Kirchengeschichte

Von Thedoret von Cyrus

Erstes Buch 

Einleitung. Zweck der Geschichtsschreibung

Der Maler, der die Begebenheiten der Geschichte auf Holz oder Stein darstellt, bereitet dadurch nicht nur den Augen einen Genuß, sondern er erhält auch die betreffenden Ereignisse für lange Zeit in lebendiger Erinnerung. Der Geschichtschreiber dagegen, der sich statt der hölzernen Tafeln nur des Papiers und statt der Farben nur des Schmuckes der Rede bedient, sichert den Ereignissen gleichwohl ein dauerhafteres und bleibenderes Andenken, da die Zeit zuletzt das Kunstwerk des Malers ja doch zerstört. Von dieser Erwägung geleitet, will auch ich den Versuch wagen, dasjenige aufzuzeichnen, was bisher eine kirchengeschichtliche Darstellung noch nicht gefunden hat. Ich halte es nämlich für unrecht, sich um das Andenken von so manchen glänzenden Taten und nützlichen Verhandlungen nicht zu kümmern, sondern sie der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. Gerade deshalb haben auch einige meiner Freunde mich schon oft zu dieser Arbeit aufgemuntert. Wenn ich allerdings die Schwierigkeit der Aufgabe mit meiner geringen Kraft vergleiche, so möchte ich vor dem Unternehmen zurückschrecken; aber im Vertrauen auf den freigebigen Spender aller guten Gaben will ich mich der Arbeit unterziehen, die meine eigene Kraft für sich allein übersteigen würde. —

Eusebius aus Palästina hat, mit der Geschichte der heiligen Apostel beginnend, bis zur gottgesegneten Regierung Konstantins die auf die einzelnen Kirchen bezüglichen Ereignisse aufgezeichnet. Ich will daher den Schluß seines Werkes zum Ausgangspunkt meiner Darstellung machen.

Die Entstehung der arianischen Häresie

Nach dem Tode jener frevelhaften und gottlosen Tyrannen, ich meine des Maxentius, Maximinus und Licinius, legte sich der Sturm, den jene Unholde gleich plötzlich sich erhebenden Orkanen gegen die Kirche erregt hatten, und diese erfreute sich nach dem Aufhören der stürmischen Winde fürderhin einer dauernden Ruhe. Der Urheber dieses Friedens war Konstantin, jener ruhmreiche Kaiser, der ähnlich wie der heilige Apostel (Paulus) nicht von Menschen noch durch eines Menschen Vermittlung, sondern vom Himmel hierzu berufen ward. Er erließ Gesetze, welche die Götzenopfer untersagten und zum Aufbau der Kirchen ermunterten, gab den Provinzen Statthalter, die mit dem christlichen Glauben geschmückt waren, befahl, die Priester zu ehren, und drohte den Verächtern derselben mit dem Tode. Daraufhin stellten die einen ihre zerstörten Kirchen wieder her, andere bauten neue Gotteshäuser, die geräumiger und glänzender waren als die früheren. Währenddessen herrschte bei uns allenthalben Jubel und Freude, bei den Gegnern aber Niedergeschlagenheit und Entmutigung. Denn die Götzentempel standen verschlossen da, in den Kirchen dagegen wurden Feierlichkeiten und Festversammlungen gehalten, eine nach der anderen.

Doch der boshafte und neidische Teufel, der stets auf das Verderben der Menschen sinnt, konnte es nicht ansehen, wie das Schiff der Kirche von einem günstigen Winde ruhig dahingetrieben wurde, sondern er schmiedete heimtückische Pläne und gab sich alle Mühe, die Kirche zum Sinken zu bringen, sie, die doch vom Schöpfer und Herrn aller Dinge geleitet wird. Er sah nämlich, daß der heidnische Irrwahn offenkundig geworden, daß die mannigfachen Kunstgriffe der Dämonen aufgedeckt seien und daß von den meisten Menschen nicht mehr die geschaffenen Dinge angebetet, sondern an deren Stelle deren Schöpfer gepriesen werde. Deshalb wagte er nicht mehr den offenen Kampf gegen unseren Gott und Heiland; aber da sich Männer fanden, die, obschon des christlichen Namens gewürdigt, dennoch Sklaven des Ehrgeizes und eitler Ruhmsucht waren, so gebrauchte er diese als Werkzeuge zur Ausführung seiner arglistigen Pläne und verführte durch sie wieder viele andere zu dem früheren Irrtum, indem er sie zwar nicht wieder zur Anbetung der Geschöpfe verleitete, wohl aber dazu, den Schöpfer und Herrn der Welt auf gleiche Stufe zu stellen mit den Geschöpfen. Wo zuerst und wie er dieses Unkraut säte, das will ich jetzt berichten.

Alexandrien ist eine sehr große und volkreiche Stadt, welche als Hauptstadt nicht nur über Ägypten, sondern auch über die angrenzenden Teile der Thebais und Libyens regiert. Hier war dem Petrus, jenem siegreichen Kämpfer, der unter der Herrschaft der gottlosen Tyrannen die Krone des Martyriums erlangt hatte, Achillas für eine kurze Zeit in der Regierung der Kirche gefolgt. Nach diesem aber kam Alexander, ein entschlossener Verteidiger der evangelischen Lehre.

Um jene Zeit nun lebte Arius, der in den Stand der Priester aufgenommen und mit der Erklärung der heiligen Schriften betraut worden war. Als dieser sah, wie Alexander zu der höchsten Stufe des Priestertums erhoben wurde, konnte er den Einflüsterungen des Neides nicht widerstehen, sondern suchte, von demselben getrieben, Gelegenheit zu Zank und Streit. In Anbetracht des löblichen Wandels, den Alexander führte, konnte er allerdings keine verleumderischen Anklagen gegen ihn aushecken; dennoch ließ ihn der Neid nicht ruhen.

Diesen nun fand und benützte der Feind der Wahrheit, um Verwirrung und Unordnung in der Kirche zu erregen. Er brachte ihn nämlich dahin, daß er der apostolischen Lehre Alexanders offen widersprach. Dieser lehrte im Anschluß an die heiligen Schriften, der Sohn sei gleicher Ehre würdig wie der Vater, und er habe dieselbe Wesenheit wie der ihn zeugende Gott. Arius dagegen nannte in direktem Widerspruch mit der Wahrheit den Sohn ein Geschöpf und ein Gebilde, und fügte hinzu: „Es gab eine Zeit, wo er nicht war“, und so noch anderes, was wir alles noch genauer aus seinen eigenen Schriften kennen lernen werden. Und solches behauptete er fortwährend nicht nur in der Kirche, sondern auch außerhalb derselben in Gesellschaften und Versammlungen. Ja er ging sogar von Haus zu Haus und machte so viele, als er konnte, zu Sklaven seines Irrtums. Alexander nun, der berufene Verteidiger der apostolischen Lehre, versuchte ihn zuerst durch Ermahnung und Zuspruch auf bessere Wege zu bringen; als er aber sah, daß jener ganz wie von Sinnen war und seine gottlose Lehre öffentlich ausposaunte, schloß er ihn vom priesterlichen Amte aus. Er folgte damit nur der göttlichen Vorschrift, die da lautet: „Wenn dich dein rechtes Auge ärgert, so reiß es aus und wirf es von dir!“

Verzeichnis der vornehmsten Bischöfe jener Zeit

In jener Zeit wurde die römische Kirche von Silvester geleitet, dem Nachfolger des Miltiades. Dieser letztere aber war nach Marcellinus, der in der Verfolgung sich ausgezeichnet hatte, zum Bischof bestellt worden. In Antiochien war auf Tyrannus nach dem Eintritt des kirchlichen Friedens der Bischof Vitalius gefolgt, derselbe, welcher den Aufbau der von den Tyrannen zerstörten Kirche in der Altstadt in Angriff nahm. Sein Nachfolger Philogonius vollendete den Bau und bewies auch zur Zeit des Licinius einen großen Eifer für den christlichen Glauben. Die Kirche zu Jerusalem wurde nach des Hermonas Tode dem Makarius anvertraut, einem Manne, würdig dieses Namens und geschmückt mit vielen herrlichen Tugenden. In Konstantinopel wurde zur selben Zeit Alexander mit dem bischöflichen Amte betraut, ein Mann, der gleichfalls durch apostolische Geistesgaben sich auszeichnete.

Damals nun faßte der alexandrinische Bischof Alexander, da er sah, wie Arius, vom Stachel der Herrschsucht getrieben, die Anhänger seiner gotteslästerlichen Lehre um sich vereinigte und getrennte Versammlungen mit ihnen hielt, den Entschluß, von diesem gottlosen Vorgehen den anderen Bischöfen schriftliche Mitteilung zu machen. Ich will das Schreiben, das er an den gleichnamigen Bischof von Konstantinopel richtete und das über den ganzen Lehrbegriff des Arius klar und deutlich unterrichtet, meiner Geschichte einverleiben, damit nicht etwa jemand auf den Gedanken komme, ich würde das alles frei erfinden. Im Anschluß daran soll dann ein Schreiben von Arius selbst folgen und der Reihe nach die anderen Schriftstücke, deren Anführung durch die geschichtliche Erzählung nahegelegt wird, damit sie für die Wahrheit vorliegender Darstellung Zeugnis ablegen und zugleich eine tiefere Einsicht in den Zusammenhang der Ereignisse vermitteln.

Das Schreiben des alexandrinischen Bischofs Alexander an den gleichnamigen Bischof von Konstantinopel lautet, wie folgt.

Schreiben des Bischofs Alexander von Alexandrien an den Bischof Alexander von Konstantinopel

„Dem hochverehrten und gleichgesinnten Bruder Alexander entbietet Alexander Gruß im Herrn.

Das herrschsüchtige und geldgierige Streben böser Menschen hat es naturgemäß immer auf diejenigen Diözesen abgesehen, die ihnen größer erscheinen, wenn nämlich solche Leute mit mancherlei Scheingründen gegen die kirchliche Rechtgläubigkeit ankämpfen. Von dem in ihnen wirkenden Teufel getrieben, legen sie nämlich alle Scheu ab, ergreifen mit Freuden die sich bietende Gelegenheit zum Genusse und treten die Furcht vor dem Gerichte Gottes mit Füßen. Von solchen Menschen nun ist es mir, da ich selbst von ihnen zu leiden habe, ein Bedürfnis, Eurer Hochwürden Mitteilung zu machen, damit Ihr Euch vor denselben in acht nehmet, auf daß nicht irgendeiner von ihnen verwegen auch in Euere Diözesen eindringe, sei es persönlich — denn die Gaukler verstehen sich auf Verstellung und Betrug —, sei es durch Briefe, die mit verlogener Schönfärberei leicht für sich einnehmen können, wenn man sie mit einfältiger und argloser Vertrauensseligkeit entgegen nimmt.

Arius nämlich und Achillas haben sich jüngst miteinander verschworen, die Herrschsucht des Kolluthus nachzuahmen, nur trieben sie es noch viel schlimmer wie jener. Denn jener gab gerade ihnen die Schuld und fand in ihrem Treiben eine Entschuldigung für seine eigene schlechte Handlungsweise. Diese aber vermochten, als sie dessen Handel mit Christus sahen, der Kirche nicht mehr länger untertan zu bleiben, sondern bauten sich Räuberhöhlen, in denen sie ununterbrochen Versammlungen halten und Tag und Nacht in Schmähungen gegen Christus und gegen uns sich üben. Und indem sie gegen die ganze rechtgläubige apostolische Lehre Klage erheben, haben sie nach dem Vorbild der Juden eine Christus bekämpfende Rotte um sich gesammelt, leugnen die Gottheit unseres Erlösers und verkünden laut, daß er den übrigen Geschöpfen gleich sei; und indem sie alle diejenigen Schriftstellen auswählen, welche sich auf sein Erlösungswerk und auf seine unsertwegen übernommene Erniedrigung beziehen, versuchen sie aus diesen Stellen die Predigt ihrer Gottlosigkeit zusammenzustellen, während sie dagegen die Zeugnisse für seine uranfängliche Gottheit und seine unaussprechliche Herrlichkeit beim Vater zurückweisen. Gleichwie sie nun so den gottlosen Vorstellungen der Heiden und Juden von Christus Vorschub leisten, so jagen sie auch so viel wie möglich nach dem Lobe dieser Menschen, indem sie alles das treiben, was an uns bei jenen verlacht wird, und indem sie täglich Unruhen und Verfolgungen gegen uns erregen. Bald setzen sie nämlich die Gerichte in Bewegung durch die Anklagen zügelloser Weibspersonen, welche sie in ihre Irrtümer verstrickt haben, bald bringen sie das Christentum in schlechten Ruf durch die ihnen anhängenden jüngeren Frauenzimmer, welche ohne Zucht und Sitte in allen Straßen herumschwärmen. Ja selbst das ungenähte Gewand Christi, das die Henkersknechte nicht trennen wollten, haben sie kein Bedenken getragen zu zerreißen. Wir sind wegen der Heimlichkeit ihres Treibens erst spät auf sie aufmerksam geworden, haben sie aber nunmehr, wie es in Hinsicht auf ihr Leben und frevelhaftes Unternehmen geboten schien, unter allgemeiner Zustimmung aus der Kirche, welche die Gottheit Christi anbetet, ausgeschlossen.

Nun verlegten sie sich auf listige Umtriebe gegen uns, wandten sich an unsere gleichgesinnten Mitbischöfe und baten heuchlerisch und dem äußeren Scheine nach um Friede und Gemeinschaft; in Wirklichkeit aber gaben sie sich Mühe, einige von ihnen durch gleißnerische Reden in ihre eigene Krankheit hineinzuziehen; sie erbaten sich von ihnen ausführlichere und wohlwollend gehaltene Briefe, um sie den von ihnen Verführten vorzulesen, gleich als ob sie selbst Bischöfe zu Freunden und Gesinnungsgenossen hätten, und dadurch ihre Anhänger immer mehr in die Gottlosigkeit hineinzutreiben und unabänderlich im Irrtum festzuhalten. Natürlich gestehen sie ihnen nicht, was sie bei uns Böses gelehrt und getan haben, um dessentwillen sie auch ausgeschlossen wurden; dieses übergehen sie vielmehr mit Stillschweigen oder suchen es durch trügerische Reden und Schriften zu verschleiern und so zu täuschen. Indem sie also ihre verderbliche Lehre hinter gefälligen und schmeichlerischen Reden verbergen, verstehen sie es, jeden, der dem Betruge zugänglich ist, mit sich fortzureißen, wobei sie sich auch nicht enthalten können, unsere Rechtgläubigkeit allenthalben zu verdächtigen. So kommt es denn auch, daß einige ihre Briefe unterschreiben und sie in die Kirche aufnehmen, was meines Erachtens die Mitbischöfe, die solches wagen, in schlimmsten Ruf bringen muß, nicht nur weil die apostolische Vorschrift solches nicht gestattet, sondern auch weil sie durch ihr Verhalten den teuflischen Kampf, den jene gegen Christus führen, noch mehr entfachen.

Unter diesen Umständen habe ich mich denn ohne Zögern entschlossen, Euch, Geliebte, mit dem Unglauben dieser Menschen bekannt zu machen, die da sagen, es habe eine Zeit gegeben, wo der Sohn Gottes nicht gewesen, er sei später geworden, nachdem er früher nicht gewesen, und zwar sei er damals, als er geworden, wann immer dies gewesen sein möge, gerade ein solcher geworden, wie auch jeder (andere) Mensch ist. „Denn alles“, sagen sie, „hat Gott aus nichts gemacht“, wobei sie in die Erschaffung aller vernünftigen und unvernünftigen Wesen auch den Sohn Gottes miteinbeziehen. Demzufolge lehren sie auch, er sei veränderlicher Natur, der Tugend sowohl wie des Lasters fähig; und als Folge der Behauptung, daß er aus nichts sei, verwerfen sie auch die für sein ewiges Sein sprechenden Stellen der Heiligen Schrift, welche die Unveränderlichkeit des Logos und die göttliche Natur der Weisheit des Logos, worunter Christus zu verstehen ist, klar beweisen. Können doch auch wir, so sagen diese Bösewichter, Söhne Gottes werden, geradeso wie jener. Denn es steht geschrieben: „Söhne habe ich gezeugt und erhöht.“ Wenn ihnen dann allerdings entgegengehalten wird, was unmittelbar darauf gesagt wird: „sie aber haben sich gegen mich empört“, was doch der Natur des Erlösers widerspricht, da er eine unveränderliche Natur besitzt, so entäußern sie sich aller Scheu und sagen, Gott habe gerade dieses durch sein Vorauswissen und seine Voraussicht in bezug auf ihn erkannt, daß er sich gegen ihn nicht auflehnen werde, und habe ihn deshalb vor allen anderen auserwählt. Gott hat ihn nämlich, so sagen sie, auserwählt, nicht weil er von Natur aus und im Unterschied von den anderen Söhnen Gottes etwas besonderes hatte — denn von Natur aus, sagen sie, ist weder irgend jemand Sohn Gottes, noch hat jemand irgendeine besondere eigentümliche Beziehung zu Gott —, sondern weil er, obschon auch er eine an sich veränderliche Natur besaß, dennoch in Kraft seines sittlichen Ringens und Strebens sich nicht zum Schlechteren gewendet hat; so daß, wenn auch Paulus und Petrus dieselbe sittliche Höhe errungen hätten, sich seine Sohnschaft von der jener Apostel in nichts unterscheiden würde. Zum Beweis für diese unsinnige Lehre mißbrauchen sie frech selbst die Heilige Schrift und führen das Wort des Psalmisten über Christus an, das da lautet: „Du hast die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehaßt; deshalb hat dich Gott, dein Gott, gesalbt mit dem Öl der Freude vor deinen Genossen.“

Was nun die Wahrheit betrifft, daß weder der Sohn Gottes aus nichts geworden ist, noch daß es jemals eine Zeit gab, wo er nicht war, so belehrt uns hierüber hinreichend der Evangelist Johannes, indem er so über ihn schreibt: „Der eingeborne Sohn, der im Schoße des Vaters ist.“ Weil nämlich der heilige Lehrer zwei voneinander nicht zu trennende Dinge zeigen wollte, den Vater und den Sohn, so bezeichnete er diesen als im Schoße des Vaters seiend. Weil aber weiterhin das Wort Gottes den aus nichts gewordenen Dingen nicht beizuzählen ist, darum sagt eben derselbe Johannes, daß alles durch ihn geworden ist. Die einzigartige Seinsweise desselben hat er nämlich mit den Worten beschrieben: „Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Alles ist durch dasselbe geworden, und ohne dasselbe ist nichts geworden.“ Wenn also alles durch ihn geworden ist, wie sollte derjenige, der den gewordenen Dingen das Sein geschenkt hat, selbst einmal nicht gewesen sein? Es wird doch in keiner Weise erklärt, daß das Wort, das schaffende Wesen, dieselbe Natur hat wie die geschaffenen Dinge, zumal wenn er im Anfang war und alles durch ihn geworden ist und er alles aus nichts gemacht hat. Denn das Seiende scheint doch das Gegenteil zu sein von dem, was aus nichts geworden ist, und weit von ihm abstehend. Die erste Stelle zeigt also, daß zwischen Vater und Sohn durchaus kein Abstand ist, so daß die Seele sich einen solchen nicht einmal in Gedanken vorstellen kann, die zweite Stelle aber, daß die Welt aus nichts geschaffen worden sei, schließt schon ihren jüngeren und späteren Eintritt in das Sein in sich, wobei alles dieses sein Wesen und Dasein vom Vater durch den Sohn empfangen hat. Da nun der heilige Johannes jenes vom göttlichen Wort ausgesagte „Es war“ betrachtete und erhaben fand und alle geschöpfliche Fassungskraft übersteigend, da getraute er sich nicht, sein Werden und seine Hervorbringung näher zu besprechen; er wagte auch nicht, das Schaffende mit gleichbedeutenden Worten zu bezeichnen wie das Gewordene, nicht als ob der Sohn ungezeugt wäre — denn nur ein Ungezeugtes gibt es, den Vater —, sondern weil die unbeschreibliche Daseinsweise des eingebornen Gottes über die geschärfte Erkenntniskraft der Evangelisten, ja vielleicht sogar über die der Engel weit hinaus liegt. Zu den Frommgläubigen sind daher nach meinem Dafürhalten diejenigen nicht zu zählen, welche sich soweit versteigen, daß sie derartige Untersuchungen anstellen, weil sie die Mahnung nicht beachten: „Was zu schwierig für dich ist, das untersuche nicht, und was dir zu hoch ist, das erforsche nicht.“ Denn wenn die Erkenntnis vieler anderer Dinge, und zwar solcher, die ungleich niedriger sind als dieses, der Fassungskraft der Menschen entzogen ist — wie zum Beispiel bei Paulus geschrieben steht: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ Ja sogar von den Sternen sagt Gott zu Abraham, daß er (Abraham) sie nicht zählen könne, und wiederum: „Den Sand des Meeres und die Tropfen des Regens, spricht der Herr, wer wird sie zählen?” — wie sollte sich da jemand die nutzlose Mühe machen wollen, die Daseinsweise des göttlichen Wortes zu ergründen — außer er wäre etwa mit einer Neigung zum Tiefsinn behaftet —, jene Daseinsweise, von welcher der Heilige Geist durch den Propheten spricht: „Seine Erzeugung, wer wird sie ergründen?“ Mit Bezug hierauf hat ja auch unser Erlöser in seiner Fürsorge für die Säulen der Welt (= Apostel) die tiefere Erkenntnis dieses Geheimnisses sorgfältig von ihnen fernhalten wollen, indem er sagte, daß für sie alle eine derartige Erkenntnis nicht naturgemäß sei, daß es vielmehr dem Vater allein zukomme, dieses göttlichste Geheimnis zu durchdringen. „Denn niemand“, so sagt er, „weiß, wer der Sohn ist, als der Vater, und den Vater kennt niemand als der Sohn.“ Hierauf bezieht sich auch, wie ich glaube, jenes Wort des Vaters: „Mein Geheimnis gehöre mir.“

Daß es aber ganz unvernünftig ist, zu denken, daß der Sohn aus nichts geworden sei, ergibt sich daraus, daß der Ausdruck: „aus nichts“ einen zeitlichen Ursprung in sich schließt, wenn auch jene unvernünftigen Menschen das Unsinnige ihrer Behauptung nicht einsehen. Denn dieses „er (der Logos) war nicht“ muß doch irgendeiner Zeit oder einem Zeitraume angehören. Wenn es aber wahr ist, daß alles durch ihn geworden ist, so liegt es doch auf der Hand, daß auch jeder Zeitraum und jede Zeit und jeder Zeitabschnitt und jenes „einmal“, wo das „er war nicht“ gefunden werden könnte, durch ihn geworden ist. Wie sollte man da Glauben finden für die Behauptung, daß der Urheber der Zeiten, Zeiträume und Zeitabschnitte, in welche das „er war nicht“ hineingestellt werden könnte, selbst einmal nicht gewesen ist? Es ist ja doch unfaßbar und der Gipfel aller Torheit, von dem Urheber eines Dinges zu behaupten, er selbst sei erst nach der Entstehung jenes Dinges geworden. Es geht nämlich nach ihrer Ansicht der alles schaffenden Weisheit Gottes jener Zeitabschnitt voraus, in welchem, wie sie sagen, der Sohn noch nicht durch den Vater geworden war. Damit zeihen sie aber selbst die Heilige Schrift der Unwahrheit, da diese ihn darstellt als „den Erstgebornen aller Schöpfung“. In Einklang damit steht die Sprache des redegewaltigen Apostels Paulus, wenn er also von ihm sagt: „Welchen er zum Erben gesetzt hat über alles, durch den er auch die Zeiten gemacht hat“; ferner auch folgendes: „Durch ihn ist alles geschaffen worden, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und Unsichtbare, seien es Fürstentümer oder Mächte oder Herrschaften oder Throne; alles ist durch ihn und für ihn geschaffen worden, und er selbst ist vor allem.“

Da nun die Gottlosigkeit der Behauptung, der Sohn sei „aus nichts“ geworden, offen am Tage liegt, so folgt mit Notwendigkeit, daß der Vater immer Vater ist. Er ist aber immer Vater durch das Dasein des Sohnes, um dessentwillen er Vater genannt wird. Weil aber der Sohn immer bei ihm ist, ist er auch immer im vollen Sinne Vater und ermangelt niemals seiner Vollkommenheit, da er seinen eingebornen Sohn weder in der Zeit noch in irgendeinem Zeitabschnitt noch endlich aus nichts hervorgebracht hat. Wie sollte es da nicht frevelhaft sein, zu behaupten, die Weisheit Gottes sei irgendeinmal nicht gewesen, während sie doch selbst spricht: „Ich war bei ihm leitend und ordnend; ich war seine Freude“, oder die Macht Gottes habe je einmal nicht existiert oder sein Wort (Logos) sei je unvollkommen gewesen? Und das gleiche gilt hinsichtlich aller anderen Bestimmungen, durch welche der Sohn als solcher erkannt und der Vater als solcher gekennzeichnet wird. Denn wenn man sagt, „der Abglanz der Herrlichkeit” existiere nicht, so leugnet man damit auch das ursprüngliche Licht, von dem er (der Sohn) der Abglanz ist. Und ebenso, wenn „das Bild Gottes“ nicht immer war, so ist offenbar auch derjenige nicht immer, von dem jener das Bild ist. Und wenn ferner „der Abdruck der Wesenheit“ Gottes nicht ist, so verschwindet damit notwendig auch derjenige, der in ihm vollständig ausgeprägt ist.

Hieraus kann man ersehen, daß die Gottessohnschaft unseres Erlösers mit der Gotteskindschaft der übrigen Wesen nichts gemeinsam hat. Wie nämlich nach unserer bisherigen Entwicklung sein unaussprechliches Wesen unvergleichlich erhaben ist über alle Wesen, denen er das Sein geschenkt hat, so ist auch seine Sohnschaft, die gegenüber der Gottheit des Vaters eine natürliche (κατα φὺσιν) [kata physin] ist, in unaussprechlichem Abstand erhaben und verschieden von der Sohnschaft derjenigen, die durch ihn mittels Adoption (θέσει) [thesei] zu Kindern Gottes gemacht worden sind. Er ist nämlich unwandelbarer Natur, vollkommen und in keiner Beziehung bedürftig, während die anderen der Veränderlichkeit nach der einen oder anderen Seite hin unterworfen und darum auf seine Gnadenhilfe angewiesen sind. Denn wie könnte die Weisheit Gottes noch Fortschritte machen, oder wie könnte die Wahrheit selbst (αὑτοαλὴθεια) [autoalētheia] einen Zuwachs erhalten, oder wie könnte der Gott Logos oder das Leben oder das wahre Licht an Güte zunehmen? Wenn aber dieses unmöglich ist, um wieviel mehr widerspricht es der Natur, daß die Weisheit Gottes jemals einer Torheit fähig gewesen oder die Macht Gottes mit der Schwäche zu kämpfen gehabt habe, oder daß die Vernunft durch Unvernunft verdunkelt worden sei, oder daß Finsternis mit dem wahren Licht sich vermischt habe, da doch der Apostel deutlich sagt: „Welche Gemeinschaft hat denn das Licht mit der Finsternis, oder welche Übereinstimmung hat Christus mit Belial?“ Und Salomon erklärt, es sei unmöglich, auch nur zu denken, daß die Wege einer Schlange auf einem Felsen gefunden werden. Dieser Fels aber ist Christus nach der Lehre des Apostels. Die Menschen und Engel dagegen, die seine Geschöpfe sind, haben Gnadengaben empfangen, um durch Übung der Tugenden und Beobachtung der Vorschriften des Gesetzes fortzuschreiten, damit sie nicht sündigen. Deshalb wird auch unser Herr, der von Natur aus Sohn des Vaters ist, von allen angebetet; diejenigen aber, welche den Geist der Knechtschaft abgelegt haben und infolge ihres männlich starken Ringens und Fortschreitens den Geist der Gotteskindschaft angenommen haben, werden durch die Gnade des natürlichen Sohnes Gottes auch ihrerseits Kinder Gottes, aber durch Adoption (θέσει) [thesei].

Diese wahre, einzigartige, natürliche und unvergleichliche Sohnschaft Christi hat Paulus in der Weise dargetan, daß er von Gott sagt: „Der seines eigenen Sohnes nicht geschont, sondern ihn für uns hingegeben hat“, die wir also offenbar nicht natürliche Söhne sind; denn im Gegensatz zu den nicht eigenen Söhnen nannte er ihn seinen eigenen Sohn. Und im Evangelium heißt es: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe.“ Und im Buche der Psalmen spricht der Erlöser: „Der Herr sprach zu mir: Mein Sohn bist du.“ Indem der Herr in diesen Worten die Vollbürtigkeit seines Sohnes zum Ausdruck bringt, gibt er damit zugleich zu erkennen, daß er neben diesem andere vollbürtige Söhne nicht mehr besitzt. Was soll ferner jene Stelle: „Aus meinem Schoße habe ich dich gezeugt vor dem Morgenstern“? Ist sie nicht ein klarer Beweis für die auf väterlicher Zeugung beruhende natürliche Sohnschaft, welche er, der Sohn, nicht durch sittliches Ringen und ständiges Streben nach Fortschritt, sondern als Natureigentümlichkeit empfangen hat? Daher ist auch die Sohnschaft, welche der eingeborne Sohn des Vaters besitzt, unverlierbar. Die Annahme der vernünftigen Wesen an Kindes Statt ist dagegen, weil sie ihnen nicht von Natur aus zukommt, sondern wegen ihrer sittlichen Tüchtigkeit und durch Gottes Gnade ihnen zuteil wird, verlierbar, wie die Schrift zu berichten weiß: denn „als die Söhne Gottes die Töchter der Menschen sahen, nahmen sie sich davon zu Weibern usw.“. Und: „Söhne habe ich gezeugt und erhöht, sie aber haben sich gegen mich empört“, so spricht Gott durch Isaias, wie wir belehrt worden sind.

Ich könnte, Geliebte, noch vieles anführen, aber ich will es übergehen, weil ich es für unschicklich halte, solche, die selbst Lehrer und zudem Gesinnungsgenossen sind, mit allzu viel Worten zu ermahnen. Ihr seid ja selbst von Gott belehrt und wisset wohl, daß die vor kurzem gegen den wahren und frommen Glauben der Kirche aufgetretene Lehre die des Ebion und des Artemas ist und eine Nachahmung der Lehre des Paul von Samosata zu Antiochia, der durch eine Synode und durch den Richterspruch von Bischöfen, die von allen Seiten her zusammengekommen waren, aus der Kirche ausgeschlossen wurde, und dessen Nachfolger Lucian während der langen Regierungszeit dreier Bischöfe in der Trennung von der Kirche verharrte. Von der Gottlosigkeit dieser Menschen haben nun jene, welche jetzt mit ihrem Schlagwort „aus nichts“ gegen uns aufgetreten sind, die Hefe geschlürft; sie sind nur deren verborgene Schößlinge, Arius nämlich und Achillas und die ganze Gesellschaft derer, die mit ihnen in der Bosheit übereinstimmen. Und ich weiß in der Tat nicht, wie in Syrien drei rechtmäßig geweihte Bischöfe sich dazu verstehen konnten, diese Menschen durch ihre Zustimmung zu noch schlimmerem Vorgehen zu ermutigen. Indessen möge das Urteil über sie Eurem eigenen Ermessen anheimgestellt sein!

Diese Leute haben ein gutes Gedächtnis für diejenigen Ausdrücke, welche sich auf das erlösende Leiden, die Herablassung, Erniedrigung, sogenannte Armut des Herrn und auf diejenigen Verhältnisse beziehen, rücksichtlich deren der Erlöser unsertwegen neue Bezeichnungen angenommen hat, und sie heben diese Bezeichnungen besonders hervor zur Beseitigung seiner höchsten und ewigen Gottheit. Dagegen sind sie auffallend vergeßlich bezüglich jener Schriftstellen, die seine natürliche Herrlichkeit, seine hohe Abkunft und sein Wohnen beim Vater bezeugen, wie zum Beispiel bezüglich der Stelle: „Ich und der Vater sind eins.“ So spricht der Herr, nicht um sich für den Vater auszugeben, auch nicht um die Naturen, welche rücksichtlich ihrer Daseinsweise (Hypostase) zwei sind, für eine zu erklären, sondern weil der Sohn des Vaters die väterlichen Züge getreu wiedergibt, weil er die allseitige Ähnlichkeit mit ihm von Natur aus in sich zum Ausdruck bringt, weil er das unveränderte Bildnis des Vaters und des Urbildes vollkommen ausgeprägtes Abbild ist. Daher offenbarte dieses der Herr auch unverhohlen dem Philippus, als es denselben einst zu schauen gelüstete, indem er auf dessen Bitte; „Zeige uns den Vater“, erwiderte: „Wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen“, so daß also der Vater in seinem göttlichen Abbild wie in einem fleckenlosen und lebendigen Spiegel geschaut wird. Etwas Ähnliches sagen auch die Heiligen im Buche der Psalmen: „In deinem Lichte werden wir das Licht schauen.“ Deshalb ehrt derjenige, der den Sohn ehrt, auch den Vater, und mit Recht; denn auch jede Lästerung, die man gegen den Sohn auszusprechen wagt, geht zurück auf den Vater.

Wie sollte daher noch auffallend erscheinen, was ich Euch, Geliebte, jetzt noch zu schreiben habe, indem ich Euch die verleumderischen Anklagen auseinandersetze, die sie gegen mich und gegen unser ganzes rechtgläubiges Volk erheben? Denn diejenigen, die gegen die Gottheit des Sohnes Gottes ankämpfen, scheuen sich natürlich auch nicht, die gehässigsten Schmähungen gegen uns zu verbreiten; sie, die weder von den Alten irgend jemand mit sich vergleichen lassen, noch auch es ertragen können, wenn sie mit den Lehrern, deren Umgang wir von Jugend auf genossen haben, auf eine Stufe gestellt werden, noch auch endlich glauben wollen, daß von allen unseren gegenwärtigen Mitbischöfen auch nur einer es bis zu einer mittelmäßigen Wissenschaft gebracht hat, indem sie sich allein für weise und abgetötet und für die Entdecker der wahren Lehre ausgeben, denen einzig und allein geoffenbart worden sei, was sonst keinem anderen unter der Sonne in den Sinn kommen konnte. O diese unselige Verblendung, dieser maßlose Wahnsinn und in Verbindung damit diese schwarzgallige eitle Ruhmsucht und satanische Gesinnung, die in ihren unheiligen Seelen wie eine verhärtete Geschwulst sich festgesetzt hat! Es beschämte sie nicht die göttliche Klarheit der alten Schriften, noch hat der einstimmige Glaube der gegenwärtigen Bischöfe in bezug auf Christus ihr verwegenes Vorgehen gegen denselben zu hemmen vermocht. Ja ihre Ruchlosigkeit werden nicht einmal die Teufel aushalten können, da sich diese wohl hüten, ein Wort der Lästerung gegen den Sohn Gottes auszusprechen.

Dieses möge nun von uns nach unseren schwachen Kräften zur Widerlegung derjenigen angeführt sein, welche mit ungeschickten Waffen den Kampf gegen Christus begonnen und unseren frommen Glauben an ihn anzuschwärzen unternommen haben! Diese Urheber geschwätziger Fabeleien behaupten nämlich, dadurch, daß wir die gottlose und unbiblische Lästerung gegen Christus, nämlich den Ausdruck „aus nichts“, verwerfen, lehrten wir zwei ungezeugte Prinzipien; in ihrer Unwissenheit erklären sie, man müsse notwendig eine von den zwei Möglichkeiten annehmen: entweder müsse man sich den Sohn aus nichts entstanden denken, oder man müsse unweigerlich zwei ungezeugte Prinzipien zugeben. Sie vermögen also in ihrer Kurzsichtigkeit nicht einzusehen, ein wie großer Abstand ist zwischen dem ungezeugten Vater und den von ihm aus nichts geschaffenen vernünftigen wie vernunftlosen Wesen. Zwischen beiden in der Mitte steht die eingeborne Natur, durch welche der Vater des Gottes Logos alles aus nichts geschaffen hat; sie selbst aber ist unmittelbar aus dem durch sich seienden Vater gezeugt, wie der Herr selbst an einer Stelle Zeugnis ablegt: „Wer den Vater liebt, liebt auch den Sohn, der aus ihm gezeugt ist.“

Bezüglich der genannten Punkte glauben wir nun so, wie es die apostolische Kirche für recht hält, nämlich: An einen allein ungezeugten Vater, der in keinem anderen den Grund seines Seins hat, der unwandelbar und unveränderlich ist, der sich selbst immer vollständig gleich bleibt, der weder einer Zunahme noch Abnahme seiner Vollkommenheit fähig ist, der der Urheber des Gesetzes, der Propheten und der Evangelien, sowie der Herr der Patriarchen, Apostel und aller Heiligen ist und an einen Herrn Jesus Christus, den eingebornen Sohn Gottes, der nicht aus dem Nichtseienden (= nichts), sondern aus dem seienden Vater gezeugt ist, nicht in ähnlicher Weise wie die Körper durch Trennung oder Emanation infolge von Teilung, wie Sabellius und Valentinus meinen, sondern auf unaussprechliche und unbeschreibliche Weise, gemäß den bereits oben angeführten Worten: „Seine Erzeugung, wer wird sie ergründen?“ Seine Daseinsweise ist nämlich für jede geschaffene Natur unergründlich, wie auch der Vater selbst unergründlich ist, weil die Natur der vernünftigen Wesen die väterliche Gotteszeugung nicht zu begreifen vermag. Übrigens brauchen Männer, die vom Geiste der Wahrheit geleitet werden, dieses nicht erst von mir zu erfahren, da uns hierüber bereits das Wort Christi belehrt und unterrichtet hat: „Niemand weiß, wer der Vater ist, als der Sohn, und niemand weiß, wer der Sohn ist, als der Vater.“ Ferner haben wir gelernt, daß dieser Sohn unwandelbar und unveränderlich ist wie der Vater, sich selbst genügend und vollkommen, dem Vater ganz gleich und nur darin ihm nachstehend, daß er nicht ungezeugt ist. Denn er ist das genaueste und in nichts verschiedene Ebenbild des Vaters. Es ist ja klar, daß das Ebenbild alles enthält, wodurch das größere Urbild dargestellt wird, wie der Herr selbst gelehrt hat mit den Worten: „Mein Vater ist größer als ich.“ Demgemäß glauben wir auch, daß der Sohn immer aus dem Vater ist, denn er ist „der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild des väterlichen Wesens“. Doch möge niemand dieses „immer“ so auffassen, als ob darunter das „Ungezeugtsein“ zu verstehen wäre, wie das jene meinen, deren geistiges Auge geblendet ist. Denn weder der Ausdruck „er war“ noch das Wort „immer“ noch die Bestimmung „vor allen Zeiten“ ist gleichbedeutend mit „ungezeugt“. Ja, welche Worte nur immer der menschliche Verstand zu bilden sich bemühen wird, sie entsprechen nicht dem Begriff des Ungezeugten — und ich glaube, daß auch Ihr geradeso denken werdet, und vertraue ich in dieser Beziehung auf Euer sonstiges richtiges Urteil in allen Dingen —, da ja derartige Bezeichnungen in keiner Weise den Begriff des Ungezeugten wiedergeben. Diese Namen erscheinen vielmehr wie eine Art Ausdehnung der Zeit über die Zeit hinaus, welche die Gottheit und, wenn man so sagen darf, das Alter des Eingebornen nicht gebührend bezeichnen können; sie wurden aber von den heiligen Männern gebraucht, welche, ein jeder nach seinen Kräften, das Geheimnis zu erklären suchten, wobei sie indessen gleichzeitig ihre Zuhörer um Nachsicht baten mit einer wohlbegründeten Entschuldigung, indem sie sagten: „soweit wir es zu begreifen vermögen“. Wenn aber diese Männer behaupten, das, was sie bisher nur stückweise erkannt hätten, habe keine Geltung mehr, und wenn sie deshalb etwas Größeres erwarten, als was ein von Menschenlippen kommendes Wort enthalten kann, so ist klar, daß auch die Ausdrücke „er war“ und „immer“ und „vor allen Zeiten“ weit hinter ihrer Erwartung zurückbleiben. Aber wie immer es sich damit verhalten möge, jedenfalls sind diese Ausdrücke nicht gleichbedeutend mit dem Begriffe „ungezeugt“. Demgemäß muß also dem ungezeugten Vater die ihm gebührende Ehre gewahrt werden, indem man keinen anderen als Urheber seines Seins annimmt; aber auch dem Sohn muß die entsprechende Ehre dadurch zuerkannt werden, daß man seine anfangslose Zeugung aus dem Vater festhält und ihm, wie oben gezeigt wurde, in der Weise Ehrfurcht entgegenbringt, daß man die Ausdrücke „er war“, „immer“ und „vor allen Zeiten“ nur mit frommgläubigem Sinn und mit heiliger Scheu auf ihn anwendet, so daß man dabei seine Gottheit nicht leugnet, sondern dem Bilde und Abdruck des Vaters die genaueste Ähnlichkeit in jeder Beziehung zuschreibt und nur das „Ungezeugtsein“ als eine dem Vater allein zukommende Eigentümlichkeit betrachtet und festhält, wie ja auch der Erlöser selbst sagt: „Mein Vater ist größer als ich.“

Außer diesem ehrfurchtsvollen Glauben in Betreff des Vaters und Sohnes, wie ihn uns die heiligen Schriften lehren, bekennen wir einen Heiligen Geist, der sowohl die heiligen Menschen des Alten Bundes wie auch die göttlichen Lehrer des sogenannten Neuen Bundes geweiht und geheiligt hat; ferner bekennen wir die apostolische Kirche, die eine einzige, alleinige und allgemeine ist, die stets unüberwindlich bleibt, auch wenn die ganze Welt den Kampf gegen sie aufnehmen wollte, die siegreich ist gegenüber jeder noch so gottlosen Empörung der Irrgläubigen, eine Siegeszuversicht, die uns der Herr selbst einflößt mit den Worten: „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“ Nach dieser Welt kennen wir eine Auferstehung von den Toten, deren Erstling unser Herr Jesus Christus ist, der in Wahrheit und nicht nur dem Scheine nach einen Leib angenommen hat aus Maria der Gottesgebärerin, der am Ende der Zeiten zur Tilgung der Sünde inmitten des Menschengeschlechtes erschienen, gekreuzigt worden und gestorben ist, ohne jedoch hierdurch an seiner Gottheit eine Einbuße zu erleiden, der, auferstanden von den Toten und aufgenommen in den Himmel, sitzet zur Rechten der Majestät.

Dieses alles habe ich im vorliegenden Briefe nur unvollständig, nur in Umrissen dargestellt, weil ich es, wie gesagt, für unschicklich halte, das einzelne noch eingehender zu behandeln, da ja diese Dinge Euerem heiligen Eifer nicht unbekannt sind. Dieses also lehren wir, dieses predigen wir, dies sind die apostolischen Dogmen der Kirche, für welche wir selbst zu sterben bereit sind, und wir kümmern uns wenig um jene, welche uns drängen, sie abzuschwören; und selbst wenn sie uns durch die Folter dazu zwingen wollten, lassen wir nicht von der auf diese Lehren gegründeten Hoffnung. Gerade wegen ihres Widerspruches gegen diese Lehren sind die Anhänger des Arius und Achillas und die mit ihnen verbundenen Feinde der Wahrheit aus der Kirche ausgestoßen worden, nachdem sie sich selbst von unserer frommen und rechtgläubigen Lehre getrennt hatten, gemäß der Mahnung des heiligen Paulus: „Wenn euch jemand ein anderes Evangelium verkündet als das, welches ihr empfangen habt, so sei er verflucht“, selbst wenn er sich für einen Engel vom Himmel ausgeben sollte, und wiederum: „Wenn jemand anders lehrt und nicht an den heilsamen Worten unseres Herrn Jesu Christi und der rechtgläubigen Lehre festhält, so ist er dünkelhaft, obschon er nichts versteht“ usw.

Diese also, welche von den Brüdern mit dem Banne belegt worden sind, möge niemand von Euch aufnehmen, niemand auch ihre Reden und Schriften geduldig hinnehmen! Denn diese Gaukler lügen in allem und werden niemals die Wahrheit reden. Sie durchwandern die Städte in keiner anderen Absicht, als unter dem Schein der Freundschaft und im Namen des Friedens mit Heuchelei und Schmeichelei Gemeinschaftsbriefe zu geben und zu empfangen und dadurch einige von ihnen irregeführte Weiblein zu täuschen, die mit Sünden beladen sind usw.

Diese also, die so große Frevel gegen Christus zu verüben wagten, die das Christentum bald vor dem Volke herabwürdigen, bald vor den Gerichten bloßzustellen bestrebt sind, die, soviel in ihren Kräften liegt, mitten im Frieden eine Verfolgung gegen uns anzetteln, die das unaussprechliche Geheimnis der Zeugung Christi verflüchtigen, diese weist von Euch, geliebte und gleichgesinnte Brüder, schließt Euch vielmehr unserer Verurteilung ihrer wahnwitzigen Verwegenheit an nach dem Beispiel unserer Mitbischöfe, die über sie entrüstet waren und Briefe gegen sie an mich richteten, die auch die Akten mitunterzeichneten, die ich Euch zugesandt habe durch meinen Sohn, den Diakon Api, nach dem Beispiel der Bischöfe aus ganz Ägypten und der Thebais, aus Libyen und der Pentapolis, aus Syrien und dazu noch aus Lycien und Pamphylien, aus Asia (proconsularis), Kappadozien und den anderen angrenzenden Ländern. Wie von diesen, so hoffe ich zuversichtlich auch von Euch zustimmende Schreiben zu erhalten. Zwar stehen mir viele Mittel zu Gebote, um denjenigen zu helfen, die Schaden gelitten haben; aber auch dies hat sich als ein kräftiges Heilmittel für das von jenen irregeleitete Volk erwiesen, weil man dem übereinstimmenden Urteil unserer Mitbischöfe leichter Glauben schenken und infolgedessen eilig zur Umkehr sich wenden wird.

Grüßet einander, zugleich mit Euern Brüdern! Lebet wohl im Herrn! Das wünsche ich Euch, Geliebte; gönnet mir doch einige Frucht von Euerer Christus liebenden Gesinnung!

Die mit dem Banne belegten Häretiker sind folgende: von den Priestern Arius, von den Diakonen Achillas, Euzoius, Aeithales, Lucius, Sarmates, Julius, Menas, ein anderer Arius und Helladius.“

Gleichlautende Schreiben richtete Alexander auch an Philogonius, den Vorsteher der Kirche von Antiochien, und an Eustathius, der damals die Kirche von Beröa zu leiten hatte, und an alle übrigen Verteidiger der apostolischen Lehre. Aber auch Arius konnte sich nicht ruhig verhalten. Er schrieb seinerseits an diejenigen, welche er für seine Gesinnungsgenossen hielt. Daß aber der göttliche Alexander nichts Unwahres gegen ihn geschrieben hat, das bezeugt Arius selbst in seinem Briefe an Eusebius von Nikomedien. Ich will auch dieses Schreiben in mein Werk aufnehmen, um die Teilnehmer an der gottlosen Ketzerei denen, die sie nicht kennen, bekannt zu machen.

Schreiben des Arius an den Bischof Eusebius von Nikomedien

„Dem geliebtesten Herrn, dem Manne Gottes, dem gläubigen und rechtgläubigen Eusebius entbietet Gruß im Herrn Arius, der von dem Vater Alexander wegen der über alles siegreichen Wahrheit, deren Beschützer auch Du bist, ungerecht Verfolgte.

Da mein Vater Ammonius nach Nikomedien reist, so schien es passend und geziemend, Dich durch ihn zu grüßen und zugleich Deine angeborene Liebe und Gewohnheit, welche Du um Gottes und seines Christus willen gegen die Brüder hegst, daran zu erinnern, wie gewaltig uns der Bischof bedrängt und verfolgt und wie er alle Mittel gegen uns in Bewegung setzt, so daß er uns sogar wie Gottesleugner aus der Stadt vertrieben hat, und dieses darum, weil wir ihm nicht zustimmen, wenn er öffentlich lehrt: „Immer ist Gott, immer der Sohn, zugleich der Vater und zugleich der Sohn; der Sohn existiert mit Gott nach Art des Ungezeugten; er ist immer gezeugt, gezeugt von dem Ungezeugten; weder dem Gedanken noch der geringsten Zeit nach ist Gott früher als der Sohn; immer ist Gott, immer der Sohn, aus Gott selbst ist der Sohn.“ — Da nun Eusebius von Cäsarea, Dein Bruder, und Theodotus, Paulinus, Athanasius, Gregorius, Aëtius und alle aus dem Morgenlande sagen, daß Gott ein anfangsloses Dasein vor dem Sohne besitzt, so wurden sie mit dem Banne belegt, ausgenommen allein Philogonius und Hellanikus und Makarius, irrgläubige und ungebildete Menschen, von denen die einen den Sohn als etwas (aus Gott) Hervorgesprudeltes, andere als etwas Hervorgewachsenes, andere als mitungezeugt bezeichnen. Derartige Gottlosigkeiten können wir nicht einmal anhören, und wenn uns diese Ketzer auch tausendmal mit dem Tode drohen. Was aber sagen und denken denn wir, was haben wir immer gelehrt und lehren wir noch jetzt? Daß der Sohn nicht ungezeugt ist noch auch in irgendeiner Weise ein Teil eines Ungezeugten, noch aus irgendeiner vorliegenden Substanz geworden, sondern daß er nach Gottes Willen und Ratschluß vor der Zeit und vor allen Zeiträumen entstand als vollkommener Gott, als der Eingeborne und Unveränderliche, und daß er nicht war, bevor er gezeugt oder geschaffen oder bestimmt oder gegründet wurde; denn er war nicht ungezeugt. Wir werden also verfolgt, weil wir sagen, der Sohn habe einen Anfang, Gott dagegen sei anfangslos; darum werden wir verfolgt und dann, weil wir sagen, er sei aus nicht Seiendem. So aber drücken wir uns deshalb aus, weil er ja weder ein Teil Gottes noch aus irgendeiner vorliegenden Substanz geworden ist. Darum werden wir verfolgt; das übrige weißt Du. — Lebe wohl im Herrn und gedenke unserer Trübsal, Du getreuer Genosse aus der Schule Luzians, in Wahrheit ein Eusebius!“

Von den oben Angeführten war Eusebius Bischof von Cäsarea, Theodotus von Laodicea, Paulinus von Tyrus, Athanasius von Anazarbus, Gregorius von Berytus, Aëtius von Lydda; dieses Lydda heißt jetzt Diospolis. Diese nun rühmte sich Arius als Gesinnungsgenossen zu besitzen. Als seine Gegner aber nannte er den Bischof Philogonius von Antiochien, den Hellanikus von Tripolis und Makarius von Jerusalem. Gegen diese erhebt er falsche Anklagen, weil sie den Sohn ewig und vorzeitlich, dem Vater gleichwürdig und gleichwesentlich nannten. — Nachdem nun Eusebius diesen Brief erhalten hatte, ließ auch er seine eigene gottlose Gesinnung zu Tage treten. Er richtete nämlich an den Bischof Paulinus von Tyrus folgendes Schreiben.

Schreiben des Bischofs Eusebius von Nikomedien an den Bischof Paulinus von Tyrus

„Meinem Gebieter Paulinus entbiete ich, Eusebius, Gruß im Herrn.

Gleichwie der Eifer meines Herrn Eusebius für die wahre Lehre nicht verschwiegen und verborgen geblieben, sondern die Kunde hiervon rasch auch bis zu uns gedrungen ist, so gilt das gleiche auch von Deinem diesbezüglichen Schweigen, o Herr; und wie es nicht anders sein konnte, sind wir durch das Verhalten meines Herrn Eusebius mit Freude, durch Deine Zurückhaltung aber mit Betrübnis erfüllt worden, da wir nämlich schon das Schweigen eines solchen Mannes als einen Nachteil für unsere Sache betrachten. Daher ersuche ich Dich, der Du ja weißt, wie wenig es einem verständigen Manne geziemt, bei abweichender Überzeugung mit der Wahrheit zurückzuhalten, Dich aufzuraffen und zur schriftstellerischen Tätigkeit über diesen Gegenstand zu entschließen, die Dir selbst nützen wird und denen, die auf Dich hören, besonders wenn Du Dich bei Deinen Ausführungen an die Heilige Schrift anschließen und den Spuren ihrer Worte und Gedanken folgen willst. Haben wir ja doch, mein Herr, niemals von zwei ungezeugten Wesen gehört, und auch niemals gelernt und geglaubt, daß ein ungezeugtes Wesen in zwei Wesen geteilt worden sei oder nach Art der Körper eine Entwicklung erfahren habe; sondern eines ist das Ungezeugte, eines das von ihm in Wahrheit, aber nicht aus seiner Substanz Gewordene, das in keiner Weise an der ungezeugten Natur teil hat, noch aus der Substanz des Ungezeugten ist, das vielmehr, seiner Natur und Macht nach ganz und gar ein Anderes, nur nach Anlage und Kraft seinem Urheber vollkommen ähnlich gestaltet ist. Was aber den Ursprung desselben betrifft, so glauben wir, daß derselbe weder mit Worten erklärt noch auch mit dem Verstande nicht nur der Menschen, sondern selbst der über den Menschen stehenden höheren Wesen erfaßt werden kann.

Indem wir dieses behaupten, stellen wir keineswegs unsere eigenen Gedanken auf, sondern nur das, was wir von der Heiligen Schrift gelernt haben. Wir haben nämlich gelernt, daß der Sohn seiner Wesenheit und unveränderlichen und unaussprechlichen Natur nach und in seiner Ähnlichkeit mit seinem Urheber geschaffen und gegründet und gezeugt ist, wie der Herr selbst sagt: „Gott schuf mich als Erstling seiner Wege, und vor der Zeit gründete er mich, vor allen Hügeln zeugte er mich.“ Wenn er (der Sohn) dagegen aus ihm (Gott), das ist von ihm wäre, etwa wie ein Teil von ihm oder aus einem Erguß seines Wesens, so würde er nicht mehr als geschaffen oder gegründet bezeichnet werden. Dieses kannst Du, o Herr, fürwahr auch selbst nicht verkennen. Denn was aus dem Ungezeugten sein Dasein hätte, das könnte nicht mehr von einem anderen oder von dem Ungezeugten geschaffen oder gegründet sein, da es seinem Ursprunge nach ein Ungezeugtes wäre. Will man aber in dem Umstande, daß der Sohn als gezeugt bezeichnet wird, eine Andeutung finden, als wenn er aus dem väterlichen Wesen entstanden wäre und daher auch dieselbe Natur wie der Vater hätte, so wissen wir, daß die Schrift das Gezeugtsein nicht nur von ihm allein aussagt, sondern auch von den Wesen, die ihm von Natur aus in allem unähnlich sind. So sagt sie auch von Menschen: „Söhne habe ich erzeugt und erhöht; sie aber haben mich verachtet.“ Und wiederum: „Gott, der dich gezeugt, hast du verlassen.“ Und mit Bezug auf andere Dinge sagt sie: „Wer zeugte des Taues Tropfen?“ Mit solchen Ausdrücken will sie nicht eine Natur aus einer anderen herleiten, sondern nur für jegliches der geschaffenen Dinge den Ursprung aus dem Willen Gottes bezeichnen. Denn nichts ist aus seinem Wesen, sondern alles ist durch seinen Willen geworden, und jedes ist so, wie es geworden ist. Denn jener ist Gott; die Dinge aber sollten, um Gott ähnlich zu werden, dem Worte (Logos) ähnlich sein; diese sind nach seinem freien Willen geworden. Diese sind alle von Gott durch das Wort gemacht worden, alles aber ist aus Gott.

Diese Gedanken mögest Du aufnehmen und gemäß der von Gott Dir verliehenen Geistesgabe in eine entsprechende Form bringen und alsbald meinem Herrn Alexander übermitteln. Ich hege nämlich die zuversichtliche Hoffnung, Du werdest ihn durch Dein Schreiben zu anderen Ansichten bringen. Grüße alle Brüder im Herrn! Die göttliche Gnade erhalte Dich, o Herr, gesund und betend für uns!“

Derartige Schreiben sandten sich nun auch diese (die Gesinnungsgenossen des Arius) einander zu und rüsteten sich so zum Kampf gegen die Wahrheit.

Als nun infolgedessen die gotteslästerliche Neuerung in den ägyptischen und morgenländischen Kirchen sich ausbreitete, entstanden in jeder Stadt und in jedem Dorfe Zerwürfnisse und Streitigkeiten über die göttlichen Lehren. Das übrige Volk aber spielte den Zuschauer gegenüber den Ereignissen und den Richter bei den Wortkämpfen, und die einen gaben dieser Partei recht, die anderen der Gegenpartei; und die Vorgänge hätten einen trefflichen Stoff gegeben zu einem Trauerspiel und zu Klageliedern. Denn es waren jetzt nicht, wie in früheren Zeiten, Fremde und Feinde, welche die Kirche bedrängten, sondern die eigenen Stammes- und Haus- und Tischgenossen setzten jetzt statt der Speere ihre Zungen gegeneinander in Bewegung; ja noch mehr, diejenigen, welche als Glieder zusammen und zu einem Leibe gehörten, führten gegeneinander die Waffen.

Die Verhandlungen auf der großen Synode zu Nizäa (325)

Sobald der Kaiser, dieser weise Fürst, von den geschilderten Vorgängen Kunde erhielt, trachtete er zuerst die Quelle der Übel selbst zu verstopfen und sandte zu diesem Zwecke einen durch seine Geschäftsgewandtheit berühmten Mann1 mit einem Schreiben nach Alexandrien, indem er so den Streit zu schlichten versuchte und die aufgeregten Gemüter zur Ruhe und Eintracht zurückzuführen hoffte. Als er sich jedoch in seiner Hoffnung getäuscht sah, berief er jene hochberühmte Synode nach Nizäa und ermächtigte die Bischöfe und ihre Begleiter, sich zur Reise dahin der dem Staate gehörigen Esel, Maulesel, Maultiere und Pferde zu bedienen. Nachdem dann alle sich eingefunden, so viele ihrer die Beschwerden der Reise ertragen konnten, kam er auch selbst nach Nizäa, teils getrieben von dem Verlangen, eine solch große Versammlung von Hohenpriestern zu sehen, teils in der Absicht, die Einigkeit unter ihnen wieder herzustellen. Sofort gab er auch Auftrag, sie mit allem reichlich zu versehen.

Es hatten sich dreihundertachtzehn Bischöfe eingefunden. Der von Rom fehlte wegen seines hohen Alters; indessen hatte er zwei Priester gesandt und sie bevollmächtigt, den Verhandlungen zuzustimmen.

Es gab aber in jener Zeit viele Bischöfe, welche durch apostolische Gnadengaben hervorleuchteten, und viele, die, um mit dem heiligen Apostel zu sprechen, die Wundmale unseres Herrn Jesu an ihrem Leibe trugen. Jakobus zum Beispiel, der Bischof von Antiochia Mygdonia, einer Stadt, die von den Syrern und Assyriern Nisibis genannt wird, hatte sogar Tote erweckt und dem Leben zurückgegeben und andere zahllose Wunder gewirkt, die ich nach meinem Dafürhalten hier in diesem Werke nicht neuerdings anzuführen brauche, da ich sie in meiner Mönchsgeschichte bereits erzählt habe. Paulus von Neocäsarea, einer kleinen Festung am Ufer des Euphrat, hatte in der Verfolgung des Licinius gelitten; er war nämlich an beiden Händen gelähmt, da man ihm glühendes Eisen darangehalten und damit die der Bewegung dienenden Sehnen zusammengezogen und getötet hatte. Anderen war das rechte Auge ausgestochen worden; wieder anderen war die rechte Kniekehle durchschnitten; einer von diesen war Paphnutius aus Ägypten; mit einem Worte, man konnte dort an einem Orte versammelt eine ganze Schar von Martyrern sehen.

Doch fehlte es in dieser heiligen und ehrwürdigen Versammlung auch nicht an Widersachern; es gab auch einige, die zwar leicht zu zählen waren, aber voll heimlicher Tücke gleich Untiefen im Wasser ihre böse Gesinnung verbargen und die Lästerungen des Arius nur insgeheim verteidigten.

Nachdem alle zusammengekommen waren, ließ der Kaiser einen sehr großen Saal in seinem Palaste herrichten und befahl, möglichst viele Bänke und Stühle in demselben aufzustellen, so daß sie für die Zahl der Bischöfe hinreichten. Als er so die ihrer Würde entsprechenden Vorbereitungen getroffen, hieß er sie eintreten und über die vorliegenden Gegenstände verhandeln. Er ging auch selbst hinein, jedoch als der letzte und mit geringem Gefolge, hervorragend durch körperliche Größe, ausgezeichnet durch männliche Schönheit, noch bewunderungswürdiger aber durch den Ausdruck der Ehrfurcht, der auf seinem Antlitz ruhte. Er ließ sich auf einem kleinen Sessel nieder, der in der Mitte für ihn aufgestellt worden war, nachdem er vorher die Bischöfe ersucht hatte, ihm solches zu gestatten. Zugleich mit ihm setzte sich die ganze heilige Versammlung.

Sofort begann nun als erster Redner der große Eustathius, der vor kurzem den Bischofsstuhl der Antiochenischen Kirche eingenommen hatte — der oben erwähnte Philogonius war nämlich zu einem besseren Leben hinübergegangen, worauf Eustathius gegen seinen Willen von Bischöfen, Priestern und dem gesamten Christus liebenden Volke einstimmig genötigt wurde, die Leitung jener Kirche als Nachfolger des Philogonius zu übernehmen —, dieser Eusthatius flocht also einen Kranz von Lobsprüchen wie von Blumen um das Haupt des Kaisers und vergalt dessen Eifer für die religiösen Angelegenheiten mit Lobeserhebungen. Als er geendet, hielt der gepriesene Kaiser selbst eine Rede über die Eintracht und die Einmütigkeit der Gesinnungen, wobei er der Grausamkeit der früheren tyrannischen Kaiser und des unter seiner Regierung von Gott verliehenen hochschätzbaren Friedens gedachte und hervorhob, wie schrecklich, ja nur zu schrecklich es wäre, wenn sie jetzt nach Vernichtung der Feinde, da niemand mehr zu widerstehen wage, einander selbst bekämpften und den Böswilligen Anlaß zur Freude und zum Lachen böten, zumal da sie über heilige Dinge stritten und doch die Lehre des Heiligen Geistes in der Schrift besäßen. „Denn“, sagte er, „die Bücher der Evangelien, die Schriften der Apostel und die göttlichen Aussprüche der alten Propheten lehren uns deutlich, wie man in Betreff des göttlichen Wesens zu denken hat. Laßt uns daher die Streit erzeugende Zwietracht beiseite setzen und aus der göttlichen Offenbarung die Lösung der fraglichen Schwierigkeiten entnehmen!“

Dieses und Ähnliches gab er wie ein Sohn, der seinen Vater liebt, den Bischöfen als Vätern zu erwägen, emsig bemüht, die Einheit der apostolischen Lehre zu erhalten. Die Mehrzahl der versammelten Väter leistete denn auch seinen Worten Folge und ließ sich die Erhaltung der Eintracht untereinander und die Bewahrung der gesunden Lehre angelegen sein. Einige wenige aber, die ich schon vorhin erwähnte, und außer diesen Menophantus von Ephesus, Patrophilus von Scythopolis, Theogonius, der Bischof von Nizäa selbst, und Narcissus von Neronias, einer Stadt im östlichen Zilizien, die jetzt Irenopolis heißt, ferner Theonas von Marmarika und Sekundus von Ptolemais in Ägypten: diese widersprachen der apostolischen Lehre und erklärten sich für Arius. Ja sie entwarfen sogar eine Glaubensformel und legten sie der Versammlung vor. Als sie aber zur Verlesung kam, wurde sie sofort von allen verworfen und als unecht und gefälscht bezeichnet. Es entstand ein sehr großer Lärm und Unwille gegen jene, und alle bezichtigten sie des Verrats am Glauben. Da gerieten sie in Furcht, erhoben sich und sagten sich als die ersten von Arius los, ausgenommen Sekundus und Theonas. Nachdem so dieser Gottlose preisgegeben war, entwarfen alle einmütig das noch bis heute in den Kirchen anerkannte und gebrauchte Glaubensbekenntnis, bestätigten es durch ihre Unterschrift und hoben alsdann die Versammlung auf.

Widerlegung der Anhänger des Arius aus den Schriften des großen Eustathius und des Athanasius

Indessen hatten die vorhin genannten Bischöfe diesem Glaubensbekenntnisse nur äußerlich, nicht mit innerer Überzeugung zugestimmt. Das beweisen sowohl ihre späteren Umtriebe gegen die Verteidiger des wahren Glaubens wie auch die von diesen gegen sie gerichteten Schriften.

Der berühmte Bischof Eustathius von Antiochien, den ich schon oben erwähnte, schreibt da, wo er diese Geschichte erzählt, ihre gotteslästerliche Lehre widerlegt und die Stelle aus den Sprichwörtern erklärt, die da lautet: „Der Herr schuf mich als Erstling seiner Wege zu seinen Werken, folgendes über sie:

„Ich komme nach diesem Punkt nunmehr auch auf die Konzilsverhandlungen. Was geschah nun? Nachdem aus diesem Anlaß eine sehr große Synode in Nizäa sich versammelte und wenigstens zweihundertsiebzig an der Zahl sich dort zusammenfanden — die genaue Zahl vermag ich nämlich bei der großen Menge der Männer nicht anzugeben, zumal ich auch keineswegs mit besonderem Eifer darnach geforscht habe —, da wurde, als man nach dem richtigen Ausdruck des Glaubens suchte, als klare und bündige Bezeugung desselben das von Eusebius verfaßte gotteslästerliche Bekenntnis vorgelegt. Als dieses aber öffentlich verlesen wurde, bereitete es sofort durch seine Verkehrtheit den Zuhörern unermeßlichen Schmerz, seinem Urheber aber unauslöschliche Schande. Da also das Treiben der Partei des Eusebius vollständig aufgedeckt und das glaubensfeindliche Bekenntnis vor aller Augen zerrissen war, bestimmten einige auf Verabredung hin, angeblich um des Friedens willen, alle, die sonst sehr gut zu reden gewohnt waren, zum Schweigen. Die arianisch Gesinnten aber traten aus Furcht, von einer so großen Versammlung und Synode ausgeschlossen zu werden, eilends vor, verwarfen und verdammten die verurteilte Lehre und unterzeichneten eigenhändig die gemeinsamen Beschlüsse. Nachdem sie aber auf den bischöflichen Stühlen durch alle möglichen Umtriebe sich behauptet haben, während sie doch eigentlich hätten Buße tun sollen, so predigen sie jetzt wieder bald im geheimen, bald auch offen die verworfenen Lehren, wobei sie verschiedene hinterlistige Kniffe gebrauchen. Weil sie das von ihnen gepflanzte Unkraut dauernd erhalten möchten, hegen sie Furcht vor den Einsichtigen, meiden die Aufseher und bekämpfen so die Verkündiger der wahren Lehre. Indessen glauben wir nicht, daß gottlose Menschen auf solche Weise die Gottheit je besiegen werden. Denn wenn sie auch wieder zu Kräften kommen, so werden sie doch wieder bezwungen werden, nach den Worten des erhabenen Propheten Isaias.“

Soweit der große Eustathius. Sein Kampfgenosse, der Verteidiger der Wahrheit, Athanasius, der dem berühmten Alexander auf dem bischöflichen Stuhle gefolgt war, berichtet in seinem Briefe an die Afrikaner unter anderem auch folgendes:

„Da die Bischöfe, die zusammengekommen waren, beabsichtigten, die von den Arianern neu erfundenen gottlosen Formeln zu beseitigen, nämlich jenes „aus nicht Seiendem“, und die Behauptung, der Sohn sei ein Geschöpf und Werk, und „es gab eine Zeit, wo er nicht war“, sowie daß er wandelbarer Natur sei, dafür aber die allgemein anerkannten Ausdrücke der Heiligen Schrift aufzustellen, nämlich daß der Sohn seiner Natur nach der Eingeborne aus Gott sei, das Wort, die Macht und die einzige Weisheit des Vaters, daß er wahrer Gott sei, wie Johannes sagt, und wie Paulus schreibt, der Abglanz der Herrlichkeit und das Ebenbild des Wesens des Vaters: da sagten die Eusebianer, ganz beherrscht von ihrem falschen Glauben: „Laßt uns dem zustimmen; denn auch wir sind ja aus Gott; denn es ist nur ein Gott, aus dem Alles ist”, und „das Alte ist vergangen, sieh, alles ist neu geworden, alles aber ist aus Gott“. Sie erwogen ferner auch, was im Hirten geschrieben steht: „Vor allem glaube, daß ein Gott ist, der alles geschaffen und geordnet und aus dem Nichtsein in das Dasein gesetzt hat.“ Allein die Bischöfe durchschauten ihre Arglist und ihr gottloses Ränkespiel und erklärten den Ausdruck „aus Gott“ noch genauer und schrieben dafür, daß der Sohn aus dem Wesen Gottes sei, damit so von den Geschöpfen, weil sie nicht aus sich selbst und nicht ohne äußere Ursache sind, sondern einen Anfang des Seins haben, gesagt werde, sie seien „aus Gott“, dagegen einzig und allein vom Sohne als besondere Eigentümlichkeit gelehrt werde, er sei „aus dem Wesen des Vaters“. Hierin besteht nämlich der ausschließliche Vorzug des eingebornen und wahrhaften Wortes des Vaters. Dieses war also der Grund, weshalb man schrieb „aus dem Wesen“.

Als dann die Bischöfe jene, die anscheinend nur wenige waren, neuerdings fragten, ob sie den Sohn nicht als ein Geschöpf, sondern als die Kraft und einzige Weisheit des Vaters, als sein ewiges, in allem getreues Abbild und als wahren Gott anerkennten, da bemerkte man, wie die Eusebianer einander zuwinkten und zu verstehen gaben: „Auch dieses paßt noch auf uns; denn auch wir werden Gottes Bild und Abglanz genannt, auch von uns heißt es: „Immerdar werden wir, die wir leben . . .”, und es gibt gar viele Kräfte. „Es zog aus“, so steht geschrieben, „die ganze Kraft Gottes aus dem Lande Ägypten.“ Die Raupe und die Heuschrecke werden eine große Kraft genannt, und wieder heißt es: „Der Herr der Kräfte ist mit uns, unser Retter ist der Gott Jakobs.“ Aber auch das können wir sagen, daß wir Gottes Angehörige sind, zwar nicht schlechthin, sondern insofern als er uns sogar Brüder genannt hat. Wenn man ferner den Sohn als wahren Gott bezeichnet, so bringt uns auch das nicht in Verlegenheit; denn er ist ein wahrer gewordener Gott.“

So dachten die Arianer in ihrem verkehrten Sinn. Aber auch hier durchschauten die Bischöfe ihre List und sammelten aus der Schrift Ausdrücke und Stellen wie „Abglanz“, „Quelle und Fluß“ und „Ebenbild seines Wesens”, ferner: „In deinem Lichte werden wir das Licht schauen” und: „Ich und der Vater sind eins”, und schrieben endlich noch deutlicher und kurz, der Sohn sei dem Vater gleichwesentlich; denn alle die eben genannten Ausdrücke haben diese Bedeutung.

Auch ihr Murren darüber, daß die Bezeichnungen (der Bischöfe) nicht in der Hl. Schrift enthalten seien, wird durch sie selbst als grundlos erwiesen. Denn nachdem sie selbst von nicht schriftgemäßen Ausdrücken einen schlechten Gebrauch gemacht haben — die Formeln: „aus Nichtseiendem“ und „es war eine Zeit, wo er nicht war“, finden sich ja auch nicht in der Schrift —, klagen sie jetzt darüber, daß sie durch nicht der Schrift entnommene, aber gut erdachte Ausdrücke verurteilt worden sind. Sie selbst haben nämlich ihre Ausdrücke sozusagen auf dem Misthaufen gefunden und jedenfalls von der Erde genommen; die Bischöfe aber haben ihre Bezeichnungen nicht für sich selbst erfunden, sondern was sie bei den Vätern bezeugt fanden, das haben sie niedergeschrieben. Denn schon in alter Zeit, vor ungefähr hundertdreißig Jahren, haben Bischöfe sowohl in dem großen Rom als auch in unserer Stadt diejenigen des Irrtums beschuldigt, welche behaupteten, daß der Sohn ein Geschöpf und dem Vater nicht gleichwesentlich sei. Das wußte auch Eusebius, der Bischof von Cäsarea, der zuerst der arianischen Häresie zugetan war, später aber die Beschlüsse der nizänischen Synode unterzeichnete. Er richtete auch an die Seinigen ein Schreiben, worin er versichert, daß er auch unter den Alten einige gelehrte und berühmte Bischöfe und Schriftsteller kenne, die von der Gottheit des Vaters und Sohnes den Ausdruck „gleichwesentlich“ gebraucht hätten.“

Die arianisch Gesinnten verheimlichten also ihre geistige Krankheit aus Furcht vor der großen Zahl der Bischöfe und stimmten den Beschlüssen bei, zogen sich aber dadurch jenen Tadel zu, den der Gott des Weltalls durch den Propheten auch über sie ausspricht: „Dieses Volk ehrt mich nur mit den Lippen, sein Herz aber ist weit von mir.“ Theonas jedoch und Sekundus wollten dieses nicht tun und wurden daher von allen einstimmig ausgeschlossen, weil sie die Gotteslästerungen des Arius der evangelischen Lehre vorgezogen hätten. Darauf traten die Bischöfe nochmals zu einer Sitzung zusammen und erließen noch zwanzig Dekrete über die kirchliche Verwaltung.

Verhandlungen über Melitius aus Ägypten, von dem die schismatischen Melitianer stammen, die sich bis heute erhalten haben. Synodalschreiben über ihn

Nicht lange vor Ausbruch der arianischen Wirren war Melitius zur bischöflichen Würde erhoben, dann aber, auf mehreren Gesetzwidrigkeiten betroffen, durch den heiligmäßigen Bischof Petrus von Alexandrien, der später die Krone des Martertums erlangte, wieder abgesetzt worden. Indessen gab er sich mit dem Absetzungsurteil nicht zufrieden, sondern brachte die Thebais und die angrenzenden Teile von Ägypten vollständig in Aufruhr und Verwirrung, indem er dem Vorrang des Bischofs Alexander von Alexandrien seine eigene angemaßte Herrschaft entgegenstellte. Daher schrieben die Bischöfe an die Kirche von Alexandrien, was sie in bezug auf diese Neuerung beschlossen hatten, nämlich folgendes :

Synodalschreiben

„Der durch die Gnade Gottes heiligen und großen Kirche von Alexandrien und den geliebten Brüdern in Ägypten, Libyen und der Pentapolis entbieten die in Nizäa versammelten und die große und heilige Synode feiernden Bischöfe Gruß im Herrn.

Nachdem uns die Gnade Gottes und der Ruf unseres gottgeliebtesten Kaisers Konstantin aus den verschiedenen Provinzen und Städten zur großen und heiligen Synode in Nizäa zusammengeführt hat, erschien es notwendig, im Namen der ganzen heiligen Synode auch an Euch einen Bericht zu senden damit Ihr sehen könnt, was in Vorschlag gebracht und Untersuchung gezogen und was für gut befunden und beschlossen wurde. Zuerst nun ward in Gegenwart unseres gottgeliebtesten Kaisers Konstantin eine Untersuchung gepflogen in Betreff der unseligen Lehre des Arius und einstimmig beschlossen, seine gottlose Lehre und die sakrilegischen Aussprüche und Behauptungen, mit denen er den Sohn Gottes lästerte, zu verwerfen, da er nämlich behauptete, daß der Sohn Gottes aus nichts sei und daß er nicht gewesen, bevor er gezeugt wurde, daß es eine Zeit gegeben, wo er nicht war, und daß er, der Sohn Gottes, vermöge seiner Willensfreiheit der Schlechtigkeit wie der Tugend fähig gewesen sei. Alle diese Behauptungen belegte die heilige Synode mit dem Anathem, indem sie eine so gottlose Lehre, solchen Unsinn und so gotteslästerliche Aussprüche nicht einmal anzuhören vermochte. Welches Urteil aber schließlich über Arius selbst gefällt wurde, das habt Ihr entweder schon gehört oder werdet es bald vernehmen; wir wollen das hier übergehen, damit wir nicht den Schein erregen, als wollten wir einem Menschen, der für seine Verirrungen bereits die verdiente Strafe empfangen, noch Spott und Hohn zufügen. So sehr aber hatte seine Ketzerei schon um sich gegriffen, daß auch Theonas von Marmarika und Sekundus von Ptolemais mit in das Verderben hineingezogen wurden. Denn auch diese hat dasselbe Schicksal ereilt wie jenen.

Nachdem also die Gnade Gottes Ägypten von dieser verkehrten und gotteslästerlichen Lehre und von den Menschen, die es gewagt hatten, Zwiespalt unter dem früher so friedlichen Volke zu erregen, befreit hatte, erübrigte noch die Verhandlung über das verwegene Vorgehen des Melitius und der von ihm Geweihten. Was die Synode nun in dieser Angelegenheit bestimmt hat, das wollen wir Euch, geliebte Brüder, kund und zu wissen machen. Es wurde, da die Synode zu einer gar großen Milde geneigt war — denn nach strengem Recht hätte er gar keine Nachsicht verdient —, es wurde also beschlossen, daß Melitius in seiner Stadt bleiben dürfe, aber keinerlei Befugnis haben solle, weder zu wählen noch zu weihen noch auch auf dem Lande oder in irgendeiner Stadt in dieser Absicht zu verweilen, daß er vielmehr von seiner Würde nur den Titel behalten solle. Die von ihm bestellten Kleriker aber sollen durch eine heiligere Handauflegung bestätigt und unter folgenden Bedingungen zur Kirchengemeinschaft zugelassen werden: Daß sie nämlich zwar die heiligen Handlungen verrichten dürfen, jedoch in jeder Diözese und Kirche den zweiten Rang einnehmen sollen nach allen denjenigen, die in Unterordnung unter unseren hochverehrten Amtsgenossen Alexander befunden werden und früher geweiht worden sind, so daß ihnen also keine Vollmacht zusteht, (bei Wahlen zu kirchlichen Ämtern) die ihnen gefälligen Personen zu wählen oder in Vorschlag zu bringen oder überhaupt etwas zu tun ohne Genehmigung des Bischofs der katholischen und apostolischen Kirche, der dem Alexander untergeordnet ist. Diejenigen aber, die mit Hilfe der göttlichen Gnade und um Euerer Gebete willen in keinem Schisma befunden werden, sondern untadelig in der katholischen und apostolischen Kirche geblieben sind, diese sollen das Recht haben, zu den geistlichen Ämtern die Würdigen zu wählen und vorzuschlagen und überhaupt alles zu tun, was ihnen nach den kirchlichen Gesetzen und Vorschriften zusteht. Wenn aber einer von denen, welche immer in der Kirchengemeinschaft geblieben sind, mit Tod abgehen sollte, dann mögen die nun Aufgenommenen an ihre Stelle treten, vorausgesetzt, daß sie würdig erscheinen und das Volk sie wählt und der Bischof der katholischen Kirche von Alexandrien seine Zustimmung und Bestätigung hierzu gewährt. Dieses wurde nun allen anderen zugestanden; hinsichtlich der Person des Melitius wurde jedoch keineswegs das gleiche für gut befunden, und zwar mit Rücksicht auf seine frühere Verletzung der kirchlichen Ordnung und wegen seiner Neigung zu voreiligen und unüberlegten Handlungen, damit keinerlei selbständige Befugnis einem Manne verliehen würde, der wieder dieselben Unordnungen hervorrufen könnte. —

Wir verkünden Euch aber auch noch eine frohe Botschaft bezüglich der Einigung in der Feier unseres hochheiligen Osterfestes, daß nämlich auf Eure Gebete hin auch diese Angelegenheit glücklich geordnet wurde, und zwar in der Weise, daß alle morgenländischen Brüder, die früher mit den Römern und Euch und allen denen, welche von Anfang an die Osterfeier genau beobachteten, nicht übereinstimmten, von jetzt an es mit Euch begehen werden. Freut Euch daher über dieses glückliche Ergebnis der Verhandlungen und über den gemeinsamen Frieden und die allseitige Eintracht und die Ausrottung jeglicher Häresie und nehmet mit noch größerer Verehrung und mit noch innigerer Liebe unseren Amtsgenossen, Eueren Bischof Alexander, auf, der uns mit seiner Gegenwart erfreut und in seinem hohen Alter sich noch so großen Mühen unterzogen hat, um Euere Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Betet aber auch für uns alle, damit das, was wir für gut gehalten und beschlossen haben, auch dauernden Bestand habe durch unsern Herrn Jesus Christus, dasjenige, was, wie wir glauben, zustande gekommen ist nach dem Willen Gottes des Vaters im Heiligen Geiste, dem Ehre sei von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Auf diese Weise suchte also jene heilige Versammlung der Bischöfe das Melitianische Übel zu heilen. Gleichwohl haben sich noch bis auf den heutigen Tag Spuren jener geistigen Krankheit erhalten. Es gibt nämlich in jenen Gegenden einige Mönchsverbindungen, welche sich nicht an die gesunde Lehre halten und in ihrer Lebensweise gewissen eitlen Gebräuchen huldigen und so an den Torheiten der Samaritaner und Juden teilnehmen.

Es richtete aber der große Kaiser auch ein Schreiben an die Bischöfe, welche zur Synode nicht hatten kommen können, worin er sie von den Verhandlungen in Kenntnis setzt. Ich halte es für zweckdienlich, auch dieses Schreiben in mein Werk aufzunehmen, da es die fromme Gesinnung des Verfassers deutlich erkennen läßt.

Schreiben des Kaisers Konstantin an die abwesenden Bischöfe in Betreff der Konzilsbeschlüsse

„Konstantin Augustus an die Kirchen.

Da ich aus dem befriedigenden Stande der öffentlichen Angelegenheiten erfahren habe, wie groß die Güte der göttlichen Macht ist, so glaubte ich vor allem dieses mir zum Ziele setzen zu sollen, daß bei dem glückseligen Volke der katholischen Kirche ein und derselbe Glaube, aufrichtige Liebe und gleichgesinnte Frömmigkeit gegen den allmächtigen Gott erhalten bleibe. Nachdem aber in dieser Beziehung eine feste und dauerhafte Ordnung nicht anders zu erreichen war als dadurch, daß alle oder doch die meisten Bischöfe an einem Orte sich versammelten und jede auf die heilige Religion bezügliche Frage in Untersuchung gezogen würde: so sind zu diesem Zwecke so viele Bischöfe wie möglich zusammengekommen, und war auch ich selbst wie einer aus Euch zugegen — denn ich möchte nicht in Abrede stellen, was mich sehr erfreut, daß ich nämlich Euer Mitarbeiter gewesen bin — und wurde jeglichem Punkte eine entsprechende Untersuchung so lange gewidmet, bis das dem alles überwachenden Auge Gottes gefällige Urteil zugunsten der Einheit und Einmütigkeit zutage gefördert war, so daß also durchaus kein Grund mehr vorhanden ist zur Zwietracht oder zu Glaubensstreitigkeiten.

Da kam nun auch die Frage wegen des hochheiligen Osterfesttages zur Sprache und wurde einstimmig für gut befunden, daß alle allenthalben dasselbe an einem und demselben Tage begehen sollten. Denn was kann es für uns Schöneres und was Erhabeneres geben, als wenn dieses Fest, von dem wir unsere Hoffnung auf Unsterblichkeit herleiten, von allen unentwegt genau nach einer Ordnung und nach klarer Berechnung gefeiert wird? In erster Linie nun erschien es unwürdig, dieses hochheilige Fest zu begehen im Anschluß an die Gewohnheit der Juden, die ihre Hände mit ruchlosem Frevel befleckt haben und die darum verdientermaßen als Unreine geistig geblendet sind. Denn nachdem dieses Volk verworfen worden, ist es geziemend, eine richtigere Ordnung, wie wir sie vom ersten Leidenstage an bis zur Gegenwart befolgt haben, auch für alle Zukunft beizubehalten und zu beobachten. Nichts soll uns also gemeinsam sein mit jenem so feindseligen Volke der Juden! Denn wir haben durch unseren Erlöser einen anderen Weg kennen gelernt; es ist uns für die Übung unserer heiligsten Religion ein Weg vorgezeichnet, der gesetzmäßig und geziemend zugleich ist. Diesen wollen wir also, verehrteste Brüder, gemeinsam einschlagen und von dem häßlichen Zusammengehen mit jenen uns losmachen! Denn es ist doch wahrhaftig nicht am Platze, daß jene sich rühmen, als ob wir ohne ihre Anweisung nicht fähig wären, Ostern richtig zu feiern. Im Gegenteil, was werden diese noch Rechtes zu denken vermögen, die da nach jener Ermordung unseres Herrn ihren Verstand verloren haben und nicht durch irgendeine vernünftige Erwägung, sondern durch einen ungezügelten Drang sich leiten lassen, wohin sie die in ihnen herrschende wahnwitzige Neigung auch treiben mag? Daher sehen sie auch in diesem Punkte die Wahrheit nicht, so daß sie, immer zu den größten Irrtümern geneigt, anstatt die entsprechende Verbesserung vorzunehmen, lieber in einem und demselben Jahre ein zweites Osterfest feiern. Warum sollen wir also diesen folgen, die doch anerkanntermaßen in einem gewaltigen Irrtum sich befinden? Denn zum zweiten Male in einem und demselben Jahre Ostern zu feiern, das werden wir doch niemals über uns bringen können. Aber selbst wenn dieser Grund nicht vorläge, so wäre es doch Euere Pflicht, beständig mit aller Sorgfalt dahin zu wirken und darum zu beten, daß die Reinheit Euerer Gesinnung sich nicht durch irgendwelche Annäherung mit den Sitten ganz schlechter Menschen zu vermischen scheine.

Außerdem ist auch das zu bedenken, daß in einer so wichtigen Angelegenheit und bei der Feier eines solchen Festes das Vorhandensein einer Verschiedenheit ganz unzulässig ist. Denn nur einen Gedächtnistag unserer Befreiung oder, was dasselbe ist, seines hochheiligen Leidens hat uns unser Erlöser hinterlassen, nur eine sollte nach seinem Willen seine katholische Kirche sein, deren Glieder, wenn auch noch so sehr über viele und verschiedene Gegenden zerstreut, dennoch von einem Geiste, das ist von dem göttlichen Willen, belebt und erquickt werden. Darum möge die Einsicht Euerer Heiligkeit erwägen, wie sonderbar und unpassend es ist, wenn an den nämlichen Tagen die einen dem Fasten obliegen, andere dagegen miteinander Festmahle feiern, und wenn dann nach den Ostertagen die einen sich offen der festlichen Freude und Erholung hingeben, während andere noch dem vorgeschriebenen Fasten nachkommen. Aus diesem Grunde ist es also sicher der Wille der göttlichen Vorsehung, daß diese Angelegenheit die gebührende Verbesserung erfahre und in eine gemeinsame Form gebracht werde, was nach meinem Dafürhalten auch alle einsehen werden.

Da es also einmal angezeigt erschien, die Osterfeier so zu verbessern, daß wir nichts mit jenen vatermörderischen und gottesmörderischen Menschen gemein haben, und da ferner jene Ordnung nur gebilligt werden kann, welche alle Kirchen in den westlichen, südlichen und nördlichen Teilen der bewohnten Erde und auch einige in den morgenländischen Gegenden befolgen: so erachteten aus diesen Gründen alle es gegenwärtig für gut — und ich selbst bürgte dafür, daß es auch Euerer Einsicht entsprechen werde —, daß nämlich das, was in der Stadt Rom und in ganz Italien und Afrika, in Ägypten, Spanien, Gallien, Britannien, Libyen, in ganz Griechenland und in den Diözesen Asien und Pontus und in Zilizien einhellig und übereinstimmend beobachtet wird, daß dieses auch von Euerer Weisheit gebilligt und angenommen werde, indem Ihr erwäget, wie nicht nur die Zahl der in den vorgenannten Gegenden befindlichen Kirchen die größere ist, sondern auch, daß es Gott ganz besonders wohlgefällig ist, wenn alle übereinstimmend das wollen, was einerseits eine eingehende vernünftige Erwägung zu fordern scheint und was andrerseits mit dem meineidigen Wesen der Juden keine Gemeinschaft hat. Um endlich die Hauptsache kurz zusammen zu fassen, so hat es dem gemeinsamen Urteile aller gefallen, daß das hochheilige Osterfest an einem und demselben Tage gefeiert werde; denn es geziemt sich nicht, daß bei der Feier eines so heiligen Festes irgendein Unterschied obwalte, und dann ist es auch schöner, derjenigen Meinung zu folgen, bei welcher keinerlei Annäherung an fremdartigen Wahn und Irrtum sich findet.

Aus diesen Gründen möget Ihr also das himmlische Gnadengeschenk und die in Wahrheit von Gott herkommende Verordnung freudig entgegennehmen! Denn alles, was in den heiligen Versammlungen der Bischöfe beschlossen wird, das läßt sich auf den göttlichen Willen zurückführen. Indem wir daher allen unseren geliebten Brüdern das Vorstehende zu wissen tun, ist es nun Euere Pflicht, fortan den genannten Beschluß betreffend die genaue Feier des heiligsten Tages anzunehmen und durchzuführen, damit ich, wenn ich komme, den längst ersehnten Anblick Euerer Liebe zu genießen, das heilige Fest mit Euch an einem und demselben Tage begehen und in jeder Beziehung mit Euch mich freuen kann, wenn ich sehe, wie die Bosheit des Teufels von Gottes Macht in unserem Wirken überwunden wird und wie unser Glaube allenthalben lebendig ist und Friede und Eintracht blühen. — Gott möge Euch, geliebte Brüder, in seine Obhut nehmen!“

Getreideanweisungen zugunsten der Kirchen und andere vortreffliche Taten des Kaisers

Vorstehendes also schrieb der Kaiser an die Bischöfe, welche zur Synode nicht hatten kommen können. Denjenigen aber, die sich eingefunden hatten — es waren ihrer dreihundertachtzehn —, gab er zahlreiche Beweise seines Wohlwollens sowohl in Worten wie auch durch Geschenke. So ließ er viele Sitzpolster herrichten und gab allen zusammen ein Mahl, wobei er die Angeseheneren an seine eigene Tafel zog, die Übrigen dagegen auf die anderen Tische verteilte. Als er bemerkte, daß einigen das rechte Auge ausgestochen war, und erfuhr, daß ihre Standhaftigkeit im Glauben die Veranlassung zu dieser Marter gewesen sei, da preßte er seine Lippen an die Wunden, um, wie er glaubte, mit dem Kusse Segen aus ihnen zu ziehen. Als dann das Mahl zu Ende war, widmete er ihnen neuerdings weitere Geschenke. Ja er erließ sogar Schreiben an die Statthalter in den Provinzen, in denen er anordnete, daß in jeder Stadt den gottgeweihten Jungfrauen und Witwen und den für den Gottesdienst geweihten Personen jährliche Getreidelieferungen sollten angewiesen werden, wobei er mehr den Maßstab seiner Freigebigkeit als den des Bedürfnisses anlegte. Hiervon wird der dritte Teil noch bis heute verabreicht. Nachdem nämlich der gottlose Julian das Ganze auf einmal abgeschafft hatte, hat sein Nachfolger das, was jetzt noch gewährt wird, wieder zu liefern befohlen. Denn eine Hungersnot hatte damals die Einkünfte bedeutend geschmälert. Wenn nun aber das früher Gelieferte den dreifachen Betrag dessen ausmacht, was jetzt noch verabreicht wird, so kann jeder, der guten Willens ist, mit Leichtigkeit die hochherzige Gesinnung des Kaisers erkennen.

Aber auch folgendes glaube ich billgerweise nicht mit Stillschweigen übergehen zu dürfen. Streitsüchtige Menschen hatten gegen einige Bischöfe Anklageschriften verfaßt und dem Kaiser übergeben. Dieser aber band sie, da er sie vor Wiederherstellung der Einigkeit empfing, sofort zu einem Bündel zusammen, versiegelte sie mit seinem Fingerring und befahl sie wohl zu verwahren. Später aber, als er die Einigkeit zustande gebracht hatte, ließ er diese Anklageschriften herbeibringen und verbrannte sie in Gegenwart aller, nachdem er eidlich erklärt hatte, nichts von dem darin Enthaltenen gelesen zu haben. Denn die Fehltritte der Priester, sagte er, dürfen nicht der Menge bekannt gemacht werden, damit diese nicht daraus Anlaß zum Ärgernis nehme und ohne Scheu sündige. Ja man sagt, er habe auch noch folgendes hinzugefügt: wenn er mit eigenen Augen sähe, wie ein Bischof eines andern Mannes Ehe bräche, so würde er solche Freveltat mit seinem Purpurmantel zudecken, damit nicht deren Anblick denen, die sie sehen könnten, zum Schaden gereichte.

Nachdem er in solcher Weise die Priester ermahnt und so großer Ehre sie gewürdigt hatte, forderte er sie auf, sie möchten jeder wieder zu seiner Herde zurückkehren.

Schreiben des Bischofs Eusebius von Cäsarea über das in Nizäa aufgestellte Glaubensbekenntnis

Ich aber will jetzt wegen der Unverschämtheit der Arianer, die nicht nur die uns mit ihnen gemeinsamen Väter verachten, sondern auch ihre eigenen verleugnen, den Brief des Eusebius von Cäsarea, welchen er in Betreff des Glaubens geschrieben hat, in meine Darstellung aufnehmen, weil derselbe eine klare und deutliche Verurteilung ihrer Kampfesweise enthält. Während sie nämlich diesen als Gesinnungsgenossen hochhalten, widersprechen sie direkt dem, was er geschrieben hat. Er richtete dieses Schreiben an einige arianisch Gesinnte, welche ihm, wie es scheint, Preisgabe seiner Glaubensüberzeugung zum Vorwurf gemacht hatten. Jedoch wird das Schriftstück selbst am besten die Absicht des Verfassers kundgeben.

Brief des Bischofs Eusebius von Cäsarea in Palästina, den er von Nizäa aus schrieb, als daselbst die große Synode versammelt war.

“Über die Verhandlungen auf der großen in Nizäa versammelten Synode in Betreff des kirchlichen Glaubens habt Ihr wahrscheinlich schon von anderer Seite Kunde erhalten, da ja das Gerücht dem genauen Berichte über die Ereignisse vorauszueilen pflegt. Damit jedoch nicht infolge eines solchen Hörensagens der wahre Verlauf in entstellter Weise Euch zu Ohren komme, sind wir genötigt, Euch zunächst das von uns in Vorschlag gebrachte Glaubensbekenntnis zu übersenden und dann auch das andere, das man nach Beifügung einiger Zusätze zu dem unsrigen wirklich angenommen und veröffentlicht hat. Das von uns eingereichte Bekenntnis, das in Gegenwart unseres gottgeliebtesten Kaisers vorgelesen und für gut und recht befunden wurde, hat folgende Fassung:

Das von uns entworfene Glaubensbekenntnis. Wie wir es von den früheren Bischöfen im ersten christlichen Unterricht und beim Empfang des Taufbades vernommen haben, wie wir es aus den göttlichen Schriften gelernt haben und wie wir dann selbst in unserem priesterlichen und bischöflichen Amte geglaubt und gelehrt haben: so glauben wir auch jetzt und legen diesen unseren Glauben zur Bestätigung vor. Derselbe ist folgender:

„Wir glauben an einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge; und an einen Herrn Jesus Christus, das Wort Gottes, Gott von Gott, Licht vom Lichte, Leben vom Leben, den eingeborenen Sohn, den Erstgeborenen aller Schöpfung, der vor allen Zeiten aus dem Vater gezeugt ist, durch den auch alles geworden ist; der um unseres Heiles willen Fleisch geworden ist und unter den Menschen gewohnt hat, der gelitten hat und am dritten Tage wieder auferstanden ist und aufgefahren zum Vater und in Herrlichkeit wiederkommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Wir glauben auch an einen Heiligen Geist.

Wir glauben ferner, daß von diesen jeder ist und existiert, der Vater in Wahrheit Vater, der Sohn in Wahrheit Sohn und der Heilige Geist in Wahrheit Heiliger Geist, wie auch unser Herr sprach, als er seine Jünger zur Predigt aussandte: „Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Und wir versichern auf das Bestimmteste, daß wir hierüber wirklich so denken und so glauben, und daß wir von jeher so gedacht haben und daß wir bis zum Tode für diesen Glauben einstehen werden, indem wir jede gottlose Irrlehre verdammen. Wir rufen Gott den Allmächtigen und unsern Herrn Jesus Christus zum Zeugen an, daß wir in unserem Herzen und in unserer Seele so gedacht haben, seitdem wir um uns wissen, und daß wir auch jetzt in Wahrheit so denken und sprechen, und können auch durch Beweise dartun und Euch überzeugen, daß wir auch in den vergangenen Zeiten so geglaubt und gepredigt haben.“

Gegenüber diesem von uns vorgelegten Glaubensbekenntnisse war kein Grund zum Widerspruch vorhanden. Im Gegenteil, unser gottgeliebtester Kaiser selbst bezeugte als der erste die Richtigkeit desselben; er gestand, daß er ebenfalls so denke, und knüpfte daran die Aufforderung, alle möchten diesem Bekenntnisse beitreten, die Glaubenssätze unterschreiben und auf eben diese sich einigen, nur sollte noch das eine Wort „gleichwesentlich” hinzugefügt werden. Aber auch dieses Wort erklärte er selbst wieder, indem er sagte, daß der Sohn nicht in derselben Weise gleich wesentlich genannt werde, wie die Körper infolge ihrer Entwicklung, und daß er weder durch eine Teilung noch durch irgendeine Abtrennung von dem Vater sein Dasein habe; denn die immaterielle, geistige und körperlose Natur könne unmöglich einer körperlichen Veränderung unterworfen sein; es gezieme sich vielmehr, derartige Dinge im göttlichen und geheimnisvollen Sinne zu verstehen. So suchte also unser überaus weiser und gläubigfrommer Kaiser derartige Schwierigkeiten philosophisch zu lösen, die anderen (die Bischöfe) aber verfaßten zum Zweck der Beifügung des Ausdrucks „gleichwesentlich“ folgendes Schriftstück.

Das auf der Synode veröffentlichte Glaubensbekenntnis.

„Wir glauben an einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge; und an einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, gezeugt aus dem Vater als der Eingeborene, das heißt aus dem Wesen des Vaters, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gotte , gezeugt, nicht geschaffen, gleich wesentlich dem Vater, durch den alles wurde, sowohl was im Himmel als auch was auf Erden ist; der um uns Menschen und unseres Heiles willen herabgekommen und Fleisch und Mensch geworden ist, gelitten hat und auferstanden ist am dritten Tage, der aufgefahren ist zu den Himmeln und wiederkommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten; und an den Heiligen Geist. Diejenigen aber, welche sagen: „Es gab eine Zeit, da er nicht war“, und: „Bevor er gezeugt wurde, war er nicht“, und daß er „aus nicht Seiendem geworden“, oder die sagen, daß er, der Sohn Gottes, aus einer andern Substanz oder Wesenheit, oder daß er veränderlich oder dem Wechsel unterworfen sei: diese alle belegt die heilige, katholische und apostolische Kirche mit dem Banne.“

Wir wollen hier auch nicht übergehen, daß die Bischöfe, nachdem sie vorstehendes Schriftstück verlesen hatten, nicht unerörtert ließen, in welchem Sinne die Ausdrücke „aus dem Wesen des Vaters“ und „dem Vater wesensgleich“ von ihnen gebraucht wurden. Es wurden nämlich durch dieselben Fragen und Antworten veranlaßt und der Sinn dieser Worte sorgfältig erwogen. Endlich wurde einstimmig von ihnen anerkannt, daß die Bezeichnung „aus dem Wesen“ besagen wolle, daß der Sohn das Sein aus dem Vater habe, nicht aber, daß er gewissermaßen ein Teil des Vaters sei. Dieser Auffassung glaubten auch wir mit Fug und Recht beistimmen zu sollen, da ja die rechtgläubige Lehre bekennt, daß der Sohn aus dem Vater sei, nicht aber daß er ein Teil seines Wesens sei. Deshalb traten auch wir dieser Auffassung bei und wiesen auch den Ausdruck (aus dem Wesen des Vaters) nicht zurück, indem wir dabei den Zweck vor Augen hatten, einerseits dem Frieden zu dienen und andererseits doch von der richtigen Auffassung nicht abzuweichen.

Ebenso haben wir auch die Formel „gezeugt und nicht gemacht“ angenommen, da sie erklärten, der Ausdruck „gemacht“ sei die allgemeine Bezeichnung für die übrigen, durch den Sohn geschaffenen Wesen, mit denen doch der Sohn keine Ähnlichkeit habe. Daher sei er auch kein Geschöpf ähnlich den durch ihn gewordenen Dingen, sondern er besitze eine vollkommenere Wesenheit als jegliches Geschöpf, eine Wesenheit, die nach der Lehre der Heiligen Schrift aus dem Vater gezeugt sei, jedoch so, daß die Art und Weise der Zeugung für jede geschaffene Natur unaussprechlich und unerforschlich sei.

Desgleichen stellte die Untersuchung auch den Sinn des Ausdruckes fest, daß der Sohn dem Vater gleichwesentlich sei: daß er dieses sei nicht nach Art der Körper noch auch ähnlich wie bei den sterblichen Wesen, nämlich nicht durch eine Teilung des Wesens, nicht durch eine Abtrennung, auch nicht durch irgendein Erleiden oder eine Wandlung oder Veränderung der Macht des Vaters; denn all diesem sei die ungezeugte Natur des Vaters fremd; vielmehr besage der Ausdruck „gleichwesentlich dem Vater“, daß der Sohn Gottes keinerlei Ähnlichkeit mit den gewordenen Geschöpfen an sich trage, sondern allein dem Vater, seinem Erzeuger, in jeglicher Beziehung ähnlich sei, und daß er nicht aus irgendeiner anderen Substanz und Wesenheit, sondern aus dem Vater sei. Nachdem so auch dieser Ausdruck in der genannten Weise erklärt worden war, hielten wir es für angemessen, demselben beizupflichten, zumal da wir erfuhren, daß schon von den Alten einige gelehrte und angesehene Bischöfe und Schriftsteller in ihrer Lehre von der Gottheit des Vaters und des Sohnes sich übereinstimmend der Bezeichnung, „gleichwesentlich“ bedient haben.

Soviel möge gesagt sein in Betreff des Glaubensbekenntnisses, dem wir alle zustimmten, nicht ohne vorgängige Untersuchung, sondern auf Grund der abgegebenen Begriffserläuterungen, welche in Gegenwart des gottgeliebtesten Kaisers selbst geprüft und aus den angeführten Gründen allgemein angenommen wurden.

Auch den Anathematismus, der von ihnen dem Glaubensbekenntnis angefügt wurde, glaubten wir annehmen zu sollen, weil er ein Schutzmittel ist gegen den Gebrauch von Ausdrücken, die nicht schriftgemäß sind, durch welche Ausdrücke beinahe die ganze Unruhe und Verwirrung in der Kirche entstanden ist. Da nämlich keine von Gott inspirierte Schrift sich der Ausdrücke „aus dem Nichts“ und „es gab eine Zeit, wo er nicht war“ und der übrigen Bezeichnungen bedient, so schien es nicht vernünftig zu sein, Derartiges zu sagen und zu lehren. Darum schlossen wir uns auch dieser Verurteilung an, weil sie uns zweckmäßig erschien, zumal wir auch früher nicht gewohnt waren, uns gleich jenen (den Arianern) dieser Ausdrücke zu bedienen.

Ferner wurde auch die Anathematisierung der Formel: „Bevor er gezeugt wurde, war er nicht“, für nicht unstatthaft gehalten, da alle darin übereinstimmen, daß er (der Logos) der Sohn Gottes ist auch vor seiner Geburt dem Fleische nach. Außerdem hat unser gottgeliebtester Kaiser bereits den Beweis erbracht, daß er auch seiner göttlichen Zeugung nach vor allen Zeiten sei, da er schon vor seiner wirklichen Erzeugung der Potenz nach auf ungezeugte Weise im Vater existierte, weil ja der Vater immer Vater ist, wie er auch immer König und Erlöser und der Potenz nach alles ist und sich immer auf die gleiche und eben dieselbe Art und Weise verhält (d. h. unveränderlich ist).

Diesen Bericht fühlten wir uns gedrängt, Euch, Geliebte, zu senden und Euch das Ergebnis unserer Untersuchung und den Grund unserer Zustimmung offen darzulegen, damit Ihr sehet, wie wir mit vollem Recht zuerst und bis zur letzten Stunde standhaft blieben, so lange, als uns die abweichenden Ausdrücke anstößig vorkamen, wie wir aber später frei von aller Streitsucht die nicht mehr anstößigen Ausdrücke annahmen, sobald sie uns nach verständiger Prüfung des Sinnes der Worte als offenbar gleichbedeutend erschienen mit dem Bekenntnisse, das wir selbst in unserem vorher eingereichten Entwurf einer Glaubensformel niedergelegt hatten.“

Widerlegung der jetzt von den Arianern vorgebrachten Verleumdungen aus den Schriften des Bischofs Eusebius von Cäsarea

Daß die Bezeichnung „gleichwesentlich“ nicht etwa eine neue, auch nicht eine von den damals versammelten Vätern erfundene, sondern eine von früher her, von den Vorfahren auf die Nachkommen vererbte Bezeichnung ist, dafür hat Eusebius ausdrücklich Zeugnis abgelegt. Daß aber auch alle damals versammelten Väter einstimmig das vorgelegte Glaubensbekenntnis annahmen, sagt er an derselben Stelle und bezeugt es wieder in einer anderen Schrift, in der er die Tätigkeit des großen Konstantin mit Lobsprüchen erhebt. Er drückt sich folgendermaßen aus:

„Nachdem er (der Kaiser) dieses in lateinischer Sprache vorgetragen und ein anderer es übersetzt hatte, gab er das Wort den Vorsitzenden der Synode. Da fingen nun die einen an, ihren Nachbarn Vorwürfe zu machen, diese aber verteidigten sich und machten Gegenvorwürfe. Wie man nun von beiden Seiten sich einander vieles vorrückte und so gleich anfangs ein heftiger Streit entstand, hörte der Kaiser alles geduldig an, nahm die vorgebrachten Klagen mit gespannter Aufmerksamkeit entgegen, ging dann der Reihe nach auf die von beiden Seiten erhobenen Beschwerden ein und brachte so allmählich die streitsüchtig Widerstrebenden einander näher. Und als er sich dann leidenschaftslos mit jedem einzelnen in griechischer Sprache unterhielt — denn auch dieser Sprache war er nicht unkundig —, da war er sozusagen süß und angenehm, wie er die einen durch gütiges Zureden zu seiner Meinung bekehrte, andere durch beschämende Worte gewann, wieder andere, die vernünftig sprachen, belobte, alle aber zur Einheit der Gesinnung zurückzuführen suchte, bis er sie in allen strittigen Punkten zu einerlei Meinung und Ansicht gebracht hatte, so daß ein übereinstimmender Glaube unter ihnen herrschte und auch für das Fest der Erlösung (Osterfest) derselbe Zeitpunkt von allen angenommen wurde. Das gemeinsam Beschlossene wurde dann sofort auch schriftlich durch Unterzeichnung eines jeden einzelnen bestätigt.“

Und kurz nachher fügte er noch folgendes hinzu:

„So nahm er von ihnen Abschied und ließ sie alle in ihre Heimat zurückkehren. Sie gingen aber nach Hause in freudiger Stimmung, und es herrschte fortan bei ihnen allen nur eine Gesinnung, wie sie in der unmittelbaren Nähe des Kaisers in Einklang gebracht worden war, so daß diejenigen, welche seit langer Zeit getrennt gewesen, nunmehr wieder miteinander verbunden waren wie zu einem Körper. In seiner Freude über den errungenen Erfolg ließ der Kaiser auch den Bischöfen, welche der Synode nicht beigewohnt hatten, die herrliche Frucht derselben durch Briefe zukommen, und ebenso ließ er der ganzen Bevölkerung, sowohl der ländlichen wie der städtischen, reichliche Geldspenden verabreichen, um dadurch die Festfeier seiner zwanzigjährigen Regierung auszuzeichnen.“

Es sollten daher die Arianer, auch wenn sie den anderen Vätern zu widersprechen nicht für sündhaft halten, so doch wenigstens diesem, den sie sonst hochzuschätzen pflegen, Glauben schenken, wenn er lehrt, daß jenes Bekenntnis einstimmig zustande gekommen sei. Da sie aber auch gegen die Ansichten ihrer eigenen Väter ankämpfen, sollten sie sich doch das schmähliche und schaudervolle Ende des Arius vor Augen halten und deshalb die von ihm ersonnene gottlose Lehre aus allen Kräften fliehen. Weil aber wahrscheinlich nicht alle die Art seines Todes kennen, so will ich auch diesen, so wie er sich zutrug, zur Darstellung bringen.

Der Tod des Arius, nach einem Schreiben des Athanasius (336)

Arius hatte die meiste Zeit in Alexandrien zugebracht und wollte jetzt wieder in die kirchlichen Versammlungen sich eindrängen, indem er seine Gottlosigkeit verleugnete und das von den Vätern aufgestellte Glaubensbekenntnis anzunehmen vorgab. Da er aber hierfür weder den göttlichen Alexander gewinnen konnte noch den Athanasius, dessen Nachfolger wie in der Bischofswürde, so auch in der frommen Rechtgläubigkeit, so wandte er sich mit Hilfe des Eusebius von Nikomedien wieder nach Konstantinopel. Welche List und Rührigkeit er nun dort entfaltete und was für ein Urteil er von dem gerechten Richter empfing, das hat ganz gut der in jeder Hinsicht ausgezeichnete Athanasius in seinem Brief an Apion auseinandergesetzt. Daher will ich auch den betreffenden Abschnitt meinem Werke einverleiben.

„Ich selbst war nicht in Konstantinopel, als jener sein Ende fand, aber der Priester Makarius befand sich daselbst, und aus seinem Munde habe ich es vernommen. Arius war auf Betreiben der eusebianischen Partei vom Kaiser Konstantin (zur Audienz) berufen worden. Als Arius eintrat, fragte ihn der Kaiser, ob er den Glauben der katholischen Kirche habe. Dieser beschwor darauf seine Rechtgläubigkeit und übergab ein schriftliches Glaubensbekenntnis, in dem er die Irrtümer, um derentwillen er von dem Bischofe Alexander aus der Kirche ausgeschlossen worden war, vorsichtig verschwieg und heuchlerisch nur die Ausdrücke der Heiligen Schrift zur Anwendung brachte. Da er also mit einem Eide bekräftigte, keineswegs die Ansichten gehabt zu haben, wegen deren ihn Alexander ausgeschlossen, so entließ ihn der Kaiser mit den Worten: „Wenn dein Glaube der rechte ist, so ist auch dein Schwur recht und gut; ist aber dein Glaube falsch und du hast dennoch geschworen, dann möge Gott im Himmel deine Sache richten!“ Nachdem er nun in dieser Weise vom Kaiser entlassen worden war, wollten ihn die Eusebianer mit gewohnter Gewalttätigkeit in die Kirche einführen. Aber der Bischof von Konstantinopel, der selige Alexander, widersetzte sich dieser Absicht, indem er erklärte, der Urheber der Häresie dürfe nicht in die Kirchengemeinschaft aufgenommen werden. Da stießen die Eusebianer die Drohung aus: „Wie wir gegen eueren Willen es durchgesetzt haben, daß er vom Kaiser berufen wurde, so wird Arius morgen mit uns in dieser Kirche die heiligen Geheimnisse feiern, auch wenn es dir nicht recht ist.“ Es war ein Samstag, als Eusebius dieses sagte.

Da nun der Bischof Alexander solches hörte, ward er sehr betrübt, ging in die Kirche und erhob flehend und jammernd seine Hände zu Gott, warf sich dann im Heiligtum auf sein Angesicht nieder und betete so auf dem Boden liegend mit Inbrunst. Zugegen war auch Makarius, der mit ihm betete und seine Worte hörte. Alexander flehte aber um ein Zweifaches, indem er sprach: „Wenn Arius morgen an den heiligen Geheimnissen teilnimmt, so nimm mich, deinen Diener, hinweg, und laß nicht den Frommgläubigen mit dem Gottlosen zugrunde gehen; wenn du dich aber deiner Kirche erbarmst, und ich weiß, daß du dich erbarmst, so schau auf die Worte der Eusebianer, überlaß dein Erbe nicht der Vernichtung und Schande, sondern nimm den Arius hinweg, auf daß mit seinem Einzug in die Kirche nicht auch die Irrlehre einzuziehen scheine und daß fürderhin die Gottlosigkeit nicht gleich geachtet werde mit der frommen Rechtgläubigkeit.“ So betete der Bischof, dann aber zog er sich zurück voll Sorge und Kummer. Und nun geschah etwas Wunderbares und Unerwartetes. Die Eusebianer hatten gedroht, der Bischof betete, Arius aber, durch die Eusebianer zuversichtlich gemacht, erging sich in vielen Prahlereien, begab sich in einen Abort, anscheinend um eines natürlichen Bedürfnisses willen, da plötzlich stürzte er, wie geschrieben steht, vornüber und borst mitten entzwei und hauchte am Boden liegend sofort seine Seele aus und ging so beider verlustig, sowohl der kirchlichen Gemeinschaft wie auch des Lebens.

Von dieser Art war also das Ende des Arius. Die Eusebianer begruben, tiefbeschämt, ihren Gesinnungsgenossen, der selige Alexander aber feierte mit seiner freudig erregten Gemeinde die heiligen Geheimnisse in frommem Sinn und rechtem Glauben, mit allen Brüdern betend und Gott lobpreisend, nicht als ob er über den Todesfall sich gefreut hätte, das sei ferne! denn allen Menschen ist es gesetzt, einmal zu sterben, sondern weil hierin ein Urteil über aller Menschen Urteil sich geoffenbart hatte. Denn der Herr selbst hatte gerichtet zwischen den Drohungen der Eusebianer und dem Gebete des Alexander, er hatte die arianische Irrlehre verdammt, indem er zeigte, daß sie der kirchlichen Gemeinschaft nicht würdig sei, und indem er allen kundgab, daß diese Irrlehre, wenn sie auch vom Kaiser und allen Menschen Zeugnis und Schutz hätte, dennoch von der Wahrheit selbst verworfen worden sei.“

Solche Frucht erntete also Arius von seiner bösen Aussaat, und indem er von den künftigen Peinen bereits den Anfang schaute, wurde er durch seine Strafe zum Ankläger seiner eigenen Gottlosigkeit.

Doch ich will jetzt dazu übergehen, von der Frömmigkeit des Kaisers zu handeln. Derselbe schickte nämlich an alle der römischen Herrschaft unterworfenen Völker Briefe, in denen er sie aufforderte, von dem früheren (heidnischen) Wahn abzulassen, und sie ermahnte, sich dafür die Kenntnis der Lehre unseres Erlösers anzueignen, und worin er allen den Weg zu dieser Wahrheit zu zeigen suchte. Die Bischöfe in den einzelnen Städten aber ermunterte er zum Bau von Kirchen, und zwar so, daß er sie nicht nur durch Briefe dazu anregte, sondern ihnen auch freigebig Geld dazu schenkte und die Mittel für den Bau anwies. Dies zeigen auch die Briefe, die folgenden Inhalt haben.

Schreiben des Kaisers Konstantin betreffs der Erbauung von Kirchen

„Konstantin, der Siegreiche, Großmächtige, Erhabene, dem Eusebius.

Da bis auf die gegenwärtige Zeit unheilige Bestrebungen und tyrannische Gewalt die Diener des göttlichen Erlösers verfolgten, so glaube ich, geliebtester Bruder, und habe ich mich genau davon überzeugt, daß bei allen Kirchen das Bauwerk entweder durch Sorglosigkeit in schlechten Zustand geraten oder aus Furcht vor der drohenden Ungerechtigkeit minder würdevoll ausgeführt worden ist. Nachdem aber jetzt die Freiheit gewährt und durch des höchsten Gottes Fürsorge und unsere Mitwirkung jener Drache von der Regierung des Staates entfernt worden ist, so glaube ich, daß nunmehr die göttliche Macht allen offenbar geworden ist und daß diejenigen, die entweder in Furcht oder im Unglauben oder in irgendwelchen Irrtümern befangen waren, nunmehr den wahrhaft Seienden erkennen und zu einer wahren und richtigen Ordnung ihres Lebens gelangen werden. Betreffs all der Kirchen nun, denen Du entweder selbst vorstehst oder denen in den einzelnen Orten nach Deinem Wissen andere Bischöfe und Priester oder Diakonen vorstehen, lasse die Mahnung ergehen, daß man für die Gebäulichkeiten der Kirche Sorge trage, daß man die vorhandenen Bauten ausbessere oder vergrößere oder da, wo das Bedürfnis es erheischt, neue aufführe. Dazu wirst Du Selbst und durch Deine Vermittlung die anderen das Nötige von den Statthaltern und der Provinzialbehörde fordern. Diese sind angewiesen, den Wünschen Deiner Heiligkeit mit allem Eifer nachzukommen. Gott möge Dich, geliebter Bruder, in seinen Schutz nehmen!“

Dieses also schrieb er in Betreff der Erbauung der Kirchen an die Bischöfe der einzelnen Provinzen. Was er dagegen in Betreff der Anfertigung der heiligen Bücher an den palästinensischen Eusebius schrieb, kann man wiederum aus dem Briefe selbst ersehen.

Schreiben Konstantins betreffs der Anfertigung der heiligen Bücher

“Konstantin, der Siegreiche, Großmächtige, Erhabene, dem Eusebius.

In der nach uns benannten Stadt hat sich durch die gnadenvolle Fügung des göttlichen Erlösers eine sehr große Menge von Menschen der heiligen Kirche zugewandt, so daß es bei dem gewaltigen Aufschwung aller Verhältnisse daselbst durchaus angemessen erscheint, auch mehr Kirchen in dieser Stadt zu erbauen. Vernimm darum mit bereitwilliger Geneigtheit, was unser Wille beschlossen hat. Ich halte es nämlich für das Richtige, dieses gerade Deiner Geschicklichkeit anzuvertrauen, daß Du von geübten und in ihrer Kunst wohlbewanderten Schönschreibern auf schön zubereitetem Pergament fünfzig leicht leserliche und für den Gebrauch handliche Exemplare anfertigen lassest, nämlich von jenen heiligen Schriften, deren Anschaffung und Gebrauch bei den gottesdienstlichen Gebeten und Lesungen nach Deiner Kenntnis besonders notwendig ist. Es ist auch von unserer Milde an den Finanzverwalter der Provinz ein Schreiben ergangen, daß er sich angelegen sein lasse, alle zu dieser Anfertigung erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Denn es wird Deine Sorge sein müssen, daß diese Bücher so schnell wie möglich hergestellt werden. Auch bist Du kraft dieses unseres Schreibens befugt, für die Überführung derselben zwei öffentliche Wagen in Anspruch zu nehmen. Denn so werden die schön geschriebenen Bücher bei weitem am leichtesten vor unser Angesicht gelangen, wobei natürlich die Leitung einer von den Diakonen Deiner Kirche übernimmt, der, wenn er zu uns kommt, unser Wohlwollen erfahren wird. Gott möge Dich, geliebter Bruder, in seinen Schutz nehmen!“

Dieses wäre nun allein schon hinreichend, um erkennen zu lassen, ja noch mehr, um klar zu zeigen, wie der allberühmte Kaiser jegliche Sorgfalt auf die göttlichen Dinge verwendete. Gleichwohl will ich dem Gesagten noch beifügen, was er in bezug auf das Grab des Erlösers Großartiges geleistet hat.

Nachdem er nämlich in Erfahrung gebracht hatte, wie die nach Art der Korybanten und Bacchanten sich gebärdenden Diener der Götzenbilder das Grab des Herrn verschüttet hatten, um so das Andenken an die Erlösung möglichst der Vergessenheit zu überliefern, und wie sie dann auf derselben Stelle, um die Geburt aus der Jungfrau zu verhöhnen, der Göttin der Ausschweifung einen Tempel errichtet hatten, befahl er jenen verabscheuungswürdigen Bau zu zerstören und jenen durch fluchwürdige Opfer befleckten Schutt wegzuschaffen und irgendwo weit entfernt von der Stadt abzuladen, sodann aber einen sehr großen und sehr schönen Tempel zu erbauen. Doch zeigt dieses alles noch anschaulicher der Brief, den er an den Vorsteher jener Kirche gerichtet hat. Es war dies Makarius, dessen wir schon früher Erwähnung getan haben, der auch an der großen Synode teilnahm und mit den übrigen Bischöfen die gotteslästerliche Lehre des Arius verurteilte.

Schreiben des Kaisers Konstantin an den Bischof Makarius von Jerusalem in Betreff der Erbauung des heiligen Tempels

„Konstantin, der Siegreiche, Großmächtige, Erhabene, dem Makarius.

So groß ist die Gnade unseres Erlösers, daß kein Aufwand an Worten des gegenwärtigen Wunders würdig zu sein scheint. Denn es übersteigt doch wahrlich alles Staunen, daß das Denkzeichen seines hochheiligen Leidens, in früheren Zeiten unter der Erde geborgen, während einer so langen Reihe von Jahren vergessen blieb, bis es seinen infolge der Vernichtung des gemeinsamen Feindes der ganzen Welt befreiten Dienern wieder erglänzen sollte. Denn wenn auch alle, die auf der ganzen Erde für weise gelten, an einem und demselben Orte zusammenkämen und etwas vorbringen wollten, was dieses Ereignisses würdig wäre, so würden sie das mit allem Wetteifer nicht im geringsten zustande bringen. So sehr übersteigt die in diesem Wunder liegende Beglaubigung jegliche mit menschlicher Vernunft begabte Natur, wie anerkanntermaßen das Göttliche mächtiger ist als das Menschliche. Darum ist dieses immer mein erstes und einziges Ziel, daß in demselben Grade, wie die Beglaubigung der Wahrheit täglich in neuen Wundern sich zeigt, auch unser aller Herzen in Sittsamkeit und gleichgesinnter Bereitwilligkeit immer eifriger werden in der Beobachtung des heiligen Gesetzes. Nachdem dieses, wie ich glaube, allen bekannt ist, möchte ich Dich besonders davon überzeugt wissen, daß mir mehr als an allen anderen Dingen daran gelegen ist, wie wir jenen heiligen Ort, den ich auf Gottes Geheiß von dem schändlicherweise dort aufgestellten Götzenbilde wie von einer drückenden Last befreit habe, jenen Ort, der von Anfang an nach dem Ratschlusse Gottes geheiligt ward und noch heiliger geworden ist, seitdem er das Wahrzeichen des erlösenden Leidens an das Tageslicht gebracht hat, wie wir diesen heiligen Ort nunmehr mit herrlichen Bauten schmücken können.

Es wird deshalb Sache Deiner Umsicht sein, solche Anordnungen zu treffen und für alles Notwendige so zu sorgen, daß nicht nur eine Basilika erstehe, herrlicher wie alle, die irgendwo sich finden, sondern daß auch alles daran so gestaltet werde, daß dieser Bau die schönsten Bauwerke jeglicher Stadt samt und sonders überstrahle. Was die Aufführung der Mauern und die künstlerische Ausschmückung derselben betrifft, so wisse, daß wir die Sorge dafür unserem Freunde Drakillian, der die Stelle der hochangesehenen Statthalter vertritt, und dem Provinzstatthalter übertragen haben. Es ist diesen nämlich von meiner Frömmigkeit der Auftrag gegeben worden, daß Künstler und Handwerker und alles, was ihnen Deine Klugheit als zum Bau notwendig bezeichnet, sofort durch ihre Fürsorge bereitgestellt werde. Hinsichtlich der Säulen und des Marmors mögest Du persönlich eine kurze Übersicht herstellen und schleunigst an uns berichten, was Du für das Kostbarste und Zweckdienlichste erachtest, damit dieses von allen Seiten her in solcher Menge und Beschaffenheit zusammengebracht werden kann, wie wir es aus Deinem Schreiben als notwendig erkennen werden. Denn es ist nur recht und billig, daß der wunderbarste Ort der Welt auch nach Gebühr geschmückt und ausgestattet werde.

Was ferner die Decke der Basilika betrifft, so möchte ich von Dir erfahren, ob sie nach Deiner Meinung getäfelt oder in irgendeiner anderen Weise hergestellt werden soll; wenn sie nämlich getäfelt werden soll, könnte das übrige mit Gold verziert werden. Es möge also Deine Heiligkeit den oben genannten Richtern möglichst bald bekannt geben, wieviel Handwerker und Künstler und wieviel Geldmittel erforderlich seien. Das Gleiche mögest Du aber sofort auch mir mitteilen, nicht nur was den Marmor und die Säulen, sondern auch was die Täfelung betrifft, wenn Du anders diese für schöner halten solltest. Gott möge Dich, geliebter Bruder, in seinen Schutz nehmen!“

Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, die Auffindung des ehrwürdigen Kreuzesholzes, ihr Eifer für die Erbauung des heiligen Tempels

Dieses Schreiben überbrachte niemand anderer als die Mutter des Kaisers selbst, jene glückliche und von allen Gutgesinnten gepriesene Mutter eines so herrlichen Sohnes, welche diesem großen, leuchtenden Gestirn das Leben gegeben und die Nahrung der Frömmigkeit gereicht hatte. Dieselbe unterzog sich den Mühseligkeiten der Reise und achtete nicht auf die Beschwerden des Alters; denn sie unternahm diese Reise nur kurze Zeit vor ihrem Ende; sie vollendete aber ihr Leben im Alter von achtzig Jahren. Als sie nun jenen Ort erblickte, der die für unsere gemeinsame Erlösung übernommenen Leiden geschaut hatte, da gab sie sogleich den Befehl, jenen fluchwürdigen Tempel zu zerstören und den Schutt wegzuschaffen. Wie nun das verborgene Grab bloßgelegt war, erblickte man bei dem Grabmal des Herrn drei Kreuze, die bisher ebenfalls mit Schutt bedeckt waren. Daß eines von diesen dasjenige unseres Herrn und Erlösers, die anderen aber von den mit ihm gekreuzigten Schächern seien, das nahmen alle ohne den geringsten Zweifel an; sie waren aber im ungewissen darüber, welches von ihnen den Leib des Herrn getragen und die Tropfen seines kostbaren Blutes aufgenommen habe. Doch jener so weise und wahrhaft göttliche Makarius, der Bischof der Stadt, löste den Zweifel in folgender Weise. Er berührte unter eifrigem Gebet eine vornehme, von einer langwierigen Krankheit befallene Frau mit einem jeden dieser Kreuze und entdeckte so die Kraft des Erlöserkreuzes. Denn kaum war dieses dem Weibe nahe gekommen, so vertrieb es sofort die heftige Krankheit und gab der Frau die frühere Gesundheit zurück.

Nachdem so die Mutter des Kaisers zur ersehnten Gewißheit gelangt war, fügte sie einen Teil der Nägel in den Helm des Kaisers ein, um für das Haupt ihres Sohnes Sorge zu tragen und die feindlichen Geschosse von demselben abzuwehren; einen anderen Teil aber ließ sie am Zaume seines Rosses anbringen, wobei sie sowohl auf die Sicherheit des Kaisers Bedacht nahm, als auch einer alten Prophezeiung zur Erfüllung verhalf. Denn schon in alten Zeiten hat der Prophet Zacharias verkündet: „Und das, was am Zügel ist, wird heilig sein dem Herrn, dem Allmächtigen.“ Von dem Kreuz des Erlösers aber bestimmte sie einen Teil für den kaiserlichen Palast, für den übrigen Teil ließ sie eine silberne Lade anfertigen und übergab sie dem Bischof der Stadt mit dem Auftrag, dieses Denkmal unserer Erlösung den künftigen Geschlechtern sorgfältig aufzubewahren. Dann ließ sie von allen Seiten Künstler kommen, die in der Bearbeitung der verschiedenartigen Stoffe erfahren waren, und jene so großartigen und glänzenden Tempelgebäude aufführen. Deren Schönheit und Großartigkeit ausführlich zu beschreiben, halte ich jedoch für ganz überflüssig, da sozusagen alle, die Gott lieben, dorthin eilen und die Pracht des Bauwerkes sich selbst ansehen.

Auch noch eine andere denkwürdige Tat vollbrachte jene von allen gepriesene und bewunderungswürdige Kaiserin. Sie ließ nämlich alle Jungfrauen, welche ihr ganzes Leben lang die Jungfräulichkeit bewahren wollten, zusammenkommen, hieß sie auf vielen Polstern sich niederlassen und übernahm nun selbst die Tätigkeit einer Magd, bediente sie, setzte ihnen Speise vor, reichte die Becher dar und schenkte Wein ein, brachte eine Kanne auf einem Waschbecken und goß Wasser über deren Hände. Nachdem sie dieses und Ähnliches getan, kehrte sie wieder zu ihrem Sohne zurück. Voll froher Zuversicht aber ging sie in das andere Leben hinüber, nachdem sie ihrem Sohne noch gar viele Ermahnungen zu einem frommen Leben erteilt und zum Abschied noch den letzten Segen gespendet hatte. Sie wurde dann auch nach ihrem Tode einer Ehre teilhaftig, wie sie derjenigen gebührte, die mit einem so besorgten und warmen Eifer dem Gott des Weltalls gedient hatte.

Die unkanonische Versetzung des Eusebius von Nikomedien nach Konstantinopel

Unterdessen hatten die Arianer ihre ruchlosen Pläne nicht aus den Augen gelassen. Sie hatten zwar das Glaubensbekenntnis unterschrieben, aber nur mit den Händen und in der Absicht, mit dem Schafspelze bekleidet die Tätigkeit der Wölfe ausführen zu können. Jener göttliche Alexander, der mit seinem Gebete den Arius zu Boden gestreckt hatte — ich meine den von Byzanz, so hieß nämlich damals noch Konstantinopel —, war zu einem besseren Leben hinübergegangen. Da kümmerte sich Eusebius, der Verteidiger der Gottlosigkeit, wenig um die Bestimmungen, die er selbst kurz vorher mit den anderen Bischöfen getroffen hatte, verließ sofort Nikomedien und riß den Stuhl von Konstantinopel an sich im Widerspruch mit jenem Kanon, der, wie den Priestern so auch den Bischöfen verbietet, von einer Stadt zu einer anderen überzugehen. Es ist freilich gar nicht zu verwundern, daß Menschen, welche so unsinnig gegen die Gottheit des Eingebornen ankämpfen, ohne Scheu auch die anderen Gesetze übertreten. Übrigens hatte er diese Neuerung jetzt nicht zum ersten Male unternommen, sondern eben dasselbe auch schon früher gewagt. Er war nämlich ehedem mit dem Bistum Berytus (Beirut) betraut, dann aber nach Nikomedien übergesiedelt; aber auch von hier war er nach der Synode wegen seiner offenkundigen Gottlosigkeit vertrieben worden, und mit ihm Theogonius von Nizäa. Auch dieses hat der Kaiser Konstantin schriftlich bezeugt. Ich will daher den Schluß seines Briefes in mein Werk aufnehmen. Er richtete denselben an die Nikomedier.

Schreiben des Kaisers Konstantin an die Nikomedier gegen Eusebius und Theogonius

“Wer ist es, der dem arglosen Volke solches beigebracht hat? Offenbar Eusebius, der Parteigänger tyrannischer Grausamkeit. Denn daß er in jeder Beziehung Anhänger des Tyrannen gewesen, kann man aus vielen Tatsachen ersehen. Es bezeugen dieses die Niedermetzelungen der Bischöfe, das heißt derjenigen, die wahrhaft Bischöfe waren, und es verkündet dieses laut die so schwer drückende Verfolgung der Christen. Ich will nichts sagen von seinem übermütigen Verhalten gegen mich, indem er zu der Zeit, wo die Gegenpartei in Zusammenkünften besonders rührig und tätig war, mich mit Späheraugen verfolgte und dem Tyrannen beinahe auch noch bewaffnete Hilfe geleistet hätte. Möge niemand glauben, daß ich etwa nicht imstande bin, dieses zu beweisen! Ein deutlicher Beweis hierfür ist die offenkundige Tatsache, daß die dem Eusebius anhängenden Priester und Diakonen öffentlich von mir überführt worden sind. Doch davon will ich nicht weiter reden. Ich habe dies auch jetzt nicht aus Ärger, sondern nur zu ihrer Beschämung vorgebracht. Das allein fürchte ich, das macht mir Sorge, daß ich sehen muß, wie Ihr zu Mitschuldigen des Verbrechens gemacht werdet. Denn durch die Verführung und das Ränkespiel des Eusebius ist Euer Inneres der Wahrheit entfremdet worden. Jedoch ist die Heilung nicht schwer, wenn Ihr wenigstens jetzt einen gläubigen und unbescholtenen Bischof erhaltet und Euere Augen auf Gott richtet, was gegenwärtig in Euerer Gewalt steht und auch schon früher von Euerer Entscheidung hätte abhängen sollen, wenn nicht der genannte Eusebius unter dem ränkevollen Schutz seiner Gesinnungsgenossen dorthin (zu Euch) gekommen wäre und die rechte Ordnung in unverschämter Weise gestört hätte.

Nachdem ich nun über eben diesen Eusebius Euerer Liebe einiges mitteilen mußte, so möge Euere Geduld sich erinnern, daß in der Stadt Nizäa eine Synode gehalten wurde, der ich auch selbst, der Stimme meines Gewissens folgend, beiwohnte, in keiner anderen Absicht, als alle zur Eintracht zu führen und vor allen Dingen jene Angelegenheit zu untersuchen und zu erledigen, die da ihren Anfang genommen hat mit dem unsinnigen Vorgehen des Arius von Alexandrien, die dann aber sofort an Kraft zugenommen hat durch den übel angebrachten und verderblichen Eifer des Eusebius. Was aber diesen Eusebius selbst betrifft, Geliebteste und Verehrteste, mit welcher Unruhe glaubt ihr wohl daß er dagestanden ist, als er von seinem eigenen Gewissen verurteilt wurde, mit welcher Beschämung, als seine falsche Lehre von allen Seiten zurückgewiesen wurde? Da schickte er zuerst verschiedene Mittelspersonen, welche für ihn Fürsprache einlegen sollten, dann begehrte er von mir selbst sozusagen Beistand, damit er nicht, auf einem so schweren Fehltritt betroffen, seines Amtes entsetzt würde. Zeuge dessen ist mir Gott selbst, der mir und Euch gewogen bleiben möge! Denn jener hat auch mich betrogen und schändlich hinter’s Licht geführt, wie auch Ihr einsehen werdet. Denn alles nahm damals genau den Verlauf, wie er ihn wünschte, da er alle und jegliche Bosheit in seinem Herzen verborgen trug.

Um jedoch seine sonstigen verkehrten Handlungen zu übergehen, so vernehmet vor allem, bitte ich, was er da neulich wieder geleistet hat in Verbindung mit Theogonius, dem Mitgehilfen seiner unsinnigen Bestrebungen! Einige Alexandriner, die von unserem Glauben abgefallen waren, hatte ich hierherzuschicken befohlen, weil durch deren Wirken die Flamme der Zwietracht angefacht wurde. Aber diese braven und guten Bischöfe, welche der Wahrspruch der Synode ein für allemal zur Buße bestimmt hatte, nahmen nicht nur jene auf und brachten sie bei sich in Sicherheit, sondern eigneten sich auch deren schlechte Gesinnung an. Daher beschloß ich, in folgender Weise gegen diese Undankbaren vorzugehen: ich befahl nämlich, sie zu ergreifen und so weit fort als nur möglich in die Verbannung zu schicken. Jetzt ist es Euere Pflicht, zu Gott aufzuschauen mit jenem Glauben, der anerkanntermaßen immer geherrscht hat und gebührenderweise auch jetzt herrschen soll, und sich so aufzuführen, wie zu unserer Freude sittenreine, rechtgläubige und menschenfreundliche Bischöfe sich verhalten. Wenn aber jemand es unklugerweise wagen sollte, sich zur Auffrischung des Andenkens oder zum Lobe jener verderblichen Menschen verleiten zu lassen, so wird er sofort durch das Eingreifen des Dieners Gottes, das ist durch mich, von seiner Verwegenheit zurückgeführt werden. Gott möge Euch, geliebte Brüder, in seinen Schutz nehmen!“

Damals wurden also diese Bischöfe abgesetzt und aus ihren Städten vertrieben; und Nikomedien wurde dem Amphion, Nizäa dem Chrestos anvertraut. Jene bedienten sich aber dann wieder ihrer gewohnten listigen Kunstgriffe, und als sie das menschenfreundliche Wesen des Kaisers der Täuschung zugänglich fanden, nahmen sie den Kampf von neuem auf und erlangten auch wieder den früheren Einfluß.

Hinterlistige Umtriebe des Eusebius und seiner Partei gegen den heiligen Eustathius, Bischof von Antiochien

Eusebius hatte also, wie bereits erwähnt, auch den Stuhl von Konstantinopel auf gewaltsame Weise an sich gebracht. Sobald er aber hierdurch eine größere Macht erlangt hatte und, nahe beim Kaiser weilend, durch den häufigeren Umgang mit demselben freimütiger und zuversichtlicher geworden war, da traf er seine hinterlistigen Veranstaltungen gegen die Verteidiger der Wahrheit. Zunächst stellte er sich, als hätte er ein großes Verlangen, Jerusalem zu sehen. Und nachdem er hierdurch den Kaiser berückt hatte, als ob er das berühmte Bauwerk in Augenschein nehmen wollte, reiste er unter den größten Ehrenbezeigungen ab, indem ihm der Kaiser Pferde und Wagen und die sonstige Reiseausrüstung zur Verfügung stellte. Mit ihm reiste auch Theogonius von Nizäa, der, wie wir schon früher erwähnten, der Genosse seiner bösen Pläne war.

In Antiochien fanden sie, da sie sich mit dem Schein der Freundschaft umgaben, die denkbar freundlichste Aufnahme; denn der Vorkämpfer der Wahrheit, der große Eustathius, erwies ihnen in jeder Beziehung ein brüderlich wohlwollendes Entgegenkommen. Als sie aber die heiligen Stätten erreicht hatten und dort ihre Gesinnungsgenossen zu Gesicht bekamen, den Eusebius von Cäsarea, Patrophilus von Scythopolis, Aëtius von Lydda, Theodotus von Laodicea und alle die anderen, welche von dem Aussatz des Arius angesteckt waren: da deckten sie ihre geheimen Absichten auf und kehrten mit ihren (eben genannten) Gesinnungsgenossen nach Antiochien zurück. Als Vorwand für das Mitreisen der übrigen Bischöfe diente die Ehre der Begleitung, der geheime Zweck aber bestand in dem Kampf gegen die fromme Rechtgläubigkeit. Sie dingten nämlich eine buhlerische Frauensperson, die ihre jugendlichen Reize öffentlich um Geld feilbot, und überredeten sie, ihnen ihre Zunge mietweise zu überlassen. Hierauf traten sie zum Gericht zusammen. Nachdem sie alle anderen hatten hinausgehen lassen, führten sie die unglückselige Frauensperson herein. Diese zeigte ein säugendes Kindlein und behauptete, dasselbe aus dem Umgang mit Eustathius empfangen und geboren zu haben und nannte ihn laut einen schamlosen Menschen. Da forderte sie dieser, der die offenbar stattgefundene Bestechung durchschaute, auf, einen etwaigen Mitwisser der Sache, wenn sie einen solchen habe, öffentlich vorzuführen. Als sie erwiderte, daß sie keinen Zeugen für ihre Anklage habe, legten ihr diese äußerst gerechten Richter einen Eid auf, obschon das Gesetz ausdrücklich vorschreibt, daß eine Aussage nur auf zwei oder drei Zeugen hin für wahr gelten solle, und obwohl der Apostel ganz deutlich bestimmt, daß man auch gegen einen Priester eine Anklage ohne zwei oder drei Zeugen nicht annehmen dürfe. Allein diese Verächter der göttlichen Gesetze nahmen gegen einen so hervorragenden Mann eine Anklage ohne alle Zeugen an. Nachdem jene ihrer Behauptung den Eidschwur beigefügt und laut beteuert hatte, daß das Kind ganz bestimmt von Eustathius sei, da fällten diese wahrheitsliebenden Männer schließlich über Eustathius wie über einen buhlerischen Menschen ihren Urteilsspruch. Weil jedoch die anderen Bischöfe — es waren nämlich nicht wenige zugegen, die für die apostolischen Satzungen einstanden und von den hinterlistigen Anschlägen gar nichts wußten — offen widersprachen und nicht zulassen wollten, daß der große Eustathius jenem gesetzwidrigen Urteil sich unterwerfe, so eilten die Veranstalter der Untat auf dem kürzesten Wege zum Kaiser und redeten ihm ein, daß die Anklage wahr und das Absetzungsurteil gerecht sei, und bewirkten, daß der Kämpfer für Wahrheit und Enthaltsamkeit wie ein buhlerischer und herrschsüchtiger Mensch in die Verbannung geschickt wurde.

Die nach dem Weggang des heiligen Eustathius in Antiochien aufgestellten häretischen Bischöfe

Dieser wurde also durch Thrazien in eine Stadt Illyriens abgeführt. Jene aber weihten an seiner Stelle zuerst den Eulalius. Derselbe lebte jedoch nur mehr kurze Zeit. Darauf wollten sie den Eusebius aus Palästina dorthin versetzen. Da aber dieser selbst die Versetzung nicht wünschte und der Kaiser sie untersagte, so wählten sie den Euphronius. Als auch dieser starb (er lebte nämlich nur mehr ein Jahr und wenige Monate nach der Weihe), übergaben sie den Stuhl jener Kirche dem Flacitus. Diese alle aber waren in gleicher Weise insgeheim mit dem Aussatz des Arius behaftet. Daher sonderten sich die meisten von denjenigen, welche am wahren Glauben festhalten wollten, aus der Geistlichkeit sowohl wie aus dem Volke, von den kirchlichen Zusammenkünften ab und hielten für sich getrennte Versammlungen. Diese nannte man allgemein Eustathianer, weil sie sich nach dem Weggang des Eustathius zu einer Partei zusammengeschlossen hatten. Jene unglückselige Frauensperson aber ward von einer schweren und langwierigen Krankheit befallen; da offenbarte sie die Umtriebe und deckte die Tragödie auf, indem sie nicht nur zweien oder dreien, sondern sehr vielen Priestern die geheimen Anschläge mitteilte. Sie bekannte nämlich, daß sie um des Geldes willen jene verleumderische Anklage gewagt habe. Doch sei ihr Eid nicht ganz und gar falsch; denn ihr Kind sei tatsächlich von einem Eustathius gewesen, aber von einem Kupferschmied dieses Namens.

Solch verwegene Taten wurden also in Antiochien von jener so edlen Partei unternommen.

Die Bekehrung der Indier

Bei den Indiern ging um diese Zeit das Licht der Gotteserkenntnis auf. Da nämlich die Tapferkeit und christliche Gesinnung des Kaisers allenthalben gerühmt wurde und die barbarischen Völkerschaften ringsum, durch Erfahrung klug geworden, den Frieden dem Kriege vorzogen, so verkehrten alle furchtlos miteinander, und viele unternahmen weite Reisen, die einen im Dienste der Wissenschaft, die anderen des Handels wegen. Damals begab sich nun ein gewisser Tyrier, der mit der auswärtigen (griechischen) Wissenschaft vertraut war, getrieben von dem Verlangen, das ferne Indien kennen zu lernen, mit zwei Jünglingen, seinen Neffen, auf die Reise. Nachdem er sein Verlangen gestillt hatte, kehrte er auf dem Seewege wieder zurück. Als aber ihr Schiff in einen Hafen einlief, um sich mit Wasser zu versorgen, da fielen die Barbaren über sie her, töteten die einen und machten die anderen zu Sklaven. Auch jener Tyrier befand sich unter den Ermordeten, die Jünglinge aber wurden vor den König geführt. Der eine von ihnen hieß Ädesius, der andere Frumentius. Als der Beherrscher jenes Landes sie nach längerer Prüfung als klug erkannte, betraute er sie mit der Sorge für sein Hauswesen. Wenn aber jemand das Gesagte nicht glauben will, so möge er an die Geschichte Josephs und an das ägyptische Reich denken; dazu möge er sich des Propheten Daniel erinnern und jener drei Kämpfer für das Gesetz Gottes. Denn auch diese waren zuerst Gefangene, erlangten aber später die Herrschaft in Babylon. Nachdem dann der König gestorben, blieben sie auch bei dem Sohne desselben und wurden noch größerer Ehre teilhaftig. Da sie aber im christlichen Glauben erzogen waren, so hielten sie die dorthin kommenden Kaufleute an, ihre gottesdienstlichen Versammlungen nach römischer Sitte zu feiern.

Nachdem so eine längere Zeit verflossen war, traten sie eines Tages vor den König und verlangten von ihm als Lohn für ihr Wohlverhalten die Erlaubnis zur Rückkehr in das Land ihrer Geburt. Als sie diese erhalten hatten, reisten sie in das Gebiet der Römer. Ädesius begab sich nach Tyrus, Frumentius aber stellte den Eifer für die Sache Gottes höher als das Wiedersehen der Eltern; er wandte sich nach Alexandrien und benachrichtigte den Vorsteher der Kirche, wie lebhaft die Indier nach dem Empfang des geistigen Lichtes verlangten. Das Steuerruder jener Kirche führte damals Athanasius. Als dieser seinen Bericht vernommen hatte, sprach er: „Und wer könnte besser als du bei jenem Volke die Finsternis der Unwissenheit verscheuchen und das Licht der göttlichen Predigt ihm bringen?“ Nach diesen Worten erteilte er ihm die hohepriesterliche Weihe und entsandte ihn zur Bekehrung jenes Volkes. Dieser verließ hierauf sein Vaterland, achtete auch nicht auf die Gefahren der weiten Seereise, kam glücklich zu dem noch heidnischen Volke und predigte demselben mit Eifer und unter dem Beistand der göttlichen Gnade den christlichen Glauben. Gleich den Aposteln wußte er nämlich mit Wundertaten diejenigen zu gewinnen, welche seinen Worten zu widersprechen wagten, und indem die Wunderkraft für seine Worte Zeugnis ablegte, führte sie täglich sehr viele dem Christentum zu.

Die Bekehrung der Iberer zum wahren Glauben

Den Indiern wurde also Frumentius Führer zur Erkenntnis Gottes. Die Iberer aber brachte um dieselbe Zeit eine kriegsgefangene Frau zur Wahrheit. Diese oblag nämlich beständig dem Gebete. Als Ruhestätte und weiches Lager diente ihr ein auf den Boden hingebreiteter Sack, als kostbarste Speise betrachtete sie das Fasten. Solche Selbstpeinigung verschaffte ihr apostolische Gnadengaben. Da nämlich die Barbaren aus Mangel an ärztlichen Kenntnissen gewohnt sind, im Falle einer Erkrankung einander aufzusuchen und jene, die schon krank gewesen und wieder von ihrem Übel genesen sind, um die Art und Weise ihrer Heilung zu fragen: so kam auch zu jener lobwürdigen Frau ein gewisses Weib mit einem kranken Kinde und mit dem innigen Verlangen, zu erfahren, was zu tun sei. Jene nahm nun das Kind, legte es auf ihr Bett und flehte zum Schöpfer des Weltalls um Erhörung und Heilung der Krankheit. Gott nahm die Bitte gnädig auf und gewährte die Gesundheit. Infolge dieses Ereignisses wurde die wunderbare Frau sehr berühmt. Selbst der Gemahlin des Königs blieb der Vorfall nicht verborgen. Diese schickte sofort nach ihr, weil sie auch selbst von einem schweren Leiden bedrängt war. Da aber jene demütigen Sinnes war, so wollte sie der Bitte der Königin nicht willfahren. Diese jedoch wollte, von der Not getrieben, auf ihre königliche Würde nicht weiter Rücksicht nehmen, sondern eilte selbst zu der Gefangenen hin. Letztere hinwiederum legte auch sie auf ihr unansehnliches Ruhebett und wandte als wirksames Heilmittel gegen die Krankheit das Gebet an. Für die erfolgte Heilung bot ihr sodann die Königin einen nach ihrem Dafürhalten wertvollen Lohn, Gold und Silber, Kleider und Mäntel und was dergleichen Geschenke königlicher Freigebigkeit mehr sind. Die heilige Frau erwiderte jedoch, solcher Dinge bedürfe sie nicht, dagegen würde sie es für einen großen Lohn halten, wenn sie (die Königin) die christliche Wahrheit kennen lernen wollte; und dann setzte sie ihr so gut wie möglich die göttlichen Lehren auseinander und mahnte sie, Christo, der sie gesund gemacht, ein Heiligtum zu errichten. Nachdem die Königin diese Worte vernommen, kehrte sie zum Palaste zurück. Sie versetzte sofort ihren Gatten ob der plötzlichen Heilung in lebhaftes Erstaunen; alsdann erzählte sie ihm von der Macht des Gottes der Gefangenen und legte ihm ans Herz, diesen allein als Gott anzuerkennen, ihm einen Tempel zu bauen und das ganze Volk dem Dienste desselben zuzuführen. Doch der König lobte und pries zwar das an seiner Gattin geschehene Wunder; von einem Tempelbau aber wollte er nichts wissen.

Kurze Zeit hernach begab er sich auf die Jagd. Da geschah es, daß der Herr in seiner Güte gegen die Menschen ihn selbst erjagte, so wie einst den Paulus. Es überfiel ihn nämlich plötzlich eine Finsternis und ließ ihn nicht weiter gehen. Während seine Jagdgenossen sich des Lichtes erfreuten wie sonst, war er allein behindert und in die Fesseln der Blindheit geschlagen. So konnte er den Weg zur Jagd nicht fortsetzen, fand aber dafür den Weg zum Heile. Sofort gedachte er nämlich seines Unglaubens, rief den Gott der Gefangenen als Helfer an und wurde so von der Finsternis (der Blindheit) wieder befreit. Und nun begab er sich zu jener ruhmwürdigen Gefangenen und bat sie, ihm den Plan des aufzuführenden Gebäudes mitzuteilen. Und derjenige, der dem Beseleel die Kunst des Bauens verliehen, gewährte auch ihr die Gnade, daß sie eine Zeichnung für den Tempel Gottes entwerfen konnte. Sie fertigte also den Plan, andere aber gruben und bauten. Nachdem der Bau vollendet und das Dach aufgesetzt war und nur noch die Priester fehlten, da fand jene bewunderungswürdige Frau auch hier wieder Mittel und Wege. Sie redete nämlich dem Fürsten des Volkes zu, an den römischen Kaiser eine Gesandtschaft abzuordnen mit der Bitte, ihnen einen Lehrer der christlichen Wahrheit zu senden. Dieser ging auf den Vorschlag ein und schickte die Gesandten. Als der Kaiser — es war dies Konstantin, der wärmste Förderer der christlichen Wahrheit — den Gegenstand ihrer Bitte vernahm, empfing er die Gesandten mit der größten Freundlichkeit und schickte dem Volke als Verkündiger der wahren Gotteserkenntnis einen Mann, der durch Glauben, Einsicht und tugendhaftes Leben ausgezeichnet und mit der hohenpriesterlichen Würde geschmückt war, zugleich mit sehr vielen Geschenken.

Eine solche Sorge wandte Konstantin denjenigen zu, die ihn darum baten. Aus freien Stücken aber nahm er sich der Jünger der christlichen Wahrheit in Persien an. Als er nämlich erfuhr, daß sie von den Heiden vertrieben würden, und daß ihnen ihr König, ein Sklave des Irrtums, vielerlei Nachstellungen bereite, richtete er an denselben ein Schreiben, ermahnte ihn zur Annahme der christlichen Religion und forderte ihn auf, die Christen ehrenvoll zu behandeln. Am besten wird jedoch der Brief selbst den Eifer des Verfassers bezeugen.

Schreiben des Kaisers Konstantin an Sabor, den König der Perser, in Betreff der Sorge für das Volk Gottes

„Wenn ich den göttlichen Glauben bewahre, nehme ich teil am Lichte der Wahrheit; wenn ich mich vom Lichte der Wahrheit leiten lasse, komme ich zur Erkenntnis des göttlichen Glaubens. Daraus ersehe ich, was auch die Tatsachen bestätigen, daß der so heilige Dienst Gottes ein Lehrmeister ist zur Erkenntnis des heiligsten Gottes. Ich bekenne offen, daß ich diesem Dienste Gottes ergeben bin. Im Kampfe gestützt auf die Macht dieses Gottes, habe ich, von den äußersten Grenzen des Ozeans angefangen, der Reihe nach den ganzen Erdkreis durch sichere Hoffnung auf Rettung aufgerichtet, so daß alle Länder, welche unter der Knechtung so furchtbarer Tyrannen schmachteten und, täglichem Unheil preisgegeben, dahinsiechten, durch ihre Teilnahme an der allgemeinen Besserung der staatlichen Verhältnisse gleichsam wie durch eine ärztliche Behandlung zu neuem Leben erweckt wurden. Diesen Gott verehre ich, sein Zeichen trägt mein gottgeweihtes Heer auf den Schultern, und wohin immer die Sache des Rechtes ruft, dahin zieht es, und sofort erhalte ich auch in den herrlichsten Siegen desselben den Dank dafür. Diesen Gott ehre ich, wie ich offen bekenne, durch immerwährendes Andenken an ihn; von diesem Gott erkenne ich ganz klar mit reinem und lauterem Sinn, daß er in der höchsten Höhe wohnt.

Diesen rufe ich auf den Knien liegend an, fliehe alles verabscheuungswürdige Blut, alle widrigen und abscheulichen Düfte und meide alles irdische Licht; denn mit all dem befleckt hat der gottlose und schändliche Irrtum viele Völker und ganze Geschlechter zugrunde gerichtet und der Unterwelt überliefert. Was nämlich der Gott des Weltalls aus Fürsorge für die Menschen und aus Liebe zu ihnen und zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse ins Dasein gerufen hat, das läßt er keineswegs nach der Lust des einzelnen gebrauchen oder mißbrauchen, sondern er verlangt von den Menschen ein ganz reines Herz und eine ganz makellose Seele und beurteilt darnach die Handlungen der Tugend und Frömmigkeit. Denn er freut sich an Werken der Güte und Milde, hat die Sanftmütigen gern, die Unruhigen haßt er, er liebt den Glauben und straft den Unglauben, stürzt jede mit Anmaßung verbundene Gewalt, züchtigt den Stolz der Übermütigen; die im Dünkel sich überheben, vertilgt er von Grund aus, die Demütigen und Geduldigen aber belohnt er nach Verdienst. So schätzt er auch eine gerechte Herrschaft gar hoch und macht sie stark durch seine Hilfe und nimmt den klugen Sinn des Königs in seinen Schutz durch Gewährung von Ruhe und Frieden.

Ich glaube mich nicht zu irren, mein Bruder, wenn ich bekenne, daß dieser Gott ist und Urheber und Vater von allem, den viele von unseren Kaisern, in wahnsinnigen Irrtümern befangen, zu leugnen unternommen haben. Aber sie alle hat zur Strafe hierfür ein so schreckliches Ende hinweggerafft, daß das ganze spätere Menschengeschlecht denen, die je Ähnliches anstreben möchten, statt eines anderen abschreckenden Beispieles nur deren unglückseliges Schicksal vor Augen stellen wird. Einer von diesen ist, glaube ich, jener gewesen, den der göttliche Zorn wie ein Sturmwind von hier hinweggeführt und Euerem Lande überliefert hat, daß er das bei Euch befindliche vielbesprochene Siegeszeichen abgebe als Zeichen seiner Schmach.

Es hat sich jedoch, wie es scheint, gut gefügt, daß auch in unserer Zeit die Rache sich an solchen Frevlern offen gezeigt hat. Ich sah nämlich selbst das Ende derjenigen, welche vor kurzem erst das gottgeweihte Volk durch ihre ruchlosen Anordnungen in Schrecken versetzt haben. Darum sei auch Gott inniger Dank dafür, daß durch die Fügung seiner weisen Vorsehung das ganze Menschengeschlecht, soweit es das Gesetz Gottes beobachtet, sich freuen und jubeln kann, da ihm der Friede wieder zurückgegeben ist. Ich bin daher auch selbst der festen Überzeugung, daß alles aufs beste und sicherste bestellt ist, wenn Gott sich würdigt, durch die reine und bewährte Religion dieser Menschen alle infolge ihrer gemeinsamen Anschauung in göttlichen Dingen um sich zu sammeln.

Wie sehr glaubst Du nun wohl, daß ich mich freue, da ich vernehme, es seien auch in Persien die herrlichsten Landschaften weithin, ganz so wie ich es wünsche, mit einer Schar dieser Leute geziert — ich meine natürlich die Christen, zu deren Gunsten ja mein ganzes Schreiben verfaßt ist. Möge es denn Dir aufs allerbeste ergehen und ebenso aufs beste auch diesen! Wie Dir, so auch ihnen! Denn so wirst Du den Herrn der Welt Dir milde, gnädig und geneigt machen. Diese also empfehle ich Dir, weil Du so mächtig bist, eben diese lege ich in Deine Hände, weil Du auch durch Frömmigkeit ausgezeichnet bist. Diese liebe so, wie es Deiner Menschenfreundlichkeit entsprechend ist. Denn durch Deinen ehrlichen Schutz wirst Du Dir selbst und auch uns eine unbeschreibliche Wohltat erweisen.“

Eine so große Sorge widmete der beste Kaiser den Christen; er kümmerte sich nicht nur um seine eigenen Untertanen, sondern nahm sich nach Kräften auch um diejenigen an, welche einer fremden Herrschaft unterworfen waren. Dafür erfreute er sich aber auch seinerseits des besonderen göttlichen Schutzes, und während er über ganz Europa und Libyen und dazu über den größten Teil von Asien herrschte, waren ihm seine Untergebenen in Liebe zugetan und folgten gerne seiner Leitung. Ja sogar die barbarischen Völkerschaften waren ihm Untertan, die einen freiwillig, die anderen durch den Krieg dazu gezwungen; und allenthalben wurden Trophäen errichtet und wurde der Kaiser als Sieger gefeiert. Indessen haben dieses schon andere ausführlicher dargelegt und verherrlicht. Wir wollen uns daher auf die Geschichtserzählung beschränken, die wir uns zur Aufgabe gesetzt haben.

Der allberühmte Kaiser trug also in seinem Herzen den Eifer der Apostel, andere dagegen, welche des hohenpriesterlichen Amtes gewürdigt waren, wollten nicht nur nicht aufbauen, sondern unternahmen es sogar, die Grundfesten der Kirche zu zerstören. Denn sie haben diejenigen, welche diese Grundfesten mitsamt den apostolischen Lehren schützten, mit den verschiedenartigsten Verleumdungen angegriffen, abgesetzt und vertrieben. Ihre Eifersucht war nämlich nicht damit zufrieden, gegen den großen Eustathius jene berüchtigte Untat verübt zu haben, sie unternahmen es vielmehr, noch ein weiteres sehr starkes Bollwerk der christlichen Wahrheit zu untergraben und bedienten sich hierzu der mannigfachsten Kniffe. In Kürze will ich auch diese Tragödie so gut als möglich erzählen.

Die gegen den heiligen Athanasius geschmiedeten Umtriebe

Als der bewunderungswürdige greise Alexander, der die gottlose Lehre des Arius verurteilt hatte, fünf Monate nach der Synode von Nizäa sein Leben beschloß, übernahm den Vorsitz der Kirche von Alexandrien Athanasius, ein Mann, der von Jugend auf in den göttlichen Wissenschaften erzogen worden war und auf jeder Stufe der kirchlichen Hierarchie sich ausgezeichnet hatte. Er hatte auf der großen Synode den Kampf für die apostolischen Lehren aufgenommen und dafür von den Verteidigern der Wahrheit allerdings Lob, von den Gegnern dagegen als deren Widersacher Haß und Feindschaft geerntet. Er war der Begleiter des großen Alexander, ein Jüngling zwar an Jahren, aber der erste in der Reihe der Diakonen. Da nun diejenigen, welche den eingebornen Gott zu bekämpfen beschlossen hatten, seinen Eifer für die Wahrheit aus eigener Erfahrung kannten, so betrachteten sie jetzt auf die Kunde hin, daß das Steuer der alexandrinischen Kirche in seine Hände gelegt sei, seine Regierung als das Ende ihrer Gottlosigkeit. Deshalb ersannen sie folgende Arglist.

Jener Melitius, den die nizänische Synode abgesetzt hatte, hielt auch weiterhin die Thebais und die angrenzenden Teile von Ägypten beständig in Unruhe und Verwirrung. Die Arianer bestachen nun einige von seinen Parteigängern, damit so die Anschuldigung nicht von vorneherein Verdacht errege, und bewogen sie, zum Kaiser zu eilen und die verleumderische Anklage zu erheben, daß Athanasius in Ägypten Steuern einhebe und das eingehende Geld einem gewissen Menschen übergebe, der nach der Herrschaft strebe. Und indem sie so die Ohren des Kaisers betörten, nötigten sie den Athanasius, nach Konstantinopel zu kommen. Dieser kam, bewies die vollständige Grundlosigkeit der Anschuldigung und erhielt die von Gott ihm anvertraute Kirche wieder zurück. Es bezeugt dieses auch der Kaiser in einem Schreiben an die alexandrinische Kirche, dessen Schluß ich meinem Werke hier einfügen will.

Schreiben des Kaisers Konstantin an die Alexandriner

„Nichts vermochten die Ruchlosen gegen Eueren Bischof. Glaubt mir das, meine Brüder! Sie sind um nichts anderes besorgt, als daß sie unsere Zeiten mit Bedrängnissen anfüllen und selbst in diesem Leben keine Zeit zur Buße mehr haben. Helfet Euch darum selbst, so bitte ich, pfleget Euere gegenseitige Liebe, verfolget mit aller Kraft diejenigen, welche Euch das Glück der Eintracht rauben wollen, und liebet Euch selbst im Aufblick zu Gott! Ich habe nämlich Eueren Bischof Athanasius freundlich aufgenommen und begrüßt wie einen Mann, von dem ich überzeugt bin, daß er ein Mann Gottes ist.“

Neue Verfolgungen des Athanasius

Indessen wurden die Ruchlosen auch durch diesen Mißerfolg nicht beschämt und zur Umkehr bewogen; sie ersannen vielmehr eine neue Freveltat, dergleichen noch keiner der alten Tragödien- oder Komödiendichter je ausgedacht hat. Sie warben nämlich neuerdings Ankläger aus derselben Partei und sandten sie zum Kaiser mit der bestimmten Behauptung, der gewandte Verteidiger der Tugend habe viele unaussprechliche Missetaten zu verüben gewagt. Als Führer dienten ihnen Eusebius, Theogonius und Theodor von Perinth (Perinth heißt jetzt Heraklea), welche erklärten, solche Dinge seien nicht zu ertragen, ja nicht einmal anzuhören. Sie redeten dem Kaiser zu, in Cäsarea in Palästina, wo die Übelgesinnten in der Mehrheit waren, eine Synode zu versammeln und dort über den Athanasius aburteilen zu lassen. Der Kaiser folgte ihnen als Bischöfen, denn von ihren hinterlistigen Absichten hatte er keine Ahnung, und gab den Befehl, daß es so geschehe. Doch der heilige Athanasius, der die schlimme Gesinnung der Richter durchschaute, kam nicht zu der Versammlung. Daraus entnahmen sie nun noch weiteren Anlaß zu falschen Anschuldigungen; und nachdem sie den Kampf gegen die Wahrheit einmal begonnen hatten, klagten sie ihn zu den sonstigen Verbrechen auch noch der Herrschsucht und Widersetzlichkeit an. Und sie sahen sich in ihrer Hoffnung durchaus nicht getäuscht. Denn der sonst so sanftmütige Kaiser wurde durch ihre Aussagen so erbittert, daß er an Athanasius ein Schreiben richtete, worin er seinem Unwillen Ausdruck verlieh und ihm befahl, nach Tyrus zu kommen. Dorthin hatte er nämlich inzwischen die Synode verlegt, da er nach meinem Dafürhalten vermutete, Cäsarea möchte dem Athanasius wegen des dortigen Bischofs von vornherein verdächtig sein. Er richtete aber auch an die Synode ein Schreiben, wie es für einen durch Frömmigkeit und Rechtgläubigkeit ausgezeichneten Mann geziemend war. Es lautet folgendermaßen.

Schreiben des Kaisers Konstantin an die Synode in Tyrus

“Konstantin, der Erhabene, an die heilige Synode in Tyrus.

Es wäre ohne Zweifel angemessen und unseren glücklichen Zeitverhältnissen ganz entsprechend, wenn die katholische Kirche von keiner Spaltung wüßte und die Diener Christi jetzt frei wären von jeglicher Schmähsucht. Da aber manche, von dem Stachel einer ungesunden Streitsucht getrieben (denn ich möchte nicht sagen: ihrer selbst unwürdig lebend), alles in Verwirrung zu bringen suchen, ein Unheil, das mir jedes andere Unglück noch zu überbieten scheint: deshalb ermahne ich Euch, die Ihr, wie man zu sagen pflegt, ohnedies bereits laufet, ohne allen Verzug zusammenzukommen und eine Synode zu halten, den Hilfsbedürftigen beizuspringen, die in Gefahr schwebenden Brüder zu heilen, die entzweiten Glieder zur Eintracht zurückzuführen, die Fehler wieder gut zu machen, so wie es die Zeit gestattet, damit Ihr diesen so großen Provinzen die gebührende Eintracht wieder zurückgebet, die — welch eine Verkehrtheit! — der Hochmut ganz weniger Menschen zerstört hat.

Daß aber dieses Gott, dem Herrn der Welt, wohlgefällig und uns über alles erwünscht ist, und Euch selber, wenn Ihr den Frieden wieder herstellt, ein außergewöhnliches Ansehen verschaffen wird, darin sind wohl alle Menschen einig. Zögert also nicht mehr, sondern spannet nun sofort all Eueren Eifer an, beeilet Euch, die vorliegenden Fragen in geziemender Weise zu erledigen; kommet also zusammen mit aller Aufrichtigkeit und mit vollem Glauben, den der Heiland, dem wir dienen, überall beinahe mit lauter Stimme insbesondere von uns fordert!

Von dem, was meiner Frömmigkeit obliegt, soll nichts fehlen. Von mir ist alles geschehen, was Ihr in Eurem Schreiben beantragt habt. Ich habe zu jenen Bischöfen geschickt, von denen Ihr dieses wünschtet, auf daß sie sich einfinden und mit Euch an den Beratungen teilnehmen; ich habe den Konsular Dionysius gesandt, der die Bischöfe, welche mit Euch bei der Synode zu erscheinen haben, daran erinnern, den Verhandlungen anwohnen, sie überwachen, vorzüglich aber für die Aufrechterhaltung der guten Ordnung Sorge tragen wird. Sollte nämlich jemand, was ich ja nicht erwarte, es versuchen, unseren Befehl auch diesmal zu umgehen und nicht erscheinen wollen, so wird von uns sofort ein Bote abgesandt werden, der ihn kraft kaiserlichen Auftrags absetzen und belehren wird, daß es nicht angeht, zugunsten der Wahrheit erlassenen kaiserlichen Befehlen Trotz zu bieten.

Es wird nun die Aufgabe Euerer Heiligkeit sein, mit einhelligem Urteil, weder von Haß noch von Zuneigung geleitet, sondern nach den kirchlichen und apostolischen Vorschriften für alles, was gesündigt oder aus Irrtum gefehlt worden ist, das entsprechende Heilmittel ausfindig zu machen, damit Ihr die Kirche von jeder Schmähung befreiet, mir meine Sorgen erleichtert, den jetzt Streitenden die Wohltat des Friedens zurückgebet und so Euch selbst den herrlichsten Ruhm erwerbet. Gott schütze Euch, geliebte Brüder!“

Wie sich nun die Bischöfe in Tyrus versammelten, kamen auch einige andere, die falscher Lehren beschuldigt wurden; einer von diesen war Asklepas von Gaza; es kam aber auch der bewunderungswürdige Athanasius. Ich will nun die traurige Geschichte der Anklage auseinandersetzen und dann erzählen, was sich bei der vielbesprochenen Gerichtsverhan

Die Synode in Tyrus (335) und die Umtriebe gegen den seligen Athanasius mit der berüchtigten Hand des Arsenius

Ein gewisser Arsenius war Bischof der Partei des Melitius. Diesen hatten seine Parteigenossen versteckt und gebeten, sich so viel wie möglich verborgen zu halten. Dann schnitten sie irgendeinem Leichnam die rechte Hand ab, balsamierten sie ein, legten sie in ein hölzernes Kästchen, trugen sie überall herum, behaupteten, Arsenius sei umgebracht worden, und bezeichneten als Mörder den Athanasius. Aber das allsehende Auge Gottes ließ den Arsenius nicht allzu lange verborgen bleiben. Es wurde vielmehr zuerst in Ägypten und der Thebais ruchbar, daß er noch lebe; sodann führte ihn die göttliche Vorsehung nach Tyrus, wo jene zu einem so traurigen Spiel mißbrauchte Hand den Richtern vorgelegt wurde. Die Freunde des Athanasius hatten ihn nämlich entdeckt und mitgenommen und nötigten ihn, sich einstweilen in der Herberge verborgen zu halten. Der große Athanasius aber begab sich früh morgens in die Versammlung. Zuerst nun führte man ein Weibsbild herein, das bisher ein zügelloses Leben geführt hatte. Diese erklärte bestimmt und ohne Scham und Scheu, sie habe Jungfräulichkeit gelobt, Athanasius aber, der ihre Gastfreundschaft genossen, habe ihr Gewalt angetan und sie gegen ihren Willen entehrt. Nach dieser ihrer Aussage trat der Beschuldigte ein und zugleich mit ihm ein Priester von lobenswürdigem Lebenswandel mit Namen Timotheus. Als nun die Richter den Athanasius aufforderten, sich gegen die Anklage zu verteidigen, da schwieg dieser still, gleich als wäre er nicht Athanasius. Timotheus dagegen fragte das Weib: „Ich soll mit dir, o Weib, jemals zusammengetroffen, soll in dein Haus gekommen sein?“ Da wurde diese in ihrer Erwiderung noch unverschämter, fing mit Timotheus zu streiten an, streckte ihre Hand aus, zeigte mit dem Finger auf ihn und rief: „Ja, du hast mir meine Jungfräulichkeit geraubt, du hast mir meine Unschuld genommen!“ und anderes, was Frauenspersonen zu sagen pflegen, welche infolge eines maßlos zügellosen Lebens alles Schamgefühl verloren haben. Da nun auf solche Weise die Urheber des ruchlosen Planes zu Schanden geworden waren und auch von den Richtern diejenigen, die Mitwisser waren, erröten mußten, wurde das Weib wieder hinausgeführt. Da verlangte aber der große Athanasius, man solle die Frau nicht entlassen, sondern ins Verhör nehmen und erforschen, wer das angestiftet habe. Jene aber entgegneten, es lägen auch noch andere Anschuldigungen vor, die noch gewichtiger wären und keineswegs durch List und Geschicklichkeit entkräftet werden könnten. Denn das Auge, nicht das Ohr werde entscheiden über das, was gezeigt werden wird. Nach diesen Worten zeigten sie das vielbesprochene Kistchen vor und enthüllten die einbalsamierte Hand. Bei ihrem Anblick schrien alle laut auf; die einen, weil sie die behauptete Greueltat für wahr hielten, die anderen, weil sie zwar um den Betrug wußten, aber der Meinung waren, Arsenius sei noch verborgen.

Als endlich für kurze Zeit Ruhe eintrat, da fragte der Angeklagte die Richter, ob einer unter ihnen sei, der den Arsenius kenne. Da nun viele erklärten, sie kennten den Mann ganz genau, befahl er, denselben hereinzuführen. Und wiederum fragte er, ob dies jener Arsenius sei, der „von mir getötet worden ist, von ihnen aber gesucht wird, und der nach seiner Ermordung noch mißhandelt und der rechten Hand beraubt worden ist“. Als sie einstimmig bekannten, daß er es sei, da schlug Athanasius dessen Mantel zurück, zeigte die beiden Hände desselben, die rechte und die linke, und sprach: „Eine andere Hand möge niemand suchen! Denn jeder Mensch hat von dem Schöpfer der Welt nur zwei Hände empfangen.“ Aber trotzdem daß auf solche Weise auch diese Hinterlist aufgedeckt war, so daß die Ankläger und von den Richtern die mitwissenden nötig gehabt hätten, sich zu verbergen und zu wünschen, daß die Erde sich vor ihnen auftue, so erfüllten sie doch den Saal mit Geschrei und Tumult und nannten Athanasius einen Zauberer, der mit gewissen Blendwerken die Augen der Menschen zu täuschen verstehe. Und schon schickten sie sich an, ihn zu zerreißen und hinzuschlachten, sie, die doch unmittelbar vorher ihn des Mordes angeklagt hatten. Aber die vom Kaiser mit der Aufrechterhaltung der Ordnung betrauten Beamten verhinderten die Ermordung. Sie entrissen den siegreichen Kämpfer ihren Händen, brachten ihn auf ein Schiff und bewirkten so seine Rettung.

Dieser begab sich darauf zum Kaiser und berichtete ihm über das ganze traurige und verwegene Spiel, das man mit ihm getrieben hatte. Jene dagegen entsandten von ihren Gesinnungsgenossen einige Bischöfe in die Mareotis, nämlich den Theogonius von Nizäa, Theodor von Perinth, Maris von Chalzedon, den Zilizier Narzissus und diejenigen, die mit diesen gleicher Gesinnung waren. Die Mareotis ist ein Teil von Alexandrien, so genannt von dem See Maria. An diesem Orte woben sie ihr Lügengewebe, fertigten einige Schriftstücke, stellten ihre bloßgelegten Verleumdungen als wahrheitsgemäße Anklagen hin und sandten sie dem Kaiser. Sie selbst begaben sich nach Aelia.

Die Kirchweihe in Jerusalem und die Verbannung des großen Athanasius

Der Kaiser hatte nämlich angeordnet, daß die ganze Versammlung von Tyrus nach Aelia sich begebe, und befohlen, daß auch alle anderen von allen Seiten her hier zusammenkommen und die von ihm erbauten Tempelgebäude einweihen sollten. Gleichzeitig schickte er auch einige besser gesinnte Beamte, die sich durch Frömmigkeit und Glauben auszeichneten, dorthin mit dem Auftrage, in freigebiger Weise allen alles zu liefern, nicht nur den Bischöfen und Priestern und ihrem Gefolge, sondern auch allen Dürftigen, die von allen Seiten her zusammenströmten. Es wurde auch der göttliche Opferaltar mit königlich schönen Vorhängen und goldenen, juwelenverzierten Kleinodien geschmückt. Nachdem sodann das Fest in der glänzendsten Weise gefeiert worden war, kehrten alle wieder in ihre Heimat zurück; der Kaiser aber ward, als er von dem Glanz und der Pracht der Festfeier erfuhr, von inniger Freude durchdrungen und pries den Geber alles Guten dafür, daß er auch diesen Wunsch ihm erfüllt habe.

Als dann der bewunderungswürdige Athanasius kam und sich über das ungerechte Prozeßverfahren beschwerte, ließ der Kaiser die beschuldigten Bischöfe herbeirufen. Diese kamen, ließen aber jetzt die früheren Verleumdungen angesichts der offenkundigen Widerlegung fallen, versicherten dagegen dem Kaiser, Athanasius habe mit Verhinderung der Getreideausfuhr (aus Ägypten) gedroht. Diesen Versicherungen schenkte der Kaiser Glauben und verbannte den Athanasius in eine Stadt des sogenannten Galliens mit Namen Trier. Es war dieses das dreißigste Jahr seiner Regierung.

Die letzten Verfügungen des seligen Kaisers Konstantin

Nachdem noch ein weiteres Jahr und einige Monate verflossen waren, fiel der Kaiser, während er zu Nikomedien in Bithynien weilte, in eine Krankheit. Und da er die Unsicherheit des menschlichen Lebens wohl erkannte, empfing er die Gnade der göttlichen Taufe. Er hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt aufgeschoben, weil er immer gewünscht hatte, sie im Jordanflusse zu empfangen. — Er hinterließ drei Söhne als Erben seines Reiches, Konstantin, Konstantius und als jüngsten Konstans. Er traf auch noch die Verfügung, daß der große Athanasius wieder nach Alexandrien zurückkehren solle, und zwar tat er dieses, obschon Eusebius bei ihm war und ihm das Gegenteil einzureden suchte.

Apologie des Kaisers

Es möge sich aber niemand darüber wundern, daß er sich täuschen und verleiten ließ, so große Männer in die Verbannung zu schicken. Er glaubte eben den Vorspiegelungen von Hohenpriestern, die ihre Bosheit zu verhüllen wußten, im übrigen aber eines großen Ansehens sich erfreuten. Diejenigen, welche in den heiligen Schriften bewandert sind, wissen, daß auch der göttliche David, dieser so sanftmütige und große Prophet, hintergangen wurde; und zwar hinterging ihn nicht ein Hoherpriester, sondern ein im Hause erzogener und der Peitsche unterworfener Knecht; ich meine den Siba, der dem Könige über Memphibosthe lügenhafte Angaben machte und dessen Besitztum zu eigen erhielt1. Ich erwähne dieses nicht, um den Propheten anzuklagen, sondern um für diesen Kaiser eine Entschuldigung vorzubringen, die Schwäche der menschlichen Natur zu zeigen und daraus die Lehre zu ziehen, daß man nicht den Anklägern allein glauben darf, auch wenn sie sehr angesehen und glaubwürdig erscheinen, sondern daß man von den zwei Ohren das zweite immer für den Angeklagten aufbewahren soll.

Das Ende des Kaisers

Der Kaiser ging also in ein besseres Reich hinüber. Die Statthalter und Feldherrn und die übrigen alle legten ihn in einen goldenen Sarg und brachten ihn nach Konstantinopel, während das ganze Heer vorausging und nachfolgte und seinen Verlust bitter beklagte; denn sie hatten ihn alle als einen gütigen Vater kennen gelernt. Welch großer Ehre aber sein Leichnam teilhaftig wurde und wie lange er im kaiserlichen Palaste verblieb, da die Beamten die Ankunft seines Sohnes erwarteten, dieses zu beschreiben halte ich für überflüssig, weil andere es bereits dargestellt haben. Man kann dieses leicht nachlesen und daraus ersehen, wie sehr der Lenker aller Dinge seine treuen Diener ehrt. Wenn aber jemand diesen nicht glauben will, so möge er sich ansehen, was jetzt bei seinem Grabe und seiner Bildsäule geschieht und möge dann glauben den Berichten und dem Herrn, der da sagt: „Wer mich ehrt, den werde ich ehren, und wer mich verachtet, der wird verachtet werden.“

Zweites Buch [337—361]

Rückkehr des heiligen Athanasius

Nachdem der heilige Athanasius zwei Jahre und vier Monate in Trier geweilt hatte, kehrte er nach Alexandrien zurück. Aus diesem Anlaß richtete der Kaiser Konstantin, der älteste unter den Söhnen Konstantins des Großen, der im Abendlande über Gallien herrschte, an die Kirche von Alexandrien folgendes Schreiben.

Brief des Kaisers Konstantin, des Sohnes Konstantins, an die Alexandriner

„Der Kaiser Konstantin an das Volk der katholischen Kirche in Alexandrien.

Es wird, wie ich glaube, auch Euerer frommen Einsicht nicht entgangen sein, daß Athanasius, der Verkündiger des verehrungswürdigen (göttlichen) Gesetzes, deshalb für einige Zeit nach Gallien geschickt worden ist, weil die Erbitterung seiner blutgierigen und haßerfüllten Feinde sein geheiligtes Haupt mit Gefahr bedrohte, damit er also nicht durch die Bosheit der schlechten Menschen unheilbare Übel zu erdulden hätte. Um dem zuvorzukommen, wurde er dem Rachen seiner Verfolger entrissen und angewiesen, in dem mir unterstellten Lande sich aufzuhalten, und zwar so, daß er in eben der Stadt, in der er sich befand, an allem Notwendigen Überfluß hatte, obschon seine vielgerühmte Tugend im Vertrauen auf die göttliche Hilfe auch die Beschwerden einer rauheren Lebensweise ganz und gar für nichts halten würde. Nun hat schon unser Herr, der erhabene Konstantin seligen Andenkens, mein Vater, besonders mit Rücksicht auf Euere ihm so angenehme gottesfürchtige Gesinnung beschlossen, den genannten Bischof seiner Stadt zurückzugeben; da er aber, von dem allgemein menschlichen Lose zu früh hinweggerafft, vor der Erfüllung seines Wunsches zur ewigen Ruhe einging, so hielt ich es für angemessen, den Entschluß des hochseligen Kaisers wieder aufzunehmen und zur Ausführung zu bringen. Wenn nun jener sich Eueres Anblicks wieder erfreuen wird, dann werdet Ihr auch vernehmen, in welch hoher Achtung er bei mir gestanden ist. Denn es ist in der Tat nicht zu verwundern, wenn ich etwas für ihn getan habe. Denn sowohl der Gedanke an Euere Sehnsucht wie auch die ganze Erscheinung dieses so großen Mannes hat mein Herz dazu gedrängt und getrieben. Die göttliche Vorsehung beschütze Euch, geliebte Brüder!“

Mit diesem Schreiben langte der heilige Athanasius in Alexandrien an. Alle nahmen ihn mit Freuden auf, die Städter sowohl wie das Landvolk, die Vornehmen wie die gewöhnlicheren Leute. Nur die Anhänger des arianischen Irrglaubens fühlten sich durch seine Rückkehr beunruhigt. Deshalb begannen sie von neuem ihr altes Ränkespiel, Eusebius nämlich und Theogonius und alle, die zu ihrer Partei gehörten, und bestürmten von neuem das Ohr des Kaisers, der ja noch jung war. Ich werde nun erzählen, wie dieser von dem geraden Wege der apostolischen Lehre abgezogen wurde.

Kaiser Konstantius wird dem wahren Glauben entfremdet

Konstantia, ehedem die Gattin des Licinius, war eine Schwester Konstantins. Mit ihr wurde ein gewisser Priester befreundet, der den Krankheitsstoff des Arianismus in sich aufgenommen hatte. Er ließ zwar seine Krankheit nicht offen zutage treten, aber in den häufigen Unterredungen mit ihr pflegte er zu sagen, Arius sei das Opfer böswilliger Angeberei geworden. Dieser seiner Schwester wandte nun der allgepriesene Konstantin nach dem Tode ihres gottlosen Gemahls jegliche Fürsorge zu und duldete nicht, daß sie die Beschwerden des Witwenstandes kennen lerne. Ja selbst als sie zum Sterben kam, stand er ihr zur Seite und sorgte für die passendste Pflege. Damals nun ließ sie jenen Priester herbeirufen und empfahl ihn der Huld und Fürsorge des Kaisers. Konstantin versprach damals, ihre Bitte zu erfüllen, und er hat hinterher sein Versprechen auch gehalten; er gestattete jenem Manne freiesten Zutritt und freieste Aussprache seiner Meinung. Aber obschon derselbe so hoher Gnade gewürdigt wurde, wagte er doch nicht, seine Krankheit zu offenbaren, da er sah, daß die Gesinnung des Kaisers in religiösen Dingen unwandelbar feststehe. Als aber Konstantin, im Begriffe, in das unvergängliche Reich hinüberzugehen, seine vergängliche Herrschaft hier auf Erden durch Testament unter seine Söhne teilte, da vertraute er, weil keiner von ihnen bei seinem Tode anwesend war, das Testament nur diesem Priester an mit dem Befehle, es dem Konstantius einzuhändigen. Dieser war nämlich weniger weit entfernt als die übrigen, und es stand deshalb zu erwarten, daß er vor den übrigen eintreffen werde. Auf diese Weise wurde der genannte Priester mit Konstantius bekannt — er übergab nämlich das Testament, wie es ihm aufgetragen war —, wurde mit ihm befreundet und eingeladen, ihn öfter zu besuchen. Da er nun wahrnahm, daß Konstantius unbeständigen Sinnes sei und ähnlich einem Schilfrohr, das von entgegengesetzten Winden hierhin und dorthin bewegt wird, so faßte er Mut und entschloß sich, den Kampf gegen die evangelische Lehre aufzunehmen. Er beklagte die in den Kirchen herrschende Verwirrung und bezeichnete als Urheber derselben diejenigen, welche das nicht schriftgemäße Wort „gleichwesentlich“ der Glaubenslehre eingefügt hätten; dies verursache die Spaltung wie im Klerus so auch im Volke. Sodann richtete er seine Anklage gegen Athanasius und dessen Gesinnungsgenossen und schmiedete Ränke gegen dieselben.

Diesen Mann nun benützten Eusebius, Theogonius und Theodorus von Perinth als Mitarbeiter und Gehilfen. Theodorus war ein Mann von hervorragender Gelehrsamkeit; er hat auch eine Erklärung der heiligen Evangelien geschrieben; gewöhnlich wird er der Herakleote genannt. Diese Männer also, welche beständig in der Nähe des Kaisers waren und denselben oftmals sahen, bezeichneten die Rückkehr des Athanasius aus der Verbannung als die Quelle zahlreicher Übel und behaupteten, daß unter den Unruhen nicht nur Ägypten, sondern auch Palästina, Phönizien und die angrenzenden Provinzen zu leiden hätten.

Zweite Verbannung des seligen Athanasius. Erhebung und Ende des Gregorius

Mit solchen und ähnlichen Reden wußten sie den leichtbeweglichen Sinn des Kaisers für sich einzunehmen und zu überreden, den Athanasius von seiner Kirche zu vertreiben. Dieser gewahrte jedoch frühzeitig die drohenden Nachstellungen, ging ihnen aus dem Wege und begab sich nach dem Abendlande. Die Eusebianer hatten nämlich ihre gegen Athanasius ersonnenen Anklagen auch dem Bischof von Rom übersandt. Julius regierte damals die dortige Kirche. Derselbe hielt sich an das kirchliche Gesetz und befahl deshalb den Anklägern, auch ihrerseits nach Rom zu kommen; ebenso berief er den heiligen Athanasius vor seinen Richterstuhl. Letzterer machte sich, nachdem er die Vorladung erhalten hatte, sofort auf den Weg; jene aber, welche das Ränkespiel angezettelt hatten, kamen nicht nach Rom, weil sie wohl erkannten, daß ihr Lügengewebe leicht zu zerreißen sei; dagegen stellten sie für die Herde, die sie ihres Hirten beraubt sahen, einen Wolf als Hirten auf. Derselbe hieß Gregorius und behandelte die Herde sechs Jahre lang grausamer als ein wildes Tier, bis er endlich für seine Frevel büßte, indem er von seiner eigenen Herde gräßlich ermordet wurde.

Athanasius aber begab sich zu Konstans — Konstantin nämlich, der älteste unter den Brüdern, war im Kriege gefallen —, beschwerte sich über die Nachstellungen der arianischen Partei, klagte über ihren Kampf gegen den apostolischen Glauben, erinnerte ihn an seinen Vater und an die von demselben berufene große Synode und wie derselbe an der Versammlung persönlich teilgenommen und die Beschlüsse der Bischöfe durch ein Staatsgesetz bestätigt habe. Durch solche Klagen und Vorstellungen rief er im Kaiser den Eifer seines Vaters wach. Denn kaum hatte dieser solches vernommen, da schrieb er sofort an seinen Bruder und ermahnte ihn das väterliche Erbe der frommen Rechtgläubigkeit unversehrt zu bewahren; denn jener habe durch seinen frommen Glauben seine Herrschaft befestigt, die tyrannischen Herrscher der Römer gestürzt und die ringsum wohnenden Barbaren unterworfen.

Auf dieses Schreiben hin erließ Konstantius den Befehl, daß die Bischöfe des Morgen- und Abendlandes in Sardika, einer Stadt Illyriens, der Hauptstadt der Provinz Dacien, sich versammeln sollten. Denn es gab in der Kirche auch noch viele andere Übelstände, welche eine synodale Behandlung erheischten.

Paulus, Bischof von Konstantinopel

So hatten die Anhänger der arianischen Irrlehre auch den Bischof Paulus von Konstantinopel, einen Vorkämpfer der Rechtgläubigkeit, als Urheber von Unruhen bezichtigt und verschiedene andere Anklagen hinzugefügt, mit denen sie die Prediger der wahren Lehre zu verleumden pflegen. Doch das Volk duldete damals nicht, daß er nach Sardika gebracht werde, weil es die Nachstellungen seiner Feinde fürchtete. Kurze Zeit nachher aber wußten die Arianer den wankelmütigen Sinn des Kaisers für sich zu gewinnen, und nun vertrieben sie den Bischof aus der Kaiserstadt und verbannten ihn nach Kukusus. Es ist dieses eine kleine Stadt, die früher zur Provinz Kappadozien gehörte, jetzt aber zum zweiten Armenien gerechnet wird. Es genügte jedoch den Unruhestiftern nicht, daß der bewunderungswürdige Paulus in der Einsamkeit der Verbannung lebte, sie sandten dazu noch die Schergen ihrer blutdürstigen Gesinnung und überlieferten ihn einem gewaltsamen Tode. Es berichtet uns hierüber der heilige Athanasius, welcher in seiner Verteidigungsschrift wegen seiner Flucht unter anderem folgendes erzählt:

„Den Bischof Paulus von Konstantinopel haben sie verfolgt, und als sie ihn gefunden, haben sie ihn, wie offenkundig ist, erdrosseln lassen an dem Orte, genannt Kukusus in Kappadozien. Als Scharfrichter benützten sie hierzu den Eparchen Philippus, der einerseits führendes Haupt ihrer Häresie, andererseits aber ausführender Diener ihrer schlechten Pläne war.“

Solch abscheuliche Mordtaten erzeugte die gottlose Lehre des Arius. Dem Kampfe gegen den Eingeborenen entsprechen eben auch die Freveltaten gegen seine Diener.

Macedonius und seine Irrlehre

Diesen Bischof schickten sie also in den Tod oder, besser gesagt, hinüber in das Reich der Himmel. Darauf setzten sie an seine Stelle den Macedonius, den sie für ihren Gesinnungsgenossen hielten, weil er ähnlich wie sie lästerlich vom Heiligen Geiste redete. Jedoch nach kurzer Zeit vertrieben sie auch diesen wieder, weil er es nicht über sich bringen konnte, den ein Geschöpf zu nennen, den die Heilige Schrift als Sohn bezeichnet. Daher ist er, getrennt von ihnen, Haupt und Führer einer besonderen Häresie geworden; zwar wollte auch er den Sohn nicht „gleichwesentlich dem Vater“ nennen, aber er lehrte doch, daß derselbe seinem Erzeuger in jeder Beziehung ähnlich sei; den (Heiligen) Geist dagegen nannte er ganz offen ein Geschöpf. Das geschah nicht lange nachher in der eben erwähnten werden.

Die Synode in Sardika

In Sardika fanden sich nach den alten Berichten zweihundertfünfzig Bischöfe ein. Es kam auch der große Athanasius und Asklepas von Gaza, dessen ich schon früher Erwähnung getan habe, und Marcellus von Ancyra, der Hauptstadt von Galatien, der schon zur Zeit der großen Synode (von Nizäa) Bischof war. Es kamen aber auch deren Ankläger und die Häupter der häretischen Partei, die vordem in der Angelegenheit des Athanasius Richter gewesen waren. Da sie jedoch die feste Haltung der Synode und ihre gesunden Anschauungen in bezug auf die göttlichen Lehren wahrnahmen, wollten sie trotz Einladung nicht einmal in der Versammlung erscheinen, sondern entfernten sich schleunig wieder, und zwar mit den ungerechten Richtern auch die Ankläger. Dieses zeigt noch besser das Schreiben der Synode selbst, das ich zum Zweck einer genaueren Darstellung meinem Werke hier einfügen will.

Synodalschreiben der in Sardika versammelten Bischöfe an die Bischöfe des ganzen Erdkreises

„Die heilige Synode, welche durch Gottes Gnade in Sardika versammelt und besucht ist von Teilnehmern aus Rom, Spanien, Gallien, Italien, Campanien, Calabrien, Afrika, Sardinien, Pannonien, Mösien, Dacien, Dardanien, dem zweiten Dacien, Mazedonien, Thessalien, Achaja, Epirus, Thracien, Rhodope, Asien, Karien, Bithynien, Hellespont, Phrygien, Pisidien, Kappadozien, Pontus, Cilicien, dem zweiten Phrygien, Pamphylien, Lydien, den cykladischen Inseln, Ägypten, Thebais, Libyen, Galatien, Palästina, Arabien: den Bischöfen aller Orte, den Amtsgenossen der katholischen und apostolischen Kirche, den geliebten Brüdern Gruß im Herrn!

Vielerlei haben die Anhänger des arianischen Wahnsinns, und zwar oft unternommen gegen die Diener Gottes, die den rechten Glauben bewahren. Sie versuchten nämlich ihre falsche Lehre einzuschmuggeln und die Rechtgläubigen zu vertreiben; und so heftig sind sie schließlich gegen den Glauben aufgetreten, daß es auch der Beachtung unserer gottgeliebtesten Kaiser nicht mehr entgehen konnte. Deshalb haben eben dieselben frommgläubigen Kaiser unter dem Beistand der göttlichen Gnade uns aus den verschiedenen Provinzen und Städten hier zusammengeführt und diese heilige Synode in der Stadt Sardika feiern lassen, damit jegliche Meinungsverschiedenheit beseitigt, jeder Irrglaube ausgerottet und einzig und allein der wahre Glaube an Christus von allen gepflegt werde. Es kamen nämlich aus dem Morgenlande Bischöfe, die ebenfalls von den frommgläubigen Kaisern hierher waren berufen worden hauptsächlich wegen der Klagen, die sie oftmals gegen unsere geliebten Brüder und Amtsgenossen, den Bischof Athanasius von Alexandrien, den Bischof Marcellus von Ancyra in Galatien und Asklepas von Gaza, im Munde führten. Vielleicht sind ihre verleumderischen Anklagen auch schon bis zu Euch selbst gedrungen, wie sie auch unsere Ohren für sich einzunehmen versuchten, um so für ihre Aussagen gegen die Unschuldigen Glauben zu finden und zugleich den Verdacht verwerflicher Häresie von sich abzulenken. Jedoch wurde ihnen solches Treiben nicht lange gestattet. Denn der die Kirchen regiert, das ist der Herr, der für sie und für uns alle den Tod erduldet und durch sie uns allen den Weg zum Himmel wieder eröffnet hat.

Unlängst richteten nun die Anhänger des Eusebius und Maris, des Theodorus, Theogonius, Ursacius, Valens, Menophantus und Stephanus an unseren Amtsgenossen Julius, den Bischof der römischen Kirche, eine Anklageschrift gegen unsere vorerwähnten Amtsgenossen, nämlich den Bischof Athanasius von Alexandrien, den Bischof Marcellus von Ancyra in Galatien und Asklepas von Gaza. Aber auch die Bischöfe der anderen Partei sandten Schreiben, in denen sie für die Unschuld unseres Mitbischofs Athanasius Zeugnis ablegten und versicherten, daß die Angaben der Eusebianer nichts anderes seien als eitel Lüge und Verleumdung. Wenn nun die Verlogenheit der letzteren schon aus dem Umstande, daß sie auf die Einladung unseres geliebten Amtsgenossen Julius nicht erschienen sind, sowie aus dem Schreiben desselben Bischofs Julius vollkommen klar ersichtlich ist — denn sie wären sicher gekommen, wenn sie zu ihrem Treiben und Vorgehen gegen unsere Mitbischöfe Vertrauen gehabt hätten —, so haben sie doch durch ihr Verhalten auf dieser heiligen und großen Synode ihr Ränkespiel noch deutlicher enthüllt. Als sie nämlich nach Sardika gekommen waren und unsere Brüder Athanasius, Marcellus, Asklepas und die anderen erblickten, da fürchteten sie sich, in eine gerichtliche Verhandlung einzutreten. Und obschon sie nicht einmal oder zweimal, sondern oftmals vorgeladen wurden, leisteten sie doch den Einladungen keine Folge und taten das, obgleich alle versammelten Bischöfe und besonders der hochbetagte Hosius, der sowohl wegen seines Alters als auch wegen seines Bekenntnisses und der vielen von ihm erduldeten Drangsale aller Ehre und Rücksicht würdig gewesen wäre, sie erwarteten und drängten, vor Gericht zu erscheinen, damit sie die gegen ihre Mitbischöfe in deren Abwesenheit gemachten Aussagen und schriftlichen Anklagen in deren Gegenwart beweisen könnten. Allein, wie schon gesagt, sie erschienen trotz Vorladung nicht und lieferten auch hierdurch den Beweis für ihre verleumderische Gesinnung und legten durch ihre Weigerung beinahe ein offenes Geständnis ihrer Nachstellungen und hinterlistigen Anschläge ab. Denn wer Vertrauen hat zu seinen Worten, kann für dieselben auch in Gegenwart des Gegners einstehen. Da sie also nicht Rede und Antwort stehen wollten, so wird in Zukunft, auch wenn sie etwa wieder neue Ränke sollten schmieden wollen, nach unserem Dafürhalten doch jedermann sich darüber klar sein, daß sie gegen unsere Mitbischöfe nichts beweisen können, daß sie dieselben nur in ihrer Abwesenheit verleumden, in ihrer Gegenwart aber ihnen aus dem Wege gehen.

Sie flohen nämlich, geliebte Brüder, nicht nur darum, weil sie unwahre Anklagen gegen jene erhoben hatten, sondern auch, weil sie unter den Teilnehmern an der Synode auch solche Bischöfe wahrnahmen, welche verschiedene Anklagen gegen sie vorbringen wollten. Es waren nämlich Fesseln und Ketten da, welche vorgezeigt wurden; es waren Männer anwesend, die aus dem Exil zurückgekehrt waren, und Amtsgenossen von solchen, die noch im Exil zurückgehalten wurden; es waren Verwandte und Freunde erschienen von solchen, die durch sie getötet worden waren; und was das schlimmste ist, es waren Bischöfe zugegen, von denen der eine die Eisen und Ketten vorzeigte, die er auf ihre Veranlassung hin getragen, während andere bezeugten, daß ihnen infolge ihrer Verleumdungen der Tod gedroht habe. Denn sie waren bis zu einem solchen Grade der Verwegenheit gekommen, daß sie sogar einen Bischof zu töten suchten; und sie hätten ihn wohl auch getötet, wenn er sich nicht durch die Flucht ihren Händen entzogen hätte. So bezeugte wenigstens unser Mitbischof, der ehrwürdige Theodulus, der sich ihren verleumderischen Nachstellungen zu entziehen wußte; er war nämlich infolge ihrer Verleumdung bereits zum Tode verurteilt worden. Andere zeigten die von Schwertstreichen herrührenden Verwundungen, wieder andere klagten, daß sie ihretwegen hätten Hunger leiden müssen. Und dies alles bezeugten nicht etwa gewöhnliche Privatleute, sondern es waren ganze Kirchen, deren Abgesandte und Vertreter von bewaffneten Soldaten, von Volkshaufen mit Knitteln, von Drohungen der Richter, von gefälschten und unterschobenen Schriftstücken zu erzählen wußten. Es wurde nämlich ein Schreiben verlesen, das die Anhänger des Theogonius gegen unsere Mitbischöfe Athanasius, Marcellus und Asklepas verfaßt hatten, um dadurch auch die Kaiser gegen dieselben aufzureizen. Dieses bewiesen die damaligen Diakonen des Theogonius. Hierzu wußten jene noch weiter zu berichten von Schändungen der Jungfrauen, Brandstiftungen an Kirchen, Einkerkerung unserer Mitbischöfe. Und dies alles geschah aus keinem anderen Grunde als wegen dieser unglückseligen Häresie der Arianer. Denn wer sich weigerte, Weihe- und Kirchengemeinschaft mit ihnen zu halten, sah sich gezwungen, Derartiges zu erdulden. Da nun die Arianer dieses bei sich überlegten, kamen sie in Verlegenheit, wozu sie sich entschließen sollten. Denn sie schämten sich ihrer Taten; und da sie dieselben nicht mehr verbergen konnten, so kamen sie nach Sardika, um durch ihr Hierherkommen den Verdacht zu beseitigen und sich den Anschein zu geben, als ob sie nichts Böses getan hätten. Als sie aber hier die von ihnen verleumdeten und mißhandelten Männer, ihre Ankläger, sahen und deren Beweismittel vor Augen hatten, da konnten sie sich trotz Vorladung nicht dazu verstehen, vor Gericht zu erscheinen, zumal da unsere Amtsgenossen Athanasius, Marcellus und Asklepas mit großer Zuversicht auftraten, sich beklagten und drängten und sie herausforderten und sich erboten, nicht nur ihre Anklagen als Verleumdungen zu erweisen, sondern auch zu zeigen, wie viel Unheil sie in ihren Kirchen angestiftet hätten. Da wurden diese von einer solchen Furcht des bösen Gewissens erfaßt, daß sie entflohen und durch ihre Flucht ihre Verleumdungen als solche erwiesen und ihre Vergehungen durch ihr Entweichen eingestanden.

Obgleich nun ihre Arglist und Verleumdungssucht nicht nur aus ihrem früheren, sondern auch aus ihrem gegenwärtigen Verhalten ganz klar ersichtlich ist, so haben wir dennoch, damit sie nicht auch aus ihrer Flucht wieder einen Vorwand zu weiteren Missetaten schöpfen können, beschlossen, die Produkte ihrer dichterischen Tätigkeit am Maßstab der Wahrheit zu prüfen. Aber auch bei dieser Untersuchung haben wir aus ihren Handlungen herausgefunden, daß sie Verleumder sind und unseren Amtsgenossen nichts als hinterlistige Nachstellungen bereitet haben. Denn jener Arsenius, von dem sie behaupten, er sei von Athanasius getötet worden, der lebt und kann unter den Lebenden ermittelt werden. Aus diesem Falle aber ergibt sich, daß auch die übrigen, von denen sie so viel Aufhebens machen, nur Erdichtungen sind.

So haben sie auch viel herumgeredet wegen eines Kelches, den Makarius, ein Priester des Athanasius, zerbrochen haben soll. Nun bezeugen ihnen aber diejenigen, die aus Alexandrien, der Mareotis und den anderen Orten hierher gekommen sind, daß nichts von all dem geschehen ist; und die Bischöfe Ägyptens, welche an unseren Amtsgenossen Julius geschrieben haben, haben auf das bestimmteste versichert, daß überhaupt nicht einmal ein derartiger Verdacht laut geworden sei. Ferner behaupten jene, Akten zu besitzen, welche Athanasius belasten; aber es hat sich herausgestellt, daß dieselben nur durch ein einseitiges, parteiisches Verfahren zustande gekommen sind. Dennoch mußten selbst bei diesen Verhandlungen Heiden und Katechumenen als Zeugen herangezogen werden. Einer von den Katechumenen gab auf Befragen an, er sei drinnen (in der Kirche) gewesen, als Makarius an den Ort gekommen sei, und ein anderer bezeugte, daß der von jenen so viel genannte Ischyras damals in seiner Zelle krank darniedergelegen sei, so daß sich also hieraus klar ergibt, daß überhaupt keine heiligen Geheimnisse gefeiert wurden, weil ja die Katechumenen sich in der Kirche befanden und Ischyras gar nicht zugegen war, sondern krank darniederlag. Und der grundschlechte Ischyras selbst, der schon gelogen hat mit seiner Behauptung, Athanasius habe einige von den heiligen Büchern verbrannt, aber als Lügner überführt wurde, mußte gestehen, daß er damals, als Makarius dort war, krank gewesen und zu Bette gelegen sei, so daß sich also auch hieraus ergibt, daß er ein Verleumder ist. Natürlich haben sie dem Ischyras selbst als Lohn für solche Verleumdung den Titel eines Bischofs gegeben, obschon er nicht einmal Priester ist. Es sind nämlich zwei Priester hierher gekommen, die einst Anhänger des Melitius waren, später aber von dem seligen Alexander, dem damaligen Bischof von Alexandrien, wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen wurden und jetzt auf seiten des Athanasius stehen. Diese bezeugten, daß Ischyras niemals Priester des Melitius gewesen sei und daß überhaupt Melitius in der Mareotis niemals eine Kirche oder einen Priester gehabt habe. Nichtsdestoweniger haben sie diesen Menschen, der nicht einmal Priester ist, jetzt als Bischof ausgegeben, um mit diesem Namen, wie sie glauben, bei ihren Verleumdungen die Hörer zu verblüffen.

Ferner wurde das Schreiben unseres Amtsgenossen Marcellus vorgelesen und dadurch die Arglist der Eusebianer aufgedeckt. Was nämlich Marcellus in Form einer Frage vorgetragen hatte, das stellten sie verleumderisch so hin, als ob er es behauptet hätte. Man las also diese Fragen und das unmittelbar Folgende und das diesen Fragen Vorhergehende, da stellte sich die Rechtgläubigkeit des Mannes heraus. Denn weder hat er, wie jene behaupten, dem Logos Gottes einen Anfang aus der heiligen Maria zugeschrieben, noch auch hat er erklärt, daß dessen Reich ein Ende nehmen werde, sondern vielmehr dessen Herrschaft als anfangslos und endlos bezeichnet.

Auch unser Mitbischof Asklepas legte die Akten von Antiochien vor, woselbst seine Ankläger und Eusebius von Cäsarea gegenwärtig waren, und er konnte aus den Aussprüchen der richtenden Bischöfe seine Unschuld beweisen.

Nicht ohne Grund haben also, geliebte Brüder, jene der wiederholten Vorladung keine Folge geleistet, nicht ohne Grund sind sie geflohen. Getrieben von ihrem bösen Gewissen, haben sie durch die Flucht ihre Verleumdungen als solche bestätigt und dadurch bewirkt, daß man von ihnen leichthin glaubte, was ihre hier gebliebenen Ankläger behauptet und bewiesen haben. Endlich kommt noch zu all diesem hinzu, daß sie die wegen der arianischen Häresie schon früher angeklagten und ausgeschlossenen Männer nicht nur aufnahmen, sondern sogar zu höheren Würden beförderten, Diakone zum Priestertum und Priester zum Bischofsamte, und zwar in keiner anderen Absicht, als um die Irrlehre überallhin verpflanzen und ausbreiten, den wahren Glauben aber ausrotten zu können.

Ihre Hauptführer sind jetzt nächst den unmittelbaren Freunden des Eusebius Theodorus von Heraklea, Narcissus von Neronias in Cilicien, Stephanus von Antiochien, Georgius von Laodicea, Acacius von Cäsarea in Palästina, Menophantus von Ephesus in Asia, Ursacius von Singidunum in Mösien, Valens von Mursa in Pannonien. Diese nämlich waren es, welche den mit ihnen aus dem Morgenlande Gekommenen nicht gestatteten, die heilige Synode zu besuchen und ihnen überhaupt nicht erlaubten, sich in die Kirche Gottes zu begeben. Dagegen veranstalteten sie schon auf dem Wege nach Sardika an einzelnen Orten für sich allein Synoden und trafen mit Drohungen verbundene Vereinbarungen, denen zufolge sie nach ihrer Ankunft in Sardika überhaupt nicht einmal zum Gerichte erscheinen, auch mit der heiligen und großen Synode nicht an demselben Orte zusammen tagen, sondern nur hinkommen und, um äußerlich ihre Pflicht zu erfüllen, ihre Ankunft anzeigen, dann aber rasch sich wieder entfernen wollten. Dieses konnten wir nämlich erfahren von unseren Amtsgenossen Makarius aus Palästina und Asterius aus Arabien, welche mit ihnen hierher gekommen waren, aber sich von ihnen wegen ihres unehrlichen Treibens zurückgezogen hatten. Diese kamen nämlich zur Synode, klagten über die erlittene Gewalt, sagten, daß auf jener Seite nichts wirklich Gutes geschehe, und fügten auch das noch bei, daß es dort allerdings Anhänger des wahren Glaubens gebe, daß sie aber, wenn sie sich von jenen zurückziehen wollten, durch Drohungen und strenges Verbot abgehalten würden, von jenen weg hierher zu kommen. In dieser Absicht haben sie auch Sorge getragen, daß alle in einem Hause wohnten, und haben diesen selbst für ganz kurze Zeit nicht gestattet, für sich allein zu sein.

Da es nun nicht länger anging, schweigend zu ertragen und ungerügt zu lassen die Verleumdungen, die Einkerkerungen, die Mordtaten, die Verwundungen, die Anfertigung gefälschter Schreiben, die Mißhandlungen, die Schändungen der Jungfrauen, die Verbannungen, die Zerstörung der Kirchen, die Brandstiftungen, die Versetzungen von kleinen Städten hinweg in größere Diözesen und vor allem die durch jene jetzt ins Leben gerufene, gegen den rechten Glauben sich auflehnende unselige arianische Häresie: deshalb haben wir erklärt, daß unsere geliebten Brüder und Mitbischöfe Athanasius, Bischof von Alexandrien, Marcellus von Ancyra in Galatien, Asklepas von Gaza und ihre mit ihnen dem Herrn dienenden Amtsgenossen unsträflich und unschuldig seien, und haben wir auch an die Gemeinde eines jeden geschrieben, damit das Volk einer jeglichen Kirche die Unschuld seines Bischofs erkenne, ihn als seinen (rechtmäßigen) Bischof betrachte und seine Rückkehr erwarte, diejenigen aber, welche, Wölfen gleich, in ihre Kirchen eingedrungen, Gregorius in Alexandrien, Basilius in Ancyra und Quintianus in Gaza, diese weder Bischöfe noch Christen nenne und überhaupt keine Gemeinschaft mit ihnen unterhalte und Briefe von ihnen weder annehme noch auch solche an sie schreibe.

Dagegen die Anhänger des Theodorus von Heraklea in Europa, den Narcissus von Neronias in Cilicien, den Acacius von Cäsarea in Palästina, Stephanus von Antiochien, Ursacius von Singidunum in Mösien, Valens von Mursa in Pannonien, Menophantus von Ephesus und Georgius von Laodicea, obwohl letzterer aus Furcht vom Morgenlande nicht hierher gekommen ist, da er aber von dem seligen Alexander, dem damaligen Bischof von Alexandrien, abgesetzt wurde und da mit ihm die genannten alle der wahnsinnigen Lehre des Arius huldigen sowie auch mit Rücksicht auf die gegen sie erhobenen Beschuldigungen, hat die heilige Synode diese alle einstimmig der bischöflichen Würde verlustig erklärt, und wir haben geurteilt, daß sie nicht bloß nicht Bischöfe sein, sondern auch nicht einmal der Gemeinschaft mit den übrigen Gläubigen für würdig gehalten werden sollen. Denn diejenigen, welche den Sohn von der Wesenheit und Gottheit des Vaters trennen und den Logos vom Vater scheiden, müssen von der katholischen Kirche getrennt und vom christlichen Namen geschieden werden. Sie sollen demnach uns und allen Anathema sein, weil sie das Wort der Wahrheit verfälscht haben! Denn es ist ein Gebot des Apostels: ‚Wenn euch jemand ein anderes Evangelium verkündigt als das, welches ihr empfangen habt, der sei Anathema!‘ Verkündiget also, daß niemand mit diesen Gemeinschaft habe; ‚denn es gibt keine Gemeinschaft zwischen dem Licht und der Finsternis‘. Diese alle haltet ferne von Euch; ‚denn es gibt keine Übereinstimmung zwischen Christus und Belial‘. Hütet Euch, geliebte Brüder, an sie zu schreiben und Briefe von ihnen entgegenzunehmen! Beeilet Euch endlich, geliebte Brüder und Amtsgenossen, auch Eurerseits als im Geiste anwesend unserer Synode durch Eure Unterschrift beizupflichten und zuzustimmen, damit so die Übereinstimmung aller unserer Mitbischöfe allenthalben gewahrt werde.

Wir schließen also jene aus und verweisen aus der katholischen Kirche alle diejenigen, die da behaupten, Christus sei selbstverständlich Gott, aber er sei nicht wahrer Gott, er sei zwar Sohn, aber er sei nicht wahrer Sohn, er sei zugleich gezeugt und geworden. Denn daß sie diese Auffassung von dem Gezeugten haben, das gestehen sie selbst ein, weil sie sagen: ‚Das, was gezeugt ist, das ist zugleich auch geworden‘, und weil sie, obschon Christus vor allen Zeiträumen ist, ihm dennoch einen Anfang und ein Ende zuschreiben, was er aber nicht in der Zeit, sondern vor aller Zeit hat.

Neulich sind nun auch noch zwei giftige Nattern von der arianischen Schlange geboren worden, Valens und Ursacius, welche sich rühmen und kein Bedenken tragen, zu behaupten, daß sie Christen seien, und daß der Logos und daß der (Heilige) Geist gekreuzigt und getötet worden, gestorben und wieder auferstanden sei und, was die ganze Schar der Häretiker besonders hartnäckig verficht, daß die Hypostasen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes verschieden und voneinander getrennt seien.

Wir aber haben dieses überkommen und von unseren Lehrern vernommen und halten dieses fest als die katholische und apostolische Überlieferung, Glaubenslehre und Bekenntnisformel, daß der Vater, der Sohn und der Heilige Geist nur eine Hypostase haben, welche die Häretiker selbst Usia nennen. Und wenn sie fragen sollten, welches denn die Hypostase des Sohnes sei, so bekennen wir, daß es eine und dieselbe ist mit der dem Vater zugeschriebenen, und daß der Vater niemals ohne den Sohn und der Sohn nie ohne den Vater gewesen ist und sein kann, weil er der Logos (die Vernunft) des Vaters ist. Denn es ist ganz unstatthaft, zu sagen, daß der Vater je einmal nicht gewesen ist; daß aber der Vater ohne den Sohn nicht genannt werden und nicht sein kann, bezeugt der Sohn selbst, wenn er sagt: ‚Ich bin im Vater, und der Vater ist in mir‘ und: ‚Ich und der Vater sind eins‘. Niemand von uns leugnet das ‚gezeugt‘, wohl aber leugnen wir, daß er für bestimmte Dinge gezeugt sei, für alles, was unsichtbar und sichtbar genannt wird, gezeugt als Schöpfer und Bildner der Erzengel und Engel, der Welt und des Menschengeschlechtes, weil es heißt: ‚Die Bildnerin von allem, die Weisheit, lehrte mich‘; und: ‚alles ist durch ihn geworden‘. Denn er konnte nicht immer sein, wenn er einen Anfang genommen hat; der Logos aber ist immer und hat darum keinen Anfang, wie er auch als Gott nie ein Ende zu erwarten hat. Wir sagen nicht, daß der Vater Sohn, noch auch, daß der Sohn Vater sei; sondern der Vater ist Vater, und der Sohn ist des Vaters Sohn. Wir bekennen, daß der Sohn die Kraft des Vaters ist; wir bekennen, daß er das Wort (der Logos) des Vaters ist, neben dem es kein anderes mehr gibt, und daß das Wort (der Logos) wahrer Gott ist und Weisheit und Macht. Wir lehren, daß es der wahre Sohn ist; aber nicht so, wie die anderen Söhne (Gottes) genannt werden, nicht so nennen wir ihn Sohn; denn jene dürften wohl deshalb Götter sein, weil sie wiedergeboren sind, oder sie werden Söhne genannt, weil sie dieser Ehre gewürdigt worden sind, nicht aber wegen der einen Hypostase, die dem Vater und Sohn gemeinsam ist. Wir bekennen ihn ferner als Eingebornen und als Erstgebornen; aber als Eingebornen den Logos, der immer im Vater war und ist, während die Bezeichnung ‚der Erstgeborne‘ sich auf den Menschen bezieht; er hat nämlich in der uns allen gemeinsamen Schöpfung den Vorzug, daß er ‚der Erstgeborne von den Toten‘ ist. Wir bekennen, daß es nur einen Gott gibt, wir bekennen eine Gottheit des Vaters und des Sohnes. Auch leugnet nie jemand, daß der Vater größer ist als der Sohn, aber nicht auf Grund einer anderen Hypostase, nicht wegen irgendeines Unterschiedes, sondern weil eben der Name des Vaters größer ist als der des Sohnes. Darin besteht aber die gotteslästerliche und verkehrte Schriftauslegung jener Menschen, daß sie hartnäckig behaupten, der Sohn habe die Worte ‚Ich und der Vater sind eins‘ nur gebraucht wegen seiner Übereinstimmung und Gesinnungsgleichheit (mit dem Vater).

Diese ihre törichte und jämmerliche Auffassung haben wir Katholiken alle verurteilt. Gleichwie sterbliche Menschen, wenn sie anfangen, verschiedener Meinung zu sein, erst verfeindet und uneinig werden und dann sich wieder versöhnen, so, meinen sie, könne auch zwischen Gott, dem allmächtigen Vater, und dem Sohne Zwiespalt und Uneinigkeit herrschen, was zu denken und anzunehmen doch ganz widersinnig ist. Wir dagegen glauben und behaupten und haben die Überzeugung, daß der heilige Mund die Worte: ‚Ich und der Vater sind eins‘ auch wegen der Einheit der Hypostase gebraucht hat, welche eine und dieselbe ist im Vater und im Sohne. Und auch das glauben wir, daß der Sohn immer, ohne Anfang und ohne Ende, mit dem Vater herrscht und daß seine Herrschaft keine Zeit und kein Ende hat, weil das, was immer ist, niemals zu sein angefangen hat und auch niemals ein Ende nehmen kann.

Wir glauben und nehmen an den Paraklet, den Heiligen Geist, den uns der Herr selbst verheißen und gesandt hat; und von diesem glauben wir, daß er gesandt worden ist; dieser hat nicht gelitten, sondern der Mensch, mit dem der Sohn sich umkleidet hat, den er angenommen hat aus Maria der Jungfrau, der Mensch, der leiden konnte; denn der Mensch ist sterblich, Gott aber ist unsterblich. Wir glauben, daß er am dritten Tage auferstanden ist; nicht Gott ist im Menschen, sondern der Mensch ist in Gott auferstanden, den er auch seinem Vater als Opfer dargebracht hat, den er erlöst hat. Wir glauben ferner, daß er zu der von ihm beschlossenen und bestimmten Zeit alle, und zwar über alles richten wird.

So groß ist aber bei jenen die Unvernunft, und mit so dichter Finsternis ist ihr geistiges Auge verdunkelt, daß sie das Licht der Wahrheit nicht sehen können. Sie begreifen nicht, in welchem Sinne gesagt ist: ‚Damit auch sie in uns eins seien‘. Es ist klar, weshalb gesagt wurde: ‚eins‘; weil nämlich die Apostel den heiligen Geist Gottes empfangen haben; aber dennoch waren sie nicht der (Heilige) Geist, noch auch einer von ihnen der Logos oder die Weisheit oder die Kraft oder der Eingeborne. ‚Wie ich‘, sagt er, ‚und du eins sind, so mögen auch sie in uns eins sein.‘ Ja das Wort Gottes unterscheidet genau; es sagt: ‚in uns mögen sie eins sein‘! Es sagt nicht: ‚Wie wir eins sind, ich und der Vater‘, sondern die Jünger sind in ihnen verbunden und geeinigt eins durch Glaube und Bekenntnis, damit sie auch in der Gnade und Furcht Gottes des Vaters und in der Barmherzigkeit und Liebe unseres Herrn und Heilandes eins sein können.“

Aus diesem Schreiben kann man sowohl die Verleumdungssucht der Ankläger als auch die Ungerechtigkeit der früheren Richter und außerdem die gesunde Form der christlichen Lehre erkennen. Denn die ehrwürdigen Väter haben uns darin nicht nur über die göttliche Natur unterrichtet, sondern auch die Lehre von der Menschwerdung Christi hinzugefügt.

Als Konstans von diesen Dingen Kenntnis erhielt, ward er unwillig über die weiche Nachgiebigkeit seines Bruders und erzürnt über jene Leute, welche diese Dinge angezettelt und den leicht beweglichen Sinn des Kaisers irregeführt hatten. Er wählte nun zwei von den.

Die Bischöfe Euphrates und Vincentius und der in Antiochien gegen sie unternommene Anschlag

Stephanus, der das Steuerruder der Kirche von Antiochien in Händen hielt und das Schiff dem Untergang entgegenführte, hatte bei seinen verwegenen und gewalttätigen Unternehmungen verschiedene Genossen, mit deren Hilfe er den Anhängern der wahren Lehre mannigfaches Leid zufügte. An der Spitze derselben stand ein gewisser junger Mensch, der einem frechen, übermütigen und zuchtlosen Treiben sich hingab und die Leute nicht nur mit Schimpf und Schande von den öffentlichen Plätzen wegführte, sondern selbst in die Häuser eindrang und ohne alle Rücksicht Männer und Frauen von Rang und Ansehen gewaltsam hinwegschleppte. Um mich jedoch bei der Schlechtigkeit dieses Menschen nicht allzulange aufzuhalten, will ich nur erzählen, was er gegen die besten Männer zu unternehmen gewagt hat. Das wird genügen, um daraus erschließen zu können, welche Gewalttätigkeiten er sich gegen seine Mitbürger erlaubt haben wird.

Derselbe begab sich zu einer öffentlichen Dirne und sagte ihr, soeben seien Fremde gekommen, welche sie für die Nacht begehrten. Sodann nahm er fünfzehn seiner Genossen und verbarg sie in den Gesträuchen am Fuße des Berges. Hierauf brachte er das schlechte Frauenzimmer herbei, gab den Genossen seiner Freveltat das früher vereinbarte Zeichen, und nachdem er sich so ihrer Anwesenheit versichert hatte, trat er an die Hoftüre des Hauses, wo jene Männer eingekehrt waren. Diese fand er geöffnet, er hatte nämlich einen der Dienstboten mit Geld bestochen, daß er sie öffne, führte das Weib hinein, zeigte ihm die Türe des Gemaches, wo der eine Bischof schlief, und forderte es auf, dort einzutreten. Er selbst ging wieder hinaus, um seine Gefährten zu rufen. Zufällig schlief Euphrates, so hieß nämlich der ältere der beiden Bischöfe, in dem vorderen Teil des Hauses, während Vincentius, so hieß der andere Bischof, im inneren Gemache ruhte. Als nun die schlechte Frauensperson innerhalb der Türe war, vernahm Euphrates den Tritt ihrer Füße; und da es finster war, fragte er, wer da gehe. Als hierauf jene anfing zu sprechen, geriet Euphrates in die größte Bestürzung; denn er meinte, es sei ein böser Geist, der die Stimme eines Weibes nachahme. Sofort rief er Christus den Erlöser um seine Hilfe an. Inzwischen war Onagros, so hieß nämlich der Anführer der schlechten Schar, weil er mit Händen und Füßen gegen die Rechtgläubigen ankämpfte, mit seiner Bande ebenfalls eingedrungen; er schmähte mit lauter Stimme als Gesetzesverächter diejenigen, welche hoffen konnten, Richter von Gesetzesübertretungen zu sein. Es entstand ein großer Lärm, die Diener liefen zusammen, es erhob sich auch Vincentius. Man schloß die Türe des Hofes; so gelang es, sieben von der Bande zu ergreifen, während Onagros mit den anderen entfliehen konnte; doch wurde mit den ersteren auch das Weib gefangen genommen. Gegen Morgen weckten die Bischöfe den mit ihnen gekommenen General und begaben sich (mit demselben) zum Palast des Kaisers. Dort führten sie laute Klage über die Verwegenheit des Stephanus und erklärten, sein Verbrechen bedürfe weder einer gerichtlichen Verhandlung noch einer Untersuchung. Ganz besonders aber klagte der General, der an den Kaiser die dringende Bitte richtete, dieses unsittliche Attentat nicht auf einer Synode, sondern durch das weltliche Gericht aburteilen zu lassen. Er erklärte sich bereit, die Kleriker seiner Bischöfe zuerst foltern zu lassen, nur müßten dann auch die Diener des Stephanus derselben Pein unterzogen werden. Dieser aber widersetzte sich dem mit aller Entschiedenheit und behauptete, Kleriker dürften nicht gegeißelt werden. Da beschlossen der Kaiser und die Behörden, die Untersuchung der Angelegenheit drinnen im kaiserlichen Palast vornehmen zu lassen. Zuerst fragte man nun das Weib, wer sie zur Herberge der Bischöfe geführt habe. Sie erzählte, daß ein gewisser junger Mann zu ihr gekommen sei und ihr die Ankunft und den Wunsch der Fremden bekannt gegeben habe, daß derselbe am Abend wieder gekommen sei und sie zur Herberge geleitet habe, daß er dann seine im Versteck liegende Rotte aufgesucht und gefunden, durch die Hoftüre eingeführt und aufgefordert habe, in den vorderen Teil des Hauses einzutreten. Außerdem berichtete sie noch über die Frage des Bischofs, seine Bestürzung und sein Gebet und über den Angriff der eingedrungenen Bande.

Die Absetzung des Stephanus

Nachdem die Richter dieses vernommen hatten, ließen sie den jüngsten der Gefangenen vorführen. Dieser wartete das Zwangsmittel der Geißelung gar nicht ab, sondern deckte von selbst den ganzen ruchlosen Plan auf und gestand, daß dieses alles von Onagros ins Werk gesetzt worden sei. Darauf wurde dieser letztere herbeigeführt; er bekannte, daß Stephanus dazu den Auftrag gegeben habe.

Nachdem man auf solche Weise die Schlechtigkeit des Stephanus kennen gelernt hatte, trug man den gerade anwesenden Bischöfen auf, ihn abzusetzen, worauf man ihn aus der Kirche vertrieb. Doch wurde dadurch die Kirche vom Gift des Arianismus nicht gänzlich befreit. Denn nach jenem erhielt den bischöflichen Stuhl Leontius, der seiner Abstammung nach ein Phrygier, seiner Gesinnung nach aber heimtückisch war, wie die verborgenen Klippen des Meeres. Doch werde ich von diesem Manne etwas später handeln.

Damals nun richtete Konstantius, nachdem er die Umtriebe gegen die Bischöfe aus eigener Erfahrung kennen gelernt hatte, an den großen Athanasius einmal, zweimal und selbst ein drittes Mal Briefe, worin er ihn einlud, aus dem Abendlande wieder zurückzukehren. Ich will den mittleren dieser Briefe, der kurz ist, meiner Erzählung einfügen.

Der Brief des Konstantius an Athanasius

„Konstantius, der Siegreiche, Augustus, dem Athanasius.

Obschon wir Dir in unserem früheren Schreiben auf das Deutlichste zu erkennen gegeben haben, daß Du ohne alle Sorge zu unserem Gefolge kommen mögest, weil es unser ernstester Wille ist, Dich in Deine Heimat zurückzusenden, so richten wir doch auch jetzt wieder dieses Schreiben an Deine Hochwürden und laden Dich durch dasselbe ein, ohne alles Mißtrauen und ohne Furcht die staatlichen Postwagen zu besteigen und zu uns zu eilen, damit Du zur Erfüllung Deiner Wünsche gelangen kannst.“

Zweite Rückkehr des heiligen Athanasius

Als Athanasius daraufhin zurückkehrte, nahm ihn der Kaiser wohlwollend auf und wies ihn an, sich wieder zur Kirche von Alexandrien zurückzubegeben. Aber die Persönlichkeiten, welche damals auf den Kaiser den größten Einfluß hatten, waren von der Krankheit des Arianismus angesteckt und meinten, Athanasius solle eine von den Kirchen denjenigen überlassen, welche mit ihm keine Gemeinschaft haben wollten. Solches sagten sie zum Kaiser, der Kaiser aber sagte es zu Athanasius. Dieser erwiderte, es sei billig, den Befehlen des Kaisers zu gehorchen, doch möchte auch er ihm eine Bitte vortragen. Als nun der Kaiser versprach, er wolle bereitwillig gewähren, um was immer er bitten würde, da entgegnete Athanasius, auch diejenigen, welche in Antiochien mit den im Besitze der Kirchen Befindlichen keine Gemeinschaft haben wollten, bedürften eines gottesdienstlichen Gebäudes, und es sei billig, daß auch diesen eines der Gotteshäuser übergeben werde. Der Kaiser stimmte zu, bestätigend, daß die Forderung recht und billig sei, aber die Führer der häretischen Gemeinschaft widersprachen und erklärten, es sollten dann keiner der beiden Parteien Kirchen ausgeliefert werden. Konstantius aber ward von Bewunderung für Athanasius erfüllt und entließ ihn nach Alexandrien. Dort war inzwischen Gregorius gestorben; er war von seinen eigenen Leuten ermordet worden. Als die Alexandriner ihren Hirten wieder sahen, veranstalteten sie öffentliche Volksgelage und glänzende Feste zu seiner Ehrung und zum Lobe Gottes.

Kurze Zeit darauf schied Konstans aus dem Leben.

Dritte Verbannung und Flucht des Athanasius.

Diejenigen, welche den Konstantius nach ihrem Belieben lenkten, riefen ihm jetzt ins Gedächtnis zurück, wie er um des Athanasius willen mit seinem Bruder in Zwist geraten sei und wie sie beinahe die Bande der Natur zerrissen und Krieg gegeneinander begonnen hätten. Hierdurch erbittert, befahl Konstantius nicht etwa nur, den heiligen Athanasius zu verbannen, sondern sogar ihn zu töten. Er sandte einen gewissen Sebastianus als Anführer mit einer sehr großen Heeresmacht und mit dem Befehle, ihn umzubringen wie einen Verbrecher. Wie dieser hierbei zu Werke ging und wie jener durch die Flucht sich entzog, wird derjenige, der dieses erlitten hat und wider Erwarten gerettet wurde, selbst am besten zu erzählen wissen. In der Apologie seiner Flucht berichtet er nämlich folgendes:

„Mögen sie gleichwohl auch die Art und Weise meiner Flucht ins Auge fassen und mögen sie sich dieselbe erzählen lassen von ihren eigenen Leuten! Denn es waren Arianer, die mit den Soldaten mitliefen, um sie anzutreiben und uns denen zu zeigen, die uns nicht kannten. Und wenn sie vielleicht auch eben deswegen teilnahmslos sind, so mögen sie uns doch wenigstens aus Scham ruhig anhören! Schon war nämlich die Nacht angebrochen, und einige aus dem Volke wollten sie durchwachen in Erwartung der gottesdienstlichen Feier. Da erschien plötzlich der Befehlshaber mit mehr als fünftausend Soldaten, welche Waffen, entblößte Schwerter, Bogen, Pfeile und Keulen mit sich führten, wie schon früher gesagt worden ist. Er umzingelte die Kirche und stellte die Soldaten so dicht nebeneinander, daß ihnen niemand, der aus der Kirche herauskam, entgehen konnte. Ich hielt es aber für unpassend, in einer so großen Verwirrung das Volk zu verlassen und nicht vielmehr an seiner Spitze die Gefahr zu bestehen; daher blieb ich auf dem Thronsessel und befahl dem Diakon, einen Psalm zu lesen, das Volk aber sollte antworten: „Denn seine Barmherzigkeit währet in Ewigkeit.“ Dann sollten sich alle entfernen und nach Hause gehen. Als aber endlich der Heerführer in die Kirche eindrang und die Soldaten den Chor umstellten, um uns gefangen zu nehmen, da fingen die anwesenden Kleriker und das Volk an zu rufen und uns aufzufordern, daß nun auch wir uns entfernen sollten. Ich aber erklärte dagegen mit noch größerer Entschiedenheit, daß ich mich nicht eher entfernen würde, bis alle anderen der Reihe nach fortgegangen wären. Ich stand also auf, befahl zu beten und forderte alle miteinander auf, währenddessen die Kirche zu verlassen, denn, so sagte ich, es ist besser, wenn ich in Gefahr gerate, als daß irgendjemand von Euch zu Schaden komme. Nachdem nun die meisten schon hinausgegangen waren, während die übrigen folgten, kamen die dort bei uns befindlichen Mönche und einige von den Klerikern zu uns hinauf und rissen uns mit sich fort. So entkamen wir, die Wahrheit ist uns Zeuge, während die Soldaten teils den Chor umstanden, teils die Kirche umzingelten, da der Herr uns führte und schützte; wir entgingen unbemerkt ihren Händen und lobten und priesen gerade Gott gar sehr dafür, daß wir einerseits das Volk nicht preisgegeben, sondern vor uns entlassen hatten, und daß wir andrerseits doch Rettung zu finden und den Händen derer, die uns suchten, zu entrinnen vermocht hatten.“

Georgius und seine in Alexandrien verübten Freveltaten

„Nachdem so Athanasius ihren blutdürstigen Händen entronnen war, wurde Georgius, ein zweiter Wolf, mit der Leitung jener Herde betraut; aber er behandelte die Schafe grausamer wie ein Wolf oder Bär oder Panther. Er zwang nämlich die Jungfrauen, welche lebenslängliche Keuschheit gelobt hatten, nicht nur die Gemeinschaft mit Athanasius aufzugeben, sondern auch den Glauben der Väter zu verwerfen. Als Gehilfen seiner Grausamkeit benützte er einen gewissen Sebastianus, Vorstand der militärischen Aushebungskommission, der mitten in der Stadt einen Scheiterhaufen anzünden ließ und die Jungfrauen unbekleidet neben demselben aufstellte und aufforderte, den Glauben zu verleugnen. Diese jedoch, ein zugleich trauriges und mitleiderregendes Schauspiel bietend für Gläubige und Ungläubige, hielten die äußerste Schmach für die größte Ehre und erduldeten die für den Glauben empfangenen Geißelstreiche mit freudigem Herzen. Jedoch wird auch dieses am anschaulichsten ihr eigener Hirte darzustellen vermögen.

„Nachdem sodann in der Fastenzeit der von ihnen gesandte Georg aus Kappadozien angekommen war, häufte er die Freveltaten, die er von ihnen gelernt hatte. Nach der Osterwoche wurden Jungfrauen ins Gefängnis geworfen, Bischöfe von Soldaten in Fesseln abgeführt, die Häuser von Witwen und Waisen geplündert, Raubzüge und Überfälle auf andere Häuser unternommen und Christen zur Nachtzeit hinweggeführt; es wurden Häuser versiegelt, und Brüder von Geistlichen gerieten um ihrer Brüder willen in große Gefahr. Ist dieses schon schrecklich, so ist noch schrecklicher, was sie später zu verüben wagten. In der Woche nach dem heiligen Pfingstfeste begab sich das Volk, als das Fasten zu Ende ging, auf den Friedhof, um zu beten, weil alle die Gemeinschaft mit Georgius verabscheuten. Als nun dieser schlechte Mensch das erfuhr, stachelte er den Befehlshaber Sebastian, einen Manichäer, auf, und so machte dieser endlich mit einer Schar Soldaten, welche Waffen, entblößte Schwerter, Bogen und Pfeile, mit sich führten, gerade am Sonntag einen Angriff auf das Volk. Er traf nur mehr wenige Beter an, denn die meisten hatten sich wegen der vorgerückten Zeit bereits entfernt; aber nun verübte er solche Greueltaten, wie sie nur derjenige vollführen konnte, der sie von jenen gehört und gelernt hatte. Er ließ nämlich einen Scheiterhaufen anzünden, führte die Jungfrauen an das Feuer und wollte sie zwingen, zu bekennen, daß sie den Glauben des Arius hätten. Als er aber sah, daß sie standhaft blieben, da ließ er sie schließlich entblößen und so heftig in das Gesicht schlagen, daß sie noch längere Zeit hernach kaum zu erkennen waren. Er ließ ferner vierzig Männer, die er in seine Gewalt bekommen hatte, auf eine ganz neue Art und Weise durchhauen. Er ließ nämlich frische Ruten von den Palmen schneiden, an denen noch die Stacheln waren, und damit jenen den Rücken so zerfleischen, daß einige derselben wiederholt ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten, weil sich die Stacheln in ihrem Fleische festgesetzt hatten, während andere, die so große Qualen nicht zu ertragen vermochten, darüber ihren Geist aufgaben. Alle aber, die am Leben blieben, verbannten sie zumal und zugleich mit den Jungfrauen nach der großen Oase. Ja nicht einmal die Leichname der Verstorbenen ließen sie anfangs ihren Angehörigen übergeben (zur Bestattung), sondern verbargen dieselben nach ihrem Belieben, indem sie dieselben unbeerdigt irgendwo hinwarfen, weil sie glaubten, daß auf diese Weise ihre so große Grausamkeit verborgen bleiben würde. Solches aber tun diese törichten Menschen, weil sie sich in ihrer Berechnung (über die Wirkung ihrer Handlungsweise) täuschen. Da nämlich die Angehörigen der Verstorbenen über deren Bekenntnis zwar erfreut, wegen der Nichtauslieferung der Leichname aber betrübt waren, verbreitete sich der Ruf von diesem Beweis ihrer Grausamkeit nur um so weiter. Sie verbannten nämlich auch sofort aus Ägypten und Libyen mehrere Bischöfe, Ammonius, Mujus, Gajus, Philon, Hermes, Plenius, Psenosiris, Neilammon, Agathus, Anagamphus, Markus, einen anderen Ammonius, einen anderen Markus, Drakontius, Adelphius, Athenodorus und die Priester Hierax und Dioskurus. Und zwar vertrieben sie dieselben mit solcher Rücksichtslosigkeit, daß einige von ihnen auf dem Wege, andere in der Verbannung selbst den Tod erlitten. Sie verbannten so mehr als dreißig Bischöfe. Es trieb sie nämlich wie den Achab die Sucht, die Wahrheit, wenn möglich, ganz auszurotten.“

Und in seinem Trostschreiben an jene Jungfrauen, welche diese schweren Verfolgungen erduldet hatten, sagt Athanasius unter anderem folgendes:

„Darum möge keine von Euch sich übermäßig betrüben, wenn auch die Gottlosen Euch das Begräbnis mißgönnen und die Bestattung verhindern! Soweit hat sich nämlich die Verfolgungswut der Arianer verstiegen: sie verschließen die Tore und sitzen auf den Grabdenkmälern herum wie Dämonen, damit ja von den Verstorbenen niemand beigesetzt werden könne.“

Solches und Ähnliches verübte also Georgius in Alexandrien. Der heilige Athanasius aber konnte keinen Ort für hinreichend sicher halten, da der Kaiser befohlen hatte, ihn entweder lebendig vorzuführen oder ihm das Haupt des Toten zu bringen, und da er für die Ausführung dieses Befehls einen sehr hohen Lohn ausgesetzt hatte.

Die Synode in Mailand

Als nach dem Tode des Konstans Magnentius sich der Herrschaft über das Abendland bemächtigt hatte, brach Konstantius selbst nach Europa auf, um gegen den Usurpator zu Felde zu ziehen. Aber selbst dieser schwierige Krieg setzte dem Krieg gegen die Kirchen kein Ziel. Man überredete nämlich den Kaiser, der sich leicht für alles gewinnen ließ und bereits das Gift der Häresie in sich aufgenommen hatte, nach Mailand, einer Stadt Italiens, eine Synode zu berufen und zuerst alle, die da zusammenkommen würden, zu zwingen, der in Tyrus von jenen ungerechten Richtern ausgesprochenen Absetzung beizupflichten, dann aber, wenn auf diese Weise Athanasius aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen wäre, ein neues Glaubensbekenntnis aufzustellen. Allein die Bischöfe kamen zwar auf das kaiserliche Schreiben hin zusammen, wollten aber weder das eine noch das andere tun, sondern machten dem Kaiser ins Gesicht hinein geradezu den Vorwurf, daß er Ungerechtes und Gottloses von ihnen verlange, und wurden daraufhin von ihren Kirchen vertrieben und zur Verbannung an die äußersten Grenzen der Erde verurteilt. Auch dieses hat wieder der bewunderungswürdige Athanasius in seiner schon genannten Apologie uns aufgezeichnet.

„Wer könnte das alles erwähnen, was jene getan haben? Die Kirchen erfreuten sich seit kurzem wieder des Friedens, und das Volk betete bei den gottesdienstlichen Versammlungen; da wurden der Bischof von Rom, Liberius, und Paulinus, der Bischof der Metropole Galliens, Dionysius von der Metropole Italiens, Lucifer von der Metropole der sardinischen Inseln und Eusebius aus Italien, lauter gute Bischöfe und Herolde der Wahrheit, ergriffen und in die Verbannung geführt, und zwar aus keinem anderen Grunde, als weil sie der arianischen Häresie nicht beipflichten und die verleumderischen Anklagen, welche die Arianer gegen uns erhoben, nicht unterschreiben wollten. Von dem großen und hochbetagten Bekenner Hosius, der in Wahrheit ein Hosius (das heißt ein Heiliger) war, ist es überflüssig, auch nur ein Wort zu sagen; denn sonder Zweifel ist es allen bekannt geworden, daß sie auch dessen Verbannung durchgesetzt haben. Dieser ehrwürdige Greis ist ja nicht unbekannt, sondern weitaus der berühmteste von allen. Auf welcher Synode hätte er nicht den Vorsitz geführt und durch seine zutreffenden Worte alle überzeugt? Welche Kirche bewahrt nicht die schönsten Erinnerungen an seine Hirtensorge? Wer wäre jemals traurig zu ihm gekommen und nicht freudig von ihm weggegangen? Wer hätte sich jemals mit einer Bitte an ihn gewandt und hätte sich entfernt, ohne erlangt zu haben, was er wünschte? Und dennoch haben sie sich auch an diesen Mann herangewagt, weil auch er, ihre gottlosen Verleumdungen klar durchschauend, ihre Anschläge gegen uns nicht unterzeichnen wollte.“

Was man sich also gegen jene heiligen Männer alles erlaubte, zeigt uns die vorstehende Schilderung. Wie viel Schlimmes aber die Anführer der arianischen Sekte sehr vielen anderen zugefügt haben, auch das erzählt uns derselbe heilige Mann in der gleichen Schrift.

„Wen haben sie nicht, wenn sie ihn verfolgt und ergriffen hatten, nach Laune und Willkür mißhandelt? Wen haben sie nicht, nachdem sie ihn gesucht und gefunden hatten, so übel zugerichtet, daß er entweder elend sterben oder doch an allen Gliedern Schaden nehmen mußte? Denn was man sonst die Richter tun sieht, das vollziehen jetzt diese, ja noch mehr, erstere sind die Diener ihres Willens und ihrer Schlechtigkeit. Wo ist ein Ort, der nicht irgendein Erinnerungszeichen ihrer Bosheit aufzuweisen hätte? Welche Andersgesinnten haben sie nicht zugrunde gerichtet, und zwar unter erlogenen Vorwänden nach Art der Jezabel? Welche Kirche ist nicht in Trauer infolge ihrer Nachstellungen und Verfolgungen? Antiochien trauert um den rechtgläubigen Bekenner Eustathius, Balaneä um Euphration, Paltos und Antarados um Kymatius und Karterius, Adrianopel um Eutropius, den Freund Christi, und um dessen Nachfolger Lucius, der oftmals von ihnen in Ketten gelegt und so zu Tode gemartert worden ist, Ancyra trauert um Marcellus, Beröa um Cyrus, Gaza um Asklepas. Diese alle haben jene hinterlistigen Menschen zuerst vielfach mißhandelt und dann auch noch in die Verbannung schicken lassen. Dem Theodulus und Olympius, beide aus Thrazien, sowie uns und unseren Priestern ließen sie so eifrig nachspüren, daß es uns, wären wir gefunden worden, den Kopf gekostet hätte, und wir wären wohl so dem Tode verfallen gewesen, wenn wir ihnen nicht wider Erwarten auch damals entronnen wären. So lauten nämlich die Schreiben, welche in Betreff des Olympius an den Prokonsul Donatus und unsertwegen an Philagrius gerichtet wurden.“

Dieses waren also die verwegenen Unternehmungen jener gottlosen Partei gegen die heiligen Männer. Der genannte Hosius aber war Bischof von Corduba. Er hatte sich schon auf der großen Synode zu Nizäa ausgezeichnet und auf der Versammlung zu Sardika den Vorsitz geführt.

Ich will nunmehr die freimütige Verteidigung der Wahrheit durch den berühmten Liberius und die bewunderungswürdigen Worte, die er an Konstantius richtete, in meine Erzählung aufnehmen. Dieselben sind nämlich von gottliebenden Männern der damaligen Zeit aufgezeichnet worden, weil sie geeignet sind, bei den Freunden göttlicher Dinge den Eifer zu wecken und zu fördern. Liberius leitete die römische Kirche nach Julius, dem Nachfolger des Silvester.

Unterredung des Kaisers Konstantius mit dem römischen Bischof Liberius

Der Kaiser Konstantius sagte: „Da du ein Christ bist und der Bischof unserer Stadt, so hätten wir es für billig gehalten, daß du dem ruchlosen Wahnsinn des unseligen Athanasius die Gemeinschaft aufkündigest, und wir haben dich rufen lassen, um dir dieses dringend ans Herz zu legen. Denn der ganze Erdkreis hat entschieden, daß dieses am Platze sei, und hat ihn durch gemeinsamen Beschluß als nicht mehr zur kirchlichen Gemeinschaft gehörig erklärt.“

Der Bischof Liberius sagte: „O Kaiser! Die kirchlichen Urteile müssen mit sorgfältiger Gerechtigkeit gefällt werden. Wenn es daher deinem frommen Sinn gefällt, so befiehl, daß ein Gericht zusammengesetzt werde; und wenn alsdann Athanasius der Verurteilung würdig erscheinen sollte, dann soll das Urteil gegen ihn nach den Normen des kirchlichen Prozeßverfahrens gefällt werden; denn es geht nicht an, einen Mann zu verurteilen, über den wir nicht (ordnungsgemäß) Gericht gehalten haben.“

Der Kaiser Konstantius sagte: „Der ganze Erdkreis hat über seine Ruchlosigkeit geurteilt, aber wie von Anfang an spottet er nur über die öffentliche Meinung.“

Der Bischof Liberius sagte: „Alle, die unterschrieben haben, waren nicht Augenzeugen des Geschehenen, sondern sie unterzeichneten nur aus Rücksicht auf Ehre, aus Furcht und aus Angst vor deiner Ungnade.“

Der Kaiser: „Was soll mit Ehre, Furcht und Ungnade gesagt sein?“

Liberius: „Alle, welche die Ehre vor Gott nicht achten, haben deine Ehrenbezeigungen höher geschätzt und deshalb denjenigen, den sie mit eigenen Augen gar nicht sahen, ohne ordentliches gerichtliches Verfahren verurteilt, was bei Christen nicht vorkommen sollte.“

Der Kaiser: „Er ist aber doch in seiner Gegenwart gerichtet worden auf der Synode zu Tyrus, und alle Bischöfe des Erdkreises haben auf dieser Synode ihn verurteilt.“

Liberius: „Er ist noch niemals in seiner Gegenwart gerichtet worden. Denn alle, die damals sich eingefunden und ihn verurteilt haben, haben diese Verurteilung erst ausgesprochen, nachdem Athanasius aus dem Gerichtssaal sich entfernt hatte.“

Der Eunuch Eusebius sagte: „Auf der Synode zu Nizäa wurde ihm nachgewiesen, daß er vom katholischen Glauben abgewichen sei.“

Liberius: „Nur fünf von den Bischöfen, welche mit ihm in die Mareotis gesegelt waren, haben ihr Urteil abgegeben. Man hatte sie dorthin geschickt, um über den Gegenstand der Anklage eine Denkschrift gegen ihn zu verfassen. Von diesen Abgesandten sind zwei bereits gestorben, Theogonius und Theodorus, die übrigen drei sind noch am Leben, nämlich Maris, Valens und Ursacius. Zu Sardika verlangte man nun von diesen Abgesandten eine Erklärung wegen dieser Angelegenheit. Daraufhin reichten sie auf der Synode eine Schrift ein, worin sie wegen der in der Mareotis gegen Athanasius im Parteiinteresse verfaßten verleumderischen Denkschrift um Verzeihung baten. Diese ihre Schrift haben wir jetzt in unseren Händen. Mit welchen von diesen beiden sollen wir nun, o Kaiser, uns bewegen lassen, Gemeinschaft zu halten, mit denen, die früher den Athanasius verurteilt und später um Verzeihung gebeten haben, oder mit denen, die nun über die eben genannten ein verdammendes Urteil gesprochen haben?“

Der Bischof Epiktetus sagte: „O Kaiser! Nicht um des Glaubens willen und nicht im Interesse der kirchlichen Rechtsprechung führt Liberius heute das Wort, sondern um vor den Senatoren in Rom sich rühmen zu können, daß er den Kaiser mit seiner Beweisführung bekehrt habe.“

Der Kaiser sagte zu Liberius: „Der wievielste Teil des Erdkreises bist du denn, daß du allein einem unseligen Menschen anhängst und den Frieden des Erdkreises und der ganzen Welt störst?“

Liberius: „Wenn ich auch allein bin, so verliert dadurch die Sache des Glaubens nichts an Wert. Denn auch im Alten Bunde fanden sich nur drei, die dem Befehle (des Königs) Widerstand leisteten.“

Der Eunuch Eusebius sagte: „Du machst so unseren Kaiser zum Nabuchodonosor.“

Liberius: „Keineswegs; aber so wie du es machst, verurteilst du grundlos einen Mann, über den wir nicht gerichtet haben. Dagegen verlange ich, daß zuerst eine allgemeine Unterschrift stattfinde zur Bestätigung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, dann sollen unsere Brüder aus der Verbannung zurückgerufen und ihren Sitzen wiedergegeben werden, und wenn sich dann zeigen sollte, daß diejenigen, die jetzt Verwirrung in den Kirchen hervorrufen, mit dem apostolischen Glauben übereinstimmen, dann wollen wir alle nach Alexandrien kommen, wo der Angeklagte und die Kläger und der Verteidiger der letzteren sich befinden, und miteinander ihre Sache untersuchen und nach allen Seiten hin betrachten.“

Der Bischof Epiktetus sagte: „Aber das ganze öffentliche Fuhrwesen wird nicht genügen für eine solche Wanderung der Bischöfe.“

Liberius: „Die kirchlichen Angelegenheiten bedürfen des öffentlichen Fuhrwesens nicht. Die Kirchen sind aus sich selbst imstande, ihre Bischöfe bis an das Meer zu befördern.“

Der Kaiser: „Was schon rechtskräftig geworden ist, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden; das Urteil der Mehrheit der Bischöfe muß aufrecht erhalten werden. Du allein bist es, der an der Freundschaft jenes ruchlosen Menschen noch festhält.“

Liberius sagte: „Wir haben, o Kaiser, noch niemals gehört, daß ein Richter einen Angeklagten in dessen Abwesenheit der Ruchlosigkeit bezichtigt und so seine persönliche Feindschaft gegen denselben zum Ausdruck gebracht hätte.“

Der Kaiser: „Alle miteinander hat er beleidigt, aber niemand so wie mich. Nicht zufrieden mit dem Untergang meines älteren Bruders, hat er auch nicht aufgehört, den Konstans seligen Andenkens zur Feindschaft gegen uns aufzureizen, nur daß wir das große Drängen des Aufreizenden und Aufgereizten mit noch größerer Sanftmut ertrugen. Kein Erfolg aber gewährt mir solche Befriedigung, nicht einmal der Sieg über Magnentius und Silvanus, wie die Entfernung dieses verruchten Menschen von den kirchlichen Geschäften.“

Liberius: „Wolle, o Kaiser, deine Rachsucht nicht durch die Bischöfe befriedigen! Denn die Hände der Diener der Kirche müssen der Heiligung obliegen. Wenn es dir darum gefällt, so befiehl, daß die Bischöfe auf ihre Sitze zurückgerufen werden. Und wenn sich dann zeigen sollte, daß sie mit dem heutigen Verteidiger des zu Nizäa aufgestellten rechtgläubigen Bekenntnisses übereinstimmen, dann möge man an einem Orte zusammenkommen und für den Frieden der Welt Sorge tragen, damit nicht die Brandmarkung eines Mannes gebilligt wird, der nichts verbrochen hat.“

Der Kaiser: „Es handelt sich nur um eine Frage. Ich will dich wieder nach Rom zurückschicken, aber nur, wenn du zuvor mit den Kirchen in Gemeinschaft trittst. So laß dich denn um des Friedens willen erweichen, unterschreibe und kehre zurück nach Rom!“

Liberius: „Ich habe den Brüdern in Rom bereits Lebewohl gesagt. Denn höher stehen die kirchlichen Satzungen als der Aufenthalt in Rom.“

Der Kaiser: „Nun, du hast drei Tage Zeit zur Überlegung; wenn du willst, magst du unterschreiben und nach Rom zurückkehren; wenn nicht, dann magst du darüber nachdenken, an welchen Ort du gebracht werden willst.“

Liberius: „Die Bedenkzeit von drei Tagen wird an meinem Entschluß nichts ändern; schicke mich also, wohin du willst!“

Als Liberius nach zwei Tagen neuerdings gefragt wurde und seinen Entschluß nicht geändert hatte, gab der Kaiser den Befehl, ihn nach Beröa in Thrazien zu verbannen.

Nachdem Liberius hinausgegangen war, schickte ihm der Kaiser fünfhundert Goldstücke zur Deckung seiner Kosten. Liberius aber sprach zum Überbringer: „Gehe, und gib das Geld dem Kaiser zurück; denn er hat es nötig für seine Soldaten.“ Ebenso schickte ihm die Kaiserin die gleiche Summe. Liberius aber sagte: „Gib auch das dem Kaiser wieder; denn er hat es nötig für die Ausrüstung seiner Soldaten. Sollte aber der Kaiser dessen nicht bedürfen, so möge er es dem Auxentius und Epiktetus geben; denn diese brauchen es.“ Da er also von diesen kein Geld annahm, brachte ihm der Eunuch Eusebius ein anderes. Liberius aber sprach zu ihm: „Du hast die Kirchen des Erdkreises ausgeplündert und willst mir wie einem Verurteilten ein Almosen bringen? Gehe und werde zuerst ein Christ!“ Nach drei Tagen nun wurde Liberius, ohne etwas angenommen zu haben, in die Verbannung geschickt.

Verbannung und Rückkehr des heiligen Liberius

Der siegreiche Kämpfer für die Wahrheit begab sich also, wie befohlen, nach Thrazien. Zwei Jahre später kam Konstantius nach Rom. Da baten die Frauen der in Amt und Würden stehenden Römer ihre Männer inständig, sie möchten den Konstantius flehentlich ersuchen, daß er den Hirten seiner Herde zurückgebe, und sie fügten hinzu, wenn ihre Männer dieses nicht durchsetzten, würden sie dieselben verlassen und zu jenem großen Hirten hineilen. Diese antworteten jedoch, sie fürchteten den Zorn des Kaisers; „denn uns Männern wird er sicher nicht die geringste Nachsicht angedeihen lassen; wenn Ihr aber ihn bittet, Euch wird er ohne Zweifel Schonung zuteil werden lassen, und es wird eines von beiden geschehen: entweder er wird Euere Fürbitte gut aufnehmen oder, wenn er sich nicht erweichen läßt, wird er Euch doch ohne Strafe zurückschicken.“ Auf diesen Vorschlag gingen jene lobwürdigen Frauen ein und begaben sich in ihrem gewohnten reichen Schmuck zum Kaiser, damit er schon aus ihrer Kleidung ihren vornehmen Stand erkennen und ihnen Achtung und Schonung erweisen möchte. So traten sie also vor ihn hin und flehten ihn an, er möge doch Mitleid haben mit einer so großen Stadt, die ihres Hirten beraubt und den Angriffen der Wölfe schutzlos preisgegeben sei. Der Kaiser erwiderte, die Stadt bedürfe keines anderen Hirten; sie habe ja einen Hirten, der imstande sei, für sie zu sorgen. Es war nämlich nach dem großen Liberius einer von seinen Diakonen, Felix mit Namen, gewählt worden, der zwar das nizänische Glaubensbekenntnis unversehrt festhielt, aber mit den Gegnern desselben ohne Scheu Gemeinschaft unterhielt. Infolgedessen betrat keiner der Bewohner Roms das Gotteshaus, wenn er darin war. Das sagten auch jene Frauen dem Kaiser. Hierdurch umgestimmt, gab dieser den Befehl, daß jener ganz ausgezeichnete Mann zurückkehren solle; es sollten aber dann beide Bischöfe gemeinsam miteinander die Kirche regieren. Als das betreffende Schreiben im Zirkus verlesen wurde, rief das Volk, die Entscheidung des Kaisers sei gerecht und billig; es seien ja auch die Zuschauer in zwei nach der Farbe benannte Parteien geteilt; da müsse nun der eine die Führung dieser, der andere die Leitung jener Partei übernehmen. Nachdem man so das Schreiben des Kaisers ins Lächerliche gezogen hatte, riefen alle einstimmig: „Ein Gott, ein Christus, ein Bischof!“ Das sind die Worte, die ich glaubte genau so, wie sie lauteten, wiedergeben zu sollen. Auf diesen von Gottesfurcht und Gerechtigkeitssinn zeugenden Ruf des christusliebenden Volkes hin durfte der vortreffliche Liberius wieder zurückkehren; Felix aber zog sich zurück und verlegte seinen Wohnsitz in eine andere Stadt.

Ich habe vorstehendes Begebnis gleich im Anschluß an das Verfahren gegen die Bischöfe in Mailand berichten wollen, um so den Zusammenhang in der Erzählung zu wahren. Nunmehr aber will ich wieder zur Reihenfolge der Ereignisse zurückkehren.

Die Synode in Rimini

Nachdem die Vorkämpfer der Rechtgläubigkeit vertrieben waren, glaubten diejenigen, die den Sinn des Kaisers lenkten, wohin sie wollten, sie könnten nun sehr leicht den Glauben ihrer Gegner vernichten und die Lehre des Arius festlegen. Deshalb bewogen sie den Konstantius, die Bischöfe des Morgen- und Abendlandes nach Rimini zu berufen und ihnen vorzuschreiben, daß sie die Ausdrücke „Wesen“ und „wesensgleich“, diese von den Vätern gegen die Schliche des Arius erfundene Schutzwehr, aus dem Glaubensbekenntnis entfernten. Denn diese Ausdrücke, so sagten sie, hätten die Spaltung der Kirchen herbeigeführt. Als nun die Bischöfe beisammen waren, versuchten die vom arianischen Gift angesteckten die Mehrheit der Versammelten und namentlich die Abendländer, die einfachen und schlichten Sinnes waren, zu überlisten. Sie meinten, es sei doch nicht nötig, daß um zweier Worte willen, die zudem in der Heiligen Schrift gar nicht enthalten seien, der Leib der Kirche zerrissen werde; man solle vielmehr sagen, daß der Sohn seinem Erzeuger in allem ähnlich sei, dagegen das Wort „Wesen“ als nicht schriftgemäß weglassen. Die Mehrheit merkte jedoch die Absicht des Betruges und wies diejenigen, die so sprachen, zurück; sie selbst aber legte dem Kaiser ihre eigene Überzeugung in einem Schreiben dar. Sie seien, sagten sie, Söhne und Erben der in Nizäa versammelten Väter; „wenn wir es wagten, von dem, was jene schriftlich festgelegt haben, etwas hinwegzunehmen oder dem, was sie aufs beste bestimmt haben, etwas hinzuzufügen, so würden wir uns als unechte Söhne erweisen und zu Anklägern unserer Väter werden.“

Doch die genaue Regel ihres Glaubens wird noch deutlicher ihr Schreiben an Konstantius ersehen lassen.

Synodalschreiben der in Rimini versammelten Bischöfe an den Kaiser Konstantius

„Nach dem Ratschluß Gottes und auf die Anordnung Deiner Frömmigkeit hin sind, wie wir glauben, die bisherigen Beschlüsse in Sachen des Glaubens zustande gekommen. Wir sind nämlich, wir Bischöfe alle, aus allen Städten des Abendlandes in Rimini zusammengekommen, damit der Glaube der katholischen Kirche erkannt und die Gegner desselben offenbar würden. Wir haben nun in sorgfältiger Untersuchung gefunden und es für das beste gehalten, daß wir den von alters her bestehenden Glauben, den die Propheten, die Evangelien und die Apostel durch unsern Herrn Jesus Christus, der auch der Beschützer Deines Reiches und Deiner Wohlfahrt Hort ist, verkündigt haben, daß wir diesen Glauben festhalten und beschützen und durch treuen Schutz bis an das Ende bewahren. Es schien unstatthaft und unzulässig, an dem, was recht und gerecht bestimmt worden ist und was zu Nizäa gemeinsam mit dem hochberühmten Konstantin, Deinem Vater und Kaiser, nach reifer Überlegung festgesetzt worden ist, etwas zu ändern. Denn diese Lehre und ihr Verständnis ist in lauter Verkündigung zu den Ohren und der Einsicht aller Menschen gelangt, sie hat sich als das einzige Mittel erwiesen zum Schutze gegen die arianische Häresie und zum Verderben derselben; durch sie ist nicht allein diese, sondern auch jede andere Häresie überwunden worden; und es wäre in der Tat bedenklich, etwas hinzuzufügen, und gefährlich, etwas wegzunehmen; denn wenn das eine oder andre geschähe, dann hätten die Gegner die Freiheit, zu tun, was sie wollten.

Daher wurden Ursacius und Valens, nachdem sie als Anhänger und Bekenner der arianischen Lehre aufgetreten waren, öffentlich aus unserer Gemeinschaft ausgeschlossen. Um derselben wieder teilhaftig zu werden, baten sie um Buße und Verzeihung für die Fehler, deren sie sich bewußt waren. Zeuge dessen ist auch das von den Vätern verfaßte Antwortschreiben, durch welches ihnen Straflosigkeit für alles und insbesondere Verzeihung für die ihnen zur Last gelegten Vergehen gewährt worden ist. Es geschah das zur Zeit, wo zu Mailand die Synode gehalten wurde, der auch die Priester der römischen Kirche beiwohnten2. In der Erwägung nun, daß der auch nach seinem Tode noch des Andenkens würdige Konstantin das (nizänische) Glaubensbekenntnis mit aller Sorgfalt und Umsicht zusammengestellt und veröffentlicht hat, halten wir es für unstatthaft, jetzt, da er nach Empfang der Taufe aus diesem Leben geschieden und zum wohlverdienten Frieden eingegangen ist, nach ihm etwas Neues aufzustellen und uns über so viele heilige Bekenner und Martyrer hinwegzusetzen, welche dieses Glaubensbekenntnis verfaßt und ausgedacht und welche sich in allen Dingen beständig an die alte Überlieferung der Kirche gehalten haben. Deren Glauben hat Gott bis zu den Tagen Deiner Herrschaft erhalten durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den auch Dein Reich so erweitert worden ist, daß Du jetzt sogar über unsere Länder gebietest.

Nun aber haben neuerdings jene erbarmungswürdigen und ob ihrer Gesinnung bedauernswerten Menschen mit frevelhafter Verwegenheit sich zu Verkündigern ihrer gottlosen Meinungen aufgeworfen und versuchen es, jede feststehende Wahrheit umzustürzen. Als nämlich Deiner Anordnung gemäß eine Synode gehalten wurde, da stellten auch jene ihre Arglist unverhüllt zur Schau. Sie suchten nämlich durch List und Gewalttätigkeit etwas Neues aufzubringen und gewannen als Glieder ihrer Partei einen gewissen Germanius, einen Auxentius und Gajus, welche Spaltung und Zwietracht säten und deren Lehre, obwohl nur eine, doch schlimmer war als eine ganze Menge von Gotteslästerungen. Da sie aber merkten, daß wir ihre Ansichten nicht teilten und ihren schlimmen Plänen nicht zustimmten, kamen sie in unsere beratende Versammlung, um den Schein zu erregen, als ob sie jetzt für ein anderes Bekenntnis wären. Es bedurfte aber nur kurzer Zeit, um ihre wirkliche Gesinnung zu enthüllen.

Damit nun die kirchlichen Angelegenheiten nicht fortwährend denselben Stürmen ausgesetzt seien und damit nicht Verwirrung und Unruhe hin- und herwogend alles durcheinanderbringe, erschien es als das sicherste, die früheren Bestimmungen als zu Recht bestehend unverändert aufrecht zu erhalten, die vorhin genannten Männer aber aus unserer Gemeinschaft auszuschließen. Aus diesem Grunde haben wir die Gesandten an Deine Milde abgeschickt, welche Dich hiervon in Kenntnis setzen und Dir die Ansicht der Synode durch ein Schreiben mitteilen werden. Den Gesandten aber haben wir vor allem dies aufgetragen, daß sie den Beweis für die Wahrheit dadurch führen sollen, daß sie von den alten und rechtmäßigen Bestimmungen ausgehen. Dieselben werden Deiner Heiligkeit auch auseinandersetzen, daß nicht etwa, wie Ursacius und Valens behaupten, dann Friede sein würde, wenn von dem rechten Glauben etwas preisgegeben würde. Wie könnten diese auch Frieden bringen, diese, die doch den Frieden zerstören? Im Gegenteil würde daraus nur Streit und Unruhe erwachsen, wie den übrigen Städten, so namentlich auch der Kirche von Rom. Deshalb flehen wir Deine Milde an, daß Du mit geneigtem Ohr und sanftem Blick auf unsere Gesandten schauen mögest und daß Du nicht zur Kränkung für die Verstorbenen etwas Neues einzuführen gestattest, sondern daß Du uns bei den Beschlüssen und Gesetzen belassen wollest, die von unseren Vorfahren gegeben wurden, welch letztere, wie wir sagen möchten, alles mit Sorgfalt und Einsicht und unter dem Beistand des Heiligen Geistes getan haben. Denn die Neuerungen, die jetzt von jenen eingeführt werden wollen, erzeugen bei den Gläubigen nur Unglauben, bei den Ungläubigen aber Verhärtung des Herzens.

Wir bitten ferner, Du wollest verfügen daß die in der Fremde weilenden Bischöfe, welche die Last des Alters und die Not der Armut aufreibt, unbehindert die Rückreise in ihre Heimat antreten dürfen, damit die Kirchen nicht länger der von ihnen getrennten Bischöfe beraubt bleiben. Sodann bitten wir zu allem dem noch um dieses, daß von den bisherigen Satzungen nichts hinweggenommen und auch nichts hinzugefügt werde, sondern daß alles unverbrüchlich bleibe so, wie es von der rechtgläubigen Frömmigkeit Deines Vaters an bis auf die gegenwärtige Zeit bewahrt worden ist. Auch wollest Du nicht zulassen, daß wir noch länger hier mühselig leben und unseren Sprengeln fern bleiben müssen, sondern dafür sorgen, daß die Bischöfe mit ihrem Volke im Frieden den Gebeten und Opfern obliegen können, betend für Deine Herrschaft und Wohlfahrt und den Frieden, den Dir die Gottheit für immer verleihen möge. Unsere Gesandten werden die Unterschriften und Grüße der Bischöfe mitbringen und Deine Heiligkeit noch ausführlicher aus den Heiligen Schriften selbst unterrichten.“

So lautete das Schreiben, mit dem die Gesandten abgeschickt wurden. Allein die Höflinge, die mit dem Kaiser die Regierung führten und zugleich die Häresie begünstigten, nahmen zwar den Brief entgegen und überreichten ihn dem Kaiser, die Gesandten aber ließen sie nicht vor unter dem Vorgeben, der Herrscher sei allzusehr von den Regierungsgeschäften in Anspruch genommen. Dieses taten sie aber in der Meinung, die Bischöfe würden durch die Länge der Zeit mürbe gemacht und durch ihr Verlangen nach der Rückkehr in die ihnen anvertrauten Städte dazu getrieben werden, den gegen die Häresie aufgerichteten Wall zu durchbrechen und abzutragen. Doch der schlau angelegte Plan hatte keinen Erfolg. Denn die tapferen Verteidiger des Glaubens schickten dagegen einen zweiten Brief an den Kaiser mit der dringenden Bitte, die Gesandten zu empfangen und sie selbst heimkehren zu lassen. Ich will auch diesen Brief in meine Darstellung aufnehmen.

Zweites Schreiben der Synode an Konstantius

„An Konstantius, den Siegreichen, den frommen Kaiser, die in Rimini versammelten Bischöfe.

Das Schreiben Deiner Gewogenheit haben wir erhalten, ruhmreichster und mächtigster Herr, welches besagt, daß Du, durch Staatsgeschäfte gehindert, unsere Gesandten bis jetzt nicht empfangen konntest. Uns aber befiehlst Du deren Rückkehr abzuwarten, damit Deine Frömmigkeit unsere Meinung und den Glauben der Vorfahren kennen lernen könne. Allein eben das, was wir bereits vorgetragen haben, das legen wir jetzt in diesem Schreiben Deiner Gewogenheit von neuem ans Herz, da wir in keiner Weise von unserer früheren Ansicht abgekommen sind, und wir bitten Dich, daß Du mit gnädigem Blick dieses Schreiben unserer Niedrigkeit, in welchem wir Deiner Frömmigkeit Antwort geben, wie auch das frühere Schreiben, das wir auftragsgemäß Deiner Frömmigkeit durch unsere Gesandten überreichen ließen, wohlwollend aufnehmen mögest. Wie traurig und unpassend es aber wäre, wenn in diesen so glücklichen Zeiten Deiner Herrschaft so viele Kirchen vor aller Augen ohne Bischöfe wären, das wird Deine Wohlgewogenheit ebensogut einsehen wie wir. Deshalb bitten wir noch einmal, ruhmreichster Herrscher, daß Du uns vor Anbruch des strengsten Winters, wenn es Deiner Menschenfreundlichkeit gefällt, zu unseren Kirchen zurückkehren lassest, damit wir dem allmächtigen Gott und Christus, seinem Sohn, unserm Herrn und Erlöser, für die Aufrechterhaltung Deiner Macht zugleich mit dem Volke, so wie wir getan haben und tun, heiße Gebete darbringen können.“

Die Synode zu Nice in Thrazien und das von ihr aufgestellte Glaubensbekenntnis

Auf dieses Schreiben hin reizten die Arianer den Kaiser zum Zorn darüber, ließen von den Bischöfen die meisten gegen ihren Willen in eine Stadt Thraziens mit Namen Nice bringen, und indem sie die einen, die schlichten Sinnes waren, täuschten und den anderen Furcht einjagten, brachten sie dieselben dahin, daß sie auf die von ihnen schon früher gegen den wahren Glauben ersonnene List eingingen, die Ausdrücke „Wesen“ und „wesensgleich“ aus dem Glaubensbekenntnis strichen und dafür den Ausdruck „ähnlich“ einsetzten. Ich will auch dieses Glaubensbekenntnis in meine Erzählung aufnehmen, nicht als ob es korrekt wäre, sondern weil es die beste Widerlegung der arianischen Partei ist. Denn die Irrgläubigen unserer Zeit wollen nicht einmal mehr an diesem Bekenntnis festhalten, sondern statt des „ähnlich“ predigen sie nunmehr das „unähnlich“.

Das zu Nice in Thrazien aufgestellte Glaubensbekenntnis

„Wir glauben an einen einzigen wahren Gott, den allmächtigen Vater, von dem alles ist; und an den eingebornen Sohn Gottes, der vor allen Zeiten und vor jedem Anfang aus Gott gezeugt wurde, durch den alles wurde, das Sichtbare und das Unsichtbare; der geboren wurde als der Eingeborne, als der einzige aus dem Vater allein, Gott von Gott, ähnlich dem Vater, der ihn gezeugt, gemäß der Heiligen Schrift, dessen Erzeugung niemand kennt als der Vater allein, der ihn gezeugt hat. Von diesem eingebornen Sohn Gottes wissen wir, daß er, gesandt vom Vater, herabgekommen ist vom Himmel, wie geschrieben steht, zur Hinwegnahme der Sünde und des Todes, und geboren wurde aus dem Heiligen Geiste und Maria der Jungfrau, wie geschrieben steht, dem Fleische nach; daß er mit seinen Jüngern verkehrte und nach Erfüllung des ganzen Heilswerkes gemäß dem Willen des Vaters an das Kreuz geheftet wurde, starb und begraben wurde und in die Unterwelt hinabstieg, und daß selbst die Hölle vor ihm zitterte; und daß er am dritten Tage von den Toten auferstand, und daß er wieder vierzig Tage lang mit seinen Jüngern verkehrte und aufgenommen wurde in den Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters; daß er kommen wird am Jüngsten Tage bei der Auferstehung in der Herrlichkeit des Vaters, zu vergelten einem jeden nach seinen Werken. Wir glauben an den Heiligen Geist, den der eingeborne Sohn Gottes, Jesus Christus, Gott und Herr, verheißen hat, dem Menschengeschlechte zu senden, den Paraklet, wie geschrieben steht, den Geist der Wahrheit, den er auch sandte, nachdem er aufgefahren in den Himmel, seinen Sitz genommen hatte zur Rechten des Vaters, von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. Was aber den Ausdruck Wesenheit betrifft, der von den Vätern in schlichtem Sinne aufgenommen wurde, der jedoch beim Volke Anstoß erregte, weil er demselben unverständlich war und sich auch in den heiligen Schriften nicht findet, so haben wir beschlossen, daß derselbe beseitigt und fernerhin von einer Wesenheit durchaus nicht mehr gesprochen werden solle, hauptsächlich deswegen, weil die heiligen Schriften von Vater und Sohn nirgends eine Wesenheit erwähnen; auch soll bei der Person des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes nicht mehr von einer Hypostase geredet werden. Dagegen bekennen wir, daß der Sohn dem Vater ähnlich ist, wie auch die heiligen Schriften sagen und lehren. Alle Häresien aber, sowohl die schon früher verurteilten, wie auch die etwa erst in jüngster Zeit entstandenen, welche mit dem hier aufgestellten Glaubensbekenntnisse im Widerspruch stehen, sollen im Banne sein!“

Dieses Bekenntnis nun unterschrieben die einen aus Furcht, die anderen, weil sie hintergangen worden waren. Diejenigen aber, die nicht zustimmen wollten, wurden an die äußersten Grenzen der Erde in die Verbannung geschickt.

Synodalschreiben des Bischofs Damasus von Rom und der abendländischen Bischöfe an die Bischöfe Illyriens in betreff der Synode zu Rimini

Daß aber alle Verteidiger der Wahrheit und vorzüglich die Abendländer dieses Glaubensbekenntnis mißbilligten, bezeugt das Schreiben, das von ihnen an die Illyrier gerichtet wurde. An der Spitze der Verfasser dieses Schreibens stand Damasus, der Nachfolger des Liberius in der Regierung der Kirche von Rom, ein Mann, geschmückt mit allen Arten von Tugenden. An dem Schreiben beteiligten sich noch neunzig andere, die aus Italien und Galatien, dem heutigen Gallien, in Rom zusammengekommen waren. Ich würde auch die Namen derselben anführen, wenn ich es nicht für überflüssig hielte. Sie schrieben folgendes.

„Die zu Rom zur heiligen Synode versammelten Bischöfe, Damasus, Valerianus und die übrigen, den geliebten Brüdern, den Bischöfen in Illyrien, Gruß im Herrn!

Wir vertrauen, o Priester Gottes, von denen die übrigen Menschen, wie es recht und billig ist, unterwiesen werden, daß Ihr unseren heiligen, in der Lehre der Apostel begründeten Glauben, der in keiner Beziehung von den Satzungen der Väter abweicht, daß Ihr diesen Glauben selbst festhaltet und auch dem Volke verkündet. Indessen haben wir durch einen Bericht unserer Brüder in Gallien und Venetien vernommen, daß einige mit allem Eifer die Häresie befördern. Dieses Übel aber müssen die Bischöfe nicht nur zu verhüten suchen, sondern es ist auch ihre Pflicht, was immer bereits geschehen sein mag durch die Unerfahrenheit einzelner oder durch die Einfalt solcher, die sich durch falsche Auslegung verleiten ließen, so doch von jetzt an abweichenden Lehrmeinungen entgegenzutreten und darauf bedacht zu sein, daß sie in keinerlei Irrtum verfallen, sondern vielmehr stets an der Lehre unserer Väter festhalten, so oft ihnen abweichende Lehrsätze zu Ohren kommen. So ist denn auch geschrieben worden, daß Auxentius von Mailand vorzugsweise wegen dieser Sache verurteilt worden sei. Es ist also eine Forderung der Gerechtigkeit, daß alle Lehrer des Gesetzes im römischen Reiche sich an das Gesetz halten und den Glauben nicht durch fremdartige Lehren beflecken. Als nämlich zuerst die Bosheit der Häretiker sich so recht zu entwickeln begann, wie ja auch jetzt die gottlose Lehre der Arianer gar üppig fortwuchert, da haben unsere Väter, dreihundertachtzehn Bischöfe, und die Legaten des heiligsten Bischofes der Stadt Rom zu Nizäa Beratungen gepflogen und in der Weise eine Mauer gegen die Waffen des Teufels errichtet und mit diesem Gegengift das todbringende Gift entkräftet, daß sie bestimmten, man müsse glauben, Vater und Sohn hätten eine Wesenheit, eine Gottheit, eine Vollkommenheit, eine Kraft und einen Charakter, und dieselbe Hypostase habe auch der Heilige Geist; wer anders denke, so urteilten sie, sei von unserer Gemeinschaft ausgeschlossen. Diese heilsame Bestimmung und diesen verehrungswürdigen Beschluß haben später einige durch andere Entscheidungen verunstalten und schänden wollen. Indessen wurde schon gleich anfangs, und zwar von eben denselben, welche in Rimini gezwungen wurden, neue und unklare Lehren gutzuheißen, die Sache soweit wieder richtiggestellt, daß sie bekannten, sie hätten sich durch die Redefertigkeit der Gegner verleiten lassen, oder sie hätten nicht erkannt, daß deren Lehre der von den Vätern zu Nizäa festgestellten Lehre entgegengesetzt sei. Denn auch die Zahl der in Rimini versammelten Väter konnte kein Präjudiz bilden, da es feststeht, daß weder der Bischof von Rom, dessen Urteil vor allem einzuholen gewesen wäre, noch auch Vinzentius, der das bischöfliche Amt schon so viele Jahre tadellos geführt hatte, noch auch die anderen diesen Dingen zugestimmt haben; dazu kommt noch besonders, daß, wie wir schon gesagt haben, eben dieselben, welche infolge falscher Vorspiegelung zu wanken schienen, später, nachdem sie zu besserer Einsicht gekommen waren, erklärten, daß sie mit jenen Beschlüssen nicht mehr einverstanden seien.

So wird denn Euer reiner und ungetrübter Sinn erkennen, daß allein dieser Glaube, der in Nizäa auf dem sicheren Grund der Apostel aufgebaut wurde, mit unverbrüchlicher Festigkeit beizubehalten ist, und daß denselben mit uns sowohl die Morgenländer rühmen, die sich als Angehörige der katholischen Kirche erkennen, wie auch die Abendländer. Wir glauben ferner, daß diejenigen, die verkehrterweise anders denken, eben wegen dieses Unterfangens schon in Bälde von unserer Gemeinschaft werden ausgeschlossen und des bischöflichen Namens beraubt werden, damit das Volk, von der Verführung durch sie befreit, wieder ruhig aufatmen kann. Denn jene können doch in keiner Weise den Irrtum des Volkes berichtigen, nachdem sie selbst im Irrtum befangen sind. So möge denn mit allen Priestern Gottes auch die Überzeugung Eurer Hochwürden übereinstimmen, in der Ihr, wie wir erwarten, fest und standhaft verharren werdet! So müssen ja auch wir mit Euch im rechten Glauben einig sein. Erfreuet uns durch ein Antwortschreiben Euerer Liebe! Lebet wohl, hochverehrte Brüder!“

Urteil des Bischofs Athanasius über dieselbe Synode (zu Rimini)

Auch der große Athanasius spricht sich in seinem Briefe an die Afrikaner über die Synode zu Rimini in folgender Weise aus:

„Wer wollte unter solchen Umständen noch auf diejenigen hören, welche die Synode von Rimini oder irgendeine andere der nizänischen rühmend gegenüberstellen? Oder wer sollte denjenigen nicht feind sein, welche die von den Vätern überkommenen Lehren verwerfen, dagegen aber den neueren in Rimini aus Streitsucht und Gewalttätigkeit erzeugten Beschlüssen den Vorzug gewähren? Wer wollte mit diesen Gemeinschaft haben, mit Menschen, die nicht einmal ihre eigenen Glaubensentscheidungen für wahr halten? Denn da sie auf ihren wohl zehn und noch mehr Synoden, wie schon erwähnt, jedesmal etwas anderes festsetzten, so sind sie damit offenbar selbst zu Anklägern einer jeden derselben geworden. Sie befinden sich in derselben schlimmen Lage, in der sich einst die Abtrünnigen unter den Juden befunden haben. Denn wie jene die einzige Quelle des lebendigen Wassers verließen und sich Zisternen gruben, die kein Wasser halten konnten, wie es beim Propheten Jeremias heißt, so haben auch diese gegen die eine ökumenische Synode angekämpft und sich dafür viele Synoden gegraben, aber diese erwiesen sich bei ihnen sämtlich als unfruchtbar wie kraftlose Ähren ohne Inhalt. Laßt uns also nicht hören auf solche Leute, welche im Gegensatze zur Synode von Nizäa immer die von Rimini oder irgendeine andere im Munde führen! Denn es scheint, daß selbst diejenigen, die immer von der Synode von Rimini reden, nicht wissen, was auf derselben geschehen ist, sonst würden sie wohl davon schweigen.

Ihr wisset ja selbst, Geliebte, durch den Bericht der von Euch nach Rimini Gegangenen, wie Ursacius und Valens, Eudoxius und Auxentius — auch Demophilus hielt es dort mit ihnen — abgesetzt wurden, weil sie von den nizänischen abweichende Beschlüsse fassen wollten, als sie, aufgefordert, die arianische Häresie zu verdammen, sich dessen weigerten und lieber Beschützer derselben sein wollten. Die Bischöfe dagegen, die in Wahrheit Diener des Herrn waren und den rechten Glauben besaßen — es waren ihrer ungefähr zweihundert —, bestimmten, daß man sich mit der nizänischen Synode allein begnügen und nicht mehr und nicht weniger suchen oder denken solle als jene. Diesen Beschluß übermittelten sie auch dem Konstantius, der die Abhaltung der Synode angeordnet hatte. Unterdessen waren aber die in Rimini abgesetzten Bischöfe zu Konstantius geeilt und hatten bewirkt, daß jene, welche sie verurteilt hatten, verächtlich behandelt und ihnen gedroht wurde, sie dürften nicht in ihre Diözesen zurückkehren, und daß sie sogar während des Winters gewaltsam in Thrazien zurückgehalten wurden, so daß sie endlich deren Neuerungen zustimmten.

Wenn also einzelne immer von Rimini sprechen, so mögen sie doch in erster Linie die Absetzung der vorher genannten Bischöfe erwähnen und die Bestimmung der (übrigen) Bischöfe, daß man neben dem zu Nizäa von den Vätern aufgestellten Bekenntnis nichts Weiteres suchen und daß man sich auf keine andere Synode berufen solle als auf jene. Doch dieses halten sie geheim; was dagegen in Thrazien gezwungenerweise geschehen ist, das führen sie beständig im Munde. Damit aber zeigen sie, daß sie Anhänger der arianischen Häresie und vom gesunden Glauben abgefallen sind. Wenn sodann jemand die ebengenannte große Synode und die von ihnen gehaltenen Synoden einander gegenüberstellen wollte, so würde er dort Gottesfurcht, hier aber Unvernunft finden. Denn die in Nizäa versammelten Bischöfe waren nicht zusammengekommen, nachdem sie vorher abgesetzt worden waren; dafür aber bekannten sie übereinstimmend, daß der Sohn die Wesenheit des Vaters besitze. Diese dagegen waren einmal und zum zweiten und dritten Male, und zwar in Rimini selbst abgesetzt worden und wagten trotzdem vorzuschreiben, man dürfe nicht sagen, daß Gott eine Wesenheit oder Hypostase besitze.“

Von solcher Art und so zahlreich waren die Ränke und Winkelzüge, welche im Abendlande von den Parteigängern des Arius im Kampfe gegen die Lehren der Wahrheit in Anwendung gebracht wurden.

Die Arglist des Bischofs Leontius von Antiochien und die Freimütigkeit des Flavianus und Diodorus

In Antiochien erlangte nach Stephanus, der dem Placitus gefolgt war, aber aus der Kirchengemeinschaft ausgestoßen wurde, Leontius den Vorsitz, jedoch im Widerspruch mit den zu Nizäa getroffenen Bestimmungen. Er war nämlich ein Eunuch, der sich selbst entmannt hatte. Der bewunderungswürdige Athanasius gibt auch den Grund für diese Selbstentmannung an.

„Leontius kam nämlich mit einer jüngeren Frauensperson, namens Eustolion, in üble Nachrede und sah sich dadurch gehindert, mit ihr zusammen zu wohnen. So entmannte er sich selbst um ihretwillen, um nämlich frei mit ihr zusammen leben zu können. Trotzdem konnte er sich nicht von allem Verdachte reinigen, sondern wurde vielmehr deswegen seines priesterlichen Amtes entsetzt.“

Dieses berichtet Athanasius von seinem sonstigen Leben; ich aber will nun seine Arglist und Verschlagenheit in Kürze zur Darstellung bringen. Obschon er nämlich von der gotteslästerlichen Lehre des Arius angesteckt war, versuchte er doch seine Krankheit zu verheimlichen. Da er merkte, daß die Geistlichkeit und das übrige Volk in zwei Parteien gespalten seien, indem die einen bei der Doxologie (Ehre sei dem Vater usw.) vor dem Worte „Sohn“ das Bindewort „und“ gebrauchten, während die anderen beim Sohne das Vorwort „durch“ und beim Heiligen Geiste das Vorwort „in“ setzten, so sprach er die Doxologie ganz still aus, so daß die Nahestehenden nur die Schlußworte vernahmen „von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Wenn nun sein sonstiges Verhalten nicht seine große innere Bosheit an den Tag gelegt hätte, so könnte man sagen, er habe diese List nur aus Sorge für die Eintracht des Volkes angewendet. Da er aber gegen die Verteidiger der Wahrheit viel Böses verübte, den Anhängern des gottlosen Irrtums dagegen jegliche Gunst erwies, so ist es offenbar, daß er seine Krankheit verbergen wollte, teils aus Furcht vor dem Volke, teils wegen der schweren Drohungen des Konstantius gegen diejenigen, die es wagen würden, den Sohn (dem Vater) unähnlich zu nennen. Seine wahre Gesinnung aber zeigten seine Taten. Denn alle diejenigen, welche den apostolischen Lehren anhingen, erhielten von ihm weder eine Gunstbezeigung noch eine Weihe, diejenigen dagegen, die sich zum Irrwahn des Arius bekannten, erfreuten sich des größten Einflusses und gelangten zu den kirchlichen Stellen.

Um jene Zeit wurde auch Aëtius, der Lehrer des Eunomius, der die gottlose Lehre des Ariusum seine eigenen Erfindungen vermehrte, in den Kreis der Diakonen aufgenommen. Jedoch Flavianus und Diodorus, welche ein aszetisches Leben führten und unverhohlen für die apostolische Lehre eintraten, tadelten öffentlich die Anschläge des Leontius auf den wahren Glauben und erklärten, daß ein Mensch, der einen schlechten Unterricht genossen habe und mit Hilfe der Ketzerei sich den Weg zur Ehre bahnen wolle, zur Schmach für die Kirche des Diakonates gewürdigt worden sei; dazu drohten sie, die kirchliche Gemeinschaft abbrechen, in das Abendland reisen und das ganze Treiben aufdecken zu wollen. Aus Furcht hiervor verwendete Leontius den Aëtius allerdings nicht mehr zu den kirchlichen Funktionen, gebrauchte ihn aber noch immer zu den sonstigen Diensten.

Die beiden verehrungswürdigen Männer Flavianus und Diodorus waren zwar noch mit keinem klerikalen Amte betraut, sondern gehörten zu den Laien, aber sie suchten Tag und Nacht in allen den Eifer für die Frömmigkeit zu wecken. Diese haben auch zuerst die Chöre der Psalmensänger in zwei Abteilungen aufgestellt und sie die Davidischen Gesänge abwechslungsweise singen gelehrt; und nachdem diese Sitte in Antiochien zuerst ihren Anfang genommen, verbreitete sie sich überallhin und drang bis an die Grenzen des Erdkreises. Diese Männer versammelten auch die Freunde göttlicher Dinge in den Kapellen der Martyrer und brachten mit ihnen ganze Nächte im Lobe Gottes zu. Als Leontius das bemerkte, hielt er es nicht für geraten, solches zu verhindern, da er sah, daß das Volk jenen so frommen Männern ganz besonders zugetan war; deshalb kleidete er seine Worte in Sanftmut und Milde und verlangte nur, daß solcher Gottesdienst von ihnen in den Kirchen gehalten werde. Diese taten denn auch, was ihnen befohlen war, obschon sie seine böse Absicht ganz genau durchschauten, und versammelten ihre Genossen sehr gerne in den Kirchen mit der Mahnung, den gütigen Herrn zu loben und zu preisen.

Doch vermochte nichts die Bosheit des Leontius zu zügeln; vielmehr stellte er unter dem angenommenen Schein der Mäßigung sogar das schändliche Treiben eines Stephanus und Placitus noch in Schatten. Diejenigen nämlich, welche die verdorbene Lehre angenommen hatten, beförderte er, wenn sie auch ein zügelloses Leben führten, zu Priestern und Diakonen, während er solche, die mit den mannigfachsten Tugenden geschmückt waren, aber an den apostolischen Lehren festhielten, ohne alle Auszeichnung ließ. Infolgedessen war die Mehrheit im Klerus von der häretischen Pest angesteckt, wogegen der größte Teil des Volkes für den wahren Glauben eintrat. Denn selbst die Prediger der (christlichen) Lehre wagten nicht, den gottlosen Irrtum offen zu verkündigen. Was so Placitus, Stephanus und Leontius alles an Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit in Antiochien verübt haben, das zu beschreiben erforderte wegen seiner Menge ein eigenes Buch; dazu bedürfte es wegen seiner Schwere des Davidischen Klagelieds. Denn auch von ihnen muß man sagen: „Siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben ihr Haupt; gegen dein Volk schmieden sie böse Pläne und stellen nach deinen Heiligen. Sie sprechen: Kommet, wir wollen sie austilgen aus dem Volke, und nicht mehr soll gedacht werden des Namens Israel fernerhin!“

Doch wir wollen nunmehr den weiteren Verlauf der Geschichte zur Darstellung bringen.

Die Neuerung des Eudoxius von Germanicia und der von Basilius von Ancyra und Eustathius von Sebaste gegen ihn bewiesene Eifer

Germanicia ist eine an der Grenze von Cilizien, Syrien und Kappadozien gelegene Stadt und gehört zur Provinz Euphratesia. Der Vorsteher der dortigen Kirche, Eudoxius, begab sich, sobald er vom Tode des Leontius Kenntnis erhielt, nach Antiochien, riß den bischöflichen Stuhl an sich und verwüstete gleich einem wilden Eber den Weinberg Gottes. Er verbarg nämlich nicht wie Leontius seine schlimme Gesinnung, sondern kämpfte ganz offen gegen die apostolische Lehre und bereitete denjenigen, die ihm zu widersprechen wagten, mannigfache Widerwärtigkeiten. In jener Zeit führte in Ancyra, der Hauptstadt von Galatien, Basilius, der Nachfolger des Marcellus, das Steuerruder der Kirche; Eustathius dagegen leitete die Kirche von Sebaste, der Hauptstadt von Armenien. Als diese Bischöfe von der Ungerechtigkeit und der Verfolgungswut des Eudoxius Kunde erhielten, brachten sie dessen Gewalttätigkeit schriftlich zur Kenntnis des Kaisers Konstantius. Dieser weilte nämlich noch in dem westlichen Reichsteile, wo er nach der Beseitigung der Tyrannen die von diesen geschlagenen Wunden zu heilen suchte. Beide waren Günstlinge des Kaisers und erfreuten sich wegen ihres lobenswerten Lebenswandels des allergrößten Einflusses bei demselben.

Die zweite Synode von Nizäa

Auf ihren Bericht hin schrieb Konstantius an die Antiochener, daß er dem Eudoxius den Vorsitz jener Kirche nicht übertragen habe — solches hatte dieser nämlich ausgesprengt —, und befahl, daß Eudoxius aus der Stadt vertrieben und für seine Missetaten zu Nizäa in Bithynien bestraft werden solle. Hier sollte nämlich nach Anordnung des Kaisers eine Synode zusammentreten. Daß gerade Nizäa für die Synode gewählt wurde, dieses hatte Eudoxius selbst bei den mit der Führung der kaiserlichen Geschäfte betrauten Ratgebern des Kaisers durchgesetzt. Jedoch der Lenker aller Dinge, der das Zukünftige kennt, wie wenn es schon geschehen wäre, verhinderte die Synode durch ein plötzliches Erdbeben. Dieses Erdbeben zerstörte den größten Teil der Stadt und tötete die meisten Bewohner. Angesichts dieses Ereignisses und von großer Furcht ergriffen, kehrten die bereits eingetroffenen Bischöfe wieder zu ihren Kirchen zurück. Es war dies, wie ich glaube, eine Fügung der göttlichen Weisheit. Da nämlich in jener Stadt von den heiligen Vätern das Bekenntnis des apostolischen Glaubens verfaßt worden war, während diejenigen, die jetzt dort zusammenkamen, das Gegenteil davon aufstellen wollten, so hätte die Gleichheit des Namens den Anhängern des Arius die Möglichkeit zur Täuschung geboten. Sie wollten die Einfältigen hintergehen, indem sie auch dieses Bekenntnis nach Nizäa benennen und für jenes alte ausgeben wollten. Deshalb vereitelte derjenige, der für die Kirche sorgt, das Zustandekommen der Synode.

Die Synode zu Seleucia in Isaurien

Einige Zeit später gab Konstantius auf die Mahnung der Ankläger des Eudoxius hin den Befehl, daß die Synode zu Seleucia gehalten werden solle. Es ist dieses eine Stadt in Isaurien, am Meere gelegen, die erste unter den Städten jenes Landes. In dieser sollten nach kaiserlicher Anordnung die Bischöfe des Morgenlandes sowie auch die aus Pontus und Kleinasien sich versammeln. Um diese Zeit war in Cäsarea, der Metropole Palästinas, Acacius Bischof, der Nachfolger des Eusebius. Dieser Acacius war zwar von der Synode von Sardika abgesetzt worden, er hatte aber unter Mißachtung einer so großen Zahl von Bischöfen das gegen ihn ausgesprochene Urteil nicht angenommen. Zu Jerusalem hatte nach jenem Makarius, den ich schon öfter erwähnt habe, Maximus den Vorsitz übernommen, ein Mann, der sich in den Kämpfen für den christlichen Glauben besonders ausgezeichnet hatte. Er war nämlich des rechten Auges beraubt und an der rechten Kniekehle gelähmt worden. Als dieser zum unvergänglichen Leben hinübergegangen war, wurde Cyrillus zur bischöflichen Würde erhoben, ein eifriger Verteidiger der apostolischen Lehre. Diese stritten nun miteinander um den Vorrang und fügten dadurch dem allgemeinen Wohl sehr großen Schaden zu. Acacius setzte nämlich auf einige geringfügige Ursachen hin den Cyrillus ab und vertrieb ihn aus Jerusalem. Cyrillus aber ging an Antiochien vorbei, weil er sah, daß es seines Hirten beraubt sei, und kam nach Tarsus, wo er bei dem bewunderungswürdigen Silvanus Aufenthalt nahm; dieser war nämlich damals Bischof jener Kirche. Auf die Kunde hiervon schrieb Acacius an Silvanus und teilte ihm die Absetzung des Cyrillus mit. Derselbe hinderte jedoch den Cyrillus nicht an den kirchlichen Verrichtungen, teils aus Hochachtung für Cyrillus, teils aus Scheu vor dem Volke, das dem Unterrichte des Cyrillus mit größter Freude lauschte. Als man nun in Seleucia zusammengekommen war, hielt Cyrillus Gemeinschaft mit den Anhängern des Basilius, Eustathius und Silvanus und den übrigen Mitgliedern der Synode. Auch Acacius kam zu den versammelten Bischöfen — es waren ihrer hundertfünfzig — und erklärte, er werde nicht eher mit ihnen an den Beratungen teilnehmen, als bis Cyrillus von der Versammlung ausgeschlossen werde, da derselbe der bischöflichen Würde verlustig gegangen sei. Da flehten einige aus Sorge um die Erhaltung des Friedens den Cyrillus an, er möge sich doch entfernen, wobei sie ihm versprachen, nach der Entscheidung über die Glaubenslehre auch seine Angelegenheit prüfen zu wollen. Da dieser aber nicht nachgab, so verließ Acacius die Versammlung, schloß sich an Eudoxius an, zerstreute seine Bedenken, flößte ihm Mut ein und versprach ihm, sein Verteidiger und Mitkämpfer zu werden. Er hielt ihn auch ab, die Synode zu besuchen, begab sich vielmehr mit ihm nach Konstantinopel.

Die Schicksale der rechtgläubigen Bischöfe zu Konstantinopel

Hier weilte nämlich Konstantius, nachdem er aus dem Abendlande zurückgekehrt war. Acacius entflammte nun den Zorn des Kaisers durch viele Klagen über die zur Synode gekommenen Bischöfe, die er als einen Haufen gemeiner Menschen bezeichnete, die nur zum Verderben und zum Untergang der Kirchen versammelt seien. Nicht zum wenigsten aber erregte den Unwillen des Kaisers das, was er gegen Cyrillus vorzubringen wußte. Er erzählte nämlich, Cyrillus habe das heilige Gewand, das der ruhmreiche Kaiser Konstantin in der Absicht, die Kirche von Jerusalem auszuzeichnen, dem Bischof dieser Stadt, Makarius, geschenkt hatte, damit er es bei der feierlichen Spendung der heiligen Taufe trage — dasselbe war aus Goldfäden gewirkt — verkauft, und zwar habe dieses ein Tänzer vom Theater gekauft, habe dasselbe angezogen und mit demselben getanzt, sei aber gestürzt und habe sich dabei so verletzt, daß er daran gestorben sei. „Und Leute,“ so fügte er hinzu, „die einen solchen Menschen zum Genossen haben, wollen über die anderen zu Gericht sitzen und urteilen!“

Hiervon nahmen nun die Höflinge Veranlassung, den Kaiser zu überreden, daß er nicht die gesamte Synode zu sich berufe, weil sie die Einmütigkeit einer so großen Anzahl fürchteten, sondern nur die zehn angesehensten Bischöfe. Unter diesen waren Eustathius aus Armenien, Basilius aus Galatien, Silvanus von Tarsus und Eleusius von Cycicus. Als diese angekommen waren, suchten sie den Kaiser zu bestimmen, daß er über das gotteslästerliche und gesetzwidrige Treiben des Eudoxius eine Untersuchung anstellen lasse. Allein derselbe, von der Gegenpartei beeinflußt, erwiderte, man müsse zuerst über die Glaubenssachen eine Entscheidung treffen, erst dann solle auch die Angelegenheit des Eudoxius in Untersuchung gezogen werden. Hierauf suchte Basilius im Vertrauen auf die frühere Freundschaft dem Kaiser in freimütiger Vorstellung klar zu machen, daß er gegen die apostolischen Lehren ankämpfe, aber Konstantius nahm das ungnädig auf und befahl dem Basilius als dem Urheber der Verwirrung in den Kirchen, zu schweigen. Als daraufhin Basilius seine Auseinandersetzung abbrach, nahm Eustathius das Wort: „Nachdem du, o Kaiser, willst, daß über den Glauben verhandelt werde, so sieh doch die Gotteslästerungen, welche Eudoxius gegen den Eingeborenen sich erlaubt hat!“ Mit diesen Worten überreichte er eine Glaubensformel, in der neben vielen anderen gottlosen Sätzen auch folgende enthalten waren: Was die Dinge auf verschiedene Weise hervorbringt, das ist auch seinem Wesen nach verschieden. Nun gibt es einen Gott Vater, aus dem alles ist, und einen Herrn Jesus Christus, durch den alles ist; es ist aber „ aus dem“ verschieden von „ durch den“. Also ist auch der Sohn verschieden von Gott dem Vater. Diese Formel ließ Konstantius vorlesen, geriet über die darin enthaltene Gottlosigkeit in heftigen Zorn und fragte den Eudoxius, ob er das geschrieben habe. Dieser erwiderte sofort verneinend und erklärte, Aëtius habe es geschrieben. Es war dieses jener Aëtius, den früher Leontius aus Furcht vor den Anklagen des Flavianus und Diodorus des Diakonates entsetzt hatte2; Georgius, der ränkevolle Bedrücker der alexandrinischen Kirche, hatte ihn dann als Gehilfen benützt bei seinen gottlosen Reden und frevelhaften Unternehmungen; jetzt aber weilte er bei Eudoxius zugleich mit Eunomius. Als nämlich nach dem Tode des Leontius Eudoxius den bischöflichen Stuhl von Antiochien an sich gerissen hatte, war er mit Eunomius aus Ägypten zurückgekehrt und hatte in Eudoxius einen Gesinnungsgenossen gefunden, der neben der gottlosen Lehre einer sybaritischen Schwelgerei ergeben war. Er zog deshalb auch den Aufenthalt in Antiochien jedem anderen vor und beteiligte sich mit Eunomius fleißig an den Gelagen des Eudoxius. Er führte nämlich ein Schmarotzerleben und besuchte fortwährend bald diesen bald jenen, um sich den Bauch zu füllen. — Auf die oben erwähnte Äußerung des Eudoxius hin ließ nun der Kaiser den Aëtius hereinführen, zeigte ihm jene Glaubensformel und fragte ihn, ob er diese Sätze verfaßt habe. Da dieser von dem, was vorhergegangen war, nicht die mindeste Kenntnis hatte und den Zweck der Frage nicht ahnte, im Gegenteil von der bejahenden Antwort sogar Lob zu ernten hoffte, so bekannte er sich als Verfasser dieser Sätze. Der Kaiser jedoch, der auf solche Weise das Übermaß seiner Gottlosigkeit kennen lernte, verwies ihn sofort in die Verbannung und befahl, ihn nach einem kleinen Orte Phrygiens abzuführen.

Dieser erntete somit als Frucht seiner Gotteslästerung Schande und wurde vom kaiserlichen Hofe verwiesen. Hierauf erklärte Eustathius, daß auch Eudoxius die gleiche Gesinnung hege; denn Aëtius sei sein Haus- und Tischgenosse und habe im Dienste seiner Bestrebungen die gotteslästerliche Stelle niedergeschrieben. Ein deutlicher Beweis dafür, so sagte er, daß jener um das Schriftstück gewußt habe, liege darin, daß kein anderer, sondern gerade er behaupten konnte, die Glaubensformel rühre von Aëtius her. „Aber“, so erwiderte der Kaiser, „die Richter dürfen nicht auf bloße Vermutungen hin urteilen, sondern müssen das Tatsächliche mit aller Sorgfalt untersuchen.“ „Wohlan denn,“ entgegnete Eustathius, „so möge Eudoxius uns alle überzeugen, daß er nicht so denke, indem er das Schriftstück des Aëtius verdammt.“ Diese Forderung griff der Kaiser mit Freuden auf und befahl, daß es so geschehen solle. Eudoxius aber suchte Ausflüchte und wandte viele Kunstgriffe an, um dem Auftrag auszuweichen. Als jedoch der Kaiser unwillig wurde und drohte, ihn mit Aëtius wegzuschicken als einen Genossen seiner gottlosen Gesinnung, da verleugnete er seine eigene Lehre, die er doch damals wie auch später noch fortwährend verkündigte. Nun aber ging auch er gegen die Anhänger des Eustathius zum Angriff über, indem er erklärte, auch diese müßten den Ausdruck „gleichwesentlich“ als nicht schriftgemäß verdammen. „Aber“, so entgegnete Silvanus, „auch die Ausdrücke ‚aus nicht Seiendem‘ und ‚Geschöpf‘ und ‚wesensverschieden‘ sind nicht schriftgemäß, da sie weder in den Schriften der Propheten noch in denen der Apostel vorkommen, und darum müssen jene billigerweise auch diese Ausdrücke verwerfen und aus dem gottesdienstlichen Gebrauche entfernen.“ Dem stimmte auch der Kaiser bei und befahl jenen, die Verdammung auszusprechen. Dieselben verlegten sich zwar anfangs auf Einwendungen, später aber, als sie den Zorn des Kaisers sahen, verwarfen sie, allerdings mit innerem Widerstreben, aber sie verwarfen doch, was ihnen Silvanus zur Verdammung vorlegte.

Dann aber machten sie noch weiter große Anstrengungen, um die Verdammung des Ausdrucks „wesensgleich“ durchzusetzen. Jedoch Silvanus sprach ebenso folgerichtig wie wahr zu ihnen und zum Kaiser: „Wenn der Gott Logos nicht aus nicht Seiendem und nicht ein Geschöpf und nicht aus einer anderen Wesenheit ist, dann ist er eben dem erzeugenden Gott wesensgleich als Gott aus Gott und Licht aus Licht und hat dieselbe Natur wie der Erzeuger.“ Diese Worte waren beweiskräftig und wahr; und doch ließ sich von den Anwesenden keiner überzeugen; die Anhänger des Eudoxius und Acacius erhoben vielmehr einen gewaltigen Lärm. Der Kaiser geriet in Zorn und drohte, jene von ihren Kirchen zu vertreiben. Eleusius aber und Silvanus erwiderten mit den anderen, die Strafe stehe zwar in seiner, des Kaisers, Gewalt, in ihrer Gewalt aber stehe es, sich für die Gottseligkeit oder für die Gottlosigkeit zu entscheiden; die Lehre der Väter würden sie für keinen Fall preisgeben. Konstantius konnte nun nicht umhin, die Weisheit, den Mannesmut und die freimütige Verteidigung der apostolischen Lehren zu bewundern, gleichwohl vertrieb er sie von ihren Kirchen und befahl, andere an deren Stelle zu setzen. Damals riß Eudoxius auf unrechtmäßige Weise den Stuhl der Kirche von Konstantinopel an sich, vertrieb den Eleusius aus Cycicus und setzte an seine Stelle den Eunomius. Nachdem dieses geschehen war, befahl der Kaiser die schriftliche Verurteilung des Aëtius, und die Genossen seiner Gottlosigkeit verurteilten gehorsam ihren gleichgesinnten Freund. Sie richteten auch ein Schreiben an den Bischof Georgius von Alexandrien, worin sie hiervon Mitteilung machten. Ich will diesen Brief in meine Darstellung aufnehmen, weil er ihre Schlechtigkeit deutlich ersehen läßt. Sie behandelten nämlich ihre Gesinnungsgenossen und ihre Widersacher fast auf gleiche Weise.

Synodalschreiben gegen Aëtius

Abschrift von dem Schreiben, das die ganze Synode an Georgius richtete in Betreff seines Diakons Aëtius wegen der verruchten Gotteslästerung desselben.

„Die heilige in Konstantinopel versammelte Synode entbietet dem hochwürdigsten Herrn, dem Bischof Georgius von Alexandrien, ihren Gruß.

Über Aëtius ist wegen seiner glaubensfeindlichen, mit Ärgernissen angefüllten Schriften von der Synode die Verurteilung ausgesprochen worden. Es ist dabei von seiten der Bischöfe gegen denselben nach Maßgabe der kirchlichen Satzungen vorgegangen worden. Er wurde des Diakonates entsetzt und aus der Kirche ausgeschlossen, und es erfolgten unsererseits Ermahungen, es möchten seine glaubensfeindlichen Briefe nicht zur Verlesung kommen, sondern wegen ihres unbrauchbaren und schädlichen Inhalts weggeworfen werden. Dem fügen wir bei, daß er, wenn er bei seiner Meinung verharrt, mitsamt seinen Anhängern in den Bann getan wird. Es wäre nun folgerichtig gewesen, wenn alle auf der Synode versammelten Bischöfe gemeinsam über den Urheber der Ärgernisse, Wirren und Spaltungen wie der Unruhe auf der ganzen Erde und der gegenseitigen Befehdung der Kirchen ihren Abscheu ausgesprochen und dem gegen ihn gefällten Urteil zugestimmt hätten. Indessen gegen unseren Wunsch und gegen alle Erwartung haben Serras, Stephanus, Heliodorus, Theophilus und ihre Genossen unserer Meinung sich nicht angeschlossen und auch das über ihn ausgesprochene Urteil nicht mitunterschreiben wollen, obgleich Serras noch über eine andere wahnwitzige Überhebung des genannten Aëtius zu klagen hatte. Er erzählte nämlich, derselbe habe sich in keckem Übermut zu der bestimmten Behauptung verstiegen, das, was Gott von den Zeiten der Apostel an bis jetzt verborgen gehalten habe, sei ihm geoffenbart worden. Selbst nach solchen wahnsinnigen und großsprecherischen Äußerungen, welche Serras von Aëtius bezeugte, wurden die vorhin genannten Bischöfe nicht stutzig und konnten nicht dazu bewogen werden, unserem gemeinsamen Urteil über ihn zuzustimmen.

Gleichwohl haben wir geraume Zeit mit ihnen unterhandelt, bald zürnend, bald mahnend, bald tadelnd, bald auch wieder flehend, sie möchten sich uns anschließen und ein mit der ganzen Synode übereinstimmendes Urteil abgeben. Wir warteten und warteten, ob sie vielleicht hören, ob sie in sich gehen und nachgeben würden. Als wir aber nach längerem Warten sie nicht dazu bewegen konnten, dem Urteil über den genannten Mann (Aëtius) sich anzuschließen, da schätzten wir die kirchliche Satzung höher als menschliche Freundschaft und verhängten über sie die Ausschließung, gewährten ihnen aber eine Frist von vollen sechs Monaten zur Umkehr, Sinnesänderung und zum Verlangen nach Einheit und Eintracht mit der Synode. Wenn sie innerhalb der ihnen gewährten Frist sich bekehren und zum Einverständnis mit ihren Brüdern sich entschließen und den Dekreten gegen Aëtius beipflichten, so sollen sie nach unserem Urteil wieder in die Kirche aufgenommen werden können und auf den Synoden die ihnen zukommenden Rechte und die Freundschaft mit uns zurückerhalten. Wenn sie aber ohne Reue bei ihrer Verwegenheit verharren und Menschengunst den Satzungen der Kirche und der Eintracht mit uns andauernd vorziehen, dann betrachten wir sie als der bischöflichen Würde verlustig gegangen. Sollten sie sich diese Absetzung zuziehen, dann wäre es notwendig, an ihre Stellen andere Bischöfe zu setzen, damit die rechtmäßige Kirche die ihr zukommende Ordnung erhalte durch die Übereinstimmung mit sich selbst, indem die Bischöfe aller Orte das Band der Liebe bewahren in demselben Bekenntnisse und in der Einheit der Gedanken und der Gesinnung. Wir haben diesen Brief an deine Frömmigkeit gerichtet, damit du die Beschlüsse der Synode kennen lernest, und wünschen, daß du durch Beobachtung derselben mit Hilfe der Gnade Christi die dir unterstellten Kirchen friedlich und gesetzmäßig leiten und regieren mögest.“

Ursache der Trennung der Eunomianer von den Arianern

Diesen Aëtius erhebt Eunomius in seinen Schriften, nennt ihn einen Mann Gottes und feiert ihn mit sehr vielen Lobsprüchen. Damals aber stand er auf seiten derjenigen, die ihn absetzten, und empfing von ihnen auch die bischöfliche Weihe. Eudoxius, Acacius und ihre Anhänger, die den oben erwähnten Glaubensdekreten von Nice in Thrazien beigestimmt hatten, weihten nun an Stelle des Basilius, Eudoxius und ihrer Anhänger in deren Kirchen neue Bischöfe. Ich halte es für überflüssig, aller übrigen zu gedenken, nur das auf Eunomius Bezügliche will ich hier erzählen.

Eunomius übernahm, obwohl Eleusius noch lebte, die Kirche von Cycicus. Da nun Eudoxius den gesunden Glauben des Volkes wahrnahm und den Unwillen des Kaisers merkte gegen diejenigen, welche behaupteten, daß der eingeborene Sohn Gottes geschaffen sei: so gab er dem Eunomius den Rat, seine wahre Gesinnung zu verheimlichen und sie denen nicht zu verraten, welche darauf ausgingen, einen Anlaß zur Klage zu finden. Später, so sagte er, wenn der rechte Augenblick gekommen ist, werden wir schon verkündigen, was wir jetzt geheim halten, werden die Unwissenden lehren und die Widerstrebenden entweder überreden oder zwingen oder strafen. Diesen Vorstellungen gab Eunomius nach und hüllte die gottlose Lehre, die er vortrug, vorsichtig in einen dunklen Schleier. Allein jene Zuhörer, welche in den göttlichen Schriften wohl unterrichtet waren, bemerkten das in seinen Reden versteckte Gift und ärgerten sich, hielten es aber nicht für klug, sondern für verwegen, ihm offen zu widersprechen. Sie umgaben sich deshalb mit der Maske häretischen Irrglaubens, suchten ihn in seinem Hause auf und baten ihn flehentlich, er möge ihnen doch offen die wahre Lehre auseinandersetzen und nicht zulassen, daß sie zwischen den verschiedenen Lehrmeinungen hin und her schwankten. Da faßte er Mut und legte ihnen seine wahre Gesinnung, die er bisher verborgen gehalten hatte, ganz offen dar. Nun sagten sie, es sei doch gegen menschliches und in hohem Grade auch gegen göttliches Recht, daß nicht alle Untergebenen der Wahrheit teilhaftig werden sollen. Durch solche und ähnliche Reden bewogen, ließ er sich herbei, seine gotteslästerliche Lehre auch in den kirchlichen Versammlungen zu enthüllen. Jene aber eilten, von ihrem feurigen Eifer getrieben, nach Konstantinopel, reichten zuerst bei Eudoxius eine Klageschrift gegen Eunomius ein; und als ersterer sie nicht vorließ, wandten sie sich an den Kaiser und jammerten über das Verderben, das von jenem Menschen komme; denn dessen Lehre, so sagten sie, sei noch gottloser als die Gotteslästerung des Arius. Der Kaiser, hierüber aufgebracht, befahl dem Eudoxius, den Eunomius vor sein Gericht zu ziehen, und wenn er schuldig befunden werde, des Priesteramtes zu entsetzen. Als aber Eudoxius auf das wiederholte Drängen der Kläger hin fortwährend Ausflüchte suchte, begaben sie sich nochmals zum Kaiser und klagten und wiesen besonders darauf hin, daß Eudoxius nichts von dem getan habe, was ihm befohlen worden sei, und daß er ruhig zusehe, wie eine so bedeutende Stadt den gotteslästerlichen Lehren des Eunomius preisgegeben sei. Da drohte Konstantius, den Eudoxius selbst in die Verbannung zu schicken, wenn er den Eunomius nicht vor sein Gericht ziehe, aburteile und, falls er der ihm zur Last gelegten Vergehen schuldig erkannt werde, in Strafe nehme. Durch diese Drohung erschreckt, gab Eudoxius dem Eunomius schriftlich den Rat, er möge aus Cycicus fliehen und die Schuld daran nur sich selbst zuschreiben, weil er die erhaltenen Ratschläge nicht befolgt habe. Eunomius zog sich nun zwar aus Furcht zurück, vermochte aber die Schande nicht ruhig zu ertragen, sondern beschuldigte den Eudoxius des Verrates und beteuerte, daß ihm sowohl wie dem Aëtius Unrecht geschehen sei.

Von dieser Zeit an gründete er eine eigene Partei. Alle nämlich, welche um die Übereinstimmung der beiden Männer in der Lehre wußten, klagten jetzt den Eudoxius des Verrates an, sagten sich von ihm los und schlossen sich an Eunomius an, nach dem sie noch bis auf den heutigen Tag benannt werden. Von da an war Eunomius ein Sektenstifter, der die gotteslästerliche Lehre des Arius mit seinen eigenen gottlosen Zusätzen noch bereicherte. Daß er aber nur aus leidenschaftlichem Ehrgeiz eine eigene Partei gebildet hat, das verkünden laut die Tatsachen. Denn als Aëtius abgesetzt und verbannt wurde, ging er mit demselben nicht fort, obwohl er ihn seinen Lehrer und einen Mann Gottes nannte, sondern blieb in enger Verbindung mit Eudoxius; als er aber selbst der Strafe für seine Gottlosigkeit verfiel, da nahm er das Urteil der Synode nicht an, sondern weihte Bischöfe und Priester, obschon er selbst der bischöflichen Würde beraubt war.

Das sind die Vorgänge, die sich in Konstantinopel zugetragen haben.

Die Belagerung der Stadt Nisibis und der apostolische Wandel des Bischofs Jakobus

Als der Perserkönig Sapor gegen die Römer zu Felde zog, sammelte Konstantius ein Heer und begab sich nach Antiochien. Es vertrieb aber die Feinde nicht das Heer der Römer, sondern der Gott der Frommgläubigen unter den Römern. Wie dieser Sieg errungen wurde, will ich nun erzählen.

Nisibis, das einige Antiochia Mygdonia nennen, liegt an der Grenze des persischen und römischen Reiches. Der Bischof dieser Stadt und Schützer und Feldherr derselben war Jakobus, den ich schon früher erwähnte. Er strahlte im Glanze apostolischer Gnadenfülle. Da ich seine bewunderungswürdigen und vielgepriesenen Wunderwerke in meiner Mönchsgeschichte schon beschrieben habe, so halte ich es für überflüssig und unnütz, dieselben hier noch einmal aufzuzählen; nur eines will ich berichten, das mit der vorliegenden Geschichte zusammenhängt. Die von ihm verwaltete Stadt gehörte zum römischen Reiche und wurde deshalb vom persischen Heere belagert. Aber obschon dieses bereits siebzig Tage vor der Stadt lag und viele Helepolen an die Mauer heranführte und zahlreiche andere Belagerungsmaschinen ringsum aufstellte und Wälle und Gräben herstellte, konnte es die Stadt doch nicht einnehmen. Endlich staute man auf weite Entfernung hin die Fluten des Stromes, der die Stadt in der Mitte durchschneidet und Mygdonius heißt, und erhöhte die Flußufer auf beiden Seiten durch Errichtung von Dämmen, die den Strom fest zusammenhalten sollten; als man dann sah, daß das Wasser sehr hoch geworden und endlich bereits über den Damm hinwegspülte, da ließ man es plötzlich wie eine Maschine gegen die Mauer los. Diese hielt vor dem überaus heftigen Andrang nicht stand, sondern neigte sich und stürzte zusammen. Dasselbe Schicksal erlitt der entgegengesetzte Teil der Stadtmauer, durch welchen der Mygdonius seinen Ausgang nahm; auch dieser brach zusammen, weil er den Anprall nicht auszuhalten vermochte. Als Sapor dieses sah, hoffte er, sich nunmehr mit Leichtigkeit der Stadt bemächtigen zu können. Doch unternahm er an diesem Tage nichts mehr, damit der schlammige Boden trocknen und der Fluß leicht durchschritten werden könnte. Als er aber am folgenden Tage mit dem ganzen Heere vorrückte in der Erwartung, über die eingestürzten Teile der Mauer hinweg in die Stadt eindringen zu können, da sieht er, daß die Stadtmauer an den beiden Stellen wieder aufgebaut und seine Mühe umsonst gewesen ist. Jener göttliche Mann hatte nämlich durch sein Gebet sowohl die Soldaten wie auch die übrigen Bewohner der Stadt mit Mut und Kraft erfüllt, die Mauer ausgebessert und die Kriegsmaschinen auf derselben aufgestellt, mit denen er die Angreifer zurücktrieb; und solches bewirkte er, ohne der Mauer nahe zu kommen, dadurch, daß er drinnen, im Tempel Gottes, den Herrn des Weltalls um seine Hilfe anflehte. Sapor wurde aber nicht nur durch die Schnelligkeit des Wiederaufbaues in Bestürzung, sondern überdies noch durch eine Erscheinung in Schrecken versetzt. Er sah nämlich auf der Mauer einen Mann stehen in kaiserlicher Rüstung, von dessen Purpurgewand und Diadem glänzende Strahlen ausgingen. Da er vermutete, es könnte der römische Kaiser sein, bedrohte er diejenigen mit dem Tode, welche ihm gemeldet hatten, daß derselbe nicht anwesend sei. Als diese aber versicherten, daß ihre Meldung der Wahrheit entspreche, und beteuerten, daß Konstantius in Antiochien weile, da erkannte er die Bedeutung des Gesichtes und äußerte sich, Gott kämpfe für die Römer. Zornentbrannt sandte der Unglückselige einen Pfeil in die Luft; denn obschon er wußte, daß er den Körperlosen nicht treffen könne, so vermochte er doch den heftigen Drang seiner Wut nicht zu beherrschen.

Nunmehr forderte der bewunderungswürdige Ephräm — es ist dieses der hervorragendste Schriftsteller unter den Syrern — den heiligen Jakobus auf, die Mauer zu besteigen, die Barbaren sich anzusehen und die Pfeile des Fluches gegen sie zu senden. Der Mann Gottes gab den Bitten nach, stieg auf einen Turm, überblickte die nach Tausenden und Abertausenden zählende Menge, sprach aber keinen anderen Fluch aus als die Bitte, daß Ameisen und Mücken über sie gesandt würden, damit man selbst durch diese kleinen Tierchen die Macht desjenigen erkennen möchte, der den Belagerten zur Seite stand. Auf dieses Gebet hin erschienen ganze Wolken von Ameisen und Mücken, welche die hohlen Rüssel der Elephanten und die Ohren und Nasen der Pferde und anderen Tiere erfüllten. Diese konnten den Angriff der kleinen Tierchen nicht ertragen, zerrissen die Zügel, warfen die Reiter ab, verwirrten die Schlachtordnung, verließen das Lager und eilten in rasender Flucht davon. Hierauf zog der unglückliche König mit seinem Heere ab, nachdem er durch eine kleine und menschenfreundliche Zurechtweisung die Macht Gottes, der für die Frommen sorgt, kennen gelernt hatte. Er hatte sich bei der Belagerung nicht Sieg, sondern nur Schande geholt.

Synode zu Antiochien. Das Verfahren gegen den heiligen Meletius

Zu jener Zeit hielt sich Konstantius in Antiochien auf. Nachdem die Ruhe hergestellt und der persische Krieg beendet war, versammelte er wieder Bischöfe und wollte sie zwingen, daß sie sämtlich sowohl den Ausdruck „wesensgleich“ als auch den anderen „wesens-ungleich“ verwerfen sollten. Da Eudoxius, der nach Leontius jenen Stuhl (von Antiochien) an sich gerissen hatte, später verbannt worden war und nach vielen Synoden widerrechtlich sich der Kirche von Konstantinopel bemächtigt hatte, so war die antiochenische Kirche damals ihres Hirten beraubt. Als nun die Bischöfe hier zusammenkamen — es waren ihrer aber viele von allen Seiten her erschienen —, da erklärten sie, man müsse zuerst der Herde einen Hirten vorsetzen, dann erst könne man gemeinschaftlich mit diesem über die Dogmen beraten.

Um jene Zeit hatte der vortreffliche Meletius zuerst eine Stadt Armeniens regiert, sich aber später aus Ärger über die Unbotmäßigkeit seiner Untergebenen an einen anderen Ort in die Ruhe zurückgezogen. Diesen hielten die Arianer für ihren Glaubens- und Gesinnungsgenossen und baten deshalb den Konstantius, ihm die Regierung der antiochenischen Kirche zu übergeben. In ihrem Bestreben, der gottlosen Lehre zur Herrschaft zu verhelfen, übertraten sie nämlich ohne Scheu jegliches Gesetz; ja die Übertretung der Gesetze wurde das Fundament ihrer Gottlosigkeit. An vielen Orten hatten sie viele derartige Neuerungen vorgenommen. Aber auch die treuen Anhänger der apostolischen Lehre, welche die Rechtgläubigkeit des großen Meletius kannten und den Glanz seines Lebens und den Reichtum seiner Tugenden wahrnahmen, stimmten zu und arbeiteten mit dem größten Eifer darauf hin, daß die Abstimmung schriftlich geschehe und von allen unterschrieben werde. Dieses Dokument übergaben sie, die einen wie die anderen, wie die gemeinsame Vertragsurkunde dem Bischof Eusebius von Samosata, einem echten Verteidiger der Wahrheit, zur Aufbewahrung. Als der große Meletius nach Empfang der kaiserlichen Berufung anlangte, kamen ihm alle Bischöfe entgegen; es zogen ihm aber auch entgegen die übrigen Grade des Klerus der Kirche und das gesamte Volk der Stadt; selbst Juden und Heiden fanden sich ein, um den weltberühmten Meletius zu sehen.

Der Kaiser aber befahl ihm und den anderen, welche reden konnten, dem Volke die Stelle zu erklären: „Der Herr schuf mich als Erstling seiner Wege zu seinen Werken.“ Zugleich beauftragte er geübte Schnellschreiber, die Worte eines jeden genau aufzuzeichnen, weil er glaubte, daß infolgedessen die Erklärungen um so sorgfältiger gegeben würden. Zuerst nun gab Georg von Laodicea seine übel riechende Irrlehre von sich; hierauf trug Acacius von Cäsarea eine sozusagen in der Mitte liegende Lehre vor, die zwar soweit als möglich von der Gottlosigkeit der ersteren abrückte, aber doch den apostolischen Charakter nicht rein und unverfälscht bewahrte; an dritter Stelle erhob sich der große Meletius und legte die wahre und echte Regel der Gotteslehre dar. Indem er nämlich die Wahrheit zur Richtschnur seiner Lehre nahm, vermied er glücklich das Zuviel und Zuwenig. Es wurde ihm von seiten des Volkes sehr großer Beifall gespendet, nur baten sie ihn, er möchte ihnen eine ganz kurze Lehrformel geben. Da zeigte er ihnen drei Finger, bog dann zwei davon ein und ließ nur einen ausgestreckt und sprach dazu die denkwürdigen Worte: „Drei sind es für unser Denken, aber wie zu einem reden wir.“

Gegen diese Erläuterung erhoben die an der geistigen Krankheit des Arius Leidenden ihre Stimme und ersannen die verleumderische Anklage, daß der heilige Meletius sabellianisch denke; und wirklich gelang es ihnen, den unbeständigen Kaiser, der sich mit Leichtigkeit bald auf diese, bald auf jene Seite ziehen ließ, zu überreden und zu veranlassen, daß er den Meletius wieder in seine Heimat zurückschickte. Und sofort setzten sie an seine Stelle den Euzoius, einen offenkundigen Anhänger der arianischen Lehre. Derselbe war als Diakon von dem großen Alexander zugleich mit Arius abgesetzt worden. Alsbald nun sonderte sich der gesunde Teil des Volkes von dem kranken und hielt fortan seine Versammlungen in der Apostelkirche, welche in der Altstadt gelegen ist. Dreißig Jahre hatten sie ausgehalten, seitdem gegen den berühmten Eustathius die Verfolgung eröffnet worden war, hatten beständig die Schamlosigkeit der Arianer ertragen und immer auf eine günstige Wendung der Dinge gehofft. Als sie aber sahen, wie die Gottlosigkeit bei denselben nur zunahm, wie die Anhänger der apostolischen Lehre öffentlich bekämpft und im geheimen verfolgt wurden, wie der heilige Meletius vertrieben wurde und Euzoius, der Vorkämpfer der Häresie, an seiner Stelle den Vorsitz übernahm, da gedachten sie der Worte, die zu Lot gesprochen worden waren: „Rette deine Seele!” Dazu erinnerten sie sich der Vorschrift des Evangeliums, welche deutlich bestimmt: „Wenn dein rechtes Auge dich ärgert, so reiß es aus und wirf es von dir!“ Dasselbe hat der Herr auch in bezug auf Hand und Fuß befohlen und hinzugefügt: „Denn es ist dir nützlicher, wenn eines von deinen Gliedern zugrunde geht, als wenn dein ganzer Körper in die Hölle geworfen wird.“

Auf diese Weise entstand also die Spaltung in der Kirche.

Bischof Eusebius von Samosata

Als der vorhin erwähnte bewunderungswürdige Eusebius, dem das gemeinsame Wahlprotokoll zur Aufbewahrung übergeben worden war, die Verletzung der Übereinkunft wahrnahm, kehrte er wieder in die ihm anvertraute Stadt zurück. Die Gegner aber fürchteten das beweiskräftige Schriftstück und wirkten auf Konstantius ein, daß er die Urkunde durch einen Boten abholen lasse. Der Kaiser ließ sich wirklich überreden und sandte einen von jenen Eilboten, welche auf dem Wege die Pferde zu wechseln und so die Antwort so schnell wie möglich zu überbringen haben. Als dieser hinkam und den Auftrag des Kaisers meldete, antwortete der bewunderungswürdige Eusebius: „Ich kann das mir anvertraute gemeinsame Vertragsdokument nicht ausliefern, bevor alle zusammenkommen, die es mir übergeben haben.“ Solches meldete der Bote seinem Auftraggeber. Dieser entbrannte in heftigem Zorn und sandte dem Bischof einen Brief mit dem wiederholten Auftrag, das Schriftstück auszuliefern, und er fügte hinzu, daß er den Befehl gegeben habe, ihm die rechte Hand abzuhauen, wenn er die Wahlurkunde nicht herausgebe. Dieses schrieb er aber nur, um ihn bange zu machen; denn dem Überbringer des Briefes verbot er, die Drohung auszuführen. Als nun jener göttliche Mann den Brief öffnete und aus dem Inhalte ersah, welche Strafe ihm der Kaiser androhte, reichte er mit der rechten Hand auch die linke hin und verlangte, daß man ihm beide abhaue. „Denn die Wahlurkunde“, sagte er, „werde ich nicht herausgeben; sie ist ein zu deutlicher Beweis von der Schlechtigkeit der Arianer.“ Da Konstantius von dieser mannhaften Tat erfuhr, staunte er schon damals darüber und hörte auch in der Folgezeit nicht auf, sie zu bewundern. Denn auch die Feinde bewundern die Vorzüge ihrer Gegner, überwältigt von der Größe ihrer Taten.

Um diese Zeit brachte Konstantius in Erfahrung, daß Julian, den er zum Cäsar Europas ernannt hatte, nach größerem strebe und gegen den Urheber seiner Würde ein Heer sammle. Daraufhin brach er aus Syrien auf, beschloß aber in Cilicien sein Leben. Denn er hatte den nicht zum Helfer, den ihm sein Vater als solchen hinterlassen hatte, da er das väterliche Erbe der frommen Rechtgläubigkeit nicht unversehrt bewahrte. Darum bereute er (im Sterben) bitterlich klagend den Wechsel seines Glaubens.

Drittes Buch [361—363]

Die Regierung des Kaisers Julian

Seufzend und weheklagend über seinen Abfall vom Glauben seines Vaters war Konstantius aus dem Leben geschieden. Julian erfuhr dessen Tod, als er eben im Begriffe war, von Europa nach Asien herüber zu ziehen. Von neuem Mute beseelt, übernahm er die Regierung, die ihm niemand mehr streitig machte.

Die christliche Erziehung Julians

Julian hatte in seiner Jugend, als er noch ein Kind war, zugleich mit seinem Bruder Gallus die Milch der christlichen Lehre eingesogen, und auch als Knabe und Jüngling hatte er noch dieselbe Unterweisung erhalten. Aus Angst aber vor Konstantius, der, Empörungen befürchtend, seine Verwandten aus dem Wege räumte, ließ er sich unter die Lektoren aufnehmen und las in den kirchlichen Versammlungen dem Volke die heiligen Schriften vor. Er ließ auch eine Martyrerkapelle bauen, aber die Martyrer nahmen sie nicht an, da sie seinen Abfall zum Heidentum voraussahen. Die Fundamente waren nämlich gerade so wie seine Gesinnung, ohne Festigkeit, und so stürzte die Kapelle ein, bevor sie eingeweiht wurde. Dergestalt verlief also seine Kindheit und seine Jugend.

Julians Übertritt zum Heidentum. Anfängliche Verheimlichung desselben

Als Konstantius nach dem Abendlande aufbrach, wohin ihn der Krieg gegen Magnentius rief, da ernannte er den Gallus zum Cäsar des Morgenlandes. Dieser war rechtgläubig und blieb es bis an sein Ende. Julian aber bannte die Furcht, die ihm so nützlich gewesen wäre, aus seinem Herzen, waffnete sich, nicht zu seinem Vorteile, mit kühnem Mute und richtete seine Begierde auf die kaiserliche Herrschaft. Von demselben Verlangen getrieben, durchreiste er Griechenland und suchte Wahrsager und Orakeldeuter auf, um zu erfahren, ob er das Ziel seiner Sehnsucht erreichen würde. Er traf auch einen Menschen, der ihm dieses kundzumachen versprach. Derselbe führte ihn in einen Götzentempel, ließ ihn in das innerste Heiligtum eintreten und rief die trügerischen Dämonen. Als nun diese in der gewohnten Gestalt sich zeigten, trieb ihn die Furcht, das Zeichen des Kreuzes auf seine Stirne zu machen. Kaum hatten jene das Siegeszeichen des Herrn erblickt, als sie, an ihre Niederlage erinnert, sofort sich auf und davon machten. Der Gaukler, der die Ursache ihrer Flucht wohl erkannte, machte Julian Vorwürfe. Dieser gestand auch, daß er sich gefürchtet habe, erklärte aber zugleich, daß er sich wundern müsse über die Macht des Kreuzes; die Dämonen waren nämlich entflohen, weil sie das Zeichen desselben nicht ansehen konnten. „Glaube doch das nicht, mein Bester“, entgegnete der Gaukler, „nicht aus Furcht, wie du meinst, sondern aus Abscheu vor deiner Tat sind sie davongeeilt.” So täuschte er den Unglückseligen, weihte ihn in die Mysterien ein und erfüllte ihn mit seiner schändlichen Gesinnung. So brachte die Herrschsucht den Bedauernswerten um seinen christlichen Glauben.

Dennoch hielt er, zur Herrschaft gelangt, seine ungläubige Gesinnung noch lange verborgen, besonders aus Furcht vor den Soldaten, die in der christlichen Religionslehre wohl unterrichtet waren. Es hatte sie nämlich zuerst schon der berühmte Konstantin nicht nur von dem früheren Irrwahn befreit, sondern auch in den Lehren der Wahrheit eingehend unterwiesen; sodann hatten seine Söhne die von dem Vater herrührenden Kenntnisse in ihnen noch mehr befestigt. Denn wenn auch Konstantius, irregeführt von den Räten, die ihn leiteten, den Ausdruck „wesensgleich” nicht zuließ, so hat er doch wenigstens den Sinn desselben aufrichtig bekannt. Er nannte ja den Gott Logos den wahren Sohn, der vor den Zeiten aus dem Vater gezeugt ist, und schloß diejenigen, welche ihn ein Geschöpf zu nennen wagten, geradezu aus der kirchlichen Gemeinschaft aus; den Götzendienst aber untersagte er vollständig. Ich will auch noch einen anderen ruhmwürdigen Zug von ihm mitteilen, der geeignet ist, seinen Eifer für die Religion zu bezeugen. Im Kriege gegen Magnentius versammelte er das ganze Heer und riet allen, die heiligen Geheimnisse zu empfangen, indem er sagte, das Ende des Lebens sei zwar immer ungewiß, nicht am wenigsten aber in einem Kriege, wo von beiden Seiten Tausende von Geschossen, Lanzen und Spießen abgeschleudert würden, wo dazu noch Schwerter und Dolche anstürmten und die anderen Kriegswerkzeuge, durch welche ein gewaltsamer Tod herbeigeführt werden könne. „Deshalb muß jeder jenes kostbare Gewand besitzen, dessen wir ganz besonders im jenseitigen Leben bedürfen. Wenn aber einer zögert, sich dieses Gewand zu verschaffen, so möge er jetzt von hier fortgehen und nach Hause zurückkehren; denn ich will mit noch Ungetauften keinen Krieg führen.”

Die Rückkehr der Bischöfe

Da Julian dieses wohl wußte, so trug er seine unchristliche Gesinnung nicht öffentlich zur Schau, im Gegenteil, um alle für sich einzunehmen, erließ er die Verordnung, daß die von Konstantius von ihren Kirchen vertriebenen und in den entlegensten Gegenden der Erde wohnenden Bischöfe wieder zu ihren Kirchen zurückkehren sollten. Auf Grund dieses Gesetzes kehrte der göttliche Meletius wieder nach Antiochien, der vielgepriesene Athanasius wieder nach Alexandrien zurück. Eusebius und Hilarius aus Italien und Lucifer, dem das Hirtenamt über die Insel Sardinien übertragen worden war, weilten in der an Ägypten grenzenden Thebais, wohin sie Konstantius verbannt hatte. Diese versammelten sich mit den anderen Gesinnungsgenossen und erklärten, man müsse die Kirchen wieder zur Eintracht zurückführen. Dieselben wurden nämlich nicht mehr bloß von Andersgläubigen verfolgt, sondern in ihrem eigenen Schoße waren Parteien entstanden, die sich gegenseitig befehdeten.

So war in Antiochien der gesunde Leib der Kirche in zwei Teile gespalten: die einen nämlich hatten sich gleich anfangs aus Anhänglichkeit an den berühmten Eustathius von den übrigen getrennt und gesonderten Gottesdienst gehalten; die anderen hatten sich mit dem bewunderungswürdigen Meletius von der Verbindung mit den Arianern zurückgezogen und feierten die heiligen Geheimnisse in der sogenannten Altstadt. Es hatten aber beide Parteien ein und dasselbe Glaubensbekenntnis; jede Partei trat für die zu Nizäa aufgestellte Lehre in die Schranken. Was sie voneinander trennte, war einzig und allein die Streitsucht und die Liebe zu ihren Bischöfen. Ja nicht einmal der Tod des einen Bischofs machte der Spaltung ein Ende. Obwohl nämlich Eustathius schon vor der Weihe des Meletius gestorben war und obwohl die Anhänger des rechten Glaubens nach der Verbannung des Meletius und der Weihe des Euzoius die Verbindung mit den Irrgläubigen wieder abgebrochen hatten und gesonderte Versammlungen hielten, so ließen sich die Eustathianer doch nicht bewegen, sich mit ihnen zu vereinigen.

Eusebius, Lucifer und ihre Freunde suchten nun Mittel und Wege ausfindig zu machen, um diese Vereinigung wieder herzustellen. Eusebius bat den Lucifer, nach Alexandrien zu kommen und mit dem großen Athanasius hierüber Beratung zu pflegen; er selbst wollte die Mühe übernehmen, die beiden Parteien miteinander zu versöhnen.

Die Weihe des Paulinus

Allein Lucifer ging nicht nach Alexandrien, sondern begab sich nach Antiochien. Dort führte er mit den beiden Parteien viele Verhandlungen zugunsten der Wiedervereinigung; als er aber sah, daß die Eustathianer unter Führung des Priesters Paulinus beharrlich widersprachen, weihte er ihnen den Paulinus zum Bischof, eine Tat, die keineswegs glücklich war. Denn diese Handlung verlängerte nur die bestehende Spaltung. Letztere dauerte nämlich fünfundachtzig Jahre lang bis zur Regierung des ruhmwürdigen Alexander. Nachdem dieser das Steuerruder der antiochenischen Kirche in die Hand genommen, versuchte er jedes Mittel und wendete jegliche Sorgfalt und allen Eifer auf, um die Eintracht wieder herzustellen, und konnte endlich das getrennte Glied wieder mit dem übrigen Körper der Kirche vereinigen. Lucifer blieb, nachdem er die Spaltung vergrößert hatte, noch lange Zeit in Antiochien. Auch Eusebius kam nach Antiochien; als er aber sah, daß die Krankheit durch ungeschickte Behandlung unheilbar geworden, segelte er wieder in das Abendland zurück. Lucifer aber fügte nach seiner Rückkehr nach Sardinien den kirchlichen Lehren fremdartige Elemente bei. Diejenigen, welche diese annahmen, haben von ihm den Namen erhalten und wurden lange Zeit hindurch Luciferianer genannt. Endlich erlosch auch diese Lehre und fiel der Vergessenheit anheim.

Das sind die Dinge, die sich nach der Rückkehr der Bischöfe zugetragen haben.

Wiedererstarkung des Heidentums

Als Julian seine heidnische Gesinnung offen kundgab, da füllten sich die Städte mit Parteikämpfen. Denn diejenigen, welche der trügerischen Verehrung der Götzenbilder ergeben waren, öffneten die Götzentempel und feierten wieder jene schmutzigen Mysterien, die wert gewesen wären, für immer vergessen zu werden. Sie zündeten das Feuer auf den Altären wieder an, besudelten die Erde mit dem Blut der Opfertiere und verpesteten die Luft mit Fettdampf und Opferrauch. Gejagt von den Dämonen, denen sie dienten, liefen sie wie toll nach Art der Korybanten durch die Straßen, überhäuften die Christen mit gemeinen Spässen und Spottreden und unterließen keine Art der Schmähung und Verhöhnung. Die Bekenner des christlichen Glaubens dagegen, welche die Lästerungen derselben nicht ertragen konnten, gaben ihnen ihre Schmähungen zurück und hielten ihnen die Irrtümer vor, denen sie huldigten. Das nahmen aber die Diener der Gottlosigkeit wieder übel auf, und da die vom Herrscher ihnen gewährte Freiheit ihrer Verwegenheit zu Hilfe kam, so bereiteten sie den Christen die grausamsten Qualen. Denn der verruchte Kaiser, dessen Pflicht es gewesen wäre, für den Frieden seiner Untertanen zu sorgen, hetzte selbst das Volk gegeneinander. Er übersah, was die verwegeneren Elemente gegen die gemäßigteren sich erlaubten und übertrug die politischen und militärischen Ämter den rohesten und ungläubigsten Männern. Diese übten zwar gegen die Bekenner des christlichen Glaubens keinen offenbaren Zwang aus, um sie zum Opfern zu nötigen, sie fügten ihnen aber jegliche Art von Schimpf zu. So wurden den Priestern auch jene Ehrengeschenke wieder entzogen, welche ihnen der große Konstantin zugewiesen hatte.

Die Verfolgung der Christen durch die Heiden

Was sich in jener Zeit die im heidnischen Irrtum befangenen Leute herausnehmen durften, ist überaus viel und bedürfte zur Darstellung eines eigenen Buches; ich will daher hier von dem vielen nur einiges wenige anführen.

In Askalon und Gaza, zwei Städten Palästinas, rissen sie Priestern und gottgeweihten Jungfrauen den Unterleib auf, füllten ihn mit Gerste und warfen sie so den Schweinen zum Fraße vor. In Sebaste, einer anderen Stadt des eben genannten Landes, öffneten sie das Grab Johannes des Täufers, verbrannten die Gebeine und zerstreuten die Asche. Und wie könnte man ohne Tränen jenen Frevel erzählen, den sie in Phönizien verübt haben? Zu Heliopolis nämlich am Libanon war ein Diakon Cyrillus. Dieser hatte unter der Regierung Konstantins, von heiligem Eifer entflammt, viele der dort verehrten Götzenbilder zerstört. Dieser Tat erinnerten sich jetzt die Unseligen und töteten ihn nicht nur, sondern schnitten ihm auch den Unterleib auf und verzehrten seine Leber. Sie entgingen jedoch nicht dem Auge, das alles sieht, sondern erhielten für ihren Frevel die gebührende Strafe. Alle nämlich, die sich an jener Greueltat beteiligt hatten, verloren ihre Zähne, die ihnen alle gleichzeitig ausfielen; sie verloren ferner ihre Zungen, die von fauligen Geschwüren bedeckt und zerfressen wurden; sie verloren endlich auch die Sehkraft und verkündigten so durch die erlittenen Strafen die Macht der christlichen Wahrheit. In Emesa, einer angrenzenden Stadt, weihten sie die neugebaute Kirche dem hermaphroditischen Dionysus und errichteten in derselben die äußerst lächerliche androgyne Statue desselben. In Dorostolon, einer ansehnlichen Stadt Thraziens, wurde der siegreiche Kämpfer Ämilianus von Kapitolinus, dem Präfekten von ganz Thrazien, dem Feuertode überliefert.

Die Behandlung des Bischofs Markus von Arethusa aber bedürfte der gewaltigen Sprache eines Aeschylus und Sophokles, damit dessen Leiden wie in einer Tragödie zu einer würdigen Darstellung gelangten. Derselbe hatte zur Zeit des Konstantius einen Götzentempel zerstört und dafür eine Kirche gebaut. Wie nun jetzt die Arethusier die Absichten Julians erkannten, ließen sie ihren Haß unverhüllt zu Tage treten. Jener versuchte zuerst, der Vorschrift des Evangeliums folgend, sich zu flüchten. Als er aber erfuhr, daß statt seiner einige von seinen Untergebenen gefangen genommen wurden, kehrte er zurück und lieferte sich selbst seinen blutdürstigen Verfolgern aus. Diese ergriffen ihn und empfanden weder Mitleid mit dem Greise noch Scheu vor dem eifrigen Freunde der Tugend, sondern marterten den Mann, der durch sein Leben und seine Lehre ausgezeichnet war, zuerst damit, daß sie ihn entblößten und an allen Gliedern geißelten; dann warfen sie ihn in übelriechende Kloaken; darauf holten sie ihn wieder heraus und übergaben ihn einer Schar von Knaben mit dem Auftrag, ihn mit ihren Griffeln schonungslos zu zerstechen. Hierauf warfen sie ihn in einen Weidenkorb, bestrichen ihn mit salziger Brühe und Honig, hingen ihn unter freiem Himmel in der größten Hitze auf und luden Wespen und Bienen zum Schmause ein. Dieses taten sie, um ihn zu dem einen oder anderen zu zwingen: entweder den zerstörten Tempel wieder aufzubauen oder die Kosten für den Bau zu tragen. Er aber ertrug standhaft jene bitteren Leiden und erklärte bestimmt, daß er nichts von dem tun werde, was sie von ihm verlangten. Jene meinten nun, er könne wegen seiner Armut das Geld nicht hergeben und ließen die Hälfte der Forderung nach, bestanden aber auf der Zahlung des Restes. Er aber, in der Höhe schwebend, von den Griffeln zerstochen, von den Wespen und Bienen angenagt, äußerte nicht nur kein Zeichen des Schmerzes, sondern verspottete auch noch die Unseligen, indem er sagte, sie liebten die Erde und den Boden, er aber schwebe hoch über ihnen. Endlich verlangten sie nur mehr einen kleinen Teil der Geldsumme. Er aber entgegnete, es sei die gleiche Glaubensverleugnung, ob man nur einen Obolus gebe oder die ganze Summe bezahle. Daraufhin gaben sie sich für besiegt und ließen ihn los. Sie waren über alle Maßen erstaunt über seine Standhaftigkeit und fielen von einem Gegensatz in den anderen: sie lernten nämlich aus seinem Munde wieder den wahren Glauben.

Gesetze gegen die Christen

Noch tausenderlei andere Frevel wurden um jene Zeit allenthalben zu Wasser und zu Land von den Gottlosen (Heiden) gegen die Christen verübt. Dies ging um so leichter, weil auch der gottverlassene Kaiser nun öffentlich Gesetze gegen den christlichen Glauben erließ. Zuerst verbot er, daß die Söhne der Galiläer — so nannte er nämlich die Anhänger unseres Erlösers — am Unterricht in der Dichtkunst, Redekunst und Philosophie teilnehmen, „Denn”, so sagte er, „wir werden, wie es im Sprichwort heißt, mit unseren eigenen Federn verwundet. Denn aus unseren Schriften entnehmen sie die Waffen, mit denen sie den Krieg gegen uns führen.” Nach diesem Verbot erließ er noch ein anderes Gesetz, das die Galiläer aus dem Heere auszustoßen befahl.

Des heiligen Athanasius vierte Verbannung und Flucht

Um diese Zeit geriet Athanasius, der kampfgewohnte Verteidiger der Wahrheit, von neuem in Gefahr. Die Dämonen konnten die Kraft der Rede und des Gebetes des Athanasius nicht ertragen und bewaffneten daher ihre Diener zu Schmähreden gegen denselben. Unter vielen anderen Beweggründen, die sie vorbrachten und mit denen sie den Schutzherrn der (heidnischen) Gottlosigkeit zur Verbannung des Athanasius zu bestimmen suchten, führten sie auch folgenden an: „Wenn Athanasius bleibt, dann bleibt kein Heide mehr, denn er wird alle seiner Gemeinde zuführen.” Solche flehentliche Bitten um Hilfe nahm Julian wohlwollend auf und befahl nicht nur die Verbannung, sondern auch die Ermordung des Athanasius. Die Freunde des letzteren wurden hierüber bestürzt, er selbst aber soll das rasche Ende der Trübsal vorausgesagt haben. Er nannte sie nämlich eine Wolke, die sich sehr rasch wieder verziehen werde. Gleichwohl entwich er auf die Kunde von der Ankunft der Häscher, und da er am Ufer des Flusses ein Fahrzeug fand, segelte er in die Thebais hinauf. Der Häscher, der beauftragt war, ihn zu ermorden, hatte kaum von seiner Flucht erfahren, als er mit allen Kräften ihm nachsetzte. Ein anderer jedoch, einer von den Bekannten des Athanasius, kam ihm zuvor und meldete, daß derselbe in aller Eile herankomme. Da baten einige der mitfahrenden Freunde dringend, man möge gegen die Wüste hin entweichen. Athanasius aber befahl dem Steuermann, dem Schiff wieder die Richtung nach Alexandrien zu geben. So fuhren sie ihrem Verfolger geradezu entgegen. Als der mit der Tötung beauftragte Häscher herankam, fragte er, wie weit Athanasius entfernt sei. Dieser antwortete, derselbe sei ganz in der Nähe, und ließ ihn weiterfahren. Er selbst aber kehrte nach Alexandrien zurück und hielt sich während der noch übrigen Lebenszeit des Julian dortselbst verborgen.

Apollo von Daphne und der heilige Babylas

Als Julian gegen die Perser zu Felde ziehen wollte, schickte er die ergebensten seiner Diener zu allen im römischen Reiche befindlichen Orakeln; er selbst aber bat den Pythius in Daphne flehentlich, ihm doch die Zukunft zu offenbaren. Allein dieser erwiderte, die in der Nähe bestatteten Toten stünden der Weissagung hinderlich im Wege; erst müßten diese an einen anderen Ort verbracht werden, dann erst könnte er die Vorhersagung bekanntmachen. „Denn ich kann nicht wohl etwas kundgeben, so lange der mir geweihte Hain nicht vollständig gereinigt ist.”

Es ruhten damals an diesem Orte die Reliquien des siegreichen Martyrers Babylas und der Jünglinge, welche mit ihm das Martyrium bestanden hatten, und es war klar, daß der Lügenprophet um des Heiligen willen an seiner gewohnten lügenhaften Wahrsagerei gehindert wurde. Dieses sah auch Julian ein, denn er kannte von seinem früheren christlichen Leben her die Macht der Martyrer; darum ließ er auch keinen anderen Leichnam von dort entfernen, sondern befahl nur den Verehrern Christi, die Reliquien der siegreichen Martyrer hinwegzubringen. Diese aber begaben sich mit Freuden in den Tempelhain, luden den Reliquienschrein auf einen Wagen und gingen alle miteinander vor demselben her, bildeten Chöre, sangen die Psalmen Davids und antworteten zu jedem Verse: „Zu Schanden werden sollen alle, die Götzenbilder anbeten!” Denn sie betrachteten die Übertragung des Martyrers als eine Niederlage des Teufels.

Der Bekenner Theodorus

Julian konnte die ihm damit zugefügte Schmach nicht ertragen, und so ließ er am folgenden Tage die Anführer jenes Zuges verhaften. Der damalige Präfekt Salustius versuchte zwar, obschon er selbst dem Götzendienst ergeben war, den Tyrannen zu überreden, den Christen, die nach Ruhm verlangten, ihre Sehnsucht nicht zu erfüllen; als er aber sah, daß der Kaiser seinen Zorn nicht beherrschen konnte, ließ er gleichwohl einen jungen, von Eifer für Gottes Ehre beseelten Menschen, der eben über den Markt ging, ergreifen, öffentlich an ein hölzernes Gerüst hängen, den Rücken mit Riemen peitschen und die Seiten mit Krallen zerfleischen, und zwar ließ er ihn so beständig martern vom frühen Morgen bis gegen Ende des Tages. Hierauf ließ er ihn in eiserne Ketten legen und bewachen. Am nächsten Morgen machte er dem Julian hiervon Meldung, berichtete auch über die Standhaftigkeit des Jünglings und fügte bei, solche Vorkommnisse seien für sie selbst eine Niederlage, für die Christen dagegen Ehre und Ruhm. Durch solche Vorstellungen ließ sich der Unglückselige bewegen, die übrigen Gefangenen vor dem gleichen Schicksal zu bewahren; ja er gab sogar den Befehl, den Theodorus aus seinem Gefängnis zu entlassen; so hieß nämlich jener jugendliche und tapfere Kämpfer für die Wahrheit. Einige fragten ihn nun, ob er Schmerz verspürt habe, als er jene bitteren und so grausamen Martern erduldete. Er antwortete, anfangs habe er einen leichten Schmerz gefühlt, dann aber sei ihm jemand erschienen, der ihm mit einem weichen und kühlenden leinenen Tuche fortwährend den Schweiß im Gesichte abgetrocknet und Mut zugesprochen habe. Deshalb habe er auch, so sagte er, als die Schergen von ihrer Tätigkeit abließen, nicht Freude, sondern Trauer empfunden, weil gleichzeitig auch derjenige wieder verschwunden sei, der ihm die innere Erquickung gebracht habe.

Indessen vermehrte der falsche Wahrsagegeist nicht nur den Ruhm des Martyrers, sondern enthüllte auch sein eigenes trügerisches Wesen. Es fuhr nämlich ein Blitz vom Himmel hernieder, der den ganzen Tempel in Flammen setzte und das Standbild des Pythius selbst in feinste Asche verwandelte; dasselbe war nämlich von Holz und außen vergoldet. Als Julian, der Oheim des Kaisers Julian, der Statthalter des Morgenlandes war, dieses während der Nacht erfuhr, eilte er so schnell wie möglich nach Daphne, voll Eifer, dem von ihnen angebeteten Gott zu Hilfe zu kommen. Da er aber sah, wie der sogenannte Gott zu Asche geworden war, ließ er die Tempelaufseher geißeln, weil er vermutete, daß der Brand von irgendeinem Christen angestiftet worden sei. Dieselben konnten jedoch auch durch Geißelstreiche nicht dazu gebracht werden, etwas Falsches auszusagen. Denn der Brand, sagten sie, habe nicht von unten, sondern von oben seinen Anfang genommen. Dazu kamen auch einige Bauern von den umliegenden Feldern und erzählten, sie hätten gesehen, wie der zündende Blitzstrahl vom Himmel herniedergefahren sei.

Einziehung der Kirchengüter

Obschon nun die Gottlosen erkennen mußten, daß die Sache sich so zugetragen habe, so fuhren sie doch fort, gegen den Gott des Weltalls zu kämpfen. Der Tyrann befahl, die heiligen Gerätschaften an die kaiserliche Schatzkammer abzuliefern, und ließ die Türen der großen Kirche, welche Konstantin erbaut hatte, vernageln, um sie denen, welche sich darin zu versammeln pflegten, unzugänglich zu machen. Dieselbe war damals im Besitz der arianischen Partei.

Julian, der Oheim des Kaisers

Es kam nun Julian, der Statthalter des Morgenlandes, in den heiligen Tempel, und mit ihm kam Felix, der Verwalter der kaiserlichen Schätze, und Elpidius, der mit der Aufsicht über die dem Kaiser persönlich gehörenden Gelder und Güter betraut war; die Römer pflegen einen solchen comes rerum privatarum zu nennen. Felix und Elpidius sollen früher Christen gewesen und dem gottlosen Kaiser zu Gefallen vom christlichen Glauben abgefallen sein. Julian goß seinen Urin gegen den Opferaltar, und als ihn Euzoius daran hindern wollte, versetzte er ihm einen Schlag auf die Schläfe; er soll auch gesagt haben, die Sache der Christen sei von der göttlichen Vorsehung verlassen. Felix aber rief, als er die Pracht der heiligen Geräte wahrnahm, die Konstantin und Konstantius mit großer Freigebigkeit angeschafft hatten, aus: „Sehet doch, mit welch schönen Gefäßen der Sohn der Maria bedient wird!”

Aber für diese gottlosen und wahnsinnigen Freveltaten mußten sie alsbald die verdiente Strafe erleiden. Julian fiel sofort in eine schwere Krankheit und wurden seine Eingeweide derart von fauligen Geschwüren zerfressen, daß er die Exkremente nicht mehr durch die zur Ausleerung bestimmten Organe ausscheiden konnte, daß vielmehr der unflätige Mund, der ein Werkzeug der Gotteslästerung gewesen war, jetzt zum Organ der Ausscheidung wurde. Da soll nun seine Gattin, welche durch ihren Glauben sich auszeichnete, zu ihrem Gemahl folgendes gesagt haben: „Eigentlich solltest du, lieber Mann, den Heiland Christus preisen, daß er dir durch diese Heimsuchung seine Macht geoffenbart hat; denn du würdest wohl nicht zur Einsicht kommen, wer derjenige ist, den du bekämpft hast, wenn er nach seiner gewohnten Langmut gehandelt und diese von Gott gesandte Plage nicht über dich verhängt hätte.” Unter der Einwirkung solcher Worte und der ihn quälenden Schmerzen erkannte der Unglückliche die Ursache seiner Krankheit und bat den Kaiser, die Kirche denjenigen wieder zurückzugeben, denen sie weggenommen worden war; aber dazu vermochte er diesen nicht zu bewegen und endigte so sein Leben. Aber auch Felix verfiel plötzlich der göttlichen Züchtigung; er fing an, Tag und Nacht beständig Blut aus seinem Munde zu erbrechen, indem die Blutgefäße des Körpers von allen Seiten her ihren Inhalt zu diesem Organe hin ergossen. Nachdem so die ganze Blutmasse ausgeflossen war, schied auch er dahin und fiel dem ewigen Tode anheim. In solcher Weise büßten also diese ihre Freveltat.

Der Sohn des Priesters

Um jene Zeit trat ein Jüngling, der Sohn eines Priesters, der im Heidentum erzogen worden war, zur Gemeinde der Christen über. Seine Mutter war nämlich mit einer Frau befreundet, die sich durch Frömmigkeit auszeichnete und das ehrenvolle Amt einer Diakonissin inne hatte. Diese hatte ihn, da er noch ein ganz kleines Kind war und mit seiner Mutter öfter zu ihr kam, immer liebevoll aufgenommen und zur christlichen Frömmigkeit angeleitet. Auch nach dem Tode seiner Mutter setzte der Jüngling die Besuche bei jener Frau fort und empfing dabei den gewohnten Unterricht. Er nahm sich die Unterweisungen seiner Lehrerin tief zu Herzen, und so fragte er sie einmal, auf welche Weise es ihm wohl möglich wäre, dem Aberglauben seines Vaters zu entgehen und zu der von den Christen verkündeten Wahrheit zu gelangen. Diese erwiderte, er müsse seinen Vater verlassen und ihm denjenigen vorziehen, der sowohl ihn wie auch jenen erschaffen habe; er müsse sich in eine andere Stadt begeben, wo es ihm möglich wäre, verborgen zu bleiben und den Händen des gottlosen Kaisers zu entgehen; sie versprach auch, sie wolle für ihn Sorge tragen. „Wohlan denn,” entgegnete der Jüngling, „ich werde wieder kommen und dir meine Seele anvertrauen.” Wenige Tage darauf kam Julian nach Daphne, um daselbst ein Volksgelage zu veranstalten. Zugleich mit ihm kam auch der Vater des Jünglings, der Priester und gewöhnlich im Gefolge des Kaisers war. In der Begleitung des Vaters befand sich sowohl der Jüngling als auch dessen Bruder. Sie waren beide Tempelknaben und hatten die Speisen des Kaisers mit Weihwasser zu besprengen. Man pflegte solche Feste in Daphne sieben Tage lang zu feiern.

Am ersten Tage nun mußte der Jüngling neben dem Liegepolster des Kaisers stehen und die Speisen der Sitte gemäß besprengen und so mit der heidnischen Weihe verunreinigen; dann aber eilte er in schnellem Lauf nach Antiochien, begab sich zu jener bewunderungswürdigen Frau und sagte: „Ich komme zu dir, wie ich es versprochen habe; so halte denn auch du dein Versprechen und sorge für unser beider Rettung!” Diese stand sofort auf und führte den Jüngling zu dem Manne Gottes, Meletius, der ihn einstweilen oben im Fremdengemach unterbringen ließ. Inzwischen durchwanderte der Vater auf der Suche nach seinem Sohn ganz Daphne, eilte dann in die Stadt, lief durch alle Straßen und Gassen und ließ seine Augen nach allen Richtungen hin umherschweifen, voll Verlangen, ihn zu erspähen. Als er an jenen Platz kam, wo der heilige Meletius seine Fremdenherberge hatte, erhob er seine Augen und erblickte seinen Sohn, wie er eben vom Balkon herniederschaute. Er sprang hinauf, ergriff ihn, führte ihn herab und brachte ihn nach Hause, wo er ihm zuerst viele Rutenstreiche versetzte und dann glühend gemachte Nadeln in Hände, Füße und Rücken bohrte; hierauf schloß er ihn im Gemache ein, legte von außen den Riegel an und kehrte nach Daphne zurück. Dieses habe ich von dem Manne selbst später, als er bereits ein Greis geworden war, erzählen hören. Er fügte auch das noch hinzu, daß er, von Gott begeistert und von göttlicher Gnade erfüllt, alle Götzenbilder seines Vaters zerstört und sich über deren Schwäche lustig gemacht habe. Später aber habe er sich seine Tat zu Herzen genommen und sich vor der Rückkehr seines Vaters gefürchtet, und so habe er zum Herrn Christus gefleht, er möge ihn erhören und die Riegel zerbrechen und die Türe öffnen. „Denn deinetwegen”, so betete er, „habe ich dieses gelitten und getan.” „Während ich so flehte,” fügte er bei, „fielen die Riegel herab und öffnete sich die Türe. Ich aber eilte wieder zu meiner Lehrerin. Diese legte mir ein Frauengewand an, ließ mich zu ihr in einen verdeckten Wagen steigen und führte mich wieder zum heiligen Meletius. Dieser aber sandte mich an den Bischof von Jerusalem, der damals Cyrillus war. So brachen wir während der Nacht nach Palästina auf.” Nach dem Tode des Julian führte der Jüngling auch seinen Vater zur Wahrheit, wie er uns unter anderem ebenfalls erzählt hat. Auf solche Weise sind also diese Männer zur Erkenntnis Gottes gelangt und des Heiles teilhaftig geworden.

Die Martyrer Juventinus und Maximinus

Julian setzte den Kampf gegen die christliche Religion mit noch größerer Kühnheit oder vielmehr mit noch größerer Schamlosigkeit fort. Dabei gab er sich den Anschein der Milde, wendete aber Schlingen und Fallstricke an, durch die Arglose, die sich täuschen ließen, in das Verderben des Heidentums verstrickt werden sollten. Zuerst ließ er die Quellen in der Stadt und in Daphne mit dem schändlichen Opferfleisch verunreinigen, damit jeder, der von dem Wasser koste, an dem heidnischen Opfer teilnehme; dann ließ er auch die auf dem Markte feilgebotenen Lebensmittel mit Unreinigkeit erfüllen: so wurden Brot, Fleisch, Obst, Gemüse und die sonstigen Eßwaren mit heidnischem Weihwasser besprengt. Als die Leute, die ihren Namen vom Erlöser haben, dieses sahen, seufzten sie zwar und klagten und verabscheuten diese Dinge, aber sie nahmen doch davon, gehorsam der Vorschrift des Apostels: „Alles was auf dem Fleischmarkte verkauft wird, das esset, ohne des Gewissens wegen lange zu fragen.”

Zwei Männer aber, die im Heere eine hervorragende Stellung einnahmen, sie waren nämlich Schildträger und Leibgardisten des Kaisers, hatten bei einem Gastmahle jene abscheulichen Anordnungen in etwas scharfen Ausdrücken beklagt und dabei die wundervollen Worte der berühmten babylonischen Jünglinge gebraucht: „Du hast uns gegeben”, so sagten sie, „in die Hände eines Königs, der ungerecht und abtrünnig ist über alle Menschen der Erde.” Dieses verriet einer der Tischgenossen dem Kaiser, der sofort jene so edlen Männer herbeiführen ließ und fragte, was sie gesagt hätten. Diese betrachteten die Frage des Kaisers als eine günstige Gelegenheit zu freimütiger Äußerung, und geleitet von rühmlichem Eifer sprachen sie folgendes: „Wir sind, o Kaiser, in der christlichen Religion erzogen worden und haben auch die lobwürdigen Gesetze immer befolgt, denn es waren Gesetze, erlassen von Konstantin und seinen Söhnen. Nun aber klagen wir, daß alles mit Unreinigkeit erfüllt ist und Speise und Trank mit fluchbeladenen Opferspenden befleckt werden. Darüber haben wir schon zu Hause geklagt, und darüber jammern wir auch in deiner Gegenwart; denn es ist das einzige, was wir an deiner Regierung auszusetzen haben.” Auf diese Worte hin legte der so sanftmütige und philosophische Kaiser, wie er von seinen Gesinnungsgenossen genannt wird, die Maske der Mäßigung ab und zeigte das wahre Gesicht seiner Gottlosigkeit. Er ließ sie schwer und grausam mißhandeln und raubte ihnen endlich auch das gegenwärtige Leben oder vielmehr er befreite sie von jenen unglücklichen Verhältnissen und verschaffte ihnen dafür die Krone des Sieges. Als Ursache der Strafe aber bezeichnete er nicht den christlichen Glauben, für den sie starben, sondern ungeziemendes Verhalten beim Weine, indem er sagte, sie seien gestraft worden, weil sie den Kaiser im Übermut beleidigt hätten. Diesen Grund ließ er auch überall bekannt geben, weil er den Verteidigern der Wahrheit den Namen und die Ehre der Martyrer mißgönnte. Von diesen beiden hieß der eine Juventinus, der andere Maximinus. Die Stadt Antiochien aber ehrt sie als Kämpfer für den christlichen Glauben, bewahrt ihre Reliquien in einem kostbaren Schrein, und bis auf den heutigen Tag werden sie durch ein jährliches Volksfest gefeiert.

Valentinian, der spätere Kaiser

Auch noch andere in Amt und Würden stehende Männer wurden, weil sie ähnlichen Freimut zeigten, der gleichen Krone teilhaftig. So verheimlichte auch der bekannte Valentinian, der kurze Zeit nachher zur kaiserlichen Würde gelangte, damals aber Oberst und Anführer der im Kaiserpalast stehenden Lanzenträger war, seinen Eifer für den christlichen Glauben nicht. Der verblendete Kaiser zog in festlichem Reigen in den Tempel der Glücksgöttin; auf beiden Seiten des Tores standen Tempelknaben, welche die Eintretenden durch Besprengung mit Weihwasser, wie sie meinten, reinigten. Als aber Valentinian, der vor dem Kaiser einherging, bemerkte, daß ein Tropfen auf seinen Mantel gefallen sei, da versetzte er, wofür er ein doppeltes Königreich erlangt hat, dem Tempelknaben einen Faustschlag mit den Worten, er sei nicht gereinigt, sondern beschmutzt worden. Der abscheuliche Kaiser aber, der den Vorgang mitansah, schickte ihn auf eine Festung in der Nähe der Wüste mit dem Befehl, dort zu verbleiben. Es verging jedoch nur ein Jahr und einige Monate, da erlangte er zum Lohn für sein offenes Bekenntnis die kaiserliche Würde. Denn der gerechte Richter ehrt diejenigen, welche sich die göttlichen Dinge angelegen sein lassen, nicht nur im künftigen Leben, sondern manchmal reicht er den Lohn für die guten Werke alsogleich, um durch die sofort verliehenen Güter diejenigen zu verbürgen, welche noch Gegenstand der Hoffnung sind.

Andere Bekenner

Der Tyrann ersann noch eine weitere List zum Nachteile der christlichen Religion. Er verteilte nämlich nach alter Sitte Geld an die Kriegsdienst leistenden Soldaten. Er selbst saß auf dem kaiserlichen Thron; vor demselben hatte er gegen das Herkommen einen Altar aufstellen und mit Kohlen bedecken und daneben Weihrauch auf einen Tisch legen lassen. Er befahl nun, daß jeder, der sich das Geld hole, zuerst Weihrauch auf den Altar fallen lasse und dann erst das Geld aus seiner Rechten in Empfang nehme. Die meisten nun erkannten die Falle gar nicht; die aber schon vorher darum wußten, schützten Krankheit vor, um dieser widerwärtigen Seelenfängerei zu entgehen; andere jedoch hatten ein großes Verlangen nach dem Gelde und kümmerten sich wenig um ihr Seelenheil; wieder andere verrieten aus Feigheit ihren christlichen Glauben.

Nach dieser verderblichen Geldverteilung saßen nun einige von denen, die das Geldgeschenk angenommen hatten, in einem Gasthause zusammen bei einem Mahle. Einer von ihnen ergriff den Becher, trank aber nicht eher daraus, als bis er das Zeichen der Erlösung darüber gemacht hatte. Da sprach einer der Tischgenossen seine tadelnde Verwunderung darüber aus und sagte, dieses sei ja das gerade Gegenteil von dem, was er kurz vorher getan habe. Jener fragte, was er denn damit meine, welche seiner früheren Handlungen mit seiner gegenwärtigen in Widerspruch stehen solle? Da erinnerte ihn der andere an den Altar, den Weihrauch und die geschehene Glaubensverleugnung. Denn diese Dinge seien doch das Gegenteil von dem christlichen Bekenntnisse. Als die Tischgenossen das hörten, fingen die meisten derselben laut zu jammern und zu klagen an, rauften sich viele Haare aus, standen vom Tische auf, liefen über den Markt und schrien laut, sie seien Christen und nur durch die List des Kaisers irregeführt worden; sie leisteten Widerruf und wollten die infolge ihrer Unwissenheit erlittene Niederlage durch neuen Kampf wieder gut machen. Mit solchen lauten Beteuerungen stürmten sie zum kaiserlichen Palast, klagten über die Hinterlist des Tyrannen und verlangten, dem Feuer übergeben zu werden, damit sie, wie sie durch Feuer befleckt worden seien, so durch ein anderes Feuer wieder Reinigung erlangten. Solche und ähnliche Reden, die sie führten, versetzten den Bösewicht in rasende Wut. So befahl er denn zuerst, sie zu enthaupten. Wie sie nun aus der Stadt hinausgeführt wurden, folgte ihnen die städtische Bevölkerung, staunend über ihre Seelengröße und voll Bewunderung über ihr freimütiges Bekenntnis des christlichen Glaubens. Als sie an jenen Platz gekommen waren, wo man die Missetäter zu strafen pflegte, bat der älteste von ihnen den Scharfrichter dringend, zuerst dem jüngsten von allen das Haupt abzuschlagen, damit er nicht beim Anblick der Hinrichtung der anderen wankelmütig werde. Nachdem aber dieser bereits auf dem Boden niedergekniet war und der Scharfrichter bereits das Schwert aus der Scheide gezogen hatte, kam ein Bote, der die Nachricht der Begnadigung brachte und, schon von weitem her laut rufend, die Hinrichtung verhinderte. Da sprach der jüngste, trauernd über die Vereitelung der Hinrichtung: „So war denn also Romanus — dieses war nämlich sein Name — nicht würdig, ein Martyrer Christi genannt zu werden.” Indessen hatte jener hinterlistige Mensch die Hinrichtung nur aus Neid verhindert und weil er den heldenmütigen Kämpfern den Ruhm des Martyriums nicht gönnte; aber er ließ sie auch nicht in den Städten wohnen, sondern verbannte sie an die äußersten Grenzen des römischen Reiches.

Der Feldherr Artemius

Artemius war Befehlshaber der Soldaten in Ägypten. Er hatte, nachdem er zur Zeit des Konstantius zu diesem Amte gelangt war, sehr viele Götzenbilder zerstört. Deshalb nahm ihm der Kaiser jetzt nicht nur sein Vermögen weg, sondern ließ ihn schließlich auch noch enthaupten. Dieses und Ähnliches tat derjenige, der von den Gottlosen der sanftmütigste und ein Muster der Selbstbeherrschung genannt wird.

Ich will nun auch noch die bewunderungswürdige Geschichte einer sehr edlen Frau in meine Darstellung aufnehmen. Denn selbst Frauen verachteten, mit göttlichem Eifer ausgerüstet, die Wut dieses Menschen.

Die Diakonissin Publia und ihr freimütiges Eintreten für die Sache Gottes

In jener Zeit lebte eine gewisse Publia, viel genannt und hochberühmt wegen ihrer echten Tugendwerke. Sie hatte kurze Zeit auch das Joch der Ehe getragen und Gott eine gar kostbare Frucht gebracht. Johannes nämlich, der lange Zeit an der Spitze der Priester zu Antiochien stand und öfter für den apostolischen Vorsitz gewählt wurde, aber diesem Amte immer auswich, war aus diesem wundervollen Boden entsprossen. Sie selbst leitete einen Chor von Jungfrauen, die lebenslängliche Jungfräulichkeit gelobt hatten, und pries mit ihnen fortwährend Gott, den Schöpfer und Erlöser. Als einmal der Kaiser vorüberging, sangen sie alle miteinander lauter als gewöhnlich, da sie den schuldbeladenen Herrscher für einen verächtlichen und lächerlichen Menschen hielten. Sie sangen aber gerade jene Gesänge, welche die Schwäche der Götzenbilder verspotten, und sprachen mit David: „Die Götzen der Heiden sind Silber und Gold, Werke von Menschenhänden.” Und nachdem sie deren Empfindungslosigkeit dargelegt, sangen sie weiter: „Ähnlich mögen ihnen werden, die sie verfertigen, und alle, die auf sie ihr Vertrauen setzen!” Als jener dieses hörte, geriet er in heftigen Zorn und ließ ihnen den Befehl zukommen, sie hätten zur Zeit, wo er vorübergehe, zu schweigen. Die Frau kümmerte sich aber wenig um seine Vorschriften, erfüllte ihre Sängerschar mit noch größerem Mute und ließ sie, als er wieder vorüberkam, singen: „Es erhebe sich Gott, und zerstreut sollen werden seine Feinde!” Das nahm er jedoch sehr übel auf, ließ die Leiterin des Chores herbeiführen, und obwohl er ihr ehrwürdiges Alter sah, hatte er doch weder Mitleid mit den grauen Haaren ihres Körpers noch Achtung vor der Tugend ihrer Seele, sondern gab einigen Soldaten seiner Leibwache den Auftrag, sie auf ihre beiden Schläfen zu schlagen und ihre Wangen durch Hiebe mit den Händen blutrot zu färben. Sie erachtete indes die erlittene Schmach für die höchste Ehre, kehrte nach Hause zurück und verfolgte ihn auch fernerhin in gewohnter Weise mit ihren geistlichen Liedern, so wie der Verfasser und Lehrer jener Gesänge den bösen Geist im Zaume hielt, der den Saul belästigte.

Die Juden und ihr Versuch des Tempelbaues und die von Gott über sie verhängten Strafen

Denn auch dieser hatte die bösen Geister in sich aufgenommen und ließ nicht ab, nach Art der Korybanten zu rasen und gegen die christliche Religion zu wüten. Aus diesem Grunde bewaffnete er auch die Juden gegen die Christgläubigen. Zuerst rief er sie zusammen und fragte sie, warum sie denn, da doch das Gesetz zu opfern befehle, keine Opfer darbrächten. Und als sie antworteten, daß ihr Gottesdienst auf einen einzigen Ort beschränkt sei, da traf der gottgehaßte Mann sofort die Anordnung, den zerstörten Tempel wieder herzustellen, indem der törichte Mensch glaubte, die Weissagung des Herrn Lügen strafen zu können. Indessen bewies er nur noch mehr ihre Wahrheit. Die Juden vernahmen nämlich die kaiserlichen Worte mit großer Freude und setzten alle ihre Volksgenossen auf der ganzen Erde von dem Befehl in Kenntnis. Diese kamen rasch von allen Seiten her zusammen und brachten Geld und Eifer zum Bauen mit. Das meiste aber steuerte er selbst bei, der den Befehl zum Bauen gegeben hatte, nicht aus Freigebigkeit, sondern aus Haß gegen die Wahrheit. Zugleich sandte er auch einen Baumeister, einen würdigen Vollstrecker seiner gottlosen Befehle. Sie sollen auch Hacken, Schaufeln und Körbe von Silber angefertigt haben.

Als man nun anfing zu graben und den Schutt fortzuschaffen, waren den ganzen Tag hindurch viele Tausende mit dieser Arbeit beschäftigt, während der Nacht aber wurde der Schutt von dem aufgeschütteten Haufen hinweg von selbst wieder an seine frühere Stelle zurückgebracht. Sie zerstörten sogar die letzten Trümmer des alten Baues, in der Hoffnung, das Ganze von Grund auf wieder neu herstellen zu können. Nachdem sie aber viele tausend Scheffel Gips und Kalk gesammelt hatten, erhoben sich plötzlich heftige Winde, die in wirbelnder Bewegung, in heftigen Stößen und in furchtbaren Stürmen mit einem Male alles das auseinander streuten. Da sie von ihrem wahnsinnigen Unternehmen noch immer nicht abließen und durch die göttliche Langmut nicht zur Besinnung gebracht wurden, entstand zunächst ein äußerst starkes Erdbeben, das auch die mit den göttlichen Dingen ganz und gar nicht Vertrauten hätte in Schrecken versetzen können. Und da sie noch immer nicht in Furcht gerieten, brach aus den Fundamenten, die sie ausgruben, Feuer hervor, das sehr viele von den Arbeitern verbrannte, während andere die Flucht ergriffen. Viele schliefen während der Nacht in einer nahegelegenen Halle. Da stürzte plötzlich das Dach und mit demselben das ganze Gebäude zusammen und begrub sämtliche, die darin schliefen, unter seinen Trümmern. In derselben Nacht und ebenso wieder am folgenden Tage wurde am Himmel in lichtem Scheine die Gestalt des Erlösungskreuzes gesehen, und auch die Kleider der Juden waren mit Kreuzen bedeckt, die aber nicht glänzend, sondern von schwarzer Farbe waren. Als die Gottesfeinde das sahen, gerieten sie in Angst wegen der von Gott verhängten Strafen, liefen eiligst davon, kehrten in ihre Heimat zurück und bekannten, daß der von ihren Voreltern ans Kreuzholz Geheftete wirklich Gott sei. Dieses vernahm auch Julian, da allgemein davon gesprochen wurde; aber gleich dem Pharao verhärtete er sein Herz.

Der Feldzug gegen die Perser

Als die Perser von dem Tode des Konstantius Kunde erhielten, schöpften sie wieder Mut, erklärten den Römern den Krieg und brachen in ihr Gebiet ein. Da beschloß Julian, ein Heer zu sammeln, obwohl er keinen Beschützer desselben hatte. Er sandte nach Delphi, Delos und Dodona und zu den anderen Orakelstätten und ließ die Wahrsager fragen, ob er den Feldzug unternehmen solle. Dieselben verlangten den Kriegszug und versprachen den Sieg. Einen dieser Orakelsprüche will ich zum Beweis ihrer Lügenhaftigkeit in meine Darstellung aufnehmen. Er lautet folgendermaßen: „Jetzt eilen wir Götter alle zu tragen die Zeichen des Sieges an den Fluß Ther (= wildes Tier); ich selbst, der stürmische, kriegsgewaltige Mars, werde ihr Führer sein.” Über das Lächerliche dieser Worte mögen sich diejenigen lustig machen, die den Pythius einen wahrsagenden Gott und Führer der Musen nennen; ich aber kann, da ich dessen Lügenhaftigkeit kennen gelernt habe, den, der sich von ihm hat täuschen lassen, nur bedauern. Fluß Ther (wildes Tier) nannte er den Tigris, weil ein wildes Tier mit ihm denselben Namen hat. Derselbe entspringt auf den Bergen Armeniens, fließt durch Assyrien und ergießt sich in den persischen Meerbusen.

Von diesen Orakelsprüchen ließ sich der Unglückselige täuschen, träumte von dem sicheren Sieg und beschäftigte sich in seinen Gedanken bereits mit dem Kampfe, den er nach dem Perserkriege gegen die Galiläer unternehmen werde. Die Christen nannte er nämlich Galiläer in dem Wahne, ihnen durch diese Bezeichnung einen Schimpf antun zu können. Er hätte aber, da er doch in den Wissenschaften wohl bewandert war, bedenken sollen, daß der gute Ruf durch den Wechsel des Namens am allerwenigsten geschädigt wird. Auch wenn Sokrates Kritias und Pythagoras Phalaris genannt worden wäre, so hätte ihnen diese Namensänderung keinerlei Unehre gebracht; und ebenso, wenn man den Nereus Thersites genannt hätte, so würde er deswegen die von der Natur ihm verliehene Schönheit nicht verloren haben. Allein obschon der Kaiser in diesen Dingen wohl unterrichtet war, so bedachte er doch nichts von alledem, sondern glaubte, uns durch eine auf uns keineswegs passende Bezeichnung schaden zu können, und im Vertrauen auf die verlogenen Orakelsprüche drohte er bereits, in den Kirchen die Bilder der unzüchtigen Göttin aufstellen zu wollen.

Der Freimut eines Ratsherrn von Beröa

Nachdem Julian unter solchen Drohungen aufgebrochen war, wurde er gleich in Beröa von einem einzigen Manne überwunden. Dieser Mann war auch in anderer Hinsicht hervorragend, da er der Vorsitzende der dortigen Ratsversammlung war; noch berühmter aber machte ihn sein Eifer. Als er nämlich sah, daß sein Sohn zu der damals herrschenden Gottlosigkeit sich verirrt habe, jagte er ihn aus dem Hause und enterbte ihn öffentlich. Dieser begab sich in das unweit der Stadt gelegene Standquartier zum Kaiser und eröffnete ihm seine Gesinnung und die Enterbung durch seinen Vater. Der Kaiser gebot dem Jüngling ruhig zu sein und versprach ihm, seinen Vater zu versöhnen. Als er nach Beröa kam, lud er die in Amt und Würden stehenden Männer zu einem Mahle. Unter den Eingeladenen war auch der Vater des jungen Menschen. Er ließ nun denselben mit seinem Sohne auf seinem Polster Platz nehmen. Mitten während der Mahlzeit sprach er zum Vater: „Es scheint mir nicht recht zu sein, einer abweichenden Meinung Gewalt anzutun und sie ohne innere Zustimmung auf andere Wege bringen zu wollen. Zwinge also auch du deinen Sohn nicht, deinen Glaubenslehren zu folgen, wenn er nicht will. Denn auch ich”, so fuhr er fort, „zwinge dich nicht, meinen Meinungen zu folgen, obwohl ich sehr leicht Gewalt anwenden könnte.” Doch jener, der sein Denken im Glauben an die göttlichen Dinge geübt und geschärft hatte, erwiderte: „Sprichst du, o Kaiser, von diesem unseligen, gottverhaßten Menschen, der den Irrtum der Wahrheit vorgezogen hat?” Da umgab sich der Kaiser wieder mit dem Scheine der Sanftmut und entgegnete: „Höre auf, o Mensch, zu lästern!” Dann wandte er sein Angesicht dem Jüngling zu und sprach: „So will denn ich für dich sorgen, nachdem ich deinen Vater nicht dazu bewegen kann, dieses zu tun.”

Ich habe diese Geschichte nicht ohne Grund angeführt, sondern in der Absicht, nicht nur die bewunderungswürdige Kühnheit jenes ausgezeichneten Mannes zu zeigen, sondern auch um auf die Tatsache hinzuweisen, daß sehr viele Menschen der Macht des Kaisers Trotz boten.

Die Vorhersagung des Erziehers

So war auch in Antiochien wieder ein ganz ausgezeichneter Mann, der mit der Erziehung von Knaben betraut und, weil er mehr Kenntnisse besaß, als sonst einem Erzieher eigen sind, mit dem Fürsten der damaligen Lehrer befreundet war, mit Libanius nämlich, dem berühmtesten unter den Sophisten. Dieser aber war ungläubig, erwartete den Sieg Julians und träumte von der Erfüllung der kaiserlichen Drohungen. So fragte er einmal den Erzieher, spöttelnd über unseren Glauben: „Nun, was macht denn jetzt der Sohn des Zimmermanns?” Dieser, voll der göttlichen Gnade, sagte nun voraus, was bald darauf eintrat. Er antwortete nämlich: „Einen Sarg macht der Schöpfer des Weltalls, den du, o Sophist, spottweise den Sohn des Zimmermanns nennst.” Nach wenigen Tagen wurde der Tod jenes unseligen Menschen gemeldet; man legte ihn in einen Sarg und bestattete ihn. Seine großsprecherischen Drohungen aber hatten sich als trügerisch erwiesen.

Die Weissagung des Mönches Julianus

Auch derjenige, der in seinem Körper das Leben der Körperlosen nachahmte, ich meine den Julianus, der in der syrischen Sprache den Beinamen Sabas führt, dessen Leben ich in meiner Mönchsgeschichte beschrieben habe, sandte, als er von den Drohungen jenes gottlosen Menschen Kunde erhielt, noch heißere Gebete zum Gott des Weltalls empor. An demselben Tage nun, an dem jener die Todeswunde empfing, erhielt dieser davon während des Gebetes Kenntnis, obwohl das Kloster von dem Lager mehr als zwanzig Tagreisen weit entfernt war. Man erzählt, er habe, während er innig betete und den allgütigen Herrn anflehte, plötzlich dem Strom seiner Tränen Einhalt getan, sei heiter und mit innerer Fröhlichkeit erfüllt worden, habe sein Antlitz in Freude erstrahlen und damit die Lust seiner Seele zu Tage treten lassen. Als seine vertrauteren Freunde diese Veränderung an ihm wahrnahmen, baten sie ihn, er möge ihnen doch den Grund dieser plötzlichen Aufheiterung mitteilen. Da erwiderte er: „Der wilde Eber, der den Weinberg Gottes verwüstete, hat für diese seine Frevel die verdiente Strafe erlitten und liegt tot hingestreckt, und damit haben auch seine Nachstellungen ein Ende gefunden.” Als sie das hörten, sprangen alle vor Freude und sangen Gott zum Preise das Danklied. Sie erfuhren aber auch von den Boten, welche über das Ende des Kaisers berichteten, daß es eben jener Tag und jene Stunde war, wo jener heilige Greis den Untergang des frevelhaften Herrschers erkannt und sofort bekannt gemacht hatte.

Der Tod des Kaisers Julian in Persien

Die Unbesonnenheit des Kaisers zeigte sich so recht deutlich bei seinem Tode. Als er nämlich den Grenzfluß zwischen dem persischen und römischen Reich überschritten und das Heer hinübergesetzt hatte, ließ er sofort die Schiffe verbrennen, um die Soldaten zum Kampfe nicht so fast anzufeuern als vielmehr zu zwingen. Die tüchtigsten Feldherrn pflegen ihre Soldaten mit Kriegslust zu erfüllen, und wenn sie sehen, daß ihr Mut nachlassen will, so suchen sie dieselben von neuem zu begeistern und ihre Zuversicht aufrecht zu erhalten. Dieser aber schnitt sofort die gute Hoffnung ab, indem er die Brücke zum Rückzug verbrennen ließ. Dazu wäre es notwendig gewesen, den Soldaten die erforderliche Nahrung von allen Seiten zuführen zu lassen; er aber ließ dieselbe weder aus dem eigenen Lande kommen noch sorgte er durch Plünderung des feindlichen Gebietes für hinreichende Lebensmittel. Er verließ nämlich die bewohnten Gegenden und marschierte durch die Wüste. Da litten die Soldaten Mangel an Speise und Trank, irrten ohne Wegweiser in der Wüste hin und her und lernten so die Unvorsichtigkeit des weisesten Kaisers kennen. Während sie nun so jammernd und klagend umherirrten, fanden sie plötzlich den wütenden Bekämpfer seines Schöpfers verwundet am Boden liegen. Der kampfgeübte Mars war ihm nicht zu Hilfe gekommen, wie er es doch versprochen hatte; der Gott der dunklen Orakelsprüche hatte ihm Lügen geweissagt, der an Blitzen sich erfreuende Jupiter hatte gegen dessen Mörder keinen Donnerkeil geschleudert; seine großsprecherischen Drohungen lagen am Boden. Wer ihm jene gerechte Wunde beigebracht, das wußte und weiß niemand bis auf den heutigen Tag. Die einen sagen, das habe irgendein unsichtbares Wesen getan, andere, es sei einer von den sogenannten ismaelitischen Nomaden gewesen, wieder andere denken an einen Soldaten, der die Beschwerden des Hungers und der Wüste nicht länger zu ertragen vermochte. Aber wie dem auch sei, mag ein Mensch oder ein Engel das Schwert gezückt haben, sicher ist, daß er hierbei als Diener des göttlichen Willens gehandelt hat. Jener aber soll, so wird erzählt, als er die Wunde empfangen, sogleich seine Hand mit Blut gefüllt, dieses in die Luft geschleudert und ausgerufen haben: „Du hast gesiegt, o Galiläer!” So habe er mit einem und demselben Worte seine Besiegung eingestanden und zugleich eine Gotteslästerung ausgestoßen. So verblendet war er.

Die nach dem Tode des Kaisers zu Karrhä entdeckte abergläubische Beobachtung desselben

Nach dem unglücklichen Ende des Kaisers wurde auch die abergläubische Betätigung seiner heidnischen Magie aufgedeckt. Die Stadt Karrhä bewahrt noch heute die Überbleibsel seiner Gottlosigkeit. Der Törichte hatte nämlich seinen Weg über diese Stadt genommen, indem er Edessa, das sich durch entschiedenes Festhalten am christlichen Glauben auszeichnete, links liegen ließ. Er war dort in einen von den Heiden hochverehrten Tempel gegangen und hatte darin mit seinen Genossen eine abscheuliche Tat vollbracht, hatte dann Schloß und Siegel an die Türe gelegt und angeordnet, daß einige Soldaten vor derselben Wache halten sollten, und weiterhin befohlen, daß bis zu seiner Rückkehr niemand hineingehen dürfe. Als nun aber die Nachricht von seinem Tode eintraf und auf den ungläubigen Kaiser ein gläubiger folgte, da betrat man den Tempel und fand da einen Beweis der bewunderungswürdigen Tapferkeit, Weisheit und überdies auch der Frömmigkeit des Kaisers. Man erblickte nämlich ein Weib, das an den Haaren aufgehängt und dessen Arme ausgespannt waren; dessen Unterleib hatte der Frevler aufgeschnitten und aus der Leber natürlich seinen Sieg über die Perser herausgelesen. Diese abscheuliche Freveltat wurde zu Karrhä entdeckt.

Die im Palaste zu Antiochien aufgefundenen Köpfe

Zu Antiochia aber soll man im kaiserlichen Palaste viele Kisten voll von Köpfen und zahlreiche Brunnen angefüllt mit Leichen vorgefunden haben. Solche Dinge lernt man nämlich in der Schule der verabscheuungswürdigen Götter.

Allgemeiner Jubel in Antiochien

Die Stadt Antiochien selbst aber veranstaltete auf die Nachricht von dem Tode des Kaisers öffentliche Gastmähler und Volksfeste. Man frohlockte nicht nur in den Kirchen und in den Kapellen der Martyrer, sondern selbst in den Theatern verkündigte man den Sieg des Kreuzes und verspottete die Weissagungen des Kaisers. Ich will aber die denkwürdigen Worte der Antiochener genau anführen, damit die Erinnerung daran auch den künftigen Geschlechtern erhalten bleibt. Sie riefen nämlich alle wie aus einem Munde: „Wo sind, o törichter Maximus, deine Orakelsprüche? Gesiegt hat Gott und sein Christus!” Maximus war nämlich in jener Zeit ein Mann, der im Rufe eines Philosophen stand, in Wirklichkeit aber Zauberei trieb und sich rühmte, die Zukunft vorhersagen zu können. Daß aber die Antiochener, die von den beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus die göttliche Lehre empfangen hatten und den Herrn und Erlöser der Welt innig liebten, den verhaßten Kaiser auch ihrerseits beständig verabscheuten, das wußte er selbst ganz genau. Deshalb hat er auch eine Schrift gegen sie verfaßt und ihr den Titel „Misopogon” („Barthasser”) gegeben.

Ich aber will nun mit der Freude über den Tod des Tyrannen dieses Buch schließen; denn ich halte es nicht für recht, eine christliche Regierung in unmittelbarem Anschluß an eine christentumsfeindliche Herrschaft zur Darstellung zu bringen.

Viertes Buch [363—378]

1. Die christliche Regierung Jovians

Nach dem unglücklichen Ende des Julian traten die Generale mit den Unterfeldherrn zur Beratung zusammen, wer die Regierung übernehmen, das Heer im Feindesland retten und die Lage der Römer, die infolge der Verwegenheit des Dahingeschiedenen, wie man zu sagen pflegt, auf des Messers Schneide stand, wieder besser gestalten könnte. Während sie hierüber beratschlagten, verlangte das Heer, das sich ebenfalls an einem Orte versammelt hatte, den Jovian als Kaiser, obschon derselbe weder General war noch der nächstfolgenden Rangklasse angehörte; er war aber ein ausgezeichneter, angesehener und in mehrfacher Hinsicht hervorragender Mann. Er war von sehr hoher körperlicher Gestalt, von hochherziger Gesinnung und gewohnt, in den Kriegen und den großen Kämpfen der Zeit sich vor allen anderen hervorzutun. Dem Unglauben gegenüber hatte er großen Freimut an den Tag gelegt und die Macht des Tyrannen nicht gefürchtet, sondern, was opferwilligen Mut anlangt, sich den Martyrern unseres Erlösers an die Seite gestellt. Die Generale betrachteten nun den einstimmigen Wunsch des Heeres als die Stimme Gottes, führten jenen in jeder Beziehung so tüchtigen Mann in ihre Mitte, errichteten in aller Eile einen Thron und setzten ihn darauf. Während aber alle ihm die einem Kaiser gebührenden Huldigungen erwiesen und ihn als Augustus und Cäsar begrüßten, lieferte der bewunderungswürdige Mann abermals einen Beweis seiner gewohnten Freimütigkeit, indem er ohne Scheu vor den Generalen und ohne Furcht vor einem Stimmungswechsel der Soldaten erklärte: „Ich kann als Christ nicht über solche Leute herrschen und nicht den Oberbefehl über das Heer des Julian führen, da es in schlechten Lehren erzogen ist; denn solche Leute werden, weil von der göttlichen Vorsehung verlassen, leicht überwunden und gefangen genommen und den Feinden zum Gespötte werden.” Als die Soldaten diese Worte hörten, riefen sie alle miteinander: „Trage kein Bedenken, o Kaiser, und schlage den Oberbefehl über uns nicht aus, gleich als wäre er schlecht; denn du wirst Heerführer von Christen sein, von solchen, die im wahren Glauben erzogen worden sind. Die älteren unter uns haben noch den Unterricht Konstantins genossen, die nachfolgenden haben an den Unterweisungen des Konstantius teilgenommen; die Regierungszeit des nunmehr verstorbenen Kaisers aber war kurz und selbst bei den von ihm Irregeführten nicht hinreichend, um den schmählichen Irrtum in ihnen zu befestigen.”

Die Rückkehr des heiligen Athanasius

Erfreut über diese Sprache ging der Kaiser mit sich zu Rate, wie er für das allgemeine Wohl sorgen und das Heer unversehrt aus dem feindlichen Lande zurückführen könnte. Es bedurfte aber keiner langen Überlegung, sondern er erntete gleich die Frucht von dem Samen seiner christlich-gläubigen Gesinnung. Denn alsogleich offenbarte der Gott des Weltalls seine Fürsorge und half ihm aus der sichtlichen Verlegenheit. Als nämlich der Perserkönig von dem Regierungsantritt Jovians Kunde erhielt, schickte er Gesandte, um über den Frieden zu verhandeln. Dann sandte er Nahrungsmittel für die Soldaten und ließ für sie in der Wüste einen Markt herrichten. Jovian aber schloß hierauf einen dreißigjährigen Frieden und führte das Heer wohlbehalten aus dem feindlichen Lande zurück.

Kaum hatte er den Boden seines Reiches betreten, da erließ er sofort ein Gesetz, das bestimmte, daß die Bischöfe aus der Verbannung zurückkehren sollten, und verordnete, daß die Kirchen denjenigen zurückgegeben werden müßten, die das zu Nizäa aufgestellte Glaubensbekenntnis unversehrt bewahrt hätten. Er richtete auch an Athanasius, den berühmten Verteidiger dieser Lehren, ein Schreiben mit der Bitte, es möge eine genaue Unterweisung über die göttlichen Dinge für ihn verfaßt werden. Dieser berief die angeseheneren Bischöfe zu einer Versammlung und ermahnte ihn in seinem Antwortschreiben, an dem zu Nizäa aufgestellten Glaubensbekenntnis festzuhalten, da dasselbe mit der Lehre der Apostel übereinstimme. Mit Rücksicht auf den Nutzen der Leser will ich diesen Brief in meine Darstellung einfügen.

Synodalschreiben über den Glauben an Kaiser Jovian

„Dem überaus frommen und menschenfreundlichen siegreichen Augustus Jovianus entbieten Gruß Athanasius und die übrigen Bischöfe, die im Namen aller Bischöfe aus Ägypten, der Thebais und aus Libyen versammelt sind.

Wißbegieriges Streben und Verlangen nach den himmlischen Dingen ziemt einem gottgeliebten Kaiser. So wirst Du nämlich in Wahrheit Dein Herz in Gottes Hand haben und Deine Herrschaft eine lange Reihe von Jahren hindurch im Frieden hinbringen2. Da nun Deine Frömmigkeit von uns den Glauben der katholischen Kirche kennen lernen will, so sagen wir dem Herrn Dank dafür und wollen vor allem Deinen gottesfürchtigen Sinn an das von den Vätern zu Nizäa aufgestellte Glaubensbekenntnis erinnern. Dieses haben einige verworfen und uns auf mannigfache Weise nachgestellt, weil wir uns für die arianische Häresie nicht gewinnen lassen wollten, und sind so Urheber einer Häresie und von Spaltungen in der katholischen Kirche geworden. Der wahre und gottgefällige Glaube an unsern Herrn Jesus Christus ist aber für alle offenkundig; er wird aus den heiligen Schriften erkannt und öffentlich vorgelesen. In diesem Glauben haben ja auch die Heiligen durch das Martyrium ihre Vollendung erhalten und ruhen nun nach ihrer Auflösung im Herrn. Es wäre dieser Glaube auch immer unversehrt geblieben, wenn nicht die Bosheit gewisser Häretiker es gewagt hätte, ihn zu verfälschen. Ein gewisser Arius nämlich und seine Anhänger unternahmen es, diesen Glauben zugrunde zu richten und an seiner Stelle eine ganz gottlose Lehre einzuführen, indem sie sagten, der Sohn Gottes sei aus nichts, ein Geschöpf und Gebilde, und sei veränderlich; und sie führten dadurch viele in Irrtum, so daß auch diejenigen, die etwas zu sein schienen, durch ihre Lästerungen mitfortgerissen wurden. Doch unsere heiligen Väter versammelten sich, wie schon erwähnt, eiligst auf der Synode zu Nizäa, verurteilten die arianische Häresie und legten den Glauben der katholischen Kirche in einem gemeinsamen schriftlichen Bekenntnisse fest, so daß durch die Verkündigung desselben an allen Orten die von den Häretikern entzündete Flamme der Häresie wieder ausgelöscht wurde. Dieser Glaube wurde nun in der ganzen Kirche anerkannt und gepredigt. Nachdem aber einige, in der Absicht, die arianische Häresie zu erneuern, es gewagt haben, gerade das von den Vätern zu Nizäa aufgestellte Glaubensbekenntnis zu verwerfen, und andere sich den Anschein geben, es anzunehmen, während sie in Wirklichkeit es leugnen, indem sie die Bestimmung ‚wesensgleich‘ falsch auslegen, und nachdem diese auch den Heiligen Geist lästern, ihn ein Geschöpf nennen und eine durch den Sohn gewordene Kreatur: haben wir pflichtgemäß in Erwägung des aus einer solchen gotteslästerlichen Lehre für das Volk entstehenden Schadens uns beeilt, Deiner Frömmigkeit das zu Nizäa festgestellte Glaubensbekenntnis zu überreichen, damit Dein gottesfürchtiger Sinn erkenne, mit welch großer Sorgfalt es verfaßt ist und wie sehr diejenigen irren, die anders lehren.

Sei überzeugt, gottgeliebtester Augustus, daß dieses der von jeher verkündete Glaube ist. Diesen haben die zu Nizäa versammelten Väter bekannt, diesem stimmen zu alle Kirchen aller Orte, die Kirchen in Spanien, Britannien, Gallien, in ganz Italien, in Dalmatien, Dacien, Mösien, Mazedonien, in ganz Griechenland, ganz Afrika, auf Sardinien, Cypern und Kreta, in Pamphylien, Lycien, Isaurien, in ganz Ägypten und Libyen, Pontus und Kappadozien und den angrenzenden Orten und die Kirchen im Morgenlande, ausgenommen einige wenige, welche arianisch gesinnt sind. Die Auffassung aller eben genannten Kirchen kennen wir nämlich aus eigener Erfahrung und besitzen hierfür auch schriftliche Beweise. Ebenso wissen wir, gottgeliebtester Augustus, daß, wenn auch einige wenige diesem Glauben widersprechen, sie doch nicht maßgebend sein können für den ganzen Erdkreis. Da sie nämlich lange Zeit hindurch von der arianischen Häresie schädlich beeinflußt worden sind, kämpfen sie nunmehr um so hartnäckiger gegen den gottgefälligen Glauben. Damit nun Dein gottesfürchtiger Sinn das zu Nizäa von dreihundertachtzehn Bischöfen festgestellte Glaubensbekenntnis kennen lerne, obwohl er es bereits kennen wird, haben wir uns beeilt, dasselbe hier folgen zu lassen. Das Nizänische Glaubensbekenntnis ist folgendes: Wir glauben an einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge; und an einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, gezeugt aus dem Vater als der Eingeborene, das ist aus dem Wesen des Vaters, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gotte, gezeugt, nicht geschaffen, gleichwesentlich dem Vater, durch den alles wurde, sowohl was im Himmel als auch was auf Erden ist; der um uns Menschen und unseres Heiles willen herabgekommen und Fleisch und Mensch geworden ist, gelitten hat und auferstanden ist am dritten Tage, der aufgefahren ist zu den Himmeln und wieder kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten; und an den Heiligen Geist. Diejenigen aber, welche sagen: ‚Es gab eine Zeit, da er nicht war‘, und ‚Bevor er gezeugt wurde, war er nicht‘, und daß er ‚aus nicht Seiendem geworden‘, oder die sagen, daß er, der Sohn Gottes, aus einer anderen Substanz oder Wesenheit, oder daß er geschaffen oder veränderlich oder dem Wechsel unterworfen sei: diese alle belegt die heilige, katholische und apostolische Kirche mit dem Banne.

An diesem Glauben, gottgeliebtester Augustus, muß man als an dem göttlichen und apostolischen festhalten, und niemanden ist es erlaubt, durch Überredungskünste und Wortkämpfe eine Änderung desselben herbeiführen zu wollen. Gerade das haben aber die törichten Anhänger des Arius von Anfang an getan, indem sie sagten, der Sohn Gottes sei aus Nichtseiendem und es habe eine Zeit gegeben, wo er nicht gewesen, und er sei geschaffen, gemacht und veränderlich. Deshalb hat ja auch, wie gesagt, die Synode von Nizäa diese Irrlehre verdammt und das Bekenntnis des wahren Glaubens festgesetzt. Sie haben nämlich den Sohn nicht einfach ‚ähnlich dem Vater‘ genannt, damit er nicht einfach als gottähnlich, sondern als wahrer Gott aus Gott geglaubt werde, sie haben vielmehr den Ausdruck ‚gleichwesentlich‘ gebraucht, was eine Eigentümlichkeit des echten und wahren Sohnes ist, der aus dem Vater stammt, der in Wahrheit und seiner Natur nach Vater ist. Sie haben aber auch den Heiligen Geist vom Vater und Sohne nicht getrennt, sondern im Gegenteil ihn mit dem Vater und dem Sohne in einem und demselben Bekenntnis der heiligen Dreifaltigkeit mitverherrlicht, weil auch die Gottheit in der heiligen Dreifaltigkeit nur eine ist.”

Wiederaufnahme der Getreidelieferungen an die Kirchen

Auf dieses Schreiben hin wurde der Kaiser in seiner religiösen Erkenntnis und Gesinnung noch mehr befestigt. Er erließ jetzt ein zweites Gesetz, worin er bestimmte, daß die Getreideabgaben an die Kirchen wieder geleistet werden sollen, die ihnen der große Konstantin zugewiesen hatte. Julian hatte nämlich auch diese Abgaben einstellen lassen, da er ja gegen unsern Gott und Heiland Krieg zu führen beschlossen hatte. Weil aber die infolge der Gottlosigkeit dieses Menschen hereingebrochene Hungersnot die Eintreibung des Getreides erschwerte, befahl Jovian, daß einstweilen der dritte Teil der Konstantinischen Abgabe geleistet werden solle, mit dem Versprechen, nach dem Aufhören der Hungersnot wieder die volle Getreidelieferung aufnehmen zu wollen.

Das Ende des Kaisers Jovian

Nachdem er durch solche Gesetze den Anfang seiner Regierung verherrlicht hatte, brach er von Antiochien nach dem Bosporus auf. Aber in Dadastane, einem Dorfe an der Grenze zwischen Bithynien und Galatien, fand er das Ende dieses irdischen Lebens. Er selbst schied von hinnen mit der besten und schönsten Vorbereitung auf den Tod, diejenigen aber, welche die Wohltaten seiner milden kaiserlichen Regierung genossen hatten, ließ er in tiefem Schmerze zurück. Ich glaube, daß der Lenker aller Dinge uns zur Strafe für unsere Sündhaftigkeit das Gute nur zeigt, dann aber wieder nimmt, und daß er durch das erstere uns belehren will, wie gar leicht er uns geben kann, was er will, durch das letztere aber uns zu überzeugen sucht, daß wir des Guten nicht würdig sind, und daß er zu einem besseren Leben uns antreiben will.

Die Regierung des Valentinian und die Annahme seines Bruders Valens zum Mitkaiser

Als die Soldaten das plötzliche Ende des Kaisers vernahmen, betrauerten sie den Dahingeschiedenen wie einen Vater und stellten dann jenen Valentinian, der den Tempelknaben mit der Hand geschlagen hatte und dafür auf eine Festung geschickt worden war, als Kaiser auf. Derselbe zeichnete sich nicht nur durch Tapferkeit, sondern auch durch Klugheit, Mäßigung, Gerechtigkeit und körperliche Größe aus. Er besaß einen so königlichen und erhabenen Sinn, daß, als das Heer versuchte, ihm einen Mitregenten zu geben, er jene allgemein gepriesene Äußerung machte: „Eure Sache war es, o Soldaten, da es keinen Kaiser gab, mir die Zügel der Regierung zu übergeben; nachdem ich sie aber angenommen habe, ist es nun meine Sache und nicht die Eurige, um die staatlichen Angelegenheiten sich zu kümmern.” Die Soldaten bewunderten und billigten diese Rede und folgten bereitwillig seinen Anordnungen. Er ließ hierauf seinen Bruder aus Pannonien kommen, was besser nicht geschehen wäre, und machte ihn zum Genossen in der Regierung; derselbe hatte damals die verkehrte arianische Lehre noch nicht angenommen. Valentinian übertrug ihm die Herrschaft über Asien und auch über Ägypten, während er für sich selbst Europa behielt. Dann brach er nach dem Abendlande auf, wo er wieder durchaus geordnete Verhältnisse herstellte, beginnend mit der Verkündigung der gottgefälligen Lehre.

Die Weihe des Bischofs Ambrosius

Auxentius, der die Irrlehre des Arius angenommen hatte und dem die Kirche von Mailand anvertraut war, der aber schon auf gar vielen Synoden war abgesetzt worden, war aus dem Leben geschieden. Da ließ der Kaiser die Bischöfe kommen und redete sie mit folgenden Worten an: „Ihr wißt, da Ihr ja in den heiligen Schriften wohl bewandert seid, recht gut, wie derjenige beschaffen sein muß, der des hohenpriesterlichen Amtes gewürdigt worden ist, wie er seine Untergebenen nicht nur durch sein Wort, sondern auch durch sein Leben unterweisen, wie er sich selbst als Vorbild jeglicher Tugend hinstellen und wie sein Wandel Zeugnis geben soll von seiner Lehre. Einen solchen also erhebet jetzt auf den bischöflichen Stuhl, damit auch wir, die wir die weltliche Herrschaft führen, aufrichtig unser Haupt vor ihm neigen und, da wir als Menschen notwendig auch fehlen, seine Verweise gleich ärztlichen Heilmitteln bereitwillig entgegennehmen können.”

Als der Kaiser so gesprochen, bat ihn die Versammlung, selbst die Wahl zu treffen, da er weise und mit frommer Rechtgläubigkeit geschmückt sei. Er aber antwortete: „Eine solche Aufgabe geht über unsere Kräfte; Ihr dagegen werdet, da Ihr der göttlichen Gnade gewürdigt und im Besitze dieses Lichtes seid, besser wählen können.” Daraufhin traten die Bischöfe ab und pflogen für sich allein Beratung. Es waren aber die Bewohner jener Stadt in Parteien gespalten, indem die einen hartnäckig diesen, die anderen ebenso hartnäckig jenen gewählt zu sehen wünschten. Die einen, die von der geistigen Krankheit des Auxentius angesteckt waren, stimmten nur für ihre Gesinnungsgenossen, die anderen, welche zur gesunden (rechtgläubigen) Partei gehörten, suchten desgleichen einen gesinnungsverwandten Führer zu erhalten. Als Ambrosius, der mit der politischen Leitung der Provinz betraut war, von diesem Zwiespalt erfuhr, fürchtete er, es möchten Unruhen daraus entstehen und begab sich eiligst in die Kirche. Da ließen sie alle von ihrem Streit ab und riefen und verlangten einstimmig, daß ihnen Ambrosius als Hirte vorgesetzt werde. Es war aber derselbe noch gar nicht getauft.

Als der Kaiser dieses vernahm, gab er sofort den Auftrag, daß der lobenswerte Mann getauft und geweiht werde; denn er wußte, daß seine Gesinnung gerader sei als jegliche Richtschnur, und daß seine Entscheidungen zuverlässiger seien als jegliches Richtscheit. Er hielt auch dafür, daß die Wahl von Gott eingegeben sei, und schloß dieses aus dem Zusammenstimmen der früher einander widersprechenden Meinungen. Nachdem also Ambrosius das göttliche Gnadengeschenk der heiligen Taufe empfangen und die hohepriesterliche Weihe erhalten hatte, soll der ganz vortreffliche Kaiser, der den heiligen Handlungen anwohnte, dem Erlöser und Herrn folgenden Lobgesang dargebracht haben: „Dank sei dir, allmächtiger Herr und unser Erlöser, daß du diesem Manne wie ich die Körper, so du die Seelen anvertraut und daß du mein Urteil für gerecht erklärt hast!” Und als wenige Tage später der heilige Ambrosius in einer Unterredung mit dem Kaiser mit dem größten Freimut es rügte, daß gewisse Angelegenheiten von den Beamten nicht sachgemäß erledigt worden seien, da entgegnete der Kaiser: „Diese deine Freimütigkeit kannte ich schon lange, aber obschon ich genau darum wußte, habe ich dennoch deiner Weihe nicht nur nicht widersprochen, sondern sogar mit für dieselbe gestimmt. Heile also jetzt, wie das göttliche Gesetz es vorschreibt, die Krankheiten unserer Seelen!” — So sprach und handelte er in Mailand.

Schreiben der Kaiser Valentinian und Valens an die asiatische Kirchenprovinz inbetreff des Wortes „gleichwesentlich”

Als der Kaiser erfuhr, daß in Asien und Phrygien einige in betreff der göttlichen Lehren in Streit miteinander wären, ließ er in Illyrien eine Synode halten, und was dort beschlossen und bestätigt wurde, das sandte er an die streitenden Parteien. Der Beschluß der daselbst versammelten Bischöfe aber lautete, daß das in Nizäa aufgestellte Glaubensbekenntnis in Kraft bleiben solle. Er richtete auch selbst an die Streitenden ein Schreiben, das er auch von seinem Bruder unterzeichnen ließ und worin er befahl, an den gefaßten Beschlüssen festzuhalten. Ich will diese Verfügung mitteilen, weil sie deutlich Kunde gibt von seiner rechtgläubigen Gesinnung und in gleicher Weise die damals noch gesunde Anschauung des Valens in betreff der göttlichen Lehren erkennen läßt.

„Die erhabenen, stets verehrungswürdigen und siegreichen Herrscher und Kaiser Valentinian, Valens und Gratian den Bischöfen der Provinzen Asien, Phrygien, Karophrygien und Pakatiana Gruß im Herrn!

Auf der so großen Synode, welche in Illyrien gehalten wurde, haben die hochehrwürdigsten Bischöfe nach eingehender Untersuchung über die heilbringende Lehre erklärt, daß die drei Personen Vater, Sohn und Heiliger Geist gleichwesentlich seien. Dieser Dreifaltigkeit erweisen sie jene religiöse Verehrung, die dem großen König gebührt, ohne sich im geringsten zu weigern, die öffentlichen Lasten zu tragen, die ihnen von Rechts wegen obliegen. Diese Verehrung zu predigen, haben wir kraft unserer Autorität angeordnet; doch wollen wir nicht, daß einige sagen: ‚Wir folgen der Religion des Königs, der diese Erde beherrscht‘ und daß sie nicht achten auf den, der uns die Gebote des Heiles gegeben hat. Denn so sagt ja auch das Evangelium unseres Christus, das folgende Entscheidung trifft: ‚Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.‘ Was sagt Ihr dazu, Ihr Bischöfe und Verwalter des heilbringenden Wortes? Wenn das der Inhalt Euerer Predigt ist, so liebet doch einander, höret auf, das Ansehen des Kaisers zu mißbrauchen und verfolget nicht diejenigen, welche gewissenhaft Gott dienen, durch deren Gebete die Kriege auf Erden beendigt und die Angriffe der abtrünnigen Engel abgewendet werden. Sie halten durch ihr Gebet alle verderblichen Dämonen in Zaum, wissen die Steuern zu entrichten, wie es die Gesetze vorschreiben, und widerstehen nicht der Gewalt des Herrschers, sondern sie beobachten einerseits gewissenhaft die Gebote des himmlischen und göttlichen Königs und unterwerfen sich andererseits ebenso aufrichtig unseren Gesetzen. Ihr dagegen habt Euch ungehorsam gezeigt. Wir haben uns an den gehalten, der Anfang ist und Ende von allem, Ihr aber habt nur an Euch selbst gedacht. Wir wollen jedoch an Euch unschuldig sein, ähnlich wie auch Pilatus in dem gerichtlichen Verfahren gegen den unter uns weilenden Christus, da er ihn nicht töten wollte und, um die Strafe hierfür abzuwälzen auf den Anstifter, sich nach Osten hinwandte, Wasser begehrte für seine Hände und sich dann die Hände wusch mit den Worten: ‚Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten.‘ Daher hat auch unsere Majestät immer befohlen, die Arbeiter auf dem Ackerfeld Christi nicht zu verfolgen, nicht zu bedrängen, nicht eifersüchtig auf sie zu sein und die Verwalter des großen Königs nicht zu vertreiben, damit Ihr nicht jetzt unter unserer Herrschaft zu wachsen scheinet, später aber das Los desjenigen erleiden müsset, der Euch hierzu angestiftet hat, ähnlich wie beim Blut des Zacharias. Aber seine Anhänger wurden von unserem himmlischen König Jesus Christus bei seiner Ankunft gestürzt und in das Gericht des Todes hingegeben mitsamt ihrem Helfer, dem verderblichen Dämon.

Dieses Edikt haben wir erlassen in Gegenwart des Amigetius, Ciceronius, Damasus, Lampon und Brentisius. Dazu schicken wir Euch die Verhandlungen selbst, damit Ihr sehen könnt, was auf der vortrefflichen Synode geschehen ist.”

Diesem Schreiben fügte der Kaiser auch noch die Entscheidungen der Synode bei, indem er in Kürze folgendes ausführte:

„Wir bekennen in Übereinstimmung mit der großen und rechtgläubigen Synode, daß der Sohn dem Vater gleichwesentlich ist. Das ‚gleichwesentlich‘ verstehen wir aber nicht so, wie es schon früher einige erklärt haben, die nicht aufrichtig unterschrieben hatten, und wie jetzt wieder andere, die jene früheren ihre Väter nennen, den Sinn des Wortes abschwächen und denen folgen, welche schrieben, unter dem Ausdruck ‚wesensgleich‘ sei das ‚ähnlich sein‘ zu verstehen, so daß demgemäß der Sohn keinem der übrigen durch ihn gewordenen Geschöpfe verwandt, sondern einzig und allein dem Vater ähnlich sei. Diejenigen, die das ‚wesensgleich‘ so erklären, lehren ohne Scheu, daß der Sohn Gottes ein bevorzugtes Geschöpf sei. Wir dagegen glauben wie auch die jetzt in Rom und in Gallien gehaltenen Synoden, daß die Wesenheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes eine und dieselbe ist in drei Personen, das heißt in drei vollkommenen Hypostasen. Wir bekennen ferner in Übereinstimmung mit dem Glaubensbekenntnis von Nizäa, daß der wesensgleiche Sohn Gottes aus der heiligen Jungfrau Maria Fleisch angenommen, unter den Menschen gewohnt und das ganze Erlösungswerk für uns vollbracht hat durch seine Geburt, sein Leiden, seine Auferstehung und Himmelfahrt, und daß er wieder kommen und uns von dem Seinigen geben wird die Verähnlichung mit Gott als fleischtragender Gott und als gotttragender Mensch. Diejenigen aber, die Gegenteiliges von dem glauben, was wir eben gesagt haben, belegen wir mit dem Banne, und ebenso auch diejenigen, welche nicht aufrichtig verurteilen den, der sagt, der Sohn sei nicht gewesen, bevor er gezeugt wurde, die vielmehr behauptet haben, daß derselbe auch, bevor er wirklich gezeugt wurde, der Potenz nach im Vater gewesen sei. Denn dieses ist auch bei allen Geschöpfen der Fall, welche aber nicht immer so bei Gott sind wie der Sohn beim Vater ist, gezeugt durch ewige Zeugung.”

Vorstehendes entwickelte also der Kaiser in aller Kürze. Nunmehr will ich aber auch das Schreiben der Synode selbst in meine Darstellung aufnehmen.

Synodalschreiben der illyrischen Synode über den Glauben

„Die Bischöfe Illyriens den Kirchen Gottes und Bischöfen der Kirchenprovinzen Asien, Phrygien, Karophrygien und Pakatiana Gruß im Herrn.

Versammelt zu einer Synode haben wir nach eingehender Untersuchung über die heilbringende Lehre erklärt, daß die drei Personen Vater, Sohn und Heiliger Geist gleichwesentlich seien. Es ist ferner recht und billig, einen Brief an Euch zu schreiben, in dem wir die Verehrung der Dreifaltigkeit nicht in gelehrten Erörterungen behandeln, sondern in Demut erbitten. Diesen unseren Brief schicken wir durch unseren geliebten Bruder und Amtsgenossen, den Priester Elpidius. Es ist aber in diesem unserem gegenwärtigen Brief nichts anderes enthalten, als was in den Büchern unseres Heilandes Jesus Christus geschrieben steht: ‚Ich bin des Paulus, ich des Apollo, ich des Kephas. Ist denn Paulus für euch gekreuzigt worden? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?‘ Dieses könnte nun unserer Wenigkeit genügen und brauchten wir überhaupt keinen Brief mehr an Euch zu schreiben, aber wegen der so großen Besorgnis, welche Ihr dort in der ganzen Euch anvertrauten Provinz mit Eueren Predigten verbreitet, indem Ihr den Heiligen Geist vom Vater und Sohne trennet, sehen wir uns gezwungen, unseren Herrn und Mitpriester Elpidius zu Euch zu schicken, der dieses Schreiben von der obersten Regierungsgewalt der Römer mitbringen wird und untersuchen soll, ob Euere Predigt sich so verhält. Denn diejenigen, die nicht predigen, daß die Dreifaltigkeit wesensgleich sei, sollen im Banne sein; und wenn jemand überführt wird, daß er mit diesen in Gemeinschaft steht, so soll er ebenfalls im Banne sein. Denjenigen aber, welche lehren, daß die Dreifaltigkeit wesensgleich ist, ist das Himmelreich bereitet. Deshalb ermahnen wir Euch, Brüder, keine andere Lehre vorzutragen, keiner anderen, neuen Meinung zu folgen, sondern immer und allezeit zu predigen, daß die Dreifaltigkeit gleichwesentlich ist, damit Ihr so das Reich Gottes erben könnet.

Während wir dieses schreiben und ins Gedächtnis zurückrufen, wollen wir in diesem unserem Briefe auch noch handeln von den Bischöfen, welche aufgestellt werden, beziehungsweise von den Amtsgenossen, die in Zukunft eingesetzt werden sollen. Sie sollen aus den Männern genommen werden, welche schon bisher das Amt und die Aufgabe von Bischöfen versehen haben, wenn es solche gibt und wenn sie unbescholten sind, außerdem aus der Mitte der Priesterschaft selbst. Ebenso soll es gehalten werden bezüglich der Priester und Diakonen; sie sollen aus dem Klerikalstande selbst erkoren werden, damit sie in jeder Hinsicht tadellos seien, nicht aber aus den bürgerlichen Beamten und den Offizieren. Gerade hierüber wollen wir nun aber nicht ausführlicher schreiben, da ja einer aus unserer Mitte gesandt wird, unser Herr und Amtsgenosse Elpidius, der mit Sorgfalt untersuchen soll, ob es sich mit Euerer Predigt so verhält, wie wir es von unserem Herrn und Amtsgenossen Eustathius vernommen haben.

Übrigens wenn Ihr vielleicht auch einmal in Irrtum geraten seid, so leget den alten Menschen ab und ziehet den neuen an! Auch unser genannter Bruder und Amtsgenosse Elpidius wird Euch nämlich lehren, den wahren Glauben zu predigen: daß die heilige Dreifaltigkeit, die gleichwesentlich ist Gott dem Vater mit dem Sohne und dem Heiligen Geiste, geheiligt, gepriesen und geoffenbart ist, der Vater im Sohne, der Sohn im Vater, mit dem Heiligen Geiste in Ewigkeit. Wenn dieses klar erwiesen ist, können wir offenbar die heilige Dreifaltigkeit als gleichwesentlich bekennen gemäß dem alten zu Nizäa aufgestellten Glaubensbekenntnis, das auch die Väter bestätigt haben. Wenn nun dieser Glaube gepredigt wird, können wir den Fallstricken des bösen Feindes entgehen, und wenn dieser gebändigt ist, können wir in friedlichen Briefen uns gegenseitig achten und ehren und friedlich miteinander leben. Wir schreiben Euch also, damit Ihr wisset, welche Arianer verurteilt worden sind, die nämlich nicht zugeben wollen, daß der Sohn und der Heilige Geist aus der Wesenheit des Vaters sind. Deren Namen fügen wir hier an: Polychronius, Telemachus, Faustus, Asklepiades, Amantius, Kleopatrus. — Soviel nun über diese Sache zur Ehre des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Daß es Euch gut ergehen möge durch eine lange Reihe von Jahren, darum bitten wir den Vater und den Sohn, unsern Erlöser Christus, und den Heiligen Geist.”

Die Irrlehre der Audianer

Der ruhmvolle Kaiser verwendete also eine so große Sorgfalt auf die Bewahrung der apostolischen Lehre. Um dieselbe Zeit trat aber ein gewisser Audianus, seiner Abstammung und Sprache nach ein Syrer, als Erfinder neuer Lehren auf. Er hatte seine schlimmen Gedanken zwar schon längere Zeit mit sich herumgetragen, damals aber brachte er sie an das Tageslicht. Zunächst verstand er in unverständiger Weise das Wort: „Laßt uns den Menschen machen nach unserem Bild und Gleichnisse!” Er meinte nämlich, das göttliche Wesen habe eine menschliche Gestalt, und vermutete, es sei von körperlichen Organen umschlossen, da er den Sinn der Heiligen Schrift nicht erfaßte. Sie legt nämlich oft der göttlichen Tätigkeit die Namen menschlicher Organe bei, weil hierdurch die Leute, welche das Geistigere nicht fassen können, leichter zur Erkenntnis der göttlichen Vorsehung gelangen. Zu dieser Gottlosigkeit fügte er noch andere ähnliche Lehren. Aus dem Irrtum des Manes nahm er die Lehre herüber, daß der Gott des Weltalls weder Schöpfer des Lichts noch der Finsternis sei. Jedoch pflegen seine Anhänger diese und ähnliche Ansichten geheim zu halten. Sie behaupten vielmehr, daß sie sich von den kirchlichen Versammlungen fernhalten, weil einzelne (von den Katholiken) schändlichen Wucher treiben, andere außerehelich mit Weibern verkehren und ein unsittliches Leben führen, und die übrigen sich von solchen Lastern zwar frei bewahren, aber doch ohne Scheu mit den Genannten Gemeinschaft pflegen. Aus diesem Grunde, sagen sie, lebten sie für sich allein, um so ihre gotteslästerliche Lehre zu verbergen. Jedoch ist selbst dieser Vorwand voll Selbstüberhebung und ein Erzeugnis pharisäischen Geistes. Denn auch die Pharisäer beschuldigten den Arzt der Seelen und Körper, indem sie zu den heiligen Aposteln sagten: „Warum speist denn euer Lehrer mit den Zöllnern und Sündern?” Von solchen Menschen redet Gott durch den Propheten: „Die da sprechen: Ich bin rein, rühre mich nicht an! Das ist Rauch von meinem Grimme.” Doch ist es gegenwärtig nicht an der Zeit, den Unsinn dieser Leute zu widerlegen. Daher will ich in meiner Erzählung fortfahren.

Die Irrlehre der Messalianer

In derselben Zeit entstand auch die Irrlehre der Messalianer. Diejenigen, welche den Namen in die griechische Sprache übertragen, nennen sie Euchiten. Sie haben aber auch noch eine andere, aus der Sache selbst geschöpfte Bezeichnung; sie werden nämlich Enthusiasten genannt, weil sie unter der Einwirkung eines bösen Geistes stehen, die sie für die Gegenwart des Heiligen Geistes halten. Diejenigen, welche die Krankheit vollständig in sich aufgenommen haben, lehnen die Handarbeit als etwas Böses ab, überlassen sich dem Schlafe und geben die Trugbilder ihrer Träume für Prophezeiungen aus. Die Urheber dieser Irrlehre waren Dadoes, Sabas, Adelphius, Hermas, Symeones und andere. Sie haben sich von der kirchlichen Gemeinschaft nicht getrennt, indem sie sagen, die göttliche Speise sei weder nützlich noch schädlich, während doch der Herr Christus von ihr sagt: „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, wird leben in Ewigkeit.” Sie suchen aber ihre Krankheit zu verheimlichen, und selbst wenn sie überführt sind, leugnen sie frech und schütteln diejenigen von sich ab, die das gleiche denken, was sie selbst in ihrer Seele tragen.

Als nun Letoius, der die Kirche von Melitene leitete, ein von heiligem Eifer beseelter Mann, sah, daß viele Klöster oder vielmehr Räuberhöhlen mit dieser Krankheit behaftet seien, da steckte er dieselben in Brand und vertrieb die Wölfe aus der Herde. In derselben Weise verfuhr auch der berühmte Amphilochius, der mit der Hirtensorge für die Mutterkirche von Lykaonien betraut war und die ganze Provinz zu leiten hatte; als er bemerkte, daß diese Seuche auch dort eingedrungen war, erhob er sich dagegen und befreite die von ihm geweidete Herde von diesem Aussatze. Als der vielgenannte Bischof Flavian von Antiochien erfuhr, daß diese Leute sich in Edessa aufhielten und ihr Gift in der Umgegend verbreiteten, sandte er eine Schar von Mönchen dorthin und ließ sie nach Antiochien bringen, woselbst er sie, da sie ihre Krankheit ableugnen wollten, in folgender Weise überführte. Er sagte, die Ankläger seien Verleumder und die Zeugen Lügner; dann rief er den Adelphius, einen schon hochbetagten Greis, freundlich zu sich, ließ ihn neben sich Platz nehmen und sprach: „Wir, o Greis, die wir den größeren Teil des Lebens hinter uns haben, kennen auch die menschliche Natur genauer und verstehen besser die Kunstgriffe der feindlichen Dämonen, wie wir auch durch eigene Erfahrung den Zug der Gnade kennen gelernt haben. Diese Leute dagegen sind noch jung, haben von solchen Dingen keine gründliche Kenntnis und vermögen daher auch geistigere Ausführungen nicht zu ertragen. So erkläre mir denn, wie nach Euerer Meinung der feindliche Geist entweichen und die Gnade des Heiligen Geistes einziehen soll.” Durch diese Worte wurde der alte Mann ganz vertrauensselig und gab nun all das verborgene Gift von sich und erklärte, aus der heiligen Taufe schöpften die Empfänger gar keinen Nutzen, nur eifriges Gebet allein vermöge den einwohnenden Dämon auszutreiben. Denn jeder, der geboren werde, so sagte er, überkomme vom Stammvater wie die Natur so auch die Knechtschaft der Dämonen; wenn aber diese durch eifriges Gebet ausgetrieben werden, dann zieht der Heilige Geist ein, der seine Gegenwart fühlbar und sichtbar kundgibt und den Leib von den Regungen der Leidenschaft befreit und die Seele von der Neigung zum Bösen vollständig losmacht, so daß es fernerhin weder des Fastens bedarf, um den Körper in Zaum zu halten, noch der Belehrung, um die Seele zu zügeln und zu einem wohlgeordneten Lebenswandel anzuleiten. Wer es einmal so weit gebracht hat, wird dadurch nicht nur frei von den sinnlichen Regungen des Körpers, sondern er sieht auch deutlich die Zukunft voraus und schaut mit seinen Augen die göttliche Dreifaltigkeit. Nachdem der heilige Flavian auf solche Weise die übelriechende Quelle aufgegraben und das tödliche Gewässer bloßgelegt hatte, sprach er zu dem unglücklichen Greise: „O du alter Bösewicht! Nicht ich, dein eigener Mund überführt dich, und deine Lippen zeugen wider dich.” — Als nun so die Krankheit klar erkannt war, wurden sie aus Syrien vertrieben; sie gingen nach Pamphylien und erfüllten auch dieses Land mit ihrer schändlichen Lehre.

Abfall des Valens zur Häresie

Ich will nun in meiner Erzählung fortfahren und den Anfang des Sturmes schildern, der so viele und heftige Wogen gegen die Kirchen geschleudert hat.

Valens zeichnete sich nach Übernahme der Regierung anfangs durch Festhalten an den apostolischen Lehren aus. Als aber die Gothen die Donau überschritten und Thrazien verheerten, beschloß er, ein Heer zu sammeln und gegen dieselben zu Felde zu ziehen. Er wollte aber nicht ohne die göttliche Gnade in den Kampf gehen, sondern geschützt durch die Rüstung der heiligen Taufe. Das war ein schöner und gar weiser Entschluß. Was aber darauf folgte, zeigt uns eine große Seelenschwäche und einen Verrat an der Wahrheit. Denn der Unglückliche erlitt ein ähnliches Schicksal wie unser Stammvater Adam. Auch er ließ sich durch die Worte seiner Gattin verführen und zum Sklaven machen, ja er wurde nicht etwa ein im Krieg gefangener Sklave, sondern ein Knecht, der sich durch trügerische Weiberworte unterjochen ließ. Seine Gattin war nämlich schon früher eine Beute des arianischen Irrtums geworden, und sie verführte nun auch ihn und überredete ihn, sich mit ihr in den Abgrund der Gotteslästerung zu stürzen. Führer, Leiter und Urheber war hierbei Eudoxius, der noch das Ruder der Kirche von Konstantinopel in Händen hielt, aber das Schiff nicht lenkte, sondern in die Tiefe versenkte. Er verpflichtete den Unglücklichen gerade bei Gelegenheit der Taufspendung durch Eidschwüre, daß er selbst bei der gottlosen Lehre verbleibe und daß er auch die Andersgesinnten überall austreibe.

Verbannung der durch Tugend ausgezeichneten Bischöfe

So verließ der Kaiser die apostolische Lehre und ging zur Gegenpartei über, und kurze Zeit nachher erfüllte er das Übrige, was er eidlich versprochen hatte. Er vertrieb aus Antiochien den großen Meletius, aus Samosata den heiligen Eusebius, Laodicea beraubte er seines bewunderungswürdigen Hirten Pelagius. Dieser hatte in seiner Jugend das Joch der Ehe auf sich genommen, aber eben im Brautgemach am ersten Tage der Ehe seine Braut bewogen, die jungfräuliche Keuschheit der ehelichen Gemeinschaft vorzuziehen, und sie angeleitet, statt der ehelichen Vereinigung die geschwisterliche Liebe zu pflegen. So übte er die Enthaltsamkeit in der vollkommensten Weise. Aber auch die mit ihr verschwisterten Tugenden, verbunden mit ihr zum fröhlichen Reigen, vereinigte er in seiner Person. Deshalb hatte er auch die bischöfliche Würde durch einstimmige Wahl erhalten. Allein selbst der Glanz seines tugendhaften Wandels vermochte dem Feind der Wahrheit keine Achtung einzuflößen; er verbannte vielmehr diesen Mann nach Arabien, wie den heiligen Meletius nach Armenien und den Eusebius, der in apostolischer Tätigkeit so viel Schweiß vergossen, nach Thrazien.

Eusebius, Bischof von Samosata

Dieser Eusebius hatte nämlich, da er sah, daß viele Kirchen ihrer Hirten beraubt seien, sich in Soldatenkleidung gehüllt und eine Tiara auf das Haupt gesetzt und so Syrien, Phönizien und Palästina durchwandert und Priester und Diakonen geweiht und die anderen kirchlichen Ämter wieder besetzt; und wenn er irgendwo gleichgesinnte Bischöfe getroffen, hatte er sie den verwaisten Kirchen als Bischöfe vorgesetzt.

Welche Seelengröße aber und welche Weisheit er an den Tag legte, als er das kaiserliche Edikt empfing, das ihn anwies, nach Thrazien zu gehen, das sollte, meine ich, jeder erfahren, der es noch nicht weiß. Der Überbringer dieses Ediktes langte gegen Abend an. Der Bischof legte ihm nahe, von der Sache nichts zu sagen und den Grund seiner Ankunft geheim zu halten. „Denn”, sagte er, „wenn das Volk, das im Eifer für den göttlichen Dienst auferzogen ist, davon erfährt, wird es dich umbringen, ich aber werde für deine Ermordung zu büßen haben.” Nach diesen Worten hielt er wie gewöhnlich den Abendgottesdienst; dann bei Anbruch der nächtlichen Ruhezeit ging der greise Mann, nachdem er die Sache noch einem seiner Hausgenossen anvertraut hatte, ganz allein und zu Fuß von dannen. Es folgte ihm sein Diener nur mit einem Kopfkissen und einem Buche. So gelangte er an das Ufer des Flusses — unmittelbar an der Stadtmauer fließt nämlich der Euphrat vorbei —, bestieg ein Schiff und gab den Ruderern den Auftrag, auf Zeugma loszusteuern. Bei Tagesanbruch hatte er Zeugma erreicht, Samosata aber war voll Jammer und Wehklagen. Jener Hausgenosse hatte nämlich seinen Bekannten mitgeteilt, was ihm aufgetragen worden, wer mit dem Bischof in die Verbannung gehen und welche Bücher sie mitnehmen sollten; da jammerten alle über den Verlust ihres Hirten, und die ganze Fläche des Flusses füllte sich mit den Leuten, die dem Bischof nachfuhren. Als sie nach Zeugma kamen und ihren ersehnten Hirten wieder sahen, da weheklagten und seufzten sie und vergossen Ströme von Tränen und versuchten ihn zu bewegen, daß er bleibe und die Schafe nicht den Wölfen preisgebe. Da sie ihn aber nicht überreden konnten, vielmehr hören mußten, wie er sie an das Gebot des Apostels erinnerte, der deutlich befiehlt, den Obrigkeiten und Gewalten zu gehorchen1, da brachten ihm die einen Gold, andere Silber, andere Kleider und wieder andere Sklaven, wie einem Manne, der in ein fremdes und weit entlegenes Land reist. Er nahm aber nur einiges wenige von seinen näheren Freunden an, stärkte alle mit Belehrung und Gebet und ermahnte sie, für die apostolische Lehre immer entschieden einzutreten. Dann brach er nach der Donau auf. Die anderen aber kehrten in ihre Stadt zurück, sprachen sich gegenseitig Mut zu und erwarteten gefaßt den Angriff der Wölfe.

Eifer der Samosatener

Ich will nun auch erzählen von dem warmen und unverfälschten Glauben dieser Leute, da ich meine, ich würde ein Unrecht begehen, wenn demselben nicht in dieser Geschichte ein dauerndes Andenken gesichert würde. Nachdem die Arianer der Herde ihren allerbesten Hirten genommen, setzten sie an dessen Stelle einen anderen Vorsteher. Da war nun keiner von allen Bewohnern jener Stadt, keiner, der in Armut lebte, keiner, der im Reichtum schwelgte, kein Sklave, kein Handwerker, kein Landmann, kein Gärtner, kein Mann, kein Weib, kein Jüngling, kein Greis, der wie sonst in die kirchliche Versammlung gekommen wäre. Jener blieb ganz allein, da niemand ihn sehen noch mit ihm reden wollte. Doch soll er sehr menschenfreundlich gewesen sein. Ich will auch hierfür ein Beispiel anführen.

Als er einmal baden wollte, schlossen die Badediener die Türe, um andere, die etwa auch eintreten wollten, zurückzuhalten. Da er aber das draußen harrende Volk bemerkt hatte, befahl er, die Türe zu öffnen, und forderte alle auf, ohne Scheu an dem Bade teilzunehmen. Ganz dasselbe tat er auch drinnen in dem Badehause. Als er sah, daß, während er badete, einige zur Seite standen, lud er sie ein, gemeinsam mit ihm das warme Wasser zu gebrauchen. Doch diese blieben schweigend stehen. Da er dieses Stehenbleiben für ehrfurchtsvolle Scheu hielt, stieg er rascher als sonst aus dem Wasser und entfernte sich. Jene aber, in dem Glauben, auch das Wasser habe von dem Greuel der Häresie etwas an sich genommen, gossen es in die Abflußkanäle und ließen sich dafür neues mischen. Als er dieses erfuhr, verließ er eilends die Stadt, da er es für töricht und ganz unvernünftig erachtete, eine Stadt zu bewohnen, die Haß und allgemeine Abneigung gegen ihn hegte.

Nachdem Eunomius — so hieß er nämlich — Samosata verlassen hatte, stellten die Arianer anstatt seiner den Lucius als Bischof auf, der ganz offen ein Wolf und Feind der Schafe war. Aber wenn die Schafe auch ihres (rechtmäßigen) Hirten beraubt waren, sie übernahmen nunmehr selbst die Aufgabe, die sonst den Hirten obliegt: sie wachten fortgesetzt über die Reinerhaltung der apostolischen Lehre. Wie aber auch diesen (arianischen Bischof) alle verabscheuten, zeigt uns eine andere Geschichte.

Knaben vergnügten sich auf dem Marktplatze an einem kindlichen Spiel, indem sie sich einander einen Ball zuwarfen. Da geschah es nun, daß eben, während der Bischof vorüberritt, der abgeschleuderte Ball zwischen den Füßen des Esels hindurchfuhr. Da brachen die Knaben in lautes Klagen aus, weil sie meinten, ihr Ball sei dadurch befleckt worden. Der Bischof, der das bemerkte, gab einem seiner Begleiter den Auftrag, zurückzubleiben und zu beobachten, was weiter geschehen würde. Da zündeten die Knaben ein Feuer an und warfen den Ball durch die Flammen, in der Meinung, ihn so wieder reinigen zu können. Nun weiß ich ja wohl, daß dies ein Kinderstreich war und ein Überbleibsel der früheren Sitten; aber es ist doch bezeichnend für den tiefen Haß, den jene Stadt gegen die arianische Sekte im Herzen nährte.

Indessen ahmte Lucius keineswegs die Milde des Eunomius nach, vielmehr bewog er die Gewalthaber, noch viele andere aus dem Klerus zu verbannen; diejenigen aber, die in hervorragender Weise für die göttlichen Lehren stritten, schickte er an die äußersten Grenzen des römischen Reiches, so den Diakon Euolkius in die Oase in der vielgenannten Wüste und den Antiochus, der mit dem großen Eusebius verwandt war — er war ein Neffe desselben — und durch viele persönliche Tugenden glänzte und mit der priesterlichen Würde geschmückt war, bis an die entlegenste Grenze von Armenien. Mit welchem Eifer dieser letztere für die göttliche Lehre eintrat, zeigt folgendes Ereignis aus späterer Zeit.

Als der heilige Eusebius nach seinen zahlreichen Kämpfen und ebenso zahlreichen Siegen auch das Ende der Martyrer gefunden hatte, trat wie gewöhnlich die Synode der Provinz zusammen. Da kam auch Jovinus, der damals Bischof von Perre (in Syrien) war. Er hatte sich kurze Zeit zur Gemeinschaft der Arianer gehalten. Da nun alle den Antiochus zum Nachfolger seines Oheims wählten, ihn an den heiligen Tisch führten und nötigten, niederzuknien, da bemerkte dieser, wie er sich umwandte, daß ihm Jovinus die rechte Hand auf das Haupt legte; sofort schüttelte er diese Hand ab und verlangte, daß Jovinus aus der Zahl der Weihenden ausgeschieden werde, weil er, wie er sagte, sich nicht eine Hand auflegen lassen könnte, welche gottesräuberisch konsekrierte Geheimnisse getragen hatte. Doch ereignete sich dieser Vorfall kurze Zeit später. Damals aber wurde er in das Innere von Armenien abgeführt. Der heilige Eusebius aber hielt sich an der Donau auf, während die Gothen Thrazien plünderten und die Städte belagerten, wie seine Briefe bezeugen.

Der heilige Barses, Bischof von Edessa

Barses, dessen Ruhm auch jetzt noch groß ist nicht nur in Edessa, das er als Bischof leitete, und in den benachbarten Städten, sondern auch in Phönizien, Ägypten und der Thebais, welche Länder er alle durchwanderte und in denen er wegen seiner glänzenden Tugenden allgemein bekannt und verehrt war, dieser Barses erhielt von Valens zuerst den Befehl, seinen Aufenthalt auf der Insel Aradus zu nehmen. Als aber der Kaiser erfuhr, daß Tausende von Menschen von allen Seiten her bei demselben zusammenströmten, weil er voll apostolischer Gnadengabe durch sein Wort die Krankheiten heilte, schickte er ihn nach Oxyrynchus, einer Stadt Ägyptens. Als aber auch hier sein Ruhm alle um ihn sammelte, wurde der des Himmels würdige Greis in das entlegenste, ganz nahe bei den dortigen Barbaren errichtete Kastell mit Namen Pheno abgeführt. In Aradus aber soll sein Bett bis auf den heutigen Tag aufbewahrt und hoch in Ehren gehalten werden. Viele Kranke, die auf dasselbe gelegt werden, erlangen durch den Glauben ihre Gesundheit wieder.

Die Verfolgung in Edessa

Wiederum stellte Valens für die Herde, die er ihres Hirten beraubt hatte, einen Wolf anstatt eines Hirten auf. Da verließen alle die Stadt und versammelten sich draußen vor derselben. Nun kam der Kaiser selbst nach Edessa und gab dem damaligen Präfekten Modestus den Befehl, die ihm unterstellten Soldaten, welche die Steuern einzuheben pflegen, zu sammeln und die vorhandene schwerbewaffnete Macht dazuzunehmen und die versammelte Menge zu zerstreuen und sie dabei mit Ruten und Stöcken zu schlagen und nötigenfalls auch die anderen Waffen zu gebrauchen. Gegen Tagesanbruch brachte nun der Präfekt den Befehl zur Ausführung. Als er über den Marktplatz ging, bemerkte er ein Weib mit einem Kinde auf den Armen, das sich sehr beeilte. Sie hatte sogar die ersten Reihen der Soldaten durchbrochen und vor ihnen allen keine Furcht gezeigt. Denn eine Seele, die von göttlichem Eifer entflammt ist, ist für menschliche Furcht nicht empfänglich, sondern hält derartige Schreckmittel für lächerlich und eitle Spielerei. Als der Präfekt sie erblickte und die Sache durchschaute, ließ er sie vorführen und fragte sie, wohin sie gehe. „Ich habe erfahren,” so antwortete sie, „daß gegen die Diener Gottes schlimme Anschläge geschmiedet worden sind und will mich zu meinen Glaubensgenossen begeben, in der Absicht, gemeinsam mit ihnen den von euch uns zugedachten Tod zu erleiden.” „Und das Kind,” erwiderte der Präfekt, „warum trägst du denn das Kind mit dir?” Sie antwortete: „Damit auch dieses mit mir des erwünschten Todes teilhaftig werde.” Da der Präfekt von der Frau diese Worte hörte und aus ihrer Gesinnung die Todesbereitschaft aller erkannte, meldete er die Sache dem Kaiser und legte ihm dar, daß die bevorstehende Hinrichtung ganz nutzlos sein würde. „Wir werden”, so sagte er, „von solchem Vorgehen nur Schande ernten, ihren Mut aber werden wir doch nicht brechen.” Durch diese Worte erreichte er nur, daß das Volk die erwarteten Leiden nicht zu kosten hatte, dagegen erhielt er den Auftrag, die Vorsteher desselben, nämlich die Priester und Diakonen, vorführen zu lassen und eines von den beiden Mitteln anzuwenden, entweder sie zu überreden, mit dem Wolf in Gemeinschaft zu treten, oder sie aus der Stadt zu vertreiben und in bestimmte Grenzorte zu schicken. Er ließ nun alle zusammenkommen und versuchte sie mit freundlichen Worten zu bewegen, den kaiserlichen Anordnungen sich zu fügen; denn, sagte er, es wäre doch heller Wahnsinn, wenn eine Handvoll Menschen dem Kaiser, der über so viele und so große Männer herrsche, Widerstand leisten wollte.

Die edessenischen Priester Eulogius und Protogenes

Da nun alle schweigend dastanden, sagte der Präfekt zu dem ersten aus ihnen: „Warum antwortest du denn nicht auf das, was wir gesagt haben?” Dieser entgegnete: „Ich glaubte, es sei nicht nötig, zu antworten, wenn man nicht gefragt wird.” „Aber”, erwiderte der Präfekt, „ich habe doch fürwahr viele Worte aufgewendet, um euch ans Herz zu legen, was euch frommt.” Eulogius entgegnete, seine Rede sei an alle gerichtet gewesen, und er habe es für unpassend gehalten, allein, ohne Rücksicht auf die übrigen, zu antworten. „Wenn du aber mich allein fragst, so werde ich meine Ansicht schon kundgeben.” „Nun ja,” erwiderte der Präfekt, „so halte Gemeinschaft mit dem Kaiser!” Darauf antwortete jener mit feiner Ironie und zutreffendem Witze: „Bringt er denn Opfer dar und hat er denn mit dem Kaisertum auch das Priestertum erhalten?” Der Präfekt, der den Spott wohl merkte, geriet in Zorn, überhäufte den Greis mit Schmähreden und sagte zum Schluß: „Das habe ich nicht gemeint, du unvernünftiger Mensch, sondern ich habe euch ermahnt, mit denjenigen Gemeinschaft zu halten, mit welchen der Kaiser Gemeinschaft hat.” Als der Greis darauf erwiderte, daß er einen Hirten habe und dessen Befehlen Folge leisten wolle, ließ jener gleichzeitig achtzig Männer ergreifen und nach Thrazien abführen. Auf dem Wege dahin erfreuten sich die Verbannten der größten Aufmerksamkeit; Städte und Dörfer zogen ihnen entgegen und feierten die siegreichen Kämpfer. Allein der Neid bewaffnete die Gegner und trieb sie an, dem Kaiser zu sagen, wie jenen Männern die als Unehre vermeinte Strafe nur sehr große Ehre eintrage. Auf diese Nachricht hin befahl Valens, sie zu je zweien voneinander zu trennen und die einen nach Thrazien, andere an die äußersten Grenzen von Arabien zu schicken, wieder andere in die kleinen Städte der Thebais zu verteilen. Wie man erzählt, hätten jene grausamen Menschen solche, welche die Natur miteinander verbunden, getrennt und Brüder auseinander gerissen. Den Eulogius, den Führer der übrigen, und den Protogenes, den nächsten nach ihm, schickte der Kaiser nach Antino in der Thebais.

Ich will aber ihre Tugend nicht der Vergessenheit anheimfallen lassen. Nachdem sie nämlich in dem Bischof der Stadt einen Gesinnungsgenossen gefunden hatten, nahmen sie an den kirchlichen Versammlungen teil, sahen aber, daß sich zu denselben nur ganz wenige einfanden, und erfuhren auf ihre Frage, daß die Bewohner der Stadt Heiden seien. Das schmerzte sie natürlich, und sie beklagten deren Unglauben. Sie waren jedoch nicht der Meinung, daß mit dem Klagen alles getan sei, vielmehr sorgten sie nach Kräften für die Heilung dieser Menschen. Der heilige Eulogius schloß sich in ein kleines Gemach ein und betete Tag und Nacht zu dem Gott des Weltalls. Der bewunderungswürdige Protogenes aber, der in den Schriftzeichen des Eunomius wohl bewandert und im Schnellschreiben geübt war, errichtete, nachdem er einen hierzu geeigneten Platz gefunden hatte, eine Unterrichts- und Erziehungsanstalt, trat als Lehrer der Knaben auf und unterrichtete sie gleichzeitig im Schnellschreiben und in den heiligen Schriften. Er diktierte ihnen nämlich Davidische Gesänge und ließ sie passende Stellen aus den Schriften der Apostel auswendig lernen. Und als einer der Knaben in eine Krankheit fiel, kam er in das Haus, faßte den Knaben an der rechten Hand und verscheuchte die Krankheit durch sein Gebet. Als die Väter der übrigen Kinder davon hörten, führten sie ihn in ihre Häuser und baten ihn, den Kranken zu helfen. Er aber entgegnete, er werde nicht eher Gott um Hinwegnahme der Krankheit bitten, bis der Kranke die Taufgnade empfangen habe. Die Kranken aber gingen, von der Sehnsucht nach Gesundheit getrieben, bereitwillig darauf ein und erlangten so gleichzeitig die Gesundheit der Seele und des Leibes. Wenn er aber einmal einen Gesunden dazu vermochte, sich der göttlichen Gnade teilhaftig zu machen, so führte er ihn zu Eulogius, klopfte an die Türe und bat ihn, zu öffnen und dem für das Christentum Gewonnenen das Siegel des Herrn aufzudrücken. Und als dieser einmal unwillig wurde, weil er in seinem Gebete gestört wurde, entgegnete jener, notwendiger als das Gebet sei die Rettung der Irrenden. Es bewunderten aber alle den Protogenes, da sie sahen, wie er so erstaunliche Wunder wirkte und so vielen das Licht der Erkenntnis Gottes vermittelte und dennoch dem Eulogius den Vorrang einräumte und die für das Christentum Gewonnenen ihm zuführte. Sie schlossen daraus mit Recht, daß dessen Tugend noch viel größer und vorzüglicher sein müsse. Als endlich der Sturm sich legte und volle Windstille eintrat, erging an sie die Aufforderung zur Rückkehr. Da gaben ihnen alle das Geleite unter Wehklagen und Tränen, nicht zuletzt der Vorsteher jener Kirche, der nun ihre Mitarbeit entbehren mußte. Nachdem sie in ihr Vaterland zurückgekehrt waren, wurde der heilige Eulogius, da der große Barses zu einem schmerzlosen Leben hinübergegangen war, mit der Regierung der von jenem geleiteten Kirche betraut, der bewunderungswürdige Protogenes aber erhielt den Auftrag, seine Arbeit der Stadt Karrhä zu widmen, welche verwildert und mit heidnischen Disteln und Dornen angefüllt war und deshalb großer Sorgfalt bedurfte. — Dieses geschah nach der Wiederherstellung des kirchlichen Friedens.

Der heilige Basilius, Bischof von Cäsarea, und die gegen ihn gerichteten Bemühungen des Kaisers Valens und des Präfekten Modestus

Nachdem Valens sozusagen jegliche Kirche ihres Hirten beraubt hatte, wandte er sich nach Cäsarea, das von Kappadoziern bewohnt war. Bischof dieser Stadt war damals Basilius, das Licht des Erdkreises. Der Kaiser schickte den Präfekten voraus mit dem Auftrage, entweder den Basilius zu überreden, daß er die Gemeinschaft mit Eudoxius aufnehme oder, wenn er sich nicht überreden lasse, ihn zu vertreiben. Da er nämlich den Ruhm dieses Mannes schon früher kennen gelernt hatte, hatte er ihn nicht zuerst angreifen wollen, damit derselbe nicht durch mutige Aufnahme und Zurückweisung des Angriffs den anderen ein Vorbild männlicher Standhaftigkeit würde. Allein der fein ausgedachte Plan erwies sich gleich einem Spinnengewebe. Denn den übrigen Bischöfen genügten zu ihrer Stütze die alten Beispiele, so daß sie wie Türme die Umwallung des Glaubens vor jeglicher Erschütterung bewahrten. Der Präfekt kam also nach Cäsarea, ließ den großen Basilius zu sich kommen, empfing ihn ehrenvoll, richtete freundliche Worte an ihn und mahnte ihn, den Zeitverhältnissen Rechnung zu tragen und nicht so viele Kirchen preiszugeben wegen einer kleinlichen Genauigkeit in den Dogmen. Er versprach ihm auch die Freundschaft des Kaisers und wies auf die Wohltaten hin, welche aus derselben durch ihn zahlreichen Menschen zukommen würden. Allein jener göttliche Mann erwiderte, solche Reden paßten für Knaben. „Denn diese und Leute, die ihnen ähnlich sind, schnappen nach derartigen Dingen; wer aber mit den göttlichen Schriften genährt worden ist, der kann von der göttlichen Lehre auch nicht eine Silbe preisgeben, wird vielmehr für dieselbe, wenn nötig, alle Todesarten willig auf sich nehmen. Die Freundschaft des Kaisers halte ich für etwas Großes in Verbindung mit der Rechtgläubigkeit, ohne diese aber nenne ich sie verderblich.” Als der Präfekt über diese Worte sich ärgerte und ihn einen Toren nannte, entgegnete der göttliche Basilius: „Diese Torheit wünsche ich für immer zu behalten.” Daraufhin wurde ihm bedeutet, sich zu entfernen und zu überlegen, was er tun wolle, und dann am folgenden Tage seinen Entschluß mitzuteilen. Zugleich wurde mit diesen Worten auch eine Drohung verbunden. Da soll nun jener berühmte Mann erklärt haben: „Ich werde, wenn ich morgen zu dir komme, ganz derselbe sein wie heute. Ändere nur du nicht deine Absicht, sondern führe deine Drohungen auch aus!” Nach diesen Worten ging der Präfekt dem Kaiser entgegen, berichtete über die Unterredung, belehrte ihn über die Tugend des Mannes und erzählte ihm von dem Mut und der Kühnheit seiner Seele. Damals nun hörte der Kaiser den Bericht stillschweigend an und begab sich in die Stadt.

Als er aber die über sein Haus verhängten göttlichen Strafen sah — sein Sohn war nämlich schwer erkrankt und schwebte hart an den Pforten des Todes, und auch seine Gattin war von verschiedenen Leiden heimgesucht —, und da er die Ursache der Bedrängnisse erkannte, so ließ er den göttlichen Mann, den er mit Strafe bedroht hatte, bitten, in sein Haus zu kommen. Die Hofbeamten gehorchten dem kaiserlichen Befehle. So kam also der große Basilius in den kaiserlichen Palast, fand den Sohn des Kaisers dem Ende ganz nahe, versprach aber, daß derselbe zum Leben zurückkehren werde, wenn er aus den Händen der Rechtgläubigen die heilige Taufe empfangen werde. Sprach’s und ging von dannen. Der Kaiser aber erinnerte sich ähnlich wie der unvernünftige Herodes seines Eidschwures und befahl den in seinem Gefolge befindlichen Arianern, das Kind zu taufen. Daraufhin schied dieses sofort aus dem Leben.

Von Reueschmerz ergriffen und in Erwägung des Schadens, den ihm das treue Festhalten an den Eidschwüren1 gebracht hatte, kam Valens in den Tempel Gottes, genoß den Unterricht des großen Basilius und brachte die gewöhnlichen Opfergaben zum Altar. Selbst in den Raum hinter dem Vorhang, wo der Bischof seinen Sitz hatte, ließ dieser ihn eintreten und richtete viele Worte an ihn über die göttlichen Lehren, und der Kaiser hörte ihn gerne an. Da war nun auch ein Mann zugegen mit Namen Demosthenes, der für die kaiserliche Tafel zu sorgen hatte. Dieser tadelte den Lehrer des Erdkreises in fehlerhafter Sprache. Da lächelte der heilige Basilius und sagte: „Nun sehen wir auch einmal einen Demosthenes, der ohne alle Bildung ist.” Als dieser darüber in noch größeren Zorn geriet und zu Drohungen sich hinreißen ließ, erwiderte ihm der große Basilius: „Deine Aufgabe ist es, für eine gute Zubereitung der Suppen zu sorgen; denn das Verständnis der göttlichen Lehren ist dir nicht gegeben, da du verstopfte Ohren hast.” Solches sagte er also zu diesem Menschen. Der Kaiser aber bewunderte den Mann so sehr, daß er ihm die schönsten Ländereien, die er dort besaß, für die von ihm gepflegten Armen schenkte, die, am ganzen Körper vom Aussatz bedeckt, einer besonders sorgfältigen Pflege bedürftig waren.

Auf diese Weise entging also der große Basilius dem ersten Angriff des Valens. Später aber kam dieser abermals dorthin, und da sein Sinn beständig von Betrügern umlagert war, so verlangte er von Basilius, daß er der Partei seiner Gegner sich anschließe, und da er ihn hierzu nicht bewegen konnte, befahl er, das Verbannungsdekret auszufertigen. Als er aber dasselbe durch seine Unterschrift rechtskräftig machen wollte, konnte er nicht einmal einen einzigen Buchstabenstrich machen; denn die Feder zerbrach. Und als nun auch die zweite und dritte Feder dasselbe Schicksal erlitt, er aber geichwohl das gottlose Edikt durchaus unterschreiben wollte, da fing seine rechte Hand zu zittern und zu beben an; seine Seele ward von Furcht erfüllt, und er zerriß das Schriftstück mit beiden Händen. So bewies der Lenker des Weltalls, daß er es war, der die Leiden jener anderen Männer zuließ, und der diesen aus den Nachstellungen siegreich hervorgehen ließ, der einerseits bei den Angriffen auf Basilius seine Macht offenbaren und andererseits durch entgegengesetzte Fügung die Standhaftigkeit jener vortrefflichen Männer öffentlich kundmachen wollte.

In diesem Falle nun wurde der Verfolger Valens in seiner Hoffnung getäuscht.

Das Ende des heiligen Athanasius und die Weihe des Petrus

In Alexandrien war der siegreiche Athanasius nach vielen Kämpfen und nach Erlangung ebenso vieler Siegeskronen an das Ende seiner Mühsale gekommen und zu einem leidlosen Leben hinübergegangen. Den Vorsitz aber erlangte Petrus, ein ganz vortrefflicher Mann, dem zuerst schon der berühmte selige Oberhirte seine Stimme gegeben, für den aber auch alle anderen stimmten, die Geistlichen sowohl wie die in Amt und Würden stehenden Personen; und auch das gesamte Volk gab durch Beifallsrufe seine freudige Zustimmung kund. Er hatte mit Athanasius zusammengearbeitet, hatte zu Hause und in der Verbannung an seiner Seite geweilt und die mannigfachsten Gefahren mit ihm bestanden. Deshalb kamen auch die benachbarten Bischöfe, und die in den Übungsschulen der Tugend lebenden Männer verließen dieselben und verlangten, daß Petrus den Thron des Athanasius erhalte.

Der Arianer Lucius

Kaum hatten sie ihn aber auf den bischöflichen Stuhl gesetzt, als sofort der Statthalter der Provinz mit einem zusammengerafften Haufen von Heiden und Juden die Mauern der Kirche umzingelte und dem Petrus befahl, herauszukommen; und er drohte ihm, falls er nicht willig gehe, werde er ihn mit Gewalt vertreiben. Er tat dieses natürlich, um dem Kaiser zu Gefallen zu handeln und die Andersgesinnten mit Leiden zu überhäufen, in Wahrheit aber, weil er sich von seinem gottlosen Haß fortreißen ließ. Er war nämlich dem Götzendienst ergeben und hielt kirchliche Unruhen für die glänzendste Festlichkeit. Als nun der bewunderungswürdige Petrus den unerwarteten Krieg sah, ging er heimlich fort, bestieg ein Schiff und fuhr nach Rom.

Wenige Tage später kam Euzoius von Antiochien, brachte den Lucius mit und übergab ihm die Kirchen. Von der Gottlosigkeit und Gesetzesverachtung dieses Mannes hatte schon Samosata eine Probe verkostet. Sobald jedoch das Volk, das in den Unterweisungen des Athanasius aufgewachsen war, merkte, daß ihm jetzt eine ganz andere Nahrung vorgesetzt werde, hielt es sich von den kirchlichen Versammlungen ferne. Lucius nun suchte sich seine Leibwächter unter den Götzendienern; er mißhandelte die einen, andere ließ er einsperren, andere zwang er zur Flucht, wieder anderen ließ er nach Art der Barbaren ihre Häuser zerstören. Indessen hat dieses der verehrungswürdige Petrus uns besser in einem Briefe geschildert. Ich will daher zuerst nur noch eine Freveltat des Lucius erzählen und dann jenen Brief in meine Geschichte aufnehmen.

In Ägypten gab es Männer, welche den Wandel der Engel nachahmten, dem Lärm der Städte entflohen, das Leben in der Wüste sich erwählten, das sandige und unfruchtbare Land fruchtbar machten und dazu jene Frucht hervorbrachten, die Gott die liebste und schönste ist, die er auch von uns verlangt, nämlich die Tugend. Als Führer auf diesem Lebenswege sind zwar viele andere aufgetreten, der beste Lehrer der aszetischen Lebensweise war aber jener vielgepriesene Antonius, der die Wüste zu einer Übungsschule der Vollkommenheit für die Aszeten machte. Er selbst war mit der größten und schönsten Fracht in den Hafen der Ruhe eingelaufen. Aber seine Schüler vertrieb nun jener elende und höchst unglückselige Mensch; die Vorsteher jener heiligen Scharen, den berühmten Makarius und dessen gleichnamigen Gefährten, den Isidor und die übrigen jagte er aus ihren Höhlen und schickte sie auf eine Insel, die von gottlosen Menschen bewohnt war und niemals einen Lehrer des wahren Glaubens aufgenommen hatte. Als nun das Schiff dem Eilande sich näherte, verließ der von den Bewohnern verehrte Dämon das ihm errichtete Götzenbild, worin er von Alters her seine Wohnstätte gehabt, stürzte die Tochter des Priesters in Wahnsinn und führte die Rasende hinaus an das Gestade, an dem die Ruderer ihr Fahrzeug angelegt hatten. Der Dämon aber bediente sich der Zunge des Mädchens als eines Werkzeuges und verkündete durch dasselbe das nämliche, wie einst in Philippi die vom pythonischen Geist besessene Magd. Es hörten alle, Männer und Frauen, was jener Dämon sprach: „O über euere Macht, ihr Diener Christi! Allenthalben sind wir von euch vertrieben worden, aus Städten und Dörfern, von Bergen und Hügeln und aus der menschenleeren Wüste. Wir hofften, auf diesem Inselchen weilend, vor eueren Geschossen verschont zu sein, doch unsere Hoffnung täuschte uns. Denn auch hierher haben euch euere Verfolger geschickt, nicht um euch wehe zu tun, sondern um uns durch euch zu vertreiben. So verlassen wir denn auch dieses Inselchen, verscheucht von den Strahlen euerer Tugend.” Nach solchen und ähnlichen Worten warfen sie das Mädchen auf den Boden nieder, sie selbst aber waren vollständig verschwunden. Jene heilige Schar richtete nun das Mädchen unter Gebet wieder auf und gab es seinem Vater geistig und körperlich gesund zurück. Die Zeugen des Wunders aber warfen sich jenen Heiligen zu Füßen und baten, der Mittel des Heiles teilhaftig zu werden. Sie zerstörten den Götzentempel, wurden erleuchtet von den Strahlen der christlichen Lehre und der Gnade der heiligen Taufe gewürdigt. Als diese Vorgänge in der Stadt bekannt wurden, kamen die Leute alle in großer Menge zusammen, schmähten über den Lucius und erklärten, sie würden selbst noch vom Zorne der Gottheit ereilt werden, wenn nicht die göttliche Schar jener heiligen Männer freigelassen würde. Da gestattete Lucius aus Furcht vor einem Aufruhr in der Stadt den heiligmäßigen Männern, in ihre Höhlen zurückzukehren.

Diese Vorfälle wären nun allein schon hinreichend, seine Unverschämtheit und Gottlosigkeit erkennen zu lassen; noch deutlicher aber wird uns das Schreiben des bewunderungswürdigen Petrus dessen Verwegenheit und Gewalttätigkeit zum Bewußtsein bringen. Um jedoch nicht zu weitläufig zu werden, will ich nur den mittleren Teil des Briefes in meine Geschichte aufnehmen.

Bericht des seligen Petrus, Bischofs von Alexandrien, über die Vorgänge zu Alexandrien

„Der Prätor der Provinz Palladius, seiner Religion nach ein Heide, der sich vor den Götzenbildern beständig im Staube wälzte, hatte sich schon öfter mit dem Gedanken getragen, gegen Christus den Kampf zu eröffnen. Nun sammelte er die vorhin erwähnten Scharen und stürmte gegen die Kirche, als ob es gälte, Barbaren zu unterwerfen. Da geschah denn das Schlimmste! Ja schon die Erinnerung daran verursacht mir Schmerzen, und wenn ich jetzt diese Dinge nur diktieren will, so muß ich schon einen endlosen Strom von Tränen vergießen, und ich hätte dieses Leid lange zu tragen, wenn ich es nicht durch heilige Erwägungen zurückzudrängen vermöchte. Die Menge drang nämlich in die sogenannte Theonaskirche ein, und anstatt heiliger Worte ließen diese Leute Loblieder auf ihre Götzen erschallen, statt der Lesungen aus den heiligen Schriften unehrerbietiges Händeklatschen und weichliche, mit Schändlichkeiten gemischte Gespräche vernehmen und verübten gegen die Christo geweihten Jungfrauen Schandtaten, welche die Zunge auszusprechen sich sträubt; denn „schändlich ist es, sie auch nur zu nennen”. So verstopfte sich denn auch einer von den besser Gesinnten, als er diese Dinge nur hörte, die Ohren und hätte lieber taub werden wollen, als daß er ihre häßlichen Reden mitangehört hätte.

Aber wenn sie ihre Frevel doch auf bloße Worte beschränkt und die Zügellosigkeit ihrer Reden nicht durch ihre Taten noch übertroffen hätten! Denn leicht zu ertragen ist das Schmähwort, wie immer es auch beschaffen sein mag, für diejenigen, in welchen die Gesinnung Christi und die göttliche Lehre wohnt. Diese Menschen also, „Gefäße des Zornes, bereitet für den Untergang”, rümpften die Nasen, stießen durch ihre Nüstern einen unklaren, schmutzigen, langgezogenen und sozusagen wie aus einem Springquell kommenden Ton hervor, zerrissen den heiligen Jungfrauen Christi, denen die Tugendübung das Gepräge von heiligen Engeln aufgedrückt hat, ihre Gewänder, führten sie im Triumphe nackt, wie die Natur sie geschaffen, durch die ganze Stadt und trieben mit ihnen ein wüstes Spiel, so wie jeder wollte; kurz, was da geschah, war grausam und unerhört. Wenn aber jemand aus Mitleid mit den Jungfrauen diese Leute mit begütigenden Worten von ihrem Treiben abmahnen und abbringen wollte, kam er nicht ohne Verwundung davon. Noch mehr! Ach, welch schreckliche Dinge! Viele von den Jungfrauen erlitten gewaltsame körperliche Entehrung, viele wurden mit Keulen auf den Kopf geschlagen, bis sie entseelt liegen blieben. Und nicht einmal ihre Leichname ließ man der geweihten Erde übergeben. Daher sind viele Leichen von den weheklagenden Eltern bis auf den heutigen Tag noch nicht aufgefunden worden.

Doch wozu erzähle ich das verhältnismäßig Geringfügige neben dem noch Schrecklicheren? Warum halte ich mich bei diesen Dingen auf und gehe nicht eilig zu den wichtigeren über? Über dieses letztere werdet ihr, ich weiß es wohl, erstaunt sein und lange mit uns sprachlos dastehen und den Herrn bewundern, daß er in seiner Güte nicht alles von Grund aus vernichtet hat. Denn was, um mit der Heiligen Schrift zu sprechen, weder geschehen ist noch gehört wurde in den Tagen unserer Väter, das verübten diese Gottlosen sogar auf dem Altare. Denn wie auf der Bühne eines zuchtlosen Theaters haben sie einen jungen Menschen, der das männliche Geschlecht verleugnete und das weibliche zur Schau tragen wollte, der nämlich seine Augen mit schwarzer Schminke bestrichen und sein Gesicht mit rötlicher Farbe bemalt hatte, ähnlich wie ihre Götzenbilder gefärbt sind, in weiblicher Kleidung mitten auf dem Altare, auf den wir sonst den Heiligen Geist herabrufen, einen Tanz aufführen lassen, wobei er, im Kreise sich drehend, seine Hände dahin und dorthin bewegte, während sie selbst mit weit aufgerissenem Munde dazu lachten und unanständige Laute ausstießen. Ferner haben sie, indem sie das bereits Geschehene noch für mehr wohlanständig als für frevelhaft hielten, selbst das Folgende als ihrem zuchtlosen Treiben dienlich erachtet. Sie setzten nämlich einen aus ihrer Mitte, der in der Schamlosigkeit der berüchtigtste war und mit den Kleidern auch die Scham ausgezogen hatte, so wie ihn die Natur geschaffen hatte, auf den Thron der Kirche und begrüßten ihn als öffentlichen Lehrer der Schamlosigkeit gegen Christus. Statt göttlicher Lehren verkündigte er Unflätigkeiten, statt heiliger Worte sprach er unzüchtige Reden, statt der Frömmigkeit empfahl er Gottlosigkeit, statt der Enthaltsamkeit lehrte er, daß Buhlerei, Ehebruch, Knabenschändung, Diebstahl, Essen und Trinken zum Leben außer den anderen Dingen nützlich sei.

Unter diesen Umständen verließ ich die Kirche. Wie hätte ich es nicht tun sollen, wo die Soldaten eindrangen, wo das Volk zum Tumult mit Geld erkauft war, wo das Geld mit großer Freigebigkeit verteilt wurde und die heidnische Menge mit den größten Versprechungen arbeitete? Unter solchen Verhältnissen wurde natürlich auch unser Nachfolger eingeführt, ein gewisser Lucius, der sich Mühe gibt, die schlimme Tätigkeit eines Wolfes nachzuahmen, der den Episkopat wie eine weltliche Würde betrachtet und mit Gold erkauft hat, nicht aber durch eine Synode rechtgläubiger Bischöfe, nicht durch die Stimmen wirklicher Kleriker und nicht auf das Verlangen des Volkes hin aufgestellt wurde, so wie es die kirchlichen Gesetze vorschreiben. Im Gefolge dieses Mannes waren — mit einem ganz schlichten Einzug konnte er doch die Stadt nicht betreten — kein Bischof, kein Priester, kein Diakon, keine Volksscharen, keine Mönche, die vor ihm hergezogen wären und Hymnen aus der Heiligen Schrift gesungen hätten, sondern nur Euzoius, derselbe, der einst als Diakon unserer Stadt Alexandrien zugleich mit Arius auf der heiligen und großen Synode zu Nizäa abgesetzt wurde, nunmehr aber durch seine Vorstandschaft die Kirche von Antiochien verwüstet, und der Verwalter der kaiserlichen Hofkasse, der eine ungeheure Menge von Soldaten mit sich führte, ein Mann, bei jeder Gottlosigkeit stets hervorragend beteiligt, mit Namen Magnus. Dieser hatte zur Zeit des Julian die Kirche von Berytus, einer berühmten Stadt Phöniziens, in Brand gesteckt; unter der Regierung des Jovian seligen Angedenkens aber wurde er gezwungen, sie aus eigenen Mitteln wieder aufzubauen, und beinahe wäre er auch mit dem Tode bestraft worden, wenn er nicht auf vielfache Fürsprache hin vom Kaiser wäre begnadigt worden.

Aus dem Gesagten möge nun Euer Eifer, den ich zur Bestrafung des Geschehenen wachrufen möchte, ermessen, von welcher Art und Größe die Freveltaten gegen die Kirche Gottes waren, seitdem der vorhin erwähnte Tyrann sich gegen uns erhob. Denn zugleich mit ihm erhielt auch jener von Eurer gottesfürchtigen Gesinnung wie von den rechtgläubigen Bischöfen aller Orten oft verurteilte Lucius Gewalt über die Stadt, die ihm aus leicht begreiflichen Gründen feindselig gegenüberstand. Sagt er doch nicht allein gleich dem verrufenen Toren in den Psalmen: „Christus ist nicht wahrer Gott”, sondern er ist auch „durch seine Bestrebungen verdorben worden und hat andere verdorben”, indem er sich freut über die Lästerungen, die gegen den Erlöser von denen ausgestoßen werden, welche dem Geschöpfe anstatt des Schöpfers dienen. Warum sollte er es auch nicht tun, da der Unselige eine der heidnischen verwandte Gesinnung hat und kein Bedenken trägt, einen neuen Gott zu verehren? Haben ihm die Heiden doch offen ins Gesicht folgendes Lob gespendet: „Es ist schön, o Bischof, daß du gekommen bist, der du den Sohn nicht bekennst; Serapis hat dich liebend hieher geführt.” Sie meinten damit ihren von den Zeiten ihrer Väter her verehrten Götzen.

Sofort und ohne den geringsten Verzug sammelte der vorhin genannte Magnus, seinunzertrennlicher Genosse in der Gottlosigkeit, sein haßerfüllter Schildträger und höchst grausamer Satrap, die seiner Sorge unterstellten Scharen, ließ Priester und Diakonen, neunzehn an der Zahl, von denen einige das achtzigste Lebensjahr überschritten hatten, ergreifen, als wenn sie auf einem schändlichen und durch das römische Gesetz verbotenen Verbrechen betroffen worden wären, setzte ein öffentliches Gericht ein und wollte sie, unbekannt mit den christlichen Gesetzen zum Schutze der Tugend, zur Verleugnung des väterlichen, von den Aposteln durch die Väter uns überlieferten Glaubens zwingen, indem er versicherte, daß sich darüber auch der so gütige Kaiser Valens freuen werde. „Folget doch, ihr Unglückseligen,” so rief er mit lauter Stimme, „folget der Meinung der Arianer! Selbst wenn ihr die wahre Religion besitzen solltet, wird euch die Gottheit verzeihen, da ihr nicht freiwillig, sondern gezwungen so handelt. Denn was aus Zwang geschieht, kann verteidigt werden, was dagegen mit freier Selbstbestimmung begangen wird, das wird zur Verantwortung gezogen. Haltet euch daher solche Erwägungen vor Augen und kommet ohne Furcht und ohne Zögern, unterschreibet die Lehre des Arius, welche jetzt Lucius mit ihrem wahren Namen nennt und verkündet, und wisset wohl, daß ihr für den Fall der Nachgiebigkeit vom Kaiser Geld, Schätze und Ehren erlangen werdet; im Weigerungsfalle aber werdet ihr Gefängnis, Martern, Folter, Geißeln und Zwangswerkzeuge über euch ergehen lassen müssen, ihr werdet eueres Geldes und Besitzes beraubt, aus dem Vaterlande verwiesen und dazu verurteilt werden, in rauhen, unwirtlichen Gegenden zu wohnen.”

So wollte dieser edle Mann, indem er List und Drohungen mischte, sie alle zum Abfall vom wahren Glauben bringen und zwingen. Sie aber hielten den Verrat am Glauben für schlimmer als jegliche Marter, was ja auch richtig ist, und antworteten ihm auf sein Drängen mit folgenden Worten, indem sie mit Mut und männlicher Gesinnung List und Drohung verachteten: „Höre doch einmal auf, höre auf, mit solchen Reden uns erschrecken zu wollen; halte ein mit deinem unnützen Gerede! Wir verehren keinen neu aufgekommenen und eben erst erfundenen Gott. Auch wenn du schäumst in eitler Wut und auf uns losstürztest wie ein wilder Sturm, so werden wir doch bis zum Tode an den Lehrsätzen des wahren Glaubens festhalten. Wir denken uns Gott nicht einen Augenblick machtlos, nicht ohne die Weisheit, nicht ohne die Wahrheit, wir glauben nicht, daß er zu einer Zeit Vater ist, zu einer anderen Zeit nicht, wie dieser gottlose Arianer meint, wir glauben auch nicht, daß der Sohn nur ein zeitliches oder vorübergehendes Wesen ist. Denn wenn der Sohn ein Geschöpf ist, wie die Arianer meinen, und nicht zugleich mit dem Vater das Sein hat, so wird auch der Vater (erst mit der Zeit) in das Sein eintreten, da derselbe nach ihrer Ansicht zu der Zeit, wo der Sohn nicht existierte, auch nicht Vater war. Wenn aber der Vater immer Vater ist, so offenbar nur wegen der Existenz seines Sohnes, der wahrer Sohn und nicht durch Emanation aus ihm hervorgegangen ist; denn Gott ist leidensunfähig. Wie sollte nun derjenige nicht unvernünftig und wahnsinnig sein, der vom Sohne denkt: ‚es gab eine Zeit, wo er nicht war‘, vom Sohne, durch den alles aus Gnade ins Dasein gesetzt wurde? Unsere Väter wenigstens auf dem ganzen Erdenrund, von denen diese sich getrennt haben und darum folgerichtig vaterlos geworden sind, haben, in Nizäa versammelt, die falsche Lehre des Arius, welche jetzt dieser Neuerer verteidigt, verworfen, sie haben nicht, wie du uns jetzt zu sagen zwingen willst, den Sohn als vom Vater wesensverschieden bezeichnet, sondern bekannt, daß er aus dem Wesen desselben sei. So urteilten sie recht und mit frommgläubigem Sinn und nannten in ihrem Bekenntnis den Sohn auf Grund einer reichen Sammlung von Schriftstellen ‚wesensgleich‘.”

Da sie solches und ähnliches vorbrachten, hielt er sie viele Tage lang in Haft in der Meinung, er könne sie dadurch von ihrer rechtgläubigen Gesinnung abbringen. Doch diese legten im Gegenteil jede Schwäche ab, wie die tüchtigsten der Athleten in der Rennbahn, sie stärkten sich an den von den Vätern mit göttlicher Gesinnung vollbrachten Heldentaten, ihre rechtgläubige Überzeugung wurde immer entschiedener, die Folter erschien ihnen wie eine Übungsschule der Tugend. Als sie nun so kämpften und nach den Worten des seligen Apostels ein Schauspiel wurden für Engel und Menschen, eilte die ganze Stadt herbei und wollte die Streiter Christi sehen, welche durch ihre Standhaftigkeit die Martertätigkeit des folternden Richters überwanden, durch ihre Geduld Siegeszeichen über die Gottlosigkeit errichteten und glänzende Triumphe über die Arianer feierten, während doch dieser haßerfüllte Widersacher geglaubt hatte, sie durch Drohungen und List unterwerfen und den gottlosen Feinden Christi ausliefern zu können.

So wurde er endlich selbst überdrüssig der von ihm verhängten und durch mühsames Nachdenken ersonnenen Folterqualen, und während das ganze Volk auf die verschiedenste Weise unter Tränen weheklagte, sammelte der leidenschaftliche und jeder Menschlichkeit bare Mensch wieder die gewohnten Scharen zum Zwecke des Tumultes und berief jene (die oben genannten Kleriker) zum Gerichte oder besser gesagt zu einer ungerechten Verurteilung an den Meereshafen, wobei wie gewöhnlich von den Götzendienern und Juden ein mit viel Geld erkauftes Geschrei gegen sie ausgestoßen wurde. Und da sie der offenen Irrlehre der Arianer nicht zustimmen wollten, sprach er unter dem Weheklagen des gesamten vor dem Richterstuhl stehenden Volkes öffentlich das Urteil aus, daß sie, aus Alexandrien verbannt ihren Aufenthalt fortan zu Heliopolis in Phönizien zu nehmen hätten, woselbst keiner der Einwohner den Namen Christi auch nur anzuhören vermag; denn Götzendiener sind sie alle. Sofort sollten sie, so befahl er, ein Schiff besteigen, er selbst aber stand am Hafen, da er ganz in der Nähe, in dem öffentlichen Badehaus, das Urteil gegen sie gefällt hatte, und zeigte das entblößte Schwert in der Meinung, sie damit schrecken zu können, sie, die doch so oft mit dem zweischneidigen Schwerte die feindlichen Dämonen über und über mit Wunden bedeckt hatten. So also gebot er ihnen, abzusegeln, ohne daß sie Lebensmittel hätten mitnehmen können und ohne daß ihnen irgendeine Erquickung für ihre Verbannung gewährt worden wäre; und was wunderbar und unglaublich klingt: die Wogen des Meeres empörten sich und zeigten, wie ich glaube, ihren Unwillen darüber und wollten diese Männer sozusagen gar nicht übernehmen, um nicht auch teilzunehmen an dem ungerechten Befehle; so lieferten sie auch dem Nichteingeweihten den Beweis für die Grausamkeit des richterlichen Urteils.

Man kann demnach in Wahrheit sagen: „Der Himmel entsetzte sich darüber.” Denn es seufzte die ganze Stadt, und noch bis zur Gegenwart ist sie voll Jammer. Die einen schlugen sich abwechselnd mit beiden Händen auf die Brust, so daß der Schall davon weithin erdröhnte, die anderen erhoben Hände und Augen zugleich zum Himmel und riefen ihn als Zeugen der Gewalttätigkeit an, die sie erlitten, und beinahe hätten sie gerufen: „Höre es, o Himmel, und vernimm es, o Erd”, daß wider alles Recht ist, was da geschieht. Und überhaupt alles war von Jammer erfüllt, Klagelieder erschollen durch die ganze Stadt hin, und ein Strom von Tränen, der mit seiner Flut beinahe das Meer bedeckte, stürzte plötzlich aus aller Augen. Als dann der vorhin genannte Mensch, am Meereshafen stehend, den Ruderern befahl, die Segel zu spannen, da vermischte sich das Weheklagen der Frauen und Jungfrauen mit dem der Kinder und Greise, mit den Jammerrufen verbanden sich bittere Tränen, und das allgemeine Geschrei übertönte das mit den Wogen andrängende Getöse des schäumenden Meeres.

Als dann die vorhin Genannten nach Heliopolis absegelten, wo jeder ein Götzendiener ist, wo die teuflischen Gewerbe der sinnlichen Lust im Schwange sind, wo grausige Schlupfwinkel wilder Tiere sich finden, weil ringsum Berge sich erheben, die bis zum Himmel emporragen, da wurde den Übrigen, die mitten in der Stadt gemeinsam und jeder für sich jammerten und Klagerufe ausstießen, nicht einmal mehr zu weinen erlaubt auf Befehl des Stadtpräfekten Palladius, der selbst der ärgste Götzendiener war. Denn viele von den Weinenden wurden ergriffen und zunächst in den Kerker geworfen, dann mißhandelt, geschlagen, gefoltert und endlich in die phennensischen und prokonensischen Bergwerke geschickt, und zwar Männer, die für die Kirche mit göttlichem Eifer stritten. Die meisten von ihnen waren Mönche, welche in der Wüste wohnten und ein aszetisches Leben führten. Ihnen, dreiundzwanzig an der Zahl, wurde kurz nachher der Diakon zugesellt, der uns von unserem vielgeliebten Damasus, dem Bischof von Rom, zugleich Trost- und Gemeinschaftsbriefe überbracht hatte. Beide Hände auf den Rücken gebunden, wurde er von den Schergen wie ein verrufener Missetäter öffentlich abgeführt. Nachdem er ärger wie ein Mörder gefoltert und längere Zeit mit Steinen und Bleikugeln auf den bloßen Nacken geschlagen worden war, machte er das Zeichen des heiligen Kreuzes auf seine Stirne, bestieg gleich den übrigen ein Seeschiff ohne alle Pflege, ohne alle Bedienung und wurde in die phennensischen Bergwerke abgeliefert. Es sind dieses Erzbergwerke.

Als ferner der Richter zarte Körper von kleinen Kindern foltern ließ, blieben einige davon auf der Stelle tot liegen und wurden nicht einmal der geweihten Erde teilhaftig, obschon Eltern, Geschwister, Verwandte und sozusagen die ganze Stadt baten, es möchte ihnen doch einzig und allein dieser letzte Trost gewährt werden. Doch o der grausamen Unmenschlichkeit des Richters oder besser des Verurteilers! Diejenigen, die für den wahren Glauben gekämpft hatten, wurden nicht einmal den Mördern gleichgestellt, da ihre Leichname unbeerdigt blieben; die tapfer gekämpft hatten, wurden wilden Tieren und Vögeln zum Fraß hingeworfen; die den Vätern (der unglücklichen Kinder) um des Gewissens willen ihr Mitleid aussprechen wollten, wurden wie Gesetzesübertreter enthauptet. Welches römische Gesetz, welche Barbarensitte hat je das Mitleid mit den Vätern unter Strafe gestellt? Wo hat je einer von den Alten so etwas Gesetzwidriges getan? Es befahl einst Pharao, die (neugeborenen) Knaben der Hebräer zu töten; aber Neid und Furcht hatten ihm dieses Gebot eingegeben. Um wie vieles waren also die damaligen Anordnungen menschlicher als die gegenwärtigen? Um wie vieles wünschenswerter, wenn man zwischen den beiden Ungerechtigkeiten zu wählen hätte? Um wie vieles besser, wenn man die eine Freveltat mit der anderen vergleichen wollte? Selbst dann noch, wenn die schlechten Handlungen voneinander nicht verschieden sein sollten? Unglaublich ist das, was wir sagen, unmenschlich und schrecklich, grausam und barbarisch, mitleidslos und voll Gehässigkeit. Die Diener des arianischen Wahnsinns aber überließen sich unterdessen der ausgelassensten Freude und dem Tanze.

Obschon die ganze Stadt wehklagte — denn „es gab kein Haus, in dem nicht ein Verstorbener lag”, wie im Buche Exodus geschrieben steht —, konnten sie sich doch nicht ruhig verhalten, da sie einen unersättlichen Hang zu gesetzwidrigem Handeln in sich groß gezogen hatten. Sie lenkten ihren Willen immer auf das Schlechtere und ergossen das Gift ihrer Bosheit bis zu den Bischöfen der Provinz, benützten als Stütze und Schirm zu ihren Ungerechtigkeiten den Verwalter der kaiserlichen Kasse, den oben genannten Magnus, und übergaben die einen dem Gerichte, verfolgten die anderen auf hinterlistige und willkürliche Weise und suchten allenthalben alle zur Gottlosigkeit zu verleiten. Dabei ließen sie nichts unversucht, sondern gleich dem eigentlichen Vater der Häresie, dem Teufel, gingen sie überall umher und suchten, wen sie verschlingen könnten. Im ganzen haben sie so, bei allen zurückgewiesen, von den ägyptischen Bischöfen elf an der Zahl, Männer, die von der Kindheit an bis zum Greisenalter um der Abtötung willen die Wüste bewohnt, die die sinnlichen Gelüste durch Wort und Tat zur Unterwürfigkeit gezwungen, die ohne Scheu den wahren Glauben gepredigt und die rechtgläubigen Lehren mit der Muttermilch eingesogen, die oftmals über die Dämonen den Sieg davongetragen und durch ihre Tugend den Widersacher in Schrecken versetzt, die endlich die arianische Häresie durch ihre äußerst verständigen Reden gebrandmarkt hatten: solche Männer haben sie mit Hilfe des vorerwähnten Genossen ihrer Grausamkeit in eine von den christusmörderischen Juden bewohnte Stadt, mit Namen Diocäsarea, in die Verbannung geschickt. Ja nach alledem haben sie, ebensowenig wie die Unterwelt gesättigt von dem Tode ihrer Brüder, in ihrem Wahnsinn und ihrer Torheit überall auf der Erde Denkmale ihrer Grausamkeit zurücklassen wollen, um mit ihren Missetaten sich einen Namen zu machen. So haben sie ein anderesmal bewirkt, daß Kleriker der katholischen Kirche, die zu Antiochia weilten, zugleich mit eifrigen Mönchen, die sich vorgenommen hatten, ihre Greueltaten zur Anzeige zu bringen, nach Neucäsarea im Pontus verbannt wurden, indem sie das Ohr des Kaisers gegen dieselben einnahmen. Diese haben dann in kurzer Zeit dort selbst infolge der Rauheit der Gegend auch ihr Leben eingebüßt.”

Solch traurige Ereignisse mußte jene Zeit erleben, Ereignisse, die verdienten, verschwiegen und vergessen zu werden, die aber aufgezeichnet sind zur Beschämung derjenigen, welche ihre Zungen gegen den Eingeborenen in Bewegung setzten. Diese Menschen haben die Wut der Gottlosigkeit in sich aufgenommen und unterfangen sich nicht nur gegen den Herrn der Welt zu kämpfen, sondern haben auch gegen seine frommen Diener einen unversöhnlichen Krieg eröffnet.

Die Weihe des Mönches Moses

In jener Zeit plünderten die Stämme der Ismaeliten die benachbarten Gebiete des römischen Reiches. Ihre Fürstin war Mavia, welche nicht auf ihr Geschlecht sah, sondern eine männliche Gesinnung an den Tag legte. Nach vielen Kämpfen schloß sie Frieden, nahm sodann das Licht der Gotteserkenntnis an und bat, daß für ihr Volk ein Bischof aufgestellt werde in der Person eines gewissen Moses, der auf dem Grenzgebiete zwischen Ägypten und Palästina sich aufhielt. Valens nahm diese Bitte wohlwollend auf und befahl, den heiligen Mann nach Alexandrien zu geleiten, auf daß er dort die hohepriesterliche Weihe empfange. Diese Stadt war nämlich die nächstgelegene. Als dieser aber daselbst ankam und merkte, daß Lucius ihm die Hand auflegen wollte, sprach er: „Das sei ferne von mir, daß ich von deiner Hand mich weihen lasse; denn auf deine Anrufung hin wird die Gnade des Heiligen Geistes nicht herabkommen.” Da entgegnete ihm Lucius: „Woher vermutest du denn das, was du da sagst?” Jener aber erwiderte: „Das vermute ich nicht, das weiß ich bestimmt. Denn du kämpfst gegen die apostolischen Lehren und trägst entgegengesetzte Meinungen vor, und mit den gotteslästerlichen Reden gehen Hand in Hand die ungerechten Werke. Denn wo wäre ein Gottloser, der nicht durch dich veranlaßt worden wäre, die kirchlichen Versammlungen zu höhnen? Wo ein lobenswürdiger Mann, der nicht durch dich in die Verbannung geschickt worden wäre? Wo eine barbarische Roheit, die nicht von deinen täglichen Freveltaten in Schatten gestellt würde?” Solches sprach er mit kühnem Freimut, jener aber hörte es mit mordgieriger Wut. Allein obschon ihn Mordlust beherrschte, fürchtete er doch, den eben beendigten Krieg von neuem zu entflammen. So befahl er denn, ihn zu anderen Bischöfen zu führen, zu denen, die er verlangte. Mit solch bewunderungswürdigem Glaubensmut empfing also dieser die hohepriesterliche Weihe. Darauf zog er zu denen hin, die nach ihm verlangt hatten, und führte sie durch apostolische Unterweisung und Wunderwerke zur Wahrheit.

Solche Freveltaten wurden also in Alexandrien von Lucius verübt und von der göttlichen Vorsehung ihren Plänen gemäß zugelassen.

Die Verfolgung in Konstantinopel

In Konstantinopel füllten die Mitglieder der gottlosen Sekte ein Schiff mit rechtgläubigen Priestern und ließen es ohne Ballast auf die hohe See hinaustreiben; sodann setzten sie einige ihrer Gesinnungsgenossen in ein anderes Fahrzeug und gaben ihnen die Weisung, an das Schiff mit den Priestern Feuer anzulegen. Dies geschah denn auch, und kämpfend mit dem Feuer und dem Meere wurden jene schließlich in den Abgrund hinabgezogen und so der Krone des Martyriums teilhaftig.

Sammlung der Rechtgläubigen zu Antiochien durch Flavian und Diodor

In Antiochien, wo Valens weitaus die meiste Zeit sich aufhielt, gewährte er allen Freiheit, den Heiden, Juden und allen denen, welche zwar den christlichen Namen führen, aber das Gegenteil von dem predigen, was die Evangelien lehren. Die Diener des Irrtums begingen ihre heidnischen Feste, und Valens gestattete, daß der nach Julians Tod von Jovian unterdrückte Irrtum wieder aufblühte; die Orgien des Zeus, des Dionysos und der Demeter feierten sie nicht im Verborgenen wie unter einer rechtgläubigen Regierung, sondern sie führten ihre bacchantischen Züge mitten über den Marktplatz. Nur allein den Verkündigern der apostolischen Lehre war er feindselig gesinnt. Zuerst vertrieb er sie aus den heiligen Stätten; der allgepriesene Jovian hatte ihnen nämlich auch die neugebaute Kirche übergeben. Als sie darauf am Fuße des Berges sich versammelten, um den Herrn mit Lobliedern zu preisen und an den heiligen Schriften sich zu erquicken, wobei sie die widrigen Einflüsse der Witterung, jetzt Regen, Schnee und Kälte, dann wieder die brennendste Hitze zu ertragen hatten, da gestattete er ihnen nicht einmal, dieses mühevollen geistlichen Trostes sich zu erfreuen, sondern schickte Soldaten und ließ sie auseinander treiben.

Aber Flavian und Diodor brachen wie eine Schutzwehr die anstürmenden Wogen. Da nämlich ihr Hirte Meletius gezwungen war, in der Ferne zu weilen, übernahmen diese die Sorge für die Herde, stellten den Wölfen ihre männliche Kraft und Klugheit entgegen und ließen den Schafen die passende Pflege angedeihen. Aus dem Gelände am Fuße des Berges vertrieben, weideten sie die Schafe am Ufer des nahen Flusses. Denn sie konnten sich nicht dazu verstehen, wie die Gefangenen in Babylon ihre Harfen an die Weiden zu hängen, sondern sie lobten ihren Schöpfer und Wohltäter „an jedem Orte seiner Herrschaft”. Aber nicht einmal an diesem Orte konnte der Feind die Zusammenkunft der Rechtgläubigen ertragen, der Feind, der allein diejenigen verfolgte, welche den Herrn Christus als Gott verehrten. Neuerdings sammelten nun jene beiden bewunderungswürdigen priesterlichen Hirten die Schafe Gottes auf dem militärischen Übungsplatz und reichten ihnen da die geistige Nahrung. Diodorus, dieser so weise und mutige Mann, glich einem klaren und mächtigen Strome, der den Seinigen kühlenden Trank lieferte, die Lästerungen der Gegner dagegen hinwegschwemmte. Dabei nahm er keine Rücksicht auf den Ruhm seines Geschlechtes, sondern ertrug die Drangsale für den Glauben mit freudigem Herzen. Auch der edle Flavian stammte aus vornehmem Geschlechte, hielt aber nur Frömmigkeit und Rechtgläubigkeit für echten Adel und bildete gleich einem Lehrer der Ringkunst den großen Diodor sozusagen zu einem in allen Kämpfen gewandten Athleten aus. In jener Zeit predigte er nämlich nicht selbst in den kirchlichen Versammlungen, gab aber denen, die dieses taten, eine reiche Fülle von Gedanken und Schriftstellen an die Hand, so daß also diese gegen die Lästerungen des Arius den Bogen spannten, jener aber hiezu aus seinem Geiste wie aus einem Köcher die Pfeile lieferte. Zu Hause allerdings und auch in der Öffentlichkeit disputierte er und zerriß dann mit Leichtigkeit die Netze der Häretiker und erwies ihre Einwürfe als Spinnengewebe.

Der heilige Mönch Aphraates

Mit diesen beiden kämpfte auch der berühmte Aphraates, dessen Lebensweise wir in unserer Mönchsgeschichte beschrieben haben. Er schätzte nämlich das Heil der Schafe höher als die Ruhe, verließ seine Mönchszelle und unterzog sich der mühevollen Arbeit eines Hirten. Welchen Reichtum an Tugenden dieser sich gesammelt, das hier zu sagen halte ich für überflüssig, da ich es in einem anderen Werke beschrieben habe. Nur eine seiner Taten will ich erwähnen, die zu dieser Geschichte vorzüglich paßt.

Im Norden fließt der Orontes an der kaiserlichen Burg vorbei, auf der Mittagsseite ist eine sehr große Halle mit doppeltem Dach und hohen Türmen auf beiden Seiten an die Stadtmauer angebaut. Zwischen der kaiserlichen Burg und dem Flusse zieht sich die Heerstraße hin, welche die auf dieser Seite durch die Tore aus der Stadt Kommenden aufnimmt und zu den vor der Stadt gelegenen Ländereien führt. Auf diesem Wege ging nun der gotterfüllte Aphraates vorüber zu dem militärischen Übungsplatz, um den Schafen Gottes die ihnen zukommende Pflege zu widmen. Da erblickte ihn der Kaiser, der oben von der kaiserlichen Halle herabschaute, wie er in einen zottigen Mantel gehüllt und für sein hohes Alter immer noch rüstig einherschritt. Als nun jemand sagte, daß dieses Aphraates sei, dem die ganze städtische Bevölkerung in Verehrung zugetan sei, sprach er zu ihm: „Sag‘ einmal, wo gehst du hin?” Dieser antwortete ebenso weise wie passend: „Ich gehe, um für deine Herrschaft zu beten.” „Aber du solltest doch zu Hause bleiben”, entgegnete der Kaiser, „und dort nach Mönchssitte beten.” Jener göttliche Mann erwiderte: „Du hast ganz recht, o Kaiser, das sollte ich tun, und ich habe das bis jetzt auch immer getan, so lange die Schafe des Erlösers sich des Friedens erfreuten. Nachdem sie aber von schweren Stürmen heimgesucht sind und große Gefahr besteht, daß sie die Beute wilder Tiere werden, muß man jegliches Mittel anwenden, um die Schafe zu retten. Denn sage mir, o Kaiser,” fuhr er fort, „wenn ich ein Mädchen wäre und drinnen im Gemache säße und Wolle zu spinnen hätte und ich sähe dann Feuer ausbrechen und mein väterliches Haus ergreifen, sage mir, was müßte ich da wohl tun? Drinnen sitzen bleiben und ruhig zusehen, wie das Haus verbrennt und warten, bis die Flammen auch an mich herankommen oder dem Frauengemach Lebewohl sagen und hin und her laufen und Wasser tragen und die Flamme löschen? Doch offenbar das letztere, wirst du sagen. Das wäre die Aufgabe einer besonnenen und verständigen Jungfrau. Das tue ich nun auch, o Kaiser. Nachdem du in unser Vaterhaus den Feuerbrand geschleudert hast, laufen wir umher und versuchen ihn zu löschen.” So sprach Aphraates, der Kaiser aber hüllte sich in drohendes Schweigen. Einer von den Kammerdienern jedoch, der sich frechere Drohungen gegen den heiligen Mann erlaubte, erlitt dafür folgende Strafe.

Mit der Sorge für das Bad betraut, ging er sofort nach diesem Gespräch hinab, um für den Kaiser das Bad zu bereiten. Aber kaum war er in den Baderaum eingetreten, ward er vom Irrsinn befallen, sprang in das ganz heiße, ungemischte Wasser hinein und fand so den Tod. Inzwischen saß der Kaiser draußen und wartete darauf, daß derselbe ihm den Eintritt ankündige. Als bereits eine geraume Zeit verstrichen war, sandte der Kaiser andere Diener ab, welche ihm die Ursache der Zögerung melden sollten. Diese gingen hinein, schauten sich nach allen Seiten um und fanden ihn endlich tot und entseelt in dem ungemischten heißen Wasser. Dieses wurde dem Kaiser berichtet, und nun erkannten sie die Kraft der Gebete des Aphraates. Gleichwohl standen sie von ihren gottlosen Lehren nicht ab, sondern verhärteten wie Pharao ihre Herzen; und obwohl der unsinnige Kaiser die Wundertätigkeit des Heiligen kannte, fuhr er doch fort, gegen den wahren Glauben zu kämpfen.

Der heilige Mönch Julianus

Um dieselbe Zeit sah sich auch jener vielgepriesene Julian, dessen ich schon früher Erwähnung getan, gezwungen, die Wüste zu verlassen und nach Antiochien zu kommen. Da nämlich jene Menschen, welche mit der Lüge aufgewachsen waren und mit großer Leichtigkeit Verleumdungen ersannen, ich meine die arianisch Gesinnten, von jenem großen Manne hartnäckig behaupteten, daß er zu ihrer Partei gehöre, so sandten die Leuchten der Wahrheit, Flavian, Diodor und Aphraates, einen Mann von heldenmütiger Tugend, jenen Acacius, der später mit hervorragender Klugheit die Kirche von Beröa leitete, zu jenem allberühmten Manne mit der Bitte, er möge sich doch so vieler Tausender von Menschen erbarmen, die von den Gegnern verbreiteten Lügen widerlegen und die Predigt der Wahrheit bestätigen. Was nun dieser Mann auf der Reise hin und zurück und in der so großen Stadt selbst an Wundern alles gewirkt hat, das haben wir im Philotheus zusammengestellt, den jeder leicht einsehen kann, der sich über die Sache genauer unterrichten will. Daß er aber die ganze Bevölkerung der Stadt in unsere Versammlungen hineinzog, das wird, glaube ich, niemand bezweifeln, der die menschliche Natur in Betracht zieht. Denn das Außerordentliche pflegt gemeiniglich alle Menschen anzuziehen. Daß er aber auch große Wunder wirkte, bezeugen selbst die Feinde der Wahrheit.

Das nämliche hatte auch in Alexandrien vor dieser Zeit unter der Regierung des Konstantins der berühmte und ausgezeichnete Antonius getan. Er verließ die Wüste und durchzog jene ganze Stadt und klärte alle darüber auf, daß Athanasius der Herold der apostolischen Lehre, die Anhänger des Arius dagegen Feinde der Wahrheit seien. So wußten jene göttlichen Männer ihr Verhalten nutzbringend den jeweiligen Zeitverhältnissen anzupassen, sie wußten, wann man der Ruhe pflegen, aber auch wann man die Städte der Wüste vorziehen müsse.

Andere ausgezeichnete Mönche dieser Zeit

Es gab aber in jener Zeit auch noch andere Männer, welche im Glanze der mönchischen Philosophie strahlten: in der chalcidischen Wüste Avitus, Marcian und Abraham und dazu unzählige andere, welche in einem der Leidenschaft unterworfenen Körper nach einem leidenschaftslosen Leben strebten; in der Gegend von Apamea Agapet, Simeon und Paulus; bei Zeugma Publius, Paulus und andere, die sich auf die höchste Philosophie verlegten; bei Cyrus der berühmte Akepsemas, der sich in eine kleine Zelle einschloß und sechzig Jahre lang dieses Leben führte, ohne sich sehen zu lassen und ohne mit jemand zu sprechen; ferner der bewunderungswürdige Zeugmatius, der, obwohl des Augenlichtes beraubt, umherging, die Schafe zu stärken und gegen die Wölfe zu kämpfen, weshalb man ihm auch seine Mönchszelle verbrannte; der glaubensfreudige Feldherr Trajanus baute ihm jedoch dafür eine andere und ließ ihm auch sonst alle Pflege angedeihen. In Antiochien lebten Marianus, Eusebius, Ammianus, Palladius, Symeon und Abraham und dazu noch andere, welche das göttliche Ebenbild unversehrt bewahrten. Wir haben sowohl von den einen wie von den anderen Lebensbeschreibungen geliefert. Ja selbst das Gebirge, das in der Nähe der so großen Stadt sich erhebt, war mit einem Blumengarten geschmückt: dort glänzte Petrus aus Galatien, dessen Namensgenosse aus Ägypten, ferner Romanus, Severus, Zeno, Moses, Malchus und sehr viele andere, die der Menge unbekannt, Gott aber wohl bekannt sind.

Didymus von Alexandrien und Ephräm der Syrer

In dieser Zeit ragten in Edessa der berühmte Ephräm und in Alexandrien Didymus hervor, welche beide gegen die wahrheitsfeindlichen Lehren Schriften verfaßt haben. Dabei bediente sich der erstere der syrischen Sprache und strahlte im Glanze der Geistesgnade; denn obschon er keine heidnische Bildung erhalten hatte, widerlegte er doch siegreich die mannigfachen Irrtümer der Heiden und deckte die Schwäche jeder häretischen Arglist auf. Und da Harmonius, der Sohn des Bardesanes, vor Zeiten eine Reihe von Liedern verfaßt und deren gottlosen Inhalt mit anmutigen Melodien verbunden und damit das lauschende Volk bezaubert hatte, so entlehnte er von demselben die Melodie des Liedes, legte ihr aber einen rechtgläubigen Text unter und verschaffte so den Zuhörern ein sehr angenehmes und zugleich Nutzen bringendes Heilmittel. Diese Gesänge verleihen auch jetzt noch den Festen der siegreichen Martyrer einen besonderen Reiz.

Didymus war von Kindheit an des Gesichtssinnes beraubt, hatte aber in der Poetik und Rhetorik Unterricht erhalten und die Arithmetik, Geometrie, Astronomie, die Syllogismen des Aristoteles und die schöne Sprache des Plato sich angeeignet, nicht als ob sie Wahrheit lehrten, sondern weil sie Waffen der Wahrheit sind zur Bekämpfung der Lüge. Aber auch die Heilige Schrift kannte er gar wohl, und zwar nicht nur die Worte, sondern auch den Sinn derselben. — Unter den Aszeten und entschiedenen Freunden der Tugend ragten also die genannten Männer in jener Zeit besonders hervor.

Ausgezeichnete Bischöfe dieser Zeit in Asien und Pontus

Unter den Bischöfen aber taten sich hervor die beiden Gregore, der eine von Nazianz, der andere von Nyssa, dieser ein Bruder, jener Stubengenosse und Gehilfe des großen Basilius. Diese also waren in Kappadozien die hervorragendsten Verfechter des wahren Glaubens. Mit ihnen kämpfte Petrus, der von denselben Eltern abstammte wie Basilius und Gregor (von Nyssa), aber an der profanwissenschaftlichen Ausbildung derselben nicht teilgenommen hatte; doch glänzte auch er durch ein tugendhaftes Leben. In Pisidien war es Optimus, in Lykaonien Amphilochius, welche mutig für den von den Vorfahren ererbten Glauben eintraten und die feindlichen Angriffe zurückwiesen. Im Abendlande schleuderten Damasus, Bischof von Rom, und Ambrosius, der mit der Leitung von Mailand betraut war, ihre Geschosse selbst gegen ferne Feinde, und mit ihnen suchten die bis an die Grenzen des Erdkreises Verbannten durch Briefe ihre Glaubensgenossen zu stärken, ihre Gegner aber zu vernichten. Denn der Lenker des Weltalls schenkte uns Steuermänner, welche der Größe des Sturmes gewachsen waren, stellte der Heftigkeit der Kämpfe die Tapferkeit unserer Führer entgegen und spendete der Ungunst der Zeit entsprechende, die Übel abwehrende Heilmittel.

Schreiben des Valens an den großen Valentinian wegen des Krieges und gläubiges Antwortschreiben des letzteren

Der menschenfreundliche Herr widmete jedoch den Kirchen nicht nur diese Fürsorge, sondern ließ ihnen auch noch eine andere Hilfe angedeihen. Er veranlaßte nämlich das Volk der Gothen zum Krieg und zog dadurch den Mann, der nur gegen die Rechtgläubigen Krieg zu führen gelernt hatte, an den Bosporus. Da erkannte nun der törichte Mensch seine Schwäche, sandte an seinen Bruder und bat ihn um ein Heer. Dieser aber antwortete ihm, es sei nicht recht, einem Manne zu helfen, der gegen Gott Krieg führe, es sei vielmehr recht und billig, wenn seiner Verwegenheit ein Ende bereitet werde. Diese Antwort erfüllte jenen Feigling mit noch größerem Kummer; dennoch ließ er von seinem Trotze nicht ab, sondern fuhr fort, gegen die Wahrheit zu kämpfen.

Die rechtgläubige Gesinnung des Comes Terentius

Es kam nämlich Terentius nach einem siegreichen Feldzug aus Armenien zurück. Er war ein sehr tüchtiger Feldherr und ausgezeichnet durch rechtgläubige Gesinnung. Valens forderte ihn auf, sich eine Gnade zu erbitten; er nannte nun eine Gabe, wie sie sich ziemte für einen in frommer Rechtgläubigkeit aufgewachsenen Mann. Er verlangte nicht Gold oder Silber, kein Landgut, kein Amt, kein Haus, sondern nur dieses, daß eine einzige Kirche den Verteidigern der apostolischen Lehre eingeräumt werde. Als nun der Kaiser die Bittschrift entgegennahm und ihren Inhalt las, ärgerte er sich darüber, zerriß sie und befahl ihm, etwas anderes zu begehren. Dieser aber sammelte die Stücke der Bittschrift und sprach: „Ich habe, o Kaiser, mein Geschenk bereits empfangen und behalte es und werde um kein anderes mehr bitten. Denn über meine Absicht richtet der Richter des Weltalls.”

Die Freimütigkeit des Feldherrn Trajanus

Als Valens den Bosporus überschritten hatte und in Thrazien angelangt war, verweilte er zunächst sehr lange Zeit in Konstantinopel aus Furcht vor dem Kriege. Er schickte aber den Feldherrn Trajanus mit dem Heere gegen die Barbaren. Als dieser besiegt zurückkehrte, machte ihm Valens heftige Vorwürfe und beschuldigte ihn der Weichlichkeit und Feigheit. Dieser erwiderte ihm aber mit einer Freimütigkeit, wie sie sich für einen aufrechten Mann geziemt: „Nicht ich bin besiegt worden, o Kaiser, sondern du hast den Sieg preisgegeben, da du gegen Gott kämpfst und dadurch seine Hilfe den Barbaren zuwendest; denn von dir bekriegt, stellt er sich auf die Seite jener. Wo aber Gott ist, dahin wendet sich der Sieg; er wird denen zuteil, die unter Gottes Führung streiten. Oder weißt du nicht mehr,” so fügte er hinzu, „welche Männer du von ihren Kirchen vertrieben und welch anderen Männern du diese Kirchen ausgeliefert hast?” Zu derselben Überzeugung bekannten sich auch die beiden Feldherrn Arintheus und Viktor, und sie baten zugleich den Kaiser, er möge Vorstellungen, die der Wahrheit entsprechen, nicht ungnädig aufnehmen.

Der Mönch Isaak in Konstantinopel

Auch Isaak, der daselbst eine Mönchszelle hatte, soll dem Kaiser, als er ihn mit seinem Heere ausziehen sah, mit lauter Stimme zugerufen haben: „Wohin gehst du, o Kaiser, der du gegen Gott zu Felde ziehst und an ihm keine Hilfe hast? Denn er selbst hat die Barbaren gegen dich in Bewegung gesetzt, nachdem auch du gegen ihn viele Zungen zur Lästerung aufgereizt und die ihm Lob Singenden aus den gottesdienstlichen Gebäuden vertrieben hast. Höre also auf, gegen Gott Krieg zu führen, so wird auch er dem Krieg ein Ende machen. Gib den Herden ihre besten Hirten zurück, und du wirst ohne Mühe den Sieg erlangen. Wenn du aber in den Kampf ziehen willst, ohne diese Mahnungen befolgt zu haben, dann wirst du durch die Erfahrung lernen, wie schwer es ist, gegen den Stachel auszuschlagen. Denn du wirst nicht mehr zurückkehren und dazu auch noch das Heer verlieren.” Erzürnt entgegnete darauf der Kaiser: „Ich werde zurückkehren und werde dich töten und so für deine lügnerische Prophezeiung strafen.” Doch dieser fürchtete die Drohung nicht im mindesten, sondern rief mit lauter Stimme: „Töte mich, wenn meine Worte sich als Lüge erweisen sollten!”

Das freimütige Auftreten des scythischen Bischofs Betranio

Auch Betranio, ein Mann, strahlend im Glanze jeglicher Tugend, der mit der hohepriesterlichen Leitung der Städte von ganz Scythien betraut war, ward von Feuereifer entflammt, rügte die Glaubensverderbnis und das gesetzwidrige Verfahren des Valens gegen die Heiligen und sprach mit dem gottbegeisterten David: „Ich rede nach deinen Zeugnissen vor Königen und schäme mich nicht.”

Feldzug des Valens gegen die Gothen und Strafe für seine Gottlosigkeit

Valens aber verachtete diese vortrefflichen Ratgeber und schickte sein Heer in die Schlacht vor, während er selbst in einem Dorfe zurückblieb, dort den Sieg erwartend. Allein die Soldaten konnten dem Anprall der Barbaren nicht standhalten, wandten sich zur Flucht, wurden verfolgt und niedergemacht; während die einen schleunigst flohen, setzten ihnen die anderen im Sturme nach. Als die Barbaren jenes Dorf erreichten, wo Valens auf die Kunde von der Niederlage hin ein Versteck gesucht hatte, legten sie Feuer an und verbrannten mit dem Dorfe auch den Feind der frommen Rechtgläubigkeit. So büßte also jener schon in diesem Leben für seine Frevel.

Ursprung des Arianismus bei den Gothen

Ich halte es für angezeigt, denjenigen, welche es nicht wissen, noch mitzuteilen, wie diese Barbaren von der Krankheit des Arianismus angesteckt worden sind. Als sie nach Überschreiten der Donau mit Valens über einen Friedensvertrag verhandelten, da war der unglückselige Eudoxius zugegen und riet dem Kaiser, die Gothen dahin zu bringen, daß sie in kirchliche Gemeinschaft mit ihm treten; sie hatten nämlich schon vor längerer Zeit das Licht der Gotteserkenntnis in sich aufgenommen und nährten sich von der Lehre der Apostel. Die Gleichheit der religiösen Überzeugung, sagte er, werde den Frieden noch dauerhafter machen. Valens billigte diese Meinung und schlug den Führern der Gothen Glaubensgemeinschaft vor. Diese erwiderten jedoch, sie könnten es nicht über sich bringen, den Glauben ihrer Väter zu verlassen. Nun war aber zu jener Zeit ihr Bischof Ulphilas, ein Mann, dem sie volles Vertrauen schenkten und dessen Worte sie wie ein unabänderliches Gesetz betrachteten. Diesen wußte nun Eudoxius durch Worte zu gewinnen und durch Geldgeschenke zu ködern und brachte ihn so dahin, daß er die Barbaren überredete, mit dem Kaiser in Gemeinschaft zu treten. Er überredete sie aber dadurch, daß er ihnen vorstellte, der Streit verdanke seinen Ursprung nur dem Ehrgeize, in den Dogmen dagegen sei kein Unterschied. Daher halten die Gothen bis auf den heutigen Tag den Vater für größer als den Sohn; ein Geschöpf aber wollen sie den Sohn nicht nennen, obschon sie mit denen, welche ihn so nennen, Kirchengemeinschaft halten. Sie haben also doch die von den Vätern ererbte Lehre nicht ganz aufgegeben. Denn da Ulphilas sie überredete, mit Eudoxius und Valens in Gemeinschaft zu treten, erklärte er, es sei kein Unterschied im Dogma, sondern allein grundlose Streitsucht habe die Spaltung hervorgerufen.

Fünftes Buch [378—428]

Die Rechtgläubigkeit des Kaisers Gratian

Wie Gott der Herr diejenigen, welche gegen ihn kämpfen, sehr lange erträgt und wie er diejenigen züchtigt, welche seine Langmut mißbrauchen, das zeigen uns deutlich die Taten und Schicksale des Valens. Der menschenfreundliche Gott gebraucht nämlich seine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit wie die Gewichte an einer Wage. Wenn er sieht, daß jemand durch die Größe seiner Frevel das Maß seiner Güte überschreitet, dann hindert er durch gerechte Strafe das weitere Fortschreiten desselben (auf dem Wege der Sünde).

Gratian, der Sohn des Valentinian und Neffe des Valens, übernahm jetzt die Regierung des ganzen römischen Reiches. Denn schon früher, nach dem Tode seines Vaters, hatte er die Herrschaft über Europa erlangt, ja bereits zu dessen Lebzeiten hatte er an der kaiserlichen Regierung teilgenommen. Dazu erhielt er jetzt, da Valens kinderlos gestorben war, noch Asien und den übrigen Teil von Libyen.

Die Rückkehr der Bischöfe

Sofort legte er nun seine rechtgläubige Gesinnung ganz deutlich an den Tag, indem er die Erstlinge seiner Regierungstätigkeit dem König der Welt als Opfergabe widmete. Er erließ nämlich ein Gesetz, daß die verbannten Hirten wieder zurückkehren und ihren Herden zurückgegeben und daß die heiligen Gebäude den mit Damasus in Gemeinschaft Stehenden eingeräumt werden sollten. Dieser Damasus war Bischof von Rom und ausgezeichnet durch ein lobenswertes Leben und bereit, für die apostolische Lehre in Wort und Tat alles zu unternehmen. Er hatte nach Liberius die Sorge für die Kirche übernommen. Mit dem Edikte schickte der Kaiser den berühmtesten Feldherrn jener Zeit, Sapor, und gab ihm den Auftrag, die Prediger der arianischen Gotteslästerung wie wilde Tiere aus den gottesdienstlichen Gebäuden zu vertreiben und diese den so edlen Hirten und den Herden Gottes zurückzugeben. Während dieser Befehl nun in allen Provinzen ohne Zwiespalt durchgeführt wurde, entstand in Antiochien, der Hauptstadt des Morgenlandes, ein Streit, und zwar in folgender Weise.

Die Streitsucht des Paulinus, die Neuerung des Apollinaris von Laodicea, die Weisheit und Frömmigkeit des Meletius

Wie wir schon früher erzählt haben, waren die Verteidiger der apostolischen Lehre in zwei Parteien gespalten. Die einen hatten sogleich nach dem gegen den großen Eustathius ins Werk gesetzten Anschlag die häßliche arianische Häresie verabscheut und hielten für sich gesonderte (gottesdienstliche) Versammlungen; ihr Bischof war Paulinus; die anderen hatten sich nach der Weihe des Euzoius mit dem großen Meletius von den Gottlosen getrennt und die von uns beschriebenen Gefahren bestanden; sie wurden durch den sehr weisen Unterricht des Meletius geleitet.

Außer diesen warf sich noch Apollinaris von Laodicea als Führer einer weiteren Partei auf. Derselbe umgab sich mit dem Schein der Rechtgläubigkeit und schien auch die apostolische Lehre zu schützen, wurde aber bald nachher als offener Feind derselben erkannt. Denn hinsichtlich der göttlichen Natur bediente er sich unzulässiger Ausdrücke, indem er eine Art von Stufen der Würde ersann, und ebenso wagte er es, das Geheimnis der Erlösung unvollkommen darzustellen, indem er behauptete, die vernünftige Seele, der die Regierung des Körpers obliegt, habe keinen Teil an der uns gewordenen Erlösung. Da nämlich nach seiner Lehre der göttliche Logos diese nicht angenommen, so hat er sie weder der Heilung gewürdigt noch auch der Ehre teilhaftig gemacht. Im Gegenteil, es wird zwar der irdische Leib von den unsichtbaren Mächten angebetet, aber die Seele, die doch nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen ist, ist hier unten geblieben, behaftet mit der Schmach der Sünde. Außerdem hat er in seinem irregeleiteten und verblendeten Sinn noch zahlreiche andere Irrtümer erfunden. So bekannte er das eine Mal ebenso wie wir, daß das Fleisch aus der heiligen Jungfrau angenommen worden sei, ein anderes Mal sagte er, es sei mit dem göttlichen Logos vom Himmel herabgekommen, wieder ein anderes Mal, der Logos sei Fleisch geworden, ohne etwas von uns anzunehmen. Ferner fügte er zu den göttlichen Verheißungen noch andere hinzu, Mythen und alberne Fabeln, welche auch nur zu erwähnen ich an dieser Stelle für überflüssig halte. Indem er nun Derartiges lehrte, hat er nicht nur seine eigenen Anhänger ins Verderben gestürzt, sondern auch einige der Unsrigen mit seinem Aussatz angesteckt. Als sie nämlich nach einiger Zeit ihre Armseligkeit erkannten und den erhabenen Glanz der Kirche schauten, schlossen sie sich alle bis auf einige wenige wieder an uns an und erhielten auch wieder die Aufnahme in die kirchliche Gemeinschaft. Sie hatten sich aber von der früheren Krankheit nicht freigemacht, steckten im Gegenteil viele bisher Gesunde mit derselben an. Aus dieser Wurzel sproß dann in den Kirchen die Lehre von der einen Natur des Fleisches und der Gottheit hervor, welche der Gottheit des Eingeborenen das Leiden zuschreibt, sowie alle die anderen Lehren, welche in Volk und Priesterschaft heftige Streitigkeiten hervorgerufen haben. Doch trug sich dieses erst später zu.

Damals kam also der Feldherr Sapor und zeigte das kaiserliche Dekret vor. Da versicherte Paulinus, er gehöre zur Partei des Damasus; dasselbe beteuerte aber auch Apollinaris, indem er seine Krankheit verheimlichte. Der göttliche Meletius dagegen saß ruhig da und hörte den Streit der beiden geduldig an. Der überaus weise Flavian aber, der damals noch zur Priesterschaft zählte, sprach, während der Feldherr aufmerksam zuhörte, zuerst zu Paulinus: „Wenn du, Verehrtester, mit Damasus Gemeinschaft hältst, so zeige uns auch klar und deutlich die Übereinstimmung mit ihm in den Dogmen! Denn jener bekennt in der Trinität eine Wesenheit und predigt ganz offen drei Hypostasen; du dagegen leugnest die Dreiheit der Hypostasen. Zeige also die Gleichheit der Lehre, und dann magst du die Kirchen übernehmen gemäß dem (kaiserlichen) Edikte.” Nachdem er so diesem durch seine Beweisführung den Mund gestopft hatte, wandte er sich zu Apollinaris und sprach: „Ich wundere mich, mein Verehrtester, wie du so ohne Scheu gegen die Wahrheit kämpfen magst, und das, obschon du genau weißt, daß der bewunderungswürdige Damasus lehrt, unsere Natur sei vom göttlichen Logos vollständig angenommen worden, während du fortwährend das Gegenteil behauptest und den vernünftigen Geist von der Erlösung ausschließest. Wenn wir aber diese Anklage mit Unrecht gegen dich erheben, so schwöre wenigstens jetzt die von dir ersonnene Neuerung ab, schließe dich der Lehre des Damasus an, und dann nimm die heiligen Gebäude in Empfang.” So brachte also der überaus weise Flavian durch seine zutreffenden Worte ihre zuversichtliche Kühnheit zum Schweigen. Meletius aber, der sanftmütigste aller Menschen, sprach voll Freundlichkeit und Milde zu Paulinus: „Nachdem der Herr der Schafe die Sorge für diese Schafe mir übertragen hat und nachdem du die Pflege der anderen übernommen hast, und nachdem unsere Pfleglinge im rechten Glauben übereinstimmen, so laß uns, verehrtester Freund, die Herden vereinigen und den Streit um die Führerschaft beendigen! Gemeinsam wollen wir die Schafe weiden und gemeinsame Sorge ihnen zuwenden! Wenn aber der mittlere Sitz den Streit erzeugt, so will ich auch diesen zu beseitigen versuchen. Ich lege auf denselben das heilige Evangelium und schlage vor, daß wir unseren Sitz auf beiden Seiten desselben nehmen. Und wenn dann ich zuerst an das Ende des Lebens gelangen sollte, so sollst du, geliebter Freund, die Leitung der Herde allein haben; wenn aber du zuerst vom Tode ereilt werden solltest, dann werde ich nach Kräften für die Schafe Sorge tragen.” So sprach milde und freundlich zugleich der heilige Meletius; Paulinus aber ging auf den Vorschlag nicht ein. Da übergab der Feldherr auf Grund der Verhandlungen die Kirchen dem großen Meletius; Paulinus aber blieb der Führer derjenigen Schafe, welche sich gleich anfangs abgesondert hatten.

Apollinaris, ausgeschlossen von der Regierung der Kirchen, predigte von da an ganz offen seine neue Lehre und bekannte sich selbst als den Urheber seiner Häresie. Er selbst hielt sich die meiste Zeit in Laodicea auf, in Antiochien aber hatte er schon früher den Vitalius geweiht, einen Mann, der sich durch ein sehr gutes Leben auszeichnete, der auch in den apostolischen Lehren erzogen worden war, später aber von der Krankheit der Häresie sich anstecken ließ.

Der heilige Meletius bestellte den schon früher erwähnten Diodorus, der das Schiff der Kirche im heftigsten Sturm vor dem Untergang bewahrt hatte, zum Hirten von Tarsus und übergab ihm die Provinz Cilicien. Die oberhirtliche Sorge für Apamea übertrug er dem Johannes, der zwar auch aus vornehmem Geschlechte stammte, aber mehr durch seine eigenen Taten glänzte als durch die seiner Vorfahren. Denn in gleichem Maße zierten ihn Gelehrsamkeit und Heiligkeit des Lebens. Zur Zeit der Drangsal hatte er die Gemeinde seiner Glaubensgenossen geleitet und dabei an dem lobenswerten Stephanus einen eifrigen Mitarbeiter gefunden. Aber auch diesen letzteren bestimmte der heilige Meletius für andere Kämpfe. Als er nämlich erfuhr, daß Germanicien von der Pest des Eudoxius durchseucht sei, schickte er diesen als heilenden Arzt dorthin; denn dieser war in jeglicher hellenischen Bildung wohl bewandert und ebenso von Jugend auf in den göttlichen Lehren erzogen worden. Und seine Hoffnung täuschte ihn nicht; denn durch seine geistvollen Unterweisungen verwandelte derselbe die Wölfe in Schafe.

Bischof Eusebius von Samosata

Der große Eusebius weihte nach seiner Rückkehr aus der Verbannung in Beröa den Acacius, einen Mann von großem Rufe, in Hierapolis den Theodotus, dessen aszetische Lebensweise noch bis zum heutigen Tage von allen gepriesen wird, in Chalcis den Eusebius und in unserem Cyrus den Isidorus, beide letztere bewunderungswürdige und mit göttlichem Eifer geschmückte Männer. Er soll auch den Eulogius, der für die apostolischen Lehren gekämpft hatte und mit Protogenes nach Antino verbannt worden war, zum Hirten von Edessa geweiht haben; denn der gotterfüllte Barses war bereits aus dem Leben geschieden. Eulogius aber setzte den Genossen seiner Kämpfe, Protogenes, der Kirche von Karrhä vor und schenkte damit dieser Stadt, die sich damals in keinem guten Zustande befand, einen Arzt, der die Übel zu heilen wußte. Der heilige Eusebius weihte zuletzt noch den Maris als Bischof für Doliche. Es ist dieses ein kleines Städtchen, das zu jener Zeit von der arianischen Krankheit angesteckt war. Um diesen Maris, einen lobwürdigen und in vielen Arten von Tugenden strahlenden Mann, auf den bischöflichen Thron zu erheben, kam der große Eusebius nach Doliche. Als er aber die Stadt betrat, warf ein Weib, das an der arianischen Krankheit litt, oben vom Dache herab einen Ziegel, der ihm den Kopf zerschmetterte und ihn nach kurzer Zeit in das bessere Leben hinüberschickte. Sterbend bat er die Anwesenden und verpflichtete sie mit einem Eidschwur, an der Täterin keine Rache zu nehmen. Er ahmte damit seinem Herrn nach, der für seine Kreuziger betete: „Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!”, und seinem Mitknecht Stephanus, der nach einem dichten Hagel von Steinwürfen ausrief: „Herr, rechne ihnen dieses nicht zur Sünde an!” Ein solches Ende nahm nach den mannigfachsten Kämpfen der große Eusebius; nachdem er den Barbaren in Thracien entronnen war, entging er nicht den Händen der gottlosen Häretiker, sondern empfing durch sie die Krone des Martyriums.

Das sind also die Geschehnisse, die sich nach der Rückkehr der Bischöfe zutrugen. Als aber Gratian erfuhr, daß Thracien von den Barbaren, die den Valens verbrannt hatten, verwüstet werde, verließ er Italien und kam nach Pannonien.

Der Feldzug des Theodosius

In jener Zeit stand Theodosius sowohl wegen des Adels seiner Ahnen als auch wegen seiner eigenen Tüchtigkeit in hohem Ansehen, wurde daher vom Neide seiner Standesgenossen und Verwandten verfolgt und hielt sich eben deshalb in Spanien auf, wo er geboren und erzogen worden war. Da nun der Kaiser in Verlegenheit war, was er tun solle, weil die durch den Sieg übermütig gewordenen Barbaren in Wirklichkeit und auch nach seinem Urteil schwer zu bekämpfen waren, so erhoffte er von der Übertragung des Oberbefehls an Theodosius eine Befreiung aus der schlimmen Lage. Sofort ließ er den Mann aus Spanien herbeiholen, ernannte ihn zum Feldherrn und schickte ihn mit dem gesammelten Heere ab. Dieser zog, gestützt auf den Glauben, mutig aus, rückte in Thracien ein und stellte, als er die Barbaren heranmarschieren sah, sein Heer wie zur Schlacht auf. Es erfolgte ein Zusammenstoß; die Barbaren konnten dem Ansturm nicht Stand halten, verließen die Schlachtordnung und wandten sich zur Flucht; wie sie aber flohen, setzten ihnen die anderen mit aller Gewalt nach. Es entstand ein großes Gemetzel unter den Barbaren, da sie nicht nur von den Römern niedergemacht wurden, sondern sich auch selbst gegenseitig hinmordeten. Nachdem so die meisten umgekommen waren und nur wenige, die sich hatten verstecken können, über die Donau zurückgegangen waren, verteilte der vortreffliche Feldherr sofort sein Heer in die nahegelegenen Städte, er selbst aber eilte so schnell als möglich zum Kaiser Gratian, um ihm seinen Sieg zu melden. Aber selbst dem Kaiser schien sein Bericht nicht glaubwürdig, so sehr war derselbe erstaunt über das Geschehene, zumal da auch seine Gegner, vom Stachel des Neides getrieben, behaupteten, er sei geflohen und habe sein Heer vollständig zugrunde gerichtet. Theodosius verlangte daher, daß seine Gegner abgesandt werden sollten, um selbst die Menge der getöteten Barbaren sich anzusehen. Leicht, sagte er, könne man auch aus der Beute auf die Zahl (der gefallenen Feinde) schließen. Der Kaiser ging denn auch auf diesen Vorschlag ein und schickte Boten ab, welche das Geschehene untersuchen und darüber Bericht erstatten sollten.

Die Regierung und das Traumgesicht des Theodosius

Während der überaus tüchtige Feldherr bei Gratian verweilte, sah er ein wunderbares Traumgesicht, das ihm ohne Zweifel von Gott, dem Herrn aller Dinge, selbst gezeigt wurde. Es schien ihm nämlich, als sehe er den heiligen Meletius, den Bischof der Kirche von Antiochien, wie er ihm den Kaisermantel umhänge und mit einer ebensolchen Krone das Haupt schmücke. Dieses sah er in der Nacht und teilte es gleich am Morgen einem seiner Freunde mit, der ihm erwiderte, das Traumgesicht sei deutlich und habe nichts Rätselhaftes oder Zweideutiges an sich. Es vergingen in der Tat nur wenige Tage, da kehrten die Boten mit dem Bericht über das Geschehene zurück und meldeten, daß die vielen Tausende der Barbaren wirklich niedergemacht seien. Nun war der Kaiser überzeugt, daß er sehr gut daran getan habe, ihn zum Feldherrn zu erwählen, ernannte ihn jetzt zum Kaiser und übergab ihm die Herrschaft über den Anteil des Valens. Dann brach er selbst nach Italien auf, den Theodosius aber schickte er in das ihm verliehene Reich.

Sobald dieser seine Herrschaft angetreten hatte, sorgte er vor allen Dingen für die Eintracht der Kirchen und forderte die Bischöfe seines Reichsanteiles auf, nach Konstantinopel zu kommen. Denn dieser Teil war allein von der arianischen Seuche erfüllt, während das Abendland von dieser Krankheit frei geblieben war. Konstantin nämlich, der älteste von den Söhnen Konstantins, und Konstans, der jüngste, hatten den Glauben des Vaters unverfälscht bewahrt. Desgleichen hatte auch Valentinian, der Kaiser des Abendlandes, den wahren Glauben unversehrt erhalten.

Hervorragende Bischöfe der arianischen Partei

Dagegen hatte der morgenländische Reichsteil diesen Aussatz von vielen Seiten her übernommen. Arius, Priester zu Alexandrien in Ägypten, war dort der Urheber der gotteslästerlichen Lehre gewesen; sodann hatten die Palästinenser Eusebius, Patrophilus und Aëtius, die Phönizier Paulinus und Gregorius, ferner Theodotus von Laodicea, nach diesem Georgius und mit diesen die Cilicier Athanasius und Narcissus die ausgestreute böse Saat genährt und großgezogen. Die Bithynier Eusebius und Theogonius, Menophantus von Ephesus, Theodorus von Perinth, Maris von Chalcedon und einige andere aus Thracien, die nur durch ihre Schlechtigkeit berühmt geworden sind, haben dem Samen des Unkrautes lange Zeit hindurch fortwährend Feuchtigkeit und Wärme zugeführt. Zu statten kam dabei den schlimmen Arbeitern die Unselbständigkeit des Konstantius und die Bosheit des Valens. Aus diesem Grunde ließ also der Kaiser nur die Bischöfe seines Reichsanteiles in Konstantinopel sich versammeln.

Die Synode in Konstantinopel

Als die Bischöfe angekommen waren, einhundertfünfzig an der Zahl, gab der Kaiser den Befehl, daß ihm niemand den großen Meletius zeigen solle; er wollte nämlich den Mann nach dem im Traume geschauten Bilde selbst herausfinden. Da nun jene ganze Schar der Bischöfe im Kaiserpalast sich eingefunden hatte, ließ er alle anderen beiseite und ging geradewegs auf den großen Meletius zu, und wie ein Sohn, der seinen Vater herzlich liebt und nach langer Zeit sich wieder am Anblick desselben erfreut, so umarmte er ihn, küßte ihm die Augen und Lippen, die Brust und das Haupt und die Rechte, die ihm die Krone auf das Haupt gesetzt hatte. Dann teilte er auch das Gesicht mit, das er im Traume gesehen. Nachdem er dann auch die übrigen alle begrüßt hatte, forderte er sie auf, über die vorliegenden Gegenstände zu beraten wie Väter.

In jener Zeit weilte zu Konstantinopel der Mann, der zuletzt die Kirche von Nazianz geleitet hatte. Er trat den arianischen Gotteslästerungen entgegen, nährte das Volk Gottes mit der evangelischen Lehre, wußte die außerhalb der Herde Umherirrenden zu gewinnen und von der verderbenbringenden (häretischen) Nahrung abzuziehen und so jene Herde aus einer kleinen zu einer großen zu machen. Als nun der heilige Meletius diesen Mann, den ganz göttlichen Gregorius, sah, bestätigte er ihn als Bischof von Konstantinopel, da er sehr wohl den Zweck kannte, den die Urheber des Kanons damit verfolgten; sie hatten nämlich die Versetzung (von einem Bischofssitz auf einen anderen) untersagt, um so jeden Anlaß zur Herrschsucht von vorne herein abzuschneiden. Kurze Zeit darauf ging der heilige Meletius zum schmerzlosen Leben hinüber, von allen, die des Wortes mächtig waren, in herrlichen Leichenreden gefeiert. Der Bischof Timotheus von Alexandrien, der auf Petrus, den Erben der bischöflichen Würde des Athanasius, gefolgt war, weihte aber gegen den verehrungswürdigen Gregorius einen gewissen Maximus, einen Cyniker, nachdem er ihm sofort seine cynischen Haare geschoren hatte. Derselbe war zudem noch voll und eingenommen von dem trügerischen Geschwätz des Apollinaris.

Doch waren die damals versammelten Bischöfe mit diesem unstatthaften Vorgehen nicht einverstanden. Es waren dieses aber Männer, die Beachtung verdienten, voll des göttlichen Eifers und voll der Weisheit: Helladius, der Nachfolger des großen Basilius, Gregorius und Petrus, die sich rühmen konnten, die gleichen Eltern zu haben wie Basilius, dann die Bischöfe Amphilochius von Lykaonien, Optimus von Pisidien und Diodorus von Cilicien. Ferner waren anwesend Pelagius von Laodicea, Eulogius von Edessa, Acacius und unser Isidor, Cyrillus von Jerusalem und Gelasius von Cäsarea in Palästina, der durch Gelehrsamkeit und Heiligkeit des Lebens sich auszeichnete, und noch sehr viele andere Helden der Tugend. Diese alle trennten sich damals von den Ägyptern und feierten ihre heiligen Zusammenkünfte mit dem großen Gregorius.

Allein der heilige Gregorius ermahnte sie, da sie zur Herstellung der Eintracht versammelt seien, möchten sie mehr auf das gute Einvernehmen untereinander achten als auf das einem einzelnen widerfahrene Unrecht. „Denn ich”, so sagte er, „werde nur von den so zahlreichen Sorgen befreit werden und die mir lieb gewordene Ruhe wieder erlangen, ihr aber werdet nach dem langen und schweren Kampfe den sehnlich erwünschten Frieden zurückerhalten. Es wäre ja doch höchst unvernünftig, wenn wir jetzt, nachdem wir kaum den feindlichen Geschossen entgangen sind, uns selbst einander bekämpfen und so unsere eigenen Kräfte aufreiben wollten. Damit würden wir nur unseren Feinden eine Freude machen. Sucht euch also einen lobenswerten und verständigen Mann, der die schwere Last so vieler Sorgen auf sich nehmen und mit Leichtigkeit tragen kann, und diesen wählet dann zum Bischof!” Diesen Vorstellungen schenkten die edlen Bischöfe Gehör und weihten den Nektarius, einen Patrizier, geschmückt mit dem Adel der Geburt und glänzend in allen Arten von Tugenden, zum Bischof jener so großen Stadt, den Maximus aber entkleideten sie als einen Schüler der unsinnigen Lehre des Apollinaris der hohepriesterlichen Würde und setzten ihn ab. Hierauf erließen sie noch Bestimmungen über die kirchliche Zucht, erklärten, daß das in Nizäa aufgestellte Glaubensbekenntnis in Kraft bleiben solle, und kehrten endlich in ihre Heimat zurück.

Im folgenden Sommer kamen die meisten von ihnen abermals in jene Stadt, da kirchliche Bedürfnisse sie neuerdings zu einer Versammlung dorthin riefen. Sie empfingen damals ein Synodalschreiben der Bischöfe des Abendlandes, das sie einlud, nach Rom zu kommen, da eine sehr große Synode daselbst gefeiert werden solle. Sie entschuldigten sich jedoch mit der weiten Reise, die doch keinen Gewinn bringen würde; sie schickten aber ein Schreiben, worin sie auf den Sturm hinwiesen, der gegen die Kirchen gewütet habe, und auf die Gleichgültigkeit anspielten, die jene demselben gegenüber an den Tag gelegt hätten. Sie nahmen in ihr Schreiben auch einen kurzen Abriß der apostolischen Lehre auf. Die entschiedene und weise Gesinnung der Verfasser wird jedoch am deutlichsten aus dem Briefe selbst zu ersehen sein.

Schreiben der Synode in Konstantinopel an die Bischöfe des Abendlandes

„Den verehrtesten und hochwürdigsten Herrn, Brüdern und Mitbischöfen, Damasus, Ambrosius, Britton, Valerian, Acholius, Anemius, Basilius und den übrigen heiligen Bischöfen, welche in der großen Stadt Rom versammelt sind, entbietet die heilige Synode der in der großen Stadt Konstantinopel versammelten rechtgläubigen Bischöfe Gruß im Herrn.

Es ist sicher überflüssig, Ew. Hochwürden wie Unwissende zu belehren und die Menge der Leiden aufzuzählen, die uns von der Gewalttätigkeit der Arianer zugefügt worden sind. Denn wir glauben, daß Euere gottesfürchtige Gesinnung unsere Angelegenheiten nicht für so nebensächlich halte, daß sie diese Dinge erst erfahren müßte, über welche sie Mitleid empfinden sollte. Auch sind die Stürme, die uns umbraust haben, keineswegs derart, daß sie wegen ihrer Geringfügigkeit unbeachtet bleiben konnten. Die Zeit der Verfolgung gehört der jüngsten Vergangenheit an und ist noch in lebhafter Erinnerung nicht nur bei denen, welche sie erduldet haben, sondern auch bei denen, welche aus Liebe die Schicksale der Leidenden zu den ihrigen machten. Denn erst gestern sozusagen und vorgestern sind die einen, befreit von den Banden des Exils, unter tausenderlei Bedrängnissen zu ihren Kirchen zurückgekehrt und sind von den anderen, die in der Verbannung den Tod gefunden, die Reliquien zurückgebracht worden. Einige sind auch nach ihrer Rückkehr aus der Verbannung der schäumenden Wut der Häretiker zum Opfer gefallen und haben in der Heimat noch Schlimmeres erduldet als in der Fremde, indem sie von jenen zu Tode gesteinigt wurden wie der selige Stephanus. Andere, erschöpft von verschiedenen Mißhandlungen, tragen noch heute die Wundmale Christi und die Striemen an ihrem Körper. Die Geldstrafen aber und die außerordentlichen Schätzungen der Städte, die Achtserklärungen Einzelner verbunden mit der Konfiskation ihrer Güter, die listigen Nachstellungen, Gewalttätigkeiten und Einkerkerungen, wer vermöchte sie alle aufzuzählen? Sind doch in der Tat alle Trübsale über uns gekommen, Trübsale ohne Maß und Zahl, vielleicht weil wir zu büßen hatten für unsere Sünden, vielleicht auch weil Gottes Güte durch die Menge der Leiden uns prüfen und üben wollte.

Hierfür sei nun Gott Dank gesagt, der seine Diener durch so viele Drangsale erziehen wollte und nach der Menge seiner Erbarmnisse uns wieder zur erquickenden Ruhe führte. Wir bedürften nun einer dauernden Muße und vieler Zeit und Mühe zur Wiederaufrichtung der Kirchen, damit wir den Leib der Kirche wie nach einer langen Krankheit durch sorgfältige Pflege allmählich wieder von der Krankheit befreien und zur früheren Gesundheit, d. i. zur Rechtgläubigkeit, zurückführen. Denn wenn es auch noch so sehr den Anschein hat, daß wir den heftigsten Sturm der Verfolgung überstanden haben und daß wir die geraume Zeit im Besitz der Häretiker befindlichen Kirchen eben jetzt wieder zurückerhalten, so verursachen uns doch die Wölfe noch immer schwere Sorge, da sie auch nach ihrer Ausstoßung aus der Hürde in Tälern und Schluchten die Herden plündern, Gegenversammlungen veranstalten, Volksaufstände erregen und nichts unterlassen, was den Kirchen zum Schaden gereichen kann. Es wäre also, wie gesagt, nötig, daß wir noch längere Zeit hindurch angestrengt arbeiten.

Nachdem Ihr aber als Beweis Eurer brüderlichen Liebe gegen uns zu der Synode, die Ihr durch Gottes Fügung in Rom feiert, durch das Schreiben des gottgeliebtesten Kaisers auch uns eingeladen habt als zu Euch gehörige Glieder, auf daß, nachdem wir früher den Trübsalen allein ausgesetzt waren, Ihr jetzt bei der Übereinstimmung der Kaiser im rechten Glauben nicht ohne uns herrschet, sondern damit nach dem Ausspruch des Apostels auch wir mit Euch herrschen: da wünschten wir, wenn es möglich wäre, alle miteinander unsere Kirchen verlassen und mehr der Sehnsucht des Herzens als der Notwendigkeit folgen zu können. „Denn wer wird uns Flügel geben, wie die einer Taube, und wir werden fliegen und bei Euch ruhen.” Da aber dieses die Kirchen, welche eben erst am Anfang ihrer Erneuerung stehen, vollständig entblößen würde und da die Sache den meisten auch ganz und gar unmöglich wäre — wir sind nämlich in Konstantinopel zusammengekommen gemäß dem vorigjährigen Schreiben, das von Euren Hochwürden nach der Synode zu Aquileja an den gottgeliebtesten Kaiser Theodosius gesandt worden ist; wir haben uns nur für diese Reise bis Konstantinopel ausgerüstet und bringen nur zu dieser Synode die Zustimmung der in den Provinzen gebliebenen Bischöfe mit; die Notwendigkeit einer größeren Reise haben wir weder vorausgesehen noch überhaupt etwas davon gehört, bevor wir nach Konstantinopel kamen; dazu kommt, daß der angesetzte Termin wegen seiner Nähe nicht die nötige Zeit bietet weder zur Vorbereitung einer längeren Reise noch auch dazu, alle Bischöfe unserer Gemeinschaft in den Provinzen davon in Kenntnis zu setzen und deren Zustimmung einzuholen —, da also dieses und außerdem noch vieles andere der Mehrzahl das Reisen unmöglich macht, so haben wir das getan, was das Nächstliegende war, um die (kirchlichen) Angelegenheiten wieder in Ordnung zu bringen und zugleich unsere Liebe zu Euch zu bezeigen: wir haben unsere hochwürdigsten und verehrungswürdigsten Brüder und Amtsgenossen, die Bischöfe Cyriacus, Eusebius und Priscianus ersucht, die Mühen der Reise zu Euch gütig übernehmen zu wollen. Durch diese Männer wollen wir sowohl unsere friedliebende und auf die Erhaltung der Einigkeit gerichtete Gesinnung wie auch unseren Eifer für den gesunden Glauben kundgeben.

Wenn wir nämlich Verfolgungen oder Drangsale oder kaiserliche Drohungen oder die Grausamkeiten der Statthalter oder irgendeine andere Anfechtung von Seiten der Häretiker auszustehen hatten, so haben wir dieses erduldet für den evangelischen Glauben, der zu Nizäa in Bithynien von den dreihundertachtzehn Vätern festgestellt worden ist. Dieser muß auch Euch und uns allen genügen, welche nicht das Wort des wahren Glaubens verkehren wollen, da er sehr alt ist und der Taufformel entspricht und uns lehrt, zu glauben an den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, so daß nämlich eine Gottheit, Macht und Wesenheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes geglaubt wird und ebenso gleiche Ehre und Würde und gleichewige Herrschaft in drei ganz vollkommenen Hypostasen oder drei vollkommenen Personen, so daß weder die Krankheit des Sabellius Platz findet, wonach die Hypostasen vermischt und die Eigentümlichkeiten derselben aufgehoben werden, noch auch die gotteslästerliche Lehre der Eunomianer, Arianer und Pneumatomachen Kraft gewinnt, derzufolge die Wesenheit oder Natur oder Gottheit geteilt und der ungeschaffenen, gleichwesentlichen und gleichewigen Dreifaltigkeit eine Art von nachgeborener, geschaffener und wesensverschiedener Natur hinzugefügt wird. Auch die Lehre von der Menschwerdung des Herrn bewahren wir ohne Verdrehung; wir nehmen nicht an, daß die menschliche Natur ohne Seele oder ohne Vernunft oder unvollkommen gewesen, sondern wir wissen, daß der Gott Logos ganz vollkommen und vor aller Zeit ist, daß er aber in den letzten Tagen um unseres Heiles willen ein vollkommener Mensch geworden ist.

So lautet also in Kürze der von uns ohne Rückhalt und Scheu gepredigte Glaube. Ihr werdet Euch darüber noch eingehender unterrichten können, wenn Ihr das in Antiochia von der dort versammelten Synode verfaßte und das voriges Jahr in Konstantinopel von der ökumenischen Synode aufgestellte Glaubensbekenntnis einsehen wollt, in denen wir unseren Glauben ausführlicher dargelegt und gegen die in jüngster Zeit aufgetretenen Irrlehren schriftlich das Anathem ausgesprochen haben.

Was aber die besondere Verwaltung in den Kirchen betrifft, so besteht, wie Ihr wißt, ein altes Gesetz in Kraft und eine Verordnung der heiligen Väter zu Nizäa, daß in jeder Provinz die zur Provinz Gehörigen und, wenn diese wollen, mit ihnen der Nützlichkeit halber auch die Angrenzenden die Weihen vornehmen. Diesen Bestimmungen gemäß werden bei uns, das möget Ihr wissen, die übrigen Kirchen verwaltet und sind auch für die angesehensten Kirchen die Priester eingesetzt worden. So haben wir für die sozusagen neugegründete Kirche von Konstantinopel, die wir eben erst mit Gottes barmherziger Hilfe aus der Gotteslästerung der Irrlehrer wie aus dem Rachen eines Löwen herausgerissen haben, den hochwürdigsten und gottgeliebtesten Nektarius zum Bischof geweiht, und zwar auf der ökumenischen Synode mit Stimmeneinhelligkeit, in Gegenwart des gottgeliebtesten Kaisers Theodosius und des ganzen Klerus und unter Zustimmung der ganzen Stadt. Für die so alte und wahrhaft apostolische Kirche zu Antiochien in Syrien, in der zuerst der ehrwürdige Name der Christen in Gebrauch kam, haben die zur Provinz und zur morgenländischen Diözese Gehörigen in einer allgemeinen Versammlung und auf kanonische Weise den hochwürdigsten und gottgeliebtesten Bischof Flavianus gewählt und geweiht, wozu die ganze Kirche ihre Zustimmung gab, gleich als ob sie den Mann mit einem Munde hätte ehren wollen. Diese Weihe wurde auch von der gesamten Synode als gesetzmäßig anerkannt. Ferner geben wir Euch bekannt, daß in der Kirche zu Jerusalem, der Mutter aller Kirchen, der hochwürdigste und gottgeliebteste Cyrillus Bischof ist, der vor langer Zeit von den zur Provinz Gehörigen auf kanonische Weise aufgestellt und geweiht wurde und sehr viele Kämpfe mit den Arianern zu verschiedenen Zeiten bestanden hat.

Wir bitten deshalb Euere Frömmigkeit, über diese unsere kirchlichen Verhältnisse als über solche, die auf gesetzmäßige und kanonische Weise zustande gekommen sind, sich mit uns zu freuen durch Vermittlung des Geistes der Liebe und der Furcht des Herrn, welche alle menschliche Voreingenommenheit zurückdrängt und die Erbauung der Kirchen höher stellt als private Freundschaft und Zuneigung. So werden wir einig sein in der Lehre des Glaubens, wird die christliche Liebe in uns befestigt und werden wir nicht mehr sagen, was von den Aposteln verurteilt ist: ‚Ich bin des Paulus, ich des Apollo, ich des Kepha‘, sondern wir werden alle als Schüler Christi erscheinen, der in uns nicht geteilt ist, und werden mit Gottes Hilfe den Leib der Kirche vor Trennung bewahren und mit Zuversicht vor den Richterstuhl des Herrn treten.”

Dieses haben sie gegen den Irrwahn des Arius, Aëtius und Eunomius und ebenso auch gegen Sabellius, Photinus, Marcellus, Paulus von Samosata und Macedonius geschrieben. In gleicher Weise haben sie aber auch ganz deutlich die Neuerung des Apollinaris verurteilt, indem sie sagten: „Auch die Lehre von der Menschwerdung des Herrn bewahren wir ohne Verdrehung, indem wir annehmen, daß die menschliche Natur weder ohne Seele noch ohne Vernunft noch überhaupt unvollkommen gewesen sei.”

Auch der berühmte Damasus hat, als er von der Entstehung dieser Häresie erfuhr, nicht nur den Apollinaris, sondern auch dessen Schüler Timotheus verurteilt und verdammt. Dieses berichtet er den Bischöfen des Morgenlandes in einem Schreiben, von dem ich glaube, daß es nützlich sei, es in meine Darstellung aufzunehmen.

Synodalschreiben des Bischofs Damasus von Rom gegen Apollinaris und Timotheus

„Wenn Euere Liebe dem apostolischen Stuhle die gebührende Achtung erweist, so bereitet Ihr, verehrteste Söhne, Euch selbst damit den größten Vorteil. Denn wenn auch der heilige Apostel in der heiligen Kirche, in der er seinen Sitz aufgeschlagen, am meisten gelehrt hat, wie wir die übernommene Regierung führen sollen, so müssen wir doch bekennen, daß wir unserem Amte nicht gewachsen sind. Aber gerade deshalb geben wir uns in jeglicher Weise Mühe, ob wir vielleicht dem Ruhm seiner Heiligkeit nahekommen könnten.

So vernehmet denn, daß wir schon vor einiger Zeit den unheiligen Timotheus, den Schüler des Irrlehrers Apollinaris, mitsamt seiner gottlosen Lehre verurteilt haben, und daß wir gar nicht glauben können, daß die von ihm hinterlassene Sache auf irgendeine Weise noch einmal Bedeutung erlangen werde. Wenn aber doch jene alte Schlange, obschon wiederholt tödlich getroffen, zur eigenen Bestrafung wieder aufleben sollte, so vermeidet wie eine Art Pest jeden, der außerhalb der Kirche steht und mit seinen todbringenden Giften gewisse Ungläubige beständig zum Falle zu bringen sucht. Ihr aber seid vielmehr eingedenk des apostolischen Glaubens, besonders dessen, der zu Nizäa von den Vätern schriftlich festgesetzt worden ist, verharret festen Schrittes, entschieden und unentwegt im Glauben und duldet es nicht, daß Euere Geistlichen oder Laien törichtem Gerede gegen denselben und längst erledigten Untersuchungen Gehör schenken. Denn wir haben schon einmal als Regel aufgestellt, daß wer sich als Christ bekennt, das festhalten muß, was von den Aposteln überliefert worden ist, wie der heilige Paulus sagt: ‚Wenn euch jemand ein anderes Evangelium verkündet, als ihr empfangen habt, der sei verflucht!‘ Denn Christus, der Sohn Gottes, unser Herr, hat dem Menschengeschlechte durch sein Leiden die Erlösung im vollsten Maße gebracht, um den ganzen in Sünden verstrickten Menschen von jeglicher Sünde zu befreien. Wenn nun jemand sagt, daß derselbe in der Menschheit oder in der Gottheit zu wenig gehabt habe, so ist er mit dem Geist des Teufels erfüllt und erweist sich als einen Sohn der Hölle.

Warum also verlangt Ihr von mir noch einmal die Verurteilung des Timotheus? Wurde er doch auch hier durch das Urteil des apostolischen Stuhles, sogar in Gegenwart des Bischofs Petrus von Alexandrien, zugleich mit seinem Lehrer Apollinaris verurteilt und wird er auch am Tage des Gerichtes die ihm gebührende Strafe und Züchtigung zu erwarten haben. Wenn aber dieser Mensch einige allzu leichtfertige Seelen für sich einzunehmen weiß, als ob er noch irgendwelche Hoffnung hätte, da er doch die wahre Hoffnung, nämlich die Hoffnung auf Christus, zugleich mit dem Bekenntnis gewechselt hat, so wird mit ihm in gleicher Weise zugrunde gehen, wer immer gegen die Glaubensregel der Kirche ankämpfen will. Gott möge Euch, geehrteste Söhne, in Gesundheit erhalten!”

Die im großen Rom versammelten Bischöfe haben auch noch mehrere andere Bestimmungen gegen verschiedene Irrlehren getroffen, die ich glaube in meine Darstellung aufnehmen zu sollen.

Ein anderes Synodalschreiben desselben Bischofs Damasus gegen verschiedene Irrlehren

Bekenntnis des katholischen Glaubens, welches der Papst Damasus an den Bischof Paulinus in Mazedonien schickte, der in Thessalonich war.

„Da nach der Synode zu Nizäa dieser Irrtum aufgetaucht ist, daß einige sich unterfangen, mit unheiligem Munde zu behaupten, der Heilige Geist sei durch den Sohn geworden, so belegen wir mit dem Banne, die nicht mit aller Freimütigkeit bekennen, daß der Heilige Geist mit dem Vater und dem Sohne eine und dieselbe Wesenheit und Macht besitze.

Ebenso belegen wir mit dem Banne diejenigen, welche dem Irrtum des Sabellius anhangen und sagen, Vater und Sohn sei ein und derselbe.

Wir belegen mit dem Banne den Arius und Eunomius, welche mit gleicher Gottlosigkeit, wenn auch mit verschiedenen Worten behaupten, daß der Sohn und der Heilige Geist Geschöpfe seien.

Wir belegen mit dem Banne die Mazedonianer, die, hervorgegangen aus der Wurzel des Arius, nicht die Gottlosigkeit, sondern nur den Namen geändert haben.

Wir belegen mit dem Banne den Photinus, welcher, die Irrlehre des Ebion erneuernd, unsern Herrn Jesus Christus nur aus Maria geboren sein läßt.

Wir bannen auch diejenigen, welche behaupten, es seien zwei Söhne, einer vor der Zeit und ein zweiter nach der Annahme des Fleisches aus Maria.

Wir bannen jene, welche behaupten, an Stelle der vernünftigen Seele sei der Logos Gottes im menschlichen Fleische gewandelt. Denn eben der Sohn, der Logos Gottes, ist nicht an Stelle der vernünftigen und denkenden Seele in seinem Körper gewesen, sondern er hat unsere, das ist eine vernünftige und denkende Seele, jedoch ohne die Sünde, angenommen und erlöst.

Wir bannen auch diejenigen, welche sagen, der Logos Gottes sei durch Ausdehnung und Zusammenziehung vom Vater geschieden worden, und die die gotteslästerliche Behauptung aufstellen, derselbe sei ohne eigene Hypostase oder werde ein Ende nehmen,

Diejenigen aber, die von einer Kirche zur anderen übergehen, betrachten wir so lange als von unserer Gemeinschaft getrennt, bis sie zu eben den Städten zurückkehren, in welchen sie zuerst geweiht worden sind. Wenn jemand daraufhin, daß ein anderer (Bischof) von einer Stelle auf eine andere gegangen ist, an dessen Stelle und bei dessen Lebzeiten geweiht worden ist, so soll derjenige, der seine Stadt verlassen hat, auf so lange des bischöflichen Amtes verlustig sein, bis sein Nachfolger im Herrn entschläft.

Wenn jemand nicht bekennt, daß immer der Vater und immer der Sohn und immer der Heilige Geist ist, der sei im Banne!

Wenn jemand nicht bekennt, daß der Sohn aus dem Vater, das heißt aus der göttlichen Wesenheit desselben gezeugt worden ist, der sei im Banne!

Wenn jemand nicht bekennt, daß der Sohn Gottes wahrer Gott ist, wie sein Vater wahrer Gott ist, und daß er alles kann und alles weiß und dem Vater gleich ist, der sei im Banne!

Wenn jemand sagt, daß der Sohn Gottes zur Zeit, wo er auf Erden war und im Fleische wandelte, nicht zugleich im Himmel und mit dem Vater war, der sei im Banne!

Wenn jemand sagt, daß bei dem Kreuzesleiden den Schmerz der Sohn Gottes als Gott erduldet hat und nicht das Fleisch mit der Seele, mit dem er sich umkleidet hat als der Knechtsgestalt, die er angenommen, wie die Heilige Schrift sagt, der sei im Banne!

Wenn jemand nicht bekennt, daß er im Fleische, das er angenommen, sitzet zur Rechten des Vaters, in welchem er auch kommen wird zu richten Lebendige und Tote, der sei im Banne!

Wem jemand nicht bekennt, daß der Heilige Geist wahrhaft und eigentlich aus dem Vater ist, wie auch der Sohn aus dem göttlichen Wesen und Gott und Gottes Logos ist, der sei im Banne!

Wenn jemand nicht bekennt, daß der Heilige Geist alles kann und alles weiß und überall gegenwärtig ist, wie auch der Sohn und der Vater, der sei im Banne!

Wenn jemand sagt, der Heilige Geist sei ein Geschöpf oder durch den Sohn geworden, der sei im Banne!

Wenn jemand nicht bekennt, daß der Vater alles, das ist das Sichtbare und Unsichtbare, durch den Sohn und den Heiligen Geist gemacht hat, der sei im Banne!

Wenn jemand nicht bekennt eine Gottheit, Macht, Göttlichkeit, Gewalt, eine Herrlichkeit und Herrschaft, ein Reich, einen Willen und eine Wahrheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, der sei im Banne!

Wenn jemand nicht bekennt drei wahre Personen, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, die einander gleich, immer leben, alles beherrschen, das Sichtbare wie das Unsichtbare, alles vermögen, alles richten, alles beleben, alles schaffen, alles erhalten, der sei im Banne!

Wenn jemand nicht bekennt, daß der Heilige Geist von der ganzen Schöpfung angebetet werden müsse, wie auch der Sohn und der Vater, der sei im Banne!

Wenn jemand vom Vater und Sohn richtig denkt, vom Heiligen Geist aber nicht das Rechte glaubt, der ist ein Häretiker; denn alle Häretiker, die über den Sohn Gottes und über den Heiligen Geist schlecht urteilen, befinden sich nachweislich im Unglauben der Juden und Heiden.

Wenn jemand eine Teilung vornimmt und den Vater Gott und den Sohn Gott und den Heiligen Geist Gott nennt und darauf besteht, daß sie Götter genannt werden und nicht Gott wegen der einen Gottheit und Macht, die wir glauben und wissen, die des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, die ein Gott ist, oder wenn er den Sohn und den Heiligen Geist ausnimmt, so daß er meint, der Vater allein sei Gott zu nennen oder als ein Gott zu glauben, der sei im Banne!

Denn der Name ‚Götter‘ ist von Gott aus Gnade auch den Engeln und allen Heiligen gegeben worden; für den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist aber wird wegen der einen und gleichen Gottheit nicht der Name ‚Götter‘, sondern die Bezeichnung ‚unser Gott‘ gelehrt und geboten, damit wir glauben, daß wir nur auf den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist getauft werden und nicht auf die Namen der Erzengel und Engel, wie Häretiker oder wie Juden oder Heiden irrtümlich wähnen. Das also ist das Heil der Christen, daß wir glauben der Dreifaltigkeit, nämlich dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, und uns taufen lassen auf sie, die eine Gottheit, Macht und göttliche Wesenheit, und an Gott glauben.”

Tod des Gratian und Gewaltherrschaft des Maximus

Vorstehendes geschah zu Lebzeiten des Gratian. Als derselbe nach siegreich geführten Kriegen und einer klugen und gerechten Verwaltung der Städte einem hinterlistigen Anschlag zum Opfer fiel und keine Kinder als Erben des Reiches hinterließ, sondern nur einen noch sehr jungen Bruder, der den gleichen Namen führte wie sein Vater, da riß ein gewisser Maximus unter Mißachtung der Jugend Valentinians die Herrschaft im Abendlande an sich.

Justina, die Gemahlin Valentinians, und die Nachstellungen gegen Ambrosius

Um jene Zeit offenbarte Justina, die Gattin des großen und Mutter des jüngeren Valentinian, ihrem Kinde die Samenkörner der arianischen Lehre, welche sie selbst schon vor längerer Zeit in sich aufgenommen hatte. Da sie den Glaubenseifer ihres Gatten wohl kannte, war sie die ganze Zeit hindurch sorgfältig darauf bedacht gewesen, dieselben zu verbergen, jetzt aber, angesichts des weichen und biegsamen Sinnes ihres Sohnes, wagte sie mit der Verführung hervorzutreten. Dieser hielt die Vorschläge der Mutter für nützlich — denn er sah nur auf die Lockspeise der Natur und merkte nicht den todbringenden Angelhaken —, sprach aber doch zuerst mit Ambrosius darüber, in der Meinung, wenn er diesen gewonnen hätte, würde er die anderen leicht auf seine Seite bringen und so niemand mehr zum Gegner haben. Dieser aber erinnerte ihn an die fromme Rechtgläubigkeit seines Vaters und ermahnte ihn, das überkommene Erbe unversehrt zu bewahren. Er machte ihn auch auf die Verschiedenheit der Glaubenssätze aufmerksam, wie die einen mit der Lehre des Herrn und mit der Predigt der Apostel übereinstimmten, die anderen aber derselben geradezu entgegengesetzt und mit dem geistigen Gesetze im Widerstreit seien. Allein der Jüngling, der eben ein Jüngling war und von seiner irregeleiteten Mutter aufgehetzt wurde, nahm sich nicht nur die Worte nicht zu Herzen, sondern wurde auch voll des Zornes und ließ die Mauern der Kirche mit einer Schar von leicht und schwer bewaffneten Soldaten umzingeln. Da aber jenen wahrhaft großen und einzigartigen Mann nichts von dem, was auf Befehl des Kaisers geschah, erschreckte — er hielt nämlich dasselbe nur für einen Popanz, wie er von gewissen Leuten kleinen Kindern vorgemacht wird —, da geriet der Kaiser in gewaltigen Zorn und befahl ihm offen, vor das Tor der Kirche herauszukommen. Dieser aber erwiderte: „Das werde ich freiwillig nicht tun; ich werde den Schafstall nicht den Wölfen preisgeben und den Tempel Gottes nicht den Lästerern ausliefern. Wenn es dir aber beliebt, zu morden, so durchbohre mich hier im Innern mit dem Schwert oder der Lanze; ich werde bereitwillig einen solchen Tod entgegennehmen.”

Botschaft des Usurpators Maximus an Valentinian den Jüngeren

Erst nach Verlauf längerer Zeit erfuhr Maximus, was man sich gegen den stimmgewaltigen Herold der Wahrheit erlaubt hatte. Da schickte er ein Schreiben an Valentinian mit der Aufforderung, den Kampf gegen den wahren Glauben aufzugeben, und mit der Mahnung, von der frommen Rechtgläubigkeit des Vaters nicht abzulassen. Er fügte auch die Drohung mit dem Kriege hinzu, wenn jener nicht hören wollte. Und wirklich ließ er den Worten die Tat folgen. Er sammelte ein Heer und rückte gegen Mailand, wo jener sich aufhielt. Als derselbe Kunde erhielt von dem Anmarsch, floh er eiligst nach Illyrien, durch die Erfahrung belehrt, was ihm der mütterliche Rat genützt hatte.

Schreiben des Kaisers Theodosius über dieselbe Angelegenheit

Als der preiswürdige Kaiser Theodosius von der Handlungsweise des Kaisers Valentinian Kenntnis erhielt, schrieb er an den flüchtigen Jüngling, es sei nicht zu verwundern, wenn dem Kaiser Furcht, dem Tyrannen dagegen Macht zuteil geworden sei; denn der Kaiser habe gegen den wahren Glauben gekämpft, der Tyrann dagegen sei ihm zu Hilfe gekommen; jener, der ihn preisgegeben, müsse einsam und verlassen die Flucht ergreifen, dieser hingegen trage, mit dem wahren Glauben ausgerüstet, über den Verlassenen den Sieg davon; denn der frommen Rechtgläubigkeit stehe auch ihr Gesetzgeber hilfreich zur Seite. Solches schrieb er, während er noch ferne war. Als er aber auf die Nachricht von dessen Flucht ihm zu Hilfe eilte und sah, wie derselbe das eigene Reich verließ und in das seinige kam, da brachte er zuerst der Seele desselben Heilung, befreite sie von der über sie gekommenen Krankheit der Gottlosigkeit und führte sie wieder zur väterlichen Rechtgläubigkeit zurück; dann redete er ihm zu, guten Mutes zu sein, zog gegen den Tyrannen zu Felde und stellte ohne Blutvergießen dem Jüngling das Reich zurück, den Tyrannen aber ließ er hinrichten1. Er hätte es nämlich für ein Unrecht gehalten und für eine Verletzung der mit Gratian geschlossenen Verträge, wenn er nicht für dessen Ermordung an den Mördern Rache genommen hätte.

Amphilochius, Bischof von Ikonium

Nach der Rückkehr des Kaisers von dort kam der bewunderungswürdige Amphilochius, den ich schon öfter erwähnte, zu ihm und bat ihn, die Konventikel der Arianer aus den Städten vertreiben zu lassen. Der Kaiser hielt jedoch diese Forderung für zu rücksichtslos und ging nicht darauf ein. Der weise Amphilochius schwieg für den Augenblick, ersann aber eine merkwürdige List. Als er nämlich wieder in den Palast kam und bei dem Kaiser dessen Sohn Arkadius stehen sah, der vor kurzem zum Mitkaiser ernannt worden war, grüßte er nur den Kaiser in der gewohnten Weise, den Sohn aber ließ er ohne alle Ehrenbezeigung. Der Kaiser glaubte, Amphilochius habe dieses nur aus Versehen getan, und befahl ihm, näher zu kommen und den Sohn zu küssen. Doch derselbe erwiderte, es genüge die Ehre, die er ihm (dem Kaiser) selbst erwiesen habe: Da wurde der Kaiser unwillig und bezeichnete die Mißachtung seines Sohnes als eine ihm selbst zugefügte Beleidigung. Nun endlich enthüllte der weise Amphilochius den Zweck seines Benehmens und sprach mit erhobener Stimme: „Du siehst, o Kaiser, wie du die Mißachtung deines Sohnes nicht ertragen kannst, sondern denen, die sich gegen ihn unanständig betragen, heftig zürnest. So glaube denn, daß auch der Gott des Weltalls diejenigen verabscheut, welche seinen eingeborenen Sohn lästern, und daß er sie haßt als Undankbare gegen ihren Erlöser und Wohltäter.” So kam der Kaiser zur Einsicht, bewunderte die Tat und die Worte des Bischofs und erließ sofort ein Gesetz, das die Zusammenkünfte der Häretiker verbot.

Das Blutbad in Thessalonich

Indessen ist es nicht leicht, allen Fallstricken des gemeinsamen Feindes der Menschen zu entgehen. Häufig wird, wer der Neigung zur Ausschweifung entrinnt, von der Schlinge der Habsucht erfaßt; wenn er auch diese überwindet, so gähnt von der anderen Seite der Abgrund des Neides; und wenn er auch diesen wieder überspringt, findet er das Netz des Zornes vor seinen Füßen; diese und tausend andere Fußangeln legt der böse Feind den Menschen, um sie ins Verderben zu stürzen. Dazu findet er in den körperlichen Leidenschaften Gehilfinnen für die Nachstellungen, die er der Seele bereitet. Einzig und allein der wachsame Geist behält die Oberhand, indem er durch das Streben nach dem Göttlichen den Andrang der trügerischen Versuchungen bricht. Diese menschliche Natur besaß nun auch der Kaiser, und er hatte auch teil an den Leidenschaften, und so führte die zu dem gerechten Zorne sich gesellende Maßlosigkeit zu einem grausamen, ungerechten und schmerzlichen Ereignis. Ich will des Nutzens der Leser wegen auch diesen Vorfall berichten, da derselbe nicht nur eine Anklage gegen den vielbewunderten Kaiser, sondern auch ein der Erinnerung höchst würdiges Lob in sich schließt.

Thessalonich ist eine sehr große und volkreiche Stadt, die zur Provinz Mazedonien gehört, zugleich aber auch die Hauptstadt ist von Thessalien, Achaia und sehr vielen anderen Provinzen, die dem Statthalter von Illyrien unterstehen. Hier waren bei Gelegenheit eines Aufstandes einige Beamte gesteinigt und mißhandelt worden. Der Kaiser geriet auf die Nachricht hievon in flammende Entrüstung, konnte die heftige Aufwallung seines Zornes nicht bändigen und das ungestüme Drängen desselben auch mit den Zügeln der Vernunft nicht aufhalten, sondern überließ es demselben, das Strafurteil zu fällen. Nachdem aber der Zorn einmal im Besitze der Macht war, zerriß er, willkürlich und gewalttätig wie der Zorn eben ist, alle Bande, schüttelte das Joch der Vernunft ab, zückte das ungerechte Schwert gegen alle und tötete mit den Schuldigen auch die Unschuldigen. So wurden, wie man sagt, siebentausend Menschen niedergemacht, ohne daß eine gerichtliche Untersuchung vorausgegangen wäre und ohne daß eine Verurteilung der Urheber jener Frevel stattgefunden hätte, sondern sie wurden, wie bei einer Ernte die Ähren, alle zumal hinweggemäht.

Der Freimut des Bischofs Ambrosius und die Frömmigkeit des Kaisers

Von diesem jammervollen Vorgang erfuhr auch Ambrosius, jener berühmte Mann, den ich schon öfter erwähnt habe1. Als nun der Kaiser nach Mailand kam und seiner Gewohnheit gemäß das Haus Gottes besuchen wollte, trat ihm Ambrosius vor der Türe entgegen und verwehrte ihm den Eintritt in die Vorhalle mit den Worten: „Du scheinst, o Kaiser, die Größe der Blutschuld, die du auf dich geladen, nicht einzusehen und selbst nachdem der Zorn verraucht ist, hat die Vernunft den begangenen Frevel noch nicht erkannt. Die kaiserliche Gewalt läßt ja wohl die Erkenntnis der Sündhaftigkeit nicht aufkommen, im Gegenteil, die Macht steht der vernünftigen Überlegung im Wege. Man muß deshalb auf die Natur sehen, auf ihre Sterblichkeit und Vergänglichkeit und auf den Staub der Vorfahren, aus dem wir geworden sind und zu dem wir zurückkehren, und darf sich nicht vom Glanz des Purpurs blenden lassen und die Schwäche des darunter verborgenen Körpers vergessen. Du herrschest, o Kaiser, über Menschen von gleicher Natur, ja über deine Mitknechte; denn einer ist der Herr und Kaiser über alle, der Schöpfer aller Dinge. Mit welchen Augen wirst du nun den Tempel des gemeinsamen Herrn ansehen? Mit welchen Füßen jenen heiligen Boden betreten? Wie wirst du deine Hände ausstrecken, die noch träufeln von dem ungerecht vergossenen Blute? Wie wirst du mit solchen Händen den allerheiligsten Leib des Herrn empfangen? Wie wirst du das kostbare Blut deinem Munde zuführen, der mit seinem zornmütigen Befehl so viel unschuldiges Blut vergossen hat? Kehre also um und versuche nicht durch weitere Sünden die erste zu vergrößern, sondern übernimm das Band (der Buße), mit dem auch Gott, der Herr aller Dinge, von oben her dich gebunden wissen will. Dieses Band ist heilsam und verschafft dir wieder die Gesundheit.”

Diesen Worten fügte sich der Kaiser — denn auferzogen in den göttlichen Lehren wußte er genau, was den Priestern und was den Königen zusteht — und kehrte seufzend und weinend in seinen Palast zurück. Nach längerer Zeit, es waren acht Monate verflossen, kehrte das Fest der Geburt unseres Erlösers wieder. Der Kaiser aber saß jammernd in seinem Palast und vergoß Ströme von Tränen. Als dieses Rufinus sah, der damals Hausminister war und als vertrautester Günstling freier reden durfte, näherte er sich dem Kaiser und fragte ihn um die Ursache seiner Tränen. Da seufzte dieser in bitterem Schmerze auf, brach in noch heftigere Tränen aus und sprach: „Du scherzest, Rufinus, denn du empfindest mein Leid nicht. Ich aber seufze und jammere über mein Unglück, wenn ich bedenke, daß den Sklaven und Bettlern der Tempel Gottes offen steht, daß sie frei und ungehindert eintreten und zu ihrem Herrn beten können, mir aber ist derselbe unzugänglich und dazu ist mir auch noch der Himmel verschlossen. Ich gedenke nämlich der Worte des Herrn, die ganz deutlich sprechen: ‚Wen ihr auf Erden binden werdet, der wird auch im Himmel gebunden sein‘.” Da entgegnete dieser: „Wenn es dir gut scheint, will ich eilends hingehen und den Bischof mit inständigen Bitten bewegen, deine Bande zu lösen.” „Er wird sich nicht bereden lassen,” erwiderte der Kaiser, „ich kenne die Unbestechlichkeit des Urteils des Ambrosius; aus Rücksicht auf die kaiserliche Macht wird er niemals das göttliche Gesetz übertreten.”

Als aber Rufinus noch weiter in den Kaiser drang und ihm versprach, den Ambrosius zu überreden, befahl ihm derselbe, ehestens hinzugehen. Ja er selbst folgte, von trügerischen Hoffnungen getragen und auf die Versprechungen des Rufinus vertrauend, in Bälde nach. Kaum aber hatte der heilige Ambrosius den Rufinus erblickt, als er ihm zurief: „Du wetteiferst an Unverschämtheit mit den Hunden, o Rufinus. Denn obschon du als Ratgeber ein so entsetzliches Blutbad angerichtet und so grausam gegen das Ebenbild Gottes gewütet hast, hast du doch alle Scham von deiner Stirne verscheucht und zeigst weder Erröten noch Furcht.” Als darauf Rufinus zu bitten anfing und erklärte, daß auch der Kaiser kommen werde, da ward der heilige Ambrosius von den Flammen des göttlichen Eifers erfaßt und entgegnete: „Ich sage es dir im voraus, o Rufinus, daß ich ihn hindern werde, die heiligen Schwellen zu betreten. Wenn er dann seine Herrschaft in Tyrannei verwandelt, werde auch ich mit Freuden den Todesstreich entgegennehmen.” Als Rufinus solche Sprache vernahm, ließ er dem Kaiser durch einen Boten die Absicht des Bischofs melden und empfahl ihm, zu Hause zu bleiben.

Der Kaiser befand sich mitten auf dem Markte, als ihm diese Nachricht zukam. Er sprach: „Ich will doch hingehen und die gebührende Behandlung auf mich nehmen.” Als er aber zum heiligen Gebäude kam, wagte er es nicht, in den Tempel Gottes einzutreten, sondern begab sich zum Bischof, der im Begrüßungsraum saß, und bat ihn flehentlich, seine Bande zu lösen. Dieser nannte jedoch sein Hieherkommen widerrechtlich und erklärte, Theodosius frevle gegen Gott und trete seine Gesetze mit Füßen. Darauf erwiderte der Kaiser: „Ich will mich nicht über die bestehenden Gesetze hinwegsetzen und verlange nicht, gesetzwidrig das Heiligtum zu betreten, sondern ich bitte dich, meine Fesseln zu lösen, der Barmherzigkeit unseres gemeinsamen Herrn zu gedenken und mir die Türe nicht zu verschließen, welche der Herr allen reuigen Büßern geöffnet hat.” Der Bischof entgegnete: „Welche Reue hast du denn schon gezeigt nach so großer Missetat? Welche Heilmittel hast du angewendet bei so schwer zu heilenden Wunden?” Darauf antwortete der Kaiser: „Deine Sache ist es, die Heilmittel anzugeben und zu bereiten, meine Aufgabe wird es sein, die dargebotenen Heilmittel entgegenzunehmen.” Da sprach der heilige Ambrosius: „Da du dem Zorn das Gericht überlässest und da nicht die Vernunft, sondern der Zorn das Urteil fällt, so erlasse ein Gesetz, welches die Urteile des Zornes für kraftlos und ungültig erklärt. Dreißig Tage lang sollen die auf Tod oder Ächtung mit Vermögenseinziehung lautenden Erkenntnisse auf dem Papiere bleiben und die Prüfung der Vernunft abwarten. Nach Ablauf dieser Tage sollen diejenigen, welche das Urteil aufgesetzt haben, den Strafbefehl wieder vorzeigen, und erst dann, nachdem inzwischen der Zorn sich gelegt hat, soll die Vernunft für sich allein richten und das Urteil prüfen und sehen, ob es gerecht oder ungerecht ist. Wenn sie es ungerecht findet, wird sie das Schriftstück selbstverständlich zerreißen, wenn aber gerecht, wird sie es bestätigen, und die Zahl der Tage wird den richtigen Urteilen nicht schaden.” Der Kaiser nahm diesen Vorschlag an, hielt ihn für sehr gut und gab den Befehl, das Gesetz sogleich abzufassen, und bestätigte es durch eigenhändige Unterschrift. Hierauf löste der heilige Ambrosius das Band.

Erst jetzt wagte der überaus gläubige Kaiser den heiligen Tempel zu betreten, und er flehte nicht etwa stehend zum Herrn, auch nicht kniend, sondern hingestreckt auf dem Boden liegend brach er in die Worte Davids aus: „Es klebet meine Seele am Boden, gib mir Leben nach deinem Worte!” Er raufte sich mit seinen Händen die Haare aus, schlug an seine Stirne, benetzte den Boden mit seinen Tränen und bat um Verzeihung. Als der Augenblick gekommen war, die Opfergaben zum heiligen Tisch zu bringen, erhob er sich und begab sich unter gleichen Tränen in das Presbyterium. Nach der Opferung blieb er, wie er gewohnt war, drinnen in der Nähe der Schranken. Allein der große Ambrosius schwieg auch hier wieder nicht, sondern belehrte ihn über den Unterschied der Räumlichkeiten. Zuerst fragte er ihn, ob er etwas wünsche; und als der Kaiser antwortete, er erwarte die Teilnahme an den heiligen Geheimnissen, ließ er ihm durch den Archidiakon sagen: „Der innere Raum, o Kaiser, ist nur für die Priester zugänglich, für alle anderen aber unzugänglich und unberührbar. Gehe also hinaus und bleibe draußen stehen wie die übrigen; der Purpur macht Kaiser, aber keine Priester.” Auch diese Belehrung nahm der überaus gläubige Kaiser wohlwollend auf und ließ ihm zurücksagen, daß er nicht aus Anmaßung innerhalb der Schranken geblieben sei, sondern weil er diese Sitte in  Konstantinopel so gelernt habe, „Übrigens”, sagte er, „schulde ich auch für diese Zurechtweisung meinen Dank.” In einem so großen und herrlichen Tugendglanze strahlte der Bischof wie auch der Kaiser. Ich bewundere beide, den einen wegen seines Freimutes, den anderen wegen seiner Nachgiebigkeit; den einen wegen der Glut seines Eifers, den anderen wegen der Reinheit seines Glaubens.

Der Kaiser aber beobachtete die Gesetze der Frömmigkeit, die er von dem großen Bischof gelernt hatte, auch nach seiner Rückkehr nach Konstantinopel. Als ihn nämlich wieder ein Fest des Herrn in den Tempel Gottes führte, ging er, nachdem er die Opfergaben zum heiligen Tische gebracht hatte, sofort wieder aus dem Presbyterium heraus. Da ihn nun der Vorsteher der Kirche — es war dieses damals Nektarius — fragte: „Warum bist du nicht herinnen geblieben?”, da antwortete er verdrießlich: „Nur mit Mühe habe ich den Unterschied zwischen einem Kaiser und einem Priester kennen gelernt, denn nur mit Mühe fand ich einen Lehrer der Wahrheit. Ich kenne nur einen Bischof, der es verdient, so zu heißen, Ambrosius.” — So viel Nutzen bringt die Zurechtweisung, wenn sie von einem durch Tugend ausgezeichneten Manne erteilt wird.

Die Kaiserin Placilla

Der Kaiser besaß indessen noch eine andere Hilfe, die ihm von großem Nutzen war. Seine Gemahlin nämlich erinnerte ihn fortwährend an die göttlichen Gebote, nachdem sie sich selbst zuerst genau mit denselben vertraut gemacht hatte. Denn die Macht der kaiserlichen Würde verleitete sie nicht zum Hochmut, sondern entflammte noch mehr ihr Verlangen nach Gott, indem die Größe der Wohltat ihre Liebe zum Wohltäter nur noch steigerte. So trug sie zum Beispiel für die körperlich Verstümmelten und an allen Gliedern Beschädigten mannigfaltige Sorge, und sie bediente sich dazu nicht etwa der Hilfe ihrer Dienerschaft oder der Leibwache, sondern sie unterzog sich persönlich der Mühe, suchte die Hütten derselben auf und brachte einem jeden das Notwendige. So durchwanderte sie auch die Fremdenherbergen der Kirchen und pflegte die bettlägerigen Kranken mit eigener Hand, indem sie selbst die Töpfe in die Hand nahm, die Suppe verkostete, die Schüssel herbeibrachte, das Brot brach, den Bissen darreichte, den Becher ausspülte und alles andere tat, was sonst als Sache der Diener und Dienerinnen angesehen wird. Und wenn man sie von solchen persönlichen Dienstleistungen abhalten wollte, gab sie zur Antwort: „Wohl kommt es der kaiserlichen Würde zu, Gold zu verteilen, ich aber will gerade zum Dank für die Verleihung der kaiserlichen Würde dem Spender derselben meinen persönlichen Dienst zum Opfer bringen.” Ihrem Gemahl aber pflegte sie immer wieder zu sagen: „Du sollst, o Mann, beständig erwägen, was du früher gewesen und was du jetzt bist. Wenn du dieses fortwährend beherzigest, wirst du gegen den Wohltäter nicht undankbar sein, sondern die empfangene Herrschaft nach Recht und Gerechtigkeit führen und damit denjenigen ehren, der sie dir verliehen hat.”— Durch solche Ermahnungen spendete sie dem Samen der Tugend ihres Mannes sozusagen eine überaus herrliche und zuträgliche Bewässerung.

Sie starb vor ihrem Gemahl. Einige Zeit nach ihrem Tode aber trat ein Ereignis ein, das die zärtliche Liebe des Kaisers zu ihr in ein helles Licht rückte.

Der Aufstand in Antiochien

Durch seine häufigen Kriege sah sich der Kaiser genötigt, den Städten eine außerordentliche Abgabe aufzuerlegen. Die Stadt Antiochien nahm aber die neue Steuer nicht an, sondern als das Volk sah, daß die Eintreiber in Angst schwebten, verübte es neben anderem Unfug, den der Pöbel zu treiben pflegt, wenn er Anlaß zu Ausschreitungen findet, auch den, daß es die eherne Bildsäule der allgemein verehrten Placilla — so hieß nämlich die Kaiserin — umstürzte und durch einen großen Teil der Stadt schleifte. Als der Kaiser dieses erfuhr, geriet er begreiflicherweise in Zorn, nahm der Stadt ihre Vorrechte und verlieh den Rang einer Hauptstadt der benachbarten Stadt, weil er glaubte, sie dadurch am empfindlichsten strafen zu können. Laodicea war nämlich schon seit längerer Zeit auf Antiochien eifersüchtig. Außerdem drohte er der Stadt, sie anzuzünden, zu zerstören und in ein Dorf zu verwandeln. Übrigens hatte der Magistrat selbst schon einige, die auf frischer Tat ergriffen worden waren, mit dem Tode bestraft, noch ehe der Kaiser von der traurigen Geschichte Kunde erhielt. Dieses alles befahl zwar der Kaiser, aber es kam nicht zur Ausführung, weil das Gesetz im Wege stand, das auf die Mahnung des großen Ambrosius hin gegeben worden war. Als aber die Überbringer der kaiserlichen Drohungen ankamen, nämlich Ellebechus, der damals Feldherr war, und der Palastvorsteher Cäsarius — die Römer nennen den Inhaber dieses Amtes magister —, da erschauderten alle in Angst und Schrecken vor den Drohungen.

Doch die Helden der Tugend, welche am Fuße des Berges wohnten — und ihrer waren zu der Zeit viele und ganz ausgezeichnete —, wandten sich an jene Männer mit vielen Bitten und Ermahnungen. Der überaus heilige Macedonius, der von den auf das Leben bezüglichen Dingen nichts verstand und selbst in den heiligen Schriften ganz unwissend war, der aber auf den Gipfeln der Berge sich aufhaltend Tag und Nacht dem Erlöser der Menschheit reine Gebete darbrachte, erschrak weder vor dem Zorn des Kaisers noch kümmerte er sich um die Macht der Abgesandten, sondern faßte mitten in der Stadt den einen am Mantel und forderte beide auf, von den Pferden zu steigen. Als diese das kleine, alte und in armselige Lumpen gehüllte Männchen sich ansahen, wurden sie zuerst unwillig, als ihnen aber einige von den Vornehmeren die Tugend des Mannes schilderten, sprangen sie von ihren Pferden, umfaßten seine Knie und baten ihn um Verzeihung.

Dieser aber sprach, von der göttlichen Weisheit geleitet, folgende Worte zu ihnen: „Saget, meine lieben Männer, dem Kaiser: Du bist nicht nur Kaiser, sondern auch Mensch. Sieh also nicht allein auf deine kaiserliche Würde, sondern denke auch an deine Natur! Du bist ein Mensch und herrschest über Wesen derselben Art. Die menschliche Natur aber ist nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen. Laß also das Bild Gottes nicht so grausam und unbarmherzig vernichten! Denn du erbitterst den Schöpfer, wenn du sein Bildnis so schlimm behandelst. Bedenke nur, daß auch du diese Strafen verhängen willst, weil du wegen der Mißhandlung eines ehernen Bildes erzürnt bist! Wie viel aber ein beseeltes, lebendes und vernunftbegabtes Bild vor einem leblosen voraus hat, das ist allen Verständigen klar. Außerdem beherzige auch dieses, daß es uns leicht ist, statt des einen viele andere eherne Bilder fertigen zu lassen, daß es dir aber ganz und gar unmöglich ist, auch nur ein einziges Haar der Getöteten wieder herzustellen.”

Nachdem jene bewunderungswürdigen Männer diese Worte gehört hatten, überbrachten sie dieselben dem Kaiser und löschten damit die Flamme seines Zornes. Und an Stelle seiner früheren Drohungen verfaßte er jetzt eine Verteidigungsschrift und gab darin die Ursache seines Zornes kund. „Denn”, so sagte er, „wenn auch ich selbst gefehlt habe, so brauchte doch diese alles Lobes überaus würdige Frau nicht nach ihrem Tode eine solche Schmach zu erleiden, sondern die Erzürnten hätten ihre Erbitterung gegen mich richten sollen.” Er fügte noch hinzu, daß er es lebhaft bedauere, hören zu müssen, daß einige vom Magistrat hingerichtet worden seien.

Ich aber habe dieses erzählt, weil ich es nicht für recht halte, die Freimütigkeit des berühmten Mönches der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, und weil ich zeigen wollte, wie nützlich jenes Gesetz gewesen, welches der große Ambrosius veranlaßt hatte.

Allgemeine Zerstörung der Götzentempel

Der glaubenseifrige Kaiser wandte seine Sorgfalt auch der Bekämpfung des heidnischen Irrtums zu und erließ Gesetze, in denen er die Götzentempel zu zerstören befahl. Konstantin der Große nämlich, der alles Lobes überaus würdige Herrscher, hatte zwar als erster unter den Kaisern die kaiserliche Würde mit dem Schmuck des wahren Glaubens geziert und, da er den Erdkreis noch im heidnischen Irrwahn verstrickt sah, zwar die Opfer zu Ehren der Dämonen gänzlich untersagt, ihre Tempel aber nicht zerstören, sondern nur schließen lassen. Und auch seine Söhne waren dem Vorbild des Vaters gefolgt. Julian dagegen führte von neuem die heidnische Gottlosigkeit ein und entzündete neuerdings die Flammen des alten Trugs. Als dann Jovian die Herrschaft übernahm, verbot er wiederum den Götzendienst, und auch der große Valentinian regierte Europa nach denselben Gesetzen. Valens dagegen gestattete zwar allen anderen Religionsfreiheit und Freiheit der religiösen Übungen, nur allein die Verteidiger der apostolischen Lehren verfolgte er beständig mit seiner Feindschaft. Daher brannte während der ganzen Zeit seiner Regierung das Feuer auf den Altären, man brachte den Götzen Trank- und Brandopfer dar, feierte Volksfeste offen auf dem Marktplatze, die in die Orgien des Dionysus Eingeweihten liefen in Ziegenfellen umher, trieben die Hunde auseinander, rasten und tobten und taten, was sonst noch die Verworfenheit ihres Lehrers kund zu machen geeignet war. Alle diese Dinge, die der glaubenseifrige Kaiser Theodosius (bei seinem Regierungsantritte) vorfand, rottete er mit der Wurzel aus und übergab sie der Vergessenheit.

Die Zerstörung der Götzentempel durch den Bischof Marcellus von Apamea

Zuerst nun unter allen Bischöfen begann der ganz ausgezeichnete Marcellus auf Grund des Gesetzes in der von ihm regierten Stadt die heidnischen Tempel zu zerstören. Dabei bediente er sich mehr des Vertrauens auf Gott als der Kraft vieler Hände. Ich will auch dieses erzählen, da es wohl verdient, in der Erinnerung zu bleiben.

Der Bischof Johannes von Apamea, den ich schon früher erwähnte, war gestorben und an seiner Stelle der heilige Marcellus geweiht worden, ein Mann, der nach der Vorschrift des Apostels inbrünstig war im Geiste. Da kam nach Apamea der Präfekt des Morgenlandes mit zwei Obersten und ihren Untergebenen. Die Menge verhielt sich ruhig aus Furcht vor den Soldaten. Man versuchte den Tempel des Jupiter, der sehr groß und reich geschmückt und geziert war, zu zerstören. Da man aber das Bauwerk überaus fest und hart fand, so hielt man dafür, daß es Menschen unmöglich sei, das Gefüge der Steine zu lösen. Dieselben waren nämlich sehr groß, genau ineinandergepaßt und dazu noch durch Eisen und Blei miteinander verbunden. Als nun der heilige Marcellus sah, wie der Präfekt mutlos verzagte, ließ er ihn in die anderen Städte weiterziehen, er selbst aber flehte zu Gott, ihm Mittel und Wege an die Hand zu geben zur Zerstörung des Tempels.

Da kam von selbst am frühen Morgen ein Mann, der weder Baumeister noch Steinmetz noch in irgendeiner anderen Kunst erfahren, sondern nur gewohnt war, Steine und Holz auf seinen Schultern zu tragen. Dieser kam und erbot sich, den Tempel mit größter Leichtigkeit zu zerstören, nur forderte er den Lohn zweier Arbeiter. Nachdem der heilige Bischof versprochen hatte, ihm diesen zu geben, gebrauchte jener Mann folgenden Kunstgriff. Der auf einer Höhe gelegene Tempel hatte auf seinen vier Seiten eine Säulenhalle, welche fest mit ihm verbunden war. Die Säulen waren sehr groß und von gleicher Höhe wie der Tempel, der Umfang einer jeden war sechzehn Ellen. Die Natur des Steines war sehr hart und von den Werkzeugen der Steinhauer nicht leicht zu bearbeiten. Jener Mann untergrub nun eine jede Säule rings herum und stützte die darüber liegenden Teile des Gebäudes mit Balken von Ölbaumholz und wandte sich so von der einen zur anderen Säule. Nachdem er so drei Säulen untergraben hatte, legte er Feuer an das hölzerne Gerüste. Allein nun erschien ein schwarzer Dämon, der nicht zuließ, daß die hölzernen Balken ihrer Natur entsprechend vom Feuer verzehrt wurden, der vielmehr die Wirksamkeit des Feuers abwehrte. Nachdem man den Versuch öfter wiederholt hatte und einsah, daß das angewandte Mittel nicht zum Ziele führe, meldete man die Sache dem Bischofe, der eben nach der Mittagszeit ein wenig ausruhte.

Dieser eilte sofort in den heidnischen Tempel, ließ ein Gefäß mit Wasser herbeibringen und stellte das Wasser unter den Opferaltar; er selbst aber warf sich mit seinem Angesichte auf den Boden und flehte zu dem allgütigen Herrn, er möge nicht länger die Tyrannei des Teufels hingehen lassen, sondern die Ohnmacht desselben offenbaren wie auch seine eigene Macht zeigen, damit diese Sache den Ungläubigen nicht Anlaß zu größerem Schaden werde. Nach solchen und ähnlichen Worten machte er das Zeichen des Kreuzes über das Wasser und beauftragte einen gewissen Equitius, der mit der Würde des Diakonats geschmückt und im Glaubenseifer wohl befestigt war, das Wasser zu nehmen, schnell hinzueilen, es mit gläubiger Zuversicht auszusprengen und das Feuer anzulegen. Als dieses so geschah, ergriff der Dämon die Flucht, da er der vom Wasser ausgehenden Kraft nicht zu widerstehen vermochte. Das Feuer aber ergriff das ihm sonst feindliche Wasser wie Öl, erfaßte auch das Holz und verzehrte es in kurzer Zeit. Die Säulen aber fielen, als ihre Stütze weg war, nicht nur selbst zusammen, sondern rissen auch noch zwölf andere mit sich. Auch die Seite des Tempels, welche mit den Säulen verbunden war, stürzte ein, von der Wucht derselben mitfortgerissen. Das Getöse erfüllte die ganze Stadt, denn es war groß, und lockte alle zu dem Schauspiel herbei. Als sie vollends von der Flucht des feindlichen Dämons erfuhren, erhoben sie ihre Stimme zum Preise des Gottes aller Dinge. In dieser Weise zerstörte jener heilige Bischof auch die übrigen Götzentempel.

Ich wüßte über diesen Mann noch viele andere sehr staunenswerte Dinge zu erzählen; so schrieb er zum Beispiel Briefe an die siegreichen Martyrer und erhielt auch schriftliche Antworten von ihnen, und zuletzt erlangte er selbst die Krone der Martyrer; ich will es aber unterlassen, dieses jetzt des weiteren zu berichten, damit ich nicht durch zu große Weitschweifigkeit die Leser meines Werkes ermüde. Ich gehe deshalb zu einem anderen Gegenstande über.

Theophilus, Bischof von Alexandrien, und die dortigen Vorgänge bei der Zerstörung der Götzenbilder

Auf jenen vielgerühmten Athanasius folgte der bewunderungswürdige Petrus, auf Petrus Timotheus, auf Timotheus Theophilus, ein Mann von großem Verstand und tatkräftiger Gesinnung. Dieser befreite Alexandrien von dem Irrwahn des Götzendienstes. Denn er zerstörte nicht nur von Grund aus die Götzentempel, sondern enthüllte auch den Betrogenen die Kunstgriffe der sie betrügenden Priester. Sie machten nämlich die ehernen und hölzernen Götterstatuen inwendig hohl, fügten deren Rückseiten fest an die Mauer an, ließen aber in der Mauer einige unbemerkbare Gänge. Dann gingen sie durch das dem Volke unzugängliche Heiligtum, begaben sich in den inneren, hohlen Raum der Götterstatuen und befahlen durch diese, was ihnen beliebte. Die betrogenen Hörer aber vollzogen, was ihnen befohlen wurde. Diese Dinge also enthüllte der überaus weise Bischof dem getäuschten Volke und machte ihnen für immer ein Ende.

Als er in den Tempel des Serapis kam, der, wie einige behaupten, der größte und schönste Tempel der ganzen Welt war, erblickte er dort das Götzenbild, das sehr groß war und durch seine Größe die Beschauer in Schrecken versetzte. Zu der Größe kam noch eine trügerische Sage, die umging, daß, wenn jemand diesem Götzenbilde sich nähere, die Erde erbeben und ein allgemeiner Untergang über alle hereinbrechen werde. Doch Theophilus hielt dieses Gerede für albernes Geschwätz von betrunkenen alten Weibern, kümmerte sich auch nicht um die Größe der Statue, da sie ja doch leblos war, sondern befahl einem, der eine Axt hatte, mutig auf den Serapis loszuschlagen. Während dieser hieb, schrien alle laut auf aus Furcht vor der genannten Sage. Der Serapis aber empfand, als er den Schlag erhielt, weder Schmerz, da er von Holz war, noch gab er einen Laut von sich, weil er kein Leben hatte. Als ihm aber der Kopf abgeschlagen wurde, sprang aus dem Innern eine ganze Schar von Mäusen heraus. Der Gott der Ägypter war nämlich eine Wohnstätte für Mäuse gewesen. Man teilte ihn nun in kleine Stücke und übergab dieselben dem Feuer, den Kopf aber schleppte man durch die ganze Stadt, so daß seine Verehrer es sehen und über die Ohnmacht des von ihnen angebeteten Gottes sich lustig machen konnten.

So wurden überall zu Wasser und zu Lande die Tempel der Dämonen zerstört.

Bischof Flavian von Antiochien und die Trennung der Abendländer wegen des Paulinus

In Antiochien folgte auf den großen Meletius im bischöflichen Amte Flavian, der gemeinsam mit Diodorus jene zahlreichen Kämpfe für die Rettung der Schafe bestanden hatte. Es wollte zwar Paulinus die Regierung der Kirche an sich reißen, allein die Priesterschaft widersprach mit der Begründung, derjenige, der die Anerbietungen des Meletius nicht angenommen habe, dürfe nach dessen Tod auch den Sitz desselben nicht einnehmen, sondern es gezieme sich, daß derjenige Hirte werde, der sich durch viele Mühen ausgezeichnet und so lange Zeit hindurch für die Schafe Gefahren bestanden habe.

Diese Wahl veranlaßte nun bei den Römern und Ägyptern eine sehr lange dauernde feindselige Stimmung gegen das Morgenland. Denn nicht einmal durch den Tod des Paulinus wurde die Feindschaft beigelegt, sondern auch nach ihm, als Evagrius dessen Sitz einnahm, blieben sie dem großen Flavian abgeneigt und blieben es, obschon Evagrius im Widerspruch mit dem kirchlichen Recht aufgestellt worden war. Es hatte ihn nämlich Paulinus allein erhoben, wodurch er gleichzeitig viele Kanones verletzte. Denn dieselben gestatten nicht, daß der Sterbende sich selbst den Nachfolger bestelle, sondern sie fordern die Berufung aller Bischöfe der Provinz, und wiederum verbieten sie, daß eine Bischofsweihe von weniger als drei Bischöfen vorgenommen werde. Aber von allen diesen Vorschriften wollten jene nichts wissen, hielten sich zur Gemeinschaft des Evagrius und wußten die Ohren des Kaisers gegen Flavian einzunehmen.

Oftmals darum angegangen, berief ihn nämlich der Kaiser nach Konstantinopel und befahl ihm, nach Rom zu reisen. Flavian wies jedoch darauf hin, daß Winter sei, versprach aber, mit Eintritt der milderen Jahreszeit den Befehl auszuführen. Hierauf kehrte er wieder in seine Heimat zurück. Da jedoch die Bischöfe von Rom, nicht nur der bewunderungswürdige Damasus, sondern auch dessen Nachfolger Siricius und der auf Siricius folgende Anastasius dem gläubigfrommen Kaiser heftigere Vorwürfe machten und ihm vorhielten, daß er zwar die Empörer gegen seine eigene Herrschaft unterdrücke, dagegen diejenigen, welche sich gegen die Gesetze Christi auflehnten, in ihrer unrechtmäßigen Herrschaft belasse, so ließ ihn der Kaiser abermals zu sich rufen und wollte ihn zwingen, nach Rom zu reisen. Da sprach nun der überaus weise Flavian mit lobenswertem Freimut: „Wenn einige, o Kaiser, meinen Glauben als häretisch verdächtigen oder mein Leben für des Priestertums unwürdig erklären, so will ich meine Ankläger selbst als Richter erkennen und das von ihnen gefällte Urteil gerne annehmen. Wenn sie aber um den bischöflichen Stuhl und Vorsitz streiten, so will ich nicht rechten und kämpfen mit denjenigen, welche ihn mir entreißen wollen, sondern ich will zurücktreten und auf das bischöfliche Amt verzichten. Gib also, o Kaiser, den Stuhl von Antiochien, wem du willst.” Der Kaiser bewunderte den Mut und die Weisheit des Flavian und befahl ihm, in sein Land zurückzukehren und die ihm anvertraute Kirche weiter zu regieren.

Seitdem war eine geraume Zeit verstrichen, als der Kaiser nach Rom kam und von den Bischöfen wiederum dieselbe Klage hören mußte, daß er nämlich der unrechtmäßigen Regierung des Flavian kein Ende mache. Da verlangte er von ihnen, daß sie die Art der unrechtmäßigen Herrschaft näher bezeichneten, und fügte bei, er selbst sei Flavian und zum Anwalt desselben geworden. Und als sie darauf erwiderten, mit dem Kaiser könnten sie nicht streiten, da ermahnte er sie, fernerhin die Kirchen zur Eintracht zurückzuführen, den Streit ruhen zu lassen und das unnütze Gezänke zu unterdrücken. „Denn Paulinus ist schon längst gestorben und Evangrius auf unrechtmäßige Weise erhoben worden. Die Kirchen des Morgenlandes anerkennen den Vorsitz des Flavian, und außer dem Morgenlande steht die ganze Provinz Asien, der Pontus und selbst Thracien mit ihm in Gemeinschaft und Verbindung, und ebenso erkennt ihn ganz Illyrien als Vorsteher der Bischöfe des Morgenlandes.” Diesen Vorstellungen gaben die Bischöfe des Abendlandes nach und versprachen, die Feindseligkeit aufzugeben und die Gesandten, die geschickt würden, wohlwollend aufzunehmen.

Auf die Kunde hievon schickte der heilige Flavian einige lobwürdige Bischöfe und von Antiochien mehrere Priester und Diakonen nach Rom. An der Spitze der gesamten Gesandtschaft stand Acacius, der mit der Regierung der Kirche von Beröa in Syrien betraut und überall zu Wasser und zu Lande bekannt und berühmt war. Dieser kam mit den übrigen Abgeordneten nach Rom, machte der langwierigen, siebzehn Jahre dauernden Spaltung ein Ende und vermittelte den Kirchen den Frieden. Auf die Nachricht hievon gaben auch die Ägypter ihre Feindschaft auf und schlossen sich dem allgemeinen Frieden an. Damals leitete die Kirche der Römer Innozenz, der Nachfolger des Anastasius, ein durch Umsicht und Weisheit ausgezeichneter Mann. Zu Alexandrien regierte Theophilus, dessen ich schon früher gedachte.

In dieser Weise vermittelte also der glaubenseifrige Kaiser den Frieden der Kirchen.

Die Empörung des Eugenius und der durch den Glauben errungene Sieg des Kaisers Theodosius

Noch vor der Wiederherstellung des Friedens erhielt Theodosius die Nachricht von dem Tode des Valentinian und der Empörung des Eugenius und zog deshalb mit einem Heere nach Europa. In jener Zeit war in Ägypten ein gewisser Johannes, der die Lebensweise der Aszeten führte. Dieser erfreute sich einer besonderen Geistesgabe; er sagte denen, die ihn darum fragten, viele zukünftige Dinge voraus. Zu diesem schickte nun der Christus liebende Kaiser Boten, um von ihm zu erfahren, ob er gegen die Empörer Krieg führen solle. Bei dem ersten Krieg hatte derselbe einen Sieg ohne Blutvergießen vorausgesagt, bei dem zweiten dagegen prophezeite er, daß der Kaiser den Sieg erringen werde, aber erst nach vielem Blutvergießen.

Mit dieser Hoffnung zog der Kaiser in den Kampf und machte in der Schlacht viele Feinde nieder, verlor aber auch viele aus den Reihen der barbarischen Hilfstruppen. Als die Feldherrn darauf aufmerksam machten, daß der Streiter zu wenig seien, und als sie deshalb rieten, den Krieg aufzuschieben, um bei Beginn des Frühlings ein Heer zu sammeln und den Feinden an Zahl überlegen zu sein, da ging der tiefgläubige Kaiser auf diesen Rat nicht ein; denn, sagte er, man dürfe weder das Kreuz des Erlösers einer solchen Schwäche zeihen noch auch dem Bilde des Herkules eine so große Macht zuschreiben. „Denn unserem Heere wird das Kreuz, dem der Feinde jenes Bild vorangetragen.” Nach diesen mit gläubiger Zuversicht gesprochenen Worten verbrachte er, da das ihm noch gebliebene Heer gering an Zahl und stark entmutigt war, die ganze Nacht im Gebete zum Herrn der Welt zu, und zwar in einem Bethäuschen, das er auf der Höhe des Berges, wo das Lager war, vorgefunden hatte.

Um die Zeit des Hahnenschreies aber siegte der Schlaf über den Willen. Während er nun so auf dem Erdboden da lag, schien es ihm, als sehe er zwei Männer in weißen Gewändern und auf weißen Pferden sitzend, die ihn aufforderten, guten Mutes zu sein, die Furcht aus dem Herzen zu bannen und gegen Tagesanbruch das Heer zu bewaffnen und in Schlachtordnung aufzustellen; sie seien nämlich, so sagten sie, als Helfer und Vorkämpfer gesandt. Der eine sagte, er sei der Evangelist Johannes, der andere, er sei der Apostel Philippus. Auch nach diesem Gesicht ließ der Kaiser nicht nach im flehentlichen Gebete, sondern verrichtete dasselbe nur mit noch größerer Inbrunst. Dasselbe Gesicht hatte aber auch ein gewöhnlicher Soldat; er offenbarte es dem Hauptmann, dieser schickte ihn zum Oberst und der Oberst zum General, der General aber meldete es dem Kaiser in der Meinung, ihm etwas ganz Neues zu verkünden. Dieser aber erwiderte: „Nicht meinetwegen hat der Soldat jenes Gesicht gehabt; denn ich habe denen, welche mir den Sieg versprachen, vollen Glauben geschenkt; sondern damit niemand argwöhne, ich hätte aus Verlangen nach der Schlacht die Erscheinung erdichtet, deshalb hat der Beschützer meiner Herrschaft das Gesicht auch diesem Soldaten kund gemacht, damit er ein zuverlässiger Zeuge meiner Erzählung werde. Denn mir hat unser gemeinsamer Herr dieses Gesicht zuerst gezeigt. Hinweg also mit der Furcht, folgen wir den Vorkämpfern und Führern im Streite! Niemand erwarte den Sieg von der Menge der Kämpfenden, jeder denke vielmehr an die Macht der Führer!” Solche Worte sprach er auch zu den Soldaten und erfüllte sie alle mit feurigem Mute. Darauf führte er sie vom Gipfel des Berges herab. Als der Usurpator von der Ferne die Kampflust dieser Soldaten gewahrte, bewaffnete auch er sein Heer und stellte es in Schlachtordnung auf. Er selbst blieb auf einem Hügel zurück, äußerte, daß der Kaiser zu sterben wünsche und in den Kampf ziehe, um von dem gegenwärtigen Leben los zu werden, und gab seinen Feldherrn den Befehl, ihm denselben lebend und gefesselt zuzuführen.

Als die Schlachtreihen aufgestellt waren, zeigte sich die Menge der Feinde um ein vielfaches größer als das Heer des Kaisers, das sehr leicht zu zählen war. Kaum aber hatte man auf beiden Seiten begonnen, die Geschosse zu schleudern, als die (himmlischen) Beschützer ihre Versprechungen als wahr erwiesen. Denn ein gewaltiger Sturmwind, der seine Richtung gegen den Feind nahm, warf ihre Pfeile, Lanzen und Speere zurück, so daß jegliches Geschoß für sie nutzlos war und weder Schwerbewaffnete noch Bogenschützen noch Leichtbewaffnete dem Heere des Kaisers Schaden zufügen konnten. Außerdem wurden ihnen ganze Wolken von Staub in das Gesicht getrieben, die sie zwangen, ihre Augenlider zu schließen, um so ihre gefährdeten Augen zu schützen. Die Soldaten des Kaisers dagegen erfuhren von jenem Sturm nicht den geringsten Nachteil, sondern machten die Feinde unerschrocken nieder. Als letztere das merkten und darin die göttliche Hilfe erkannten, warfen sie ihre Waffen weg und baten den Kaiser um Schonung. Dieser gewährte sie auch und schenkte ihnen Barmherzigkeit, verlangte aber, daß sie ihm den Empörer so schnell als möglich auslieferten. So stiegen sie eilends den Hügel hinan, auf dem derselbe sich niedergelassen hatte. Er hatte keine Ahnung von dem, was vorgegangen war. Als er sah, wie sie keuchend sich näherten und durch ihr rasches Atmen die Eile, die sie hatten, zu erkennen gaben, da hielt er sie für Siegesboten und fragte sie, ob sie auch seinem Auftrag gemäß den Theodosius gefesselt mit sich führten. Doch diese erwiderten: „Nicht jenen bringen wir zu dir her, sondern dich haben wir zu jenem hinzuführen. So hat es uns der Herr des Weltalls befohlen.” Mit diesen Worten rissen sie ihn von seinem Stuhle weg, legten ihn in Fesseln und führten ihn gebunden ab. So brachten sie den als Gefangenen zurück, der sich noch kurz zuvor so übermütig benommen hatte. Der Kaiser aber gedachte der Freveltaten desselben gegen Valentinian, der gesetzwidrigen Anmaßung der Gewalt und des Krieges gegen die rechtmäßige Herrschaft; er spottete auch über das Bild des Herkules und über die törichte Hoffnung, die man auf ihn gesetzt hatte; und dann sprach er über ihn das gerechte und gesetzliche Strafurteil aus.

So war also der Kaiser im Frieden und im Kriege; immer bat er um die Hilfe Gottes, immer wurde sie ihm auch zuteil.

Das Ende des Kaisers Theodosius

Nach diesem Siege erkrankte er und teilte das Reich unter seine Söhne: dem älteren gab er den von ihm selbst regierten Teil, dem jüngeren übertrug er die Herrschaft über Europa. Den einen wie den anderen aber ermahnte er, vollkommene Frömmigkeit zu üben. „Denn durch diese”, so sagte er, „wird der Friede bewahrt und der Krieg beendigt, werden die Feinde in die Flucht geschlagen, Trophäen errichtet und der Sieg entschieden.” Nach solchen Ermahnungen an seine Söhne starb er, unvergänglichen Ruhm hinterlassend. Die Nachfolger in der kaiserlichen Würde wurden aber auch die Erben seiner Frömmigkeit.

Der Kaiser Honorius und der Mönch Telemachus

Honorius nämlich, der die Herrschaft über Europa erlangt hatte, hob die zu Rom von alter Zeit her stattfindenden Gladiatorenspiele auf. Der Anlaß hiezu war folgender. Ein gewisser Telemachus, der ein aszetisches Leben führte, verließ wegen dieser Angelegenheit das Morgenland und reiste nach Rom, begab sich, als dieses abscheuliche Schauspiel dort wieder einmal aufgeführt wurde, ebenfalls in das Stadium, stieg in die Arena hinunter und versuchte die gegeneinander Kämpfenden davon abzubringen. Allein die Zuschauer bei dem mörderischen Spiel ergrimmten darüber, und erfüllt von der Wut des Dämons, der an jenem Blutvergießen seine Freude hatte, steinigten sie den Boten des Friedens. Auf die Kunde hievon zählte der ruhmwürdige Kaiser den Mönch den siegreichen Martyrern bei, jenes verwerfliche Schauspiel aber untersagte er für immer.

Die Frömmigkeit des Kaisers Arkadius und die Weihe des Bischofs Johannes (Chrysostomus)

In Konstantinopel war Nektarius, der Hirte dieser Kirche, gestorben. Da erfuhr Arkadius, dem die Regierung dieses Reichsteiles zugefallen war, daß zu Antiochien Johannes, das große Licht des Erdkreises, in die Zahl der Priester aufgenommen worden sei. Er ließ nun diesen kommen und trug den versammelten Bischöfen auf, ihm die göttliche Weihe zu erteilen und ihn zum Hirten jener so großen Stadt zu bestellen. Dieses allein ist schon hinreichend, den Eifer des Kaisers für die göttlichen Dinge deutlich erkennen zu lassen.

Um dieselbe Zeit war in Antiochien der heilige Flavian Bischof, zu Laodicea Elpidius, der einstige Hausgenosse des großen Meletius, der dessen Lebensweise genauer nachbildete als das Wachs die Formen der Siegelringe. Dieser war dem großen Pelagius gefolgt. Der Nachfolger des heiligen Marcellus war Agapet, von dem ich bereits erwähnte, daß er zur Zeit der häretischen Wirren in der Ringschule der Aszese sich besonders hervortat. Zu Seleucia am Taurus war Maximus Bischof, der Mitschüler des großen Johannes, zu Mopsuestia Theodorus; beide letztere waren berühmte Lehrer. Durch Einsicht und frommes Leben zeichneten sich aus der heilige Acacius, der Beröa leitete, und Leontius, der die Provinz Galatien regierte, ein Mann, der in den mannigfachsten Tugenden glänzte.

Der göttliche Freimut dieses Bischofs

Nachdem der große Johannes das Steuerruder der Kirche ergriffen hatte, tadelte er mit Freimut die Ungerechtigkeiten, welche von einigen begangen wurden, erteilte dem Kaiser und der Kaiserin nützliche Ratschläge und forderte von den Priestern, daß sie den bestehenden Gesetzen gemäß lebten. Denjenigen aber, welche diese Gesetze zu übertreten wagten, verwehrte er den Eintritt in das Presbyterium, indem er erklärte, diejenigen dürften der priesterlichen Ehren nicht teilhaftig werden, welche den Lebenswandel echter Priester nicht nachahmen wollten. Und solche Sorgfalt wandte er nicht nur jener Stadt zu, sondern auch ganz Thrazien, das in sechs Provinzen geteilt ist, und ganz Asien, das von elf Vorstehern verwaltet wird. Auch den Pontus, der ebenso viele Vorsteher zählt wie Asien, schmückte er mit denselben Gesetzen.

Die Zerstörung der Götzentempel in Phönizien

Als er vernahm, daß Phönizien noch immer für die Mysterien der Dämonen schwärme, sammelte er von göttlichem Eifer glühende Aszeten, rüstete sie mit kaiserlichen Gesetzen aus und sandte sie gegen die Götzentempel. Das Geld aber, welches den mit der Zerstörung betrauten Handwerkern und deren Gehilfen ausbezahlt wurde, nahm er nicht aus der kaiserlichen Schatzkammer, sondern er bewog die mit Reichtümern gesegneten und durch gläubige Gesinnung ausgezeichneten Frauen, dasselbe freigebig zu spenden, indem er auf den aus solcher Hingabe erwachsenden göttlichen Segen hinwies. Auf solche Weise ließ er die bisher noch verschonten Tempel der Dämonen von Grund aus zerstören.

Die Kirche der Gothen

Da er außerdem das scythische Volk in den Netzen des Arianismus gefangen sah, suchte er auch seinerseits dieser Not abzuhelfen und ersann ein Mittel, sie für die Kirche zu gewinnen. Er stellte nämlich Priester, Diakonen und Vorleser der heiligen Schriften auf, die deren Sprache redeten, wies ihnen eine eigene Kirche zu und gewann durch sie viele der Irrenden. Häufig begab er sich auch selbst dorthin und predigte mit Hilfe eines Dolmetschers, der beider Sprachen mächtig war, und veranlaßte solche, welche die Gabe der Rede hatten, das Gleiche zu tun. Diese Tätigkeit übte er beständig drinnen in der Stadt und gewann viele der Irregeleiteten dadurch, daß er den Nachweis führte für die Wahrheit der apostolischen Predigt.

Seine Sorge für die Scythen und sein Eifer gegen die Marcioniten

Als er vernahm, daß einige scythische Nomaden, die ihre Zelte am Ister aufgeschlagen hatten, nach dem Heile dürsteten, daß sie aber niemand hätten, der ihnen den Trank reichte, suchte er Männer, die von Eifer für die apostolische Philosophie beseelt waren, und schickte sie zu ihnen als Missionäre. Ich habe auch einen Brief gelesen, den er an den Bischof Leontius von Ancyra schrieb, in dem er ihm die Bekehrung der Scythen mitteilte und ihn bat, ihm Männer zu schicken, welche geeignet wären, die Leitung derselben zu übernehmen. — Als er erfuhr, daß in unserer Gegend die Krankheit des Marcion einige Dörfer angesteckt habe, schrieb er an den damaligen Bischof, ermahnte ihn, die Krankheit auszutreiben, und bot ihm die Hilfe der kaiserlichen Gesetze an.

Wie er also nach den Worten des heiligen Apostels die Sorge für die Kirchen in seinem Herzen mit sich herumtrug, das geht aus dem Gesagten deutlich hervor. Seinen Freimut aber kann man bei einer anderen Gelegenheit kennen lernen.

Die Forderung des Gainas und die Antwort des Bischofs Johannes

Ein gewisser Gainas, seiner Abstammung nach ein Scythe, seiner Gesinnung nach mehr als ein Barbar, ein Mann von herrschsüchtigem Geiste, war in jener Zeit Feldherr und hatte nicht nur viele Stammesgenossen unter sich, sondern befehligte neben diesen auch die römische Reiterei und Fußarmee. Es fürchteten ihn aber nicht nur alle übrigen Menschen, sondern auch selbst der Kaiser, der sein Streben nach der Herrschaft mit argwöhnischen Blicken verfolgte. Derselbe war von der Krankheit des Arius angesteckt. Deshalb stellte er an den Kaiser das Ansinnen, ihm eines der gottesdienstlichen Gebäude zu überlassen. Der Kaiser antwortete, er wolle sehen, was sich machen lasse, und versprach, ihm zu Diensten zu sein. Er ließ dann den heiligen Johannes zu sich kommen, teilte ihm die Forderung des Gainas mit, erinnerte an dessen Macht und Ansehen, gab ihm zu verstehen, daß derselbe nach der Herrschaft strebe, und verlangte durch Einräumung einer Kirche den hochfahrenden Sinn des Barbaren zu zügeln. Allein jener mutige Mann erwiderte: „Versprich solches nicht, o Kaiser, und laß das Heilige nicht den Hunden übergeben! Denn ich kann es nicht über mich bringen, diejenigen, welche den Gott Logos als Gott bekennen und preisen, aus dem Tempel Gottes hinauszutreiben und diesen dann denen auszuliefern, welche den Logos lästern. Fürchte doch diesen Barbaren nicht, o Kaiser, sondern laß uns beide rufen, und höre dann du stille unserer Verhandlung zu; ich werde seine Zunge zügeln und ihn dahin bringen, daß er nicht im geringsten mehr fordere, was zu geben nicht frommt.”

Als der Kaiser dieses hörte, freute er sich und ließ am folgenden Tage beide zu sich kommen. Gainas verlangte das Versprochene, der große Johannes aber hielt ihm entgegen, daß es dem Kaiser nicht erlaubt sei, etwas gegen die göttlichen Dinge zu unternehmen, wenn er anders dem wahren, gottesfürchtigen Glauben treu bleiben wolle. Und als jener erwiderte, daß auch er ein Bethaus haben müsse, entgegnete der große Johannes: „Jedes Gotteshaus steht dir offen, und niemand hält dich zurück, wenn du darin beten willst.” „Aber”, sagte Gainas, „ich gehöre zu einer anderen Partei und verlange mit meinen Parteigenossen nur ein einziges Gotteshaus, und dieses verlange ich mit vollem Recht, da ich für die Römer viele kriegerische Kämpfe zu bestehen habe.” „Du hast aber”, erwiderte jener, „Belohnungen empfangen, die größer sind als deine Mühen; denn du bist Feldherr und geschmückt mit dem Gewande eines Konsulars; du mußt bedenken, was du früher gewesen und was du jetzt geworden bist, wie groß deine frühere Dürftigkeit und wie groß dein gegenwärtiger Reichtum ist, was für Kleider du hattest, bevor du über den Ister gegangen, und was für Gewänder dich jetzt schmücken. Beherzige also, daß die Mühen gering, die Ehren aber sehr groß sind, und werde nicht undankbar gegen diejenigen, welche dich so sehr geehrt haben!” Mit solchen Worten stopfte der Lehrer des Erdkreises dem Gainas den Mund und zwang ihn, zu schweigen.

Die Gesandtschaft des Johannes an Gainas

Nach einiger Zeit enthüllte letzterer dennoch seine lange genährte aufrührerische Gesinnung. Er sammelte in Thracien ein Heer und plünderte und verheerte die weitesten Gebiete. Auf die Nachricht hievon gerieten alle, Regierende wie Untertanen, in Schrecken, und niemand wollte gegen ihn zu Felde ziehen, jedermann hielt es auch für gefährlich, als Gesandter zu ihm zu gehen; denn jeder fürchtete seine barbarische Gesinnung.

In dieser Lage überging man alle anderen als furchtsam und bestimmte diesen großen, mutigen Mann, die Gesandtschaft zu übernehmen. Dieser kümmerte sich nicht um den Widerstand, den er früher demselben entgegengesetzt, noch um die Spannung, die daraus entstanden war, sondern reiste herzhaft und entschlossen nach Thrazien. Als nun Gainas von der bevorstehenden Ankunft des Gesandten Kenntnis erhielt und seines mutigen Eintretens für die wahre Religion sich erinnerte, kam er ihm von weitem entgegen, legte dessen Rechte auf seine Augen und führte sogar seine Kinder zu den heiligen Knien desselben. So sehr ist die Tugend imstande, auch die feindseligsten Gemüter mit Ehrfurcht und Scheu zu erfüllen.

Das ungerechte Verfahren gegen Johannes (Chrysostomus)

Allein der Neid konnte den Glanz der Weisheit jenes Mannes nicht ertragen, sondern er gebrauchte die ihm eigenen ränkevollen Mittel, um die Kaiserstadt oder besser gesagt den ganzen Erdkreis seiner Stimme und seines Geistes zu berauben. Ich aber weiß, an diesem Punkte meiner Geschichte angelangt, nicht, wie mir zu Mute ist. Ich möchte einerseits die an ihm verübten Frevel und Ungerechtigkeiten offen erzählen, andererseits aber habe ich ehrerbietige Scheu vor der sonstigen Tugendhaftigkeit derer, die ihm das Unrecht zugefügt haben. Deshalb will ich versuchen, selbst Ihre Namen geheim zu halten. Dieselben hatten verschiedene Gründe, ihm feind zu sein, und wollten den hellen Glanz der Tugend dieses Mannes nicht ansehen. Sie fanden einige elende Ankläger, und obschon sie die Verleumdung als solche klar durchschauten, setzten sie doch fern von der Stadt ein Gericht ein und fällten das Urteil. Der Kaiser aber, der ihnen als Priestern Glauben schenkte, verfügte, daß jener weit weg von der Stadt seinen Aufenthalt nehmen solle. So wurde derselbe, ohne die Anklage gehört und ohne sich verteidigt zu haben, gleich als wäre er der Punkte, deren man ihn beschuldigte, überführt, gezwungen, die Stadt zu verlassen. Er begab sich nach dem am Eingang zum Pontus gelegenen Hieron. So heißt nämlich der dortige Ankerplatz. Da aber während der Nacht ein sehr heftiges Erdbeben entstand, das die Kaiserin in gewaltigen Schrecken versetzte, so sandte man gegen Morgen Boten an den Vertriebenen mit der Bitte, schleunigst in die Stadt zurückzukehren und die Gefahr von ihr abzuwenden. Nach diesen Boten wurden noch andere geschickt und nach diesen wieder andere, so daß schließlich der Bosporus mit Abgesandten ganz bedeckt war. Als das gläubige Volk dieses erfuhr, verstopfte es förmlich mit seinen Segelschiffen den Ausgang der Propontis; denn alle eilten ihm mit brennenden Wachsfackeln entgegen.

Für dieses Mal wurde also die engverbundene Schar seiner Feinde auseinandergesprengt. Aber nach wenigen Monaten fanden sie sich wieder zusammen und forderten Rechenschaft nicht in betreff der früheren falschen Anklagepunkte, sondern wegen des nach der Absetzung gehaltenen Gottesdienstes. Johannes entgegnete, er sei nicht ordnungsgemäß gerichtet worden, habe keine Anklage gehört, habe sich nicht verteidigen können, sei auch nicht in seiner Gegenwart verurteilt, sondern vom Kaiser verbannt und von ihm auch wieder zurückgerufen worden. Seine Feinde beriefen indessen eine neue Synode und verlangten nicht einmal ein geordnetes Rechtsverfahren, sondern redeten dem Kaiser ein, daß das Urteil gesetzmäßig und gerecht gewesen sei, und verbannten ihn nicht nur aus jener Stadt, sondern schickten ihn auch in ein kleines und einsames Städtchen Armeniens mit Namen Kukusus. Auch von dort vertrieben sie ihn wieder und verwiesen ihn nach Pityus, dem äußersten Punkt des Pontus und des römischen Reiches, in der Nähe der wildesten Barbaren. Doch der gütige Herr duldete nicht, daß der ruhmvolle Kämpfer und Sieger bis zu diesem Inselchen geschleppt werde. Denn als er nach Komana gekommen war, nahm er ihn auf in das ewig junge und schmerzlose Leben. Sein Leib aber, der so herrliche Kämpfe bestanden hatte, wurde neben dem Reliquienschrein des Martyrers Basiliscus beigesetzt, wie es der Martyrer im Traume befahl.

Die durch die Verfolgung des Johannes (Chrysostomus) veranlaßten Ereignisse

Wie viele Bischöfe nun um seinetwillen von ihren Kirchen vertrieben und selbst bis an die äußersten Grenzen des Erdkreises verbannt wurden, wie viele auch von denen, welche die aszetische Lebensweise sich erwählt hatten, dem gleichen Schicksale verfielen, das scheint mir überflüssig zu erzählen und die Darstellung zu sehr in die Länge zu ziehen. Überdies halte ich es für angezeigt, die widerlichen Vorgänge nur kurz zu behandeln und die Fehler der dabei tätigen Personen, da sie gleichen Glaubens mit uns sind, zuzudecken. Die meisten von ihnen haben auch ihr Unrecht gebüßt und durch ihre Leiden den Übrigen eine nützliche Lehre gegeben.

Dieses Unrecht verabscheuten ganz besonders die Bischöfe Europas; sie trennten sich sogar von der Gemeinschaft der Urheber desselben, und sämtliche Illyrier schlossen sich ihnen an. Die meisten Bischöfe der morgenländischen Städte dagegen vermieden zwar die Teilnahme an dem Unrecht, spalteten aber nicht den Leib der Kirche. Selbst als der große Lehrer des Erdkreises gestorben war, stellten die Bischöfe des Abendlandes die Kirchengemeinschaft mit denen in Ägypten, im Morgenlande, im Bosporus und in Thrazien nicht eher wieder her, als bis diese den Namen jenes ehrwürdigen Mannes in die Liste der verstorbenen Bischöfe aufgenommen hatten. Und den Arsacius, der auf jenen folgte, würdigten sie nicht einmal einer Begrüßung; den Attikus aber, den Nachfolger des Arsacius, der oftmals Gesandte schickte und oftmals um Frieden bat, anerkannten sie erst später, als er den Namen des Heiligen in das Verzeichnis der Bischöfe eingetragen hatte.

Alexander, Bischof von Antiochien

Um diese Zeit war Cyrill Bischof von Alexandrien, ein Neffe des Theophilus, der nach seinem Onkel den bischöflichen Stuhl erhalten hatte. Den Bischofssitz von Jerusalem hatte Johannes inne, ein bewunderungswürdiger Mann, der Nachfolger des früher erwähnten Cyrill. Die Kirche von Antiochien leitete Alexander, dessen Lebenswandel seiner hohepriesterlichen Würde entsprach. Da er nämlich die Zeit vor seiner Erhebung auf den bischöflichen Stuhl in der Ringschule der Vollkommenheit zugebracht und sich aufs eifrigste den religiösen Übungen hingegeben hatte, so zeigte er sich als einen wackeren Kämpfer, der mit Worten unterwies und mit seinem Lebenswandel seine Worte bekräftigte. Er war der Nachfolger des Porphyrius, der nach Flavian das Steuerruder jener Kirche geführt und viele Denkmäler seines menschenfreundlichen Wesens hinterlassen hatte. Dieser zeichnete sich durch Klugheit des Geistes aus, der heilige Alexander aber war groß durch sein Streben nach Tugend, durch seine Liebe zur Weisheit, durch ein Leben der Armut, durch den Fluß seiner Rede und auch tausend andere Gaben der Gnade.

Dieser (Alexander) vereinigte auch die Partei des großen Eustathius, deren Anschluß früher Paulinus und nach ihm Evagrius vereitelt hatten, durch freundliches Zureden und Ermahnen mit dem übrigen Körper der Kirche und feierte ein Fest, wie es ähnlich noch nie jemand gesehen hat. Er zog nämlich mit allen seinen Glaubensgenossen, mit den Priestern und dem Volke, an den Ort, wo die Eustathianer versammelt waren. Er hatte auch Sänger mitgenommen und ein Festlied verfaßt, das für beide Teile sich eignete, und füllte vom kleinen westlichen Tor an bis zur Hauptkirche den ganzen Marktplatz mit Menschen, die aussahen wie ein Strom vernünftiger Wesen, der mit dem vorbeifließenden Wasserstrom wetteiferte. Die Juden, die Anhänger der arianischen Häresie und die ganz geringen Überreste der Heiden seufzten und jammerten bei diesem Anblick, als sie sahen, wie auch die anderen Ströme sich in das Meer der Kirche ergossen.

Dieser hat zuerst den Namen des großen Johannes (Chrysostomus) in die kirchlichen Diptychen aufgenommen.

Die Zurückführung der Reliquien des Johannes

Später wurden selbst die Reliquien des Lehrers in die Kaiserstadt zurückgeführt. Und wiederum bedeckte das gläubige Volk, das in seinen Schiffen auf dem Meere sich bewegte wie auf festem Lande, mit Fackeln den Ausgang des Bosporus zur Propontis.

Der Glaube des Kaisers Theodosius und seiner Schwestern

Es war aber der gegenwärtige Kaiser, der diesen Schatz in jene Stadt zurückgeführt hat, er, der von seinem Großvater nicht nur den Namen geerbt, sondern auch dessen gläubige Frömmigkeit unverfälscht bewahrt hat. Dieser preßte seine Augen und seine Stirne auf den Reliquienschrein und leistete für seine Eltern Abbitte und flehte um Verzeihung für das Unrecht, das sie ihm aus Unwissenheit zugefügt hätten.

Denn seine Eltern waren schon längst gestorben und hatten ihn noch ganz jung als Waisen zurückgelassen. Doch der Gott seiner Väter und Vorfahren ließ es nicht zu, daß er seine Verwaisung besonders zu fühlen hatte. Denn er sorgte dafür, daß er die Nahrung der rechtgläubigen Frömmigkeit erhielt, bewahrte sein Reich vor Aufruhr und zügelte die revolutionären Gelüste. Eingedenk dieser Wohltaten ehrte der Kaiser seinen Wohltäter immer mit Lobpreisungen. Bei diesen Lobgesängen unterstützen ihn als Genossinnen seine Schwestern, welche lebenslängliche Jungfräulichkeit üben, die Beschäftigung mit den heiligen Schriften als den größten Genuß betrachten und die Hände der Dürftigen als sichere Schatzkammer erachten. Den Kaiser selbst aber zieren außer vielen anderen Vorzügen nicht zum wenigsten seine Menschenfreundlichkeit und Sanftmut, eine unerschütterliche Gemütsruhe und ein unverfälschter, bewährter Glaube. Als deutlichen Beweis hierfür will ich folgendes Beispiel anführen.

Ein Mann, der zwar die aszetische Lebensweise erwählt hatte, aber doch eine etwas anmaßende Gemütsart besaß, kam einst zum Kaiser mit einer Bitte. Als er dieses öfter tat und keine Erhörung mehr fand, entzog er dem Kaiser die kirchliche Gemeinschaft und ging nach Auferlegung des Bandes von dannen. Als nun der überaus gläubige Kaiser in seinen Palast zurückgekehrt und die Zeit zur Tafel gekommen und die Gäste bereits versammelt waren, erklärte er, er werde keine Speise zu sich nehmen, bevor er vom Banne befreit sei. Er schickte deshalb einen seiner vertrautesten Höflinge zum Bischof mit dem Ersuchen, dem Manne, der das Band geknüpft habe, zu befehlen, daß er es wieder löse. Der Bischof antwortete, man brauche das Band nicht von jedem beliebigen Menschen anzunehmen, und erklärte dasselbe für gelöst. Der Kaiser nahm jedoch die Lösung nicht an, bis derjenige, der ihn gebunden hatte, mit vieler Mühe gesucht war und ihm selbst die Gemeinschaft zurückgab. So sehr gehorchte er den göttlichen Gesetzen.

Aus demselben Grunde ließ er auch die noch übrigen Reste der Götzentempel von Grund aus zerstören, so daß die nach uns kommenden Menschen keine Spur mehr von dem früheren Irrtum wahrnehmen werden. Diesen Gedanken hat er nämlich selbst in dem hierüber erlassenen Gesetze zum Ausdruck gebracht.

Er erntet aber auch beständig die Frucht von einem so guten Samen; denn der Herr der Welt steht ihm mit seiner Fürsorge stets zur Seite. So zum Beispiel, als Roilas, ein Fürst der nomadischen Scythen, mit einem äußerst zahlreichen Heere den Ister überschritt und Thrazien verheerte und plünderte und drohte, die Kaiserstadt zu belagern und in raschem Anlauf einzunehmen und zu zerstören, da sandte Gott vom Himmel her Blitze und Donner, streckte ihn selbst darnieder und vernichtete sein ganzes Heer.

Etwas Ähnliches hat Gott auch im Perserkriege gewirkt. Als nämlich die Perser von der anderweitigen Beschäftigung der Römer erfuhren und unter Verletzung der Friedensverträge den Krieg gegen die angrenzenden Gebiete eröffneten und den Bekriegten niemand zu Hilfe kam — der Kaiser hatte nämlich im Vertrauen auf den Frieden Feldherrn wie Soldaten zu anderen Kriegen ausgesandt —, da schickte Gott heftigen Regen und gewaltigen Hagel und hinderte dadurch das weitere Vordringen der Feinde und hemmte den Lauf ihrer Pferde, so daß sie in zwanzig Tagen nicht einmal die gleiche Zahl von Stadien zurücklegen konnten, bis endlich die (römischen) Feldherrn anlangten und die Soldaten sammelten.

Auch in dem vorhergehenden Kriege hatte Gott eben dieselben, als sie die dem Kaiser gleichnamige Stadt belagerten, zu Schanden gemacht. Während nämlich Gororanes die eben genannte Stadt mehr als dreißig Tage lang vollständig umzingelt hielt, viele Helepolen (Mauerbrecher) heranführte, unzählige Kriegsmaschinen in Tätigkeit setzte und draußen vor der Stadtmauer hohe Türme aufführen ließ: leistete ihm der heilige Bischof mit Namen Eunomius allein Widerstand und brach er allein den Anprall der angreifenden Maschinen; und während unsere Feldherrn dem Kampf mit den Feinden auswichen und nicht wagten, den Belagerten zu Hilfe zu kommen, trat dieser dem Feind entgegen und schützte die Stadt vor der Zerstörung. Und als einer von den Königen bei den Barbaren zu seiner gewohnten Gotteslästerung sich verstieg und die Worte des Rapsaces und Sennacherib gebrauchte und zu der wahnsinnigen Drohung sich hinreißen ließ, den heiligen Tempel anzuzünden: da konnte jener heilige Mann solchen Übermut nicht mehr ertragen, sondern ließ die Wurfmaschine, die den Namen des Apostels Thomas führte, auf der Mauerzinne aufstellen und befahl einen großen Stein daraufzulegen und im Namen des Gelästerten abzuschießen. Der Stein fuhr nun geradewegs auf jenen gottlosen König los, traf den frevelnden Mund, zerquetschte ihm das Gesicht, zerschmettert den ganzen Kopf und spritzte das Gehirn auf die Erde. Als Gororanes, der das Heer gesammelt und gehofft hatte, die Stadt einnehmen zu können, dieses sah, brach er eilends auf, gestand so durch die Tat seine Niederlage und schloß voller Furcht den Frieden. So trägt also der König des Weltalls Sorge für den überaus gläubigen Kaiser, was nicht zu verwundern ist, da auch dieser sich offen zu seinem Dienste bekennt und dem Herrn die gebührende Huldigung erweist.

Dieser gab die Reliquien des großen Lichtes des Erdkreises der sehnsüchtig verlangenden Stadt zurück. Doch geschah dieses erst zu einer späteren Zeit.

Theodotus, Bischof von Antiochien

Auf Innozenz, den ausgezeichneten Bischof von Rom, folgte Bonifatius, auf Bonifatius Zosimus, auf Zosimus Cälestinus. In Jerusalem wurde nach dem bewunderungswürdigen Johannes mit der Sorge für die Kirche Praylios betraut, ein Mann, der seinen Namen mit Recht trägt. Zu Antiochien übernahm nach dem heiligen Alexander den kirchlichen Vorsitz Theodotus, eine Perle der Keuschheit, ausgezeichnet durch Sanftmut, geziert mit dem Schmuck eines strengen Lebenswandels. Dieser vereinigte die Partei des Apollinaris mit der übrigen Herde, nachdem er inständig gebeten worden war, sie der Herde einzuverleiben. Doch blieben viele derselben auch fernerhin deutlich mit dem früheren Aussatz der Häresie behaftet.

Die Christenverfolgung in Persien und die dortigen Martyrer

In jener Zeit begann der Perserkönig Isdigerdes die Verfolgung gegen die Kirchen; veranlaßt wurde er hierzu durch folgenden Vorgang. Es lebte damals ein gewisser Bischof Abdas, geschmückt mit vielen und mannigfaltigen Tugenden. Dieser zerstörte in übel angebrachtem Eifer ein Pyreum. Pyreen nennen die Perser ihre Feuertempel. Sie halten nämlich das Feuer für das göttliche Wesen. Als der König dieses von den Magiern erfuhr, ließ er den Abdas zu sich kommen, verwies ihm seine Tat zuerst in ruhiger Weise, verlangte aber, daß er das Pyreum wieder aufbaue. Als jedoch Abdas widersprach und erklärte, daß er das unter keinen Umständen tun werde, da drohte der König mit der Zerstörung aller (christlichen) Kirchen; und wirklich brachte er seine Drohung auch zur Ausführung. Zuerst gab er den Befehl, jenen heiligen Mann hinzurichten, dann aber ordnete er die Zerstörung aller Kirchen an.

Ich behaupte nun, daß die Zerstörung des Feuertempels eine unzeitgemäße Tat war. Denn auch der heilige Apostel hat, als er nach Athen kam und die Stadt voller Götzenbilder sah, keinen der von den Einwohnern verehrten Altäre zerstört, sondern ihnen durch sein Wort einerseits ihre Unwissenheit vorgehalten und andrerseits ihnen die Wahrheit gepredigt. Das andere aber, daß man einen niedergerissenen heidnischen Tempel nicht wieder aufbaut, sondern lieber den Tod hinnimmt als so etwas zu tun, das bewundere ich in hohem Grade und halte es für würdig der Martyrerkrone. Denn es scheint mir ganz gleich zu sein, ob man das Feuer anbetet oder ob man ihm einen Tempel errichtet.

Von diesem Vorfall nahm also der Sturm seinen Ausgang und walzte ganz schwere und wilde Wogen gegen die Jünger des wahren Glaubens. Seitdem sind dreißig Jahre verflossen, und der Sturm dauert fort und wird von den Magiern wie von heftigen Windstößen immer von neuem angefacht. Magier aber nennen die Perser jene Männer, welche die Elemente für göttliche Wesen halten. Ihre Religionslehre haben wir in einem anderen Werke beschrieben, wo wir auch auf ihre Fragen die entsprechenden Antworten gegeben haben. Gororanes, der Sohn des Isdigerdes, übernahm nach dem Tode seines Vaters mit der Regierung auch die Verfolgung des christlichen Glaubens und hinterließ sterbend beide enge miteinander verbunden seinem Sohne.

Die verschiedenen Arten der Strafen aber und die ausgesuchten Qualen, welche man den Christen zufügte, sind nicht leicht zu beschreiben. Den einen zog man die Haut von den Händen ab, anderen vom Rücken, wieder anderen löste man die Haut vom Kopfe ab, und zwar von der Stirne angefangen bis zum Nacken herab. Einige bedeckte man mit Rohrstengeln, die der Länge nach in zwei Teile geschnitten waren, wobei man die Schnittseite an den Körper anlegte, wickelte sodann vom Kopf bis zu den Füßen enganschließende Binden herum und zog hierauf die einzelnen Rohrstengel der Reihe nach mit Gewalt heraus, um so auch die anstoßenden Teile der Haut mitzureißen und die bittersten Schmerzen zu verursachen. Sie gruben ferner Löcher in die Erde, verputzten sie sorgfältig und verschlossen darin Scharen von großen Mäusen und warfen ihnen als Nahrung die Kämpfer für den wahren Glauben vor, nachdem sie dieselben an Händen und Füßen gebunden hatten, damit sie die Tiere nicht von sich abwehren könnten. Vom Hunger getrieben, nagten denn auch die Mäuse langsam das Fleisch von den Heiligen ab und bereiteten ihnen damit lange dauernde und bittere Schmerzen. Dazu ersannen sie noch andere Strafen, die noch schrecklicher waren als diese, da sie sich hierbei von dem Verwüster der Natur und dem Feinde der Wahrheit belehren und leiten ließen. Aber sie konnten die Standhaftigkeit der Kämpfer nicht brechen; diese eilten vielmehr von selbst herbei aus Verlangen nach dem Tode, dem Führer zum ewigen Leben. Ich will nur zwei oder drei Beispiele anführen, um an diesen auch die Standhaftigkeit der übrigen zu zeigen.

Hormisdas war einer der vornehmsten Perser, ein Achämenide, dessen Vater Statthalter gewesen war. Als der König erfuhr, daß derselbe Christ sei, ließ er ihn kommen und befahl ihm, den göttlichen Erlöser zu verleugnen. Jener aber erwiderte, der Befehl des Königs sei weder gerecht noch auch nützlich. „Denn wer dazu angeleitet wird, daß er leichten Herzens den Gott des Weltalls verachtet und verleugnet, der dürfte noch leichter auch den König verachten, da dieser doch nur ein Mensch und sterblicher Natur ist. Wenn aber die schwerste Strafe derjenige verdient, der sich gegen deine Herrschermacht auflehnt, o König, so ist derjenige einer weit größeren Züchtigung würdig, der den Schöpfer des Weltalls verleugnet.” Obschon nun der König die Weisheit dieser Worte hätte bewundern sollen, beraubte er statt dessen den edlen Kämpfer seines reichen Vermögens und seiner Würden und verurteilte ihn dazu, nackt, nur mit einem Lendengürtel bekleidet, die Kamele des Heeres zu führen. — Viele Tage waren inzwischen vergangen, da erblickte der König von seinem Wagen aus jenen edlen Mann und sah, wie er von der Sonnenhitze versengt und ganz mit Staub bedeckt war. Und eingedenk seiner vornehmen Herkunft ließ er ihn zu sich kommen und mit einem aus Leinen gefertigten kurzen Unterrock bekleiden. Nun glaubte er, daß durch die bisherige Mühsal und durch die ihm jetzt widerfahrene freundliche Behandlung der Sinn des Mannes werde weicher geworden sein; deshalb sprach er zu ihm: „So laß denn jetzt wenigstens ab von diesem deinen Eigensinn und verleugne den Sohn des Zimmermanns!” Da zerriß jener voll heiligen Eifers das Untergewand und warf es dem Könige vor die Füße mit den Worten: „Wenn du meinst, mich durch diesen Unterrock vom wahren Glauben abwendig machen zu können, so behalte das Geschenk mitsamt deinem Unglauben!” Als der König diese seine Standhaftigkeit sah, trieb er ihn nackt aus dem Palaste.

Ein gewisser Saenes, Besitzer von tausend Sklaven, leistete dem König Widerstand und wollte den Schöpfer nicht verleugnen. Da fragte ihn der König, welcher der schlimmste seiner Sklaven wäre, und diesem übertrug er die Herrschaft über die anderen Sklaven und verfügte, daß auch der Herr selbst ihm Sklavendienste leisten solle. Ja sogar die Herrin, die Gattin des Herrn, gab er ihm zur Frau, in der Meinung, den Vorkämpfer der Wahrheit hierdurch umstimmen zu können. Aber er täuschte sich in seiner Hoffnung, denn derselbe hatte sein Haus auf einen Felsen gebaut.

Ferner ließ er einen gewissen Diakon Benjamin ergreifen und in das Gefängnis werfen. Zwei Jahre später kam ein römischer Gesandter, um wegen anderer Dinge zu verhandeln. Als derselbe von dieser Sache erfuhr, bat er den König um die Freilassung des Diakons. Der König verlangte, daß Benjamin verspreche, keinem der Magier die christliche Lehre zu verkünden. Der Gesandte versprach auch, daß Benjamin dem Befehle des Königs nachkommen werde. Allein Benjamin entgegnete auf das Zureden des Gesandten: „Es ist mir unmöglich, von dem Lichte, das ich empfangen habe, nicht wieder mitzuteilen. Denn wie strafwürdig es ist, das Talent zu vergraben, das zeigt uns die Parabel in den heiligen Evangelien.” Doch von dieser Entgegnung erfuhr der König damals nichts, und so gab er den Befehl, den Diakon von seinen Fesseln zu befreien. Dieser aber setzte seine gewohnte Tätigkeit fort, die in der Finsternis der Unwissenheit Sitzenden zum Leben und zum Lichte der Erkenntnis zu führen. Nach Ablauf eines Jahres aber wurde diese Tätigkeit dem König angezeigt, worauf dieser den Diakon rufen ließ und ihm befahl, denjenigen zu verleugnen, den er bisher angebetet hatte. Da fragte jener den König, welcher Strafe derjenige verfallen würde, der sich seiner Herrschaft entziehen und eine andere ihm vorziehen würde. Und als der König antwortete: „Dem Tode und der allerschwersten Strafe”, da entgegnete der weise Mann: „Welche Strafe verdiente also mit Recht nicht ein Mensch, der seinen Schöpfer und Urheber, seinen Ernährer und Erlöser verläßt, um dafür einen seiner Mitknechte zum Gott zu machen und die jenem gebührende Ehre diesem zu erweisen?” Erzürnt über solche Reden, ließ der König zwanzig Rohrstengel zuspitzen und ihm dieselben unter die Nägel der Hände und Füße hineinbohren. Als er aber sah, daß jener diese Strafe wie ein Kinderspiel betrachtete, ließ er noch einen anderen Stengel spitzen und in das Zeugungsglied hineinstoßen und ihm durch fortgesetztes Herausziehen und Zurückstoßen unaussprechliche Schmerzen bereiten. Nach dieser Marter befahl der ruchlose und vertierte Mensch, einen dicken Stock, der voller Knoten war, ihm durch das Gesäß in den Leib hineinzutreiben. Unter solchen Peinen gab der edle Kämpfer seinen Geist auf. Andere Grausamkeiten ähnlicher Art wurden von jenen gottlosen Menschen noch in Unzahl verübt.

Man darf sich aber nicht wundern, daß der Herr der Welt solch tierische Roheit und Gottlosigkeit erträgt. Haben ja auch vor der Regierung Konstantins des Großen alle römischen Kaiser gegen die Schüler der Wahrheit einen heftigen Krieg geführt. Diokletian hat sogar an dem Tage, wo der Erlöser für uns gelitten, alle Kirchen im ganzen römischen Reiche zerstören lassen7. Aber nach neun Jahren erhoben sich dieselben von neuem und wurden noch um vieles größer und schöner hergestellt als früher, während jener Kaiser zugleich mit seiner Gottlosigkeit von der Bildfläche verschwand. Zudem hat der Herr sowohl diese Kämpfe wie auch die Unüberwindlichkeit der Kirche vorausgesagt. Und gerade die geschichtlichen Tatsachen lehren, daß uns der Krieg größeren Nutzen bringt als der Frieden. Denn letzterer macht uns üppig, schlaff und feige, der Krieg dagegen hält unseren Sinn lebendig und bewirkt, daß wir die zeitlichen Güter, weil vergänglich,  geringschätzen und verachten. Indessen haben wir dieses schon oft in anderen Schriften gesagt.

Theodor, Bischof von Mopsuestia

Zu jener Zeit, wo der heilige Theodotus die Kirche von Antiochien leitete, beschloß Theodor, Bischof von Mopsuestia, aber Lehrer der gesamten Kirche und tapferer Bezwinger der gesamten häretischen Schlachtreihe, sein Leben. Derselbe hatte den Unterricht des großen Diodor genossen und war ein Gefährte und Mitarbeiter des heiligen Johannes (Chrysostomus); sie hatten nämlich gemeinsam von den geistigen Quellen des Diodor getrunken. Er war sechsunddreißig Jahre Bischof gewesen, hatte gegen die Schlachtreihe des Arius und Eunomius gestritten, gegen den räuberischen Anhang des Apollinaris gekämpft und der Herde Gottes die beste Nahrung gereicht. Sein Bruder Polychronius leitete auf ganz vorzügliche Weise die Kirche von Apamea und zeichnete sich durch Anmut der Rede wie durch den Glanz seines heiligmäßigen Lebens aus2.

Indem ich hiermit meine Darstellung beschließe, stelle ich an die Leser die Bitte, mir meine Mühe mit ihrem Gebet vergelten zu wollen. Meine Geschichte umfaßt einen Zeitraum von hundertfünf Jahren; sie beginnt mit der törichten Irrlehre des Arius und endigt mit dem Tode der ruhmwürdigen Männer Theodor (von Mopsuestia) und Theodotus (von Antiochien).

Ich will nur noch die nach der Verfolgung regierenden Bischöfe der großen Städte der Reihe nach aufzählen.

In Rom: Miltiades, Silvester, Julius, Liberius, Damasus, Siricius, Anastasius, Innocentius, Bonifatius, Zosimus, Cälestinus.

In Antiochien: Vitalius, Philogonius, Eustathius; diese waren rechtgläubig. Nach diesen häretische, freilich gemeinsame Bischöfe: Eulalius, Euphronius, Placitus, Stephanus, Leontius, Eudoxius. Darauf rechtgläubige: Meletius, Flavianus, Porphyrius, Alexander, Theodotus; und gleichzeitig mit ihnen (von der Partei des Eustathius): Paulinus und Evagrius.

In Alexandrien: Achillas, Alexander, Athanasius, sodann der Häretiker Gregorius, hierauf wieder Athanasius, der Häretiker Georgius, dann wieder Athanasius, nach diesem Petrus, dann der Häretiker Lucius, dann wieder der genannte Petrus, Timotheus, Theophilus, Cyrillus.

In Jerusalem: Makarius, Maximus, Cyrillus, Johannes, Praylius, Juvenalis.

In Konstantinopel: Alexander, sodann Eusebius, von Nikomedien dorthin versetzt, ein Häretiker, nach diesem Paulus, rechtgläubig und Martyrer, nach diesem Macedonius, Erzketzer und Bekämpfer des heiligen Geistes; diesen verdrängte der gottlose Eudoxius, der selbst die Kirche in Besitz nahm; nach diesem Demophilus aus Beröa in Thrazien, der hierher übersiedelte; sodann Gregor, der später Bischof von Nazianz wurde, nach diesem Nektarius, Johannes (Chrysostomus), Arsacius, Attikus, Sisinnius.

ise.

dlung zugetragen hat.

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