Sämtliche Gedichte des Cyrillonas

Bittgesang für das Allerheiligenfest des Jahres 396 über die Heuschreckenplage und andere Strafgerichte, insbesondere den Hunnenkrieg.

Die Überschrift lautet wörtlich: „Madrasche über die Heuschrecke und die Züchtigung und den Hunnenkrieg von Cyrillonas.“ Die Madrasche sind Hymnen oder Oden, welche aus vollkommen gleichförmigen Strophen bestehen. Die Strophe hat eine bestimmte Anzahl von Verszeilen, deren Silbenzahl sich entweder gleichbleibt oder wechselt. Am Schluss jeder Strophe antwortet das Volk mit einem Refrainvers. Die Strophen unseres Madraschas bestehen aus 13 Versen; diese sind sämtlich fünfsilbig mit Ausnahme des neunten, der sieben Silben hat. Dieses Schema ist aber nur zweimal durchgeführt, indem das Gedicht nachher die Form eines Mimra annimmt. Mimra nennt man ein zwanglos verlaufendes Gedicht, welches aus lauter Verszeilen von gleicher Silbenzahl besteht und nicht durch strophischen Bau gebunden ist. Dia erste Ode des Horaz wäre demnach ein Mimra, die zweite ein Madrascha. Unser Mimra besteht aus viersilbigen Versen, von welchen allerdings je vier gewöhnlich enger zusammengehören, ohne dass jedoch dadurch Strophen oder trennende Sinnesabschnitte entstehen. Es fragt sich nun, ob diese beiden Bestandteile unseres Gedichtes ursprünglich zusammengehörten. Offenbar sind beide bei derselben Feier gesungen worden; denn sowohl in dem Madrascha als in dem Mimra finden sich deutliche Beziehungen auf ein damals gefeiertes Fest aller Märtyrer und Heiligen. Sie folgten sich also wohl unmittelbar und stehen in enger Beziehung zu einander; doch muss ursprünglich jedes ein selbständiges Gedicht gewesen sein. Das Madrascha hat jedenfalls noch viele folgende Strophen enthalten, welche der Abschreiber, der, wie wir sehen werden, noch ein anderes Gedicht des Cyrillonas verkürzte, weggelassen hat.

Hieraus ergibt sich ein wichtiges Argument für die Identität unseres Cyrillonas mit Absamias, dem Neffen des hl. Ephräm, welcher Madrasche und Mimre über den Hunneneinfall gedichtet hat. Denn auch Cyrillonas spricht in seinem Mimra ausdrücklich von den Hunnen; dass er aber auch in seinem Madrascha, von welchem uns leider nur die beiden ersten Strophen erhalten sind, diese wilden Horden erwähnt habe, ergibt sich aus dessen Überschrift. Auch Cyrillonas hat also Madrasche und Mimre über den Hunneneinfall verfasst.

Unser Gedicht beginnt mit der Aufforderung, das Erbarmen Gottes durch die Vermittlung seiner Heiligen inständig zu erflehen, welche im Namen der Kirche von Edessa [oder welche Stadt sonst die Heimat des Cyrillonas sein mag] an die Gläubigen der Diözese ergeht. Dann lässt der Dichter zunächst die Welt vor Gott Klage erheben über die furchtbaren Drangsale der letzten Jahre, den Hunnenkrieg, den Regenmangel, die Heuschreckenplage und die Erdbeben. Hierauf lässt er die Kirche in Gemeinschaft mit den Heiligen um Barmherzigkeit bitten, indem sie Gott vorstellen, wieviel Frömmigkeit und Heiligkeit sich doch immerhin neben der Sündenschuld in der Christenheit vorfinde.

Wahrscheinlich wurde unser Lied bei einem Bittgesänge gesungen, wie solche damals teils außergewöhnlicherweise bei Erdbeben, Regenmangel oder anderen öffentlichen Heimsuchungen, teils regelmäßig an bestimmten Tagen des Jahres abgehalten wurden.

Wir geben das Madrascha in der Übersetzung Bickells im Metrum des Originals. Von weiteren derartigen Proben müssen wir mit Rücksicht auf die Genauigkeit der Übersetzung, die durch Einzwängung in ein der deutschen Sprache fremdes Metrum bedeutend leiden würde, absehen. Wir können dies um so leichter, als ja schließlich besonders die Mimre ohnehin nichts anderes sind als versifizierte, wenn auch schwungvoll gehaltene Prosa.

In der Not ruf ich
Deine Freunde an
Dass sie für mich flehn,
Zu besänft’gen Dich.
Meinen Schmerz bring‘ ich,
Jene ihr Gebet;
Auf mein Leid zeig‘ ich,
Heil erzeigen sie.
Durch die Freunde Dein bitt‘ ich,
Hemm‘ das Strafgericht
Der Gerechtigkeit,
Und verschon‘ die Frucht
Für Dein Opfer, Herr!

Dich erhöhe heut
Deiner Heil’gen Fest!
Ihr Gedenktag bring‘
Preis, Anbetung Dir!
Ihr Gebein hast Du
Uns zum Schatz gemacht,
In die Handvoll Staub
All Dein Gut versenkt,
Ein unendlich Meer, das einst
Eine Jungfrau trug,
Und ein Kreuz erhob
Und ein Grab umschloss
Dem der Himmel dient!

O meine Brüder, ihr Söhne der Kirche, versammelt euch und kommt! Lasst uns die Rüstung des Glaubens anziehen und die Gesänge der Propheten anstimmen! Lasst uns die Melodien der Psalmen auf den Zithern der Herzensohren modulieren! Wir haben einen Kampf zu bestehen, lasst uns nicht lässig werden! Wir haben zu ringen, lasst uns nicht lau werden! Ergreifen wir das Schwert des strahlenden Kreuzes, fassen wir die Lanze des gebenedeiten Gekreuzigten, füllen wir den Köcher unserer Herzensreinheit mit den scharfen Pfeilen der Gebete! Seht den Panzer, aus Wasser geschmiedet, die verborgene Rüstung, welche die Taufe verleiht, seht die Dornenkrone auf dem Haupte unseres Königs, seht den Sieg durch die rechte Hand unseres Herrschers! Seht, die Schwerter sind nutzlos geworden, die Kriege haben ihr Ende erreicht, und die Landleute tragen die Gaben heim! Seht, die Schlange ist zertreten, der Tod getötet, der Böse gestürzt, die Lüge vernichtet, die Festigkeit erbaut und die Wahrheit siegreich!

O ihr Auserwählten, bereitet euer Herz, fasst euch bei den Händen und lobsinget im Wechselchor, tretet auf den Bösen mit den Fersen der Stimme und stampft auf den Irrtum durch Lufterschütterung! Ein jeder fülle die Schleuder seines Mundes mit harten Kieselsteinen von Lobgesängen aller Art! Lasst uns Heerscharen aufstellen in den Herzen und Streitkräfte anordnen in den Seelenkräften! Auf den Höhen des Gewissens lasst uns beredte Legionen aufstellen!

Denn eine feindliche Heerschar ist gegen unseren Ort ausgezogen und bedeckt gleich Serach unser Land. Durch sein Gebet besiegte der König Asa ohne Streiter tausendmal Tausende. Uns aber, o Brüder, stehen Heerscharen zu Gebote, welche ihre Siegeskronen errangen, indem sie getötet wurden; denn das Schwert, welches ihren Hals traf, brachte ihrem Haupte die Krone, und das Blut, welches von ihren Seiten herabströmte, ist eine Arznei des Lebens für die Welt geworden.

Wolken von Heuschrecken breiten ihre Flügel aus und bedecken unser Land mit ihren Scharen. Statt der Regentropfen erhalten wir diese Schwertträger, statt des Taues die Lanzenführer, statt der Wolkengüsse zur Tränkung unseres Bodens müssen wir sehen, wie jene ihre Beile gegen unsere Pflanzen wetzen. Lasst uns denn die Stimmen der Gebete wetzen und ihnen entgegen ziehen in der Rüstung des Geistes; unser Flehen möge sich höher aufwärts schwingen als ihre Flügel, unser Lobpreis schneller empor dringen als ihr Fuß! Lasst uns den Türen ihres Maules einen Riegel vorschieben und das Grab ihres Bauches verstopfen! Denn seht, sie verschlingen uns lebendig, noch ehe wir gestorben sind. Die Schlange frisst Erde, verhält sich aber dann ruhig und lässt ab von ihrem Trug; sie wurde ihrer Füße beraubt; weil ihr Mund Lügen geredet hatte, deshalb hüllte und verstopfte man ihr den Mund mit Erde. Aber die Heuschrecke ist weit schlimmer als die Schlange, denn statt der Erde frisst sie uns das Brot weg. O Herr, der Du mächtiger bist als die Kraft ihrer Bosheit, reiß aus ihre Füße und schneid‘ ab ihre Flügel, zerbrich ihre Zähne und lass ihren Bauch zerplatzen gleich jenem babylonischen Drachen!

Das Land ist krank und Dein Heilmittel ist scharf; die Welt ist schwach und Deine Züchtigung gewaltig; die Schöpfung ist kraftlos und Deine Kraft furchtbar; die Menschen sind zu Boden gestreckt und Deine Zuchtruten geschwungen. Nicht verlange ich, dass Du so für mich besorgt sein sollst wie für Simon Petrus; aber dennoch lass auch mich mein Seufzen vor Dir ausgießen! Während ich rede, lass mich wenigstens wieder etwas aufatmen und gewähre mir einige Erholung gleich dem Ijob Wenn ich wieder gesund bin, dann magst Du mich immerhin züchtigen, zuvor aber warte ein wenig, bis ich erst etwas zu Atem gekommen bin! Wenn auch nur ein einziger heiler Fleck an mir ist, dann magst Du mich geißeln und zerschlagen, soviel es Dir beliebt. Leiden umringen mich, Schmerzen stechen mich; vergönne mir wenigstens zu reden und Dir mein Leid zu klagen! Als Deine Magd falle ich vor Dir nieder; Du, als mein Herr, strecke Deine Hand nach mir aus!

Durch ein einziges Wort erschuf uns Dein Wille und ward ich Mutter; durch einen einzigen Tropfen Deiner Gnade heile meine Kinder und verscheuche meine Schmerzen! Wenn die Kranke, die Deine Gewänder erfasste, durch Deinen Mantel Heilung empfing, um wie viel mehr wird mir, da ich Deinen ganzen Leib ergriffen habe, Hilfe und Heil zuteil werden!

Die Erde und die Kirche erscheinen, um vor dem Richter für ihre Kinder Fürbitte einzulegen gleich mitleidsvollen Müttern; als Bestechung bringen sie Tränen herbei. Brüder, lasst uns ihre Worte anhören, mit denen sie für uns flehen!

Zuerst beginnt die Erde seufzend und klagend also zu sprechen; „Löse mich nun auf, o Herr, denn weshalb soll ich noch fortbestehen nach solch bösen Zeiten? Gestatte mir jetzt zu vergehen; denn allzuviel habe ich leiden müssen. Zerstöre mich entweder oder erneuere mich! Einst befahl mir Dein Wink und ich gebar den Adam, aber ehe ich mich noch über seine Geburt freuen konnte, erhobst Du Dich, um mich zu züchtigen und zu geißeln. Dann, ehe ich mich noch recht erholen konnte, bedrängte mich schon wieder ein zweiter, noch schlimmerer Schmerz. Denn ich musste das Blut meines lieben Abel trinken, welches Kain vorzeitig auspresste. Und so bin ich von Anfang an bis auf diesen Tag stets von allerlei Drangsalen erfüllt!

Täglich Unruhe, täglich Unglücksnachrichten, stündlich Schicksalsschläge, nichts als Kämpfe! Das Morgenland hat Dein Wink in die Gefangenschaft abgeführt, und seine zerstörten Städte bleiben unbewohnt. Das Abendland wird gezüchtigt, und seiner Städte haben sich Völker bemächtigt, welche Dich nicht kennen. Tot sind die Kaufleute, verschwunden die Gelübde, verwitwet die Frauen, aufgehört hat das Opfer. Der Norden ist bedrängt und von Kampf erfüllt; ja wenn Du, Herr, nicht einschreitest, werde ich abermals verwüstet werden! Wenn mich die Hunnen, o Herr, besiegen werden, warum habe ich dann meine Zuflucht zu den heiligen Märtyrern genommen? Wenn ihre Schwerter meine Söhne erwürgen werden, warum habe ich dann Dein erhabenes Kreuz umfasst? Wenn Du ihnen meine Städte überliefern willst, wo bleibt dann der Ruhm Deiner heiligen Kirche? Noch ist nicht ein Jahr darüber verflossen, seit jene auszogen, mich verwüsteten und meine Kinder gefangen nahmen; und siehe, sie drohen nun wiederum, zum zweiten Male unser Land zu demütigen! Ach Herr, gib doch nicht die Lämmer den Panthern preis, nicht die Schafe den unreinen Wölfen! Nicht möge die Hand der Gottlosen über das Reich herrschen, welches Dich ehrt; nicht mögen die Könige, welche vor Deiner Herrschaft zittern, von den Ungläubigen zertreten werden! Lass vielmehr umgekehrt diese zertreten werden unter den Füßen der Könige, welche in die Tore Deiner Kirche eintreten! Halte ein mit Deiner Züchtigung, denn ich bin mit Dir vereinigt; wenn Du mich schlägst, so triffst Du Dich selbst. Denn Dein Leib ist in mir, lass ihn nicht beschimpft werden; Deine Geheimnisse sind in mich eingegangen, lass sie nicht verspottet werden! Selbst die Gnade ist nur dann schön, wenn sie geordnet ist; um wie viel mehr wirst Du also Deiner Züchtigung Maß und Ziel setzen? Auch der Süden, welcher erfüllt ist von allen Deinen Wundern, Deiner Empfängnis, Geburt und Kreuzigung, der noch jetzt den Wohlgeruch Deiner Fußstapfen aushaucht, wo Du gewandelt bist, den Du gesegnet hast, in dessen Strome Deine Taufe stattfand, in dessen Schiloach Du geheilt hast, in dessen Krügen Dein kostbarer Wein war und in dessen Schoße Deine Jünger zu Tische lagen, auch er wird gleich den anderen Himmelsgegenden gezüchtigt durch die grausamen Horden, die sich auch in ihm gezeigt haben.

Siehe, zu allen Zeiten versteht Dein Wink stets neue Geißeln, Züchtigungen und Schläge herbeizurufen. Schon zwei Jahre hindurch war die Regenzeit spärlich gewesen und hatte die Milch der Himmelsbrüste abgenommen. Die Saaten schwanden dahin und die Kräuter vertrockneten, weil wir statt des Märzes einen Juli bekommen hatten. Der März, welcher sonst voll Tau und Regen ist, ließ Schweißströme von uns herabregnen. Die Leute tränkten die Erde mit ihren Tränen und auf den Äckern schrien die Kinder; denn die Quellen waren ausgeblieben und die Zisternen vertrocknet. Da lernten die Menschen um Wasser betteln; wer Brot verschenkte, bat selbst um Wasser, wer ein Talent weggab, nahm Trank dafür. Man hing Reisetaschen um, in denen Krüge waren, und zog aus, um eine Handvoll Wasser zu erbetteln. Besser hatte es jene sidonische Witwe durch ihre Bitte, welche sie vor Elijas brachte; denn für einen Brotkuchen, welchen sie ihm reichte, häufte er ihr einen Mehlberg auf und gab ihr denselben, und für den einen Krug gewöhnlichen Wassers ließ er ihr einen Ölstrom ins Haus fließen.

Noch hatte ich diese erste Züchtigung nicht vergessen, da kam eine zweite noch schlimmere. Ich hatte entliehen, gesät, gearbeitet, gepflanzt, eine Hypothek verschrieben, um daraufhin geborgt zu erhalten, eine Schuldverschreibung gemacht, um dadurch Hilfe zu erlangen, die Saat bewässert, zum Wachstum gebracht und sehr gelobt. Schon nahten meine Äcker wie Schiffe dem sicheren Hafen, und ich war gewiss, dass sie in Ruhe anlanden würden. Da plötzlich, als ich noch froh und heiter war, stürmten gleich einer Rauchwolke die leidigen Heuschrecken heran. Sie drangen vor wie gewaltige Wogen, ließen sich nieder auf meinen Äckern und bedeckten meinen Boden. Sie flogen heran und lagerten auf mir, sie kamen und weilten auf mir, die leidigen Fremdlinge, die an mir zehrten. Ja, wenn sie Dein Wink nicht verhindert hätte, so würden sie nicht einmal Steine und Erde verschont haben. Doch war Deine Strafe immerhin nicht so schwer als meine Schuld, Deine Züchtigung entsprach nicht meiner Torheit. Wunderbar war es, o Brüder, wie viel Barmherzigkeit doch mit diesem Strafgericht verbunden war. Denn ihr Herr legte den Heuschrecken Fußschellen an, dass sie nicht so viel verderben konnten, als ihre Bosheit wünschte. Sie ließen sich im Weinberge nieder, aber das Maul ward ihnen zugehalten; sie lagerten sich auf den Reben, aber ihr Schwert blieb in der Scheide stecken. Als sie zu den Bäumen kamen, wehrte sie der Gütige ab; als sie den Saaten sich näherten, verhinderte sie sein Wink. Als sie sich auf den Früchten lagerten, bog er ihnen den Hals zurück; als sie sich auf den Zweigen ausruhten, vermochten sie dieselben nicht zu zerstören. Er hatte sie herbeigerufen, um uns Schrecken einzuflößen; aus Barmherzigkeit befahl er ihnen aber alsdann zu fasten. Gräser und Dornen erlaubte er ihnen, versagte ihnen aber das Brot der Menschen. Dem bösen Arbeiter, der leidigen Heuschrecke, die sich wie ein Schnitter auf meinen Feldern niederließ, hast Du, o Gütiger, ihre Zahnreihe zerbrochen, damit sie nicht mehr zermalme als nur die ihr bestimmte Nahrung.

Wiederum nahte sich Dein Wink den Städten und erschütterte sie grimmig; es bebte die Erde, als sich Deine stützende Hand von ihr zurückzog; die Gebäude stürzten ein, weil Deine Gnade sich abwandte. Türme und Mauern zerstörte Dein Befehl; Tempel und Kirchen stürzte Dein Wille. Die Erde verschlang ihre Kinder lebendig und die Berge wichen von ihrer Stelle; Dein Wink, der sie eingepflanzt hatte, hielt sie schwebend, Deine Allmacht, die sie gegründet hatte, trieb sie hinweg. Aus den Wänden heraus ächzten die Steine,  und auf den Straßen schrien die Menschen. Das heitere Sonnenlicht verfinsterte sich am Tage und ward zur Nacht, zum finsteren Grabe. Der Schlaf entfloh von den Augen, und die Menschen verließen ihre Wohnungen. Deine Kirchen wurden gleich Krügen von unzähligen Scharen angefüllt, welche sahen, wie Dein Bogen, das Erdbeben, gespannt und Dein Zorn gleich einem Schwerte gezückt war. Da eilten herbei, um durch die Taufe Schutz zu finden,  selbst die, welche weit von ihr entfernt waren; sie kamen zur Taufe und fanden Rettung, sie nahmen ihre Zuflucht zum Kreuze, und der Zorn Gottes ließ nach. Da ging der König neben dem Bettler und bat den Höchsten um Erbarmen; er verdemütigte sich und legte seine Prachtgewänder ab, weinte, seufzte und vergoss Tränen. Der Schöpfer sah es und beschleunigte sein Erbarmen, zog hinweg seinen Zorn gleich einem Gewölk und vertrieb das Erdbeben gleich einem Schatten. Er nahm das von ihren Zungen gespendete Lob an und entsandte Erbarmen zur Rettung ihres Lebens. Und nun, o Herr, lass es an diesen Züchtigungen genug sein und leiste Dir selbst Sühne für Deine Geschöpfe! Denn wenn Du unsere Werke untersuchen willst, kannst Du uns keine Barmherzigkeit erweisen.“

Nachdem die Erde dies gesprochen hatte, kam die Kirche und mit ihr ihre Kinder; die Apostel und Märtyrer brachte sie mit sich, die Freunde des Königs, um den König zu besänftigen. Brüder, lasst uns ihre Worte anhören, mit welchen sie schmerzbewegt beim Richter Fürsprache einlegen: „Halte ein Deine Gerechtigkeit, o Beherrscher der Welt, gebiete Schweigen Deiner Kraft, denn zu schwach sind die Menschen! Aus Erbarmen hast Du im Anbeginn die Erde begründet, aus Liebe hat Deine Hand den Menschen gebildet. Da Du ihn hervorgebracht hast, so dulde ihn jetzt auch; denn der Vater erträgt ja auch die durch seinen Sohn ihm zugefügte Schmach und die Mutter nimmt hin die harten Reden ihrer Kinder, so auch Gott die Sünden der Menschen. Ach, Herr, schlage doch die Menschen nicht so hart, wie sie es verdienen, damit sie nicht zugrunde gehen und es dann Deine Barmherzigkeit gereue! Bevor Du sie noch geschaffen und gebildet hattest, waren ja bereits alle ihre Werke vor Deinem Angesichte offenbar. Du wirst nicht erst durch die Erfahrung belehrt, sondern weißt alles schon, bevor es geschieht. Doch wenn Du die Gottlosigkeit der ganzen Welt heimsuchen willst, gegen Deine Gnade ist sie wie nichts; wenn Du die Schulden der Menschheit einfordern willst, gegen Deine Erlösung sind sie wie ein Traum.

Ach, Herr, sieh nicht die an, welche Dich erzürnen, sondern die, welche Dich versöhnen! Siehe, o Herr, in unsern Tagen befinden sich auf Erden unter Deinen Knechten Arbeiter, welche für die Wahrheit wirken! Siehe, auf Erden sind Klöster gepflanzt, bewohnt von Männern vollkommenen Herzens! Siehe, in den Höhlen sind Eingeschlossene, und in der Wüste solche, die Dich besänftigen! Siehe, die Einsiedler auf den Berggipfeln und die auserwählten Helden auf den Inseln! Siehe, Deine Psalmen ertönen in den Gemächern und die Stimme Deines Lobpreises auf den Feldern! Siehe, auf dem Meere dient man Dir und auf den Schiffen betet man zu Dir! Siehe, Deine Lehre findet sich in den Städten, und die Furcht vor Deinem Gerichte bei den Richtern! Siehe, Deine Heiligkeit hat sich den Unreinen und die Scheu vor Dir den Buhlerinnen mitgeteilt! Siehe, die Ungläubigen haben den Götzenbildern entsagt und die Götzenpriester das Heidentum von sich gestoßen! Siehe, in Persien ist Deine Lehre ausgebreitet und in Assyrien hat sich Dein Evangelium vermehrt und vervielfältigt! Siehe, in Indien lehrt Thomas und in Rom predigt Petrus! Siehe, die Griechen legen Deine Geheimnisse aus und die Römer erklären Deine Bücher! Siehe, bei den Königen herrscht Dein Kreuz und bei den Königinnen ist Deine Liebe wirksam! Siehe, in Deiner Hand wird die Schöpfung gehalten und die Welt ruht in Deiner Liebe! Siehe, in Deiner Kirche weilt Dein lebenspendender Leib und bei Deiner Braut Dein heiliges Blut! Siehe, Hymnen ertönen im Munde der Kinder, und Frauen singen Deine Psalmen! Siehe, an Deinen glorreichen Festtagen sucht die Schöpfung mit ihren Kindern Dich zu besänftigen! Lass doch, o Herr, das Schwert Deines Zorns von uns weichen; zu schwach ist unser Hals für Dein Schwert! Lass die Heuschrecken in das Meer versenkt werden, wie die Ägypter in den Wasserschlund hinabsanken Lass die Kriege unter uns ein Ende nehmen und erfülle die Erde mit Heil und Frieden! Lass die furchtbaren Erdbeben aufhören und die herzzerbrechenden Unglücksnachrichten ein Ende nehmen! Lass durch Dein Erbarmen die Früchte hervor sprießen und die Menschen in ihren Mühsalen erfreut werden! Lass uns einen heiteren Sommer und einen gesegneten Winter zuteil werden! Lass den Bogen Deines Grimms abgespannt werden und verbirg Deine Pfeile in Deinem Erbarmen!

Siehe, Deine Geschöpfe bringen gleich Müttern ihre Fürbitten herbei und legen sie Dir vor! Der König David antwortete der Abigajil und hörte ihre Bitte erst an, nachdem er ihr bereits deren Erfüllung zugeschworen hatte. Durch ihre Worte legte sich sein Zorn, und durch ihren Rat reute ihn sein Grimm. Um wie viel mehr wirst Du also, o Herr, Deine Kirche erhören, welche mit ihren Kindern vor Dir niedergeworfen daliegt! Deine Geburt, welche um ihretwillen geschehen ist, möge Dein Erbarmen gebären über Deine Geschöpfe!

Hymnus über die Bekehrung des Zachäus.

Dieses Lied folgt in der Handschrift ohne Angabe eines Verfassers unmittelbar auf das vorige; dass es aber gleichfalls von Cyrillonas herrührt, lässt sich mit Sicherheit aus dem Stil und mehreren in beiden Liedern vorkommenden Ausdrücken schließen. Es besteht aus Strophen von je vier siebensilbigen Versen, welche in der Weise alphabetisch geordnet sind, dass immer eine Reihe Strophen, vier oder sechs, mit demselben Buchstaben beginnen. Da aber nur die Buchstaben Zajin, Chet, Tet, Jod, Kaph und Lamed in dieser Art verwendet sind, so können wir sicher annehmen, dass unser Gedicht nur einen Torso darstellt; der Anfang sowie der eigentliche Hauptteil sind uns verloren gegangen.

Die Überschrift unseres Gedichtes lautet: „Sugitha zu dem Mimra“. Unter Sugitha versteht man eine Abart des Hymnus, einen Bittgesang oder auch ein Loblied, das sich auf irgend einen Heiligen oder auf Gott selbst bezieht. Äußerlich steht es gewöhnlich in Verbindung mit einer Homilie, an deren Schluss sie durch Chöre vorgetragen wurde. Das charakteristische Merkmal dieser Lieder ist die dialogische Form. Nach einer kurzen Einleitung, deren Umfang zwischen fünf und zehn Strophen schwankt, beginnt ein Zwiegespräch zweier Personen oder Personengruppen. Jeder Person werden eine oder mehrere Strophen in den Mund gelegt, die ihrerseits wieder akrostichisch geordnet sind, d.h. jede beginnt mit einem anderen Buchstaben des Alphabets. Die Sugitha stellt also im gewissen Sinn ein kleines Drama dar und erinnert so an die religiösen Spiele des Mittelalters im Abendland. Bei den Syrern scheinen sie sehr beliebt gewesen zu sein; dies beweist der Umstand, dass eine verhältnismäßig große Zahl davon erhalten ist und dass mehrere sogar in das maronitische Brevier Aufnahme gefunden haben.

Unser Gedicht ist keine vollständige Sugitha, sondern nur die Einleitung zu einer solchen; die dialogische Partie, die wahrscheinlich die Szene zwischen Jesus und Zachäus zum Vorwurf hatte, ist nicht erhalten. Inhaltlich konnte die Einleitung eben auch losgetrennt und selbständig weiter überliefert werden. Dieselbe schildert die wunderbare Macht, mit der Jesu erbarmende Liebe die Sünder von der Herrschaft des Bösen befreit, an dem Beispiele des Zachäus und schließt mit einer praktischen Anwendung. Die Erwähnung der Erlösung durch Christus veranlasst den Dichter zu einem merkwürdigen Exkurs über den Anteil, welcher in einem gewissen Sinne der hl. Jungfrau an derselben zukommt; er lehrt hier unverkennbar die unbefleckte Empfängnis.

[Zajin.] Der Verfluchte hat sein Schwert wider uns angegürtet und zeigt seine Waffe, um uns zu erschrecken; aber sie zerschmilzt wie Wachs an den Leibern, welche sich nicht zur Sünde verleiten lassen.

Der Böse geriet darüber in Aufregung, dass die Scharen der Gerechten zahlreicher waren als sein eigenes Heer, ja dass sich sogar seine Herde gegen ihn auflehnte und ihre Zuflucht zu dem Sohne Mariens nahm.

Zachäus, einer seiner Vornehmsten, war ihm entgangen; denn sein Herr war ihm begegnet und hatte ihn gut aufgenommen. Der Feigenbaum am Wege war ihm ein Hafen der Zuflucht; mühselig stieg er von ihm herab und ward erquickt.

Der Glanz Jesu strahlte vor ihm, als er auf dem Baum am Wege saß, damit auch die Finsternis, welche sich auf dem Aste befand, lichtes Aussehen gewinnen sollte.

[Chet.] Eva unterlag, als der böse Rat, der sie zur Fremden machte, bei ihr Eingang fand. Als aber die heilige Maria erschien, brachte diese den ursprünglichen Glanz jener wieder zurück.

Die Schlange mischte heimlich die Sünde mit dem Blute des Todes und reichte der Eva die Mischung; damit aber jene nicht vor dem Tranke zurückschaudere, tränkte sie dieselbe mit der Sündenschuld unter dem Scheine der Freundschaft.

Unser Herr mischte den Wein mit seinem Blute, versetzte ihn mit der Arznei des Lebens und goss ihn ein; die Schuldlose kostete davon, stieg herab und überwand das mörderische Salz des Todes.

Im Paradiese heftete sich die Sünde an Eva und trieb sie aus dem Garten, als sie unterlegen war; weil sie der Schlange geneigtes Ohr geliehen hatte, ward sie jenem Garten entfremdet.

Die fußlose Schlange lähmte auch Evas Gang; da diente Maria ihrer Mutter statt des Fußes. Die Jüngere trug die Ältere, auf dass sie in ihrer ursprünglichen Wohnstätte das Leben einatmen.

Eva alterte und ward gekrümmt, da gebar sie Maria und ward wieder verjüngt; denn die Geburt ihrer Tochter übernahm es, die Schuld der Ahnfrau wieder gut zu machen.

[Tet.] Eva hatte dort in unser Gebilde den Sauerteig des Todes und des Jammers verborgen; da erschien Maria und nahm ihn hinweg, damit nicht die ganze Schöpfung verderbt werde.

Gott verbarg seine Fluten in der Jungfrau, das Leben strömte aus von der glorreichen; seine Ströme flossen aufwärts zu den Bergen und erhöhten die Tiefen und Täler über jene.

Die Kunde von dem Sohne stürzte den Bösen, denn die Menschen fielen nieder auf ihr Angesicht und beteten jenen an; er offenbarte sein Wesen, als man ihn befragte, und die Stoppeln verdorrten, weil sie ihn nicht ertragen konnten.

Die Gnadenreiche trug das Heil, ihre Hände legten es in die Krippe; die Völker genossen es und durch seinen Genuss ward der Schlangenbiss geheilt.

[Jod.] Das Meer des Erbarmens durchbrach seine Schranken, um die Unreinheit des Zachäus abzuwaschen, und da die Gnade größer war als die Schuld, so erhob sich der Schuldige, ohne bestraft zu werden.

Jesus, der von seinen Hassern geschlagen wurde, war nicht heftig gegen die Sünder. Es glich sein Erbarmen dem eines Hirten, und so zog er denn aus, das verirrte Schäflein zu suchen.

Er schwor bei sich selbst, damit wir ihm glauben möchten, dass er kein Wohlgefallen an unserem Untergange habe, sondern dass sich der Vater und seine Engel freuen über einen Sünder, der Buße tut.

Er gestattete uns nicht, einen ganzen Tag hindurch Heftigkeit und Zorn in uns bleiben zu lassen, sondern er strebte danach, uns ihm selbst ähnlich zu machen, der den Sündern so viel vergibt.

[Kaph.] Der Gerechte sucht uns vom Untergange zu erretten und lehrt die Mittel, durch die er uns helfe. Die Engel in den Himmelshöhen zittern vor ihm, aber siehe, von den Erdbewohnern lässt er sich überwinden!

Wenn Tränen seinem harten und furchtbaren Drohen begegnen, so lässt er sich erweichen; er spannt seinen Bogen, um uns zu erschrecken, doch das Erbarmen legt sich ins Mittel, und der Bogen wird abgespannt.

Als er nun an dem Baum vorüberging, sah er den Schuldigen, fasste ihn ins Auge und blieb stehen; gleichwie über Petrus, so freute er sich auch über Zachäus, den er vom Feigenbaum herabsteigen ließ.

Der Gerechte befahl dem Sünder, dass er sich traurig vor dem Gerichte stellen solle; doch wie fröhlich ward dessen Antlitz, als er dort den Schuldeinforderer mit Barmherzigkeit beladen antraf!

Je schüchterner Zachäus war,  je weniger er wagte um Erbarmen zu bitten, um so herablassender war der Herr, um so bereitwilliger, ihm Barmherzigkeit zu gewähren.

Gerecht und milde ist euer Gott; fürchtet euch, o Sünder, aber fasst auch Zutrauen! Denn den Büßern vergibt er die Schulden, aber von den Hartnäckigen fordert sein Zorn Vergeltung.

[Lamed.] Euch, o Sünder, ruft er durch Zachäus, damit ihr sehen möget, wie gewaltig seine Liebe ist; gleich einem Fischer wirft sie die Netze aus, damit sich der Herr eurer Schar über euch freue.

Er nahm den Büßer vom Feigenbaum hinweg und verpflanzte ihn alsbald in seinen Garten. Er sah, dass jener wie Adam seiner Herrlichkeit entkleidet war; deshalb webte er ihm aus Erbarmen ein Gewand und bekleidete ihn damit.

Preiset den Herrn, denn er hat den Sünder, der verloren war, aufgesucht und sich seiner angenommen; er hat uns einen Weg gebahnt, auf dem wir wandeln sollen, damit er uns die Barmherzigkeit austeile, mit der er beladen ist!

Statt auf den Feigenbaum bin ich in Dein Haus gegangen; möge auch ich gerettet werden durch das Geheimnis, welches ich umfange! Denn größer ist Dein Kreuz als jener Ast: Mögen Deine Erbarmungen sich über mich ergießen!

Hymnus über die Fußwaschung.

Dieses Gedicht steht zwar in der Handschrift nach dem folgenden; da aber in demselben die Fußwaschung bereits als geschehen erwähnt wird, empfiehlt sich die umgekehrte Reihenfolge. Die Überschrift lautet wie beim vorigen: „Sugitha zu dem Mimra“; für die Erklärung derselben verweisen wir daher auf das bereits Bemerkte. Das Gedicht besteht aus Strophen zu je vier siebensilbigen Versen. Die alphabetische Gliederung der Strophen ist hier außer acht gelassen. Dass der Dichter sich selbst als Augenzeugen im Cönakulum gegenwärtig schildert und die Propheten des Alten Bundes um Aufschluss über die Herablassung des Sohnes Gottes bittet, ist für den eigentümlichen Charakter der Sugitha recht bezeichnend.

Unser Herr führte die Zwölfe und brachte sie in das Haus, um ihnen die Füße zu waschen. Er wies ihnen ihre Plätze an als der Erbe und erhob sich dann, um ihnen als Freund zu dienen. Er goss das wohltuende Wasser ein und trug das Waschbecken, nahm das Tuch und gürtete es um seine Lenden. Da vergoss ich heiße Tränen und mein Geist ward verwirrt. Mein Angesicht verhüllte ich vor Furcht und wandte meinen Blick vor Bestürzung ab. Ich eilte hinaus, denn ich konnte es nicht ansehen, wie er sich niederbeugte und jene abwusch. Deshalb verließ ich das Haus und rief laut: „Weshalb geschieht dies, dass der Staub vor seinem Schöpfer sitzt, während sein Herr dasteht und ihm die Füße wäscht?“

Ich befragte die Propheten, konnte aber nicht von ihnen erfahren, ob sie dies geschrieben hätten. Da ergriff mich der Geist wie einst den Ezechiel und versetzte mich in einem Augenblick zu den Vorherverkündigern. Ich sah sie niedergestreckt im Hades liegen, und dies schmerzte mich noch mehr als jenes erste Ereignis. Meine Tränen flossen wieder reichlich und mit viel Seufzen und Wehklagen fragte ich sie: „O ihr Propheten meines Herrn, ich bitte euch, mich auf kurze Zeit ruhig anzuhören!“

„Meine Augen haben einen Staunen erregenden Anblick gehabt, den ich vor euch allen darstellen will. Mein Sinn ist verwirrt vor Furcht und mein Geist gequält von Bestürzung. Ich bitte euch also, ihr Propheten meines Herrn, hört mich auf kurze Zeit geduldig an! Der, welchen ihr verkündigt habt als Feuer und Geist, als allmächtige Flamme, als Unsichtbaren gleich dem schwerzuschauenden „Seienden“, von welchem ihr verkündigt habt, dass kein Mensch in der Welt ihn erblicken und am Leben bleiben könne, der, von dem ihr gesagt habt, dass aus Furcht vor ihm die Engel sich das Angesicht mit ihren Flügeln verhüllen, der, von dem ihr erzählt habt, dass ihn Daniel als den Alten der Tage auf dem Throne sah, der, von dem ihr gelehrt habt, dass sein Blick die Welt erschreckt und die Schöpfung erbeben macht; eben derselbe ist zum Knechte geworden, trägt das Waschbecken, wäscht Fischern die Füße und trocknet sie mit dem Tuch ab, ja er tut das gleiche sogar an seinem Verräter!“

„Schweige, o Mann, belästige uns nicht weiter! Eine frohe Botschaft hast du uns verkündigt. Wenn dies wirklich also geschehen ist, so wird der ganzen Welt Hoffnung und Heil zu teil. Schon seit langer Zeit weilen wir hier und harren darauf, dass wir dies hören möchten. Nun sind wir alle froh, denn siehe, die Worte unserer Bücher haben sich als wahr erwiesen. Gehe nun, sei unbesorgt; danke und preise Gott, trauere nicht!“

Darauf kehrte ich voll Beängstigung zurück und in einem Augenblick kam ich wieder in das Haus. Ich sah, wie er freudig jene abwusch und mit heiterem Gesicht ihnen diente. Er erfasste ihre Füße, ohne dass sie verbrannt wurden, und goss Wasser über sie, ohne dass sie in Flammen aufgingen. Er reinigte sie von den Spuren der Anstrengung und Ermüdung und kräftigte sie zum Wandern auf dem Wege. An allen ging er so liebevoll vorüber, in gleicher Weise, ohne einen Unterschied zu machen. So kam er auch zu Judas und ergriff dessen Füße. Da wehklagte ohne Mund die Erde; die Steine in den Mauern erhoben ihre Stimme, als sie sahen, wie das Feuer ihn verschonte. Ich neigte mein Haupt zur Erde und meine Ohren hörten Stimmen des Weinens, welche es verkündigten. Und so wurde wohl auch diese bestürzte Rede aus dem Munde ihrer Lämmer ausgestoßen: „Worüber sollen wir staunen und auf wen blicken? Denn nach zwei Seiten hin richtet sich unser Staunen. Sollen wir den betrachten, der da sitzt, das Herz voll Mord und Trug, ohne sich rühren zu lassen, oder auf den andern, der voll Barmherzigkeit seinem Mörder die Füße wäscht?“ Mächtiges Erstaunen erregte es, als die Hand unseres Herrn seinen Mörder berührte. Er offenbarte nicht dessen Bosheit, sondern bedeckte seinen Frevel und behandelte ihn ganz wie die übrigen.

Nun kam er zu Simon; aber dessen Herz geriet in Unruhe, er erhob sich vor ihm und flehte ihn an: „Die Engel im Himmel verhüllen ihre Füße aus Furcht, sie möchten verbrennen, und Du, o mein Herr, bist gekommen, um die Füße Simons mit Deiner Hand zu erfassen und mir zu dienen! Dies alles, Deine Demut und Deine Liebe, hast Du uns ja schon längst bewiesen, durch alles das hast Du uns ja schon geehrt; so bringe uns doch jetzt nicht wieder in Verlegenheit! Die Seraphim wagen nie, Deinen Saum zu berühren, und siehe, Du wäschst die Füße elender Menschen! Du, o Herr, willst meine Füße waschen! Wer könnte dies hören, ohne bestürzt zu werden? Du, o Herr, willst meine Füße waschen! Wie könnte dies die Erde ertragen? Die Kunde von dieser Deiner Tat würde die ganze Schöpfung in Staunen versetzen; diese Nachricht, dass solches auf Erden vorgehe, würde die Scharen der himmlischen Geister in Verwirrung bringen. Halte ein, o Herr, damit mir dies erspart bleibe; darum flehe ich Dich an, denn ich bin ein sündiger Mensch! Nach Deinem Befehl bin ich auf dem Meere gewandelt und nach Deinem Geheiß habe ich die Wogen beschritten. Und nun soll dies erste noch nicht genug sein für mich, sondern ein anderes noch größeres willst Du mir auferlegen! O Herr, dies kann nicht geschehen, denn schon die bloße Kunde davon erschüttert die Schöpfung! O Herr, dies kann nicht geschehen, denn diese Last wäre schwerer, als dass sie gewogen werden könnte!“

„Wenn dies nicht geschehen kann, so hast du keinen Anteil am Throne mit mir. Wenn dies nicht geschehen kann, so gib mir die Schlüssel zurück, die ich dir anvertraut habe. Wenn dies nicht geschehen kann, so wird auch deine Herrschaft von dir genommen werden. Wenn es, wie du sagst, nicht geschehen kann, so kannst du auch mein Jünger nicht sein. Wenn es, wie du sagst, nicht geschehen kann, so kannst du auch keinen Anteil an meinem Leibe kosten.“

Da begann Simon den Gnädigen anzuflehen und zu sagen: „O Herr, nicht nur meine Füße sollst Du waschen, sondern auch meine Hände und mein Haupt!“ „Simon, Simon, es gibt nur eine einmalige Waschung für den ganzen Leib im heiligen Wasser!“ Er vollendete die Handlung der Abwaschung und gebot ihnen aus Liebe also: „Sehet, meine Jünger, wie ich euch gedient und welches Werk ich euch vorgeschrieben habe! Sehet, ich habe euch gewaschen und gereinigt; nun eilt freudig in die Kirche und betretet ihre Tore als Erben! Tretet furchtlos auf den Bösen und unerschrocken auf das Haupt der Schlange! Zieht ohne Furcht eures Weges und verkündigt mein Wort in den Städten! Sät das Evangelium in den Ländern und senkt die Liebe in die Herzen der Menschen! Verkündigt mein Evangelium vor den Königen und offenbart meinen Glauben vor den Richtern! Seht, ich, der ich euer Gott bin, habe mich erniedrigt und euch bedient, damit ich euch ein vollkommenes Pascha bereite und das Angesicht der ganzen Welt erfreue!“

Erste Homilie über das Pascha Christi.

Im Manuskript lautet die Überschrift: „Mimra über die Kreuzigung“, obgleich sich der Inhalt unseres Gedichtes nur auf das Paschamahl Jesu und die Einsetzung der hl. Eucharistie bezieht. Diese sonderbare Überschrift ist wohl dadurch veranlasst, dass im Anfang das Verhältnis des Kreuzesopfers zum eucharistischen Opfer besprochen wird. Das Gedicht ist anfangs im siebensilbigen, nachher im fünfsilbigen, endlich im viersilbigen Versmaß abgefasst. Es folgte jedenfalls auf das Evangelium des Tages, wahrscheinlich des Gründonnerstages, welchem der Hymnus über die Fußwaschung vorhergegangen zu sein scheint. Cyrillonas wird zwar nicht als Verfasser genannt, aber die Zusammengehörigkeit dieser Homilie mit der folgenden, ihm ausdrücklich zugeschriebenen, ist unzweifelhaft.

Das wahre Osterlamm redet voll Freude zu seinen Verzehrern und der Erstgeborene kündigte seinen Jüngern das Pascha im Speisesaale an. Unser Erlöser lud sich selbst zu seiner Aufopferung und Blutspendung ein. Sein lebenspendendes Brot war nahrhaft und wohl zubereitet und seine Ährengarbe kam in Fülle heim. Der Stoff seines Leibes war durchdrungen von dem Sauerteig seiner Gottheit. Seine Barmherzigkeit sprudelte hervor und seine Liebe wallte über, auf dass er den Seinigen zur Speise werde. Er nahm den Weizenhaufen von Zion hinweg und gab ihn der Kirche in Heiligkeit. Ein neues Gastmahl hatte er bereitet und nun lud er seine Hausgenossen zu demselben ein und rief sie herbei. Ein Festgelage bereitete er seiner Braut, um ihren Hunger zu stillen. Unser Herr opferte seinen Leib zuerst selbst und erst nachher opferten ihn die Menschen. Er presste ihn aus in den Becher der Erlösung und nachher erst presste ihn auch das Volk am Kreuze aus. Vorher opferte er als Priester sich selbst, damit jene Fremdlinge nicht das Priesteramt an ihnen ausüben sollten! Er verband die Geheimnisse wie zu einer Perlenschnur und hing sie sich um den Hals; er legte die Gleichnisse auf seine Brust wie kostbare Berylle; mit den Chalcedonen der Vorbilder schmückte er seine Menschheit und trat herzu zum Opfer. Auf das Haupt setzte er sich die Krone der glorreichen Weissagung. Er wetzte das Schlachtmesser des Gesetzes, um damit seinen eigenen Leib als Osterlamm zu schlachten. Er brachte die Völker zu seinem Gastmahl und berief die Nationen zu seinem Gelage. Die Verkünder des Evangeliums zogen hinaus, um einzuladen, laut rufend: „Seht, der König teilt seinen Leib aus, kommt, esst das Brot der Gnade! Ihr Blinden, kommt, schaut das Licht, ihr Sklaven, empfangt die Freiheit! Ihr Durstigen, kommt, trinkt das Feuer; ihr Toten, kommt, lasst euch das Leben wieder geben!“ Auf Grund des Brotes, welches umsonst verteilt wird, kann kein Mensch mehr Hungers sterben. Jesaja rief gewaltig im prophetischen Eifer: „Ohne Geld und ohne Zahlung esst Brot und trinkt Wein!“ Er selbst ist das Brot, welches vom Himmel herabgekommen ist, und, obgleich es nicht gesät wurde, doch auf Erden Wurzeln geschlagen hat. Er ist jenes Weizenmehl voll Reinheit, weil die Sünde keine Herrschaft über ihn besaß. In Tüchern nahm einst das Volk den ungesäuerten Teig aus Ägypten mit sich; leichenkalt war er und ohne Sauerteig. Die Synagoge nahm in Tüchern das Ungesäuerte zur Zeit Deines Paschas; aber die Kirche empfing in einem neuen Tuch den Sauerteig Gottes. Maria ist dieses Tuch und unser Herr der wahre Sauerteig. Die Wärme bezeichnet seine Unsterblichkeit, denn die Gottheit ist unsterblich. Das jüdische Volk war aber tot gleich seinem Vorbild, denn tot war ja auch sein Ungesäuertes. Das Tote ward von Toten getragen, das Ungesäuerte von seinen Zubereitern. Diesem Volke stand aber auch bevor, dass ihm um seines Ungesäuerten willen sein Erbe entzogen werden sollte. Unterdessen war der Sauerteig eingewickelt und verwahrt in dem Tuch des Schoßes Mariens; dieses Tuch war durch die Jungfräulichkeit wie mit einem Siegel verschlossen. Er kam hervor aus dem Tuch, ohne dessen Verschluss und Siegel zu lösen. Im Speisesaale verweilte er als Osterlamm, um den Teig unseres Leibes zu durchsäuern. Mit dem Sauerteig durchknetete er unseren Leib, damit wir durch ihn der Unsterblichkeit teilhaftig würden und damit das Gift der Schlange durch das Salz seiner Gottheit wirkungslos gemacht werde. Geht also, bereitet uns das Pascha auf dem Obergemach, nicht im Erdgeschoss! Denn der Erstgeborene wollte ja seine Kirche aufwärts in den Himmel führen. Das Erdgeschoss bezeichnet nämlich die Erde, und das Obergemach ist das Bild des Himmels. Deshalb verließ er das Erdgeschoss und stieg mit seinen Jüngern zum Söller hinauf, gleichwie er die Erde verließ und in unserer menschlichen Natur zu seinem Vater auffuhr.

Geordnet und zubereitet fand er das obere Gemach; denn auf ihn hatte es geharrt und war deshalb bereit. So fuhr auch Adam zum Himmel auf, wo er Thron und Glorie für sich bereit fand; denn auf ihn hatte der Himmel geharrt. Moses stieg herab und bereitete in der Tiefe ein Pascha für die Irdischen, nämlich in Ägypten, diesem Grabe der Hebräer. Unser Herr aber stieg auf zur klaren und luftigen Höhe und bereitete da sein Pascha, um uns in sein Reich zu erheben. Das Lamm wurde in Ägypten geopfert und unser Herr im Obergemach, das Lamm in der Tiefe und der Erstgeborene in der Höhe. Unser Herr führte seine Schar und ließ sich im Speisesaale nieder. Er stieg hinauf und legte sich zuerst und seine Jünger nach ihm. Da lagen sie mit ihm zu Tische und schauten ihm zu, wie er aß und verwandelt wurde. Das Lamm aß das Lamm, das Pascha verzehrte das Pascha. Er beendigte die Stiftung seines Vaters und begann seine eigene, er schloss das Gesetz ab und eröffnete den neuen Bund der Versöhnung. Wer sah je ein so wunderbares Gastmahl, zu welchem sich die Menschen niederließen mit ihrem Schöpfer? Wer sah je ein so erhabenes Gastmahl, an welchem einfache Fischer mit dem Ozean Anteil nahmen? Wer sah je ein so staunenswertes Gastmahl, an welchem die Schlange und ihr Vernichter zusammen bei Tische lagen? Wer sah je ein so unerhörtes Gastmahl, bei dem der Habicht mit den elf Tauben speiste? Wer sah je ein so wunderbares Gastmahl, wo der Maulwurf, der Sohn der Finsternis, zugleich mit dem Adler teilnahm?

O Wunder und Staunen! Merke auf, o Zuhörer, Fischer und Zöllner liegen mit ihm zu Tische, während Engel und Erzengel zitternd vor ihm stehen! Die Menschen sind Tischgenossen Gottes geworden; glückselige Apostel, welch hoher Ehre seid ihr gewürdigt worden! Sie aßen das alte Pascha und erfüllten das Gesetz. Alsbald sprach unser Herr: „Sehet nun, wie hoch und in welcher Weise ich euch geehrt habe! Eure Füße habe ich gewaschen und euch zu meinem Mahle geladen. Euch Erdenbewohner habe ich so sehr geehrt und euch mit mir speisen lassen. Von meinen dienenden Engeln in den Himmelshöhen hat seit dem Tage, an dem sie erschaffen wurden, noch kein einziger es gewagt, mich anzuschauen. Sie enthüllten nicht ihr von Flügeln bedecktes Antlitz, um nach mir zu blicken und mich anzusehen; denn meine Gerechtigkeit erfüllt sie mit Schrecken und meine Majestät macht sie zittern. Sehet, wie sehr ich euch liebe, so dass ich euch an meiner Seite speisen lasse und, obgleich ich euer Herr bin, doch aus freiem Willen zu eurem Gefährten werde! Ich, von dem die ganze Schöpfung erfüllt ist, habe euch aus Liebe mein Reich geschenkt. Höret nun ein Wort von mir, welches euch alle erschrecken wird! Wahrlich, ich sage euch, einer von euch wird mich verraten; besser wäre es ihm, dass er nicht geboren wäre!“ Als dieses Wort fiel, wurden die Jünger bestürzt; ihre Ohren vernahmen die Rede und ihre Nieren bebten innerlich. Es geriet in Aufregung das Meer ihres Herzens ob der Schrecken erregenden Stimme. Ihre Augen vergossen Tränen in Strömen und ein jeder erforschte sein eigenes Gewissen. Da ihr Inneres so sehr beengt war, machte es sich in Fragen Luft: „Sage uns an, wer es ist, der dies Ungeheuere wagt, der Deine Ermordung in seinem Herzen und seine Hand in Deiner Schüssel hat, der so frech ist, dass er mit uns zu Tische liegt und ihm das Herz nicht brennt, obgleich er doch bei dem Feuer weilt?“ „Fürchtet euch nicht, meine Lämmer, denn der Bock wird hinaus getrieben werden. Die Schlange, welche sich hier gelagert hat, wird jetzt hinweg gejagt. Nach der Höhle Jerusalems eilt sie zu ihren Gefährten, führt das jüdische Otterngezücht an und bringt es mir entgegen.“ Darauf tauchte unser Herr das Brot ins Wasser, gab es dem Judas und entließ ihn ohne Lohn. Sein Lohn war sein Brot und seine Hoffnung war ebenfalls sein Brot. Weshalb aber tauchte er das Brot ins Wasser und gab es ihm so? Dies tat er, um ihm seine Kraft und den Geschmack seiner Süßigkeit zu entziehen. Denn das Brot war gesegnet und geweiht. Er selbst hatte es ja gesegnet und ihnen vorgelegt. Nun tauchte er jenes Brot ein und nahm den Segen von ihm hinweg; er entkleidete es seiner Kraft und entleerte es seines Wortes. Dem Brote entzog er den Segen, dem Judas den Thron. Es blies der Hauch der Allwissenheit, und das Unkraut wurde hinaus geweht; die Gerechtigkeit richtete ihr Augenmerk auf ihn, und Judas ging zur Türe hinaus.

Zur Abendzeit verließ Judas den Speisesaal, und es blieben die Jünger zurück in tiefem Frieden, die zuvor betrübt waren. Das Gefäß des Zornes verließ seinen Meister und der Tückische trennte sich von seinen Genossen. Es freute sich der Speisesaal darüber, dass die Finsternis von den Zwölfen gewichen und der Bock geflohen war; der Weizen blieb nun frei vom Unkraut und die Reben des Weinstockes von Herlingen. Die Eule, die sich der Finsternis rühmte, verließ die Tauben und floh krächzend hinaus. Da wurde das Haus licht, in welchem die verborgene Sonne mit ihren Strahlen weilte; es freute sich, weil die verfluchte Natter aus ihm entwichen war, die sich selbst vernichtet hatte. Es frohlockte der Tisch, weil sich die schwere Last von ihm gehoben hatte.

Als jener hinausging, war sein Kopf ihm furchtbar schwer, seine Gesichtsfarbe glühend, seine Züge entstellt, sein Herz bebend, sein ganzes Wesen verstört; die Zähne klapperten, die Knie schlotterten ihm. Der Verstand verließ ihn, die Überlegung wich von ihm. Der Adler Christus warf ihn aus seinem Nest hinaus, und alsbald schnappte ihn die verfluchte Schlange auf. Die Jünger blieben zurück in großer Freude und die Zwölf in Glückseligkeit. Da erhob sich unser Herr wie ein Held, stellte sich auf wie ein Gewaltiger, pflückte die Frucht wie ein Ackersmann, betete zu seinem Vater als der Erbe, blickte auf zum Himmel als dessen Schöpfer und eröffnete die Schätze wie ein Mächtiger. Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Glieder glichen den Lichtstrahlen. Seine Willenskräfte glühten gleich Glutöfen, seine Gedanken brannten gleich Lampen. Als Schöpfer ließ er sein Heil hervorströmen; als Heiland ordnete er die Verteilung seiner Barmherzigkeit an. Er offenbarte das Verborgene, was zukünftig, und das Geheime, was verheißen war. Er bekleidete sich mit dem wahren Priestertum und mit der vollkommenen Opferfeier. Er stand da und trug sich selbst aus Liebe und hielt seinen eigenen Leib hoch in Händen. Seine Rechte war ein heiliger Altar, seine erhabene Hand ein Tisch des Erbarmens. Er trug sich selbst ohne zu ermüden, und hielt sein Brot ohne zu hungern. Er erfasste seinen Reichtum ohne dessen zu bedürfen, und mischte sein Blut ohne zu dürsten. Aus seinem Brote schaute sein lebendiger Leib hervor und aus seinem Weine sein heiliges Blut. Seine Gedanken waren wie Diakonen und seine Allmacht übte das wahre Priestertum aus. Er weihte und segnete sich selbst, er betete und sagte Dank über seinen Leib. Er opferte und schlachtete sein eigenes Selbst, er spendete und presste aus sein lebenverleihendes Blut. Er vollendete, was er begehrt, und vollbrachte, wonach er verlangt hatte. Nun hob er an zu verkündigen, was er verheißen hatte: „Sehnlichst habe ich verlangt, dieses Pascha mit euch zu essen, bevor ich leide. Kommt, empfangt mich, denn ich bitte euch darum; esst mich, denn ich will es! Mit den Zähnen des Feuers zermalmt meine Gebeine und mit der leiblichen Zunge schlürft mein warmes Blut! Dies ist der Leib, welchen die Engel wegen seines Glanzes nicht anzuschauen vermögen. Dies ist das Brot der Gottheit, welches ich den Erdbewohnern aus Gnade gegeben habe. Dies ist das Allerheiligste, durch welches die Seraphim der Höhe geheiligt werden, indem sie es heilig preisen. Dies ist die Frucht, nach deren Genuss Adam verlangt hatte, um Gott zu werden. Kommt, empfangt mich, in Stücke zerteilt und kostet mich, unter den Gestalten verhüllt! Zum Besten der Welt bin ich Speise geworden und die vollkommene Nahrung, um ihren Hunger zu stillen. Kommt, meine Jünger, empfangt mich, ich will mich in eure Hände legen! Seht, ich stehe hier ganz wahrhaftig, aber zugleich verzehrt ihr mich auch ganz wahrhaftig! Ich verbrenne nicht den, der mich isst, sondern den, der mir fern bleibt; mein Feuer schmerzt nicht den, der mich verzehrt, sondern den, der mich nicht kostet. Kommt, meine Lieben, trinkt auch mein Blut, welches das Blut des neuen Bundes ist!Trinkt den Becher der Flamme, das Blut, welches alle, die es trinken, entflammt! Dies ist der Becher, durch welchen der erste Adam über seine Mühsale getröstet wurde. Dies ist das Blut, durch welches das Blut der Opfertiere auf Erden ersetzt wird. Dies ist der Becher, in welchem jene Kohle verborgen ist, welche die Tamar am Wege stahl. Das ist das Blut, durch welches Leib und Seele göttlich geheiligt wird. Dies ist der Becher, welcher heraus blickte aus dem Becher Josefs, als dieser aus ihm weissagte. Dies ist das Blut, durch welches Friede und Eintracht zwischen Himmel und Erde hergestellt wird. Dies ist der Becher, in welchem verborgen ist Barmherzigkeit und Gericht, Leben und Tod Dies ist das Blut, um dessentwillen Gott kommen und das Blut seiner Lieben von jenen einfordern wird, die es vergossen haben. So nehmt denn diesen Becher und trinkt daraus, auf dass ihr eure Leiden vergesst, werdet trunken durch ihn und erlangt verborgene Kraft, so dass ihr unverzagt seid vor den Verfolgern! Trinkt daraus und tränkt die ganze Schöpfung eifrig damit! Durch seine Stärke werdet ihr Schlangen niedertreten und durch seinen Empfang den Tod besiegen! Die alten Propheten haben nach mir verlangt und die Gerechten darum gebeten, mich zu schauen. Sie entschliefen in Klage und Trauer, weil sie mich nicht sehen sollten trotz ihrer Bitte. Glückselig seid ihr, o meine Jünger, die ihr mich mit eurem Munde verzehrt habt! Damit ihr aber diesen Abend nicht vergesst, der für euch kostbarer sein soll als der Tag, damit ihr diese Stunde nicht vergesst, in der ihr die Gottheit gekostet habt, so befehle ich euch noch dies, o meine Lieben, Vertraute meiner Geheimnisse: Dies Gedächtnis soll nicht aufhören unter euch bis zum Ende der Welt! So, meine Brüder, sollt ihr zu allen Zeiten tun und meiner gedenken . Meinen Leib habt ihr verzehrt, vergesst mich nicht! Mein Blut habt ihr getrunken, lasst mich nicht unbeachtet! In meiner Kirche sei dies mein erhabenes Gedächtnis und auf dem Erdkreis werde dies das Pascha! Dieser Tag sei euch heilig, gesegnet, und glorreich von allen Tagen! An ihm sollen alle Leidenden getröstet, alle Bedrängten befreit, alle Gequälten erlöst werden! An ihm sollen alle Gefangenen freigelassen werden An ihm soll das sichtbare Wasser der Taufe geweiht werden! An ihm soll die Taufe erteilt und das vollkommene Volk geboren werden! An ihm sollen die in der Sünde gealterten Greise verjüngt, meine Kinder auf Erden vermehrt und die Menschen zum Himmel hinauf gezogen werden! Seht, alles ist vollendet, besiegelt sind die Geheimnisse wie die Aussprüche! Verlasst nun freudig den Speisesaal und zieht hinaus in die Welt gleich Kaufleuten! Verkündet mich in allen Ländern und reicht mich den Menschen als Speise! Die Sklaven sollen durch mich befreit, die Unreinen durch mich geheiligt werden! Sklave wie König sollen sich mir nahen; denn ich bin gleich gütig gegen alle, die mich anflehen. Dienerin wie Herrin sollen zu mir hin treten; denn bei mir gilt kein Ansehen der Person. Niedrige wie Hohe sollen von meinem Blute trinken, denn es ist ein einziger Becher, ohne Trennung. Ich will nun zu meinem Werke gehen; ihr aber zieht im Frieden von hinnen! Ich will gehen, um das Kreuz zu erleiden, und niederfahren, um den erniedrigten Adam zu erhöhen. Bleibt in meiner Nähe und seid ohne Kummer, bis ich aus dem Grabe wieder auferstehe! Verharrt im Frieden, denn mit Sieg und Glorie gekrönt werde ich zu euch zurückkehren!

Zweite Homilie über das Pascha Christi.

Die Überschrift lautet in der Handschrift wörtlich: „Mimra über das Pascha unseres Herrn von Mar Cyrillonas“. Offenbar schließt sich diese Homilie an die vorhergehende an. Wahrscheinlich wurde sie am Karfreitag vorgetragen, und zwar, wie sich aus dem Eingang deutlich ergibt, nachdem jener Abschnitt des Evangeliums nach Johannes, der die letzten Reden des Herrn enthält, verlesen war. Den Inhalt unseres Gedichtes bildet eine Paraphrase und Auslegung dieser Reden von wunderbarer Erhabenheit. Das Metrum ist anfangs das siebensilbige, wechselt aber später mehrmals.

Wenn ich im Neuen Testamente lese, so sprießen mir neue, wunderbare Dinge daraus hervor; wenn ich über das Evangelium nachsinne, so begegnet mir darin eine Botschaft des Lebens. Die Verkündigung nach Johannes traf mich und versetzte mich in gewaltiges Staunen. Johannes und seine Gefährten sind zu Wasserquellen für die Schöpfung geworden. Durch sie wurde die Menschheit versüßt vermöge des neuen vollkommenen Lebens; die dürstende Welt fand Genüge an ihnen und die Menschen wurden trunken durch ihre Rede.

Komm nun, o Herr, und lass uns die Bedeutung des Gelesenen erkennen, in welchem zwar tiefes Leid verborgen liegt, aus welchem aber Freude hervorsprießt! Zwischen Trauer und Freude wandert der Redner hin und her.

Nachdem die Geheimnisse vollendet und alle Schriften erfüllt waren, nachdem unser Herr durch seine Botschaft alle Weissagungen seiner Verkündiger vollbracht hatte, da redete er zu den Zwölfen und offenbarte ihnen also: „Seht, wir ziehen nach Jerusalem, auf dass alles erfüllt werde, was geschrieben steht; denn ich werde dem Kreuze, der Schmach und dem Hohn überliefert werden. Seid darüber nicht betrübt, denn darauf beruht die Erlösung der Welt. Deswegen bin ich ja zur Erde herabgestiegen und geworden wie eines ihrer Kinder, damit die Propheten, welche so geweissagt haben, nicht als Lügner erfunden werden möchten. Denn wenn ich mich der Schmach entziehe, so entziehe ich den Menschen die himmlische Herrlichkeit. Wenn ich meinen Rücken der Geißelung entziehe, so entziehe ich den Verurteilten die Rettung. Wenn ich mich dem Gerichte entziehe, so entziehe ich meinen Dienern den Sieg. Wenn ich mein Haupt den Dornen entziehe, so nehme ich den Fluch nicht hinweg. Wenn ich meinen Mund dem Essig entziehe, so entziehe ich der Kirche mein Blut. Wenn ich mich dem Grabe entziehe, so kann kein Mensch aus dem Grabe auferstehen. Und wenn der Tod mich nicht verschlingt, so braucht er nichts von seinem Raube zurückzugeben.

Freut1 euch, meine Jünger, denn heute wird alles erfreut! Jubelt und frohlockt, meine Verkündiger, denn die Handschrift wird ausgetilgt; sie, die im Paradiese geschrieben wurde, wird am Kreuze zerrissen! Mein Vater erwartet mich, dass ich auffahre und mit hinaufbringe Leib und Seele, die Tod und Teufel gefangen hielten. Die Engel erwarten mich, dass ich auffahre und mit mir hinaufbringe das verirrte Schaf, das durch meine Ankunft wieder gefunden wurde. Der Himmel erwartet mich, dass ich auffahre und mit mir hinaufbringe den irdischen Leib, der durch Gnade Gott geworden ist. Der Thron erwartet mich, dass ich auffahre und mich auf ihn setze und mit mir auf ihm sitzen lasse den erniedrigten Adam, der nun wieder erhöht ist. Die Wolke erwartet mich, die mich vom Berge hinwegtragen und dem Sohne der Jungfrau als Wagen dienen will. Paradies und Garten, beide erwarten mich, dass ich den Adam in sie einführe und ihn dort zum Herrscher einsetze. Freut euch von Herzen über das, was ich euch offenbare und verkündige! Denn ich gehe ganz zu meinem Vater und bleibe doch ganz bei den Meinigen. Den Weg, zu welchem ich gekommen bin, habe ich bis zum Ende durchwandelt. Siehe, der Kampf ist beendigt, Adam hat seine Siegeskrone in Empfang genommen! Das Haupt der Schlange habe ich zertreten und die Ferse aller gestärkt. Die Versuchung habe ich auf mich genommen und die Herzen aller frei aufatmen lassen. Wie ein Bettler bin ich umhergeirrt und jeder ist zu mir zurückgekehrt. Nur ein Riegel ist es, der alles verschließt Das Kreuz erwartet mich, an ihm will ich ausgebreitet werden, um von ihm herab meine Barmherzigkeit über die Welt auszubreiten.

O meine Jünger, fasst Mut, denn euch wird Ruhe und mir Kampf, euch die unentreißbare Glorie und mir der unvergängliche Sieg, euch eine Herrschaft, mächtiger als die der Engel, und mir die Erniedrigung unter die Räuber, euch die Wunderkraft der Krankenheilung und mir die Einreihung unter die Toten, euch die Throne im Himmel und mir auf Erden ein geliehenes Eselsfüllen, dir, o Petrus, der Schlüssel des Himmelreiches und mir selbst das Kreuz, der Schlüssel der Gräber! Ihr werdet Aussätzige heilen, Lahme wandeln machen, Teufel niedertreten, böse Geister austreiben, durch eure Belehrungen Könige und durch eure Worte Richter besiegen, durch eure Wahrheit den Irrtum überwinden und durch eure Lehren die Weisen widerlegen. Dies ist die Macht und die Ehre, die euch bestimmt ist, o meine Jünger!

Und noch ein anderes füge ich euch ob meiner Liebe zu euch hinzu. Wenn ihr mich bekennt, so werde ich bei euch sein, mit euch wandeln und in der ganzen Welt euren Willen tun. Wenn ihr in mir bleiben wollt und die Liebe in euren Herzen weilen wird, so werde ich meinen verborgenen Vater, sobald ich zu ihm aufgefahren bin, für euch bitten, auf dass er euch seine Kraft sende, die Schätze und Reichtümer, welche nicht geraubt werden können. Der Geist wird kommen mit seinen Zungen und der Paraklet mit seinen Offenbarungen. Eine neue Sprache wird in euch wohnen, die Schwingen des Geistes werden in euch verweilen; von der Himmelshöhe werden sie herabfliegen und in eurem Munde sich niederlassen. Auf euren Lippen wird das Feuer und in eurem Munde die Flamme wohnen. Der Mund, obwohl schweigend, verschluckt das Feuer; die Zunge, obwohl schwingend, nimmt die Empfängnis auf. Von der Flammenzunge wird die Zunge des Fleisches nicht verbrannt, gleich dem Dornbusch in der Wüste, der nicht von der Lohe verzehrt wurde“. Eine Feuerzunge empfingen die Jünger, eine neue Sprache, in der sie nicht geboren waren. Durch die Zunge des Engels empfing Maria eine neue Empfängnis, die sie nicht gewohnt war. Die Zungen des Geistes ließen sich nieder auf die irdischen Zungen, gleichwie einst die göttliche Geburt in den irdischen Schoß der Jungfrau herabkam.

Darauf begann er sich zu vergleichen mit dem Weizen, dem Rebzweige und der Traube, und zeigte ihnen in seiner Liebe das in diesen dreien verborgene Geheimnis. Komm nun herbei, o Zuhörer, auch wir wollen das Geheimnis kennen lernen, welches in ihnen wohnt. Der Weizen bleibt still, wenn man ihn zermalmt, wie unser Herr, als man ihn richtete. Er schreit nicht, wenn man ihn tötet, so wenig wie unser Herr, als man ihn kreuzigte. Er überliefert sich der Hand, die ihn tötet, gleichwie unser Herr sich den Juden überlieferte. Er lässt seine Hülsen zurück, wie unser Herr die Leintücher zurückließ bei seiner Auferstehung aus dem Grabe. Der Weizen schweigt, wenn man ihn zermalmt; er wird zur Leiche und lebt im Verborgenen wieder auf. Scheinbar ist er kläglich gestorben, aber in Wahrheit lebt und wächst er überschwenglich. Seine Wurzeln schlägt er in die ihm zugängliche Tiefe, seinen Schaft verflechtet er in die aufgelockerte Erde; es brüllt der Donner, um für ihn die Nahrung einzufordern, es zucken die Blitze, um ihm als Fackeln zu leuchten. Er trinkt Milch, die nicht mit ihm geboren war, er sammelt Reichtum, der nicht mit ihm hinabgestiegen war. Er trägt seine Kinder und es steigen ihm auf die Schulter seine Töchter, die Weizenähren, über sein Haupt hinausragend. Ebenso trug auch unser Herr die Gefangenschaft der Toten und führte sie aus der Vorhölle heraus. Der Weizen wird zur Tenne gebracht wie der Herr nach Zion, und von da zur Mühle wie jener zum Kreuze. Judäa trug ihn gleich der Magd, die Kirche verzehrt ihn gleich der auserwählten Herrin. Das Feuer bereitet ihn zu, und durch seine Glut erlangt er Wohlgeschmack; wenn alles für seine Bereitung Vorgeschriebene vollendet ist, so bringt man ihn heran zum Tische des Königs. Er sättigt die Hungrigen durch seine Süßigkeit und verleiht Stärke denen, die ihn verzehren. Ebenso hat unser Herr seinen Leib auf den Tisch des heiligen Altares gelegt; es verzehrten ihn die Völker, welche nach ihm hungerten, und erlangten dadurch die Kraft, den Tod niederzutreten.

Lasst uns nun sehen, weshalb sich unser Erlöser mit einem Weinstock verglich! „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner.“ In dem Weinstock seines Leibes ist die Süßigkeit der Gottheit verborgen. In den Weinstock seines Leibes ist eingepflanzt der Rebzweig und Setzling unserer Menschheit. Aus dem Weinstock seines Leibes quillt für uns der Trank hervor, welcher unseren Durst stillt. Aus dem Setzling seiner Menschheit strömen für uns Bäche durch seine Gnade. Der Weinstock ist still, wenn man ihn pflückt, wie unser Herr, als man ihn richtete; er bleibt ruhig, wenn man Nachlese an ihm hält, wie unser Herr, als man ihn schmähte; er schweigt, wenn man ihn abschneidet, wie unser Herr, als er den Tod erlitt. Statt jenes ersten Weinstockes, der seinem Herrn Essig reichte, ist uns der wahre Weinstock aus dem Schoße der Jungfrau aufgesprosst. Dies ist der Weinstock, welcher die Menschen tränkt und ihnen das Leben verleiht. Dies ist der Weinstock, welcher durch seinen Trank die Seelen der Betrübten tröstet. Dies ist der Weinstock, welcher durch seinen Wein die Welt von der Sünde reinwäscht. Er ist die Traube, welche sich zur Abendzeit im Speisesaale selbst ausgepresst und sich im Becher den Jüngern als das Testament der Wahrheit gereicht hat. O Weinstock, wie gewaltig bist du, dessen Reichtum niemals erschöpft wird! Die Räuber nahten sich dem Weinstock; sie stahlen die Blätter, aber wagten sich nicht an die Trauben. Gleich Dieben stürzten sich die Juden auf den Weinberg unseres Erlösers; sie nahmen sein Gewand und seinen Mantel, ließen aber die Traube und ihren Wein unberührt. Die Füchse heulten zwischen den Reben, aber nur eine einzige verdorrte. Der Igel im Stachelgewand bedrohte diesen Weinstock; nur eines Herlings konnte er sich bemächtigen, die Trauben blieben ihm unerreichbar. Zion, dieser Igel voll Bosheiten hatte sich des Iskariot bemächtigt. Durch die dreißig Silberlinge raubte es sich selbst die ihm verheißene Süßigkeit. Es suchte den Weinstock auszutilgen, aber die Wächter erhoben ihre Stimme. Die Propheten hatten ihn öffentlich verkündigt, aber der Weinstock reifte in der Stille. Dreißig Jahre hatten die Hungernden gewartet, da hörten sie von ihm und strömten herbei. Adam eilte aus dem Grabe, Eva kam aus der Vorhölle, die Kirche lief herzu von den Bergen und die Völker versammelten sich aus allen Himmelsgegenden. Sie sahen die Traube hoch am Kreuze hängen; ihr Rebzweig war Golgota, von wo die Süßigkeit hervor blickte. Da fingen jene mit ihren Lippen sein Blut auf und pflückten mit ihren Händen seine Wahrheit. Christus ist der Weinstock, welcher zu uns gekommen ist und uns aus Liebe die Traube gereicht hat. Die Traube neigt freudig ihr Haupt vor dem Abpflückenden, gleichwie unser Herr sein Haupt geneigt hat vor dem Knechte, der ihn schlug. Keinen Laut gibt die Rebe von sich, wenn der Winzer sie abschneidet, und auch Christus gab kerne Antwort, als ihn Kajafas verurteilte. Das Messer durchschneidet den Rebzweig und Wasserbäche strömen aus ihm herab; ebenso durchbohrte die Lanze Christus und Gnadenströme flossen für uns.

Der Weinstock und der Weizen haben mich durch ihre Erklärung abschweifen lassen; jetzt aber laden mich die Jünger und ihr Meister ein, von ihnen zu erzählen. Merke auf, o Zuhörer, und lausche, denn das Evangelium redet! Unser Herr reichte seinen Jüngern als Waffe sein schneidiges Wort, dieses scharfgeschliffene Schwert. Sein Wort übergab er ihnen, denn es ist ein Schatz jeglichen Reichtums. Durch sein Wort entstand die Welt, [380] durch sein Wort wurde die Welt wieder belebt. Durch sein Wort breitete er den Himmel aus, durch sein Wort stieg er zur Erde herunter. Durch sein Wort formte er den Leib, durch sein Wort bekleidete er sich mit dem Leibe, durch sein Wort erschuf er Adam, durch sein Wort erlöste er Adam. Durch sein Wort entstanden die Menschen, durch sein Wort erlangten die Menschen das selige Leben. „Nehmt mein Wort an, o meine Freunde, und tragt es in eurem Herzen, damit euch mein Wort überallhin begleite! Meinem Vater übergebe ich euch und ihm vertraue ich euch an. Vater, nimm sie an und bewahre sie in Deinem Namen und in Deiner Wahrheit! Sende ihnen Deine Kraft, damit sie in die Welt hinauszuziehen vermögen! Entzünde in ihnen Dein Feuer, damit sie die Schöpfung erleuchten können! Siehe, Dir, o Vater, sind sie anvertraut, lass sie nicht Waisen sein, auf dass sich ihr Herz nicht fürchte, wenn sie mich am Kreuze erblicken, und auf dass sie meine Wahrheit nicht verleugnen, wenn ich in die Unterwelt hinabsteige! Euer Herz sei getrost, meine Lieben, fürchtet euch nicht! Zieht aus als Kaufleute, um die Welt zu erkaufen! Bekehrt die Menschen zu mir, erfüllt die Schöpfung mit meiner Lehre! Pflanzt auf Erden meine Altäre, setzt meine Priester in meinen Kirchen ein! Alle Seelen sollen eingefangen werden in das Netz meines Wortes, die Menschheit soll in dem Meere meiner Taufe gesammelt werden. Wenn ihr vor Gericht geführt werdet, so gehe ich mit euch. Wenn ihr in das Meer gestürzt werdet, so fange ich euch auf. Wenn ihr an das Kreuz geschlagen werdet, so besteige ich es mit euch. Wenn ihr in das Feuer geworfen weidet, so bewahre ich euch. Wenn ihr in das Grab gesenkt werdet, so wecke ich euch wieder auf. Fasst Mut, meine Lieben, denn jetzt ist die Stunde der Vollendung! Judas hat meinen Kaufpreis erhalten. Zion steht bereit, Judäa hat schon das Kreuz gezimmert, an dem ich ausgespannt werden soll, und das Herz des Kajafas brennt bereits vor Verlangen, mich zu verurteilen. Ich will für alle sterben, um allen das Leben zu verleihen, und am dritten Tage werde ich auferstehen und alle auferwecken!

Über den Weizen.

In diesem siebensilbigen „Mimra über den Weizen“ wird die Schilderung des Wachstums, der Beschaffenheit und der Fortpflanzung des Weizens für die Erbauung verwertet, teils durch Hinweis auf die Verwendung des Weizens bei der hl. Eucharistie, teils durch allegorische Vergleichung seiner Entwicklung und Eigenschaften mit Glaubenswahrheiten und Grundsätzen des inneren Lebens. Das Gedicht ist anonym überliefert; vermutlich aber hat es gleichfalls Cyrillonas zum Verfasser wie das vorausgehende, das in ganz ähnlicher Weise vom Weizen redet. Freilich kann es ihm nicht mit der gleichen Sicherheit zugeschrieben werden wie die drei soeben mitgeteilten, ebenfalls anonym überlieferten Gedichte. Nicht ganz unmöglich wäre, dass Isaak von Antiochien es gedichtet hätte. Für jeden Fall ist es wert, in diese Sammlung aufgenommen zu werden, da es mehrere wichtige Stellen über das allerheiligste Altarssakrament enthält.

Zum leichteren Verständnis sei bemerkt, dass „Weizen“ im Syrischen weiblichen Geschlechtes ist, wodurch beim Übersetzen ins Deutsche manch lästige Schwierigkeiten entstehen, weil die Wörter „Weizen“, „Furche“ und „Sünde“ im Original sehr ähnlich klingen und daher vom Dichter wiederholt zu Wortspielen benützt werden.

Wenn der Weizen in die Furche gefallen ist, so regt er sich und strebt im Stillen aufwärts, ohne einer Belehrung oder Anleitung zu bedürfen. Zunächst pflanzt er sich ein im Staube auf der unter ihm liegenden Scholle, befestigt sich vermittelst seiner Wurzelfasern, verschafft sich an seinem Fundamente einen sicheren Halt und baut sich alsdann auf. Er wendet Steine um ohne Hebel, bewegt sich und wandelt ohne Füße. Seine Säume treibt er gleich Fingern in die Risse und prägt sein Gefaser gleich Nägeln tief in den Erdboden ein. Das Haar seines Hauptes befestigt er in die Erde, um sich daran zu halten. Erst bereitet er sich eine feste Stütze auf seiner Grundlage, dann erst traut er seinem Wachstum nach oben Sicherheit zu, damit er nicht etwa, nachdem er gewaltig in die Höhe aufgeschossen ist, vom Sturm gebrochen werde. In der Tiefe bindet er seine Wurzeln fest, um oben mit den Winden kämpfen zu können. Er bereitet sich unten ein Weberschiffchen und beginnt alsdann, sein Gewebe aufwärts zu führen. Sein unterstes Gewebe befestigt er am Webstuhl der Erde, damit es nicht zerstört werde, durchbricht alsdann den Staub und blickt hervor, um die klare Luft zu erreichen. Gemäß der Ausdehnung seines Wachstums bereitet er sich neue Ausgangspunkte und bringt Knoten an seinem Halme wie Stockwerke an einem Hause an, damit er imstande sei, die Frucht zu tragen und gegen den Wind standzuhalten. Dieser Halm lässt gleich einem Kanal das Wasser in die ganze Pflanze aufsteigen und stützt ihren Schaft durch Gelenke, damit er die auf dem Haupte ruhende Last tragen könne. Gleich einem Vogel lässt der Weizen zu seinen Seiten Flügel hervorkommen, um sich damit in der Luft zu stützen wie der Mensch mit seinen Armen und um seine Gefährten zu tragen, welche um ihn selbst, das hochragende Haupt, herumstehen. Der mütterliche Boden gebar seinen Schaft, aber das Haupt gebar seine Geschwister. Nachdem der Weizen erstorben ist, lebt er wieder auf und schafft sich aus und in sich selbst eine Schar von Geschwistern. Wenn er hervorschaut und gefunden wird, so erblickt man ihn in zwei Blätter gehüllt, um die Blöße seiner Kindheit mit einem zweigeteilten Gewände zu bedecken. In die Erde geworfen, ging er verloren, aber obgleich er verloren schien, ward er wiedergefunden, und nachdem er den Zuschauer durch sein Verlorengehen und Wiedererscheinen in Staunen versetzt hat, belehrt er ihn alsdann, wie er aus sich heraus und über sich hinaus gewachsen.

Der Weizen gleicht einer Mutter mit ihren Töchtern, welche gleich ihr selbst Jungfrauen sind und zum Tempel des Königs gebracht werden, auf dass sein Sakrament in ihnen vollzogen werde. Jungfräulich sind die eintretenden Töchter und auch ihre Mutter. Die Jungfrau trägt die Jungfrauen, ihre Schwestern und Töchter, die sie geboren hat, zum Altare des jungfräulichen Sohnes, dessen Mutter und Vater jungfräulich sind.

Zugleich mit dem Wachstum des Weizens wächst auch das dem Bösen vergleichbare Unkraut. Er ist umringt von seinen Stacheln wie von scharfen Speeren, um damit die Vögel zu stechen, welche kommen, ihn bloßzulegen und zu rauben. Er trägt Lanzen an der Seite, welche aus, an und in ihm hervorsprossen, damit sich seine Stacheln in den einbohren, welcher kommt, um ihn zu berühren. Er greift niemand an, aber alles stürzt auf ihn los und er wehrt sich, soviel er kann, um sich für seinen Freund, den Menschen, aufzusparen. Durch diese Gesinnung belehrt er euch, ihr Jungfrauen, schweigend also: „Gleichwie ich meine Verlobung und Jungfräulichkeit für den Menschen, meinen Liebling, aufbewahre, so bewahrt auch ihr euch für eure Verlobten!

Vor Hagel, Regen und Glutwind richtet sich der Weizen nicht trotzig auf, denn sie sind ihm zu gewaltig, sondern bei Sturm, Gewitter und Hagel erhebt er die Ferse, wie um zu winken. Der Weizen ist der Freund des Menschen, welcher durch ihn ernährt und entwöhnt wird.

Zwischen dem Weizen und der Sünde besteht gegenseitige Feindschaft; denn wenn sich unter den Menschen die Sünden vervielfältigen, so vermehren sich auch die Leiden des Weizens; wenn aber die Menschen die Sünde überwinden, so überwindet auch der Weizen seine Beschädiger, den Kornwurm und anderes fliegendes und kriechendes Ungeziefer, und besiegt Hitze, Kälte und Frost durch die Kraft Gottes; sein Schaft dient ihm dabei gleichsam als Leib und seine Knoten als Glieder.

Ohne ihn kann der König nicht regieren, ohne ihn müssen die Richter hungern, ohne ihn würden die Altäre leerstehen, ohne ihn könnte der Hl. Geist nicht herabsteigen, ohne ihn könnte der Priester nicht das Sühnopfer darbringen, ja ohne ihn wäre kein Mensch imstande, die Gottheit zu besänftigen.

Unter allem Schnellen ist der Blitz am schnellsten, doch der Engel ist noch behender als jener. Unter allen Läufern hat die Sonne den weitesten Vorsprung, da sie die ganze Schöpfung an einem Tage durcheilt; doch das Gebet ist noch hurtiger als sie, da es in einem Augenblick zum Himmel empor fliegt. König der Tiere ist der Löwe, König der Vögel der Adler, König des Getreides der Weizen, Königin der Früchte die Traube.

Der Anfang der Schöpfung ist der Behemot und zugleich der König alles Kriechenden. Das Weiseste unter dem Kriechenden ist die Ameise, welche schon im Sommer ihre Nahrung einsammelt; das Geringste unter dem Fliegenden ist die Biene, aber sie bringt das köstlichste Erzeugnis hervor. Das Lieblichste unter den Saaten ist der Weizen, und alles geht ihm nach.

Wie zahlreich auch seine Väter sind, so ist es doch nur ein Vater, der ihm das Leben verliehen hat. Sein Vater ist der Regen aus den Wolken, seine Mutter die Erde, welche ihn in ihrem Schoße getragen; der klare Tau zieht ihn auf, Regenschauer und Wolkenbrüche baden ihn, die Frühlingsmonate pflegen ihn, die linden Lüfte lassen ihn reifen. Aber wenn wir Gott erzürnen,  so wird der Weizen von diesen seinen Eltern getötet; sie selbst, die ihm das Leben geschenkt haben, werden dann zu seinen Mördern. Wenn wir hingegen Gott versöhnen, so überwindet der Weizen seine Leiden.

Die Furche, die Mutter des Weizens, wird im Vergleich mit diesem ihrem Kinde gering geschätzt; der Ackersmann wirft den Weizen in die Furche als auf seine Grundlage.

Gabriel gleicht dem Blitze und Maria dem Weizen; denn als Jungfrau empfing sie Milch und tränkte damit ihren jungfräulichen Sohn, welcher, am Kreuze hängend, zwei lebenspendende Ströme, den einen von Blut, den andern von Wasser, aussandte, um seine Herde damit zu tränken. Der Weizen trinkt aus der Furche und die Kirche aus der durchbohrten Seite.

Welch wunderbare Bewandtnis hat es doch mit dem Weizen, dieser herrlichen Ähre, dieser Burg, welche sich aus sich selbst erhoben hat! Er strebt empor aus der Mitte aller seiner Widersacher und schaut von der Höhe herab wie Josef vom Wagen und wie unser Herr, als er aus dem Grabe auferstanden war. Der Weizen ist zwar ein Kind des Winters, aber im Sommer wird sein Fest gefeiert; dann singen vor ihm die Schnitter im Wechselchore. Wer sah je ein Kind des Staubes, welches sich gleich dem Weizen zu einem Schaft aufgetürmt hat? In der Erde hat er den Grund zu seinem Wachstum gelegt durch die von ihm ausgesandten zarten Wurzelfäden, hat sich alsdann zur Höhe erhoben, als ob er Bausteine heraufgezogen hätte, und hat seine langen Blätter ausgestreckt wie Windungen an einer Säule. Statt dass viele Hände zum Herbeischaffen von Steinen herangezogen würden, verwendet er nur die vier Winde sechs Monate lang als Arbeiter. Er senkt sich nieder und holt reichliche Steinbrüche aus der Erde hervor, dann steigt er wieder empor und baut daraus die Ähren nach der Struktur ihres Gebäudes. Sein Halm dient ihm als Leiter und die Knoten als Leitersprossen. Aus der Erde kriecht er hervor und setzt sich in der Luft auf eine Säule. Der Weizen ist ein lebendiger Stein, welcher ohne Hände fort rollt. Die Monate wenden ihn um gleich Stieren, die an dem großen Rad des Jahres ziehen. Die vier Winde sind an ihm beschäftigt wie menschliche Hände, die an Seilen ziehen. Die Donner singen ihm mit ihren Stimmen wie Sänger mit ihren Melodien. Die Fackeln der Blitze leuchten ihm und weisen ihm den Weg nach oben. Die Wolkenkrüge mischen ihm tropfenweise seinen Trank gleich Bechern. Die Gestirne wandern über ihm ihren Kreislauf gleich himmlischen Rädern. Die Zeiten sind über und unter dem Weizen gleich Messschnüren ausgespannt. Bei Frost und Hitze hat er Wasserbehälter, welche mit der Luft verbunden sind. Sein kreuzförmiger Schaft trägt die Last, so dass sie nicht herabfällt. Gott redet durch den Donner und durch die Geschöpfe, welche ihm dienen; er ist der Hausherr, der seine Diener aufmuntert und an die Arbeit schickt.

So ist nun der Weizen durch die Hand Gottes, der ihn aufgerichtet hat, zur Vollendung gekommen. In die Erde geworfen, war er erstorben, aber der Erstorbene ist auferweckt worden und er, der allein begraben worden, kommt im Geleite seiner Gefährten wieder zum Vorschein. Es umringen und umarmen ihn seine Kinder, Nachbarn, Geschwister und Freunde. So malt er das Vorbild der Auferstehung und verkündigt denen, die ihn sehen: „Gleichwie ich, der ich erstorben war, wieder aufgelebt bin, so werden auch die im Staube ruhenden Toten leben.“

Wenn man den Weizen mit Mist düngt, so wird sein Wachstum um so stärker. Ebenso bewährte sich auch Ijob, dieser Weizen Gottes, in der Asche des Düngerhaufens. Er war ein lebendiger Weizen, welcher sich selbst in der Asche aussäte und Dünger statt Asche trank; deshalb reifte in Fülle das Garbenbündel seiner Herrlichkeit.

Der Weizen ist gespalten, wodurch er seiner Mutter, der Furche, ähnlich wird. Er ist getrennt und doch zusammenhängend, gleich der Seite unseres Erlösers; denn auch er [der Weizen] ist gespalten, aufgerissen und doch geschlossen, und auch von ihm geht Sündenvergebung aus. Der Schöpfer des Weizens wusste wohl, dass in ihm ein Vorbild seines Leibes ausgeprägt werde, und dass er im voraus in ihm den Spalt der Lanze in seiner Seite malte und bezeichnete.

Der Weizen verwest in der Erde wie der Körper des Menschen im Grabe, aber das in seinem Herzen verborgene Leben kehrt zurück und überwindet seine Verwesung. Um wie viel mehr wird uns wiederbeleben die lebenspendende Kraft des lebendigen Leibes, den wir empfangen haben? Denn von dem ausgesäten Weizen löst sich zwar der äußere Leib auf, aber sein lebendiges Herz bleibt bestehen, welches die Hoffnung seiner Auferstehung ist. Ebenso war auch das Herz Ijobs die Hoffnung für seine Heilung. Denn sein äußerer Leib war verfault, gleichwie der Weizen äußerlich verwest ist. Aber da dem Gewande seiner Gesinnung keine Motte der Gotteslästerung schaden konnte, so sprosste er wieder auf, besser als der Weizen, ohne dass ihm das Ungeziefer der Verleumdung nahte. So möge auch in unser Herz kein Zweifel über unsere Auferstehung eindringen, denn wir werden alle auferweckt werden, mögen wir nun glauben oder nicht glauben. Der Sohn des Allgütigen, welcher für uns den Tod gekostet hat, wird uns nicht im Tode lassen, sondern wird das Leben seiner Natur mit dieser unserer sterblichen Natur vermischen. Der Weizen stößt seine Verwesung aus, sprosst empor und lebt aus und in sich selbst wieder auf. Ebenso wird auch dieser unser Leib nach seiner Zerstörung wieder erneuert werden und auf ewig bleiben. Wenn aber der Weizen aufersteht, so kommt er zum Vorschein, indem er seine Gefährten trägt; ebenso wird auch der Leib bei seiner Auferstehung hervorkommen, indem er seine Werke trägt.

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