Mensch – Schöpfung Gottes

Hat die moderne Wissenschaft tatsächlich gezeigt, dass  die Entstehung des Lebens ohne das Eingreifen einer uns unbekannten Macht undenkbar ist? Oder hat das ganze Leben seinen Ursprung doch der hypothetischen Ur-Suppe zu verdanken? Wie können wir unsere modernen Kenntnisse über DNS, Wahrscheinlichkeiten und Mutationen mit der Heiligen Schrift vereinbaren? Wie sind die menschliche Sprache, der aufrechte Gang und der Glaube an Gott entstanden? In seinem Vortrag ruft Erzpriester Dr. Ambrosius Backhaus (1923 – 2005) uns dazu auf, diese und viele andere Fragen zu bedenken.

Liebe Brüder und Schwestern, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, daß ich wieder hier bin. Eigentlich können wir in zehn Minuten fertig sein. Die moderne Wissenschaft hat gezeigt, daß die Entstehung des Lebens ohne das Eingreifen einer uns unbekannten Macht undenkbar ist.

Sie erinnern sich wahrscheinlich an die berühmte Ur-Suppe und die Blitze, die da herumzuckten. Solche Experimente sind auf der Welt hunderte Male wiederholt worden. Es ist richtig, daß in dieser frühen Methan-Atmosphäre um die Erde eine kleine Zahl von Aminosäuren entstehen kann. Man hat früher gedacht, daß man aufgrund dieser Tatsache auch das ganze Leben aus solchen „natür­lichen Vorgängen“ ableiten könnte.

1. Was ist Leben (DNS)?

Wir wissen es eigentlich schon länger, aber es ist uns offenbar erst langsam wirklich bewußt geworden, daß die Definition des Lebens eine ganz andere ist, als wir bisher geglaubt haben: Das Leben ist ein chemischer und physikalischer Vorgang, der gesteuert wird durch den berühmten Bauplan, auch DNS genannt, durch eine Doppel­helix. In jeder unserer Zellen – in jeder Zelle – ist ein solcher Bauplan vorhanden, der daraus besteht, daß auf einer wendeltreppenartigen Grundstruktur einzelne Aminosäuren im Dreiertakt angeordnet sind, und der Dreiertakt dieser Aminosäuren ist ein Code, wie wir ihn von unserer Elektronik her kennen, ein Code, der bei einfachen Lebewesen vielleicht 500 Informationsgruppen, BIT, hat, also fünf­hundert Bauanweisungen. Beim Menschen sind das 80- bis 100.000 Bauanweisungen. Und dieser Code, dieser Gesamtbauplan, ist ohne jeden Zweifel die Voraussetzung für jedes Leben. Alles andere ist unsachlich und unwissenschaftlich. Dieser Bauplan ist schon bei den einfachsten Lebewesen von höchst komplizierter chemischer Struktur, die nicht von selbst oder durch Zufall entsteht. Das sage ich nicht nur, weil ich das glaube, sondern das ist handfeste Wissenschaft. Daß aus einigen Atomgruppen und Molekülgruppen unter der Einwirkung von hoher Temperatur und elektrischen Entladungsblitzen chemische – auch etwas kompliziertere – Gebilde entstehen könnten, ist denkbar. Aber eine chemische Struktur zu erzeugen, die zunächst einmal eine doppelt in sich gewendelte Spirale (eine Wendeltreppe) darstellt – d. h. also schon aus Hunderten und Tausenden von Molekülen besteht – und an diese Spirale jetzt sozusagen Treppenstufe für Treppenstufe jeweils drei Aminosäuren anzusetzen und durch die Anordnung dieser Aminosäuren eine Information zu speichern, die von dieser Kette her, von dieser Wendeltreppe her, auf unbelebte Materie einwirkt und aus dieser unbelebten Materie Lebendiges macht, liegt außer­halb aller Wahrscheinlichkeit – oder außerhalb aller Vernunft. Dieser Bauplan, der in jeder unserer Zellen ist, in jeder Zelle von Bakterien, Viren, Pilzen, Elefanten, Dinosauriern – wo auch immer -, dieser Bauplan ist nicht nur Informationsträger, sondern aktiver Baumei­ster. Dieser Baumeister baut das Lebewesen auf.

Um sich das bildlich vorzustellen: Ich möchte gern einen schönen Mercedes haben, habe aber kein Geld, kaufe mir den Bauplan, gehe mit dem Bauplan auf einen Schrottplatz, lege den Bauplan da hin. Am anderen Tag ist der Mercedes fertig. Tausend­und-eine-Nacht-Märchen, aber genau so spielt sich das beim Men­schen und allen Lebewesen ab.

Wir haben das durch die Erforschung vor allen Dingen des AIDS-Virus, des Krankheitserregers dieser neuen Krankheit, in allen Einzelheiten noch sehr viel genauer kennengelernt. Das AIDS-Virus, also dies lebende, krankheitserregende Etwas, löst sich völlig auf, wenn es in unseren Körper eindringt. Es bleibt sein Bauplan übrig. Dieser Bauplan dringt in eine Zelle unseres Körpers ein, versteckt sich in dem Bauplan der Zelle, kommt aus diesem Versteck nach 6 Wochen oder 20 Jahren wieder hervor. Bis dahin wird er bei jeder

Vermehrung der Zelle mit vermehrt; und wenn er sich irgendwann vom Zellkern gelöst hat, schwimmt er in der Zelle herum – wie eben mein Bauplan vom Mercedes auf dem Schrottplatz – und sucht aus der Zelle jetzt die notwendigen chemischen Bestandteile. Durch gut erforschte hochkomplizierte Vorgänge gelingt es ihm, die richtigen Moleküle und Atome an sich heranzuziehen, und daraus baut er wiederein neues Virus auf.

Genau so würde das eben auf dem Schrottplatz passieren, wenn der das Leben wäre.

2. Wahrscheinlichkeiten

Alles Leben hängt von dem Vorhandensein eines solchen Bauplanes ab, der gleichzeitig Baumeister ist. Nun wissen wir über Wahrschein­lichkeit Bescheid. Das ist eine häufige Denkweise der Wissenschaft, die die meisten von uns so ganz nicht begreifen können. Wenn Sie den Doktor fragen: „Wenn Sie meinen Leistenbruch operieren, wird das dann auch gut werden?“, dann wird der zuversichtliche Doktor eventuell immer noch den Mut haben, zu sagen: „Ja, wir machen das ordentlich, da können Sie sich drauf verlassen.“ Das hat aber vor Gericht keinen Bestand. Er könnte nur sagen: Die Wahrscheinlich­keit, daß nach der von uns durchgeführten Operation der Leisten­bruch geheilt ist, das Gewebe hält und nicht wieder aufreißt, liegt etwas bei 98 Prozent. Mehr kann er nicht sagen.

Voraussagen über Krankheit, Gesundheit, über das Leben wie über das Wetter bestehen aus der bekannten Wahrscheinlichkeit, daß dieses oder jenes Ereignis eintritt, wenn eine bestimmte Konstella­tion vorhanden ist.

Man kann errechnen, wie eine so komplizierte Anlage wie dieser Bauplan, der aus Tausenden von Molekülen, Zehntausenden von Atomen schon bei den einfachsten Lebewesen besteht, wie wahr­scheinlich es ist, daß dieser Bauplan von selbst – durch Zufälle entsteht. Das ist eine über den Computer leicht durchführbare Berechnung (Wahrscheinlichkeitsrechnung). Man kann sich die einzelnen Schritte klar machen: Ich habe hier ein Kohlenstoffatom, hier ein Wasserstoffatom, da habe ich vielleicht noch ein Stick­stoffatom. Nun rechne ich aus, wie wahrscheinlich es ist, daß sie in einer Ur-Atmosphäre, von der man immer redet, zusammentreffen – drei von fast 100 bekannten Elementen. Dann haben wir aber erst mal drei verschiedene zusammen. Wir brauchen aber Hunderte und

Tausende in ganz bestimmter Zusammensetzung. Man hat aus­gerechnet, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist. Das Ergebnis ist verhältnismäßig einfach. Die Zahl der im Weltall vorhandenen Atome entspricht einem Hundertstel der notwendigen Varianten, daß so eine Wendeltreppe von selbst entsteht. Diese Zahl ist unvor­stellbar, aber die Wahrscheinlichkeit der Selbstentstehung von DNS ist tausendmal unwahrscheinlicher, als diese Zahl angibt. Damit ist die [Wahrscheinlichkeit] von der natürlichen zufälligen Entstehung des Lebens von Anfang an gestorben. Es gibt auch meines Wissens keine Möglichkeit eines Einwandes gegen diese Erkenntnis. Diesen etwas schwierigen Gedankengang möchte ich noch einmal zusam­menfassen: Unsere Kenntnisse der frühen Geschichte der Erde lassen einen Zustand vermuten, in dem sich im Laufe langer Zeit in den Wassern der Ur-Suppe, des Ur-Ozeans, Aminosäuren spontan bilden und so stabil bilden konnten, daß sie bestehen blieben. Diese Aminosäuren sind chemische Gebilde, die wir in allen lebenden Wesen wiederfinden. Der Gedanke schien nahe zu liegen, daß sich aus diesen – in allen Lebewesen vorkommenden – chemischen Bestandteilen in sehr langer Zeit ohne die Steuerung von außen Lebewesen allein durch Zufälle und die Einflüsse, die in dieser Urwelt vorkommen, bilden könnten. Mathematisch unwahrschein­lich, aber denkbar. Mit der heute vorhandenen Erkenntnis – bei aller Relativität und Wandelbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnis -, daß sich Leben nur ausbildet, von dem in jeder Zelle vorhandenen aktiven Bauplan (vereinfacht für DNS, Gencode, Chromosomensatz) abhängt und ohne diesen Code nicht möglich ist, schließt die Möglichkeit aus, daß sich das Leben von selbst – durch zufällige Entstehung einzelner Bauteile und zufälligen Aufbau von verschie­denen Lebensformen – entwickeln kann. Der Grund: Der in den Zellen als Voraussetzung für die Zellbildung und die Entstehung von Leben vorhandene Bauplan hat eine so hohe Vielgestaltigkeit – der Gestalt, der Struktur, der chemisch-physikalischen Architektur -, daß auch in unendlichen Zeiträumen keine Wahrscheinlichkeit zu berechnen ist, daß sich diese Baupläne aus Zufallsschritten aufbauen. Die sich aus den Computern ergebenden Zahlen erreichen eine unvorstellbare, aber mathematisch definierbare Größenordnung, die weit höher ist als die Zahl der für den Weltraum errechneten Atome. Diese Zahlen entziehen sich, ebenso wie die Unendlichkeit des Weltalls, der menschlichen Vorstellungskraft.

So stellt die Wissenschaft fest: Lebendige Strukturen können nur entstehen, wenn eine gezielte Lenkung des Aufbaus der Atome und Moleküle durch einen selbstregulierenden Bauplan erfolgt. Ein anderer Weg wird von der Wissenschaft – auch spekulativ – nicht genannt. Über die Art dieser Lenkung, die Kraft oder Person, die diese Lenkung erdenkt oder ausführt, sagt die Wissenschaft nichts aus. Die Wissenschaft kommt nicht zu dem Schluß, Gott hat das Leben geschaffen, sondern nur zu dem Schluß: Wir können keine Entstehung des Lebens beschreiben oder vermuten, die ohne das Handeln eines planenden und eingreifenden Wesens vor sich gehen kann.

Wer Gott als den Schöpfer des Himmels und der Erde bekennt, wird Gott als dieses Wesen verherrlichen, Er hat das Leben geschaffen. Das dreht sich um das Leben als solches. Wir sind noch nicht beim Menschen. Aber die Sache ist auch später nicht ganz einfach. Ich habe ja schon gesagt, daß die einfachsten Lebewesen einige Hundert Entscheidungen in ihrem Bauplan haben – und daß der Mensch einige Zehntausend hat. Aber von einer Lebewesen­gruppe bis zur anderen, etwa von dem ersten Wirbeltragenden Fisch bis zu einem Hai z. B., oder von einer Schildkröte bis zu einem Säugetier, ist ein Sprung von in der Regel 10- bis 20.000 solcher Bits – also Entscheidungen oder Bauplaninformationen. Dieser Bauplan müßte für eine neue Art verlängert oder erweitert werden, und wenn man sich das klar macht, dann versteht man auch, warum wir uns so leicht haben in die Irre führen lassen.

3. Darwinismus

Das Erstaunliche ist, daß es Entwicklungsreihen gibt – und wer Darwins Buch gelesen hat, hat gesehen, mit welcher Sorgfalt und Genauigkeit Darwin erforscht hat, daß es eindeutige Entwicklungs­reihen gibt, z. B. die der Pferde. Das beste und bestbelegte Beispiel. Bei den Pferden[1]  kann man von diesen hübschen kleinen Pferden langsam aufsteigen bis zu unserem Pferd und kann fast lückenlos die einzelnen Stufen nachweisen, und in diesem Bereich seltsamer- weise funktioniert auch die von Darwin vorgeschlagene Methode.

Darwin hat sich zwar grundsätzlich geirrt, indem er glaubte, daß die Pferde, würden sie sich entwickeln, unterschiedlich ausfallen. Pferde, die sehr viel laufen und dadurch ihre Muskulatur kräftigen, mehr fressen, würden größer, und diese Eigenschaft würde sich vererben. Die berühmte Vererbung erworbener Eigenschaften. Wir müssen heute wohl sagen, daß es diese Vererbung erworbener Eigenschaften nicht gibt. Es gibt sie in gewisser Hinsicht bei ganz komplizierten Vorgängen, nämlich bei Familien. Die Familie von Bach ist eine der wenigen – allerdings eindrucksvollen – Beispiele dafür, daß über viele Generationen hinweg die Begabung für Musikalität weitergeben wird. Bei Luther z. B., dessen Familie ja auch gut untersucht ist: keine Spur von der Vererbung erworbener Eigenschaften. Bei Goethe – keine Spur davon.

Die Vorstellung der Vererbung erworbener Eigenschaften kann man jedenfalls im großen ad acta legen.

4. Neodarwinismus (Mutationen)

Infolgedessen haben wir ein anderes System – Neodarwinismus -, was wissenschaftlich gut begründet ist. Jeder Bauplan eines Lebe­wesens wird vermehrt, zunächst verdoppelt, verhundertfacht. Und bei dieser Vermehrung entstehen Fehler. Diese Fehler sind in der Regel tödlich für die Zelle. In unserem Körper entstehen etwa 40.000 neue Zellen pro Tag – in 24 Stunden. Von diesen 40.000 neuen Zellen, die in unserem Körper pro Tag entstehen, sind etwa 8.000 fehlerhaft. Von diesen 8.000 sind die meisten nicht lebensfähig. Es bleiben z. B. 120 Krebszellen über, die jeden Tag in unserem Körper entstehen, die überlebensfähig sind, die auch lebensgefährlich sind, die aber von unserem Abwehrsystem (unseren weißen Blutkörper­chen) zerstört werden. Diese Technik, daß bei der Kopie zur Ver­mehrung des Bauplans Fehler entstehen, nennt man Mutation, das heißt: Veränderung des Bauplans. Es entstehen also spontan – zufällig im Grunde genommen – Veränderungen des Bauplans, und unter diesen Veränderungen des Bauplans sind natürlich auch nützliche Änderungen. Einer hat einen längeren Schwanz, der andere hat kräftigere Zähne, ein anderer hat ein besseres Gebiß, der nächste hat vielleicht bessere Augen. Das ist alles schon etwas Phantasie, aber es sieht aus, als gäbe es dafür eine wissenschaftliche Grundlage. Die Theorie nimmt an: Es überlebt jetzt der Bessere, der Kräftigere – er setzt sich mehr durch -, der hat auch eher Chancen, einen Partner zu finden, hat also mehr Nachkommen als die anderen. Und die von diesem Mutanten gezeugten Nachkommen, von diesem ausnahms­weise mal – denken Sie an die Albinos – durch die Veränderung des Bauplanes „verbesserten“ Lebewesen, pflanzten sich wieder fort. Und so gibt es eine unendlich langsame, aber eben eine Entwicklung, z. B. bei den Pferden. Aber hier gibt es eine grundsätzliche Schwie­rigkeit, die immer von Anhängern der natürlichen Entstehung der Arten beiseite geschoben wird: Die Grenzen der Zeugungsgemein­schaft. Das Problem ist einfach: Pferde können ja miteinander Nach­kommen zeugen, aber bekannterweise haben Pferde und Esel schon Schwierigkeiten, und die Nachkommen beider, die Maultiere oder Maulesel, sind nicht mehr fortpflanzungsfähig. Infolgedessen ist in der Begrenzung der einzelnen Art durchaus eine Entwicklung [im Sinne] neodarwinistischer Vorstellung über Mutanten und Auslese denkbar – nicht bewiesen, aber denkbar. Aber schon über Esel/Pferde hinaus nicht. Da entsteht kein Schaf – kein Schaf ist kreuzbar mit einem Pferd – und so weiter. Diese einfache Tatsache, daß die einzel­nen Lebewesen in ihrer Geschlechtergemeinschaft eine begrenzte Möglichkeit der Fortpflanzung haben, schließt letzten Endes große Veränderungen aus. Eigentlich brauchten wir nicht so kompliziert darüber zu reden, schauen Sie sich einen Seestern an – ein fünfstrahliges Wesen – und eine Eidechse. Wie soll die Eidechse aus diesem fünfstrahligen Wesen entstehen? Es ist richtig, daß es im Rahmen der Geschichte der Lebewesen eine Dynamik gibt, die in bereits vorhandenen geprägten Gruppen zu einer weiteren Ent­wicklung oder Veränderung der Gestalt führt, z. B. bei den Pferden. Das geht einigermaßen. Beim Hirsch… Mammut und Elefant sind nicht schwieriger zu verbinden, da kann man noch sagen, daß es möglich sein könnte. Bei den Hasentieren wird es immer schwie­riger. Ganz schwierig wird es dann bei den Insekten. Auch bei den Insekten gibt es Entwicklungsformen, aber wenn Sie alleine an die Wespen denken, an die Bienen, an die Schlupfwespen und Skorpi­one – unterschiedliche Strukturen, die untereinander nicht kreuzbar sind.

5. Was sagt die Heilige Schrift?

Aber was sagt die Heilige Schrift, oder brauchen wir uns über die keine Gedanken zu machen? Doch, ich mache mir schon Gedanken. Mich hat zunächst erstaunt, dann einfach begeistert, daß nur in der Schöpfungsgeschichte der Bibel die Reihenfolge richtig ist. Das ist nämlich auch eine seltsame Sache. Wenn wir nichts von der Reihenfolge wüßten und würden uns hier zusammensetzen, und jeder von uns würde auf einem Zettel aufschreiben, wie die Lebewesen nacheinander entstanden sind, dann würden sehr unter­schiedliche Reihenfolgen dabei herauskommen. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß die meisten von uns die richtige Reihenfolge treffen werden. Aber daß – aus der Tradition des hebräischen Volkes hervorgegangen – dieser Bericht der Schöpfungsgeschichte in der Reihenfolge stimmt, kann man nicht erwarten. Das ist kein Zufallsergebnis, denn der Schöpfungsbericht der Germanen stimmt nicht. Der Mensch ist nicht aus dem Eis entstanden. Die Kuh Audumla hat den Menschen nicht aus dem Salzblock herausgeleckt.[2] Zeitlich geordnete, planmäßige Schöpfungsgeschichten sind selten. Die Schöpfung der Welt geht nach Schnorri (Edda) in der Weise vor sich, daß in der Urzeit zuerst Niflheim und Muspelheim geschaffen wurden. In die zwischen beiden gähnende Kluft Ginnungapag ergossen sich kalte Ströme, die aus Niflheim kamen und zu Eis erstarrten. Giftiger Nebel legte sich als Reif darüber. Aus Muspel­heim aber fielen Funken auf das Eis, und aus dieser Vermischung von Frost und Feuerfunken ging der zweigeschlechtliche Riese Ymir hervor. Als er im Schlaf schwitzte, entstanden unter seinem linken Arm ein Mann und eine Frau, und sein eigener Fuß zeugte mit dem anderen einen Sohn. So wurde er zum Stammvater der Frostriesen. Nach einiger Zeit taute aus dem Eis die Kuh Audumla heraus. Sie leckte an den salzigen Eisblöcken, bis nach drei Tagen Buri, ein Mann von göttlicher Erscheinung, hervorging.

Um so erstaunlicher ist es, daß der Bericht der Bibel die richtige Reihenfolge hat. Und die einzige Ausnahme, die dort zu sein scheint, beweist etwas ganz Erstaunliches. Sie werden das gleich sehen. Die Ausnahme besteht darin, daß Sonne und Mond „zu spät“ geschaffen werden: am vierten Schöpfungstag. Das erscheint unvernünftig. Sonne und Mond sind früher als das, was die ersten Schöpfungstage berichten, als das Tohuwabohu war, als sich die Feste von den Wassern trennte (1. Moses 1,2 und 7), da hat es nach unserem Wissen Sonne und Mond schon gegeben. Da gibt es keine Zweifel. Wieso kommt dieser „Fehler“ in die Schöpfungsgeschichte, dieser Reihen­folge-Fehler?

Wir wissen heute ziemlich genau, daß es in der Entwicklung, in der Entwicklung des Sternes Erde eine lange Zeit gegeben hat, wo Sonne und Mond von der Erde aus nicht sichtbar waren. Warum? Weil die Erde noch viel wärmer war und durch die Wärme große Teile der Ozeane als Wolken den Himmel bedeckten, so daß die Erde ständig von einer dichten Wolkenschicht umgeben war und nie­mand in der Lage war, den Sternenhimmel zu sehen. Infolgedessen waren Mond und Sonne bis zum vierten Tag noch nicht sichtbar. Wir wissen, daß diese Wolkenschicht in relativ kurzer Zeit abgeregnet ist. Diese über viele Erdzeitalter die Erde umgebende dichte Wolkenschicht – oder auch als dichtes Nebelmeer zu bezeichnen – findet ihre Spuren z. B. in den Farnwäldern und in einer seltsamen Formulierung des Schöpfungsberichts: Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes von dem Wasser über der Feste (Luther). Oder Einheitsübersetzung: Gott machte also das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. So geschah es, und Gott nannte das Gewölbe Himmel (1. Moses 1,7-8). Diese Worte erinnern an die Vorstellungen in Ägypten und im Euphrat-Tigris-Gebiet, aber sie haben auch einen Sinn angesichts der Wolkendecke, des Nebelmeeres, das die ganze Erde bedeckte. Die Erde wurde kühler, an einem kritischen Punkt der absinkenden Temperaturen wurden die Wolken, das Nebelmeer zu einer Sturzflut ungeheurer Wassermassen, die auf die Erde herabstürzten und Pflanzen, Erde, Geröll und Felsen von den Bergen und Hängen in die Täler spülte. Aus den riesigen Massen an Pflanzen, Wäldern, Farnwäldern, die in der Tiefe unter hohem Druck von Felsen und Erde lagerten, bildete sich die Steinkohle. Die Steinkohlenflöze sind ja nichts anderes als riesige Wälder, Farnwälder zum Teil, die von riesigen Wassermassen von den Bergen heruntergespült worden sind in die Täler. Dann wurde darüber Sand und Erde und Felsen gespült, und tief unten in der Erde, unter dem großen Druck, verwandelten sich die Bäume langsam in Steinkohle. Das sehen Sie ja hier in Ihrer Kirche: alte Bäume, die versteinert sind. So sagt dieser scheinbare Fehler der Reihenfolge nichts anderes, als daß offenbar der Schöpfungsbericht von der Erde aus – von einem irdischen Betrachter – gesehen ist.

Ich kann Ihnen nicht sagen, warum das Gott so gefallen hat, dem Moses oder dem, der das verfaßt hat, diese Reihenfolge so zu geben. Aber es ist immer wieder für mich in der Heiligen Schrift das Erstaunliche und Großartige, gerade dann, wenn ich anfange mich zu ärgern und zu zweifeln und meine: Ja, nun ist doch mal eindeutig bewiesen, daß die Sache nicht stimmt. Dann stellt sich heraus, daß ich letzten Endes nicht bis zu Ende nachgedacht habe.

6. Warum interessiert uns das eigentlich?

Jetzt wäre es eigentlich an der Zeit eine Frage zu stellen, mit der ich auch hätte anfangen können: Warum interessiert uns das eigentlich? Welches Interesse sollten wir daran haben, Gottes Allmacht in Frage zu stellen? Und vor allem: Wer möchte gern durch einen blinden Zufall entstanden sein, wenn er auch von den liebenden Händen eines allmächtigen Gottes geschaffen sein kann? (1. Moses 2,7) Denn – das ist natürlich gar kein Zweifel -, ganz gleich, wie gut unsere Argumente sind und wie gut wir sie vortragen können – das spielt ja leider auch noch eine Rolle -, sie sind nur Vermutungen, Vermutungen mit einem unterschiedlichen Sicherheitsgrad der Wahrscheinlichkeit. In der Darstellung der Abhängigkeit von der DNS liegt die Wahrscheinlichkeit bei weit über 99 Prozent. Aber das sind eben nicht 100 Prozent. Es ist also nicht so, daß es irgendeinen unumstößlichen Beweis gibt. Es ist niemand von uns dabeigewesen. Wir wissen ja nicht einmal sicher, ob unsere Zeiteinteilungen für die Zeiten vor 2 Millionen Jahren überhaupt so gelten – oder ob mögli­cherweise die Dynamik von Erde, Sonne, Mond und Planeten in einer ganz anderen Weise stattgefunden hat. Wir wissen unendlich vieles nicht. Wir wissen aber auch sehr viel, z. B. daß die Entstehung des Bauplanes des Lebens, der DNS, durch Zufall unmöglich ist.

7. Glaubensentscheidung

Wenn man sich klar macht, daß hier offensichtlich eine Glaubens­entscheidung vorliegt, frage ich noch einmal: Wie kommt es, daß der Mensch Gott gerne aus seinem – des Menschen – Entstehen ver­drängen möchte? Ich bin wirklich froh, von Gott geschaffen zu sein. Aber warum sollte ich mich eigentlich dagegen wehren? Es ist doch ganz wichtig, diese Frage im Verstand und im Herzen sich zu erwägen. Selbst wenn es noch viel überzeugender wäre, daß die sich langsam aufrichtenden Affen über die Menschenaffen zum Menschen geworden sind, würde mir das weh tun. Ich liebe die Hand Gottes, die mich gebildet hat, und den Atem Gottes, der mich erfüllt (1. Moses 2,7). Aber warum tut es Menschen nicht weh? Sie sehen Kinder durch die Museen wandern, bei uns, in England, im großen naturkundlichen Museum – ausgezeichnet aufgemacht, sehr exakt, auch sehr zurückhaltend dargestellt. Es steht nirgends da: Das muß so sein!, sondern: Das sind mögliche Denkentwürfe. Und trotzdem wandern die Leute, Kinder wie Erwachsene, an den Schaukästen mit Bildern einer natürlichen Entwicklung mit strahlenden Augen vorbei, und die Lehrer erzählen den Kindern: Hier, da seht ihr ja, ihr stammt von diesem schönen Affen ab. Man sieht so eine Gruppe von verschiedenen Menschenaffen: Gibbon, Orang-Utan, Schimpanse – und dazwischen steht der Mensch. Und da sieht man so richtig, wie aus diesen Affengestalten der Mensch hervorgeht. Nein, ich sehe das nicht. Aber viele der Leute, die davorstehen, die sehen das mit befriedigtem Erstaunen. Warum? Was ist daran so begeisternd? Ich finde die Affen in ihrer Art schön. Aber woher kommt das Ver­langen des Menschen, Gott aus unserem Werden zu entfernen? Weil die Bibel eben [scheinbar] unzuverlässig ist. Da macht Gott den Menschen aus einem Lehmkloß. Aus Lehm kann man viel machen, ganz richtig – aber Lehm, Lehmkloß, Flußlehm ist eine falsche Übersetzung des wirklichen Ur-Textes. Das steht im Hebräischen und im Griechischen so nicht.[3] Staub, Lehm der Erde. Der Mensch ist ein Erdenmensch, ein Irdischer. Die oft irreführende Übersetzung: aus einem Lehmkloß, Erdenkloß, ist eine schöne Übersetzung, aber in dieser Form erkennen wir oft nicht das Wesentliche: Der Mensch kommt nicht vom Himmel mit einem der Fluggeräte, an die Däneken denkt, sondern er ist ein Irdischer, er kommt aus der Erde. Die Erde bereitet in ihrem lebendigen Gestalten den Stoff, aus dem Gott den Men­schen schafft. Das Wesentliche ist nicht das Material, die Materie, sondern der Schöpfer. Unter [gr.] >ge< kann man viel verstehen, vom Flußlehm des Euphrat bis zu den Entwicklungslinien, die wir in den Affengestalten der Zeit vor dem Erscheinen des Menschen erblicken. So ungeeignet aus vielen Gründen die Affengestalten der Frühzeit sind, um Vorfahren des Menschen sein zu können, so ist doch eine ganz entfernte Ähnlichkeit offensichtlich. >ge< ist viel umfassender als nur Lehm. Der Schritt von diesem >ge< – selbst in der Gestalt von Affen – zum Menschen geschieht nicht durch Zufall, sondern durch das schöpferische Handeln Gottes. Das sagt die Heilige Schrift. Dem kann sich eine sachlich an den Tatsachen gebundene Wissenschaft nicht entziehen. So wird der Gesang der Kirche bei der Beerdigung, der den Menschen als einen Erdgebo­renen – einen Irdischen – beschreibt, gleichzeitig ein Bekenntnis zur Entstehung des Menschen aus der Erde, dem Gesamtbegriff: durch Gottes Kraft und Willen. Der zufallstechnisch unerklärbare Sprung in der Struktur und der Anzahl der für den Bauplan prägenden DNS ist nur ein Teil dieses Bekenntnisses. Gott hat den Menschen geschaffen. Und ich meine schon, daß die wenigen Tatsachen, von denen ich hoffe, daß ich sie einigermaßen verständlich dargestellt habe, das automatische Werden und die Selbstentstehung des Menschen unmöglich machen.

Es gibt einen Roman von Huxley – „After Many a Summer“ (Nach vielen Sommern) – mit einer seltsamen Idee zum Werden des Menschen: Eine Forschergruppe, so in den 20er Jahren, entdeckt in alten Papieren, daß am Anfang des 18. Jahrhunderts das Mittel der Unsterblichkeit entdeckt wurde. Und sie gehen diesen Nachrichten nach und kommen auf sehr spannende Weise – wie das zum Roman gehört – letzten Endes auf ein englisches Gut und stellen fest, daß offenbar auf diesem Gut dieses Mittel zuerst angewandt worden sei und daß der Gutsherr – der Graf, würden wir sagen – mit seiner Mätresse – darf ja nicht die Ehefrau sein -, mit seiner Mätresse zusammen damals das Mittel eingenommen hat und verschwunden ist. Die Leute suchen und finden schließlich im riesigen Park ein kleines Parkhäuschen, in dem der Graf mit seiner Mätresse also richtig noch lebt – nur leider sind sie beide zu Affen geworden. An der haarigen Affenbrust des Grafen hängt die goldene Kette seiner Würde.

Das geht auf die Vorstellung zurück, die lange Zeit sehr ernsthaft vertreten worden ist, daß der Mensch ein retardiertes Affenbaby sei, d. h. sozusagen der Trick, aus dem Affen einen Menschen zu machen, einfach darauf beruht, daß man das Affen­baby sich nicht zum Affen entwickeln läßt, sondern in seiner Babygestalt weiterleben läßt. Etwas primitiv, meine ich beinahe, aber doch sehr eindrucksvoll. Denn wenn Sie ein Affenbaby sehen, dann haben Sie noch sehr viel mehr menschliche Empfindungen als bei einem ausgewachsenen Orang-Utan-Mann (bei den Malaien Wald­mensch genannt). Das ist ein großartiger Mann, Orang-Utan-Mann. Das ist auch eine großartige Frau, aber jedenfalls sind sie Affen. Aber dieses kleine Affenbaby Goma[4] – denken Sie das an den Zoo in Basel, das damals in der ganzen Welt herumgereicht wurde -, das wirkt tatsächlich außerordentlich menschenähnlich. Da hat man gesagt: Hier ist die Lösung. Irgendwann einmal – wer weiß wie – wurde ein Affenbaby daran gehindert, sich wie ein Affe weiterzu­entwickeln, und siehe: hervor kam der Mensch. Die Schwierigkeit aller dieser Theorien – sämtlicher Theorien – ist leider die, daß der Mensch aus Mann und Frau besteht, d. h. also dieses Ereignis, daß das Affenbaby an seiner weiteren Entwicklung gehindert wurde, muß zweimal [und zur gleichen Zeit am gleichen Ort] – bei einem männlichen und einem weiblichen Baby – stattgefunden haben. Das geht nicht mit einem. Und damit sinkt die Wahrscheinlichkeit schon wieder fast auf Null. Aber lassen wir das alles mal bestehen. Offenbar hat hier in diesem Roman der Dichter das in einer großartigen Weise dargestellt, und er erhebt schon den warnenden Finger und sagt: Meine lieben Zeitgenossen, wenn ihr immer älter und älter werdet, dann schlägt der Affe wieder durch.

Ich würde nach meiner Erfahrung mit Senioren, für die ich oft Vorträge halte, das bestreiten. Ich habe da noch nicht irgendein Anzeichen andrängenden Affentypes feststellen können. Aber, auch wenn diese Theorie ernstgenommen wird, ist die Frage noch lange nicht beantwortet, warum dieses Affenbaby sich nicht weiterent­wickelt. Und infolgedessen habe ich erst etwas so ungeschützt gesagt: Ich habe nichts dagegen, wenn ich vom Affen abstamme, aber Gott ist der, der die Wandlung bewirkt. Vielleicht hat Gott das Affenbaby genommen und es mit seiner schöpferischen Macht zu einem Menschen werden lassen.

8. Der aufrechte Gang des Menschen

Dann gibt es noch eine andere Denkmöglichkeit. Die hängt zusam­men mit der Eigentümlichkeit des Menschen, daß er aufrecht geht. Und wer Rückenschmerzen hat oder Leute behandelt, die Rücken­schmerzen haben, der weiß, daß der aufrechte Gang des Menschen wirklich ein Wunder ist. Der aufrechte Gang des Menschen hat, auch von unserer Konstruktion her, viele Voraussetzungen. Man vergißt leicht, daß schon die Knochen – von der inneren Struktur bis zu den Gelenkflächen – besonders gestaltet sein müssen, um den aufrechten Gang auf die Dauer möglich zu machen. Ein Menschenaffe kann natürlich auch mal auf den Hinterbeinen gehen, wie auch ein Pferd. Aber daß das auf Dauer geht, setzt eine ganz komplizierte Ordnung vom Becken bis zum Schädel voraus. Diese Wirbelsäule muß noch wie ein Mast mit lauter kleinen Muskeln, mit Tausenden von Muskeln stabilisiert werden und beweglich gemacht werden. Es genügt nicht, daß wir nicht nur aufrecht gehen können: Wir können viele Dinge mit unserem Körper tun, die ein Tier nicht kann. Wir bewundern die Tiere in ihrer Eleganz. Ich auch. Wenn so eine Katze über die Nippessachen auf dem Schrank hinwegläuft und nicht ein einziges umstößt, dann kann man das nur schlicht bewundern. Aber wenn Sie mal Menschen sehen, die Tiere nachahmen, dann merken Sie plötzlich: Der Mensch kann fast jedes Tier imitieren – das Tier nicht. Das Tier ist festgelegt auf seinen eigenen Bewegungsablauf. Der Bewegungsablauf ist oft sehr viel schöner, eleganter – so 120 km/h bei Geparden ist doch eine ganz schöne Geschwindigkeit – als beim Menschen, aber er ist nicht so plastisch, nicht so formbar. Der Mensch kann eben alles lernen, was das Tier seiner Art gemäß kann.

9. Götter der Heiden – Tiergestalten

Und deshalb finde ich es bezeichnend, daß die Götter der Heiden, der Völker der ethnoi, eine Tiergestalt hatten. Tiere sind eindeutig festgelegt – auf die kann man sich verlassen. Ein menschlicher Gott ist ein Gott, der Wunder tut, der uns liebt, der uns ergreift, dem wir aber auch ausgeliefert sind, in einer ganz herrlichen Weise ausge­liefert sind. Die Spontaneität Gottes – unerwartet und unbegreiflich, immer wieder in neuer Schöpfungskraft – geht über alles hinaus, wozu Tiergötter, ob Falken oder Stiere oder immer auch die Phan­tasie entwickeln kann, fähig sind.

10. Savannen-Theorie

Der aufrechte Gang wird gedeutet durch die Savannen-Theorie. Man stellt sich vor, daß der Affe ursprünglich in den Bäumen lebte wie das Eichhörnchen – wobei wir uns erinnern, daß Eichhörnchen noch zur Zeit, als die Schlacht im Teutoburger Wald war, von Bozen bis nach Kopenhagen von einem Baum zum anderen springen konnten, ohne ein einziges Mal die Erde zu berühren. So waren auch die Wälder in Afrika. Viele Leute vermuten, daß der Mensch aus Afrika kommt. Und langsam gehen die Bäume ein, es entwickelt sich die Savanne, d. h. also, ein hohes Grasland. Zunächst können die Affen noch springen – ein Gibbon, wenn Sie das gesehen haben, springt ja wirklich sehr weit -, aber dann reicht auch das nicht mehr. Jetzt muß der Affe runter auf die Erde, um zum nächsten Baum zu kommen. Zwischen den Bäumen, das Gras ist sehr hoch. Der Affe kann nicht ordentlich sehen, die Leoparden warten schon, ihn zu fressen. Infol­gedessen richtet sich der Affe auf, und durch diese Veränderung der Umwelt – das ist ja immer wieder der Gedanke der sogenannten „natürlichen“ Entstehung des Menschen -, durch Veränderung der Umwelt geschieht etwas Neues: Der Mensch – noch Affe – richtet sich auf. Der Affe blickt darüber, sieht den Leoparden rechtzeitig, läuft zum nächsten Baum und überlebt. Auch hier natürlich die große Schwierigkeit. Es müssen zwei überleben, ein weibliches und ein männliches Exemplar. Aber trotzdem sieht man auch hier, daß da ein ganz komplizierter Gedankengang notwendig ist, der letzten Endes durch nichts zu beweisen ist.

11. Mutation durch kosmische Einflüsse

Ich erzähle Ihnen nun noch eine dritte Theorie – eigentlich nur, damit Sie eine Vorstellung haben, was alles an Denkmodellen ent­worfen wird. Wenn man sich vorstellt, daß z. B. durch eine Atom­explosion sehr viele Strahlen die Erde treffen, und es entstehen unendlich viele Mißbildungen. Ein ganz großer Teil der Menschheit würde sterben, und die anderen sind krank. Viele mißgebildete Menschen werden geboren werden. Wenn die Zahl der Individuen – der Einzelwesen – über die 2-Milliarden-Grenze hinausgeht, kann man hoffen, daß nicht nur negative, sondern auch positive Erbver­änderungen – Mutationen – entstehen. Das heißt – wir haben heute mehr als zwei Milliarden -, wenn sich jetzt eine riesige Atomexplo­sion ereignet oder ein Meteor, der ionisierende Strahlung aussendet, an der Erde vorbei fliegt, dann werden zwar die meisten Menschen untergehen, da werden sehr viele Mißgebildete sein, aber es werden einige besser gestaltet sein als vorher.

Reine Theorie. Diese Vor­stellung wird auf die Affen ausgedehnt, und es scheint richtig zu sein, daß es eine Zeit gegeben hat, wo die Menschenaffen in sehr großer Zahl, vielleicht wirklich in dieser notwendigen 2-Milliarden-Zahl, vorhanden waren. Dann nimmt man einen strahlenden Meteor an, die meisten Affen sterben, und einige von diesen Affen sind zu positiven Mutanten – also Menschen – geworden. Auch das hat natürlich seine Schwierigkeiten, aber zeigt sehr eindrucksvoll, daß gerade diese Theorie auf ein äußeres Eingreifen angewiesen ist. Warum ist uns nun dieser für viele Affen todbringende Meteor, der mit seinen vernichtenden Strahlen über die Erde geht, lieber als GOTT DER HERR, der uns Menschen geschaffen hat?

12. Die menschliche Sprache

Die menschliche Sprache. Ich sehe von anderen Problemen ab, wie z.B. die Werkzeuge. Die Frage der Sprache. Man hat sehr viele Unter­suchungen gemacht, gerade in der letzten Zeit sind sehr interessante Arbeiten erschienen über die Entwicklung der Sprache. Und wenn ich das etwas vereinfachen darf… Tiere haben auch eine Sprache, aber die Sprache der Tiere besteht aus Anrufungen, aus unmittel­baren Mitteilungen. Die Tiere sind trotz ihrer Sprache nicht in der Lage, abstraktes Wissen zu speichern. Das erscheint kompliziert. Darum erzähle ich Ihnen das am Beispiel des Hundes. Wir gehen mit einem Hund, der Sie doch auch anguckt und bellt und so richtig sich mit Ihnen „unterhalten“ kann, wir gehen mit einem Hund durch den Wald – an der Leine natürlich -, und der Hund riecht die Spur eines Hasen, zerrt wie wahnsinnig an der Leine, aber Sie zerren kräftiger, und die Leine hält. Und Sie zerren den Hund aus dem Wald heraus und kommen nach Hause, machen die Leine los, der Hund legt sich friedlich in sein Körbchen und denkt gar nicht daran, das Haus zu verlassen, den Weg zurückzulaufen, die Spur wieder aufzunehmen. Ganz anders ein Kind: Sie gehen mit dem Kind – berühmte Geschichte – durch das Dorf. Das Kind sagt: „Wer wohnt da?“ Der Bauer Fritz wohnt da. „Wer wohnt da?“ Der Bauer Nikolaus. „Wer wohnt da?“ Der liebe Gott. „Wo ist er?“ Nicht zu Hause. Sie kommen zu Hause an, auf einmal ist das Kind verschwunden. Nach einiger Zeit kommt es wieder, und der Vater oder die Mutter fragt: „Wo warst du denn?“ – „Ja, ich war beim lieben Gott. Ich habe mir das noch mal angesehen. Der liebe Gott war immer noch nicht da, aber die Frau machte die Kirche sauber.“ Offensichtlich kann das Kind die Idee von einem Haus, in dem der liebe Gott wohnt – oder wer immer – im Gedächtnis behalten.

Das ist das Geheimnis der menschlichen Sprache. Durch die Sprache sind wir in der Lage, Dinge – ja, sozusagen spielerisch – einmal zu verarbeiten, ehe wir überhaupt zur Aktion kommen. Die berühmten Affenversuche von Köhler, die auf viele Weise wieder­holt worden sind, scheinen eine hohe „Intelligenz“ der Tiere zu zeigen – was ich nicht bestreite. Tiere sind sehr klug und haben ein glänzendes Gedächtnis. Der Ablauf dieser Affenversuche war folgender: Es wurden Bananen an die Decke gehängt und immer höher hinausgezogen, bis die Affen nicht mehr dran kamen. Dann haben die einen Tisch gefunden und einen Stuhl und haben den Stuhl auf den Tisch gestellt, sind daraufgeklettert, um an die Bana­nen zu kommen. Oder sie haben da Stöcke gefunden, der eine war so’n bißchen hohl, den anderen haben sie mit den Zähnen abgekaut, damit dieser in den hohlen hineingeht, und so haben sie zwei Stöcke verlängert, um die Bananen herunterzuschlagen – aber immer nur dann, wenn Tisch, Stuhl, Stock, Banane im Blickfeld des Affen war. Während wir Menschen ja durchaus in der Lage sind, wenn uns ein Werkzeug fehlt, dann brauchen wir die Schraube nicht mehr zu sehen, die wir aus der Wand kriegen wollen, weil … wir wissen ja, weil wir mit der Sprache uns sagen können: Da ist eine Schraube, dazu brauche ich ein entsprechendes Werkzeug, um die heraus­zuholen, und jetzt wandere ich in meinen Keller, und in der großen Unordnung suche ich nach dem entsprechenden Werkzeug, um die Schraube zu entfernen. Das ist eine Funktion der menschlichen Sprache. Es gibt auch noch viele andere Beispiele, aber gerade an diesen primitiven Dingen sieht man, wie groß der Unterschied ist und wie der Mensch eben aus und mit seiner Sprachfähigkeit lebt.

13. GOTT DER HERR hat den Menschen geschaffen

Noch einmal zum Anfang zurück: GOTT DER HERR, der uns – meiner Überzeugung nach – geschaffen hat, ist ein Gott, der Wunder tut. Das ist wieder etwas, was bei uns in der Kirche so sehr eindrucksvoll an den großen Feiertagen verkündet wird. Der Priester geht in die Mitte der Kirche und singt diesen Vers aus dem 77. Psalm:

Unser Gott ist ein Gott, der Wunder tut.

Und bei der ganzen Überlegung – nach meiner Empfindung – in bezug auf die Abstammung des Menschen oder die Schöpfung des Menschen durch Gott stellen wir Gott so dar, als ob Er keine Wunder tut. Und deshalb ist es auch so großartig, daß Gott die einzelnen Arten, wie das in der Bibel berichtet wird, nacheinander geschaffen hat – die da im Meer und die da in der Luft und auf und in der Erde sind. Und nachdem Er all diese Arten ins Leben gerufen hat, bildet Er schließlich den Menschen aus der Erde, bläst ihm Seinen Odem ein und macht ihn damit sprachfähig. Wir könnten noch von vielem anderen reden.

14. Der siebente Tag

Der siebte Tag ist in seinen Begründungen eindrucksvoll. Der siebte Tag ist, wie Sie wissen, der Ruhetag. Dem verdanken wir den Sonntag. Sowohl die Versuche der französischen Revolution wie andere Versuche, das zu ändern, sind gescheitert. Die Woche hatte 10 Tage und hieß Dekade, aber nur für kurze Zeit. Auch Frankreich kehrte zum Sonntag, also zum siebenten Tag, zurück. Eine Begründung für den siebenten Tag ist biologisch nicht zu erbringen. Wenn Sie mit Rhythmikern verhandeln, ich meine jetzt nicht die, die spielen, sondern mit Wissenschaftlern, die die Rhythmik des menschlichen Lebens und des menschlichen Körpers untersuchen, dann hören Sie von vielen rhythmischen Phasen: 24 Stunden, 12 Stunden, 28 Tage. Alles Mögliche gibt es: jahreszeitliche Rhythmen, tageszeitliche Rhythmen, kurzzeitige Rhythmen von Minuten und ähnliche. Es ist eine ganze Wissenschaft für sich, die in ganz erstaunlicher Weise viele Dinge verständlich macht, die wir sonst nicht verstehen, weil Vorgänge in unserem Körper nach der Ordnung der Rhythmik ablaufen.

Aber es gibt keinen 7-Tage-Rhythmus.

Und deshalb ist das Erstaunliche und Großartige: Wir feiern Sonntag, weil es in der Bibel steht, und zwar, um Gott ähnlich zu werden. Wir sind nach Gottes Bild geschaffen. Und deshalb haben die Juden den Sonntag [bzw. den Sabbat] mit solcher Leidenschaft verteidigt. Die Leute wurden gesteinigt, wenn sie auch nur ein paar Zweige aufsammelten, um Feuer zu machen. Deshalb, weil ihnen offenbar bewußt war, was uns dabei gar nicht so klar ist: daß der siebente Tag der Tag ist, an dem wir gegen alle menschliche Rhythmik uns der Rhythmik Gottes anpassen. Ob das nun sechs Tage sind oder sechs riesige Zeitabschnitte, das steht nicht zur Diskussion. Aber für uns sind das die sechs Tage, und der siebente Tag ist der Tag der Ruhe, an dem Gott ruhte. Und deshalb feiern wir den Sonntag, um unser Bild Gottes, das uns prägt, lebendig werden zu lassen.

15. Nach der Erschaffung des Menschen gibt es keine neuen Lebewesen

Und es scheint – rein naturwissenschaftlich -, daß nach dem Auf­treten des Menschen auf dieser Erde keine grundsätzlich neuen Arten entstanden sind. Ich hätte vor einiger Zeit diesen Satz noch etwas vorsichtiger und zögernder gesagt, aber auch wenn wir an Bakterien, Pilze, Kleinlebewesen denken – immer wieder hat sich herausgestellt, daß die zwar selten vorhanden waren, daß sie aber doch irgendwo entdeckt wurden. Gerade die Forschung auf AIDS hat uns gezeigt, daß diese AIDS-Viren mindestens in den 20er Jahren schon nachweisbar waren. Früher haben wir sie gar nicht nachwei­sen können, so daß es auch im Kleinen gilt, aber ich würde mich auch zufrieden geben, wenn das im Großen so wäre. Da tauchen doch nach und nach immer wieder neue Gruppen von Lebewesen auf und verschwinden wieder wie die Saurier. Dann kommen die Mammuts, die Elefanten usw. usw. – immer neue Formen. Und auf einmal ist das vorbei. Da gibt es keine neuen Lebewesen, so daß auch in dieser Hinsicht die Heilige Schrift für mich einfachen Menschen eine geradezu phantastische Überzeugungskraft hat. Was da steht, ist so wahr und wirklich, daß es nur meines sorgfältigen Nachsinnens bedarf, um einfach zu erkennen, wie herrlich Gott uns hier in dieser Schöpfungsgeschichte einen Reichtum und eine Weite der Welt offenbart, mitgeteilt hat, deren Sinn und Bedeutung wir in Geduld und Aufmerksamkeit immer deutlicher erkennen.

+++

17. Jan. 1997

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