Über die Schauspiele

Von Tertullian

1. Der Besuch der heidnischen Schauspiele ist mit dem Christentum unverträglich.

Welcher Glaubenssatz, welcher Vernunftgrund und welche disziplinäre Vorschrift uns gleich den übrigen Verirrungen der Welt auch des Vergnügens der Schauspiele beraubt, das lernet nun kennen, ihr Diener Gottes, die ihr jetzt eben euch Gott nahet, das lasst euch nochmals vor die Seele führen, ihr, die ihr euch Gott bereits genähert zu haben bezeugt und bekennt, damit keiner durch Unwissenheit und Selbsttäuschung sich versündige. Die Macht der Vergnügungssucht ist eine so grosse, dass sie der Unwissenheit die Existenz fristet bis zum Eintreten einer Gelegenheit und das Gewissen in Selbsttäuschung verkehrt. Beides wird vielleicht schmeichlerisch bei dem einen oder ändern begünstigt durch die Ansichten der Heiden, welche in diesem Punkte auf folgende Art gegen uns zu argumentieren gewohnt sind: Deiner Herzen- und Gewissensreligion widerstreben diese bloß äußerlichen Ergötzungen der Augen und Ohren keineswegs, auch wird Gott nicht durch die Fröhlichkeit des Menschen beleidigt, deren sich zu erfreuen ja kein Verbrechen ist, wenn man Gott nur seiner Zeit und seines Ortes fürchtet und ehret. Dagegen schicken wir uns an, gerade dies ganz besonders zu zeigen, wie dergleichen Dinge mit der wahren Religion und dem wirklichen Gehorsam gegen den wahren Gott unverträglich sind. Es gibt Leute, die da meinen, dass wir Christen, die wir zum Sterben jederzeit so bereitwillig sind, gerade durch die Lossagung von allen Vergnügungen zu dieser unserer Hartnäckigkeit und Weisheit angeleitet würden; dass wir dadurch das Leben verachten lernten, dass alle Bande, welche daran fesseln, abgeschnitten würden, und dass man auch gar nicht mehr an dem hänge, was man sich bereits entbehrlich gemacht hat. Das versteht man dann so, als ob dies mehr planmäßig und nach menschlicher Berechnung, nicht aber durch göttliche Vorschrift bestimmt und festgesetzt sei. Denen, die in solchen Ergötzungen fortleben, würde es natürlich sehr schwer ankommen, Gottes wegen den Tod zu leiden, wiewohl man, auch wenn es sich so verhielte, einem so passenden Plane und einer solchen Schule des Starrsinns Gehorsam schuldig wäre.

2. Zum Beweise für die Erlaubtheit der Teilnahme beruft man sich darauf, dass alles, was zu den Spielen dient, von Gott geschaffen, also gut sei.

So gibt es denn nun keinen, der nicht vorschützte, alles sei, wie wir lehren, von Gott geschaffen und dem Menschen zugewiesen, mithin gut, weil von einem guten Schöpfer kommend. Dahin sei auch alles das zu rechnen, was zur Einrichtung der Spiele gehört, z. B. das Pferd, der Löwe, die Kräfte des menschlichen Körpers, sowie der Wohlklang der Stimme, Diese Dinge können weder als zu Gott in keiner Beziehung stehend noch als ihm feindlich angesehen werden, da sie nur durch sein Mitwirken bestehen; und was Gott nicht feindlich, weil nicht fremd sei, das sei auch bei den Verehrern Gottes nicht dafür zu halten, vollends dann auch nicht die Erbauung der Lokalitäten, weil die Werkstücke, der Mörtel, weil der Marmor und die Säulen Gott angehörig sind, der sie zur vollständigen Ausstattung der Erde verliehen hat. Auch die Vornahme der einzelnen Handlungen selbst geschehe unter Gottes freiem Himmel. — Wie klug erscheint doch die menschliche Unwissenheit in Sachen ihres Vorteils beim Beweisführen! Zumal dann, wenn sie etwas von ihren Ergötzlichkeiten und dem, was die Welt bietet, einzubüßen fürchtet! Man könnte am Ende mehr Leute finden, welche durch die Gefahr, die ihren Vergnügungen, als durch jene, welche ihrem Leben droht, von unsrer Genossenschaft fern gehalten werden! Denn vor dem Tode fürchtet sich als vor etwas Unausweichlichem nicht einmal der Tor, das Vergnügen dagegen verschmäht als etwas Begehrenswertes auch der Weise nicht, da die Lust sowohl dem Toren als dem Weisen einzig und allein das Leben angenehm macht.

Niemand leugnet und jedermann weiß, dass Gott, wie die Natur selbst bezeugt, der Schöpfer des Weltalls sei, und dass dieses All gut und dem Menschen zum Dienste überlassen sei. Aber weil man Gott nicht recht kennt, nämlich nur aus dem Naturrecht, nicht durch das Freundschaftsverhältnis, nur von fern, nicht näher, so ist es ganz natürlich, dass man nicht weiß, wie er das, was er erschaffen hat, angewendet oder nicht angewendet wissen will, und dass man ebenfalls nicht weiß, welches die Macht sei, die mit ihm feindselig wetteifert, den Gebrauch der göttlichen Schöpfung zu verkehren, da man weder von seinem Willen noch von dem der Gegner dieses Willens Gottes Kenntnis hat, welch letzteren selber man zu wenig kennt. Man muss also nicht bloß im Auge behalten, von wem alles geschaffen ist, sondern auch, von wem es verkehrt worden ist. Dann wird es sich ergeben, für welchen Gebrauch jedes Ding geschaffen worden, wenn es sich ergibt, für welchen nicht. Es ist ein großer Unterschied zwischen dem Zustand der Verderbnis und dem der Unversehrtheit, weil eben auch ein großer Unterschied zwischen dem Schöpfer und dem Verfälscher ist. Im übrigen bestehen ja die schlechten Handlungen jeder Art, auch die, welche die Heiden zweifellos verbieten und verwehren, nur durch Werke Gottes, Soll der Mord mit einem Messer, mit Gift oder durch zauberische Berückung vollbracht werden? Es gehört das Eisen so gut Gott, als die Kräuter und die Geister. Hat etwa die schaffende Vorsehung diese Dinge zum Zwecke der Ermordung von Menschen ins Dasein gerufen? Nein, dagegen hat sie jede Art des Mordes durch das eine und prinzipielle Verbot untersagt: „Du sollst nicht töten“. Ferner: das Gold, das Erz, das Silber, das Holz und jeder Stoff, welchen man zur Verfertigung von Götzenbildern verwendet, wer hat ihn in die Welt gesetzt, als der Schöpfer der Welt, Gott? Aber tat er es etwa zu dem Zweck, dass diese Dinge zu Gegenständen einer gegen ihn gekehrten Anbetung gemacht würden? Im Gegenteil, in seinen Augen ist der Götzendienst die höchste Beleidigung, Welches Ding, das Gott beleidigt, ist nicht ihm angehörig? Aber indem es ihn beleidigt, hört es auf Gottes zu sein, und indem es das aufhört zu sein, beleidigt es ihn. Der Mensch selbst, der Urheber aller Schandtaten, ist nicht bloß Gottes Werk, sondern auch sein Ebenbild und dennoch dem Körper und Geiste nach von seinem Schöpfer abgefallen. Wir haben auch die Augen nicht zur Befriedigung der Begierlichkeit bekommen, die Zunge nicht zu üblen Reden, die Ohren nicht zur Aufnahme der bösen Reden, die Zunge nicht zur Sünde der Schlemmerei, den Bauch nicht zur Teilnahme daran, die Geschlechtsteile nicht zu Ausschreitungen der Unzucht, die Hände nicht zu Gewalttaten das Gehen nicht zum Umherschweifen, die Seele ist auch nicht dazu in den Körper hinein versetzt, um die Werkstätte zum Aussinnen von Nachstellung, Betrug und Ungerechtigkeit zu werden. Ich glaube das nicht. Denn wenn Gott, der immer auf Unschuld dringt, jegliche Bosheit, ja wenn er selbst die bloß beabsichtigte Bosheit in solchem Grade hasst, so steht es unzweifelhaft fest, dass er alles, was er erschaffen hat, nicht zur Vollbringung von Werken geschaffen hat, die er verdammt, obwohl eben diese Werke sich durch Dinge seiner Schöpfung vollziehen, da der ganze Grund der Verdammung der verkehrte Gebrauch der Schöpfung durch die Geschöpfe ist. Nach erlangter Erkenntnis des Herrn sehen wir also auch dessen Nebenbuhler vor Augen, bemerken nach erlangter Einsicht in betreff des Schöpfers auch zugleich den Verderber, Wir dürfen uns daher weder der Verwunderung noch dem Zweifel daran hingeben, dass die Macht jenes Verderbers und scheelsüchtigen Engels, durch welche der Mensch selbst, das Werk und Ebenbild Gottes, der Herr des ganzen Weltalls, gleich anfangs seiner Unversehrtheit entkleidet worden ist, auch dessen ganze Habe, die mit ihm zugleich in Unversehrtheit geschaffen worden war, zugleich mit ihm selbst in Verderbnis verkehrt hat gegen den Plan Gottes, und dass sie dadurch in eben dem, was zu ihrem Schmerze dem Menschen und nicht ihr zugestanden worden war, den Menschen zum Schuldner vor Gott gemacht und ihre eigene Herrschaft aufgerichtet hat.

3. Andere sagen, es finde sich kein Verbot des Besuchs der Schauspiele in der Hl. Schrift.

Nachdem wir durch diese Erwägung gegen die heidnische Ansicht gerüstet sind, wollen wir uns nun umsomehr gegen die Ausflüchte der Unsrigen wenden. Einige verlangen in ihrem allzu buchstäblichen oder zu grüblerischen Glauben behufs der geforderten Enthaltung von den Spielen einen Beleg aus der Hl, Schrift und erklären die Sache für unentschieden, weil diese Enthaltung den Dienern Gottes nicht in deutlicher und direkter Weise anbefohlen wird. Freilich finden wir nirgends in der Weise, wie es sonst ganz deutlich heisst: „Du sollst nicht töten, du sollst keinen Götzen verehren, du sollst nicht ehebrechen, du sollst keinen Betrug begehen“ — unumwunden festgesetzt: Du sollst nicht in den Zirkus gehen, nicht ins Theater; du sollst nicht den Wettkämpfen und den Spielen zuschauen! Jedoch wir sehen, dass jener erste Ausspruch Davids auf unsern Fall angewendet werden kann: „Glücklich der Mann, der nicht in die Versammlung der Gottlosen geht und auf dem Wege der Sünder nicht steht und auf dem Stuhle der Pestilenz nicht sitzt“. Denn wenn David auch damit scheinbar jenen Gerechten gepriesen hat, der an der Versammlung und Ratssitzung der Juden, als sie über die Tötung des Herrn Rats pflogen, nicht beteiligt war, so hat doch die göttliche Schrift überall da, wo neben der Beziehung auf das jedesmalige Objekt eine sittliche Lehre begründet wird, weitgreifende Beziehungen, Daher liegt auch hier dem Ausspruch ein Verbot der Schauspiele nicht fern. Denn wenn er jene Handvoll Juden damals als eine Versammlung der Gottlosen bezeichnete, um wieviel mehr denn noch eine so gewaltige Ansammlung des Heidenvolkes! Sind die Heiden etwa weniger gottlos, weniger Feinde Christi als die damaligen Juden? Auch alles übrige passt. Denn auch bei den Schauspielen steht man auf dem Wege, Wege und Durchgänge nennt man nämlich die Abteilungswege der Terrassen ringsherum und in der Richtung nach unten zur Trennung der Klassen des Publikums, Gestühl werden die Sitzplätze in der Rundung ringsumher genannt. Und so ist denn im Gegenteil derjenige unglücklich, der in irgendwelche Versammlung der Gottlosen geht, auf irgendeinem Wege der Sünder steht oder auf einem Stuhle der Pestilenz sitzt, welcher es auch immer sei. Sehen wir es als ganz allgemein gesagt an, wenn etwas eine Beziehung auf die einzelnen Dinge zulässt! Haben ja doch selbst manche nur auf das Einzelne lautende Aussprüche einen allgemeinen Sinn, Wenn Gott die Israeliten zur Ordnung mahnt oder ihnen Vorwürfe macht, so hat er ganz sicher alle im Auge; wenn er Ägypten oder Äthiopien den Untergang drohet, so spricht er ein Urteil gegen jedes sündhafte Volk aus. Wenn jegliches sündige Volk ein Ägypten oder Äthiopien ist, so gehts von der Spezialität zur Art, ebenso wie es von der Art zur Spezialität geht, wenn wegen der Zusammensetzung der Schauspiele Schauspiele jeder Art Versammlungen der Gottlosen sind.

4. Der Christ widersagt den Schauspielen eigentlich schon im Taufgelübde.

Damit niemand meine, wir hätten es auf Spitzfindigkeiten abgesehen, so will ich mich an die uranfänglichste Autorität wenden, an unsere Besiegelung selbst. Wenn wir in das Taufwasser hineinsteigen und, die Worte seines Gesetzes nachsprechend, den christlichen Glauben bekennen, so beteuern wir mit unserm eigenen Munde, dem Teufel, seiner Pracht und seinen Engeln entsagt zu haben. Was dürfte nun wohl das Höchste und Vernehmlichste sein, worin der Teufel, seine Pracht und seine Engel sich zu erkennen geben, wenn nicht eben der Götzendienst? Von daher rührt jeder unreine und nichts würdige Geist, um es kurz zu sagen, weil ich mich dabei nicht länger aufhalten will. Wenn es mithin feststeht, dass alles, was zu den Spielen gehört, vom Götzendienst herrührt, dann dürfte damit ein unumstößliches Präjudiz gegeben sein, dass unsre Beteuerung des Widersagens bei der Taufe sich auch mit auf die Spiele bezieht; denn diese sind dem Teufel, seiner Pracht und seinen Engeln zum Eigentum verfallen, durch den Götzendienst. Wir wollen nun den Ursprung derselben im einzelnen angeben, in welcher Wiege sie im Zeitenlauf groß geworden sind, sodann die Titel einiger davon und die Namen, womit sie bezeichnet werden, dann ihr Zubehör, mit weichen abergläubischen Dingen sie verbunden sind, dann inbetreff der Örtlichkeit, was für Vorstehern sie gewidmet sind, endlich inbetreff der Künste, wem als Erfindern diese zugeschrieben werden. Wenn nur eins von diesen Dingen mit den Götzen nicht in Zusammenhang steht, dann wird es auch nicht mit dem Götzen dienst in Verbindung stehen und auch nicht Gegenstand unserer Abschwörung sein.

5. Ihr Ursprung ist zweideutigen Charakters und führt auf den Götzendienst zurück.

Was zunächst den Ursprung angeht, so ist er, weil mehr verborgen und vielen von den Unsrigen unbekannt, tiefer zu ergründen, und zwar nirgendwo andersher als aus den Hilfsmitteln der heidnischen Literatur, Es sind noch viele Schriftsteller erhalten, welche über diesen Gegenstand Abhandlungen herausgegeben haben. Sie geben über den Ursprung der Spiele folgendes: Die Lydier hätten sich, wie Timäus berichtet, als Ankömmlinge aus Asien in Etrurien niedergelassen unter der Führung des Tyrrhenus, welcher seinem Bruder im Streite um die Herrschaft unterlegen sei. In Etrurien führten sie neben ihren ändern abergläubischen Gebräuchen unter dem Vorwande der Religion auch die Schauspiele ein. Die Römer entlehnten von ihnen herbeigerufene Handwerker und Künstler sowie die Zeit und die Benennung, so dass also der Name Spiele, ludi, von Lydi herkäme. Wenn auch Varro den Namen ludi von ludo d. h. vom Spielen ableitet, wie man die Luperci auch Ludier nannte, weil sie im Spiel hin und her laufen, so gehört doch diese letztere Art Spiel der Jünglinge nach seiner eigenen Meinung für die Festtage, in die Tempel und zu den religiösen Feierlichkeiten, Es handelt sich aber nicht mehr um den Namen, da das, um was es sich bei der Sache selbst handelt, der Götzendienst ist. Denn da die Spiele den gemeinsamen Namen Liberalia führen, so gereicht schon der Klang des Namens dem Vater Liber zur Ehre. Denn sie wurden zuerst von den Landlauten für den Vater Liber gehalten wegen der Wohltat, die sie ihm zuschrieben, auf die Lieblichkeit des Weines hingewiesen zu haben. In der Folge hießen die Spiele, welche von Anfang an zur Ehre des Neptun dienten, Consualia; denn man nannte ihn auch Consus, Sodann ordnete Romulus für den Mars die Equiria an, wiewohl man auch die Consualia auf Romulus zurückführt, weil er sie dem Gott Consus geweiht habe, der, wie man meint, der Gott des Rates ist, jenes Rates nämlich, dass er den Raub der Sabinischen Jungfrauen aussann, um sie zu Weibern seiner Soldaten zu machen. Ein ehrenwerter Rat fürwahr, der auch noch bei den Römern selbst, um nicht zu sagen bei den Göttern, gerecht und erlaubt ist! Denn auch das gereicht ihrer Entstehung zur Befleckung, dass man nicht für gut halten kann, was von etwas Bösem seinen Anfang genommen hat, von der Schamlosigkeit, der Gewalttätigkeit, dem Hass, von einem Brudermörder als Begründer, von einem Sohne des Mars. Auch jetzt noch ist dem Consus im Zirkus bei der ersten Spitzsäule ein Altar aufgeschüttet mit folgender Inschrift: „Consus ist mächtig im Rate, Mars im Kriege, die Laren im Hause“. Es opfern daselbst am 7. Juli die Priester des Staates und am 21. August der Flamen Quirinalis mit den Jungfrauen, Darauf setzte derselbe Romulus für den Jupiter Feretrius Spiele auf dem Tarpejus ein, welche nach dem Bericht des Piso Tarpejische und Kapitolinische genannt worden sind. Darnach veranstaltete Numa Pompilius solche für Mars und die Robigo — denn man ersann sich auch eine Göttin des Getreidebrandes (robigo),— danach Tullus Hostilius, danach Ancus Martius und auch die übrigen der Reihe nach. Für welche Götzen sie Spiele angestellt haben, das steht bei Suetonius Tranquillus oder bei denen, von welchen es Tranquillus entnommen hat. Dies wird jedoch genügen, um den Ursprung der Spiele als götzendienerisch zu brandmarken.

6. Dasselbe beweisen die Namen der einzelnen Arten der Spiele.

Die darauf folgende Zeit verstärkt das Zeugnis aus dem Altertum, indem auch die Titel aus dieser Zeit die Beschaffenheit des Ursprungs der Spiele zur Schau tragen. Es wird durch dieselben angezeigt, für welches Idol und für welchen Aberglauben die Spiele beiderlei Art bestimmt seien. Die Megalensischen Spiele und die des Apollo, ebenso die Cerealischen, die des Neptun, die Latiarischen und die Floralien werden insgemein gefeiert; die übrigen Arten haben die Geburtstage und Feste der Könige, glückliche Staatsereignisse und abergläubische Munizipalfeste zu Ursachen ihrer Entstehung. Darunter gehören auch die, welche man zum Andenken an Privatpersonen in Kraft legatarischer Leistungen als Totenfeier anstellt, auch gemäß einer uralten Einrichtung. Denn schon von Anfang an hat man die Spiele zwiefach charakterisiert, als heilige und als Leichenspiele, d. h. solche für die Götter der Heiden und solche für ihre Toten. Jedoch wenn es sich um Götzendienerisches handelt, so bleibt es sich für uns gleich, unter welchem Namen und Titel es geht, da es auf eben die Geister sich bezieht, denen wir widersagen. Ob sie dieselben den Toten oder ihren Göttern veranstalten, sie veranstalten sie in jedem Falle Toten; beide Arten haben ein und dieselbe Beschaffenheit, bilden einen und denselben Götzendienst, dem ein und derselbe Protest gegen den Götzendienst auf unsrer Seite entspricht.

7. Die Zusammengehörigkeit der Spiele und der heidnischen Religion folgt auch aus dem sie begleitenden Pomp.

Beide Arten von Spielen haben also einen gemeinschaftlichen Ursprung und wegen der gemeinsamen Veranlassung auch gemeinschaftliche Benennungen, Deswegen haben sie notwendigerweise auch die Zurüstungen gemein von wegen der gemeinschaftlichen Verschuldung ihrer Mutter, der Idololatrie. Jedoch ist bei den Zirzensischen Spielen das vorangehende Gepränge, welchem der Name Pompa eigen ist, noch um etwas pomphafter. Bei ihnen sind gegen ihren Charakter beweisend: Die lange Reihe der Götterbilder, die Schar der Ahnenbilder, die Fuhrwerke aller Art, die Sänften, die Kränze, die Waffenrüstungen. Wieviele Feierlichkeiten, wieviele Opferhandlungen gehen außerdem vorher, werden eingeschaltet und folgen hintennach, wieviele Bruderschaften, wieviel Priester- und Amtskollegien werden in Bewegung gesetzt! Das wissen am besten die Einwohner jener Stadt, in der sich die ganze Dämonenversammlung befindet. Wenn diese Dinge in den Provinzen wegen der geringern Mittel mit weniger Sorgfalt betrieben werden, so sind doch die sämtlichen Zirkusspiele an allen Orten als dahin gehörig anzusehen, wo sie herkommen; ihr befleckter Charakter schreibt sich daher, woher sie stammen. Denn auch ein kleines Rinnsal bekommt von seiner Quelle und ein kleiner Schössling von dem Stamme die Eigenschaften seines Ursprungs. Ob Reichlichkeit oder Spärlichkeit dieses Pompes, das bleibt sich ganz gleich, wenn jeglicher Pomp des Zirkus, wie immer beschaffen, für Gott schon beleidigend ist. Sollten auch nur ein paar Götzenbilder herumgetragen werden, eins genügt schon zur Idololatrie: wenn man auch nur ein Fuhrwerk umherführt, es ist der Wagen Jupiters; jede Art Idololatrie, die ärmlich ausgestattete sowie die mit Glanz und Reichtum auftretende, trägt den Charakter ihres besonderen Verbrechens.

8. Dasselbe folgt aus dem Charakter der Örtlichkeit, wo die Spiele vor sich gehen.

Um unserm Plane gemäß auch von den Örtlichkeiten zu handeln, so ist der Zirkus vorzüglich dem Sonnengott geheiligt, dessen Tempel im mittleren Räume und dessen Bild vom Giebel des Tempels erglänzt, weil man den, welchen man im Freien sieht, nicht unter einem Dache zur Verehrung glaubte ausstellen zu dürfen. Diejenigen, welche behaupten, dass das erste Zirkusspiel von der Circe, und zwar, wie sie vorgeben, zu Ehren ihres Vaters Sol veranstaltet worden sei, leiten von ihr auch den Namen Zirkus ab. Ganz natürlich hat diese Unholdin jenes Geschäft unter diesem Namen für diejenigen verrichtet, deren Priesterin sie war, der Dämonen nämlich und der bösen Engel. Wieviel Götzendienerisches erblickst du also schon in der äussern Erscheinung des Ortes! Die einzelnen Ornamente des Zirkus sind ebensoviele Tempel, Die Eier wählte man zu Ehren der Kastoren, weil man sich nicht schämte, zu glauben, sie seien aus einem Ei geboren — von wegen Jupiters, des Schwanes; die Delphine speien zu Ehren des Neptun, die Säulen tragen Göttinnen, die Sessiae sind vom Säen, die Messiae vom Ernten, die Tutulinae von der Beschützung der Früchte so genannt. Vor ihnen sind drei Altäre zu sehen für je drei Gottheiten, die sog. Grossen, Mächtigen und Starken. Man hält ebendieselben für samothrakisch. Der Obelisk in seiner Länge ist, wie Hermateles versichert, zur Ehre des Sonnengottes vorn hingestellt, die darauf befindliche Inschrift enthält einen Aberglauben Ägyptens, woher der Obelisk stammt. Es würde aber dieser Dämonengesellschaft etwas fehlen, wenn nicht ihre Magna Mater dabei wäre, deshalb ist auch diese dort und führt die Aufsicht über den Wassergraben. Consus hält sich, wie oben bemerkt, bei den Murcischen Merksäulen unter der Erde verborgen. Auch daraus hat man ein Idol gemacht. Murcia soll nämlich eine Liebesgöttin sein, der man an jener Stelle einen Tempel gelobt hat. Nun, mein Christ, bemerke wohl, wieviele unreine Wesen sich in den Besitz des Zirkus teilen! Eine Religion, von welcher so viele teuflische Geister Besitz genommen haben, ist dir sicher fremd.

Hinsichtlich der Örtlichkeit ist nun aber hier der Ort, recht genau zu handeln, um eine gewisse Frage abzuschneiden. „Wie steht es“, fragt man, „wenn ich zu einer ändern Zeit den Zirkus betrete; bin ich dann auch noch der Gefahr der Befleckung ausgesetzt?“ — Es gibt kein Verbot, das den Besuch eines Ortes beschränkte. Denn nicht nur die genannten Versammlungsörter der Spiele, sondern sogar die Tempel selbst kann der Diener Gottes ohne Gefährdung der Kirchenzucht betreten, auf eine dringende Ursache hin, wenn sie nur nicht auf die eigentliche Bestimmung und den Charakter des Ortes Bezug hat. Schließlich sind ja doch auch die Strassen, der Markt, die Bäder und Ställe, ja selbst unsre Häuser mit Götterbildern versehen, ja die ganze Welt ist vom Satan und seinen Engeln erfüllt. Wir fallen durch den bloßen Umstand, dass wir in der Welt sind, noch nicht von Gott ab, sondern nur dann, wenn wir uns an irgend etwas von den Verbrechen der Welt beteiligen. Folglich wenn ich das Kapitolium, wenn ich das Serapeum betrete als einer, der dort opfert oder anbetet, dann falle ich von Gott ab, ebenso wenn ich den Zirkus und das Theater in der Eigenschaft als Zuschauer betrete. Die Örtlichkeiten an sich sind nicht imstande uns zu beflecken, wohl aber das, was daselbst geschieht, und wodurch eben, wie wir zu erhärten gesucht haben, die Örtlichkeiten befleckt werden. Durch Beflecktes werden wir befleckt. Deswegen eben erinnern wir daran, wenn jene Örter geheiligt sind, um zu zeigen, dass das, was an diesen Orten vor sich geht, denen angehöre, welchen sie geweiht sind.

9. Auch die Erfindung der Wagen führt man auf Götter oder Heroen zurück.

Nun die Kunstfertigkeiten, in deren Ausübung die Zirkusspiele bestehen. Was die Anwendung der Rosse betrifft, so wurde sie ehedem einfach betrieben im Sattel gelenkt, und der allgemeine Gebrauch hat sicher nichts Böses verschuldet. Aber indem man ihn in die Spiele hineinzog, wurde er aus einer Gabe Gottes zu einer Dienstleistung für den Teufel, Und so wurde diese Mode dem Kastor und Pollux zugeschrieben, welchen Stesichorus die von Merkur zugeteilten Pferde abrichtete. Auch Neptun, den die Griechen Hippios nennen, ist eine Pferdegottheit, Was die Jochpferde betrifft, so hat man die Viergespanne dem Sonnengott, das Zwiegespann der Luna geheiligt. Aber „als der erste wagte es Erichthonius, Wagen und vier Pferde zu verbinden und in reißender Schnelle als Sieger auf dem Gefährt zu stehen“, Erichthonius, ein Sohn der Minerva und des Vulkan, und zwar infolge der zur Erde herabgefallenen Brunst, ist ein dämonisches Scheusal oder vielmehr der Teufel selbst, jedoch keine Schlange. Für den Fall aber, dass der Argiver Trochilus der Verfertiger des ersten Wagens gewesen wäre, so hat er dies sein Werk der Juno gewidmet. Wenn aber zu Rom Romulus zuerst mit einem Wagen aufgetreten ist, so ist er, vermute ich, wenn er derselbe mit Quirinus ist, auch unter die Götzen eingetragen worden. Die Viergespanne, die von solchen Erfindern ausgegangen sind, haben ihre Lenker nun auch in die Farben des Götzendienstes gekleidet. Denn anfangs waren es ihrer nur zwei, die weiße und die rote. Die weiße war dem Winter wegen der Weiße des Schnees, die rote dem Sommer wegen der Röte der Sonnenglut geweiht. Später aber, nachdem sowohl die Vergnügungssucht als auch der Aberglaube zugenommen hatte, widmete man die rote Farbe dem Mars, die weiße den Zephyren, die grüne aber der Mutter Erde oder dem Frühling und die blaue dem Himmel, dem Meere oder dem Herbste, Da nun aber jegliche Art des Götzendienstes von Gott verdammt ist, so wird natürlich auch diejenige von Gott verdammt, welche den Bestandteilen der Welt dargebracht wird.

10. Auch das Theaterwesen steht mit der heidnischen Religion in Verbindung.

Gehen wir nun zum Theaterwesen über. Dass sein Ursprung derselbe und die Benennungen die gleichen seien, indem der Name Ludi dafür ebenfalls von Anfang an üblich und die Inszenierung mit Anwendung von Pferden und Wagen verbunden war, haben wir schon gezeigt. Auch der äußere Aufzug ist teilweise verwandt, da man von den Tempeln und Altären mit ihrem unseligen Weihrauch und Blut nebst ihrem Flöten- und Posaunenschall hinweg zur Bühne zieht, wobei die beiden verkommensten Persönlichkeiten, der Designator und der Haruspex, die Ordner der Leichenzüge wie der Spiele abgeben. Und von demselben Ausgangspunkte, von wo wir von dem Ursprung der Spiele zu den Zirkusspielen übergegangen sind, nehmen wir nun den Weg zu den Theaterspielen — von dem schlimmen Charakter des Ortes, Das Theater ist eigentlich ein Heiligtum der Venus, In dieser Eigenschaft ist überhaupt erst diese Art von Bauwerken in die Welt eingeführt. Wiederholt nämlich hatten die Zensoren, für gute Sitten besorgt, eben entstehende Theater wieder zerstört. Denn es wurde für die Sitten eine sehr große Gefahr von wegen der Leichtfertigkeit befürchtet, so dass schon aus diesem Anlass für die Heiden ihr eignes Urteil zu einem Zeugnis zu unsern Gunsten wird und auch diese bloß menschliche Stimmenabgabe unsere Sittenzucht verstärkt. Und als daher Pompejus der Große, der nur kleiner war als sein Theater, jene feste Burg aller möglichen Schändlichkeiten erbaute, da hat er aus Besorgnis, es möge einst noch gegen sein Andenken ein Tadel des Zensors ausgesprochen werden, oben darauf einen Tempel der Venus gesetzt und nannte es in dem Edikt, womit er das Volk zur Einweihung berief, nicht Theater, sondern einen Tempel der Venus, unter welchem er, das sind seine Worte, die Sitzreihen des Theaters angebracht habe. So hat er diesem verdammten und verdammlichen Bauwerke äußerlich den Namen eines Tempels gegeben und die Sittenpolizei vermittelst des Aberglaubens zum besten gehabt. Aber Venus und Bacchus halten zusammen; sie sind ja beide böse Geister der Trunkenheit und Wollust, die miteinander in einer Verabredung und Verschwörung stehen. Daher ist das Theater der Venus auch ein Haus des Bacchus oder Liber. Denn andere Bühnen spiele nannte man eigentlich Liberalia, als außerdem noch dem Liber geweiht — bei den Griechen sind es die Dionysien — und vom Liber eingesetzt. Es besteht in der Tat ein Patronat des Bacchus und der Venus bei den szenischen Künsten. Denn was der Schaubühne eigentümlich und zugehörig ist, die Weichlichkeit in Gebärde und sinnlicher Haltung des Körpers, das opfert man der Venus und dem Bacchus, die beide auch, die eine durch ihr Geschlecht, der andere infolge der Schwelgerei ganz kraft- und energielos sind. Was sich hingegen durch Stimme, Melodie, Instrumente und Schrift vollzieht, das hat zu Vorständen Apollo, die Musen, Minerva und Merkur, — O Christ, verabscheuest du nun die Dinge, deren Urheber zu verabscheuen du nicht umhin kannst?

Hier wollen wir nun auch gleich über die Künste und die Dinge, deren Urheber für uns in jenen Namen Gegenstand des Abscheues sind, etwas sagen. Wir wissen recht gut, dass Namen verstorbener Personen an sich nichts sind, ebenso wenig auch ihre Bildnisse, aber wir wissen auch sehr wohl, wer es ist, der unter jenen Namen und den aufgestellten Bildern wirksam ist, seine Freude hat und sich lügnerisch die Gottheit anmaßt — die nichtswürdigen Geister, die Dämonen, Wir nehmen mithin wahr, dass auch die Künste der Ehre derer geweiht sind, die sich unter dem Namen ihrer Erfinder eingenistet haben, und dass auch sie nicht von götzendienerischem Wesen rein sind, da ihre Erfinder eben deshalb für Götter gehalten werden. Was die Künste angeht, so müssen wir richtiger unsere Prozesseinrede weiter hernehmen und sagen, dass die Dämonen mit ihrer Gabe der Voraussicht sich unter den übrigen Akten des Götzendienstes auch die Unreinheiten der Schauspiele ausersehen, um dadurch die Menschen von Gott fern zu halten und ihrer Ehre dienstbar zu machen, und dass sie künstlerischen Genies der Art die Begeisterung eingegeben haben. Denn was sich auf sie beziehen sollte, das wird wohl auch nicht von ändern Wesen eingerichtet worden sein. Sie hätten es auch durch niemand anders gezeigt und gelehrt, als durch eben die, unter deren Namen, Bildern und Geschichten sie den betrügerischen Weihegottesdienst, der zu ihrem Vorteil dient, etabliert haben.

11. Mit den Wettkämpfen verhält es sich ebenso.

Um in der Reihenfolge fortzufahren, wollen wir auch die Wettkämpfe einer Besprechung unterwerfen. Ihrem Ursprunge nach sind sie mit den Spielen verwandt. Daher werden sie ebenfalls als heilige und als Leichenfeierlichkeiten angestellt und gelten entweder den heidnischen Göttern oder verstorbenen Personen, Dementsprechend sind ihre Titel: Olympische Wettkämpfe für Jupiter, — welches zu Rom die Kapitolinischen sind; — die Nemäischen zu Ehren des Herkules, die Isthmischen zu Ehren des Neptun, die übrigen dagegen sind Leichenspiele, Was ist es also Auffallendes, wenn sogar der äußere Apparat der Wettkämpfe durch die Idololatrie befleckt wird, durch unheilige Kränze, durch den Vorsitzenden aus der Priesterschaft, die dienenden Genossenschaften und endlich durch das Opferblut eines Ochsen? Um mich auch über den Ort derselben und den ihnen gemäß ihrer Verbindung mit den Künsten der Musen, der Minerva, des Apollo und auch des Mars gemeinsamen Schauplatz auszusprechen, so ahmen sie durch den Wettstreit und das Trompetenblasen im Stadium dem Zirkus nach. Das Stadium ist natürlich auch ein Tempel, und zwar eben des Idols, dessen Festlichkeit man begeht. Auch die gymnastischen Künste sind aus den Anleitungen der Kastoren, des Herkules und des Merkur hervorgegangen.

12. Dasselbe gilt von den Leichenspielen.

Es fehlt nun noch die Würdigung des herrlichsten und verbreitetsten unter den Schauspielen. Totenspende (munus) wird es genannt von dem Dienst, weil Dienst ein andrer Ausdruck für Spende ist. Einen Dienst aber glaubten die Alten durch diese Spiele den Toten zu erweisen, nachdem sie den Charakter derselben gemildert hatten durch eine gelindere Art von Grausamkeit, Früher kaufte und opferte man bei den Leichenbegängnissen Gefangene oder böse Sklaven, weil man glaubte, die Geister der Toten durch Menschenblut zu versöhnen. Späterhin zog man es vor, diese Ruchlosigkeit zu einer Ergötzlichkeit zu gestalten. Und so wurden Leute, welche man beschafft hatte, bloß um zu lernen, wie man sich müsse totschlagen lassen, in dem Gebrauch der Waffen unterrichtet, so gut wie es damals ging, und dann alsbald am festgesetzten Tage der Totenopfer bei den Grabhügeln verwendet. So tröstete man sich über den Tod durch Morde, Dies ist der Ursprung der sog. Toten spenden. Nach und nach jedoch nahmen diese an Beliebtheit in dem Grade zu, als sie unmenschlicher wurden, indem nämlich Bestien des Vergnügens nicht eher genug hatten, wenn nicht auch Menschenleiber durch wilde Tiere zerrissen würden. Was also den Verstorbenen geopfert wurde, das sah man als einen Totendienst an. Dies ist auch deswegen ein Götzendienst, weil der ganze Götzendienst nur eine Art von Totendienst ist. Sowohl der eine als der andere ist an verstorbene Personen gerichtet. In den Idolen der Verstorbenen aber sitzen die Dämonen.

Um auch die Titel zu berücksichtigen, — obwohl diese Art Veranstaltungen von der Ehrenerweisung gegen die Verstorbenen auf die Ehrenstellen der Lebendigen ist übertragen worden — zur Ehre, sage ich, der Quästoren, Magistrate, Flamines und Priester, — um also auch die Titel zu berücksichtigen, so muss, weil sogar auch die Würde des Namens in das Verbrechen der Idololatrie verstrickt ist, auch das, was unter dem Vorwande der Amtswürde geschieht, an den Makeln dessen teilnehmen, wodurch es verursacht ist. Dasselbe werden wir auch in betreff des Aufputzes erklären, der als ebenfalls zu dem Ehrengepränge selber zugehörig angesehen wird, weil all diese Purpurgewänder, Fasces, Kopfbinden, Kränze, endlich auch die Reden, Edikte und heiligen Mahlzeiten nicht ohne Teufelspomp und Anrufung der Dämonen vor sich gehen. Was soll ich mich also über die Greulichkeit des Ortes auslassen, den nicht einmal der Meineid ertragen kann1? Denn zahlreicheren und schrecklicher klingenden Götternamen ist das Amphitheater heilig, als selbst das Kapitol; es ist ein Tempel sämtlicher Dämonen; es hausen darin so viel Teufel, als es Menschen fasst. Um mit den Künsten, die dabei vorkommen, den Schluss zu machen, so wissen wir ja, dass Mars und Diana die Vorsteher beider Arten von Spielen sind.

13. Ergebnisse aus dem bisher Gesagten.

Wir haben, wie ich annehmen darf, erschöpfend der Reihe nach darüber gehandelt, wie vielfach und in welcher Weise bei den Spielen Idololatrie begangen wird, vom Gesichtspunkte ihres Ursprunges sowohl als der Titel, der Zurüstungen, der Örtlichkeiten wie der Künste, und haben dadurch die Gewissheit erlangt, dass sie sich für uns, die den Idolen zweimal widersagt haben, nicht schicken. Nicht zwar, weil das Idol, wie der Apostel sagt, etwas wäre, sondern weil das, was man tut, den Dämonen gilt, welche bei den Einweihungsakten der Idole, seien sie nun Tote, seien sie die vermeintlichen Götter, da sind. Deswegen also, weil beide Arten des Götzendienstes den gleichen Ursprung haben, indem die Verstorbenen und die Götter gleichen Wesens sind, so enthalten wir uns beider Arten des Götzendienstes. Wir verabscheuen die Grabmonumente ebenso sehr wie die Tempel, wir haben mit keiner von beiden Arten von Altären etwas zu tun, wir beten keine von beiden Arten der Bilder an, wir opfern nicht, wir halten keine Totenfeier, wir essen auch nicht einmal etwas von den Totenmahlzeiten, weil wir nicht die Mahlzeit Gottes und die Mahlzeit der Dämonen genießen können. Mithin, wenn wir schon unsern Mund und Bauch von Besudelungen frei erhalten, um wieviel mehr halten wir dann noch die bessern Teile unseres Ich, die Augen und Ohren, von Ergötzlichkeiten fern, die auch ein Opfer für die Götzen und die Abgestorbenen sind, und welche nicht durch die Eingeweide durchpassieren, sondern vom Geiste und von der Seele selbst aufgenommen werden, an deren Reinheit Gott viel mehr gelegen ist, als an der Reinheit der Eingeweide.

14. Es ergeben sich aber für Betrachtung der Spiele auch noch anderweitige Gesichtspunkte.

Nunmehr wollen wir den Punkt Idololatrie, welcher, wenn vorgelegt, allein schon zum Verzicht auf die Spiele genügen müsste, fallen lassen und zum Überfluss in anderer Weise verhandeln, um derentwillen, die sehr viel darauf geben, dass jene Enthaltung nicht ausdrücklich vorgeschrieben sei. Das klingt, als wenn in betreff der Spiele noch zu wenig besagt sei, wenn die Begierlichkeit der Welt verboten wird. Wie eine Begierde nach Geld, nach Ehren, nach Schlemmerei, nach Wollust, nach Ruhm, so gibt es auch eine nach Vergnügen. Schauspiele sind aber eine Art Vergnügen, Ich meine, wenn die Begierden im allgemeinen genannt werden, so begreifen diese auch die Vergnügungen in sich, und in gleicher Weise die Vergnügungen, allgemein verstanden, sprechen im speziellen auch gegen die Spiele, Aber wir haben ja oben bei Gelegenheit der Örtlichkeiten angeführt, dass nicht diese an und für sich uns verunreinigen, sondern das, was daselbst geschieht, wodurch sie, sobald sie die Verunreinigung eingesogen haben, diese dann wieder auf andere ausspeien.

15. Die Teilnahme an den Spielen widerstrebt im allgemeinen der Heiligkeit.

So steht es also, wie gesagt, mit dem ersten Beschwerdepunkt gegen die Spiele, mit der Idololatrie; nun wollen wir zeigen, dass auch die übrigen sittlichen Eigenschaften der Dinge, die da vor sich gehen, alle gegen Gott gerichtet sind. Gott hat befohlen, mit dem Heiligen Geist, der vermöge der Vorzüge seiner Natur schon zart und empfindlich ist, in Ruhe und Milde, in Stille und Seelenfrieden umzugehen, ihn nicht durch Wut und Grimm, durch Zorn und Verdruss zu stören. Wie lässt er sich aber bei der Teilnahme an den Spielen bewahren? Kein Schauspiel geht vor sich ohne starke geistige Erregung, Denn wo es sich um Vergnügen handelt, da ist auch Interesse dafür da, wodurch natürlich das Vergnügen erst seine Anziehungskraft bekommt, und wo Interesse ist, da ist auch Neid und Eifersucht, wodurch das Interesse erst seine Anziehungskraft bekommt. Wo aber Neid und Eifersucht ist, da ist auch Wut, Ärger, Verdruss und so weiter infolge der Dinge, welche samt diesen Affekten mit der sittlichen Zucht unvereinbar sind. Denn wenn auch jemand nach Verhältnis seiner Würde, seines Alters oder Naturells mit Mässigung und Anstand die Schauspiele genießt, so ist er doch nicht unbeweglichen Geistes und ohne verborgene Leidenschaft der Seele, Niemand geht zu einem Vergnügen ohne einen Affekt; niemand erfährt einen Affekt ohne besondere Zufälle. Der Affekt wird eben durch Zufälle hervorgerufen. Wenn aber der Affekt aufhört, so ist auch kein Vergnügen mehr vorhanden, und man ist dann schon eines törichten Beginnens schuldig, indem man dahin geht, wo nichts erfolgt. Ich möchte aber doch denken, auch törichtes Beginnen sei uns etwas Fremdes. Was soll man ferner dazu sagen, dass man sich selbst verurteilt, wenn man sich zwischen die setzt, für derengleichen man nicht gehalten sein will, ja als deren Verächter man sich bekennt! Für uns reicht es nicht aus, wenn wir nichts der Art tun; wir dürfen uns auch denen, welche solches tun, nicht beigesellen. „Wenn du einen Dieb sähest“, heisst es, „so pflegtest du mit ihm zu gehen“. O dass wir doch nicht einmal in der Welt überhaupt mit ihnen zusammen zu sein brauchten! Daher wollen wir uns wenigstens in den Dingen dieser Welt von ihnen absondern, weil die Welt wohl Gott gehört, die Dinge dieser Welt aber dem Teufel.

16. Durch die Spiele werden wütende Leidenschaffen erregt.

Da rasende Wut uns untersagt wird, so hält uns das von jedem Schauspiele fern, auch vom Zirkus, wo recht eigentlich die Wut die Herrschaft führt. Sieh nur das Volk, wie es schon in Wut und Raserei zum Schauspiel herbeikommt; es ist schon im Tumult, schon verblendet, schon durch die Wetten aufgeregt. Der Prätor macht ihm zu lange, beständig richten sich die Blicke nach der Urne mit den Losen; sodann geben sie ängstlich auf das Zeichen acht. Man hört nur eine Stimme eines und desselben Wahnsinns, Man erkennt den Wahnsinn auch an seinem unnötigen Tun. „Er hat es geworfen“, rufen sie und benachrichtigen einander von dem, was sie allzumal gesehen haben. Ich greife das als einen Beweis für ihre Verblendung auf: sie sehen nicht, was geworfen wurde. Sie meinen, es sei ein Tuch, aber es ist das Sinnbild des aus der Höhe herabgestürzten Teufels, Von diesem Augenblicke an beginnt nun die Raserei, die Aufregung, der Hader und was sonst Priestern des Friedens nicht erlaubt ist. Nun beginnen die Flüche, die Beschimpfungen ohne gerechten Anlass, sowie die Zeichen des Wohlgefallens ohne ein Verdienst der Liebe, Was werden die Leute, die da tätig sind, für sich davon profitieren, sie, die sich nicht einmal selbst angehören? Höchstens, dass sie der Macht über sich selbst beraubt werden: sie betrüben sich über fremdes Unglück und freuen sich über fremdes Glück. Was sie wünschen und was sie nicht wünschen, ist etwas außerhalb ihrer selbst Befindliches, und so ist die Liebe bei ihnen gegenstandslos und der Hass ungerecht. Oder ist es vielleicht erlaubt, ohne Grund zu lieben und ohne Grund zu hassen? Gott verbietet sogar, begründeten Hass zu hegen, indem er es ist, der befiehlt, die Feinde zu lieben, Gott erlaubt nicht einmal, jemandem mit Grund zu fluchen, da er die Fluchenden zu segnen vorschreibt. Aber was ist so voll Bitterkeit als der Zirkus, wo man nicht einmal die Fürsten und Mitbürger verschont?! Wenn von allem dem, worüber der Zirkus rasend ist, den Heiligen auch nur irgend etwas und irgendwo ansteht, dann wird es auch im Zirkus erlaubt sein; wofern aber nirgendwo, dann auch nicht im Zirkus.

17. Der unsittliche Charakter vieler Schauspiele.

Wird uns nicht ebenso befohlen, jegliche Schamlosigkeit fernzuhalten? Auch hierin liegt für uns ein Verbot des Theaters, welches die Heimat und der Tummelplatz der Schamlosigkeit ist, wo nichts Beifall findet, als was sonst nirgends welchen findet. Daher setzt sich sein größter Zauber meistens aus Unflätereien zusammen, welche der Atellanenspieler durch Gestikulationen ausdrückt, welche der mimische Schauspieler sogar in Weiberkleidern wirklich darstellt und womit er das schamhaftere Geschlecht vertreibt, so dass es eher zu Hause als im Theater errötet, welche endlich auch der Ballettänzer von Jugend auf an seinem Körper erduldet, um ein rechter Künstler sein zu können. Sogar die öffentlichen Dirnen werden als Futter für die Ausgelassenheit des Publikums auf der Bühne produziert, beklagenswerter in Gegenwart der Frauen, denen allein sie unbekannt waren, werden sie dem Anblick von Personen jedes Alters und jeder Stellung vorgeführt und ihre Standörter, ihre Preise und ihre guten Eigenschaften auch denen, vor welchen es nicht geschehen sollte, angepriesen. Ich schweige von den übrigen Dingen, welche anstandshalber in ihrer Dunkelheit und den Lasterhöhlen verborgen bleiben sollten, damit nicht das Sonnenlicht dadurch besudelt würde. Es sollte sich schämen der Senat, es sollten sich schämen alle Stände. Selbst jene Personen, die Mörderinnen ihrer eigenen Schamhaftigkeit, verraten doch in ihren Gesten Furcht vor dem Tageslichte und dem Volke; sie schämen sich wenigstens einmal im Jahre. Wenn wir nun jede Schamlosigkeit verabscheuen sollen, wie könnte es uns erlaubt sein, anzuhören, was zu sagen unerlaubt ist, da sogar jeder schlechte Spaß und jedes vergebliche Wort, wie wir wissen, vom Herrn gerichtet wird? Wie sollte, was aus dem Munde ausgehend den Menschen verunreinigt, durch Augen und Ohren eingehend ihn nicht verunreinigen, da die Ohren und Augen ja Diener des Geistes sind, und der, dessen Diener beschmutzt sind, niemandem sauber erscheinen kann? Da hast du ein Verbot des Theaters auf Grund des Verbotes der Unkeuschheit. Wenn wir nun auch die Gelehrsamkeit der Literatur der Heidenwelt als eine Torheit vor Gott verachten, so ist uns in betreff jener Arten von Spielen genug gesagt, welche in der profanen Literatur in die komische und tragische Gattung eingeteilt werden. Wenn die Tragödien sowohl als die Komödien den Trieb zum Verbrechen und zur Wollust steigern und grausamen, ausgelassenen, ruchlosen und lockern Charakters sind, so ist die mündliche Besprechung grässlicher wie niedriger Handlungen um nichts besser. Was als Tat verwerflich ist, ist auch in Worten nicht zu dulden.

18. Sittlicher Unwert des Stadiums und der Fechtschule.

Wolltest du ferner behaupten, der Name Stadium komme auch in der Hl, Schrift vor, so kannst du allerdings vielleicht Recht behalten, aber du wirst nicht leugnen können, dass, was in den Fechtschulen geschieht, deines Anblickes nicht würdig ist, die Faustschläge, die Fußtritte, die Backenstreiche, welche fallen, das freche Gebaren der Hände und all die Verunstaltungen des menschlichen Antlitzes, dieses Ebenbildes Gottes, Du wirst keinen Beifall spenden den törichten Lauf-, Wurf- und Springübungen, niemals werden schimpfliche und eitle Kraftanstrengungen dein Gefallen finden, so wenig wie die Sorge um angequälte Körperfülle, weil sie das Gebilde Gottes überbieten will, und du wirst die um des griechischen Müßigganges willen gemästeten Menschen verabscheuen. Auch die Kunst des Ringens ist etwas Teuflisches. Der, welcher die Menschen zuerst zu Boden drückte, war der Teufel. In den Bewegungen selbst ist eine Ähnlichkeit mit der Kampfart der Schlange; zäh sind sie im Festhalten, voll Windungen im Umschlingen und glatt zum Entschlüpfen. Du kannst keine Kränze gebrauchen, warum wolltest du in Kränzen dein Vergnügen suchen?

19. Verwerflichkeit der Spiele im Amphitheater.

Erwarten wir nun eine Verwerfung auch des Amphitheaters seitens der Hl. Schrift? Wer sich zu der Behauptung verstehen kann, Grausamkeit, Ruchlosigkeit, tierische Wildheit sei etwas Erlaubtes für uns, der gehe ins Theater! Wenn wir wirklich solche Leute wären, wie man von uns sagt, so würden wir an Vergießung von Menschenblut unsere Freude haben, — „Es ist aber etwas Gutes, da es Verbrecher sind, die ihre Strafe finden.“ — Das wird allerdings nur leugnen, wer selbst ein Verbrecher ist, und dennoch kann sich ein Unschuldiger unmöglich über die Hinrichtung eines Nebenmenschen freuen. Es würde dem Unbescholtenen besser anstehen, betrübt zu sein, weil ein Mitmensch, seinesgleichen, ein solcher Verbrecher geworden ist, dass er auf so grausame Weise verwendet wird. Wer ist mir denn aber dafür Bürge, dass es immer nur Schuldige sind, die zu den wilden Tieren oder zu Todesstrafen irgendwelcher Art bestimmt werden, und dass dies nicht auch der Unschuld widerfährt, aus Rachsucht des Richters, durch Schwäche der Verteidigung oder wegen Heftigkeit der Folter? Es ist viel besser also, nicht darum zu wissen, wenn Schuldige bestraft werden, um nicht dabei zu sein, wenn auch Gute zugrunde gehen; wüsste man überhaupt nur, was gut ist! Sicher ist wenigstens, dass Unschuldige als Gladiatoren zu den Spielen gemietet werden, um dem Amüsement des Publikums zum Opfer zu dienen. Was die betrifft, die zu den Spielen verurteilt werden, so ist es ganz unqualifizierbar, dass man sie anlässlich ihrer Bestrafung wegen eines geringern Vergehens nun gar noch zum Morde treibt. Das wäre unsere Antwort für die Heiden, Im übrigen aber verhüte Gott, dass ein Christ in betreff der Verabscheuungswürdigkeit der Schauspiele noch weiterer Belehrung bedürfe! Indessen, es vermag niemand alle diese Gründe vollständiger zum Ausdruck zu bringen, als wer noch den Zuschauer abgibt. Ich will aber lieber nicht ganz vollständig sein, als weiter an dergleichen Dinge denken.

20. Widerlegung des Einwandes, man dürfe den Spielen zuschauen, weil Gott sie dulde.

Wie leer, oder vielmehr wie hoffnungslos ist die Sophistik derer, welche — ohne Zweifel als bloße Ausflucht, um sich das Vergnügen nicht nehmen zu lassen — vorschützen, es komme in der Hl. Schrift keine Vorschrift einer derartigen Enthaltung speziell oder an einem bestimmten Orte vor, wodurch es dem Diener Gottes direkt untersagt würde, solchen Zusammenkünften anzuwohnen. Da habe ich nun von einem Theaterfreunde kürzlich eine ganz neue Verteidigung gehört. „Die Sonne“, sagte er, „oder vielmehr Gott selbst schaut vom Himmel herunter und wird nicht verunreinigt.“ — Fürwahr, die Sonne sendet ihre Strahlen auch in Kloaken, ohne befleckt zu werden. O, dass doch Gott gar keine Schandtaten der Menschen schaute, damit alle dem Gerichte entgingen! Indessen, er sieht auch die Räubereien, Fälschungen, Ehebrüche, Betrügereien, götzendienerischen Handlungen, sogar die Schauspiele selbst. Eben deshalb also sollen wir bei letztern nicht zuschauen, damit wir nicht von dem gesehen werden, der alles sieht. Du bringst da, o Mensch, den Richter und den Angeklagten in Vergleich, den Angeklagten, der, weil er gesehen wird, schuldig ist, und den Richter, der, weil er sieht, Richter ist! Sind wir denn auch außerhalb des Zirkus von der Raserei eingenommen, beschäftigen wir uns auch außerhalb der Gänge des Theaters mit Schamlosigkeit, mit übermütigem Gebaren außerhalb des Stadiums und mit Unmenschlichkeit außerhalb des Amphitheaters? Gott hat ja auch außerhalb der Kammern, der Sitzreihen und Schattendächer Augen. Wir irren uns. Was Gott einmal verdammt hat, lässt sich nie und nirgends entschuldigen. Nie und nirgends ist erlaubt, was immer und überall unerlaubt ist. Darin besteht eben die Fülle der wahren Lehre und die ihr entsprechende, nach allen Seiten hin vollkommene Sittlichkeit, die gleichmäßige Furcht und der zuverlässige Gehorsam: dass man in seiner Meinung nicht wetterwendisch und in seinem Urteile nicht wandelbar ist. Was einmal wirklich wahr, beziehungsweise falsch ist, das kann nichts anderes sein.

21. Durch das Anschauen der Schauspiele wird das sittliche Gefühl abgestumpft und erstickt.

Bei der göttlichen Wahrheit aber ist alles fest und unveränderlich. Freilich die Heiden, bei welchen sich die Fülle der Wahrheit nicht findet, da der Gott der Wahrheit nicht ihr Lehrer ist, sie legen sich die Begriffe von Gut und Böse nach Gutdünken und Willkür zurecht, das eine Mal ist ihnen gut, was das andere Mal schlecht, und das eine Mal schlecht, was das andere Mal gut ist. So kommt es denn, dass derselbe Mann, der auf offener Strasse nicht einmal aus Not wegen einer Hitzblatter sein Gewand lüftet, es im Zirkus nun derart auszieht, dass er allen die Schamröte ins Gesicht treibt; dass der, welcher zu Hause die Ohren seiner jungfräulichen Tochter schon vor jedem schnöden Worte bewahrt, sie ins Theater mitnimmt zu solchen Worten und Gebärden; dass der, welcher einen, der auf der Strasse seinen Streit mit der Hand ausmachen will, zurückhält oder tadelt, im Stadium ungleich heftigeren Kämpfen Beifall zuruft, und der, dem vor dem Leichnam eines auf gewöhnliche Weise verstorbenen Menschen schaudert, im Amphitheater angefressene, zerfetzte und in ihrem Blute schwimmende Leichen mit der größten Gemütsruhe von oben herunter anschaut. Ja noch mehr, wer angeblich gekommen ist, um seine Billigung für die Bestrafung eines Mordes an den Tag zu legen, lässt nun sogar noch den Gladiator, falls derselbe keine Lust hat, durch Peitschen- und Rutenhiebe zum Morden von Menschen antreiben. Eben der nämliche, welcher jeden raffinierten Mörder dem Löwen vorgeworfen zu sehen verlangt, beantragt für einen besonders grausamen Gladiator die Freilassung und verschafft ihm die Belohnung des Hutes, dagegen den ändern, den Getöteten, begehrt er noch zur Augenweide und sieht ihn sich lieber recht in der Nähe an, nachdem er von ferne seinen Tod verlangt hat, grausamer noch, wenn er ihn nicht verlangte.

22. Die Schauspieler sind in der bürgerlichen Gesellschaft verachtet.

Was Wunder? Ungleichmässig ist das Verhalten der Leute, welche infolge von Unbeständigkeit des Sinnes und schwankendem Urteil Gute und Böse verwechseln und vertauschen, in Folgendem: Die Personen, die als Veranstalter und Darsteller der Schauspiele dienen, die so heißgeliebten Wagenlenker, Bühnenhelden, Boxer und Klopffechter, welchen die Mannsleute ihre Seelen, die Weiber auch noch sogar ihre Leiber preisgeben, denen zu Liebe sie Dinge an ihren Leibern begehen, die sie sonst tadeln — die schätzt man gering, und setzt sie herab wegen derselben Kunst, weshalb man sie hochhält. Ja, man verdammt sie sogar zur Infamie und zum Nichtbesitz der bürgerlichen Rechte, und schließt sie von der Ratsversammlung, der Rednertribüne, dem Senat, dem Ritterstand, von sämtlichen Ehrenstellen und gewissen Auszeichnungen aus. Welche Verkehrtheit! Man liebt die Leute und beeinträchtigt sie; man entehrt sie und zollt ihnen Beifall; den Künstler brandmarkt man, seine Kunstfertigkeit hält man hoch. Welch wunderliches Urteil: jemand kommt in Verruf durch das, worin sein Verdienst besteht! Oder richtiger, was liegt nicht für ein Zugeständnis der Verwerflichkeit dieser Dinge darin, dass deren Veranstalter, obwohl höchst beliebt, doch in Verruf sind.

23. Ihr Treiben ist in Gottes Augen höchst missfällig.

Da schon das menschliche Herz, im Widerstreit mit seiner Vorliebe für das Vergnügen, glaubt, diese Leute von vorteilhaften Ehrenstellen fernhalten und gewissermaßen auf die Felsklippe der Verrufenheit verbannen zu müssen, um wieviel mehr noch wird die göttliche Gerechtigkeit sich gegen sie erheben! Oder sollte der Wagenlenker etwa Gott wohlgefällig sein, der Aufreger so vieler Gemüter, der Veranlasser solcher Raserei bei so vielen Ständen, der wie ein Götzenpriester bekränzt oder wie ein Kuppler bunt gekleidet ist, den der Teufel als Widerspiel zu Elias aufgeputzt hat, um auf dem Wagen fortgeführt zu werden? Wird etwa gar noch der wohlgefällig sein, der sein Aussehen mit Hilfe des Rasiermessers verändert, untreu gegen sein eigenes Antlitz? Nicht zufrieden, es dem Gesichte des Saturn, der Isis oder des Bacchus so ähnlich als möglich zu machen, setzt er es obendrein schmachvollen Ohrfeigen aus, als wollte er mit der bekannten Vorschrift des Herrn sein Spiel treiben. Es lehrt also auch der Teufel, dass man sich geduldig solle auf die Wange schlagen lassen! Er macht den Tragöden mit Hilfe des Kothurns größer, weil — „niemand seiner Leibesgröße einen Zoll zusetzen kann“. Er will Christus zum Lügner machen! Was nun das Maskenzeug angeht, so frage ich, ob es Gott gefallen könne? ihm, der überhaupt kein Gleichnis gemacht haben will, am wenigsten von seinem Ebenbilde! Der Urheber der Wahrheit liebt keine Täuschung, und jede Fiktion gilt bei ihm als eine Fälschung, Der, welcher jede Verstellung verwirft, wird ebenso wenig die Annahme einer ändern Stimme, eines ändern Geschlechts und Alters, sowie das Erheucheln von Liebe, Hass, Zorn, Seufzern und Tränen billigen. Wenn er endlich im Gesetze vorschreibt, dass, wer sich weiblicher Kleider bedient, verflucht sein solle, wie wird er von dem Ballettänzer urteilen, der auch als Weib erscheint? Der Meister im Faustkampf, wird auch er ungestraft ausgehen!? Er hat seine Fechtriemenwunden, seine Beulen von Faustschlägen, seine Knoten hinter den Ohren wohl schon von Gott bei seiner Erschaffung empfangen!? Hat ihm Gott die gesunden Augen verliehen, damit er sie bei der Prügelei verliere! Ich schweige von dem, der sich eines Menschen gegen den Löwen zum Schütze bedient. Ist er nicht etwa ebenso sehr ein Mörder als der, welcher ihn nachher tötet?

24. Es ist allgemeine Sitte bei den Christen, den Spielen fern zu bleiben und die Heiden erkennen sie daran.

Auf wie vielerlei Methoden sollten wir wohl noch darlegen, dass nichts von dem, was mit den Schauspielen zusammenhängt, Gott wohlgefällig sei, und darum, weil es Gott nicht wohlgefällig ist, auch den Dienern Gottes nicht anstehe? Wenn, wie wir gezeigt haben, das alles nur um des Teufels willen veranstaltet wird und sich nur aus teuflischen Dingen zusammensetzt — denn alles, was nicht Gottes ist, sondern Gott missfällt, ist des Teufels —, so wird es zur Pracht des Teufels gehören, welcher wir bei der Besiegelung unseres Glaubens abschwören. Was wir aber abschwören, daran dürfen wir weder tätlich, noch mit Worten oder als Zuschauer Anteil nehmen. Sonst — schwören wir dann nicht die Besiegelung unseres Glaubens wieder ab, wenn wir deren Beglaubigung außer Kraft setzen? Nun fehlt bloß noch, dass wir uns auch von den Heiden eine Antwort geben lassen. Ja, sie sollen uns sagen, ob ein Christ die Schauspiele mitmachen dürfe. Nun wohl, gerade daran erkennen sie am sichersten, ob jemand Christ ist, wenn er die Schauspiele meidet. Darum ist jeder ein offenbarer Verleugner seiner Sache, der das, woran er erkannt wird, beseitigt. Was bleibt von einem solchen Menschen noch zu hoffen? Niemand läuft ja in das Lager der Feinde hinüber, oder er hat bereits die Waffen weggeworfen, die Fahne und den Eid seines Fürsten verlassen und geschworen, mit dessen Feinden zu leben und zu sterben.

25. Der Anblick der Spiele macht rasend und lenkt die Gedanken von göttlichen Dingen ab.

Wird der, welcher sich da befindet, wo nichts ist, was Gott angehört, wohl während der Zeit an Gott denken? Vermutlich wird er, wenn er für den Wagenlenker Partei nimmt, in seiner Seele den Frieden bewahren; Keuschheit wird er lernen, wenn er von den Komödianten gefesselt ist. Richtiger gesagt, es wird uns bei jeder Art von Schauspiel kein größeres Ärgernis aufstoßen, als der sorgfältigere Putz der Männer und Weiber. Die Übereinstimmung, das Zusammenstimmen oder auch das Nichtübereinstimmen in den Gunstbezeigungen gegen die Spieler lockt durch den gegenseitigen Verkehr oft die Funken der bösen Lust hervor. Auch denkt niemand, der die Schauspiele besucht, an etwas anderes als daran, gesehen zu werden und andere zu sehen. Aber, während der Tragöde hochtragisch deklamiert, dann werden einem wahrscheinlich die Ausrufungen irgend eines von den Propheten vorschweben? — Während der weichlichen Melodien des Schauspielers wird man wohl an einen Psalm denken, und während die Athleten agieren, wird unser guter Freund den Ausspruch tun, man dürfe nicht wieder schlagen. Er wird sich in der Lage befinden, sich vom Mitleid rühren zu lassen, während er unverwandt auf die Bisse der Bären und die zusammengerollten Netze der Netzfechter blickt, — Möge Gott die Begierde nach einem so verderblichen Vergnügen von den Seinigen fernhalten! Wie soll ich es nennen, wenn man aus der Gemeinde Gottes zur Gemeinde des Teufels eilt? aus dem Himmel in einen Haufen Unrat? wenn man dieselben Hände, die man zu Gott erhebt, nachher zum Lobe des Schauspielers abmüht? wenn man mit demselben Munde, womit man das Amen gegen das Allerheiligste spricht, über den Gladiator ein Urteil abgibt und einem ändern als Gott und Christus allein „unsterblichen Ruhm“ zuruft?

26. Gott hat zuweilen die Leidenschaft für die Spiele plötzlich und schwer bestraft.

Warum sollten also solche Besucher nicht auch eine Beute der Dämonen werden können? Ein Beispiel — der Herr ist Zeuge — ist vorgekommen bei einer Frau, welche das Theater besuchte und von einem Dämon ergriffen nach Hause zurückkehrte. Als nun beim Exorzismus dem unreinen Geiste zugesetzt wurde, wie er es wagen könne, sich an einer Gläubigen zu vergreifen, so antwortete er hartnäckig: Das habe ich mit vollstem Recht getan; ich habe sie auf meinem Gebiete gefunden. Auch hinsichtlich einer ändern Person steht fest, dass ihr die Nacht darauf, nachdem sie einem Tragöden zugehört hatte, im Traume ein Leichentuch gezeigt und ihr der Name des Tragöden im Tone des Vorwurfs zugerufen wurde. Die betreffende Person hat dann nur noch bis zum fünften Tage gelebt. Wie viele Beweise, freilich anderer Art, sind von denen zu entnehmen, welche vom Herrn abfielen, nachdem sie mit dem Teufel bei den Schauspielen in Gemeinschaft getreten waren. Denn niemand kann zweien Herren dienen. Was hat das Licht mit der Finsternis, was das Leben mit dem Tode zu schaffen?

27. Auch das, was an den Spielen nicht verwerflich ist, ist ein süßes Gift.

Wir müssen diese Versammlungen und Gesellschaften der Heiden schon deshalb hassen, weil der Name Gottes dort gelästert wird, weil man dort täglich die Löwen für uns fordert, weil sie der Ort sind, wo die Verfolgungen beschlossen werden und von wo die Versuchungen ausgehen. Was wolltest du beginnen, wenn du in jenem wilden Getümmel gottlosen Beifallsgeschreies ergriffen würdest — ich meine nicht, als ob du dort von den Menschen etwas auszustehen oder zu erdulden haben könntest, denn niemand vermutet in dir einen Christen —, sondern was würde mit dir im Himmel geschehen, das erwäge! Zweifelst du etwa daran, dass in dem Moment, wo der Teufel in seinem Tempel raset, alle Engel vom Himmel herschauen und sich jeden einzelnen vermerken, wer eine Gotteslästerung ausstößt, wer sie anhört, wer seine Zunge, wer seine Ohren gegen den Willen Gottes dem Teufel zu Diensten stellt? Und du solltest diese Sitze der Feinde Christi nicht fliehen müssen? diesen Stuhl der Pestilenz und mit ihm die Luft selbst, die drückend darüber liegt, die von dem verbrecherischen Geschrei verpestet ist? Mag einiges davon lieblich, manches gefällig und rein, ja sogar ehrbar sein! Niemand mischt das Gift zwischen Galle und Nießwurztrank, sondern in ein gewürztes und schmackhaftes und meistens in ein süßes Gericht tut man die schädliche Substanz, So träufelt auch der Teufel den Todestrank, den er bereitet, zwischen die angenehmsten und lieblichsten Gaben Gottes. Alles, was es dort Mannhaftes, Ehrbares, Wohltönendes, Gefälliges oder Zartes gibt, das siehe an wie einen Aufguss von Honig auf vergiftetes Backwerk und stelle ja nicht den Gaumenkitzel über die Gefahr, die in der Lieblichkeit liegt!

28. Auf die Vergnügungssucht der Heiden folgt Trauer, auf die christliche Weltentsagung dagegen Freude.

Mit solchen Süßigkeiten mag der Teufel seine Gäste sättigen! Ort und Zeit gehören ihm, und er ist ihr Gastgeber. Unser Gastmahl, unser Hochzeitsmahl ist jetzt noch nicht gekommen. Wir können nicht mit ihnen zu Tische sitzen; sie auch nicht mit uns. Die Welt dreht sich. Jetzt haben sie ihre Freude und wir die Bedrängnisse. Heißt es doch: „Die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet traurig sein“. Trauern wir mithin, indessen die Heiden lustig sind, damit wir, wenn sie einmal anfangen werden zu trauern, uns freuen können und nicht dann auch mit ihnen trauern müssen, weil wir uns jetzt mit ihnen freuen. Wenn du in der Welt Vergnügen begehrst, mein Christ, so bist du ein Diener der Sinnlichkeit, oder vielmehr du bist ein Tor, wenn du so etwas für ein Vergnügen hältst! Die Philosophen haben diesen Namen wenigstens noch der Ruhe und Gleichmütigkeit beigelegt; in ihr finden sie ihre Freude, Erheiterung, Zerstreuung und sogar ihren Ruhm. Du aber willst nur nach der Rennbahn, der Bühne, dem Staube und der Arena schmachten? Ich wollte, du sagtest es nur heraus: Wir sind nicht imstande, ohne Vergnügen zu leben, während wir doch mit Freuden sterben sollen! Denn was ist anders unser Begehr, als das des Apostels, aus der Welt hinaus zu gehen und vom Herrn aufgenommen zu werden? Vergnügen findet man nur beim Gegenstande seiner Sehnsucht.

29. Die Schauspiele und Freuden der Christen sind ganz andere.

Und dann endlich, wenn du glaubst, diese Spanne Zeit mit Ergötzlichkeiten hinbringen zu müssen, warum bist du so undankbar, dich mit den vielen und großen Ergötzungen, die Gott dir gewährt, nicht zu begnügen, ja gar nicht an sie zu denken? Denn was gibt es angenehmeres, als versöhnt zu sein mit Gott, unserm Vater und Herrn, als die Enthüllung der Wahrheit, die Erkenntnis der Irrtümer und Verzeihung für so viele frühere Fehltritte zu erlangen? Welche Lust kann größer sein als der Ekel an der Lust selbst, als die Verachtung der ganzen Welt, die wahre Freiheit, ein unbeflecktes Gewissen, ein zufriedenes Leben und Freiheit vor jeder Todesfurcht? Dass die Götter der Heiden zu deinen Füssen liegen, dass du Dämonen austreibst, Heilungen bewirkst, um Erleuchtungen bittest und für Gott lebst, das sind die Vergnügungen und Schauspiele der Christen, die heiligen, beständigen, unentgeltlichen! Deine Zirkusspiele seien: Betrachte den Lauf der Welt, zähle die flüchtig dahineilenden Stunden und Zeiten, erwarte den Wendepunkt der Vollendung, verteidige die kirchlichen Genossenschaften, erwache beim Signal Gottes, erhebe dich bei der Posaune des Engels, setze deinen Ruhm in die Palme des Martyriums! Sollte dich die Bühne aber etwa der Bildung wegen anziehen — wir haben Literatur genug, genug Poesien, genug Sinnsprüche, auch genug Gesänge und Lieder, aber keine Fabeln, sondern Wahrheiten, keine spitzen Redensarten, sondern einfältige Worte. — Verlangst du Faust- und Ringkämpfe? — Sie sind vorhanden, und zwar viele und bedeutende. Schaue hin, wie die Unzucht von der Keuschheit niedergeworfen, der Unglaube vom Glauben überwunden, die Roheit von Mitleid aus dem Felde geschlagen, die Unverschämtheit von der Anspruchslosigkeit auf die Seite gedrängt wird! Das sind innere Wettkämpfe, in welchen wir selber gekrönt werden. Verlangst du aber etwa auch noch Blut, so hast du das Blut Christi.

30. Man vergegenwärtige sich das größte und letzte Schauspiel der Welt, das jüngste Gericht.

Welches Schauspiel für uns ist demnächst die Wiederkunft des Herrn, an den man dann glauben wird, der dann erhöht ist und triumphiert! Wie werden da die Engel frohlocken, wie groß wird die Glorie der auferstehenden Heiligen sein! Wie werden von da an die Gerechten herrschen, wie wird die neue Stadt Jerusalem beschaffen sein! Aber es kommen noch ganz andere Schauspiele: Der Tag des letzten und endgültigen Gerichts, den die Heiden nicht erwarten, über den sie spotten, der Tag, wo die alt gewordene Welt und alle ihre Hervorbringungen im gemeinsamem Brande verzehrt werden. Was für ein umfassendes Schauspiel wird es da geben? Was wird da der Gegenstand meines Staunens, meines Lachens sein? Wo der Ort meiner Freude, meines Frohlockens? Wenn ich so viele und so mächtige Könige, von welchen es hieß, sie seien in den Himmel aufgenommen, in Gesellschaft des Jupiter und ihrer Zeugen selbst in der äußersten Finsternis seufzen sehe; wenn so viele Statthalter, die Verfolger des Namens des Herrn, in schrecklicheren Flammen, als die, womit sie höhnend gegen die Christen wüteten, zergehen; wenn außerdem jene weisen Philosophen mit ihren Schülern, welchen sie einredeten, Gott bekümmere sich um nichts, welchen sie lehrten, man habe keine Seele, oder sie werde gar nicht oder doch nicht in die früheren Körper zurückkehren — wenn sie mitsamt ihren Schülern und von ihnen beschämt im Feuer brennen, und die Poeten nicht vor dem Richterstuhl des Rhadamantus oder Minos, sondern wider Erwarten vor dem Richterstuhl Christi stehen und zittern! Dann verdienen die Tragöden aufmerksameres Gehör, da sie nämlich ärger schreien werden in ihrem eigenen Missgeschick; dann muss man sich die Schauspieler anschauen, wie sie noch weichlicher und lockerer durch das Feuer geworden sind; dann muss man sich den Wagenlenker ansehen, wie er auf flammendem Rade erglüht; dann die Athleten betrachten, wie sie nicht wie in der Ringschule (mit Sand), sondern mit Feuer beworfen werden.

Nur möchte ich dann weniger die Genannten sehen als vorziehen, meinen unersättlichen Blick auf jene zu richten, die gegen die Person des Herrn selbst gefrevelt haben. Hier ist, würde ich ihnen dann sagen, der Sohn des Zimmermanns und der Dirne, der Sabbatschänder, der Samariter, der Mensch, der den Teufel haben soll. Das ist er, den ihr dem Judas abgekauft habt, das ist er, den ihr mit dem Rohre und mit Ohrfeigen misshandelt, durch Anspeien besudelt, mit Galle und Essig getränkt habt. Das ist der, den die Schüler heimlich entwendet haben, um nachher sagen zu können, er sei auferstanden, den der Gärtner beiseite geschafft hat, damit nicht durch die Menge der Besucher sein Salat beschädigt würde. Solches zu schauen und darüber zu frohlocken, das kann dir kein Prätor, kein Konsul, kein Quästor oder Götzenpriester mit all seiner Freigebigkeit gewähren. Und doch haben wir diese Dinge durch den Glauben im Geiste und in der Vorstellung bereits gewissermassen gegenwärtig. Wie aber mag vollends das beschaffen sein, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört hat, und was in keines Menschen Herz gekommen ist! Ich denke denn doch, lieblicher als der Zirkus, beide Arten des Theaters und die Rennbahn.

 

 

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