohne Mutter; sehen wir auf die aus der Mutter, so ist er ohne Vater. So hatte er in jeder Geburt das eine, das andere aber nicht, weil eben die göttliche Geburt keiner Mutter bedurfte, in der leiblichen aber er sich selbst genügte ohne Vater. Deshalb sagt der Apostel: „Ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister.“

In welchem Sinne es bei dem Apostel heisse, dass Christus ohne Geschlechtsregister gewesen sei.

Wie sagt er aber nun, dass der Herr ohne Geschlechtsregister gewesen sei, da doch das Evangelium des Matthäus mit der Genealogie des Herrn beginnt, indem es sagt: „Geschlechtsbuch Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ Also nach dem Evangelisten hatte er ein Geschlechtsbuch, nach dem Apostel nicht; weil er eben nach dem Evangelium von der Mutter aus eines hatte. Nach dem Apostel vom Vater aus nicht. Deshalb sagt der Apostel richtig: „Ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister“ und sagt ebendort, dass er ohne Geschlechtsregister sei, wo er ihn als den ohne Mutter Gezeugten hinstellt. So stimmen die evangelischen und die apostolischen Schriften über beide Geburten des Herrn ganz miteinander überein, weil wohl nach dem Evangelisten ein Geschlechtsbuch hat der ohne Vater im Fleische Geborene; aber auch nach dem Apostel keines hat, der ohne Mutter in der Gottheit erzeugte Herr, wie Jesaja sagt: „Wer wird sein Geschlecht aufzählen?“

Er zeigt, dass die Häretiker nach Weise des Teufels, der Christum versuchte, die hl. Schrift verstümmeln und verdrehen.

Warum nun. o Häretiker, hast du nicht das Ganze und Unverfälschte angeführt, so wie du es nun gelesen hast? Du siehst also, dass der Apostel in demselben Sinne, in welchem er den Herrn darstellte als geboren ohne Vater, ihn auch ohne Mutter aufführte, damit man einsehe, dass er in der gleichen Weise ohne Mutter sei, in welcher er ohne Vater aufgefasst würde; und dass er nicht in allweg ohne Vater geglaubt werden könne, wie er auch nicht so ohne Mutter gedacht werden könnte. Warum also, o Häretiker, führtest du nicht das Reine und Unverletzte an, wie du es im Apostel lasest, sondern brachtest einen Teil bei und ließest den andern weg, und stahlst die Worte der Wahrheit, um in schändlicher Weise die Lüge zu erhärten? Ich sehe, von wem du belehrt bist; denn man muss glauben, dass du den Unterricht von jenem genossen hast, dessen Beispiel du folgst. Ja, so hat der Teufel im Evangelium den Herrn versucht und gesagt: „Wenn du der Sohn Gottes bist, so stürze dich da hinunter; denn es steht geschrieben: Er hat seinen Engeln deinetwegen befohlen, dass sie dich behüten auf all deinen Wegen.“ Als er dies sagte, ließ er das damit Zusammenhängende und Verbundene aus, nämlich: „Über Schlangen und Basiliken wirst du wandeln und zertreten den Löwen und Drachen.“ Schlau führt er das Vorhergehende an und lässt das Folgende weg; denn jenes sagt er, um zu täuschen, dieses verschweigt er, um sich nicht selbst zu verurteilen. Er wusste ja. dass er durch die prophetische Stimme als Schlange und Basilisk, als Löwe und Drache bezeichnet werde. So legst auch du einen Teil vor und verschweigst den andern; jenen, um zu überlisten, diesen, um nicht durch die Anführung des Ganzen deine Täuschung selbst zu verurteilen. Aber es ist endlich Zeit, weiter zu gehen; denn wenn wir uns zu lange bei dem Einzelnen aufhalten, so überschreiten wir selbst das Maß eines längeren Buches, indem wir uns von demDrange leiten lassen, eine reichhaltige Antwort zu geben.

Die Herrlichkeit und Würde Christi sei dem hl. Geiste nicht so zuzuschreiben, dass ihr Ursprung von Christus selbst geleugnet würde, als ob alle Vortrefflichkeit, welche in ihm war, fremde, von aussen gekommene gewesen wäre.

Du sagst also in einer andern deiner Streitfragen oder vielmehr deiner Gotteslästerungen, indem du den Geist von der Gottheit unterscheidest: „Der seine Menschheit erschaffen hat;“ denn es heißt: „Was aus Maria geboren wurde, ist vom hl. Geiste.“ Der auch mit Gerechtigkeit erfüllt hat, was erschaffen ist, denn es steht geschrieben: „Erschienen im Fleische, gerechtfertigt im Geiste.“ Ebenso machte ihn dieser auch den Dämonen furchtbar, wie es heißt: „Im Geiste Gottes treibe ich die Teufel aus.“ Er machte ferner seinen Leib zum Tempel; denn: „Ich sah seinen Geist wie eine Taube und über ihm bleiben.“ So gab er ihm auch die Aufnahme in den Himmel; denn so sagt die Schrift : „Indem er den Aposteln, die er er wählt hatte, sein Gebot gab, wurde er durch den hl. Geist in die Höhe gehoben.“ Diesen (Geist also hebst du hervor), der Christo eine solche Herrlichkeit geschenkt hat. Hierbei besteht nun deine ganze Gotteslästerung darin, dass Christus nichts durch sich gehabt habe, ja dass er als bloßer Mensch, wie du sagst, auch nichts vom Worte , d. i. vom Sohne Gottes erhalten habe, sondern dass alles in ihm Geschenk des Geistes war. Wenn wir nun zeigen werden, dass alles, was du dem Geiste zuschreibst, sein Eigenum war, was erübrigt dann noch, als dass wir ihn gerade deshalb als Gott bewährt finden, weil er alles als sein Eigentum besaß, wie du ihn als einen bloßen Menschen erfasst wissen willst, weil er alles von anderswoher hatte? Das bewähren wir aber nicht durch Streitreden und Beweise, sondern durch die Stimme der Wahrheit selbst, weil nichts ein besseres Zeugnis von Gott gibt als Göttliches; weil niemand sich besser kennt als die Majestät Gottes selbst, und weil in Betreff Gottes niemand würdiger ist, Glauben zu finden als jene, in welchen Gott selbst sein Zeuge ist. Was nun das erste betrifft, dass du nämlich sagst, der hl. Geist habe seine Menschheit erschaffen, so könnten wir dies einfach hinnehmen, wenn wir nicht merken würden, dass du es aus Unglaube vorbringst. Denn wir leugnen nicht, dass der Leib des Herrn vom hl. Geiste empfangen worden sei, sagen aber, es sei derselbe so unter Mitwirkung des hl. Geistes empfangen, dass man doch behaupten kann, der Sohn Gotttes habe sich seine Menschheit selbst erschaffen, da ja der hl. Geist in der göttlichen Schrift selbst sagt und bezeugt: „Die Weisheit bat sich ein Haus erbaut.“ Siehst du also, dass das vom hl. Geiste Empfangene von dem Sohne Gottes erbaut und vollendet wurde? Nicht als wäre ein anderes das Werk des Sohnes Gottes und ein anderes das Werk des Geistes; sondern weil in Folge der Einheit der Gottheit und Majestät sowohl das Wirken des Geistes ein Erbauen des Sohnes Gottes ist, als auch das Bauen des Sohnes ein Mitwirken des hl. Geistes. Deshalb liest man nicht nur, dass der hl. Geist auf die Jungfrau herabgekommen sei, sondern auch, dass die Kraft des Allerhöchsten sie überschattet habe, damit, weil die Weisheit gerade die Fülle der Gottheit ist, niemand zweifle, dass dieser Weisheit, als sie sich ein Haus erbaute, die ganze Fülle der Gottheit zur Seite gestanden sei. Aber während diese unselige, Gott lästernde Torheit bestrebt ist, Christum von dem Sohne Gottes zu trennen, sieht sie nicht, dass sie eine Trennung geradezu in die Natur der Gottheit selbst hineinträgt. Sie müsste etwa glauben, es sei dem Herrn deshalb vom hl. Geiste ein Haus gebaut worden, weil er selbst hierzu nicht tauglich und mächtig genug gewesen wäre. Aber es ist doch ebenso wahnsinnig als lächerlich, wenn man glauben soll, es habe sich jener keinen Leib bauen können, welcher nach unserm Glauben durch einen Wink das ganze himmlische und irdische All erschaffen hat; besonders, da die Kraft des hl. Geistes seine Kraft ist, und die Gottheit und Majestät der Dreifaltigkeit so in sich geeint und unzertrennlich ist, dass durchaus nichts in einer Person (der Gottheit) gedacht werden kann, was von der Fülle der Gottheit getrennt werden könnte. Wenn also angenommen und eingesehen ist, dass nach dem Glauben der hl. Schrift die Weisheit sich unter Herabkunft des hl. Geistes und Überschattung der Kraft des Allerhöchsten ein Haus gebaut habe, so sind die übrigen gotteslästerlichen Schmähungen nichts. Denn es ist doch kein Zweifel, dass derjenige alles durch sich und in sich selbst getan habe, in dessen Namen und Glauben auch der Glaube der Gläubigen alles kann. Ebensowenig bedürfte er der Hilfe eines andern, da nicht einmal jene einer solchen bedurften, welche an seine Kraft glaubten. Deshalb ist es auch lauter Gotteslästerung und Wahnsinn, wenn du sagst, dass er vom Geiste gerechtfertigt und den Teufeln furchtbar gemacht worden sei; dass sein Leib vom Geiste zum Tempel gemacht wurde und dass er von ihm in den Himmel erhoben worden sei; nicht als dürfte man glauben, es hätte in all dem, was er selbst gean, die einheitliche Mitwirkung des hl. Geistes gefehlt; da ja die Gottheit nie sich selbst verlässt, und die Kraft der Trinität immer in den Werken des Erlösers war: Sondern weil du willst, dass der hl. Geist dem Herrn Jesus Christus als einem Hilfebedürftigen und Schwachen geholfen und ihm wirklich das verliehen habe, was er sich selbst nicht hätte erwerben können. Lerne also aus den hl. Zeugnissen, ihn gläubig für Gott zu halten und mische nicht Falsches dem Wahren bei; denn die Sache erträgt es nicht, und die Vernunft verabscheut es, dass mit den göttlichen Aussprüchen der Sinn des teuflischen Geistes sich vermenge.

Wie jenes Wort des Apostels zu verstehen sei: „Er erschien im Fleische, wurde gerechtfertigt im Geiste“? 1 Tim 3: 16.

Zuerst nun suchst du die von dir angeführte Stelle: „Dass er mit Gerechtigkeit erfüllt habe, was geschaffen ist,“ durch das apostolische Wort zu bekräftigen: ,,Er erschien im Fleische, wurde gerechtfertigt im Geiste.“ Beides aber sagst du in törichtem Sinne und wahnwitzigem Geiste; denn auch diese Meinung, dass du ihn vom hl. Geiste mit Gerechtigkeit willst erfüllt sein lassen, stellst du deswegen auf, weil du seine Leerheit zeigen möchtest, welcher dann nach deiner Behauptung die Erfüllung mit Gerechtigkeit gewährt worden wäre. Darin aber, dass du für diese Sache einen Ausspruch des Apostels anwendest, betrügst du, sowohl was die Reihenfolge als den Sinn des göttlichen Zeugnisses betrifft. Denn nicht so wurde es vom Apostel hingestellt, wie du es verstümmelt und verfälscht anführst. Oder was sagt der Apostel? „Und offenbar ist es ein großes Geheimnis der Gottseligkeit, welches erschienen ist im Fleische und gerechtfertigt wurde im Geiste.“ Siehst du also, dass der Apostel gelehrt hat, es sei das Geheimnis oder das Heiligtum der Gottseligkeit gerechtfertigt worden? Denn er war doch nicht so uneingedenk seiner Worte und seiner Lehren dass er gesagt hätte, jener habe der Gerechtigkeit bedurft, welchen er immer die Gerechtigkeit genannt hatte mit den Worten: „Der uns geworden ist Gerechtigkeit und Heiligung und Erlösung.“ Auch an einer andern Stelle sagt er: „Aber ihr seid abgewaschen, ihr seid gerechtfertigt, ihr seid geheiligt im Namen unseres Herrn Jesu Christi. Wie ferne also lag es ihm doch, einer Erfüllung mit Gerechtigkeit zu bedürfen, da er selbst alles mit Gerechtigkeit erfüllte; und dass die Majestät desjenigen die Gerechtigkeit nicht sollte gehabt haben, dessen Namen schon alles rechtfertigt. Siehst du also, wie ungeschickt entweder deine Gotteslästerung ist, oder wie wahnsinnig, dass sie unserm Herrn das zu nehmen strebt, was von ihm sich stets auf alle Gläubigen so reichlich ausgießt, dass es sich in seinem beständigen Reichtum niemals vermindert.

Dass nicht bloß der Geist Christum furchtbar machte, sondern auch er sich selbst.

Du sagst auch, dass der Geist ihn den Teufeln furchtbar gemacht habe. Obwohl nun schon die Fluchwürdigkeit dieses Ausspruches hinreicht, um ihn zu verwerfen und zu widerlegen, so wollen wir doch Beispiele anführen. Sage mir doch, ich bitte dich, du, der du behauptest, es sei nicht sein Werk gewesen, dass ihn die Teufel fürchteten, sondern fremdes; und der du willst, es sei dies bei ihm nicht Macht gewesen, sondern Gabe: sage mir, wie konnte denn schon sein Name jene Gewalt haben, deren er selbst nach deiner Behauptung entbehrte? Wie wurden in seinem Namen Teufel ausgetrieben. Kranke geheilt, Tote erweckt? Sprach doch der Apostel Petrus zu jenem Lahmen, der an der schönen Pforte des Tempels saß: „Im Namen Jesu Christi steh auf und wandle!“ Und wieder sagte er in der Stadt Joppe zu jenem, welcher seit acht Jahren als Gichtbrüchiger im Bette lag : „Äneas, es heile dich der Herr Jesus Christus, steh auf und bette dir! (richte dir dein Bett – so Einheitsübersetzung)“ Auch Paulus sprach zu dem Wahrsagergeist: „Ich befehle dir im Namen Jesu Christi, geh‘ aus von ihr! Und der Geist wich von ihr.“ Aber wie ferne diese Schwäche von unserm Herrn gewesen sei, magst du daraus ersehen, dass ich nicht einmal jene schwach nenne, die er durch seinen Namen stark gemacht hat. Wenn wir nämlich sehen, dass nach der Auferstehung des Herrn keinem der Apostel je ein Teufel oder eine Krankheit widerstanden habe, wie soll da denjenigen der Geist furchtbar gemacht haben, welcher andere furchtbar machte? Oder wie soll er in sich schwach gewesen sein, wenn der Glaube an ihn auch durch andere über alles herrschte? Endlich bedienten sich jene, welche die Macht von Gott erhalten hatten, derselben niemals wie ihrer eigenen, sondern sie bezogen sie auf den zurück, von welchem sie dieselbe erhalten hatten, weil die Vollmacht nie eine Kraft haben konnte, als durch den Namen desjenigen, der sie gegeben hatte. Deshalb taten die Apostel und alle Diener Gottes nichts in ihrem eigenen, sondern im Namen und unter Anrufung Jesu Christi, weil die Vollmacht ihre Kraft von dort her empfing, wo sie ihren Ursprung hatte, und von den Dienern nicht hätte gegeben werden können, wenn sie nicht von dem Urheber gekommen wäre. Du sagst nun also, der Herr sei dasselbe gewesen, wie einer von seinen Dienern, denn du willst, dass er nichts gehabt habe, was er nicht vom hl. Geiste empfangen hätte, gerade wie die Apostel nichts besaßen, als was sie von ihrem Herrn erhalten hatten. Deshalb willst du auch, dass er das, was er hatte, nicht als Herr besessen, sondern als Diener empfangen habe. Sage mir nun aber, wie konnte er dann sich der Macht als seiner eigenen und nicht als einer empfangenen bedienen? Oder was lesen wir von ihm? „Steh auf,“ sagt er dem Gichtbrüchigen, „nimm dein Bett und geh‘ nach Hause.“ Und wieder sagt er dem für seinen Sohn bittenden Vater: „Gehe, dein Sohn lebt!“ So spricht er auch dort, wo der einzige Sohn einer Mutter zu Grabe getragen wird: „Jüngling, ich sage dir, steh auf!“ Hat er nun nach Sitte jener, welche die Macht von Gott erhalten haben, auch durch Anrufung des göttlichen Namens gefleht, es möge ihm die Kraft zum Wirken gegeben werden? Warum wirkte er nicht im Namen des Geistes, wie die Apostel in seinem Namen wirkten? Was endlich bezeugt uns das Evangelium von ihm? „Er lehrte sie“, heißt es, „wie einer, der Macht hat, nicht wie die Schriftgelehrten und Pharisäer.“ Oder willst du, dass er vielleicht hochmütig und anmaßend war, so dass er die Macht, die er nach deiner Behauptung von Gott empfangen hatte, seinem eigenen Vermögen zugeschrieben hätte? Wie aber, wenn die Gewalt den Dienern nie zu Gebote stand ausser im Namen ihres Urhebers, und wenn sie nie eine Wirkung hatte, sobald der Wirkende etwas von ihr sich selbst zuschrieb?

Er sucht nun jene Lehre mit noch stärkeren und zwingenderen Gründen zu entkräften.

Aber was tun wir so lange mit diesen zwar offenbaren aber doch minder kräftigen Beweisgründen gegen die wütende Gotteslästerung? Hören wir Gott selbst, wie er zu seinen Jüngern redet: „Heilet die Kranken, erwecket die Toten, machet rein die Aussätzigen, und treibet die Teufel aus!“ Und wieder sagt er: „In meinem Namen werdet ihr die Teufel austreiben.“ Bedürfte der etwa eines andern Namens zur Ausübung einer Macht, der da bewirkte, dass sein eigener Name eine Macht war? Aber was ist noch weiter beigefügt? „Siehe,“ sagt er, „ich gebe euch die Macht, auf Schlangen und Skorpionen zu treten und auf alle Mächte des Feindes.“ Er selbst nennt sich nun sanft und demüig von Herzen, wie er es auch wirklich war. Wie kann er nun aber in Betreff der höchsten Gewalt befehlen, dass andere in seinem Namen wirken sollen, während er selbst in fremdem Namen wirkte? Oder wie konnte er andern etwas als sein Eigenum geben, was er nach deiner Behauptung selbst nicht besaß, wenn er es nicht als Fremdes empfangen hätte? Sage mir aber, welche von den Heiligen, die ihre Gewalt von Gott erhielten, so wirkten? Oder wäre nicht etwa Petrus für einen Toren, Johannes für einen Rasenden, Paulus für einen Wahnsinnigen gehalten worden, wenn sie irgend einem Kranken gesagt hätten: „In unserm Namen steh‘ auf —“ oder einem Lahmen : .,In unserm Namen wandle“ — oder den Toten: „In unserm Namen lebet!“ — Oder wenn sie zu irgendwelchen Personen gesagt hätten: „Wir geben euch Macht, auf Schlangen und Skorpionen zu treten und auf alle Mächte des Feindes“? Siehst du nun gerade hieraus deine Torheit ein ? Denn wie jene Worte töricht wären, wenn sie aus menschlicher Anmaßung stammen würden, so bist du der ärgste Tor, weil du nicht einsiehst, dass dies Sache göttlicher Gewalt ist. Denn du musst nowendig von zweien eines zugestehen, entweder, dass ein Mensch göttliche Vollmacht haben und verleihen könne, oder wenn dies durchaus kein Mensch kann, dass derjenige, welcher es konnte, Gott gewesen sei. Denn niemand kann göttliche Kraft verleihen in seiner Freigebigkeit, wenn er sie nicht hat in seiner Natur.

Es sei ebenso Christo wie dem hl. Geiste zuzuschreiben, dass sein Leib und seine Menschheit Tempel Gottes geworden sei.

Es folgt nun in deinen Gotteslästerungen die, dass sein Leib durch den hl. Geist Tempel geworden sei, weil Johannes sagte: „Ich sah den hl. Geist herabsteigen vom Himmel und über ihm bleiben.“ Da du deine wahnsinnige Behauptung durch göttliche Zeugnisse zu bekräftigen suchst, so wollen wir sehen, ob das, was du sagst, auch das heilige Zeugnis gesagt habe. Es heißt: „Ich sah den Geist herabsteigen wie eine Taube und über ihm bleiben.“ Unterscheide hier, wenn du kannst, wer mächtiger, wer größer, wer verehrungswürdiger sei, der Herabsteigende, oder jener, auf welchen er herabstieg? Derjenige, welcher die Ehre erwies, oder derjenige, welchem sie erwiesen wurde? Wo verlautet hier im Zeugnisse etwas davon, dass der Geist seinen Leib zum Tempel gemacht habe? Oder wie soll es die Ehre Gottes mindern, wenn Gott selbst herabsteigt, um dem menschlichen Geschlechte Gott zu zeigen, da doch wahrhaftig derjenige nicht für geringer gehalten werden muss, dessen Würde angezeigt wird, als derjenige, welcher sie anzeigt. Aber ferne sei es, irgend einen Abstand in der Gottheit zu glauben oder zu machen, weil ja die eine und selbe Gottheit und die gleiche Gewalt vollständig die gottlose Meinung einer Ungleichheit ausschließt. Da also bei diesem Werke die Person sowohl des Vaters als des Sohnes und Geistes gegenwärtig ist; da der Sohn es ist, auf welchen herabgestiegen wird, der Geist, welcher herabsteigt, und der Vater, der das Zeugnis spricht: So hat keiner mehr Ehre gehabt, keiner irgend eine Unbill erlitten, sondern gleichmäßig fließt alles in die Fülle der Gottheit zurück, da ja in der Trinität jede Person die Ehre der ganzen Trinität in sich enthält. Deshalb ist es nicht nötig, hiervon weiter zu reden, es sei denn, um Grund und Ursache deiner Ruchlosigkeit aufzudecken. Verraten doch Dornen und Disteln, die aus den Wurzeln aufsteigen, durch ihre Beschaffenheit ihren Stamm und zeigen schon dadurch, dass sie sind, woher sie stammen. So zeigst also auch du, o dornenvoller Sprössling der pelagianischen Häresie, ebendasselbe in den Sprossen, was jener, wie man uns berichtet hat, in der Wurzel trug. Denn jener Leporius behauptete, wie sein Schüler Leporius aussagte, dass unser Herr durch die Taufe Christus geworden sei; du sagst, dass er in der Taufe durch den Geist Tempel Gottes geworden sei. Da haben wir zwar nicht ganz dieselben Worte, aber ganz dieselbe Verkehrtheit.

Die Erhebung Christi in den Himmel sei nicht dem Geiste allein zuzuschreiben.

Du fügst nun aber deinen genannten Gottlosigkeiten auch dies bei, dass der Geist dem Herrn die Aufnahme in den Himmel verliehen habe, indem du in deinem sakrilegischen Sinne merken lassest, der Herr Jesus Christus sei nach deinem Glauben so schwach und armselig gewesen, dass er, hätte ihn der Geist nicht in den Himmel erhoben, nach deiner Meinung wohl heute noch auf Erden wäre. Zum Beweise dessen wendest du wieder eine hl. Stelle an und sagst: „Indem er den Aposteln, welche er erwählt hatte, seine Gebote gab, wurde er durch den hl. Geist in die Höhe gehoben.“ Was soll ich dich nun nennen, wofür dich halten, der du durch Entstellung der hl. Schriften es dahin treibst, dass die hl. Zeugnisse nicht mehr die Kraft von Zeugnissen haben? O neue Art von Keckheit, dass einer durch seine niederträchtigen Beweise das zu erreichen strebt, dass die Lüge von der Wahrheit bestätigt zu werden scheine! Denn nicht so, wie du sagst, steht es in der Apostelgeschichte geschrieben. Was sagt also die Schrift? „Was Jesus anfing zu tun und zu reden bis auf den Tag, an welchem er, nachdem er durch den hl. Geist die Apostel, die er sich erwählt hatte, beauftragt hatte, hinaufgenommen wurde.“ Das ist doch sicher nur eine Wortversetzung und so zu nehmen: „Was Jesus zu tun und zu lehren begann bis zu dem Tage, an welchem er aufgenommen wurde, während er den Aposteln, die er durch den hl. Geist erwählt hatte, Aufträge gab;“ so dass man dir also in diesem Punkte nicht weiter zu antworten brauchte, als durch die Stelle selbst, weil in der Tat die Vollständigkeit derselben für die Wahrheit vollkommen hinreichen müsste, wenn es für die Lüge hinreichte, sie zu entstellen. Allein sage mir doch du, der du glaubst, unser Herr Jesus Christus hätte nicht in den Himmel aufsteigen können, wenn er nicht vom hl. Geiste erhoben worden wäre: sage mir, wie der Herr selbst sprechen konnte: „Niemand steigt in den Himmel hinauf, als wer vom Himmel herabkam, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist.“ Erkenne also, wie lächerlich und töricht deine Meinung ist, es habe der nicht in den Himmel aufsteigen können, von welchem es, obwohl er auf die Erde herabgestiegen war, heißt, er sei nie vom Himmel fern gewesen; und erkenne, ob es jenem möglich gewesen sei, die Unterwelt zu verlassen und zum Himmel zu steigen, welchem es leicht war trotz seines Aufenthaltes auf Erden immer im Himmel zu bleiben. Wie steht es aber damit, dass er selbst sagt. „Ich steige zu meinem Vater auf?“ Verrät er etwa bei diesem Aufsteigen die dazwischenkommende Hilfe eines andern, während er doch gerade damit, dass er sagt. er werde aufsteigen. die Kraft der eigenen Gewalt zeigt? Auch David sagt von der Auffahrt des Herrn: „Hinauf steigt Gott in Jubel, der Herr beim Schalle der Posaune.“ Offenbar hat er die Majestät des Aufsteigenden durch die Gewalt aufzusteigen, dargestellt.

Er bleibt nun bei demselben Beweise, um zu zeigen, dass Christus nicht fremder Herrlichkeit bedurft, sondern seine eigene gehabt habe.

Wir wollen nun aber sehen, mit welchem Zusätze du deine vorausgegangenen Lästerungen schließest. Du sagst: „Der auch Christo die Herrlichkeit verliehen hat.“ du nennst die Herrlichkeit, um eine Schmach anzutun. Denn damit, dass du behauptest, der Herr sei mit der Herrlichkeit beschenkt worden, sprichst du die Gotteslästerung aus, dass er ihrer nicht mächtig gewesen wäre , indem du sagst, dass er sie empfangen habe. Dies sagt ja doch der gottlose Sinn,dass die Freigebigkeit des Schenkenden eine Armseligkeit des Empfangenden zeigt. O über deine unselige Gottlosigkeit! Oder wo ist nun das, was die Gottheit einst selbst über den in den Himmel auffahrenden Herrn Jesus Christus vorausgesagt hat? „Hebet.“ heißt es, ..hinweg eure Tore und es wird einziehen der Herr der Herrlichkeit.“ Und nachdem wie gewöhnlich das hl. Wort nach Weise eines Fragenden sich selbst erwidert hat: „Wer ist dieser König der Glorie?“ — da fügt es sogleich bei: „Der starke und mächtige Herr, der Herr gewaltig im Kampfe.“ und zeigt so unter der Bezeichnung des geführten Kampfes den Sieg des triumphierenden Herrn. Nachdem dann zur vollen Darstellung der Sache der Text des obengenannten Verses wiederholt worden, wird die Majestät unseres in den Himmel einziehenden Herrn mit folgendem Schlusse gezeigt. „Der Herr der Macht, er ist der König der Glorie.“ Damit nämlich nicht die Annahme des Leibes der Ehre der höchsten Gottheit Abbruch tue, lehrt die hl. Schrift hier, dass Ebenderselbe der Herr der Macht und der König der himmlischen Glorie sei, welchen sie oben als Sieger im Kampfe gegen die Hölle verkündete. Nun sage noch, die Herrlichkeit sei dem Herrn geschenkt worden, da sogar die Weissagung ihn König der Glorie nennt und er von sich selbst Folgendes bezeugt: „Wenn der Menschensohn gekommen sein wird in seiner Herrlichkeit.“ Streite dagegen, wenn du kannst, und widersprich, so dass du behauptest, er habe eine fremde Herrlichkeit empfangen, während er selbst bezeugt, dass er seine besitze. Übrigens schreiben wir ihm den Besitz eigener Glorie so zu, dass wir nicht leugnen, es sei ihm dieses Eigentum der Herrlichkeit mit dem Geiste und dem Vater gemeinsam; denn was immer Gott besitzt, gehört der Gottheit, und das Reich der Glorie ist so dem Sohne eigen, dass es nicht von dem Eigentum der ganzen Gottheit getrennt ist.

Er bekräftigt nun diese Lehre mit dem Ansehen des heiligen Hilarius.

Es ist jedoch endlich Zeit diesem Buche, ja dem ganzen Werke ein Ende zu machen, sobald ich noch die Aussprüche einiger heiligen Männer und berühmten Priester beigefügt haben werde, damit wir so das, was durch das Ansehen der hl. Zeugnisse bereits bewiesen ist, auch durch den Glauben der gegenwärtigen Zeit bestärken. Da ist Hilarius ein Mann von jeder Tugendzierde, berühmt durch sein Leben und seine Beredsamkeit, der als Lehrer der Kirchen und Priester nicht nur durch seine Verdienste groß wurde, sondern auch durch die (mit seiner Hilfe gemachten) Fortschritte anderer, und unter den Stürmen der Verfolgung so unerschüttert verharrte, dass er durch die Kraft seines unbesiegten Glaubens auch die Würde des Bekenners erhielt. Er sagt in dem ersten Buche des Glaubens dass unser Herr Jesus Christus als wahrer Gott vom wahren Gott vor aller Zeit geboren und nachher als Mensch erzeugt worden sei. Ebenso im zweiten Buche : „Der eine eingeborene Gott wuchs, in den Schoß der hl. Jungfrau gepflanzt, zu der Gestalt des menschlichen Leibes heran und er, der alles umfasst und in welchem alles ist, wurde nach dem Gesetze menschlicher Geburt hervorgebracht.“ So in demselben Buche: „Der Engel ist Zeuge, „Gott mit uns“ ist jener, der geboren wird.“ Ebenso im zehnten Buche: „Wir haben gelehrt das Geheimnis des aus der Niederkunft der Jungfrau zum Menschen geborenen Gottes.“ Ferner ebendort: „Als nämlich Gott im Menschen geboren wurde, da wurde er ja nicht dazu geboren, dass er nicht Gott bliebe.“ So sagt ebenderselbe in der Einleitung zur Auslegung des Evangeliums nach Matthäus: „Es war also zuerst nowendig für uns, dass der eingeborene Gott unseretwegen als Mensch geboren wurde, was er vorher nicht war.“ So heißt es ebendort: „Als Drittes war dann passend, dass, weil Gott in der Welt als Mensch geboren worden war usw.“ Das ist zwar Weniges aus Übervielem; aber du siehst auch aus dem Gesagten, dass er öffentlich und deutlich den aus Maria Geborenen als Gott verkündet. Wo ist nun jenes dein Wort: „Es konnte das Geschöpf nicht gebären den Schöpfer.“ — „Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch“ ? Es wäre nun zu lange, das von den einzelnen hierher Gehörige anzuführen, und ist auch mehr die Aufzählung als die Auslegung der Ansprüche anzustreben; denn zur Auslegung genügen sie sich selbst.

Er zeigt, dass Ambrosius dem hl. Hilarius beipflichte.

Ambrosius, der ausgezeichnete Priester Gottes, der nicht von der Hand des Herrn wich und deshalb gleichsam an dem Finger Gottes wie ein Edelstein glänzte, sagt in dem Buche, welches an die Jungfrauen gerichtet ist, so: „Mein Bruder ist weiss und rot; weiss, weil er der Abglanz des Vaters ist, rot, weil er das Kind der Jungfrau ist. Bedenke aber, dass die Ehrenzeichen der Gottheit an ihm älter sind, als die Geheimnisse des Leibes; denn er begann nicht aus der Jungfrau, sondern der da war, kam in die Jungfrau.“ Ebenso sagt er am Geburtsfeste des Herrn selbst: „Sehet das Wunder der göttlichen Mutter: Die Jungfrau empfing, die Jungfrau gebar, Jungfrau in den Wehen wie in der Schwangerschaft, Jungfrau nach der Geburt, wie es im Ezechiel heißt: „ „Und die Pforte war verschlossen und wurde nicht geöffnet, weil der Herr durch sie ging.“ “ O ruhmreiche Jungfräulichkeit, erhabene Fruchtbarkeit! Der Herr der Welt wird geboren, und da ist kein Seufzer der Gebärenden; entleert wird der Schoß der Jungfrau, und ein wahres Kind erhält man; aber die Jungfrauschaft wird nicht verletzt. Es gehörte sich, dass bei der Geburt Gottes das Verdienst der Keuschheit wuchs, und dass Unversehrtes bei dem Ausgange desjenigen nicht verletzt wurde, der gekommen war, das Versehrte zu heilen.“ So heißt es in der Auslegung des Evangeliums nach Lukas: „Dass am liebsten eine solche erwählt wurde, Gott zu gebären, welche mit einem Manne verlobt war.“ Er lehrt also sicher, dass Gott aus der Jungfrau geboren worden sei, und nennt Maria die Mutter Gottes. Wo ist nun dein abenteuerliches und fluchwürdiges Gerede, womit du sagst: „Wie kann sie die Mutter eines von ihrer Natur verschiedenen sein? Wenn sie aber Mutter genannt wurde, so ist das, was geboren wurde, die Menschheit, nicht Gott!“ Siehe, ein ausgezeichneter Lehrer der Kirche sagt, dass jene, welche geboren hat, ein Menschenkind war, und dass es Gott war, welcher geboren wurde; und dies sei für uns kein Grund zum Unglauben, sondern ein Wunder des Glaubens.

Zu den genannten kommt auch das Zeugnis des hl. Hieronymus.

Hieronymus, der Lehrer der Katholiken, dessen Schriften in der ganzen Welt wie göttliche Leuchten glänzen, sagt in dem Buche an Eustochium: ,,Der Sohn Gottes ist für unser Heil Sohn des Menschen geworden; zehn Monate wartet er im Schoße, dass er geboren werde, und jener, in dessen Hand die Welt eingeschlossen ist, wird von der engen Krippe umfangen.“ Ebenso steht in seinem Kommentare zu Jesaja: „Denn der Herr der Kräfte, der da ist ein König der Herrlichkeit, er selbst stieg herab in den jungfräulichen Schoß und ging ein und aus durch die Pforte des Aufganges (Ostens). welche immer geschlossen ist. Von ihm sprach Gabriel zu der Jungfrau: „ „Der hl. Geist wird auf dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Heilige, welches aus dir geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden.“ “ Und in den Sprichwörtern heißt es: „Die Weisheit erbaute sich ein Haus.“ “ Vergleiche nun dies, wenn es dir beliebt, mit deiner Lehre oder vielmehr deiner Gotteslästerung, da du sagst: „Gott ist ja der Schöpfer der Monate und nicht die Frucht der Monate.“ Aber sieh, Hieronymus, ein Mann von größter Wissenschaft, sowie von ganz bewährter und reiner Lehre, bezeugt fast mit denselben Worten den Sohn Gottes als eine Frucht der Monate, mit welchen du leugnest, dass er eine solche denn „zehn Monate“ sagt er, „wartete er im Schoße, um geboren zu werden.“ Scheint dir aber vielleicht die Autorität dieses Mannes noch zu klein, so glaube, dass eben dasselbe alle und mit den gleichen Worten sagen; denn wer immer nicht leugnet, dass der Sohn Gottes eine Frucht der Jungfrau sei, der bekennt, dass er eine Frucht der Monate sei.

Nun reiht er den Obigen auch den Rufinus und den hl. Augustin an.

Auch Rufinus, ein Mann der christlichen Philosophie, ein nicht zu verachtendes Glied der kirchlichen Lehrer, bezeugt in der Auslegung des Symboles über die Geburt des Herrn: „Der Sohn Gottes wird aus einer Jungfrau geboren, nicht in erster Linie dem bloßen Fleische geeint, sondern erzeugt, indem die Seele zwischen dem Fleische und Gott vermittelte.“ Hat er nun etwa den aus dem Menschen Geborenen undeutlich als Gott bekannt? Augustinus,1 der große Priester der Stadt Hippo Regium sagt: „Damit aber die Menschen aus Gott geboren würden, durch den wir geschaffen werden, wurde derjenige, durch welchen wir geheilt werden sollten, aus dem Weibe geboren.“ So sagt er ferner: „ „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ “ Was wunderst du dich nun, wenn Menschen aus Gott geboren werden? Sieh doch, wie Gott selbst aus den Menschen geboren wurde!“ Ebenso spricht er sich aus in seinem Briefe an Volusianus. Aber auch Moses und die übrigen Propheten haben in wahrster Weise Christum vorherverkündet und ihm große Herrlichkeit zugeschrieben; sie haben geweissagt, dass er nicht bloß ihnen gleich oder in derselben Art der Wundermacht ihnen überlegen, sondern dass er schlechthin Gott, der Herr aller sein werde, Mensch geworden um der Menschen willen. Er wollte darum auch selbst die gleichen Werke verrichten (wie jene), damit es nicht ungeziemend erscheine, wenn er nicht Dasselbe auch selbst tue, was er durch jene getan hatte. Aber er musste auch etwas Besonderes tun, geboren werden von einer Jungfrau, von den Toten auferstehen, in den Himmel auffahren. Ich weiß nicht, was der noch mehr erwartet, der da glaubt, dass dies für Gott zu wenig sei.

Da er nun die Zeugnisse der griechischen oder orientalischen Bischöfe vorführen will, hebt er an erster Stelle den hl. Gregor von Nazianz hervor.

Aber vielleicht dürfen dir die Männer, welche ich aufgezählt habe, deshalb von etwas weniger annehmbarer Autorität erscheinen, weil sie in andern Teilen der Welt wohnen. Es wäre dies zwar lächerlich, weil ja der Glaube durch den Ort nicht verliert, und weil es sich darum handelt, was einer sei, nicht wo er sei; besonders da die Religion alle eint und jene, welche in einem Glauben sind, auch, wie wir erkennen sollen, in einem Leibe sind; aber wir wollen dir doch einige von den Orientalen vorführen die du nicht verachten dürftest. Da ist Gregor, das so, strahlende Kleinod der Wissenschaft und Gelehrsamkeit, der auch jetzt noch, obwohl er längst aus dem Leben geschieden ist, durch sein Ansehen und den Glauben lebt und, obwohl er längst dem Leibe nach von den Kirchen fern, doch mit seiner Stimme und Lehre noch gegenwärtig ist. Er sagt: „Als nun Gott in jener menschlichen Natur, die er angenommen hatte, aus der Jungfrau hervorgegangen war, als ein einziges, aus zwei sich wechselseitig entgegengesetzten Bestehendes, nämlich aus Leib und Geist: da wurde das eine in Gott aufgenommen, das andere verlieh die Gabe der Gottheit. O neue und unerhörte Vermischung! O wunderbare, unerforschliche Verbindung! Der da war — wird, der Schöpfer — wird geschaffen; der Unermessliche wird umschlossen, indem die Seele zwischen Gott und dem Fleische vermittelt; und jener, der alle reich macht, wird arm.“ So heißt es wieder über die Epiphanie : „Aber was geschieht? Was geht mit uns vor oder für uns? Ein neuer und unerhörter Wechselverkehr der Naturen, und Gott wird Mensch!“ Ebendort: „Und der Sohn Gottes fing an auch Menschensohn zu sein, nicht umgewandelt aus dem, was er war, denn er ist unwandelbar, sondern annehmend, was er nicht war, denn er ist barmherzig — ; so dass also der Unermessliche umfasst werden konnte.“ Siehst du nun, wie trefflich und großartig er die Majestät der Gottheit so verkündet. dass er dadurch die Herablassung in der Menschwerdung nahe legt? Es wusste ja der wundervolle Lehrer des Glaubens wohl, dass mit allem, was der in die Welt kommende Gott uns verleiht, seine Wohltaten sich häufen, nicht aber seine Ehre sich mindere; denn was immer Gott den Menschen schenkt, muss in uns die Liebe zu ihm mehren, nicht seine Würde mindern.

Zunächst stellt er nun die Autorität des heil. Athanasius vor.

Da ist auch Athanasius, der Priester der Stadt Alexandria, ein herrliches Beispiel der Standhaftigkeit und Tugend, welchen der Sturm häretischer Verfolgung nicht vernichtete, sondern bewährte, der immer ein Leben führte ähnlich einem klaren Spiegel und fast eher das Verdienst des Märtyrers erlangte, als er die Würde des Bekenners erreichte. Wir wollen sehen, wie er über unsern Herrn Jesus Christus oder vielmehr über die Mutter unseres Herrn dachte. Er sagt: „Dies also ist, wie wir oft gesagt haben, die Meinung und der Grundzug der hl. Schrift, dass es eine doppelte Bezeichnung für einen und denselben Erlöser gibt: dass er immer Gott war und ist, Sohn, Wort, Licht und Weisheit des Vaters; und dass er nachher wegen uns Fleisch annahm aus Maria der Jungfrau und Gottesgebärerin und Mensch wurde.“ Ebenso heißt es nach anderem: „Viele also waren heilig und rein von Sünden; Jeremias war schon vom Mutterleibe an geheiligt und Johannes frohlockte, als er noch im Mutterleibe war, voll Freude über die Stimme Mariens, der Gottesgebärerin.“ Er sagt also doch gewiss dass Gott, dass der Sohn Gottes, welcher, um in seinen Worten den Glauben aller auszusprechen, „Wort ist und Licht und Weisheit des Vaters,“ wegen uns Fleisch angenommen habe, und nennt deshalb die Jungfrau Maria Gottesgebärerin, weil sie Mutter Gottes sei.

Nun fügt er noch den hl. Johannes Chrysostomus hinzu.

Nun höre, was Johannes, die Zierde der Bischöfe von Konstantinopel, dessen Heiligkeit ohne jeden Sturm heidnischer Verfolgung zu dem Verdienste des Martertums gelangte, über die Menschwerdung des Sohnes Gottes gedacht und gepredigt habe! Er sagt: „Jenen, welchen nicht Himmel, nicht Erde, nicht die Meere oder irgend ein Geschöpf hätten halten können, wenn er in der bloßen Gottheit gekommen wäre, ihn hat, ohne Schaden zu nehmen, der Schoß der Jungfrau getragen.“ Wenn du auch die andern nicht beachten wolltest, so hättest du doch gewiss den Glauben und die Lehre dieses Mannes befolgen und bewahren sollen, da dich ja das fromme Volk aus Liebe und Sehnsucht nach ihm zu seinem Bischofe gewählt hat. Denn da es dich aus der antiochenischen Kirche zu seinem Priester nahm, aus welcher es auch jenen früher erwählt hatte, glaubte es in dir wieder zu erhalten, was ihm mit jenem dahingegangen war. Haben nun diese alle nicht längst mit prophetischem Geiste alles gesagt, was zur Vernichtung deiner Gotteslästerung gehört? Du rufst, unser Herr und Erlöser sei Christus, nicht Gott; jene aber, er sei Christus der Herr, der wahre Gott. Du lästerst, dass Maria Christusgebärerin, nicht Gottesgebärerin sei; jene leugnen nicht, dass sie Christusgebärerin sei, aber so, dass sie auch erkennen, sie sei Gottesgebärerin. Nicht nur der Inhalt ist deinen Lästerungen entgegengeset, sondern auch der Ausdruck desselben, damit wir klar einsehen, es sei längst von Gott gegen deine Lästerungen eine unerstürmbare Wehr ausgerichtet, welche mit der bereitstehenden Mauer der Wahrheit die einst kommende Macht des häretischen Augriffes brechen sollte. Und du nun, der du die herrliche Stadt so ruchlos und schamlos befleckst und das katholische, heilige Volk so schwer und tödlich ansteckst, du wagst es, in der Kirche Gottes zu stehen und zu reden und mit deinem lästernden und wütenden Geschrei Priester von stets unvsehrtem Glauben und katholischem Bekenntnisse herabzuwürdigen als sei das Volk der Stadt Konstantinopel durch den Fehler früherer Lehrer in Irrtum! Du also bist der Meister der frühern Bischöfe, du der Richter der alten Priester, du ausgezeichneter als Gregor, bewährter als Nektarius, vortrefflicher als Johannes und als alle Priester der orientalischen Städte, welche, wenn auch nicht denselben Ruhm wie die genannten, so doch denselben Glauben hatten? Und das genügt ja für diese Sache; denn wenn es sich um den Glauben handelt, so sind alle in dem, worin sie die Genossen der Besten sind, den Besten auch gleich.

Er beweint nun den Fall der Stadt Konstantinopel wegen des Schlages, den sie von diesem Häretiker erlitten, und ermahnt zugleich die Bewohner, sie sollen in der alten katholischen Religion ihrer Ahnen verharren.

So nehme denn auch ich den Eifer und die Liebe des Schülers für mich in Anspruch, da ich, nach Verdienst niedrig und unbekannt, mir nicht unter den ausgezeichneten Vorstehern der Stadt Konstantinopel einen Platz als Lehrer anmaßen kann. Denn von dem Bischöfe Johannes (Chrysostomus) gottseligsten Andenkens in den hl. Dienst aufgenommen und Gott geweiht, bin ich der Liebe nach dort, wenn ich auch dem Leibe nach ferne weile. Und wenn ich auch nicht durch wirkliche Gegenwart unter diesem mir so lieben und verehrungswürdigen Volke Gottes wohne, so bin ich doch dem Geiste nach mit ihm vereinigt; daher kommt es, dass ich jetzt voll Teilnahme und Mitleid in den Weheruf über den allgemeinen Schmerz ausbrach und, was ich ja allein konnte, durch die träenvolle Klage meiner Schriften dem Elende jener meine Stimme lieh, die gleichsam Teile und Glieder von mir sind. Wenn nämlich nach dem Apostel, sobald ein kleinerer Teil des Körpers Schmerz empfindet, auch der größere mitleidet und mitfühlt: um wieviel mehr muss der kleinere mitfühlen, wenn der größere leidet! Es wäre ja gegen alle menschliche Weise, wenn in einem und demselben Körper der kleinere Teil das Elend des größern nicht fühlen würde, da doch der größere mit dem kleinern mitleidet. Deshalb bitte und beschwöre ich euch alle, die ihr innerhalb des Umfanges der Stadt Konstantinopel wohnet und durch die Liebe zur Vaterstadt meine Mitbürger, wie durch die Einheit des Glaubens meine Brüder seid, dass ihr euch, wie geschrieben steht, trennet von diesem räuberischen Wolfe, der das Volk Gottes verschlingt wie einen Bissen Brot. Rühret nicht an, kostet nichts was immer von ihm kommt; denn alles ist zum Verderben! Geht weg von ihm, trennet euch und rühret den Unreinen nicht an! Gedenket eurer alten Lehrer und Priester, des weltberühmten Gregorius, des durch seine Heiligkeit ausgezeichneten Nektarius, des Johannes in seiner wunderbaren Glaubenskraft und Reinheit! Des Johannes sage ich, jenes Johannes, der nach dem Vorbilde des Evangelisten Johannes wahrhaft ein Jünger Jesu und Apostel war und gleichsam immer an der Brust und Liebe des Herrn ruhte. Seiner, sage ich, seid eingedenk, ihm folget; seine Reinheit bedenket, seinen Glauben, seine Lehre und Heiligkeit! Ja dieses eures Lehrers und Vaters seid immer eingedenk, da ihr ja gleichsam auf seinem Schoße und in seinen Armen aufgewachsen seid! Er war für mich und euch der gemeinsame Lehrer, wir sind seine Jünger und seine Schüler. Seine Schriften leset, seine Unterweisung haltet fest, seinen Glauben, sein Verdienst umfasset! Wenn es auch etwas Großes und Schweres ist, dieses zu erreichen, so ist es doch schön und erhaben, darnach zu trachten. Denn in den höchsten Dingen ist nicht nur das Erreichen, sondern auch schon das Streben lobenswert, weil man fast nie ganz ohne Anteil an dem ist, wonach man sich bemüht emporzusteigen und zu gelangen. Jener also soll euch immer im Sinne und gleichsam vor Augen sein; in eurem Fühlen und Denken soll er bleiben, und gerade er soll euch auch das, was ich hier geschrieben habe, annehmbar machen; denn er hat es mich gelehrt, und so sollt ihr es nicht sowohl als mein, sondern als sein Eigenum ansehen, weil der Bach durch die Quelle besteht und, was immer dem Schüler zugeschrieben werden kann, auf die Ehre des Meisters zurückgeführt werden muss. Dich aber, o Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus bitte ich vor allem und über alles mit flehendem Munde und Herzen, dass du das, was ich durch dein Gnadengeschenk geschrieben habe, durch die Gabe deiner Liebe wollest den Seelen nahe legen! Und weil du, wie uns der Herr, unser Gott, dein Eingeborener, selbst gelehrt hat, diese Welt so liebtest, dass du deinen Eingeborenen für ihr Heil hingabst, o so gib diesem deinem Volke, welches du erlöst hast, dass es in der Menschwerdung deines Eingeborenen deine Gabe und seine Liebe erkenne, und dass alle die Geburt, das Leiden und die Auferstehung deines Eingeborenen, unseres Herrn und Gottes so einsehen und lieben, dass die Herablassung seiner Majestät eine Erhöhung unserer Liebe sei! Möge doch in keinem Gemüte seine Erniedrigung eine Verminderung seiner Ehre zur Folge haben, sondern stets eine Vermehrung der Liebe bewirken! Mögen wir alle die Wohltaten deiner hl. Barmherzigkeit mit solcher Frömmigkeit und Weisheit einsehen, dass wir erkennen, wie viel mehr wir unserm Gotte schulden, je mehr er uns zu Liebe von sich selbst herabgestiegen ist!

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