Ausgewählte Predigten

Von Fulgentius von Ruspe (467-533)

1. Von den Verwaltern des Herrn

Das Wort des Herrn, das wir alle nicht nur mit Eifer, sondern auch mit Weisheit vernehmen müssen, und dem wir demütigen und freudigen Gehorsam schulden, das an allen Orten mit seiner maßvollen Milde Früchte reifen laßt, so daß es weder den Schafen an Nahrung noch den Hirten an Speise gebricht, legt einige besondere Pflichten uns allein, einige allgemeine aber uns und euch zugleich auf. Uns nämlich, seinen Knechten, die der Hausvater, der Herr aller Dinge, in seinem großen Hause zu der Aufgabe bestellt hat, seinem Volk das Wort der Gnade zu reichen, wird die besondere Pflicht der heiligen Predigt auferlegt; allgemein aber wird uns und euch heilsamer Gehorsam gegen die Gebote zur Pflicht gemacht. In diesen Geboten ist, wie bei einem reichen Gastmahl, eine solche geistliche Fülle himmlischer Süßigkeit verborgen, daß vom Worte Gottes der Vollkommene im Überfluß sich sättigen und im Überfluß der Säugling sich stillen kann. Denn hier ist zugleich Milch, von der die zarte Kindheit der Gläubigen sich nährt, und feste Speise, durch die das starke Jugendalter der Vollkommenen geistiges Wachstum an heiliger Tugend empfängt. Hier ist in vollem Maß Vorsorge getroffen für das Heil aller, die Gott zu retten sich würdigt; hier findet sich, was jedem Alter frommt und jedem Stand geziemt; hier vernehmen wir die Gebote, die wir erfüllen sollen; hier erkennen wir die Belohnungen, auf die wir hoffen dürfen; hier finden wir das Gebot, das uns durch den Buchstaben belehrt und zur Weisheit unterrichtet, hier die Verheißung, die uns durch die Gnade zieht und zur Verherrlichung geleitet.

Seine Knechte also, die er an die Spitze seines Volkes gestellt hat, wollte Gott auf eine besondere Pflicht hinweisen; darum sagt er, wie wir eben aus dem Evangelium vernommen haben: „Wer ist wohl der treue und kluge Verwalter, den der Herr gesetzt hat über seine Dienerschaft, daß er ihr zur rechten Zeit das Maß des Unterhaltes gebe? Selig jener Knecht, den der Herr bei seiner Ankunft finden wird bei solchem Tun!“ Brüder, wer ist dieser Herr? Kein Zweifel, es ist Christus, der zu seinen Aposteln spricht: „Ihr nennt mich Herr und Meister, und ihr habt recht, denn ich bin es!“ Welches ist ferner die Knechtsfamilie dieses Herrn? Sicherlich doch jene, die der Herr selbst aus der Gewalt des Feindes losgekauft und seiner Herrschaft einverleibt hat. Diese Familie aber ist die heilige katholische Kirche, die sich in reicher Fruchtbarkeit über den Erdkreis ausbreitet und sich ihrer Erlösung durch das kostbare Blut des Herrn rühmt, „Der Gottessohn nämlich ist“, wie er selbst sagt, „nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. Er ist auch der gute Hirt, der sein Leben hingegeben hat für seine Schafe. Die Herde des guten Hirten ist also die Familie des Erlösers. Wer aber der Verwalter ist, von dem in gleichem Maß Treue und Klugheit verlangt wird, zeigt uns der Apostel Paulus, der von sich und seinen Genossen sagt: „So halte uns denn jedermann für Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes. Von den Verwaltern fordert man, daß sie als treu erfunden werden.“

Damit jedoch keiner von uns glaubt, nur die Apostel seien als Verwalter eingesetzt worden, und unter Vernachlässigung der Pflicht zum geistlichen Kriegsdienst als träger Knecht in Untreue und Unklugheit sich dem Schlaf ergibt, spricht der Apostel, um zu zeigen, daß auch die Bischöfe Verwalter sind, die Worte: „Der Bischof muß nämlich unbescholten sein als Gottes Verwalter.“ Wir sind also Knechte des Hausvaters, Verwalter des Herrn, und wir haben das Maß des Weizens empfangen, das wir euch austeilen sollen. Und wenn wir fragen, welches das Maß dieses Weizens sei, so zeigt uns der heilige Apostel Paulus auch dieses mit den Worten: „So wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat.“ Was also Christus das Maß des Weizens nennt, nennt Paulus das Maß des Glaubens, damit wir erkennen, daß der geistige Weizen nichts anderes ist als das verehrungswürdige Geheimnis des christlichen Glaubens, Das Maß dieses Weizens reichen wir euch im Namen Gottes, so oft wir, vom Geschenk der geistlichen Gnade erleuchtet, die Regel des wahren Glaubens vortragen. Und dasselbe Maß des Weizens erhaltet ihr durch die Verwalter des Herrn, wenn ihr täglich durch die Knechte Gottes das Wort der Wahrheit vernehmt. Laßt uns nun also vom Maß des Weizens selbst sprechen! Von diesem wollen wir, wie Gott es verteilt, uns alle ernähren; von ihm wollen wir die Nahrung zum guten Leben nehmen, damit wir zu der Belohnung des ewigen Lebens gelangen können, indem wir an jenen glauben, auf jenen hoffen, jenen vor allem und in allem lieben, der sich selbst uns als Speise gibt, damit wir nicht ermatten auf dem Weg, und sich als Lohn aufbewahrt, damit wir uns freuen im Vaterland! Christus ist nämlich unsere Speise, Christus wird unser Lohn sein; Christus ist Speise und Trost der Wanderer auf dem Weg, er ist Sättigung und Freude der Heiligen in der Ruhe. Auf das Maß des Weizens bezieht sich also das Wort des Herrn: „Verkauft eure Habe und gebt Almosen! Verschafft euch Beutel, die nicht altern, einen Schatz im Himmel, der nicht zu Ende geht, wo kein Dieb daran kommt, und den keine Motte verzehrt!“ Ein hohes Gut also ist es, teuerste Brüder, von großer Würde und hohem Nutzen und ein erstrebenswertes Ziel für alle Christen, daß keiner seine Freude darin sucht, durch Ermatten des Eifers sich zum Schlechteren zu wenden, sondern wir alle danach trachten, Fortschritte zum Guten hin zu machen.

Brüder, wir sind Bäume auf dem Ackerfeld des Herrn. Gott aber ist der Landmann. Er läßt Regen fallen auf uns, er bebaut, er gibt die Fruchtbarkeit, er schenkt die Gnade, Früchte zu bringen. Der Regen Gottes ist das Wort der heiligen Predigt, die Pflanzung Gottes ist das Eingießen der geistlichen Gnade. Gott spendet uns also Regen durch sein Gebot und Pflege durch seine Hilfe. Wenn er Regen spendet, nimmt er die Trockenheit der Unwissenheit von uns; wenn er bebaut, schenkt er uns die Fülle des guten Lebens; wenn er Regen spendet, bewässert er das Erdreich unserer Seele, wenn er bebaut, rottet er aus diesem Erdreich die Dornen und Disteln irdischer Begierden aus. Wir müssen also befruchtet werden durch himmlischen Regen, wir müssen durch entsprechenden Ertrag die Mühe des himmlischen Landmanns vergelten! Und wenn auch nicht alle Bäume gleiche Früchte hervorbringen können, darf doch keiner unfruchtbar bleiben auf dem Acker des Herrn.

Wir müssen, liebe Brüder, in großer Furcht sein vor jener Drohung; „Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen werden.“ Wenn Unfruchtbarkeit ins Feuer geworfen wird, welche Strafe verdient dann die Habgier? Oder welchen Lohn wird der empfangen, der fremdes Gut weggenommen, wenn derjenige ewig brennen wird, der von seinem eigenen Gut nichts gegeben hat? Und wenn ein erbarmungsloses Gericht über denjenigen ergeht, der keine Barmherzigkeit geübt hat, welch strenges Gericht wird den erwarten, der sogar fremdes Gut geraubt hat? Haben wir also Furcht, liebe Brüder, haben wir Furcht für unsere Werke! Wer Christus gehorchen will, verkaufe sein Besitztum und gebe Almosen, um sein Herz von der Erde zum Himmel zu erheben, um die Habgier mit Füßen zu treten, um mit ganzer Kraft der Seele zum Gipfel der Vollkommenheit zu eilen und nicht besorgt zu sein für das, was der Welt, sondern was Gott gehört, um die Welt für sich zu kreuzigen und sich der Welt, um bettelarm in der Welt und reich in Christus zu sein. Wem wäre die Größe dieses Gutes unbekannt?

Wir sehen aber, daß nicht alle die Tugendkraft besitzen, ihre Habe zu verkaufen. „Denn ein jeder hat seine besondere Gabe von Gott, der eine so, der andere anders.“ Seht, dieses hohe Gut können nur wenige erreichen, viele können es nicht. Sollen nun, weil nur wenigen diese Vollkommenheit geschenkt wird, diejenigen schlecht sein, die im Guten noch nicht vollendet sein können? Muß ein Christ darum dem Laster des Raubes frönen, weil er vielleicht noch nicht all seine Habe den Armen verteilen kann? Oder muß er darum nach fremdem Gut trachten, weil er sein eigenes noch nicht vollständig zu verachten imstande ist? Diese Sünde, ihr Brüder, sei ferne von allen Christen! Möge Gott sie von seinen Gläubigen abwenden! Der Apostel spricht der Wahrheit gemäß: „Weder Geizige noch Räuber werden das Reich Gottes besitzen.“ Es ist aber offenbar, daß alle, die dem Reiche Gottes sich entfremden, im ewigen Feuer mit dem Teufel und seinen Engeln der Verurteilung anheimfallen werden.

Wenn daher, geliebteste Brüder, nicht alle den Befehl des Herrn erfüllen können: „Verkauft also, was ihr besitzt,“ so ist doch allen die Erfüllung des Wortes möglich, das er beigefügt: „Gebet Almosen“, sofern der gute Wille vorhanden ist! Sie ist allen leicht, wenn sie nicht von unheilvoller Begierlichkeit beherrscht werden; sie ist allen heilsam, wenn das Feuer der Liebe in ihnen brennt; sie muß also allen gemeinsam sein, damit allen das ewige Glück geschenkt wird. Wer also von Gott so große Tugendkraft erhält, daß er alles Irdische aus Liebe zum himmlischen Reich für gering achtet, verkaufe sein Besitztum und schenke es den Armen! Wer aber diese Höhe der Tugend noch nicht erklommen hat, soll von seinem Besitztum nach Möglichkeit Almosen spenden. Sein guter Wille soll soviel wirken, als das Vermögen ausreicht. Der Vollkommene nehme den Ehrenplatz der Tugend ein, der Unvollkommene gelange wenigstens auf den zweiten Platz. Jener zeige sich in glorwürdiger Weise der ihm verliehenen Gnade würdig, dieser sei in lobenswürdiger Weise freigebig. Jener beweise sich als glühenden Liebhaber der heiligen Armut, dieser als milden Tröster der heiligen Armen. Dieser habe die Armen bei Gott als Fürsprecher, die jener als Teilhaber der Tugend zu besitzen sich rühmt. Dieser gehöre zu denen, die sich mit dem Herrn zum Gerichte niederlassen werden, jener zu denjenigen, die beim Gericht zur Rechten stehen! Jener ergreife mit Recht Besitz von den ewigen Gezeiten, dieser gehöre zu denen, die jener aufnimmt! Der Herr mahnt uns ja mit den Worten: „Machet euch Freunde von dem ungerechten Mammon, die euch in die ewigen Zelte aufnehmen!“

Dieses also, Brüder, tut uns allen not, damit keiner lässig sei in guten Werken, keiner unfruchtbar, keiner aus Liebe zum Gegenwärtigen das Zukünftige mißachte, keiner aus Verachtung des Ewigen in verkehrtem Sinn nur auf das Zeitliche schaue, keiner das Körperliche dem Geistigen, keiner das Irdische dem Himmlischen vorziehe. Laßt uns, Brüder, unseren Schatz im Himmel hinterlegen, damit wir auch unser Herz im Himmel haben! Denn es muß ja, wohin der Schatz, dem unsere Liebe gilt, voranging, dorthin auch die Sehnsucht unserer Herzen nachfolgen. Darum sagt die ewige Wahrheit: „Wo nämlich euer Schatz ist, dort wird auch euer Herz sein.“ Laßt uns also, um uns Schätze im Himmel zu sammeln, das Himmlische lieben! Willst du wissen, wo du dir Schätze sammelst? Achte darauf, was du liebst! Willst du wissen, was du liebst? Achte, woran du denkst! So wirst du imstande sein, an deiner Liebe deinen Schatz zu erkennen und deine Liebe nach deinen Gedanken zu beurteilen. Wie wir uns aber Schätze im Himmel erwerben können, zeigt uns der Herr mit den Worten: „Eure Lenden seien umgürtet und eure Leuchten brennend!“

Wenn wir dieses Wort des Herrn in buchstäblichem Sinn verstehen wollen, können wir in ihm nichts zu unserem geistlichen Vorteil entdecken. Was nützt es nämlich für das Heil der Seele, wenn jemand in sinnfälliger Weise die Lenden umgürtet oder eine Lampe anzündet? In dem Wort von den umgürteten Lenden und brennenden Lampen muß also ein anderer, geistiger Sinn zu suchen sein, der eines göttlichen Gebotes würdig ist und für unser Seelenheil angemessen und vorteilhaft erfunden wird. Denn nicht ohne Grund spricht der Herr an irgendeiner Stelle: „Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und Leben.“ Durch die Lenden also wird die fleischliche Begierde, durch die Lampen der christliche Glaube und die christliche Liebe angezeigt. Mit dem Befehl, die Lenden zu umgürten, gebietet uns der Herr ohne Zweifel, die Begierden des Fleisches zu zähmen; mit dem weiteren Befehl aber, brennende Lampen zu tragen, stellt er gewiß das Gebot auf, daß wir im Licht des wahren Glaubens erstrahlen und von den Werken heiliger Liebe erglühen sollen. Mit dem Gebot, die Lenden zu umgürten, befiehlt er uns, die bösen Begierden und Werke zu fliehen; mit der Aufforderung, daß unsere Lampen brennen sollen, mahnt er uns, das Gute zu lieben und zu tun.

Laßt uns die Stellen, die wir aus dem Evangelium angeführt haben, mit den Worten der Propheten vergleichen! Beide Testamente nämlich hat ein und derselbe Gott eingesetzt, beide hat ein und derselbe Herr gegeben; und wenn auch je nach den Zeiten die Gnadenmittel beider Testamente verschieden sind, so stimmt doch in beiden der Grundsatz des menschlichen Heiles überein, durch den uns befohlen wird, die Sünde zu meiden und uns auf gute Werke zu verlegen. Darum befiehlt der Herr durch den seligen David: „Laß ab vom Bösen, tue Gutes!“ Ebenso läßt er durch den Propheten Isaias an alle die Mahnung ergehen: „Entfernt aus meinen Augen die Bosheit eurer Taten; höret auf, böse zu handeln, lernt, Gutes zu tun!“ Diesen Befehl also erteilt uns nunmehr der Herr von sich aus, den er uns auch durch die heiligen Patriarchen und Propheten gegeben hat. Denn was bedeutet das Wort: „Eure Lenden seien umgürtet“ anders als: „Laßt ab vom Bösen?“ Was bedeutet das Gebot: „Eure Lampen sollen brennen“ anders als: „Tut das Gute?“ Was bedeutet der Auftrag: „Eure Lenden seien umgürtet“ anders als: „Höret auf, böse zu handeln!“ und das Gebot: „Eure Lampen sollen brennen!“ denn anders als: „Lernet das Gute zu tun?“

Die Lenden der Gläubigen werden also umgürtet, wenn die böse Begierlichkeit gezügelt und die schlechte Gesinnung unterdrückt wird, wenn der Geist sich der unreinen Lust widersetzt, wenn die Neigung zur Sinnlichkeit ertötet, die Vergnügungssucht bekämpft, die Habsucht und Raubgier verachtet, die Verletzung der Nächstenliebe gemieden, der Hochmut gebeugt und der Neid überwunden wird. Die Lampen der Gläubigen brennen, wenn sie die Regel des wahren Glaubens befolgen, mit Standhaftigkeit im Schoß ihrer Mutter, der Kirche, verharren, das Irdische gering schätzen und nach dem Himmlischen trachten, sorgfältig den Frieden bewahren, sich gegenseitig mit reiner Liebe lieben, sich mit gegenseitiger Ehre zuvorkommen, in Sanftmut und Demut des Herzens voranschreiten, willig und freudig die Werke der Barmherzigkeit üben und bei ihren guten Werken nicht auf den Beifall der Menschen, sondern auf das Wohlgefallen Gottes schauen.

Ein jeder Christ also habe die Lenden umgürtet, um vor der Sinnlichkeit zu fliehen! Er trage die brennende Lampe, um die Reinheit zu bewahren! Er habe die Lenden umgürtet, um fremdes Eigentum nicht zu rauben noch zu stehlen! Er trage die brennende Lampe, um mit seinem Eigentum Barmherzigkeit zu üben! Er habe die Lenden umgürtet, um einen Schwächeren nicht zu unterdrücken! Er trage die brennende Lampe, um dem unter dem Schein der Gerechtigkeit Unterdrückten die Hilfe gerechter Verteidigung zu leisten! Er habe die Lenden umgürtet, um dem Besitzenden die Nahrung nicht wegzunehmen! Er trage die brennende Lampe, um dem Hungernden Speise zu geben! Er habe die Lenden umgürtet, um den Bekleideten nicht zu berauben! Er trage die brennende Lampe, um den Nackten zu bekleiden! Er habe die Lenden umgürtet, um in niemandes Haus einzudringen! Er trage die brennende Lampe, um die Fremdlinge Christi freundlich aufzunehmen! Er habe die Lenden umgürtet, um die Überhebung zu fliehen! Er trage die brennende Lampe, um die Demut zu bewahren! Er habe die Lenden umgürtet, um Neid und Mißgunst aus seinem Innern zu vertreiben! Er trage die brennende Lampe, um allen lautere Liebe zu erweisen! Er habe die Lenden umgürtet, damit er seine Glieder nicht als Werkzeuge der Ungerechtigkeit der Sünde darbringe. Er trage die brennende Lampe, damit er seine Glieder als Werkzeuge der Gerechtigkeit Gott darbiete.

Dieses, Brüder, ist die wahre und rechte Lehre des katholischen Glaubens. Dies ist das Maß des Weizens, mit dem die Familie unseres Herrn und Erlösers ernährt werden soll. Aus ihm spenden wir euch, soweit der Herr es verliehen hat; ihn, den Herrn, bitten wir ohne Unterlaß, er möge sich würdigen, uns und euch in seiner Furcht mit Hilfe seiner Gnade zu weiden. Er möge von uns wegnehmen die Herrschaft der bösen Begierde und uns allen Fortschritt und Standhaftigkeit in der Liebe verleihen! Er selbst möge unsere Lenden umgürten, unsere Lampen entzünden und ihr Licht erhalten, damit weder unsere Liebe erkaltet noch irgendeine Ungerechtigkeit über uns Herrschaft gewinnt. Sondern unser Herr und Erlöser verleihe allen Gnade und gieße allen insgesamt das Geschenk seiner heiligen Erleuchtung und Tugend ein! Er schenke uns, in rechter Weise zu erkennen, und, wie es sich ziemt, zu erfüllen, was wir von ihm hören, und es euch als sittliche Pflicht mit gebührenden und passenden Worten zu predigen! Euch aber schenke er die Gnade, was ihr von ihm durch den Mund seiner Knechte vernehmt, mit dem Herzen zu verstehen und in der Tat zu vollenden! Dies also wirke die göttliche Barmherzigkeit in uns allen, daß er uns, die er zu seinen Verwaltern bestellen wollte, Treue und Klugheit schenke, euch aber Gehorsam und Demut, damit wir das Maß des Weizens vom Herrn, das wir euch geben, gemeinsam mit euch zum Heil und Nutzen besitzen!

2. Die zweifache Geburt Christi, die ewige aus dem Vater und die zeitliche aus der Jungfrau

Wenn wir etwas über die Feier des heutigen Tages sagen und zugleich jenes eine Wort betrachten, von dem wir sprechen wollen, so finden wir keine Worte, die ausreichend wären, den Gegenstand unserer Predigt zu erschöpfen. Denn dieses ist das Wort, das nicht aufhört, hervorgebracht, sondern das fortdauert, geboren zu sein; es ist nicht vergänglich, sondern ewig; nicht geschaffen vom Vater, sondern geboren, und nicht nur geboren, sondern auch eingeboren. Ein einziges Wort nämlich hat der Vater aus sich selbst gezeugt, durch das er alles aus dem Nichts erschaffen hat. Denn: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch es gemacht worden, und ohne es ist nichts gemacht worden.“ Dadurch aber, daß Gott Vater durch dieses Wort alles erschaffen hat, ist bewiesen, daß er dieses Wort gezeugt, nicht erschaffen hat. Jenes Wort ist also Gott von Gott, Schöpfer vom Schöpfer. Daher besitzt es von Natur dasselbe Sein, welches der Vater besitzt.

Gott Sohn ist also gezeugt von Gott dem Vater als der andere in der Person, nicht als ein anderer in der Natur; er ist immer bei dem Vater, immer mit dem Vater, immer von dem Vater, immer in dem Vater. Immer bei dem Vater, mit dem er die eine wesenhafte Unendlichkeit gemeinsam hat; immer mit dem Vater, mit dem er die eine wesenhafte Ewigkeit besitzt; immer von dem Vater, von dem er von Natur aus die ewige Geburt hat; immer in dem Vater, mit dem er ein und dieselbe wesenhafte und wesensgleiche Gottheit besitzt. Ein anderer ist ferner der Vater, ein anderer der Sohn; keiner der beiden aber ist ein anderer Gott; denn Vater und Sohn sind ein Gott. Wenn daher die Rede ist von Gott Vater und Gott Sohn, ist es würdig zu sagen, der Vater sei ein anderer, und der Sohn sei ein anderer; und trotzdem ist es auch würdig, zu sagen, Vater und Sohn seien ein Gott. Wenn wir nämlich behaupten, der Vater sei ein anderer als der Sohn, weisen wir hin auf den Unterschied der Person des Vaters und Sohnes; wenn wir aber den Vater und Sohn als einen Gott bezeichnen, weisen wir hin auf die eine Natur der ungeteilten Gottheit. Eine andere nämlich ist die Person des Erzeugers und des Erzeugten, aber die Natur des Erzeugers und des Erzeugten ist ein und dieselbe.

Wie also wird imstande sein, mit hinreichenden und würdigen Worten zu sprechen: Wer? Von wem? — Ein Mensch von Gott, ein Sterblicher vom Unsterblichen, ein Sichtbarer vom Unsichtbaren, ein Vergänglicher vom Unvergänglichen, das Werk vom Künstler, die Kreatur vom Schöpfer, das Gebilde vom Bildner, der Kleine vom Unermeßlichen, der Zeitliche vom Ewigen, der Niedere vom Höchsten, das Staubgebilde von dem, der alles aus dem Nichts erschaffen hat. Denn unsagbar ist seine Allmacht, durch die er uns mit unverdienter Güte erschaffen; und nicht weniger unsagbar die Gnade, durchweiche er uns mit allmächtiger Erbarmung gerettet hat. Er, der das Gebilde der schaffenden Allmacht ohne dessen Verdienst erschaffen, hat auch das Gebilde der rettenden Gnade in seiner Allmacht mit Gnade erfüllt. Durch jene besitzt er die Macht, die Kreatur zu erschaffen und zu lenken, durch diese die Macht, seine Seele für uns hinzugeben und zu nehmen. Unter Allmacht verstehen wir die, durch welche das Wort, das im Anfang war und bei Gott war und Gott selbst war, alles erschaffen hat, was nicht war; unter Gnade aber die, durch welche das fleischgewordene Wort gekommen ist, um zu suchen und selig zu machen, was verloren war; unter Allmacht die, durch welche er jegliche Zeit gebildet hat; unter Gnade die, durch welche er zu bestimmter Zeit empfangen und geboren zu werden sich gewürdigt hat.

Derselbe also, der nur wenig erniedrigt ward unter die Engel, ward an einem bestimmten Tag der Tag der Menschen, der, von gleicher Ewigkeit und gleichem Wesen wie Gott Vater, stets der Tag der heiligen Engel ist. Von ihm sagt nämlich der Prophet: „Kündet wohl Tag vom Tag, sein Heil!“ Was bedeutet denn: „Tag vom Tag“ anders als: „Sohn vom Vater“? Er ist also Sohn vom Vater, Tag vom Tag; aber doch sind Vater und Sohn nicht zwei Tage, sondern ein Tag. Er ist Sohn vom Vater, Gott von Gott; aber doch sind Vater und Sohn nicht zwei Götter, sondern ein Gott. Als Tag der Ewigkeit also werden Vater und Sohn zugleich von uns erkannt, im zeitlichen Tag aber wird nur der Sohn erfunden. Als ewiger Tag nämlich hat Vater und Sohn unseren Leib und unsere Seele erschaffen, im zeitlichen Tag aber hat nur der Sohn unseren Leib und unsere Seele angenommen. Als ewiger Tag bleibt Christus, der Eingeborene, in der Gottesgestalt, im zeitlichen Tag nahm Christus, der Eingeborene, Knechtsgestalt an. Als ewiger Tag bleibt Christus reich, um uns zu erschaffen; im zeitlichen Tag ward Christus arm, um uns loszukaufen. Als ewiger Tag ist Christus Gott von Gott Vater, im zeitlichen Tag ward Christus Gottmensch von der jungfräulichen Mutter. Als ewiger Tag ist Christus das aus dem Herzen des Vaters „aufwallende Wort“, im zeitlichen Tag ist Christus fleischgewordenes Wort aus dem Schoß der jungfräulichen Mutter. Als ewiger Tag ist Christus wahrer Gott vom wahren Gott, im zeitlichen Tag ging Christus als Bräutigam hervor aus seinem Brautgemach. Als Tag der Ewigkeit erschafft Christus die Engel, als Tag in der Zeit rettet Christus die Menschen. Als Tag der Ewigkeit weidet Christus im Himmel die heiligen Engel, als Tag in der Zeit erquickt Christus die Menschen auf Erden. Denn damit der Mensch das Engelsbrot esse, wurde der Schöpfer der Engel Mensch, indem er beide nährt und selbst unversehrt bleibt. Welch ein edles Brot, das die Engel nährt durch das Anschauen, damit sie durch es gesättigt werden im Vaterland, und uns nährt durch den Glauben, damit wir nicht verschmachten auf dem Weg! Jenes Brot, das sich selbst den Engeln schenkt zur Freude der Stetigkeit, hat sich den Menschen geschenkt zum Mittel der Gesundung; die Speise der Engel ward uns zum Heilmittel.

Hier nun, geliebteste Christen, habet acht auf die Größe der Gnade und erkennt, was Gott den Menschen zuzuteilen sich gewürdigt hat! Christus nämlich, der Sohn Gottes, wahrer Gott vom wahren Gott, und von Natur aus ein Gott mit dem Vater, nährt immerdar aus sich selbst die heiligen Engel; die Engelsnatur aber hat der Gottessohn nicht angenommen. Damit aber Gott seine Liebe an uns beweise, hat sein Sohn unsere Natur aus uns angenommen; und der eingeborene Gott, die Speise der Engel, hat eine menschliche Seele und einen menschlichen Leib angenommen, um sich auch zum Brot der Menschen zu machen. Beide hat er angenommen in Wahrheit, beide in Heiligkeit, beide in Reinheit; unsere Seele hat er angenommen ohne Sünde, unser Fleisch mit seiner Sterblichkeit; unsere Seele hat er angenommen in Gerechtigkeit, um durch sie unseren Seelen die Gerechtigkeit zurückzugeben; unser Fleisch aber würdigte er sich deswegen in seiner Sterblichkeit anzunehmen, um durch den Tod in ihm den Tod zu besiegen und in ihm auch wieder aufzustehen, in dem er auch unsere Leiber wieder auferwecken wird.

Ein großes Geheimnis, geliebteste Brüder, ein großer Beweis der Liebe Gottes! In seiner Verachtung gegen Gott hat der Mensch sich von Gott entfernt, aus Liebe zum Menschen ist Gott zu den Menschen gekommen. Er liebte den Ungerechten, um ihn gerecht zu machen; er liebte den Kranken, um ihn gesund zu machen; er liebte den Verkehrten, um ihn recht zu machen; er liebte den Toten, um ihm das Leben zu schenken. Und was soll ich noch weiter sagen? Ja, so sehr hat der eingeborene Gott die Menschennatur geliebt, daß er sie nicht nur aus der Gewalt des bösen Engels befreite, sondern sie sogar in sich selbst über alle guten Engel hinaus zur Rechten des Vaters Platz nehmen ließ. Denn die Natur, die durch den ersten Menschen in die Gefangenschaft des bösen Engels geraten war, herrscht nun, über alle guten Engel erhoben, im zweiten Menschen. Die Natur, die im ersten Menschen die Erde mit der Sünde befleckt hat, hat im zweiten Menschen die Erde von der Sünde gereinigt. „Der erste Mensch von der Erde ist irdisch, der zweite Mensch vom Himmel himmlisch.“ Den ersten Menschen hat das Weib durch ihren verderbten Sinn getäuscht, den zweiten Menschen hat die Jungfrau in ihrer unverderbten Reinheit empfangen. Beim Weib des ersten Menschen hat die Bosheit des Teufels den verführten Sinn zum Schlechten gewandt, bei der Mutter des zweiten-Menschen aber hat die Gnade Gottes den Sinn und Körper unverletzt bewahrt; dem Geist hat sie felsenfesten Glauben verliehen, vom Leib alle sinnliche Lust ferngehalten. Weil also der Mensch in kläglicher Weise verurteilt wurde zur Strafe für seine Sünden, darum ist auf wunderbare Weise der Gottmensch ohne Sünde geboren worden.

Achtet, Brüder, auf die Linien der heilenden Gnade, die uns durch die göttliche Güte gezeigt worden sind! Damals nahte sich der böse Engel Eva, damit durch sie der Mensch, den Gott erschaffen hatte, von Gott getrennt würde; nunmehr aber kam zu Maria der gute Engel, damit in ihr der eingeborene Gott mit der menschlichen Natur vereinigt würde. Zu Eva kam der Satan, um uns in seiner Bosheit das Leben zu rauben; zu Maria kam Gabriel, um die Rückgabe des Lebens an die Menschen zu verkündigen. Durch die Schuld des ersten Menschen begann der Teufel über den Menschen zu herrschen, durch die Gnade des zweiten Menschen begann er vom Menschen überwunden zu werden; über den ersten war er ein stolzer Gebieter, unter dem zweiten ein Gefangener, Durch jenen hielt er uns in Knechtschaft, durch diesen mußte er uns in die Freiheit entlassen. Der erste Adam war der Urheber der Schuld, der letzte Adam der Urheber der Gnade. Jener brachte, da er aus Erde gebildet war, irdische Kinder hervor, dieser, da er vom Heiligen Geist geboren war, hat uns zu himmlischen gemacht. Durch jenen haben wir die frühere Gnade verloren, durch diesen noch reichere Gnade zurückerhalten. Jener hat uns die Makel der Sünde aufgedrückt, mit der wir geboren wurden zur Strafe; dieser hat uns die Gnade der Rechtfertigung verliehen, damit wir wiedergeboren würden zur Herrschaft. Durch jenen hat uns die fleischliche Zeugung zu Kindern der Welt gemacht, durch diesen hat uns die geistige Zeugung zu Gottessöhnen erhoben. Jener hat uns den Lastern Untertan gemacht, dieser uns mit Tugenden bekränzt. Jener hat uns durch Laster dorthin geschleudert, wohin er zuerst gestürzt ist; dieser erhebt uns durch Tugenden an den Ort, zu dem er als erster aufgestiegen ist. Jener ist nämlich als erster in die Hölle gestürzt, dieser hingegen ist als erster in den Himmel aufgestiegen.

Es ist jedoch würdig, Brüder, daß ihr am Tag der Geburt des Herrn auch feierlich die Botschaft vernehmt vom Tag seiner Auferstehung. Denn wie der eingeborene Gott sich würdigte, für uns geboren zu werden, so ließ er sich auch herab, für uns im Fleisch zu sterben und wieder auf erweckt zu werden. Dies ist ja der Tag der Heimsuchung, jener der Tag der Erlösung. Das Werk der Gnade nämlich, durch welches uns der eingeborene Gott gerettet hat, hat er bei seiner Empfängnis im Mutterschoß begonnen; dieses Werk der Gnade hat er nach seiner Auferweckung aus dem Grab vollendet. Durch die Empfängnis im Mutterschoß wurde er teilhaftig unseres Todes; durch die Auferstehung aus dem Grab hat er uns teilhaftig gemacht seines Lebens. Nun also wollen wir alle den Herrn bitten, daß er, wie er an diesem Tag seinem Volk Freude verleiht, er auch alle in Freude und Frieden zu jenem Tag geleite und sein Volk im Glauben und in der Liebe behüte. Amen.

Der heilige Erzmartyrer Stephanus und die Bekehrung des heiligen Paulus

Gestern haben wir die zeitliche Geburt unseres ewigen Königs gefeiert; heute feiern wir das glorreiche Leiden seines Streiters, Gestern nämlich schritt unser König, mit dem Prachtgewand des Fleisches bekleidet, aus der Königshalle des jungfräulichen Schoßes hervor und würdigte sich, die Welt heimzusuchen; heute zog sein Streiter aus dem Kriegszelt des Fleisches als Trium-phator in den Himmel. Jener betrat, ohne die Majestät der ewigen Gottheit abzulegen, im Knechtsgewand des Fleisches zum Kampf das Schlachtfeld dieser Welt, dieser stieg unter Ablegung der vergänglichen Kleider seines Leibes zu ewiger Herrschaft empor zum himmlischen Hof. Jener stieg herab in der Hülle des Fleisches, dieser stieg empor im Siegeskranz des Blutes. Dieser stieg empor unter den Steinwürfen der Juden, weil jener herabstieg zur Freude der Engel. „Ehre sei Gott in der Höhe!“ sangen gestern die heiligen Engel in frohem Jubelgesang; heute nahmen sie voll Freude Stephanus in ihre Gemeinschaft auf. Gestern trat der Herr hervor aus dem Schoß der Jungfrau; heute verließ der Knecht den Kerker des Fleisches. Gestern ward Christus für uns in Windel gehüllt; heute wurde Stephanus von ihm mit dem Gewand der Unsterblichkeit bekleidet. Gestern trug die enge Krippe das Christkind; heute nahm der weite Himmel den triumphgekrönten Stephanus auf. Allein stieg der Herr herab, um viele zu erhöhen; erniedrigt hat sich unser König, um seine Streiter zu erhöhen. Denn der den Schoß der Jungfrau für seinen Leib bereitet hat, hat sich gewürdigt, seinem Märtyrer den Himmel zu öffnen. Christus der Herr hat sich nicht gescheut, den engen Mutterschoß zu betreten, damit der weite Himmel die Seele des Stephanus aufnehme.

Wir müssen, teuerste Brüder, die Waffen kennen lernen, mit denen umgürtet Stephanus die Wut der Juden überwand und sich einen so herrlichen Triumph erwarb. Denn eine so große Tapferkeit und ein so herrlicher Triumph dürfen nicht gering geachtet werden. Das waren keine schwachen Waffen, unter deren Schutz jener selbst von einer großen Menge nicht besiegt werden konnte. Denn an ihm leuchtet hervor das Kennzeichen unbesiegbaren Mannesmutes, da er weder vor der Wut einer rasenden Menge erzitterte noch sich unter dem Steinhagel beugte. Denn inmitten des rasenden Tobens blieb er so unverzagt und inmitten der qualvollen Steinigung so heiteren Gemütes, daß er den Unglauben der Juden mit Zuversicht tadelte und in seiner Herzensgüte für seine Steiniger betete. Welches also sind die starken und unüberwindlichen Waffen, unter deren Schutz er furchtlos seine rasenden Feinde angriff, indem er die Steiniger nicht durch Wiedervergeltung, sondern durch Geduld besiegte und obendrein nach seinem Tod lebend und im Siegeskranz in die königliche Halle des himmlischen Reiches einzog? Kein Zweifel, er war rings umgeben vom Schutz des Königs, so daß er von seinen Gegnern nicht überwunden werden konnte; denn unser König, obwohl der Allerhöchste, kam für uns zwar in Demut, aber nicht mit leeren Händen. Denn ein reiches Geschenk1 brachte er seinen Streitern mit, durch das er sie nicht nur reich beschenkt, sondern auch mit unbesiegbarem Kampfesmut gestärkt hat. Er brachte nämlich das Geschenk der Liebe, durch das er die Menschen zur Gemeinschaft mit der Gottheit führen wollte. Was er also gebracht hat, hat er auch ausgeteilt; aber er hat sich in keiner Weise entblößt, sondern in wunderbarer Weise die Armut seiner Streiter bereichert und selbst die Fülle unermeßlicher Schätze behalten.

Die Liebe also, die Christus vom Himmel auf die Erde herabgeführt, hat Stephanus von der Erde zum Himmel erhoben. Die Liebe, die im König vorangegangen war, folgte strahlend in seinem Streiter. O die an allen Orten bewundernswerte Macht des Heilandes! O die ohne Unterlaß gepriesene Gnade des Erlösers! Er zeigte an der Mutter das Wunder immerwährender Jungfräulichkeit, an dem Märtyrer den Beweis unüberwindlicher Liebe. Denn in der Jungfrau verblieb die unversehrte Reinheit, im Märtyrer die unbesiegte Tugend der Liebe. Und wie bei der Mutter des Herrn die Jungfräulichkeit nicht verletzt wurde, so ward in der Gesinnung des Märtyrers die Liebe zu Christus nicht überwunden durch eine so große Schar wütender Feinde. Stephanus also gebrauchte, damit er die in seinem Namen vorbedeutete Krone zu erhalten verdiente, die Liebe als Waffe, und durch sie war er an allen Orten siegreich. Durch die Liebe Gottes wich er nicht vor den tobenden Juden, durch die Nächstenliebe trat er im Gebet ein für die Steiniger. Aus Liebe tadelte er die Irrenden, damit sie gebessert, aus Liebe betete er für die Steiniger, damit sie nicht bestraft würden. In der Kraft der Liebe besiegte er die grausame Wut des Saulus und erwarb sich das Verdienst, den Verfolger auf Erden als Mitgenossen im Himmel zu besitzen. Seine heilige, unermüdliche Liebe sehnte sich danach, durch Gebet diejenigen zu gewinnen, die seine Ermahnungen nicht zu bekehren vermochten. Denn man darf nicht glauben, Brüder, daß Stephanus erst dann seine Feinde geliebt hat, als er für sie betete, und sie nicht geliebt habe, als er ihren Irrglauben widerlegte und schalt. Fern sei ein solcher Vorwurf der Seele des zum himmlischen Hof eilenden Märtyrers! Denn dieselbe heilige Liebe bewahrte beim Gebet unerschütterliche Geduld, die bei der Zurechtweisung den harten Tadel aufrecht erhielt. Und darum verdiente seine Milde im Gebet Erhörung, weil seine Strenge in der Zurechtweisung der Liebe nicht entbehrte; und dadurch bewahrte der heilige Stephanus, sei es im Gebet, sei es bei der Zurechtweisung, die Liebe, weil er überall an das Seelenheil der Irrenden dachte und durch den Beweis seines heiligen Gebetes zeigte, daß jenes Schelten nicht aus Haß, sondern aus der Liebe hervorgegangen war.

Durch dieses Verhalten hat der selige Märtyrer den Zeugen seines Leidens Liebe erwiesen und der Nachwelt ein außerordentlich nützliches Beispiel hinterlassen« Er hat nämlich den zweifachen Eifer eines kirchlichen Verwalters gezeigt: daß nämlich bei der Zurechtweisung des Irrtums eines Sünders der mündliche Tadel nicht fehlt und zugleich für ihn ein Bittgebet zu Gott emporgeschickt wird, damit der Übeltäter durch den Tadel wegen seiner bösen Werke beschämt und durch das Gebet bei Gott unterstützt wird. So soll die Liebe im Munde das Wort der Gerechtigkeit vernehmen lassen, um den Irrenden zu bessern, und im Herzen Geduld bewahren, um in der Gesinnung reiner Liebe für den Irrenden zu beten. Denn wer einen Irrenden nicht zurechtweist, wird gerichtet wegen seiner Nachlässigkeit; wer aber nicht für ihn betet, wird verdammt wegen seines Untergangs. Wenn daher, geliebteste Brüder, jemand zum Heil seiner Seele angegriffen wird, soll er die Mahnworte der Liebe nicht zurückweisen noch auf die augenblickliche Betrübnis seines Willens achten, sondern in Erwägung ziehen, welchen Gewinn er zu seinem Vorteil erwerben kann. Er wird ja deswegen zurechtgewiesen, damit er von seinen bösen Taten gebessert wird. Auch soll er nicht glauben, wenn er bei der Zurechtweisung strenge Worte hören muß, daß die Liebe im Herzen erkaltet sei. Denn so ist die Zurechtweisung wachsam im Munde, daß im Herzen das Gebet nicht schläft. Und hierdurch zeigt sich in beiden Fällen die Sorge für den Sünder, daß, wenn der ob seiner Sünde zurechtgewiesene Mensch beschämt wird, er von seinen bösen Werken getrennt und durch das Gebet gerettet wird. Denn auch die Heilige Schrift sagt: „Wen nämlich der Herr liebt, den züchtigt er; er züchtigt aber einen jeden Sohn, den er annimmt.“

Von der Liebe Christi getrieben, ermahnen wir also die Guten, im Guten zu verharren, und bestürmen die Bösen, vom Bösen abzulassen, besonders, da in jenen beiden Heiligen uns ein doppeltes Beispiel des Heiles gezeigt wird, so daß der Gute die standhafte Liebe in Stephanus nachahmen, der Schlechte aber dem Beispiel der Bekehrung bei Paulus nachfolgen soll; der Gute soll seine Gerechtigkeit bis zum Ende festkalten, der Schlechte aber so schnell wie möglich von seiner Bosheit ablassen; den Guten soll das vermessene Vertrauen auf seine Gerechtigkeit nicht zur Leichtfertigkeit, den Schlechten die Erwägung seiner Ungerechtigkeit nicht zur Verzweiflung führen, sondern jener soll starken Sinnes am Guten festhalten, dieser vom Bösen schnell ablassen. Der Gute fürchte sich zu fallen, der Schlechte versuche sich zu erheben. Wer also bös ist mit Paulus, beuge sich im Bösen zur Erde nieder, um mit ihm im Guten sich zu erheben; denn auch jener fiel als Sünder nieder und erhob sich als Heiliger. Niedergeworfen wurde ein Ungerechter, es erhob sich ein Gerechter; nieder fiel ein wütender Verfolger, es erhob sich ein Lehrer der Wahrheit. Beim Niederfallen verlor der Ungerechte das Licht des Leibes, beim Aufstehen erhielt der Gerechtfertigte das Licht des Herzens. Er wurde also mit Stephanus vereinigt, aus einem Wolf ward ein Lamm. Und siehe, nun freut sich Paulus in der Gesellschaft des Stephanus; mit Stephanus genießt er die Klarheit Christi; mit Stephanus jubelt, mit Stephanus herrscht er. An den Ort nämlich, an den Stephanus voranging, getötet von den Steinwürfen Pauli, dorthin folgte Paulus nach, unterstützt durch das Gebet des Stephanus.

Welch ein wahres Leben, meine Brüder, wo Paulus nicht beschämt ist wegen der Hinrichtung des Stephanus, sondern Stephanus sich beglückwünscht zur Gemeinschaft mit Paulus, da die Liebe in beiden sich freut« Die Liebe in Stephanus nämlich hat die Wut der Juden überwunden, die Liebe in Paulus hat eine Menge von Sünden zugedeckt, die Liebe in beiden hat sich in gleichem Maß den Besitz des Himmels erworben. Die Liebe ist also Quell und Ursprung alles Guten, ein vortrefflicher Schutz, der Weg, der zum Himmel führt. Wer in der Liebe wandelt, kann nicht in die Irre gehen noch in Furcht geraten. Sie leitet, sie beschützt, sie führt zum Ziel. Bewahrt also, Brüder, da Christus die Leiter der Liebe aufgestellt hat, damit ein jeder Christ auf ihr zum Himmel emporsteigen kann, mit starkem Sinn die reine Liebe! Erweist sie euch gegenseitig und steigt durch Fortschritt in ihr zu eurem Ziel empor! Übt eifrig gute Werke, damit ihr zur himmlischen Belohnung gelangt, unterstützt durch die Gnade des Erlösers, der lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Von der Liebe Christi getrieben, ermahnen wir also die Guten, im Guten zu verharren, und bestürmen die Bösen, vom Bösen abzulassen, besonders, da in jenen beiden Heiligen uns ein doppeltes Beispiel des Heiles gezeigt wird, so daß der Gute die standhafte Liebe in Stephanus nachahmen, der Schlechte aber dem Beispiel der Bekehrung bei Paulus nachfolgen soll; der Gute soll seine Gerechtigkeit bis zum Ende festkalten, der Schlechte aber so schnell wie möglich von seiner Bosheit ablassen; den Guten soll das vermessene Vertrauen auf seine Gerechtigkeit nicht zur Leichtfertigkeit, den Schlechten die Erwägung seiner Ungerechtigkeit nicht zur Verzweiflung führen, sondern jener soll starken Sinnes am Guten festhalten, dieser vom Bösen schnell ablassen. Der Gute fürchte sich zu fallen, der Schlechte versuche sich zu erheben. Wer also bös ist mit Paulus, beuge sich im Bösen zur Erde nieder, um mit ihm im Guten sich zu erheben; denn auch jener fiel als Sünder nieder und erhob sich als Heiliger. Niedergeworfen wurde ein Ungerechter, es erhob sich ein Gerechter; nieder fiel ein wütender Verfolger, es erhob sich ein Lehrer der Wahrheit. Beim Niederfallen verlor der Ungerechte das Licht des Leibes, beim Aufstehen erhielt der Gerechtfertigte das Licht des Herzens. Er wurde also mit Stephanus vereinigt, aus einem Wolf ward ein Lamm. Und siehe, nun freut sich Paulus in der Gesellschaft des Stephanus; mit Stephanus genießt er die Klarheit Christi; mit Stephanus jubelt, mit Stephanus herrscht er. An den Ort nämlich, an den Stephanus voranging, getötet von den Steinwürfen Pauli, dorthin folgte Paulus nach, unterstützt durch das Gebet des Stephanus.

Welch ein wahres Leben, meine Brüder, wo Paulus nicht beschämt ist wegen der Hinrichtung des Stephanus, sondern Stephanus sich beglückwünscht zur Gemeinschaft mit Paulus, da die Liebe in beiden sich freut« Die Liebe in Stephanus nämlich hat die Wut der Juden überwunden, die Liebe in Paulus hat eine Menge von Sünden zugedeckt, die Liebe in beiden hat sich in gleichem Maß den Besitz des Himmels erworben. Die Liebe ist also Quell und Ursprung alles Guten, ein vortrefflicher Schutz, der Weg, der zum Himmel führt. Wer in der Liebe wandelt, kann nicht in die Irre gehen noch in Furcht geraten. Sie leitet, sie beschützt, sie führt zum Ziel. Bewahrt also, Brüder, da Christus die Leiter der Liebe aufgestellt hat, damit ein jeder Christ auf ihr zum Himmel emporsteigen kann, mit starkem Sinn die reine Liebe! Erweist sie euch gegenseitig und steigt durch Fortschritt in ihr zu eurem Ziel empor! Übt eifrig gute Werke, damit ihr zur himmlischen Belohnung gelangt, unterstützt durch die Gnade des Erlösers, der lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Die Erscheinung des Herrn; die Ermordung der unschuldigen Kinder und die Geschenke der Magier

Ihr wißt, geliebteste Brüder, daß dieser Tag, der von uns zu Ehren des Herrn Jahr für Jahr gefeiert wird, von allen Gläubigen mit frommer Bezeichnung Epiphanie genannt wird. Da dies bekanntlich ein griechisches Wort ist, ist seine Bedeutung vielen Lateinern unbekannt. Daher kommt es, daß alle Lateiner diese Bezeichnung gebrauchen, aber nicht alle wissen, was sie sagen. Es ist daher gut, daß alle, die den heutigen Tag Epiphanie nennen, ohne die Bedeutung dieses Namens zu kennen, durch unsere Auslegung das Geheimnis der Bezeichnung des heutigen Tages kennenlernen. Das Fest dieses Tages soll nämlich von allen Gläubigen gefeiert werden, darum dürfen sie auch nicht im unklaren sein über den Grund des Festes. Dieser Tag heißt also, wie wir bereits gesagt haben, in der christlichen Religion Epiphanie. Epiphanie bedeutet aber Offenbarung. Es ist uns von den Vätern überliefert worden, daß der eingeborene Sohn Gottes, nachdem er dem Fleische nach in der Zeit geboren war, an diesem Tag den Magiern bei ihrer Ankunft geoffenbart und von ihnen unter Darbringung von Geschenken demütig angebetet wurde. Denn da er derselbe Gott ist, der im Alten Testament angeordnet hat, ihm die Erstlinge darzubringen, hat er nach seiner Geburt als Mensch die Erstlinge der Völker zu seiner Verehrung bestimmt. Die Autorität des Apostels bezeugt es, daß „es ein Gott ist, der die Beschneidung rechtfertigt aus dem Glauben und die Vorhaut durch den Glauben“; unter Beschneidung meint er ohne Zweifel die Juden, unter Vorhaut die Heiden.

Dies sind die beiden Wände, die aus verschiedenen Himmelsrichtungen kamen und in der Einheit des Glaubens auf den Stein stießen, der zum Eckstein geworden ist. Die eine Wand kam aus dem Judenlande, die andere von den Heiden. Sie waren weit voneinander entfernt, da sie ja verschiedenen Glaubens waren; in ihre Mitte ward gelegt der Eckstein, der die beiden Wände zusammenführen und beide mit demselben Namen benennen sollte, so daß die durch die gemeinsame Bezeichnung verbunden wären, die eins werden sollten durch die eine Gnade des Sakramentes. Durch Christus nämlich, der unser Friede ist, der „die beiden Teile vereinigt“, wurden Juden und Heiden zu einer Einheit verbunden, denen die Einheit des Glaubens die eine gemeinsame Bezeichnung: „Christen“ beigelegt hat. Beide Wände sind also! zum Eckstein gekommen, und die Einheit des Glaubens hat ihn zum Eckstein gemacht. Von den beiden Wänden wurde die eine herbeigeführt, als ein Engel den jüdischen Hirten die Geburt Christi verkündigte, die andere, als ein neues Gestirn den Weisen sich zeigte.

Jene waren die Erstlinge der Juden, diese wurden die Erstlinge der Heiden; jene wurden aus der Nähe herbeigeführt, diese aus der Ferne zurückgeführt. Nahe waren nämlich die Juden, die Gott verehrten, fern die Heiden, die den Götzen dienten. Dies zeigten die Hirten an, die bei Christi Geburt in der Nähe sich befanden, und die Magier, die aus fernen Erdteilen herbeigeführt wurden. Bei ihrer Ankunft aber bekannten sie, obgleich sie keine Juden waren, daß sie den König der Juden suchten und sagten, sie seien gekommen, um ihn anzubeten. Der Evangelist erzählt nämlich: „Es kamen Magier aus dem Morgenland nach Jerusalem und sagten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben nämlich seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, um ihn anzubeten.“ Was hat das zu bedeuten, geliebte Brüder, daß diese Magier den König der Juden suchten, um ihn anzubeten, obwohl sie selbst keine Juden waren? Und welchen König? Nicht den Herodes, sondern Christus, Sie wollen den neugeborenen König anbeten, nicht beten sie an den vor einigen Jahren auf den Thron erhobenen König. Sie verlangen ein Kind an der Mutterbrust anzubeten; nicht beten sie an einen König, der über Völker gebietet. Dem Herodes nämlich, dem König der Juden, waren bereits Söhne geboren, die einst nach dem Tod ihres Vaters zur Herrschaft bestimmt waren. Denn nach dem Tod des Herodes herrschte Archelaus in Judäa; die Herrschaft über Galiläa erhielt der jüngere Herodes.

Archelaus ist geboren in einem königlichen Palast, Christus in einem Stall. Archelaus wurde nach seiner Geburt in ein silbergeschmücktes Bett gelegt; Christus lag nach seiner Geburt in einer engen Krippe. Jener wurde wohl in kostbare Seide gehüllt, dieser in dürftige Windeln. Und dennoch wird der im Königspalast zur Welt Gekommene nicht geachtet, dieser, der im Stall geboren ist, gesucht. Jener wird von den Weisen mit keinem Wort genannt, dieser, als man ihn gefunden, demütig angebetet. Der Erstgeborene des Königs wird ganz und gar mißachtet, der Erstgeborene eines armen Weibes unter Darbringung von Geschenken angebetet. Wer ist dieser König der Juden, arm und reich, niedrig und erhaben? Wer ist dieser König der Juden, der wie ein kleines Kind getragen, wie ein Gott angebetet wird? Ein kleines Kind in der Krippe, unermeßlich im Himmel; arm in Windeln, kostbar in den Sternen; bei der Kunde von seiner Geburt „erschrak Herodes und ganz Jerusalem mit ihm“.

Weshalb denn erzitterst du so sehr, Herodes? Weil du die Geburt des Königs der Juden vernommen hast, erschrickst du, bist du von Argwohn gepeinigt, vom brennenden Stachel des Neides gequält, und darum suchst du den neugeborenen König zu töten. Grundlos ist dieser dein Schrecken, unbegründet dein Vorhaben. Dieser König, der geboren wurde, kommt nicht, um Könige durch Kampf zu überwinden, sondern, um sie auf wunderbare Weise durch seinen Tod zu unterjochen; und nicht darum ist er geboren, um dein Nachfolget zu werden, sondern damit die Welt gläubigen Sinnes auf ihn vertraut. Er kommt nämlich nicht, um im Leben zu kämpfen, sondern, um im Tod zu triumphieren; nicht, um sich für Gold aus anderen Völkern ein Heer zu werben, sondern um zur Rettung der Völker sein kostbares Blut zu vergießen. Ohne Grund hast du in ihm voll Neid deinen Nachfolger gefürchtet, den du voll Glauben als deinen Heiland hättest suchen müssen; denn wenn du an ihn glaubtest, würdest du mit ihm herrschen; und wie du von ihm die zeitliche Herrschaft empfangen hast, empfingest du von ihm auch die ewige. Denn das Reich dieses Knaben ist nicht von dieser Welt; aber durch ihn wird die Herrschaft ausgeübt in der Welt. Er ist nämlich die Weisheit Gottes, die im Buch der Sprüche sagt: „Durch mich regieren die Könige.“ Dieser Knabe ist das Wort Gottes, dieser Knabe ist die Kraft und Weisheit Gottes. Schmiede Pläne gegen die Weisheit Gottes, wenn du es vermagst! Du eilst in dein Verderben und weißt es nicht. Denn du hättest keine Herrschergewalt, wenn du sie nicht von diesem Knaben, der eben geboren wurde, erhalten hättest. Der Knabe, der von den Magiern König der Juden genannt wird, ist zugleich auch Schöpfer und Herr der Engel. Darum müßtest du, anstatt seine Jugend bei der Geburt, vielmehr seine Allmacht beim Gericht fürchten. Fürchte ihn nicht als Nachfolger deiner Herrschaft, sondern fürchte ihn als gerechten Strafrichter deines Unglaubens!

Daß du ihn doch zugleich mit den Magiern anbeten und nicht die Magier mit betrügerischer Schlauheit zu ihm schicken wolltest! „Geht“, sprach er, „und forscht eifrig nach dem Kind; und wenn ihr es gefunden habt, so zeigt es mir an, damit auch ich komme und es anbete!“ O heuchlerische Schlauheit! O gottloser Unglaube! O trügerische Bosheit! Wenn du ganz gewiß gewillt warst, dieses Kind anzubeten, warum hast du an seiner Statt viele Kinder getötet? Das Blut der Unschuldigen, das du in deiner Grausamkeit vergossen hast, beweist deine Absicht gegen dieses Kind. Und doch hast du dieses Kind nicht nur nicht gefunden, sondern auch jenen Kindern keinen Schaden zugefügt; im Gegenteil, du hast, ohne es zu wissen, das getan, was ihnen zum Nutzen war. Ja, durch deine Raserei wurden diejenigen Märtyrer, die durch ihr Alter unschuldig waren; denn durch die Gnade dieses Kindes durften sie für es sterben, bevor sie noch imstande waren, es vor den Menschen zu bekennen. Dieses Kind also, das die Welt erschaffen hat und die Welt regiert, das alles erschafft, was es will, das alles mit wundervoller, unüberwindlicher Ordnung lenkt, hat auch das angeordnet und bewirkt, daß durch deinen rasenden Neid jene Kinder einen kostbaren Tod erlangten und du, was du ihnen zu deinem Heile als Freund nicht hättest erweisen können, dies zu deiner Verdammnis als Feind angetan hast. Denn zu dem Zweck ließ es die Tötung der Kinder zu, um sie über dich triumphieren zu lassen. Dir also gab es Erlaubnis zur Bosheit, jene führte es zur Palme des Sieges. Ein und derselbe ist der allmächtige Herr wie das wimmernde Kind; ein und derselbe, der sich herabließ, vor deiner Grausamkeit zu fliehen, und dessen Majestät du nicht zu entfliehen vermagst. Er flieht nämlich nicht aus menschlicher Furcht, sondern auf göttliche Anordnung; er flieht nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Macht. Darum aber ließ er sich herbei, nach Ägypten zu fliehen, um sich später zu würdigen, das Kreuz zu besteigen; und in jener Macht hielt er sich als Knabe in Ägypten verborgen, in der er später als Mann am Kreuze hing. Ein und derselbe ist er, der den Tod auf sich nimmt und das Leben spendet; ein und derselbe der unsterbliche aus dem Vater wie der sterbliche aus der Mutter; es stirbt aus eigener Macht, der aus eigener Macht auch aufersteht.

Jener neugeborene Knabe also findet sich deswegen nicht unter der Zahl der dem Tod geweihten Knäblein, weil er die Erwartung der Völker ist. Das Blut dieses Knaben wird deshalb nicht mit dem Blut jener Knaben vergossen, weil es allein vergossen werden soll zur Vergebung der Sünden; und all jene Knaben würden ohne einen Zweck sterben, wenn sie nicht durch sein Blut gerettet würden. Und dieser Knabe wird ganz bestimmt sterben; denn wenn er nicht sterben wollte, wäre er nicht geboren. Er wird aber nicht sterben, um deine Wut zu befriedigen, sondern um seine Milde zu vollenden; dem Tod überliefern wird ihn die eigene Güte, nicht fremde Bosheit. Sterben wird er, nicht damit du in deinem Unglauben auf Erden an der Herrschaft bleibst, sondern damit er die Gläubigen mit sich im Himmel herrschen läßt. Sterben wird er, nicht um die Herrschaft zu verlieren, sondern um Seelen zu gewinnen, die zur Herrschaft berufen sind. Sterben wird er, nicht um ein kurzes Leben zu verlieren, sondern ewiges Leben zu verleihen. Sterben wird er nicht als Knecht der Ungerechtigkeit, sondern als Herr der Majestät. Sterben wird er nicht unter dem Zwang der Notwendigkeit, sondern mit dem Vorsatz der Freiheit. Sterben wird er auf wunderbare Weise, sterben wird er voll Barmherzigkeit, sterben wird er in einzigartiger Weise, sterben wird er aus eigener Macht, um seinen Willen in allem zu erfüllen. Denn zu dem Zweck wird er sterben voll Barmherzigkeit, um nach seiner Auferstehung über alle Völker zu herrschen. Sterben wird er wie nur einer, den der Glaube der Jungfrau als Gottmensch empfangen und die Fruchtbarkeit der Jungfrau als Gottmensch geboren hat.

Wenn du die wahre Gottheit dieses Kindes nicht kennst, so achte auf den Stern, der am Himmel leuchtet, den Magiern vorangeht und ihnen in ihrer Unkenntnis den Weg zeigt. Dieser Stern ist nie zuvor erschienen, weil dieses Kind ihn eben im Augenblick erschaffen und den zu ihm eilenden Magiern als Wegweiser gesandt hat. Dieser Knabe wird als kleines Kind in die Krippe gelegt, aber er wirkt in seiner Größe Wundertaten am Himmel. Er gestattet, auf Erden auf Händen getragen zu werden, aber er befiehlt, daß die Himmelskörper ihm dienstbar sind. Warum also schaust du auf sein kindliches Alter und willst nicht seine göttliche Macht begreifen? So mußte in Wahrheit die wesenhafte Gottheit dieses Kindes und seine wesenhafte Menschheit angezeigt werden, die beide wesenhaft wahr, beide miteinander vereint, nicht untereinander vermischt noch voneinander getrennt sind. Ihn besaß Maria als Sohn aus ihrem Mutterschoß, dem die Sterne den Dienst schuldigen Gehorsams erwiesen. Ein und denselben gebar Maria in Bethlehem als Gottmensch, den der Stern den Magiern im Morgenland verkündigte. Die Magier also kamen und erkannten den Sohn der Jungfrau als ein und denselben Gottmenschen.

Achte schließlich noch auf ihre Gaben, erkenne ihren Glauben. Der Evangelist nämlich berichtet: „Sie traten in das Haus und fanden das Kind mit Maria, seiner Mutter; und sie fielen nieder und beteten es an. Dann öffneten sie ihre Schätze und brachten ihm Geschenke dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe.“ Durch diese drei Arten von Geschenken wird in ein und demselben Christus die göttliche Majestät, die königliche Macht und die menschliche Sterblichkeit anerkannt. Weihrauch nämlich gehört zum Opfer, Gold zum Tribut, Myrrhe zur Bestattung der Toten. All diese Gaben bietet der heilige Glaube unaufhörlich Christus in Wahrheit an, wenn er an ihn als denselben wahren Gott, wahren König und wahren Menschen glaubt und als den, der wirklich für uns gestorben ist, anerkennt.

Durch die Darbringung des Weihrauchs wird zuschanden der Arianer, der behauptet, nur dem Vater dürfe ein Opfer dargebracht werden; durch die Darbringung der Myrrhe wird zuschanden der Manichäer, der nicht glaubt, daß Christus in Wahrheit für unser Heil gestorben ist; durch die Darbringung des Goldes werden beide zuschanden, weil die Manichäer nicht glauben, daß er als König dem Fleische nach aus dem Geschlecht Davids geboren ist, und die Arianer dem eingeborenen Gott wesenhafte Knechtsnatur zuschreiben wollen. Daher werden beide ihn nicht kennenlernen als den König, von dem sie durch den Glauben regiert, sondern von dem sie Wegen ihres Verbrechens des Unglaubens bestraft werden, weil von dem einen die Wahrheit seiner Gottheit, von dem andern die Wahrheit seines Fleisches geleugnet wird. Durch diese Geschenke wird auch zuschanden Nestorius, der Christus in zwei Personen teilen will, wenn er sieht, wie die Magier ihre Geschenke nicht teils Gott, teils dem Menschen, sondern dieselben Geschenke dem einen Gottmenschen in Demut dargebracht haben. Man darf also keine Teilung in Personen vornehmen bei dem, dessen Person bei der Darbringung der Geschenke nicht geteilt wurde. Denn daher wird ja der eine mit denselben Geschenken verehrt, damit er als ein und derselbe Gott und Mensch erkannt werde. Diese Darbringung durch die Magier vernichtet auch den Irrsinn des Eutyches, der es ablehnt, von zwei Naturen in Christus zu sprechen. Er hebt ja die wahre Bedeutung dieser Geschenke auf, wenn er nur eine Natur in Christus lehren will.

Wir also, geliebteste Brüder, wollen, ohne zu zweifeln, Christus im Glauben das darbringen, was die Magier ihm im Geschenk dargebracht haben, so daß das Bekenntnis seiner wahren Gottheit und Menschheit bei Christus unsere gläubige Aufopferung sei. Diese Geschenke wollen wir eines Sinnes mit den Magiern darbringen und mit ganzer Hingabe des Herzens nach der Heimat der Heiligen streben. Laßt uns nicht wandeln auf dem Weg des alten Lebens, sondern in demütigem Gehorsam den göttlichen Geboten folgen und einen anderen Weg wandeln, den uns der Herr vorgezeichnet hat, damit wir in die Heimat zu gelangen vermögen, um uns dort ohne Ende mit dem Herrn selbst zu freuen! Der Weg des Menschen ist nämlich sein Leben. Wer ein schlechtes Leben führt, wandelt auf dem Irrweg; wer ein gutes Leben führt, wandelt auf dem rechten Pfad. Darum wandle, wer den Weg der Unzucht ging, auf dem Weg der Reinheit! Wer den Weg des Geizes ging, betrete den Weg der Barmherzigkeit! Wer den Weg der Lüge ging, halte sich nun auf dem Weg der Lauterkeit! Laßt uns gut wandeln im Glauben, damit wir zur Anschauung gelangen, wo unsere Freude voll sein wird, weil unser Verlangen durch Güter gestillt wird von dem, der lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Von der Gottes- und Nächstenliebe

Je mehr ich eurer Heiligkeit die geschuldete Predigt über die Liebe zu halten wünsche, desto klarer sehe ich, wie ich ein Schuldner der Liebe werde; und ich weiß nicht, mit welchen Worten ich das Lob der Liebe verkünden soll, in der wir, solange wir in dieser Welt leben, durch gegenseitige Liebe so wachsen, wie wir durch Erweisen sie immerfort schulden müssen. Wenn nämlich der heilige Paulus uns von allen Verpflichtungen freizusprechen befiehlt, wollte er uns nur durch die eine Pflicht der gegenseitigen Liebe stets gebunden wissen, da er sagt: „Bleibet keinem etwas schuldig, außer die gegenseitige Liebe!“ Dies ist der Inbegriff der apostolischen Lehre. Dies sind die Ratschläge väterlicher Liebe, daß wir keinem etwas schulden sollen als die gegenseitige Liebe. Wenn wir also die Aufforderung vernehmen, keinem etwas schuldig zu bleiben, so wollen wir bei diesem Wort nicht stehen bleiben, sondern hören und tun, was folgt, nämlich uns gegenseitig lieben. So werden wir die heilige Liebe finden, die wir durch stetiges Schulden erweisen und durch Erweisen zu unserem Heil schulden sollen. Eine hohe Sache, geliebteste Brüder, ist die Liebe, die wir nach der Lehre des Apostels stets so erweisen, daß wir sie nichtsdestoweniger ohne Unterlaß schuldig bleiben müssen. 0 vorzügliche, heilige Pflicht der Liebe, Pflicht voll himmlischer Vorteile, Pflicht voll ewiger Reichtümer!

Großen Gewinn, Brüder, erzielen wir durch diese Schuld, unendliche Vorteile verschaffen wir uns durch solches Wuchern. Denn wenn Liebe von uns erwiesen und geschuldet wird, wird all unsere Ungerechtigkeit nachgelassen und aufgehoben. Daß ihm diese Liebe wieder geschenkt werde zur Tilgung seiner Ungerechtigkeit, verlangte der selige David, als er für seine schwere Schuld unter Tränen zum Herrn betete. Denn wir wissen daß er einst, durch einen verführerischen Blick gefangen, mit der Frau seines Kriegers Unzucht trieb und noch ein doppeltes Verbrechen durch die Tötung des unschuldigen Gatten beging; nach Vollendung der Sünde wurde er durch den Spruch des Propheten getadelt und nach dem Bekenntnis durch heilsame Antwort wieder aufgerichtet; in demütiger Bitte niedergeworfen, sprach er, um den gerechten Gott, den König der Könige und den Herrn der Herrn, umso schneller zu besänftigen, unter anderem die Bußworte: „Wende ab dein Angesicht von meinen Sünden und tilge alle meine Missetaten!“ Und da er sah, daß dies unmöglich sei ohne das Geschenk der Liebe, fügte er sogleich hinzu: „Ein reines Herz erschaffe in mir, o Gott, den rechten Geist erneuere in meinem Innern!“ Daß aber ein reines Herz ein Sitz der Liebe ist, lehrt der Apostel mit den Worten: „Das Endziel des Gebotes nämlich ist die Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.

Wir müssen also bei diesen Worten des Propheten auf zwei Dinge genauer achten, eines, von dem er verlangt, daß es von ihm weggenommen, das andere, daß es ihm gegeben werde. Er bat nämlich, daß die Ungerechtigkeit von ihm weggenommen, ein reines Herz aber in ihm erschaffen und der rechte Geist in seinem Innern erneuert werde. Was ist aber Ungerechtigkeit anderes als böse Begierde? Und was ist Herzensreinheit anderes als heilige Gottes- und Nächstenliebe? Wenn also der Prophet sagt: „Wende ab dein Angesicht von meinen Sünden und tilge all meine Missetaten!“ und sofort hinzufügt: „Ein reines Herz erschaffe in mir, o Gott, den rechten Geist erneuere in meinem Inneren!“, was hat er dann anderes gesagt als: Tilge in mir die Makel der bösen Begierde und gib mir die Gnade der Liebe? Nimm hinweg von mir die Begierlichkeit, durch die ich verdammt werden kann, gib mir die Liebe, durch die ich die Siegeskrone verdiene! Nimm von mir hinweg die Begierlichkeit, wegen deren man in der Qual unaufhörlich weinen und seufzen muß! Gib mir die Liebe, durch die man im Himmel unaufhörlich herrscht! Wenn ich nämlich die Liebe besitze, die ich durch Schuld erweise und durch Erweisen schulde, werde ich die Ungerechtigkeit nicht zu fürchten haben, die ich unaufhörlich durch Schmerzen büßen müßte. Mit Recht also gibt der Apostel die Vorschrift, daß wir keinem etwas schuldig bleiben außer die gegenseitige Liebe; durch diese Schuld nämlich wird von uns die Unzahl aller Sünden hin weggenommen; denn: „Die Liebe bedeckt eine Menge Sünden.“ Keiner aber glaube, Brüder, die Liebe müsse von uns in der Weise erwiesen werden, daß sie, wenn sie einmal erwiesen ist, aufhöre, geschuldet zu sein. Wenn sie nämlich erwiesen wird, wird sie in noch höherem Maß geschuldet; und sie wird in umso höherem Maß erworben, je mehr sie erwiesen wird, wenn sie geschuldet wird. Denn wer sich nicht immer als Schuldner der Liebe betrachtet, soll sich nicht freuen, daß er der Schuld ledig ist, sondern trauern, daß er des Geschenkes der Liebe beraubt ist. Denn er hat die Liebe nicht, die er zu besitzen abgelassen hat, weil ein verschwenderischer Schuldner sie durch Erweisen der Liebe nicht verloren hat, die er empfangen hat, um sie immerdar zu erweisen und immerdar zu besitzen. Darum möge er wissen, daß er dann verloren hat, was er empfing, wenn er nicht erweist, was er schuldet.

Aber vielleicht wendet einer ein: Wem schulde ich diese Liebe, oder wem muß ich sie erweisen? Wir antworten: Liebe muß allen Menschen erwiesen werden, bekannten und unbekannten, guten und schlechten, Freunden und Feinden. Denn wenn der Apostel sagt: „Solange wir also Zeit haben, laßt uns Gutes tun, zumal den Glaubensgenossen“, zeigt er deutlich, daß man wohl beim Werk der Liebe jemand anderen vorziehen, keinen aber von den Wohltaten der Liebe ausschließen darf. Das ist also jene heilige, reine, sozusagen im eigentlichen Sinn christliche Liebe, die langmütig und gütig ist, die nicht beneidet, nicht prahlt, sich nicht aufbläht, nicht ehrsüchtig ist, nicht ihren Vorteil sucht, sich nicht aufreizen läßt, nichts Böses nachträgt, sich nicht am Unrecht freut, vielmehr Freude hat an der Wahrheit, die alles erträgt, alles glaubt, alles hofft, alles übersteht, die niemals aufhört, die nicht nur Freunde umfaßt, sondern sich auch auf die Feinde erstreckt; die sich Freunden, die sie wollen, schenkt, Feinden, die sie ablehnen, sich aufdrängt, diese festhält, jene gewinnt, diese erfreut, so daß sie nicht aus Freunden Feinde werden, jene einlädt, so daß sie aus Feinden Freunde werden.

Brüder, wir wollen uns also erinnern an die Worte des Herrn: „Liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen; und betet für die, die euch verfolgen und verleumden!“ Seht, der Herr befiehlt, daß die Liebe sich bis auf die Feinde erstrecke und das Wohlwollen des christlichen Herzens sich bis zu den Verfolgern ausdehne. Und welcher Lohn wird einst gegeben werden für solche Anstrengung, welches Geschenk wird denen verliehen, die dieses Gebot befolgen? Er selbst, der sich würdigt, die Liebe durch den Heiligen Geist ohne unser Verdienst in die Herzen einzugießen, soll zeigen, welcher Lohn von ihm für die Liebe bereitet ist, er selbst soll uns sagen, was er den Würdigen zum Lohn für ihre Liebe geben wird, der sich würdigt, dieselbe Liebe den Unwürdigen zu geben. Es sage es also der Herr; er sage es, und durch seine eigenen Worte zeige er uns die Größe seiner Verheißung! „Damit ihr“, spricht er, „Kinder eures Vaters seid, der im Himmel ist.“ Als er nämlich die Feindesliebe zur Pflicht machte, wurde vielleicht dem, der es hörte, ein hartes Gebot gegeben; darum sei die Verheißung süß, die dem Gehorsam versprochen wird. So hafte darum im Herzen die Lieblichkeit dieser Süße, und die Schwierigkeit jener Bitternis wird überwunden werden. Die also ihre Feinde lieben und denen wohltun, von denen sie gehaßt werden, die werden Kinder Gottes sein.

Was jedoch diese Kinder Gottes erhalten werden, verkündet der Apostel mit den Worten. „Der Geist selbst gibt unserem Geist Zeugnis, daß wir Kinder Gottes sind. Wenn aber Kinder, auch Erben — Erben Gottes und Miterben Christi.“ Hört also, Christen, hört, Kinder Gottes, hört, Erben Gottes und Miterben Christi! Um die väterliche Erbschaft zu besitzen, erweist nicht nur euren Freunden, sondern auch den Feinden Liebe! Keinem soll die Liebe verweigert werden, die der gemeinsame Besitz aller guten Menschen ist. Besitzt sie alle zugleich; und um sie in höherem Grad zu besitzen, erweiset sie Guten wie Bösen. Denn dieser Besitz ist den Guten gemeinsam, nicht als irdischer, sondern als himmlischer, und darum wird in ihm keiner geschmälert durch die Person eines Mitbesitzers. In dem Maß aber nimmt die Liebe zu, als die Begierlichkeit abnimmt; und jenen macht die Liebe stets frei, den weltliche Begierde nicht gefangen hält. Die Liebe ist ein Gottesgeschenk nach dem Apostelwort: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unseren Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.“ Die Begierlichkeit ist der Fallstrick des Teufels, nicht nur der Strick, sondern sogar das Schwert; durch sie nimmt er die Unglücklichen gefangen, durch sie tötet er die Gefangenen. Die Liebe ist die Wurzel alles Guten, die Begierlichkeit die Wurzel alles Schlechten. Begierlichkeit leidet ewige Qual, da sie vom Rauben nie gesättigt wird. Liebe aber ist stets voll Freude; denn in dem Maß, in dem sie zunimmt, gibt sie sich um so freigebiger aus. So wird, wie derjenige, der nach Ungerechtigkeit strebt, verarmt, jener reich, der Liebe erweist. Begierlichkeit ist voll Unruhe, wenn sie für Unrecht sich zu rächen versucht; Liebe voll Ruhe, wenn sie am Schenken ihre Freude hat.

Der heilige Märtyrer Cyprian

Der Geburtstag eines so großen Märtyrers, des heiligen Cyprian, ruft uns ins Gedächtnis den ruhmvollen Tag, an dem er, der irdischen und sterblichen Glieder entkleidet, zum Lohn des ewigen Lebens hinüberging; er stellt uns vor Augen die Gelehrsamkeit des Priesters und den Sieg des Märtyrers; dieser Tag hat ihm nach einstiger zeitlicher Trauer die Freiheit geschenkt. Denn während der Bischof unter der Gefahr eines blutigen Todes und dem Ruhm eines heiligen Kampfes durch sein Bekenntnis litt, litt die Kirche durch ihr Gebet mit ihm. Wer wüßte nicht oder könnte nicht durch kluge Erwägung erkennen, daß dieser Tag, der von uns in jährlicher Wiederkehr als Festtag begangen wird, für christliche und religiöse Gemüter damals ein Tag der Sorge war, als die Schar der Gläubigen zitterte bei dem glorreichen Kampf, den der Bischof gegen den Satan unternommen hatte, und der Glaube sich so fest der Verfolgung entgegen stellte, daß das Fleisch der Schmeichelei nicht unterlag und der Hirt so voranschritt, daß er den Schafstall nicht im Stich ließ und der Wolf nicht in die verlassene Herde einbrach. Die Kirche war voll Trauer darüber, daß ein so hochberühmter Bischof aus ihrer Gemeinschaft gerissen wurde, aber sie war auch voll Freude, daß er sich nach Niederwerfung des Gegners als Zeugen Christi bewährt hatte. Es lebte in ihrer Erinnerung seine rühmenswerte Lehrweisheit; vor ihren Augen stand seine bewundernswerte Tugend, als der große Gott den Glauben erhielt, den er gelehrt hatte, und er den übrigen Menschen ihre Verpflichtungen nicht mehr durch Worte, sondern durch Taten zeigte. Er bestätigte mit unerschütterlicher Festigkeit die Aufrichtigkeit seiner Worte durch das Beispiel seiner Taten im Glauben und Vertrauen, daß Christus für aller Menschen Heil gestorben sei und er sich deshalb dem Tod um seines Namens willen nicht entziehen dürfe. Denn für jenen vergoß er sein würdiges Blut, durch dessen Blut er damals als unwürdiger Sünder erlöst worden war, voll des festen Glaubens, daß ihm das ewige Leben von dem geschenkt werde, dessen Blut er in diesem Leben voll gläubigen Vertrauens getrunken hatte.

Denn derjenige hat ihnen seinen Segen gegeben, der das Gesetz aufgestellt hat, daß sie von Tugend zu Tugend voranschreiten sollen; von der Tugend des aufrichtigen Glaubens nämlich zur Tugend des standhaften Kampfes; von der Tugend glühender Liebe zur Tugend ruhmvollsten Leidens. Er glaubte nämlich und sprach, er liebte und folgte. Er hatte nämlich vom Herrn den Ausspruch vernommen: „Wer mich liebt, folgt mir nach“ und weiter: „Wer an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit.“ Der gläubige Vater folgte den Spuren des Erlösers. Unerschrockenen Mutes verachtete er die Befehle der Fürsten und das Gebot der Richter. Bereitwillig empfing er den Streich des Henkers; im Tod selbst blieb seine nur Gott unterworfene Seele unbesiegt. Nichts vermochte ihn von der Obhut für den Hirt und die Herde zurückzuhalten, nicht der Ort der Verbannung, die Grausamkeit des Henkers, die Zeit der Verfolgung, die Furcht vor dem Richter, das über ihm schwebende Schwert, der nahe Tod. Denn auch in der Verbannung, von der ihm anvertrauten Kirche nur dem Leibe, nicht der Seele nach getrennt, lag ihm der Unterhalt der Armen am Herzen, als er sich im Verborgenen verstecken mußte, die Handhabung der kirchlichen Zucht, als er von dem Machthaber festgehalten wurde, die Keuschheit der Jungfrauen, als er vor den Richterstuhl gestellt wurde, der Schutz der Kleriker; als er durch Drohungen bedrängt wurde, bewahrte er ein starkmütiges Gewissen; als er von der Hinterlist umstellt wurde, geistliche Vorsicht; als er mit Unrecht verurteilt wurde, christliche Geduld. Durch häufige Briefe ermahnte er das Volk; die Armen unterstützte er mit reicheren Almosen; die Märtyrer feuerte er durch Ermahnung und sein Beispiel zum Kampf an und ließ nicht ab von der Sorge, bis er sein Leben hingab.

Schließlich wurde er selbst behütet und behütete seine Herde, er, der den eigenen Schmerz mit heiterer Seelenruhe gering schätzte und fremde Schamhaftigkeit sorgfältig achtete, der mehr Besorgnis hegte um Sinnenlust als um Traurigkeit, der mehr Furcht empfand vor den Freuden, die der Teufel bereitet, als vor vielen Martern. Zur Verteidigung des Glaubens ist er auf der Wacht vor dem brüllenden Löwen, für die Keuschheit kämpft er gegen die zischende Schlange. An seinem eigenen Leibe besiegt er die Bosheit der Raserei, am Leibe der Jungfrauen die Üppigkeit der Schmeichelei; indem er die Drohungen des Verfolgers mit Füßen tritt, meidet er die Fallstricke des Betrügers; in keinem Stück weicht er zurück vor dem Rasenden; nichts läßt er sich entreißen von dem Gewalttätigen. Wenn wir also sein Ringen, seine Ausdauer, seinen Sieg und seine Krone betrachten, wenn wir den siegreichen Ausgang und die Seligkeit, zu der er gelangt ist, im Spiegel des Herzens schauen, wollen wir Jahr für Jahr in Verehrung singen: „Gepriesen sei der Herr, der uns nicht gab zur Beute ihren Zähnen! Die Schlinge ist zerrissen, wir sind frei!“

Am Fest der Erscheinung des Herrn

Nach jenem Fest, das uns in jährlicher Wiederkehr die zeitliche Geburt unsers Herrn Jesus Christus verehrungswürdig macht, begehen wir an zweiter Stelle das heutige Fest. Jenes war das Fest, an dem Christus durch die Verkündigung des Engels den jüdischen Hirten bekannt wurde, dieses ist das Fest der Offenbarung, durch die er die heidnischen Magier durch das Licht des vor ihnen herziehenden Sternes zu sich geführt hat. Der Name jenes Tages also ist aus der griechischen Sprache in die lateinische übergegangen; für die Bezeichnung dieses Tages ist auch bei den Lateinern der griechische Name in Gebrauch gekommen. Jenen Tag nennen wir den Geburtstag des Herrn, diesen nach der Sitte der kirchlichen Überlieferung Epiphanie. Epiphanie aber heißt Offenbarung. Die Offenbarung des Herrn also feiern wir heute deswegen, weil er an diesem Tag von den Magiern, die aus dem Morgenlande kamen, angebetet wurde. Denn sie sahen seinen Stern im Morgenland und kamen, von göttlicher Erleuchtung geführt, um ihn anzubeten. Denn obwohl sie mit ihren leiblichen Augen das Licht des Sternes sahen, wären sie keineswegs gekommen, um das Kind anzubeten, wenn sie nicht von Gott das Licht der geistlichen Gnade erhalten hätten.

Aus welchem Grund jedoch, geliebteste Brüder, feiern wir heute die Offenbarung des Herrn, da doch, noch bevor der Stern die Geburt des Herrn den Magiern im Morgenland verkündigte, der Engel seine soeben erfolgte Geburt den Hirten in Judäa angezeigt hat? Warum sagen wir, daß er heute geoffenbart wurde, da er doch in derselben Nacht, in der er geboren ward, von den Engeln verkündet wurde? Etwa, weil heidnische Magier ihn gesehen haben? Aber es haben ihn ja auch damals die jüdischen Hirten gesehen! — Heute hat Christus der Herr, der zum Heil der Völker gekommen ist, die seiner Gottheit würdigen Erstlinge der Ehre von den Magiern erhalten, in denen die Erstlinge der Heiden dargebracht wurden. Daraus sehen wir mit Recht, daß er sich jenen oder anderen geoffenbart hat, von denen er als wahrer Gott in Demut angebetet wurde. Denn Christus, den die Hirten als kleines Kind gesehen, haben die Magier mit unerschütterlicher Gewißheit als den unendlichen Gott erkannt. Den die Juden in der Hülle ärmlicher Windeln geschaut, haben die Magier durch Darbringung von Geschenken als ihren glorreichen Herrn bekannt. Vor dem Erlöser fielen die Weisen voll Demut auf die Knie, den die Hirten als Kind voll Bewunderung betrachtet haben. Den Hirten hat Christus die wahre kindliche Schwäche seiner Menschheit gezeigt, den Magiern aber hat er sich schon damals auch die Macht der Gottheit zu offenbaren gewürdigt. Denn die örtliche Verschiedenheit des Engels, der die Geburt verkündigt, und des Sternes, der den Weisen erscheint, mahnt uns nach dem geistigen Sinn zu suchen, damit wir erkennen, was die Ankunft unseres Herrn und Erlösers den Heiden, und was sie den Juden gezeigt hat.

Keiner zweifelt daran, daß in den Hirten die Erstlinge der Juden, in den Magiern die Erstlinge der Heiden vorgebildet sind. Die Hirten aber vernahmen nicht vom Himmel her, sondern auf Erden einen Engel, der zu ihnen sprach und die Geburt des Herrn verkündete. Die Magier hingegen sahen oder hörten niemand auf Erden, sondern sie erblickten den am Himmel funkelnden Stern. Was also hat dies zu bedeuten, daß der Jude, um Christus zu sehen, durch die Worte des vom Himmel hernieder steigenden Engels unterrichtet wird, der Heide hingegen, um zu Christus zu gelangen, durch den Glanz eines himmlischen Sternes aufgefordert wird? Etwa nicht die Tatsache, daß den Juden die Niedrigkeit und Schwachheit des Fleisches unseres Herrn Jesus Christus gezeigt, den Heiden dagegen der erhabene Ruhm seiner Gottheit geoffenbart wurde? Die Juden sahen den demütigen Christus, weil er damals für uns alle getötet werden sollte; die Heiden erkannten den hoch-gebenedeiten Christus, weil er stets von allen angebetet werden soll. Sprach nicht gleichsam der Stern, der erschienen war, zu den Weisen, die ihn sahen: „Ich, dessen Glanz ihr seht, bin von dem erschaffen worden, den ihr im Leibe sehen werdet als lallendes Kind? Ich verkündige euch die zeitliche Geburt des Königs der Juden; ihr werdet ihn kennenlernen als den anfangslosen, ewigen Schöpfer der Engel. Im Aufgang eines neuen Sternes also erkennt die Geburt des Erlösers!“ Die Magier erkannten wirklich beim Erscheinen des Sternes die Geburt des Herrn; unter Führung des Sternes gelangten sie zum Herrn. Als sie das Haus betraten, fanden sie nach den Worten des Evangeliums den Herrn mit Maria, seiner Mutter, sie fielen nieder und beteten ihn an; und sie öffneten ihre Schätze und brachten ihm Geschenke dar, Gold, Weihrauch und Myrrhe.

In diesen Geschenken aber sehen wir ein Geheimnis des wahren Glaubens verborgen. Weihrauch pflegte bei den früheren Opfern vom Priester zu Ehren Gottes geopfert zu werden; Gold sehen wir bei der jährlichen Entrichtung von Tributen den Königen dargebracht; die Myrrhe schließlich findet Verwendung bei der Beisetzung der Leichname. Jene Darbringung des Weihrauchs also läßt das Opfer erkennen, in dem Christus als wahrer Gott und wahrer Priester ein Opfer zu lieblichem Wohlgeruch für diejenigen dargebracht hat, von denen er selbst als derselbe wahre Gott das Opfer empfangen hat. Das Geschenk des Goldes aber zeigt den Herrn Jesus Christus als wahren König, allerdings nicht als einen König, dessen Bild auf den Goldmünzen erscheint, sondern der sein Ebenbild in dem Menschen selbst sucht. Um dieses Ebenbild zu suchen, sprach er: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ Die Darbringung der Myrrhe aber zeigt Christus als wahren Gott und wahren König, der ja von Natur aus mit göttlicher und königlicher Macht umkleidet ist, zugleich aber auch gemäß der Wahrheit des Fleisches, das er als sterbliches aus uns empfangen hat; als den, der in Wahrheit für uns gestorben, in Wahrheit begraben und in Wahrheit für uns auferstanden ist. Im Königtum Christi also erkennen wir die Befreiung der Gefangenen, im Priestertum Christi die Reinigung der Sündenbefleckten; auf dem Tod und der Auferstehung Christi beruht die Auferweckung der Toten. Auf Christus, unserem Gott, ist gegründet das ewige Glück der Seligen.

Es ist also offenbar, daß derjenige zur wahren Freiheit, zur wahren Heiligung und zur Verherrlichung in der Auferweckung bestimmt ist, der durch die Gnade Christi, des wahren Gottes, gerechtfertigt und durch Christi, des wahren Menschen, Tod und Auferstehung nicht zum ewigen Tod, sondern zum ewigen Leben glücklich auferweckt worden ist. Denn Christus ist für uns die wahre Freiheit, die wahre Reinigung, das wahre Leben, die ewige Seligkeit, in dem die Natur der Niedrigkeit und der Gottheit ohne Mischung und ohne Trennung immerdar besteht. Er ist der Eckstein, der zu sich die eine Wand aus der Beschneidung, die andere aus der Vorhaut in seiner Barmherzigkeit geführt und beide durch die Einheit des Glaubens und der Liebe in sich geeinigt hat. Die Juden hat der Herr aus der Nähe, die Heiden aus der Ferne zu sich geführt, denn jene hat er unter dem Gesetz, diese ohne Gesetz gefunden. Beide aber fand der Heiland unter dem Joch der Sünde; und darum hat er beide ohne vorhergehendes Verdienst, einzig durch seine zuvorkommende Gnade, gerettet. Denn die Juden haben, bevor sie glaubten, den Herrn getötet, die Heiden aber haben, bevor sie zum Glauben kamen, die Götzen verehrt. Für beide also hat Christus in seiner Gnade den Tod erlitten, für beide aus Gnade sein Blut vergossen und durch sein eigenes Blut den Teufel besiegt. Und nicht nur seine Mörder, die Juden, sondern auch die Götzendiener, die Heiden, hat er durch göttliche Barmherzigkeit bekehrt, mit königlicher Kraft befreit, mit priesterlicher Heiligkeit gereinigt und durch seinen leiblichen Tod in der Zeit aus der Gewalt des zweiten Todes entrissen.

Ihm, dem Herrn Jesus Christus, bringt die heilige Kirche auch jetzt noch ohne Unterlaß die geistigen Gaben des Goldes, des Weihrauchs und der Myrrhe dar; als Gold nämlich die Weisheit des rechten Glaubens; als Weihrauch die Werke der Barmherzigkeit, die Gott selbst noch über das Opfer gestellt hat; als Myrrhe die Tugend der Abtötung, durch welche sie nicht nur alles, was in der Welt ist, sondern auch die Annehmlichkeit des zeitlichen Lebens selbst aus Liebe zu Christus gering achtet. Sie ist es, die Christus als kleines Kind sah und als unermeßlichen Gott anbetete, die ihn in seiner Niedrigkeit schaut und als höchsten Gott verehrt, Sie erkennt in ihm an zugleich das wahre Fleisch unseres Geschlechtes und die Klarheit der göttlichen Einheit mit dem Vater. Und den sie, mit Lumpen bekleidet, unsere Sünden hat tragen sehen, erkennt sie in den Sternen an als denjenigen, der uns zu Himmlischem erhebt. Denn er, der für uns herabgestiegen ist, erhebt uns; der für uns ein Menschenkind geworden ist, schenkt uns die Gnade der Gotteskindschaft; der die Lumpen unserer Sünden getragen hat, reinigt die Ungerechten von ihren Sünden; der in der Krippe gelegen hat, erhebt die Gläubigen empor bis zum Himmel.

So laßt uns heute in geistiger Weise die Erscheinung des Herrn nicht mit irdischen Speisen, sondern mit heiligen Sitten feiern, damit, wenn Gott selbst sichtbar erscheint, wir mit ihm ohne Unterlaß herrschen können! Offenbar ist er uns nämlich im Glauben, verborgen bleibt er noch im Schauen; offenbar ist er den Kranken auf dem Weg, geoffenbart werden soll er den Geheilten im Vaterland. Geoffenbart ist er, um die Ungerechten in dieser Welt zu rechtfertigen; geoffenbart werden soll er, um die Gerechten in der Zukunft zu verherrlichen. Diesen Tag also, an dem der Herr Jesus Christus begonnen hat, sich den Heiden zu offenbaren, wollen wir voll heiliger und geistiger Freude feiern, nicht, indem wir nach fleischlichen Gastmählern verlangen, sondern Werke der Gerechtigkeit voll Eifer üben. Dazu, Brüder, seien eure Gastmähler reich, damit die Not der Armen sich daran erfreue. Mit denselben Genüssen, mit denen euer Tisch besetzt ist, sollt ihr euch den Besitz des himmlischen Reiches erwerben. Denn alles, was in den Mund eingeht, gelangt nach den Worten des Erlösers in den Magen; alles aber, was den Armen als Almosen gegeben wird, wird euch vermehrt von der göttlichen Vergeltung zurückerstattet. Mit all dem, was ihr eßt, liebe Brüder, fristet ihr dieses Leben nur eine kurze Zeit; mit all dem aber, was ihr den Armen gebt, erwerbt ihr euch die Seligkeit des ewigen Lebens, wo uns ohne Ende die ewige Sättigung zuteil werden, ewige Sicherheit ohne jede Verwirrung verbleiben, ewiges Glück ohne jegliches Elend gewährt werden wird. Seinem Spender sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

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