Divine redemptoris – Über den atheistischen Kommunismus

Von Pius XI

Die Verheißung eines Erlösers erstrahlt auf der ersten Seite der Geschichte der Menschheit, und so milderte die zuversichtliche Hoffnung auf bessere Zeiten die Trauer über das verlorene Paradies. Diese Hoffnung begleitete das menschliche Geschlecht auf seinem dornenvollen Wege, bis in der Fülle der Zeiten der Erlöser der Welt erschien und jene Erwartung erfüllte. Durch ihn wurde eine neue universale Kultur begründet, die christliche Kultur, unvergleichlich höher als jene, die der Mensch bis dahin mit Mühe und nur in einigen wenigen bevorzugten Nationen erreicht hatte.

Aber der Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen blieb in der Welt als traurige Folge der Erbschuld, und der alte Versucher hat niemals aufgehört, die Menschheit mit seinen trügerischen Verheißungen zu verlocken. So ist im Lauf der Jahrhunderte eine Umwälzung auf die andere gefolgt, bis auf die Revolution unserer Tage, die sozusagen überall bereits tobt oder doch ernsthaft drohend vor uns steht, an Ausmaß und Heftigkeit überbietend, was früher an Kirchenverfolgungen erlebt wurde. Ganze Völker Gefahr, in eine noch grauenvollere Unkultur zurückzusinken als jene war, die noch über dem größeren Teil des Erdkreises lag, da der Erlöser erschien.

Wir sprechen, wie Ihr, Ehrwürdige Brüder, schon erraten habt, vom bolschewikischen und atheistischen Kommunismus, der die Welt furchtbar bedroht und darauf ausgeht, die soziale Ordnung umzustürzen und die Fundamente der christlichen Kultur zu untergraben.

Verhalten der Kirche gegenüber dem Kommunismus

Frühere Verurteilungen

Angesichts einer solchen Bedrohung konnte und kann die katholische Kirche nicht schweigen. Nicht schwieg insbesondere der Apostolische Stuhl, der es als seine eigenste Sendung betrachtet, die Wahrheit und die Gerechtigkeit und all jene ewigen Güter zu verteidigen, die der Kommunismus verkennt und bekämpft. Schon seit den Tagen, als gebildete Kreise die menschliche Kultur von den Bindungen der Moral und der Religion zu lösen versuchten, haben Unsere Vorgänger offen und ausdrücklich die Aufmerksamkeit der Welt auf die Folgen der Entchristlichung der Menschheit hingelenkt. Was insbesondere den Kommunismus betrifft, so hat schon im Jahre 1846 Unser ehrwürdiger Vorgänger Pius IX. seligen Angedenkens dessen feierliche Verurteilung ausgesprochen und später im Syllabus bestätigt. Er verwirft „die verdammenswerte Lehre des sogenannten Kommunismus, die im höchsten Grade dem Naturrecht entgegengesetzt ist und die, einmal zur Herrschaft gelangt, zu einem radikalen Umsturz der Rechte, der Lebensverhältnisse und des Eigentums aller, ja der menschlichen Gesellschaft selber führen muß“. Späterhin hat ein anderer Unserer Vorgänger, Leo XIII. unsterblichen Andenkens, in seinem Rundschreiben „Quod Apostolici muneris“ jenen Kommunismus bezeichnet als „verheerende Seuche, die das Mark der menschlichen Gesellschaft auffrißt und sie völlig zersetzt“. Mit klarem Blick hat der gleiche Papst darauf hingewiesen, dass die atheistischen Massenbewegungen des technischen Zeitalters auf jene Philosophie zurückgehen, die schon seit Jahrhunderten Wissenschaft und Leben von Glaube und Kirche zu trennen versucht hatte.

Kundgebungen des gegenwärtigen Pontifikates

Auch Wir selber haben in Unserem Pontifikat oftmals eindringlich und nachhaltig auf die bedrohlich anwachsenden atheistischen Strömungen aufmerksam gemacht. Als Unsere Hilfsmission im Jahre 1924 aus der Sowjetunion zurückkehrte, haben Wir uns in einer eigenen Allokution an die ganze Welt gegen den Kommunismus ausgesprochen. In Unseren Rundschreiben „Miserentissimus redemptor„, „Quadragesimo anno“, „Caritate christi compulsi“, „Acerba animi„, „Dilectissima nobis“ haben wir feierlichen Protest erhoben gegen die Verfolgungen, wie sie in Russland, in Mexiko, in Spanien ausgebrochen waren. Noch ist das Echo von überall her auf jene Ansprachen nicht verhallt, die Wir bei der Eröffnung der Weltausstellung der katholischen Presse, beim Empfang der spanischen Flüchtlinge und in Unserer Weihnachtsbotschaft gehalten haben. Ja, sogar die verbissensten Feinde der Kirche selber, die von Moskau aus diesen Kampf gegen die christliche Kultur leisten, bezeugen durch ihre ständigen Angriffe in Wort und Tat, dass das Papsttum auch in unseren Tagen treu die Wache am Heiligtum der christlichen Religion gehalten, und dass es öfter und überzeugender als irgend eine öffentliche Autorität auf Erden der Menschen Aufmerksamkeit auf die kommunistische Gefahr gerichtet hat.

Notwendigkeit eines neuen feierlichen Dokumentes

Ungeachtet dieser wiederholten väterlichen Mahnungen, die Ihr, Ehrwürdige Brüder, zu Unserer großen Freude in Euren jüngsten Hirtenbriefen, auch den gemeinsamen, den Gläubigen so getreulich vermittelt und erklärt habt, wächst die Gefahr dennoch bei der unermüdlichen Wühlarbeit geschickter und skrupelloser Agitatoren von Tag zu Tag. So halten Wir es denn für Unsere Pflicht, von neuem Unsere Stimme zu erheben und ein noch feierlicheres Dokument nach dem Brauch dieses Heiligen Stuhles, des Lehrstuhles der Wahrheit, zu veröffentlichen, wie es übrigens selbstverständlich erscheint angesichts des Verlangens des gesamten katholischen Erdkreises nach einem solchen Dokument. Wir hegen dabei das Vertrauen, dass das Echo Unserer Stimme überall da vernommen werde, wo man noch frei ist von Vorurteilen und aufrichtig besorgt für das Wohl der Menschheit. Das um so mehr, als Unser Wort, so schmerzlich diese Feststellung ist, eine eindrucksvolle Bestätigung erhält durch den Anblick der bitteren Früchte, die inzwischen aus den Ideen des Umsturzes hervorgegangen sind, die Wir vorausgesehen und vorausverkündet haben, die sich beängstigend mehren, sei es in den Ländern, die bereits von der Seuche beherrscht sind, sei es in allen anderen des gesamten Erdkreises, die davon bedroht sind.

Wir wollen also noch einmal in einer kurzen Zusammenfassung die Grundsätze des atheistischen Kommunismus darlegen, samt den Methoden seiner Aktion, wie sie sich vor allem im Bolschewismus offenbaren. Wir wollen dann diesen falschen Grundsätzen die lichtvolle Lehre der Kirche gegenüberstellen und noch einmal mit allem Nachdruck die Mittel anempfehlen, mit denen die christliche Kultur, die einzig wahre „Civitas humana“, von dieser satanischen Geißel befreit und immer kräftiger entfaltet werden kann – dies alles zum wahren Wohle der menschlichen Gesellschaft.

Lehren und Früchte des Kommunismus

Lehren

Ein falsches Ideal

Der heutige Kommunismus birgt in einem höheren Maße, als es bei anderen ähnlichen Bewegungen der Vergangenheit der Fall war, eine falsche Erlösungsidee in sich. Ein falsches Ideal von Gerechtigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit in der Arbeit durchglüht seine gesamte Lehre und Tätigkeit mit einem gewissen Mystizismus, der die mit trügerischen Versprechungen gewonnenen Massen in den suggestiv um sich greifenden Enthusiasmus einer mitreißenden Bewegung versetzt. Das konnte in unserer Zeit um so leichter geschehen, da sie infolge einer fehlerhaften Verteilung der Güter dieser Welt von einem außergewöhnlichen Elend heimgesucht wird. Es rühmt sich auch dieses falsche Ideal, der Anreger eines gewissen wirtschaftlichen Fortschritts gewesen zu sein, der sich in Wahrheit, soweit er echt ist, aus ganz anderen Ursachen herleiten läßt, wie zum Beispiel aus der Steigerung der industriellen Produktion in Ländern, die in dieser Hinsicht wenig entwickelt waren, oder aus der Ausbeutung eines ungeheuren Reichtums an Bodenschätzen, oder auch aus der Anwendung von brutalen Arbeitsmethoden zur Erreichung von Riesenleistungen bei herabgedrückten Löhnen.

Der evolutionistische Materialismus von Karl Marx

Die Lehre, die der Kommunismus oft genug unter täuschenden Hüllen verbirgt, steht im wesentlichen noch heute auf den von Marx verkündeten Grundsätzen des sogenannten dialektischen Materialismus und des historischen Materialismus, dessen allein richtige Auslegung die Theoretiker des Bolschewismus zu vertreten glauben. Nach dieser Lehre gibt es nur eine einzige ursprüngliche Wirklichkeit, nämlich die Materie mit ihren blinden Kräften, aus denen sich Pflanze, Tier und Mensch entwickelt haben. Auch die menschliche Gesellschaft ist darnach nichts anderes als eine Erscheinungsform dieser Materie, die sich in der angedeuteten Weise entwickelt und mit unausweichlicher Notwendigkeit in einem ständigen Kampf der Kräfte dem endgültigen Ausgleich zustrebt: der klassenlosen Gesellschaft. Es leuchtet ein, dass in einem solchen System kein Platz mehr für die Idee Gottes, dass kein Unterschied mehr besteht zwischen Geist und Stoff, zwischen Leib und Seele, dass es kein Fortleben der Seele nach dem Tode mehr gibt, und darum auch keine Hoffnung auf ein anderes Leben. Unter Berufung auf die dialektische Seite ihres Materialismus behaupten die Kommunisten, dass der Kampf, der die Welt zum letzten Ausgleich führt, durch den Menschen beschleunigt werden kann. Darum bemühen sie sich, die Klassengegensätze in der Gesellschaft zu verschärfen, und so wird der Klassenkampf mit all seiner Gehässigkeit und seiner Zerstörungswut zu einer Art Kreuzzug im Dienste des Fortschrittes der Menschheit. Alle Mächte aber, wer immer sie seien, die sich diesen systematisch geübten Gewalttätigkeiten widersetzen, müssen vernichtet werden als Feinde des Menschengeschlechtes.

Was sind der Mensch und die Familie?

Des weiteren beraubt der Kommunismus den Menschen seiner Freiheit, der geistigen Grundlage seiner moralischen Lebensführung; der Persönlichkeit des Menschen nimmt er jede Würde und jeden moralischen Halt im Aufruhr blinder Instinkte. Was das Verhältnis des Einzelmenschen zur Gemeinschaft angeht, so anerkennt er keinerlei naturgegebene Rechte der menschlichen Persönlichkeit, dass sie nach ihm nichts anderes ist als ein einfaches Rad im Gefüge einer Maschine. In den Beziehungen der Menschen untereinander proklamiert er das Prinzip der absoluten Gleichheit unter Leugnung einer jeglichen Ueberordnung und einer jeglichen Autorität, die etwa von Gott begründet wäre, einschließlich der elterlichen; was immer aber unter Menschen an sogenannter Autorität und Unterordnung vorhanden ist, leitet sich ausschließlich aus der Gemeinschaft ab als seiner einzigen Quelle. Es gibt in diesem System für den einzelnen keinerlei Eigentumsrecht mehr, weder an den Schätzen der Natur noch an den Mitteln der Produktion, da ein solches zum Erwerb weiterer Güter führen müßte und damit zur Macht des einen Menschen über den anderen. Gerade deswegen muß diese Form des Privateigentums radikal ausgerottet werden, ist es doch Anfang und Quelle einer jeglichen wirtschaftlichen Versklavung.

Für eine Lehre, die auf solche Weise dem menschlichen Leben jede Weihe und Geistigkeit nimmt, sind folgerichtig Ehe und Familie eine rein willkürliche und bürgerliche Einrichtung, oder auch das Ergebnis einer bestimmten wirtschaftlichen Entwicklung; man leugnet die Existenz des Ehebandes mit rechtlich-sittlicher Verpflichtung, die dem Belieben der einzelnen oder der Gesellschaft entzogen wäre und folgerichtig auch seine Unauflöslichkeit. Insbesondere gibt es für den Kommunismus keinerlei Bindung der Frau an Familie und Heim. Er proklamiert das Prinzip der Emanzipation der Frau, entreißt sie dem häuslichen Leben und der Sorge für ihre Kinder, zieht sie vielmehr in die Oeffentlichkeit und in die kollektive Produktion in gleichem Maße wie den Mann und wälzt die Sorge für das Hauswesen und das Kind auf die Gesellschaft ab. Schließlich hat man das Recht der Erziehung den Eltern genommen und es zu einem ausschließlichen Recht der Gemeinschaft gemacht, in deren Namen und Auftrag allein es von den Eltern ausgeübt werden darf.

Was ist die Gesellschaft?

Was müßte aus der menschlichen Gesellschaft werden, wollte man sie aufbauen auf solch materialistischer Grundlage? Sie würde ein Kollektivwesen, einzig gegliedert nach den Erfordernissen des wirtschaftlichen Systems. Ihre alleinige Aufgabe bestünde in der Produktion von Gütern auf dem Wege der Kollektivarbeit und mit dem Ziel des Genusses der Erdengüter in einem Paradiese, in dem ein jeder „gäbe nach seiner Kraft und empfinge nach seinem Bedarf“. Der Gemeinschaft räumt der Kommunismus das Recht ein oder vielmehr die unbeschränkte Vollmacht, die Einzelmenschen in das Joch der Kollektivarbeit zu zwingen, ohne Rücksicht auf ihr persönliches Wohlergehen, ja gegen ihren eigenen Willen und sogar bis zur Anwendung von Gewalt. Die sittliche und die rechtliche Ordnung wäre nichts anderes, als ein Ausfluß des jeweiligen wirtschaftlichen Systems, also rein irdischen Ursprungs, veränderlich und hinfällig. Kurz, man unterfängt sich, eine neue Epoche und eine neue Zivilisation heraufzuführen, die Frucht einer blinden Entwicklung: „eine Menschheit ohne Gott“.

Wenn dann endlich alle einmal zu echten Kollektivmenschen geworden sind, wird in dieser utopischen Gesellschaft ohne Klassenunterschiede der politische Staat, der heute nur ein Machtmittel in der Hand der Kapitalisten zur Knechtung der Proletarier ist, die Voraussetzung seiner Existenz verlieren und „sich auflösen“; inzwischen freilich, solange dieser glückliche Zustand noch nicht erreicht ist, sind Staat und staatliche Gewalt für den Kommunismus das wirksamste und universalste Mittel, um an sein Ziel zu kommen.

Das, Ehrwürdige Brüder, ist das neue Evangelium, das der bolschewistische und atheistische Kommunismus als Heilsbotschaft und Erlösung der Menschheit bietet! Ein System voll von Irrtum und Trugschlüssen, das ebenso der gesunden Vernunft wie der göttlichen Offenbarung widerspricht. Es ist Umsturz jeder gesellschaftlichen Ordnung, weil Vernichtung ihrer letzten Grundlagen! Es ist Verkennung des wahren Ursprungs, der Natur und des Zweckes des Staates! Es ist Entrechtung, Entwürdigung und Versklavung der menschlichen Persönlichkeit!

Ausbreitung

Trügerische Versprechen

Wie aber war es möglich, dass ein System, das wissenschaftlich schon lange überholt und durch die tatsächliche Entwicklung widerlegt ist, wie war es nur möglich, so fragen Wir, dass ein solches System sich unheimlich schnell über alle Länder der Welt hin verbreiten konnte? Die Erklärung dafür ist der Umstand, dass nur wenige die wahre Natur des Kommunismus völlig durchschaut haben; die meisten erliegen so der Versuchung, die mit schillernden Augen an sie herantritt. Unter dem Vorgeben, man wolle nur das Los der arbeitenden Klasse verbessern, die wirklichen Mißbräuche der liberalen Wirtschaftsführung beseitigen und zu einem besseren Ausgleich der Besitzverhältnisse auf Erden gelangen (Ziele, die zweifellos ihre volle Berechtigung haben), unter Ausnutzung ferner der Wirtschaftskrise gelingt es, auch solche Kreise der Bevölkerung in die Einflußsphäre des Kommunismus zu ziehen, die grundsätzlich jeden Materialismus und jeden Terror ablehnen. Wie jeder Irrtum immer auch ein Korn Wahrheit enthält, so verführt eben dieses von Uns bezeichnete Stück Wahrheit, das man geschickt zur rechten Zeit und am günstigen Ort in den Vordergrund rückt, um die abstoßende und unmenschliche Grausamkeit der Grundsätze und der Methoden des bolschewikischen Kommunismus zu verbergen, auch mehr als gewöhnlich begabte Menschen und macht sie ihrerseits zu Aposteln unter der jungen Intelligenz, die noch zu wenig imstande ist, tiefer liegende Irrtümer wahrzunehmen. Obendrein wissen die Bannerträger des Kommunismus aus den Grundsätzen zwischen den Rassen und den verschiedenen einander bekämpfenden politischen Systemen ihren Nutzen zu ziehen, ja sogar die Ratlosigkeit einer Wissenschaft ohne Gott für sich auszubeuten, um auf den Universitäten sich einzunisten und die Grundsätze ihres Systems mit Scheinargumenten zu stützen.

Der Liberalismus hat den Weg bereitet

Um erklären zu können, wie es dem Kommunismus gelang, sich bei sehr grossen Arbeitermassen durchaus prüfungslos durchzusetzen, hat man im Auge zu behalten, dass diese darauf durch die Vernachlässigung ihres religiös-sittlichen Lebens unter den Forderungen der liberalen Wirtschaft bereits vorbereitet waren: mit den Arbeitsschichten auch an Sonntagen ließ man ihnen nicht einmal zur Erfüllung der schwersten religiösen Pflichten an Sonn- und Festtagen Zeit. Man dachte nicht daran, in der Nähe der Arbeitsstätten Kirchen zu bauen, oder die Arbeit des Seelsorgers zu erleichtern. Ja, man fuhr sogar fort, den Laizismus zu fördern und zu pflegen. Heute sieht man die Früchte jener Irrtümer reifen, die von Unsern Vorgängern und von Uns selbst oft genug gekennzeichnet wurden, und man darf sich nicht wundern, dass in einer Welt, die schon weithin dem Christentum entfremdet worden ist, die kommunistische Irrlehre um sich greift.

Schlaue und weitreichende Propaganda

Ferner erklärt sich die rasche Verbreitung der kommunistischen Ideen, die in alle Länder dringen, die großen und die kleinen, die hochkultivierten und die weniger entwickelten, so dass kein Winkel dieser Erde mehr davon frei ist, aus einer wahrhaft dämonischen Propaganda, wie sie die Welt vielleicht bis heute noch nicht gesehen hat, einer Propaganda, die von einem einzigen Zentrum geleitet und äußerst geschickt den Lebensbedingungen der verschiedenen Völker angepaßt ist, einer Propaganda, die mit großen Geldmitteln arbeitet, mit Riesenorganisationen, mit internationalen Kongressen, mit zahllosen gut geschulten Kräften, einer Propaganda, die mit Flugblättern wirbt und Zeitschriften, in Lichtspielen, in Theatern, mit dem Radio, in den Schulen, an den Universitäten sogar, und die nach und nach alle Kreise der Bevölkerung erfaßt, auch die bessern, ohne dass sie das Gift auch nur gewahr werden, das nach und nach in ihren Geist und in ihr Herz eindringt.

Schweigekomplott der Presse

Ein weiteres mächtiges Hilfsmittel zur Verbreitung des Kommunismus ist ein wahres Komplott des Schweigens bei einem Großteil der nichtkatholischen Weltpresse. Wir sprechen von einem Komplott, denn anders läßt es sich nicht erklären, dass eine Presse, die so darauf aus ist, auch geringfügige Tagesereignisse vor ihr Publikum zu bringen, es über sich gebracht hat, über die Verbrechen, die in Rußland, in Mexiko und in einem großen Teile Spaniens begangen worden sind, so lange zu schweigen und relativ so wenig über eine derartig ausgedehnte Weltorganisation, wie es der Kommunismus von Moskau ist, zu berichten. Dieses Schweigen ist zum Teil politischer Kurzsichtigkeit zuzuschreiben, es wird auch von verschiedenen geheimen Mächten begünstigt, die schon lange darauf ausgehen, die christliche Sozialordnung zu zerstören.

Traurige Wirkungen

Rußland und Mexiko

Inzwischen haben Wir die traurigen Wirkungen dieser Propaganda vor Unseren Augen. Wo der Kommunismus die Möglichkeit hatte, sich festzusetzen und seine Herrschaft aufzurichten – Wir denken hier mit besonderer väterlicher Teilnahme an die Völker in Rußland und Mexiko -, da hat er sich (nach seinem eigenen Geständnis) mit allen Mitteln bemüht, die christliche Kultur und Religion radikal zu zerstören und jede Erinnerung daran auch in den Herzen der Menschen, insbesondere der Jugend, auszulöschen. Er hat Bischöfe und Priester des Landes verwiesen, zu Zwangsarbeit verurteilt, erschossen, auf unmenschliche Weise ums Leben gebracht; er hat schlichte Laien, weil sie sich für die Religion eingesetzt hatten, verdächtigt, bedrückt, verfolgt, in die Gefängnisse und vor den Richter geschleppt.

Greuel des Kommunismus in Spanien

Auch da, wo die Geißel des Kommunismus noch nicht Zeit gefunden hat, sich voll auszuwirken, wie in Unserem heiß geliebten Spanien, ist er wie zum Entgelt leider mit einer noch roheren Gewalttätigkeit aufgetreten. Man hat nicht bloß diese oder jene Kirche, dieses oder jenes Kloster zerstört, sondern womöglich jede Kirche und jedes Kloster, jegliche Spur der christlichen Religion, auch wo es um hervorragende Denkmäler der Kunst und der Wissenschaft ging! Die kommunistische Vernichtungswut hat sich nicht darauf beschränkt, Bischöfe zu morden und Tausende von Priestern, von Ordensmännern und Klosterfrauen, immer vor allem nach jenen spürend, die sich besonderem Eifer der Arbeiter und der Armen angenommen haben; nein, er hat in noch viel größerer Zahl Laien aus allen Stünden zu seinen Opfern gemacht, hat sie hingeschlachtet in Scharen bis in die gegenwärtige Zeit hinein, ja man kann sagen Tag für Tag, und das einzig aus dem Grunde, weil sie gute Christen waren, oder doch wenigstens Feinde des kommunistischen Atheismus. Und dieses grausige Zerstörungswerk ist mit einem Haß ausgeführt worden, einer Barbarei und einer Grausamkeit, wie man sie in unserm Jahrhundert vorher nicht für möglich gehalten hätte. – Es kann keinen klugen Privatmann mehr geben, keinen Staatsmann, wenn er sich nur seiner Verantwortung bewußt ist, der nicht schaudern müßte bei dem Gedanken, es könnte das, was heute in Spanien geschieht, sich vielleicht morgen in anderen zivilisierten Nationen wiederholen.

Naturgemäße Früchte des Systems

Man kann nämlich nicht sagen, es seien jene wüsten Ausschreitungen etwa nur eine vorübergehende Erscheinung, wie sie große Revolutionen zu begleiten pflegen, vereinzelte Ausbrüche der Erbitterung, die in jedem Krieg vorkommen. Nein, es handelt sich um die naturgemäßen Früchte eines Systems, dem jegliche innere Zügelung fehlt. Zügelung ist notwendig für den Einzelnen, notwendig auch für die Gesamtheit. Auch die unkultivierten Völker besaßen sie in jenem Naturgesetz, das Gott in das Herz eines jeden Menschen eingeprägt hat. Wo man dieses Naturgesetz wirklich beobachtet hat, da sah man auch die Nationen des Altertums zu einer Größe emporsteigen, die noch heute, mehr als eigentlich recht ist, gewisse leicht zu begeisternde Geschichtsforscher in Erstaunen setzt. Wenn man aber die Gottesidee selber aus dem Herzen der Menschen reißt, dann werden sie notwendig von ihren Leidenschaften zur grausamsten Barbarei getrieben.

Kampf gegen alles, was göttlich ist

Das ist es gerade, was wir heute leider erleben: Zum erstenmal in der Geschichte sind wir Zeugen eines kalt geplanten und genau vorbereiteten Kampfes des Menschen gegen „alles, was göttlich ist“. Der Kommunismus ist seiner Natur nach antireligiös und betrachtet die Religion als „Opium für das Volk“, weil angeblich die religiöse Lehre von einem Leben jenseits des Grabes den Proletarier ablenkt von seinem Einsatz für das Sowjetparadies, das von dieser Erde ist.

Der Terrorismus

Aber man widersteht nicht ungestraft in trotzigem Haß dem Naturgesetz und seinem Urheber. Der Kommunismus hat es nicht einmal fertig gebracht, sein Ziel auf rein wirtschaftlichem Gebiet zu erreichen und wird das auch nicht fertig bringen. Ist es auch wahr, dass er in Rußland mitgewirkt hat, Menschen und Dinge aus einer jahrhundertelangen Ruhe aufzurütteln und mit allen möglichen, oft skrupellos angewandten Mitteln einen gewissen Fortschritt auf materiellem Gebiet zu erzielen, so wissen Wir doch aus unverdächtigen Zeugnissen, auch aus der neuesten Zeit noch, dass er tatsächlich auch nicht einmal hier sein Ziel den gemachten Versprechungen gemäß erfüllen konnte, trotz der Sklaverei, in die der Terrorismus Millionen von Menschen gezwungen hat. Auch auf dem Gebiet der Wirtschaft bedarf es des sittlichen Verantwortungsbewußtseins, das jedoch in einem rein materialistischen System, wie der Kommunismus es ist, keinen Raum hat. Als Ersatz dafür bleibt nur der Terrorismus, gerade wie wir in Rußland sehen, wo die alten Genossen gemeinsamer Verschwörungen und Kämpfe einander gegenseitig umbringen; ein Terrorismus, der nicht einmal den Verfall der Sitten, geschweige denn die Auflösung des sozialen Gefüges aufzuhalten vermag

Liebe für die unterdrückten Völker Rußlands

Damit wollen Wir jedoch in keiner Weise die Völker der Sowjetunion in ihrer Gesamtheit verurteilen, empfinden Wir doch ihnen gegenüber die innigste väterliche Liebe. Wir wissen, wie viele von ihnen unter dem harten Joch seufzen, das ihnen gewaltsam von Menschen auferlegt wurde, denen es größtenteils nicht um das wahre Wohl des Landes zu tun ist. Wir begreifen auch, dass viele sich durch trügerische Hoffnungen haben täuschen lassen. Wir klagen das System an, seine Urheber und seine Förderer, die Rußland für das am besten geeignete Land hielten, dort ein seit Jahrzehnten ausgedachtes System praktisch anzuwenden, und die es von da aus unermüdlich in der ganzen Welt verbreiten.

Die klare Lehre der Kirche

Nachdem Wir nun die Irrtümer, die gewaltsamen und hinterhältigen Methoden des bolschewikischen und atheistischen Kommunismus dargelegt haben, Ehrwürdige Brüder, ist es an der Zeit, ihnen kurz den wahren Begriff der Civitas humana, der menschlichen Gesellschaft, gegenüberzustellen, wie er von der Vernunft und vom Glauben durch die Kirche, die Magistra gentium gelehrt wird, und wie Ihr ihn schon kennt.

Das erhabenste Wesen: Gott!

Ueber allem wirklichen Sein steht das höchste, einzig erhabene Sein: Gott, der allmächtige Schöpfer aller Dinge, der weiseste und gerechteste Richter aller Menschen. Dieses erhabenste Wesen, Gott, ist die unbedingte, unwiderrufliche Verwerfung der schamlosen Lügen des Kommunismus. Wahrlich, nicht weil Menschen es glauben, ist Gott; sondern weil er existiert, darum glauben und beten alle, die nicht mit Wissen und Willen ihr Auge vor der Wahrheit verschließen.

Was Mensch und Familie nach Vernunft und Glaube sind

Was Vernunft und Glaube über den Menschen sagen, haben Wir in Unserem Rundschreiben über die christliche Erziehung in den wesentlichen Zügen dargelegt. Dem Menschen ist eine geistige und unsterbliche Seele zu eigen. Er ist Persönlichkeit, vom Schöpfer selber wunderbar mit Gaben des Körpers und des Geistes ausgestattet. Er ist ein wahrer „Mikrokosmus“, wie die Alten sagten, eine kleine Welt für sich, die an Wert die ungeheure unbelebte Welt weit übertrifft. Sein letztes Ziel hier und drüben ist allein Gott. Er ist durch die heiligmachende Gnade erhoben in den Stand der Gotteskindschaft und dem Gottesreich im mystischen Leibe Christi eingegliedert. Folgerichtig hat ihn Gott mit vielen und mannigfaltigen Vorrechten ausgestattet: dem Recht auf das Leben, auf die Unverletzlichkeit des Körpers, auf die zum Leben notwendigen Mittel; dem Recht, dem letzten Ziele auf dem von Gott vorgezeichneten Wege zuzustreben: dem Recht auf Zusammenschluß, Eigentum und Gebrauch des Eigentums.

Die Ehe und das Recht auf ihren natürlichen Gebrauch sind göttlichen Ursprungs, ebenso wie auch die Einrichtung und die Grundrechte der Familie vom Schöpfer selbst bestimmt und festgelegt sind, nicht aber durch menschliche Willkür und nicht durch wirtschaftliche Faktoren. In dem Rundschreiben über die christliche Ehe und in dem bereits erwähnten über die christliche Erziehung haben Wir eingehend darüber gesprochen.

Was die Gesellschaft ist

Gegenseitige Rechte und Pflichten zwischen Mensch und Gesellschaft

Gott hat aber den Menschen auch auf die bürgerliche Gesellschaft hingeordnet als auf eine Forderung seiner Natur. Im Plan des Schöpfers ist die Gesellschaft ein natürliches Mittel, dessen sich der Mensch zur Erreichung seines Zieles bedienen kann und soll; denn die menschliche Gesellschaft ist für den Menschen da und nicht umgekehrt. Das soll freilich nicht im Sinne des individualistischen Liberalismus verstanden werden, der die Gesellschaft dem einzelnen zur egoistischen Ausnutzung unterordnet, sondern einzig in dem Sinne, dass einmal durch den organischen Zusammenschluß zur Gesellschaft allen durch die wechselseitige Zusammenarbeit die Möglichkeit gegeben werde, ihr wahres irdisches Glück zu wirken; darüber hinaus aber auch, damit in der Gesellschaft die Gesamtheit der in der Menschennatur niedergelegten individuellen und sozialen Anlagen zur Entfaltung komme und über das unmittelbare Nützliche hinaus an göttlicher Vollkommenheit abbildlich zur Darstellung gelange, was in einem Einzelwesen überhaupt nicht verwirklicht werden kann. Aber auch dieses Letzte ist wieder schließlich nur um des Menschen willen“ damit durch ihn dieser Abglanz göttlicher Vollkommenheit erkannt und in Lob und Anbetung auf den Schöpfer zurückbezogen werden kann. Nur der Mensch, die menschliche Persönlichkeit, nicht irgendeine menschliche Gesellschaft ist Träger von Verstand und freiem sittlichen Willen.

Doch darum kann der einzelne sich niemals den gottgewollten Verpflichtungen der bürgerlichen Gesellschaft gegenüber entziehen, und die Träger der Autorität haben das Recht, ihn im widerrechtlichen Weigerungsfall zur Erfüllung seiner Pflicht zu zwingen. Ebensowenig kann aber die Gesellschaft jemals den Einzelmenschen der ihm vom Schöpfer selbst verliehenen Persönlichkeitsrechte, deren hauptsächlichste Wir namhaft gemacht haben, berauben, noch ihm deren Gebrauch grundsätzlich unmöglich machen. Darum ist es vernunftgemäß und von der Vernunft gefordert, dass letztlich auf die menschliche Persönlichkeit alles Irdische hingeordnet werde, damit es durch sie seine Rückbeziehung auf den Schöpfer finde. Auch auf den Menschen, die menschliche Persönlichkeit, kann man anwenden, was der Völkerapostel über die christliche Heilsökonomie an die Korinther schreibt: „Alles ist euer, ihr aber seid Christi; Christus ist Gottes.“ So tief der Kommunismus die menschliche Persönlichkeit durch die Umkehr der Begriffe in den Beziehungen zwischen Mensch und Gesellschaft erniedrigt, so hoch wird sie durch die Vernunft und durch die Offenbarung erhoben!

Die wirtschaftlich-soziale Ordnung

Ueber die wirtschaftlich-soziale Ordnung sind die leitenden Grundsätze in dem sozialen Rundschreiben Leos XIII. über die Arbeiterfrage niedergelegt und in Unserm eigenen über die Neugestaltung der sozialen Ordnung den Erfordernissen der Gegenwart angepaßt. Wir haben von neuem die althergebrachte Lehre der Kirche über den individuellen und sozialen Charakter des Privateigentums betont und dann Recht und Würde der Arbeit genauer umschrieben, ebenso die gegenseitige Stütze und Hilfe, wie sie zwischen den Vertretern des Kapitals und den Arbeitnehmern obwalten sollen, endlich den Lohn, den man nach strenger Gerechtigkeit dem Arbeiter für sich und seine Familie schuldet.

In der gleichen Enzyklika haben Wir gezeigt, dass die Rettung der heutigen Welt aus dem traurigen Zusammenbruch infolge eines moralisch hemmungslosen Liberalismus, nicht im Klassenkampf und im Terror liegt, viel weniger noch im selbstherrlichen Mißbrauch der staatlichen Gewalt, sondern in der Durchdringung der wirtschaftlichen und der sozialen Ordnung mit dem Geiste der sozialen Gerechtigkeit und der christlichen Liebe. Wir haben gezeigt, wie gesunde Verhältnisse wiederhergestellt werden müssen nach den wahren Prinzipien einer vernünftigen ständischen Gliederung, unter Wahrung der notwendigen sozialen Ueber- und Unterordnung, und wie sich alle Stände im Hinblick auf das Gemeinwohl zu einer harmonischen Einheit zusammenschließen müssen. Gerade in der wirksamen Förderung dieser Harmonie und dieser Einordnung aller sozialen Kräfte besteht die ureigenste und wichtigste Aufgabe der öffentlichen und bürgerlichen Gewalt.

Die sozialen Abstufungen und die Rechte des Staates

Im Hinblick auf dieses organische Zusammenwirken für Ruhe und Ordnung schreibt die katholische Lehre dem Staat die Würde und die Autorität eines wachsamen und weitblickenden Verteidigers der göttlichen und menschlichen Rechte zu, die von der Heiligen Schrift und von den Kirchenvätern so oft betont werden. Es ist unwahr, dass alle in der menschlichen Gesellschaft gleichen Rechtes seien, und dass es keine rechtmäßige Ueber- und Unterordnung gebe. Wir verweisen hier auf die oben kurz erwähnten Rundschreiben Leos XIII., besonders auf jenes über die Staatsgewalt und jenes über die christliche Staatsverfassung. Hier findet der Katholik die klaren Grundsätze der Vernunft und des Glaubens, die ihn fähig machen werden, sich gegen das Irrige und Gefährlichkeit der kommunistischen Staatsauffassung zu schützen. Die Entrechtung und die Versklavung des Menschen, die Leugnung des letztlich überweltlichen Ursprungs des Staates und der Staatsgewalt, der erschreckende Mißbrauch der öffentlichen Gewalt im Dienst des kollektivistischen Terrorismus sind das Gegenteil von dem, was der natürlichen Sittenlehre und dem Willen des Schöpfers entspricht. Mensch und bürgerliche Gesellschaft gehen beide auf den Schöpfer als auf ihren Urheber zurück; sie sind vom Schöpfer aufeinander hingeordnet; darum kann keiner von beiden sich den Pflichten, die er dem andern gegenüber hat, entziehen, noch dessen Rechte leugnen oder schmälern. Der Schöpfer selbst hat dieses wechselseitige Verhältnis in seinen Grundzügen geregelt, und es ist ungerechte Anmaßung, wenn der Kommunismus es sich herausnimmt, an die Stelle des göttlichen Gesetzes, das sich auf die unveränderlichen Grundsätze der Wahrheit und der Liebe gründet, ein politisches Parteiprogramm aufzuzwingen, das auf menschlicher Willkür hervorgeht und das gesättigt ist mit Haß.

Schönheit dieser Lehre der Kirche

Mit dieser ihrer lichtvollen Lehre verfolgt die Kirche keinen andern Zweck, als Wirklichkeit werden zu lassen die glückbringende Botschaft des Engelsgesanges bei der Geburt des Erlösers im Stall von Bethlehem: „Ehre sei Gott … und … Friede den Menschen. ..“; wahrer Frieden und wahres Glück, auch hinieden, soweit möglich, im Hinblick und als Vorbereitung auf die ewige Glückseligkeit, aber nur den Menschen, die guten Willens sind. Die Lehre ist gleich weit entfernt von allen Verstiegenheiten der Irrtümer wie von allen Uebertreibungen der Parteien und Systeme, die jenen anhangen; sie hält sich immer im Gleichgewicht der Wahrheit und Gerechtigkeit. Sie besteht darauf in der Theorie, und wendet sie an und fördert sie in der Praxis; sie versöhnt die Rechte und die Pflichten der einen mit denen der andern, die Autorität mit der Freiheit, die Würde des Individuums mit der des Staates, die menschlichen Persönlichkeit im Untertan mit der göttlichen Stellvertretung in der Obrigkeit, und verbindet so die schuldige Unterordnung und die geordnete Liebe zu sich selbst, zur Familie, zum Vaterland mit der Liebe zu andern Familien und zu andern Völkern, auf dem Grund der Liebe zu Gott, dem Vater aller, dem ersten Ursprung und dem letzten Ziel. Sie trennt nicht die berechtigte Sorge für die zeitlichen von dem Eifer für die ewigen Güter. Wenn sie die einen den an dem unterordnet nach dem Wort ihres göttlichen Stifters: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alles übrige wird euch zugegeben werden“, so ist sie damit weit entfernt von Interesselosigkeit für die menschlichen Anliegen, von der Behinderung kulturellen und wirtschaftlichen Fortschritts, den sie vielmehr auf die vernünftigste und wirksamste Weise stützt und fördert. Obwohl die Kirche im wirtschaftlichen Bereich niemals ein bestimmtes System aufgestellt hat, da dieses nicht ihre Aufgabe ist, hat sie doch klar jene Anhaltspunkte und Richtlinien festgelegt, die bei entsprechender praktischer Anwendung, je nach den verschiedenen Bedingungen von Zeit, Land und Volk, den sichern Weg weisen zum glücklichen Fortschritt der Gesellschaft.

Die Weisheit und die größte Nützlichkeit dieser Lehre wird von allen zugegeben, die sie wirklich kennen. Mit gutem Grund konnten ausgezeichnete Staatsmänner versichern, dass sie nach dem Studium der verschiedenen sozialen Systeme keines gefunden hätten von einer größeren Weisheit als die in den Enzykliken Rerum novarum und Quadragesimo anno entwickelten Grundsätze. Auch in Ländern, die nicht katholisch und nicht einmal christlich sind, anerkennt man die Bedeutung der katholischen Soziallehre für die menschliche Gesellschaft. Noch vor kaum einem Monat hat ein angesehener, keineswegs christlicher Staatsmann des Fernen Ostens sich nicht gescheut zu erklären, dass die Kirche mit ihrer Lehre vom Frieden und von christlicher Brüderlichkeit einen außerordentlich bedeutenden Beitrag liefere zur Erhaltung und Festigung eines segensreichen Friedens unter den Nationen. Ja selbst die Kommunisten, Wir wissen das aus zuverlässigen Berichten, die aus allen Teilen der Welt hier im Mittelpunkt der Christenheit zusammenlaufen, anerkennen, wenn sie noch nicht ganz verblendet sind, wenn ihnen einmal die kirchliche Soziallehre auseinandergesetzt wird, ihre Ueberlegenheit über die Lehren ihrer eigenen Häupter und Meister. Nur die ganz von Leidenschaft und Haß Verblendeten schließen die Augen vor dem Licht der Wahrheit und bekämpfen sie hartnäckig.

Ist die Kirche nach ihrer Lehre vorangegangen?

Wenn nun auch die Feinde der Kirche gezwungen sind, die Weisheit ihrer Lehre anzuerkennen, so erheben sie gegen die Kirche doch den Vorwurf, ihr Handeln habe nicht im Einklang damit gestanden, und so müßten sie andere Wege suchen. Wie falsch und ungerecht diese Anklage ist, zeigt die ganze Geschichte des Christentums. Um nur einige charakteristische Punkte anzudeuten: so war es das Christentum, das zuerst in einer Art und in einem Ausmaß und mit einer Ueberzeugung, wie man sie bis dahin nicht gekannt hatte, die wahre und allgemeine Brüderschaft aller Menschen, aller Klassen und aller Rassen proklamiert hat. Mächtig hat es dadurch zur Abschaffung der Sklaverei beigetragen, nicht zwar durch blutige Aufstände, wohl aber durch die innere Kraft ihrer Wahrheit, die die stolze römische Patrizierin lehrte, in ihrer Sklavin eine Schwester in Christus zu sehen. Es war das Christentum, das den Sohn Gottes anbetet, der aus Liebe zu den Menschen Mensch geworden ist und sich zu des „Zimmermanns Sohn“, ja sogar zum „Zimmermann“ gemacht hat. Es war das Christentum, das die Handarbeit zu ihrer wahren Würde erhoben hat, diese einst so gering geschätzte Handarbeit, dass sogar der vorsichtig wägende Tullius Cicero, die allgemeine Anschauung seiner Zeit zusammenfassend, nicht zauderte, jene Worte niederzuschreiben, deren sich jeder Soziologe unserer Tage schämen würde: „Alle Handwerker haben einen verächtlichen Beruf, denn eine Werkstätte kann nichts Ehrenwertes haben“.

Ihren Grundsätzen getreu hat die Kirche die menschliche Gesellschaft erneuert; unter ihrem Einfluß entstanden die Wunderwerke der Caritas, die mächtigen Zünfte der Handwerker und Arbeiter jeder Art, wohl belächelt als „Mittelalter“ vom Liberalismus der verflossenen Jahrhunderts, heute aber wieder Gegenstand der Bewunderung unserer Zeitgenossen, die sich in vielen Ländern bemühen, wenigstens die Grundgedanken davon in irgend einer Form wieder aufleben zu lassen. Mochten auch andere Strömungen die Tätigkeit der Kirche stören und ihren wohltätigen Einfluß hemmen, sie hat nicht aufgehört bis in unsere Tage die Irrenden zurechtzuweisen. Es genüge an die Festigkeit, die Energie und Ausdauer Unseres Vorgängers, des Papstes Leo XIII. zu erinnern, mit der er für den Arbeiter das Koalitionsrecht forderte, das der in den mächtigsten Staaten herrschende Liberalismus ihm hartnäckig zu verweigern suchte. Dieser Einfluß der katholischen Lehre ist auch heute noch stärker, als es äußerlich scheint; er ist groß und gewiß, wenn auch unsichtbar wirkend und nicht leicht meßbar; er kommt von der Ueberlegenheit der Ideen über das Handeln.

So darf man der vollen Wahrheit gemäß behaupten, dass die Kirche, Christus ähnlich, allen Wohltaten spendend, durch die Jahrhunderte schreitet. Es gäbe keinen Sozialismus und keinen Kommunismus, wenn die Lenker der Völker die Lehren und die mütterlichen Mahnungen der Kirche nicht verachtet hätten. Statt dessen haben sie auf dem Boden des Laizismus andere soziale Gebäude errichtet. Mächtig und großartig schienen sie anfangs zu sein, aber bald zeigte es sich, dass sie kein tragfähiges Fundament besaßen, und so brachen sie eines nach dem andern elend zusammen, wie denn alles zusammenbrechen muß, was nicht auf dem einzigen Eckstein ruht: Jesus Christus.

Hilfsmittel zur Heilung

Ihre Notwendigkeit

Das ist, Ehrwürdige Brüder, die Lehre der Kirche, die einzige, die imstande ist, wie auf jedem andern Gebiet, so auch auf dem sozialen, das wahre Licht zu bringen, die einzige, die Rettung verspricht gegenüber den kommunistischen Ideen. Aber es ist notwendig, dass diese Lehre im Leben ausgeführt wird, nach der Mahnung des Apostels Jakobus: „Seid Vollstrecker des Wortes und nicht bloß Hörer, indem ihr euch selbst täuschet“. Was deshalb gegenwärtig vor allem drängt, ist der kraftvolle Einsatz geeigneter Mittel, um wirksam dem bedrohlich sich vorbereitenden Umsturz zu begegnen. Wir haben das feste Vertrauen, dass zum wenigsten jene Leidenschaft, mit der die Söhne der Finsternis Tag und Nacht in ihrer materialistischen und atheistischen Propaganda tätig sind, die Söhne des Lichtes zu einem gleichen heiligen Eifer zu entflammen vermag, ja zu einem noch größeren, zur Ehre der göttlichen Majestät.

Was ist also zu tun, und welche Mittel sind anzuwenden, um Christus und die christliche Kultur gegen jenen furchtbaren Feind zu verteidigen? Wie ein Vater im Kreise seiner Familie, so möchten Wir nun vertraulich über die Pflichten sprechen, die der Großkampf unserer Tage den Kindern der Kirche auferlegt, und dabei wollen Wir mit väterlichem Empfinden uns auch an jene wenden, die sich von ihr getrennt haben.

Erneuerung des christlichen Lebens

Hauptheilmittel

Wie in allen Zeiten, auch in den sturmbewegtesten der Kirchengeschichte, so besteht auch heute das entscheidende Heilmittel in einer aufrichtigen Erneuerung des privaten und des öffentlichen Lebens nach den Grundsätzen des Evangeliums bei all denen, die sich rühmen, zur Herde Christi zu gehören, damit sie in Wahrheit das Salz der Erde seien, das die menschliche Gesellschaft vor der völligen Zersetzung bewahrt.

Mit innigstem Dank gegen den Vater des Lichtes, von dem „jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk“ herabsteigt, erblicken wir überall tröstliche Zeichen einer geistlichen Erneuerung, nicht bloß in so vielen besonders auserwählten Seelen, die in diesen letzten Jahren sich zum Gipfel der höchsten Heiligkeit erhoben haben und darüber hinaus in einer ständig wachsenden Zahl von Menschen, die hochherzig dem gleichen leuchtenden Ziel zuschreiten, sondern auch in dem Wiederaufblühen einer Frömmigkeit der Gesinnung und Tat in allen Kreisen der Gesellschaft, auch bei den gebildetsten, wie Wir das kürzlich in Unserem Motu proprio in multis solaciis vom 28. Oktober des letzten Jahres gelegentlich der Neuordnung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften hervorgehoben haben.

Man kann indes nicht leugnen, dass noch viel zu tun übrig bleibt auf diesem Wege einer geistlichen Erneuerung. Auch in katholischen Ländern gibt es noch viel zu viele, die nur dem Namen nach Katholiken sind; viel zu viele, die wohl mehr oder weniger treu die wesentlichsten Pflichten der Religion erfüllen, zu der sie sich stolz bekennen, die sich aber nicht bemühen, sie näher kennenzulernen, ihre Ueberzeugung zu verinnerlichen und zu vertiefen, noch viel weniger aber dahin zu gelangen, dass dem äußeren Verhalten der innere Glanz eines guten und reinen Gewissens entspreche, das alle seine Pflichten kennt und erfüllt im Hinblick auf Gott, den Allwissenden. Wir wissen, wie sehr der göttliche Erlöser die leere und trügerische Aeußerlichkeit verabscheut, Er, der wollte, dass alle den Vater anbeten „im Geiste und in der Wahrheit“. Wer nicht wirklich aufrichtig nach dem Glauben lebt, den er bekennt, der wird heute, wo der Sturm des Kampfes und der Verfolgung so mächtig tobt nicht lange standhalten. Er wird elendiglich fortgerissen von dieser neuen Flut, und während er selber auf solche Weise seinem eigenen Untergang zustrebt, wird er den christlichen Namen dem Gespötte preisgeben.

Losschälung von den irdischen Gütern

Und hier wollen Wir nun, Ehrwürdige Brüder, mehr im einzelnen auf zwei Lehren unseres Herrn eingehen, die für die heutige Lage der Menschheit von besonderer Bedeutung sind: die Losschälung von den irdischen Gütern und das Gebot der Liebe. „Selig die Armen im Geiste“, das waren die ersten Worte unseres göttlichen Meisters in seiner Bergpredigt. Dieser Lehre bedarf mehr als je diese Zeit des Materialismus, die sich gierig auf die Güter und die Freuden dieser Erde stürzt. Alle Christen, ob reich, ob arm, müssen immer ihren Blick auf den Himmel gerichtet halten, eingedenk der Worte, dass wir „hier keine bleibende Stätte haben, sondern eine zukünftige suchen“. Die Reichen sollen nicht ihr Glück auf die Schätze dieser Erde gründen, noch ihre besten Kräfte auf ihren Erwerb richten. Vielmehr sollen sie sich bloß als Verwalter betrachten, die wissen, dass sie einmal davon Rechenschaft ablegen müssen vor dem höchsten Herrn, und ihre Güter nur als kostbare Mittel betrachten, die Gott ihnen geschenkt hat, auf dass sie Gutes damit wirken; sie mögen ferner nicht aufhören, von ihrem Ueberfluß den Armen abzugeben, wie das Evangelium es befiehlt. Sonst wird sich an ihnen und an ihren Reichtümern das ernste Wort des heiligen Apostels Jakobus erfüllen: „Nun denn, ihr Reichen, weinet und heulet in den Drangsalen, die über euch kommen. Vermodert ist ja euer Reichtum, und eure Kleider sind zerfressen von den Motten. Euer Gold und Silber ist verrostet; es wird ihr Rost noch gegen euch zeugen und euern Leib wie Feuer fressen. Reichtümer des Zornes habt ihr gesammelt für den Jüngsten Tag!“

Aber auch die Armen müssen ihrerseits, wenn sie sich das Notwendige nach den Gesetzen der Liebe und der Gerechtigkeit erwerben und auch, wenn sie an die Verbesserung ihrer Lage denken, „Arme im Geiste“ bleiben, die geistlichen Güter höher schätzen als die Güter und Freuden dieser Welt. Sie mögen dann nicht vergessen, dass es niemals gelingen wird, Elend, Schmerz und Trübsal von dieser Erde zu verdrängen, leiden doch auch jene darunter, denen dem äußern Anschein nach ein so viel glücklicheres Los zugefallen ist. Und so bedürfen alle der Geduld, jener christlichen Geduld, die das Herz erhebt zu den göttlichen Verheißungen eines ewigen Glückes: „Seid daher geduldig, Brüder, bis der Herr kommt“, sagen Wir euch wiederum mit dem heiligen Jakobus, „Siehe, auch der Landmann wartet auf die köstliche Frucht dieser Erde. Er wartet in Geduld, bis er den Frühregen und den Spätregen erhalten hat. Seid daher auch ihr geduldig, und richtet eure Herzen auf, denn die Ankunft des Herrn ist nahe.“ Nur so wird sich die tröstliche Verheißung des Herrn erfüllen: „Selig die Armen!“ Das ist ein Trost und eine Verheißung, nicht leer, wie es die Versprechungen der Kommunisten sind; vielmehr sind es Worte des Lebens, die vollste Wirklichkeit enthalten und sich restlos erfüllen werden hier auf Erden und später in der Ewigkeit. Wie viele Arme finden tatsächlich in diesen Worten und in der Erwartung des Himmelreiches, das ja bereits als ihr Eigentum verkündet worden ist: „denn ihrer ist das Gottesreich“, ein Glück, wie es viele Reiche in ihrem Reichtum nicht finden, sind sie doch immer unruhig und dürsten sie doch immer nach mehr.

Christliche Liebe

Wichtiger noch oder gewiß noch unmittelbarer für die Heilung des Uebels bestimmt, von dem Wir handeln, ist das Gebot der Liebe. Wir denken an jene christliche Liebe, die „geduldig und gütig“ ist, die jegliche gönnerhafte Herablassung und jegliches Aufsehen meidet; diese Liebe, die seit den Anfängen des Christentums die Aermsten der Armen, die Sklaven, für Christus gewann. Wir danken allen jenen, die in den Einrichtungen der Caritas, angefangen von den Konferenzen des heiligen Vinzenz von Paul bis zu den großen neueren Organisationen der sozialen Hilfe die Werke der leiblichen und der geistlichen Barmherzigkeit geübt haben und die noch darin tätig sind. Je mehr die Arbeiter und Armen an sich selbst erfahren, was es ist um den Geist einer in Christus für sie tätigen Liebe, um so mehr werden sie von dem Vorurteil befreit werden, es habe das Christentum seine Kraft verloren und es stehe die Kirche auf Seite derer, die ihre Arbeit ausbeuten.

Sehen Wir aber einerseits eine Masse von Bedürftigen, die von einem Elend, an dem sie ganz unschuldig sind, im eigentlichen Sinne zu Boden gedrückt sind, und anderseits neben ihnen so viele, die sich leichtsinnigen Vergnügungen überlassen und ungeheure Summen verschwenden, so müssen Wir schmerzerfüllt feststellen, dass man nicht nur von der Gerechtigkeit abgewichen ist, sondern dass auch das Gebot der christlichen Liebe nicht in seiner Tiefe erfaßt und nicht praktisch gelebt wird Tag für Tag. Wir wünschen daher, Ehrwürdige Brüder, dass dieses göttliche Gebot in Wort und Schrift mehr und mehr erläutert werde; es ist doch das kostbare Erkennungszeichen, das Christus seinen echten Jüngern hinterlassen hat. Dieses Gebot lehrt uns, in den Leidenden Christus selbst zu sehen. Es befiehlt uns, unsere Brüder zu lieben, so wie der göttliche Erlöser uns geliebt hat, also bis zum Opfer unserer selbst, und wenn es sein soll, auch des eigenen Lebens. Es mögen dann alle oftmals jene teils tröstenden, andernteils aber furchtbaren Worte des Endurteils betrachten, die der höchste Richter am Tage des letzten Gerichtes sprechen wird: „Kommet ihr Gesegneten meines Vaters … ; denn ich war hungrig, und ihr habt mich gespeist; ich war durstig, und ihr habt mich getränkt … Wahrlich, ich sage euch, alles, was ihr dem geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan. Im Gegensatz aber dazu: „Weichet von mir, ihr Verfluchten, ins ewige Feuer … ; denn ich war hungrig, und ihr habt mich nicht gespeist; ich war durstig, und ihr habt mich nicht getränkt … Wahrlich, ich sage euch, was ihr dem geringsten meiner Brüder nicht getan, das habt ihr mir nicht getan“.

Um also das ewige Leben sicherzustellen und um tatsächlich den Bedürftigen wirksame Hilfe leisten zu können, muß man zurückkehren zu einer bescheidenen Lebensform. Man muß lernen auf Genüsse zu verzichten, die oft genug auch sündhaft sind, wie die Welt sie heute im Ueberfluß bietet. Man muß sich selbst vergessen in der Liebe zum Nächsten. Eine göttliche Kraft der Wiedergeburt liegt in diesem „neuen Gebot“ der christlichen Liebe (wie Christus es nennt). Seine treue Beobachtung wird in die Herzen einen inneren Frieden gießen, wie die Welt ihn nicht kennt, und wirksam die Uebel heilen, an denen die Menschheit krankt.

Pflichten der strengen Gerechtigkeit

Niemals aber wird die Liebe echt sein, wenn sie nicht stets auch der Gerechtigkeit genügt. Der Apostel lehrt: „Wer seinen Nächsten liebt, hat das Gesetz erfüllt“, und er begründet das auch; denn „Du sollst nicht Unzucht treiben, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen … und jedwedes andere Gebot ist in dem einen Wort zusammengefaßt: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst“. Wenn also nach dem Apostel alle Pflichten auf das eine Gebot der wahren Liebe zurückgehen, dann auch jene, die von der strengen Gerechtigkeit gefordert werden, wie z. B. nicht töten, nicht stehlen. Eine Liebe, die dem Arbeiter den Lohn vorenthält, auf den er ein strenges Recht hat, ist keine Liebe, sondern nur ein eitles Wort und ein leerer Schein von Liebe. Der Arbeiter hat es nicht nötig, als Almosen zu empfangen, was ihm von Rechts wegen zusteht. Es geht auch nicht an, sich von den schweren Pflichten der Gerechtigkeit freikaufen zu wollen durch kleine Gaben der Barmherzigkeit. Liebe und Gerechtigkeit legen Pflichten auf, die oft die gleiche Sache betreffen, aber unter verschiedenem Gesichtspunkt. Die Arbeiter sind hinsichtlich der Pflichten anderer ihnen gegenüber mit Recht sehr feinfühlig, haben doch auch sie ihre Würde.

Deshalb wenden Wir uns in besonderer Weise an Euch, christliche Arbeitgeber und Unternehmer, deren Aufgabe oft so schwierig ist. Ihr seid ja noch belastet mit dem Erbe von Irrtümern einer ungerechten Wirtschaftsführung, die ihren zersetzenden Einfluß Generationen hindurch ausgeübt hat. Seid eingedenk eurer Verantwortung! Leider ist es wahr, dass auch das Verhalten gewisser katholischer Kreise dazu beigetragen hat, das Vertrauen des arbeitenden Volkes zur Religion Jesu Christi zu erschüttern. Diese wollten nicht begreifen, dass die christliche Nächstenliebe auch die Anerkennung gewisser Rechte verlangt, die dem Arbeiter zustehen und die ihm die Kirche ausdrücklich zuerkannt hat. Was soll man dazu sagen, dass irgendwo katholische Arbeitgeber die Verlesung der Enzyklika Quadragesimo anno in ihren Patronatskirchen zu verhindern wußten? Was soll man dazu sagen, dass katholische Arbeitgeber bis auf den heutigen Tag sich als Feinde einer von Uns selbst befürworteten christlichen Arbeiterbewegung bewiesen haben? Und ist es nicht beklagenswert, dass das Recht auf Eigentum, das die Kirche anerkennt, mitunter dazu benutzt wurde, um den Arbeiter um seinen gerechten Lohn und um seine sozialen Rechte zu bringen?

Die soziale Gerechtigkeit

In der Tat gibt es außer der strengen ausgleichenden Gerechtigkeit, die ihrerseits Pflichten auferlegt, denen sich weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer entziehen können. Es ist gerade der sozialen Gerechtigkeit eigen, von den einzelnen all das zu fordern, was zum Gemeinwohl notwendig ist, wenn man nicht den einzelnen Teilen und den einzelnen Gliedern all das zugesteht, was sie für die Ausübung ihrer Funktionen brauchen, so kann auch für den sozialen Organismus und für das Wohl der ganzen Gesellschaft nicht hinreichend gesorgt werden, wenn man nicht den einzelnen Teilen und den einzelnen Gliedern, d. h. Menschen, die mit der Würde der Persönlichkeit ausgestattet sind, all das gibt, was sie für ihre sozialen Funktionen vonnöten haben. Wenn ebenfalls den Forderungen der sozialen Gerechtigkeit Genüge getan wird, so entwickelt sich als Frucht in Ruhe und Ordnung eine gesteigerte Tätigkeit auf dem ganzen Gebiete des wirtschaftlichen Lebens und wird so die Gesundheit des sozialen Organismus zeigen, wie ja auch die Gesundheit des menschlichen Körpers an einer ungestörten und doch vollen und fruchtreichen Tätigkeit des ganzen Organismus erkannt wird.

Man wird jedoch nicht sagen können, der sozialen Gerechtigkeit sei Genüge geschehen, wenn dem Arbeiter nicht der eigene Unterhalt und der seiner Familie gesichert ist durch einen Lohn, der diesem Zweck entspricht; wenn man, um dem Unglück eines allgemeinen Pauperismus vorzubeugen, es ihm nicht leicht macht, ein bescheidenes Vermögen zu erwerben; wenn man nicht vorsorgt zu seinen Gunsten, sei es durch öffentliche oder private Versicherungen, für die Zeit des Alters, der Krankheit oder der Beschäftigungslosigkeit. Mit einem Wort, um zu wiederholen, was Wir in Unserer Enzyklika Quadragesimo anno gesagt haben: „Dann erst besteht eine wirkliche, ihren Sinn erfüllende Volkswirtschaft, wenn allen Gliedern des Wirtschaftsvolkes alle die Güter zur Verfügung stehen, die nach dem Stande der Ausstattung mit natürlichen Hilfsquellen, der Produktionstechnik und der gesellschaftlichen Organisation des Wirtschaftslebens geboten werden können. So reichlich sollten sie bemessen sein, dass sie nicht bloß zur lebensnotwendigen und sonstigen ehrbaren Bedarfsbefriedigung ausreichen, sondern den Menschen die Entfaltung eines veredelten Kulturlebens ermöglichen, das, im rechten Maße genossen, dem tugendlichen Leben nicht nur nicht abträglich, sondern im Gegenteil förderlich ist.“

Wenn sodann, wie es immer häufiger in der Lohnfrage vorkommt, die einzelnen nicht mehr imstande sind, der Gerechtigkeit zu genügen, es sei denn, dass sich alle verständigen, sie gemeinsam zu üben mittels Einrichtungen, welche die Arbeitgeber untereinander verbinden sollen, um so einen Konkurrenzkampf untereinander zu vermeiden, der unvereinbar wäre mit der den Arbeitern geschuldeten Gerechtigkeit, so ist es Pflicht der Unternehmer und Arbeitsherren, solche notwendigen Einrichtungen zu unterhalten und zu fördern, weil sie dann das normale Mittel zur Erfüllung der Gerechtigkeit werden. Aber auch die Arbeiter mögen der Pflichten der Liebe und der Gerechtigkeit gegenüber ihren Arbeitgebern eingedenk bleiben und überzeugt sein, dass sie damit auch ihre eigenen Interessen besser schützen.

Wenn man sodann das Ganze des Wirtschaftslebens in Betracht zieht – wie Wir das in dem schon erwähnten Rundschreiben Quadragesimo anno getan haben -, so wird es unmöglich sein, das gegenseitige Zusammenwirken von Gerechtigkeit und Liebe in den wirtschaftlich-sozialen Beziehungen zur Herrschaft zu bringen, es sei denn mit Hilfe einer Körperschaft von beruflichen und zwischenberuflichen Institutionen auf christlicher Grundlage, die untereinander verbunden sind und unter je nach Ort und Umständen verschiedenen Formen eben das bilden, was man eine Korporation nennt.

Studium und Verbreitung der Soziallehre

Um dieser sozialen Aktion einen größeren Erfolg zu sichern, ist es dringend notwendig, das Studium der sozialen Probleme im Lichte der Lehre der Kirche zu fördern und die Unterweisungen in derselben unter der Leitung der von Gott in der Kirche eingesetzten Autorität zu verbreiten. Wenn das Verhalten mancher Katholiken auf wirtschaftlich-sozialem Gebiet zu wünschen übrig ließ, so kam das häufig daher, dass sie die Lehren der Päpste über diesen Gegenstand nicht genügend gekannt und erwogen haben. Daher ist es äußerst notwendig, dass in allen Gesellschaftskreisen jene tiefere den verschiedenen Kulturstufen entsprechende Sozialbildung gefördert werde, und dass mit allem Eifer und Fleiß für die möglichste Verbreitung der sozialen Lehren der katholischen Kirche auch in der Arbeiterklasse gesorgt werde. Es mögen die Menschen erleuchtet werden durch das sichere Licht der katholischen Lehre und ihr Wille geneigt, sie auszuführen und anzuwenden als eine Norm richtiger Lebensführung. So werden sie dann jenen inneren Widersprüchen und dem Mangel an Folgerichtigkeit im christlichen Leben, den Wir mehrfach beklagt haben, entgegenwirken; denn manche führen, während sie anscheinend ihre religiösen Pflichten treu erfüllen, dennoch auf dem Gebiete der Arbeit, der Industrie, des Berufes, des Handels, ihres Amtes in beklagenswertem doppeltem Gewissen ein Leben, das den so klaren Normen der christlichen Gerechtigkeit und Liebe allzusehr widerspricht. So werden sie zu einem schweren Aergernis für die Schwachen im Glauben und geben den Bösen leicht eine Handhabe, die Kirche selber deshalb in Verruf zu bringen.

Einen wichtigen Beitrag zu dieser Erneuerung kann die katholische Presse leisten. Sie kann und muß in erster Linie auf mannigfaltige und anziehende Weise dafür sorgen, dass die Soziallehre immer besser verstanden werde. Sie soll sachlich genau, aber auch mit hinreichender Ausführlichkeit über die Tätigkeit der Feinde unterrichten und die Kampfmittel darlegen, die sich in verschiedenen Ländern als die wirksamsten erwiesen haben. Sie soll gute Ratschläge erteilen und warnen vor den Listen und Schlichen, mit denen die Kommunisten gutgläubige Menschen nicht ohne Erfolg herüberzuziehen suchen.

Schutz vor den Schlichen des Kommunismus

Auf diesen Punkt haben Wir schon bei Unserer Allokution vom 12. Mai des vergangenen Jahres bestanden. Wir halten es aber für nötig, Ehrwürdige Brüder, aufs neue in besonderer Weise Eure Aufmerksamkeit darauf hinzulenken. Im Anfang zeigte sich der Kommunismus, wie er war, in seiner ganzen Verruchtheit. Bald aber schon wurde er gewahr, dass er auf solche Weise sich die Völker entfremde, und so änderte er seine Taktik und versucht nun die Massen zu ködern mit verschiedenen Täuschungen, indem er seine wahren Absichten hinter Ideen verbirgt, die an und für sich gut sind und anziehend. So beobachten die Häupter des Kommunismus etwa das allgemeine Verlangen nach Frieden und geben sich daher so, als wären sie die eifrigsten Förderer und Propagandisten der Weltfriedensbewegung; zur gleichen Zeit aber schüren sie einen Klassenkampf, bei dem Ströme von Blut vergossen werden, und da sie wohl fühlen, dass sie innere Garantien des Friedens nicht besitzen, so nehmen sie ihre Zuflucht zu unbegrenzten Rüstungen. So gründen sie unter Benennungen, die auf den Kommunismus nicht einmal anspielen, Vereinigungen und Zeitschriften, die dann einzig dazu dienen, ihre Ideen in Kreise zu bringen, die ihnen sonst nicht leicht zugänglich sind. Ja, sie suchen sogar durch Trug und List in katholische und religiöse Vereinigungen einzudringen. So laden sie, ohne auch nur irgendwie von ihren ruchlosen Grundsätzen abgehen, die Katholiken ein, mit ihnen auf dem sogenannten humanitären und caritativen Gebiet zusammenzuarbeiten und machen gelegentlich Vorschläge, die in allem dem christlichen Geist und der Lehre der Kirche entsprechen. Anderswo verbreiten sie mit heuchlerischer Miene die Meinung, dass der Kommunismus in Ländern mit tieferem Glauben und höherer Kultur eine andere, mildere Form annehmen werde, dass er den religiösen Kult nicht behindern und dass er die Gewissensfreiheit achten werde. Es gibt sogar solche, die sich auf gewisse, jüngst in der Gesetzgebung der Sowjetunion eingeführte Aenderungen berufen, um daraus den Schluß zu ziehen, der Kommunismus sei daran, seinen grundsätzlichen Kampf aufzugeben.

Sorget dafür, ehrwürdige Brüder, dass sich die Gläubigen nicht täuschen lassen! Der Kommunismus ist in seinem innersten Kern schlecht, und es darf sich auf keinem Gebiet mit ihm auf Zusammenarbeit einlassen, wer immer die christliche Kultur retten will. Und wenn manche Getäuschte zum Siege des Kommunismus in ihrem Lande beitragen würden, gerade sie werden als erste Opfer ihres Irrtums fallen. Je mehr ein Land, in das sich der Kommunismus einzuschleichen weiß, durch Alter und Größe seiner christlichen Kultur hervorragt, um so verheerender wird sich in ihm der Haß der Leute „ohne Gott“ austoben.

Gebet und Buße

„Wenn der Herr das Haus nicht bewacht, so wacht umsonst der Wächter!“ Darum empfehlen Wir Euch, Ehrwürdige Brüder, ein letztes und mächtigstes Hilfsmittel: fördert und vertieft aufs wirksamste in Euren Bistümern den Geist des Gebetes, verbunden mit der christlichen Buße. Als die Apostel den Heiland fragten, warum sie einen Besessenen vom bösen Geiste nicht befreien konnten, antwortete der Herr: „Diese Art von Dämonen läßt sich nicht austreiben, es sei denn mit Gebet und Fasten.“ Auch das Uebel, das heute die Menschheit quält, kann nur überwunden werden durch einen allgemeinen Kreuzzug von Gebet und Buße. Wir empfehlen besonders den beschaulichen Orden beiderlei Geschlechtes, ihre Gebete und ihre Opfer zu verdoppeln, um vom Himmel für die Kirche starke Hilfe im gegenwärtigen Kampf zu erflehen durch die mächtige Fürsprache der Unbefleckten Jungfrau. Wie sie einst den Kopf der alten Schlange zertreten hat, so ist sie immerdar die sichere Schützerin und die unbesiegbare „Hilfe der Christen“.

Organe und Hilfskräfte für das Sozialwerk der Kirche

Die Priester

Für das Werk der Rettung der Welt, das Wir soeben umrissen, und für die Anwendung der Heilmittel, die Wir kurz angegeben haben, sind nach dem Evangelium Organe und Helfer vom göttlichen König Jesus Christus selbst dazu bestimmt, in erster Linie die Priester. Ihnen ist, kraft besonderen Berufes, unter der Führung ihrer Oberhirten und in kindlich folgsamer Vereinigung mit dem Stellvertreter Christi auf Erden, die Aufgabe anvertraut, in der Welt die Fackel des Glaubens brennend zu erhalten und in die Herzen der Gläubigen jenes übernatürliche Vertrauen zu senken, mit dem die Kirche im Namen Christi so viele Schlachten geschlagen und so viele Siege errungen hat: „Das ist der Sieg, der die Welt überwindet, unser Glaube.“

Mit besonderem Nachdruck rufen Wir den Priestern die so oft wiederholte Mahnung Unseres Vorgängers Leos XIII. ins Gedächtnis zurück, zum Arbeiter zu gehen. Wir machen die Mahnung zur Unsern und ergänzen sie: „Gehet zum Arbeiter, vor allem zum armen Arbeiter, und überhaupt, gehet zu den Armen“ und befolget so die Lehre Jesu und seiner Kirche. Die Armen sind ja in der Tat den Nachstellungen der Aufwiegler besonders ausgesetzt, die ihre Notlage ausnützen, um den Neid gegen die Reichen bei ihnen zu erregen und sie dahin zu bringen, dass sie sich mit Gewalt nehmen, was ihnen das Glück ungerechterweise versagt zu haben scheint. Wenn der Priester nicht zu den Arbeitern und zu den Armen geht, um ihnen die Augen zu öffnen und sie vor Vorurteilen und falschen Theorien zu bewahren, so werden sie leicht eine Beute der Sendlinge des Kommunismus.

Wir können nicht leugnen, dass in dieser Richtung schon viel geschehen ist, besonders seit dem Erscheinen der Rundschreiben Rerum novarum und Quadragesimo anno. Mit väterlichem Wohlgefallen begrüßen Wir die eifrigen seelsorglichen Priester, die – Wir hoffen, immer mit der notwendigen Klugheit – neue Methoden des Apostolates ersinnen und erproben, die den Forderungen unserer Zeit mehr entsprechen. Alles das aber ist noch zu wenig der gegenwärtigen Aufgabe gegenüber. Gleichwie, wenn das Vaterland in Gefahr ist, alles das, was nicht unumgänglich nötig und nicht unmittelbar auf die dringende Aufgabe der gemeinsamen Verteidigung gerichtet ist, erst in zweiter Linie kommt, so muß auch in unserem Falle jedes andere Werk, sei es noch so schön und gut, zurücktreten vor der lebenswichtigen Notwendigkeit, die Grundlagen des Glaubens und der christlichen Kultur selber zu retten. Daher mögen die Priester in den Pfarreien, natürlich unbeschadet dessen, was die gewöhnliche Seelsorge betrifft, den größeren und besseren Teil ihrer Kräfte und ihrer Tätigkeit darauf verwenden, die Massen der Arbeiter für die Kirche und für Christus zurückzugewinnen und jene Kreise mit dem Geiste des Christentums zu durchdringen, die ihn am wenigsten besitzen. Sie werden in den Massen des Volkes ein Entgegenkommen und eine so über Erwarten reiche Ernte finden, dass dies ein Lohn sein wird für die großen Anfangsschwierigkeiten. So sahen und sehen Wir es in Rom und in vielen anderen Hauptstädten, dass sich, sobald in den Außenvierteln neue Kirchen entstehen, eifrige Pfarrgemeinden bilden und wahre Wunder der Bekehrung gerade in solchen Schichten der Bevölkerung geschehen, die früher der Religion, einzig weil sie sie nicht kannten, feindlich gesinnt waren.

Das wirksamste Mittel des Apostolates unter den Massen der Armen und Niedrigen ist indessen das Beispiel des Priesters, das Beispiel aller priesterlichen Tugenden, wie Wir sie in dem Rundschreiben Ad catholici sacerdotii beschrieben haben. Für den gegenwärtigen Fall bedarf es insbesondere des leuchtenden Beispiels eines demütigen, armen, selbstlosen Lebens, eines treuen Nachbildes des göttlichen Meisters, der mit göttlichem Freimut sagen konnte: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel des Himmels ihre Nester, des Menschen Sohn aber hat nichts, wohin er sein Haupt legen könnte. Ein Priester von wahrhaft evangelischer Armut und Selbstlosigkeit wirkt Wunder des Guten inmitten des Volkes, wie ein heiliger Vinzenz von Paul, ein Pfarrer von Ars, ein Cottolengo, ein Don Bosco und so viele andere, während ein geiziger und selbstsüchtiger Priester, wie Wir es in der genannten Enzyklika in Erinnerung gerufen haben, auch wenn er sich nicht wie Judas in den Abgrund des Verrates stürzt, zum wenigsten ein „tönendes Erz“ und eine unnütze „klingende Schelle“ ist, nur zu häufig eher ein Hindernis als ein Werkzeug der Gnade im Volke. Und wenn ein Welt- oder Ordenspriester pflichtgemäß mit der Verwaltung zeitlicher Güter zu tun hat, so soll er sich erinnern, dass er nicht nur ängstlich darauf bedacht sein soll, die Pflichten der Liebe und der Gerechtigkeit zu erfüllen, sondern dass er sich auch in besonderer Weise wahrhaft als Vater der Armen zeigen muß.

Die Katholische Aktion

Nach dem Klerus wenden Wir nun Unsere väterliche Einladung an die geliebtesten Söhne aus dem Laienstande, die in den Reihen jener Uns so teuren Katholischen Aktion kämpfen, die Wir schon bei anderer Gelegenheit als „ein besonderes Werkzeug der Vorsehung“ für die Arbeit der Kirche in diesen schweren Zeitläuften erklärt haben. Tatsächlich ist die Katholische Aktion auch ein echt soziales Apostolat, insofern sie dahin strebt, das Reich Christi nicht nur im einzelnen, sondern auch in Familie und Gesellschaft auszubreiten. Sie muß mithin vor allem darauf bedacht sein, ihre Mitglieder sorgfältigst auszubilden und zu rüsten für die heiligen Schlachten des Herrn. Eine solche Schulung, dringlicher und notwendiger denn je, muß stets der unmittelbar eingreifenden praktischen Arbeit vorausgehen. Ihr sollen dienen Studienzirkel, soziale Wochen, zusammenhängende Kurse von Vorträgen und alle Unternehmungen dieser Art, die geeignet sind, die Kenntnis der christlichen Lösung der sozialen Frage zu vermitteln.

Sind die Kämpfer der Katholischen Aktion auf diese Weise ausgebildet und geschult, so werden sie die ersten und nächsten Apostel ihrer Kollegen sein und wertvolle Hilfskräfte des Priesters werden, um das Licht der Wahrheit weiter zu tragen und die schweren materiellen und geistigen Nöte zu lindern in zahllosen Bereichen, die die Tätigkeit des Dieners Gottes, sei es aus eingewurzelten Vorurteilen gegen den Klerus, sei es aus beklagenswerter religiöser Gleichgültigkeit, ablehnen. So wird man unter der Leitung von Priestern, die darin eine besondere Erfahrung haben, zusammenarbeiten bei der religiösen Betreuung der arbeitenden Klassen, die uns so sehr am Herzen liegt; das ist das geeignetste Mittel, um diese Unsere geliebten Söhne vor der kommunistischen Verführung zu bewahren.

Außer diesem individuellen Apostolat, das oft verborgen ist, aber über die Maßen nutzbringend und wirksam, gehört es zum Aufgabenkreis der Katholischen Aktion, mit mündlicher und schriftlicher Propaganda in weitesten Schichten jene fundamentalen Prinzipien zu verbreiten, die dem Aufbau einer christlichen Sozialordnung dienen, wie sie sich aus den päpstlichen Erlassen ergeben.

Hilfsorganisationen

Um die Katholische Organisation scharen sich die Organisationen, die Wir schon als deren Hilfstruppen willkommen geheißen haben. Auch diese so nutzreichen Verbände ermuntern Wir mit väterlicher Liebe, sich der großen Aufgabe, von der Wir handeln, zu widmen, die heute alle andern an lebenswichtiger Bedeutung überragt.

Standesorganisationen

Ebenfalls denken Wir an jene Standesorganisationen der Arbeiter, der Bauern, Ingenieure, Aerzte, Unternehmer, Studenten und anderer, Männer und Frauen, die unter gleichartigen kulturellen Bedingungen leben und von der Natur selber zu gleichartigen Gruppen zusammengeführt sind. Gerade diese Gruppen und Organisationen sind berufen, jene Ordnung in der Gesellschaft einzuführen, die Wir in Unserm Rundschreiben Quadragesimo anno im Auge hatten, und so die Anerkennung des Königtums Christi in den verschiedenen Bereichen der Kultur und der Arbeit zu verbreiten.

Wenn der Staat es bei den veränderten Bedingungen des wirtschaftlichen und des sozialen Lebens für seine Pflicht achtet hat, solche Einrichtungen durch besondere gesetzliche Bestimmungen zu beaufsichtigen und zu regulieren, unter schuldiger Rücksichtnahme allerdings auf die Freiheit und die Privatinitiative, so darf auch unter solchen Umständen die Katholische Aktion sich nicht der Wirklichkeit entfremden, sie muß vielmehr weise ihren Beitrag leisten an Gedanken durch das Studium der neuen Probleme im Lichte der katholischen Lehre und an Aktivität durch redliche und freudige Mitarbeit ihrer Mitglieder an den neuen Formen und Einrichtungen. So wird sie den Geist des Christentums in sich hineintragen, der immer das Fundament der Ordnung und der gegenseitigen und brüderlichen Zusammenarbeit bleibt.

Aufruf an die katholischen Arbeiter

Ein Wort besonderer väterlicher Zuneigung möchten Wir hier an unsere lieben katholischen Arbeiter, die jungen und die alten, richten, die, vielleicht als Lohn für ihre oftmals heroische Treue in so schweren Zeiten, eine besonders edle und schwere Sendung erhalten haben. Unter der Führung ihrer Bischöfe und ihrer Priester müssen sie zu Kirche und Gott zurückführen jene ungeheuren Massen ihrer Brüder in der Arbeit, die, erbittert darüber, dass man sie nicht verstanden und nicht mit jener Achtung behandelt hat, auf die sie ein Recht hatten, sich von Gott entfernt haben. Die katholischen Arbeiter mögen durch ihr Beispiel und durch ihr Wort diesen ihren irrenden Brüdern beweisen, dass die Kirche eine zarte Mutter aller derer ist, die arbeiten und leiden, und dass sie nie aufgehört hat und nie aufhören wird, ihrer heiligen mütterlichen Pflicht gemäß ihre Kinder zu schützen. Wenn diese Mission, die sie erfüllen müssen in den Bergwerken, in den Fabriken, auf den Werften, und wo immer sie arbeiten, gelegentlich große Opfer fordert, dann werden sie sich an den Erlöser der Welt erinnern, der uns nicht bloß das Beispiel der Arbeit gegeben hat, sondern auch das des Opfers.

Notwendigkeit der Eintracht unter den Katholiken

Sodann möchten Wir alle Unsere Söhne aus allen sozialen Schichten, aus jeder Nation, aus jeder Gruppe von Gottgeweihten und Laien in der Kirche einen neuen und dringlicheren Appell zur Einigkeit richten. Schon oft ist Unser väterliches Herz schmerzlich berührt worden von den Spaltungen, oft geringfügig in ihren Ursachen, immer aber tragisch in ihren Folgen, welche Söhne der gleichen Mutter, der Kirche, zu Feinden untereinander machen. Man muß es dann mitansehen, wie die Umstürzler, oft nicht einmal sonderlich zahlreich, diesen Streit ausnutzen, ihn noch zu verschärfen suchen und schließlich die Katholiken selbst zur Bekämpfung der einen durch die andern bringen. Nach den Ereignissen der letzten Monate sollte eigentlich Unsere Mahnung überflüssig erscheinen. Wir wiederholen sie dennoch für jene, die sie noch nicht begriffen haben, oder die sie vielleicht nicht begreifen wollen. Jene, die daran arbeiten, die Spaltungen unter den Katholiken zu vermehren, laden eine furchtbare Verantwortung auf sich vor Gott und der Kirche.

Aufruf an alle Gottgläubigen

Aber in diesem Kampf, der von den Mächten der Finsternis sogar gegen die Gottesidee entfacht wurde, möchten Wir die tröstliche Hoffnung hegen, dass außer denen, die sich des Namens Christi rühmen, auch alle jene starken Widerstand leisten – und es ist die weitaus größere Mehrzahl der Menschen – die noch an Gott glauben und ihn anbeten. Wir erneuern daher den Aufruf, den Wir schon vor fünf Jahren in Unserem Rundschreiben Caritate Christi an sie gerichtet haben, dass auch sie aufrichtigen Herzens mithelfen, „um von der Menschheit die große Gefahr fernzuhalten, die alle bedroht“. Da – wie Wir damals ausführten – „der Glaube an Gott das unzerstörbare Fundament jeder sozialen Ordnung und jeder Verantwortlichkeit auf Erden ist, deshalb müssen wir alle jene, welche die Anarchie und den Terror ablehnen, tatkräftig mitwirken, damit die Feinde der Religion nicht das Ziel erreichen, das von ihnen so offen verkündigt wird“.

Pflichten des christlichen Staates

Hilfe für die Kirche

Wir haben, Ehrwürdige Brüder, die positive Aufgabe dargelegt, sowohl nach der lehrhaften als nach der praktischen Seite hin, die die Kirche auf sich nimmt auf Grund eben jener Sendung, die ihr von Christus anvertraut ist, die menschliche Gesellschaft aufzubauen und, was unsere Zeiten betrifft, die Macht des Kommunismus zu bekämpfen und zu brechen. Und wir haben die Klassen der Gesellschaft, alle zusammen und jede einzeln, aufgerufen. Zu dieser gleichen geistigen Aufgabe der Kirche muß der christliche Staat positiv das Seine beitragen, indem er sie dabei mit den ihm eigenen Mitteln unterstützt, die gewiß äußerlicher Natur sind, nichtsdestoweniger aber letztlich auf das Heil der Seelen abzielen.

So müssen denn die Staaten alles tun, um zu verhindern, dass eine gottlose Propaganda, die alle Fundamente der Ordnung umkehrt, in ihren Händen Unheil anrichtet; denn es gibt keine Autorität auf Erden ohne Anerkennung der Autorität der göttlichen Majestät; es wird kein Eid mehr Geltung haben, wenn er nicht geschworen wird im Namen des lebendigen Gottes. Wir wiederholen hier, was Wir oft und mit solchem Nachdruck gesagt haben, vor allem in der Enzyklika Caritate Christi: „Wie können Verträge Bestand haben, wie Abmachungen bindende Kraft besitzen, wo es keine Garantie durch das Gewissen gibt? Kann überhaupt noch von einer Garantie durch das Gewissen die Rede sein, wo jeder Gottesglaube und jede Gottesfurcht geschwunden ist? Zerstört diese Grundlage! – und jedes Sittengesetz fällt mit ihr. Kein Mittel vermag mehr dem stufenweise fortschreitenden, unvermeidlichen Verderben der Völker, der Familien, des Staates, ja der menschlichen Kultur Einhalt zu gebieten.“

Maßnahmen für das Gemeinwohl

Ferner muß der Staat alle Sorge darauf verwenden, um jene materiellen Lebensbedingungen zu schaffen, ohne die eine geordnete Gesellschaft nicht bestehen kann. Er muß Arbeit beschaffen, besonders für die Familienväter und für die Jugend. Die besitzenden Klassen müssen sich zu diesem Zweck bewegen lassen, im Hinblick auf die dringliche Notwendigkeit für das Gemeinwohl jene Lasten auf sich zu nehmen, ohne die es für die menschliche Gesellschaft keine Rettung mehr gibt und also auch nicht für sie selber. Die Vorkehrungen aber, die der Staat zu diesem Zweck ergreift, müssen derart sein, dass sie wirklich jene treffen, die in ihrer Hand tatsächlich die größten Kapitalien halten und sie noch ständig vermehren zum großen Schaden der andern.

Kluge und maßvolle Verwaltung

Der Staat selber sei sich seiner Verantwortung vor Gott und der Gesellschaft bewußt und diene allen durch kluge und maßvolle Verwaltung zum Vorbild. Heute gebietet mehr als je die äußerst schwere Weltkrise all jenen, die über ungewöhnliche Reichtümer, die Frucht der Arbeit und des Schweißes von Millionen von Mitbürgern, verfügen, immer einzig und allein das Gemeinwohl vor Augen zu haben und bemüht zu sein, es so weit nur eben möglich, zu fördern. Auch sollen die Staatsbeamten und alle Angestellten aus Gewissenspflicht alle ihre Obliegenheiten treu und selbstlos erfüllen und so dem leuchtenden Beispiel so, vieler ausgezeichneter Männer der alten und der neuen Zeit folgen, die in unermüdlicher Arbeit ihr ganzes Leben für das Wohl des Vaterlandes geopfert haben. Im Handel und Verkehr der Völker untereinander möge man mit Bedacht darauf hinarbeiten, jene unnatürlichen Hindernisse des wirtschaftlichen Lebens zu beseitigen, die aus der Gesinnung des Mißtrauens und des Hasses hervorgegangen sind, indem man sich daran erinnert, dass alle Völker dieser Erde eine einzige Gottesfamilie bilden.

Freiheit für die Kirche!

Zu gleicher Zeit aber muß der Staat der Kirche die Freiheit lassen, ihre göttliche und durchaus geistliche Sendung zu erfüllen und eben dadurch auch kraftvoll zur Rettung der Völker aus dem furchtbaren Sturm der gegenwärtigen Stunde beizutragen. Man richtet heute überall einen angstvollen Appell an alle moralischen und geistigen Kräfte, und das ist wohl zu begreifen; denn das Uebel, das es zu bekämpfen gilt, ist vor allem, in seinem Quellgrund betrachtet, ein Uebel geistiger Natur, und eben nur aus dieser Quelle entspringen mit teuflischer Folgerichtigkeit alle die Ungeheuerlichkeiten des Kommunismus. Nun nimmt aber unter den moralischen und religiösen Mächten die katholische Kirche unbestreitbar den ersten Rang ein, und so verlangt das Wohl der Menschheit, dass man ihrer Tätigkeit keine Hindernisse in den Weg lege.

Handelt man anders und behauptet man zugleich, man könne mit rein wirtschaftlichen und politischen Kräften zum Ziele gelangen, so befindet man sich in einem gefährlichen Irrtum. Schließt man die Religion von der Schule aus, von der Erziehung, vom öffentlichen Leben, gibt man die Vertreter des Christentums und seine heiligen Gebräuche dem Gespötte preis, fördert man dann nicht eben jenen Materialismus, aus dem der Kommunismus hervorwuchert? Weder die Macht, sei sie auch noch so gut organisiert, noch die Ideale dieser Welt, seien es auch die größten und edelsten, können eine Bewegung meistern, die ihre Wurzeln eben in der Ueberschätzung der Güter dieser Erde hat.

Wir vertrauen darauf, dass jene, die die Schicksale der Völker zu lenken haben, wenn sie auch nur ein wenig die äußerste Gefahr, von der heute die Völker bedroht sind, erkennen, es immer besser als ihre höchste Pflicht erkennen, dass sie die Kirche nicht hindern dürfen, bei ihrer heiligen Sendung. Und das um so mehr, weil sie dadurch, dass sie das ewige Glück des Menschen im Auge hat, untrennbar davon auch arbeitet für das wahre zeitliche Wohlergehen.

Aufruf an die Irrenden

Aber Wir können dieses Rundschreiben nicht schließen, ohne noch ein Wort an jene Unsere Söhne zu richten, die vom Uebel des Kommunismus schon wirklich oder doch beinahe angesteckt sind. Wir ermahnen sie lebhaft, auf die Stimme des Vaters zu hören, der sie liebt; und Wir beten zum Herrn, dass er sie erleuchte, damit sie die abschüssige Bahn verlassen, auf der alles in einer ungeheuren Katastrophe dem Untergang zustürzt, und damit auch sie erkennen, dass es nur einen einzigen Erlöser gibt, Jesus Christus, unsern Herrn; „denn es ist unter dem Himmel den Menschen kein anderer Name gegeben, in dem wir selig werden sollen“.

Der heilige Josef, Vorbild und Patron

Um den von allen ersehnten „Frieden Christi im Reiche Christi“ bald herbeizuführen, stellen wir die große Aktion der katholischen Kirche gegen den atheistischen Weltkommunismus unter den Schutz des mächtigen Schirmherrn der Kirche, des heiligen Josef. Er gehört dem arbeitenden Stande an und hat die Last der Armut erfahren für sich und für die Heilige Familie, deren wachsames und liebevolles Haupt er war. Ihm war das göttliche Kind anvertraut, als Herodes seine Meuchelmörder nach ihm aussandte. Er hat in einem Leben treuester Pflichterfüllung Tag für Tag allen jenen ein Beispiel hinterlassen, die sich ihr Brot durch ihrer Hände Arbeit verdienen müssen, Mit Recht wurde er der Gerechte genannt, das lebendige Beispiel jener christlichen Gerechtigkeit, die im sozialen Leben herrschen soll.

Die Augen gerichtet nach oben, schaut unser Glauben den neuen Himmel und die neue Erde, von denen Unser erster Vorgänger, der heilige Petrus, spricht. Während die Verheißungen der falschen Propheten dieser Erde in Blut und Tränen versinken, erstrahlt in himmlischer Schönheit die große apokalyptische Prophetie des Welterlösers: „Siehe, ich mache alles neu!“ Nun fehlt nur noch das eine, Ehrwürdige Brüder, dass Wir die Vaterhände erheben und über Euch, über Euren Klerus und Euer Volk, über die ganze große katholische Familie den apostolischen Segen herabrufen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am Feste des heiligen Josef,des Schutzpatrons der ganzen Kirche, am 19. März 1937,im 16. Jahre Unseres Pontifikates.Pius XI

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