Anweisungen zum Erlernen des geistigen Gebets

Um nun zu beginnen, das geistige Gebet zu beherrschen, mußt du dich ständig dazu zwingen, das Gebet ohne Unterlaß zu sprechen. Am Anfang schnell: der nous [Geist, Verstand] darf keine Zeit haben, irgendwelche ablenkenden Gedanken zu formen. Achte einzig auf die Worte „Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner.“ Wenn das Gebet lange Zeit mündlich gesprochen wurde, beginnt der nous sich daran zu gewöhnen, greift es auf und beginnt es zu sprechen. Dann wird es süß, als ob man Honig im Mund hätte, und man möchte es allezeit sprechen. Wenn man dann aufhört, fühlt man sich sehr bekümmert.

Wenn sich der nous daran gewöhnt hat und davon erfüllt ist – wenn er es gut gelernt hat – dann sendet er es zum Herzen. Da der nous die Seele mit Nahrung versorgt, ist seine Aufgabe, alles, was er an Gutem oder Schlechtem sieht oder hört, ins Herz hinunterzuschicken, das das Zentrum der geistigen und leiblichen Kräfte des Menschen, der Thron des nous, ist. Wenn nun jemand das Gebet spricht, soll er seinen nous davor bewahren, sich irgend etwas vorzustellen, und er darf nur auf die Worte des Gebets achten. Daraufhin bringe man den nous – sanft mit einem leichten Zwang und ein wenig Anspannung des Willens atmend – ins Herz hinunter; man hält ihn dort eingeschlossen wie in einem Gefängnis und spricht rhythmisch das Gebet: „Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner!“

Am Anfang spricht man das Gebet ein paarmal und holt dann Atem. Später, wenn der nous sich daran gewöhnt hat, im Herzen zu bleiben, spricht man ein Gebet bei jedem Atemzug: „Herr Jesus Christus“ beim Einatmen, „erbarme Dich meiner“ beim Ausatmen. Dies geschieht, bis die Gnade die Seele überschattet und in ihr zu wirken beginnt. Was dann folgt, ist theoria.

So wird das Gebet überall gesprochen: sitzend, im Bett, beim Gehen und im Stehen. Betet ohne Unterlaß, in allem dankt, sagt der Apostel. Es ist jedoch nicht genug, nur dann zu beten, wenn man ins Bett geht. Es erfordert einen Kampf: im Stehen und im Sitzen. Wenn du müde wirst, setze dich. Dann stehe wieder auf, um nicht vom Schlaf übermannt zu werden.

Dies wird praxis genannt. Du mußt Gott deine gute Absicht zeigen, doch alles hängt von Ihm ab, ob Er es dir gibt oder nicht. Gott ist der Anfang und das Ende. Seine Gnade ist die treibende Kraft, die alle Dinge aktiviert.

Wie die Liebe aktiviert wird, wirst du erkennen, wenn du die Gebote hältst. Wenn du in der Nacht aufstehst und betest; wenn du einen Kranken siehst und Mitgefühl mit ihm hast; wenn du eine Witwe siehst, Waisenkinder oder alte Menschen und Nächstenliebe an ihnen erweist, dann liebt dich Gott. Und dann liebst du Ihn auch. Er liebt zuerst und ergießt auf dich Seine Gnade, und wir geben an Ihn zurück, was Ihm gehört: „Das Deine vom Deinigen“.

Nun, wenn du danach trachtest, Ihn allein durch das Gebet zu finden, laß nicht einen einzigen Atemzug ohne es vergehen. Nur sieh dich vor, daß du keine Phantasien akzeptierst. Denn Gott ist formlos, unvorstellbar und ohne Farben: Er ist im höchsten Maß vollkommen, nicht Syllogismen [logischen Schlußfolgerungen] unterworfen. Er wirkt wie ein feines Wehen in unserem Geist. Zerknirschung entsteht, wenn du darüber nachdenkst, wie sehr du Gott betrübt hast, der so gütig, so süß, so barmherzig, so freundlich und voller Liebe ist; der für uns gekreuzigt wurde und alles für uns erlitt. Wenn du über diese und andere Dinge nachdenkst, die der Herr erlitten hat, bringt das Zerknirschung. Wenn du also in der Lage bist, das Gebet ohne Unterlaß laut auszusprechen, kannst du dich in zwei oder drei Monaten daran gewöhnen. Dann überschattet dich die Gnade und erfrischt dich. Nur sprich es laut, ohne Unterbrechung. Wenn der nous es aufgreift, dann höre damit auf, es mündlich zu sprechen. Und wenn der nous es verliert, so daß er es nicht mehr festhält, dann nimm es wieder mit der Zunge auf. Dieser ganze Zwang mit der
Zunge ist nötig, bis man sich am Anfang daran gewöhnt hat. Danach, alle Jahre deines Lebens, wird es der nous ohne Anstrengung
sprechen.

Wenn du also nicht leiden willst, erwarte nicht aufzusteigen. Wer Leiden nicht erduldet, kann von Ihm keine Gnade erwarten. Er hat die Gnade von dir fortgenommen, damit du weise wirst. Doch sie wird wiederkehren. Sie läßt dich nicht allein. Das ist ein Gesetz Gottes. Doch sie wird dich wieder verlassen. Und noch einmal wird sie wiederkehren. Solange du nicht aufhörst, sie zu suchen, wird sie weiterhin kommen und gehen, bis sie dich vollkommen gemacht hat.

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