Maria siegt!

Haupt und Herz

Maria ist nicht bloß Dekoration. Wir kommen nicht nur deswegen immer wieder im Verlaufe des Kirchenjahres auf die allerseligste Jungfrau zurück, weil der Katholizismus poetisch ist und in Maria ein unerschöpfliches Thema für Beredsamkeit und Dichtkunst, Musik und Malerei findet.

Wir reden immer wieder von Maria, weil Maria eine zentrale Stellung in Kirche und Menschheit einnimmt und weil man überhaupt nicht eine organische einheitliche Auffassung vom Menschengeschlecht haben kann ohne Maria. Maria ist das Herz wie Christus das Haupt der Menschheit ist.

Der Zug zu einer einheitlichen Zusammenfassung aller Menschen und Völker war wohl niemals seit 6000 Jahren so in der Luft wie heute. Es gibt eine doppelte Einheit. Eine, die vom Heiligen Geist ausgeht und eine, die von Luzifer ausgeht. Eine, die das Werk der Liebe und eine, die das Werk des Hochmutes ist. Eine organische und eine mechanische. Eine katholische und eine freimaurerische.

Wissen Sie, fragt einmal Donoso Cortés, was die gegenwärtige Revolution ist? Es ist das letzte Entwicklungsstadium des menschlichen Stolzes. Die Welt träumt eine großartige Einheit. Ein geradezu wahnsinniges Einheitsbestreben hat sich aller bemächtigt.

Zweimal hat der Mensch diesen satanischen Einfall gehabt. Das erste Mal, als er den Turm von Babel aufrichten wollte, das zweite Mal heute, wo überspannte Demokratie eine Einheitswelt gestalten will. Das demokratische Babel wird kein anderes Schicksal haben als das Babel der Heiligen Schrift. Bevor der Turm der Einheit fertig ist, wird Gott herniedersteigen, um die Nationen zu züchtigen und die Völker zu zerstreuen.

Es gibt einen anderen Zug zur Einheit des Menschengeschlechtes. Es ist derjenige, der vom Heiligen Geist ausgeht und den wir den Zug zur organischen oder katholischen Einheit nennen können. Die organische Einheit, weil sie von innen heraus wächst nach den Gesetzen, die Gott der Menschheit gegeben hat. Die katholische, weil sie mit der Aufgabe des Katholizismus zusammenfällt und alle Völker umspannen will.

Nun gut, die organische oder katholische Einheit des Menschengeschlechtes besteht darin, daß alle Völker das gleiche Haupt und das gleiche Herz haben. Das Haupt des Menschengeschlechtes ist Christus. Das Herz des Menschengeschlechtes ist Maria.

Oder, was auf das gleiche herauskommt, die Einheit des Menschengeschlechtes beruht darauf, daß alle Völker den gleichen Vater und die gleiche Mutter haben. Jesus und die allerseligste Jungfrau! Es ist merkwürdig, daß der größte Teil der Menschheit nach 2000 Jahren noch nicht weiß, daß sie einen Vater und eine Mutter haben muß, und noch nicht weiß, wie ihr Vater und ihre Mutter heißt.

Das Haupt der Menschheit ist Christus. Die Menschen sind ein Ganzes. Sie bilden, wie die Äste, die aus der gleichen Wurzel entspringen einen zusammenhängenden lebendigen Organismus, einen Baum, einen großen Körper. Die Wurzel, wenn wir bei dem Bild „Baum“ bleiben wollen, das Haupt, wenn wir das Ganze „Leib“ nennen, der Vater, wenn wir das Menschengeschlecht als Familie betrachten, ist natürlicherweise Adam.

Andererseits hat Christus der Gottessohn das ganze Menschengeschlecht, Adam inbegriffen, durch seine Menschwerdung an sich gezogen. Indem er die menschliche Natur annahm, die ein Glied der Menschheit und darum mit der Menschheit untrennbar verbunden war, hat er auch nach der Lehre der Kirchenväter in gewissem Sinne die ganze Menschheit angenommen.

Die ganze Menschheit gehört, wie der große Dogmatiker Scheeben sagt, zur Person Christi als deren Leib, wenn auch nicht in einer so innigen Weise wie die menschliche Natur Jesu. Christus ist durch die Menschwerdung Haupt des ganzen Menschengeschlechtes geworden. „Er steht an der Spitze von allem und alles hat in ihm seinen Bestand.“ (Kol. 1, 17).

Wir rühmen uns, ein politisches Zeitalter zu sein. Es gibt aber keine politische Weisheit, die gegen die Grundgesetze der göttlichen Weltordnung und Weltregierung verstoßen dürfte. Wenn es also, wie der Epheserbrief sagt (1, 10), Gottes Ratschluß ist, „alles, was im Himmel und auf Erden ist, in Christus als dem Haupte zusammenzufassen“, dann ist es auch Aufgabe menschlicher Politik, alles, was auf Erden ist, mit Christus als dem Haupte zu vereinigen.

Es gibt kein anderes Mittel, der Welt die Ordnung, die Wohlfahrt und den Frieden zu geben. Niemand kann ein anderes Fundament legen als das, das gelegt worden, Christus Jesus (1. Cor. 3, 11), Jesus, der Weg, die Warhheit und das Leben (Joh. 14, 6). Jede Friedenspolitik, die das vergessen würde, wäre Torheit. Man regiert nie die Menschheit ohne das Haupt des Menschengeschlechtes. Man regiert nie die Menschheit ohne Christus den König.

Aber man regiert auch nie die Menschheit ohne die Mutter. Man regiert sie nie ohne das Herz des Menschengeschlechtes. Man regiert sie nie ohne Maria. Der Protestantismus versteht Maria nicht und wird sie nicht verstehen, weil er in ihr nur eine für sich existierende Privatperson sieht. Maria kann nur richtig verstanden werden, wenn man sie betrachet in ihrer Beziehung zu Christus und Menschheit. Christus der Gottmensch ist, wie wir gesehen haben, das Zentrum aller Dinge. Als Gott vereinigt mit dem Vater und dem Heiligen Geist im Geheimnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Als Mensch vereinigt mit der ganzen Schöpfung und besonders mit der Menschheit als ihr Haupt.

Was Gott verbunden, das soll der Mensch nicht trennen. Wenn von Christus die Rede ist, muß man den ganzen Christus ins Auge fassen. Der ganze Christus, das ist Christus als Gott, Christus als Mensch und Christus als Haupt. Der ganze Christus, das ist Christus mit den ihm Angegliederten. Er und wir, wie der heilige Augustinus einmal schreibt.

In dieser Zentralbeleuchtung muß man Maria sehen. Sie ist die Mutter von Christus so wie er istAlso die Mutter vom ganzen Christus. Die Mutter von dem mit der Gottheit vereinigten und mit dem Menschengeschlecht verbundenen Christus. Die Mutter des Hauptes und der Glieder. Die Mutter von Ihm und von uns. Freilich, wie Augustinus ausführt, Mutter von uns dem Geiste nach, aber doch durchaus Mutter der Glieder Christi, die wir sind.

Daraus folgt: Maria steht im Zentrum der Schöpfung, im Zentrum der Menschheit. Nicht wie Christus. Aber neben Christus. Mit Christus. Für Christus. Es ist nur ein Haupt. Es ist nur einer, durch den alles gemacht worden ist. Es ist nur einer, der in allem den Vorrang hat. Es ist nur einer, in dem die ganze Fülle wohnt und durch den alles versöhnt worden ist, alles auf Erden und alles im Himmel, indem er durch sein Blut am Kreuze Frieden stiftete. (Kol. 1, 13 ff.). Maria ist nicht das Zentrum, aber sie steht im Zentrum! Maria ist nicht das Haupt, aber sie ist das Herz der Menschheit!

Wie es keine Einheit und keinen Frieden gibt ohne und gegen das Haupt, so gibt es darum keine Einheit und keinen Frieden ohne und gegen das Herz der Menschheit. Gott, der ein Gott der Harmonie ist, wollte, daß die Menschheit nicht nur einen Kopf, sondern auch ein Herz habe. Als er darum die Urzelle der menschlichen Gesellschaft, die Familie schuf, sprach er: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Lasset uns ihm eine Gehilfin machen, die ihm gleiche.“

Das gilt auch für die Menschheitsfamilie. Wenn die Menschheit eine bloße Organisation wäre, brauchte sie kein Herz. Aber die Menschheit ist keine bloße Organisation, sondern ein lebendiger Organismus. Sie hat, wie wir gesehen, ein Haupt. Sie muß also auch ein Herz haben, eine Helferin, eine Ausspenderin der Gaben und Gnadenschätze, eine Erzieherin und Ernähererin der Kinder.

Die Wohlfahrt und der Friede des Menschengeschlechtes hängt also wesentlich von Maria ab, weil die Gesundheit des Organismus wesentlich vom Herz abhängt. Maria ist die Königin des Friedens! Ich weiß nicht, ob man je auf den Friedens- und Abrüstungskonferenzen einen Vortrag über dieses Thema gehalten hat. Aber das weiß ich, daß alle Friedens- und Einheitsbestrebungen umsonst sind ohne diejenige, die am 25. März des Jahres 1 die Mutter des Hauptes und so das Herz des Menschengeschlechtes und dadurch die Mutter des Friedens geworden ist.

 

Es lebe die Königin!

Wenn die Tyrannen wüßten, was für eine Macht wir Rosenkranzbeter in der Hand haben, sie würden den Rosenkranz mit Androhung von Kerkerhaft und Landesverweisung verbieten. Dieses Gebet kindlicher Demut und männlicher Beharrlichkeit greift tiefer hinein in die Geschicke der Völker, als die Politiker ahnen. Sein letztes Ziel ist der Sturz des Antichristentums und der geistige Wiederaufbau Jerusalems. Wir erwarten, schrieb Leo XIII. in der Encyklika von 1895, von der Kraft des Rosenkranzgebetes vorzugsweise reichliche Hilfe für die Ausbreitung des Reiches Christi.

Maria ist der Weg zum Ziel. Zweck des Rosenkranzgebetssturms die internationale Anerkennung des Weltkönigtums Marias und damit Herbeiführung der sozialen Herrschaft Christi. Unser demokratisches Zeitalter mit seiner Gleichmacherei hat wenig Sinn für solche Worte.

Der Katholizismus ist Hierarchie, geordneter Aufbau vom Einfachen und Niederen bis zum Vollkommenen. Das sozialistische Schlagwort Gleichheit, mag es auch heute von den meisten Menschen, auch vielen gedankenlosen Angehörigen unserer Kirche, nachgeschwatzt werden, ist das unsinnigste, unvernünftigste, unkünstlerischste, unglücklichste aller Schlagworte.

Das katholische Wort, Hierarchie, Organismus, Gliederung, Ordnung ist Vernunft, Schönheit, Leben. Weil die Schöpfung, die sichtbare und unsichtbare, ein gegliedertes Kunstwerk ist, muß sie ein Höchstes haben. Weil sie ein Dom ist, muß sie eine Turmspitze haben. Das ist Maria — Maria die Königin des Weltalls. Es ist die Aufgabe der Rosenkranzandacht mit Blumen, Lichtern, Liedern, Gebeten und dem Aufwand aller Beredsamkeit, diese Tatsache darzustellen, Marias Weltkönigtum.

Wir haben gegen einen durch den Protestantismus verbreiteten Irrtum zu kämpfen. Der Irrtum besteht darin, daß man in der katholischen Marienverehrung eine Übertreibung sieht. Der Irrtum besteht darin, daß man nicht an die das ganze Weltall beherrschende Stellung und Bedeutung Marias glauben will.

Maria ist die Mutter Jesu. Jesus ist Gott. Also ist Maria die Mutter Gottes. Gegen diese Beweisführung kann niemand aufkommen. Jedes Kind versteht sie. Es kann keine höhere Würde für ein Geschöpf geben, als wenn wir von ihm sagen können, daß es die Mutter seines Schöpfers ist. Jener Mensch, der den Namen Mutter Gottes führt, ist dadurch mehr als alle andere Menschen. Er trägt Krone und Szepter. Er sitzt auf einem Throne. Er besitzt das Königtum über das gesamte Menschengeschlecht. Das ist die Wahrheit über Maria.

Eine Übertreibung ist hier unmöglich. Wenn jemand übertrieben hätte, dann wäre es Gott, indem er Maria eine Stellung anwies, die alle anderen des Himmels und der Erde überragt. Weil es unmöglich ist, mehr aus Maria zu machen als Gott aus ihr gemacht hat, ist es auch unmöglich, zu viel von ihr zu sagen. Maria ist Königin.

Maria ist Miterlöserin. Sie hat uns mehr gegeben als uns irgend ein Mensch je gegeben hat, geben kann und wird. Jesus ist die erste Ursache der Erlösung, Maria die zweite. Jesus ist die Quelle unserer Rechtfertigung, Maria der Kanal. Was am 25. Dezember des Jahres 1 wahr gewesen ist, bleibt wahr, solange die Welt steht: Jesus kommt zu uns durch Maria.

Es gibt infolgedessen niemanden, von dem wir mehr abhängig sind. Nichts ist darum selbstverständlicher, als daß der Rosenkranz, indem er die Geheimnisse unserer Religion betrachtet, diese beiden Namen, Jesus und Maria verkettet. Wer aber diese Tatsache immer wieder erwägt, sieht die Wahrheit mit Sonnenklarheit vor den Augen: Maria die Königin des Rosenkranzes ist Mutter und Königin des Menschengeschlechtes.

Maria ist nach einer unfehlbaren Glaubensentscheidung voll der Gnade. Das hat kein Geistlicher erfunden. Das hat kein Gelehrter entdeckt. Das hat Gott durch seinen Engel dogmatisiert: Maria gratia plena! Maria voll der Gnade! Alle Heiligsprechungen von 2 Jahrtausenden reichen nicht an diese vom 25. März des Jahres 1 in der stillen Kammer von Nazareth vollzogene Heiligsprechung. Maria überragt alle Großen der Welt- und Kirchengeschichte wie das Meer den Tropfen und die Sonne den Strahl.

Ich sage es nochmals: Der Rosenkranz übertreibt nicht. Er ist weiter nichts als eine Wiederholung und Umschreibung von Lukas 1, 28: Du bist voll der Gnaden! Wenn der Protestantismus im Kampf mit der Marienverehrung Recht bekommen will, schaffe er zuerst Lukas 1, 28 aus der Welt, die offizielle göttliche Proklamierung des marianischen Königtums.

Wir reden nicht zu viel von Maria. Die Gefahr, die heute in dieser glaubensschwachen Zeit existiert, besteht darin, daß wir zu wenig sagen. Die lauretanische Litanei und der Rosenkranz sind Edelsteinsammlungen aus der Schatzkammer der allerseligsten Jungfrau. Jede Anrufung ein Stern an ihrem Himmel! Aber alle diese Anrufungen, so wunderbar sie uns auch vorkommen, sagen einzeln noch nicht die volle ganze Wahrheit von Maria: Wir brauchen ein Wort, das alle andern in sich schließt und das man nicht mehr überbieten kann: Maria die Königin des Rosenkranzes ist die Königin des Weltalls.

Der Mensch ist eine Welt im Kleinen. Was von der Welt im Großen gilt, gilt auch von der Welt im Kleinen. Maria die Herrscherin im Königreich Mensch! Was Gott in Dir tut, tut er durch Maria. Maria ist die Mutter Jesu. Jesus ist unser Haupt. Wir sind im übernatürlichen Leben seine Glieder. Es ist klar, daß die Mutter, die das Haupt geboren hat, auch die Mutter der Glieder sein muß. Die Mutter Jesu muß vermöge eines gewissen Naturgesetzes unsere Mutter sein.

Jede Rechtfertigung und Heiligung geschieht gleichsam wie die Menschwerdung Jesu. Wir werden empfangen vom Hl. Geiste, geboren aus Maria der Jungfrau. Wir werden von Maria geistig genährt, getragen, erzogen, gehütet. Alle Gnaden kommen vom Hl. Geiste. Aber die Werkstatt, in welcher wir erleuchtet, gestärkt, gebildet werden, ist das Herz Marias. Die Kinder Gottes sind darum alle Marienkinder. Niemand hat Gott zum Vater, der nicht Maria zur Mutter hat.

Wir begreifen unter diesen Umständen, warum in der katholischen Kirche die Marienverehrung und besonders das Rosenkranzgebet eine solche Bedeutung hat. Die Marienverehrung liegt uns im Blut. Sie ist uns wie ein Naturgesetz. Wir können nicht anders.  Kinder müssen ihre Mutter lieben. Maria ist uns keine Fremde, keine Unbekannte, keine Abwesende.

Aus diesem Verhältnis zu Maria folgt aber auch, welcher Art die Liebe und Verehrung zu ihr sein soll. Die Marienverehrung sei kindlich! Wir sollen nicht nur auswendiggelernte Sachen heruntersagen. Die Marienverehrung muß ehrlich sein, aufrichtig reden, zutiefst aus dem Herzen herauf, so wie Kinder reden, die ihre Mutter lieb haben. Die Marienverehrung muß innig, begeistert, enthusiastisch sein. Man muß Maria lieben wie niemand sonst in der Welt nach Jesus, weil es selbstverständlich ist, daß uns niemand mehr liebt als das Mütterlein und besonders so ein herzliches, schönes, gutes Mütterlein, wie’s kein lieberes, schöneres, besseres gibt über und unter den Sternen.

Die Marienverehrung sei immerwährend. Ein Kind, das nur alle Morgen und Abend ein paar Worte mit der Mutter sprechen und zwischenhinein das Stumme spielen würde, wäre ein unnatürliches Kind. Kinder reden mit der Mutter über alles. Kinder reden immer mit der Mutter. Wir sollten es auch so machen. Wir sollten über alles: Eigenes, Fremdes, Angenehmes, Trauriges, Religiöses, Weltliches, Familiäres, Politisches, Soziales in trautem offenem Zwiegespräch mit Maria reden, sie um Rat, Hilfe, Trost bittend. Wie keine Arbeit ohne Jesus, ohne gute Meinung, so keine Arbeit ohne Mutterrat und fern vom Mutteraug.

Wir haben gesehen: Rosenkranz und Marienverehrung zeigt uns die Allerseligste als Königin in Weltall und Menschenherz. Mit Tatsachen muß man rechnen. An Tatsachen vorübergehen rächt sich. An Maria vorübergehen ist ein Unglück. Unser irdisches und ewiges Glück, auch unsere politische und soziale Wohlfahrt hängt aufs innigste mit unserer Marienverehrung zusammen. Wir bereiten mit dem Rosenkranz, sofern er nicht mechanisches Lippengebet, die Gegenrevolution vor — die Umwandlung der Geister und Herzen.

 

Der Kampf um das Weib

Eine alte Sage behauptet, daß die Schlangen, die grausamen Feinde des Menschen, das Weib stärker als den Mann hassen und darum öfter angreifen und mit ihren Bissen töten. Wenn unter einem Haufen Männer eine einzige Frau sei, so suche die Schlange diese zu vergiften. Mag diese Anschauung naturwissenschaftlich haltbar sein oder nicht, auf jeden Fall hat sie einen religiösen Hintergrund. Der Teufel, welcher der Widersacher des Menschengeschlechtes ist, zeigt eine ebenso geheimnisvolle als auffallende Wut gegenüber dem Weib.

Der Kampf Satans um das Weib tritt uns als eine weltgeschichtliche Tatsache schon auf dem ersten Blatt der Heiligen Schrift klar und bestimmt entgegen. Gott der Herr sprach zur Schlange: „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weib, zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Sie wird dir den Kopf zertreten und du wirst ihrer Ferse nachstellen“ (1 Mos. 3, 15). Der Kampf um das Weib ist unzertrennlich verbunden mit dem großen Streit im Himmel, dem Streit um den Gottmenschen. Er hat christozentrischen Charakter. Er gilt der Frau als Christusträgerin. Der Teufel will in der Frau den Gottmenschen treffen.

Dieser weltgeschichtliche Kampf Satans um das Weib ist auch der tiefste Inhalt des Rosenkranzgebetes. Rosenkranzbeten ist nicht bloß Privatsache,  Rosenkranzbeten ist ein Mitmachen auf dem großen Weltkriegsschauplatz, dessen Mittelpunkt das Weib und der Drache, dessen Gegenstand die Herrschaft Christi des Königs und dessen drei Stadien der Kampf um Eva, der Kampf um Maria und der Kampf um die Mutter Kirche bildet.

Der Kampf um die Frau ist in erster Linie ein Kampf um Eva. Man kann sagen: das war Kriegslist, das war Taktik, das war psychologische Berechnung. Aber es war auch Prinzip. Indem Satan zunächst auf Eva zielt, zielt er aufs Ganze. Er sagt sich: Der Fall der Frau wird den Fall des Mannes mit sich ziehen und der Fall der Mutter den Fall ihrer Nachkommen.

Satan zielt bei seinem Kriegsplan christozentrisch. Satan denkt immer christozentrisch im feindlichen Sinn. Es ist ihm bei seinem Angriff auf die Frau letzten Endes um den tötlichen Schlag zu tun auf Den, der kommen soll. Auf Christus. Im Schatten des verbotenen Baumes soll das Schicksal seines großen Widersachers entschieden werden. Hinterrucks. Durch Ferserbiß. Aber tötlich sicher.

Der Kampf gegen die Frau während der ersten viertausend Jahre war nur eine Fortsetzung des Verführungsplanes im Paradies und darum letzten Endes ein Kampf gegen Christus. Der Baum der Menschheit sollte durch das revolutionäre Sündengift des Weibes derart widergöttlich durchseucht werden, daß er unfähig würde, die Edelfrucht des Christkönigs zu tragen. Der Kampf gilt der Frau als der zukünftigen Christusträgerin.

Das satanisch-antichristliche Attentat auf die Frau hat einen doppelten Angriffspunkt. Die Frau soll zuerst zu Fall gebracht werden durch die Sinnlichkeit. „Das Weib sah, daß der Baum gut für das Essen und schön für die Augen und daß es eine Lust sei ihn anzuschauen und nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Manne, der auch aß“ (1 Mos. 3, 6). So berichet die Heilige Schrift.

Der Teufel trat in die Seele des Weibes durch das Fenster des Auges. Das Weib war kurzsichtig. Es schaute nicht in die Tiefe und Weite der Dinge. Es dachte nicht. Es ließ sich blenden durch äußeren Schein und Gefühl. Die Sinne herrschten über Verstand und Gewissen. Das ist der gewöhnliche Vorgang beim Sündenfall der Frau: Das Weib findet, daß die verbotene Frucht schön sei für die Augen und gut für das Essen. Dann streckt es die Hand aus. Sinnlichkeit, der Weg zum Sündenfall der Frau.

Der andere Angriffspunkt. Satan appelliert an die Eitelkeit des Weibes: Du wirst gleich einer Göttin! Eine Angebetete! Die Erste statt der Zweiten! Das schmeichelt der Frau. Die Frau ist nach göttlicher Weltordnung Gehilfin des Mannes. Die Zweite. Ihre Größe soll darin bestehen, das zu sein, was Gott will, daß sie sei. Die Mitwirkende, nicht die Führende. Das verlangt Demut.

Die Sünde Luzifers bestand darin, daß er nicht der Zweite sein will neben Christus dem Ersten. Diese Gesinnung, mit welcher die Revolution im Himmel ihren Anfang genommen, soll nun durch die Schlange auch in die Frau hineingetragen werden. Die Frau soll im Paradies das erste Wort führen. Die Frau soll auf Erden der Mittelpunkt werden, um den sich alles dreht. Die Erste statt der Zweiten! Damit nimmt die Revolution auf Erden ihren Anfang. Ihr Ursprung aber ist luziferianisch. Der Feminismus ist luziferianisch. Er geht auf Satan zurück.

Der Kampf um die Frau ist ein Kampf um Maria. Maria hat der Welt den Christkönig geschenkt, den Ersten, das Haupt der Schöpfung, der unsichtbaren wie der sichtbaren. Maria denkt ganz christozentrisch im Geiste des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Christus der König ist ihr alles. Sie fühlt sich Ihm gegenüber im Gegensatz zu Eva immer als Zweite. Als Magd des Herrn. Sie denkt darum ganz antiluziferianisch. Antirevolutionär. Sie wird dadurch die Schlangenkopfzermalmerin. Persönlich und in ihrem Sohne.

Wie Maria ganz antiluziferianisch, so ist der Teufel ganz antimarianisch. Im Kampf um die Frau ist es ihm vor allem darum zu tun, Maria zu treffen. In der Stammutter Eva sieht er Maria. In jeder Frau, in der Jungfrau namentlich, sieht er etwas von Maria. In allen Ländern, wo er herrschte, wo er noch herrscht, ist das Weib das unglücklichste Geschöpf. Eine Sklavin. Mit allen Mitteln herabgewürdigt und zertreten. Diese Verfolgung und Erniedrigung des Weibes ist satanisch im Ursprung. Aber alles das ist schließlich ein gegen Maria geführter Schlag.

„In Eva, ihrer Mutter, und in allen Weibern, ihren Schwestern, mit einer Wut verfolgt, deren Gemälde die Geschichte kaum zeichnen kann, wurde Maria auch in ihrer Person verfolgt. Was war ihr Leben von der Krippe bis zum Kreuz! Wie ihr Sohn der Mann der Schmerzen, so ist sie das Weib der Schmerzen .“Ihr alle, die ihr am Weg verübergeht, betrachtet und sehet, ob ein Schmerz dem ihren gleich“ (Klagelieder 1, 12). Keiner andern als ihr kommt der Titel einer Königin der Märtyrer zu.“ Sie ist die vom Satan tödlich Gehaßte.

Der Kampf um die Frau ist schließlich ein Kampf um die Kirche. Die Kirche ist die mystische Frau, die Braut Christi, die Mutter der Kinder Gottes. Sie ist als geistige Mutter die fortlebende Gottesgebärerin, wie sie in ihrem Haupt der fortlebende Christus ist. Wer die Kirche nennt, nennt Christus. Wer die Kirche nennt, nennt auch Maria. Wer die Kirche haßt, haßt Christus. Wer die Kirche haßt, haßt Maria. Die satanische Kirchenverfolgung ist immer antichristlich und antimarianisch, christusfeindlich und marienfeindlich.

Die Geheime Offenbarung schildert deswegen im 12. Kapitel die Kirchenverfolgung durch Satan als Kampf des Drachens gegen das Weib. „Als der Drache sich auf die Erde hinabgestürzt sah, verfolgte er das Weib, das den Knaben geboren hatte. Die Schlange schleuderte aus ihrem Rachen dem Weibe Wasser nach wie einen Strom, um es durch die Flut wegzuschwemmen. Aber die Erde kam dem Weibe zu Hilfe. Sie öffnete ihren Mund und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Rachen geschleudert. Da geriet der Drache in Zorn über das Weib und ging hin, um Krieg zu führen mit dessen übrigen Nachkommen, die Gottes Gebote halten und das Zeugnis Jesu halten.“

Der Teufel haßt die Kirche, weil sie das mystische Weib ist, die Braut des Lammes und die Mutter der Brüder und Schwestern Jesu. Satan haßt das Weib.

Wir wiederholen. Es soll uns beim Rosenkranzbeten so recht zum Bewußtsein kommen, daß es ein Hinabsteigen ist auf den Kriegsschauplatz der Welt, ein Mitringen in jenem sechstausendjährigen Kampf des Weibes gegen den Drachen. Der Rosenkranz ist etwas ausgesprochen Kriegerisches, etwas Antiluziferianisches, Teufelbeschwörendes.

Wir sehen aber andererseits im Rosenkranz, welch ungeheure Macht das Weib im Weltgeschehen hat. Alles Unheil und alles Heil in der Welt beginnt mit dem Weib. Mit Eva oder mit Maria. Jede Frau ist etwas von Eva oder etwas von Maria. Cherchez la femme! Suchet das Weib.

Wenn man die Menschheit unfehlbar in den Abgrund treiben will, dann muß man nur nach luziferinischem Vorbild das Weib versinnlichen und vergöttern durch schamlose Mode und radikale Frauenrechtlerei. Umgekehrt, wenn man die Menschheit retten will, muß man die Frau retten, das heißt demütig und rein, marianisch machen. Die Rettung der Frau das große Christkönigsproblem!

 

Schlangenkopfzermalmerin

Ein bekannter schweizerischer Hochschullehrer, der unterdessen gestorben ist, stand vor dem Portal der katholischen Kirche, in die er einzutreten allerdings nicht den Mut fand. Seine Kinder sagten von ihm: Papa spielt am Abend mit Kügelchen. Sie kannten das sonderbare Spiel nicht. Wir kennen es. Es war der Rosenkranz.

Wir spielen in der Kirche und in der Familie gerne das Kugelspiel der Heiligen. Wir haben die Überzeugung, daß wir dabei, wenn wir es mit innerer Hingebung und Aufmerksamkeit tun, der Gesellschaft einen größeren Dienst leisten als die Spieler am Schachbrett der Politik, die Diplomaten.

Die Rosenkranzbeter, ich meine die ernsten, nicht die gedankenlosen Mechaniker, werden in dem entbrannten Riesenkampf zwischen Licht und Finsternis über die Staatsmänner den Sieg davontragen. Jedes gute Rosenkranzgebet ist ein Stück geistiger Welteroberung. Eine Art Exorcismus, Teufelsbeschwörung im Sinn des Schriftwortes: Gebet nicht Raum dem Teufel! Weich, unreiner Geist, und mach Platz dem Hl. Geiste! Der Rosenkranz ist, ohne etwas Maschinenhaftes zu sein, unser Maschinengewehr! Wir leisten damit dringende praktische Gegenwarts- und Zukunftsarbeit. Rosenkranzgebet ist Kriegsdienst.

Das irdische Leben ist etwas anderes als die meisten glauben. Kein behagliches oder langweiliges Bummeln durch die Welt. Keine Schmetterlingsjagd dieser ewigen Kinder, die man Menschen heißt. Kein Streit um Futtertröge. Wir müssen den Mut haben, es auch anderswo als auf den Kanzeln und in den Beichtstühlen zu erklären: Es geht um Gott oder Teufel. Leben und Geschichte bleiben unerklärbar ohne das Verständnis für das Dämonische, was aus der Bibel und den Gebeten der Kirche mit aller Deutlichkeit hervorgeht.

Kaum ist das Kind in die Jahre der Vernunft getreten, so beginnt, wie ein moderner Schriftsteller sagt, Satan unverzagt und unverdrossen mit Gott die große Schachpartie um seine Seele. Kämpft ohne Rast und Ruh, Schritt für Schritt, mit offenem oder verstecktem Angriff, mit lang überlegten, fein ausgesonnnen, oft genialen Zügen um König und Bauer, Bischof und Reiter.

Heut sind wir so weit, daß der Teufel der Herr der Welt genannt werden kann. Die moderne Welt steht außerhalb von Gott, Christus und Kirche. Satanas darf kühn als die Seele des Jahrhunderts gelten. Aus dem Munde der Großpresse, des Mammonismus, der Gesellschaft ohne Gott, spricht Luzifer, das widergöttliche personifizierte Nein. De Maistre würde den satanischen Charakter, den er in der französischen Revolution finden zu können glaubte, in dem herrschenden sozialen Atheismus unserer Tage mit Leichtigkeit wiedererkennen.

Wenn Satanismus Antichristentum ist, dann ist Christentum seiner Natur nach Antisatanismus. Vor seiner Himmelfahrt hat Christus versprochen: Den Gläubigen werden diese Zeichen folgen: In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben. Wenn auch das Exorzistat eine eigentliche kirchliche Weihegewalt darstellt und die feierliche Teufelsbeschwörung nur mit Erlaubnis der Bischöfe von den Priestern vorgenommen werden karf,kann und darf und soll jeder Getaufte und Gefirmte in gewissem Sinn Exorzist sein, Teufelsbeschwörer und Teufelsaustreiber, und zwar in der Defensive und in der Offensive, in der Verteidigungs- und Angriffsstellung.

Das Schicksal der Seele, wie das eines Landes, wird gewöhnlich an der Grenze entschieden. Wir müssen starke Festungen an der Grenze bauen. Wir müssen die Sinne, die Eingangstore in die Seele, sorgfältig hüten. Wir müssen überall Wachtposten aufstellen, betende Wachtposten. Wir dürfen uns nicht zu weit hinauswagen ins Feindesland. Die nächste Gelegenheit meiden auf allen Gebieten! Keine Zugeständnisse, keine Kompromisse! Kein Spielen mit der Schlange! Das ist Muttergottestaktik. Sie soll uns vorbildlich sein im Privatleben wie in der Politik. Die kleinen Zugeständnisse und kleinen Unvorsichtigkeiten an der Grenze entscheiden sehr oft den Ausgang des Krieges.

Die Schlangenkopfzermalmerin mit dem Kindlein, die im Mittelpunkt des Rosenkranzes steht, muß in uns auch den katholischen Offensivgeist wecken. Wir müssen den Teufel hinaustreiben aus dem besetzten Gebiet. Jeden Abend bei der Gewissenserforschung! Bei jeder Beicht! Reue, Vorsatz, Bekenntnis, Lossprechung sollen wie ein Exorzismus wirken, teufelaustreibend. Darum haßt der Teufel den Beichtstuhl.

Damit darf aber der Marienritter nicht zufrieden sein. Wir haben auch im öffentlichen Leben unseres Exorzistenberufes betend und kämpfend bewußt zu werden. Was soll echte katholische Weltpolitik sein? Öffentlicher, durch Männermund gesprochener Exorzismus gegen die gottlose Welt.

Solange das Apostelwort: Gebet nicht Raum dem Teufel! von uns Modernen nicht zur Grundlage aller katholischen Weltauffassung gemacht wird, solange nicht die schrankenlose moderne Glaubens-, Gewissens-, Rede- und Preßfreiheit überwunden wird, werden wir Christkönigs Reich nicht bauen. Zuerst müssen die von De Maistre signalisierten Teufel von 1789 hinaus! Der Rosenkranz soll nach dieser Richtung wirken wie eine allseitige gewaltige Offensive gegen das Dämonische in der Weltluft. Reinigend, teufelbeschwörend, befreiend.

Der Rosenkranz muß dann aber auch wie ein Adventgebet wegbereitend für eine schönere katholische Zukunft wirken. Es liegt etwas Siegfrohes, Kampfentscheidendes, sagen wir göttlich Optimistisches im Rosenkranz, etwas Pfingstbeschleunigendes. Wenn die Völker mit Maria beten, naht der Hl. Geist.

Die gegenwärtige traurige Zeitlage scheint allerdings dem Optimismus der rosenkranzbetenden Christenheit noch nicht Recht geben zu wollen. Leben wir doch mehr in einer Zeit des Umsturzes und Zusammenbruches als des Wiederaufbaus. Allein, haben nicht auch die Revolutionen das Gute, daß sie das Faule und Morsche niederreißen, um Platz zu machen für den Tempel des Hl. Geistes? Kann Gott dort bauen, wo schon ein anderer gebaut hat? Können zwei am gleichen Ort wohnen? Durchschreitet die Menschheit nicht eine Periode, welche die Alten als die Via purgativa, den Weg der Reinigung, bezeichneten?

Der Zweck der Strafgerichte, die wir hinter uns haben und die wir vielleicht noch zu erwarten haben, besteht er nicht darin, den Boden zu säubern, auf dem ein neues Europa erstehen soll? Wenn die Vorsehung etwas auswischt, dann geschieht es offenbar, sagte De Maistre, um nachher wieder zu schreiben.

Wir werden deshalb mit der übrigen Christenheit zum Rosenkranz greifen und unser Kampfprogramm, das wir in der Schule Pius XI. gelernt, vertrauensvoll der Schlangenkopfzermalmerin, der Mutter der Ganzen, zu Füßen legen. Wir sind längst über den modernen Aberglauben hinaus, daß die Welt mit temperamentvollen Schlagworten, seien es liberale oder katholische umgewandelt werden kann.

Gott hat uns seit 20 Jahren zur Demut erzogen. Es ist heute wie am Anfang der Tage. Gott ruft die neue Zeit, die wir erwarten, hervor aus dem Nichts unserer Ohnmacht. Auf zum Gebet! Maria unser Schlachtruf! St. Michael unser Feldmarschall!

 

Vom Welterobern

Es ist Advent. Die Nacht rückt vor. Ein neuer großer Tag bricht an! Noch steht die Sonne nicht am Himmel. Aber zwischen schweren Wetterwolken leuchtet der Morgenstern. Hier handelt es sich um geistiges Naturgesetz. Wenn man auch nur die Anfangsgründe in der Himmelskunde der Geister studiert hat, dann weiß man, daß nach Ankunft des Morgensterns bald Sonnenaufgang ist. Nach Maria Jesus!

Mit dem Jahre 1854 am 8. Dezember erscheint am Nachthimmel der modernen Zeit der Bote des kommenden Tages. Als Pius IX. den Glaubenssatz der Unbefleckten Empfängnis feierlich verkündete, ahnte er, daß ein weltgeschichtlicher Augenblick angebrochen.

Wir haben, sprach er wie ein Prophet, die sicherste Hoffnung und das vollste Vertrauen, die seligste Jungfrau, welche ganz schön und makellos den giftigen Kopf der grausamen Schlange zertreten und der Welt das Heil gebracht hat, sie, welche für den ganzen Erdkreis die mächtigste Mittlerin bei ihrem Sohne ist und welche als der festeste Schutz immer alle Irrlehren entfernt hat, werde nun durch ihre mächtigste Vermittlung bewirken, daß die heilige Mutter, die katholische Kirche, nach Entfernung aller Schwierigkeiten, nach Beseitigung aller Irrtümer, blühe und herrsche von Meer zu Meer und daß eine Herde und ein Hirt sei! Die katholische Weltkirche volle Tatsache.

Der Zeiger der Weltenuhr geht nicht zurück. Der Morgenstern steht am Himmel. Pius IX., Leo XIII., Pius X., Benedikt XV., Pius XI., die auf der Sternwarte weiter und schärfer sehen als alle anderen, haben nicht aufgehört, seit 75 Jahren in zahlreichen Rundschreiben darauf hinzuweisen. Noch im Jahre 1904 schrieb Pius X.: Eine innere Stimme scheint uns zu sagen, daß nun bald jene Erwartungen erfüllt werden. Unsere Rettung ist näher als wir geglaubt.

Wenn die Gefahr am größten ist, ist Gott am nächsten. Bald hoffen wir rufen zu können: Zerbrochen hat Gott den Stock der Gottlosen. Es ruhet und schweigt der Erdkreis. Er freut sich und jubelt. Wir halten’s auch in dieser Frage mit Rom. Der Morgenstern, von dem die Päpste des 19. und 20. Jahrhunderts in so auffallender Weise als dem Friedenbringer sprechen, muß uns bald Sonnenaufgang bringen. Adventahnung und Adventhoffnung! Durch Maria Jesus!

Maria Himmelfahrt! Der Tag der Thronbesteigung der Muttergottes! Das Marienfest im Hochsommer zeigt uns den Gedanken einer durch die allerseligste Jungfrau ausgeübten geistigen Weltherrschaft. Die Könige steigen nicht auf den Thron, um darauf auszuruhen, sondern um darauf zu regieren. Durch das Königtum Marias das Königtum Jesu!

Es ist die Aufgabe der katholischen Kanzel diesen Gedanken: „Durch Marias Weltherrschaft zu Jesu Weltherrschaft“ in alle Völker hineinzutragen. Der 15. August ist wie der 8. Dezember ein kritischer Tag für die Hölle. Es handelt sich um nichts geringeres, als das Reich dieser Welt zu stürzen, um das Reich des Himmels, das Reich Marias und das Reich ihres Sohnes, an dessen Stelle zu setzen.

Geistige Weltherrschaft Jesu das Ziel aller wahrhaft katholischen Herzen und aller wahrhaft katholischen Geister! Wie klein und arm sind wir Katholiken in der Regel geworden! Wie unendlich bescheiden sind unsere Ansprüche! Kein feurig Erobererblut mehr in unseren Adern! Kein Wille zur Herrschaft mehr! Wir bewohnen im öffentlichen Leben Keller und Mansarde und denken kaum daran, daß einmal der Tag kommen könnte, wo wir Hausmeister würden. Wir freuen uns wie Kinder über jedes Stücklein Brot, das als Almosen vom Tisch der Herren der Erde fällt.

Wir sprechen zwar voll Optimismus vom blühenden kirchlichen Leben, aber wir vergessen so leicht, daß wir außerhalb unserer Sakristeien fast nichts zu sagen haben, daß das öffentliche Leben, die Straße, die Werkstatt, immer mehr ihren alten heimeligen katholischen Charakter verliert und konfessionslos und religionslos wird.

Wir vergessen, daß die katholische Familie nicht mehr Damm und Festung ist gegen die modernen Irrlehren und Laster, daß fast die gesamte Presse in der Hand des Liberalismus, des Sozialismus, des Geschäftskatholizismus liegt, daß es in der ganzen Welt kaum ein einziges Land mehr gibt, das nicht von liberalen, sondern von ausgesprochen katholischen Grundsätzen geleitet wird.

Wir regieren nicht mehr! Wir können nicht mehr regieren! Wir wollen gar nicht mehr regieren. Die Kirche war einst Königin! Man hat ihr Krone, Mantel und Szepter genommen. Man hat ihren Thron in die Museen gestellt. Man hat uns an dessen Stelle ein paar grüne Sessel gegeben, auf denen Katholizismus, Irrlehre, Freimaurerei, Sozialismus, Liberalismus und Judentum brüderlich miteinander arbeiten. Der Gedanke, daß die Kirche zur Weltherrschaft und gar zur geistigen Alleinherrschaft berufen sei, ist uns so fremd geworden, daß sogar Katholiken ob solch kühner und extremer Sprache erschrecken.

Wir wollen nicht mehr erobern und wollen nicht mehr herrschen. Wir wollen nur noch mitleben, mitreden, mitregieren. Wir wollen nicht mehr den Thron. Wir sind zufrieden mit ein paar grünen Sesseln. Wir wollen nicht mehr das Ganze. Wir begnügen uns mit einem Teil. Wir glauben nicht mehr an den Weltherrschaftsberuf der katholischen Wahrheit und der christlichen Moral.

Am Thronfest der Königin des Himmels und der Erde muß diesem armen genügsamen katholischen Zwergvolk der Gegenwart das Evangelium von der geistigen Welteroberung und Weltbeherrschung durch den Katholizismus als das höchste Ziel aller unserer Arbeit verkündet werden. Wir wissen es ganz gut: Die Welt wird nicht in einem und nicht in zehn Jahren erobert. Aber das ist vorderhand auch nicht das erste. Das erste ist, daß wir einmal selber, wir Priester, alle Männer, alle Frauen, alle katholischen Schriftsteller und alle katholischen Staatsmänner, anfangen, an diesen erhabensten und großartigsten aller Berufe zu glauben, an das, was der Hl. Vater das Königtum Christi nennt.

Das andere ist, daß wir davon reden. Wir sind keine Geheimsekte. Was wir wollen, darf alle Welt wissen. Der Freimaurer will, daß die Menschheit nach seinen Phrasen lebe. Der Liberale will, daß die ganze Welt liberal sei und sieht darin das Heil der Völker. Der Sozialist will, daß der Sozialismus von allen als das Evangelium der Freiheit und Gleichheit angenommen und befolgt werde.

Es ist klar, daß der überzeugte Katholik Tag und Nacht von nichts anderem denkt als daß die ganze Welt katholisch und selig werde. Wer das nicht will, hat kein Recht, sich katholisch zu nennen. Drittens: Wir müssen um diese geistige Weltherrschaft der Kirche beten. Wenn ihr beten wollt, dann betet also: Geheiligt werde Dein Name! Zukomme uns Dein Reich. Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden!

Das göttlichste aller Gebete ist ein katholisches Gebet, ein Gebet um Gottes Weltherrschaft in allen Seelen, in allen Beziehungen, an allen Orten. Gottes Name und Reich und Wille allgegenwärtig wie Gott selber. Gottes Sache darf nicht eingesperrt sein weder in gewisse Zeit noch an einen gewissen Ort noch in gewisse Menschen. Sie will Krone und Szepter tragen. Sie will auf dem Throne sitzen, allein, überall, immer. Das Ziel und der große Gedanke aller katholischen Herzen und aller katholischen Geister, die geistige Weltherrschaft, Alleinherrschaft Gottes!

Der Weg zum Königtum Jesu das Königtum Marias! Ich erkläre und bekenne, daß es nur einen allmächtigen Gott gibt und daß Gott, das unendlich vollkommene Wesen, niemanden braucht. Ich erkläre und bekenne, daß Maria, obschon sie alle anderen Geschöpfe weit überragt, alle ihre Vollkommenheit nur von Gott hat und von Gott selber an Vollkommenheit unendlich übertroffen wird. Ich erkläre und bekenne aber trotzdem, daß Gott, der niemand nötig hat, die Welt nur mit und durch Maria rettet.

Durch Maria kam Jesus. Das ist die weltgeschichtliche hochbedeutsame Tatsache, an die die Glocke jeden Morgen, Mittag und Abend uns erinnert. Durch Maria kommt Jesus in die Welt! Das ist nicht nur am 25. März und am 25. Dezember des Jahres 1 wahr geworden. Das ist nicht nur einmal sich vollziehendes geschichtliches Ereignis. Das ist seither immer wahr. Es ist ein übernatürliches Weltgesetz geworden.

Maria ist nicht bloß Privatperson, weil ihr Sohn nicht bloß Privatperson ist. Nachdem einmal das Heil der Welt durch ihre Hände uns geworden, gibt es nichts, weder Großes noch Kleines, zwischen Himmel und Erde, das nicht durch ihre Hände geht. Maria ist Königin. Ihr Reich das Weltall. Ihr Thron der Himmel. Ängstliche Seelen sehen darin eine Konkurrenz. Sie wissen nicht, was sie sagen. Im Reiche Gottes gibt es nicht Thron gegen Thron, Königtum gegen Königtum, Reich gegen Reich. Ein Gott, ein Reich, ein Königtum.

Maria hat keine Privatinteressen, keine Sonderwünsche. Sie will nur eins, denkt und tut nur eins: Des Sohnes Reich, des Sohnes Name und Wille. Wenn Maria Königin des Weltalls geworden ist, so ist sie dennoch nur, was sie immer war: Magd des Herrn! Jesus bleibt und ist ihr alles. Aber die Magd des Herrn auf dem höchsten aller Throne, die unter dem Throne des Allerhöchsten sind. Magd als Königin des Weltalls, die Mutter mit der Krone.

Wir können uns den Katholizismus nicht ohne die Muttergottes denken. Aber wir können uns auch die Muttergottes nicht ohne die katholische Kirche denken. Der Kirche Grundsatz auf Erden: Von Maria nie genug! Marias Programm und Regierungspolitik im Himmel: Von der Kirche nie genug! In der Liebe zur Kirche keine Übertreibung. In der Begeisterung für die Kirche kein Extrem. In der Arbeit für die Kirche kein Übermaß.

Die Politik der Königin des Weltalls die Erhaltung, die Ausbreitung, die Heiligung, die geistige Weltherrschaft der Kirche, die Politik des Vaterunsers! Zukomme uns dein Reich! Was alle Päpste, Bischöfe und Priester, alle Heiligen und Martyrer und Missionäre seit 1900 Jahren für die katholische Sache getan, das taten sie als ausführende Organe der Königin des Weltalls. Niemand ahnt das besser als die Häresien. Alle Irrlehren hassen, verachten oder ignorieren wenigstens Maria. Sie wissen warum. Sie allein hat, wie das Brevier sagt, alle Irrlehren auf dem Erdkreis vernichet.

Die Politik der Königin des Weltalls ist: Geistige Weltherrschaft der Kirche im Kampfe mit den Mächten der Finsternis. Drei Throne: Der Thron des Königs, der Thron der Königin Mutter, der Thron des hl. Petrus in Rom! Drei Throne aber ein Reich. Das Reich Christi ist das Reich Marias. Das Reich Marias ist das Reich des Papstes. Die zweite Vaterunserbitte des Gebetes des Herrn, das Gebet Marias, das Gebet der Kirche, ist das katholische Gebet. Heilige Interessengemeinschaft zwischen Sohn und Mutter und Stellvertreter, zwischen Christus, Maria, Petrus.

Maria Himmelfahrt der Weltallskönigin Thronfest! In dem großen Erdbeben, das seit 20 Jahren durch die Weltg geht, stürzen auch die Königsthrone. Drei Throne werden nicht wanken: Der Thron Jesu, des Sohnes Gottes, der Thron seiner Mutter, der Thron seines Stellvertreters. Menschlich gesprochen scheint alles verloren zu sein und nichts den nahen Triumph seiner Kirche zu versprechen. Allein es ist ein Gesetz der göttlichen Vorsehung, daß Gott am nächsten ist, wo die Gefahr am höhsten.

Ein anderes Gesetz: Wenn Maria nahe ist, ist auch Christus in der Nähe. Seit hundert Jahren hören wir von zahlreichen Erscheinungen und Wundern der allerseligsten Jungfrau. Wir hören die Stimme der Mutter. Der Morgenstern leuchtet. Wir wiederholen die Worte des hl. Papstes Pius X.: Eine gewisse innere Stimme scheint uns zu sagen: daß nun bald die Hoffnungen und Erwartungen erfüllt werden: Herrschaft der Kirche von Meer zu Meer, Friede, Freiheit, eine Herde unter einem Hirten. Der 15. August, der Muttergottes Thronfest, ein Lichglanz in finsterer Nacht! Unsere Rettung ist näher als wir glauben. Maria die Königin des Weltalls unsere Hoffnung, unser Trost. Die Diplomatin, die wie vor 1935 Jahren noch einmal der Welt den Frieden bringen wird.

 

Dein Signal

Ein großes Zeichen am Himmel! Ein Weib mit der Sonne bekleidet. Der Mond unter ihren Füßen. Auf ihrem Haupte eine Krone mit zwölf Sternen. Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel. Und siehe, ein großer blutroter Drache, mit sieben Köpfen und auf seinen Köpfen sieben Kronen.

Und der Drache trat vor das Weib, um ihr Kind zu verschlingen. Und es erhob sich ein großer Streit im Himmel. Aber der Drache siegte nicht und er wurde in die Tiefe geschleudert, die alte Schlange, welche genannt wird der Teufel und Satan.

Ein Bild aus der Geheimen Offenbarung des hl. Johannes. Eine Szene voll großartiger Lebendigkeit aus dem Riesenkampfe zwischen Himmel und Hölle! Ein Bild zum 8. Dezember. Vom unsichtbaren Kriegsschauplatze der Geister!

Der 8. Dezember, obschon ein uraltes christliches Fest, ist seit 1854 ein Fest von hochmoderner Bedeutung geworden. Mariä Empfägnis ist im gewaltigtobenden Geisteskampfe der Gegenwart Signal geworden. Das Zeichen am Himmel, nach welchem wir unsere Tagesuhren richten müssen.

Signal gegen Signal! Maria gegen die alte, unter ihren Füßen wutknirschende Schlange, welche genannt wird Teufel und Satan. Es handelt sich nicht um ein verlorenes Bergdorf, um vereinzelte Träger des Unglaubens oder schlechte Schriften.

Personen und Namen spielen hier keine Rolle. Es ist der Entscheidungskampf zwischen den beiden großen Zeichen am Himmel. Maria oder der Teufel, das ist die Frage. Das Weib mit der Sonne oder der Drache! Wir werden zu wählen haben. Wir werden wählen müssen.

Maria,
das große Signal am Himmel
für die moderne Frau.

Es sind jetzt mehr als hundert Jahre. Ein Heer zog von Süden ins Tirol hinein. Es war ein heißer Krieg. Der Eroberer rückte heran gegen Spinges. Vor dem Tabernakel lag im Gebete ein hochgewachsenes, fröhliches aber kernhaft frommes Mädchen. In unendlicher Angst ringt sie ihre Hände, mit steigendem Entsetzen vernimmt sie das Getöse der Schlacht, die immer näherkommenden Schüsse.

Plötzlich springt sie auf und sperrt die Kirchentür zu. Sie sieht die ersten Feinde an der Friedhofmauer heranschleichen. Ein Schrei. Mit mächiger Stimme ruft sie: Jesus, Maria, die Kirche, die Kirche! Sie fürchet die Entweihung des Heiligtums.

Sie wird zur Löwin. Eine Gabel ist ihre Waffe. Wie ein Soldat kämpft sie mit den heraneilenden Landsleuten gegen den Feind. Wie ein Engel mit Flammenschwert nimmt sie dann Aufstellung vor der versperrten Kirchtür und hält dort den Feind abwehrend Tabernakelwacht.

Die Soldaten sind vor ihrer Erscheinung wie geblendet, senken ihre Bajonette und ziehen ab. Die Kirche mit dem Allerheiligsten ist gerettet. Das Mädchen von Spinges aber ist von Geschichtsschreibern, Dichtern, Malern und Bildhauern gefeiert  worden. Sein Name hatte Heldenklang im ganzen Lande. Das war eine Bauernmagd. Aber in ihrer Hand lag zum guten Teil Wohl und Weh eines ganzen Volkes.

Das war nicht das erste Mal, daß eine schlichte Frauengestalt ihr Volk rettete. Wir brauchen nur an Jeanne d’Arc zu erinnern. Soll es in unsern ernsten Zeiten anders sein? Maria, das große Signal am Himmel, stellt eineernste Forderung an die ganze moderne Frauenwelt: Stellt euch wie Cherubim an die Tore eurer Kirchen! Haltet Tabernakelwacht! Rettet Jesus eurem Volk und euren Kindern!

Frauen, seid Helden! Während draußen in der Welt der Kampf tobt und immer näher tönt ans Heiligtum, betet! Ringet in unendlicher Angst die Hände für euer Teuerstes! Seid moderne Beterinnen. Mit offenen Augen für die Welt und ihre Not. Also auch für die Freiheit der Kirche. Für die katholische Presse. Für die Schule. Für die Urne.

Greift mit eurem Gebet mitten hinein ins volle Menschenleben. Rettet den Heiland. Und dann, wenn’s nottut, hinaus vors Tor! Nicht nur beten, sondern auch handeln! Durch Belehrung, Mitarbeit, Aufmunterung!

Auch vor allem du, Mutter, vor die Schwelle des eigenen Hauses! Wie eine Heldin. Alles fortflammend mit deinem Aug, was Gefahr bringt — schlechte Menschen, schlechte Schriften! Halte Torwacht für Christus!

Maria,
das große Signal am Himmel
für den modernen Mann.

Ein berühmter Schriftsteller hat den Ruf erhoben nach mehr Ritterlichkeit. Viele wissen nicht einmal mehr, was das ist. Es war eine schöne Zeit, in der Blüteperiode des Mittelalters, wo die christliche Ritterschaft, der gute alte Adel, sein tapferes Schwert führte gegen alles Unrecht.

Schutz der Schwachen und Unterdrückten, insbesondere der wehrlosen Frau und des wehrlosen Priesters galt als erste Pflicht. Ein Ritter sein, hieß einstehen mit Macht und Geld und Blut für die leidende Unschuld und das zertretene Recht.

Heutzutag ist es vielfach anders geworden. Man steht lieber auf Seite des Großen als des Schwachen. Man sympatisiert mehr mit dem Inhaber der starken Faust als mit dem Armen, der Witwe und der Waise.

Man schaut hinter dem Fenster zu, wie die Tyrannei das Recht in den Boden stampft und schweigt, um es nicht mit den großen Herren zu verderben. Man sieht die Unschuld aus tausend Wunden bluten und ist passiver Zuschauer, damit’s keinen Lärm gibt und der sogenannte Friede d.h. das ungestörte Regiment der rohen Gewalt nicht gestört werde.

Man sagt, es nütze nichts gegen die Übermacht der Schlechtigkeit zu kämpfen, um sich desto gemütlicher auf dem Ruhebett auszustrecken.

Mit einem Wort: Wir haben viele Schnurrbartträger, aber wenig Ritterlichkeit. Da hat es Christus der Starke ganz anders gemacht. Er hat nicht seine Größe mit der Weltmacht verbündet, mit der Gewalt, dem Reichtum, dem Zeitgeist. Christus war Ritterlichkeit von der Scheitel bis zur Sohle.

Christus war der Mann der Kleinen, der Schwachen, der Verstoßenen und Verfolgten. Christus stand auf Seite der unterdrückten Wahrheit. Christus derjenige, der zuerst an alle andern denkt und zuletzt an sich. Beweis ist Golgatha und sein ganzes Leben.

So war Maria. Sie war das Weib mit der Sonne. Aber sie hat sich nicht in ihrer Heiligkeit vornehm gezeigt und abgeschlossen. Sie war ritterlich. Sie hat aus Liebe und Hingabe für die arme sündige Menschheit ein Opferleben geführt. Und so ist sie das große Signal am Himmel auch für unsere Männer.

Wir brauchen nicht zu poltern. Wir brauchen auch nicht ohne Notwendigkeit beständig das Schwert zu schwingen. Aber wenn’s einmal sein muß, dann stelle auch du deinen Mann!

Andere mögen mit den Wölfen heulen. Das ist keine Tapferkeit. Du sei Ritter, edel aber stark. Halte deinen Schild über jedes unterdrückte Recht und über jede leidende Unschuld. Es gilt nicht, gegen Menschen zu kämpfen. Es gilt den Kampf gegen den Drachen, welcher genannt wird Satan.

Wer getauft ist und gefirmt, weiß, unter welche Fahne er am 8. Dezember sich stellen muß! Maria mit dem Kinde oder dann der Teufel. Das ist die Frage! Es ist der Entscheidungskampf zwischen den beiden großen Zeichen am Himmel.

Und wiederum schlage ich das Buch der Bücher auf. Und ich lese: Fürchtet den Herrn und gebet ihm die Ehre; denn die Stunde seines Gerichtes ist gekommen. Betet den an, der den Himmel und die Erde, das Meer und die Wasserquellen geschaffen hat.

Wenn aber einer auf Seite des Drachens kämpft, der wird trinken von dem Zornweine Gottes, der stark gemischt ist im Kelche seines Zornes und er wird gequält mit Feuer und der Rauch seiner Qual wird aufsteigen in alle Ewigkeit. Und es werden keine Ruhe haben Tag und Nacht, die den Drachen angebetet und ihm gedient. (Offbg. 14.)

Hl. Maria, Mutter Gottes, bitt für uns arme Sünder. Sei uns Signal in kalter finsterer Nacht. Nimm uns unter deine siegreiche Fahne und wir werden streiten wider den großen Drachen. Jetzt und in der Stunde unseres Todes.

 

Marienritter

Man hat unsere Zeiten schon apokalyptisch genannt. Weltendzeiten. Zeiten von ungeheurem Geisterringen und gewaltigen Entscheidungen. Die geheime Offenbarung schildert diesen Riesenkampf zwischen Himmel und Hölle unter dem Bild der zwei großen Zeichen. Das eine das Weib mit der Sonne bekleidet. Der Mond unter den Füßen. Auf dem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.

Das andere der große feuerrote Drache mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und sieben Kronen auf den Köpfen. Der Drache gerät in Zorn über das Weib und er geht hin, um Krieg zu führen mit dessen Nachkommen, die Gottes Gebote halten und das Zeugnis Jesu haben. (Offbg. 12.)

Das Weib ist die Kirche. Das Weib ist auch Maria. Der Drache ist Luzifer. Die Weltendzeiten haben einen ausgesprochenen Zug ins Marianische und Luziferianische. Man kann jetzt die Ereignisse nicht mehr rein natürlich und rein menschlich erklären. Himmlische und höllische Kräfte kämpfen auf dem Kriegsschauplatz Erde um die Weltherrschaft. Es geht ums Christkönigtum oder Antichristentum! Theokratie oder Satanakratie! Gott oder Teufel!

In diesem Lichte muß man den Marienritter betrachten. Wir fassen das Wort nicht im Sinn einer bestimmten Vereinigung, sondern ganz allgemein als das Garderegiment des Sonnenweibes gegen das Gottfeindliche, Dämonische in der Welt. Darum muß, wer immer in diesem Immaculataheer als Weltüberwinder dient, vom Charakter des großen Zeichens am Himmel sein: Mit der Sonne bekleidet. Der Mond unter den Füßen. Sterne über dem Haupt. Der Ritter muß zur Fahne passen.

Der Marienritter — der Weltüberwinder mit der Sonne bekleidet. Das ist nicht nur dichterischer Ausdruck. Das ist Wahrheit. Wir sind Sonnenkinder. Wir tragen Christus den Gottessohn, das Licht der Welt, die Zentralsonne des Universums tatsächlich in uns. Es ist Glaubenssatz (Eph. 3. 17) für den, der in der Gnade lebt, wie es Glaubenssatz ist, daß der Vater und der Hl. Geist im Stand der heiligmachenden Gnade wahrhaft, wirklich und wesentlich in ihm wohnt. Ich wiederhole: wahrhaft, wirklich und wesentlich. Persönlich!

Das ist ja gerade der Sinn des übernatürlichen Lebens: Gott in uns! Der Vater in uns! Der Hl. Geist in uns! Also auch der Sohn Gottes, die Zentralsonne der Schöpfung in uns! Und darum wir selber Gottessöhne! Sonnen! Lichter der Welt! Wir wissen es nur nicht. Wir haben es vergessen, trotzdem es in der Bibel steht. Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es auch (1. Joh. 3, 1).

Die Welt kennt uns nicht (1. Joh. 3, 1). Das ist nicht das Schlimmste. Wir selbst kennen uns nicht mehr. „Es ist ein wahrer Jammer und ein unersetzlicher Verlust, daß uns das Bewußtsein verloren gegangen ist, daß wir Gottes Söhne (also Sonnenumkleidete) sind. Daß jeder von uns verbriefte Rechte hat, die mehr wert sind als Königskronen.“

„Es gibt keinen Gedanken, der uns so frei und froh, so stolz und selig machen könnte, wie dieses Bewußtsein. Man sollte meinen, daß ein nicht endenwollender Jubel bei uns Christen ewige Fest- und Freudenglocken läuten müßten. Nichts! Nichts davon zu hören!“ (Emil Fidler.)

Wir können nicht verlangen, daß die Welt uns kennt. Wir müssen zuerst uns selbst wieder kennen lernen. Wieder wissen, wer wir sind! Wieder das Bewußtsein unserer übernatürlichen göttlichen Größe bekommen. Voll unaussprechlichen Dankes gegen den Vater. Voll heiligen Stolzes und seliger Freude und voll Siegeszuversicht. Dann kommt das andere von selbst.

Die Kirche nennt mit der Bibel das Sonnenweib eine terribilis acies ordinata. Ein schreckenerweckendes, gerüstetes Kriegsheer! Aus der Gnadensonne fahren zuckende Blitze (vergl. Ez. 1, 13) heiligen Zornes gegen alles Gottwidrige, Schlechte, Teuflische in der Welt.

Man hat gesagt, Moskau fürchte noch einen Menschen auf Erden. Den alten Mann mit dem weißen Kleid im Vatikan. Von seinem Throne gehen Blitze und Stimmen und Donner aus. Nicht um Menschen zu töten, sondern um das Falsche und Böse und Dämonische in der Welt zu vernichten. Das sollte von jedem echten Christen gesagt werden können.

Die Revolution, der Unglaube, das Laster, die Hölle sollte vor jedem echten Christen Angst haben müssen, wie vor dem Papst, weil sie in ihm die Sonne sieht, von der Blitze ausgehen — Christus das Licht der Welt.

Darum das Erste im Kampf gegen die Gottlosigkeit: Lebe im Stand der heiligmachenden Gnade. Trage Christus in dir. Sei mit der Sonne bekleidet. Nur eines macht unbesiegbar und siegreich: Christus in dir. Die Welt fürchtet nur die Menschen in der heiligmachenden Gnade. Auch Moskau!

Der Marienritter — der Weltüberwinder mit dem Mond unter den Füßen! Der Mond nicht als Standpunkt, sondern als Gegensatz verstanden. Als das, über was man hinweggeht und auf was man hinabschaut. Der Mond, das ist das Veränderliche, das Vergängliche, das Irdische, das Materielle, darum das Nebensächliche, Dienende, wenn’s sein muß Preiszugebende.

Der christlich-marianische Sonnenmensch macht heute eine schwere Krisis durch. Das Materielle droht das Geistige, das Natürliche das Übernatürliche zu erdrücken und zu ersticken. Wir werden immer mehr vermaterialisiert, verkörperlicht, vermammonisiert.

Fleisch und Geld sind Mittelpunkt geworden. Die „Sonne“ dreht sich um die „Erde“, trotzdem wir wissen sollten, daß die Erde sich physisch und moralisch um die Sonne drehen muß. Und darum das Fleisch und das Geld um den Geist.

Der christlich-marianische Sonnenmensch herrscht über das Fleisch. Der Leib mit seinen natürlichen Kräften und Trieben gehört zum Menschen. Der Leib mit seinen natürlichen Kräften und Trieben hat seine bestimmten gottgewollten Aufgaben im Weltplan. Aber es seien Christkönigsdienste! Denn auch der Leib ist Christi!

Heut ist der Leib Revolutionär geworden. Der Knecht will Herr sein. Alleinherr! Sein oberstes Gesetz die sich auslebende Leidenschaft! Der Genuß. Der Genuß des Essens und Trinkens und der Genuß der Sinnlichkeit.

Auch der Sonnenmensch hat einen Leib. Aber einen Leib, der dem Gewissen, der Vernunft, dem Geist, der Übernatur, Christus, dem Willen des Höchsten dient. Auch der Sonnenmensch spürt den Leib, aber er beherrscht ihn. Er ist mäßig und keusch.

Leibbeherrschung durch Mäßigkeit und Keuschheit die eigentliche Standestugend des Marienritters, der Immaculatagarde. Der Marienritter, das ist der Weltüberwinder mit dem Mond unter den Füßen.

Aber der Marienritter muß als Weltüberwinder auch den Mammon unter seine Füße zwingen, will er wirklich marianisch denken. Er darf das Geld gebrauchen, aber er darf nicht an das Geld wie an einen Gott glauben, nicht auf das Geld wie auf einen Gott hoffen, nicht das Geld wie einen Gott lieben. Heute wird das Geld nicht bloß gebraucht.

Heute wird das Geld wie eine Gottheit angebetet. Das Geld hat seine Religion, den Mammonismus, und die beiden Konfessionen dieser Religion heißen Kapitalismus und Sozialismus. Es gibt wenig Katholiken die nicht Bazillen vom einen oder vom andern in sich tragen. Der Marienritter muß zu diesen Wenigen gehören.

Der Marienritter muß, soll die Welt von diesen beiden Irrlehren gesäubert werden, antikapitalistisch und antisozialistisch eingestellt sein. Er muß jedes Geldgeschäft vorerst zu einer Gewissensfrage machen und dann diese Gewissensfrage lösen nach den ewigen Prinzipien der Gerechtigkeit und Liebe. Er muß den Mammon unter die Füße zwingen.

Der Marienritter — der Weltüberwinder mit Sternen über dem Haupt. Das  gehört zum richtigen Kämpfer als Drittes. Man muß nicht nur etwas in sich haben — jemand sein! — und etwas unter sich und gegen sich, dem man den Meister zeigt. Man muß auch etwas über sich haben. Das sind die Sterne. Das sind die Ideale.

Es ist einmal ein Wahnsinniger mit dem Löschhörnchen am Firmament herumgefahren, um die Sterne der Menschheit auszulöschen. Wenn die Sterne der Menschheit löschen, dann ist lichtlose, weglose, trostlose Nacht auf Erden. Nacht zum verirren. Nacht zum verzweifeln. Nacht zum erfrieren.

Der Marienritter als Weltüberwinder wird nur dann siegreich über das stürmende Meer von Schwierigkeiten und Gegensätzen und Gefahren hinwegschreiten, wenn er Sterne über dem Haupte hat. Drei vor allem, Glaube, Hoffnung und Liebe.

Ein Marienritter muß über seinem Haupt den Stern des Glaubens sehen. Er muß, soll er den Kampf mit der ganzen modernen Welt aufnehmen, vielleicht einer gegen hundert, seiner Sache absolut gewiß sein. Er muß wissen, daß er recht hat, ganz recht, allein recht, unzweifelhaft recht. Ein Fels im Meer!

Ein Marienritter muß über seinem Haupt den Stern der Hoffnung sehen. Den Stern, den keiner herunterholt. Den Stern, den ein Allmächtiger, ein Ewiger, ein unendlich Gütiger ihm an das Firmament gepflanzt. Den Stern, der unfehlbar gewiß den Endsieg kündet.

Ein Marienritter muß über seinem Haupt den Stern der Liebe sehen. Den Stern, der ihm seinen Gott als Vater darstellt, als größten Wohltäter, als höchstes Gut, als die Liebe.

So muß es gehen. So muß er siegen. Und wenn die Welt und Hölle sich gegen ihn verschwören. Und wenn er hundertmal allein steht. Der Weltüberwinder mit diesen drei Fixsternen über dem Haupt ist immer unbesiegbar, immer siegreich.

Das ist der Marienritter. Er hat etwas vom Himmel. Etwas von der Sonne. Etwas vom Mond. Etwas von den Sternen. Die Sonne das Kleid. Der Mond das Gestell der Füße. Die Sterne der Helm. Marienkind ist recht. Wir müssen es sein und bleiben. Auch die Männer. Auch die Jungmannschaft. Aber Marienritter dazu. Auch die Jungfrauen. Marienkinder, weil wir von der Familie der Gottesmutter sind. Marienritter, weil Krieg ist.

„Der Drache geriet in Zorn über das Weib und ging hin, Krieg zu führen mit dessen übrigen Nachkommen, die Gottes Gebote halten und das Zeugnis Jesu haben. (Offbg. 12, 17.)

Lasset uns Sonnenmenschen sein in einer Welt gottloser Finsternis. Lasset uns Charaktermenschen sein, den Mond des  Zeitgeistes unter den Füßen. Lasset uns Sternenmenschen sein, in der Sternenwelt der wunderbaren katholischen Ideale.

 

Unter dem Banner der Immaculata

Kardinal Gibbons pflegte zu sagen: Man darf nicht zurückschauen. Die Frau des Loth hat zurückgeschaut und sie kam um. Zurückschauen heißt stehenbleiben, also aufhören vorwärts zu gehen. Das aber ist der Anfang vom Ende. Die Jungen, das sind die, die vorwärts schauen.

Kardinal Gibbons hat noch etwas gesagt: Wenn man einmal ein gewisses Alter erreicht hat, dann muß man viel mit den Jungen verkehren, damit man jung bleibt. Die Jungen haben Pläne, Hoffnungen, Zukunftswillen. Die Jungen glauben an das Morgen und Übermorgen. Die Jungen leben in der Erwartung großer Dinge.

Das Wahrzeichen dieses katholischen Zukunftswillens ist die Fahne. Eine Fahne ist mehr als ein Stück gestickter Seide. Sie ist ein Programm. Ein Sinnbild von dem, was man zu tun gedenkt. Die Jugend darf sich nicht lange besinnen, was sie auf ihre Fahne schreiben will. Ein Franzose hat einmal gemeint: „Alle katholischen Unternehmen, die verkrachen, verkrachen, weil zu wenig von Maria in ihnen ist.“

Also zu wenig von der Schlangenkopfzermalmerin. Zu wenig vom Sonnenweib, von der Immaculata. Die Fahne der katholischen Jugend, der Christkönigsjugend von morgen, muß deswegen das Marienbanner sein. Das Banner der Reinheit, Voraussetzung für die Erfolge der Kommenden ist nicht nur ein tapferes Schwert, sondern auch ein blanker Schild.

Heut spricht alles nur noch vom gesunden und starken Leib. Unter dem gesunden und starken Leib kann ein moralischer Schwächling und ein grundsatzloser Feigling stecken. Darum wählt die katholische Jugend als Fahnenbild nicht irgend einen Kraftmenschen, sondern die Allerreinste, die Immaculata. Wichtiger als der starke und gesunde ist der reine Mensch.

Die Immaculatafahne als Jugendbanner ist ein grundsätzliches Bekenntnis in der Frage der Leibeskultur. Was wir seit 20 Jahren auf dem Gebiete der Leibeskultur durchgemacht haben, das ist nicht eine bloße Zeitströmung. Es ist eine Umwälzung. Eine Revolution. Eine Revolution des Fleisches gegen den Geist, des Leibes gegen die Kirche.

Der Leib schüttelt die alten moralischen Grundsätze der Kirche ab und setzt sich, Papst und König zugleich, eigenmächtig die Krone aufs Haupt. Wenn nicht alles täuscht, dann wird, wie am Vorabend der Sündflut, die nächste Zukunft dem Fleisch gehören.

Da wird das Banner der Immaculata als Jugendbanner zum Zeichen der Scheidung und Entscheidung. Man muß heute wählen. Entweder die alte katholische Auffassung oder die moderne heidnische Auffassung vom Leibe. Entweder das Evangelium des Kreuzes auch für den Leib oder das Evangelium des schrankenlosen Genusses. Entweder die Seele als Herrin und der Leib als Diener oder umgekehrt der Leib als Herr im Hause und die Seele als Magd. Entweder gehen wir nach dem Vorbilde Marias auf dem Weg des Opfers hinauf zur einstigen Himmelfahrt des Leibes oder wir gehen nach dem Vorbild der Welt hinab auf dem Weg des Genusses zur einstigen Höllenfahrt des Leibes.

Man muß wählen! Es ist ein radikaler unüberbrückbarer Gegensatz zwischen der katholischen Auffassung und der modernen Auffassung vom Leibe, zwischen der der Immaculata, der katholischen Heiligen und aller edlen Seelen, und der der modernen Plakatsäulen, der Schaufenster, der Kinos und Variétés, der Sportplätze und der emanzipierten Modeweiber.

Wenn man wissen will, was der Leib des Menschen ist, muß man nicht nur den Naturforscher und den Arzt fragen, sondern vor allem den Hl. Geist. Was der Leib ist, steht bei Paulus im ersten Korintherbrief: Wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Hl. Geistes ist, der in euch wohnt? (6, 19.)

Die Verirrungen der modernen Leibeskultur haben ihre Ursache darin, daß wir diesen Satz nicht Tag und Nacht mit uns herumtragen, und daß wir in Beziehung auf den Leib mehr auf die Wissenschaft als auf die Bibel hören.Mit dem Glauben an den Leib als Tempel des Hl. Geistes steht und fällt im gewissen Sinn die ganze christliche Kultur.

Wenn der Leib des Menschen, der im Stande der heiligmachenden Gnade sich befindet, ein Tempel des Hl. Geistes ist, dann ist die Eigentumsfrage in bezug auf den Leib entschieden. Der Leib ist Gottes! Paulus schreibt darum auch ausdrücklich: Der Leib ist für den Herrn! (1. Cor. 6, 13.)

Jedes Glied hat gottesdienstlichen Zweck, d.h. es hat die Aufgabe, in seiner Art, den Willen des Allerhöchsten zu erfüllen, der alleiniger und ausschließlicher Besitzer und Bewohner des Menschenleibes ist. Die Glieder des Leibes sind nicht souverän, weder das Auge noch die Zunge noch der Magen noch der Fuß noch die Hand noch irgend ein anderes Organ. Sie haben kein Selbstbestimmungsrecht. Sie dürfen nicht machen, was sie wollen. Ihr Souverän, Eigentümer und Hausherr ist der Hl. Geist, dem sie für jede Bewegung verantwortlich sind.

Hier gilt die absolute Monarchie! Der Leib ist Gottes! Der Leib ist für den Herrn! Darum auch bei den körperlichen Handlungen alles zur größeren Ehre Gottes! Alles, weil und wie Gott es will! Alles Gottesdienst! Alles! Auch Arbeit, Ernährung, Erholung! Alles! Der Leib ist Gottes! Mit jeder Faser ein Reich des Hl. Geistes!

Daraus folgt das andere: Der Leib ist ein Heiligtum. (1. Cor. 3, 17.) Das ist nicht bloß fromme Phrase. Die Hl. Schrift hat keine Phrasen, sondern nur ewige unfehlbare Wahrheiten. Die Tatsache, daß der Hl. Geist wirklich, wahrhaft und wesentlich mit seiner Gnade in uns wohnt, verlangt, daß wir dem Leibe des Christen die gleiche Ehrfurcht entgegenbringen wie der Kirche, die Gott dem Herrn geweiht ist und das Allerheiligste im Tabernakel trägt.

Darum keine Profanation des Leibestempels! Keine Tempelentweihung! Jede Sünde am Leibe des Getauften ist Tempelentweihung und darum viel größer als die Sünde am Leibe des Nichtchristen. Hausfriedensbruch gilt als Vergehen. Umsomehr ist Schändung eines Gotteshauses unter gesitteten Menschen eine gemeine Tat.

Wir wissen deswegen, was wir von der Entweihung des wandelnden Hl. Geisttempels, des menschlichen Leibes zu halten haben. Sie ist ein Verbrechen im wirklichen Sinne des Wortes und wir staunen nicht mehr, wenn wir Paulus, den Anwalt und Apostel der christlichen Menschenwürde, das  furchtbare Wort hören: Wenn jemand den Tempel Gottes entheiligt, so wird ihn Gott zugrunde richten. Denn der Tempel Gottes ist heilig und der seid ihr. (1. Cor. 3, 17.)

In diesem Lichte müssen wir als Christen den Leib und die Sünde gegen den Leib betrachten — mit den Augen des Glaubens. Unsittlichkeit ist in diesem Lichte Profanation, Tempelentweihung, Gottesraub, Sünde wider den Hl. Geist. Man hat während des Krieges von Barbarei gesprochen, wenn eine schöne Kirche verwüstet wurde. Die Barbarei bestand nicht so sehr in der Verwüstung eines Kunstwerkes als in der eines Gotteshauses.

Jede Verführung steht auf gleicher Stufe mit Barbarei. Sie ist Zerstörung eines Heiligtums, das keinen Künstler, sondern Gott selbst zum Baumeister hat, das nicht von einem Bischof, sondern vom Hl. Geist konsekriert worden ist, und vom Geist der Wahrheit, der Liebe und der Heiligkeit selber bewohnt wird.

Der Leib ein Heiligtum! Was ist in diesem Lichte moderne Mode und Vergnügenssucht? Wenn der Leib im Stande der Gnade ein Tempel des Hl. Geistes ist, was ist dann von diesen sinnlichen auf unseren Straßen herumlaufenden Figuren zu halten, die nicht mehr wie lebendige christliche Tempel, sondern wie heidnische Götzenbilder der Venus aussehen? Die moderne Mode ist eine Profanation der Menschen- und Christenwürde, eine Verdirnung und Schändung des Tempels des Hl. Geistes.

Man mag von Gesundheitspflege, Sport, Mode, Kunst, Tanz reden, auf  dem tiefsten Grunde der Diskussion wartet schließlich immer die grundsätzliche Frage: Wie denkt ihr vom menschlichen Leibe? Ist euch der Leib des Mannes und der Frau ein von Gott geschaffenes wenn auch durch die Erbsünde erschüttertes Kunstwerk, ein durch das Mysterium der Gnade geheiligter Tempel der dreieinigen Gottheit, für den immer und überall und ausschließlich Gottes Gesetze maßgebend sind? Oder ist euch der Leib nur Spiel- und Genußsache, nur Objekt gemeiner Neugier und unreiner Lust? Nur Fleisch?!

Noch einmal: Es geht bei all diesen Fragen nicht um bloße Modeanschauungen. Es geht um Sein oder Nichtsein der menschlichen Gesellschaft, darum, ob die Menschen Menschen, Gottestempel bleiben oder ob sie Tiere werden! Was auf diesem Gebiet vor sich geht, ist nicht bloß Zeitströmung. Es ist Umwälzung aller Gesetze, des Anstandes, der Schicklichkeit und Sittlichkeit. Es ist Revolution. Wenn aber Revolutionszustand ist und der Staat sich ohnmächtig fühlt, die Ordnung aufrecht zu erhalten, dann ist jeder Bürger Soldat.

Die Fahne ist kein Spielzeug. Die Fahne der Schlangenkopfzermalmerin erst recht nicht. Hört nur das Weihegebet der Kirche: „Herr Jesus Christus, dessen Kirche wie eine geordnete Schlachtfront, segne diese Fahne, damit alle, die unter ihr Dir, dem Herrn der Heerscharen Kriegsdienst leisten, durch die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau ihre sichtbaren und unsichtbaren Feinde in dieser Welt niederringen und nach dem Siege im Himmel zu triumphieren verdienen, durch Dich, Jesus Christus.“

Unter der Fahne stehen ist Kriegsdienst! Die katholische Jugend darf nicht bloß frohe Feste feiern. Sie muß in den Kampf ziehen gegen alles Gemeine, alles Freche, alles Schmutzige, wo immer es sein Haupt erhebt.

Vor einigen Jahren konnte man in Mülhausen Plakate sehen, die jedem Anstandsgefühl Hohn sprachen. Die katholischen Jünglingsvereine von Mülhausen und Umgebung nahmen in einer Versammlung Stellung dazu und faßten eine Resolution, in welcher die zuständigen Behörden aufgefordert wurden, einzutreten für moralische Sauberkeit der Straßen, Kioske und öffentlichen Lokale.  Im Anschluß an die Versammlung begaben sich die Teilnehmer in die Stadt und rissen die skandalösen Plakate gewaltsam von den Mauern und den Palkatsäulen weg.

Gibbons Wort soll bei uns wahr werden: Die Jugend schaut vorwärts. Sie sonnt sich nicht träge auf den Lorbeeren errungener Erfolge. Sie lebt in der Erwartung großer Dinge, die noch zu tun sind. Eine solche Zukunftsaufgabe, die auf unsere Jugend wartet, ist der Kampf gegen Schmutz und Gemeinheit in allen Formen. Katholische Jugend! Vorwärts unter dem Banner der Immaculata. Es lebe die Tat!

 

In diesem Zeichen der Sieg

Ich bin katholisch und nichts katholisches soll fern von mir sein. Für alles, was ich denke, rede und tue, ist mir allein maßgebend, was meine Mutter macht, die Kirche. Besteht zwischen dem, was katholisch ist und dem, was modern ist, ein Widerspruch, so werde ich mich unbedingt immer für das entscheiden, was katholisch ist.

Meine Mutter ist älter als der moderne Professor. Sie hat die Erfahrung von 19 Jahrhunderten. Sie ist apostolisch. Meine Mutter hat einen weiteren Horizont als der Gelehrte der Studierstube. Sie ist überall. Sie ist katholisch. Meine Mutter wird geführt vom Hl. Geiste.

Deswegen nehme ich keinen Anstand, im vollen Gegensatz zum herrschenden Zeitgeist, jenen kleinen Andachtsgegenstand, den wir Rosenkranz nennen, als das große Heilmittel zu verkünden, welches Gott der Zeit darbietet. Der Rosenkranz ein großes Geheimnis des Glaubens! Der Rosenkranz ein großes Geheimnis des Sieges!

Der Rosenkranz ist ein Geheimnis des Glaubens. Weit entfernt, ein Gebet der Gedankenlosigkeit zu sein, besteht der Rosenkranz wesentlich in der Betrachtung der Zentralwahrheiten des Christentums. Er ist geradezudas Gebet der Denker. In seinem Mittelpunkt stehen immer die großen Tatsachen der Menschwerdung, der Erlösung, der Verherrlichung des Sohnes Gottes: Christus das Heil der Welt! Christus der Weg, die Wahrheit, das Leben der Menschheit!

Wer etwas anderes behauptet, der weiß nicht, was der Rosenkranz ist. Der Rosenkranz stellt Christus nicht auf die Seite, sondern in das Zentrum aller Gedanken. Aber der Rosenkranz vergißt dabei die andere Tatsache nicht: Christus kam durch Maria. Das galt nicht nur für Weihnachten. Das gilt für immer.

Diese Tatsache ist es, welche der Rosenkranz festhalten will, wenn er immer wieder bei jedem Ave Maria, bei jedem Geheimnis betont: Gegrüßt seist du Maria und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Christus kommt durch Maria.

Man kann nicht von Maria sprechen, ohne von Jesus zu sprechen. Man kann nicht von Jesus sprechen, ohne von Maria zu sprechen. Maria und Jesus gehören zusammen. Wie Weg und Ziel. Maria ist der Weg. Jesus das Ziel. Es gibt keinen Weg ohne Ziel und es gibt kein Ziel ohne Weg. Maria ohne Jesus ist eine Unmöglichkeit.

Aber auch Jesus ohne Maria ist nach der göttlichen Heilsordnung eine Unmöglichkeit. Niemand kommt zum Vater außer durch Jesus. Und so kommt niemand zu Jesus außer durch Maria. Der Weg zum Himmel besteht wesentlich aus diesen drei Stationen. Maria, Christus, Gott.

Man kann nicht Christ sein, wenn man das nicht weiß. Wir sehen: Der Rosenkranz wird zum großen Geheimnis des Glaubens, indem er in wunderbarer Mannigfaltigkeit in seinen 15 Gesetzen immer wieder Maria und Christus nebeneinander stellt: Maria als Weg zu Christus, Christus als Weg zu Gott. Der Rosenkranz der große Wegweiser des christlichen Volkes!

Man kann diese Wahrheit unter einem anderen Bilde wiedergeben. Maria ist die Mutter des Menschengeschlechtes, in ganz besonderer Weise die Mutter der Christenheit. Und zwar ist Mutter hier nicht ein bloßes Wort, sondern volle Wirklichkeit. Maria ist die Mutter der hl. Familie, jener Familie, in der Jesus der Mittelpunkt, Sankt Joseph der Patron und Schutzherr, Maria die Lebensspenderin und Fürsorgerin ist.

Was ist die Kirche anderes als die erweiterte hl. Familie? Die Hauptpersonen bleiben was sie sind, nur der Wirkungskreis erweitert sich bis zu den Grenzen der Erde, d.h. überallhin, wo Christus Brüder und Schwestern und damit Maria Kinder und St. Joseph Schutzbefohlene hat.

Maria ist die Mutter aller im übernatürlichen Sinn Lebendigen wie Eva die Mutter aller im natürlichen Sinn Lebendigen ist. Niemand ist Mensch außer aus Eva. Niemand ist Kind Gottes außer durch Maria.

Wir wiederholen es: Maria ist Mutter im vollen wirklichen Sinne des Wortes, wie nur je eine Lebensspenderin Mutter genannt wurde. Darauf folgt alles übrige, Maria muß Mutteraugen haben, um alle Not und Gefahr ihrer Kinder zu sehen. Maria muß Mutterohren haben, um das leiseste Flehen und Seufzen des ganzen Erdkreises zu vernehmen.

Maria muß ein Mutterherz haben, um jede Freude und in einem gewissen Sinn auch jedes Leid mitzuempfinden. Maria muß Mutterhände haben, um überall zu helfen. Gott muß im gewissen Sinn etwas Allgegenwärtiges, Allwissendes, Allgütiges, Allmächtiges in ihre Mutterwürde gelegt haben.

Da wir mit den Worten nicht bloß spielen, sondern vollen Ernst machen, so ist es uns selbstverständlich, daß Maria, weil sie die Mutter aller Christen ist, auch die Geschicke der Kirche in ihrer Hand hat, als Werkzeug der göttlichen Vorsehung. Es ist unmöglich, die Geschichte der Kirche zu schreiben, ohne von Maria zu reden, wie es unmöglich ist, die Geschichte der hl. Familie zu schreiben, ohne von Maria zu sprechen.

Alles Große in der Kirchengeschichte, alle Perioden der Blüte, alle Siege der katholischen Sache, alle Niederlagen der Kirchenfeinde, sind in erster Linie ihr Werk, von ihr inspiriert. Um wieder auf den Anfang zurückzukommen: Der Rosenkranz hat Recht!

Man muß, wenn man von Christus spricht, immer auch von Maria reden, in der Menschwerdung, beim Erlösungswerk, in der Geschichte der Seelen wie der Kirche. Die Idee des Rosenkranzes ein großes Geheimnis des Glaubens.

Daraus folgt das zweite: Der Rosenkranz ein Geheimnis des Sieges! Die Kirche schreibt die Niederlagen der kommunistischen Sekte der Albigenser im Mittelalter und der Türkenheere in erster Linie der Macht des Rosenkranzgebetes zu. Der hl. Dominikus betrachtete den Rosenkranz als Hauptwaffe gegen die Irrlehren und Laster. Er ist unsere Mitrailleuse, unser Maschinengewehr, nicht als ob es maschinenhaft verrichtet werden dürfte, sondern weil seine Wirkungen die der anderen Gebete übertreffen, wie das Maschinengewehr die gewöhnlichen Waffen.

Es ist interessant: Leo XIII. ist gewiß ein moderner Papst. In geistvoller Weise nimmt er zu all den großen Fragen der Gegenwart in unsterblichen Rundschreiben Stellung. Er betont die Macht der Organisation und der Presse. Er erwartet  viel von der Gewandtheit der Politik und Diplomatie. Trotzdem weiß er nur zu gut, daß alle Organisation, alle Wissenschaft, alle Politik ohne die übernatürliche Hilfe versagt.

Darum geht er hin und schreibt während einer langen Reihe von Jahren immer wieder beim Herannahen des Oktober an die Bischöfe und Gläubigen des Erdkreises: Das große Rettungsmittel, das tiefer hineingreift als alle Diplomatie, gewaltiger wirkt als alle Organisation und Presse ist der Rosenkranz. Die Beter leisten mehr für das Wohl der Menschheit als die Redner, die Redaktoren, die Organisatoren, die Gründer, die Sekretäre, die Abgeordneten.

Die Rosenkranzbeter wirken auf die Welt ein mit Hilfe derjenigen, die in ihrem kleinen Finger mehr Weisheit und Macht hat als alle Universitäten und alle Regierungen. Das kann nur ein Christ verstehen. Aber ein Christ muß es verstehen.

Im Rosenkranz erfüllt sich, was Paulus im ersten Kapitel seines ersten Korintherbriefes geschrieben: Zugrunde richten werde ich die Weisheit der Weisen und die Klugheit der Klugen werde ich verwerfen. Das Törichte, das von Gott kommt, übertrifft die Weisheit der Menschen. Das Schwache, das von Gott kommt, vermag mehr als die Menschen, denn das, was vor der Welt unangesehen ist und verachtet und das was nichts ist, hat Gott auserwählt, um das was etwas ist, zunichte zu machen, damit kein Mensch sich vor ihm rühme.

Der Rosenkranz ist menschlich gesprochen das ungeeignetste Ding der Welt, um die Menschheit zu retten. Er ist in den Augen der Wissenschaft das was nichts ist, das Törichte, das Schwache, das Unangesehene, das Verachtete. Und gerade darum ist es die Überzeugung der Kirche, daß er das große Geheimnis des Erfolges ist.

In diesem Zeichen werden wir, die christlichen Völker, wenn sie es gläubig und vertrauensvoll in den Kampf tragen, siegen über den Protestantismus, den Liberalismus, den Sozialismus und Kommunismus. Alle Irrlehren im Weltall überwindet Maria.

Das ist der soziale Grund, warum wir Rosenkranz beten. Er ist das Gebet der großen Offensive. Das Gebet der streitenden Kirche. Wer katholisch fühlt, macht mit.

Wir haben von dem gesprochen, was geschehen kann. Wir besitzen im Rosenkranzgebet der katholischen Völker das Rettungsmittel gegen die hereinbrechende Katastrophe. Werden die katholischen Völker dieses Rettungsmittel wirklich gebrauchen, und zwar derart gebrauchen, daß sie die Gefahr beschwören? Es ist nicht wahrscheinlich.

Die katholischen Völker können nicht mehr genug beten. Die katholischen Völker können noch Resolutionen fassen. Die katholischen Völker können noch von sozialen Fragen reden. Aber die katholischen Völker versimpeln täglich mehr im Sport und Unterhaltung und zahlreiche katholische Vereine wissen bald kaum mehr etwas zu tun, als Anlässe zu veranstalten, welche die Leute den Gottesdiensten und Familien entziehen.

Der Rosenkranz wird also nicht das Gebet der vollen Kirche, sondern des kleinen Häufleins sein, das Ernst machen will mit seinem Christentum. An diese richten wir den eindringlichen Appell zum fleißigen Besuch der Rosenkranzandacht. Orate fratres!

 

Stoß- und Kampftruppe

Die Kirche geht am Lichtmeßtage mit Lichtern auf die Straße. Ein Zeichen, daß sie noch immer jung ist. Nicht alle haben den Mut, ihr dabei zu folgen.

Es gibt unter den Getauften und Gefirmten viel Laue und Halbe. Viel feiges fahnenflüchtiges Volk. Wollen wir dem Abfall wehren und verlorenes Gebiet zurückerobern, so müssen wir die Treugebliebenen inkampftüchtigen Regimentern sammeln und schulen. Das ist vor allem die Aufgabe der Drittorden und der Kongregationen.

Die Festigkeit und Zuverlässigkeit der 300-Millionen Armee der Kirche hängt heute wesentlich ab vom Geist und von der Disziplin dieser Eliteregimenter, der Drittorden und Kongregationen. Wenn die Eliteregimenter versagen, keine zuverlässigen Truppen von frischem Offensivgeist bilden, dann wird auch die Masse versagen, und die Lichterprozession bleibt bloß eine poetische Geste.

Die Fahne der Eliteregimenter ist Maria. Die Immaculata. Das große Zeichen am Himmel. Das Weib mit der Sonne bekleidet. Wenn die Kirche das große Zeichen am Himmel malen will, bedient sie sich dreier Farben: Maria ist sehr schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne, furchtbar wie ein geordnet Kriegsheer. Pulchra, electa, terribilis!

Also das Moment der Reinheit, das Moment der Auserwählung und das Moment der Tapferkeit. Das müssen die Merkmale der Marianer sein: Reinheit, Auswahl, Tapferkeit. Wem eine von diesen Charaktereigentümlichkeiten abgeht, dem fehlt die richtige marianische Rasse. Man ist nicht mehr echt.

Das erste Merkmal des Kongreganisten die Reinheit! Die Makellosigkeit! Maria pulchra! Seit 2000 Jahren werden die Künstler nicht müde, die allerseligste Jungfrau darzustellen. Maria gilt als die Verkörperung der Schönheit. Sie ist allen Jahrhunderten die „wunderschön prächtige, hohe und mächtige, liebreich holdselige himmlische Frau“. Aber diese Schönheit ist nur der Abglanz ihrer makellosen seelischen Reinheit.

Niemals ist mehr von Schönheit gesprochen und geschrieben worden wie heute. Aber niemals ist auch der echte Begriff der Schönheit so sehr verloren gegangen wie heute: Nie suchte man das Wesen der Schönheit so sehr nur in Form und Farbe. Darüber waren die Alten vollständig im Klaren: Schönheit ist die nach außen gekehrte Seite der Wahrheit und Güte. Wahrheit, Gutheit und Schönheit sind eine unzertrennbare Dreifaltikgeit.Nur das Wahre und Gute ist schön. Unwahres und Schlechtes ist auch häßlich.

Die Jugend will schön sein! Sie sei’s! Aber sie vergesse nie, daß sie nur schön ist, wenn sie gut ist, und nur gut wenn sie rein ist. Jugendliche Schönheit ist aus dem ganzen Leben und Benehmen ausstrahlende Reinheit. Die moderne Jugend ist trotz aller Körperpflege und trotz aller Moderaffiniertheit nicht mehr schön, weil sie nicht mehr rein ist.

Wir brauchen, um ihrer Stirne die Frische und ihren Augen den verlorenen Glanz wiederzugeben, mehr die Kongregation als den Sportverein, mehr die Beicht als das Bad, mehr die Kommunion als das Sonnenlicht, mehr die Gnade als die Natur.

Die Hl. Schrift hat uns im Buche Judith ein Bild von der erobernden Kraft reiner Schönheit gezeichnet. Judith schmückte sich, um ins Lager des Holofernes zu gehen, mit all ihrem Schmucke. Aber weil dieser Putz nicht aus fleischlicher Lust,  sondern aus frommer Gesinnung kam, darum sagt die Hl. Schrift, vermehrte der Herr an ihr diese Schönheit so, daß sie allen Augen in unvergleichlicher Zierde erschien (Judith 10, 3. 4).

Der Heerführer der Assyrer wurde von ihrer Schönheit geblendet und als er schlief, schlug ihm Judith das Haupt ab. Judith, das Vorbild Marias, auch das Vorbild der katholischen Jugend. Nur keusche Schönheit erobert! Nur eine makellose Jugend zieht siegeich durchs Lager der Welt und haut Satan den Kopf ab.

Das zweite Merkmal des Kongreganisten die Auswahl! Maria electa! Maria auserwählt wie die Sonne! Maria, das besagt: Maria nicht wie alle anderen! Maria ist als Mutter Jesu durch einen besonderen Vorzug Gottes rein von der Erbsünde und von jeder persönlichen Sünde. Das können wir nicht nachmachen, weil Gott dieses Privileg der Gnade nur Maria gab.

Aber darin können wir ihr nachfolgen: Maria ging nie den Weg der Welt. Sie hatte immer, wenn’s sein mußte, den Mut, mutterseelenallein zu gehen. Nicht wie alle anderen. Immer den Weg des Herrrn, den Weg der Pflicht.Nie gab es eine stärkere Persönlichkeit in der Nachfolge Jesu als Maria. Sie ist wahrhaft die mulier fortis, die starke Frau der Schrift.

Hier muß Maria die Jugenderzieherin zu einem neuen persönlichkeitsstarken Geschlecht werden. Was unserer katholischen Jugend alles Mark aus den Knochen zieht, ist gerade dieses charakterlose feige „immer wie alle Anderen“, dieser affenhafte Nachahmungstrieb gegenüber dem, was die Welt denkt, sagt, tut, dieses Herdentiermäßige im modernen Kulturwettrennen.

Auch unter den Unsrigen! Da ist es Hauptsache der Kongregationen: Die stolze marianische Parole auf allen Gebieten des Denkens und Handelns hineinwerfen in die Jugend: Nicht wie alle andern!

Katholische Selbständigkeit im Denken! Katholische Selbständigkeit im Reden! Katholische Selbständigkeit im Handeln! Die Kongregation wie der Drittorden wollte nie die Organisation der Masse sein. Sie wollte nie Alle! Sie suchte. Sie wählte aus. Die Kongregation wie Maria electa! Auswahl! Elite!

Das darf man nie vergessen, wenn man einer Kongregation angehört! Man muß immer den Mut haben, bei den Wenigen zu sein. Bei den Selbstdenkern! Bei den Selbstwollern! Bei den Eigenfüßlern! Wenn die Kongregation diesen Wesenzug verliert, dann verliert sie damit auch das Recht auf ihre Existenz!

Das dritte Merkmal des Kongreganisten die Tapferkeit! Maria terribilis! Furchtbar wie ein geordnet Kriegsheer. So steht ihr Bild in den hl. Büchern, am Anfang und am Ende. Sie ist Schlangenkopfzermalmerin. Nichts Weichliches an ihr, nichts Schwächliches, nichts Unentschiedenes und Halbes. In allem das Gegenstück zu Luzifer.

Darum paßt Maria so gut auch auf die Fahne und die Medaille des Jungmannes. Ihr Name dröhnt wie eine Kriegstrompete, wie ein Signal. Wie eine Tagwacht. Wenn man sie hört, weiß man, daß man aufstehen und in den Kampf ziehen muß.

Maria terribilis! Man sollte darum auch sagen können: Congregatio terribilis! Eine marianische Kongregation furchtbar wie ein geordnet Kriegsheer! Ein Regiment, vor dem Welt und Hölle Angst haben. Es gibt heut wenig solche Regimenter. Im allgemeinen fürchtet man uns nicht mehr. Man fühlt sich ganz erträglich wohl in unserer Gegenwart. Wird höchstens dann und wann ein bißchen nervös. Wir sind eine gemütliche ungefährliche Gesellschaft geworden, die lebt und leben läßt.

Wir haben es viel zu viel verlernt, das Wörtchen „Nein“ laut und entschieden in die Welt hineinzuprotestieren und darnach zu handeln. Sagen es vielleicht wohl noch heimlich im stillen Kämmerlein und hinter geschlossenen Riegeln. Aber in der Öffentlichkeit flüstern wir es nur, daß kein Mensch das „Nein“ mehr heraushört. „Unser größtes Unglück ist nicht die Bosheit der Gottlosen, sondern die Feigheit der Guten.“ Unser größtes Unglück sind unsere schlafenden Regimenter.

Wir müssen mit unsern Kongregationen wieder mehr Leben in den Schlafsaal der Christenheit bringen. Wir müssen der Welt und Hölle wieder gefährlich werden durch einen frischfröhlichen Angriffsgeist gegen alles Gemeine und Schlechte in der Welt. Maria terribilis! Wenn die marianischen Regimenter auftreten, müssen Teufel und Welt zittern.

Wenn die Lichterprozession an Mariä Lichtmeß sich in Bewegung setzt, ruft der Diakon: Procedamus in Pace! Vorwärts im Frieden! Beides muß gesagt sein. Keins ohne das andere. Die neue katholische Jugend will und muß ausgesprochene Stoß- und Kampftruppe sein.

Unsere Jugend muß aus den Schlafsälen der Kasernen heraus. Sie darf sich nicht mit bloßen Parademärschen begnügen. Sie soll Erobererwillen zeigen wie die liberale Jugend vor 100 Jahren und die kommunistische Jugend von heute. Procedamus ihre Losung! Vorwärts!

Aber die neue Jugend der Katholischen Aktion darf und will auch das andere nicht vergessen: In Pace! Die Garde des elften Pius kämpft im Gegensatz zur revolutionären Jugend von 1830 und 1935 für den Frieden Christi im Reiche Christi. Sie führt nicht nur das Schwert, sondern auch die Kelle. Sie will nicht nur die alte Welt gründlich säubern, sondern eine neue bessere Welt bauen, das Reich Christkönigs. Durch Maria!

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