Reden des (Katholikos) Johannes Mandakuni

Von Johannes Mandakuni (499)

Unterweisungen über das Bekenntnis eines sündhaften Lebens.

Jene, die sich sehnen nach dem Heiligen Geiste und nach der Liebe Gottes streben, hoffen auf die Ankunft des Sohnes Gottes und verlangen nach unsterblicher Herrlichkeit. Immerfort denken sie an die höhere Welt und sehnen sich fortwährend nach den Freuden des Jenseits. Auf das Vergängliche verzichten sie und schätzen es gering und wachsen Tag für Tag nicht nur in der Wahrheit des Glaubens, sondern auch in tugendhaftem Lebenswandel. Immer sind sie bedacht auf die Heiligung des Herzens, immer bereit zur (Reinigung) Läuterung des Geistes. Wohl wandeln und leben sie in der Welt, aber nicht nach den Grundsätzen der Welt, sondern wie Fremdlinge und Umherirrende und Kinder einer andern Welt fühlen sie sich unbefriedigt und belästigt von vielen Nöten. Sie stärken sich in der Hoffnung auf die (Verheißung). „Wo ich bin, dort soll auch mein Diener sein.“ Das ist die Würde derer, die im Geiste wandeln und die Vergeltung derer, die Gott lieben.

Ich aber bin verwundet von vielen Pfeilen des Bösen, bin besiegt und der Schuld verfallen. Ich bekenne meine Schuld und gebe meine Gottlosigkeit zu erkennen; ich offenbare meine zahllosen Sünden, und leiste für meine furchtbare Ungerechtigkeit Abbitte. Denn die Schmerzen meiner Wunden zwingen mich zu sprechen, und die Unruhe über mein Unglück drängt mich abzubitten, Heilmittel für meine Wunden zu suchen und ein Quellen allzeit meiner Tränen, um dadurch meine Sünden abzuwaschen und meine Wunden zu heilen. Inständig bitte ich darum immerdar, und mit heißer Sehnsucht fort und fort verlange ich nach diesen Klagen des Propheten. Mit seinen Worten möchte ich klagen, unter Tränen möchte ich unaufhörlich meine flehende Stimme in Innigkeit erheben und sprechen: „Wenn doch jemand mein Haupt zu einem Behälter vieler Wasser und meine Augen zu einem reichen Tränenquell machte, damit ich Tag und Nacht, fort und fort trauerte, meine Lasterhaftigkeit bitterlich beweinte, meine Bosheit abwendete, die Menge meiner Ungerechtigkeiten beweinte, immerdar ob meiner Sünden klagte, fortan ob meiner unermeßlichen Vergehen seufzte, meine unberechenbare Uneinigkeit laut beklagte, den furchtbaren Ruin beweinte und bitterlich klagte ob der Leiden und Qualen. Denn der Stachel meiner Sünden quält (erdrückt) mich fort und fort, und meine schlimmen Taten foltern mich andauernd, wenn ich die unzählbare Menge meiner Sünden betrachte und die Verkehrtheit meiner furchtbaren Laster. Das verzehrt fortwährend meinen Leib und macht meine Gebeine erzittern, zerreißt mein Herz und durchwühlt meine Eingeweide und meine Seele erbebt vor Furcht und lähmt fort und fort alle meine Glieder. Denn, in den Schmerzen meiner Wunden bange ich und mein entsetzter Geist verhärtet sich; da ich wohl das Gute kenne, aber das Böse tue; kenne die Gerechtigkeit, tue aber die Ungerechtigkeit, ich rede von Rechtschaffenheit und denke an Lasterhaftigkeit; erscheine rein nach außen, stürze mich aber in Unreinigkeit; ich kenne die Wahrheit, huldige (folge) aber dem Irrtum; ich sehe das Licht, sehne mich aber nach Finsternis.

Wer aber wird mich beweinen, oder wer wird mich beklagen, mich, der ich den Tod der Sünde gestorben bin und verdorben durch die Lasterhaftigkeit, hinabgestürzt in den Abgrund der Finsternis und in die Tiefen der Gottlosigkeit? Denn meine Missetaten quälen mich, und es tötet mich meine Unreinigkeit. Wie soll ich also weinen oder die Menge meiner zahllosen Sünden beklagen, nachdem ich krank geworden bin in meinen Vergehen und Schmerzen leide infolge meiner Trägheit? Unsterblichkeit wurde mir versprochen, ich aber verbleibe im Tode; hinauf zum Himmel hat man mich eingeladen, ich aber stürze hinab in den Abgrund der Hölle; er hielt für mich bereit das liebreizende Paradies, und ich erwählte die stechenden Dornen, Leben und ewige Herrlichkeit, und er tötete mich durch meine Sünden. Welche Trauer könnte also hinreichen für all dieses, oder welches Wehklagen und welch tränenvolles Klagen oder welche Gebetsseufzer, welche Bußübungen oder welche Tugendwerke vermöchten meine Wunden zu heilen, denn sie sind zahllos und unberechenbar. Meine Seele erlahmt in Schlaffheit, sie ist niedergeschlagen ob der Menge der furchtbaren Sünden und ohne Tatkraft; sie ist erschüttert und erbebt vor dem unauslöschlichen Feuer der Hölle. Denn wenn ich mich erinnere an den großen Tag des furchtbaren Gerichtes und an die Schrecken des furchtbaren Richterstuhles, dann zittert meine Seele vor Furcht, und mein Geist erstarrt vor Entsetzen. Mein Herz ringt nach Seufzern, und meine Augen verlangen nach Tränen. Die Furcht vor dem schrecklichen Gerichte eifert mich an zur Buße, und die Gaukeleien des Bösen machen mich immer wieder träge. Siehe, von beiden Seiten bin ich bedrängt und verfolgt in allen (Richtungen) Dingen, denn in Sünden verbrachte ich meine Tage, und in Ungerechtigkeit verzehrte sich mein Leben; niemanden habe ich Gutes erwiesen, nie mir Tugend erworben, sondern alle meine Glieder durch meine vielen Vergehen verdorben und zugrunde gerichtet. Meinen Mund habe ich verunreinigt durch Lästerungen und meine Zunge durch nutzlose Worte befleckt; meine Ohren durch Anhörung der Bosheit und meine Augen durch unreine Blicke, mein Herz durch unreine Gedanken, und meine Seele ließ ich immerdar verweilen in unlauteren Gewohnheiten. In keiner Hinsicht bewahrte ich unversehrt meinen Leib und wahrhaft mein Herz; infolge meiner Sünden bin ich in Schmerzen, und infolge meiner Vergehen bin ich in Krankheiten verfallen.

Ich will bereuen und bekennen, aber der Feind hält mich zurück; ich will ein Leben der Buße führen, aber der Feind nimmt mir die Kraft; ich will vor Gott mich niederwerfen, aber der Feind hält mich ferne; ich will inständig flehen und bitten, doch der Feind verhärtet mich; ich möchte seufzen und Ströme von Tränen vergießen, doch der Feind vertrocknet mich; ich möchte wohltätig sein gegen die Armen, doch der Feind erinnert mich an meine Armut; ich möchte mich verzehren in Fasten, doch der Feind erinnert mich an den Verlust meiner Leibeskräfte; ich möchte mich verdemütigen und dem Bruder gehorchen, doch mein Herz verhärtet sich in Stolz; so finde ich also alles, wodurch ich mich von meinen Sünden befreien könnte, vorgelegt als Fallstrick der Bosheit des Feindes.

So bin ich bedrängt von allen Seiten und meine Seele seufzt beständig. Ich zittere vor Schrecken, wenn ich meiner vielen Sünden gedenke und werde verwirrt wegen meiner häßlichen Gedanken. Schaue ich hin auf meine Unreinigkeit, so klage ich in einem fort, und führe ich meine Gottlosigkeit mir zu Gemüte, so befallen mich Schrecken und Unruhe und die Schmerzen der Beängstigung schlagen mich nieder. Denn immer sehe ich die Angst vor dem furchtbaren Gerichte und die Schrecken vor dem drohenden Richterstuhle, vernehme ich den Schall der Trompete und die furchtbare Stimme des Erzengels, das (Wogen und) Flammen des Feuerbrandes und dessen Umsichgreifen auf der ganzen Erde, die Erhöhung der Gerechten und das Zurückbleiben der Sünder; sehe, wie die Sünder sich versammeln und Rechenschaft ablegen über Worte und Werke, sehe das furchtbare Antlitz des Richters und den unerbittlichen Tag des Gerichtes, die schlimme Schmach der Sünde und die bitteren, unaufhörlichen Qualen in alle Ewigkeit.

Ob alldem seufze und weine ich bitter und beklage fort und fort meine Sünden; denn ich schaue die: furchtbar drohenden Schrecken der Hölle und die Verteilung des schrecklichen Unheils (der Strafen). Da hilft kein Reichtum und kein Flehen, dort nützen weder Weinen noch Tränen etwas; nicht (mehr) nötig sind Seufzer und Bitten. Die Gerechten bitten nicht, und die Heiligen legen keine Fürbitte ein für jene, die in Sünden wandelten. Unbekannt bist du den Bekannten, getrennt von den Verwandten; gehaßt bist du von den Geliebten, und Feind bist du den Freunden; allen bist du fremd und fern von allen. Niemand kannst du bitten, und niemand erkennt dich. Du seufzest und weinst flehentlich, aber niemand denkt an dich. Im glühenden Durst frierst du, und niemand hat Erbarmen mit dir. Immerfort brennst du und findest kein Mittel gegen den Brand. Umhüllt von Finsternis stehst du im Feuerofen, vom Dunkel umgeben in der finsteren Hölle, in dunklen Gräben und in der Tiefe des Tartarus, im Pestgeruch und Schlangengewürm; flammendes Feuer von innen, furchtbare Feuerfächer von oben, welche anschwellend im Strudel hinabfluten in die Feuerströme, wo greifbare Finsternis herrscht. Auch kannst du durchaus niemand sehen, denn du bist verhüllt von dunkler Wolke und mitten in die Blitze hineingeschleudert, weinst und klagst du immerfort und beklagst allein die Unruhe, denn in dem furchtbaren Unglück deiner Schmerzen glaubst du, du seist allein in den qualvollen Leiden. Du klagst in einem fort und weinst bitterlich, bist unruhig und trostlos. Pein und Qual und ewiges Leid, fortwährende Schmerzen und erbarmungslose Bedrängnis, unaussprechliche Schmerzen und unvergleichliches Weh, allüberall Verwirrung, allüberall Zweifel. Heulen und Weheklagen ist dort die einzige Sprache. Bitten und Flehen hörst du dort nur und Weinen und Seufzen, Klagen und Bedrängnis. Immerdar Weinen und Klagen, kein Mitleid ist zu finden, sondern in einem fort verzehrst du dich in Qualen und reibst dich fort und fort auf in Bedrängnis mit Tränen und Flehen, auf die aber niemand achtet. Keiner hört auf deine Bitten, denn vorüber ist die Zeit. Dagegen ist hienieden Zeit zum Weinen und Jammern; hier ist Zeit zum Klagen und Seufzen; hier ist Zeit zum Bitten und Wünschen und um Verzeihung zu flehen, hier haben die Tränen einen Wert und die Gebete einen Nutzen; hier ist der Same der Barmherzigkeit und die Frucht der Buße; hier ist die Zeit zu seufzen und um Barmherzigkeit zu rufen.

Laßt uns darum hienieden eintauschen die nutzbringende Bedrängnis des Fleisches für die Qualen der unvergänglichen Strafen. Denn durch geringe Mühe zur Enthaltung von der Welt werden wir uns vor den Feuerflammen und den schrecklichen Blitzen der Hölle bewahren; durch ein wenig Wachen für das Gebet werden wir uns retten vor den überströmenden Feuerbächen; durch ein wenig nutzbringende Trauer werden wir uns erretten von den furchtbaren Flammen und von den Bissen der Giftzähne der Schlangen. Durch Weinen und Seufzen hienieden werden wir uns dort retten vor den bitteren Peinen und der dunklen Finsternis; durch ein wenig Weinen und Tränenvergießen hienieden werden wir uns erretten vor immerwährendem Weinen und beständigem Seufzen dort. Für eine geringe Buße hienieden werden wir uns dort retten vor Finsternis und Dunkel, vor einem bitteren Tode und ewiger Schmach.

Meine vielsündige Seele! Wenn du das alles beherzigest, dann sei nicht träge im Fasten und nachlässig im Gebete! Laß nicht ab von der Reue und zögere nicht mit dem Bekenntnis und werde nicht mutlos in der Bußübung und müde in der Wohltätigkeit. Laß nicht nach zu weinen und ruhe nicht aus vom Klagen. Warte nicht bis zum Ende und vertröste dich nicht auf das mühselige Greisenalter und rechne nicht mehr auf viele Jahre für dich in der Welt und denke nicht: Später tue ich Buße! Der (böse) Feind ist ein Dieb und Betrüger; er betrügt dich und richtet dich zugrunde, indem er dich so zum Aufschub verleitet. Jetzt, sagst du, will ich arbeiten, später will ich Buße tun; in der Jugend will ich ruhen, sagst du, und im Alter büßen; heute will ich leben und lustig sein, sagst du, und morgen will ich fasten; jetzt, sagst du, will ich ausgelassen sein und später sittsam; jetzt will ich sammeln, sagst du, später will ich austeilen an die Armen. — — — —

Das sind die Listen des Feindes, wodurch er uns betrügt und ins Verderben stürzt, indem wir es Jahr um Jahr so machen und die Ausübung des Guten von einem Zeitpunkt auf den andern hinaussetzen.

Lassen wir uns darum durch diese falschen Einflüsterungen nicht betrügen. Ungewiß ist der Tag des Todes, unbekannt der Austritt aus der Welt. Wie Geburtswehen überfällt er dich und du findest keine Zeit zur Reue und zur Buße. Er kommt wie ein Dieb in der Nacht und gibt dir keine Zeit zu weinen und zu büßen; wie das Netz der Vogelsteller ergreift er dich plötzlich und gibt dir keine Zeit zum Weinen, Klagen und zur Wohltätigkeit. Wie ein Löwe stürzt er sich auf dich, brüllt und beraubt dich, und du erreichst nichts mehr. Was wirst du also tun, meine Seele, oder was wirst du anfangen, du, die du an das Gute denkst, es aber nicht übst, Wohltaten spenden willst, es aber verschiebst, die du angeblich bereuen willst, aber nicht wie David dein Lager mit Tränen benetzest? „Asche aß ich“, sagt er; „wie Brot, und meinen Trank mischte ich mit Tränen“. (Alle) Ganze Nächte hindurch klagte er und weinte bitterlich in einem fort. Du bist bereit zum Fasten, gehst aber nicht in Sack und Asche wie die Niniviten, sie sind auch zurückgekehrt von ihren Wegen und von ihren sündhaften Pfaden, die sie eingeschlagen hatten, heißt es. Du möchtest Tränen vergießen und weinen, aber du klagst nicht mit einer Ergriffenheit wie die Ehebrecherin; du willst den Bedrängten Wohltaten spenden, aber nicht wie die Witwe, die alles aufwendete. Der Feuereifer der Buße nun liegt darin, daß jemand weder das Vermögen schont noch mit Anstrengungen den Leib, sondern sich quält, aufreibt und streng ist gegen sich und nur nach Verzeihung der Sünden verlangt und nach der Heilung der Krankheit der Seele; damit werden auch wir unsere Sünden auslöschen und unsere Seelenwunden heilen. Denn durch Fasten und enthaltsames Wachen sind die Sünden zu tilgen; auch durch Gebet und Flehen und innige Bitten sind die Sünden zu tilgen; durch Sack und Asche auch und durch Lager (Liegen) auf der Erde sind die Sünden zu tilgen; durch Weinen und Seufzen und Mitleid mit den Armen sind die Sünden zu tilgen; auch durch Klagen und Seufzen und unablässiges Jammern sind die Sünden zu tilgen; durch Milde, Demut und Gehorsam sind auch die Sünden zu tilgen; durch Armut, Dürftigkeit und Nacktheit sind die Sünden auch zu tilgen; durch gute Werke auch und Wohltun gegen alle sind die Sünden zu tilgen; auch durch Bruderliebe und Gottesfurcht sind die Sünden zu tilgen; durch rechte Unterweisung und Belehrung auch sind die Sünden zu tilgen gemäß dem Worte: „Wer einen abwendet vom Weg des Bösen, errettet seine Seele vom Tode und bedeckt die Menge seiner Sünden.“ Aber auch die wahrhafte Umkehr allein und das richtige Bekenntnis reichen hin zur Rettung und Gerechtigkeit nach dem Ausspruch: „Bekenne zuerst deine Ungerechtigkeit, damit du gerechtfertigt werdest!“

Was hast nun du zu sagen, meine vielsündige Seele, wenn du mit diesen Mitteln nicht geheilt wirst? Darum eile und zögere nicht! Wache auf aus dem bitteren Schlaf, aus deinem Schlummer, kehre zurück von dem verderblichen Wege! Zerstreue die Finsternis deiner Unwissenheit; von deinem törichten Irrtume mache dich frei und gehe in dich! Wirf ab von dir die Schwere deiner Sünden; erleichtere dich von der Last und dem Druck der Ungerechtigkeit! Tilge die zahllose Menge deiner Vergehen, heile die schlimmen Wunden deiner Verletzungen und wasche ab den verpesteten Schlamm der Gottlosigkeit, damit du geheiligt und geläutert an der Seele, geschmückt und helleuchtend am Leibe, frei und freudig hinübergehst zu der Menge der königlichen, gewaltigen (furchtbaren), endlosen Schar, um zu weilen vor dem furchtbaren, großen Richterstuhle Gottes, um von ihm das süße Wort der Seligsprechung zu hören (und) vor der ganzen weltoffenen Versammlung: „Kommet ihr Gesegneten meines Vaters, tretet ein und empfanget die Freuden der himmlischen Güter mit dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste! Ihm sei Ruhm und Ehre in alle Ewigkeit. Amen.

Brief über die Buße.

Die Wurzeln der Heilkräuter der Ärzte (heilen) die Leiden des Körpers, und die Flut der (Buß)-tränen heilt die Seele von den Sündenwunden; besonders gilt das von solchen, die ihre Bußübungen noch unterstützen durch Werke der Barmherzigkeit und des Mitleids gegen die Armen.

Es gibt nun allerdings viele Wurzeln, welche, vermischt in den Heilmitteln der Ärzte, die Leiden vertreiben; einige jedoch erweisen sich am wirksamsten zur Linderung der Schmerzen. So gibt es auch unter (Seelen)arzneien für diese mancherlei asketische Bußübungen zur Reinigung von Sünden; jedoch die Barmherzigkeit gegen die Armen ist geeigneter und wirksamer als alle (andern) Tugendübungen zur Tilgung der Sünden und Heilung der Wunden samt den Klagen, Seufzern und den Tränen des Mitleids.

Zögert darum nicht und verschiebt die Rückkehr und Buße für die Sünden nicht von einem Morgen auf den andern; wartet nicht bis auf den letzten Tag mit dem Almosen der Barmherzigkeit aus euern Gütern gegen den Nächsten. Denn dieser Tag ist ein Dieb, ein Räuber ist der letzte Tag. Unvermerkt kommt der Weggang aus der Welt; er kommt unerwartet und gewaltsam; er gewährt keine Frist zum Bitten und Bestürmen, zum Weinen und Klagen, zur Wohltätigkeit oder zu Bußwerken. Er erfaßt wie ein Fallstrick, raubt wie ein Löwe, und wie ein gefangener Sklave wirst du ohne Erbarmen abgeführt; du magst flehen unter Tränen und bitterlich klagen, du findest keine Hilfe. Denn du hast von einer Stunde auf die andere gezögert und die Zeit zur Buße verstreichen lassen, in welcher du Gelegenheit hattest, deine Sündenlast zu erleichtern, den Unrat der Sünde auszufegen, unter die Schar der Gerechten aufgenommen zu werden, ein Kind des himmlischen Vaters und Erbe der ewigen Güter zu werden.

Laßt uns also eilends Buße tun, sei es aus Verlangen nach den ersehnten Freuden, sei es aus Furcht vor den angedrohten schrecklichen Qualen; häufen wir nicht Lasten auf Lasten und fügen wir nicht fürder Leid auf Leid! Auch soll uns der Teufel nicht durch Einflüsterungen täuschen, als, wir hätten noch lange zu leben; noch soll er uns durch unsere Jugend verführen, als könnten wir im Alter Buße tun. Warten wir doch nicht bis das unerbittliche Ende kömmt und bis man uns erbarmungslos abruft! Nicht wollen wir müßig und träge sein, verdienstlos ankommen! Nein, sühnen wir unsere Vergehen und büßen wir für unsere Sünden. Laßt uns nacheifern dem Starkmut der Starken und den Tugenden der Tugendhaften! Ihr Herz ist ja gereinigt, ihr Verstand erleuchtet, frei von Sünden sind sie und frei von Ungerechtigkeit. Ihr Sinn ist immer nach oben gerichtet, und um das Höhere sind sie ständig besorgt. In ihrem irdischen Leibe führen sie ein Leben wie Engel. Sie haben nicht (erst) Schriften zur Belehrung oder Darbietung von Vorbildern nötig. Denn besser als ein Buch offenbaren sie, worin die Rechtschaffenheit des Geistes1 und die Tugendhaftigkeit der Sitten besteht.

Abgekehrt sind wir vom rechten Wege, fremd sind uns geworden Sitte und Tugend. Verstrickt sind wir ins Netz des Feindes, befleckt vom Kot der Sünden, wir brauchen Belehrung und Unterweisung und die Darbietung von Vorbildern. Vielleicht regt sich in uns noch die Angst bei dem furchtbaren Schrecken des verzehrenden Feuers, vielleicht verstehen wir die Lehre der Vorbilder und Beispiele. Lernen wir aus dem Leiblichen für das Geistige, und ziehen wir aus dem Sichtbaren Lehren für das Unsichtbare! Buße wollen wir üben (bereuen wollen wir) aus Furcht vor den schrecklichen Qualen und aus Sehnsucht nach den unvergänglichen Gütern. Die Buße muß für die Schmerzen der Seelenwunden die Schmerzen der Leibeswunden zum Vorbild nehmen. An einem fort klagt ja der Kranke über die Bedrängnis und Unruhe der Körperschmerzen und immer weint er bitterlich über die unablässigen und heftigen Leiden, beständig seufzt und stöhnt er über die bangen und furchtbaren Heimsuchungen; und so ergreift sein Flehen und Jammern auch die Hartherzigen. Denn bei seinen heftigen Schmerzen und Wunden freut ihn nicht die Liebe seiner Freunde, noch regt er sich auf über die Beleidigungen seiner Feinde. Nicht gedenkt er der Freuden des Lebens, nicht kümmert er sich um Schmuck und Schönheit: Alle Ehren, allen Glanz der Welt verachtet er und hält ihn für nichts in seinen bangen Schmerzen. Er verharrt in seiner Trauer, in seinen Tränen und seiner klagenden Stimmung; er fleht nur inständig in der (unheilvollen) Bedrängnis der Gefahr und viele seiner Verwandten werden zu Tränen und Mitleid gerührt und beeilen sich, Ärzte herbeizuholen und durch Heilkräuter die anhaltenden Schmerzen zu vertreiben. Den Ärzten versprechen sie eine Belohnung und setzen einen Preis aus für Heilkräuter, um die Schmerzen rasch zu stillen.

Und all diese Mühen läßt man sich kosten nur des verweslichen Leibes wegen, der ja doch sterben muß, mag er (jetzt) auch geheilt werden. Was aber sollen wir anfangen angesichts der ewigen Schmerzen des furchtbaren Höllenfeuers, welches bereit steht für unsere so vielfach verwundete Seele, welche beständig an den Sünden leidet und auf dem Krankenlager für das Vergehen der Sünde hingestreckt liegt ohne Heilung. Dabei verletzen und verwunden die Vergehen und Sünden immer mehr und die schmerzlichen Aufregungen der Leiden peinigen auch schärfer. Und trotzdem seufzen und klagen wir nicht, beten nicht beharrlich zu Gott, wir klagen nicht über unsere Sündenschmerzen und waschen uns nicht frei von den Wunden, die uns unsere Vergehen und Sünden geschlagen; wir unterlassen es, unsere Gottlosigkeiten beharrlich zu beweinen und zu beklagen die ewigen, qualvollen Schrecken. Nein, wir häufen Wunden auf Wunden in einem fort und heilen sie nicht durch das Heilmittel der Buße. Wir suchen keinen Arzt auf und erforschen keine Heilmittel. Wir wenden nichts auf, bieten kein Entgelt für die Heilung unserer Wunden und für die unerträglichen Leiden der Ungerechtigkeit. Und schmerzen uns nicht bloß Eingeweide oder der Unterleib, sondern unser ganzer Körper ist bedeckt mit Sündenwunden. Unsere Augen sind verwundet durch lüsterne Blicke; unsere Ohren sind schmerzerfüllt, weil wir unehrbare Dinge mit Wohlbehagen anhören; unsere Zunge ist krank wegen unserer Schmähreden und unseren Schwüren; unser Herz ist verwundet durch die bösen Begierden und unreinen Gedanken; unsere Hände sind krank von Diebstahl und Räubereien; unsere Füße sind krank, weil wir die Theaterspiele aufsuchen und auf unehrbarem Wege uns begeben; unser ganzer Körper ist aufgetrieben durch Sünden und angeschwollen durch Ungerechtigkeit. So sind also alle unsere Glieder erfüllt mit Wunden und Sündenschmerzen, und doch gehen wir nicht zum Seelenarzt und suchen nicht das Heilkraut der Buße. Die Last der Sünden peinigt uns, und doch heilen wir uns nicht durch Reuetränen. Das häßliche Geschwür der Sünden entfernen wir nicht durch Seufzer und waschen den Eiter der Fäulnis nicht ab durch Tränen. Wenn jemand sich hier nicht heilt durch Gebete, Fasten und Werke der Barmherzigkeit, dem steht für das Jenseits das furchtbare Feuer bevor und der unauslöschliche Brand der Höllenflammen. Bereit stehen schon die Fluten der Feuerströme, der Tartarus, die Finsternis und dunkle Nacht; gerüstet sind schon die grausamen Schergen und erbarmungslosen Quäler. Viele Leiden und Unglück, furchtbare Schrecken der Qualen ohne Erbarmen, welche ihrer warten und für sie bereit stehen auf den großen Tag des furchtbaren Gerichtes.

Das alles steht uns also bevor und doch leben wir bequem und behaglich dahin und sündigen furchtlos weiter; wir schwelgen in allen irdischen Gütern und lassen alles sorglos vorübergehen. Wir essen, trinken und schlafen sorglos und erwerben uns vielen überflüssigen Vorrat, gleich als lebten wir (hier) endlos und ewig; nie denken wir an den Tag, nicht an das furchtbare Gericht, nicht an die bittere, ewige Schmach. Ja auch daran denken wir bei alledem nicht, daß wir nach dem Tode etwas zu leiden haben. Auch sind wir nicht immer vorsichtig und furchtsam und achten nicht darauf, daß der böße Feind auf jegliche Weise uns bekämpft, daß er fort und fort im Verborgenen uns angreift und unablässig uns verwundet, ohne daß wir es wahrnehmen. Wir ahnen es nicht und nehmen uns nicht in acht vor seinen verderblichen Geschossen und schmerzlichen Schlägen. Ganz sorglos ergötzen wir uns in allen Vergnügungen und schlafen ahnungslos weiter. So leben wir weiter in unserer Trägheit und Gleichgültigkeit, gleich als gäbe es keine Leiden, keine Hölle, keinen gestrengen Richter, kein unnachsichtiges Gericht, gleich als würden unsere Taten nicht geprüft und unsere Gedanken nicht erforscht, unser Lebenswandel nicht untersucht, unsere unnützen Worte nicht geprüft.

All diese Nachlässigkeiten sind zurückzuführen auf die schlimmen Einflüsse Satans, der uns zeitlebens nachstellt und die Schlinge des Todes bereitet. Denn der Teufel schadet nicht allein durch böse Dinge, sondern auch dadurch, daß er die guten Bräuche in schlechte verkehrt; die rechtschaffenen Künste (Betätigungen), die er bei den Menschen sieht, benützt er zu Schlingen des Todes. Du schlägst etwas für gering an und tust darum keine Buße dafür; er aber bringt dich damit ins Verderben. Er richtet (nämlich) den zugrunde, der aus Heuchelei fastet und seine Abtötung zur Schau stellt; ferner den, der beim Gebet unehrerbietig vor Gott tritt und seine Gedanken umherschweifen läßt, den Barmherzigen, der die Kranken nicht besucht. Er stürzt durch Lehre die Lehrer ins Verderben, die heuchlerisch unterrichten, die nicht mit großer Furcht den Willen Gottes lehren. Zugrunde richtet Satan den Psalmensänger, wenn er sich nicht hütet vor dem schlimmen Laster des Hochmuts, sondern, um gesehen zu werden und von den Zuhörern Lob zu ernten, singt, anstatt Gottes Wort und sein Lob zu verkünden und ihn nicht wie Lobpreisende zu verherrlichen. Zugrunde richtet Satan die, welche die Offenbarungen Gottes, sein Wort und seine Lehre gehört haben, weil sie jene mit Trägheit und Geringschätzung vernehmen. Zugrunde richtet Satan die Arbeit derer, die darüber ungehalten sind, ferner jene, die sich den Faulen gegenüber hoch erheben, indem sie lang und breit von ihrer Dienstleistung erzählen, und allen es zu wissen tun möchten, wie sie unablässig sich abgemüht. Ein solcher Mensch findet aber keine Ruhe wie die Mühseligen, sondern wie die Murrenden und Verworfenen wird er angeklagt. Der Teufel richtet die Reichen zugrunde, die sich nur abmühen, um zusammenzuraffen, nicht aber, um den Armen auszuteilen; sie werden sich durch ihre Güter nicht zu retten vermögen, sondern sie werden als Hartherzige und Geizige verurteilt werden. Zugrunde richtet der Teufel auch die Armen, die jammern und klagen, anstatt Gott zu danken, der sie mit den ewigen Gütern bereichern möchte. Ins Verderben stürzt die Kunstgeübten der Satan auch, wenn sie sich über Gebühr für ihre Arbeit belohnen lassen, oder wenn sie aus Neid und Eifersucht das Talent der Kunst jenen vorenthalten, die sich darum bemühen. Sie werden als solche verurteilt, die das Talent vergraben haben. Ins Verderben stürzt Satan die, welche harte Herrschaft üben und grausamen Herzens das Volk in Schrecken setzen oder eines schönen Gesichtes oder Geschenkes wegen den Gerechten um sein Recht bringen. Er richtet auch die zugrunde, welche der Herrschaft unterstehen, wenn sie nicht wie Diener Gott gehorchen und seine Gebote nicht in Furcht erfüllen. Er richtet die Steuereinnehmer zugrunde, wenn sie mehr fordern als der König befahl, und wenn sie die Bedrängten quälen … und entfachen das Feuer der Hölle.

Auf diese Weise legt der Teufel allen eine Schlinge zum Tode und bringt sie ab von der rechten Ordnung und dem Leben nach Gott. Bös ist die Frucht und schlimm der Lohn dafür; womit sie das Reich zu erlangen suchen, ernten sie Pein. Ja, so sehr blendet sie der Teufel, daß er sie sündigen macht, selbst wenn sie beten, fasten, Almosen geben. Aber trotzdem gaben wir uns keine Mühe, uns freizumachen von der Betäubung Satans, und versöhnen uns nicht mit dem Herrn durch Gebet und Werke der Buße. Denn die Buße vermag, die durch die Sünde Geschwärzten weiß zu waschen, die Befleckten zu reinigen, die durch die Sünde Umnachteten zu erleuchten und die Menge der Vergehungen zu tilgen. Dies weiß aber der Teufel; deswegen macht er sich an den heran, der Buße tun will, und verhärtet ihn, damit er gar nicht mit der Buße beginnen mag. Denn er weiß, daß die aufgewendete Mühe für die Buße versüßt wird, wenn der Anfang gelingt. Darum geht er mit allen Mittel darauf aus, daß wir lässig sind mit dem Beginn der Buße und sie Tag für Tag verschieben.

Da wir nun diese Dinge wissen, wollen wir mit allem Eifer den Anfang machen mit der Buße; denn nur im Anfang erscheint sie lästig (schwer), hernach aber bringt die Anstrengung Freude, wird süß und begehrenswert. Wie beim Beginn des Abc und der Schrift, wer lernen will, sich nicht getraut, die geschriebenen Namen des Buches zu wiederholen, sondern die Namen verstümmelt und zerreißt, dann (nach und nach aber Buchstabe mit Buchstabe verbindet und mühelos die Silbe hervorbringt, so erlangt man auch bei der Buße Gnade durch das Bekenntnis, wenn man nur im Anfang die Geduld bewahrt, und durch die Gnade kommt dem Verstande die Erleuchtung; man fühlt die Furcht vor den Qualen und die Furcht rührt einen zu Tränen und zur Trauer; die Trauer lehrt das Fasten, das Fasten führt zum Gebet. Das Gebet aber ermuntert zur Barmherzigkeit, nach und nach steigt man immer höher von Stufe zu Stufe und gelangt leicht in den Himmel.

Doch wenn du willst, kannst du auch schon durch eines dieser Heiligungsmittel gerecht werden. Viele wurden schon durch ein richtiges Bekenntnis gerettet; viele wieder sind erlöst worden durch Trauer und Klage; viele haben nur in Sack und Asche Buße getan, manche haben sich mit Gott durch Tränen und Seufzer ausgesöhnt; manche haben Buße getan durch Fasten und Gebet; manche haben durch Werke der Barmherzigkeit bei Gott Barmherzigkeit gefunden; manche haben durch Menschenfreundlichkeit dadurch Verzeihung (Buße) gefunden, daß sie den Schwachen in liebevoller Weise Dienste erwiesen; manche haben durch Demut und Gehorsam Verzeihung der Sünden erlangt.

Denn wie es verschiedene Sündenpfade gibt, so sind auch die Heilmittel der Buße verschieden, wodurch du von deinen Sündenkrankheiten vollständig geheilt werden kannst. Nicht durch eine Anzahl von Jahren, nicht durch die Lebenszeit, und wäre sie auch noch so lang, kannst du Rettung finden, sondern allein dadurch, daß du aufrichtig umkehrst und dich von Herzen vom Laster lossagst.

Das wissen wir nun alles, darum wollen wir Buße tun für unsere Sünden und Sühne leisten! Denn die unreinen Sünden werden nicht nur am furchtbaren Tage uns verdammen, sondern hier schon quälen sie uns infolge der Lastertaten durch die Gewissensbisse, durch die Furcht vor den Menschen, die einen im Geheimen beschleicht, durch den Verdacht bei Bekannten, durch die Scham vor den Freunden, durch die Verachtung, bei den Feinden, durch die Drohungen der Richter, durch die Furcht vor den Fesseln und den Strafen, durch die Androhungen (den Tadel) der Gebote Gottes und durch den Schrecken vor den furchtbaren Peinen. Wer aber ist erst imstande, hinüberzugehen und dann die ewigen, unerbittlichen Leiden und Qualen zu schildern, die sie dort leiden durch Feuerqual während sie sich in Schmach und Schande verzehren.

Aber auch an den Früchten der Buße erfreust du nicht allein im Himmel, sondern erntest sie hienieden schon durch hundertfältige Freude, durch Freiheit von Sorgen, durch das Lob der Gesetze, durch die Freude eines guten Gewissens, weil du sein kannst ohne Scheu vor den Menschen, weil du nicht verdächtig wirst bei Bekannten, nicht getadelt von den Feinden, nicht beschämt vor den Freunden, weil du unerschrocken sein kannst auf öffentlichen Plätzen, ohne Furcht vor den Richtern, frei bist der Strafen, ist dir beschieden ein frohes Leben, ein süßer Tod, die Hoffnung auf die ewige und ersehnte Glückseligkeit. Wer aber wäre imstande, erst die Freuden der unaussprechlichen Wonne und Seligkeit dort oben zu schildern?

Wohlan! Das ist der Lohn für die Gerechtigkeit, das ist die Frucht der Buße. Darum scheue dich nicht, dich Bußwerken zuzuwenden nach der Menge der Sünden! Zu Gott allein nimm deine Zuflucht. Er ist nicht Richter, sondern Arzt, nicht der tötende Henker, sondern der zärtliche Vater. Er kommt dir entgegen wie dem verschwenderischen Sohne. Er fällt dir um den Hals, der du dich zur Buße bekehrst. Augen und Mund küßt dir der himmlische Vater. Das erste Kleid der Unschuld läßt er dir anlegen, mit Schuhen rüstet er dich aus gegen ein zweites Gift des Feindes. Beim Opfer genießest du vom Leib des Gottessohnes; mit dir freuen sich beim Opfer die auserwählten Diener und alle Heiligen singen und jubeln, weil du von der Ausschweifung dich wieder abgewandt hast. Darüber war das erste Volk, das mit Beschneidung berufene Volk ein wenig erstaunt, eiferte dagegen und wollte an dem Freudenopfer des Gottessohnes nicht teilnehmen, als bei ihm der wesenhafte Gott im Fleische erschien, um den Juden, der an den Vater glaubte, zu ermahnen zum Glauben den bußfertigen Heiden zu rufen und sich zu freuen über die Rückkehr des verschwenderischen Bruders und so beide gemeinsam teilzuhaben am Opfer des Gottessohnes und erben den Genuß der ewigen Güter mit dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, dem Ruhm und Ehre sei in alle Ewigkeit.

Unterweisung über die Tugendübung des Fastens.

Ratsam, nützlich und wichtig ist die Übung des Fastens und die Bewahrung vor Unmäßigkeit, ganz besonders, wenn man sich mit Freiheit und Überlegung dazu entschließt und richtig erkennt, welchen Gewinn die Beobachtung des Fastens bringt. Solche, welche dasselbe nicht beobachten, müssen aber aus den (sichtlichen) Dingen erkennen, wie rein die Mäßigkeit macht und wie verderblich die Überfüllung des Leibes wirkt. Man weiß (ja), daß, wie trockene Felder keine verschiedenartigen Pflanzen treiben, so auch der abgehärtete, ausgetrocknete Leib keine unreine Gedanken anregt. Wie aber die feuchte Erde allerlei Kräuter (mächtig) hervortreibt (und trägt), so erregt auch das Fleisch beständig unreine Gedanken, wenn es durch reichliche Speisen verzärtelt ist; ja, die feuchte Erde zeitigt Würmer, und ein gefräßiger Bauch die Laster der Unlauterkeit. (Denn) Wer an Leckerbissen sich ergötzt, läßt auch seinen Gedanken freien Lauf; wer sich dagegen mit etwas wenig Nahrung begnügt, der beherzigt die Qual des Hungers; ein fetter Leib bringt keine guten Gedanken hervor, dagegen das Fasten bedeckt die Sinne des Leibes mit einem Mantel (Hülle). Wer dem Bauche frönt, kann unmöglich ein treuer Diener Gottes sein. Solche dagegen, die durch Fasten sich vergeistigen (verfeinern) und sich läutern, diese läutern sich nicht allein von den Befleckungen und der Sündhaftigkeit, sondern führen den heiligen Gott selber in die Wohnung ihrer Seele ein.

Das ist die Bedeutsamkeit des Fastens und der Tugend der Enthaltsamkeit, daß sie alle Glieder des Leibes zügelt und die ungeordneten Leidenschaften und die unreinen Gedanken bezähmt und gar häufig den Anschlag der bösen Feinde, die darauf ausgehen, die reinen Herzen zu verwirren (betören) und zu verunstalten, vertreibt. Wie mit eisernen Sehnen festigt das Fasten, erhält die Tugend und gute Sitte und die Kraft des Glaubens; ein fester Turm gegen den Feind ist es und eine sichere Burg gegen die Pfeile Satans. Weil die Tugend des Fastens (der Enthaltsamkeit) für unsere Natur so wichtig ist und viele Fehler durch demütiges Fasten gebessert werden, darum wappnete Gott gleich bei der Erschaffung des Menschen unsere Natur durch ein Fastengebot und gab so dem ersten Menschen als erstes Gebot das Gesetz des Fastens: (nämlich) nicht von dem Baume zu essen. Hätte er das Fastengebot beobachtet, dann wäre sein Anteil ein müheloses, unsterbliches, sündenloses Leben gewesen und im Himmel die Himmelsgüter. Und viele, die das Fasten treu beobachteten, blieben von manchen Heimsuchungen verschont.

Dank (dieses) dem gehorsamen Fasten blieb auch der große Daniel verschont von den Zähnen der Löwen; denn sogar die (Raub)tiernatur scheute sich, dem heiligen Leibe des Fastenden sich zu nahen. Dafür, daß er selbst sich hütete, dem Tische des Königs sich zu nahen, der durch unreine Opfer beschmutzt war, scheuten sich auch die wilden Tiere, dem heiligen Leibe des Fastenden sich zu nähern. Auch die drei Jünglinge wurden durch das treue Fasten aus der lodernden Flamme errettet; sie bezähmten das leidenschaftliche Verlangen nach Speise und begnügten sich mit ein wenig Linsen; während nun innen der erfrischende Tau die Fastenden labte, verstärkte sich außen die lodernde Flamme gegen die Ausschweifenden und tötete alle in der Umgebung von neunundvierzig Ellen.

Gerade durch das Fasten wurde auch die reichbevölkerte Stadt der Niniviten gerettet; denn sie ließen ab von aller Ungerechtigkeit und von den Wegen der Schlechtigkeit; in Sack und Asche lenkten sie die schweren Drohungen des göttlichen Zornes von sich ab; sie schonten sich nicht und quälten sich durch Fasten und Bittgebete, durch Schluchzen, durch Jammern und Weinen; so verschonte sie Gott an Seele und Leib.

Auch Moses erlangte durch das gleiche Fasten die Gesetzestafeln Gottes. Denn durch das vierzigtägige Fasten reinigte er sich und würdigte sich, dem Makellosen zu nahen und von Mund zu Mund mit Gott zu sprechen wie mit einem Freunde.

Durch eben dieses strenge Fasten heiligte sich auch Elias, der Thesbite, und er öffnete und schloß mit seines Mundes Wort den Himmel und ließ Feuer vom Himmel fallen.

Was soll ich noch von der Tugend des Fastens weiter sagen? War es (das strenge Fasten) doch selbst für den Leib des Herrn notwendig, der doch sündelos und makellos ist: nur um für uns ein Vorbild zu sein. Auch unsere Vorfahren (Altväter) erstarkten dadurch in der Tugend und offenbarten im menschlichen Leibe ein Leben der leiblosen Engel. Den irdischen Wünschen erstarben sie auf der Erde und lebten mit der Seele im Himmel. Sie bewahrten sich rein vor den vergänglichen Sinnesgenüssen, um unvergängliche Güter zu erben; von Haus und Besitz trennten sie sich, sie erduldeten viele Prüfungen und mancherlei Pein. In Hunger und Durst und ärmlicher Kleidung übten sie Abtötung: manche unter ihnen begnügten sich allein mit Pflanzenkost, manche nährten sich nur von Früchten. Manche aßen die Schosse der Baumzweige und die Wurzeln der Kräuter. Manche begnügten sich mit etwas Gemüse, manche mit drei Unzen Brot von Zeit zu Zeit, manche mit dem vierten Teil eines Brotes, manche mit dem sechsten; manche bereiteten sich Speise aus Kornkleie; manche stillten ihre Hungerqual nur mit dem Futter für die Schweine. Manche hielten die tägliche Teilnahme an der geistlichen Speise genügend für die Bedürfnisse des Leibes; dagegen war in ihnen die Lust nach jeder anderen Speise erstorben. So genossen manche nur von Zeit zu Zeit etwas, manche erst nach drei, manche nach sieben Tagen; bei manchen währte es noch länger, bis sich bei ihnen der Gedanke an Speise wieder einstellte. Auch das (Wenige) aßen sie nur nach bestimmtem Gewicht und tranken das Wasser nach bestimmtem Maß. Beständig seufzten sie und beteten und verherrlichten Gott; ganze Nächte verbrachten sie in Tränen und Schluchzen; durch inständiges Gebet und Seufzen versöhnten sie Gott. Manche umgürteten sich mit Stricken und so schliefen sie. Manche durchwachten stehend die Nacht; manche setzten sich nur ein wenig, manche hielten bis zum Morgen die Hände ausgebreitet; manche (beugten) den Hals und harrten so aus bis Tagesanbruch, manche verfaßten lange Gebete. Manche redeten nichts, sondern beteten nur Psalmen; manche redeten nur, wenn sie gefragt wurden; manche sprachen bloß, wenn es sich um den Nutzen ihres Freundes handelte, unter ständiger Arbeit und Gebet verbrachten sie den Tag; um sich geistliche Unterweisung zu verschaffen, machten sie weite Wege, ihre Feinde liebten sie wie Freunde; in ihrer Demut schätzten sie ihren Nächsten höher als sich, gehorsam gingen sie sogar ins Feuer und traten wilden Tieren entgegen; sie boten sich zum Dienste an für ihre Mitmenschen und fristeten mit ihrer anhaltenden Arbeit das Leben der Armen und Kranken. Durch Mäßigung (hielten) sie ihren Leib in Gewalt und legten dem Geiste Zügel an. So pflegten sie durch mancherlei und vielfache Abtötung die Tugend des Fastens.

Denn das alles ist die enge Pforte und der steile Weg, der zum ewigen Leben führt. Kraft dieser Läuterung und des echten Fastens konnten sie Zeichen und Wunder wirken, Teufel austreiben, Kranke heilen, Tote auferwecken, über das Wasser laufen, den Lauf der Sonne zum Stillstand bringen, ja noch viel Größeres als das hat das strenge Fasten schon vollbracht. Denn wenn die heiligen Vorfahren sich Gott nähern wollten, dann läuterten sie sich vorerst durch Fasten. Dann nahten sie dem Reinen und durften Gott schauen. Wer aber dem Fasten aus dem Wege geht, der verliert die Gnade und verdirbt sich durch allerlei Unglück. Siehe, Adam vernachlässigte die Pflicht des Fastens und kam vom Paradies auf die dornige Erde. Die Zeitgenossen des Noe vernachlässigten die Übung des Fastens und fanden den Tod in der allgemeinen Flut durch Ertrinken. Das jüdische Volk ließ ab vom Fasten, und gerade die Vornehmen unter ihnen mußten sterben. Die Bewohner von Sodoma vernachlässigten das Fasten, und ein Feuerregen ging nieder über ihren Stätten. Alle die, welche über das Fasten lästerten, lästerten über Gott und gingen seiner Erbarmung verlustig.

Doch müssen auch die, welche das Fasten beobachten, eine richtige Auffassung davon haben. Denn der Teufel sucht auch solche, die fasten, zu verderben, dadurch nämlich, daß er sie veranlaßt, über Unenthaltsame zu lästern, sich über andere erhaben zu zeigen oder die Speisen selber als unrein zu betrachten, oder dadurch, daß er fastet unter Heuchelei, wie wenn einer vor den Augen der andern sein strenges Fasten verbergen wollte, um nicht eitel und heuchlerisch zu erscheinen, und doch wünschte, daß seine Enthaltsamkeit von den andern gerühmt werde, oder wenn gar niemand darauf achtet, er wenigstens im Verborgenen sein Fasten zu vergrößern sucht, damit sie seine Geduld bemerken und bewundern.

Derartiges Fasten jedoch macht nicht heilig und nicht gerecht, vielmehr befleckt es (den Menschen) und stürzt (ihn) ins Verderben.

Wenn man aber nur in den Speisen Abbruch tut, sonst aber seine Glieder nicht im Zaume hält, dann ist diese Mühe eitel und lächerlich. Hievon sage ich dies: Törichte Gedanken und teuflische Gesinnung hegt einer, wenn er seine Zunge nicht zügelt, seine Augen, seine Ohren, seine Gedanken und seinen Geist nicht im Zaume hält, wenn er Haß gegen den Nebenmenschen trägt, wenn er seinem Bruder grollt oder wenn er gegen jemand nur Liebe heuchelt, wenn er sich nicht herabläßt, seinem Mitmenschen einen Dienst zu erweisen, wenn er nach Ehre oder Macht sich sehnt und dabei glaubt, er faste. Das ist kein demütiges Fasten, sondern eine Täuschung und Heuchelei; eitel und nutzlos ist es und verbrennt im Feuer und zerrinnt im Wasser beständig. Die Würmer verdarben es und die Diebe stahlen es und entführten es ihm; nichts hat ihm das Fasten und Ringen genützt: nur gestraft wird er und muß büßen. Denn für das heuchlerische Fasten wird er bestraft und vor dem gerechten Gerichte wird er verurteilt und in dem Feuer des Glühofens gequält; ein schwereres Urteil wird über ihn ausgesprochen als über die Unmäßigen und Trunkenbolde; hielt er doch den allwissenden Gott für unwissend in seiner verderblichen (Frömmelei) und Heuchelei.

Andere gibt es wieder, die beeilen sich, sich zu waschen, zu salben, den Magen und Leib zu füllen durch vieles unmäßiges Essen und Trinken, wenn sie sich anschicken zu fasten; hernach aber gehen sie daran, zu fasten. Welchen Namen aber sollen wir solchen (Menschen) geben? Sollen wir sie Enthaltsame nennen, da sie doch Trunkenbolde sind? Nüchterne, da sie doch unmäßig sind im Essen? Abgetötet, während sie schwelgen im Genuß? Unmöglich kann man doch im Schmutz die Reinheit finden und durch die Sünden zur Gerechtigkeit kommen; noch erwirbt sich die Jungfräulichkeit jemand durch Unzucht oder durch Schwelgerei und Trunksucht die Heiligkeit des Fastens. Denn wenn jemand zuerst unkeusch war, so kann er hernach nicht keusch sein; ebensowenig wird einer zur Reinheit und zum Fasten sich ermannen, der zuvor ein Schlemmer und Wüstling war. Denn unmöglich ist es für den Unkeuschen, jungfräulich zu sein und für den, der dem Trunke sich ergibt, enthaltsam und abgetötet zu sein. Nur durch keusche Jungfräulichkeit erlangt man die Krone der Jungfräulichkeit und nicht (aber) durch Unzucht; den Lohn für das Fasten erlangt der Enthaltsame durch Fasten, nicht durch Trunksucht, Schlemmerei, Völlerei und Trinkgelage.

Es gibt dann wieder manche, die nennen die vierzigtägigen Fasten die „leichten“, den einen Teil an den Samstagen nennen sie die „strengen“, an diesen festigen sie sich und töten sich ab im Streben nach Heiligkeit; an den andern dagegen, die sie die „leichten“ nennen, lockern sie das strenge Fasten und essen unbekümmert ganz feine Speisen und lösen das heilige, wertvolle vierzigtägige Fasten ab durch Unmäßigkeit.

Dieses „strenge“ vierzigtägige Fasten hat der Sohn Gottes unseretwegen beobachtet, um uns ein Beispiel zu geben; er nannte es aber dort nicht das „leichte“. Auch Moses hat das gleiche vierzigtägige Fasten auf dem Berge beobachtet, auch er nannte es dort nicht das „leichte“. Dieses vierzigtägige Fasten beobachtete auch Elias in der Wüste auf einem Berge, und auch er nannte es dort nicht das „leichte“. Diese vierzigtägigen Fasten müssen auch wir voll und ganz beobachten, trotz (?) unserer Schwäche Tag für Tag, und es geht nicht an, daß wir das vierzigtägige Fasten das „leichte“ nennen und die Strenge des heiligenden Fastens lockern. Denn von Anfang bis zu Ende bietet das Fasten (geistlichen) Genuß, wenn man entschlossen ist, sich abzutöten und enthaltsam zu sein. Wenn man dagegen das Fasten durch Unmäßigkeit bricht, dann bricht man nicht das „leichte“ sogenannte „Apaghos“; sondern das strenge Fasten. Denn das „leichte“ wird es nur von den Trägen und den Unvollkommenen genannt, nicht von denen, die Selbstbeherrschung und Enthaltsamkeit üben.

Indes, das Fasten verdankt seinen Namen nicht allein der Enthaltung von Speisen, Fasten nennt man es auch, wenn man sich frei macht von der Sünde; Fasten ist es auch, wenn man schweigt, wenn man nicht redet außer im Notfall und auf Befragen; Fasten sind auch Armut und Dürftigkeit; (das Verzichten auf Überfluß). Ein Fasten ist es, wenn man sich nicht in Sorgen verliert um den Überfluß, sondern nur sucht, was für den Tag notwendig ist. Ein Fasten ist es sodann, wenn man aus Bescheidenheit an seinem Platze bleibt und nicht eitel herumstreicht aus Lüsternheit, um sich zu zerstreuen und seine Begierlichkeit zu befriedigen. Ein Fasten ist es ferner, wenn man sich abtötet, sich selbst verdemütigt, sich nicht wäscht (?) und salbt. Fasten ist es auch, zur Kleidung nur mit einem Büßerhemd sich zu begnügen gegen die Not der Nacktheit und der Kälte. Ein Fasten ist es auch, die Augen vor der Unlauterkeit zu schließen und ebenso die Ohren, um nichts Unziemliches hören zu müssen, das Herz zu bewahren vor unreinen Gedanken. Ein Fasten ist es, sich nicht Ehre und Macht zu sammeln, nicht zu zürnen, nicht zu lärmen, nicht neidisch zu sein, keine Rache für seine Person zu suchen, nicht darauf auszugehen, sich in den Augen der Nächsten als heilig hinzustellen. Ein Fasten ist es (sodann), nicht geizig zu sein, nicht zu schmeicheln, nicht stolz zu sein auf seine Kleider. Fasten ist die Tugend der Demut und des Gehorsams. Ein Fasten, jedermann mit aufrichtigem Herzen zu lieben. Ein Fasten, der Natur den Tribut des Schlafes nur dann zu zahlen, wenn es unbedingt notwendig ist und (Verlangen nach Schlaf nicht zu haben), den sinnlichen Schlaf nicht zu befriedigen, sondern nur den ersteren und, sobald man aufgestanden ist, zu arbeiten oder zu beten.

All das sind Arten zu fasten, ja sie sind noch wertvoller als der Abbruch von Speisen. Hierin und in Ähnlichem muß man zur Zeit des Fastens Abbruch tun. Dann ist auch der Abbruch von Speisen (angenehm). Doch auch der Abbruch von Speisen ist nicht bei allen der gleiche, sondern richtet sich nach dem Vermögen des einzelnen: manche beobachten einen Tag Enthaltung, manche zwei, manche drei, manche sieben, soweit es die Kraft eines jeden zuläßt. Manche begnügen sich mit einfachem Mangold, manche nur mit Kräutern; manche mit wenig Brot, manche mit viel und nahmen dazu noch einfache Suppe. (?) Manche enthielten sich des Weines, manche der Suppe, manche andere des Brotes. Die delikaten und süßen Speisen hielten sie fern und verschmähten sie, sie begnügten sich mit etwas Speise und mit einfachem Brot, nur um das Leben zu erhalten, nicht um ihren Leib das zuzuführen (Fleisch und Blut das zuzufügen), was die böse Begierlichkeit nährt: wenig aßen sie, wenig tranken sie, wenig schliefen sie, unablässig beteten sie. Aber besonders wichtig ist es, daß du das, was du an Fasttagen deinem Leibe versagst, den Armen zukommen läßt, daß du hungerst und der Hungrige gespeist werde, damit (endlich) deine Sünden getilgt werden. Das ist heiliges und gottgewolltes Fasten, dadurch wird alle Strenge und Abtötung angenehm, so heilt das Fasten alle Sündeverwundeten, es rettet die Gefangenen Satans, es hebt auf die der Gottlosigkeit Verfallenen, es richtet auf jene Kranken an Lasterhaftigkeit, es heiligt die durch Unzucht Beschmutzten, es erleuchtet die in Bosheit Verfinsterten, es läutert und rechtfertigt jene, welche fasten, von jeder Sünde, es erfüllt die Seele mit leuchtendem Glanze vor dem furchtbaren, lichtstrahlenden Throne Gottes. Durch das Fasten erbt man die ewigen Güter, die Glückseligkeit in Christus Jesus, unserm Herrn. Ihm sei Ruhm in Ewigkeit.

Über das wohlgefällige und nicht wohlgefällige Gebet.

Laßt uns aufmerksamen Sinnes betrachten die Worte der Rede, und das Unsichtbare aus dem Sichtbaren erkennen; einen Blick wollen wir werfen auf das Leben und den furchtbaren Schrecken der Übeltäter, wenn sie stehen vor dem Richter in der Schmach ihrer Sünden; schauen, wie ihr Antlitz verwirrt und erblaßt ist, wie sie zittern und beben, wie sie von Schrecken erfaßt werden aus Furcht vor dem Antlitz des Richters, wie sie gesenkten Hauptes mit niedergeschlagenen Augen, mit gelähmter Zunge vor ihm stehen. Wenn sie (schließlich) Mut fassen, eine Bitte oder einen Wunsch vorzutragen, stammeln sie mit furchterregtem Herzen und zaghafter Stimme im Tone des Kranken. Unter vielem Flehen bringen sie ihre bedrängten Bitten vor; sie weinen, bitten und flehen, damit sie den Richter zum Erbarmen und Mitleid bewegen, sie zu bewahren vor den Strafen für ihre Vergehen. Nach nichts Anderem geht ihr Sinnen, nach nichts Anderem ihr Auge, nach nichts Anderem ihr Ohr. Und wenn dann der Richter zu ihnen spricht, können sie ihr Angesicht nicht mehr abwenden oder mit einem aus den Dienern sprechen, sondern sie schauen mit großer Ehrfurcht nur auf den Richter, um ihn zu bitten und zu bestürmen, die Peinen für ihre Vergehen ihnen zu erlassen.

Müssen nun wir nicht mit noch weit größerer Ehrfurcht vor den furchtbaren, großen Richter hintreten, mit großer Furcht, mit schauderndem Beben hintreten vor das Angesicht Gottes und mit trauernden Seufzern und weichlichen Tränen (ihn) um Verzeihung bitten? Nicht anderswohin dürfen wir unsern Sinn lenken, nicht anderswohin unsere Gedanken, nicht anderswohin dürfen wir unser Gehör, nicht anderswohin unsere Augen wenden, wenn jemand von uns Gott bittet und zu ihm fleht wegen seiner Vergehungen und Sünden. Denn durch die Seufzer und das Schluchzen werden wir den Herrn uns versöhnen und ihn zum Mitleid für unsere Bitten geneigt machen, auf daß er unsere Sünden tilge und uns läutere von unserer Ungerechtigkeit, uns errette von dem furchtbaren Unheil, von den Qualen und der ewigen Schmach durch unser Bitten und Flehen und durch die Glut des mitleidigen Herzens.Denn viele haben durch das Gebet viele Güter erlangt und wurden wohlgefällig vor Gott; dadurch erlangen sie Verzeihung ihrer Sünden und die Rettung ihrer Seele. Wenn sie gar unter Tränen gebetet haben und mitleidig gegen die Armen gewesen sind, erlangen sie nicht nur Verzeihung für ihre Sünden, sondern auch Befriedigung für die Bedürfnisse des Leibes und die Güter des Himmels. Denn das Gebet ist der Arm des Betenden und die Hand, welche die Füße Gottes erfaßt und ihn sofort den Bitten des Beters geneigt macht. Denn Gott will und verlangt sehr das Flehen der Beter: „Bittet, so wird euch gegeben werden, suchet, und ihr werdet finden.“

Darum müssen alle, die mit Sünden beladen sind, die von Leiden gequält, von Feinden verfolgt, von Schmerzen gepeinigt, ohne Unterlaß flehen und bitten in inständigem Gebet. Denn Menschen, die einmütigen Geistes (Sinnes) und mit aufrichtigem Glauben zu Gott beten und um Gutes beten, erhalten alles Erbetene, wie es unsere Vorväter erhalten haben. Sollte aber jemand einwenden: „Ich flehte und erhielt nichts, ich betete und empfing nichts“, so hast du nicht mit der Inständigkeit gebetet wie die Witwe vor dem ungerechten Richter, oder wie der Freund, der mitten in der Nacht um Brote bat; er erhielt sie nicht wegen der Freundschaft, sondern seines dringenden Bittens wegen. So erhielt auch Anna, bekümmert in sich selbst, durch Tränen und inständiges Gebet den Samuel. So rief auch das Volk in den Tälern der Trauer unter Tränen zu Gott, und er erweckte ihnen auf die heißen Bitten und das Flehen hin den Gedeon und rettete Israel.

Wegen der Tränen und auf das Gebet hin wurden dem Ezechias noch weitere fünfzehn Lebensjahre hinzugefügt. Darum wirst auch du erhört werden, wenn du ebenso unter Tränen und von ganzem Herzen zu Gott betest und nicht zweifelst.

Es ist unnötig, daß man beim Gebete viele Worte macht. Der Zöllner sprach nur ein Wort aus, und sein Gebet ward wohlgefällig, er erleichterte sich die viele Zentner gleiche Last (viele Talente schwere Last) der Sünden. Und Moses betete mit lautlosem Mund undteilte dadurch das Meer bis zum Grund. Und auch du wirst das Meer der Sünden allein austrocknen und die Wogen seines Zornes stillen, wenn du von ganzem Herzen betest. Denn erhaltet ihr von Gott nichts, so kommt es daher, daß ihr nicht inständig und nicht von ganzem Herzen betet oder weil ihr um etwas Schädliches betet. Wenn ihr aber unablässig um das betet, was den Seelen frommt, ist es unmöglich, daß ihr nichts von Gott erhaltet. Siehe, durch das Gebet hat Elias den Himmel verschlossen und auf getan; durch das Gebet hat David das Schwert des Engels zur Ruhe gebracht; das Gebet des Jonas förderte ihn lebend aus dem Bauche des Fisches hervor; das Gebet der Kananäerin hat den bösen Feind aus ihrer Tochter ausgetrieben. Das Gebet hat die Unreinen gereinigt, die Kranken geheilt, die Aussätzigen gereinigt, die Blinden erleuchtet, die Sünder gerechtfertigt.

Das alles sind Beispiele von wohlgefälligem Gebet; wenn du willst, kannst du darnach handeln und dich damit frei machen von dem Kerker der Sünde und dich lösen aus den Banden des Teufels!

Rufe nur inständig unter Tränen zu Gott, so wirst du dir erleichtern die Last der Gottlosigkeit, die Schmerzen der Ungerechtigkeit stillst du und heilst die Krankheit der Vergehen. Bete nur von ganzem Herzen zu Gott, so entrinnst du der Schlinge des Teufels, wirst erlöst von dem verderblichen Drachen, und unversehrt befreit von dem giftigen Feinde. Flehe nur inbrünstig und unablässig zu Gott, so erhellt er das Dunkel des Irrtums und trocknet den unreinen Sündenschmutz aus und den Schlamm der Begierlichkeit. Denn wenn du mit aufrichtigem Glauben und von ganzem Herzen zu Gott betest, erhältst du Verzeihung der Sünden und Nachlaß für die Vergehen; du erhältst das Himmelreich und unaussprechliche Güter. Du erhältst die Gesundheit des Leibes und das Heil der Seele, erlangst glückliche (gute) Tage und ein Leben voll Friede, (frei) von allen Verleumdern. Aber noch mehr: Das Gebet stillt auch den aufwallenden Zorn der Gewaltigen, es wendet den Zorn des Unwillens Gottes ab. Das Gebet bereichert die Armen, stärkt die Schwachen; das Gebet heilt die Kranken und vertreibt die törichten Laster. Das Gebet macht die Unfruchtbaren fruchtbar und die Kinderlosen kinderreich; es rettet (aus) dem Wogendrang des Meeres und entreißt aus den Fluten der Flüsse; es speist den Hungrigen, kleidet den Nackten, hält zurück den vorzeitigen Tod, erfüllt alle Bitten derer, die gläubig flehen.

Das ist die Macht des wahren Gebetes für solche, die sich ihm nahen; das ist das unblutige Opfer im Geiste; denn das Gebet eines jeden ist ein Opfer vor Gott. Wenn du aber mit deinem Nebenmenschen nicht in Liebe vereinigt bist, ist dein Gebet kein angenehmes Opfer, denn es dringt nicht hinauf zu Gott. Denn wenn jemand gegen seinen Nächsten Haß trägt, kann sein Gebet unmöglich zu Gott emporsteigen. Wenn er aber mit liebevollem Herzen zu ihm betet, so werde ich, bevor du noch rufst, sprechen: „Siehe, ich bin da!“ Das makellose (rechte) Gebet im Verein mit Tränen, mit Mildtätigkeit öffnet die Pforten des Himmels und kommt zu den Ohren Gottes, wenn man nur ohne Mangel zu ihm betet.

Dies alles weiß der Satan, daß nämlich gewaltige Kräfte im Gebete (liegen) und unaussprechliche Güter dadurch bewirkt werden, darum macht er sich unablässig an den heran, der beten will; zuerst kämpft er mit ihm auf dem Ruhebett, indem er ihm das Bett recht bequem macht, ihm den Schlaf versüßt, den Körper erschwert; er wälzt sich hin und her und gähnt.(?) Wenn er dann endlich sich erhebt, geht er widerstrebend (?) in die Kirche; er tritt ein und steht vor Gott. Dort umnachtet Satan seinen Verstand, damit er sich nicht erinnere an die Menge seiner Vergehen; er merkt gar nicht, daß Gott vor ihm steht. Auf Gottes Macht(preis) hört er nicht, nicht ist er bedacht auf seinen Ruhm; zu seinen Herzen dringen nicht die Lehren der Lesungen. Über seine Sünden und Gottlosigkeiten klagt und seufzt er nicht; seine Seelenwunden beweint und betrauert er nicht; er fleht und ruft nicht zu Gott und macht sich den Herrn nicht durch Tränen und Gebete geneigt; die Menge seiner Missetaten bekennt er nicht und offenbart nicht seine vielen Gottlosigkeiten, um sich (dadurch) zu bewahren vor den schrecklichen Peinen und der dunklen Finsternis.

Anstatt aber zu weinen und zu beten, treten wir mit Furchtlosigkeit und Geringschätzung hin vor Gott. Nicht mit Achtung, Furcht und Zittern erscheinen wir wie Verurteilte vor den Richtern oder wie sündige Knechte, die kniefällig ihre (Gebieter) Herrn anflehen und sie unter großer Furcht flehentlich bitten und bestürmen. Wir seufzen und klagen nicht, flehen nicht um Erbarmen und weinen nicht wie Leute, die des Todes schuldig sind, und nun abgeführt und an den Ort der Qual gebracht werden. Wir werfen uns nicht nieder vor Gott in Sack und Asche und großer Trauer, damit er uns erlöse vor den Flammen der Hölle und den schrecklichen Qualen, vor den giftigen Schlangen und der dunklen Finsternis.

Nicht in Furcht und innigem Gebet treten wir hin vor Gott, um ihn um Heilung der Wunden zu bitten und anzuflehen. Im Gegenteil, wenn die Zeit zum Gebete und zum Flehen gekommen ist oder wenn wir um Verzeihung der Sünden beten sollen, dann waschen wir uns, salben und zieren uns mit den Kleidern, gleich als rüsteten wir uns auf die Stätte des Lasters oder zum Theaterspiel. Wenn die Frauen dann in die Kirche eingetreten sind, treten sie in eitlem Prunke und sinnlosem Stolze gleich Dirnen hin vor Gott, und die Männer ergeben sich in Verliebtheit weichlicher Wollüstigkeit, erschlafft von häßlichen Begierden, und übervoll verlieren sie sich in Unreinheit gleich Ziegenböcken und geilen Pferden.

So treiben sie selbst dort in der Kirche angesichts des Heiligen Unkeuschheit, Unzucht und Ehebruch. Mögen sie auch sich nicht fleischlich vergehen, so tun sie es doch im Geiste, indem sie einander zunicken durch unreine Blicke und unreine Rede, wie auch der Herr sagt: „Wer aus Begierlichkeit umherschaut, ist ein vollendeter Ehebrecher.“ Solche Menschen verdienen es, daß schon auf Erden Blitz und Feuer und Flammen auf sie niederfahren, sie hier verbrennen und verderben; hernach aber (verdienen sie) das ewige Feuer, die schreckliche Finsternis und entsetzliche Qualen zur Strafe dafür, daß sie zur Zeit des Gebetes die unreine Begierlichkeit in ihrem Herzen aufkommen ließen.

Unglücklicher, du bist doch gekommen, Gott zu bitten und zu bestürmen, Tränen zu vergießen und flehentlich zu seufzen, dringend zu flehen und um Verzeihung zu bitten. Ist nun aber das die rechte Art und Weise, zu beten, wenn (daß) man sich (darauf) schmückt, sich salbt und wäscht, um von den Zuschauern gesehen zu werden? Ist das die rechte Art und Weise, um Verzeihung seiner Sünden zu beten, wenn man die Sinnlichkeit liebkostet und in unreiner Lust umherschaut? Ist das die rechte Art, dich ob deiner Vergehen wieder mit dem Herrn auszusöhnen, wenn man aus leidenschaftlicher Begierde die Form und Gestalt der Geliebten betrachtet? Du machst dich selber zu einem Teufel und betest dabei, vom Teufel erlöst zu werden, du (selbst) ergibst dich freiwillig dem Dämon und bittest, von den bösen Geistern erlöst zu werden! Wie kannst du auf diese Art und Weise zu Gott rufen, oder wie kannst du beten mit derartigen Gedanken? Ja du wagst es sogar, mit unreiner Seele (Geiste) und auf teuflische Weise (mit teuflischen Sitten) vor Gott hinzutreten und die Kirche Gottes zu einem Buhlhause zu machen. Du bebst und zitterst nicht vor dem ehrwürdigen Heiligtume und vor dem furchtbaren Antlitz Gottes. Weißt du denn nicht, daß der Herzenskenner deine Gedanken prüft und alles weiß? Hast du nicht gehört, daß es ein Gericht gibt über die Gedanken und eine Ahndung wird den unreinen Augen?

Geh also in dich und lege ab die eitle Einbildung des Geistes und der Zierden! Dann tritt hin vor Gott und höre! Wenn die des Todes Schuldigen vor die Könige hintreten, machen sie keinerlei Prunk, sondern bitten und flehen nur; wenn Verwundete ins Spital gehen, kümmern sie sich auch nicht um das oder jenes, sondern suchen nur ein Heilmittel für ihre Wunden und Stillung ihrer Schmerzen. So darf auch der, welcher durch Sünden verwundet und von den Leiden der Gesetzesverletzungen betroffen ist, nicht im Schmuck und mit unreinen Gedanken in die Kirche gehen, und soll sich nicht salben und seine Haare flechten für die Zeit des Gebetes, wo er es darbringt vor Gott. Im Gegenteil soll man den Leib züchtigen und seine Gedanken reinigen, in ärmlicher Erscheinung, mit zerknirschtem Herzen, und demütig bei sich selbst soll man hintreten und vor Gott stehen und soll mit vielen Bitten bitterlich seufzen und weinen; ohne Unterlaß soll man unter Seufzern flehen und beten; an seine Brust muß man schlagen; die Arme ausbreiten, Tränen vergießen, mit zerknirschten Herzen seine Vergehen bekennen mit bescheidener Sprache, mit Beschämung im Antlitz, mit Trauer im Tone, mit mitleiderweckender Sprache soll man sich mit Gott aussöhnen und Nachlaß seiner Sünden erlangen.

Gebeten und Bitten von solcher Art zeigt sich der Herr geneigt und erhört sie; daraufhin vergibt er die Vergehen und tilgt die Sünden; dadurch werden wir geläutert und gereinigt von den bösen Leidenschaften, der Unreinigkeit und von teuflischen Gedanken; dadurch erlangen wir das Reich und die Freuden des unvergänglichen Lebens.

Doch obwohl wir nun das alles wissen, so erscheinen wir dennoch vor Gott in großer Geringschätzung, wir halten es mit dem bösen Feinde, der uns durch allerlei Gedanken verwirrt und in Unordnung bringt und unsere Gedanken hinlenkt auf die Sorgen und Zerstreuungen der Welt. Während wir im Gebete begriffen sind, das uns Hilfe und Nutzen bringen soll, geben wir uns schlechten und bösen Gedanken hin. Wir werfen uns zwar während des Gebetes innen auf die Knie, aber unser Geist ist draußen, gibt sich allerlei Träumereien hin und schweift umher. Denn während des Gebetes denken wir an die Sorgen um Haus und Felder; während des Gebetes berechnen wir, den Ertrag der Felder und die Früchte der Reben, wieviel Pfund Brot und wieviel Maß Wein ich erhalten könnte; oder wir denken während des Gebetes an Rinder- und Schafherden, wie viele Ochsen und wieviele Schafe es sind. Dann denken wir an die Arbeiten und an den Lohn der Arbeiter, überlegen, ob dieses Geräusch aus unserm Hause kommt. Ferner denken wir während des Gebetes an das Gericht, das den Nächsten treffen wird und sprechen uns so dort das Urteil in Gottes Gegenwart. Und während wir dem Gebete obliegen, beschäftigen wir uns in Gedanken mit Anklagen gegen den Mitbruder. Kaum aus der Kirche entlassen, fangen wir alsbald auch wieder an, Klage zu erheben gegen den Feind und verbittern die Süßigkeit des Gebetes wie mit Galle. So reißt Satan unsern Geist mit fort, bis er uns an unlautere Gedanken während des Gebetes erinnert; sogar den Gewinn aus Darlehen und Zinsen berechnen wir im Gebete und denken an die Eifersucht und Feindschaft gegen den Nächsten.

Doch nicht genug damit, daß wir uns während des Gebetes mit schlechten Gedanken die Verurteilung zuziehen, schaden wir auch durch unnützes Geschwätz und Vielrederei und schlagen uns damit Wunden. Denn vielen Seelen fügen wir Schaden zu, indem wir ihren Geist gefangennehmen und sie vom Gebete und von der Verherrlichung (Gottes) abbringen und abhalten. Wir lenken sie ab auf schlechte Gedanken und stürzen sie in den Abgrund des Verderbens. Verdient nun dieses ganze Treiben nicht den furchtbaren Zorn, das flammende Feuer der Hölle, große Qualen und die lichtlose Finsternis? Da wir so sehr sündigen in Gottes Gegenwart und getroffen von Schuld und vom Gebete weggehen und nicht die Ehre erlangen, wie sie Betern zukommt, sondern gleich Spöttern und Verächtern werden wir verurteilt und bestraft.

Wenn wir nun schon während des Gebetes und bei der Ausübung des Guten sündigen, welch eine Schuld laden wir auf uns bei Ausübung des Schlechten! Wenn wir schon versinken in den Abgrund des Lasters, während wir noch im Hafen sind, wie werden wir es erst treiben, wenn wir hinausgefahren sind in das Meer der Sünden: auf dem Markte, bei dem Handel, durch (falschen) Eid, durch Gotteslästerung, durch Beschädigung, durch Stolz, durch Verleumdung, durch Neid, durch Zorn, durch Begierlichkeit, durch Trunksucht, durch Unmäßigkeit, durch Überhebung und die ganze Menge der Laster! Das (alles) treibt uns noch mehr umher als die tobende Flut und zieht erstickend uns in den Abgrund; ist aber jemand in den Abgrund einmal gestürzt, so richten ihn die zahllosen Sünden zugrunde.

Aber wodurch können wir dann Rettung finden bei unsern zahllosen bösen Werken und vor den zahlreichen Nachstellungen des Teufels? Quält er uns und tötet er uns doch nicht allein durch bittere Laster, sondern er ist auch imstande, die Süßigkeit des heiligen Gebetes in Bitterkeit und widrige Galle zu verwandeln. Nicht anders können wir uns retten vor der bösen Schlange und dem giftigen Basilisk als dadurch, daß wir beständig auf der Hut sind vor den Nachstellungen des Teufels und uns hüten vor seinen unsichtbaren Geschossen.

Wenn wir stets unser Ende vor Augen hätten aus Furcht (durchdrungen von Furcht) vor dieser Gefahr, so könnten wir Rettung finden in dem Augenblick, wo unsere Seelen unter unerbittlicher Qual vom Leibe abgerufen, fortgeschleppt und dahingeführt werden umhüllt von dunkler Nacht; ja wenn wir dächten an die furchtbaren Schrecknisse des großen Gerichtshofes und an den furchtbaren Tag des Gerichtes. Dächten wir nur immer an diese Beschämung, welche (über uns) kommen wird beim allgemeinen Gerichte, an die Menge der Qualen, an die (Bitterkeit) der giftigen Würmer, an die dichte, dunkle Nacht, an die übelriechende Tiefe der Hölle, an das Brennen des blitzenden Höllenfeuers, an das laute Knistern des (Feuer)Ofens, an die Schrecken des gewaltigen (überflutenden) Feuerstromes, an die ewige Glut und an das Braten der Sünder und an die unerträglichen Schmerzen der Leiden und der Qualen.

Wenn du dies alles beherzigest, wird es dir gelingen, den Schlingen des Teufels zu entgehen; gelingen wird es dir, in Furcht vor Gottes Angesicht zu erscheinen; imstande bist du, ein heiliges Gebet zu verrichten; imstande bist du, zu trauern und zu weinen und bitter zu klagen; imstande bist du, das Antlitz des Richters aufzuheitern (zu mildern), ihn umzustimmen zu Mitleid und Erbarmen, die Verzeihung der Sünden und die Sühne (Tilgung) für die Vergehen zu erlangen, den Besitz der hellstrahlenden Wohnungen, die ersehnten Freuden des Paradieses, die Erquickungen der ewigen Freude, die Wonne des unsterblichen Lebens, die Seligkeit unaussprechlicher Güter mit dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste; ihm sei Ruhm, Ehre und Dank in alle Ewigkeit! Amen.

Ein Brief über die Barmherzigkeit gegen die Armen.

Keiner erkühne sich, auf kindische Art und unüberlegt das Wort Gottes zu verwalten. Immer soll er vielmehr auf die Fassungskraft seiner Zuhörer achten und mit großer Vorsicht das Wort seiner Lehre in die harten Ohren streuen und nicht gleich im Anfang das schwer zu Hörende und schwer zu Tragende an Lebensregeln an die Unvorbereiteten kommen lassen.

Denn wenn man einen wilden Esel zähmen will und lädt ihm gleich von Anfang an schwere und drükkende Lasten auf, so bricht er entweder selber zusammen oder er wirft die drückende Bürde ab. Durch leichte Ladungen gewöhnt man ihn und gelangt so zum Vollkommenen. So säen auch verständige Landwirte, welche das Feld bebauen, nicht nutzlos den kostbaren Samen auf unfruchtbaren Grund und in von Dorngestrüpp verwildertes Gelände, der dann entweder zugrunde geht oder von den Vögeln fortgetragen wird. Vielmehr jäten sie zuerst die Dornen aus, bereiten den Boden zu und dann erst säen sie den wertvollen, guten Samen (aus). Nach diesem Vorbilde müssen auch die, welche das geistliche Feld bestellen wollen, zuerst durch das Bekenntnis das Dorngestrüpp der Sünden ausreißen und durch Fasten und Gebet, die unbebauten und verwilderten (Seelen) geneigt machen zur Jungfräulichkeit, Armut, Barmherzigkeit und zu Leidensmut bis in den Tod. Denn mag auch für die Geizhälse das Gebot der Barmherzigkeit todesschwer sein, so ist es doch besser und nützlicher als jeder andere Tugendlohn; auch ist es in dem Grade erhaben über alle Übungen der Enthaltsamkeit, daß aller Tugendlohn gleichsam verschwindet, vor dem helleren Glanze der Früchte der Barmherzigkeit.

Was soll ich sodann von den andern Tugenden sagen? Zwar ist die Sittsamkeit und Jungfräulichkeit im Alten und Neuen Bunde in Ehren; aber ohne die Tugend der Barmherzigkeit gilt sie nichts und bleibt ausgeschlossen vom (himmlischen) Brautgemache. Und das (geschah den törichten Jungfrauen)1 nicht deshalb, weil sie gar keine Barmherzigkeit übten, sondern zu wenig und in ungenügendem Maße; denn mitten in der Nacht ging (ihr Öl) aus und erlosch ihr (Licht). So können auch die Reichen das ewige Heil nicht erreichen, wenn sie nur wenig Barmherzigkeit übten. Denn Mildtätigkeit, welche dem Vermögen entspricht, ist (Gott) gefällig. Wer viel hat, von dem verlangt (Gott) auch reichliche Wohltaten. Wer wenig hat, dessen Wohltaten sind wohlgefällig, wenn sie auch gering sind. So war auch für den Zeltstoff Gold und Ziegenhaare notwendig; solche nun, die Gold hatten und nur Ziegenhaare brachten, (deren Gaben) wurden nicht angenommen und waren unrein. Die Armen dagegen, die nur Ziegenhaare bringen konnten, wurden angenommen, waren Gott wohlgefällig und erhielten seinen Segen. Denn Gott schaut nicht auf das Maß der Gabe, sondern auf die Gesinnung des Gebers. Von dem Reichen nimmt er die reichliche Gabe als reich an, aber auch von dem Armen die geringe Gabe für eine reiche. Denn wer zehn Denare hat und davon einen als Almosen hergibt, und der Arme, der nur zehn Heller hat, und einen davon einem noch Ärmeren gibt, gelten vor Gott gleich viel. Ja bei dem Dürftigen ist es sogar noch bewunderungswürdiger, weil er in seiner Dürftigkeit nach dem Maße der Reichen gegeben hat. Darüber wunderte sich auch Jesus; als (nämlich) eine Witwe, die nur zwei Heller hatte und diese als Almosen gab, da sprach Jesus: „Die Reichen haben von ihrem Überfluß an Reichtum gegeben, die arme Witwe aber hat all ihr Vermögen unter die Armen verteilt, denn diese zwei Heller allein waren ihr Vermögen.“

Darin täuscht für den Augenblick Satan auch den Reichen und Wohlhabenden, wenn er nicht nach ihrem Reichtum gibt und große Almosen spendet, sondern nur dürftig und gering wie die Armen, indem er sie glauben macht, das sei hinreichend zur Erlangung des Heils. Manche dagegen haben all ihr Vermögen unter die Armen verteilt und sich selber arm gemacht, denn sie sehnten sich nach unvergänglichen Reichtümern. Manche (wieder) gaben die Hälfte ihres Vermögens den Dürftigen und verteilten es gleicherweise für Geist und Leib wie an Brüder.

Die Vorfahren aber brachten den Zehnten, gaben auch Früchte und brachten Opfergaben, brachten Brandopfer und gaben wegen der Sünden die Erstgeburt von Mensch und Tier, die Erstlinge des Feldes und der Kelter und aller Früchte.

Auch viele Feste Gottes feierten sie jährlich, und feierten mit Opfergaben die Sabbate und die Neumonde. Außerdem linderten sie auch die Not der Armen, speisten zahllose Witwen und Waisen, trugen Sorge für die Scharen der Jungfrauen, heilten die Kranken, nahmen die Fremden auf, trösteten die Betrübten und suchten jegliche Not der Armen zu heben. Wenn aber Gott schon im Alten unvollkommenen Bunde all diese Wohltätigkeit und Gerechtigkeit forderte, um wieviel mehr wird er im Neuen und vollkommenen Bunde noch größere Werke der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit verlangen, als jene alle es waren; denn: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht vollkommener ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, dann geht ihr nicht ein in das Himmelreich.“

Wie also werden wir gnädige Nachlassung erlangen, wenn wir nicht mehr Barmherzigkeit üben als die unvollkommene Barmherzigkeit der Alten und Juden, wir Christen, die wir im Neuen vollkommenen Bunde leben, die wir Christus zum Lehrer haben? Denn wenn wir nur die Gerechtigkeit üben wie die Juden, dann ist Christus für uns umsonst erschienen, falls wir die Juden nicht übertreffen an Heiligkeit, Früchten und Opfergaben und (Beobachtung) des Gebotes der Liebe. Denn im Neuen Bunde sind wir Arme und Reiche alle ein Leib in Christus und Glieder untereinander. Wenn du ein Diener Christi bist und sein Gebot beobachtest, dann mußt du auch für die Mitmenschen Sorge tragen wie für ein Glied von dir. „Denn wenn ein Glied krank ist,“ so sagt (die Schrift), „dann sind alle Glieder mit ihm krank.“

Wenn nun aber Christus das Haupt ist und wir der Leib Christi und Glieder seiner Glieder sind, dann müssen wir als Gemeingut der Glieder alle Gaben Christi betrachten, die er in die Hände der Reichen gelegt, und über die er sie als Vorsteher und Verwalter gesetzt hat, sie weise zu verwalten und darauf zu sehen, wer viel und wer wenig bedürfe. So war auch den Aposteln alle Habe gemeinsam und allen Gläubigen wie dem Glied einer Persönlichkeit, und niemand konnte etwas sein eigen nennen; vielmehr brachten sie (ihre Güter), verteilten sie und gaben dem Bittenden was er notwendig hatte. Das war Barmherzigkeit, die von Herzen kam, das war Gottesdienst und echte Nächstenliebe, wo die Leute mit solchem Mitleid (die Wohltaten) verteilten, daß sie der Dürftigkeit noch nachforschten. So ernstlich war die Sorge der Apostel um die Armen, daß sie nach dem Vorbild der Predigt Christi die Wohltätigkeit lehrten.

Die Leute brachten viele Güter und legten sie zu Füßen der Apostel; diese setzten die Genossen des Stephanus als Verwalter darüber ein. Diejenigen aber, die ihr Almosen nicht aus Mitleid gegen die Armen gaben, sondern gezwungen, waren des Todes — Ananias und Saphira. Tabitha dagegen, die aus Mitleid und Besorgnis die Waisen und Witwen speiste, wurde auf das Gebet derselben von den Toten erweckt. Auch Paulus spricht: „Das befahl man uns, daß wir darin der Armen eingedenk sein sollen, wie auch ich mich bestrebe, es zu tun.“ Denn dieses Gebot ist die Erfüllung aller Schriften Gottes, wie Christus zu dem Reichen sagte: „Willst du vollkommen sein, so gehe und verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel finden.“ Zu dem Geizigen aber sprach er: „Leichter ist es einem Kamel, durch ein Nadelöhr zu gehen, als einem Reichen in das Gottesreich zu kommen.“ Denn die, welche hier Reichtümer ansammeln und keine Wohltaten spenden, gehen auch verdienstlos arm und leer aus dieser Welt und werden ins unbarmherzige und unerbittliche Feuer geworfen.

Bei der Belehrung hierüber sprach der Herr auch: „Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit er euch aufnehme in die ewigen Wohnungen.“ Das gleiche sprach auch Paulus: „Wandelt nach der Liebe und erweiset eifrig den Armen Barmherzigkeit, damit auch ihr Barmherzigkeit findet bei Christus.“ Und am einer andern Stelle sagt er: „Er verteilet und gibt den Armen, seine Gerechtigkeit währet in Ewigkeit.“ Ja, Paulus vertraut dies nicht bloß dem (guten) Willen an, sondern er befiehlt und gebietet es sogar mit den Worten: „Der Überfluß eures Reichtums gehört der Not der Armen und der Überfluß des Gebetes der Armen soll euch Nachlaß eurer Sünden erwirken.“ Nichts erleichtert so sehr die Sündenlast wie das Mitleid und die Barmherzigkeit mit den Armen. So belehrte ja auch der heilige Daniel Nabuchodonosor, als er in seinen Sünden krank darniederlag. Er fragte den Propheten, welche Mittel es gegen diese Wunden gäbe. Da trat Daniel vor als der Arzt und sprach: „König, nicht Fasten, nicht Nachtwachen, nicht ein Bußkleid, nicht das Leben in der Einsamkeit kann dir etwas nützen; gehe vielmehr hin und sühne durch Werke der Barmherzigkeit deine Sünden und deine Ungerechtigkeit durch Mitleid gegen die Armen. Das ist das Lösegeld, das dich rechtfertigt, und der Weg, der dich zum ewigen Leben führt.“

Siehst du, was für eine Macht die Barmherzigkeit darstellt und wie der Barmherzige mit vertrauensvollem Blick vor Gott hintreten kann, besonders jener, welcher von Herren gern die Hungernden speist, wie auch Isaias sagt: „Erquicke von Herzen gern die Hungrigen und führe die obdachlosen Armen in dein Haus; wenn du einen unbekleidet siehst, dann kleide ihn, und wende dein Antlitz nicht weg von dem Armen deines Volkes, wenn du rufst, so hört Gott dich, ja noch ehe du flehst, spricht er: „Ich bin da.“ Auf so raschen Schwingen gelangt deine Mildtätigkeit zu Gottes Ohr, und eilig macht sie ihn geneigt, den Barmherzigen zu helfen. Aber nicht nur hienieden gewährt Gott den Barmherzigen Hilfe und Rettung, auch dann, wenn dies aufhört und wir versetzt werden ins andere Leben (Jenseits), dann vergilt er seine Barmherzigkeit mit vielfältiger Freigebigkeit. Denn der Herr selbst sagt: „Ich bin der Schuldner für die Wohltätigkeit gegen die Armen und ich bin es, der heimzahlt, die Darlehen an sie.“ Denn wer an den Armen Barmherzigkeit übt, gibt Gott ein Darlehen, und das eine belohnt er hundertfältig mit unvergänglichen Gütern. Aber auch die Sünden löscht er aus und befreit vor den schrecklichen Qualen. „Glücklich der Mann, der an die Armen und Dürftigen denkt, am Tage der Qual wird der Herr ihn befreien.“

Aber was heißt es denn, an die Armen und Dürftigen denken? Folgendes will es heißen: beim Anblick (der Betrachtung) seiner Leiden denken: Er ist mein Bruder, er ist ein Glied von mir und mein Leib, er hat Bedürfnisse wie ich; er ist arm an allem: an Gütern und ohne Obdach, unruhig schleppt er sich hin und her in gefahrvoller Hungersnot, er glüht vor Hitze, er zittert vor Kälte, sein Magen ist leer, sein Körper bloß, die Haare zerzaust, das Angesicht bleich und abgemagert, der ganze Körper ist hager und abgezehrt, er irrt und geht umher zitternd von Tür zu Tür, ermattet ruft er und stimmt zu innigem Mitleid bei seinen qualvollen Schmerzen. Er kennt unsere hartherzige Gesinnung und zeigt darum seine krüppelhaften Glieder in widerlicher Häßlichkeit, um unsere Hartherzigkeit in Mitleid umzustimmen. Er rafft sich auf und wird zudringlich, aber mit vieler Mühe findet er nur ein wenig Nahrung. Mit Furcht kommt er vor die Tore, tritt mit Furcht ein in die Höfe, mit Furcht geht er ins Haus, denn in jedem Haus fürchtet er sich vor dem Hund und entsetzt sich vor den Tieren, denn das Pferd schlägt aus mit dem Hufe, der Ochs stößt mit dem Horn, die Hunde verbunden und böse, mitleidslose Menschen beschimpfen und verfolgen ihn, schießen gleichsam mit Pfeilen (auf ihn), besonders dann, wenn er krüppelhaft, blind oder krank ist. Vor Hunger schwankt er daher und schleppt sich fort in diesen Schranken und geht und stößt auf herzlose Blicke gleich den Blicken (dem Gesichte) von Tieren; zuerst feinden sie ihn an, und dann, wenn sie (die Armen) etwas erreichen können, geschieht es unter vielem Schmähen, das heißt man, an die Armen und Dürftigen denken, wenn man das alles erwägt und mit freundlichen, mitleidsvollen und barmherzigen Worten die Armen tröstet, um sie seufzt und für sie Sorge trägt. Solchen verheißt der Prophet die Glückseligkeit, wenn sie mit solchem Mitleid und in solcher Barmherzigkeit die Armen aufnehmen; diese werden gerettet vor dem bösen Tage.

Was aber wird der böse Tag für die Unbarmherzigen und Sünder bringen? Furchtbar ist der Tag des Gerichtes, wenn der Himmel erzittert und die Erde wankt, wenn die Sonne verfinstert wird, Mond und Sterne zugrunde gehen, wenn die Schrecken einschlagen und das furchtbare Entsetzen überhandnimmt, wenn der Klang der Posaune anschwillt und die Sprache der Engel in Bestürzung versetzt, wenn die Kräfte und Mächte und Gewalten erschüttert werden, wenn der Engel Scharen sich über die Erde verbreiten, wenn die Throne stürzen, wenn wir Christus, den König, herabsteigen sehen, wenn vor dem furchtbaren Glänze des Königs Seraphim und Cherubim erbeben, wenn die Felsen sich spalten und die Gräber sich öffnen und die Menge der Entschlafenen sich erhebt und zahllose Lebende erneuert (erneut) werden, wenn die Chöre der Heiligen in Freude jubeln, die Scharen der Gerechten erstrahlen, wenn die ganze Welt versammelt dasteht, wenn das Feuer allgemein sich verbreitet und über das Weltall sich ausdehnt: dann führen sie die in Sünden gefesselten und von Ungerechtigkeit umstrickten Bösewichte herbei, dann werden sie die in dunkler Wolke Eingehüllten vor aller Welt sichtbar vor den Richterstuhl darstellen (als Rätsel?) zum Hohn und Spott in unerträglicher Schmach; vor dem furchtbaren Thron stellen sie sich auf, vor dem großen und furchtbaren Richter, dessen loderndes Feuer zündend und brennend emporlodert: (gleich) einem Feuerofen in Blitzesstrahlen und strömendem Feuerbach, wo (in dem) die verzehrende Glut höher aufsteigt und ein Feuerleib ins Innere hindurchbrennt, wo dunkle Gruben sind und der finstere Tartarus und die qualvolle Hölle, und giftiges Gewürm; diese drohen und sind bereitgehalten für die Sünder insgesamt, um Rache zu nehmen am furchtbaren Jüngsten Tage.

Dies ist der böse Tag für die Sünder, vor welchem den Barmherzigen die Wohltätigkeit gegen die Armen und das Mitleid mit den Bedürftigen bewahrt. Ihn (den Barmherzigen) preist ja auch der Erlöser selber glücklich, wenn er sagt: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit finden.“ Und: „Hocherhobenen Hauptes erntet die Barmherzigkeit Ruhm beim Gericht.“ Und: „Bös und erbarmungslos ist das Gericht für den, der keine Barmherzigkeit übt.“ Unbarmherzig sind seine Ankläger, unbarmherzig seine Pein, unbarmherzig der Brand des Feuerofens, unbarmherzig das Sengen und Brennen. Und all diese Peinen und furchtbaren Schmerzen sind ewig und ohne Milderung. Das ist das unbarmherzige Gericht für die Unbarmherzigen und die Qualen ohne Milde. Dieses erhielt auch der unbarmherzige Prasser (Reiche); nämlich das Sengen im schrecklichen Feuer und die Feuersglut ohne Linderung: dafür, weil er keine Barmherzigkeit geübt hat an den Armen, Nackten und Kranken; dafür ward ihm mit Unbarmherzigkeit vergolten.

Wenn wir jetzt dies alles hören, laßt uns nicht zögern, gegen die unglücklichen Armen barmherzig zu sein und noch mehr gegen die Krüppelhaften und Kranken, gegen die Waisen und Witwen und Betrübten, gegen die Fremden, gegen die Gäste und Greise und gegen alle Hilfsbedürftigen, die in drückender Not sind, damit dadurch (wodurch) ihre Arbeit und ihr Leben in der Welt erträglich wird. Willst du fromm sein, so sei sein Fürsorger und Leiter. Willst du deine Sünden entfernen, dann speise und kleide ihn, willst du mit Zuversicht im Antlitze vor Christus hintreten, so betrübe nicht das Antlitz des Betrübten und Hilflosen. Willst du in das Zelt und in die Wohnung der Heiligen eintreten und die unaussprechlichen Güter erben, dann sei du ein Wirt und Gastfreund der Fremden, der Hilflosen, der Kranken, der Betrübten, gib ihnen Ruhe und tröste sie in ihren irdischen Bedürfnissen, damit auch du zur Ruhe eingehst und genießest die geistliche Nahrung und die unvergänglichen Freuden. Denn darin besteht die Frömmigkeit, daß man mit gleicher Barmherzigkeit und Freigebigkeit für die Dürftigen und Betrübten sorgt. Denn ein solcher empfängt nicht nur wieder Barmherzigkeit, sondern er empfängt auch die Freuden der unvergänglichen Güter; und auch hienieden findet er viel Gutes, wenn er Gutes tut.

Wenn es aber gar keine Armen auf Erden gäbe, wie könnte noch jemand seine Sündenlast leichter machen oder wie sich retten vor dem Sturm und Wogendrang der Ungerechtigkeiten! Doch die Barmherzigkeit gegen die Armen führt uns durch das schwankende und wogende Leben der Welt und führt uns in den Hafen des Friedens. Die Gebete der Bedrängten entfernen völlig die Dornen der Sünden, sie reinigen und läutern von dem Schmutz der Sünde und der Unreinigkeit, sie heilen und fördern die Gesundung der Wunden Satans, sie zerteilen und erleichtern die Schwere der Sündenschuld und schicken die Sündenfreien und Gerechtfertigten in den Himmel. So groß ist die Macht der Wohltätigkeit, daß sie aus den bitteren Fesseln und aus den Tiefen der Vergehen durch etwas wenig Geld an die Armen befreit.

Werde (also) nicht traurig, wenn du von deinem Reichtum verlierst, denn gleichzeitig damit verlierst du auch von deinen Sünden. Sobald du das Silber weggegeben hast, hast du auch deine Sünden weggeschafft und deine Werke geläutert vom Schmutze und Unrat, wie es heißt: „Tut Barmherzigkeit, dann ist euch alles rein1.“ Denn durch die Barmherzigkeit wird der Leib der Barmherzigen geläutert, auch seine Seele wird geläutert, sein Eigentum wird gesegnet und Glück ruht auf seinen Arbeiten, seine Herden mehren sich. Seine Schafzucht wird größer und seine Felder werden fruchtbar, wenn er Barmherzigkeit ganz nach Gottes Willen übt. Denn die Barmherzigkeit gegen die Armen liegt bei Gott auf Zinsen. Jedoch nicht nur das oben Erwähnte allein bildet die Vergeltung, (Gott) schenkt den Barmherzigen auch das Reich, errettet ihn vor den Schlingen des Feindes und rettet ihn aus den Klauen der Hölle. Obschon ja auch die Jungfräulichkeit einen hohen Grad der Heiligkeit besitzt, der Barmherzige steht doch höher in Ehren da. Obschon es etwas Großes ist um strenges Fasten und um viele hervorragende Tugenden, größer noch ist die Barmherzigkeit, Gott teuer und wohlgefällig. „Groß und ehrenwert ist der barmherzige Mann.“

Wer aber keine Barmherzigkeit übt, den nennen die heiligen Schriften nicht Mensch, sondern Hund, Schwein und alleinfressendes Raubtier. Denn solche (Menschen) sind Leuchter ohne Licht, Augen ohne Sehkraft, Quellen ohne Wasser, verdorrte Bäume, welche nur noch den Namen haben, aber keinen Nutzen (stiften).

Woran sollen wir überhaupt erkennen, daß der Unbarmherzige ein Mensch ist? Die Quelle hat ja ihren Namen Quelle vom Wasser, der Leuchter heißt so vom Lichte. So muß auch der Mensch an der Barmherzigkeit als Mensch erkannt werden; er muß immer sein Herz in Liebe und Mitleid zu den Armen herablassen (öffnen) und seine Hand bereit halten, den Dürftigen Almosen zu spenden, und in den hungernden Armen muß er Christus speisen. Denn die Aufnahme der Armen schätzt Christus, als hätte man ihn selbst aufgenommen. „Ich war hungrig,“ spricht er, „und ihr habt mich gespeist; ich war durstig, und ihr habt mich getränkt. Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen. Ich war krank und gefangen, und ihr habt mich besucht.“

Wenn du nun an das untrügliche Wort Gottes glaubst, dann beherzige es wahrhaft, daß du Christus speisest, wenn du die Hungrigen speisest, daß du Christus einen Trunk reichst, wenn du den Dürstenden Wasser zum Trinken gibst, daß du Christus aufnimmst, wenn du die Gäste aufnimmst, daß du Christus Gastfreund wirst, wenn du dem Fremden Unterkunft gibst; daß du Christus besuchst, wenn du die Kranken besuchst, daß du Christus tröstest, wenn du die Betrübten aufrichtest, daß du Christus Hilfe bringst, wenn du den Hilflosen unterstützest, daß du Christus dienst, wenn du den Schwachen einen Dienst erweisest. Ja alles, was du den Hungernden erweisest, das legst du in Christi Hand, er vergilt es vielfach am Jüngsten Tage: wo die zusammengekauften Schätze nichts gelten, noch Freunde noch Bekannte, wo Heilige nichts helfen und Gerechte nicht retten können, wo die Väter kein Mitleid haben und die Brüder kein Erbarmen, nein, wo allein nur nützt die Barmherzigkeit gegen die Armen und ein gutes Leben.

O warten wir nicht bis zum letzten Augenblick, seien wir doch ja nicht geizig, lassen wir die Armen nicht Not leiden, betrüben wir nicht Christus!

Nein, speisen wir die Waisen, sorgen wir für die Witwen, sammeln wir die Fremden, speisen wir die Hungrigen, trösten wir Christus! Auf Erden laßt uns die Saat bestellen in Freigebigkeit und Menschenliebe, dann werden wir im Himmel Barmherzigkeit ernten, wir werden emporsteigen in die Wohnungen dort oben und die unvergänglichen Freuden in entzückender Wonne genießen in Christus Jesus, unserm Herrn, Ihm sei Ruhm und Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Unterweisung über die Früchte und Opfer und das Almosen.

Der Satan verwundet uns mit vielen heimlich geschossenen Pfeilen, ohne die Wunde zu offenbaren; den Beginn der Dinge läßt er als Tugendwerk erscheinen, die Vollendung aber winkt er in furchtbarer Lasterhaftigkeit; zum Entgelt für ihre Bemühungen stürzt er (die Menschen) in Sünde und Ungerechtigkeit; so (geschah es) ja auch bei den Opfern des Kain und Jephte, die unter dem Scheine des Guten die Werke der Ungerechtigkeit vollbrachten. So macht es der Teufel auch jetzt noch; bei vielen bereitet er eitle Mühe und vergebliche Arbeit den Priestern aus den Früchten und Opfergaben. Ja, wir sehen nicht nur, wie sie sich unnütz und erfolglos abmühen, sondern auch noch in Vorwürfen unter Feindseligkeiten. Sie ziehen sich den Fluch der Strafe von Gott zu, wie auch der Prophet Malachias sagt: „Verflucht sei der Mann, der reich ist, und in dessen Herde ein Männliches steht und (dann) doch dem Herrn ein unnützes, mangelhaftes und mageres (Tier zum) Opfer bringt.“ Aber auch die Priester und jene, die Schlechtes von den Gemeinden annehmen, tadelt er und spricht: „Ihr Priester seid es, die meinen Namen lästern und (denn ihr bringt) unreines Brot auf meinen Altar bringen, Schlechtes, Gestohlenes, Wertloses, das heißt Mageres, und ich soll das aus euren Händen entgegennehmen? Aber ich will den Fluch über euch herabsenden und will verbannen euren Segen und will euch hinwegfegen samt diesen (Gaben) zur Strafe dafür, daß ihr keine Ehrfurcht vor mir im Herzen tragt.“

Wenn nun schon im Alten Bunde die, welche schlechte Gaben als Opfer darbrachten, so strenge gestraft wurden, was wird dann denen widerfahren, die im Neuen Bunde das Schlechte der Ernte und der Kelter Gott schenken, und das Magere und Wertlose aus den Herden zu den Gastmählern der Armen herbeibringen! Durch ein solches schlechtes und mißfälliges Opfer ist auch Kain zugrunde gegangen. „Denn weil du nicht recht geteilt hast,“ sprach (Gott), „soll auch das zu dir zurückkommen.“ Es tut also not, daß wir uns vor diesem Worte fürchten. Denn wenn schon jene, die ohne das Gesetz sündigten, so gestraft wurden, um wieviel mehr wir, die wir unter dem Gesetze sündigten! Denn wenn von denjenigen, welche im Alten Bunde wegen der Gnade sich nicht erfreuten, das Gesetz eine solche Rechtschaffenheit fordert, um wieviel mehr wird mit größter Genauigkeit von uns im Neuen Bunde Rechtschaffenheit verlangt werden, wenn wir uns auch nur ein wenig verfehlen! Denn wir wurden ermahnt durch die Gesetze, wir waren im Genuß der Gnaden, wir hatten die Beispiele vor Augen. Welches Erbarmen zum Nachlaß soll uns werden, wenn wir Gott schlechte Opfergaben darbringen? Denn er spricht: „Die Erstlinge der Ernte und Kelter und das Beste der Herden sollst du Gott darbringen. Ehre den Herrn mit deiner gerechten Arbeit und bringe ihm dar die Frucht deiner gerechten Einkünfte. Dies ist Gott wohlgefällig.“ Wenn aber jemand ein Opfer bringt, das geraubt oder gestohlen ist oder es bringt unter Schmähung oder mit Wucher und Zins (Wucher zinsen) oder mit Erpressung der Waren oder durch Unterdrückung der Dürftigen, sei es ein Ochs, oder Schaf oder Ziegenbock — unrein ist es wie der, welcher einen Hund getötet, oder wie wenn jemand einem Menschen den Kopf einschlägt, oder wie wenn jemand das Blut eines Schweines vergossen hat.

Und nun, weshalb wagt man, solche unreine Opfer darzubringen, die der Anlaß zur Hölle werden oder die Einladung des Gastmahls der Armen zu verderben durch Mächtige und Ehrung derer, die keinen Mangel haben. Auch Christus verbietet das, wenn er spricht: „Wenn du ein Gastmahl bereitest oder eine Einladung der Armen, so rufe nicht deine Brüder und deine Nachbarn, nicht deine Freunde und nicht Reiche, damit diese dich nicht wieder einladen und dir so Vergeltung werde. Wenn du eine Einladung gibst, um deine Seele zu retten, so lade die Armen und Schwachen, die Blinden und Lahmen ein und selig bist du, weil sie dir nicht vergelten können; und im Reiche der Gerechten mag dir vergolten werden.“ Wessen Aussprüche und Befehle sind das? Stammen sie in der Tat nicht von Jesus, dem Sohne Gottes? Warum verachtest du die Gebote Christi?

Wenn du deine Reichen ehren willst, so ehre sie! Dreihundertundfünfundsechzig Tage stehen dir zur Verfügung zur Sorge für den Leib, einen Tag davon (wenigstens) widme deiner Seele. Aber siehe, auch nicht einmal einen Tag setzest du jetzt fest für das Geistige und für ein Freudenmahl der Seele. Hast du zum Arzt deiner verwundeten Seele die Armen gemacht und sie versammelt, damit sie bitten und Fürsprache einlegen bei Gott, und hast du sie als Sühnung deiner Sünden in dein Haus gerufen, an dem Tage des Gastmahls der Armen und deiner Seele, an dem Tage, wo deine Sünden getilgt werden, da weise von dir alle deine irdischen Gedanken und damit auch die leiblichen Freunde. Führe dann keinen von den Mächtigen und keinen von deinen leiblichen Freunden in dein Haus, damit du der Nachlassung deiner Sünden nicht verlustig gehest dadurch, daß du diese bedienst, ihnen deine Aufmerksamkeit schenkst, unter diesen auf und ab gehst, sie an die erste Stelle setzest und Speise und Wein nicht von ihnen weitergeht. Und die Sühnung deiner Sünden, die Armen schauen von unten hinauf, und ihre Tische sind leer und sie werden seufzen. Manche von ihnen bleiben draußen wie Verachtete und sie hören allein die Stimme der Gäste und betrüben sich in ihrem Herzen über die Verachtung; verstohlen und beschämt sitzen sie da. Darum also veranstalte am Tage des Opferfestes nicht ein solches Mahl, von dessen Aufwand du ohne Lohn bleibst.

Willst du also Verzeihung deiner Sünden erflehen, so rufe die Waisen und Witwen, die Betrübten und Unglücklichen, die Schwachen und Blinden und Lahmen, die Hilfsbedürftigen und Gefangenen und alle die Hungernden und Trostlosen! Diese tröste, diese richte auf, sie speise, sie allein bediene, mit ihnen verkehre, sie ziehe an dich, ihnen entbiete tröstliche Worte, damit du Nachlassung deiner Sünden erlangest und Rettung für dein Haus. An diese Ordnung also halte dich, wenn du einladest zur Teilnahme am Opfermahle; die Vornehmen und Reichen laß nicht mit teilnehmen am Mahle der Dürftigen und Armen; diese sollen den ersten Platz haben, und jene sollen den Kopf emporheben; diese seien obenan, jene unten; diese allein führe ein mit Bitten, sie allein entlasse mit Entschuldigung! Wenn du so einlädst, dann gibst du nicht nur, sondern du empfängst auch, dann hast du nicht nur Aufwand gemacht, sondern dir auch großen Gewinn verschafft und Verzeihung erlangt.

Aus all diesen Gründen sprach Christus: „Wenn du ein Gastmahl veranstaltest, so rufe nicht die Reichen, damit die Armen nicht bei dem Mahle derselben verachtet werden, und du wegen Parteilichkeit als Gesetzesübertreter gerichtet wirst, gemäß dem Ausspruche: „Wenn jemand schöne Kleider trägt, und ihr zu ihm sprecht: „Setze dich auf den Ehrenplatz“; zu dem Armen aber sagt: „Komme, setze dich nieder auf den Fußschemel.“ „Wenn ihr also verfahrt,“ spricht er, „findet ihr kein Mitleid für euch und seid Richter von schlechten Grundsätzen.“ Denn durch eure Vorliebe für die Reichen versündigt ihr euch und verfallt als Gesetzesübertreter den Androhungen des Gesetzes.

Wohlan denn also, lade nie eine solche Schuld auf dich bei Einladung der Armen dadurch nämlich, daß du Arme und Reiche zusammen einlädst. Denn wenn die Reichen zu dir kommen, suchen sie Ruhm und Ehre und fordern von dir den ersten Platz, Ehrungen, Auszeichnungen und Schmeicheleien. Die Armen indessen sitzen unten, verborgen und gedemütigt in Schweigen. Das ist nicht gut, (nicht) wohlgefällige Einladung; niemand sät Lolch unter den Weizen und (oder) pflanzt Dornen in den Weinberg. So schickt es sich auch für dich nicht, Schmeicheleien und Ehrungen mit den Verdemütigungen und der Buße für deine Sünden zu verbinden. Diese Dinge zerstören und vernichten einander; du kannst unmöglich mit dem einen Auge zum Himmel aufschauen, während du mit dem andern zur Erde blickst oder an ein und demselben Tage zugleich an leiblichen und geistlichen Gütern dich erfreuen. Das Geistliche bittet und bestürmt dich, um dich in den Himmel zu führen; das (Irdische) Leibliche dagegen zieht dich durch Schmeicheleien und Ehrungen, durch allerlei (viele) eitle Redensarten und trügerische Auszeichnungen in den Abgrund; das Geistige lädt dich ein zum Lichte, das Leibliche sendet dich hinab zur Finsternis.

Siehe, so hinderlich und gefahrvoll für dich ist die Einladung der Reichen für den Tag des Gastmahls der Armen. Darum tröste die Armen, den Armen gewähre Ruhe, die Armen rufe, an die Hungernden verteile Brot, die Nackten kleide, den Obdachlosen nimm unter das Dach auf. Rufst du dann zu ihm, so hört dich Gott; ja noch ehe du ihm rufst, spricht er: „Siehe, hier bin ich!“

So nützlich ist also die Aufnahme der Armen und ihr Gebet ist nahe bei Gott, wie ja auch der Prophet spricht: „Glücklich, wer der Armen und Dürftigen gedenkt, am bösen Tage errettet ihn der Herr; er macht ihn glücklich auf Erden und übergibt ihn nicht den Händen seiner Feinde.“ Das sind also die Seligpreisungen für die Speisung der Dürftigen; Christus sieht sie als die Seinigen an. Welchen Nutzen hast du von einem Mahle für die Reichen? Welchen Vorteil verschaffst du dir dabei? Denn nur die Aufnahme der Hungernden bringt Nutzen, nicht die der Satten. Spricht doch auch Christus nicht: speiset die Gesättigten, und er sprach auch nicht: Gebt zu trinken denen, die getrunken haben, sondern: Sehet nach den Durstigen und gebt ihnen zu trinken; nach den Nackten sehet und kleidet sie und übet Fremdlingspflege! Solche sind des Lohnes und der Seligpreisung würdig, nicht aber die Ergötzungen der Satten und Reichen. Denn wer die Armen und Dürftigen speist, die Fremden und Kranken (aufnimmt), der nimmt nicht einen Menschen auf, sondern Christus, speist Christus, kleidet Christus, richtet Christus auf, tröstet Christus, gibt Christus Ruhe, bedient Christus; denn untrüglich ist das Wort des Herrn.

Wenn du daher Christus aufnimmst, so ist es nicht billig und recht von deiner Seite, bei der Aufnahme Christi eine Versammlung von Genußsüchtigen zu veranstalten, diese hineinzuführen und Christus draußen im Hofe zu lassen; diese oben mit Ehren (zu überhäufen) und Christus unten mit Geringschätzung (zu behandeln), diese mit Ehren an die Tafel (zu setzen) und Christus verächtlich den Schemel (anzubieten); diese werden dort oben mit Erquickungen bedient, Christus sitzt unten mit gesenktem Haupte. Mit solcher Geringschätzung darfst du Christus nicht empfangen, denn so erweckst du bei ihm Groll und Zorn und nicht Barmherzigkeit und Verzeihung der Sünden. Denn wenn es eine Einladung der Barmherzigkeit ist, wozu rufst du dann die Menge Zuschauer und nimmst von Menschen Vergeltung? Siehe, Christus lehrt dich: „Habe acht, daß du Wohltätigkeit nicht vor den Menschen übest; denn was vor den Augen der Menschen geschieht, erfährt auch von den Menschen Vergeltung; dein Almosen aber sei im Verborgenen, und dein Vater, der es im Verborgenen sieht, wird es dir so vergelten.“

Darum beraubt euch nicht dieses Lohnes und versammele nicht Zeugen deines Almosens! Vielmehr verteile es behutsam im Verborgenen; denn nahe ist der Dieb, er raubt deinen Lohn; der Räuber stellt dir nach und raubt dir dein Almosen weg, Betrüger lauern in der Nähe, dich zu hintergehen und dir dein Gutes zu entreißen; ringsumher schleichen die Gottlosen und versuchen es, deine Mühen zu vereiteln und deine Arbeit nutzlos zu machen. Vor all diesen hüte dich mit Ängstlichkeit und schütze dich mit Weisheit. Nimm dich in acht vor dem Fehler der Gefallsucht vor den Menschen und vor dem Teufel eitlen Ruhmes, damit deine guten Werke nicht zu schlechten werden und dein Licht nicht zu Finsternis. Denn wenn das Licht, das als das in dir bezeichnet wird, Finsternis sein sollte, wie groß wird (dann erst) die Finsternis sein?

Und wenn sogar deine Almosen schlecht werden, wie groß (schlimm) werden dann erst deine schlimmen Werke sein! Darum verbirg deine Almosen vor allen; wie du die Unreinheit deiner Sünden nicht offenbaren willst, so gib auch das Almosen deiner Buße nicht kund! Im Gegenteil, halte sie geheim, die Tugendübungen der Buße wie den Schmutz der Sünden, so werden deine Bußwerke immer wohlgefällig sein, und du findest Verzeihung deiner Sünden.

Laß also nie Einladungen zu Gastmählern eitlen Ruhmes wegen ergehen, und stelle es nicht vor den Menschen zur Schau, was du den Armen an Gaben der Barmherzigkeit spendest. Ruft nicht die Reichen und Vornehmen zum Mahle der Armen und Hilfsbedürftigen und teilt nichts an sie aus! Opfern wir Gott nicht das Schlechte von der Ernte und der Weinlese! Seien wir nicht neidisch auf irgendwelche Gabe für die Kirche oder für die Priester, weshalb (schon) Kain getadelt wurde. Die fetten und brauchbaren Tiere aus unsern Herden wollen wir nicht für uns behalten, während wir die unbrauchbaren und wertlosen für das Gastmahl der Armen verwenden und für die Dürftigen schlachten. Wir wollen Gott nicht Geschenke zum Opfer bringen von einem Vermögen, das wir uns durch Geiz, Raub und Ungerechtigkeit erworben; denn unrein ist vor Gott jeder Raub und was davon kommt (seine Güter). Vielmehr tut das alles nach dem Wohlgefallen Gottes, dann wird er Freude daran haben und es annehmen und euch eure Sünden verzeihen. Lasset uns in Heiligkeit und Sündenlosigkeit wandeln, und so werden wir in Ruhm und Ehre den Himmel erben und würdig werden, die verheißenen Güter zu erlangen in Christus Jesus, unserm Herrn, dem Ruhm und Ehre sei jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen.

Über die Darlehen und Zinsen.

Ein sehr schlimmes Laster ist der Geiz; schlimmer als alles ist der Wucherzins für das Darlehen, welcher im Alten und im Neuen Testamente immer verabscheut und getadelt wird; solche, die Zins vom Darlehen fordern, werden schwer bestraft, weil sie entgegen den Geboten Gottes ihr Geld auf Zinsen legen und es mit Wucher wieder zurückfordern, rücksichtslos vom Fleische der Armen zehren und unbarmherzig ihnen das Blut aussaugen. Sie achten nicht auf das Wort Ezechiels, des geisterfüllten Propheten, der die Zinsen für Darlehen unter die größten Laster zählt und diese Leute mit den Götzendienern vergleicht infolge ihrer Abscheulichkeit, indem er sagt: „Durch die Götzen ward das Haus Israel befleckt, Wucher und Zins hat es gefordert.“ Und Moses spricht: „Gib deinem Nebenmenschen nicht um Zinsen, denn es ist eine Ungerechtigkeit vor Gott.“ Er schließt auch vom Himmel (den himmlischen Wohnungen) jene aus, die Wucher und Zins fordern. „Wer dagegen sein Geld nicht um Zinsen ausleiht und kein Geschenk annimmt zur Unterdrückung der Gerechten, der wird nicht wanken in Ewigkeit.“ Und ein anderer Prophet sagt: „Wer auf den Bergen nicht von dem Opfer ißt, wer dem Schuldner das Pfand zurückgibt und keinen Zins und Wucher fordert, der ist gerecht, und es wird ihm Wohlergehen.“ Wer dagegen Zins und Wucher fordert, der setzt sich den Geboten Gottes entgegen und widerspricht dem Geiste der Gebote, denn er mißbraucht in Ungerechtigkeit das, was durch den Geist der Gebote verboten ist.

So ungerecht ist das Laster der Zinsen für die Darlehen, wie wenn jemand mit Gewalt einen Sohn forderte vom unfruchtbaren Leibe, oder wenn er Frucht sammeln wollte auf Fels und Steinen oder Früchte ernten wollte, ohne zu säen oder wenn er vom Männchen eine Geburt forderte oder wenn er aus dem Steine Milch ziehen oder vom Felsen Wolle erwerben wollte.

Vollzählig erhält er sein dargeliehenes Geld wieder und er erdreistet sich noch, ohne Aussaat zu ernten und sein Haus mit ungerechtem Erwerb zu füllen. Zuerst ruht er dann aus und sinnt darüber nach, seinen Reichtum noch zu vergrößern, um hernach mit dem ungerechten Gute den Armen Almosen zu geben und Opfergaben darzubringen, die Isaias tadelt1 mit den Worten: „Wer etwas Gestohlenes zum Opfer bringt, ist unrein wie ein Hund, welcher einen zerreißt oder wie jemand, der einem Menschen den Kopf abschlägt.“ Denn es ist besser, die Armen nicht mit Almosen zu bedenken als etwas Gestohlenes zu nehmen. Es ist besser für die Priester, Hungers zu sterben, als vom Unerlaubten zu essen. „Wer einen andern bestiehlt“, heißt es, „und einem andern schenkt, der erntet keinen Lohn, sondern Strafe und große Qualen, denn ein verzehrendes Feuer und ein scharfes Schwert sind die Früchte (Kinder) der Darlehen.“ Und wer mit ungerechtem Gute Gott einen Dienst zu erweisen gedenkt, der erregt nur um so mehr seinen Zorn. „Ehre den Herrn durch deine gerechte Arbeit“, heißt es, „und bring ihm die Früchte von deinen rechtmäßigen Erträgnissen.“

Denke (darum) nicht daran, Raub zu sammeln und hernach Almosen zu geben zur Vergebung der Sünden, löscht man doch niemals Feuer mit Feuer, und man heilt keine Wunden durch Wunden, Sünden werden nicht durch Sünden gereinigt und durch Ungerechtigkeit werden die Ungerechtigkeiten nicht gesühnt. Denn sehr schlimm sind die Ungerechtigkeiten bei den Zinsen und wie die Geburtsschmerzen einer Schwangeren sind die Zahltage derselben.

Wenn einmal ein Armer Schuldner eines Darlehens ist, dann verzehrt er sich immer in Aufregung und Sorge. Schlaflos oder nur von gestörtem Schlaf ist seine Ruhe in der Nacht, schmerz- und kummervoll und grübelnd läuft er am Tage umher und weiß nicht, wohin er gehen soll. Bald denkt er daran, sein kleines Ersparnis zu verkaufen, um die Wucherzinsen zu bezahlen, bald bekommt er Lust zu stehlen, seine Seele zu verderben, sich Gott zu widersetzen, weil der Gläubiger seinen Zins für das Darlehen fordert; bald denkt er daran, in fremdem Lande sich zu verbergen. Er irrt umher unter der Last seiner Schulden und verfällt auf allerlei Gedanken, und in der Verwirrung seiner Seele vergißt er seine Gebete zu Gott. Wenn (Fußtritte) ertönen, dann wird bis ins Herz er starr vor Furcht. Wenn dann draußen der Schuldner den Gläubiger spricht, dann flieht er und verbirgt sich in Angst und Bangen, sein Herz schlägt unruhig vor Furcht, er steht da mit gesenktem Haupte und sprachlos; er kann ihm nicht ins Antlitz schauen und wagt es auch nicht, denn die Wucherzinsen sind ihm über den Kopf hinaus gewachsen, und er hat (doch) nichts zum Geben, um den Gläubiger zufriedenzustellen.

Da sieh jetzt du, der du Zinsen verlangst, in welche Not und welche Drangsal du den Mitbruder bringst. Und wie vielfach entsteht auch für dich daraus Anlaß zur Klage und Schmerz: du trittst Gott entgegen, machst dich vieler Sünden schuldig, indem du Zinsen auf die Darlehen schlägst und Zinsen auf Zinsen: ziehst du aus schlimmer Brut dir schlimme Verwandtschaft groß.

Und das sind die Schlangen und die Jungen der Vipern. Die Jungen von Vipern durchbohren den Mutterleib und kommen heraus; die Früchte (Jungen) des Darlehens zerreißen die Seele der Wucherer und töten sie und richten sie zu für die bitteren Qualen und das furchtbare Feuer. Denn eine böse Kunst und einen gottlosen Betrieb besitzt der, welcher beansprucht, ohne das Feld zu bestellen und ohne Samen auszustreuen. Wer schlechten Samen hat, hat auch schlechte Ernte und ungerechte Arbeiter, und Satan ist Helfershelfer, Anführer und Mahner derer, die in Ungerechtigkeit die schlechten Zinsen für die Darlehen ernten. Wer die Begierde nach ungerechtem Zins wie mit Feuer entflammt, der sammelt auch beständig Schwert und Feuer auf seinem Speicher und schlimmeres Gift als das der Schlangen und Vipern und sammelt Drachenbrut in das Haus der Darlehen und Zinsen. Auch die Klage des Propheten hört er nicht; dieser wünscht sich Flügel der Taube, um sich zu entfernen von der Stadt, weil Zins und Betrug nicht aufhörten auf den Märkten noch auch die Gebete, die jener vor Gott brachte, damit er ihre Seelen errette von dem schlimmen Wucher. Nein, seine Augen sind blind und seine Ohren taub, unablässig scharrt er Wucherzinsen zusammen.

Wehe dem Lasterhaften in seiner Ungerechtigkeit. In Furcht sollte er sich losmachen von dem Wucher durch Barmherzigkeit, und er gewöhnt sich noch in seiner Gier an den Gewinn aus den Zinsen, der sein Gedächtnis betäubt, damit er nicht achtet auf die Gebote Gottes; sein Herz betört er, damit es sich nicht erinnere des schrecklichen Tages des Gerichtes, seinen Sinn versteinert er, damit er sich nicht erweiche zum Mitleid für den flehenden Bruder. Er verschließt seine Ohren und Augen; nicht schämt er sich vor denen, die auf seine Schändlichkeit ein Auge haben, sondern kühn und frech sammelt er massenhaft Feuer für die Ewigkeit auf seine unglückliche Seele. Während die Landleute anständig um Regen für die Saaten und den Segen des Feldes flehen, so erfleht der, der Wucher treibt Dürftigkeit und Bedrängnis, grimmigen Hunger und Steuereinnehmer ins Land (auf die Erde), damit dem Wirken und Wachsen der Zinsen die Güter zufallen.

Im Augenblick, da er das Darlehen gibt, heuchelt er Freundlichkeit, wenn aber die Zeit der Rückzahlung kommt, dann erbarmt er sich nicht des Schuldners, obwohl er seine Not und seine Angst sieht, er glaubt auch nicht dem Schwure des Bittenden, noch gibt er den Bitten des Bedrängten nach, sondern ist unerbittlich und unversöhnlich, und der Gläubiger hält den Schuldner für seinen Diener. Er sieht nach, ob jener etwas hat, was ihm gerade paßt, er untersucht, wo er sein Gut verbirgt und schützt; von außen bewacht er seine Türe, vor den Augen der Menge beleidigt er ihn, bei seinen Geliebten stellt er ihn in Schande, auf dem Markte erwürgt er ihn.

Ein schlechtes Geschick im Hause sieht der Pfandschuldner im Leben schon schlimmer als der Tod. Er haßt den Tag der Rückzahlung, er fürchtet sich vor der Schande, er weicht aus, um das Antlitz des Fordernden nicht zu sehen. Seine Augen hält er zu wie bei einem Hund, der an einem Platze ergriffen wird. In der Schande versteckt er sich.

Schaut (doch) sein jämmerliches Aussehen, betrachtet die bösen Ränke Satans! Schaut die ungerechten Gewinne mit Fluch beladen! Denn sie haben durch ihre betörte Leidenschaft jedes Schamgefühl verloren, und so machen sie den Reichen zum Bettler, die Armen ziehen sie aus, die Nackten erwürgen sie, von den Tränen sammeln sie Geld und frohlocken über die Menge des ungerechten Gewinnes. O, der ungerechten, schlimmen Zinsen! Eine Schlinge des Todes sind sie für die Besitzenden, und sie wissen es nicht, Erwürger der Menschen, Fesseln der Seele, Anlaß zur Hölle, Führer zur Finsternis, Ursache jeglicher Qual und ewiger Schande. Laßt uns darum mit großer Sorgfalt das Verlangen nach Reichtum fliehen, laßt uns fliehen vor dieser bösen Leidenschaft, laßt uns fliehen vor diesem gefährlichen Untier, laßt uns fliehen vor den teuflischen Künsten!

Der Zins ist der bösen Schlange Lehre; der Zins ist eine teuflische Erfindung, der Zins ist die Saat des (bösen) Feindes, der Zins ist das Unterpfand für die Qualen. Der Zins ist die Vernichtung der Frömmigkeit, der Zins ist der Weg zur Hölle; der Zins ist die Beraubung, Plünderung des Reichen; der Zins ist Zerrüttung des Leibes, der Tod der Seele und die Lossagung von jeglicher Gerechtigkeit.

Fliehen wir darum diese Leidenschaft, die Gott zuwider ist, diesen finstern Lehrer, diese menschenmörderische Mutter! Ich bitte inständig, stürzt euch nicht in diese Krankheit, und wenn wir der Leidenschaft innerlich anheimgefallen wären, so wollen wir sie wenigstens nach außen fliehen. Die aber daran kranken, verdienen Mitleid, Klage und Tränen; denn wie jemand, der zum Schwerte greift, sich selbst verwundet, so sind auch diese schlimmen Laster; dabei hat es gar viele Spitzen: Es ist Geiz, diesem frönt auch der Heide; schamlos ist es; diesem Laster frönt auch der Wilde; grausam ist es, so handelt auch der Erbarmungslose; ungerecht ist es, diesem Laster frönt auch der Räuber; selbstsüchtig ist es, das tut auch der Christushasser, der sich Gott widersetzt.

Was soll ich nun sagen? Ein Mensch, der in Ungerechtigkeit Zinsen zusammenhäuft, der ist kein Christ. Ein solcher ist vielmehr ein Altar Satans, angefüllt mit Menschenopfer, ein Grab modernder Toter; er gleicht dem flammenden Feuer der Hölle, das alles verzehrt, aber niemals sich sättigt. Erschrecken wir darüber, wohin uns (das Verlangen nach Reichtum) geführt hat; erschrecken wir davor, und reißen wir mit vieler Sorgfalt die Wurzel aus, damit nicht die Spitzen weiter wuchern und uns hinabziehen in den Abgrund, ins Feuer der Hölle.

Was sollen wir jetzt aber tun? Oder wie sollen wir die schlechte Wurzel ausreißen? Wir reden ja mit Schlangen und Raubtieren, nicht mit Christen und Christusliebenden, die den Geboten Gottes sich unterwerfen. Sie treten dagegen auf, indem sie sprechen und sagen: Wenn das Geld nicht mit Zinsen wieder zu uns zurückkommt, dann hüten wir uns auch, ein Darlehen zu geben, und wir erweisen dem Bruder kein Mitleid, wenn er bittet; diese Sprache ist ungerecht und widerstrebt dem Willen Gottes; dieser Ausspruch ist ein Kind des Willens Satans, der von Gott abführt, dieser Ausspruch ist eine Aussaat des bösen Feindes, um euch von der Wahrheit abzubringen. Dies sind die Gedanken der schlechten Lehre, die den Geboten Gottes entgegenstehen. Denn Christus sagt: Wenn ihr dem Darlehen gebt, von wo ihr wieder Vergeltung erwartet, so tun das auch die Sünder. „Ihr aber“, spricht er, „gebt Darlehen jenen, von denen ihr nichts zu erwarten habt, wenn wir die Last voneinander tragen und so werden wir das Gesetz Christi erfüllen, der sagt: „Euer Überfluß sei die Not der Armen, damit Gleichheit sei unter beiden.“ Beherzige darum, daß er dir nicht befiehlt, nur nach bestimmtem Maß gegen die Armen barmherzig zu sein, sondern daß du mit deinem Reichtum seinen Mangel ausgleichen sollst; denn Gott nannte den Armen, Dürftigen deinen Bruder und ein Glied von deinen Gliedern; dir aber ist es nicht gestattet, Glieder von dir nackt zu sehen und dich nicht darum zu kümmern oder ihn seines Teiles an den Gütern zu berauben. Denn dein Bruder wurde er genannt.

Wenn du ihn aber als deinen Bruder ansiehst, so widersetze dich nicht hartnäckig wie ein Heide den Geboten Gottes; halte vielmehr wie ein Christ an den Geboten des Herrn, der nicht nur der Not des Dürftigen abzuhelfen gebietet, sondern noch viel mehr verlangt. Dieses Gebot hast du nun von Gott und gibst trotzdem nur um ungerechte Zinsen Darlehen oder du verweigerst es ungerecht und gottlos. Ja, du errötest nicht zu sagen: wenn du Geld entleihst, so liebst du es mehr, daß ich eines gebe und zwei erhalte, als daß ich keines gebe. Jener, (der andere) aber will sich seine augenblickliche Angst wegschaffen und nimmt in seiner Verlegenheit unfreiwillig das Darlehen. Wenn du aber gottesfürchtig sein willst, so achte auf die Gebote Gottes; denn er gebietet, umsonst denen zu geben, die in der Not sind, und denen aus der Bedrängnis zu helfen, die darum bitten, damit auch du von deinem Feind befreit wirst, welcher beständig in dir die Leidenschaft erhält, zu sammeln, zu erbeuten1, das Vermögen des andern zu deinem Besatz zu machen und doch niemals einen Genuß davon zu haben; denn das Auge bekommt nie genug vom Sehen und der Geizige wird nicht satt dadurch, daß er zusammenrafft und die Güter des andern nimmt.

Eine Hölle ist die Seele der Geizhälse. Niemals werden sie zufrieden, und nie sagen sie: es ist genug.

Warum dehnst du dich immer mehr aus, weshalb begehst du Unrecht, du Unglücklicher? Was scharrst du das unfruchtbare Geld zusammen als Schuld der ewigen Hölle? Stelle dir Christus als Richter vor die Augen. Was wirst du zur Antwort geben, wenn jene dich umstehen, die von Zinsen beraubt sind und wenn sie über dich bei dem Richter klagen. Was wirst du anfangen? O Unglücklicher, worauf wirst du deine Bitte gründen? Da hilft kein Bitten, kein Vermögen, kein Reichtum; verlassen bist du von deinen Freunden, fern von den Helfern, beschämt, traurig, betrübt, vereinsamt, ohne Mut, stehst du da; du magst dich überall umsehen: es offenbaren sich dir nur Spuren deiner Freveltaten. Dort siehst du die Tränen der Waisen, da die Klagen der Witwen, anderswo die von dir geschlagenen Armen, die Diener, die du mißhandelt, die Nachbarn, die du zum Zorn gereizt. Alle werden sich gegen dich erheben, und voll Zorn über deine Bosheit stehen sie beständig hinter dir. Gleich wie der Schatten unzertrennlich ist (beim) vom Menschen, so folgt auch dem Geiste unzertrennlich die Sünde. Vor der ganzen Versammlung offenbart er (Gott) die Gestalt der vielen Sünden.

Niemand kann darum dort seine häßlichen Freveltaten ableugnen, es stockt die Lästerzunge, es schweigt der Frevlermund, es zittert der sündige Leib, denn eines jeden Sünden zeugen wider ihren Täter, ohne daß ein Laut gesprochen wird; wie vielmehr die schwarzen Ziegen mitten unter den Schafen sichtbar werden, so werden auch die finsteren Seelen der Sünder sichtbar inmitten der glänzenden Versammlung, von der sie umgeben sind. Und nun, warum stürzest du dich also in unerbittliche Qualen und in ewige Schande für ein ruheloses Leben und für vergängliches Geld? Warum entsagst du nicht der Leidenschaft des Geizes? Warum machst du dich nicht los von der Neigung zu dem Gewinne von Zinsen, der dich vielmehr als den Ungerechten zur Glut des furchtbaren Feuerofens verurteilt?

Vielleicht sagst du: „Wenn ich den Überfluß des Vermögens verteile, werde ich verachtet, arm und hilflos“. Hast du nicht den Propheten gehört, der spricht: „Nicht sah ich den Gerechten verachtet und nicht, daß sein Kind Brot bettelt“. Sei es aber auch, daß du verarmst, so ist es doch besser für dich, zu klagen, herumzuziehen und umherzuirren und die Barmherzigen um Almosen anzubetteln als zu leben von der bitteren Kost der ungerechten Zinsen. Aber du hast ja Hände und Füße und verstehst eine Kunst, so arbeite und erwirb etwas und diene, dann hast du zu essen.

Viele Arten gibt es, das Leibesleben zu fristen, wenn du nur arbeiten willst. Kann sich ja ein so kleines Tierlein wie die Ameise selber ernähren, und die Bienen ernähren ihre Königinnen mit dem, was sie erübrigen und haben doch keine Hände, Arbeiten und Berufsarten. Dir aber gab Gott Hände, Arbeitsgelegenheit und vielvermögenden Verstand. Verschaffe dir darum ohne Sünde deinen Lebensunterhalt. Was weißt du gar als Rechtfertigung vorzubringen für deine Rechtschaffenheit, da doch geboten ist, zu arbeiten und den Dürftigen zu geben? Und du vermagst dich selbst nicht zu erhalten! So bringst du dich in furchtbare Pein wegen deiner Wucherzinsen für die Darlehen, welche dich mit Leib und Seele in die Feuerspein, in den Ofen der Qualen stürzen, wo ewiges Heulen und Zähneknirschen sein wird. Davor bewahre uns die Gnade und das Erbarmen des Heiligen Geistes, dem Ruhm und Macht sei von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Vom Trost der Armen.

Was soll ich sagen oder was erwähnen, was soll ich übergehen und was beiseite lassen? Was ich nicht für nötig hielt, bewegt meine Zunge und drängt sich in Menge meinem Geiste auf. Da ich also klar die Bedeutsamkeit des Gedankenganges der Rede erkenne, so werde ich freimütiger sprechen und reden von der Not der Bedrängten, von den Leiden der Dürftigen, reden von der Torheit jener Ungerechten, die in ihrem Unverstande so weit gehen, daß sie sogar Gott lästern und sagen, er sei parteiisch und bevorzuge die reichen Geizhälse. Sie sprechen also: „Gott liebt die Reichen, für sie ergreift er Partei, ihre Unternehmen läßt er gelingen; auf die Bedrückung der Unglücklichen schaut er nicht; sie mißachtet er, auf sie schaut er nicht.“ Mit derlei ungerechtem Geschwätz leugnen sie die Wahrheit und Gerechtigkeit Gottes; sie wollen glauben machen, Gottes heiliges Wirken sei eine Teilnahme an den Werken der Ungerechtigkeit, und so schicken sie eine Gotteslästerung zum Himmel empor und zeihen Gott der Ungerechtigkeit. Damit sprechen sie Gott die Wahrhaftigkeit ab und gehen zugrunde im Abgrund der Irrlehre.

Nicht einmal der Jude und Heide kann die Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit Gottes leugnen, aber der gottlose Spötter leugnet sie und entfacht Gottes gewaltigen Zorn über die dem Untergang verfallenen Seelen.

Welches ist nun die Ursache, daß du Gott der Ungerechtigkeit beschuldigst, du Armer und Hilfsbedürftigter? Hat dir Gott etwas von deinem Eigentum geraubt? Hat er nicht gleichmäßig an Reiche und Arme wie an Brüder seine Gaben ausgeteilt: allen gleiche Augen, gleiche Hände und Füße? Ins gemein erfreuen wir uns an der Sonne, an der Luft, an den Regentropfen; alle sind von Erde und von Adam. Alle haben eine Taufe, eine Gnade, den einen Leib und das eine Blut Christi; allen nur eine Erde, ein Himmel und ein Stoff (?). Siehe, das sind die Gottesgaben insgesamt, die er den Armen und den Reichen gleichermaßen gegeben hat.

Inwiefern also hat er dich beschädigt? Inwiefern war er parteiisch zugunsten der Reichen? Ich weiß wohl, daß du darauf nichts zu sagen hast. Doch du wendest ein: „Woher hat denn dieser seinen Reichtum?“ Merke es wohl: Den hat nicht Gott herbeigeführt, nicht er hat ihm den großen Reichtum gezeigt und ihm denselben gegeben, nicht er hat dich beraubt, nein, der Reichtum der einen kommt vom Geiz und von Raub, der der andern von unablässiger Arbeit und wieder bei andern kommt er von der väterlichen Erbschaft.

Warum bist du dabei traurig? Zwar bist du arm, aber in Sorglosigkeit, in Ruhe und Freude, mit Leichtigkeit und geringer Mühe verschaffst du dir, was du für deinen Leib brauchst. Das Mittagsmahl und Abendessen der Reichen dagegen wird mit Schwierigkeit geregelt und bei ihren Genüssen sind sie voller Sorgen; besonders dann, wenn die Speisen durch Blutvergießen oder Bedrückung beschafft wurden, quälen und erschöpfen sie sich durch Gewissensbisse unaufhörlich; viele Stürme drängen ein auf ihren von Furcht erschütterten Geist wegen der reichlichen Füllung ihres Leibes. Ein strenger Winter bricht von allen Seiten über sie herein; die Angst vor den Dieben, die Furcht vor den Räubern, der Schrecken vor den Verleumdern, die Unruhe vor den Steuereinnehmern, die Mißgunst der Neider, die Schmähreden der Feinde, Treulosigkeit und Bedrängnis von allen Seiten. Gegen ihn ist der Mund aller aufgesperrt wie von Drachen; sie wollen ihn verschlingen. Siehe, zahlreicher sind die Sorgen und Kümmernisse der Reichen als ihre Mußestunden und ihre Freuden.

Wo bleibt ferner die Freude der Reichen, wenn sie immer um Regen vom Himmel bitten, wenn sie sich schützen müssen gegen die rauhen Winterstürme, wenn sie sorgen müssen für die Bebauung der Felder, wenn sie sorgen müssen für die Herden wegen der Angriffe wilder Tiere, wenn sie erbeben vor Räubern, wenn sie trauern über tötliche Seuchen ihrer Tiere, wenn sie ängstlich wachen über ihre Geldschätze, wenn sie sich grämen über den Verlust; so daß schon die Motte herrscht über den Reichen und ihn beängstigt? Was soll ich dann erst noch sagen über den Schrecken des furchtbaren Tages, über das bittere Klagen in den Peinen? Hienieden zittert und erbebt er immer vor den Geboten, wenn die Lesungen der Propheten und Apostel den unbarmherzigen und geizigen Reichen tadeln und erschüttern.

Wo bleibt also die Freude der Reichen und ihr Trost, wonach du Armer so sehnlich verlangst, indessen du trotz deines ruhigen und friedlichen Lebens traurig bist und dich für unglücklich und bedrängt hältst und deine reichlich gewonnene Einsicht gering schätzest?

Du brauchst dich nicht zu fürchten vor Dieben, nicht vor Räubern. Du brauchst nicht zu sorgen für die grünen Saaten der Felder, nicht für die Weiden auf den Bergen; nichts hast du zu befürchten von treulosen Hirten, nichts von dem Einbruch der Raubtiere. Du brauchst nicht zu zittern vor der Gewalttat des Tyrannen, nicht vor dem Steuereinnehmer des Fürsten; dich trifft nicht der Geizigen Neid, nicht die Schmährede des Verleumders. Vor niemand brauchst du dich zu furchten, von niemand dich aufregen zu lassen. Nicht die Furcht vor Fürsten vermag den Armen zu erschrecken, nicht die Drohung der Gebieter. Niemand kann dem Armen etwas entwenden, niemand ihn beängstigen oder bedrohen.

Die Reichen leben in Angst und Unruhe, und der Arme (spottet über sie) achtet sie für nichts. Hoffärtige Fürsten entrüsten sich über die Reichen, der Arme kümmert sich nichts um sie. Die Erde ist voll von Dieben und Räubern und der Arme ist ohne Furcht vor ihnen. Die Märkte sind angefüllt mit Verleumdern und Bedrückern, der Arme aber ist ohne Sorge um sie. Die Richter sind zu Wölfen und Raubtieren geworden, und der Arme ist unberührt von dieser Geißel. Gerade wegen ihrer Armut fließt das Leben der Armen in vieler Freude und Sorglosigkeit dahin, frei von allem, sicher vor allem, neidlos, ledig der Rache, sündenlos inmitten zahlreicher Laster. Nicht braucht er viele Gebäulichkeiten, keine Verschlüsse für seine Ausrüstung, bei der Krankheit des Armen stellt sich die Betrübnis nicht ein; nicht braucht er zu erschrecken oder zu fürchten vor dem Tode. O nein, in großer Sorglosigkeit ist das Leben der Armen, ungestört ihre Ruhe. All das ist die Freiheit hienieden.

Welcher Mund aber ist erst imstande, den Reichtum, die Wonne, die Freude der ewigen Güter im Jenseits zu schildern, welche denen bereitet ist, die die Armut hienieden geduldig ertragen. Erstrebenswerter und wonniger ist sie, als alle Freude der Könige der Welt. Wenn er nur seine Armut ohne Murren geduldig erträgt, so geht er leicht und sorglos durch das irdische Leben.

Er sucht nur nach Speise für einen Tag und verspeist dieselbe behaglich mit großem Appetit wie eine wohlschmeckende, wenn sie auch unansehnlich ist, und schläft dann sorglos. Den verwöhnten Reichen aber geben auch die Leckerbissen keinen Genuß; sie tragen kein Verlangen danach und sie sind ihnen lästig. Sie trinken kostbare Weine, werden schläfrig dabei und sinnlos. Der Arme dagegen stillt das gleiche Bedürfnis des Durstes viel einfacher (billiger) mit Wasser und befindet sich frischer und gesünder dabei als der Trinker.

Warum hältst du dich also für unglücklich und bedrängt? Ich finde, daß das Leben des Armen sorgenfrei und ruhig ist, daß seine Speisen süßer und wohlschmeckender sind als die der Reichen. Sie sind rein von jedem Betruge und die Beängstigungen der Geizigen ergötzt sie.

Die Vergnügen der Reichen dagegen haben erstens das, daß sie unrein und häßlich sind und daß ihre Schwelgereien voll sind von jeder Häßlichkeit, sodann sind sie zusammengescharrt durch Raub und Plünderung auf dem Wege der Ungerechtigkeit und der Habsucht. Mit Aufwand vieler Mühe wird ihre Tafel zugerichtet; da gibt es viele Beklemmung und wenig Genuß, allerlei Sorgen und wenig Ruhe und das noch unter vielen Ängsten.

Gering dagegen ist das Bedürfnis des Armen in seinem Hunger und süß die Ruhe seines Schlafes. Der Reiche aber hat sich kaum auf das Ruhebett gelegt und schon stellen sich dort rings um ihn seine Gedanken wie Feinde und Krieger; Sorgen um das Haus, um die Dienerschaft; Furcht vor den Dieben und den Verleumdern, Betrug seitens der Nachbarn und Fürsten. Alle Aufregungen wegen des Reichtums umwogen und umstürmen ihn, er sinnt auf Mittel: wie können wir den Reichtum vergrößern. Siehe, hart ist das Ruhebett des reichen Geizhalses, von allen Seiten überfällt ihn Trauer über Trauer. Schaden und Fehler sieht er zu Hause und trauert. Fehler sieht er auf dem Felde und trauert; er sieht Mängel bei den Herden und trauert. Allüberall erfassen ihn Sorgen und Trauer wie Wogen auf Wogen. Was soll ich dann noch erst sagen oder erwähnen über die Qualen im Jenseits und das Feuer der Hölle, welche den reichen und unbarmherzigen Geizhälsen bereitet sind?

Nun denn, du Dürftiger und Armer, warum fühlst du dich beengt, warum trauerst du und bist unglücklich im Hafen der Armut und verlangst nach diesen Stürmen und der Brandung des Reichtums? Ist es dir nicht von Wert (genug), wenn du sorgenfrei bist bei Nacht und sorglos bei Tag? Sorgenfrei zu Hause und sorgenfrei auf dem Markte? Furchtlos unterwegs und furchtlos in der Herberge? Gefeit gegen Gewalthaber und unbeachtet von den Verleumdern, besonders dann, wenn du die Geduld bewahrst in der kurzen Zeit der Prüfungen und mit ihr die Armut erträgst. Etwas Großes ist es zwar, seine Habe unter die Armen zu verteilen, größer aber ist es, sich selber in Demut arm zu machen und Gott (dafür) zu danken.

Dies lobt auch der Herr, denn er sagt: „Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich.“ Wenn die Armut etwas (Schlimmes) Schlechtes wäre, hätte Christus nicht in allem die Armut gewählt. Er hätte ja in einer königlichen Stadt erscheinen, von einer Königstochter empfangen wenden und im königlichen Palaste geboren werden können. Er trat aber in die Erscheinung von einer armen Jungfrau und wurde in einer armen Stadt geboren, wo er kein Haus und keinen Platz in der Herberge fand, sondern draußen vor der Stadt, wo sie kein Ruhebett und keine Wiege fand, in eine Höhle und in eine Krippe mußte sie (Maria) ihn legen, den Herrn aller Geschöpfe. Im Häuschen eines Zimmermanns ließ er sich ernähren, zu Fuß wanderte er umher. Ja er ging so weit in seiner Demut, daß er sogar seinen Jüngern die Füße wusch nach Art der Diener. Nach diesem Vorbild wählten alle, welche reich für den Himmel werden wollten, die Armut und Demut.

Warum beklagst du dich also über die Armut, da du doch damit sorgenfrei im Himmel glücklich bist und die unaussprechlichen Güter im Himmel erwirbst zum Lohn für die unbedeutende Armut? Denn es gibt für den Menschen zweierlei Qualen und Freuden, dieeinen hienieden, die andern in der Zukunft. Entweder wirst du in der Ewigkeit unvergängliche Güter ernten oder hienieden vergängliche. Entweder muß man in der Ewigkeit arm und in Not sein oder in der kurzen Zeit; entweder hier klagen und weinen oder dort; entweder hier im Glanz des Glücks sich sonnen oder dort; entweder hier die Qualen erdulden und tragen oder dort. So war auch der Prophet Elias hienieden in Not und Armut und wurde im Himmel mit großer Herrlichkeit verherrlicht. So lebte auch Johannes der Täufer hienieden in Armut, hungerte und dürstete und erntete im Himmel unaussprechliche Güter. So erwarben sich alle Propheten und Apostel (durch) mittels der vergänglichen Leiden unaussprechliche Freuden des (ewigen) Lebens.

Ja auch unsere ersten Väter wählten (ein) Leben in Armut. Denn sie wußten, daß es sehr schwer ist, bei dem Reichtum der Welt die Reichtümer des Himmels zu erlangen und daß man bei den vergänglichen Freuden die ewigen nicht genießen kann. Denn, so sagt (die Schrift), für einen vergnügungssüchtigen Menschen ist es schwer, das Angesicht Christi zu schauen, und für die Reichen ins Reich Gottes zu kommen. Aber für die Bedrängten und Mühseligen ist dort Ruhe und den Dürftigen gehört das Reich. Jenen, die hier in Armut leben wie in einem Kerker, steht dort offen das Tor des Reiches. Denn Gott ist nicht so ungerecht, daß er die Bedrängten und Elenden aus dem Kerker des Elendes herausholt und sie in den Kerker der Hölle wirft, sondern er nimmt sie heraus aus einem eitlen Leben und erquickt sie mit unermeßlichen Freuden.

Wenn sie nur in Zufriedenheit die Armut ertragen, warten ihrer im Himmel große Reichtümer und unaussprechliche Freuden.

Wo fehlt es also dir Armen und Besitzlosen an Freude, da du Gotteslästerungen (zum Himmel) emporsendest und über Gott Ungerechtigkeit redest? Doch du wirfst ein: der Reiche kann von dem Überflusse seines Reichtums viele Almosen geben. Aber das Almosen des Armen ist noch bewunderungswürdiger und wohlgefälliger als das des Reichen. Denn wenn jemand aus Liebe sich um einen Unglücklichen annimmt und auch von seiner geringen Habe an die Unglücklichen austeilt und sie versorgt und sie im Hunger speist, so übertrifft er mit seinen Almosen noch die vieler Reichen; denn Gott schaut nicht auf das Maß der Reichen; denn Gott schaut nicht auf das Maß der Gaben, sondern auf den guten Willen der Geber und nimmt das Wenige für Vieles an.

Wenn du aber auch nichts hast, um den Bedrängten damit einen Trost zu verschaffen, so hast du doch ein Haus, in dem du die Fremden kannst ruhen lassen; du hast Wasser, womit du den Dürstenden einen Trunk reichen kannst; du hast Erbarmen und Mitleid, womit du die Niedergeschlagenen und Leidenden beweinen und beklagen kannst. Denn die Barmherzigkeit erstreckt sich weiter als die Verteilung des Reichtums. Aber du wirst eifersüchtig, wenn der Reiche aus seiner Fülle Opfer und Früchte darbringt. Doch der Arme kann den Reichen darin noch um vieles übertreffen. Bring dich selber Gott zum Opfer in Demut und Sündelosigkeit. „Ein demütiger Geist, das ist ein Opfer vor Gott.“ Und das ist noch größer als Brandopfer der Widder und Stiere; denn ein heiliges und demütiges Herz nennt der Prophet ein Gott angenehmes und wohlgefälliges Opfer. Die drei Jünglinge brachten Gott ihren Leib und ihre Seele zum Opfer dar. Und wenn du den Reichen um den Gewinn seiner Erntefrüchte und seiner Weinlese (nicht?) beneidest, (was größer ist als alles Wohltun, als Opfer und Almosen und als strenges Fasten, Gott Früchte bringen von seinen Erträgnissen auf der Tenne und von der Weinlese, die Gott als angenehmen Geruch hinnimmt, und wofür Gott das Haus und seine Arbeit segnet. Und ein Haus, aus dem keine Segensfrüchte in die Kirche gelangen und an die Priester und Kirchendiener, in dieses Haus kommt der göttliche Segen nicht, und nicht über seine Arbeiten, und mit einem solchen Haus geht es immer rückwärts. Deshalb befahl Gott dem Moses: „Die Erstlinge deiner Früchte sollst du mir geben, den Erstwurf deiner Herde, von deinen Rindern und deinen Schafen sollst du mir weihen, auf daß ich alles, an was du deine Hand legst, vergrößere und vermehre.“ In gleicher Weise sagt Salomon: „Ehre den Herrn von deinen rechtschaffenen Arbeits(früchten) rund bring ihm dar die Früchte von deinen gerechten Erträgnissen“; er sagt: „Deine Scheunen sollen sich füllen mit Getreide, und von Wein sollen deine Kelter überfließen“). Wenn also, o Armer, dir kein Vermögen zu Gebote steht, so bring du auch Früchte dar von deinen Gliedern. Eine Frucht von den Augen ist es, den Blinden zu führen und ihn zum Rechten zu leiten. Eine Frucht der Füße ist es, als Stab dem Lahmen zu dienen und die Not seiner Füße zu ersetzen. Frucht von den Händen ist es, den Gelähmten zu führen und die Schwachen zu unterstützen. Frucht von der Zunge ist es, den Irrenden zu lehren and den Betrübten zu trösten. Frucht von den Ohren ist es, rasch zu hören auf den Befehl des Bruders und ihm mit Ergebenheit des Willens zu gehorchen.

Alle diese Werke der Barmherzigkeit zu üben, ist ohne Gold jedem möglich, und er kann dafür besseren Lohn erhalten als für Werke der Barmherzigkeit aus dem Vermögen. Was also hast du zu sagen, da die Opfer und Früchte und Almosen der Armen leichter and wohlgefälliger sind als die der Reichen? Haltet daher mit großer Selbstbeherrschung stand in den Bedrängnissen und nehmt sie mit Dank auf euch. Jedoch wenn ihr darüber unwillig werdet und lästert, dann werdet ihr einen bösen Lohn zur Vergeltung erhalten. Denn untrüglich ist das Wort: Es sind einige, die hier gequält werden und dort. Denn hier werden sie durch ihre Armut bedrängt, und wegen ihres Murrens werden sie von dem gerechten Richter gerügt und getadelt und schmachten und verzehren sich im Feuer der Hölle. So ging es den Sodomiten, welche hier gestraft wurden und jenseits Strafen erleiden werden. Möge es uns nicht zustoßen, daß wir an diesen Ort der Qual und der Verwerfung mit ihnen kommen. Wir wollen vielmehr unsere Sünden büßen, die Armut lieben, Bedrängnisse ertragen, die Mühseligkeiten dankbar hinnehmen, die Besitzlosigkeit preisen, mit vieler Tugendhaftigkeit den Himmel erwerben, und uns des Genusses der Seligkeit der unbeschreiblichen Güter freuen in Christus Jesus, unserm Herrn, dem Ruhm und Ehre sei von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Unterweisung von der Aufsicht der Priester über das Volk.

Ich bin voll unzähliger Vergehen und bar der Tugenden in meinem Leben, ohne gute Werke, ohne Gerechtigkeit, ja ich häufe noch jeden Tag Sünde auf Sünde, welche mich elend zugrunde richten. Kann aber jemand, den die Nacht vieler Sünden ganz umhüllt und der verfinstert ist durch ein Leben der Ungerechtigkeit, es wagen, andere zu erleuchten, oder sich unterfangen, andere zu heilen, während er selber sündenkrank ist? Gar sehr verwegen ist es, wenn Leute, die selber mit Sünden überladen sind, sich erkühnen, andere zu erleichtern, oder wenn solche, die von Sinnen sind, begehren, anderer Lehrer zu sein, oder wie sollte auch jemand andere zu leiten vermögen, wenn er selber ratlos im Unrecht verstrickt ist? Aber weil die göttliche Liebe auch in den Schwachen stark ist, darum wagt sie (es) im Interesse der Erlösung und bemüht sich, durch enge und schmale Öffnungen einzutreten zu Nutz und Frommen der Hörer, zu sehen die Kraft des Wortes Gottes: „Komme, führe zurück deinen Bruder, damit dir deine Sünden nachgelassen werden.“ „Denn“, so heißt es, „wer sich bemüht, eine verirrte Seele zurückzuführen, der tilgt die Menge seiner Sünden, und wer den Edeln aus der Schmach befreit, wird ‚Mund Gottes’ genannt.“ Denn es ist sehr nützlich und vorteilhaft und gar notwendig, sich darum zu bemühen und den Versuch zur Rettung der Nebenmenschen zu machen.

Wohlan denn, ihr Hirten der Herde, ihr Vorsteher der Kirche, welche die Hürde der Herde ist, sehet, wie Satan vorgeht und wie Christus bekämpft, wie die Kirche, die der Schafstall ist, verachtet wird und von den Wölfen verfolgt wird! Und ihr Hirten der Herde schweigt und seid müßig, verkündigt nicht unablässig die Vorschriften der Gebote, damit alle es hören! Die Heere sind in Gefahr inmitten der Feinde, und du, der Feldherr, ruhst und schläfst? Das Schiff wird in dem Wogendrang und in den stürmischen Fluten hin und her getrieben, und du, der Kapitän, sitzest ruhig und sorglos dabei. Wilde Tiere brechen ein in den Weinberg und verwüsten ihn, und du, der Arbeiter im Weinberge, siehst es mit an und kümmerst dich nie darum? Diebe sind herangeschlichen und durchbrechen ringsherum die Ecken, und du, der Wächter, schläfst und schnarchest! Die Gemeinde ist tödlich verwundet, und doch ist kein Arzt in ihrer Mitte; von Wölfen sind die Herden zerstreut, in Abgründe sind sie zersprengt und stürzen über die Felsen; grausam zerfleischen sie Wölfe und Raubtiere, Raubvögel zerreißen sie blutig und grausam, zerstreut liegen sie umher, und die Hirten zeigen sich nicht.

Weckt euch nicht der Gedanke an den furchtbaren Oberhirten, der sagt: „Richten will ich Schaf um Schaf und Widder um Widder?“ Und ein andermal klagt er durch den Propheten die Priester an, indem er spricht: „Die Priester haben meine Gesetze verachtet; denn sie sondern das Heilige nicht vom Unreinen und scheiden das Fehlerhafte nicht vom Makellosen. Wohl trinken sie die Milch, wohl kleiden sie sich in Wolle, meine Herde aber weiden sie nicht, die Schwachen stärken sie nicht und die Kranken heilen sie nicht. Ihr seid Hirten, aber ihr weidet euch und nicht die Schafe. Darum spricht er: den Auskehricht der Feste will ich schleudern in euer Angesicht. Wegnehmen will ich euch von ihnen, über euch werde ich kommen lassen den Fluch; verfluchen will ich euren Segen und euch verwünschen dafür, daß ihr euch vor mir nicht im Herzen fürchtet und vor meinem Angesicht nicht flüchtet.“

Sieh also, wie groß die Flüche und die Drohung Gottes über die lauen Priester sind, und fürchte dich vor der furchtbaren Drohung Gottes, sei nicht saumselig in der Sorge für die geistige Herde, sondern arbeite unablässig bei Tag und Nacht an ihrer Rettung und an deiner Heiligung. Erinnere dich daran, wie sorgfältig Moses, Aaron und Samuel waren, denn auch sie waren Vorsteher solcher Herden. Erinnere dich ferner, wie sorgfältig Paulus und Petrus waren, denn auch sie waren Vorsteher dieser Herden. Erinnere dich auch an die Heiligen nach diesen, die ebenfalls diese Herde leiteten; mit Feuer und Schwert wurden sie gequält unter Anwendung allerlei Folter, weil sie wachten über die Herde; unter Stockschlägen, in Banden und unter vielen Qualen verließen sie die Welt dafür, daß sie Gott liebten und in liebevoller Sorgfalt sich der Herde annahmen.

Nach diesem Vorbild sollt auch ihr Priester und Lehrer alle unablässig handeln, besonders der, welcher aus freiem Entschluß das Bischofsamt übernahm; das ist ja lobenswert, weil er nicht auf sein eigenes Leben bedacht war, sondern mutigen Herzens (Sinnes) sich entschloß, an das Werk der Erbauung sich zu machen zum Heile vieler. Denn es gereicht dem Würdigen und Gesetzestreuen zum Lobe, aus geistlichen (übernatürlichen) Beweggründen nach dem Bischofsamte sich zu sehnen, wegen größerer Liebe Gottes, wie er (Christus) zu Petrus sagte: „Wenn du mich mehr liebst als diese da, (dann) weide meine Schafe. Paulus aber sagt: „Wer das Bischofsamt erstrebt, erstrebt ein gutes Werk“ und kein schlechtes. „Mögen auch die Unsrigen lernen, guten Werken vorzustehen, um nicht ohne Frucht zu sein, denn das ist gut und nützlich für die Menschen.“ Ja es ist noch etwas Größeres als das Leuchten der Sonnenstrahlen, wenn man die Verirrung der Sünden zerstreut.

In den Augen Gottes ist das noch wichtiger als jegliche Tugendübung. „Die Priester sind doppelter Ehre wert, besonders jene, die sich abmühen in Wort und Lehre.“ Groß und ruhelos ist die Mühe der Priester, und segensreich sind auch die Gnaden des Lehramtes. Seelenarzt ist ja der Priester und Mitarbeiter an Gottes Werken. Gott schuf ja den Menschen mit einem Willen, (der sich) zum Guten und Bösen (wenden kann). Der Priester soll ihn lenken und mit Tugendwerken schmücken. Gott schuf die Natur des Menschen, und dieser erleuchtet sie durch Vermittelung der Gotteserkenntnis, er hält sie ferne von allem Trug Satans, und er verscheucht und zerstreut die Nacht des Irrtums und das Dunkel der Unwissenheit. Den Geschöpfen zeigt er den Schöpfer, den Spender alles Guten, ihn, der das Meer und das Festland erfüllt; er erleuchtet mit dem Licht des wahren Glaubens, der echten Sittlichkeit und Tugend und gibt den Gottliebenden (Seelen) Anleitung zur Tugend und Freude. Deshalb sind (die Priester) so großer Ehre wert, und leuchtende Kronen umstrahlen sie (ihr Haupt).

Demnach muß jeder, der das Priesteramt bekleidet, große Mühe aufwenden und unablässig arbeiten für das Heil der Herde. Denn wenn schon Jakob vernunftloser Schafe wegen Frost und Hitze mit Geduld ertrug und sich den Schlaf versagte, wieviel mehr mußt du ohne Unterlaß arbeiten und wachen für die vernunftbegabte Herde und mußt unablässig für sie fürchten und sorgen, ja zärtlicher noch als ein liebender Vater und die Mutter eines neugeborenen Kindes mußt du für sie sorgen, sie lieben, mußt suchen, sie zu retten, immerfort mußt du sie belehren durch die Verkündigung des Wortes (Gottes), im einzelnen sowohl wie vor versammelter Gemeinde. Was aber einer lehren will durch sein Wort, muß er zuvor auch durch Werke betätigen, denn das Wort ist ohne Segen, wo keine Taten es begleiten. „Jesus fing an zu tun, dann (erst) lehrte er.“ „Wer selbst es tut und es andere lehrt, der wird groß genannt werden im Himmelreiche.“

Bedenke, daß die Lampen an brennenden Lichtern angezündet werden, nicht an erloschenen; so wird auch das Volk durch heiligmäßige (Priester) geheiligt, nicht aber durch sündenbefleckte, denn der Priester ist in seiner Gemeinde wie das Auge am Körper, er muß auf alle ein Auge haben, muß alle in Ordnung halten und reinigen von allem Schmutz der Sünde. Er ist wie das Licht auf dem Leuchter und muß die dichte Finsternis zerstreuen und das ganze Haus erleuchten.

Ein Wächter und Hüter ist er und muß darum beständig rufen, damit der Feind nicht heranschleiche und durch das Sündenschwert Wunden schlage und das Blut der Erschlagenen von euren Händen gefordert wird. Ein Arzt bist du für die vom Teufel Verwundeten, ohne Unterlaß läutere, schütze sie und halte sie in Zucht. Du bist würzendes Salz, reinige alle von der Fäulnis der Sünde. Du bist der Quell der Rettung, wasche und reinige alle vom Bösen (von ihren Sünden). Du bist der Hirte der Herde, sei auf der Hut vor den Wölfen. Du bist der Vorsteher des Volkes, sei darauf bedacht, wie du das Vorsteheramt ausüben mußt, siehe, die Rechenschaft kommt und die Strafe und die peinliche Prüfung.

Priester, sei wachsam in Furcht! Nicht umsonst ist ja der Mensch erschaffen, und sein Leben (auf Erden) in dieser Welt ist nicht in sein Belieben gestellt. Zur Rechenschaft werden gezogen die unwachsamen Augen, geprüft werden die, die Unziemliches anhören, bestraft werden solche, die müßige Reden führen, überwacht sind sogar die unpassenden Gedanken. Wenn man schon deswegen des Gerichtes schuldig ist, wenn man zu seinem Bruder sagt: Du Narr oder du Tor, was wird dann erst geschehen bei einer Menge schwerer Sünden!

Wenn man schon durch einen Blick eine Unkeuschheitssünde begeht, wie wird man erst brennen müssen für eine solche Tat!

Wenn schon das Schwören an sich vom Teufel ist, wieviel mehr der Meineid! Wenn schon das Hadern und Streiten Strafe bringt, wieviel mehr wird, wer den Haß bewahrt, in der Hölle gestraft werden. Wenn schon die Begierde dem Verderben entgegenführt, wieviel mehr wird es geschehen, wenn wir die Begierde im Werk erfüllen. Wenn schon ein scheeler Blick (zum) ins Verderben führt, wieviel mehr noch der Neid und der Haß! Wenn jemand schon dadurch des Gerichtes sich schuldig macht, weil er vom Seinen keine Almosen gibt, wieviel mehr der, welcher andere bestiehlt! Wenn schon eine (schlechte) mangelhafte Opfergabe Gottes Fluch bringt, wie bei Kain, wieviel mehr, wenn jemand Gestohlenes opfert. Wenn es schon Strafe bringt, über seinen Mitbruder im geheimen zu sprechen, wieviel mehr, wenn man ihn hinterlistigerweise falsch anschuldigt. Wenn der schon ins Feuer geworfen wird, der seinen Mitbruder verleumdet, wieviel mehr die, welche einen Priester oder Lehrer verleumden! (Wenn schon Schachteln und Säckchen zum Götzendienst führen, wieviel mehr, wenn jemand Zauberei oder teuflische Wahrsagerei treibt.) Wenn schon das Trauern um die Toten heidnisch ist, wieviel mehr, wenn jemand sich zerschlägt und abhärmt! Wenn schon die gleich dem Unkraut ins Feuer geworfen werden, welche ausgelassen sind und spotten, wieviel mehr jene, welche ins Theater gehen! Wenn es schon nicht löblich ist, sich zu Hause zu schmücken, wieviel weniger, wenn man den Schmuck auf dem Markte zur Schau trägt! Wenn man sich schon des Gerichtes schuldig macht dadurch, daß man für das Essen stiehlt, wieviel mehr, wenn man seinen Mitbruder gewaltsam beraubt. Wenn schon beim Weine sich zu vergnügen strafwürdig ist, wieviel mehr jene, welche in Üppigkeit leben und in Unmäßigkeit trinken, wofür die Gebote des Alten und Neuen Testamentes Strafe androhen!

Sieh also, das alles und anderes dergleichen stürzt jene, die es tun, in Strafen. Wenn du aber als Vorsteher der Kirche lässig bist und es versäumst, darauf genau aufmerksam zu machen und dich darüber zu verlässigen, so wisse, daß man von deinen Händen das Blut der Verlorenen fordern wird. Wenn jemand schon seine eigenen Qualen nicht ertragen kann, wieviel schlimmer ist es dann noch, so die Verantwortung für andere Seelen tragen zu müssen! In welches Dunkel wird er kommen, welche Feuerströme werden für ihn genügen, welche schauerliche Abgründe? Sei darum wachsam, mahne immer, rufe unablässig, prüfe alles und merke auf alles, mahne und predige fleißig, bald mit Tadel, bald mit Bitten, hier ermutige, indem du ihnen die Freuden nach dem heißersehnten Reiche schilderst, (jene) dort schüchtere sie ein durch die Furcht vor den bösen, schrecklichen Qualen, andere ermahne inmitten der Kirche, so daß die andern es hören können; wieder andere tadle unter vier Augen, damit sie nicht aus Scham vor der Öffentlichkeit sich abkehren und den Tadel verachten. Wenn sich aber manche nichts daraus machen (dein Wort mißachten), so trete ihnen nicht mit Geschrei entgegen, denn der Diener des Herrn darf nicht streitsüchtig sein, sondern er sei freundlich gegen jedermann, damit er sie womöglich zur Buße bewege.

Halte dich dabei aber nicht für (vornehm) berühmt, verachte vielmehr den Ruhm der Welt, gib nichts auf das Lob der Schmeichler; gedenke der Strafe des Herodes, der auch die Huldigung entgegennahm. Hebe darum dich selber nicht hervor und suche für dich keine Ehre, sondern ehre die andern und diene ihnen und nenne dich Diener. Erinnere dich auch, daß Christus gedient hat, als er sich einen Schurz anlegte, Wasser in ein Becken goß und seinen Jüngern die Füße wusch; nicht ein Mensch den Menschen, sondern Gott den Menschen; darin liegt gewiß ein wahres Bekenntnis, Demut und liebevoller Dienst. „Nicht bin ich gekommen, tun bedient zu werden, sondern um zu dienen.“ Dieser ist dein Lehrer, nicht die Stolzen, nicht die Vornehmen. Wohlan, ihm sollst du gleichen, und dir soll deine Herde gleichen! So spricht ja auch Paulus: „Werdet mir ähnlich, wie auch ich Christus ähnlich bin.“ Siehe, du bist der gleiche Paulus, der du predigst, und die Herde ist die gleiche, die du unterrichtest. Siehe nur: ein Mensch gleich dir war er in der Provinz Cilicien in der Stadt mit Namen Tarsus; er hatte nicht mehr als du, nur den guten Willen und die Arbeit, deswegen empfing er die Gnade des Heiligen Geistes; so ist auch nichts, was dich hindert, du mußt nur bereitwillig sein und arbeiten wollen, dann erhältst auch du die Gnade des Heiligen Geistes.

Laß darum beiseite eitle Ausreden und hüte dich vor falschen Vorspiegelungen. Sei nur wachsam im Gebet und fleißig in der Predigt. Nach dem Vorbild Pauli sei schwach mit den Schwachen, weine über die Sünder, traure mit den Verführten, stärke die Schwachen, erweise ihnen Sorgfalt, ihretwegen durchziehe Länder und Meere. Schrecke nicht zurück vor der Arbeit, verzage nicht in der Schmach, laß dich nicht einschüchtern durch Worte, nein, wenn du Hungers sterben oder vor Durst verschmachten müßtest, um sie zu retten, ertrag es mit Freuden!

Nicht durch Völlerei wird man ein Prophet, nicht durch Trunksucht ein Apostel, sondern dadurch, daß man Bedrängnis leidet und alle Begierden abtötet. Auch du mußt den Starken und den Tugendhaften gleichen, nicht aber den wolfartigen Hirten, die da nur dem Namen nach Hirten sind, in Wahrheit aber sich auf die Gläubigen stürzen gleich wilden Tieren und gleich Wölfen sie zerreißen, zerstreuen und so zugrunde richten, keine Sorge für die Seelen tragen, sich nichts aus deren Sünden machen. Nicht suchen sie nach den Dieben, nicht zählen sie die Unzüchtigen, nicht forschen sie nach Verleumdern, die Trunkenbolde machen ihnen keine Sorge. Sie bestrafen nicht Zauberei und Wahrsagerei und ziehen die Beschwörungen nicht zur Strafe; sie sind nicht Rüger der teuflischen (lasterhaften) Theater, sie tun nichts gegen die heidnischen Klagen, den Eifersüchtigen treten sie nicht entgegen, die Rachgierigen strafen sie nicht. Gegen die Bösewichte treten sie nicht auf, wegen Faulheit züchtigen sie nicht, niemand ermahnen sie zur Mildtätigkeit, das Gebet eifern sie nicht an und niemanden tun sie je weh im Dienste der Zurechtweisung.

Statt dessen verwenden sie alle Sorge auf das Leibliche (den Leib), gleich als wären sie deswegen Priester geworden, um nur für das (irdische) Leben hienieden zu sorgen, um den Leib in Annehmlichkeit zu pflegen, zu essen und zu trinken, um sich zu bereichern, um geehrt zu werden oder als Vorsteher zu glänzen in teuflischer Ruhmsucht. Deswegen erbarmen sie sich nicht der Waisen, kennen keine Schonung gegen Witwen, unter Anwendung von Strafen fordern sie die Einkünfte, mit Zwangsmitteln häufen sie Güter an im Namen der Kirche, rücksichtslos treten sie auf, befehlen wie Gewalthaber, von priesterlichem Geiste nicht eine Spur! Sie nehmen sich auch das Wort Petri nie zu Herzen: „Weidet die von Gott euch anvertraute Herde, erfüllt euer Vorsteheramt nicht widerwillig, sondern freudig (willig) nach dem Herzen Gottes, nicht aus schmutziger Gewinnsucht, sondern in Herzensgüte, nicht als wolltet ihr herrschen über die Herde, sondern um ihnen als Vorbild zu dienen in Ausübung guter Werke.“ Denn so spricht er: Wenn die Leute aus dem Volke auch zehntausendmal fallen, so können sie doch wieder Verzeihung und Sündennachlassung erlangen; wenn dagegen der Lehrer in die gleichen Fehler fällt wie das Volk, fehlt ihm jede Ausrede und deshalb wird die schwerste Strafe sein Anteil sein; denn es ist für die Vorsteher kein Leichtes, gerettet zu werden, wenn sie einmal in Sünden gefallen sind.

Sei darum auch du ein treuer Hirte, höre auf den apostolischen Befehl, werde nicht wie die Unreinen und Verworfenen, deren Los sein wird, im Feuer zu verbrennen. Sie haben nur den Namen des Hirten, rauben aber gleich den Wölfen; darüber müssen sie strenge Rechenschaft ablegen, damit sie lehren und ermahnen nach Gottes Wohlgefallen. Wenn sie aber ihrem eigenen Willen folgen, werden sie ein Opfer des wilden Tieres, welches sie tödlich verwundet und elend zugrunde richtet. Denke nur an Heli! Zwar führte er ein sittenreines Leben, aber trotz seiner Kenntnis der Gebote Gottes, vernachlässigte er sie, wofür eine furchtbare Rache über ihn hereinbrach.

Darum mahne du beständig, arbeite ununterbrochen an der Rettung der Herde damit auch du, der Hirte, verschont bleibst von der rächenden Strafe. Das beherzige, daß man die Hirten auch dafür straft, wenn die wilden Tiere etwas gefressen oder die Diebe etwas geraubt haben; das Zeichen und das Fell des Getöteten werden strenge von dir verlangt, man fordert den Nachweis der aasfressenden Glieder. Wenn dann einer nicht alles mit Bestimmtheit sagen und es durch Zeugen erhärten kann, ist er strenger Strafe schuldig und wird mit Schimpf und Schande von der Herde gejagt. Wenn man nun schon unvernünftiger Schafe wegen einer solchen Rechenschaft und Strafe gewärtig sein muß, um wieviel mehr wird dort, wo es sich um unsterbliche Seelen handelt, für welche Christus sogar gestorben ist, von den Priestern eine gar ernste Rechenschaft gefordert werden! Allerdings werden sie wenig vernachlässigen in der Beaufsichtigung der Herde, weil ja gar strenge (genau) die Prüfung und schrecklich die Strafen für solche sind, die die Seelenleitung erlangt haben und sie nicht ausüben. Sieh, wie macht sich doch der Feld-herr des Todes schuldig in den Augen des Königs, wenn er die Soldaten aus Lässigkeit dem Schwerte ausliefert, die er doch erhalten hat, um sie zu schützen! Oder nimm einen Wächter, der die Wache vernachlässigt. Wird nicht das Blut aller Getöteten aus den Händen des Wächters gefordert?

Diejenigen, die vom Könige eine Hinterlegung in Empfang nehmen, müssen schwerer Strafe gewärtig sein, wenn auch nur eine Kleinigkeit davon verloren geht. Siehe, auch die Diener werden bestraft, wenn sie im königlichen Hause Schaden anrichten. Habe auch ein Auge auf die Hüter der Herden, wie sie Gräben aufwerfen, Stricke ausspannen, Lampen aufstellen, wie die Hunde die Herde umkreisen, damit sie nicht von wilden Tieren zerrissen werden. Sobald sie sich aber auch nur ein wenig versehen und sich Ruhe gönnen, fallen die Wölfe und Diebe hinterlistig die Herde an, rauben, zerstreuen und verwunden sie. Nun bedenke aber, wie(viel) wertvoll ist doch ein Mensch gegenüber (im Vergleich zu) einem Schaf! Wenn aber schon für unvernünftige Schafe eine solche Wachsamkeit erfordert wird zum Schutze gegen die Raubanfälle sichtbarer Wölfe, wie (wachsam) umsichtig muß dann die Aufsicht über die menschlichen Seelen sein, um sie zu schützen gegen die unsichtbaren Geschosse des Teufels!

Diese kommen in Scharen herbei, machen sich über sie her, umschließen und umgarnen sie mit ihren Schlingen und Netzen, dringen ringsumher auf sie ein (umkreisen und umschwärmen sie), senden die Pfeile wie Wolken auf die Gedanken der Menschen, auf die einen Geiz, in andere Raubgelüste, in andere Unzucht, in andere Ehebruch, in andere Diebsgelüste, in andere Haß, in andere Totschlag, in andere Eifersucht, in andere Rachsucht, in andere Schmähungen, in andere Zorn, in andere Betrug, in andere Hinterlist, in andere Neid, in andere Bosheit, in andere Giftmischerei, in andere Ausplünderung der Geschäfte, in andere Wucher, in andere Betrug in Maß und Gewicht, in andere Zauberkünste und Beschwörungen und Hexereien, in andere Liebe zu Theaterbesuch, in andere Prunksucht, in andere teuflische Trauerstimmung, in andere Verzweiflung, in andere Ungehorsam, in andere Unenthaltsamkeit, in andere Unglauben, in andere eitlen Hochmut, in andere Mißmut, in andere Vergeßlichkeit, in andere Lüge, in andere Gotteslästerung, in andere Rache, in andere Meineid, in andere falsche Aussagen, in andere Völlerei und Trunksucht, und alle Begierlichkeit und Stolz, Aufgeblasenheit und Uneinigkeit; und der ganzen Unmenge anderer Fehler, welche der Teufel bei seiner Ankunft in aller Herzen schleudert, wodurch er sie tödlich verwundet und sie zugrunde richtet.

Du aber könntest dies alles mit ansehen, ohne dich darum zu kümmern und ein offenes Auge dafür zu haben? Du wärest lässig und würdest nicht weinen und klagen über die Menge der Wunden! Zittere und erbebe vor dem furchtbaren Richterstuhle! Mit welchen Blicken und welchem Antlitz wirst du den Herrn der Herrlichkeit schauen! Welche Züchtigungen und Strafen, wären es selbst die höchsten, werden hinreichen für deine Lässigkeit?

Darum hege eine heilsame Furcht vor dem Oberhirten, erhebe dich aus deiner Nachlässigkeit, folge dem Phinees nach in seinem Eifer, schlage Satan und die Dämonen aufs Haupt, verwunde sie in Kraft des Heiligen Geistes, vertreibe die teuflischen Bewohner, zerstreue die Macht Satans, zerbreche die Bogen des Bösen, auf sie schleudere die Pfeile zurück, verkünde das Wort der Lehre! Bereite für die Herde das Heilmittel der Barmherzigkeit: für die Greise, für Männer und Frauen, für Diener und Herrn, für Kranke und Mühselige, unterlasse und versäume keine Gelegenheit, sondern predige unablässig! Ein Wächter bist du, darum rufe; ein Aufseher bist du, darum eifere; ein Führer bist du, darum führe zur Kirche; ein Hirte bist du, darum weide sie mit dem rechten Glauben; ein Arzt bist du, darum heile die Wunden ihrer Sünden; ein Kapitän bist du, darum errette das Schiff aus der Sturmflut! Ein Pfand ward dir anvertraut, darüber mußt du Rechenschaft ablegen, wenn du auch nur eine Kleinigkeit vernachlässigt hast. Darum fürchte den Oberhirten und suche die verlorene geistliche Herde, sammle alle festige sie durch deinen Rat und durch Belehrung söhne aus die Feinde mit Gott; die durch den Teufel Zerstreuten vereinige; die von der Kirche Getrennten führe ihr zu (bringe ihr wieder nahe). Die Säumigen ermahne in Eifer zum Gebete; die von der Wahrheit (Abgeirrten und) Verlorenen suche, führe zurück zur Gerechtigkeit die Verführten (Irrenden); heile die Kranken von den Leiden des Feindes; heile die vom Teufel Verwundeten, die durch Sünde Gefallenen richte wieder auf; die durch Unwissenheit Umnachteten erleuchte; jene, die den Geboten Gottes fremd geworden sind, mache wieder heimisch darin; die vom Götzendienst Befleckten reinige, die Sünder führe zur Gerechtigkeit durch die Buße; die Hungrigen speise mit dem Leibe Christi, die Durstigen tränke mit dem Blute Christi!

Alle mache würdig, durch solche Tugendwerke in die Stadt dort oben zu gelangen; leite sie an zu einem bescheidenen Leben, befestige sie im wahren Glauben, ermahne sie zur Demut und Zufriedenheit, lehre sie die Gebote und Satzungen Gottes zu erfüllen, eifre sie an zur Reinheit des Herzens, zum Geständnisse der Wahrheit, zur Behütung der Augen, zur Reinheit des Leibes, zur Enthaltsamkeit und Ausdauer. Lege ihnen nahe die Strenge des Fastens, erwecke in ihnen die Freude zum Gebet, ermahne sie zu immer größerer Mildtätigkeit! Denn dann werdet ihr ganz vollendet, geheiligt und erleuchtet vor Christus hintreten können, um zu empfangen die Krone unvergänglicher Herrlichkeit. Möge er auch uns würdig machen, sie zu besitzen und zu preisen den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit! Amen.

Von den Verleumdern und der Enthaltung des Urteils über die Lehrer.

Eine Menge Sorgen und die Wolken der Trübsal sammeln sich über mir und häufen sich immer. Böse Laster und furchtbare Ungerechtigkeiten sind in die Kirche eingedrungen und lodern zum Himmel wie Feuer und entzünden alles insgesamt, und (doch) dabei sucht Satan uns glauben zu machen, es sei (alles) nur unbedeutend; so hat Satan auch Maria veranlaßt, Moses, den Diener Gottes, zu schmähen und machte sie glauben, es sei nur etwas Geringes, damit sie keine Reue empfinde, und deshalb traf sie schwere Strafe. Wie er Cham dazu trieb, frevlerisch über die Nacktheit seines Vaters Noe zu spotten und ihn glauben machte, es sei das ganz unbedeutend, bis ihn der Fluch der Knechtschaft traf, so ist auch jetzt in die Kirche das Feuer gedrungen und brennt und vernichtet alles zumal, so auch durch Fallstricke.

Der eine treibt Ehebruch, der andere verleumdet, beide versündigen sich in gleicher Weise; der eine stiehlt, der andere verleumdet: beide verfallen gleichmäßig der Strafe. Der eine berauscht sich, der andere verleumdet, die betrunken sind: sie verfallen gleicherweise dem Gerichte. Der eine begeht in Wirklichkeit alle die schweren Sünden, der andere verleumdet: sie werden aber gleicherweise gerichtet und verfallen der Strafe. Denn Paulus stellt nicht etwa Diebstahl und Ehebruchtreiben als größere Ungerechtigkeit hin als Verleumden und sich Berauschen, sondern beides ist gleicherweise schlecht. Daß man sich in gleicher Weise durch beide Fehler vom Reiche entfernt, zeigt er mit einem Worte, wo er sagt: „Weder Diebe, noch Unzüchtige, noch Trinker, noch Verleumder haben Anteil am Reiche Gottes.“

Sieh nur, der Satan hat den Mund aller erfüllt mit dem Laster der Verleumdungen; in einem fort glühen aller Zungen von Schmähungen und Lästerungen gegen den Mitbruder. Dabei muß ich sehen, wie jene, die solche Sünde tun, ohne Furcht und Zagen sich nicht darum kümmern, durch Werke der Buße ihr Herz davon zu läutern und zu reinigen wie von den Sünden des Diebstahls und der Unzucht. Wenn du aber den Ehebruch verabscheust, so verabscheue auch die Verleumdung; denn wenn der Ehebruch etwas Böses ist, so stellt er auf gleiche Stufe auch die Verleumdung. Ja der apostolische Lehrer des Gesetzes stellt das Unrecht, das in der Verleumdung liegt, noch als größer dar, indem er sagt: „Jeder, der seinen Bruder verleumdet, lästert das Gesetz und wirft sich zum Richter auf über das Gesetz.“ Welche Ungerechtigkeit wäre nun aber größeres die, daß jemand, der die Gebote Gottes nicht erfüllt, sich zum Herrn und Richter aufwirft über dieselben!

„Nur einer“, heißt es, „ist der Gesetzgeber und Richter, der rettet, zum Leben erweckt und vernichtet. Was richtest du also über den Knecht des andern?“ Siehe also wie sehr der des Todes sich schuldig macht, der die Ehre und Gewalt des Königs an sich reißt und das Gericht des Richters selber richtet. Denn er spricht: „Mein ist die Rache, und ich werde vergelten, spricht der Herr.“ „Warum aber richtest du (über) deinen Bruder, oder warum verachtest du deinen Bruder?“

So bist du also jetzt selbst gerichtet und dem Gerichte verfallen durch deine Sünden und fürchtest dich nicht und schreckst nicht davor zurück, über andere das Urteil zu fällen, nicht einen beliebigen Menschen hast du verachtet und beleidigt, sondern Gott; seine Ehre und seine Macht hast du dir widerrechtlich angemaßt und hältst über ihn Gericht, ohne dich des Wortes des heiligen Evangeliums zu erinnern, in dem es heißt: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet; denn nach dem Gericht, mit dem ihr richtet, werdet auch ihr gerichtet werden.“ Sache des Heiligen ist es zu richten, und dem Makellosen steht es zu, zurechtzuweisen; dies soll aber persönlich geschehen und bittweise; nicht auf offener Straße soll man jemand seine Sünden vorhalten, noch soll man ihn in seiner Abwesenheit heimlich bei anderen verleumden. Das sind furchtbare Sünden und Gesetzwidrigkeiten. Denn wenn jemand selber lahm ist und andere wegen ihrer Lähmung beleidigt, beleidigt der nicht in der Tat schon im voraus mehr als jene sich selbst! Wenn er selber aber auch zehntausend Fehler besäße, ist er zufrieden, wenn es nur verborgen ist; wenn dagegen sein Mitbruder sich auch nur im geringsten verfehlt, dann regt er sich, geht umher, bringt es allen zu Ohren und wird zum harten Folterknecht und bitterbösen Späher für die Sünden seines Mitbruders. In seinem Auge steckt ein Balken, aber er verbirgt ihn; dagegen sucht er den Splitter in dem Aug des Bruders. Ihn nennt Christus nicht allein Sünder, sondern auch Heuchler und ruft: „(Du) Heuchler, entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, dann gehe hin, den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen.

Wie könnte ferner noch jemand schamloser sein als der, welcher seine Sünden und Verirrungen kennt und trotzdem sich darum nicht kümmert, dagegen voll Neugier zum Aufpasser seines Mitbruders wird, (der umschaut) für welche Verfehlungen er ihn vor den Ohren vieler herabsetzen könne. Und daran denkt er nicht, daß er selbst den Strafen gerade der Sünden verfällt wegen deren er den Mitbruder herabsetzte. An einem fort speit die Zunge aller Feuer der Verleumdung gegen die Mitbrüder. Aber all die Sündenstrafen, welche für den bereitet sind, der (die Sünde) tat, eben diese Strafen werden auch den Verleumdern zuteil. Warum also machst du dich solcher Qualen schuldig, oder welchen Gewinn ziehst du aus deinen Schmähungen? Hast du damit das Sehnen deines Herzensgestillt oder zu welcher Größe ist dadurch dein Reichtum gewachsen? Ist es dir gelungen, Hunger zu stillen durch die Verleumdungen oder dadurch die Blöße zu bedecken? Nicht das geringste hast du gewonnen, nur allein als den reinen Satan schaust du die Gedanken der Verleumder, die da immer voll vom Bösen sind, es fortzupflanzen. Wie Gebärende kreisen sie und streuen Verleumdungen aus. Geradewegs laufen sie einher und verbreiten Verleumdungen über den Mitbruder. Bald bilden sie aus ihren eigenen schlechten Gedanken sich eine Meinung, bald nehmen sie jene von einem andern und verbreiten den schlimmen und befleckenden Samen in die Ohren anderer und machen den Mitbruder bei allen verhaßt; vielen macht er ihn zum Anstoß. An dem Ärgernis, das sie nehmen, ist er selbst schuldig. Wer aber über seinen Mitbruder vielen böse Meinungen in die Ohren bläst, dem gilt das Wort: „Wehe denen, die Arges wähnen und wehe denen, die Argwohn pflanzen; der Herr ist ihr Bestrafer und ihr Richter: Gutes den Guten, Böses den Bösen.“ Warum richtest du also über deinen Bruder, warum verachtest du ihn und schmähst ihn? Siehe der Richter steht vor der Türe und wird jedem vergelten nach seinen Werken.

Welchen Strafen müssen aber erst jene anheimfallen, die nicht nur ihre Brüder, sondern sogar ihre Lehrer und Priester verleumden. Ungerechte sind sie und voll großer Unwissenheit; ganz und gar stehen sie in Untertänigkeit beim Teufel. Denn er speit sein gottloses Gift aus, bis er sie in furchtbarer Bosheit verdirbt; wie er ja auch zuerst in der Wüste das Volk aufreizte, gegen Moses sich zu empören und sodann Gott zu verachten; so tat er es auch mit dem jüdischen Volke, das zuerst die Propheten mordete und hernach Christum tötete; so brachte (trieb) er auch Judas anfangs dahin, des Armen Geld zu entwenden, bis er später den Herrn verriet. So bringt er auch die Lästerzungen dahin, zuerst ihre (Nächsten) Mitbrüder zu verleumden, hernach die Lehrer und Priester: Die Beschimpfungen dieser treffen Gott selber nach dem Worte Christi: „Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ Ist dem nun so, dann beleidigt, wer einen Priester oder Lehrer verleumdet, Christus.

Wenn du Laie bist, setze die Priesterehre nicht herab und spotte nicht darüber. Schaue auf Kore, Dadan und Abiron, welche der Priesterwürde spotteten; siehe, die Erde spaltete sich und verschlang sie und Feuer brach in ihrem Lager aus. Nimm dich in acht, damit nicht auch dich die gleiche Heimsuchung ereilt, wenn du über die Priesterwürde spottest. Nicht ward dir geboten, über die Vorgesetzten zu spotten, sondern auf sie zu hören und sie zu ehren. „Höret auf eure Vorsteher“, heißt es, „und seid ihnen Untertan, denn ihnen obliegt die Sorge für euer Seelenheil (Seelen), und sie müssen Rechenschaft für euch ablegen.“

Du aber verfolgst ihn mit Schmähreden und Verleumdungen, doch siehe, nicht gegen ihn, sondern gegen Gott selbst kämpfst du an, der ihm ja die Priesterwürde verlieh. Denn jeder, der den Priester ehrt, der verherrlicht und ehrt Gott, wer ihn aber verachtet, der beleidigt Gott. Deine Priester halte hoch in Ehren, und die Fürsten deines Volkes verachte nicht. Mag auch einmal ein Priester unwürdig sein, so sieht Gott doch, daß du seinetwegen auch die unwürdigen achtest, denn du hältst ihn für ehrwürdig; wegen des heiligen Gottes geschieht also diese Ehrung, wenn du einen unwürdigen ehrst; allein er ist keineswegs verächtlich, denn ein Engel (Bote) des allmächtigen Herrn ist der Priester. Wenn du ihn aber verachtest, versündigst du dich gegen Gott, der ihm die Weihe gab und durch ihn selbst das Sakrament und die Taufe vollzieht.

Wenn diese darum auch unwürdig sind, dem furchtbaren Geheimnisse sich zu nahen, so hält er doch die Gnaden des Heiligen Geistes nicht zurück wegen dem Heil des Volkes. Denn wenn er durch den Esel und den Götzendiener Balaam sprach zur Rettung des Volkes, wird er dann nicht noch viel mehr (auch) durch unwürdige Priester alles tun, um uns zu retten. Wenn du aber in Heiligkeit (Reinheit) Anteil nimmst an dem heiligen Sakrament, schadet dir die Sündhaftigkeit des Priesters nichts; wie auch die Heiligkeit des Priesters dem nichts nützt, der in Unreinheit sich naht. Glaubst du aber, daß durch die Hände eines fehlerhaften Priesters die Gnade des Heiligen Geistes nicht auf das Opfer herabsteige, und Gott durch ihn nichts wirke, dann wisse, daß du die Ordnung der Kirche umstürzest und deinen Christennamen (preisgibst). Wenn dem aber so wäre und das Opfer kein Opfer ist, wie du behauptest, dann wäre auch die Weihe keine Weihe und der priesterliche Stand wäre nicht fest. Also ist dann auch deine Christenhoffnung eitel, denn wir alle sind von Sünden umstrickt.

Darum kümmere dich um nichts dergleichen, durchforsche nicht die Lebensführung deines Vorstehers und verleumde nicht deine Priester und Lehrer! Du bist nicht beauftragt, den Sünden jemandes nachzuspüren, geschweige denn denjenigen des Priesters. Gottes Sache ist’s zu prüfen und zu richten, warum also willst du prüfen, richten und verleumden? Wenn du nicht einmal dazu Auftrag erhalten hast, über deinen Nächsten zu richten oder ihn zu prüfen und zu schmähen, um wieviel weniger über die Priester und Lehrer! Dein Leben durchforsche, darüber richte, nicht aber über das deiner Vorsteher. Ist er dagegen in Glaubenssachen verwerflich und lehrt er etwas Falsches, dann fliehe ihn, nahe ihm nicht, speise nicht mehr mit ihm, brich ab die (eucharistische?) Gemeinschaft mit ihm und komme mit ihm nicht mehr in Berührung; denn wessen Glauben fehlerhaft geworden und wer etwas Verkehrtes lehrt, mit dem brach den Verkehr ab und wäre es auch (ein) Paulus oder ein Engel; es geht nicht ohne Strafe ab, gleichgültag mit ihm zu verkehren. Den Glauben zu prüfen ist deine Sache, über den Lebenswandel zu richten, ist Sache Gottes. Wenn ein Priester zuverlässig im Glauben ist, dann sei ihm nur gehorsam, seines Lebenswandels wegen schmähe ihn nie!

Du bist noch Schüler, darum richte nicht den Lehrer! Christus ist’s, der prüft und richtet. Denn wenn wir schon über ein unnützes Wort Rechenschaft ablegen müssen, und du schon in das Feuer geworfen wirst, wenn du deinen Mitbruder Narr und unwürdig nennst, welch strenger Strafen müßt dann erst ihr für schuldig gelten, wenn ihr die Lehrer und Priester Gottes schmäht und verleumdet? Der geht ja nicht straflos aus, der das Elend der Sünde an sich trägt und der sich erdreistet, den Dienst am heiligen Altare zu verrichten, sondern er wird zu dem furchtbaren Feuer und zu unerbittlichen Qualen verurteilt werden. Denn es heißt: Keine Sünden sind so groß (böse) und so dazu angetan, den ganzen Zorn Gottes herauszufordern, als wenn jemand in Unwürdigkeit ins Priestertum sich eindrängt. Denn der Diener des Makellosen muß makellos sein an Seele und Leib, denn durch einen Makellosen werden wir Schuldbefleckte gerettet. Den Spöttern über die Priester jedoch, die das Elend ihres Innern kennen und trotzdem mit Verachtung dem heiligen Tische nahen zu dem furchtbaren Geheimnis, stehen große und furchtbare Qualen bereit; sie müssen erfahren die furchtbare Rache an den Verächtern Gottes. Erinnere dich der Söhne Aarons, die mit Verachtung sich dem Dienste (Gottes) nahten; das Feuer des Zornes verzehrte sie; erinnere dich an die Söhne Helis, die den Dienst der Heiligtümer in Unwürdigkeit ausübten, das Schwert verzehrte auch sie. Ihretwillen kam auch Heli um und viele Israeliten verloren das Leben. Wenn das schon im Alten Testamente geschah, um wieviel furchtbarer muß die Strafe sein, die er im Neuen verhängen wird, wenn jemand unwürdig (naht) zur Feier des furchtbaren Geheimnisses hinzutritt.

Nun denn, das sind die Strafen für Priester, die sich auch nur im Kleinen verfehlen und in Sünden dem heiligen Geheimnisse sich nahen; du aber hast keinen Auftrag erhalten, zu verleumden und zu verachten; denn nicht den Menschen, sondern Gott lästerst und verachtest du. Das Volk verachtete Moses und Gott betrachtete es als Verspottung seiner Person1 (bezog es auf sich); einige Israeliten verachteten Samuel und Gott bezog es auf sich. „Nicht dich haben sie entehrt, sondern mich verachteten sie.“ Denn jeder, der den Priester schmäht und verachtet, versündigt sich gegen Gott. Sprich nicht: die Anklagen beruhen auf Wahrheit oder: jedermann weiß darum; denn wenn sie auch wahr wären, so ist es doch nicht unsere Sache zu prüfen, sondern Sache des Richters. Siehe, nicht alle nehmen den Todeswürdigen in das Verhör oder richten ihn, sondern nur die Richter. Du aber sollst über niemand ein Urteil fällen, über niemand (ab) sprechen, über niemand etwas anhören; wenn du aber ein Wort über (deinen) den Mitbruder vernommen hast, so soll es in deinem Herzen ersterben, damit es nicht, wenn es darin verborgen wird, hervorgelange.

Aber auch wir selbst wollen uns nicht gegenseitig verleumden, denn wir alle werden, jeder entsprechend seinen Werken, vor Gott stehen, und wir alle werden, jeder nach seinen Werken, Rechenschaft geben zur Bestrafung, wir alle werden, jeder seine Last tragen, kein Freund kann etwas helfen. Denn während er so in den entsetzlichen Höllenqualen ist, glaubt er in seinem Schrecken vor dem Ansturm des Stromes der feurigen Fluten, er sei allein in den Qualen wegen der gewaltigen verwirrenden Schmerzen; denn gleich lebendigen Blitzeszucken fährt die Glut des wilden Feuers empor, um Rache zu nehmen an den Gottesverächtern.

Jeder also, dem solch furchtbare Schrecken und ein (so schlimmes) hartes Gericht bevorsteht, muß für seine Seele Sorge tragen, er muß seine Arbeit verrichten und seine Sünden beweinen, nachdenken muß er über seine Verfehlungen und prüfen seine Missetaten, nur sein Unglück möge er beherzigen, das Seinige möge er beklagen und beweinen, über das Seine soll er Tränen vergießen und trauern, beständig soll er seine Bosheiten verfluchen und seine Sünden verwünschen, nicht aber soll er nachgrübeln über die Verirrungen seiner Nebenmenschen, am wenigsten über die der Priester und Lehrer. Denn deinetwegen müht sich der Priester ab in der Kirche, deinetwegen betet er und obliegt dem Dienste (Gottes), deinetwegen liest er vor und predigt er, deinetwegen erhebt er die Hände, deinetwegen feiert er das Geheimnis, deinetwegen immer bringt er beständig das Opfer dar, dein Gelübde bringt er vor Gott, deine Feste feiert er beständig, deine Verführten belehrt er und führt sie wieder zurück, deine Katechumenen tauft er, die in Gefahr der Sünde Schwebenden belehrt er; Verzeihung erfleht er für die Büßer, er wacht über den Gottesdienst, die Entschlafenen segnet er zur Reise ein, deine Ehe und die deiner Kinder verherrlicht und veschönert er mit Freudenkronen; den Feind überhäuft er mit Schande, er betet für dein Leben und dein Heil, beständig fleht er zu Gott um Abwendung deiner Strafen. An einem fort bittet er inständig für dein Heil, um dich mit deinem Herrn auszusöhnen, unablässig fleht er für dich um Barmherzigkeit und Verzeihung deiner Sünden, jederzeit ist er in Sorge um deine Seele (um dich), sogar für dein leibliches Wohl ist er in einem fort besorgt und (williger) mehr noch als ein um Silber gekaufter (Sklave) ist er dir zu Diensten.

All diese Dienstleistungen also und noch mehr hat der Priester deinetwegen zu erfüllen, aber nur Spott und Verleumdung muß er dafür hören. Welch schreckliche und unerbittliche Feuersqualen müssen es wohl sein, die dir drohen! Für diese Wohltaten solltest du darum dem Priester dienen, bitten (für ihn) und flehen, du und deine Kinder sollen ihm zu Diensten sein, ihn fürchten wie Gott, ihm wie einem Vater ehrfürchtig be-gegnen, ihn ehren als (wie) einen Wohltäter, ihn lieben wie dich selbst und deine Seele, ihn aufrichten in seiner Trauer, ihn beglücken in seiner Arbeit, (seine Arbeit fördern), seine Lehrtätigkeit unterstützen, in seiner Schwäche ihn trösten, ihn speisen und kleiden, für all seine irdischen Anliegen Sorge tragen und ihn ganz für die Sorge um die seelischen Bedürfnisse freistellen. Diese und andere Liebesdienste mehr mußt du dem Priester erweisen zum Dank für seine Mühen, nicht aber Verleumdung, Hohn und verächtliche Verspottung.

Wenn ihr nun alles dies hört, so löschet aus den Glutofen des Spottes, erstickt das Feuer der Verachtung, bewahret die Zunge vor Schmähreden, behütet die Augen vor unreinen Blicken, läutert die Herzen von bösen (sündhaften) Gedanken, dienet in Furcht dem Herrn! Ehret die Lehrer, seid gehorsam den Priestern, dienet den Kranken, kleidet die Nackten, speiset die Hungrigen, tröstet die Traurigen, helft den Bedrängten, seid unermüdlich im Beten, Fasten, in Werken der Barmherzigkeit. Das ist für euch der Weg zum Heil, er führt hinauf in die wonnige Stadt der ewigen Freuden. Möchten auch wir sie genießen und preisen den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist jetzt und in Ewigkeit. Amen!

Über die Liebe, den Neid und die Eifersucht.

Wir brauchen keine neue Fragen auf zuwerfen über die Liebe; wir haben ja Christus selbst den Lehrer der Liebe, der gesagt hat: Wenn ihr einander liebet, und weiter: wenn ihr mich liebet, so werdet ihr meine Gebote halten. Das Hauptgebot ist ja die Liebe, und wenn sich jemand dem Dienste Gottes weihen will, muß er vor allem die Liebe besitzen: „Daran werden sie erkennen, daß ihr meine Jünger seid, daß ihr einander liebet, wie ich euch geliebet habe.“ Denn er selbst ist die Liebe und Johannes nennt Gott die Liebe; wer in seiner Liebe ist (bleibt), der wohnt in Gott und Gott in ihm. Denn er erfüllt das Gebot seiner Liebe. Zwar hatte er die Liebe schon im Alten Testament verkündet, aber im Neuen Bunde befahl Christus selbst, die Freunde zu lieben und sogar die Feinde zu lieben, ja sogar (sein) das Leben hinzugeben aus Liebe für den Freund. Er selbst gab sein Leben für Feinde und Freunde, auf daß er in uns das Gebot der Liebe nicht nur mit Worten, sondern auch durch die Tat befestige. Deshalb müssen auch wir Gott innig lieben und seine Gebote in Furcht beobachten. Denn darin besteht die Liebe zu Gott, wenn wir seine Gebote von Herzen beobachten; darin aber bestehen seine Gebote, daß wir einander aufrichtig lieben; denn wer aufrichtig seinen Mitbruder liebt, der beobachtet seine Gebote.

Darin besteht die wahre Liebe, wenn wir nicht aus (Eigennutz) Selbstsucht lieben, auch nicht deshalb, weil es also Brauch ist, auch nicht wegen irgendwelcher Zuneigung oder freundlichen Gesichtern zulieb, auch sollen wir nicht lieben, um wieder geliebt zu werden. Nein, einzig und allein des Gebotes Gottes wegen sollst du alle lieben und mit allen Frieden haben. Mit den Dürftigen jedoch nur teile deinen Reichtum, trage Sorge für die Armen wie für deine kranken Glieder; sind wir doch alle untereinander Glieder, und darum müssen wir anderen Glieder mitleiden, wenn ein Glied leidet nach dem Ausspruche Pauli und leiden aus Liebe zum Nächsten, wie auch Christus unseretwegen gelitten hat. Denn wenn der, welcher Gott war, sich unseretwegen und für seine Feinde und Hasser der Verachtung preisgab, wie könnten wir es dann verantworten, wenn wir einander nicht liebten nach dem Gebote, das uns vorschreibt, unsere Feinde zu lieben, diejenigen zu segnen, die uns verfolgen und Gutes denen zu tun, die uns hassen, und zu beten für die, die uns verfolgen. Liebe vergelten zwar auch die Zöllner mit Liebe, da aber kommt das Gebot zur Erfüllung, wo man auch die Feinde geliebt hat; und man soll nach Kräften allen sich nützlich zeigen, die Dürftigen aufrichten, die Betrübten trösten, Bestrafung fordern bei der Beraubung, dem Hilfsbedürftigen beistehen, den Kranken bedienen, die Irrenden zur Einsicht bringen, jeglicher Not des Mitbruders steuern, allen mit Hab und Gut zu Diensten sein, denn bei dem Gläubigen ist alles Gemeingut.

So also soll der Christ und Jünger Christi seine Brüder lieben; denn „daran werden sie erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebet.“ Denn wertvoller ist es, seinen Mitbruder zu lieben als die Prophetengabe zu erhalten, ja diese Liebe steht über der Berufung zum Apostolate, sie überragt noch an Ehre die Märtyrer, ehrenvoller ist sie als jede andere Tugend; aus allen (Tugenden) ragt sie empor wie ein König aus der Mitte des Volkes voll strahlender Schönheit. Mag auch die Zierde der Jungfrauen groß (herrlich) sein, verglichen mit der Schönheit (Glanze) der Liebe muß jeder Tugendglanz erbleichen, wie auch der Glanz der Sterne schwindet vor den Strahlen der Sonne. Wo man Almosen gibt ohne die Liebe, wozu möchten wohl die Almosen gegeben werden. Wollte sie jemand aus Eitelkeit selbst unter Leiden vor den Menschen zur Schau stellen oder unter gleichen Leiden durch Geißel und Kerker sich verzehren und im Feuer verbrennen, nichts würde es ihm helfen. So spricht ja Paulus: „Wenn ich all meine Habe den Armen gäbe, um sie zu speisen und wenn ich meinen Leib zum Brennen hingäbe, hätte aber die Liebe nicht, so nützte es mir nichts. Denn (Ja) wenn jemand in seinem Herzen keine heilige Liebe hat, und hätte er auch die Prophetengabe und die Gnade des Apostolats, und wenn er eine gar strenge Lebensweise beobachtete und durch sein Predigtwort viele erleuchtete und durch seinen Glauben große Wunder wirkte und Berge zu versetzen vermöchte, alles das würde ihm nichts nützen; die Liebe ist ja das würzige Salz jeder Tugend, und wo die Liebe nicht (ist) Eingang findet, da ist das Verderben und der Ausschluß von dem Reiche (Gottes). Wo im Herzen die Liebe ist, da ist auch Barmherzigkeit und Genügsamkeit. Wer liebt, der muß genügsam werden; denn Liebe und Reichtum können nicht zusammen in einer Person wohnen, denn die Liebe gibt die Reichtümer hin zum Besten der Dürftigen. Die Liebe jagt in die Flucht den Neid und die Scheelsucht, Geiz, Hinterlist und Feindschaft, Eifersucht und Zorn, Gottlosigkeit und Stolz; auch jede Art von bitterer Mißgunst ist dem fremd, der die Liebe bewahrt.

Dagegen sind innig mit der Liebe vereinigt Bescheidenheit und Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit, Barmherzigkeit, Genügsamkeit, Aufrichtigkeit, Selbstlosigkeit, Friede, Wahrhaftigkeit, Heiligkeit, Sündenlosigkeit, Wohltätigkeit: ja wer die Liebe bewahrt, übt jegliche Tugend und beobachtet vollauf die Gebote. Wessen Herz dagegen nicht gefestigt ist in der Liebe, in dem sammeln sich alle schlechten Gedanken des Teufels, das ganze Heer der Leidenschaften; denn das Haupt der teuflischen Leidenschaften ist die Selbstsucht, in ihrem Gefolge ist das ganze Heer der Leidenschaften. Denn der Selbstsüchtige kann niemals ein Mann der Nächstenliebe sein. Das Hauptgebot (aber) ist ja die Liebe, an sie reihen sich alle Tugenden; denn wer die Nächstenliebe besitzt, kann unmöglich seinen Eigenwillen suchen, nein er wird nicht nur allen Wünschen des Nebenmenschen zum Guten nachkommen, sondern sich selbst stellt er in dessen Dienst wegen des Gebotes Gottes; weiß er doch, daß die Erfüllung des Gebotes die Liebe ist1.

Jegliche Tugend aber, die der Liebe bar ist, findet die Tore (des himmlischen Hochzeitsmahles verschlossen; sie muß die schreckliche Stimme hören: ich kenne euch nicht und ferner: hinaus mit euch (gehet) in das Feuer der Hölle, zu den Unkeuschen und Mördern! Denn er spricht ja: „Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Mörder.“ Welcher Finsternis aber geht der Scheelsüchtige und Eifersüchtige entgegen, in welchen Abgrund wird er stürzen, wie wird er in den Qualen gemartert und gefoltert werden! Der Anfang der Laster ist die Eifersucht und der Neid. Dadurch verlor ja auch Satan seine Ehrenstellung, und Adam mußte das Paradies verlassen; Fluch und Mühsal, Dornen und Disteln, Tod und Sünde erhielten die Herrschaft über alle Adamskinder; auch Kain irrte deswegen in Qualen umher.

Auch jetzt gibt es ja noch gar viele, die vor Eifersucht glühen, wenn sie sehen, daß ihr Mitbruder glücklich oder reich ist oder Kunstfertigkeit besitzt, oder wie er von vielen wegen Rednergabe geehrt wird. Wenn sie seiner ansichtig werden, grämen und härmen sie sich ab, sprengen Verleumdungen über ihn aus und verfehlen sich so gegen den Willen Gottes, der ihm ja das Glück zuteil werden ließ. Mag darum der Eifersüchtige noch so viele Mühsale ertragen, mag er zahllose Tugenden üben, mag er auch Reinheit und Keuschheit besitzen, mag er sich beständig verzehren in Fasten und Bußwerken, in Sack und Asche, mögen unversiegbare Tränenquellen seinem Auge entströmen bei Tag und bei Nacht, mag er verarmen durch seine Wohltätigkeit, mag er große Wunder wirken, mag er durch sein beharrliches Gebet oder seine Lobpreisungen den höchsten Engeln gleichkommen, ja mag er den Tod als Märtyrer sterben und im Feuer verbrennen: wenn er im Herzen nicht frei ist von Neid und Bosheit, steht es schlimmer um ihn als um alle Mörder und unreinen Ehebrecher, und er ist ungerechter als alle Gottlosen, die im Schlamm der Sünde stecken. Gibt es denn noch verderblichere (schlimmere) Laster als Eifersucht und Neid? Sie verderben mehr als ein verzehrendes Feuer und ein mordendes Schwert und richten zugrunde, wen sie beherrschen. Wer mag denn bestehen in dieser Flamme oder wodurch werden solch teuflische Seelen noch sich gnädige Verzeihung erwirken? Denn es gibt kein Laster, das sich mit dem Neide und der Scheelsucht vergleichen ließe. Immer muß man dabei in Sünden sein. Nie und nimmer, bei Tag und Nacht, läßt er ab vom Morde; unablässig trägt er ja seine Laster mit sich umher.

Wer wäre imstande, die nebeldichte Finsternis zu entfernen, die sich ausbreitet über dem Geiste der Scheelsüchtigen und sie gefangen hält? Niemals trennt sich ja von ihnen die bittere Last ihrer menschenmörderischen Scheelsucht. Mögen solche auch zur Kirche kommen, mögen sie sich verzehren im Gebet und (inständigem) Flehen, mögen sie Ströme von Tränen vergießen, mögen sie Werke der Barmherzigkeit üben, nicht werden sie rein vom Morde. Wie können solche Menschen noch jemals mildreiche Verzeihung erlangen, oder wo gibt es noch eine Bosheit, mit der wir diese unausrottbare Ungerechtigkeit vergleichen könnten! Wo ist noch ein Tier so wütig, wo eine Schlange so bissig, wo eine Viper, wo ein Basilisk so voll mörderischen Giftes? Es gibt nicht, ja es kann (fürder) kein Mensch mehr gefunden werden, der so gottlos und ungerecht wäre, wie es die Geizigen und Scheelsüchtigen sind; denn unaufhörlich verzehren sie sich und brennen vor Sorgen in ihrem Herzen. Er zittert und erbleicht, denn er sieht, daß seine Brüder und Nachbarn Haus und Kinder haben; (er sieht), daß die Dämonen sein Haus zugrunde richten und verderben, sei es durch Felssturz oder Brand oder Überschwemmung, die die Wünsche des Teufels vollstrecken. Darob muß er unablässig Ströme von Tränen vergießen und seufzen. Wahrlich, besser wäre einem solchen Menschen, beide Augen zu verlieren, als mit beiden Gliedern ins ewige Feuer zu wandern. Denn er ist schlimmer als die Heiden und ein Genosse Satans durch seine böse Scheelsucht und wird auch mit ihm erben den feurigen Abgrund und die unauslöschliche Hölle.

Mag er dann auch alle guten Werke vollbringen, mag er all die verschiedenen Tugenden üben, mag er sich auszeichnen durch mancherlei gute Sitten und Lebensgewohnheiten: alles das kann ihm nichts nützen, wenn er den finsteren Groll in seinem Herzen krampfhaft festhält, dazu den Neid und die Scheelsucht. Darum beeile dich für die Zukunft und fliehe aus der Todesnacht dieser Sünden; in Tränen rufe es aus: Gesündigt habe ich gegen Gott den Herrn. Denn dann kannst du aus dem Munde Christi das Wort hören: „Kommet, ihr Gesegneten meines Vaters und besitzet das Reich, das (euch) bereitet ist.“ Ihm sei Ruhm in alle Ewigkeit. Amen!

Über den Charakter der Zornmütigen.

Alle Arten von Sünden und die Verhehlungen häßlicher Leidenschaften tragen das Bestreben in sich, ihre Verfehlungen vor den Menschen zu verbergen. Das Laster der Zorneswut dagegen ist bar der Scham, brutal, rücksichtslos, wild, leicht geneigt zum Lärmen wie ein Flurschütze, der die Vögel verscheucht, bevor noch ein Lüftchen sich regt, und sie verstummen macht und so die Leichtbeweglichkeit seiner Natur zeigt. So verhält es sich mit einem zornmütigen Menschen; denn bevor noch ein Wort des Widerspruchs aus dem Herzen hervorkommen konnte, so gleicht er schon dem Feuer, das entbrennt und prasselnd aufflammt, und ohne Scheu läßt er alle sein leichtbewegliches Temperament fühlen; ohne Zartgefühl und wild, wie er (nun einmal) ist, kann er seine Verwirrung und Ungerechtigkeit nicht verbergen. Nein, wie wenn der Sturm ins Feuer fährt, so daß es heftig entbrennt, so überläßt sich die Zornessünde ihrer Wut gegen die Gegner und mißhandelt alle zumal unter Geschrei wie bei einem Räuberüberfall.

Denn wenn jemand dem Dämon des Zornes nachgeben wollte, würde er ganz von Sinnen kommen, und jener lenkte seine Zunge nach Gutdünken zur Schlechtigkeit; der Mund trieft von Feindseligkeit, das Gemüt läßt er verwildern im Zorne, das Herz ist ergriffen vom Zorne, die Leber preßt er im Streite, das Blut bringt er in Hitze, den Leib macht er erzittern, die Augen verfärbt er, die Farbe wechselt, den ganzen Menschen bringt er in Wut und macht, daß er aufschreit in großer Torheit; ja noch wilder tobt er als die wilden Tiere. Ja nicht einmal bei reißenden Raubtieren oder bei giftigen Schlangen trifft man jemals solch schlimme Eigenschaften, die Gefährlichkeit (das Gift) der Vipern und Basilisken ist nicht zu vergleichen mit den Lastertaten der Zornmütigen. Weder das tödliche Gift noch die Stiche des Skorpions kann man vergleichen mit den Stichen der Zornmütigen. So trifft nicht die Schneide des Schwertes, nicht der Brand des Feuers, wie die Ausbrüche der Zornmütigen. So wütend sind nicht einmal die Dämonen in ihrer Raserei, wie es die Zornesmütigen sind.

Denn unablässig läßt sich dieser Dämon im Zorne hinreißen zum Neid und bestärkt den Menschen in seinem unversöhnlichen Rachegefühl, unaufhörlich sammelt er in sich den finsteren Groll und bewahrt seine Nacht über seinem Herzen. Wie nämlich die Schlangen ihr Gift beständig in sich tragen, so die Zornmütigen die Wut und Rachgier ihres Neides; auf alle werfen sie sich wie tolle Hunde und stechen wie Skorpionen und beißen wie die Schlangen; angefüllt sind sie mit Zornesgift und können nicht sofort gegeneinander friedlich werden; deswegen heißen sie ja Schlangen und Natterngezücht, weil sie unversöhnlich sind gegeneinander und unbeugsam. Jeder von ihnen macht viele Worte, um sich zu rechtfertigen, und um sich zu verteidigen, spinnt er die Fäden der Erzählungen fort und fort; vor allem bemüht er sich, seinem Nächsten großen Schaden zu stiften, indem er den Anschein erwecken will, dieser sei (äußerst) gefährlich.

Der böse Geist seiner Betrübnis befestigt ihn nämlich in der Unbußfertigkeit und verhärtet sein Gemüt in verstocktem Trotze, das Herz versteinert er, so daß es nicht mehr achtet auf den Rat des Bruders oder auf Belehrungen der Schrift. Ja der Teufel verwirrt seinen Geist und läßt ihn nicht einmal mehr seine Fehltritte erkennen, er sucht ihm einzureden, er selbst sei in allen Stücken schuldlos, der andere dagegen sei der Sünder. So macht er einen nach dem andern glauben, der andere sei schuldig, er selber ganz und gar schuldlos.

Dann wieder bestärkt er diesen in dem Gedanken: jener muß sich (dir fügen) vor dir beugen, denn er ist der Schuldige; den andern dagegen bestärkt er in der Meinung: es ist deiner unwürdig, daß du dich diesem zuerst fügst, denn du bist schuldlos. So entfremdet Satan beide einander durch die gegenseitige Feindschaft, sie bleiben verstockt und ohne Sühne. Viele Tage lang beschwert er das Herz des Bruders; er redet ihm ein, Schmach und Schande sei es für ihn, sich vor dem Nächsten zu demütigen; „denn“, so sagt er sich, „wenn ich zuerst nachgebe (mich verdemütige), wird jedermann mich für den Schuldigen halten, den andern dagegen für schuldlos.“ Darum bleibt er unbeugsam in seinem Trotze.

Denn wenn das schlimme Laster des Zornes die Gedanken (des Menschen) einmal erfaßt, dann verdirbt es den Geist darin, läßt ihn verwildern und die Furcht Gottes und die Angst vor dem schrecklichen Gerichte nicht mehr aufkommen. Der Zorn enfremdet sie dem Rechtsgefühl, läßt in ihnen keinen Gedanken aufkommen an das Gericht, nicht erinnert er sie an den Tag ihres Todes, nicht an die Schrecken vor dem furchtbaren Richterstuhl; er ist verhärtet in der Streitsucht; seinen Willen will er durchsetzen.

Weder die Schande vor den Mitbrüdern, noch die Weisung der Lehrer, noch die Vorschriften der Gesetzgeber, noch die Furcht Gottes, noch das Verlangen nach dem Himmel, noch die Furcht vor den Qualen machen Eindruck auf ihn, daß er Reue empfände und Buße tue. Dennoch erdreistet er sich noch, zur Kirche zu kommen und Gebete vor Gott zu verrichten, der sie doch nicht annimmt und zu dem sie doch nicht gelangen. Der Herr selbst hält dir entgegen: „Wenn du deine Gabe auf den Altar gebracht hast und dort dich erinnerst, daß dein Bruder einen Vorwurf gegen dich hat, dann laß deine Gabe dort auf dem Altare, gehe zuvor hin und söhne dich aus mit deinem Bruder, dann komme und opfere deine Gabe,“ und sie ist angenehm.

Nun sind aber die Gebete eines jeden Gaben; sie mißfallen also Gott, wenn man zuvor nicht hingeht und sich mit dem Bruder in seiner Betrübnis gefällig zeigt; wenn man aber hernach zu Gott betet, ist es gottgefällig. Doch er sagt auch: „Laßt die Sonne nicht untergehen über eurem Zorne,“ damit die bösen Geister des Nachts nicht herbeikommen, dein Herz aufzustacheln, damit du am kommenden Morgen dich mit dem Bruder nicht aussöhnst, und dir böse Gedanken, Haß und Neid und allerlei Bosheiten einzugeben. Drum geh und versöhne dich noch mit deinem Bruder, ehe die Nacht hereingebrochen ist; solange du noch (auf Erden) hienieden bist, versöhne dich mit deinem Gegner, damit sie dich nicht vor den Richter führen, der Richter aber zu den Henkern und du nicht mehr (heraus-) kommst.

So beeile auch du dich, solange der erste Tag noch währt, dich mit deinem Nebenmenschen auszusöhnen, und verschiebe es nicht bis auf morgen, denn unversehens kommt unser Scheiden von hinnen, und ob wir noch ein „morgen“ erleben werden oder nicht, wissen wir nicht. Aber wir haben ja ein morgen und beeilen uns nicht, uns mit dem Mitbruder auszusöhnen. Deswegen werden wir unter die Heiden gerechnet; denn ohne ausgesöhnt zu sein mit dem Bruder und Nebenmenschen, ist man unerträglich.

Wie grimmig müssen die Qualen sein, zu welchen solche verurteilt werden, die in ihrem Herzen den Stachel der Feindschaft mit dem Nebenmenschen tragen und dem heiligen Geheimnisse sich zu nähern wagen, wie muß das Feuer, wie die finstere Hölle sie foltern! Du empfängst den Leib des Herrn und willst Gott hintergehen, indem du deine Feindschaft gegen den Nächsten zu verbergen suchst. Wohlan, auch Kain wollte Gott hintergehen, indem er den Mord seines Bruders zu verheimlichen suchte; nun sieh aber seine Angst und Verwirrung, die Folge seiner bösen Gedanken (Pläne). Wer dem Leibe des Herrn sich naht, dabei aber in Feindschaft mit seinen Nebenmenschen lebt, der empfängt nicht den lebenspendenden Leib, sondern verzehrendes Feuer; denn „er ißt und trinkt sich das Gericht hinein“.

Manche gibt es ferner, die die Sehnsucht nach dem heiligen Geheimnis ganz und gar nicht treibt, sich mit ihrem Nächsten auszusöhnen; sie bleiben vielmehr viele Tage lang dem heiligen Sakramente fern und halten es für schwerer, mit ihrem Bruder zu verhandeln und sich mit ihm auszusöhnen, als wenn sie fernbleiben und das heilige Sakrament des Leibes und Blutes Christi nicht empfangen. Aus Scheu vor der Verdemütigung seinem Nächsten gegenüber mißachtet er das Sakrament des Herrn. Er hält sich davon zurück und meint, Gott Ehre zu erweisen, indem er nicht hinzutritt zu dem Sakramente. Er bedenkt nicht, daß er vielmehr Verachtung verrät, wenn er sich nicht beeilt, mit seinem Nächsten sich auszusöhnen aus Liebe und Sehnsucht nach dem Leibe Christi, von welchem Paulus sagt: Wer möchte uns trennen von der Liebe Christi? Trübsal oder Tod und dergleichen können uns nicht scheiden von der Liebe Christi. Dich aber sollte eine nichtssagende Feindschaft mit deinem Nächsten trennen von der Liebe Christi, dich sollte sie abhalten und entfernen von dem heiligen Sakramente? Wenn dich auch jemand beleidigt hat, dann schadest du dir doch nicht, wenn du dich aus Gehorsam gegen das Gebot Gottes verdemütigst? Im Gegenteil, du erhältst einen großen Gewinn. Mag jemand dich auch verachten und verspotten, sprich zu dir selbst: Staub und Asche bist du.

Mag dich jemand arm und bettelhaft nennen: du sprich: Nackt bin ich auf die Welt gekommen, nackt gehe ich auch wieder von dannen. Durch solche Verdemütigungen bringst du die Zungen der Gottlosen zum Schweigen, schließest den Feinden den Mund, zerreißest die Schlinge des Teufels, vertreibst seine Gedanken und keiner aus deinen Feinden kann dir schaden, wenn du nur klaren Verstand bewahrst. Sieh, gar viele wurden schon angefeindet und harrten geduldig aus, ja sie beteten sogar noch für ihre Feinde. Stephanus betete für seine Steiniger; Moses, Samuel, David, ja auch Christus, der Sohn Gottes, wurde angefeindet und betete noch für sie zu seinem Vater. Auch du sollst ähnlich werden diesen trefflichen Männern. „Darum schweige im Zorne und bewahre die Ruhe in der Erbitterung und ereifere dich nicht unter den Schlechten“, sagt der Prophet, denn wo der Zorn und die Erbitterung Eintritt erhalten, dorthin gelangt die Gnade des Geistes nicht, und aus erzürntem Herzen kommen keine gerechten Gedanken, wie es heißt: „Der Zorn des Menschen übt nicht das, was vor Gott gerecht ist.“

Es gibt jedoch auch eine gerechte Erbitterung und einen gerechten Zorn, wenn du einmal Sühne fordern mußt für die (Übertretung der) Gebote Gottes wie Samuel und Phinees, oder wenn es gilt, Rache zu fordern für den beraubten Mitbruder. Wer aber darüberhinaus den Zorn unterhält, oder wer nur Rache für seine Person sucht, der ist ganz und gar zu Unrecht im Zorne; auch Christus sagt von einem solchen: er ist schuldig der Hölle und des Feuers. Denn der ungerechte Zorn ist der Weg zu gar manchen Lastern; der Zorn bringt mit sich Lärmen und Schreien, Haß und Feindschaft, Eifersucht und Neid, Rachgier und Mord und viele andere Laster. Wer Meister wird über den Zorn, der stillt und beseitigt (beruhigt) alles wie das Feuer, wenn es keinen Brennstoff mehr hat; denn sobald jemand in Zorn gerät, und du bewahrst die Ruhe, erstickst du seinen Zorn. Sollte dich aber auch jemand einen Besessenen nennen, laß dich nicht erzürnen; wenn du dich aber erzürnst, gibst du deinen Feinden Recht, denn der Zorn kommt vom Teufel und nicht von Gott. Siehe, auch den Herrn nannten sie einen Besessenen, und er erzürnte sich nicht, sondern ruhig gab er ihnen zur Antwort: Ich habe keinen Teufel. Befeindet dich jemand und verachtet er dich, wohlan, der Herr wurde noch weit mehr befeindet und verachtet. Es hat dich (vielleicht) jemand bedrückt und dich beohrfeigt, siehe auch den Herrn bedrängten sie und gaben ihm Backenstreiche, ja sie quälten (peinigten) und kreuzigten ihn, was dir nicht widerfahren ist. An alles das erinnere dich zur Zeit der steigenden (erwachenden) Erbitterung.

Gar oft befeindet uns Satan; darum wollen wir uns nicht auch noch die Brüder zum Feind machen; wir wollen uns vielmehr beeilen, uns miteinander auszusöhnen, damit wir im Kampfe die Krone erringen, indem wir unserm Bruder zuvorkommen und uns vor ihm beugen. Denn die Krone und Ehrenpreise stehen (werden errungen) inmitten der Gegner und Kläger; wer nun zuerst kämpft und vor dem Mitbruder sich verdemütigt, um durch Bitten den gekränkten (betrübten) Bruder wieder umzustimmen, der trägt den (Siegespreis) Ehrenpreis davon und die Krone, weil er sich im Wettstreite zuerst verdemütigt (herabgelassen) hat. Denn Satan, den schlimmen Feind, hat er verwundet durch seine Demut, sich selbst und seinen Mitbruder hat er seiner Hand entrissen und errettet vor dem ewigen Tode. Für seinen Heldenmut empfängt er deswegen einen großen Lohn und die Freude ewigen Glückes.

Deshalb wollen wir einer kleinen Verdemütigung wegen nicht das ewige Heil auf das Spiel setzen. Viele haben ja des ewigen Lebens wegen ihre Person und ihre Habe für nichts geachtet, sie haben auf die eheliche Liebe und auf die Hingabe an ihre Kinder verzichtet, allerlei Qualen ertrugen sie mit Geduld und gingen sogar ins Feuer, nur um des Reiches Gottes teilhaftig zu werden. Dir stehen nicht Feuer und nicht Schwert bevor, nicht brauchst du allerlei Folter zu erdulden; nur herablassen sollst du dich zu deinem gekränkten Mitbruder und mit Bitten es versuchen, dich mit ihm auszusöhnen, und dafür erhältst du die Märtyrerkrone. Warum fällt es dir in deinem Herzen so schwer, deinen Bruder zu bitten? Du brauchst nicht durchs Feuer zu gehen, laß dich nur herbei zur Selbstverleugnung. Beeile dich darum, zuerst bittend zu deinem Nächsten dich herabzulassen, und erwirb die Krone des herrlichen glorreichen Martyriums und das unaussprechliche Glück des Himmelreiches.

Da wir nun alles das beachten (hören), laßt uns den Ärger ersticken, laßt uns den Zorn besänftigen, mit dem Lärm verstummen und die Liebe üben, die Demut uns aneignen, den Gehorsam üben und bei der Aussöhnung dem Nächsten zuvorkommen. Denn nur durch Heldenmut werden wir das Glück des Himmels erlangen in Christus Jesus, unserm Herrn. Ihm sei Ruhm in alle Ewigkeit!

Über die Gehässigen und Rachgierigen.

Schlimmer als alle andern Laster und Sünden ist, wie wir sehen, das furchtbare Unrecht und die große Bosheit der haßerfüllten und rachgierigen Menschen; denn alle (andern) Sünden und Ungerechtigkeiten brechen einmal mit Macht hervor gleich Feuerflammen,dann aber hören sie wieder auf. Wenn dagegen ein Rachsüchtiger in seiner Unversöhnlichkeit Widerspruch erfährt von seinem Nächsten, dann glüht es in ihm immerfort von lasterhaften, heimtückischen Gedanken. An einem fort flackert die unauslöschliche Flamme des Neides in seinem Innern und unablässig stachelt sie das rachsüchtige Herz der Gehässigen auf, und sie zehren und härmen sich ab im Innern und foltern sich selbst; ja manche verlieren ihre Gesichtsfarbe bei ihren schlimmen Plänen und der Bosheit ihres Herzens. Unter den Menschen schleicht sie umher dann wie eine hinterlistige Schlange, und gleich dem Gifte der Schlange trägt sie die Bosheit bereit im Herzen, und stets hat in ihrem Herzen der Satan Heim und Haus; was immer der Teufel ihm zuflüstert, darauf hört der Gehässige und all seine Wünsche erfüllt er ihm sofort; dem Äußern nach ist er ein Mensch, seiner Natur nach aber ein reißendes Raubtier. Im öffentlichen Leben gibt er sich wie ein Mensch, aber sein Inneres ist voll von der Bosheit des Teufels. In die Kirche geht er wie ein Christ, aber seine Gebete sind schlimmer als unreine Götzenopfer; denn die Gebete der Rachsüchtigen kommen nicht vor Gottes Angesicht, denn die Bosheit wohnt in ihrem Herzen, unablässig sinnen sie auf Unrecht und Bosheit.

Mag ein solcher Mensch auch viele Reichtümer zur Wohltätigkeit aufwenden, mag er wachen und fasten, mag er in Werken der Abtötung abmagern, nichts kann ihm alles das helfen, wenn er den Haß gegen seinen Nächsten nicht aufgibt, wenn er die Bosheit in seinem Herzen verborgen hält. Beständig steht er auf der Lauer und sinnt auf eine Gelegenheit, seine Bosheit auszuüben und seinem Gegner eine Schlinge zu legen. Wünsche treiben ihn, grübelnd geht er hin und her, er ist abgemattet und verwirrt wie eine Gebärende. Gegen seinen Nächsten schmiedet er Ränke. (Er geht damit um, ihn durch Hunger zu töten oder durch das Schwert.) Er wünscht ihm bald Hunger, bald Schwert und Räuber, bald den Tod, bald alles Unglück und üble Nachreden. (?) Wenn er seiner ansichtig wird, schaut er auf die Seite und empfindet es lästig, an seiner Haustüre vorbeigehen zu müssen. Wenn er ihm irgendwo unterwegs begegnet, sucht er vom Pfade wegzukommen, um ihm nicht begegnen zu müssen; entdeckt er ihn in der Kirche, so sträubt er sich sogar, in die Kirche zu gehen; wenn er ihm auf offener Straße (auf offenem Markte) begegnet, wendet er seine Augen weg, um ihm nicht ins Gesicht schauen zu können (müssen); er senkt das Haupt sogar, gleich als wollte er mit der Erde sich unterhalten, und sinnt auf Bosheiten gegen seinen Feind. Wenn er sodann jemand über jenen sprechen hört, dann schaut er auf, dann geht ihm das Herz auf und empfindet Genugtuung, mit Wohlbehagen hört er zu und verschärft die Schmähungen noch, voll Eifer unterhält er sich mit den Verleumdern.

Hört er dagegen ein Lob über seinen Feind, dann gerät er in Trauer, sein Gesichtsausdruck (verändert) umwölkt sich, er härmt und grämt sich ab in seinem Innern. Freund ist er seinen Gegnern, dagegen Feind dessen Freunden. Er haßt dessen Kinder, er verleumdet die, welche ihm ähnlich sind, er haßt nicht nur die vernünftigen Wesen, er haßt sogar dessen Tiere, er wirft gehässige Blicke auf dessen Felder, wobei er Unheil und Trockenheit auf sie herabwünscht. Alles das und noch mehr sinnt der haßsüchtige und rachgierige Mensch in seinem Herzen, aber nach außen läßt er seinen Groll nicht kund werden.

Einen solchen Menschen braucht man nicht erst einen teuflisch gesinnten zu nennen, er ist eine Schlange und Viper oder wenn es sonst noch wildere Tiere gibt; denn er ist ein Ungetüm, noch schlimmer als die Natur der Schlangen und Vipern. Diese sind ja von Natur aus wild; der Rachgierige dagegen unterhält frei die boshaften Gedanken des Teufels; mit ihm wird auch sein Los sein im ewigen Feuer und in der schwarzen Finsternis.

Aber staunen muß ich über die göttliche Langmut, die nicht augenblicklich einen Blitz vom Himmel schleudert über solche Gotteslästerungen (dieser Toren); denn ihre Ungerechtigkeiten und Bosheiten läßt er noch länger geschehen als die der Räuber und Mörder. Diese morden ja nur zeitweilig, zeitweilig lassen sie wieder ab davon; die Rachgierigen dagegen und Haßsüchtigen lassen nimmer ab vom Morde. Sogar bei der Unterhaltung ist er ein Menschenmörder, denn er hegt den Haß gegen den Nächsten in seinem Herzen, er ist sogar auf seinem Ruhebett ein Mörder, wenn er den Haß gegen seinen Nebenmenschen wachruft; zu Hause ist er ein Mörder, in der Kirche ist er ein Mörder, auf offenem Markte ist er ein Mörder. Ein Mörder ist er auf dem Wege, ein Mörder bei Tag und bei Nacht und in jedem Augenblick, denn unablässig trägt er mit sich den Groll und die Eifersucht in seinem Herzen herum. Der Teufel schürt hernach die Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit der Rachsüchtigen immer mehr zu hellem Haß und treibt ihn dazu, Rache zu nehmen an dem, der ihn schädigte. Und wenn auch der Schaden nur geringfügig ist, der Satan treibt sie zu größerem an, bis er sie dazu bringt, die Weinberge und Felder zu verwüsten; immer weiter bestärkt er sie in ihrer Lasterhaftigkeit und bringt sie schließlich darin so weit, an Häuser und Schlösser Brandfackeln zu werfen.

Wie tief muß wohl der Abgrund der Hölle sein, der solch Gottlosen droht! Welch ein Feuer, welch schwarze Finsternis! Gingen sie doch in ihrer Gottlosigkeit so weit, daß sie die Wohnungen der Menschen in Brand stecken, und (ihren Bewohnern) ihnen furchtbaren Schrecken einjagten vor den Armen des Todes; ja selbst Greise und Kinder richten sie herzlos und grausam zugrunde. Nun denn, gibt es eine Ungerechtigkeit ruchloser als diese, oder eine Sünde schlimmer als diese, oder gibt es noch eine Bosheit, die jemand für schlimmer hielte als diese? Wo in aller Welt gibt es noch einen Menschen, der so tief in das Laster versunken wäre oder in die Gottlosigkeit? Du schlimmer und gottloser Teufel, der du den Menschen in einen solchen Abgrund stürzest, bis daß er solche Verbrechen verübt und Ströme von Blut vergießt! Ja derart verblendest und verführst du den Menschen, daß er mit einem Schlage ein ganzes Vermögen zugrunde richtet, Wohnungen in Brand steckt und alle Bewohner auf einmal herzlos und grausam in gräßlichen Tod mit dem Schwert niederstreckt.

Sogar den Heiden erscheint das trotz ihrer Gottlosigkeit unbegreiflich. Nicht einmal unter den Götzendienern und Barbaren war einer jemals einer solchen Tat fähig. Wer wäre sonst noch imstande, so viele Mordtaten und solche Verheerungen an den Menschen zu vollführen, als der (jemand) verübt, der sich von frevler Rachsucht und Verblendung hinreißen läßt! Mögen nun auch die Bewohner desselben (des Hauses) vor dem Feuertode bewahrt geblieben sein, er hat trotz alledem durch Gesinnung und Tat am Untergange aller gearbeitet und ihr Blut vergossen. Für die Ermordung aller muß er Rechenschaft geben und gar peinliche Qualen erdulden. (Darum muß er Rechenschaft geben und so peinvolle Qualen erdulden, gleich als hätte er alle ums Leben gebracht.)

Was also hast du getan, unglücklicher, gottloser Mensch, der du so tief in den Haß und in die Gottlosigkeit versunken bist? Ein Helfershelfer Satans bist du geworden, schlimmer als die Dämonen; frevelhafte Schandtaten hast du verübt, das Blut vieler klebt an deinen Händen. Wenn Kain schon eines einzigen Mordes wegen ein so peinliches und qualvolles Strafgericht traf, welche Feuerflammen und Glutströme werden dann über dich hereinbrechen! Denn noch viel strenger fordert Gott aus den Händen eines Mannes (das Leben) das Blut seines Nächsten und besonders wenn es sich um derartige Mondtaten handelt, bei denen sich einiger beleidigender oder ungeschickter Worte halber oder geringfügiger Verfehlungen wegen zur Rachsucht hinreißen läßt, furchtbaren Schaden anrichtet und schreckliches Blut vergießt! So besinne dich denn darauf, du Unglücklicher, wie toll und gottlos du es treibst. Siehe, dank deinem Stolze (deiner eitlen) und deiner Ruchlosigkeit ging der Vorrat (die Lebensmittel) in Flammen auf, wurden die Wohnungen eingeäschert, die Bewohner getötet, das Vermögen zugrunde gerichtet und alles Besitztum ging verloren.

Welchen Nutzen hast du nun aus deinen teuflischen Ruchlosigkeiten gezogen? Nur Strafen, Trauer und Beben vor der Hölle hat es dir eingetragen, Feuer, Finsternis und ewige Pein! Diese hast du gequält mit vergänglichem Feuer. Dich aber umschließt ein immerbrennender Feuerofen, wo qualmendes (dunkles) Feuer im Innern brennt und in welchem von oben herab Feuerströme sich ergießen. Nur kurze Zeit hast du gefoltert, deiner dagegen warten furchtbare Qualen und Schmerzen, dazu wilde giftige Schlangen, welche dich endlos quälen in unzähliger Pein; unablässig sind dort die Augen tränennaß, ruhelos knirschen die Zähne, nimmer findest du Ruhe in der unermeßlichen Angst. Das ist zur Strafe dafür, daß du auch für geringfügige Schädigung so bitter gestraft hast. Denn magst du auch von ihm geschädigt worden sein, mag er dich auch verletzt haben, so hättest du dich an den Fürsten wenden sollen, dem es zusteht zu strafen, und an das Gericht des großen Gottes, nicht aber eigenmächtig Rache nehmen sollen.

Denn wenn ein Diener seinen Mitarbeiter belästigt, und dieser erträgt es mit Geduld aus Scheu vor seinem Herrn, so wird der Herr ihm Richter sein (ihm zum Recht verhelfen). Wenn er sich aber über die Bestrafung und den Richterspruch seines Herrn hinwegsetzt und selbstmächtig an seinem Mitmenschen Rache nimmt, so entfacht er den Zorn seines Herrn; dies bestrafen ja auch die weltlichen Richter. Wenn nun jemand von den Beschädigten den Richter nicht anruft zur Bestrafung, sondern den Rang seiner Fürstenstellung mißachtet und eigenmächtig Rache nimmt an dem Schädiger, wie entbrennt da der Richter in Zorn gegen ihn! Dasselbe gilt auch vom Gerichte Gottes.

Wenn jemand von einem Stärkeren beschädigt wird und bleibt ruhig dabei aus Furcht vor Gott, ohne Rache zu nehmen an den Urhebern des Schadens für die Beschädigung, dessen Rächer ist der Herr, der den Bedrängern Bedrängnis schickt, Pein den Peinigern und den Urheber des Schadens straft im Feuer der Hölle und mit allerlei Qualen. Wer aber in Gottesfurcht sich geduldet bei zugefügten Schädigungen, empfängt die Krone der vollendeten Dulder und die ewigen Güter der Heiligen und Gerechten.

Wer dagegen Gott die Rache gegen den Urheber des Schadens nicht anheimstellt und nicht geduldig sein Gericht abwartet, sondern Gottes Rächergewalt (gewaltsam) an sich reißt und eigenmächtig Rache nimmt für die (zugefügten) Schädigungen, der entfacht (weckt) den gewaltigen Grimm des furchtbaren Zornes Gottes gegen sich; er quält und foltert ihn erbarmungslos und mitleidslos mit den Strafen in dem höllischen Feuer und in dunkler Nacht (Finsternis). Dort muß er mit zahlreichen Tränen und in schmerzlichen Qualen sein furchtbares Unglück und seine Schmerzen kläglich beweinen, ohne daß es ihm etwas nützt; das ist zur Strafe dafür, daß er nicht dem Gerichte Gottes die Rache überließ, sondern die Ehre des göttlichen Gerichtes mißachtete und selbst den göttlichen Richterspruch fällte, indem er in seiner Rachsucht den bestrafte, der ihm Schaden zufügte. Ja, zu noch viel qualvolleren Peinen wird Gott ihn verurteilen als die waren, die er über Schädiger (verhängte) kommen ließ. Denn der Schadenstifter wird für den Schaden geringe Strafe erhalten, aber Strafen ohne Erbarmen werden verhängt über den, der Rache nimmt, dafür, daß er unermeßliches Verderben verursachte, alles Besitztum zugrunde richtete und Ströme von Blut vergoß. Mögen auch Vermögen, Haus und Bewohner vor dem Feuer und Untergange bewahrt worden sein, so ist dieser doch für seine Person des Verbrechens schuldig. Für alles muß er strenge und unerbittlich gestraft werden, wenn er auch nur den Willen hatte, es zu verderben.

So achte denn niemand das furchtbare Laster der Rachsucht gering und niemand nehme eigenmächtig (für sich) Rache, vielmehr überlasse er es dem göttlichen Richter, denn: „Mein ist die Rache und ich will züchtigen, spricht der Herr.“ Du aber sollst nie Böses mit Bösem vergelten; nein, wenn dein Feind hungert, so gib ihm Brot, wenn er dürstet, reiche ihm Wasser; das Böse will ich dann vergelten, spricht der Herr. Da nun einmal der Herr die Rache und die Vergeltung ist für die Schädiger und für die Beschädigten, so darf niemand eigenmächtig Rache nehmen und keine Strafe über den verhängen, der ihm Schaden zugefügt hat, denn eine solche Ungerechtigkeit übertrifft noch weit die Gottlosigkeit der Heiden. Von dieser sollen wir mit größter Vorsicht uns fernhalten, damit wir nicht mit Satan in den Abgrund des Verderbens stürzen und dort brennen müssen, damit wir nicht angeschmiedet werden an unlösbare Ketten und unaufhörlich gequält werden in der dunklen Finsternis.

Entfliehen wir darum den Fallstricken des Teufels; verachten wir seine Lockungen, entsagen wir dem rachetrunkenen Hasse, rotten wir aus den Stachel aus unserem Herzen, den der Teufel gleich einem Feuer in uns entfacht hat und der gleich einer Feuerflamme emporschlägt, um den ungerechten Haß aufs höchste zu steigern (um den ungerechten Haß zu vollenden). Das wollen wir von uns weisen; Freude wollen wir denen bereiten, die uns Schaden zugefügt, unsere Feinde wollen wir lieben, unsere Hasser wollen wir segnen, Böses laßt uns mit Gutem vergelten, alles wollen wir so tun, wie es Gott wohlgefällig ist. Dann werden wir (wahre) vollkommene Kinder (Söhne) unseres himmlischen Vaters und die Freuden der unvergänglichen Güter (erben) erlangen in Christus Jesus, unserm Herrn. Ihm sei Ruhm in Ewigkeit! Amen.

Rede über die kleinen Diebstähle, für welche man keine Buße tut.

Ganz plötzlich betört und unversehens verwirrt der Teufel gar viele in ihrem Denken und läßt sie die Gebote Gottes vergessen. Er umstrickt alle ihre Gedanken und Sinne, verschleiert vor ihnen die Wahrheit, streut den Unkrautsamen der Sündhaftigkeit in ihr Denken und macht sie glauben, ihre Verfehlungen gegen die Gebote Gottes hätten gar wenig zu bedeuten. Hören wir jedoch auf die Vorschriften Gottes: auch nicht ein Jota, was nur ein halber Buchstabe ist, wird von allen den Geboten Gottes und (der Propheten verlorengehen; wir werden ja sogar gerichtet werden über unnütze Worte, unschickliche Gedanken und Erwägungen.

Was aber werden jene tun, die den Geboten Gottes zuwiderhandeln und das noch für gering ansehen? Wenn sie offenbare Diebstähle für gering und unbedeutend halten und darum auch ohne Buße zurücklassen, weil sie das Furchtbare für nichts achten, und, auch nicht mit zerknirschtem Herzen und betrübter Seele bekennen und mit inständigem Flehen abbüßen. Im Gegenteil, in ihren verkehrten Gedanken machen sie sich an alles unterschiedslos heran und halten es für nichts; denn sie sagen: um kleine Diebstähle zu Hause oder (draußen kümmert Gott sich nicht, noch richtet er darüber. Gottlos und teuflisch (fürwahr) ist eine solche Sprache, sie ist voll Ungerechtigkeit. Wenn der Barmherzige schon für seinen guten Willen das Himmelreich erhält und großen Lohn sogar für einen Becher Wassers, wie kann (Gott) er dann die so offenkundigen Verfehlungen unbeachtet lassen?

So laß dich vom Teufel nicht dazu bereden; nein, wenn du die Sünden nur gering anschlägst, so hast du die Gebote Gottes verachtet und mit Füßen getreten und alle seine Vorschriften verachtet; denn wenn man auch nur ein Gebot übertritt, so macht man sich des ganzen Gesetzes schuldig. Denn nicht das Maß der Sachen bedingt die Bosheit der Sündenwunden und (der Schäden) der Sünde, sondern der Umstand, daß er die Gebote übertreten hat, richtet den Fehlenden zugrunde. Denn wenn jemand die königlichen Dekrete zerreißt, dann fordert man nicht etwa nur Papier für das Papier, denn das könnte man für wenige Münzen kaufen, auch bestraft man nicht nach dem Maße (Werte) des Papiers, sondern für die Mißachtung der Befehle des Königs sind allerlei Strafen, selbst bittere Todesstrafen, vorgesehen. So war ja auch der Diebstahl Adams nicht groß, nur das Stück einer einzigen Frucht; nun betrachte die große Zahl von Mühseligkeiten, Fluch, Tod, nicht nur von Adam, sondern von allen seinen Nachkommen. Das geschah nicht nur wegen des Diebstahls einer Frucht, sondern wegen der Versündigung am Gebot des Schöpfers und am Werke seines Mundes; denn der gleiche, der gesagt hat: du sollst nicht töten, sprach auch: du sollst nacht stehlen! Darum also fragt man nicht allein darnach, ob die Sünden an Kleinem oder Großem geschehen sind, sondern nach der Übertretung der Gebote und der Verachtung der Gesetze; denn Christus sagt: auch der letzte Heller wird gefordert werden, und wer auch nur eines der Gebote Gottes in etwas bricht, der wird gering genannt werden im Reiche Gottes. Denn wenn jemand durch die Sünden verwundet ist -und achtet sie noch für gering und tut keine Buße, so sind das Sünden zum Tode.

Siehe nur, klein ist das Senfkörnlein, aber hernach wächst es und wird ein Baum; gering ist der Sauerteig, und doch macht er die ganze Masse sich gleich; klein ist auch der Blitzstrahl, kommt er aber einem Gegenstand nahe, so setzt er große Strecken in Brand; ganz dünn und fein ist auch der Biß der Schlange und klein ihre Wunden, aber das scharfe Gift führt einen fürchterlichen Tod herbei; unscheinbar und gering ist auch der Biß des Skorpions, aber heftige Schmerzen bringt er über den ganzen Körper und dringt hinein bis ins Herz. Wie schrecklich muß erst der Befehl aus Gottes Mund mit todesbitterer Qual seine Verächter treffen. Siehe nur, Cham achtete die Unehrerbietigkeit gegen seinen Vater für gering, und doch verfiel er dem Fluche und der Knechtschaft mit allen seinen Nachkommen. Auch die Söhne Aarons achteten die Verfehlungen in ihrem Dienste für gering, aber ein außerordentliches Feuer verzehrte sie. Für gering achtete es auch Kain, daß er eine minderwertige (unauserlesene) Gabe (als Opfer) darbrachte, und verworfen und entehrt ging er weg aus dem Angesichte Gottes. Für gering achtete auch der Prophet das Gebot, kein Brot zu essen, und ein Löwe zerriß ihn unterwegs.

So ereilte jeden, der die strengen Weisungen Gottes für gering achtete, eine schwere Strafe, nicht nur die Qualen in der Ewigkeit, sondern auch vorübergehende zeitliche treffen ihn. Denn wie (die Witwe) sie den vollen Lohn der Barmherzigkeit erhielt für ihre zwei Münzen, die sie als Almosen gegeben, so erhält auch jemand, der desgleichen nur im Werte von zwei Münzen gefehlt hat, ohne dafür Buße zu tun, die volle Strafe und Züchtigung, die auf der Übertretung des Gebotes steht. Denn wer darauf ausgeht, ein Metall, das ihm gefällt, zu stehlen, macht sich auch keine Bedenken, wenn er auch auf Gold stoßen würde; denn Christus selbst sagt: Wer im Kleinen untreu ist, ist auch untreu im Großen, wer aber über Weniges getreu, ist es auch über Vieles.

Mögen auch manche die Mordtaten teils für große, teils für kleine ansehen, es gibt trotzdem nur ein Gebot Gottes: Du sollst nicht stehlen, Du sollst nicht ehebrechen, Du sollst nicht töten; siehe also: nur eine einzige Gesetzesgebung besteht für Kleines und Großes. Mag nun jemand einen König ermorden oder einen Armen: es ist der gleiche Mord; auch die Ermordung eines Greises und eines Kindes ist dieselbe (bleibt sich gleich). Und wenn jemand mit einer Königin Ehebruch begeht, ist es derselbe Ehebruch, wie wenn es mit einer Armen geschieht; so macht sich auch der, welcher Gold stiehlt, geradeso des Diebstahls schuldig und der Gesetzesverachtung wie der, welcher Blei stiehlt.

Ja noch mehr versündigt sich eigentlich der, welcher gleichsam für ein Nichts das Gebot Gottes verachtet. Denn wer um einer Menge Goldes willen einen ermordet, könnte am Ende sagen, er sei durch das Gold verführt worden. Wer aber einer einzigen Münze wegen jemand ermordet, erhält noch größere Züchtigung. So wird auch der, der um kleiner Dinge willen die Gebote Gottes verachtet, unglücklich und elend und verdient harte Züchtigung. Noch verwerflicher (schlimmer) ist es, wenn man sich verfehlt gegen Familienangehörige und Freunde. (?) Auch ist es schlimmer, wenn jemand an sich selbst Hand anlegt, als wenn er einen Fremden ermordet; denn bei einem solchen ist derart die Leidenschaft entbrannt, daß er sich sogar an seinen Angehörigen und den ihm Nahestehenden verfehlt. Keiner sage darum: „Ich nehme es ja den Freunden, das schadet nichts.“ Nein, es ist Diebstahl, ja es ist sogar noch sündhafter, als wenn sie es einem Fremden entwendet hätten, denn sie versündigen sich an ihren Angehörigen und Geliebten; wie ich aber oben sagte, ist der Selbstmord noch schlimmer als die Ermordung von Fremden.

Deswegen fort mit dieser sinnverwirrenden Heuchelei, beobachtet mit größter Sorgfalt die Gebote Gottes. Denn Gott zwingt uns nicht entgegen unserem Willen, daß wir sein Wort erfüllen, sondern überläßt es unserem Gutdünken, wie wir uns entscheiden wollen. Wenn wir aber nicht in Furcht seine Gebote beobachten, dann bewahrt er alle unsere Verfehlungen bis auf den großen Tag des furchtbaren Gerichtes, wo wir vor dem schrecklichen Richterstuhle erscheinen müssen, wenn der Thron des Gerichtes aufgestellt wird und der Alte der Tage sich darauf niederläßt, wenn die Feuerströme aus dem Schlünde hervorbrechen und die flammenden Feuergarben und der (aus dem) finstere(n) Tartarus; dazu die weinenden Augen, das Zähneknirschen und die trostlose Trübsal der Sünder. Das alles wollen wir beherzigen und darum aufgeben unser unnützes Gerede, unsere Lässigkeit wollen wir mit dem Eifer vertauschen, achten wollen wir auf seine Gebote, läutern wollen wir unsere Seele; in Heiligkeit wollen wir unsere Tage verbringen, frei von Sünden den Rest beschließen; dann wird das ersehnte Paradies unser Erbe sein, genießen dürfen wir dann die unvergänglichen Güter in Christus Jesus, unserm Herrn; ihm sei Ruhm und Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Über die schlimme Gewohnheit des Schwörens.

Die Gewohnheiten zum Bösen sind überall sehr schlimm; aber eine ganz besonders schlimme Untugend und verkehrte Gewohnheit ist das Schwören; so sehr verwirrt die Leidenschaft, zur Gewohnheit geworden, den Sinn, daß (bis) die Sünden wegen der völligen Angewöhnung an sie gar nicht mehr als Sünde erscheinen. So können wir ja auch jetzt viele beobachten, welche der Teufel an das sündhafte Schwören gewöhnt; keiner fürchtet in seinem Innern, sich eines sündhaften Vergehens schuldig zu machen.

Wenn Gott auch im Alten Testamente sagt: Du sollst schwören bei dem Herrn, deinem Gotte, so hat er doch nicht den Befehl zum Schwören gegeben, sondern wollte ihren kindlichen Sinn damit abhalten, beim Schwören die Namen der Götzen anzurufen. Sie konnten damals nicht mit einem Schlage die Höhe der Vollkommenheit erhalten, sondern er gewöhnte sie wie junge Esel. Wenn er gesagt hätte: Du sollst nicht schwören, so hätten sie vielleicht überhaupt nicht geschworen, (so aber sagte er) wenn du schwörst, schwöre bei dem Herrn, deinem Gotte.

Im neuen Testamente aber hat Christus alle Gebote in ihrer vollkommeneren Form aufgestellt und das teuflische Schwören vollständig abgeschafft. Moses allerdings sagte: „Du sollst nicht falsch schwören“, ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören, nicht beim Himmel, denn er ist der Thron Gottes, nicht bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, nicht bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs, auch nicht bei dem Haupte sollst du schwören, denn du kannst kein einziges Haar weiß oder dunkel machen.

Hier also siehst du den Vorzug des neuen Gebotes. Moses sagte: Du sollst nicht falsch schwören; ich dagegen sage: man soll überhaupt nicht schwören, weder falsch noch in Wahrheit; ist es ja niemals ein gerechter Schwur, sondern er kommt vom Teufel; denn Christus selbst sagt: was über „ja“ und „nein“ hinausgeht, ist vom Teufel.

Wenn er aber schon verbietet, beim Throne Gottes zu schwören, welcher Hölle, welch furchtbarem Feuer sollen dann jene überantwortet werden, die bei Gott schwören! Und wenn er verbietet, bei dem Schemel zu schwören, in welch eine Finsternis wird dann der stürzen, der bei dem Kreuze schwört und bei seinem Leiden! Und wenn er verbietet, bei dem Haupte zu schwören, so zeigt sich darin, daß nicht du Herr bist über dein Haupt, sondern der, welcher es weiß werden läßt. Wenn du aber nicht einmal Herr bist über dein Haupt (über dich selbst), wieviel weniger über deinen Nächsten! Zu welchen Qualen aber werden erst jene im Gerichte verurteilt werden, welche bei den Propheten, bei den Aposteln und bei den Märtyrern schwören! Wenn er aber verboten hat, bei Jerusalem zu schwören, so ist klar, daß man es auch nicht darf bei seinen heiligen Bewohnern; und wenn er verbietet, bei dem Himmel zu schwören, so offenbar auch nicht bei den Himmlischen.

Bei wem also könnte man gerechterweise noch schwören, wenn er sagt: man soll überhaupt nicht schwören, nicht bei Gott, nicht beim Himmel, nicht bei der Erde, nicht bei dem, was darin ist. Vollständig hat er abgewiesen und ausgeschaltet die Gewohnheit des teuflischen Schwörens. Was aber dann? „Eure Rede sei ‚ja’ ja’ und ‚nein’, ‚nein’, was mehr ist als das, der Eid, ist vom Teufel.“ Wo also gibt es noch einen gerechten Schwur, wenn er sagte: vom Bösen ist es, wenn jemand mehr sagt als ja und nein?

Wenn darum jemand den Eid gerecht nennt, so rechtfertigt er den Teufel. Christus hat jeglichen Eid als eine Ausgeburt des Teufels bezeichnet; außer jenem allein, den er erlaubt hat mit „ja“ und „nein“; dessen hat er sich sogar selbst bedient, als er Abraham schwur mit den Worten: Wahrlich segnend will ich dich segnen. An einer andern Stelle sagt er: Wahrlich sage ich dir; und wieder an einer andern sagt er: wahrlich, wahrlich sage ich euch, das ist ein(e) Schwur (form), (die) den er uns erlaubt; diese Schwüre gaben auch Gewißheit und alle Gläubigen vertrauten darauf. Nur die Schlechten und die Streitsüchtigen bekräftigen ihr Urteil durch teuflische Eide, wie auch Paulus sagt: die Bekräftigung des Urteils ist bei allen Streitenden der Eid; der Streitenden, nicht aber der gläubigen Christen; denn den Gläubigen genügt zur Bekräftigung: ja, ja, und nein, nein! Und wenn ein Diener Gottes weiter schwört als mit ja und nein, der mag noch Christ genannt werden wegen der Taufe, aber nicht Gläubiger, sondern Widersetzlicher. Wie es Diebe unter den Christen gibt, wie es Ehebrecher unter den Christen gibt, so gibt es auch händelsüchtige Christen, Eidbrüchige und Meineidige. Bei den Gläubigen bewirkt das die Treue gegen die Gebote, was sonst wegen der Eide geschehen soll. Davor warnt auch Jakobus, der Apostel und Bruder des Herrn, indem er spricht: „Ihr sollt vor allem nicht schwören, nicht beim Himmel, nicht bei der Erde, auch sonst keinen Eid“. Deswegen spricht er: vor allem, weil der Eid noch weit ungerechter ist als alles Unrecht der Sünden.

Hab’ wohl acht, Sünden und Laster begingen die Söhne Israels; manche verübten Mord und Unzucht, manche mordeten sogar Vater und Mutter; manche nahmen den Nebenmenschen ihre Frauen gewaltsam weg; manche opferten Söhne und Töchter den Götzen; manche wandten sich ab von Gott und beteten die Götzen an; aber durch alles das wurde der Zorn Gottes nicht (so) entfacht, wie damals, (dadurch, daß) als sie schwuren und logen. Denn sie schlachteten ein Kalb im Tempel, und die Priester und der König Sedekias traten in die Mitte und schwuren dem König von Babylon, daß sie nicht abfallen wollten, und sie fielen ab. Und es sprach Gott: Schlagen werde ich den Sedekias (auf sein Haupt), weil er gelogen hat auf meinen Eid. Hierauf ließ Gott den König von Babylonien über Jerusalem kommen; so kamen und umzingelten die chaldäischen Truppen dasselbe, verwüsteten die Stadt, plünderten den Tempel, blendeten dem Könige die Augen, schlachteten seine Söhne hin, machten seine Großen (Mächtigen) nieder mit dem Schwerte und führten sein Volk in die Gefangenschaft. Diese Lasterhaftigkeiten beim Schwure sind also größer als alle Gottlosigkeiten. So steht ja auch geschrieben: „Gerecht war noch die Untreue Israels im Vergleiche zu dem Abfalle Judas.“ Die Untreue Israels bestand im Götzendienst, der Abfall Judas im Schwure des Sedekias. Weil also der Schwur Judas schlimmer (ärger war), wurde der Götzendienst Israels sogar noch als Gerechtigkeit angesehen.

Denn gleichwie jemand, der einen geringen Schmerz hatte und über den dann hernach große Schmerzen kommen, bei den späteren Schmerzen die ersten noch für Gesundheit ansieht, so wurden auch andere Lasterhaftigkeiten noch für Tugenden angesehen im Vergleich zu den schlimmeren Sünden und Bosheit beim Schwören.

Nun achtet bei der schlechten Gewohnheit dieses Laster sogar niemand für schwere Sünden und Verfehlungen; nein, wie Feuer brennt diese Gewohnheit des Schwörens an einem fort im Munde, nicht empfinden sie Schmerz darüber, sondern schwören unablässig draußen auf der Straße. Wenn jemand in die Kirche hineinkommt, um zu schwören, (dann wacht er auf und fragt sich (denkt nach): warum? Einen Eid will ich schwören, sagt er (sich). Wenn er aber draußen schwört, so denkt er vielmal nicht daran und achtet es gar nicht wegen seiner eingefleischten Gewohnheit. Ist etwa Gott nur drinnen und nicht draußen? Gewiß ist er drinnen und außen, und jeder, der eine Sünde oder Ungerechtigkeit begeht, mag es draußen oder drinnen geschehen, steht vor Gott. Darum sieh den Eid auf dem Markte nicht für gering und unbedeutend an. Beherzige, was ich (jetzt) sage: Jeder Mord, mag er nun draußen oder geheim geschehen sein, war eine Mondtat, und jeder Diebstahl, mag er nun draußen oder drinnen beim Spiel oder geheim begangen worden sein, ist ein Diebstahl, und jede Unzüchtigkeit, mag sie nun draußen oder wie innen verübt worden sein, ist Unzüchtigkeit.

So ist auch jede Art von Schwur, mag er nun draußen oder drinnen, beim Spiel leichtfertigerweise oder auf welche Art immer geleistet worden sein, ein sündhafter Eid. Darum schlage das nicht gering an. Magst du da oder dort geschworen, da oder dort Gott belogen, da oder dort abgeleugnet haben, da oder wo immer geschworen haben, vor Gott hast du geschworen, vor Gott hast du gelogen, vor Gott hast du es abgeleugnet.

Was aber sollen wir tun gegen diese schreckliche Gottlosigkeit dieses Lasters? Denn dem Feuer gleich hat es sich auf der ganzen Erde verbreitet; jeglicher Mund ist voll dieses flammenden gottlosen Lasters. Auf den Straßen führen sie den Eid im Munde, die Kinder führen ihn zum Vergnügen im Munde, die Kaufleute verkaufen und schwören dabei, die Feinde führen Krieg und schwören dabei; der Kläger prozessiert und schwört dabei; jedem Worte des Mundes geht ein teuflischer Schwur voraus. Den Ausgelassenen und den Schmeichlern sitzt der Schwur früher schon fertig auf der Zunge, ehe sie nur einen Gedanken (Wort) im Herzen fassen.

Wer könnte einen solchen noch einen Menschen nennen? Er ist es nicht und verdient es nicht, Mensch genannt zu werden, nein, eine böse Viper ist er, ein Gehilfe des bösen Teufels. Unrein ist der Mund eines solchen, übelriechendes Feuer geht unablässig aus seinem Munde hervor. Warum also stoßest du immer Lästerungen aus im Angesichte Gottes, schwörest und leugnest? Warum entzündest du immer das Feuer in deinem Munde, um dich zu brennen? Warum hast du ein scharfes Schwert auf deiner Zunge, dich an einem fort zu verwunden? Weißt du denn nicht, daß der Eid eine scharfe Spitze Satans ist, und dieser dir mit jedem Schwur ins Herz gestoßen wird?

Der Eid ist eine Fessel des Satans, er fesselt den Menschen, und da gibt es kein Loskommen mehr. Der Eid ist ein Seelenwürger, weil durch ihn der Satan die Menschen erwürgt in der Todesstunde, sie ergreift und in die Hölle schleppt.

Darum Brüder fürchtet euch mehr vor dem Eide als vor allen Sünden und Vergehungen, denn er trennt uns mehr von Gott als alle Sünden. Das weiß nämlich auch der Verfluchte, der (böse) Feind, recht wohl: „Im Augenblick der Taufe widersagten sie mir durch einen Eid, durch einen Eid schwuren sie mir ab; durch einen Eid trennten sie sich von mir mit den Worten: Wir widersagen dir, Satan, wir widersagen deinem Dienste, wir widersagen deinen Dämonen (Engeln), wir widersagen all deinem Truge. Abermals schwuren sie dreifach und bekannten ihren Glauben an die heilige Dreifaltigkeit mit den Worten: Wir glauben an den Vater, wir glauben an den Sohn, wir glauben an den Heiligen Geist, sie bezeichneten sich selbst durch die dreifache Macht des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und besiegelten es mit dem heiligen Kreuze.

Wenn ich nun jetzt ihnen ins Angesicht schaue und sehe das Zeichen des heiligen Kreuzes eingedrückt auf die Stirne des Menschen, so weiche ich zurück vor dem heiligen Zeichen, fliehe ich und entferne mich und kann nichts ausrichten. Er überlegt sich (macht sich seine Gedanken) und spricht: Was soll ich anfangen, was tun, wie bringe ich es zustande, daß ich die Christen abwendig mache von der Höhe und der Grundlage des Glaubens an die heilige Dreifaltigkeit, von der Kraft und dem Schutze des heiligen Kreuzes? Und er spricht: ich weiß, was ich tue; durch einen Eid haben sie mir abgeschworen, durch einen Eid mir entsagt, so will auch ich alle Menschen lehren, die Könige und Fürsten, die Bischöfe und Priester, die Kinder und Greise, die Männer und Frauen, daß sie falsche Eide schwören; auf der Straße, beim Handel, zu Hause, in der Kirche, bei der Sonne, beim Mond, bei den Sternen, bei ihrem Haupte, bei ihren Augen, bei Gott und besonders beim heiligen Kreuze Christi; damit entsagen sie voll und ganz dem Christentum und trennen sich davon und auch von der Kraft des heiligen Kreuzes, so gelingt es mir, jeden Menschen zu besiegen. Sollten wir uns da nicht fürchten vor diesem furchtbaren, verderblichen, tödlichen Verbrechen? Sollten wir nicht zittern und (uns in die Erde verkriechen) vor dem, was uns trennt von Gottes Angesicht und uns den Händen des Teufels überliefert?

Aber wir bekräftigen unsere Aussage durch einen Eid, weil man ohne Eid nicht glaubt. Wahrhaftig, das ist keine Bekräftigung, sondern eine teuflische Gewohnheit. Tugendhafter Sinn wählt das Wort, nicht (wählen es) die Schwüre. Dem Tugendhaften und Gewissenhaften glaubt man auch ohne Schwur. Den Schwätzern ohne Ernst und Zucht aber und den verdorbenen Zungen glaubt man nicht, auch wenn sie tausend Schwüre leisten. Denn jedermann sieht auf die Festigkeit der Gesinnung und auf die Tugendhaftigkeit und nicht auf die eitle Würze des Mundes. Denn es ist eine größere Tugend, wenn jemand im Herzen (von sich aus) sein Wort oder seinen Eid hält, als wenn er Almosen gibt und Opfergaben darbringt. Denn das letztere stammt von dem Reichtum (Überfluß) der Güter, die Treue im Worte und Eide ist aber eine Tugend des Geistes; wenn nun jemand tugendhaft ist, verlangt niemand von ihm einen Eid. Dagegen stammt die Gewohnheit zu schwören aus der Gewissenlosigkeit und unüberlegten Torheit (Tollheit). Unablässig bestärkt er sein Wort durch Schwüre und kettet sich selbst unter das Feuer der Hölle.

Wenn wir das alles in Erwägung bringen, dann werden wir dieser verblendeten Torheit entsagen. Fürchten wollen wir uns vor dem Schrecken des gewaltigen großen Gottes, und mit aller Sorgfalt wollen wir beachten die Befehle der Gebote Gottes, des allerforschenden, wahrhaften, furchtbaren Richters! Wir wollen die schlimme Gewohnheit von unserer Zunge verbannen mit allem Eifer wollen wir uns losmachen von dem teuflischen und verderblichen Laster des Schwörens. Nicht wollen wir leichtfertig mit einem Gelübde uns Gott nahen und den heiligen Namen Gottes nicht mit dem Eide verbinden (verquicken); wir wollen vielmehr den Menschen beruhigen mit festem Nein und Ja, denn das ist der Eid unter gläubigen Christen.

In keinem Punkte (niemals) wollen wir jemand bedrängen oder benachteiligen, noch wollen wir durch Widerspruch die satanischen Eide in die Kirche (bringen) einführen. Denn, so spricht er, wozu denn das Gericht unter Christen? Warum laßt ihr euch nicht lieber benachteiligen und bedrängen von jenen, sondern bedrängt und benachteiligt sie selbst? Ihr zählt nicht zu den gläubigen Christen, sondern zu den gesetzlosen Heiden.

Darum fort mit alledem, die Furcht Gottes laßt uns anlegen als Zügel für die Zunge und Fessel für den Mund. Reden wollen wir, wie es ihm wohlgefällig ist, und tun nach seinem Willen! Stehen wir fest in der Tugend und sterben wir im Glauben. Wenn wir so drüben ankommen, werden wir den Himmel erben und uns an den verheißenen Gütern erfreuen in Christus Jesus; ihm sei Ruhm und Ehre jetzt und immer und in alle Ewigkeit! Amen.

Über die Lasterhaftigkeit der Trinker.

Mit großer Trauer und schmerzlichen Tränen muß ich (den Inhalt der Rede) vortragen und darlegen das unverbesserliche Laster der Trinker und die unbußfertige Bosheit der Verleumder, die immer nur ihrem Bauche dienen und im Bann des schlimmen Teufels der Trunksucht stehen. Sie sind ständige Lästerer, Verächter und Feinde der Gebote Gottes. Über sie klagt auch Paulus unter Tränen als Feinde des Kreuzes Christi; ihr Ende, sagt er, ist Verderben, ihr Gott ist der Bauch, ihr Ruhm die Schande. Nur auf das Irdische ist ihr Sinn gerichtet, nicht auf den Wandel der Tugend, über den wir im Himmel uns freuen. Sie sind mit vielem Grund (im weiteren Sinne) unvernünftigen Tieren vergleichbar, die allezeit grasen, denn Feinde des Kreuzes und der Leiden Christi sind die Schlemmer und Trunkenbolde, die beständig ihrem Bauche und nicht Christus dienen und in unbegreiflicher Sinnlosigkeit ihr Leben verbringen; offenbar klagt auch über sie der Prophet, daß sie in ihrer Torheit und ihrem Unverstand zugrunde gehen.

Wo in aller Welt gibt es eine so stumpfsinnige Unvernünftigkeit, und könnten sie nicht wissen, daß es ein großer Mangel ist für den Blinden, des Sonnenlichtes beraubt zu sein? Ist aber das schon ein Mangel, so muß man doch wissen, um wie vieles größer noch der Verlust und die (unerhörte?) Blindheit derer sein muß, die in Verfinsterung vom Licht der Gebote entfernt sind und die abgeirrt sind von der Weisheit der (hl.) Schriften und nicht imstande sind, das Böse vom Guten zu unterscheiden und herauszufinden, was zusammengehört. Darauf habe ich folgendes zu sagen: Wenn zwei giftige Schlangen jemandem in den Weg kommen und er hält eine derselben für giftig und weicht ihr aus, während er furchtlos sich der andern naht, die das gleiche schlimme tödliche Gift hat, so tötet sie ihn mit einem schmerzvollen Tode. Geradeso ergeht es jenen, welche auf eines der Gebote hören und es beobachten aus Furcht, während sie ein anderes, das dem ersteren gleich ist, verachten und sich darüber hinwegsetzen und sich dadurch ins bittere Verderben stürzen. Ja, damit richten sie sich zugrunde. Wir haben es ja von Paulus und ganz besonders von Christus gehört. Er sagt: „Die Diebe, Ehebrecher, Trunksüchtigen und Verleumder erben nicht das Reich Gottes.“

Wo gibt es denn noch eine solche Torheit und Blindheit wie diese, daß man dieses alles nicht zu einer Bosheit rechnet? Vor dem einen hütet er sich und nimmt sich in acht, über das andere setzt er sich geringschätzig hinweg und naht sich ohne Furcht dem, was doch dieselbe Bosheit (in sich) hat. Wahrhaftig stumpfsinnig und unvernünftig sind solche Menschen, sie gleichen irrenden Blinden, welche im Finstern umhertasten, so machen auch diese sich unterschiedslos an alles heran, werden nachlässig aus großer Gleichgültigkeit und tun furchtlos, was durch die Gebote untersagt ist. Denn wenn das Gesetz den Ehebruch und den Diebstahl verbietet, so verbietet es auch die Trunksucht und Verleumdung. Denn durch ein und dasselbe Gebot verbietet es gleicherweise alles. Wenn es sich nun um ein und dieselbe Sache (um gleiche Dinge) handelt, warum gehst du von dem einen (das einemal) ohne Zagen weg wie von etwas Schlimmen, während du dem andern (das anderemal) dich furchtlos nahst. Denn wenn der Ehebruch und Diebstahl etwas Schlechtes ist, ist es gewiß auch die Verleumdung und die Trunksucht; warum beklagst du also den Ehebruch und tust Buße dafür, weswegen jedoch huldigst du sorglos der Trunksucht und schlägst sie für nichts an, obgleich sie beide gleicherweise Wunden schlagen und beide töten. Denn der Gesetzgeber zeigte, daß sie gleich schlimm sind und von gleicher Unreinheit (sündhaft), und der, welcher sprach: die (Räuber) Diebe und Ehebrecher erben nicht das Reich Gottes, sprach auch: die Verleumder und Trunksüchtigen können gleicherweise nicht teilhaftig werden des Reiches Gottes.

Aber manche verstehen dieses Brennen gar nicht. Sie nehmen die giftigen Schlangen in die Hände und ahnen gar nicht, daß ihnen dabei ein schlimmes Ende droht. Dank der Trunksucht und der Völlerei richten sie nicht nur ihre Seele zugrunde, auch den Leib entstellt die Unmäßigkeit und richtet ihn zugrunde, erregt beständig Ekel im Herzen, quält durch üblen Geruch und durch Erbrechen und treibt den Leib auf; immer quält und foltert er den armen Geist wie einen Feind.

Doch was soll ich erst von den Leiden der Seele sagen, ja wessen Mund ist überhaupt imstande, die unerträglichen Qualen der Leiden zu schildern welche künftig offenbar werden am furchtbaren Tage des großen Gerichtes? Entsetzen vor dem Richterstuhle, Schrecken vor dem Gerichte, das bittere Gericht, die grausamen Qualen, der unerträgliche Durst, in der finsteren Hölle, das Innere der Hölle mit dem lohenden Feuer; von hier aus ergießt sich ein Feuerstrom in reichlichen Feuerfluten; sie stehen bereit und werden aufbewahrt (erhalten), um an den Sündern und Trunksüchtigen Rache zu nehmen.

Wenn es aber erst einmal möglich wäre, sichtbar zu zeigen, so würde man hier die Seele der Trunkenbolde in den Qualen und in der Verdammung zeigen; denn der Taumel der Trunkenheit läßt sie nicht los in dem Dunkel der Finsternis. Es ist, als stürze er in tiefe Abgründe und als werde sein Leib zerschmettert (?); immer muß er leiden unter der Berauschung durch den Wein; immer bleibt er verborgen wie ein Verstorbener im Grabe, halbtot und voll Trauer; in dem Maße ferner, wie am Leibe das Fett (die Dicke) zunimmt, wird der Geist schwächer. Aber wahrlich mit vollem Recht sind die Seelen der Trunksüchtigen in dieser Finsternis; den ganzen Tag opfern sie der Trunksucht, ja die ganze Nacht entziehen sie dem Schlafe, dann beim Morgengrauen erheben sie sich schwerfällig und schwanken gleich Tollen dahin; noch haben sie den gestrigen Rausch nicht weg, so fallen sie wieder zurück; nicht kennen sie die Reden der Ehrfurcht vor Gott, nicht den Wandel der Tugend.

Sind solche Menschen nicht in der Tat in dunkler Finsternis? Sind sie nicht in der Nacht und im Irrtum des Todes gestorben, begraben im Guten, einzig lebend im Bösen? Jene, die in ihrem Rausche und in ihrer Umnachtung faseln und gottlose Reden führen, wobei sie sprechen: Wer bei der Betrunkenheit nicht stiehlt, nicht Unzucht treibt und nicht mordet, begeht durch die Trunksucht allein keine Sünde. Solche Possen können nur in verwirrten Köpfen spuken, die das Wort Trunkenheit nicht (mehr) kennen. Denn jeder, der sich betrinkt und mordet, begeht zwei Sünden, er ist ein Mörder und Trunkenbold; gleicherweise ist der, welcher sich betrinkt und Unzucht treibt, ein Unzüchtiger und ein Trunkenbold; Schwelger aber sind, die nur dem Trunk sich hingeben.

Die Weinliebenden aber sind solche, die in tiefer Begierde nach Wein ausgehen und bei ihm ausharren; sie erben den Fluch wie solche, welche das Gesetz nicht beobachten. So spricht ja auch Salomon. Über wen kommt Wehe, über wen Verwirrung, wenn nicht über die, welche verweilen beim Weine und über die, welche Weingelage aufsuchen und durch das Übermaß von Wein ausschweifend werden, toll und berauscht gleich unvernünftigen Tieren? Du weißt nicht einmal mehr, daß Gott dich mit Verstand und Vernunft begabt hat; du aber berauschest dich in maßloser Trunksucht, wirst toll und kommst von Sinnen, so daß man dich nicht mehr als Mensch betrachten kann; ja du stehst noch unter dem Tiere dank deiner sinnlosen Tollheit und deinem Unverstande, ja gleichst dem Holze oder einem gefühllosen Steine in deinem maßlosen Genusse von Wein. Wohl steht zunächst nur der Leib im Dienste des Weingenusses, doch erschlaffen auch die Hände für die Arbeit, die Füße sind wie gefesselt im Gehen, die Ohren sind wie verstopft für (im) das Hören, die Augen wie erblindet zum Sehen, das Herz wie von Sinnen gekommen, alle Glieder sind umnachtet, blind und sinnverwirrt.

Das sind die Laster und Verirrungen derer, die der Trunksucht frönen; sie werden des Reiches Gottes nicht teilhaftig, sondern mit den Ehebrechern und Mördern verurteilt; denn Gott hat ihnen Verstand gegeben bei der Erschaffung, sie aber sind zu Toren geworden infolge ihrer Leidenschaft und des unmäßigen Weingenusses. Wo sie sind, wohin sie gehen, woher sie kommen, von alledem wissen sie nichts; der Weinrausch liegt auf ihren Sinnen und hat ihren Verstand betört und eingeschläfert und ihre Gedanken zerstreut; ja der übermäßige Weingenuß schwächt sie. Haben solche es nicht verdient, daß große Qualen und schrecklicher Zorn von oben über sie komme? Denn da sie rede- und vernunftbegabt waren, hat die Ausschweifung sie sprachlos und unvernünftig gemacht. Deshalb warnt Paulus: „Werdet nicht trunken von Wein, worin Ausschweifung liegt.“ Schon im Alten Bunde enthielten sich jene völlig des Weines, die in das Zelt eintraten; um wieviel mehr müssen wir im Neuen Bunde in Enthaltsamkeit wandeln vor dem Angesicht Gottes, damit wir uns nicht in Berauschung der Ausschweifung ergeben und verurteilt werden gleich den Söhnen Aarons, welche fremdes Feuer verzehrte infolge ihrer Ausschweifung; sie wurden zum (abschreckenden) Beispiel für ausschweifende Priester. Deswegen sagt die Schrift: Der Wein ist üppig. Feindselig ist die Trunksucht, und wer sich mit ihr einläßt, ist nicht weise. Denn dem Durstigen genügt allein das Wasser schon, seinen Durst zu stillen und um seinen Geist frisch zu erhalten, denn frisch, sagt sie, ist der Geist der Wassertrinker und gesund der Leib derer, die trockene Nahrung zu sich nehmen.

Sodann hat auch der Herr aller Geschöpfe in der Wüste die Volksmenge mit diesen Speisen gesättigt und hat des Weines gar keine Erwähnung getan; denn das Mahl Christi sollte vorbildlich sein für die ganze Welt.

Aber ich weiß wohl, daß du entgegnest: „Warum schuf er denn überhaupt dann den Wein, wenn er ihn zu trinken verbieten will?“ Aber er untersagt es nicht, ihn zu trinken, sondern nur, sich damit zu berauschen, wie er auch das Weib zur Ehe schuf und die Unzucht verbot; er schuf auch das Eisen zur Verwendung im Ackerbau und verbot, es zum Morde zu gebrauchen. So schuf er auch den Wein unserer Schwäche wegen, das maßlose Trinken verbot er. Nicht das Trinken rügt er, aber er straft es, sich zu berauschen. Ja, der Wein ist sogar notwendig für die Kranken und Trauernden und für das heilige (große) Sakrament wie es ja auch heißt: Der Wein (ist) für die Trauernden und ist die Freude derer, die in Betrübnis sind. Für die Bestreitung der (notwendigen) Lebensbedürfnisse genügen Brot, Wasser und Kleidung; alles andere dagegen ist Begierlichkeit und nicht notwendig; manche sind durch Gewöhnung und (oder) freie Einwilligung daran gekettet, andere haben sich durch Willen und Gewöhnung davon frei gemacht. Wir wollen uns darum durch Gewöhnung nicht knechten lassen unter das schlimme und teuflische Laster der Trunksucht; nein, mit festem Willen wollen wir uns frei halten von der Ausschweifung im Essen und vom übermäßigen Trinken, damit wir seine Gebote beobachten; Ordnung in den Sitten halten, ein Leben der Tugend führen, heilige Liebe üben, treu das Fasten beobachten, dem Gebete obliegen, Werke der Barmherzigkeit üben und bestrebt sein, bescheiden zu sein, uns zu heiligen und unsere Seele zu retten; unser Ende wird dann ein gutes sein, denn wir werden des ewigen Lebens uns rühmen und unter die Seligen eingereiht werden; erben werden wir das ersehnte Paradies und uns erfreuen an den unvergänglichen Gütern in Christus Jesus, unserm Herrn; ihm sei Ruhm von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Über die sündhaften und dämonischen Schauspiele.

Wohin soll ich mich wenden, wie kann ich loswerden und beweinen die furchtbare Ungerechtigkeit, die mich peinigt? Oder wo kann ich schweigend mich verbergen, trauernd über die Sünden, niedergedrückt durch all die schmutzigen und bösen Gerüchte, welche unablässig an meinem Herzen nagen und meine Eingeweide und meinen Leib durchwühlen mit Klagen. Beständig zehrt an mir die Betrübnis und macht mich ersticken. Denn beständig muß ich hören von zügelloser Unzucht und gesetzwidrige Gottlosigkeiten ansehen. Von der vielen Trübsal meines Herzens ward mein Gebein zu Staub zermalmt, und mein Leib ward verwandelt in Erde. Denn vom vielen Aufhören der Sinnesbewegungen wurde ich wie ein dürrer Strauch oder wie ein Bild ohne Leben; infolge der Beraubung meines Geistes habe ich meine Fehler in den Hintergrund treten lassen und vergessen und erforsche immer die eueren. Denn ein schlimmes Gerücht und eine widerwärtige Kunde kam mir zu Ohren und tönt immerfort. Von da steigt auf gewaltiger Pesthauch (Lasterhaftigkeit) und verbreitet sich Gestank und Fäulnisgeruch und übler Geruch erhebt sich und macht die heilige Kirche zum Abscheu; darüber sind alle Gerechten außer sich vor Schrecken und klagen über die Lasterhaftigkeiten.

Voll von allen Sünden seufze ich beständig über dieselben und klage, denn allezeit jubeln und frohlocken die teuflischen Theater über eure häßlichen Ungerechtigkeiten, während die Kirche Christi sie unaufhörlich bitterlich beweint. Denn der Teufel entzieht der heiligen Kirche ihre Kinder und reißt sie an sich, indem er sie durch die Schauspiele sittenloser Theater entheiligt und verwirrt. Immer und immer geht sein Sinnen und Trachten darauf hinaus, den Menschen der göttlichen Barmherzigkeit zu entfremden und ihn um die herrlichen, unvergänglichen Güter zu bringen und ihn mit sich hineinzuziehen als Genosse in seine furchtbaren Leiden und Qualen. Deshalb achte ich nicht auf meine eigenen vielen Sünden, werde dagegen von Mitleid mit euren Leiden erfaßt und seufze über die unsichtbaren Wunden des Verderbens eurer Seele. Denn ihr wandtet euch von den Vorschriften der Gebote Gottes ab und verachtetet sie, mit Füßen tratet ihr und drücktet ihr nieder den Glauben der apostolischen Kirche. Gleich nichts habt ihr geachtet die Heiligkeit des Leibes und des Blutes Christi, welches ihr empfangen habt am furchtbaren und schauerlichen Altare.

Und nun seid ihr allzusehr umschlungen von der teuflischen Verirrung und ganz umstrickt und umgarnt von teuflischen Plänen (Gedanken); ihr beeilt euch noch, in seine verderblichen Netze zu stürzen, hineinzugehen in die Theater der Spiele, die euch zugrunde richten müssen, und auf die Stimmen zu hören, die unrein und für die Ohren verfänglich sind, auf Unreine und von Unzucht Befleckte und auf Sänger wilder (?) Raserei, die stets die Gnade des Heiligen Geistes vertreiben und (bringen) die tödlichen unzüchtigem Gedanken Satans in euer Herz und euer Denken säen. Dadurch entfacht, lodert dann das Feuer der Begierden auf; und es entbrennen und entzünden sich in den Leibern derer, welche ihnen gehorchen, allerlei Leidenschaften, die wie verborgene Dornen und Stacheln die Seelen verwunden, sie häufen schwere Lasten auf die Seelen zusammen, die zugrunde gingen. Brennendes Feuer und das mordende Schwert für ihr Herz gewinnend; so gehen sie in das Theater der Unzucht, schwer verwundet und tief verletzt von den satanischen Pfeilen aus dem Verborgenen; verderblich (wie er ja ist), verwundet er die Seelen und läßt auch die größten Lasterhaftigkeiten gering erscheinen. Er muß uns immer mit Furcht und Schrecken erfüllen, in großer Angst müssen wir fliehen und uns (weit) von ihm fernhalten.

Denn es ist etwas gar Schlimmes um diese Gewohnheit, gar Schlimmes auch um ihre Anstifter: den Wein, den Sänger und den Teufel und die Sinne, verwirrt durch ausschweifenden Wandel und Unmäßigkeit (und) Üppigkeit, welche gerne und leichtgläubig den schlimmen Samen des Teufels in sich aufnehmen, besonders das unbeständige, für Schmeicheleien empfängliche (schmeichlerische) Geschlecht der unbescheidenen Weiber, der leichtgläubigen, leichtfertigen und leichtbetrogenen. Diese sind im Übermaß von Liebeleien betört und laufen unablässig in das Theater ohne Furcht, um die gottlosen Spiele mitanzusehen und den teuflischen Ort; sie steigen hinauf, setzen sich an die Plätze zur Ausschau, denken dort nach und betrachten Leute, die sich ihnen, was Schlechtigkeit angeht, gleich sind. Stoßen sie auch nicht sofort auf gottlose Werke, so werden sie dennoch von den tödlichen Pfeilen getroffen und tragen sie im Herzen, so daß sie später daran sterben müssen. So geht ja auch das Wild, verwundet von den Pfeilen der Jäger, an den Pfeilen zugrunde, die es trägt, wenn es anfänglich auch aus der Schlinge ausgebrochen ist.

Womit sollen wir nun den furchtbaren Brand dieses funkelnden Feuers ersticken? Oder wie werden wir imstande sein, Heilmittel gegen unsichtbare Wunden ausfindig zu machen? Oder womit können wir den Ort der unzüchtigen Schauspiele verheeren und zerstören, den Fallstrick des Todes, den übelreichen Sammelplatz, die Werkstätte aller Laster? Denn hier werden die Jungfrauen zur Unkeuschheit angereizt, die Ehegatten zum Ehebruch; dort lernen Weiber den Haß gegen die Männer und die Männer Verachtung gegen die Frauen; dort werden die Söhne zu Feinden ihrer Väter und die Diener (zu Feinden) ihrer Herren. Von hier stammt die Fadheit der Alten und die Ausgelassenheit der Jünglinge; von hier stammt die Ehrvergessenheit der alten Weiber und die Wollüstigkeit der Mädchen; von hier die Geilheit der Männer und die Zügellosigkeit der Frauen; von hier stammt die Schmeichelei; von hier geht aus die Verstoßung der Frau, der Kindesmord und sonstige Beraubung des zierlichen Schmuckes wegen; von hier stammt der Hochmut und die Unzucht, hier ist die Brutstätte vieler Laster, hier sind allerlei Unzuchtslaster heimisch, über die zu reden schon unschicklich ist, hier lehrt man auch die Geilheit der Seele, die Erschlaffung des Geistes, die Trübung des Verstandes, die Unzüchtigkeit der Augen, Geschwätzigkeit der Zunge, die Trägheit beim Arbeiten; in allen Lastern übt es (das Theater) ein, welche verhärten und immer weiter von der Liebe Gottes entfernen und der christlichen (Ordnung) Lebensweise immer mehr uns entfremden. Ich bin nicht imstande, alle die verschiedenen anderen Arten des Bösen aufzuzählen, die im Theater gelehrt werden: Hochmut, Gotteslästerung, Betrug, Tücke, Neid, Eifersucht, Verleumdung. Deswegen ist das Strafgericht Gottes über die Erde gekommen, in gewaltigem Zorne verhängte er seine Strafen. Siehe, alle diese Laster haben jene an sich, welche zu den Schauspielen laufen und in ihrem Leibe die gottlose Frucht des teuflischen Samens züchten.

Wo aber ist ein Mund, der diese schamlosen und unkeuschen Menschen genügend betrauert und beweint? Welche Zunge ist imstande, die zahllose Menge von Lastern aufzuzählen, welche sie hier auf sich laden? Welcher Verstand (Geist) ist imstande, die vielen schrecklichen Qualen zu zeigen, welche denen bereitet sind in den Fluten des höllischen Feuers im Verein mit dem Widersacher Gottes, dem Teufel, welche die Dunkeln mit Behagen aufnehmen. Warum also gehst du um solcher Strafen willen hinein oder was hast du aus dem schmutzigen Schauspiele gewonnen? Ausgelassenheit, Schamlosigkeit, Leichtsinn, aber nichts Nützliches, nein, nur ein zahlloses Heer schrecklicher Laster.

Mag auch Liebeskranken, die in den Begierden nach Lastern sich verzehren und bewegen (wälzen) der Anblick schmutziger (unzüchtiger) Theater begehrenswert sein, die Gesunden widert die Unzucht an, und die Schamlosigkeit gilt bei ihnen als Schande.

Die Weiber werden dargestellt in der Haltung von Huren, die Männer als geile Pferde, welche durch ihre gottlosen Zoten unter das Tier herabsinken und schmutziger wie das Gespei der Hunde den Unflat schmutziger Reden erbrechen, von welchen der Gestank der Fäulnis und widerlicher Geruch aufsteigt, der gewissenhafte Menschen abstößt, aber den bösen Geistern willkommen ist, denn zu diesen Ehrvergessenen hat sich Satan gesellt und wandelt unter ihnen. Denn wo Possen und Sänger sind, wo Schauspiele und Lachen ohne Zucht, da sind auch die Teufel mit ihnen im Verein und säen eine Menge Schmutz in die Herzen der Ausschweifenden, ja sie entflammen zu größerer Raserei die Sänger, die Unzüchtigen und jene, welche der Gnade der Heiligkeit entgegentreten, jene, welche das Feuer der Begierlichkeit entflammen, die Verächter der Gebote, die Vorkämpfer teuflischer Pläne, die Gottlosen und Gottes Widersacher und die Feinde jeglicher Gerechtigkeit. Man sollte sie mit Steinen steinigen und von der Erde verjagen. Sie wollen der Ausgelassenheit frönen und ergötzen sich bei den Schauspielen; gesund gehen siedorthin und verwundet ziehen sie von dannen. Christum ziehen sie aus und Satan ziehen sie an; der Gnade des Geistes widerstehen sie und werden erfüllt von dem unreinen Geiste der bösen Geister.

Denn alle, die mit Glauben und Furcht sich Christus nahen, werden erleuchtet vom Heiligen Geiste; Tag für Tag kommen sie voran in der Tugendübung und machen sich frei und halten sich fern von allem teuflischen Trug. Solche aber, die durch die Unlauterkeit der Schauspiele den bösen Geistern beständig nahetreten, deren sittliches Leben wird verdunkelt, ein Nebel lagert auf ihnen, sie werden erfüllt mit teuflischer Gesinnung, von Tag zu Tag beladen sie sich schwerer durch Ungerechtigkeit und stürzen in die Tiefe, bis sie schließlich verhärtet die Furcht vor den Geboten Gottes verlieren und (zu) Gefäße(n) teuflischer Pläne werden. Deshalb eilen sie noch mit weit größerer Freude (Verlangen) in das Lager der bösen Geister und folgen schneller dem Rufe Satans als der heiligen Kirche Christi.

Denn die Wohnung der bösen Geister sind die Theater; alle ausgelassenen, in Sängerinnen verliebten Weintrinker, die sich Ausschweifungen und Liebeslust ergeben, sündhaft und gottlos, lösen die Zügel der Zunge und den Verschluß ihres Mundes werfen sie weg, essen und schlemmen bei ausgesuchten (?) Speisen, und während ein übler Geruch aus ihrem Munde kommt, verbreitet sich auch viele Häßlichkeit. Und sie denken und sprechen alles, was der Satan will, ohne die schlimmen Pfeile Satans zu kennen. Wohl schlägt er sie, aber er beruhigt sie bei ihren Wunden und läßt sie nicht zur Erkenntnis kommen, damit wir sie nicht durch die Buße heilen. Deshalb ist er ein Dieb, nicht auf offener Straße geht er, so daß wir uns in acht nehmen, sondern heimlich und versteckt weidet er und ganz unerwartet bringt er einen dazu, die größten Gebote zu verachten und läßt das noch für gering erscheinen, damit wir nicht vorsichtig werden. Er weiß wohl, daß durch die Gebote wertlose und unnütze Worte, Verleumdung, und Gotteslästerung verboten sind.

Aber im Munde der lüsternen Sänger gehen eher Possen, törichtes Geschwätz, Schamlosigkeiten und unnütze Worte. Unablässig kommen von ihnen her Achtungsverletzungen, Spott und Gotteslästerungen; denn beim Spott, bei dem Schmutze und den unkeuschen Reden stellen eilig die bösen Geister sich ein, Laster in Menge bringen sie herbei und preisen und tränken diejenigen, die dort schwelgen. Deshalb sollte man weinen und seufzen über eine solche Ausgelassenheit, besonders über die herzverderbenden Spässe inmitten ausgelassener Tischgesellschaft. Wie Besessene rennen sie auf und ab, drehen sich, bücken sich, schlagen aus, verzerren das Gesicht und beschmutzen alles mit dem Unrat ihres Mundes. Die einen lästert er, die andern verleumdet er, andere feindet er an, andere verspottet er und verblendet er mit Ohnmacht und Schande; manche belügt er; andere verleiten sie durch Schmeichelei zu törichter Einbildung, wie ein wütender Hund beißen sie ein auf alle insgesamt.

Was tust du, Unglücklicher? Weshalb machst du dich nicht in aller Eile los von der schlimmen Gottlosigkeit? Warum beklagst du nicht bitter deine Verkehrtheit, in dich zu gehen? Warum empfindest du kein Mitleid mit der Seele, die du dem Verderben ausgeliefert? Warum weinst du und klagst du nicht über deine Gottlosigkeit? Warum häufst du Feuersglut auf Feuersglut, um schmerzlich zu brennen? Warum schreitest du immer dahin über glühende Kohlen und Dornen? Warum verkettest du dich beständig mit der Sündenlast? (Wohin stürzest du dich jählings von der Felsenkante?)

Warum hast du dein Schwert geschärft und dich damit verwundet? Feuer löscht man doch nicht mit Feuer, und aus Schlechtem erhält man nichts Gutes. Wer wird denn Trauben ernten, wenn er Dornen gepflanzt? Wer wird den Weizen ernten, wenn er Tollkraut sät? So wird auch keiner bei einem ausgelassenen Lebenswandel Christus schauen und das Reich erben, sondern er wird verdammt zum höllischen Feuer mitten unter giftigen Würmern. Wer aber in einer solch gottlosen Schamlosigkeit und verschwenderischen Trunkenheit dahinlebt und sich in teuflische Schauspiele und zu scherzenden Sängern begibt, möge nur ja nicht erwarten, daß er von den Feuerqualen verschont bleibt. Erinnere dich doch an den furchtbaren Ausspruch: Wehe denen, die jetzt lachen, sie sollen (einst) trauern, wehe denen, die jetzt frohlocken, sie sollen (einst) weinen und seufzen; wehe denen, die jetzt Wein trinken, um sich zu berauschen, und sich salben mit wohlriechendem (lieblichem) Öl, wehe euch ihr Reichen, die ihr hier schon den Lohn empfangen für eure Güte. Denn um ins Reich Gottes zu kommen, kostet es große (viele) Anstrengung. Christus sagt, man solle weinen und trauern in der Welt, du aber lachst und frohlockst und zitterst nicht und fürchtest dich nicht vor dem schrecklichen Gerichte Gottes, der einen jeden wahrheitsgetreu prüft, mag er wollen, mag er widerstreben, was ihr aus Sorglosigkeit und was ihr aus Vergeßlichkeit getan habt.

Darum auf, läutere deine Seele von Unehrerbietigkeit, deine Zunge vom nutzlosen Reden, deine Ohren vom gewohnheitsmäßigen Aufmerken auf schamlose Dinge, deinen Verstand von tödlichen und teuflischen Plänen. Wirf dich nieder vor Gott und sprich: Ich habe gesündigt vor dem Himmel und vor dir. Säume nicht mit den Mühen der Buße, solange es Tag ist, sieh, eilends entferne dich aus dieser furchtbaren Nacht voll schrecklichem Dunkel und Finsternis!

Erkenne die Menge deiner Sünden, bedenke: Morgen wartet deiner der Tod. Bedenke, daß die Anforderungen der Seele über dem Leib stehen; beherzige stets den großen furchtbaren Tag des Gerichtes, das unauslöschliche Feuer, die dunkle Finsternis, den verderblichen Abgrund, den Schlund der Hölle, das bittere Klagen der Sünder vor dem schrecklichen Gerichte des furchtbaren Richters. Hier hören die Worte auf, es herrschen die Werke, geprüft werden ferner die Gedanken und Taten, erforscht werden die nutzlosen Reden und gezählt die unschicklichen Gedanken. Das führe dir unablässig zu Gemüte, daran denke stets. Mach dich los von den Possen (?), seufze, klage und weine beständig, damit du möglicherweise dich noch zu entreißen vermagst den furchtbaren Qualen und Leiden und der dunklen Finsternis und der verheißenen ewigen Güter teilhaftig werdest in Christus Jesus, unserm Herrn, dem Ruhm sei in Ewigkeit! Amen.

Brief über die Ehescheidung.

Jesus Christus, unser Herr, wurde seiner heilbringenden Worte der Ermahnungen wegen qualvoll gekreuzigt von einer gottlosen Nation und einem widerspenstigen Volke. Heutzutage werden nun diejenigen, welche das wahre und erlösende Wort zur Predigt für die Rettung der Seelen verkünden, angefeindet von solchen, die sich weiser dünken. Das ist jedoch keine Weisheit, sondern ungerechte Gewalttätigkeit; denn die Weisheit ist die Furcht des Herrn, und wer die Furcht des Herrn gefunden, hat die Weisheit gefunden. Mag einer aber auch wirklich weise sein, so darf er seinen Helfer doch nicht verachten. Weise war ja auch Moses, trotzdem hörte er auf den Rat Jethro’s; auch David war geistvoll, doch hatte er auch die Zurechtweisung Nathans nötig; denn die Weisen hören auf Weise, und die Demütigen gehorchen den Demütigen.

Denn wer richtig mit den Augen des Geistes auf die Gebote Gottes achtet und durch vernünftige Lebensweise die Sanftmut des Herzens sich erwirbt mit der Ruhe eines edeln Geistes, der hat es nicht nötig, solche Zusprüche zu mißachten. Denn der heilige Petrus spricht also: „Mit Einsicht sollen die Männer mit den Frauen zusammenwohnen, als dem schwächeren Gefäße sollen sie den Frauen Ehre erweisen.“ Er verbietet also, aus Haß sich zu trennen, denn jeder, sagt er, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschenmörder, wer aber sein Weib haßt, ist ein Selbstmörder.

Aber auch dann, wenn jemand wegen der Kinderlosigkeit seine Gattin haßt, ist er schlecht vor Gott. Welchen Nutzen soll denn das bringen, Kinder zu verlangen und (andererseits) Seelen in gottlosem Hasse zu verderben? Denn er soll nicht allein Kinder von Gott fordern, sondern reine Seelen. Denn auch der Prophet spricht sich also aus über das ungerechte Verlangen nach Kindern: dessen Lohn bei Gott steht, der ist die Frucht ihres Leibes, und ein heiliges Kind ist zu ihrer Bestärkung. Aber er weiß nicht, daß Gott die Frucht des Leibes verhindert wegen der Sünden des Mannes oder eines anderen Gutes wegen sie nicht gab; denn es gibt viele Kinder, die ihre Eltern zum Zorn reizen und ihr Leben in Blutschuld zubringen würden. Um deswillen hat mit vollem Recht Gott solche verhindert. Aber auch eine andere Ungerechtigkeit gibt es, wenn jemand von einem Menschen das fordert, was Gottes Werk ist: „Die Ungerechten“, sagt er, „erben das Reich Gottes nicht, weil die Ungerechtigkeit des Volkes…

Den Ungerechtigkeiten der Könige und Fürsten dagegen treten die Gebote Gottes entgegen und vereiteln sie. Welchen Nutzen aber haben die Kinder für die Seelen? „Siehe,“ sagt er, „ein Mensch und sein Werk!“ Bedenke wohl die furchtbaren Schrecken jenes fürchterlichen Tages und hüte dich, gegen den Willen Gottes zu tun, was nach dem entsetzlichen Gerichte das Unglück der Strafe bringen wird. Möge aber niemand jene Qualen denen hier gleichstellen, die der irdische König über die zum Tode Verurteilten verhängte. Dort ist vielmehr bitteres Weinen, schrecklicher Schmerz, die Glut des brandenden Feuerstromes, welcher hereinbricht über die Abgründe der feuersprühenden Glutöfen, wo die Leiber der Sünder gequält werden und sich verzehren in der Tiefe des Tartarus und im nächtlichen Dunkel inmitten der giftigen Würmer. Niemand kann in Worten schildern die schmerzlichen Qualen dafür, die trostlose Unruhe, das furchtbare Stöhnen in den grausamen Peinen. Würde auch die ganze Welt in tiefer Trauer klagen, ja würden auch die Bäume und Steine klagen mit der Stimme erbarmungswürdigen Jammerns, sie könnten nimmer genug jene beweinen, welche diesen schrecklichen Höllenqualen und unerbittlichen Leiden überantwortet sind.

Dies muß man hienieden immer bedenken und wachsam dahingehen durch das dahineilende, ruhelose, zur Sünde geneigte Leben der Welt. Das Ewige ist ohne Grenzen, Trug und Traum, dagegen sind die irdischen Dinge geliebter, schwächer noch wie ein Spinnengewebe. Siehe nur: Heute und morgen, und wir sind nicht mehr. Zwei Tage währt die Ruhe auf der Welt, ewig aber sind die Qualen und die Schande. Unser wartet die Reise in ein anderes Land, und den Herrn der Herrlichkeit erwarten wir zu schauen. Darum wollen wir gewissenhaft unser Gewissen erforschen und hienieden läutern, denn nach wenigen Tagen müssen wir vor dem furchtbaren untrüglichen Richter erscheinen, dem unsere Geheimnisse offenbar werden und der die Gedanken des Herzens erforscht; vor ihm, dem wahrblickenden und prüfenden Auge, bleibt nichts verborgen.

Darum fürchte dich vor diesem höchst furchtbaren Gerichte, verwunde dich nicht lange mit dem unsichtbaren Schwerte, häufe nicht Böses auf Böses; laß aber auch deine Glieder nicht erlahmen in trostloser Betrübnis. Deshalb ist auch für hienieden eine lange Bußzeit notwendig, wenn du mit Furcht erfüllt bist vor Gott. Darum mache dem Priester keine Schwierigkeiten und mehre nicht das Leid der Kirche (mag es sein wann immer!) Vor der Türe steht das Ende aller, eile dich, Gott zu nahen, damit Gott auch dir sich nahe! Siehe, ein Dieb ist der Todestag. Möglicherweise kommt er vorzeitig. „Wachet,“ sagt er, „denn ihr wisset weder den Tag noch die Stunde, welche plötzlich und ganz unverhofft über dich kommt wie ein Fangnetz.“

Darum fürchte dich vor jenem Tage. Tue eilends Buße für das, was du getan, solange es Zeit ist. Gib dich nicht mehr ab mit irdischen Dingen, denn in Bälde werden wir versetzt in die Stadt dort oben und was wir zusammengerafft haben auf der Welt, bleibt da. Nichts haben wir mit in die Welt gebracht, nichts können wir von hinnen mit uns nehmen, nackt sind wir in die Welt eingetreten, nackt werden wir wieder zurückkommen. Darum beherzige immer den Schrecken jenes furchtbaren Tages und vergiß nicht die Flamme, die niemals erlischt. Mache dich los von der linken Seite des Teufels, und Gott ist auf deiner rechten. Höre auf den Heiligen Geist, und Gott wird dich hören am furchtbaren Tage der Not. Suche nicht zur Fürsprache die Worte angesehener Personen und nicht die Ehre des ersten Platzes; du erntest wenig Lohn dabei. Sei aber eingedenk, daß das Gericht kommt, daß die Qualen bleiben, daß es eine Auferstehung gibt und alles geprüft wird. In dieser Furcht leiste Gehorsam, dann wirst den größten Lohn ernten.

Etwas Großes ist es, zu vernehmen die Stimme des Evangeliums als Fürbitte für den sterblichen Menschen. Höre auf das Gebot der Propheten und auf die Mahnungen der Apostel dir zur Fürsprache; gehorche den Anordnungen Gottes und beherzige die Menge deiner Sünden, Fordere nicht das Wenige irgendeines (an Besitz). Beherzige, wie furchtbar die Anklagen der Gebote sind, die wider dich Zeugnis ablegen. Beherzige, daß gerichtet wird über Worte und Gedanken und über das geringste Verlangen (zur Befriedigung) der Rachsucht. Betrachte doch das Leben der Welt! Wie ein Schatten eilt es dahin, darum sorge eilends für den Tag des schrecklichen Gerichtes! Fürchte dich vor dem schrecklichen Richterstuhle und dem furchtbaren Antlitz des Richters und schreite zur Besserung! Zittere vor dem bitteren Gerichte und vor der unerträglichen Schande und söhne dich eilends mit ihm aus!

Ein Schrecken möge dich erfassen vor den schmerzlichen Qualen und der dunklen Finsternis! Geh auf den Weg des Lichtes! Sehne dich nach endlosen Glücksgütern und den unaufhörlichen Freuden! Weise weit ab von dir die Gedanken Satans, die den Geist zugrunde richten. Gehorche den Geboten des Heiligen Geistes und dem Wort aus dem Munde Gottes, welcher in einem Briefe zu dir spricht.

Als Lohn für deinen Gehorsam gibt er dir das Himmelreich mit unermeßlichen Gütern. Hienieden bewahrt er gesund am Leibe vor Schmerzen und läutert an der Seele von Sünden. Makellos wird er bewahren deinen (ganzen) Geist, deine Seele, deinen Leib auf die Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn. Ihm sei Ruhm und Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Über jene, welche die Sünde der Bestialität begehen. Über Weichlinge und Päderasten.

Mit Wehklagen in mir entsetzt sich mein Geist, und Verwunderung ergreift mich. Meine Seele seufzt in starrem Entsetzen, Schrecken ohne Aufhören, wenn ich immerfort daran denken muß, in welch schauerliche Abgründe von Lasterhaftigkeiten unsere Verwegenheit uns hinabstürzt und hineinführt. Es stockt verwirrt meine Zunge bei diesen Schandtaten und ist außerstande, die Häßlichkeit des schrecklichen Lasters zu zeigen, das an Gottlosigkeit alle anderen Arten von Sünden noch übertrifft. Denn schlimmer ist dieses Laster als alle bekannten verbrecherischen Räubereien, schlimmer als die Bosheit verborgener Diebstähle, schlimmer als der Ehebruch der Gatten, schlimmer noch als die Häßlichkeit der Unzucht von Jungfrauen, schlimmer noch als die Hinschlachtung in bluttriefenden Mordtaten. Ja schlimmer noch als alle diese bösen Sündenfrevel und furchtbaren Gottlosigkeiten und unsagbaren Unzuchtssünden sind solche, welche Männer mit Männern begehen in schändlicher Unzucht und teuflischer Verirrung, oder wenn Weiber mit Weibern die ausschweifenden Begierden und satanische Leidenschaft befriedigen. Und noch schlimmer ist es, wenn einer an unvernünftigen Tieren sich vergeht.

Darob staunen und entsetzen sich sogar die Mächte dort oben, Trauer und Schmerz erfüllt darob die Chöre der Heiligen; darüber klagen alle Gerechten, denn die Geschöpfe sind zu Feinden des Schöpfers geworden und zeigen gegen ihn Verachtung durch Verübung gottloser Unzucht. Mit Abscheu wendet sich auch davon ab der Heilige Geist und entfernt sich, und nimmer kehrt er dahin zurück, er wird eine Wohnstätte Satans und der Dämonen und erbarmungswürdig für alle. Denn kein Vergehen kann mehr mit diesem Laster verglichen werden. Sondern mehr als die vom Teufel Besessenen sind die immer verkehrten Menschen, die in entarteter Lust gegeneinander entbrannt sind, indem zügellose Männer der Männer männliche Natur ins weibliche verkehren und Weiber frech und schamlos die weibliche Natur als männliche gebrauchen. Aber auch mit unvernünftigen Tieren beflecken sie sich, was schändlicher ist als alle Schändlichkeiten.

Doch Staunen und Verwunderung erfüllt mich über diese Langmut Gottes, daß er nicht (sogleich) augenblicklich Blitze vom Himmel schickt über diese Gottlosen und daß er nicht die Erde spaltet und die mit dem wüsten Schmutz Besudelten verschlingt. Denn den Boden des Gesetzes haben sie verlassen, die so Unzucht getrieben haben und über alle Grenzen der Sünde hinaus haben sie gefrevelt. Denn ich bin außerstande, die entsetzlichen, beklagenswerten Ausschreitungen der Leidenschaft darzustellen. Jedoch meine Verwunderung und mein Staunen ist noch größer, wenn gar noch Weiber solche perverse Begierden vollführen und unvernünftige Unzucht treiben. Denn im Anfang wurde der Mann als Mann geschaffen für das Bedürfnis der Weiber, und das Weib wurde als Weib erschaffen zur Hilfe für die Männer. Aber infolge gesetzvergessener Ausschweifung unsinniger Leidenschaften brachen sie die gottgesetzten Schranken mit Ruchlosigkeit. Denn die natürliche Hilfe, welche die Männer von den Weibern und die Weiber von den Männern empfangen sollen, haben diese in Unreinheit verkehrt und zu unsäglicher Unzucht umgestaltet, worüber jeder Zuhörer Ekel empfindet und was zu schildern mich mit Entsetzen erfüllt. Widerwillen sollt darum auch ihr empfinden, wenn ihr ein Wort hierüber höret.

Wohl euch, wenn ihr euch von den ekelhaften Dingen abwendet, denn sie sind häßlicher als alle Laster. Mit einem solchen darf man nicht zusammenwohnen und nicht mit ihm essen, sondern fliehen muß man vor ihm wie vor einem bösen Geist. Denn alles ist unrein, an was seine Hand rührt, und unreiner noch ist er, als alle Unreinheit, und er verdient schwere Strafe und Blitz und Feuerflammen von oben. Aber noch mehr als mit vielen Todesstrafen, wie die Huren, werden solche zu unnachsichtlichen schrecklichen Strafen verurteilt. Denn wenn auch die Hurerei frevelhaft und den Geboten Gottes widersprechend ist, so ist sie doch noch eine Verbindung der Sünden in den Grenzen der Natur. Die Bestialität dagegen, die Perversität der Weiber und die Sodomie sind schlimmer als alle grundschlechten Lastertaten und fordern Gottes Zorn und schwere Feindschaft heraus.

„Denn alle Sünden“ heißt es, „sind außerhalb des Leibes, wer aber Unzucht treibt, versündigt sich an seinem eigenen Leibe.“ Um wieviel schmutziger aber und roher ist diese Verirrung und unsägliche Unreinheit als alle anderen Arten der Unkeuschheit! Im Vergleich zu dem Übermaß von ihrer Gottlosigkeit läßt sie alle noch so schlimmen Laster noch als gerecht erscheinen. Wie es denn geschrieben steht: „Gerechtfertigt wurde Israels Götzendienst durch den Abfall Judas“, so schleicht auch diese Gottlosigkeit mehr als alle Ungerechtigkeiten der Leidenschaft, deren Unreinheit der Mund nicht imstande ist, mit Worten darzustellen. Denn sie haben ihre Natur gestört und verkehrt, so daß das Männliche weiblich und das Weibliche männlich wurde; ja, sogar soweit sind sie abgeirrt, daß sie sich mit unvernünftigen Tieren befleckten. Gottlose und schreckliche Freveltaten fürwahr, Schauer und gewaltiges Entsetzen im Sinne des Wortes herrschen hier!

Was aber soll ich sagen, mit welchen Ausdrücken soll ich die schlimmen Laster (Widerwärtigkeit) schildern? Denn Abgründe voll Pestgeruch öffnen sich vor dem Laster, das ihr nicht mit Ruhe anhören könnt. Denn wollte ich genau die Natur des Lasters mit Worten unverhüllt schildern und fest in euern Sinn einprägen, so müßte ich meine Zunge beschmutzen und entweihen und mit Unrat übergießen. Wenn ich es dagegen voll Trauer unter dem Schleier schildere, bleibt die Schlechtigkeit des wahnsinnigen Lasters verborgen.

Allein, ich will nun übergehen zu einer Schilderung, die für eure Ohren erträglich ist, und wobei ihr doch das häßliche Laster mit dem Verstande erkennt, wenn ich auch nicht die ganze Entartung in Worte ausmale, damit nicht auch ihr beschmutzt und mit Ekel erfüllt werdet und es nicht mit Ruhe mehr anhören könnt. Denn für einen solchen, der die Sache kennt, genügt ein Wort, um ihn zu ermahnen und seine Seele zu behüten. Denn ein solcher Wahnsinn, in dem die zu Tieren Entbrannten sich entwürdigen oder welchen Weiber mit Weibern und Männer mit Männern vollführen, ist schon dann Befleckung der Seele, wenn es nur in Gedanken begangen wird; um wieviel mehr wird die Tat im Feuer (büßen).

Denn wenn der Gerechte kaum am Leben bleiben wird, wie wird dann erst der gottlose Sünder befunden werden! Denn unauslöschliches Feuer entbrannte in ihrem Leibe und schlug empor und endete in verderblicher Entartung. Denn der Mann fand, obgleich er Mann war, Gefallen daran, Weib zu sein und verdarb das Mannsein, und das Weib wollte, obwohl es Weib war, Mann sein und verdarb das Weibsein. Diese muß man austreiben von Männern und Weibern, denn sie kamen ab von dem natürlichen Gebrauche und entbrannten zu unnatürlichem. Schon Paulus klagte über sie: „Ihre Weiber vertauschten den natürlichen Gebrauch mit dem, der widernatürlich ist; desgleichen verließen auch die Männer den natürlichen Gebrauch des Weibes und entbrannten in ihren Begierden gegeneinander, Männer verübten mit Männern Schändlichkeiten.“ Mit unreinen Gedanken erfüllten sie die bösen Begierden an ihren Leibern und entbrannten zur Unzucht an unvernünftigen Tieren und wurden voll in jeder Art von Lasterhaftigkeit.

So wurden sie noch mehr befleckt als solche, die Altäre berauben oder Gräber schänden; ja, sie verübten noch größere Vergehen als die Menschenmörder. Denn der Menschenmörder richtet nur den Leib zugrunde und den nur für hienieden; diese aber richten Seele und Leib zugrunde, (indem) sie beide in ewige Qualen (stürzen).

Dieses Laster ist gottloser als das Heidentum, darum entlädt sich ein gewaltiger Zorn auf der Ende. Deswegen wunde das eine Mal der Himmel zum Schaden verschlossen, das andere Mal zur Pein geöffnet deswegen kamen plötzlicher Tod und allerlei Heimsuchungen. Deswegen hat die Sintflut zugleich das Leben im Weltall erstickt und zerstört. Deswegen fiel ein feuriger Regen von Blitzen weitum herab auf die Stadt Sodoma und verbrannte das ganze Gebiet wegen der Unkeuschheit der Päderastie und der Verwilderung, was die Weiber angeht. O gottlose Verblendung, o schwere Blindheit und finstere Verirrung! Denn zu Beginn erfaßt (mich) ein Schaudern, und vor Schrecken verlassen mich die Sinne, und ich bin nicht imstande, mein Wort zu beenden. Wer sah oder hörte einmal von einem so furchtbaren Schrecken, einer so widersetzlichen Gottlosigkeit und schmutzigen Unzucht! O Satan, Menschenmörder von Anbeginn, in welche Finsternis, in welchen Abgrund von Ungerechtigkeit hast du den Menschen gestürzt, indem du sie zu Päderasten, zu Tiersüchtigen und zu (weibischen) Weichlingen gemacht hast!

Was für einen Namen auch sollen wir denen geben, die sich einer solchen Entartung hingeworfen haben? Denn er ist kein Mensch mehr, wahrhaftig nicht! Werden wir sie rohe Tiere nennen? Allein es zeigt sich, daß sie noch vernunftloser als die Tiere sind, denn noch nie sahen wir, daß Tiere nach der Natur des Menschen verlangten. Sollen wir sie also tolle Hunde nennen? Jedoch sie haben es noch schamloser und toller als Hunde getrieben. Denn die Hunde begehren nach ihresgleichen und nahen sich nach ihrer zuständigen Natur. Solche aber, die weiblicher Entartung sich ergeben, die Päderasten und die verruchten Tiersüchtigen treiben wildere Ausschweifungen als die Hunde und treiben ihre Schlechtigkeit weiter als die Schlechtigkeit der Dämonen.

O furchtbare Langmut Gottes, o große Liebe und unaussprechliche Herablassung des Gütigen, daß er nicht die Himmel herabstürzen läßt über diese Gotteslästerer, daß er nicht die Erde unten spaltet und die Verdorbenen und zur Last Gewordenen verschlingen läßt, daß er seine gewaltigen Blitze nicht auf sie herab schleudert und mit Feuerflammen sie vernichtet. Jedoch er schont in Langmut bis zur Stunde der Rache, bis zum Tage des schrecklichen Gerichtes. Welche Höllenräume aber und welche Feuerflammen müssen für solche Menschen in Bereitschaft stehen! Welche Abgründe des Tartarus und schauerliche Finsternis für solch gottlose Ausschreitungen! Welche wurmerfüllte Gruben, welche Menge von Qualen sind angedroht, die zu nennen ich nicht imstande bin, die überströmenden Feuerbäche, die herabstürzen und hereinbrechen über die Lasterhaftigkeiten, wo furchtbare Schrecknis, Weinen und Seufzen unaufhörlich herrschen!

Was aber willst du tun in der elenden, unglücklichen Bitterkeit, am furchtbaren bösen Tage deines Endes, wie bei den törichten Jungfrauen, wenn jene, die ohne Erbarmen deine Seele fordern, in erschreckender Gestalt über dich kommen und eilig unter Qualen die Seele dem Leibe entreißen, wenn dann deine gefolterte Seele voll Schauer vor der furchtbaren Qual versucht, dorthin zurückzukehren und sich bergen möchte (verbirgt) unter dem Hause des Leibes und es nicht ertragen kann, den mahnenden Engeln ins Angesicht zu schauen, welche unter gewaltsamen Drohungen die Seele vom Leibe trennen und an sich reißen, wenn dich dann die Schrecken des furchtbaren und gewaltigen Gerichtes umgeben und die Furcht und Bangigkeit vor den leidenden Qualen!

Mußt du da nicht bitterlich weinen, wenn du diese Schrecken dir zu Gemüte führst, mußt du da nicht unablässig seufzen und klagen über die Menge deiner schlimmen Frevel? Vielleicht wird der Herr bei seiner Langmut Mitleid haben mit den innigen Tränen deines gequälten Herzens und in Liebe und Erbarmung deine Bitten und Seufzer aufnehmen. Darum tue eilends Buße, solange du noch Zeit hast, es könnte sonst der Tag kommen und rauben, und niemand würde mehr gerettet werden. Darum auf, mache dich los von der Unkeuschheit und nimm deine Zuflucht zur Menschenliebe Gottes. Mögen auch deine Sünden zahllos sein, aber Gottes Liebe zu den Menschen ist auch unendlich; magst du auch sehr bös gefallen sein, aber eile und bitte Christus, der ja die Gefallenen wieder aufrichtet!

Mag sein, daß du über und über mit Kot beschmutzt bist, aber du hast auch eine Tränenquelle, welche (dich) reinigt und läutert. Bist du auch in unentschuldbaren Schmutz der Sünden gestürzt worden, so zögere wenigstens nicht und bleibe nicht in deinem Sturz und du findest Nachlassung und Rettung. Wenn du auch (übertüncht) entstellt bist von schwarzer Gottlosigkeit, nahe dich Christus mit heißen Tränen, er wird dich läutern und verklären. Magst du ihn auch heftig erzürnt haben, dadurch, daß du auf deinen verderblichen und finsteren Pfaden verbliebst, raffe dich auf zum Bekenntnis und du findest Aufnahme wie der verlorne Sohn. Wärest du auch schwer verwundet von den Füßen an bis zum Haupte, du kannst dennoch Heilung finden durch Erbarmen und Mitleid mit dem Armen. Magst du auch durch die Ketten Satans gefesselt sein und dich verstrickt haben in seine Schlingen, strenges Fasten und dein inniges Gebet zerreißen die Fallstricke der Sündenbanden des Satans. Mögen deine furchtbaren Lastertaten dich hinabgezogen haben in die finsteren Abgründe und in die Tiefen. Dein Gebet, dein Seufzen, deine freiwillige Buße entreißen dich wieder der tiefen Finsternis und tragen dich empor zum himmlischen Gewölbe, wo die Güter für die Gerechten bereitstehen. Magst du durch deine pestgleiche Unzucht eine Wohnung der finsteren Dämonen geworden sein so reinige dich jetzt von der häßlichen Fäulnis, gehe in Sack and Asche und unter (mit) Gebeten ins Haus Gottes. Mag deine Bosheit auch gar schlimm sein, seine Menschenliebe siegt darüber. Magst du auch unreiner sein als selbst ein Götzenopfer und ein Aas, durch ein tugendhaftes Leben kannst du dich reinigen und wohlgefällig werden vor Gott. Magst du durch den widerwärtigen Unrat der Sünden deinen Leib auch in bösem Siechtum entstellt haben, und magst du befleckt und verunreinigt dastehen in Lasterhaftigkeit, dennoch tilge sie in dir durch ein demütiges und zerknirschtes Herz, und sofort wirst du erleuchtet von der Gnade des Heiligen Geistes.

Gar manche schon sind von der Wahrheit abgekommen und haben hernach den Weg der Rettung gefunden. Viele sind schon tief gefallen und haben sich wieder erhoben. Viele Krieger wurden verletzt, ja halb zu Tod verwundet, und doch trugen sie den Sieg davon. Viele wurden schon arm durch den Schiffbruch und sind wieder reich geworden. Schon viele sind versunken im Abgrund der Bosheit und wurden durch die Buße wieder gerechtfertigt. Viele Kranke wunden geheilt, nachdem sie zuvor die Hoffnung aufgegeben hatten. Schon viele durch schwere Sündenlast Gebeugte wurden durch eine eifrige Buße wieder erleichtert.

Darum verzweifle auch du nicht an der Barmherzigkeit des menschenfreundlichen Gottes! Erinnere dich doch, daß viele Zöllner gerechtfertigt, viele Unzüchtige geheiligt, viele Räuber gerechtfertigt wurden und sich die Pforten des Paradieses öffneten. Darum auf, erhebe dich vom Falle, mache dich frei von der Lasterhaftigkeit, und du bist (wirst) gerettet. Verharre nicht in der Unbußfertigkeit wie die Sodomiten, damit du nicht mit ihnen einmal, von Flammen erfaßt, brennen mußt im Feuer der Hölle; nein, gleich den Niniviten tue Buße und kehre um von dem Weg des Lasters! Siehe, noch wohnt in dir der schlimme Feind und sucht dein Herz zu verhärten, damit du nicht umkehrest zur Reue und Buße.

Habe acht auf die versteckten Pfeile Satans und eilends befreie dich aus seinen Schlingen! Siehe, ein zahlloses Heer von Dämonen bewacht dich, sie umlagern und hindern dich bei deinen Gedanken, damit du es nicht bekennest und keine Buße tust. Darum fliehe aus ihrer Mitte wie aus Feuerflammen und eile und wirf dich nieder vor Gottes Erbarmen. Klage und sprich also: Vater, ich habe gesündigt vor dem Himmel und vor dir, schließe mich nicht aus von deiner Barmherzigkeit, von welcher ich hörte durch den Propheten: Deine Sünden sind dir vergeben. Dieser Barmherzigkeit, (möchten) werden auch wir teilhaftig werden durch die Gnade und Menschenliebe des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen.

Über die Unterlassung freundschaftlicher Liebeserweise gegen die Feinde Gottes.

Grauen erfüllt mich jedesmal, wenn ich an die furchtbaren Übertretungen eines solchen denke und unaufhörlich sind meine Gedanken gestört. Entsetzen und Furcht kommen in (über) mein Herz, denn unablässig schlägt dieses Leiden mir Wunden; denn da es zur üblichen Gewohnheit geworden ist, erscheint die Wunde gar nicht als Wunde (offenbar). Von schweren Übeln sind wir betroffen und doch sind wir so sorglos wie Gesunde. Entsetzen ergreift mich immer ich staune und klage beständig, denn ich kenne die Bösartigkeit der Wunde gar wohl, ich kenne völlig die Vernachlässigung der Wunden, deswegen muß ich noch heftiger klagen und zittern und unablässig muß ich weinen über unsere Blindheit und Verirrung. Denn ich weiß, daß furchtbare Kerker und starke Fesseln und vielerlei Strafen und Qualen für die bereitstehen, welche die Worte und die Könige der Welt verachten.

Um wieviel schrecklicher muß dann aber erst das Feuer der Menge von Qualen sein, welche derer warten, welche die Befehle des Geistes und die Gebote Gottes verachten und mit den Feinden Gottes Freundschaft schließen, die doch immer den Heiligen Geist lästern und durch ihren gottlosen Wandel ihn betrüben, die nicht umkehren und keine Reue empfinden, sondern im gleichen Zustand immer beharren. Von ihnen müssen die, welche Gott dienen und Christus lieben (wollen), sich trennen nach dem Ausspruche Pauli der sagt: Wenn einer, der Bruder genannt wird, ein Ehebrecher oder Geizhals, oder Trunkenbold, oder Verleumder oder Räuber ist, mit einem solchen iß kein (nicht einmal) Brot, Bruder wurde nun (aber) der geheißen, der durch das Bad der Wiedergeburt (in der Geburt des Wassers) und durch die Teilnahme am heiligen Tische war erleuchtet worden. Wenn einer nun durch einen sündhaften Lebenswandel und verstockte Lasterhaftigkeit sich entweihte und die Unschuld der heiligen Taufe verlor und er von uns ausgeschlossen und geschieden wurde und vom heiligen christlichen Glauben oder wenn er sich durch gottlosen Ehebruch befleckt oder wenn er durch wüstes und schändliches Lager die Ehe entweihte, indem er nach Art des Schweines sich wälzte im Kot und Schmutz, der sei verflucht und ausgeschlossen von der Liebe, Fürsorge und Freundschaft und wäre er auch Bruder oder Schwester oder Sohn oder Tochter. Nicht einmal Brot sollst du mit ihm essen, dafür, daß er sich abwandte von Christus, die Taufe verachtete und dem gottlosen Truge Satans vertraute.

Von wem kommen aber die Befehle, von wem kommen die Gebote? In der Tat, stammen sie nicht von dem alleinigen Gotte und dem Könige der Könige, welcher sie gegeben im Heiligen Geist durch den Mund der Apostel? Doch nur werden feindselig behandelt und verachtet die Aussprüche des Heiligen Geistes wie die Gebote Gottes, weil wir nicht zuvor verzichteten auf die Liebe von Gottlosen und die unwürdige Verwandtschaft, worin stets Unkeuschheit liegt. Und wessen Verzeihung und Vergebung sollten wir jetzt würdig sein, denn Befehle und Gebote Gottes haben wir mit Füßen getreten. Er verbot, mit Geizhälsen und Trunkenbolden Freundschaft zu schließen, und wir gehen Freundschaften und Verwandtschaft ein mit Juden und Heiden und Abgefallenen.

In welche Finsternis geraten wir, wo hinein versinken wir dank unserer Lässigkeit und schlimmen Gewohnheit, die wir die Gebote Gottes verachten? Welch eine Verantwortung wird sich erheben am Tage des furchtbaren Gerichtes, wenn wir angeklagt und beschuldigt werden beim allgemeinen Gerichte? Was werden wir sagen? Werden wir entgegnen: „Wir haben es von niemand gehört, oder niemand hat es (uns) gelehrt?“ Siehe, laut verkündet es Paulus und sagt: „Wenn dein Bruder ein Geizhals ist oder ein Trunkenbold oder ein Verleumder oder ein Dieb, mache dich von ihm los“, sagt er, „und trenne dich.“ „Mit einem solchen iß kein Brot“, nein, trennt euch von ihnen und haltet euch fern voneinander, esset nicht und kommt nicht miteinander in Berührung, denn sie sind ständig Feinde Gottes und Verächter seiner Gebote. Jederzeit hören wir das von Paulus, besonders vom Heiligen Geiste: Mit den Feinden Gottes darf man keine Freundschaft schließen. Siehe, auch ein (der) Prophet sagt: „Herr, deine Hasser haßte ich und trauere wegen deiner Feinde; mit vollendetem Hasse haßte ich sie und bin ihnen zum Feinde geworden, weil sie deine Gesetze nicht beobachteten.“ Siehe, der Prophet lehrt es, daß wir die Feinde Gottes hassen müssen und keine Freundschaft mit den Feinden Gottes schließen dürfen. Ein anderer Prophet aber sagt: „Deswegen hat er deine Schiffe zerstört, weil du Freundschaft schlossest mit den Feinden Gottes.“ Siehe, auch dieser erklärt das gleiche: Nicht soll man mit den Feinden Gottes Freundschaft und Verwandtschaft eingehen und zum Hasser und Feind Gottes werden. Das gleiche sagt ein anderer Prophet: Wem der Hochmut aus den Augen schaut und der Geiz im Herzen wohnt, mit dem iß kein Brot, und wer Gottlosigkeit verübte und vollbrachte, wohnte nicht in meinem Hause.“

Da wir dies nun wissen, wollen auch wir uns von den Feinden Gottes trennen. Denn es ist nicht recht, daß Freunde Christi und Diener Gottes mit Gottes Hassern und Feinden Christi Liebe und Freundschaft unterhalten; hassen soll man sie und als Feinde betrachten. Wenn ein Weib sieht, daß ihr Mann verfeindet ist, ist sie nicht nur dem Feinde feindselig, sondern sie haßt ihn und grollt ihm. Wir dagegen hassen nicht einmal um Christi willen und nehmen keine Rache an den Dieben, Unzüchtigen, Verleumdern und jeder Art von Feinden Gottes, die ihn doch unablässig zum Zorne herausfordern durch ihren gottlosen Wandel. Ein Sohn verachtet die Verächter seines Vaters und wird ihr Feind, wir dagegen lieben die Feinde Gottes, unseres Vaters, und halten sie in Ehren, ja wir schließen Freundschaft mit ihnen. Viele Diener gaben ihr Leben hin für ihre Herren und wir wollen nicht einmal Gottes, unseres Vaters und Schöpfers wegen seine Feinde hassen! Wie können wir uns denn noch Gottliebende und Gottes Diener nennen und auf das ewige Leben hoffen? Wie können wir von ihm geliebt werden, wenn wir ihn selber nicht von Herzen liebten? Denn mit dem Maß, mit welchem ihr ausmeßt, mit dem werde ich euch messen. „Denn wenn ihr mich Vater nennt,“ sagt er, „aber nicht tut, was ich euch sage, werde ich euch zwar auch Söhne heißen, aber von meinem Erbe euch ausschließen.“ Warum, o Herr, und weshalb? Weil ihr meine Feinde liebtet und Freundschaft schlosset mit meinen Hassern.

Jetzt aber achten das viele für nichts, sondern ganz unterschiedslos speisen wir mit Feinden, mit Ehebrechern und Dieben, mit Unzüchtigen und Geizhälsen und Räubern, mit Verleumdern, Dieben, ja wir nehmen sie auf in unser Haus und tragen Sorge um sie und ehren die Feinde Gottes, während wir unsere Seele verwunden und zugrunde richten. Aber entsetzliche Lasterhaftigkeit ist es mehr als alle Übel, ja sogar als Götzendienst, wenn Christen mit Gottlosen sich vermischen, sich mit ihnen verheiraten und sich Genossen der Bestialischen nennen, während sie den Heiligen Geist von sich, ihren Häusern, aus ihren Kindern, Brüdern und Verwandten vertreiben; sie sehen es nicht ein, bereuen es nicht, kehren nicht um und tun keine Buße. Satan läßt es (in ihren Augen) gering erscheinen und läßt sie nicht begreifen, daß das Todsünden sind. Deshalb darf man mit ihnen nicht zusammengehen und nicht mit ihnen essen. Nein, wie vor Nattern muß man vor ihrer Gesellschaft fliehen, sonst möchte man vielleicht ihre Werke lernen. Denn wenn er sogar verbietet, mit bösen Menschen Brot zu essen, um wieviel mehr müssen wir uns von den schlimmen Taten fernhalten, wodurch unsere Seele zugrunde gerichtet wird. Und wenn er befiehlt, man solle sich vom unzüchtigen Gatten trennen, um wieviel mehr von einem fremden Unzüchtigen, welcher uns von Gott trennt! Und wenn er verlangt, daß wir uns trennen von dem Müßiggänger, der träg, untätig und zügellos umherschweift, um wieviel mehr muß man sich losmachen von Verleumdern und Trunkenbolden! Oder wenn man mit einem zornmütigen (Menschen) Manne nicht zusammen wohnen soll, man möchte sonst etwa seine Wege kennenlernen, um wieviel mehr muß man sich von solchen trennen, die unablässig Gott zum Zorne herausfordern!

Warum werden wir mit Übeln von Fremden heimgesucht und mit den Sünden anderer verurteilt? Siehe, mag einer auch ganz reine Kleider haben, wird er nicht, je öfter er sich an solchen streift, die ganz und gar beschmutzt sind, an jenen sie beschmutzen und verderben? So muß auch der Heilige, wenn er mit Geizhälsen, Dieben und Leuten, die mit allerlei Sünden beschmutzt sind, Liebe und Freundschaft schließt, seine Heiligkeit verlieren durch den Schmutz der Unreinen.

Wenn jemand einen sieht in Siechtum, Fäulnis, und übelriechenden Wunden, an dessen Lager mag er nicht heran; wir aber verbinden uns mit Gottlosen, mit Ungetauften und Schismatikern, deren Sündenlast einen noch häßlicheren und ekelhafteren Geruch ausatmet als Siechtum und Fäulnis, der unsern Leib und unsere Seele beschmutzt und dem Untergange weiht, vom Reiche (Gottes) uns trennt, zur Beute Satans und der bösen Geister macht; sie fordern Christi Zorn heraus dadurch, daß sie in gottlosem Ehebette sich beflecken. Die (echten) Christen aber sind die, welche die Gebote Christi achten und sie beständig erfüllen.

Warum werden wir mit Übeln von Fremden heimgesucht und mit den Sünden anderer verurteilt? Siehe, mag einer auch ganz reine Kleider haben, wird er nicht, je öfter er sich an solchen streift, die ganz und gar beschmutzt sind, an jenen sie beschmutzen und verderben? So muß auch der Heilige, wenn er mit Geizhälsen, Dieben und Leuten, die mit allerlei Sünden beschmutzt sind, Liebe und Freundschaft schließt, seine Heiligkeit verlieren durch den Schmutz der Unreinen.

Wenn jemand einen sieht in Siechtum, Fäulnis, und übelriechenden Wunden, an dessen Lager mag er nicht heran; wir aber verbinden uns mit Gottlosen, mit Ungetauften und Schismatikern, deren Sündenlast einen noch häßlicheren und ekelhafteren Geruch ausatmet als Siechtum und Fäulnis, der unsern Leib und unsere Seele beschmutzt und dem Untergange weiht, vom Reiche (Gottes) uns trennt, zur Beute Satans und der bösen Geister macht; sie fordern Christi Zorn heraus dadurch, daß sie in gottlosem Ehebette sich beflecken. Die (echten) Christen aber sind die, welche die Gebote Christi achten und sie beständig erfüllen.

Jene Christen dagegen sündigen in einem fort, welche den Begierden frönen mit den Gottlosen; sie werden auch strenger gerichtet als die Heiden: „Der Knecht,“ heißt es, „der den Willen des Herrn kennt und nicht tut, wird viele Streiche erhalten.“ Und Paulus sagt: „Wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein Geizhals oder Götzendiener ist, mit dem soll man kein Brot essen.“ Siehe also, unter die Götzendiener rechnet der heilige Paulus solche, welche mit Gottlosen stets freiwillig Unzucht treiben und es für eine Ehe ansehen. Die Beschneidung halten sie in Ehren, die Taufe aber und die Erleuchtung Christi verachten sie. Sie wissen nicht, daß keine Ähnlichkeit ist zwischen Licht und Finsternis, zwischen Christus und Satan und zwischen dem Los der Gläubigen und dem der Ungläubigen. Wenn du darum Christus liebst, so hasse seine Feinde! Wenn du ein Freund Christi bist, so sei ein Feind derer, die ihn hassen! Denn jeder, der Sünde tut, verachtet seine Gebote und ist ein Feind Gottes. Wer ein Diener Gottes von Herzen ist, entfernt sich weit von ihm wie von einem Feinde, wenn er ihm auch noch so lieb ist und nah unter den Angehörigen.

Eine große Tugend zeigen jene, die sich martern lassen und sich trennen von den Verächtern Gottes und Feinde seiner Feinde werden. Ihnen steht eine herrliche Vergeltung, vielerlei Gnadengabe und Ehrungen als Freunden Gottes bevor. Frage doch einmal die Könige der Erde! Wenn einer sieht, daß einer seiner Diener seinen persönlichen Feinden Feind geworden ist, wie ehrt er einen solchen, wie zeichnet er ihn aus vor seinen Großen, wie lobt er ihn! Wenn der König dagegen hört, daß einer seiner Diener seine Feinde liebt und Freundschaft mit ihnen (geschlossen hat) schließt, dann sieh einmal zu, wie er ihn züchtigt, einkerkert und foltert und wie grausam er ihn ums Leben bringt! Wenn wir darum Liebe und Freundschaft mit den Feinden Gottes schließen, die durch ihren gottlosen Lebenswandel seiner spotten und ihn beleidigen, sind wir denn da noch auch nur im geringsten des Mitleids und der Verzeihung würdig?

Halten wir uns darum ängstlich von ihnen fern: von ihrem Tische (ihren Mahlzeiten) wie von ihrer Liebe! Denn auch die Speisen der Räuber und Diebe sind voll Ungerechtigkeit, unrein sind die Speisen der Unzüchtigen und der Verleumder, die Gelage der Trinker sind schuld an den ewigen Qualen und mit Blut von Menschenopfern sind die Tische der Geizigen befleckt. Überhaupt sind die Speisen aller Gottlosen und Widersacher Gottes unrein und verderblich; darum befiehlt auch Paulus, sich von ihnen zu enthalten. Denn wenn der Opfernde unrein ist, so ist es um so mehr seine Opfergabe, und geradeso sind auch die Speisen derer unrein, deren Lebenswandel gottlos ist. Wenn du deshalb Gott von Herzen verehrst, dann halte dich strenge fern von ihrem Tische und ihrer Liebe. Siehewohl, auch die Richter der Erde verurteilen solche, welche sie in Gesellschaft der Diebe und Mörder ertappen, mit letzteren, besonders die Freunde und Wirte der letzteren. Darum wollen auch wir uns trennen von jenen, (über) welche Gott richten wird, damit nicht auch wir mit ihnen verurteilt werden zu dem furchtbaren Feuer der Hölle und zu den unerbittlichen Qualen.

Da wir also das alles wissen, sei es ferne von uns, Freundschaft zu schließen mit den Juden, Heiden und Schismatikern, mit den Dieben und Mördern, Ehebrechern und Verleumdern, Trunkenbolden, Geizhälsen und Räubern! Insbesondere wollen wir uns von solchen fernhalten, welche mit Unbußfertigkeit von den Sünden befleckt sind, und ganz und gar ferne sein von den Gottlosen! Denn eine Einigung zwischen Gerechten und Gottlosen darf nicht bestehen, da die Gerechtigkeit der Gottlosigkeit Feind ist. Welche Einigung kann denn bestehen zwischen Licht und Finsternis oder zwischen Glauben und Unglauben? Der Gläubigen Anteil ist der Herr, das Erbe der Ungläubigen aber ist das Feuer. Ferner, welche Ähnlichkeit haben Tempel Gottes und Götzentempel miteinander? Der Christentempel ist die Wohnung Gottes, der Gottlosen Altar aber ist für die Dämonen. In gleicher Weise sind alle Gottlosen Tempel des Teufels und Wohnstätten für die Dämonen. Wohlan denn, das ist der Scheidepunkt, die Grenze und die Kluft, die uns von der Liebe der Gottlosen scheidet.

Wo kommt es denn vor, daß Tauben mit den Raben zusammenwohnen und Lämmer mit den Wölfen eingepfercht werden oder, daß die strahlenden Engel sich mit unreinen Dämonen zusammenfinden und vereinigen? Nein, die Heiligen suchen die Heiligen; die Gottlosen dagegen hangen den Gottlosen an. Denn so heißt es: jeder Vogel fliegt zu seinem Schwarme, und der Mensch sucht seinesgleichen. Darum wollen auch wir uns Heilige suchen und mit Heiligen uns zusammentun. Die Heiligen wollen wir ehren, die Apostel lieben und zu unseren Fürsprechern machen. Lassen wir nicht ab von der Gnade, von der Barmherzigkeit und vom Gebete. So werden wir mit ihnen würdig werden der Verheißungen Gottes, die er uns versprochen in Jesus Christus, unserm Herrn, dem Ruhm sei an Ewigkeit! Amen.

Über die furchtbaren Hagelschläge.

Auf verschiedene Weise züchtigt und droht uns Gott, doch tut er es zu unserm Vorteil und aus Liebe zu uns. Denn mag der Außenschein dieser Dinge auch das Zeichen des Zornes sein, so zeigen sie uns dennoch seine Liebe und väterliche Huld. Denn wenn wir auch seine Gebote verachten und in Sünden übertreten, um unsern Willen durchzusetzen, so verzeiht er dennoch bald, ist geduldig und wartet auf unsere Umkehr und Buße. Wenn wir nun aber weder aus Furcht vor der Hölle noch aus Verlangen nach den ewigen Gütern uns beeilen, Buße zu tun, so will er uns ein wenig aufrütteln aus unserer Lässigkeit und Gleichgültigkeit (Faulheit) durch kleine Schläge, zur Mahnung und Warnung.

Eines jeden Innere soll offenbar werden; jeder erkenne seinen gottlosen Lebenswandel und trenne sich unverzüglich von seinen sündhaften Gewohnheiten und bewahre dadurch sich vor den furchtbaren Qualen und Peinen. Wenn wir uns aber auch darüber mit Verachtung hinwegsetzen und uns nicht beeilen, durch Buße mit Gott uns auszusöhnen, so gibt er uns noch andere bittere Schläge zu verkosten und gießt schreckliche Qualen in Menge über uns aus und tränkt uns mit der Hefe seines schrecklichen Zornes unter furchtbaren Drohungen, weil wir uns vorher nicht beeilten, mit ihm uns auszusöhnen, veranlaßt durch seine Mahnung und seine Zuchtrute.

Denn wenn Pharao durch die ersten Schicksalsschläge sich hätte warnen lassen, hätte er keine zehn zu verkosten bekommen. Hätte ferner das Volk des Propheten Amos auf die erste Strafe hin Buße getan, es wäre verschont geblieben von Zahnschmerzen, Gelbsucht, von Heuschrecken, von Hagel und großer Trockenheit, von grimmigem Hunger und schlimmen Schlägen und plötzlichem Tode. Darum halte jeder sich fern vom schlimmen Wege, damit nicht noch andere schlimme Schicksalsschläge in Menge über euch hereinbrechen. Denn sobald unsere Ungerechtigkeiten sich mehren, brechen auch die Strafen über uns herein. Aber auch hierin waltet die Vorsehung Gottes und verhängt diese (Strafen) nur über uns aus Sorgfalt. Denn wenn wir auch die Furcht Gottes vergessen und wir im Bösen die Reichgewordenen sind, so widerstrebt es ihm doch, uns sofort zu vernichten, bevor wir Buße getan, vielmehr schenkt er uns Zeit zur Buße. Wenn wir uns aber dann nicht bekehren, so schont er uns noch länger um der Bekehrung willen; er schlägt unsere Felder mit Hagel, Heuschrecken oder auch mit anderen Plagen, damit wir unsere Fehler einsehen und Buße tun.

Wenn wir auch dann noch keine Buße tun, so läßt er allerlei Schläge über unsere Tiere hereinbrechen unseretwegen, gleich, als wären diese die Sträflinge, damit wir Reue bekommen. Wenn wir auch so noch nicht in uns gehen, so verschließt er bald den Himmel über uns zur Dürre und Trockenheit, bald öffnet er ihn in schädlichem Überflusse zum Verderben. Bekehren wir uns auch dann noch nicht, so erschreckt er uns durch Erschütterung der Erde und spricht gleichsam wie mit einer Stimme, um uns zur Einsicht unserer Vergehen zu bringen, aber nicht läßt er uns zugrunde gehen, nur um uns die Rückkehr zur Buße zu ermöglichen. Tun wir auch dann noch keine Buße, dann verhängt er über uns große Leiden: sei es plötzlicher Tod, Schwächung des Körpers, unheilbare Leiden, Besessenheit (Qualen durch die bösen Geister), allerlei Krankheiten, wie schon Paulus sagt: „Deswegen sind viele unter euch krank und leidend und viele plötzlich entschlafen.“ Deswegen sollt auch ihr durch die Strafen euch stets bekehren und Buße tun, damit ihr nicht eine Unmenge von schlimmen Strafen erfahren müßt und hernach das unerbittliche Feuer und die endlosen Qualen.

Darum soll ein jeder sein Gewissen erforschen und über die Mengen seiner Vergehen sich klar werden und nicht Gott für ungerecht halten, der seine Zornesschale über ihn ausgegossen habe, nein, danken soll er für die Nachsicht und das gerechte Gericht, denn was Gott an ihm getan, zeugt nicht von Zorn, sondern von Barmherzigkeit. Siehe, die Sintflut, welche die ganze Erde (Welt) überschwemmte, war ein Zeichen der Barmherzigkeit und nicht des Zornes. Denn da (die Menschen) sie auf die Predigt Noes hin, der die Arche baute, keine Reue zeigten und keine Buße tun wollten, während sie (die Predigt) doch mit dem Klang seiner Axt in aller Ohren drang, wurden sie durch einen plötzlichen Tod vor zahllosen Sünden bewahrt. Allerdings erhielten sie harte Strafen infolge ihrer Missetaten, aber sie wurden durch den Tod doch vor dem bewahrt, was sie in der Folge verüben wollten. Daraus ist ersichtlich, daß die Sintflut für sie ein Erweis der Barmherzigkeit war, weil sie keine Reue empfanden und nicht Buße taten. Dasselbe kannst du auch bei den Sodomiten beobachten. Denn nicht infolge guter Werke wurden sie zugrunde gerichtet durch Feuerflammen, sondern infolge ihrer greulichen Lasterhaftigkeit und ihres schlechten Wandels. Denn sie staken in den Fesseln jeglicher Unlauterkeit und wurden nur durch einen plötzlichen Tod vor einer Menge Unzuchtssünden bewahrt.

Euch also (aber) hat sich Gott genaht wie Söhnen, euch zu ermahnen, zu heilen, nicht um Wunden zu schlagen; jetzt offenbart er eure Vergehen, um sie nicht aufbewahren zu müssen zur Schande der ewigen Qualen. Eure Felder sucht er heim euretwegen, damit ihr Reue zeiget. Vielleicht seid ihr von dem schlimmen Laster des Geizes erfaßt worden und der Habsucht und der Selbstsucht verfallen, und er wollte dem ein Ende machen, oder ihr ergabt euch dem Laster der Weichlichkeit, wählerisch geworden, und er wollte ihm steuern durch die Dürftigkeit; oder ihr seid durch den Überfluß satt und fett geworden, im Überdruß auf Abwege geraten und habt die Furcht Gottes verloren, darum sollt ihr euch wieder daran erinnern durch eine kleine Not und Dürftigkeit, sollt ihn suchen und zu ihm beten. Oder ihr habt ihn durch eure Sünden zum Zorne herausgefordert, und er ermahnt euch zur Buße. Seht also, für euch war der Unwille und die Strafe ein Erweis der Barmherzigkeit und nicht des Zornes. Im Gegenteil, durch die Barmherzigkeit, die sich äußerlich als Zorn geoffenbart, hat eine Menge Sünden aufgehört.

Prüfet also euere Gedanken und erforscht euer Gewissen (Herz), und ihr werdet die Menge euerer Verfehlungen erkennen, derentwegen eine Menge Prüfungen über die Erde sich sammeln; denn der schlimme Satan eifert unablässig zum Bösen an, wobei er dasselbe unserm Geiste geringfügig erscheinen läßt, damit wir keine Buße tun. Und wir in unserer Unbedachtheit setzen uns hinweg über die Sünden und halten sie für nichts, während er fort und fort Berge von Sünden auf uns häuft. Manche verschieben und beschneiden die Grenzen der Felder des Nachbars, worüber der Prophet spricht: „Wehe euch, die ihr Häuser an Häuser reiht (baut) auf ungerechte Weise.“ Satan aber läßt dieses geringfügig erscheinen, damit sie nicht Buße tun. Manche entziehen (verringern) den Arbeitern ihren Lohn, weshalb sie zu den Mördern gerechnet werden; Satan aber läßt ihnen dieses noch als unbedeutend erscheinen, damit sie nicht Buße tun. Manche mißgönnen der Kirche ihre Früchte und suchen Gott zu betrügen, mißgönnen ihr das Beste der Herden, der Ernte und Weinlese und suchen Gott zu hintergehen, indem sie Schlechtes und Unbrauchbares dem Herrn zum Opfer bringen.

Darüber urteilt (spricht) der Prophet: „Verflucht sei der Mensch, der Auserwähltes besitzt und Mangelhaftes zum Opfer bringt.“ Darob wurde auch Kain verflucht. Aber auch dieses Vergehen läßt Satan in ihren Augen geringfügig erscheinen, damit wir uns nicht bekehren. Manche lassen nicht ab davon, mit unnützem Gerede zu verleumden und die Geheimnisse des Nächsten auszuplaudern; darüber spricht er: Wer teilnimmt am Leibe des Herrn und Schlechtes über seinen Nächsten aussagt, an dessen Lippen blitzt ein himmlisches Schwert; aber auch diese Verleumdung läßt Satan in euren Augen als geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun. Manche sind in Ausschweifung verloren; von ihnen sagt Paulus: „Die Trunkenbolde und Lästerer erben nicht das Reich Gottes.“ Satan aber läßt dieses Laster als geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun. Manche gehen unbedacht töricht ins Theater und sitzen ohne Scheu hin und werden bei dem teuflischen Schauspiel durch unsichtbare Pfeile verwundet; sie richten zwar nicht den Leib, wohl aber die Seele durch die Sünden der Unzucht zugrunde; und auch das läßt Satan als geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun. Manche gehen nicht aus Furcht vor Gott in die Kirche, sondern nur gewohnheitsmäßig, ergehen sich in müßigen Reden, verachten die Priester (Diener), die zur Ehre Gottes predigen, wenden das Gebet zur Sünde und verurteilt gehen sie von dannen; auch das läßt Satan als geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun.

Manche sind erkaltet in der Liebe zu Gott und haben sich entfernt vom Geiste der Gnade, oder nehmen im Stand der Unreinheit teil an dem heiligen Sakramente und halten sich ganz nach Belieben davon ferne; beide machen sich der schwersten Strafen schuldig; Satan aber läßt das als geringfügig erscheinen, damit sie nicht Buße tun. Manche verachten ihre Taufe und ihre Hoffnung auf die Auferstehung, verzweifeln wie die Heiden, weinen und klagen über die Toten, was doch den Christen durch die heiligen Apostel verboten ist. Aber auch das läßt Satan als geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun.

Manche werden ihrem Christenglauben untreu und werfen ihn ab samt der Kraft des Kreuzes und verfallen auf Wahrsagerei, Amulette, Zaubereien, Aberglauben, Geisterbeschwörungen, was ja vollendeter Götzendienst ist und Lossagung von den Geboten Gottes; auch das läßt Satan als geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun. Manche gewöhnten sich ohne Scheu an Eide und ihre Zungen an Meineid, während doch Christus befahl: Du sollst nicht schwören, sondern eure (Rede) sei: ja, ja, nein, nein? was darüber ist, ist vom Bösen. Satan aber läßt auch das als geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun. Manche verfolgen Waisen, Witwen und Fremdlinge, so daß sie seufzen über die Bedrücker; auch das läßt Satan als geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun. Manche beengen ihre Nachbarn, um ihren Platz weiter auszudehnen und das Gebiet des Nächsten zu vermindern. Deswegen sagt der Prophet: „Wehe denen, die Haus an Haus reihen und das des Nächsten entziehen.“ Aber Satan läßt auch das als geringfügig in unsern Augen erscheinen, damit wir nicht Buße tun. Manche verdrehen das Recht der Witwe vor Gericht, lassen sich einnehmen durch schöne Gesichter, geben Verweise und behandeln sie infolge gottloser Bestechung geringschätzig; darüber sagt die Schrift also: „Verflucht seien sie vor (in) der Öffentlichkeit, und im Hause der Bestechlichen sollen die Flüche wohnen.“ Auch das läßt Satan in unsern Augen als geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun.

Manche sammeln sich durch Wucher und Zinsen Reichtum und füllen damit ihre Häuser; darüber klagt der Prophet mit folgenden Worten: „Wehe dem, der Reichtum sammelt in Ungerechtigkeit.“ Satan aber läßt das geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun. Manche halten mit der Ware zurück und quälen so die Herzen der Käufer, da sie nicht darauf achten, daß ihre Ware preiswert ist; vielmehr bemühen sie sich, das Kleine teuer zu machen und das Große billig, und Satan sucht auch das geringfügig erscheinen zu lassen, damit wir nicht Buße tun. Manche haben kein rechtes Maß und keine richtige Wage, sondern sie machen klein und groß zum Trug und zur Beraubung vieler, wie auch der Prophet sagt: „Ein zweifaches Maß ist ein Greuel vor Gott.“ Aber auch das läßt Satan gering erscheinen, damit wir nicht Buße tun.

Manche Geistesschwache und solche, die Gott nicht fürchten, sündigen zwar nicht durch Unzucht, wohl aber drücken und quälen sie durch sündhafte Eifersucht und durch schmeichlerische Zudringlichkeit ihre Gatten mit dem Gedanken, als trieben sie Unsittlichkeit; diese kommen darum aus den Sünden und der Verwirrung nicht heraus und sündigen unaufhörlich durch Neid und Schreien. Wehe denen, die argwöhnen, und wehe denen, die Anlaß zu Verdacht geben! Satan aber läßt das als geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun. Manche betrüben ihre Eltern und bereiten ihnen Schmerzen durch Verachtung, aber diese befiehlt das Gebot (Gesetz) zu bestrafen. Manche Eltern ermahnen ihre Kinder nicht und lassen sie roh und ungebildet umherschweifen. Dafür erhalten die Eltern nach dem Gebote Strafe. Manche freche Diener verachten ihre Herrschaften, den Menschen schmeichelnd, und durch Augendienerei (bei der Arbeit) rufen sie auf sich selbst Verurteilung und Strafe. Manche von denen, die gelobt haben, Herden zum Opfer zu bringen, brechen ihr Gelübde, lügen und kümmern sich nicht mehr um den Vertrag ihres Schwures. Manche Jungfrauen wollen Christo gefallen, (wollen auch gefallen) durch Putz und Haltung, worin böser Ehebruch liegt.

Manche Religiosen sind nicht aus Gottesfurcht sittsam, sondern sie stellen sich nur vor den Menschen enthaltsam. Sie lassen sich betören durch das Laster eitler Streberei, während sie Gott dabei vergessen; solche trifft noch ein härteres Urteil als Unzüchtige und Trunkenbolde. Manche belästigen und schmähen ihre Mitbrüder durch ihre Lastertaten und Entartung; dadurch werden sie aber zu Feinden Gottes, denn sie lästern das Werk seiner Hände; dadurch nämlich, daß man das Werk lästert, wird man auch zum Feind an dem Schöpfer. Manche schauen voll Neid und Eifersucht auf den Fortschritt des Mitbruders und finden ihre Genugtuung und Freude daran, wenn er zu Fall kommt und verarmt; das sind furchtbare Sünden und abscheuliche in den Augen Gottes. Doch auch das läßt Satan in unsern Augen als geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun.

Aus Gewohnheit und um Menschen zu gefallen, beten wir, aus Gewohnheit kommunizieren wir, aus Gewohnheit feiern wir den Gottesdienst, nicht aber mit Scheu und Furcht oder mit Liebe des Geistes noch mit der Kraft der ganzen Persönlichkeit (noch aus voller Selbsthingabe). Übergehen will ich ganz die vielen unzähligen anderen Sünden, den Stolz, die Diebstähle, die Unzuchtssünden, die Mordtaten, die Betrügereien, die Sünden des Götzendienstes und weiter die blutdürstige Eifersucht, die unlautere Rachsucht, die unversöhnliche Feindschaft gegen den Nächsten, deren (Träger) beständig morden und immer in Sünden sind. Das aber läßt Satan geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun.

So haftet uns diese ganze Menge Ungerechtigkeiten an. Dürfen wir es also vielleicht wagen zu sagen: warum häufen sich die Prüfungen und Strafen Gottes über uns, nachdem er lange Zeit hindurch in seiner Barmherzigkeit voll Geduld den Ausbruch seines unwilligen Zornes zurückhielt, da er immer auf (eure) Bekehrung wartete. Weil ihr aber in eurer Verstocktheit und Unbußfertigkeit verharrtet, gab er euch ein wenig seine Drohungen zu verkosten, nur damit ihr wisset, daß einer ist, welcher richtet über all die Menge unserer Verfehlungen. Auch ergießt er seinen Zorn nicht nach dem Maße eurer Sünden, sondern nur nach einem Teile der Menge, um euch zu ermahnen. Denn ihr sollt wissen, es gibt eine Hölle und ewige Strafen, mit welchen er auch eure zahllosen anderen Missetaten straft.

Und nun erprobt die Kraft Gottes und erkennet seine Liebe zu den Menschen. Tut es nun an Frevelmut nicht dem Pharao gleich und verhärtet eure Herzen nicht; erinnert euch eurer verkehrten Werke, kehret um ein jeder von euerem Wege, suchet den rechten Weg durch inständiges Gebet, damit von euch die vielfältigen anderen Strafen abgewendet werden und die angedrohten furchtbaren Schläge vorübergehen und aufhören. Denn auch im Zornesgericht der hereinbrechenden Strafen soll auf die Nachlassung der Sünden gezählt werden. So sagt ja der Prophet: „Herr, gib uns deinen Frieden, denn nach allen unsern Werken ist uns vergolten worden.“ So habt auch ihr jetzt von der Hand des Herrn eine (allerdings) geringe Vergeltung für eure Sünden empfangen, die euch ein Mittel des Heiles wurde, euch zur Buße zu erwecken.

Darum rühmt euch nicht eurer Unbußfertigkeit wie die Sodomiten, sondern tut Buße wie die Niniviten, weinet und klaget, um euch auszusöhnen mit eurem Vater im Himmel, der euch ermahnt wie Lieblinge und euch nicht übersieht, und verachtet wie verhaßte Bastarde. Wenn ihr nun auch seine Züchtigung eine Zeitlang für Zorn haltet, so müßt ihr doch hernach einsehen, daß ihr dadurch die Reue zur Bekehrung und die Vergebung der Sünden erhieltet. Denn die, welche der Herr liebt, züchtigt er auch, damit sie geheiligt und geläutert vor Sünden sich (hüten) bewahren. Wenn ihr dagegen Gott preist wegen seiner gerechten Gerichte, daß ihr mit Recht bekommen habt für das, was ihr getan habt, so kann Gott euch den geringen Rest der Früchte auf euren Feldern vermehren wie die fünf Brote zur vollen Stillung euerer Bedürfnisse. Sucht euch jedoch nicht einen wunderbaren Überfluß, sondern sucht in erster Linie die Vergebung (eurer) der Sünden und die Heilung (das Heil) eurer Seelen, und das alles wird euch dazu gegeben werden.

Gott aber, dessen Erbarmen groß ist, gibt dem Sämanne den Samen; er wird auch euch Brot zur Speise geben und läßt die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen. Ihr erhaltet alles in Fülle und vermehrt durch Gottes Barmherzigkeit, um jeglicher Not eurer Dürftigen, Waisen und Bedrängten steuern zu können1. Und das ist die Sühne euerer Sünden und all eurer Ungerechtigkeiten. Das ist der Weg, der euch zur Wohnung des Reiches (Gottes) führt. Das ist das Schiff, das euch zum Hafen der Freude führt.

Das ist die Pforte, die euch hinführt zu den kostlichen Freuden des Paradieses und in die hellstrahlenden ewigen Behausungen der Heiligen und Gerechten. Möge er auch uns würdig machen, daß wir mit ihnen uns erfreuen dürfen an der Gnade und der Herrlichkeit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit! Amen.

Über die Andacht und Ehrfurcht beim Empfange des heiligen Sakramentes.

Mein Gebein zittert voll Furcht, meine Seele bebt und staunt, wenn ich mich daran erinnere, daß ich dem furchtbaren, großen Sakramente nahe. Zwischen zwei (Gefühlen) schwankt mein Geist beständig hin und her. So gerne möchte ich mich dem ersehnten Sakramente nahen, aber meine Unwürdigkeit hält mich davon ferne. Sich aber trennen und ferne davon halten ist der Tod der Seele. Denn es gibt gar viele, die teils sündhaft sich nahen, teils auf ungerechte Weise ferne bleiben. Beide sind Kinder Satans. Der eine kennt nicht die Kraft des furchtbaren Sakramentes, sondern naht ihm nach überkommener Gewohnheit mit Zwiespalt im Gewissen, nicht zum Heile, sondern zum Gerichte, nicht zur Vergebung der Sünden, sondern zur Vermehrung der Sündhaftigkeit. Der andere schätzt es gering wie etwas Minderwertiges und bleibt ferne, da er es nicht für notwendig hält, denn er verkennt ganz die Kraft und die Gnade des großen Sakramentes oder er glaubt zur Hochschätzung des Sakramentes, ihm nicht häufig zu nahen. Darin liegt aber keine Hochschätzung, sondern es zeugt von Torheit und Lauigkeit, vom Leben ferne zu bleiben und nach Finsternis und Tod sich zu sehnen. Das sagt der Herr selbst: „Ich bin das Brot des Lebens; wer von diesem Brote ißt, wird ewig leben; das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt.“

Jeder also, der sich ferne hält, bleibt auch ferne vom Leibe und Blute Christi, wie er noch zur stärkeren Beteuerung das „Wahrlich“ noch hinzufügt: „Wahrlich, wahrlich sag ich euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, habt ihr das Leben nicht in euch.“ Das Erbe solcher aber, welche das ewige Leben nicht in sich haben, ist finstere Nacht und das Feuer der Hölle. Denn jeder, der ferne bleibt vom heiligen Sakramente, zieht sich leicht satanische Verwundung zu und bleibt seine Wohnung für immer. Entweder muß die Seele die Gnade des Geistes genießen oder den unreinen Geist aufnehmen: „Der Geist des Herrn wich von Saul, und es quälte ihn ein böser Geist.“ Denn in den Weinberg, der nicht umzäunt ist, dringen verheerende Raubtiere und wilde Schweine ein und richten ihn zugrunde. Wenn man aber nicht beschützt wird durch das heilige Sakrament, so nehmen die Dämonen Wohnung in den Seelen. So werden sie vertrieben aus der Schar der Engel und geraten in das Lager der Dämonen. Leicht erfassen sie die bösen Geister, quälen ihre Seele, geißeln ihre Leiber, sei es durch Feuer oder Wasser. Habe also wohl acht und lege ab deine Torheit, bessere deine Glaubensschwäche, ermuntere dich zum Eifer aus deiner Trägheit, eile, deine Seele von Sünden zu läutern, mit heiligem Verlangen eile hin zum heiligen geistlichen Tische, damit du deines Christennamens nicht verlustig gehest. Denn zum Christentume gehört Glaube, Taufe und der Genuß des heiligen Sakramentes; wer darum davon ferne bleibt und desselben ermangelt, dem mangelt das Christentum; denn in ihm wohnt Christus nicht und er nicht in Christus, denn, er sagt, wer mein Fleisch ißt, der wird in mir wohnen und ich in ihm.

Wer also in ihm wohnen will, muß so wandeln, wie er gewandelt; und wer die Hoffnung hat, daß Gott in ihm wohne und er in Gott, muß auch so heilig sein, wie er heilig ist, soweit es die menschliche Gebrechlichkeit ermöglicht und so sich ihm nahen. Wer ihm aber nicht so naht, nähert sich offenbar zur Verdammnis seiner Seele. Denn für die Heiligen ist der Hintritt zum heiligen Fronleichnam Licht, und (er) erleuchtet durch den Geist beim Hintritt; für die Unreinen aber ist er ein Feuer, das brennt und vernichtet wegen der Gewissensbisse bei dem Empfange. Denn wenn dir dein Gewissen nicht bezeugt, daß du geheiligt bist, ist klar, daß der Empfang des heiligen Sakramentes durch dich nicht nach dem Willen Gottes ist, wie auch Paulus sagt: „Das ist der Wille Gottes, das Zeugnis eures Gewissens.“ Wenn also dein Gewissen dir das Zeugnis gibt, du seist heilig, dann ist der Empfang nach dem Willen Gottes. Wenn du aber mit Schuld dich nahst, so wisse, daß du mit dem Verdammungsurteil weggehst und schlimmer bist als alle Verbrecher. Denn solch ein (er) Mensch ist noch gottloser als die Mörder, die lasterhaft Blut vergießen. Denn der Mensch, der einen Menschen ermordet, heißt Menschenmörder; wer aber mit Unwürdigkeit den Leib des Herrn empfängt, ist ein Gottesmörder, denn er kreuzigt den Sohn Gottes aufs neue.

Beherzige doch, was für einem Tische du in deiner Gottlosigkeit dich nahest. Ihm, vor dem die himmlischen Mächte erzittern und beben, erdreistest du dich mit unreinen Lippen zu nahen. Nicht könntest du, wenn ein Geruch des Bösen irgend (an dir) haftet, dem Könige dich nahen, den himmlischen König aber nimmst du auf in dein verpestetes (übelriechendes) Herz, ohne daß gewaltiger Schauer dich erfaßt. Die Speisen mit unreinen Händen anzurühren, scheust du dich, aber skrupellos kommunizierst du mit unreiner Seele. O abgrundtiefe Gottlosigkeit; o furchtbarer Schrecken, schamlose Frechheit und maßlose Verkommenheit! Mit Gewissensbissen in der Seele und beschmutztem Herzen schickt er sich an, dem heiligen und großen Sakramente sich zu nahen. Keiner, ja keiner ist zu schauen, der sich erkühnte, diese Gottlosigkeit zu überbieten. Denn, so heißt es, wenn jemand an einem Menschen sich versündigt, fleht er zu Gott; wenn er aber an Gott sich versündigt, zu wem soll er dann flehen? Denn nicht des Blutes eines Menschen sind sie schuldig, sondern des Leibes und Blutes des Sohnes Gottes. Wohlan denn, beherzige es und bedenke es wohl, wie du das heilige Sakrament empfängst. Denn wenn du vertraust, einzugehen in das Reich Gottes, dann empfange du mit ruhigem Gewissen das Sakrament. Scheidet dich aber Mißtrauen vom Reiche des Himmels, dann bist du auch des heiligen Sakraments unwert. Denn das ist ausgeschlossen, daß jemand des heiligen Sakramentes würdig wäre, dagegen des Himmelreiches nicht; denn es gibt nur eine Heiligkeit, um beider würdig zu (werden) sein.

Manche allerdings, denen das Gewissen Vorwürfe macht, kommunizieren nicht, bleiben aber heuchlerisch im Innern, indem sie nach außen den Anschein zu erwecken suchen, als gehörten sie zu den Kommunikanten; denn jeder, der des Sakramentes unwürdig ist, ist auch unwürdig, anwesend zu bleiben bei den Gebeten und der Kommunion; er soll vielmehr hinausgehen mit den Unwürdigen. Darum heuchle nicht, drinnen zu bleiben, gleich als seist du würdig, aber nicht zu kommunizieren wie die Unwürdigen.

Warum behandelst du das furchtbare (ehrfurchtgebietende), erhabene Sakrament verächtlich? Weißt du nicht, daß in dem Augenblick, wo das heilige Sakrament auf den heiligen (Tisch) Altar kommt, der Himmel droben sich öffnet und Christus herniedersteigt und ankommt, daß englische Heerscharen vom Himmel zur Erde schweben und den Altar umringen, wo das heilige Sakrament des Herrn ist und alle mit dem Heiligen Geiste erfüllt werden? Die also, welche von Gewissensbissen gequält würden, sind unwürdig, an diesem Sakrament teilzunehmen, bis sie durch Buße sich geläutert haben. Höre auf den (schrecklichen) furchtbaren Ausspruch des Herolds: Keiner von den Katechumenen, sagt er, keiner von den Ungläubigen, keiner von den Hoffnungslosen! Wer sich nicht durch Heiligkeit vorbereitet, den schickt er hinaus; denen aber, die drinnen sind, ruft er zu: Durchforschet euch, prüfet eure Herzen, damit keiner mit Gewissensbissen, keiner mit Heuchelei, mit Verstellung und Betrug, keiner im Zweifel oder Unglauben herankomme.

Denn die Heiligkeit des Sakramentes paßt (nur) für Heilige und Reine. Wir aber hören das mit an, ohne zu zittern und zu beben vor dem furchtbaren und erhabenen Sakramente, vor dem die Seraphim erbeben und dem die Cherubim nicht nahen können. Die Engel und Erzengel erbeben vor Schauer und alle himmlischen Mächte erstaunen mit Schrecken. In welchen Qualen wird aber ein Sünder sich verzehren, der es wagt, mit Gewissensbissen sich ihm zu nahen. Denn wie Reisig, das dem Feuer nahekommt, im Feuer verbrennt und zugrunde geht, so ergeht es ihm; denn er hat den Leib Christi gering geachtet und beleidigt.

Schaue aber nicht darauf wie auf einfaches Brot und halte es und sieh es nicht an für Wein, denn das furchtbare, heilige Geheimnis ist nicht sichtbar, seine Kraft ist vielmehr geistig, denn nichts Sichtbares hat uns Christus in der Eucharistie und Taufe gegeben, sondern etwas Geistiges. Das Wasser sehen wir, glauben aber dem göttlichen Worte, welches spricht: Das ist mein Leib und mein Blut. Wer von meinem Leib ißt und von meinem Blut trinkt, der wohnt in mir und ich in ihm und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. Mit wahrem Glauben wissen wir, daß Christus auf den Altären weilt, daß wir ihm uns nahen, daß wir ihn schauen, daß wir ihn berühren, ihn küssen, daß wir ihn nehmen und in unser Innerstes aufnehmen, daß wir ein Leib, Glieder und Kinder Gottes werden.

Wer aber diesen Glauben nicht hat und den Leib des Sohnes Gottes nicht (darin) erkennt, der ist ferne von der Hilfe Gottes, ferne von der Gnade des Geistes, ferne von der Vergebung der Sünden und vom ewigen Leben, ohne die Erwartung einer Auferstehung, ohne Hoffnung auf Rettung getrennt vom christlichen Glauben, in welchem uns das Heil geworden ist durch die Vergießung des Blutes Christi. Möge darum niemand ihm nahen mit Gewissensbissen, möge niemand ihm nahen im Unglauben, nehme keiner ihn auf mit Trägheit, sondern in Wahrheit soll er glauben, daß die Kirche durch das furchtbare und erhabene Sakrament der Himmel ist, daß der Thron der Herrlichkeit der Altar des Sakramentes ist, daß Christus herniedersteigt und darauf gelegt wird, der beständig dargereicht wird zum Heile aller.

O Menschenkind, wirf darum einen Blick in dein Zimmer und schau, wo du stehst, wen du schaust, wen du küssest und in dein Herz einführst! Unter himmlischen Mächten weilst du, mit den Engeln lobpreisest du, mit den Seraphim benedeiest du, Christus schaust du, Christus küssest du, Christus nimmst du und genießest du, erfüllt wirst du mit dem Heiligen Geiste und mit göttlicher Gnade verklärt und beständig gestärkt. Deswegen ihr Priester, ihr Diener und Ausspender des heiligen Sakramentes, naht euch mit Furcht, wachet ängstlich darüber, verwaltet es heiligmäßig und dient ihm mit Sorgfalt; ihr habt einen königlichen Schatz, seid besorgt darum und wacht darüber mit großer Furcht, denn auch für euch stehen unerbittliche Strafen bevor, wenn ihr die Schlechtigkeit von jemand kennt, der sich doch erkühnt, zu dem Leib Christi heranzukommen, und du versäumst es, ihn zu ermahnen, daß er sich fernehält, und (ihn) zurechtzuweisen. So aber ist eure Trägheit und eure Parteilichkeit schuld daran, daß ihr den Leib Christi Gottlosen und Unwürdigen reichet und wie Hunden oder Schweinen vorwerft. Womit könnt ihr euch entschuldigen, wie Verzeihung erlangen, ja welche Strafen und unerbittlichen Qualen werden über euch hereinbrechen, da ihr zu Verrätern und Sündern wurdet am Leibe des Herrn. Seht, von Christus habt ihr die Gewalt, von Christus lebt ihr und Christus gebt ihr Gottlosen preis und mißhandelt ihn durch den unheiligen Lebenswandel der Gottlosen.

Darum schaue in dein Inneres, Priester! Prüfe dich (beherzige), was die Aufgabe des Priestertums ist und welchen Beruf du erwählt hast. Du bist nicht ein Ackersmann für das Volk, auch kein Schnitter oder Drescher, sondern sein berufener Lehrer und Mahner, um fernzuhalten und zu tadeln.

Das ist die Aufgabe des Priesters, ihr obliege immerfort. Denn eben deswegen genießt ihr die große Ehre und habt Gewalt über alle, daß ihr solche prüfet, verweist und ausschließt. Die Priester aber, welche das nicht wissen, machen sich noch weit strengerer Qualen schuldig; denn so sagt Paulus: „Wer unwürdig ißt und trinkt, macht sich schuldig des Leibes und Blutes des Herrn.“ Viele aber läßt er auch das Gericht kosten, nimmt sie plötzlich weg von dieser Welt durch schmerzliche Leiden und schwere Krankheiten; sagt doch (Paulus): „Wegen des unwürdigen Empfanges des Leibes des Herrn sind viele krank unter euch und leidend und viele sind vorzeitig entschlafen.“ Manche, die unwürdig dem Sakramente sich nahten, wurden von geistiger Umnachtung befallen, manche gehen darob Tag für Tag lahm und siech einher; manche haben sich dadurch Schläge und unheilbare Wunden zugezogen, manche kamen in Kerker und Fesseln. Manche sterben darob kinderlos. Vielfach werden auch die Elemente erregt, die Früchte mißraten, Menschen und Tiere gehen vorzeitig zugrunde zur Strafe für den unwürdigen Empfang des Leibes und Blutes des Herrn.

So laßt uns denn herankommen mit großer (Ehrfurcht), prüfen wir unsere Herzen auf das sorgfältigste. Wir wollen nicht so nachlässig sein und (nur) die Festtage zum Empfang der Kommunion bezeichnen (festsetzen). Denn ein und dasselbe Opfer wird am Freitag und am Sonntag dargebracht wie an Pfingsten und an Ostern, und dasselbe Sakrament wird gespendet.

Bewahre nur rein deine Seele für den Augenblick des Empfangs und verschiebe es nicht von Tag zu Tag. Es ist keine Verwegenheit, mit reinem Herzen vielmal zu kommunizieren, denn du belebst und erfrischest dadurch deine Seele immer mehr. Wärest du aber unwürdig und machte das Gewissen dir Vorwürfe, und du würdest dein ganzes Leben lang auch nur einmal kommunizieren, so wäre es Tod der Seele.

Siehe doch nur, ein einziges Mal hat Kain gefehlt und ist zugrunde gegangen; nur einmal sündigte Chanaan, und er ist zugrunde gegangen; nur einmal sündigte Achab, und er ist zugrunde gegangen; nur einmal sündigte Judas, und er ist zugrunde gegangen; einmal haben die Mörder Christum getötet, und sie sind zugrunde gegangen; so würdest auch du deine Seele zugrunde richten und den ewigen Qualen überliefern, wenn du dein ganzes Leben lang auch nur einmal das heilige Sakrament unwürdig empfangen würdest.

Aber, sagst du vielleicht: „In der ,Quadragesima’ will ich mich heiligen und kommunizieren.“ Welchen Nutzen wird das bringen, daß du einmal dich heiligst, wenn du wieder dich entweihst. Was hat es denn für einen Nutzen, wenn du dich wäschest und wieder schmutzig wirst. Was wird das Bauen nützen, wenn du wieder niederreißest? Nur an Festtagen willst du ohne Schmerzen sein, und hernach willst du dich wieder in Schmerzen verzehren; an einem Tage willst du von den Sündenwunden geheilt werden, und hernach willst du die gleichen Wunden wieder bekommen; an einem Tage trennst du dich von dem Dämon, und hernach willst du immerfort wieder von ihm gequält werden.

So steht es mit denen, die einmal das heilige Sakrament empfangen, und hernach sich unablässig in Sünden verzehren. Was nützt es denn, daß du einmal dem Dolche des Mörders entrinnst, wenn du gleich darauf ihm in die Hände fällst, oder wenn du einen Tag lang mit dem Könige zu Tisch sitzest und gleich darauf den Scharfrichtern unbarmherzig überliefert wirst. So ist es auch kein großer Nutzen, am Osterfeste am heiligen Mahle (Tische) teilzunehmen, und hernach durch unheilige Handlungen sich wieder zu trennen und beständig wieder unter dem Satan zu sein. Was soll es nützen, am Festtage köstliche Edelsteine zu finden und sie tags darauf zu verlieren? Darum ist es nutzlos, am Festtage zu kommunizieren, wenn du durch einen unwürdigen Lebenswandel wieder zugrunde gehst.

Was soll es denn nützen, Christus zu nahen, wenn du Satan abermals wieder anhängst? Es ist nutzlos, heute aus dem Feuer sich zu retten und morgen schon elend zu verbrennen; es ist kein Trost, für einen Tag aus dem Kerker zu kommen und König zu sein und dann mit den Verurteilten unbarmherzig gequält zu werden; darum ist es auch nutzlos, an einem Tage das Sakrament zu empfangen und dann mit den Verdammten hinausgestoßen zu werden. Was hinkst du also mit beiden Füßen und schwankst unschlüssig zwischen den beiden Gedanken hin und her?

Entweder sei ein Diener der bösen Geister oder ein Mitgenosse bei Christus! Einen Tag erscheinst du weiß wie ein Lamm, am andern Tag schwärzer als eine Ziege; heute heilig wie David, morgen besessen wie Saul; heute gehorsam wie Petrus und morgen ein Abgefallener wie Judas. Heute Mitgenosse Christi und morgen den Satan umschmeichelnd; heute empfängst du den Leib des Herrn als Christ und morgen hältst du dich von ihm fern wie ein Katechumene. Heute unter den Bekennern und morgen draußen unter den Renegaten. Heute gehst du mit den Gläubigen zum Sakramente und morgen entfernst du dich mit den Ungläubigen. Wie soll ich dich bezeichnen, wie dich nennen? Bald bist du wie ein Lamm, bald wie ein wildes Tier, bald erleuchtet, bald verfinstert; heute läßt du dich ehren vom König, morgen verschmähst du es und wendest das Antlitz ab. Gerade so verhält es sich mit denen, die an einem Tage kommunizieren und dann wie die Katechumenen das Antlitz davon abwenden und fortgehen. Wenn du des Sakramentes würdig bist, dann empfange es stets freimütig, damit du heilig werdest, Christus anziehest und Christus aufnimmst; wenn du aber infolge deines Lebenswandels unwürdig bist, dann bist es auch am Osterfeste.

Doch du sagst vielleicht: „In dem vierzigtägigen Fasten habe ich mich geheiligt, ich will also das heilige Sakrament empfangen.“ Das ist ganz recht, und ich will es loben. Aber warum empfängst du es denn nicht immer? „Ich kann“, antwortest du, „nicht immer sündelos bleiben.“ Wenn das deine Gesinnung ist: einmal am Festtage kommuniziere ich, darnach aber halte ich mich wieder fern davon, dann bist du auch am Festtage unwürdig; denn deine Gesinnung ist vom Bösen. Was soll es denn helfen, Christus zu nahen, wenn man sich nicht vom Satan trennt? Was nützt es, die köstliche Arznei einzunehmen, wenn du den Schmerz in deinem Innern behältst? Was kann es denn helfen, zum Arzt zu laufen, wenn du ihm die Wunden nicht zeigen willst? So kannst du auch für dich beim Kommunizieren nichts Gutes gewinnen, wenn du dich von den Sünden nicht losreißen willst. Du trägst nur noch mehr bei zur Verdammung und vermehrst nur die Qualen.

Denn wenn man von einem König hörte, irgend ein Fürst wolle sich heute mit ihm verbünden, morgen aber würde er sich von ihm trennen und ein Vertrauter der Feinde werden, würde er diesen in seine Pläne einweihen? Würde er ihn nicht fesseln, nicht foltern, nicht töten lassen? Um wieviel mehr wird Christus den verdammen und peinigen, der heute mit ihm eindrang in das Sakrament des Herrn und morgen (schon) vom Sakramente sich trennt, um den Willen seines Feindes zu tun. Bist du etwa heute rein von Sünden, wenn du also bei dir denkst: Morgen trenne ich mich und tue meinen Willen? Das wäre vor Gott noch weit schlimmer. Wer also denkt, sich dem heiligen Leib Christi zu nähern und sich hernach von ihm wieder zu entfernen und ebenso von den Geboten Gottes, der ginge mit sündenbeladener Seele hin, er würde unter Gewissensbissen ihn aufnehmen und auf treulose Weise ihn empfangen und genießt ihn mit Trug, mit Heuchelei und ohne Glauben an ihn.

Das ist abscheulicher als alle Unreinigkeit, wenn du mit dem Plane umgehst, dich wieder von ihm zu entfernen und wieder in die früheren (ersten) Laster zurückzufallen. Denn der Mensch, der erklärt, er mache sich los von den Sünden, und doch wieder sich darin wälzt, gleicht einem Hunde, der zu dem wieder zurückkehrt, was er gespieen hat. Das alles wissen wir; darum wollen wir aber auch nicht so lange Zeit vom heiligen Sakramente fernbleiben, wenn wir dafür würdig sind; sollten wir aber dessen unwürdig sein, so wollen wir es auch nicht wagen, uns dem furchtbaren und heiligen Sakramente zu nahen. Denn furchtbare Strafen drohen den Unwürdigen, die sich erkühnen, zu kommunizieren, während ihr Gewissen ihnen Vorwürfe macht; aber auch den Würdigen stehen Strafen bevor, wenn sie es aus Lässigkeit lange Zeit verschieben.

Darum wollen wir mit großer Sorgfalt (Furcht) auf uns achten und das Dunkel unserer Unwissenheit eilends zerstreuen. Ablegen wollen wir den ungerechten Zorn, die Feindseligkeit und die rachsüchtige Gehässigkeit. Entfernen wollen wir die Tücke, die Rachsucht und Eifersucht. Wir wollen die Traurigkeit ablegen samt der wortlosen Aufregung. Flüchten wollen wir uns vor den Geizhälsen, den Verleumdern, Trunkenbolden und denen, die der Völlerei sich ergeben. Aufhören wollen wir mit Neid, Haß und heimtückischer Hinterlist. Aussöhnen wollen wir uns mit unseren Feinden, lieben wir die, die uns hassen, und verzeihen wir uns gegenseitig unsere Fehler. Von ganzem Herzen wollen wir einander dienen, aufeinander achten, einander die Lasten tragen, einander lieben, laßt uns den Nächsten höher schätzen als unsere eigene Person.

Laßt uns unser Herz heiligen, unsere Augen niederschlagen, unsere Zunge vor Verleumdungen bewahren; Buße laßt uns tun für unsere Sünden, die Zweifel zerstreuen, ablegen die Torheiten, die Lässigkeit vertauschen mit dem Eifer. Das Fasten wollen wir halten, beharren im Gebet. Seien wir bereit zur Wohltätigkeit, laßt uns Tugenden üben durch die Tat. Im Bösen wollen wir Kinder werden, im Glauben dagegen vollkommen sein. So werden wir dann in allen Tugenden des furchtbaren und großen Geheimnisses würdig werden. Mit großem Verlangen und vollkommener Reinheit werden wir dann genießen von dem allerheiligsten und lebenspendenden Leibe und Blute unseres Herrn Jesus Christus; ihm sei Ruhm und Macht in alle Ewigkeit! Amen.

Trostbrief über die aus der Welt Geschiedenen.

Schaue hin auf die himmlische Hoffnung, der du in die Tiefe der finsteren Trauer hinabsteigst! Eilends verscheuche die bösen Gedanken der Verblendung, wache auf und komm wieder zur Besinnung! Sei eingedenk der Gebote Gottes und reiße dich los von den Bedrängnissen des Teufels. Sei auf der Hut vor den bosheitsvollen Künsten des Teufels und nimm dich in acht vor seinen Pfeilen! Fürchte seine Tücke und sein verstecktes Gift! Fliehe vor seinen schmerzlichen Wunden und seinen gewaltigen Schlägen! Schau auf die Verwirrung deines Geistes und wisse, daß das die Saat des Teufels in dir ist. Auf! Wirf dich nieder vor Gott, du mögest bewahrt bleiben vor seinem schlimmen Betrug und seiner gottlosen Betrübnis!

Denn wenn der Teufel den Verstand des Menschen ganz und gar gefangen nimmt, bringt er über ihn Betrübnis und Verwirrung der Gedanken. Mag der Grund zur Trauer auch noch so geringfügig sein; er treibt ihn in seiner Verwirrung (dahin) soweit, daß er sie für (unmöglich) unerträglich und maßlos hält; dadurch betört er weiter sein Herz und bringt es so weit, daß er seine gewöhnlichen Gebete vernachlässigt und die Furcht vor Gott verliert. Allermeist wenn er als Anlaß das Verscheiden eines Angehörigen findet, bringt er die Verwandten in unerträgliche Trauer und Betrübnis, erglüht im Innern die Herzen, schwächt ihnen den Verstand, benimmt die Überlegung und verdrängt die Besinnungund bringt sie so weit, daß sie nicht mehr auf die Worte derer achten, die sie trösten und ihnen Mut zusprechen.

So fest lassen sie sich von Trauer und Betrübnis niederdrücken, daß die unmöglichen Truggestalten des Feindes sie … betörten und sie noch mehr abstumpftenals Betrunkenheit, und lassen sie gar nicht eingedenk sein der Gebote Gottes, der doch preist: Besser ist der Tag des Todes als der Tag der Geburt. Warum? deswegen, weil der Geburtstag der Anfang ist für die Sünden und Gottlosigkeiten, weil von da aus die Schmerzen und Sorgen, die Trauer, die Verleumdung, die Armut, Witwenschaft, Verwaisung, die Kinderlosigkeit und all die Übel der vielen Leiden und Kümmernisse in der Welt ihren Anfang nehmen. Dazu sammelt ferner Satan all die zahllosen Sünden und Laster und gießt sie über ihn aus, um ihn zu quälen und zu foltern, ihn zu verwunden durch Feindschaft, Diebstahl, Mord, Verleumdung, Meineid, Eifersucht, Neid, Rachsucht, Geiz, Beraubung des Nächsten, Betrug, Beschwörungen und Zaubereien und all die zahllose Menge der Laster; die Vergeltung dafür sind das unauslöschliche Feuer und die ewigen Qualen. Von alledem wird man durch den Tod befreit und es nimmt ein Ende damit. Denn führte er auch keinen gerechten Lebenswandel, so hat er wenigstens aufgehört zu sündigen; besaß er aber einen richtigen Lebenswandel, so wurde er von jedem Verdacht zur Sünde und den Sorgen der Welt befreit und ist hinaufgenommen und vereinigt mit den Scharen der Heiligen und Gerechten.

Über ein solches Leben, im Licht mit Maßlosigkeit und nach Heidenart zu klagen und zu trauern, ist mir Torheit, denn Paulus hat schon die reine Trauer verboten und untersagt, indem er erklärte: „Trauert nicht über die Entschlafenen wie die andern, nämlich die Heiden, die Gott nicht kennen!“ Um wieviel mehr werdet ihr für strafwürdig gelten, die in Trauer, Klagen und Wehrufen ausbrechen! Denn den Christgläubigen, die in der heiligen Taufe erleuchtet wurden, auf die der große, furchtbare Name der heiligen Dreifaltigkeit herabgerufen wurde, die durch das Siegel des Kreuzes Gott geweiht wurden, ist dies verboten. Keineswegs dürfen sie wagen, die Gottgeweihte wurden, noch nach heidnischer gottloser Weise zu entehren, dürfen sich nicht die Haare zerzausen oder ausreißen und nicht Asche auf das geweihte Haupt streuen. Fern sei von ihnen das gottlose, teuflische Geheul und Wehgeschrei und die gottlose Zerschlagung! Nicht befiehlt er den Christen, die Haare abzuschneiden, nicht die Wangen zu zerfleischen, nicht in Klagen auszubrechen, nicht die Schürze zu tragen, nicht die Schulter zu entblößen, nicht die Stirne zu zerschlagen, nicht das Trauerkleid (den Sack) zu tragen, nicht sich mit Asche zu bestreuen, nicht laut zu rufen, zu jammern und zu weinen. Denn das alles ist satanisch und heidnisch, wie es unverständige Weiber heuchlerischerweise zur Schau aufführen. Sie nehmen über den Christen das Werk der Götzendiener vor, indem sie laute Wehrufe ausstoßen, Geschrei erheben und Klagegeheul ausstoßen, wie verzweifelt sich den Leib übel zerfleischen wegen des verstorbenen Christen. Und doch sollte man diese unter Psalmengesängen und Segenswünschen hinausbegleiten und sie ehren durch Lieder für das ewige Leben.

Warum entwürdigt ihr also durch schmach- und schandvolle Trauerszenen den, der Geist trägt und Christus verwandt ist? Mit welchem Recht könnt ihr jene noch Christen nennen, die im Betreff des Verstorbenen in wahrhaft teuflischem Irrtume sich befinden! Mit diesen Gottlosen haben sich ja die Dämonen vereinigt und gehen (mit ihnen) in die Klagehäuser. Denn diese haben sie das Klagen der Verzweiflung und der Trauer des Leides und des Jammerns gelehrt, damit die Klagelaute mit ihnen zum höllischen Feuer verurteilt werden. Schämen solltet ihr euch aber vor den Juden, Heiden und Sektierern, die euch eures Glaubens wegen höhnen und sagen: Wo ist eure Auferstehungshoffnung? wenn ihr durch solches Geheul, durch solche Verzweiflung und Trauer unter schamloser Entehrung die Adern aufreißt und Blut vergießt, wobei ihr Wehrufe ausstoßt, die Haare abschneidet, in Geschrei und lautes Klagen ausbrecht und zwar über einen, der Christ heißt.

Warum rühmt ihr euch, Christen, da ihr in euren Liedern den Juden und Heiden gleicht? Sehen wir es ja, daß die Trauer und Betrübnis bei denen, die das Gesetz kennen, noch größer ist als bei jenen, die es nicht kennen. Die Männer klagen mit häßlicher Stimme, weinen und jammern und schneiden sich die Haare ab, sie heulen und weinen hoffnungslos, sie schlagen auf ihre vom Teufel besessene Stirne und schlagen wie Besessene auf die Brust, gleich als hätten sie kein Gefühl. Die Frauen aber mit Geschrei und zerrauften Haaren, zerreißen sich die Wangen, zerschlagen sich die Brüste, schlagen sich entnervt (entartet) schamlos entblößt, jammern wie rasend, gleich als seien sie rasend schwer geschlagen vom Teufel: Da sind Brennessel, Blut, Asche und zerfetzte Kleider! Mit solchen Entstellungen entehrt und verhöhnt man das Antlitz von Christen, wie man es nicht einmal bei Heiden und Juden vernimmt oder bei Schismatikern, die doch die Auferstehungshoffnung nicht haben.

Laßt uns darum solche, die in gottloser Trauer dahinleben, aus der Zahl der Christen streichen und aus der Kirche ausweisen. Wir werden sie zu den Katechumenen zählen; trauern wollen wir über sie wie über Heiden, denn in der Tat, sie verdienen es, daß man ihretwegen weint und trauert und laute Klage erhebt, da sie zum Feuer der Hölle verdammt sind und ihr Los unter den Ungläubigen erhalten; denn sie bringen (sonst) in die Kirche die verderblichen heidnischen Laster der Verzweiflung.

Sage mir also, Priester, warum führst du Scharen der Diener und Psalmensänger ein in die Chöre von Menschen, die sich durch Nacktheit entehren? Was haben geheiligte Diener gemein mit teuflischen, besessenen heulenden Menschen? Warum wirfst du die Beten-den mit den Fluchenden zusammen, die Dankbaren mit den Feindseligen, die Lobpreisenden mit Gotteslästerern? Es ist nicht gestattet, in gottlosen satanischen Versammlungen englische Lieder einzuführen oder in ihren unreinen Götzentempeln die heiligen Gebete zu bringen oder auf den Altären Opfer darzubringen; denn die Unreinen kommen unter sich zusammen, die Reinen aber können sich nur bei Reinheit erfreuen. Für Heiden und Juden gibt es nicht die gleiche Versammlung (gehen nicht zusammen), ebensowenig für die Christen und Schismatiker, denn sie sind miteinander verfeindet und vernichten sich gegenseitig. Du aber wirfst alles in eins zusammen, und in eine Versammlung sendet ihr Segen und Fluch. Jene, die gottloserweise trauern, entfachen durch ihr entartetes Leben den Zorn, die Diener dagegen legen Fürbitte ein durch ihre Gebete und Psalmengesänge. Wenn die Verwandten des Verstorbenen durch ihre gottlose Trauer und ihr Jammergeschrei sich mit Gott verfeinden und seinen Zorn herausfordern, warum betest denn du da noch und flehst und legst Fürbitte ein, um Vergebung der Sünden für den Verstorbenen zu erlangen? Auf wen soll er hören, wen soll er annehmen?

Wenn du dich der Verstorbenen annimmst, sei eingedenk deiner Kirche und flehe und bete zu Gott. Töricht und anmaßend zugleich aber ist, die geheiligten Diener der Kirche zusammenzubringen mit der unreinen Gemeinschaft derer, die in teuflische Klage ausbrechen, den Menschen sie schauen zu lassen, die schamlosen, wilden, bluttriefenden, rasenden mit Asche bestreuten Weiber. Wenn diese auch Feinde des Verstorbenen gewesen waren, könnten sie solche Jammerszenen aufführen und ihm Schlimmes zufügen, wie sie es bei seinem Tode taten. Sie haben das Wort des Propheten nicht angenommen, wenn er spricht: „Gehe ein, meine Seele, in deine Ruhe, denn der Herr hat dir wohlgetan.“ Der Herr bezeichnet den Todestag als eine Wohltat, und du jammerst, trauerst und weinst bitterlich. Höre, was zu dir der Prophet sagt: „Wehe dem Menschen, der das Böse gut oder das Gute bös nennt“; denn bös ist das Leben des Sünders und immer vermehrt er die Sünden; gut dagegen ist sein Tod, denn jetzt läßt er ab vom Bösen.

Aber, entgegnest du, wenn er vielleicht noch am Leben wäre, würde er vielleicht Buße tun, bitten und Barmherzigkeit üben und durch Tränen den Herrn versöhnen. So denke nicht und erwecke nicht den Anschein, als sei der Allwissende unwissend, der doch nicht den Tod des Sünders will. Gott, der die Herzen kennt, weiß, daß er nicht Buße tun würde; deswegen war der Tod für ihn ein Geschenk der Barmherzigkeit, weil er ihn damit dahin brachte, daß er von seinen früheren Sünden abließ. Der Tod des Gerechten aber ist für alle freudvoll und beglückend, denn er wird ledig der sündhaften eitlen Sorgen der Welt und wird (in) mit Ruhe und Sicherheit den Lohn für sein beharrliches Tugendstreben, den er davon getragen hat, bewahren. Und gesetzt auch den Fall, er wäre noch etwas in Trauer, so wollen wir ihm zu Hilfe kommen durch Mitleid gegen die Armen, wir wollen nicht vergessen das erhabene Sakrament, wir wollen Werke der Barmherzigkeit üben seinetwegen. Das ist dann ein Lösegeld vor (in den Augen des) dem gütigen Gott, er übt dann an dem Verstorbenen Liebe, wie er selbst es für gut findet (weiß?). Darum höre auf diese Worte und verscheuche die düstere Trauer aus deinem Herzen! Hoffe auf den ernsten Tag der Auferstehung. Verbannt seien aus deinem Munde die törichten Schwätzereien und Klagen, denn man nennt dich Christ! Belebe nur ganz die freudige Stimmung, hoffe auf das ewige Leben. Damit tröste, daß du sagst: deinen Verstorbenen trifft nicht mehr der Tod der furchtbaren Qualen.

Denn es gibt viele schlimme Todesarten und man kann plötzlich und unerwartet umgarnt werden und sterben. Damit tröste dich und danke Gott, daß dein Verstorbener auf seinem Lager sterben konnte. Hart ist der Tod derjenigen, welche in den Flüssen umkommen oder derjenigen die der Fels zerschmettert. Darum tröste du dich damit, und danke Gott, daß dein Verstorbener in deinen Armen verschied und ein Trostvermächtnis den Lebenden hinterließ. Hart ist auch der Tod derjenigen, die von giftigen Schlangen und wilden grimmigen Tieren ganz elend dahingerafft wurden; ihr letztes Wort bekam niemand zu hören, nicht sah man hingetragen ihre Hände und Füße. Darum tröste du dich damit, daß du deinen Verstorbenen eigenhändig beerdigt hast und sein letztes Wort hören durftest. Hart ist der Tod für solche, die im Kriege sterben müssen und das Schwert blinken sehen und dem Lebenden Finsternis über die Augen fällt und wenn der Feind den Körper hinlegt, um ihn dem Fraße wilder Tiere preiszugeben. (?)

Du aber tröste dich damit und danke Gott, daß dein (Verstorbener) Angehöriger auf dem Bette krank wurde und daß er in Ehren Gott geweiht wurde. Schlimm ist der Tod für solche, die dem Scharfrichter ihrer Vergehen wegen überliefert werden oder die bei lebendigem Leibe zerfleischt werden oder denen Glied für Glied auf dem Holze weggerissen wird, damit Geier und Raben unter häßlichem Geschrei sie verteilen. Du aber tröste dich und danke Gott, daß dein Angehöriger bei seiner Erkrankung Gott danken konnte und mit dem Bekenntnis sein Leben beendete und unter Liebeserweisen und Ehrenbezeigungen in der Gruft der Väter beigesetzt wurde. Schlimm ist der Tod für die, welche von bösen Geistern gequält werden und rasend die Glieder ihres Leibes verzerren, für jene, denen erbarmungslos Handfesseln angelegt werden und die in Fesseln vor Hunger sterben müssen. Du aber tröste dich und danke Gott, denn dein Angehöriger ist in Ruhe erkrankt und verschied unter Segenswünschen; er wurde eingehüllt in Tücher und unter Psalmengesängen hinausbegleitet; durch die Gebete des Priesters und die Opfer wurde er in den Himmel geschickt und immer noch wird der Segen gebetet und seiner gedacht bei dem (Memento) Gedächtnis für die Verstorbenen.

Wer (sollte) könnte darum auch nur so undankbar und blind sein, daß er sich bei dem Gedanken daran nicht trösten würde und unaufhörlich Gott danken würde, daß der (sein) Verstorbene(r) unter solchen Ruhmes- und Ehrenerweisungen in den Himmel abberufen wurde? Dort ist ja das ganze Universum versammelt; dort ist das Heer der Gerechten, die Reihen der Heiligen, die Schar der Propheten, die Chöre der Apostel, die zahllose Menge der Märtyrer, die glänzenden Zelte, die leuchtenden Wohnungen, die unvergänglichen Freuden, das ersehnte Paradies, die ewigen Güter, ungetrübte Freuden, nicht alternde (beständige) Jugend, unverwüstliche Gesundheit, heilige Liebe, die ersehnte Stätte, das heißersehnte Leben, das unablässige Verlangen nach geistlicher Nahrung, wunderbare Freuden, innigste Zärtlichkeit, Befriedigung der Erquickung und die geistliche Ruhe aller Auserwählten; bei ihnen ruht auch dein Verstorbener freudevoll aus.

Darob tröste dich mit aller Freude, daß er sich emporschwang zum Himmel; von den Menschen zu den Engeln hinüberzog, vom Tode ins Leben versetzt wurde, aus der Finsternis ans Licht gezogen, aus der Armut berufen zur Königswürde, aus der Knechtschaft zur Freiheit, von der Mühe zur Ruhe, von den Sorgen zur Sorglosigkeit, von den Sünden zur Gerechtigkeit, von den Kindern des Staubes unter die Geister versetzt und unter die Engel eingereiht. Mit all diesen Gedanken tröste dich, wenn du überhaupt noch hoffst auf die Auferstehung.

Auch das beherzige noch, daß die ganze Welt den Weg des Todes geht und daß wir alle diesen Weg gehen. Adam, Abel, Set, Noe und alle Gerechten sind gestorben. Mit diesem Gedanken mußt du dich trösten. Abraham, Isaak und Jakob, Moses und David, die Gottseher und alle Patriarchen, Gerechte und Gottesverkünder sind gestorben. Damit mußt auch du dich trösten. Siehe, alle Könige, Heilige und Gerechte mußten des Todes sterben; damit mußt auch du dich trösten; siehe, die Propheten und Apostel, die Märtyrer und die heilige jungfräuliche Gottesgebärerin sind gestorben; damit mußt auch du dich trösten; siehe, Christus, Gottes Sohn, ist unseres Heiles wegen gestorben, um uns zum unsterblichen Leben zu führen. Darum wollen wir dankbar sein und uns trösten, indem wir aufs neue in uns die Hoffnung auf die Auferstehung der Gerechten erwecken. Mit ihnen wollen auch wir auferstehen und unsere Verstorbenen mit Freuden empfangen.

Wohlan, hören wir noch auf die Trostworte Pauli an uns, welcher spricht: „Der Entschlafenen wegen trauert nicht wie andere, die Heiden, welche Gott nicht kennen.“ Höre auch auf den Prophet, welcher spricht: „Ist am Abend Weinen zu finden, so am Morgen Freude.“ Wenn man euch darum Christ nennen soll, wenn ihr glaubt an die Auferstehung, so erhebt euch und schöpfet Trost aus den Trostworten der Propheten und Apostel; denn der Schmerz ist bei denen, die keine Hoffnung haben, nicht aber bei den Verständigen und Gläubigen, welche auf die Neubelebung (Erneuerung) aller Entschlafenen hoffen. Für den Christen bringt ja der Tod nicht den Untergang, sondern die Erneuerung zum ewigen Leben. Deswegen begleiten wir auch unsere Verstorbenen unter Psalmengesängen und Segenswünschen zum Leben, wie Weihegeschenke bringen wir sie Gott dar. Deshalb sollte der Christ der Verstorbenen wegen nicht trauern und weinen. Weinen mögen Juden, und Häretiker mögen allenfalls klagen; trauern und klagen mögen die Ungläubigen und Schismatiker insgesamt, denn ihrer ist es würdig, zu weinen und zu klagen, ihnen geziemt Wehruf und großer Jammer.

Wir aber wollen uns mit dem Gedanken trösten, daß wir erneuert werden zum ewigen Leben. Darum fort mit den Klagen, verstummen soll der Jammer, fort mit der Trauer, hört auf mit den Tränen, unterdrückt das Weinen, bringt zum Verstummen das Geschrei der Zähren und der Wehrufe! Verachtet das Jammergeschrei der Klageweiber, das Ausreißen und Zerraufen der Haare verhindert! Verfolgt jene, die Blut vergießen und sich mit Asche bestreuen, verabscheut jene, die sich entblößen und schamlos gebärden! Machen wir uns frei von dem gottlosen Wahne, fliehen wollen wir die heidnische Gottlosigkeit, ferne sei von uns die teuflische Trauer und die hoffnungslose Trübsal. Christlich wollen wir leben, gottesfürchtig sterben! So werden wir würdig der Ruhe und des Himmelreichs in unserm Herrn; ihm sei Ruhm, Macht und Ehre jetzt und in Ewigkeit!

Gebete.

Du Ungewordener, Unerschaffener, du Schöpfer aller Geschöpfe, den die Erde nicht zu fassen vermag und der Himmel nicht umschließt (?), sondern (der) du höher bist als der Himmel und seine Grenzen überragst, wir alle, Sichtbare und Unsichtbare sind von dir umschlossen! Du herrschest über alle und dein Gebot lenkt alle Geschöpfe. Du stürzest in Armut und führst zum Reichtum, du schlägst und heilst. Du bist der Tröster derer, die vom Teufel gefährdet sind und machst den in Sünden Erkrankten gesund. Du nimmst auf die Bitten und erhörst das Flehen. Neige, o Herr, (zu uns) dein Ohr und höre auf deinen Diener, siehe, Herr, auf meine Niedergeschlagenheit und nimm mich auf in Milde, ermahne mich nicht in deinem Zorne und weise mich nicht zurecht in deinem Grimme.

Du bist ja der Gott der Erbarmungen, so habe auch mit mir Sünder Erbarmen, der ich mit vielen Seufzern und Flehen zu dir rufe und bete. Denn schwer bin ich verwundet durch die Sünden und voll Betrübnis wegen meiner Ungerechtigkeiten. Schwer leide ich in (meinen) Verfehlungen und bin von unreinen Gedanken (geplagt) bei (meiner) Bosheit; von Geistesunreinheit bin ich befleckt, und mein Leib ist mit Sündenschlamm übergossen und entstellt; mit beschämtem Antlitz stehe ich vor dir und in Scham vor deinen Augen.

O milder und barmherziger (nachsichtiger) Gott. Langmütig gegen die Sünder heißest du; du hast ja gesagt: „Wenn der Sünder zurückkehrt, will ich keiner seiner Ungerechtigkeiten mehr gedenken, die er verübt hat.“ Und nun siehe, ich bin gekommen und werfe mich vor dir nieder, dein sündiger Knecht, und wage es, dich um Erbarmen anzuflehen. Meiner vielen Sünden gedenke nicht, und zürne mir nicht ob meiner Ungerechtigkeiten, sei es nun, daß ich freiwillig oder unfreiwillig gesündigt habe, sei es, daß ich mich mit Worten oder Werken oder ungeziemenden Gedanken befleckt habe, sei es, daß ich in Unwissenheit, Trägheit oder Vergeßlichkeit gehandelt habe. Denn du, o Herr, bist gewohnt, Mitleid und Erbarmen zu üben und die vielen Sünden nachzulassen und die ganze Menge der Ungerechtigkeiten zu tilgen.

Die Unkeuschen hast du gereinigt, den Schächer (Räuber) befreit, den Zöllner gerechtfertigt, die mit Sünden Beladenen auf gerichtet (erleichtert). Denn du bist der barmherzige Gott und übst Mitleid mit den Sündern, die gläubig zu dir rufen. So hab’ denn auch Erbarmen mit mir großen Sünder, o Herr, und schütze mich vor dem Gifte des Feindes! Zerstreue, o Herr, die Finsternis vor meinem irren (umherschweifenden) Blicke, öffne meine Ohren, die betäubt sind von dem Anhören unziemlicher Dinge, heile meine wunde Zunge von den bösen Reden, reinige mein Herz von bösen Gedanken!

Nach dir, gütiger Herr, sehne ich mich, nach dir, meinem barmherzigen Vater, verlange ich. Habe Mitleid mit mir Sünder, und nimm mich auf wie den verlornen (ausschweifenden) Sohn. Stille meinen Hunger mit deiner Liebe und meinen Durst mit deinem überreichen Gnadenstrom. Denn immer verlange ich, mich dir zu nahen, ich sehne mich, zu dir aufzuschauen immerdar. Immer sehne ich mich nach deiner Gnade, stets bin ich deiner Barmherzigkeit bedürftig. Verurteile mich nicht mit den Bestraften und richte mich nicht mit den Verhaßten. Nimm mich auf mit denen, die deinen Willen tun (taten), und errette mich mit denen, die deine Gebote halten. Denn wenn du unnachsichtig meine Vergehen prüfest, ist für mich die Auferstehungsverheißung eitel. Denn dann wäre mein Erbanteil das Feuer der Hölle. Denn wenn du über meine Schuld (Verdammungswürdigkeit) und meine ungeziemenden Gedanken urteilen würdest, so wäre ich glücklich, wenn ich aus dem Mutterleibe überhaupt nicht hervorgegangen wäre. Doch höre du denn auf mein Bitten und Flehen und schließe mich nicht aus von deiner Barmherzigkeit, der ich nach deiner Barmherzigkeit mich sehne und deines Erbarmens bedürftig bin. Denn unablässig habe ich meinen Leib befleckt und fortwährend meine Seele häßlich entstellt nicht nur durch einen schlechten Lebenswandel, sondern auch durch sündhafte Gedanken.

So (wasche) mich jetzt von Sünden und reinige mich von dem Schmutz und dem Schlamm! Dich bitte ich, zu dir rufe ich, erfülle das Verlangen meiner Sehnsucht, nimm mich auf in den Chor der Heiligen und in die Schar der Gerechten, welche sich immerfort deines ersehnten Anblickes erfreuen. Ich bitte ja nicht freimütig darum, wie einer, der gute Werke vollbracht, sondern nur mit Entschuldigung wie ein schuldbeladener, großer Sünder wage ich es, zu dir zu flehen. Ich wage es wie ein Reiner, da … ich nicht habe, aber ich erflehe es von deiner Reinigkeit, du mögest mich reinigen von meinem Schmutze, denn zahllos ist die Menge der Sünden, die ich auf mir habe und die Masse meiner Vergehen lastet zum Erdrücken immerfort schwer auf mir. Immer schnüren sie mir das Herz zusammen, sie nagen und zehren an meinem Leib und meinen Gebeinen.

Und deswegen wage ich es, an einem fort zu dir zu rufen, dich zu bitten und zu beschwören, bist du doch mein Vater und Herr, mein Schöpfer und Bildner, zu wem soll ich denn gehen, von wem soll ich Hilfe erbitten? Gegen dich habe ich gesündigt, vor dir bekenne ich es, zu dir flehe ich, schließe mich nicht aus von deiner Barmherzigkeit, verstoße mich nicht von deinem Angesichte. Dich bitte ich, meinen wohltätigen und barmherzigen Herrn und Schöpfer, beschäme mich nicht mit ewiger Schmach und (richte) verdamme mich nicht am großen Tage. Erhebe nicht Anklage gegen mich vor dem Tribunal der ganzen Welt. Gib mich nicht unbarmherzig den Qualen preis und strafe mich nicht mit der furchtbaren Hölle. Nein, rette mich aus dem Glutofen und aus den Fluten des Feuerstromes, vor den Giftzähnen der Schlangen, aus der lichtlosen Finsternis, vor dem bittern Richterspruche, aus den unbarmherzigen Foltern (Qualen), vor den unlösbaren Fesseln und beständigen Bedrängnissen, vor dem ewigen Heulen und Zähneknirschen.

Habe Mitleid mit solchen, welche durch die Sünden verwundet sind und heile die in ihrer Gottlosigkeit Erkrankten. Nimm mich auf wie (einst) den Lästerer und Verfolger und zerstreue die Menge meiner Sünden. Reinige mich von meiner Befleckung wie die Ehebrecherin und mache mich gerecht wie den Zöllner. Erbarme dich meiner wie der Kanaaniterin und sei mir gnädig in meinen Sünden wie dem Schächer. Laß mich wohnen unter den Chören der Heiligen und in den Wohnungen der Gerechten, die deinen Willen taten. Zur Anteilnahme an dem ewigen Leben und zu den Freuden unaussprechlicher Güter in Christus Jesus, unserm Herrn; ihm sei Ruhm in Ewigkeit!

Ein Brief über die teuflischen Zaubereien und die gottlosen Beschwörungen.

Möchte jemand mein Haupt erfassen und es zum Behälter vielen Wassers machen und meine Augen zum überströmenden Tränenquell und ich würde Tag und Nacht unsere unaufhörlichen Sünden bitterlich beweinen. Denn geschwunden ist auf Erden die Gottesfurcht und nichts Gerechtes (ist) steht vor den Menschen. Mit Zaubereien ist unser Land erfüllt wie ehedem. Mit unserm Verstande haben wir uns unter die Knechtschaft des Teufels gebeugt. Denn wir bekennen mit dem Munde, daß wir Gott kennen, doch in unseren Taten verleugnen wir ihn.

Gott sprach: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele (deinem ganzen Selbst) und aus aller deiner Kraft.“ Von der Seele will heißen: Du sollst ihn allein verehren und ihn deinen Herrn und Schöpfer nennen. Mit den Kräften will heißen: Du sollst deine Kraft in erster Linie (zuerst) auf das Gebet und die Seelenarbeit verwenden. Von ganzem Herzen will heißen: Du sollst nicht zugleich in die Wohnung der Heiden und in die Versammlungen der Märtyrer (der Bekenner), nicht zugleich in die Götzentempel und in die Kirchen laufen, nicht zugleich dem (blinden) Schicksal und der Gnade, dem Kreuze und der Vorherbestimmung dich in die Arme werfen, nicht zugleich zu den Zauberern und den Priestern, zum Gebete und zur Zauberei deine Zuflucht nehmen, nicht mit der Zunge bekennen und es im Herzen nicht glauben, nicht im Herzen daran glauben und mit der Zunge verleugnen, nicht in Worten Gott ehren und durch die Taten ihn zum Zorne reizen, nicht im Glauben ihn erheben und durch die Werke ihn betrüben, sondern du sollst Gott lieben aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus aller Kraft und aus gutem Willen und teilhaft des Namens Christi als Christ.

Wenn du aber mit der Zunge Gott deinen Schöpfer, Geber, Erlöser, Lebensspender und Herrn über Tod und Leben nennst, in deinem Herzen und in deiner Seele dagegen mit den Zauberern, Beschwörern, Wahrsagern, mit dem Talisman und Aberglauben und Lesungen dich abgibst, dann darfst du dich nicht mehr Christ nennen, denn du hast dich von Christus getrennt und bist vom Satan unterjocht. Denn du hast dich abgewendet von deinem Schöpfer und Lebensspender und hast ihn verlassen und hast deine Zuflucht zu Satan genommen. Denn würdest du in Wahrheit glauben, daß Gott der Schöpfer des Universums ist, dann müßte auch der Schöpfer allein imstande sein, das Leben zu geben und zu töten, zu verwunden und zu heilen. Wer wäre denn sonst imstande, zu einem Wahrsager zu laufen, der ja sich selbst die Gesundheit und Unsterblichkeit nicht verleihen kann. Wohlan, so zeige doch einen Zauberer, der leidensunfähig und unsterblich geworden ist? Wolltest du aber entgegnen: Ich gehe ja nicht zu den Wahrsagern, sondern er ist Arzt und ich gehe zu den Ärzten, (so wisse): Aufgabe des Arztes ist es zu brennen, zu schneiden, das Blut zu entleeren (zur Ader zu lassen) und Heilmittel gegen die Schmerzen anzuwenden, nicht aber Zauberei zu treiben und teufliche Albernheiten zu schwätzen, Salz und Kohle und rote Amulette, Eisen und Wasser und Perlschnüre zur Zauberei zu gebrauchen oder Zauber schritten zu tragen oder die Gebeine der Fische und Kriechtiere und Zaubergebinde an die Hände, Augen oder an den Hals zu binden.

Warum also hast du, bedauernswerter Unglücklicher, Gott den Schöpfer, den Arzt, das rettende Kreuz verlassen und zur törichten Zauberei deine Zuflucht genommen, die von den Dämonen in das Verderben gestürzt wurden? Wohlan, siehe, was der Zauberer treibt! Er zaubert, durch einen Fluß gehend, und während er seine Zauberei treibt, nahen sich ihm die Dämonen, und während er geht, wird er von ihnen ergriffen, nach links treibt er Zauberei, nach rechts speit er aus, schwört dem Kreuze ab und wird an Christus zum Feind und weiß es nicht.

Wenn er sein Zaubermittel nur zeigen würde, würden sie den Kindern zum Gelächter, zum Spott und zur Belustigung werden. Wenn ich Muße hätte, die Zaubermittel des Leibes nach ihren Teilen, Stück für Stück, aufzuzählen, so würde ich wahrhaftig den törichten Geist des Zauberers vor allen dem Gelächter aussetzen. Denn alle Talismane und Amulette des Zauberers, des Beschwörers und Wahrsagers sind falsch und verderblich, ein Anlaß zur Hölle und zum ewigen Feuer; und wer sich an sie macht, wird zum Feuer der Hölle verurteilt und sein Erbteil ist bei den Gottlosen; denn die Wohltat der Heilung haben sie verachtet; durch welche man unter Anwendung der Heilkunst durch Brennen, Schneiden und Gebrauch von Mitteln gegen die Schmerzen heilen kann.

Noch mehr aber verachten sie die Gnadengeschenke. Denn es heißt: „Ist jemand krank unter euch, so rufe er die Priester der Kirche; sie sollen über ihn beten und salben mit Öl im Namen des Herrn und das Gebet im Glauben wird dem Kranken zum Heile gereichen.“ Für jene aber, welche der böse Feind quält, hat er auch Befehl gegeben, und sie trieben ihn aus durch Fasten und Gebet im Zeichen des Kreuzes, das alles besiegt. Von jenem aber, der dem rettenden Kreuze abschwört, die Gnade Christi verachtet und zu den Zauberern läuft, um Zauberei zu treiben und die Amulette, Zaubermittel und Zauberschriften um sich hängen, von diesen sagt Christus: „Weichet, Verfluchte, ins ewige Feuer, ich kenne euch nicht“, weil sie taten, was er ihnen nicht geboten hat.

Wolltest du aber sagen: auch jene seien Christen und würden mit dem Namen Christi Zauberei treiben, ja selbst Diener der Kirche und Mönche würden (solche) Bücher schreiben, so beherzige das Wort des Evangelisten: „Viele Propheten“, so spricht er, „sprechen an jenem Tage: Herr, in deinem Namen haben wir geweissagt und in deinem Namen Teufel ausgetrieben und viele Wunder gewirkt, tu uns auf. Und der Herr antwortet: ich kenne euch nicht.“ Denn sie taten gerade, was er nicht geboten hatte. Was aber soll ich von den Propheten sagen? Selbst der Jünger Judas, der doch weit mehr Wunder und Heilungen vollbrachte als die Propheten, wurde nicht unter die Apostel gezählt, sondern geriet in die tiefste Hölle. Ja, was rede ich noch von dem Jünger? Selbst ein (der) Engel hat die Wohnung, in die er versetzt war, nicht behalten, sondern ward verflucht und fiel und wurde ein Teufel und erbte den verworfenen Namen. Doch du vertraust darauf, daß jene Christen seien und Diener der Kirche und daß sie ihre Beschwörungsformeln mit dem Namen Christi beschreiben.

Nun denn, törichter Mensch, wie verhält es sich denn mit den Teufelsbeschwörungen? Werden sie vollzogen unter Fasten und Gebet im Glauben auf das siegreiche Zeichen des Kreuzes, vor welchem alle Naturen der bösen Geister erbeben?

Ein Zauberbuch also widerstrebt der Gnade und den Geboten Gottes, wie auch die falschen Propheten das Volk von den wahren Propheten losrissen, die Wahrheit unterdrückten und den Irrtum beschwichtigten. Wenn er also auf die Propheten, welche Falsches lehrten, nicht hörte an jenem Tage, und wenn er Judas, den Jünger, aus der Schar der Apostel ausstieß und die Engel, die sich empörten, nicht schonte, sondern in der Hölle in dunkle Fesseln legte und nicht den Tag des Gerichtes abwartete, um diesen Sündern ein Beispiel zu geben, dann darf man als gewiß annehmen, daß er auch diese nicht schonte, die nicht im Glauben, sondern nur dem Namen nach Gott sich weihten und im Hause Gottes sich ernähren, sich um Gottes willen Ehre erweisen lassen, als Vorsteher der Kirche gelten, die Gebote Gottes laut vorlesen, sich Lehrer der Unwissenden und Führer der Irrenden anreden (nennen) lassen, während sie selber im Irrtum sind, die Gnade Gottes, das Gebet und das Öl der Salbung verloren haben, welche die Gebote für den Kranken vorgeschrieben haben, auch das Fasten und Gebet für den Kranken vernachlässigt haben, während sie zur Zauberei und Zauberschriften abirren.

Wird den Vorstehern Fleisch vom Leibe gerissen oder überfällt ihn plötzlicher Schmerz, so lassen sie Zauberer ins Haus kommen, um Zauberei zu treiben. Ja, nicht genug, daß sie äußerlich mit sich Zauberei treiben lassen, lassen sie sich auch noch über die Zaubermittel belehren, schreiben selbst Zauberschriften, hängen sie den Kranken an den Hals, grübeln nach über die Zauberformeln. Namen, die man nicht in den Geboten hört, schreiben sie zusammen und vermengen sie mit dem Namen Christi, damit man die Schriften für göttliche halte. Ja, so weit treibt sie Satan in ihrer Verwegenheit, daß sie den heiligen Namen Gottes in ihre Zauberbücher schreiben und ihn in Verbindung bringen mit den Zaubermitteln. Denn das heißt man nicht Gott ehren, sondern ihn verachten. Ja, sie werden noch verdammungswürdiger, weil sie Gott in den Zaubermitteln und Zauberbüchern mit den Dämonen vermengen, ohne auf die unsichtbaren Pfeile Satans zu achten. Denn die Zaubermittel und Zauberschriften sind Anordnungen des Satans, nicht Gottes. Deshalb läßt Satan auch seine verderblichen Pfeile nicht merken, denn boshaft läßt er den heiligen Namen Gottes mit seinen Befehlen vermengen, damit sie durch den Namen Gottes irregeführt, seine schwarzen Pläne nicht merken können (sollen). Denn töricht wie sie sind, behalten sie zwar den Christennamen noch bei, in ihren sinnlosen Handlungen aber erniedrigen sie sich (derart), als würden sie ihn nicht kennen. Niemand soll also den Dämonen dienen, niemand ihnen die Augen und den Mund küssen! Nein, denn den Willen der Dämonen zu erfüllen, wäre vollendeter Götzendienst.

Ein Zauberer macht sich erkenntlich durch Aberglauben, Wahrsagerei, Zauberei, durch Beschwörung, durch Befragen, im Schneiden (Zauberei am Brote), durch Auspizien (Vogelschau), durch Schütteln des Siebes (Zauberei mit dem Siebe), durch Würfellose, durch Erprobungen mit Flüssigkeiten, durch Wahrsagerei, durch Vorhersagen, durch Zauberei mit Büchern, durch Sterndeuterei, durch Befragen der Geister, durch abergläubische Beobachtung von Tagen und des Mondes, durch Aberglauben an Stoffmassen (Zauberei mit Lebensmitteln), durch Talisman, durch Schönheitszauber, durch Zufall (?), durch eitle Bilder (?), durch Beschwörungen, durch Lose, durch Bestimmungen, durch Zauberbücher, durch allerlei zauberische Bewegungen (Redensarten?) mit den Talismanen, durch Wahrsagerei und Zauberei, mit denen sie die Dämonen anrufen, durch Zauberei mit Salz, Eisen, Wasser, Farben, Öl, Gerste, Perlschnüre (Halsketten), Wachs, dem Haupthaar und mit all den Unreinigkeiten, womit sie die Seelen derer beflecken und zugrunde richten, die sich ihnen fügen. Ist es da nicht angebracht, daß man trauert, weint und zürnt, wenn wir es über uns bringen, uns solchen Dingen hinzugeben, nachdem er seinen Sohn gesandt hat.

Und verdient ein Mensch, der damit sich abgibt, in der Tat noch den Namen Christ, nachdem er sich doch von Christus getrennt hat, dem Befehle der bösen Geister folgt, im Dienste des bösen Feindes steht, immer seine Befehle vollzieht, durch seine Wahrsagerei, Zauberei, seine Zauber schritten, welche die Kinder des Fluches schreiben und noch als Diener des heiligen Altares Gottes angesehen werden?

O unverständiger Tor! Hörst du denn nicht, daß Gott zu dem Sünder spricht: „Warum predigst du über meine Gerechtigkeit und nimmst meine Gebote in deinen Mund?“ Und wiederum spricht er: „Wenn ich auf die Sünden in meinem Herzen geschaut hätte, hätte mich Gott wohl erhört?“ Und abermals spricht er: „Weichet von mir alle ihr Übeltäter!“ In deinem törichten Gebete sagt der Prophet dir ab, und du verstehst es nicht. Wenn du sprichst: Weichet von mir alle ihr Übeltäter, sagst du da in der Tat nicht, daß du dich entfernen sollst, du Unreiner und Gottloser? Wenn du aber in deinem Gebete sprichst: „Zum Sünder sagt Gott, warum sprichst du von meiner Gerechtigkeit,“ sprichst du das dann nicht zu dir? Wie kannst du es wagen, deinen ganz unreinen Mund zu öffnen und von der Gerechtigkeit Gottes zu sprechen? Sprichst du nicht fürwahr gegen dich und weißt es nicht? Und wenn du es aus deinem eigenen Munde hörst: „Falls ich Sünden sähe in meinem Herzen, könnte da der Herr noch auf mich hören?“, so wisse nun also, daß der Herr auch nicht auf dich hört, wenn du Sünden im Herzen hast. Du sprichst es ja selbst mit eignem Munde unablässig. Wenn du aber nicht (einmal) die Worte deines Mundes hörst, wie kannst du dann die Schliche (Mittel) Satans kennen? Du hast dich schwer verwundet, ohne daß du es nur weißt. Du liest die Bücher und verstehst das Geschriebene gar nicht.

Was befiehlt uns denn Gott in den Geboten? Befiehlt er uns nicht in der Tat für all unser Tun das Kreuz als Schutzmittel und Wegweiser, für die Kranken das Gebet und die Salbung mit Öl, für die vom Teufel Belästigten Fasten und Gebet? Wer aber das verachtet und sich mit Zauberbüchern und Talismanen abgibt, Zauberweiber in das Haus führt, übertritt die Gebote Gottes, fällt ab vom Christentum und verfällt dem Fluche der Apostel. Denn dies wurde von ihnen nicht verkündet, sondern er hat den Fluch darüber ausgesprochen und sagt: „Wenn einer mehr als dieses lehren sollte, der sei verflucht!“

Abermals sagt er: „Mehr sollt ihr nicht wissen als das, was geschrieben steht.“ Und wiederum sagt er: „Verflucht sei jeder, der nicht festhält an dem, was in der Schrift geschrieben steht.“ Christus aber sagt: „Wer auch das Geringste von meinen Geboten wegnimmt, der wird gering genannt werden.“ So achte wohl darauf, du lösest die Gnade Gottes, die Kraft des heiligen Kreuzes, Fasten und Gebet, das die Gebote vorschreiben, führst Zauberbücher ein und die Talismane der Zauberer, was in den Geboten Gottes nicht enthalten ist, sondern Pfeile des Satans in den Händen der Zauberer, die gleich einer finsteren Nacht sich ausbreiten über der ganzen Welt, ohne daß sie es ahnt.

Doch du wendest ein: „Was die Zauberer tun und sagen, trifft auch so ein.“ Allein, mag es auch dann und wann einmal eintreffen, täusche dich nicht o Mensch! Nicht die Zauberer sind schuld daran, daß es geschieht, sondern es wäre auch dann zu dieser Zeit eingetroffen, wenn du nicht zu den Zauberern gelaufen wärest. Du aber hältst diesen Erweis der Barmherzigkeit Gottes für einen Machterweis des Zauberers. Sehr vielmal aber gelingt es bei den Zauberern nicht, dann und wann gelingt es; aber nicht durch die Macht des Zauberers geschieht es, sondern sie verhalten sich, (werden, befunden) wie Blinde, die mit Tasten etwas vor die Füße Gefallenes finden. Siehe, du findest es mit Tasten, ohne daß du es vorher mit den Augen gesehen hast. Siehe, so magst du es auch bei den Zauberern sehen.

Aber törichte Menschen achten nicht darauf, wenn es nicht eintrifft, sondern wenn sie es einmal zutreffen sehen, dann hängen sie sich an das Eine, heben es hervor und verkünden es vor den Ohren aller Welt. Und doch ist es nicht der Macht des Zauberers oder des Talisman zuzuschreiben; mag es auch, wie sie sagen, plötzlich vor deinen Augen eingetreten sein, so geschah es doch nicht durch den Talisman oder durch den Zauberer, sondern weil du so glaubtest, hat Gott es so geschehen lassen wie du glaubtest, (aber nur) damit dich ein schweres Urteil treffe, weil du, anstatt an Gott, dich an Zauberer gewandt hast. Denn wenn du vom Gesetze ablassest und deine Zuflucht zu den Zauberern und Talismanen nimmst, hast du dich damit freiwillig in die Knechtschaft Satans begeben und er ist der Herr über deinen Willen geworden. Es ist geradeso, wie wenn ein Königssohn freiwillig den König verläßt und ins Gebirge zu einem Räuberhauptmann geht und sich ihm unterwirft; wahrlich, dann ist der Räuberhauptmann Herr und Meister über Leben und Tod desselben.

So hat sich ein großer Teil der Welt durch die Talismane und Zauberei dem Satan dienstbar gemacht und niemand beherzigt, wie böse unsere Frevel sind. Gott, den Schöpfer, haben wir verlassen und wenden uns den Zauberern, Talismanen, Beschwörern, Zauberbüchern und der Wahrsagerei zu und fordern den Zorn des Schöpfers unablässig heraus. Was kann man denn all diesen Verfehlungen gegenüber tun als nur seufzen und weinen? Denn nur ein kleiner Bruchteil der Welt wird zur Not noch Rettung finden. Denn die Ehre, die Gott gebührte, nehmend, erkannten wir einem hinfälligen Menschen das Wissen zu; dieses Wissen, welches den Vorfahren zur Offenbarung gekommen war, wie er auch (Gott) dem Saul geoffenbart hat, als er die Eselin verloren hatte.

Dies geschah deshalb, weil sie noch Kinder waren und kein gereiftes Wissen besaßen. Uns aber ist die wahre Geisteswissenschaft in Vollkommenheit gegeben worden. Denn Christus selbst kam und verkündete sie, löste die Fesseln des Gesetzes, brachte die Gnade, überwand den Tod, verhieß die Auferstehung, das Himmelreich und das ewige Leben. Das ist das vollendete Wissen, nicht das Auffinden der verlorenen Eselin. Die Unwissenheit hat er verbannt und dieses gebracht. Er will nicht das unseretwillen, daß wir das Leibliche suchen; vielmehr sollen wir um das Geistige besorgt sein, und wir werden damit auch das Leibliche empfangen. Deswegen hat er das Wissen um letzteres vor uns verborgen.

Wenn darum jemand aus Gewinnsucht dich glauben machen will, er wisse etwas von Gott und von der Kraft der Heiligen, so glaube ihm nicht, das ist für uns verboten, denn es ist dies nicht etwas Größeres als die Gnaden, welche er uns gegeben hat. Wer gläubig vor Gott sich niederwirft und im Gebete Zuflucht zu den Reliquien der Märtyrer nimmt, wird geheilt von seinem Schmerze, befreit von seinem Leiden, verlassen von den Dämonen und erlangt Verzeihung seiner Sünden.

Aber eine geheime Prophetengabe gibt es für den Menschen in unserer Zeit nicht (mehr); machen doch die Reliquien der Märtyrer uns nicht über irgend etwas einen Vorhalt, noch bringen sie ungewollte Buße über uns zwangsweise ohne unseren Willen. Gott tut ja den Menschen nie Zwang an, sondern er macht, daß sie sich auf ihren Willen stützen, auf daß er auch den Lohn erhalte für seine Arbeit. Sie bauen keine Kirchen und Kapellen, denn Gott ist nicht gewohnt so etwas zu tun, auf daß unsere guten Werke nicht gezwungen geschehen, vielmehr tuen sie dieselben gestützt auf den (freien) Willen, damit er (Gott) uns nach vollbrachter Tat belohnen könne. Aber solche Makel kommen von den Verstellungen der Dämonen, damit sie den Mühen den Lohn rauben und die Menschen betrügen, sie lächerlich machen.

Ein Wissen wie das eben genannte haben die Dämonen niemals; denn nur einer ist Herzenskenner, der Schöpfer des Weltalls. Die Dämonen und Zauberer dagegen sind Geschöpfe und nicht Schöpfer. Leben und Tod, Gesundheit, Krankheit und Heilung, Reichtum und Armut seinen Geschöpfen zu geben, liegt nur in des Schöpfers Hand, nicht bei den Dämonen und Zauberern, denn Gott ist auch ihr Herr und Schöpfer. Wie sollten sie deshalb imstande sein, über andere Geschöpfe zu herrschen, deren Schöpfer sie nicht sind? Denn die Geschöpfe stehen doch nur in der Botmäßigkeit des Schöpfers; er kann sie vernichten und erneuern, (sie stehen aber) nicht in der Botmäßigkeit der Dämonen und Zauberer, die nicht einmal über sich selbst zu verfügen Gewalt haben.

Wissen wir aber einmal, daß Gott allein der Schöpfer ist, warum wollen wir uns die Fesseln der Zauberer und Wahrsager anlegen und uns dadurch versündigen, daß wir die Tage abergläubisch unterscheiden? Und du glaubst, daß von ihm aus Schaden oder Förderung das Gras, die Reben, die Früchte der Ernte, der Weinlese, der Same und all die Arbeiten, die euch durch die Hände gehen, erfahren? Wie magst du nur auf den Aberglauben und die Unterscheidung der Tage verfallen? Wohlan, gib mir Antwort! Wodurch soll denn der Samstag und Mittwoch schädlich sein? Solche sind nur dem Namen Christi nach Christen. Der Name allein ohne Licht und Wärme kann weder etwas vernichten, noch ins Leben rufen. Licht und Wärme aber kommt von der Sonne. Die Sonne aber geht nicht am Mittwoch und am Samstag so auf und an andern Tagen anders, vielmehr ist der Aufgang der gleiche und er bleibt immer derselbe. Wenn nun aber der Sonnenaufgang am Mittwoch und Freitag, am Samstag und Sonntag der gleiche ist, wie sollen denn bei einem und demselben Aufgange die einen schädlich sein, die anderen dagegen nicht?

Gib Antwort, du törichter Zauberer, Diener der Mantik, der du die Gnade Gottes verloren hast! Sind denn nicht alle Tage des Herrn und haben wir nicht alle Tage das Gute, das wir vollbringen, unserer guten Neigung und dem Willen Gottes und das Böse, das wir verüben, unserer Bosheit und der Langmut Gottes zuzuschreiben? Gott ist der Vollbringer des Guten, wir aber sind fähig des Bösen. Wie also sollte der Name des Mittwochs oder Samstags imstande sein, etwas zu fördern oder zu vernichten, der doch ganz machtlos ist? Der Name hat ja keine Seele und keinen Verstand und wie sollte der imstande sein, etwas zu schaffen, der keine Seele und keinen Verstand hat? Doch der Satan hat dich betört, dieses zu denken, auf daß du Gott die Ehre als Schöpfer entziehest, und sie weihst den toten Namen des Samstag und Mittwoch, und du mit den Götzendienern (als Götzendiener) verurteilt wirst.

So lasse fahren deine Torheit, die in der (abergläubischen) Unterscheidung der Tage liegt. Antwort kannst du ja keine geben, vielmehr ist es nur dein absurder Irrtum, der dich antreibt, solches zu tun. Aber sage, wie kommt es denn, daß du auch hinsichtlich des Mondes vom Aberglauben befangen bist und dem Monde das Verderben und die Förderung zuschreibst? Wenn du abergläubische Vorstellungen über die Sonne hättest, so könntest du unter Umständen noch antworten: Von der Sonne kommt die Wärme und so kann sie zur Reife bringen und anfüllen, austrocknen und entleeren.

Nach dem Befehle des Schöpfers bereiten vier Elemente die Geschöpfe: Feuer, Wasser, Erde, Luft. Wenn nun von diesen etwas zu wenig in der Mischung sich vorfindet, trägt die Erde keine Frucht. Von diesem Stoffe findet sich aber nichts im Monde. Warum also hältst du den Mond für die Ursache von dem Verderben oder von der Erneuerung? Der Staub kommt von der Erde, das Feuer von der Sonne, das Wasser vom Regen, die Luft vom Sturme. Diese sind es, die den Geschöpfen gemäß göttlicher Anordnung ihre Zusammensetzung geben. Was hat jedoch der Mond für eine Macht, zu verderben oder zu fördern? Denn im Mond ist weder Hitze noch Luft, weder Erde noch Wasser. Einzig und allein dazu wurde er erschaffen für uns, daß er leuchte in der Nacht. Er kreist umher und geht wieder unter, indem er das Bild des Lebenspendenden trägt und doch weiß er nichts von sich selbst, ob er etwas ist oder nicht, denn es ist in ihm keine Seele und kein Leben, vielmehr bewegt er sich und geht wie das Feuer und Wasser und ist uns zu Nutzen und Diensten nach dem Willen Gottes. Auf Gräser und Samen hat er keinen Einfluß, denn er ist vollständig leblos. Welche Qualen, welche Hölle verdient nun nach deinem Urteil jener, der das Unvernünftige für vernünftig hält und Ehre und Macht dem Schöpfer entzieht und sie auf Satan und nach den Wahrsagungen auf Tage überträgt, das Geschöpf verehrt und nicht den Schöpfer?

Wenn du das Zeichen der Tage für Macht zu zerstören halten willst, so hast du sie auch für den Herrn und Schöpfer gehalten und wurdest durch deine Taten ein Anbeter und Verehrer des Mondes und der Zaubertage (Unterscheidungstage) und hast den unlösbaren Fluch desjenigen auf dich herabgerufen, der spricht: „Verflucht sei, wer die Sonne, den Mond und die Kräfte des Himmels verehrt und anbetet.“ Warum läßt du dich also verwunden, Unglückseliger, durch die unsichtbaren Pfeile des Teufels, indem du auf deine Arbeiten anwendest die Unterscheidung der Tage und der Zaubereien. Das nützt dir gar nichts, sondern verursacht dir nur Seelenqual und Grund zur Hölle.

Doch du könntest entgegnen: Warum soll ich denn den Zauberern kein Vertrauen schenken? Sehen wir doch, daß alles zugrunde geht an den Tagen der Unterscheidung (den Unglückstagen). Mensch, laß dich nicht täuschen! Es existiert ja kein Geschöpf Gottes, das fehlerlos, unvergänglich oder unveränderlich wäre; unzerstörbar und unveränderlich ist nur der Schöpfer. Die Geschöpfe (dagegen, die uns durch die Hände gehen, sind fehlerhaft, vergänglich, zerstörbar und den Verhältnissen unterworfen. Und das Zugrundegehen und die Verhältnismäßigkeit hängt ab vom Maß des Regens und von der Hitze der Sonne und der mangelhaften Einwirkung der Luft (Witterung), nicht aber vom Mond, denn auf dem Mond ist kein Regen, auch nicht Hitze und nicht Luft, wenn den Pflanzen und Samen Schaden erwächst und aller deiner Arbeit, welche du zu tun den Tag desselben (d. h. wohl des Mondes) unterscheidest. Vielmehr ist er nur eine Leuchte für die Geschöpfe. Und niemals trifft dich vom Mond ein Schaden, sondern allein von der Sonnenhitze und von der Feuchtigkeit des Mondes. Denn wie vom Dürren, Trockenen kein schädlicher Geruch entsteht, und wenn die Sonne die Feuchtigkeit des Frostes erhitzt, (übler) Geruch und Würmer entstehen, und wie beispielsweise an den Kleidern desKörpers keine Motten entstehen, falls keine Feuchtigkeit, Nässe oder Staub daran kommt, dagegen Kleiderinsekten in Menge entstehen, wenn die Körperhitze, die Feuchtigkeit des Schweißes und der Staub sich miteinander mischten, so ist er auch Staub in der Pflanze von der Feuchtigkeit und der Hitze des Tages und dem Kampf (Ausgleich) der Elemente untereinander. Samstag und Mittwoch haben aber keines der Elemente, sie haben keine Macht über die Geschöpfe Gottes, weder sie zu erneuern noch zu verderben.

Du törichter und unverständiger Mensch! Wenn du nun doch einmal bei deiner Händearbeit einen Unterschied machen willst, so tu das bei der Mischung der Elemente, mache einen Unterschied zwischen Hitze und Kälte, zwischen Feuchtigkeit und Trockenheit, zwischen Frühling und Herbst, und handle nicht gottlos gegen den Samstag und glaube nicht, daß davon das Mißlingen oder Gelingen eines Unternehmens abhängig ist.

Nun magst du wieder sagen: „An den Unterscheidungstagen (bestimmten Tagen) verderben Weinstock und Wein und alles, was wir an diesen Tagen tun; also glaube es“, und es mag so sein, doch ich gebe dir zu bedenken: Schreibe es ja nicht den Tagen zu, als vermöchten sie etwas; denn Gott hat uns nur das Licht der Tage gezeigt und unsere Macht ist es, Gutes oder Böses an ihm zu tun. Wenn du ferner glaubst, Satan sei schuld daran, daß deine Arbeiten mißlingen, (so wisse) ohne deine Einwilligung und ohne Zulassung Gottes vermag der Satan nichts über die Geschöpfe Gottes.

Wisse, daß er nicht vermochte, in die Schweineherde zu fahren, sondern erst, als der (Herr) es ihm befahl; auch vermochte er die Güter jener nicht zu verderben, bevor er vom Herrn die Erlaubnis dazu erhielt. Hatte er wirklich Gewalt über unsere Seele ohne unseren Willen, er ließe es nicht zu, daß auch nur eines aus uns gottgefällig wäre, vielmehr würde er alle samt und sonders in Sünden stürzen und verderben. Wenn dem so wäre, wären die Propheten nicht Propheten, die Apostel nicht Apostel, alle Gerechten nicht Gerechte, denn so war sein Wille gerichtet. Aber dem ist nicht so. Vielmehr hat er nur Gewalt über den, der ihm gehorcht. Denn wisse auch du: Satan ist ein Menschenhasser, kein Menschenfreund. Hätte er Gewalt, unserer Hände Werke zu verderben oder zu beleben, dann hätte er schon lange sie vernichtet, und zwar nicht nur unsere Werke, sondern uns selbst ganz und gar; denn das ist seine Absicht; doch er ist ohnmächtig. Mißlingt dir also deine Arbeit (dein Unternehmen), so sei dessen eingedenk.

Gott erschuf dich nach seinem Ebenbild und machte dich zum Gebieter über alle seine Geschöpfe und befahl dir, alles im Glauben zu tun und mit Hilfe der Gnade und unter dem Zeichen des heiligen Kreuzes als Schutzpanier. Du aber hast den wahren Gott verlassen, den Glauben und das schützende Kreuz, und machtest zum Machthaber über deine Werke den Samstag, die Tage der Zauberei. Hierauf ließ Gott auch deine Unternehmungen mißlingen nach deinen Zaubereien, damit du der Lüge glaubtest und dich ein hartes Urteil treffe zur Strafe dafür, daß du die Wahrheit nicht angenommen hast. Denn Paulus sagt vom Antichrist und von eben diesen Ungerechtigkeiten: „Zur Strafe dafür, daß sie der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Gefallen fanden an der Ungerechtigkeit, wird Gott den Hang zum Irrtum über sie kommen lassen, so daß sie dem Irrtum Glauben schenken und verurteilt werden, sie, die nicht an die Wahrheit glaubten, sondern zur Ungerechtigkeit hinneigten.“

Erschrickst du also nicht, Mensch, der du deinen Gott und Schöpfer verlassen und dich daran gewöhnt hast, Geschöpfe anzubeten durch Zauberei: Hörst nicht auf (das Wort der) die Schrift, welche sagt: „Die Zaubereien bringen Mühsal und Schmerzen.“ Ferner sagt der Prophet: „Erfüllt wurde unser Land wie ehedem mit Zaubereien gleich fremden Völkern.“ Der Apostel endlich sagt: „Ihr unterscheidet die Tage, Monate und Zeiten, ich fürchte für euch.“ Darum müssen auch wir uns fürchten vor den Geboten und der Wahrheit zustimmen; als unrein müssen wir solche betrachten, welche durch die Unterscheidungen und durch Zauberer sich leiten lassen, durch törichte Träumereien sich täuschen lassen und unverständig werden.

Ja, sie sehen es nicht ein, daß, wenn einer einmal vom wahren Weg der Gottesverehrung abgekommen ist und sich dazu versteht, auf solche (Zauberer) zu hören, er (d. h. Gott) den Irrtum seinem Geiste vielmal wie Wahrheit zeigt; auf daß er recht schwer bestraft wird dafür, daß er der Wahrheit nicht glaubte, sondern Gefallen fand an der Gottlosigkeit, wie es auch im dritten Buche der Könige geschrieben steht. Als nämlich Achab gesündigt hatte, schaute der Prophet Michäas den Herrn, und die Heerscharen des Himmels standen zur Rechten und Linken. Es sprach der Herr: Wer geht hin und täuscht den Achab, daß er hinaufziehe nach Ramoth in Galaad und sterbe? Da begannen sie zu sprechen, der so, der andere so: Aber auch ein Geist kam, trat hin vor den Herrn und sprach: Ich will hingehen, ihn verwirren, und er wird des Todes sein. Der Herr sprach: Womit? Er sprach: Ich will ein Lügengeist sein im Munde seiner Propheten, und er wird hinaufziehen nach Ramoth in Galaad und wird sterben. Der Herr ist also nicht der Schuldige an diesen Täuschungen, er läßt nur Täuschungen geschehen, dafür, daß man glaubte, es seien Täuschungen da von seiten ihrer heiligen Propheten.

Wenn darum jemand sich gewöhnt, den Täuschungen der bösen Geister Glauben zu schenken, läßt es Gott geschehen, daß er getäuscht wird, damit er dann verurteilt werde zur Strafe dafür, daß er ihren Lügen Glauben schenkte. Fliehen wir darum vor den Täuschungen lügenhafter Menschen, vor den Traumgesichtern, vor den von Dämonen gezeigten Aufschlüssen falscher Reliquien (Opfer), vor den Befehlen seiner betrügerischen, verderblichen, Träume redenden Diener, welche viele Seelen mit ihren lügnerischen Prophezeiungen quälen und Gott die Ehre rauben, die sie im Gotteshause vor dem heiligen Kreuze und den heiligen Märtyrern erweisen sollten, die den Duft des wohlriechenden Weihrauchs und den Glanz des Lichtes nehmen (rauben) und der Lüge weihen!

O du törichter Leser in allen Irrtümern! Genügten dir nicht die Reliquien der Märtyrer, welche bei dir ruhen und für dich bitten immerdar oder das Zeichen des heiligen Kreuzes, welches bei dir und immer in deinem Hause ist? Warum forderst du nicht von diesen die Erfüllung deiner Bitten? Warum gehst du den Bitten trügerischer Worte nach? Zürnt dir Gott etwa nicht dafür, daß du nicht zu ihnen gegangen bist? Sagt er nicht selbst: „Wenn einer spricht: da ist Christus oder dort, so glaubt es nicht; denn es werden viele falsche Christus und falsche Propheten auftreten in der Welt; selbst die Auserwählten würden sie in den Irrtum führen, wenn es möglich wäre.“ Siehe, es hat sich erfüllt, und wir haben nach den Propheten falsche Propheten gesehen, nach den Aposteln falsche Apostel und nach den Märtyrern sehen wir jetzt falsche Märtyrer, die Menschen täuschen. Und der Unwissenden wegen, die den Geist der Stärke und der Wahrheit nicht kennen, haben wir vom Herrn den Befehl erhalten, der lautet: „Siehe, wenn sie zu euch sagen, er ist in der Wüste, so gehet nicht hinaus; und wenn sie sagen: er ist in der Kammer, so gehet nicht (dorthin).“

Also müssen wir festhalten an dem Gebote Christi und dürfen uns nicht irre machen lassen durch die Täuschungen der bösen Geister, wenn sie uns auch etwa mit trügerischen Qualen wehe tun möchten. Denn besser ist es, durch das Gesetz Christi zu leiden, als den Geboten der bösen Geister Gehör zu schenken, mögen sie auch Zeichen und Wunder tun, denn Satan ist gewohnt durch falsche Zeichen wie durch wahren Zorn die Menschen zu betören, die seine unsichtbaren Pfeile nicht kennen, wie er es auch ehedem gezeigt hat bei dem Propheten Jeremias, wie bei Moses der Johannes, bei Petrus der Simon (Magus) und viele andere, welche dem Teufel Dienste erwiesen und falsche Zeichen (taten) wirkten. Und selbst Fürsten und Völker glaubten (ihnen), so daß sie die heiligen Apostel verfolgten, die wahre Predigt Christi für Irrtum hielten und den Gläubigen vielerlei Bedrängnis bereiteten. Glaube also den falschen Propheten, den falschen Aposteln und falschen Märtyrern der falschen Zeichen wegen nicht, denn der Satan ist gewohnt, dieses zu tun. Wenn er schon die in der Art des Moses und Paulus mit dem Geist Erfüllten und die Weisen belästigte, um wieviel mehr wird er es tun bei den Törichten und Unwissenden.

Was haben wir nun gegen all diese unsichtbaren Künste (Mittel) Satans zu tun? Die Gebote Gottes treu beobachten und ihn lieben aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen Kräften und unaufhörlich beten bei Tag und Nacht. Das Gebet löschte den Feuerofen, bändigte Löwen, bannte den wilden Fisch, zerteilte das Meer und befreite das Volk. Stärke dich auch durch das Fasten, denn das Fasten ist der Panzer der Tugend; infolge des Fastens leuchtete das Angesicht des Moses; durch das Fasten wurde Ninive gerettet, der Prophet zum Himmel erhoben. Halte darum die große Ungerechtigkeit nicht für gering in deiner langsamen und törichten Fassungskraft.

Erinnere dich daran, daß Adam deswegen, weil er das Gebot Gottes für gering achtete, aus dem Paradies mußte; weil Cham es für gering erachtete, die Blöße seines Vaters aufzudecken, verfiel er dem Fluch und der Knechtschaft. Weil Esau es für gering hielt, die Erstgeburt preiszugeben, fand er keine Gelegenheit mehr zur Buße. Weil Kain es für gering erachtete, von Gott zu glauben, er wisse nichts vom Morde des Abel, verfiel er dem Umherirren und der Unstetigkeit. Weil Kore, Dathan und Abiron es für gering hielten, der Ehre des Priestertums sich zu nahen, versanken sie lebendig in die Hölle (in den Abgrund). Weil Zambri den Ehebruch für gering achtete, wurden dreiundzwanzigtausend Mann hingerafft. Weil Sedekias den Eid für gering achtete, erfolgte die Plünderung Jerusalems. Weil Saul es für gering achtete, das Wort Gottes zu fälschen und Agag nicht zu töten, trat der Sturz seines Königtums ein. Weil David es für gering hielt, Israel einer Zählung zu unterziehen, erlitten siebenzigtausend den Untergang. Weil Saphira und Ananias die Lüge für gering hielten, starben sie eines bitteren Todes. Und viele, die hier die Gebote Gottes für gering erachteten, leiden schon auf Erden (hier) Qualen und haben drüben Qualen zu erwarten. So ist es denn notwendig, die geschriebenen Gebote zu beobachten; nicht darf man gehen in die Kammer, nicht hinausgehen in die Wüste, nicht darf man in Ehrfurcht gegen einen andern (Gott) sich zur Erde werfen; seine Gebote muß man beobachten, nichts hinzufügen, nichts wegnehmen.

Haben wir denn nicht selbst Reliquien genug? Warum gehen wir und lassen uns von den Dämonen täuschen? Genügen uns nicht die vom Geiste erleuchteten Propheten, warum hören wir auf Träume? Genügen uns nicht die Priester Gottes, warum gehen wir zu den irrenden Wahrsagern? Genügen uns nicht die echten Gesetze, in denen der Wille Gottes vollständig enthalten ist, warum eignen wir uns neue Gebete und falsche Briefe an, welche die Aussprüche der vom Geiste erfüllten Propheten, die Predigt der heiligen Apostel und die Lehre des heiligen Evangeliums (mangelhaft und unvollkommen erscheinen lassen; die da zu Dingen verpflichten, die im Gesetze nicht vorgeschrieben sind und den Anschein erwecken, als stammten sie vom Himmel und seien vom Finger Gottes geschrieben? Wir hören nicht auf Paulus, welcher spricht: „Laßt euch nicht verwirren, weder durch ein Wort, noch durch einen Brief, gleich als stammte er von uns.“

Nimm es zu Herzen, o Tor und Zauberfrevler, daß einer Sünde wegen Adam das Paradies verlassen mußte, eines Mordes wegen (kam) über Kain die Unstetigkeit. Der Unkeuschheit wegen kam die Sintflut über die Welt. Seines Hochmuts wegen verfiel Satan dem Sturz. Wegen der Gottlosigkeit kam die Sprachverwirrung, wegen der Unzucht zwischen Männern ging Sodoma zugrunde. Eines falschen Schwures wegen traf Jerusalem die Verheerung. Wegen der Verachtung der Eltern kam Fluch und Knechtschaft. Wegen des falschen Zeugnisses verfielen die Greise bei Susanna der Zersägung. Weil er (Gott) nicht ehrte, fand Herodes den Untergang; wegen seiner Verstocktheit ertrank Pharao; wegen Diebstahl wurde Achar gesteinigt; wegen des Murrens kam das Sterben durch Schlangen; wegen Unzucht fielen die vierundzwanzigtausend an einem Tage. Weil ihr fremden Göttern nachlauft und euch ausgelassen Zauberern naht, deswegen sind unter euch“, sagt der Prediger der Kirche, „viele Kranke und Leidende“. Deswegen die vorzeitigen Todesfälle, deswegen die vielen Leiden, deswegen die Kinderlosigkeit, daher die unaufhörlichen Geburtsschmerzen; deswegen die Verfolgungen seitens der bösen Geister, deswegen Dürftigkeit und Armut, deswegen die Strafen des Himmels, deswegen die Unfruchtbarkeit der Felder, deswegen unaufhörliche Erdbeben, deswegen das Unglück mit den Tieren, deswegen die Beraubung durch Diebe, deswegen das Feuer der Hölle, die ewige Finsternis und die unaufhörlichen Qualen.

Denn wenn wir den goldenen Becher, den wir dem König zum Gebrauch und bei Tisch vorsetzen, wieder nähmen und ihn mit Schmutz, Unrat und Menschenkot anfüllten, während er selber zusieht, könnten wir ihm diesen Becher noch einmal auf demselben Tisch kredenzen? Mit nichten! Warum? Weil wir ihn mit Kot verunreinigt haben und der König empört grollt und Abscheu empfindet. Was aber sagen die Gebote vom Schwören? Die Menschen, heißt es, schwören bei etwas Größerem als sie sind. So schwur auch Gott, weil kein Größeres ist als der, welcher schwur bei sich selbst, und sprach also: „Bei mir selbst“, spricht der Herr, „habe ich geschworen: mit Segen will ich dich erfüllen.“ Bei seinen Geschöpfen aber kann Gott nicht schwören, das wäre Gottlosigkeit. Auch kann er nach der Ankunft Christi uns keinen Brief mehr mit dem Finger Gottes schreiben, denn, wenn das uns nochmals vom Himmel nötig wäre, dann wäre ja die Ankunft Christi unzureichend und mangelhaft. Dem ist aber nicht so; vielmehr gaben uns die Gebote seinen Willen vollständig kund durch Moses und Jesus; darnach kommen nur noch die Qualen und das Reich. Ein zweites Gesetz, vom Himmel gegeben, geschrieben von Gottes Hand, wird uns nicht mehr gesandt. Satan aber wendet die einen nach rechts, die andern nach links ab. Die Linke kennen wir alle, denn die Werke der linken Seite sind offenbar, aber die Rechte kennen wir nicht, denn die Abwendung geschieht durch die Arten der Gottesverehrung. Deswegen wurde uns befohlen: Wendet euch nicht ab von den geschriebenen Satzungen weder zur Rechten noch zur Linken.“

Darum wollen wir achten auf die Gebote Gottes und seine Vorschriften erfüllen! Lassen wir uns nicht irre machen wie die Heiden durch den Zufall, das Fatum und durch Bestimmungen! Denn was immer auch an Bestimmungen auf der ganzen Erde verbreitet wird, mit eitelm Vorgeben sagen sie fälschlicherweise, daß der Mensch nach Bestimmungen sein Leben einrichte und handle. Wenn dem so ist, und wenn der Mensch unter Bestimmungen handelt, dann ist offenbar, daß er wegen der Sünden nicht gerichtet wird, denn wir vollziehen ja seine (d. h. Gottes) Bestimmungen. Dann werden wir auch nicht gekrönt für die Tugend, denn nicht nach unserem Willen tun wir dann das Gute, sondern nach seiner Bestimmung, ohne (freien) Willen. Dann dürfen die Könige auch den Dieb, den Ehebrecher und Mörder nicht bestrafen, denn derselbe tut das ja nicht nach seinem freien Willen, sondern er erfüllt nur die Bestimmung. Wenn dann ein verworfener Mann tötet, oder wenn die Schwiegertochter die Schwiegermutter oder der Nachbar den Nachbarn oder der Diener den Herrn oder die Magd die Herrin oder der Schüler den Lehrer beleidigt oder tötet, dann könnte man sie nicht anklagen oder bestrafen, denn sie erfüllen ja nur die Bestimmungen. Auch die Räuber dürfen wir nicht anklagen und vertreiben, denn sie fallen über uns her gemäß der Bestimmung, wie du sagst.

Doch dem ist nicht so, sondern die Geschöpfe unterstehen wohl dem Zwange und der Knechtschaft und seiner Bestimmung, und nicht einmal ein Sperling fällt in die Schlinge ohne Bestimmung. Den Menschen allein aber erschuf Gott als Herr und erhaben über die Bestimmung. Denn wie Gott selbst keiner Bestimmung untersteht als Knecht, sondern frei und seinem Willen im Tun überlassen ist, so hat der Herr auch den Menschen, wie er ihn nach seinem Ebenbild erschuf, auch frei und selbstmächtig erschaffen, zu vollbringen das Gute und Böse. Wenn wir aus freiem Entschluß das Gute vollbringen, ist uns das Reich versprochen, die Hölle dagegen, wenn wir Böses tun. Gott vermag das Gute und vollbringt es; auch will er nicht den Tod des Sünders; doch nimmt er uns den freien Willen nicht, da er ja spricht: „Wenn ihr wollt und auf mich hört.“

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