Vier Lieder über Julian den Apostaten

Von Ephräm d. Syrer

Erstes Lied.

Gegen den Kaiser Julian, der Heide wurde, gegen die Irrlehren und gegen die Juden.
Nach der Melodie: „Haltet euch an die Wahrheit!“

Das kaiserliche Szepter soll die Menschen leiten, die Länder beaufsichtigen und die wilden Tiere verjagen; das Szepter des kaiserlichen Apostaten tat gerade das Gegenteil. Bei seinem Anblick frohlockten die Bestien, die Wölfe traten auf seine Seite, freudige Erregung erfaßte Panther und Löwe, ja sogar die Schakale erhoben ein Freudengeheul.

Als die Wölfe den Nebel, den Regen und den Sturm sahen, riefen sie einander zu, stürmten herbei und tobten voll Hunger. Bisher waren sie alle eingeschlossen gewesen, jetzt umringten sie voll Wut die gesegnete Herde Christi. Aber bald zerbrach das Szepter, das sie erfreut hatte, und sie wurden wieder in Trauer versetzt. Die Stütze der Linken war eben nur ein zerbrechliches Rohr.

Da flohen sie wieder in ihre finsteren Felsenklüfte und zogen die Furcht, die sie abgelegt hatten, in ihren Höhlen von neuem an. Die verfinsterte Schöpfung wurde wieder hell und klar, nachdem die zerschmettert waren, die ihre Häupter erhoben hatten. Die Häupter des Leviathan wurden im Meere zermalmt, seinen einst so beweglichen Schwanz aber zerstampfte man auf dem Lande.

Die lebendig Toten waren zu neuem Leben erwacht; sie hofften, am Leben zu bleiben, mußten aber bald erkennen, daß sie sich bitter getäuscht hatten. Zu derselben Zeit, als die Götzenbilder wieder erstanden, waren auch sie zu neuem Leben erwacht. Daher sprachen die Götzen selbst den Ungläubigen das Urteil. Die Heiden und die Unkräuter waren dem gleichen Tode verfallen; denn beide klammerten sich zur gleichen Zeit an den gleichen Halt.

Damals geriet der Kot in Gärung und brachte Schlangen jeder Größe und Gewürm jeglicher Art hervor, so daß die ganze Erde mitten im Winter davon wimmelte; denn der Hauch des Drachen hatte ihn befruchtet. Wer aber mit den Schuhen der Wahrheit ausgerüstet war, der verachtete die giftigen Stacheln der Söhne des Irrtums.

Die mit den gestürzten Götzen wieder aufgestanden waren, fielen aufs neue mit dem fallenden Kaiser. Sie hielten sich für stark und hofften bestehen zu können. Die Toren schlossen sich aneinander, kamen herbei und fielen. Ihr Fall beweist ihren Anstoß; denn mochten sie auch sonst verschiedenen Sinnes gewesen sein, hinsichtlich des Anstoßes waren sie eins; denn alle waren durch die gleiche Liebe zu dem einen Kaiser mit einander verbunden.

Damals, als sich die Teufel freuten, lebten auch sie plötzlich wieder auf; damals, als der Böse jubelte, frohlockten auch sie. Es war sozusagen ein Vorbild der ihnen bestimmten Ewigkeit, wo sie ebenfalls alle zusammen an den einen gehängt werden sollen: er machte sie jetzt schon untereinander zu Brüdern und Gliedern, sie hingen ja am Haupte der Linken.

Denn während die Rechte über die Sünder trauerte, waren die Söhne der Linken hocherfreut. Die Engel freuen sich nur über die Büßer, die Toren aber tun törichterweise das Gegenteil. Nur die Kirche ahmt die Engel in beidem nach, indem sie über die Sünder weint und über die Büßer sich freut.

Als der Böse sah, daß er die Menschen in Rausch und Taumel versetzt hatte, da freute er sich und verachtete die Freiheit um so mehr, als sich die Menschen ihm so sklavisch unterworfen hatten. Der Böse staunte, dass er uns so mißhandeln durfte; aber die misshandelten Toren achteten nicht auf ihre Schmerzen und verschmähten die Heilung, obwohl der Arzt bereit war.

Der abscheuliche Februar, der trübe und alles betrübende Monat, hatte sich den Vorzug des alles erfreuenden April angemaßt; aber es sproßten und blühten in ihm nur Dornen und Unkraut. Der Frost, der sonst alles erstarren macht, trieb Saft in die [noch unentwickelten] Dornen und Stacheln im Innern der Gestrüppe und Sträucher, und alsbald kamen sie nackt und bloß hervor.

Die Spätsaat war gleichsam in Angst und Furcht, sie war ja nicht kunstgerecht gesät und gepflegt worden; denn es waren nur von selbst ausgefallene Körner, die in der Erde gekeimt hatten. Was nur oberflächliche Wurzeln geschlagen hatte, wurde bald ausgerottet; aber die kunstgerecht bestellte Saat schlug tiefe Wurzeln und trug hundertfältige, sechzigfältige und dreißigfältige Frucht.

Die Kaiser, welche Söhne der Wahrheit waren, hatten mit den beiden Testamenten, wie mit zwei an dasselbe gemeinschaftliche Joch gespannten Stieren, die Erde gepflügt und bestellt. Selbst die Dornen bekleideten sich mit dem Glanze des Weizens, und die Saat teilte sogar dem Unkraut ihre Farbe mit. Als sie dann den Glanz wieder ablegten, taten sie es mit freiem Willen.

Die einen zeigten sich dann als Dornen, die anderen als Weizen; die einen erwiesen sich als Gold, die anderen als Staub. Der Tyrann wurde zu einem Schmelzofen für den Glanz der Wahrhaftigen. Welch herrliches Schauspiel! Die Wahrheit kommt in den Schmelzofen des Lügners und wird darin erprobt, der Irrtum dagegen verherrlicht die Wahrhaftigen und hat davon keine Ahnung!

Über den Abtrünnigen freuten sich alle Abtrünnigen und über das Haupt der Linken die Söhne der Linken. In ihm konnten sie sich sehen, wie sie waren; denn er war für sie alle ein Spiegel. Diejenigen, welche sich über seinen Sieg freuten, teilten den Triumph mit ihm, wie sie auch bei seinem Untergange Anteil an der Demütigung hatten.

Denn nur die Kirche war ganz gegen ihn, wie auch umgekehrt er und alle seine Anhänger gegen sie waren. Dies genügt zweifellos zum Beweise, daß es nur zwei Parteien gibt, die der Kirche und die ihrer Widersacher. Auch die Heuchler, von denen man glaubte, dass sie nicht zu den letzteren gehörten, schlossen sich ihnen schleunigst an, gleich Gliedern einer und derselben Kette.

Die Juden erfaßte rasendes Entzücken, sie stießen in die Posaune und freuten sich darüber, daß er ein Zauberer war, und jubelten, weil er ein Magier war. Die Beschnittenen sahen plötzlich das Bild des Stieres vor sich; auf seinen Goldmünzen erblickten sie den Stier der Schmach und begannen, ihn mit Pauken und Trompeten zu umtanzen; denn sie erkannten in ihm ihr ehemaliges Kalb.

Er ließ den Stier, das Symbol des Heidentums, der in sein Herz eingezeichnet war, in jenem Münzbilde für das Judenvolk, das ihn liebte, ausprägen. Vielleicht riefen die Juden beim Anblick dieses Stieres: „Israel, das sind die Götter, welche deine Gefangenschaft aus Babylon in das verwüstete Land zurückführen werden, wie dich das gegossene Kalb aus Ägypten herausgeführt hat“.

Der König von Babylon wurde plötzlich in einen Waldesel verwandelt; er lernte aber, sich bändigen zu lassen. Er schlug nicht mehr aus, obwohl er ein störrisches Tier geworden war. Der König von Griechenland wurde plötzlich ein Stier, der die Kirchen stieß, aber bald dahingerafft wurde. Die Beschnittenen sahen den Stier auf die Stateren geprägt und freuten sich, daß die Kälber des Jeroboam wieder aufgelebt waren.

Vielleicht hatten die Juden deshalb an diese Münze eine so ausgelassene Freude, weil sie dachten: gleichwie der darauf abgebildete Stier einen Platz im Herzen, im Beutel und in der Hand des Kaisers habe, so stehe auch jenes Kalb der Wüste vor seinen Augen, seinem Herzen und seinem Geiste, ja er schaue es möglicherweise sogar in seinen Träumen.

Der König von Babylon wurde wahnsinnig und entfloh in die Wüste. Gott ließ ihn umherirren, auf dass er zur Ruhe komme; er ließ ihn wahnsinnig werden, auf daß er Vernunft annehme. Und er bereitete auch schließlich Gott Freude und dem Daniel Entzücken. Der griechische Kaiser machte sich dadurch strafbar, daß er Gott erzürnte und den Daniel Lügen strafen wollte des Greuels wird Vernichtung sein; bis zur Vollendung der beschlossenen Dinge wird sie in der Vernichtung verharren“; daher wurde er zu Babylon dem Gerichte überliefert und verurteilt.

Zweites Lied.

Der Wolf kleidete sich in das Gewand eines Lammes der Wahrheit. Die arglosen Schafe beschnupperten ihn, aber erkannten sein wahres Wesen nicht. Als er den verstorbenen Hirten völlig betört hatte, da ließ er die Lammeshülle fallen und zeigte sich offen als Wolf. Die Böcke nahmen sofort seinen Geruch auf; sie haßten die Lämmer, ihn aber liebten sie als ihren Hirten. Kehrvers:

Heil dem, der ihn vernichtet und alle Söhne des Irrtums in Trauer versetzt hat!

Sie [die Böcke] freuten sich über ihn, denn er war ein Magier; sie frohlockten über ihn, denn er war ein Zauberer. Sie gerieten außer sich vor Freude, weil er Kaiser, und in Entzücken, weil er Götzenpriester geworden war. Sie jubelten, weil nun durch ihn die Stelle so vieler Könige und Königinnen ihres Schlages, eines Achab, Jeroboam, Joathan, Manasses, einer Jezabel, Athalia, jener Quellen des Heidentums, wieder ausgefüllt war.

Sie verwarfen den Erlöser, den Zeugen des Wahrhaftigen, der die Wißbegierigen belehrte, daß es nur einen Gott gebe. Sie kreuzigten ihn durch ihren Abfall und ihre Vielgötterei [aufs neue] und freuten sich über das abscheuliche Unterpfand. Durch seine Opfer mietete und führte er die Götterschar herbei, damit sie [die Götterschar] die Dornenbüschel für das Höllenfeuer aufhäufe.

Auf seinem Feldzuge nahm er seine Götter und die Göttin, die er gegossen und in Erz gekleidet hatte, sowie Zauberer und Wahrsager mit; alle Söhne des Irrtums begleiteten ihn mit ihren Gebeten. Im Vertrauen auf die großartigen Verheißungen zog er aus und zerstörte sogar seine eigene Flotte, erwarb aber dadurch allen seinen Anhängern nur eine Krone von Schmach.

Seine Götter und Göttinnen pflegten miteinander zu tollen, und er, der der Keuschheit entsagt hatte schämte sich nicht, Götzen zu feiern, welche den Göttinnen liebestoll nachlaufen. Er war ihnen Opferbock und Opferpriester zugleich. Seinen Bart weihte er der Schande: er ließ ihn wachsen und neigte ihn herab, damit der Opferrauch ihn durchdringe.

Ihm sagte die Feier jener Schandgöttin zu, an deren Festtage Weiber und Männer vor unreiner Lust rasen, Jungfrauen sich preisgaben, Ehefrauen Unzucht treiben und schandvolle Reden ausstoßen. Solche abscheuliche Feiern liebte er, aber von den gesegneten Festen der Keuschheit und dem Ostern der Lauterkeit wollte er nichts wissen.

Die Heiden trugen ihre Götzenbilder umher und waren ausgelassen; die Beschnittenen lärmten mit der Posaune und rasten; alle schrien zusammen und tobten. Es war wie bei jenem Feste in der Wüste. Der Allgütige, der dort die durch das eine Kalb Aufgeregten ernüchterte, ernüchterte auch hier die Scharen, die der eine Kaiser aufgeregt hatte.

Er zermalmte jenes Kalb, um die Aufregung wegzunehmen; er zerbrach diese Kaiserkrone, um der Raserei ein Ende zu machen. Wie ein Arzt schnitt er die Ursache der Aufregung weg. Beide wurden im Süden gestürzt; durch ein scharfes Eisen vernichtete er das Kalb und durch einen furchtbaren Speer den Kaiser.

Die Ziegen vom Geschlechte jenes Ziegenbockes, mit langen Haaren und stinkenden Bärten, umringten den Schwarzen [Julian], der auf die Ehe verzichtete, weil er sich seiner Schande [Aphrodite] verlobt und geweiht hatte; diese Zeichendeuter der Linken trieben durch ihre Weissagungen den Bock an, gegen Persien in den Krieg zu ziehen, um dort als Opfer zu fallen.

Mit ihren Orakeln knickten sie den Stengel des Unkrauts, den Schaft und die Säule, auf die sich die Dornen, seine Gesinnungsgenossen, und die Disteln, seine Sippschaft, stützten. Dem Weizen hatte er bei seinem Aufbruch gedroht, ihn nach der Rückkehr mit dem Gestrüppe seines Heidentums zu ersticken; aber der Ackersmann der Gerechtigkeit jätete das Unkraut aus.

Er war jenem Dornstrauch gleich, von dem geschrieben steht, daß er stolz und übermütig wurde, so daß er die Zedern und Zypressen zu erniedrigen drohte, die Disteln und Unkräuter dagegen erhöhen wollte. Aber der gerechte Gott machte aus ihm einen Besen, kehrte damit rücksichtslos allen heidnischen Unrat zusammen, schaffte sein Heidentum fort und warf es an einen abgelegenen Platz.

Die Magier und Wahrsager einzeln zu besiegen, däuchte der Wahrheit zu gering; deshalb band sie dieselben mit dem einen Kaiser zusammen und gab ihnen Gelegenheit, sich mit Helm und Rüstung zu wappnen, um sie dann zusammen in dem einen zu besiegen und das Band der Schmach um sie alle zu schlingen. Denn alle Söhne des Irrtums erwiesen sich in jeder Beziehung als Betrüger.

Haben nun alle insgesamt bei ihren Weissagungen betrogen, so hat natürlich auch jeder einzelne für sich Lügen geweissagt. Die Schweine zogen aus und besudelten sich mit abscheulichem Unräte. Sie sind eine Herde, welche die Welt beschmutzte; denn sie zogen aus und beschmutzten sich, dann kehrten sie zurück und schüttelten sich aus. Und es gelang ihnen und gelingt ihnen noch, viele zu verführen.

Nachdem der König von Babylon die Sterndeuter überführt hatte, ließ er keine andern mehr rufen; denn er hatte sie ein für allemal erprobt. Daher zog er sich von ihnen zurück, verstieß sie und überlieferte sie dem Tode. Er wollte also von seinen eigenen Leuten nichts mehr wissen. Wenn sie nun aber diesen betrogen haben, um wieviel mehr werden sie dich betrügen! Und wenn alle gelogen haben, wie sollte man da einem von ihnen glauben können?

Denn er hatte gewahrsagt und versprochen, geschrieben und uns übersandt, daß er auf seinem Feldzuge Persien überwältigen und demütigen, Singar aber wieder aufbauen würde. Aber die Drohung seines Briefes erfüllte sich so wenig, daß sogar Nisibis infolge seines Kriegszuges verloren ging; denn er hatte durch seine Beschwörer gerade die Macht, auf die es vertraute, gelähmt. Als Opferlamm rettete die Stadt sein Heer.

Gott hat das eroberte Nisibis als Spiegel aufgestellt, in den wir schauen sollen. Den heidnischen Kaiser, der auszog, um zu nehmen, was nicht sein war, ließ er das verlieren, was sein war, diese Stadt, welche der Welt die Schmach seiner Beschwörer verkündigte. Damit aber seine Schande eine fortdauernde sei, mußte er [Julian] diesen fortwährenden, unermüdlichen Herold dem Feinde ausliefern.

Sie [die Stadt Nisibis] ist ein Herold, da sie den Schimpf seiner [des Julian] Beschwörer mit vier Zungen in alle Welt hinausruft; denn die Tore dieser Stadt öffneten sich ehedem nach den glücklich überstandenen Belagerungen und öffnete damit zugleich unseren Mund zum Preise unseres Befreiers; heute sind sie verschlossen, um dadurch den Mund der Heiden und Irrgläubigen zu verschließen.

Wir wollen nun der Ursache nachgehen, warum und wie diese Stadt, der Schild aller Städte, preisgegeben wurde. Der Rasende hatte in seiner Raserei seine Schiffe auf dem Tigris verbrannt. Ohne daß er es merkte, hatten die Bärtigen den Bock überlistet, der sich doch rühmte, das Verborgene zu wissen. So wurde er offen getäuscht, damit er im geheimen noch mehr beschämt würde.

Diese Stadt verkündete die Wahrheit ihres Befreiers, als die plötzlich ausgebrochenen und anprallenden Fluten sich legten, die Belagerungswerke einstürzten und die Elephanten ertranken. Der damalige Kaiser rettete die Stadt durch sein Bußgewand; der Tyrann [Julian] aber vereitelte durch sein Heidentum ihren Triumph, während sie ehedem das Gebet mit Sieg gekrönt hatte.

Die Wahrheit war ihre Mauer, das Fasten ihr Bollwerk. Die Magier kamen drohend heran, aber in ihnen wurde Persien zuschanden, Babylon in seinen Sterndeutern und Indien in seinen Zauberern. Dreißig Jahre lang hatte sie die Wahrheit mit Sieg gekrönt. Aber als jener im Sommer in der Stadt ein Götzenbild aufgestellt hatte, entfloh die Gnade, und der Zorn eilte herbei.

Die leeren Götzenopfer entleerten ihre [der Stadt] Volksmenge; die Dämonen, die Söhne der Wüste, verwüsteten sie infolge ihrer Trankopfer; der Götzenaltar, der in ihr errichtet worden war, zerstörte und entfernte den Altar, dessen härene Decke uns gerettet hatte; die Feste der Raserei beseitigten ihre [der Stadt] Festfeier, und der Dienst der Söhne des Irrtums machte ihrem Gottesdienst ein Ende.

Nachdem der Magier in unserer Stadt eingezogen war, sühnte er unsere Schmach und verachtete seinen Feuertempel, ehrte aber unsere Kirche; er zerstörte die Götzenaltäre, die zur Zeit unserer Erniedrigung erbaut worden waren, und riß die zu unserem Schimpf errichteten Baulichkeiten nieder; denn er wußte, daß die Gnade, die uns dreimal vor ihm errettet hatte, nur von einem Heiligtume ausgegangen war.

Wie sehr hat sich doch die Wahrheit in unserer Stadt geoffenbart! Sie zeigte sich in unseren Breschen nach allen Seiten hin, so daß sogar Blinde sie in unserer Errettung sehen mußten. Auch der König erkannte sie in unserer Befreiung; da er sie in unseren Triumphen geschaut hatte, als er noch außerhalb der Stadt war, ehrte er sie durch Opfergaben, nachdem er in dieselbe eingezogen war.

Der Krieg war der Ofen der Prüfung, der dem König die Schönheit der Wahrheit und die Hässlichkeit der Lüge offenbarte. Durch die Erfahrung lernte er, daß der Herr dieses Hauses in allem gütig und gerecht ist; denn solange die Stadt ihm gläubig anhing, überlieferte er sie ihm trotz aller seiner Anstrengungen nicht; als sie ihn aber durch ihre Götzenopfer herausgefordert hatte, gab er sie ihm mühelos preis.

Das Bußgewand des seligen Kaisers hatte diese Stadt, die das Haupt des ganzen Zweiströmelandes war, errettet und verherrlicht; die Gotteslästerung des Tyrannen dagegen erniedrigte und demütigte sie. Wer vermöchte die Größe ihrer Schande zu ermessen? Sie, die vordem das Haupt des ganzen Abendlandes gewesen, ist jetzt zur äußersten Ferse des Morgenlandes geworden.

Diese Stadt darf nicht mit den übrigen gleich gestellt werden; denn zu wiederholten Malen hat sie der Gütige vom sicheren Untergang, vom Krieg unter und über der Erde errettet. Als sie aber ihrem Retter mit Undank lohnte, da gab er sie preis; doch mischte der Gerechte seiner Zornesglut sein Erbarmen bei, so dass er uns nicht in die Verbannung trieb und zerstreute, sondern im Heimatlande ließ.

Der Kaiser war Götzenpriester geworden und hatte unsere Kirche mit Schmach überhäuft; der Magierkönig dagegen ehrte unser Heiligtum. Er verdoppelte unseren Trost, indem er unser Heiligtum ehrte. Er betrübte und erfreute uns zu gleicher Zeit und zerstreute uns nicht. So hat Gott jenen Irrenden durch einen anderen Irrenden zurechtgewiesen, und je undankbarer der Götzenpriester sich zeigte, desto dankbarer erwies sich der Magier.

Drittes Lied.

Hinsichtlich der Stadt erlebte ich ein merkwürdiges Zusammentreffen: Zu eben der Zeit, als der Leichnam dieses Verfluchten an der Stadtmauer vorübergetragen wurde, pflanzte ein Magier1die aus dem fernen Osten hergesandte Fahne auf dem Turme auf, um damit den Zuschauern anzudeuten, daß die Stadt nunmehr den Herren dieser Fahne Untertan geworden sei.

Kehrvers:

Preis dem, der seinen Leichnam in Schmach gehüllt hat!

Staunend fragte ich mich, wer wohl dieses gleichzeitige Zusammentreffen von Leichnam und Fahne herbeigeführt haben könnte, und ich erkannte darin eine bewundernswerte Fügung der göttlichen Gerechtigkeit, daß gerade zu der Zeit, als die Leiche des Gestürzten vorbeigetragen wurde, die schreckliche Fahne aufgepflanzt wurde, welche verkündete, daß die Gottlosigkeit seiner Beschwörer diese Stadt den Feinden überliefert habe.

Dreißig Jahre lang hatten die Perser auf alle mögliche Weise gegen diese Stadt Krieg geführt, aber trotzdem die Mauer nicht zu überschreiten vermocht. Wohl gelang es ihnen, in dieselbe Breschen zu legen und sie niederzureißen, aber da griff das Kreuz ein und brachte Rettung. Damals aber bot sich mir ein abscheulicher Anblick: auf dem Turme die Flagge des Eroberers und im Sarge die Leiche des Verfolgers.

Glaubt mir, Brüder, auf ja und nein, wenn ich euch sage, daß ich zum Sarge dieses Unreinen hinging und, als ich bei ihm stand, sein Heidentum also verhöhnte: Das ist also jener, der sich gegen den lebendigen Namen erhoben und dabei vergessen hat, daß er nur Staub ist. Deshalb hat ihn Gott wieder zu Staub werden lassen, damit er erkenne, daß er Staub sei.

Ich stand da voll Staunen über die tiefe Erniedrigung, in der ich ihn schauen mußte. Das war also der einst so hoheitsvolle, stolze Inhaber von Thron und Reich, das die Schleuder, die gegen uns geschwungen worden war! Ich machte mir selbst Vorwürfe darüber, daß ich dieses Ende nicht schon zurzeit seiner Machtfülle vorausgesehen hatte.

Ich konnte nicht begreifen, wie so viele den Spender alles Lebens verleugnen konnten, um einer sterblichen Krone zu gefallen. Brüder, ich blickte nach oben und nach unten, und bewundernd sah ich die Glorie unseres Herrn dort oben und die tiefe Erniedrigung des Verfluchten hier unten. Da dachte ich: Wer würde sich wohl jetzt noch vor diesem Leichnam fürchten und den Wahrhaftigen verleugnen?

Daß das Kreuz, als es mit uns in den Kampf zog, nicht siegte, geschah nicht aus dem Unvermögen zu siegen – es ist ja stets siegreich -, sondern damit für den Frevler, der auf Betreiben seiner Wahrsager nach dem Osten gezogen war, die Grube gegraben würde. Als er nun in dieselbe gefallen und umgekommen war, da wurde es den Einsichtigen klar, daß der Krieg nur auf ihn gewartet hatte, um ihn zu Fall zu bringen.

Man sollte erkennen, daß der Streit sich deshalb so sehr in die Länge gezogen hatte, damit der Keusche die Jahre seiner Herrschaft vollenden, aber auch der Verfluchte das Maß seines Heidentums vollmachen könnte. Als sich dann sein Geschick erfüllt hatte und er dahingerafft war, da wurde es dann auf beiden Seiten wieder hell, und es ward Friede unter dem gläubigen Kaiser, dem Genossen der Glorreichen.

Der Gerechte hätte ihn auf alle mögliche Weise töten können, aber er sparte ihn für einen entsetzlichen und bitteren Sturz auf; denn an seinem Todestage traten ihm alle diese Gedanken vor die Seele: Wo war jetzt der Orakelspruch, auf den er soviel Vertrauen gesetzt hatte? Wo blieb die Kriegsgöttin, daß sie ihm nicht zu Hilfe eilte? Und wo die Scharen seiner Götter, daß sie ihm keine Rettung brachten?

Als damals das Kreuz des Allwissenden an der Spitze der Truppen in den Kampf gezogen war, ließ es sich den Hohn, es habe sie doch nicht retten können, ruhig gefallen. Den Kaiser hatte es in Frieden bewahrt, das Heer dagegen dem Untergang preisgegeben; denn es kannte dessen heimliches Heidentum gar wohl. Preisen wir also das Kreuz des Alldurchforschers, das damals einsichtslose Toren geschmäht haben!

Denn sie hielten nicht zur Fahne des Allerlösers, und dieses Heidentum, das sie am Schlusse offenbarten, war unserm Herrn schon von Anfang an offenbar. Aber obwohl er ihre heidnische Gesinnung kannte, rettete sie doch sein Kreuz; erst als sie sich von ihm lossagten, mußten sie dort Leichen verzehren und wurden zum Sprichwort.

Als das Volk Israel bei der elenden Stadt Hai besiegt worden war, zerriß Josua seine Kleider vor der Bundeslade und sprach vor dem Höchsten die schrecklichen Worte: „Ein Bann ist unter dem Volke, und man weiß es nicht!“ Ebenso war im Heere das Heidentum verborgen, trotzdem sie das Kreuz, wie jene die Bundeslade, trugen.

Die Gerechtigkeit rief ihn auf kluge Weise herbei, nicht durch Zwang lenkte sie seinen Willen. Sein Ehrgeiz lockte ihn zu dem todbringenden Speer. Als er sah, wie leicht ihm die Eroberung der Festungen gelang, wurde er übermütig; zudem trat kein Unfall ein, der ihn zur Rückkehr hätte veranlassen können. Und so stürzte er schließlich in den Abgrund.

Weil er den gelästert hatte, der den [flammenden] Speer vom Paradies weggenommen hat, darum drang der Speer der Gerechtigkeit in seinen von den Orakeln seiner Zauberer schwangeren Leib und riß ihn auf. Schmerzlich stöhnte er, als er da an die Drohungen denken mußte, die er in seinem Briefe gegen die Kirchen ausgestoßen hatte. Der Finger der Gerechtigkeit hat sein Andenken ausgelöscht.

Der Kaiser sah, wie die Söhne des Morgenlandes zu ihm kamen und ihn überlisteten, die Einfältigen den Weisen, die Profanen den Zauberer, Die [Perser], welche er schon in sein Netz verstrickt glaubte, nahmen durch die Mithilfe Ungelehrter seine Weisheit gefangen. Er befahl, die Schiffe, die ihm den Sieg verschafft hätten, zu verbrennen. Und so wurden durch eine einzige Überlistung seine Götter und Zauberer gefesselt.

Als er einsah, daß seine Götter mit Schimpf und Schmach bedeckt waren und daß er selbst weder siegen noch fliehen konnte, schwankte er lange unentschlossen zwischen Furcht und Schande hin und her. Endlich wählte er den Tod, um in die Hölle zu entfliehen. Deshalb legte er mit Vorbedacht den Panzer ab, um tödlich getroffen zu werden und zu sterben, ohne daß die Galiläer sich an seiner Schmach weiden könnten.

Verächtlich hatte er die Brüder Galiläer genannt. Siehe, nun rollen die Räder des galiläischen Königs in der Luft; von seinem Wagen aus, den die Cherube tragen, läßt er seinen Donner erschallen. Der Galiläer rädert die Herde des Zauberers und überliefert sie den Wölfen in der Wüste, aber die galiläische Herde erstarkt und erfüllt die Welt.

Viertes Lied.

Wie raffiniert war doch der Schmelzofen, der die Königstochter läuterte! Er zeigte sich gegen sie freundlich, aber sie war darüber nicht erfreut; er suchte sie zu betrüben, aber sie geriet nicht in Angst; er bot ihr an, aber sie nahm nichts an; er beraubte sie, aber sie unterlag nicht. Sie zerstörte dagegen seine Altäre, und er geriet in Wut, Nachdem er aber eines ihrer Glieder zerfleischt und dadurch ihre Standhaftigkeit erprobt hatte, hörte er kluger Weise auf, um nicht ihren Triumph noch zu erhöhen.

Kehrvers:

Preis dem, der die Lügner von seiner Wahrheit überzeugt hat!

In dem einen ihrer Glieder hatte er alle ihre Glieder geprüft und alle bereit gefunden, ihre Kronen zu empfangen. Als er einsah, daß er die Wahrhaftigen durch Gewalt nicht bezwingen konnte, verstellte er sich und trat mit Schmeichelreden an sie heran. Er warf seinen Sauerteig in ihre Milch; aber dadurch läuterte er sie nur, ohne es zu bemerken. Das Ihrige mußte er ihr lassen, und nur das Seinige zog er an sich.

Ebenso sah er alle seine Angehörigen in dem einen Verwandten, der bei lebendigem Leibe von Würmern wimmelte und zerfressen wurde. In dem diesseitigen Wurm sah er den jenseitigen. Der Gerechte schnitt ihm durch die Würmer den Arm ab, und er sank ohne Arm hinab, um dadurch anzuzeigen, daß jener im Kampfe abgehauen und nicht siegreich, verstümmelt und nicht triumphierend sein werde.

Er war sein Fleisch und Blut, sein vollkommenes Ebenbild, beide waren sogar mit dem gleichen offenkundigen Namen bezeichnet, gleichwie sie von demselben verborgenen Teufel besessen waren. Sein Verwandter kündigte ihm durch seine Würmer das eigene Schicksal an. In diesem Gegenbilde erblickte er sich selbst und die ihm bevorstehende Strafe. In seinem Tode sah er den eigenen Untergang und in seinem Wurm die eigene Qual.

Der Irrtum schlug seine Leier und fing sie ein: den Achab durch Verheißungen, diesen durch Wahrsprüche. Durch die Propheten des Baaltempels wie durch die Besessenen des Lügentempels sang er das gleiche Lied: dem Achab, daß er hinaufziehen; diesem, daß er hinabziehen solle. Und Achab zog hinauf und fiel; dieser zog hinab und kam um.

Wer hat je so viele Götzenaltäre errichtet? Wer hat je alle Teufel so geehrt? Wer hat je so alle Dämonen sich günstig zu stimmen gesucht? Nur den einen [Gott] erzürnte er – und wurde zerschmettert! In ihm wurde die ganze linke Seite als eine Macht bloßgestellt, die ihren Anbetern nicht helfen kann.

Er suchte sich die berühmtesten Zauberer, die ausgezeichnetsten Sterndeuter, die erfahrensten unter den Söhnen des Irrtums aus, damit nicht etwa aus Unwissenheit das Richtige übersehen und verfehlt würde. Diese mühten sich nun Tag für Tag auf alle Weise ab, vertieften sich in die Lehren der Geheimkunst und forschten darin; aber als sie glaubten, etwas herausgebracht zu haben, da war der ganze Erfolg nichts als Schmach.

Der Gerechte hatte einst dem Saul mit dessen eigenem Maße gemessen: da er durch Zauberei fragte, so betrübte er ihn durch Zauberei und ließ ihn von dem, auf den er horchte, ein Lied hören, das ihm das Herz verwundete. In gleicher Weise verfuhr er mit diesem, welcher in Sauls Fußstapfen wandelte: er liebte die chaldäischen Sterndeuter, darum gab er ihn den Chaldäern preis; er betete die Sonne an, darum fiel er durch die Sonnenanbeter.

Weil er Gott verleugnete, der niemals in sich geteilt ist, deshalb überließ er ihn dem Satan, der niemals in sich einig ist. Der Irrende irrte, als er in den Krieg gegen die Irrenden auszog. Er betete ja selbst die Sonne an, und doch fügte er ihr anderseits wieder Schimpf zu, da er aufbrach, um gegen ihre Diener und Anbeter zu streiten. Das Satansreich ist eben durch und durch morsch und gespalten.

Im Vertrauen auf die Hilfe der Sonne zog er aus, um diejenigen zu besiegen, welche schon seit langer Zeit der Sonne opferten. Dadurch hat er sich selbst das Urteil gesprochen, da er ja selbst der Sonne opferte. Und ohne daß er es ahnte, ließen ihn auch die Sterne im Stiche. Während er aus ihnen entnahm, daß er siegen werde, wenn er ausziehe, hatte er vielmehr in ihnen lesen sollen, daß er unterliegen werde, wenn er ausziehe.

Pochend auf seine Verehrung der Sonne beschloß er, in den Krieg zu ziehen; aber dabei beachtete er nicht, daß sie dort [in Persien] noch viel eifriger angebetet wird. Da die Sterndeuter zu Babylon zu Hause sind, wie konnte er als Fremdling dagegen aufkommen wollen? Wenn er so fest auf den Irrtum vertraute, dem er sich doch erst vor kurzem angeschlossen hatte, so konnten doch diejenigen, bei denen derselbe schon vor ihm bodenständig war, noch viel fester auf ihn vertrauen.

Als er durch seine Forschungen herausgebracht hatte, daß er, wenn er in den Krieg ziehe, diejenigen besiegen werde, welche der Sonne eifrig opferten, gab er seinen eigenen Götzendienst auf und wurde Sonnenanbeter. Aber gerade dadurch beschimpfte er die Sonne, ohne es zu bemerken; denn dadurch, daß er voraussetzte, sie werde ihre langjährigen getreuen Diener im Stiche lassen, erklärte er sie ja für undankbar und ihre Verehrung für zwecklos.

Die Parteien der Kinder des Bösen, die durchaus nie einig sind, sind von der Wurzel aus in sich gespalten. Wenn zwei Könige zugleich in den Sternbildern ihr Schicksal lesen wollen, so müssen sie zu einem falschen Ergebnis kommen; denn wenn der eine aus der Konstellation ersehen könnte, daß er siegen werde, müßte auch der andere zu dem gleichen Resultate gelangen.

Da er wie sie die Sonne anbetete, da er wie sie die Zeichen beobachtete, da er wie sie die Orakel befragte, so ist folglich der Böse in sich selbst geteilt, so belügt ihre verfluchte Lehre ihre eigenen Lehrer und betrügt ihr wahnwitziger Aberglaube dessen Verbreiter.

Der Sohn des Kaisers, dieses Meer von Ruhe, erging sich nie in Siegesankündigungen; denn er wußte wohl, daß der Ratschluß des Höchsten unerforschlich ist. Er gab seine Krone dem Allwissenden anheim, und wenn er auch keine [kriegerischen] Siege und Triumphe feiern konnte, so war doch das schon ein herrlicher Sieg und Triumph, daß sein Gebet vierzig Jahre hindurch das Reich erhielt.

16. Einer Zeder gleich neigte er sich zu seiner Zeit sanft zu Boden, sank auf sein Sterbelager und legte sich in Frieden zur Ruhe. An seiner Statt entsproßte der süßen Wurzel seines Stammes ein Schößling des Heidentums, von dem man erwartete, daß er auf lange Zeit hinaus die Berge mit seinem Schatten bedecken würde. Aber in einer Nacht sproßte er auf, in der nächsten verdorrte er wieder.

Und es brannte die Sonne auf die Häupter seiner verfluchten Anhänger, wie einst auf Jonas, herab, eine klug unterscheidende Sonne, da sie die Wahrhaftigen erquickte, die Abtrünnigen dagegen quälte. Denn wenn Jonas leiden mußte, weil er sich gegen die Büßer erhob, um wieviel mehr wird jeder gepeinigt werden, der gegen die Heiligen kämpft.

Damals erregte Gott zur Überführung des Irrtums Erdbeben, um dadurch in der Welt den Seelen die Wahrheit zu predigen. Zur Beschämung des Heidentums wurden ganze Städte zerstört, Jerusalem aber sollte die verfluchten Kreuziger, die sich erfrechten, den Wiederaufbau der Ruinen, des Werkes ihrer Sünden, zu beschließen und in Angriff zu nehmen, ganz besonders ins Unrecht setzen.

Diese einfältigen Toren hatten Jerusalem, als es noch bestand, zerstört, und jetzt, wo es zerstört war, beschlossen sie, es wieder aufzubauen. Als es noch festgegründet dastand, hatten sie es geschleift, und nun, da es verwüstet war, liebten sie es. Jerusalem erbebte, als es sah, daß seine Zerstörer wiederum kämen, um seine Ruhe zu stören. Da flehte es den Höchsten um Hilfe gegen sie an und fand Erhörung.

Er gebot den Stürmen, und sie wehten; er winkte den Erdbeben, und sie kamen; den Blitzen, und sie zuckten; der Luft, und sie verfinsterte sich; den Mauern, und sie stürzten ein; den Toren, und sie öffneten sich. Feuer brach hervor und verzehrte die Schriftkundigen, die bei Daniel gelesen hatten, daß die Verwüstung ewig währen sollte. Sie hatten es gelesen, aber daraus nichts gelernt; darum wurden sie durch ihren elenden Untergang belehrt.

Sie hatten Jerusalem zerstreut durch die Tötung des Sanftmütigen, der dessen Küchlein hatte sammeln wollen; nun aber hofften sie, daß der Irrtum des Zauberers es wieder sammeln würde. Sie hatten es durch die Verfolgung der Standhaften niedergerissen, und nun wollten sie es durch die Begünstigung der Wankelmütigen stützen und wieder neu aufbauen. Sie hatten seinen großen Altar durch die Ermordung des Heiligen zerstört, und nun hofften sie, der Erbauer der Götzenaltäre werde ihn wieder aufrichten.

Sie hatten Jerusalem durch das Kreuzesholz, das sie dem lebendigen Baumeister der Welt bereitet hatten, zum Einsturz gebracht, und nun wollten sie es mit dem gebrechlichen Rohre des Heidentums stützen. Sie hatten es durch die Ermordung des Zacharias betrübt, der es durch seine Weissagung: „Siehe, dein König kommt!“ erfreut hatte, und nun wollten sie ihm eine Freude bereiten durch das Orakel des Wahnsinnigen, indem sie ihm die frohe Botschaft verkündeten: „Siehe, es kommt der Besessene, der dich wieder aufbauen wird; er wird in dich einziehen und in dir seinen Teufeln Opfer und Spenden darbringen.“

Aber Daniel hatte schon über Jerusalem das entscheidende Urteil gefällt, daß es nie mehr aufgebaut werden solle, und Sion glaubte ihm. Beide [Jerusalem und Sion] beklagten und beweinten ihr Los, gaben aber die Hoffnung endgültig auf. Kana tröstete die beiden Trauernden durch seinen Wein und gab ihnen den Rat: „Vernachlässigt doch bei eurer Trauer nicht die Dankespflicht gegen den Gütigen!“

„Denn sehet, jetzt lebt ihr in Ruhe und Frieden, befreit von den Besessenen und dem Umgang mit den Teufelsdienern. Diese haben stets Unruhen und Aufruhr erregt, haben sogar den Spender alles Lebens gekreuzigt und euch beide unaufhörlich gequält. Sie haben in euch die Propheten ermordet, die Götzen dagegen vermehrt und durch das Götzenbild mit den vier Gesichtern euch die Schamröte ins Gesicht getrieben.

„Heilsamer als dieser heidnische Wohlstand ist für euch die Verwüstung ohne Sünden und die Öde ohne Zauberei. Der Gütige hat euch beiden noch zwei Orte, Bethlehem und Bethanien, beigesellt und veranlaßt, daß statt des verbannten Judenvolkes jetzt alle Völker unter Lobgesängen zu euch wallfahren, um in eurem Schoße das heilige Grab von Golgotha zu schauen.“

Wer wird jetzt noch an Schicksalserforschung und Horoskop glauben? Wer wird jetzt noch Orakeln und Wahrsagern Vertrauen schenken? Wer wird sich jetzt noch von Zauberern und Sterndeutern irreführen lassen? Denn sie alle haben in allem vollständig versagt. Um aber nicht jedem einzelnen Irrenden eigens die Nichtigkeit des Aberglaubens beweisen zu müssen, hat der Gerechte diesen einen Irrenden zerschmettert, um dadurch alle übrigen zu belehren.

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