Die Freiheit der Kirche im kommunistischen Staate

Von Plinio Correa de Oliveira

Kann die Kirche eine echte Freiheit in einem kommunistischen Staate besitzen?

Grenzen und Umrisse dieser Studie.

 

Die Leser des „Catolicismo“ haben stets die Artikel, in denen das Problem der Beziehungen zwischen Kirche und Staat behandelt wird, mit Interesse aufgenommen. Ich dachte deswegen, dass sie einige Betrachtungen über den heutigen Stand dieses Problems, das heißt, die Freiheit der Kirche im kommunistischen Staate, mit gleichem Interesse aufnehmen würden.

In der Nummer 152 dieses Blattes, im August 1963, veröffentlichte ich deshalb die Studie, die „Catolicismo“ jetzt, beseelt durch das große Interesse, welches das Thema hervorruft, von neuem herausgibt und die in verschiedenen Ansichtspunkten erweitert wurde. Die Erweiterungen wurden auf Bitten einiger Freunde eingefügt oder um Einwendungen von Anhängern der entgegengesetzten These dieser Schrift zu beantworten.

Es scheint mir notwendig, bevor ich auf das Thema eingehe, die natürlichen Grenzen dieser Arbeit zu bestimmen. Sie stellt eine Erörterung über die Zulässigkeit der friedlichen Koexistenz zwischen Kirche und dem kommunistischen Regime dar in Staaten, wo dieses Regime schon besteht.

Dieses Thema unterscheidet sich von einem anderen, und zwar von dem der friedlichen Koexistenz auf internationaler Ebene zwischen Staaten, die unter verschiedenen politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Regimen leben. Auch von dem der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Vatikan und den Ländern, die dem kommunistischen Joch unterworfen sind.

Wenn man auch nur flüchtig diese beiden Themen untersuchen wollte, da sie ihre eigenen Perspektiven und Eigenschaften haben, würde es die vorliegende Schrift zu sehr ausdehnen. Dies haben wir nicht vor auf den folgenden Seiten, die ausschließlich der Untersuchung gewidmet sind, in welchen Zuständen die Kirche wirklich frei mit einem kommunistischen Regime koexistieren kann.

Wir werden hier auch nicht das Problem der Zusammenarbeit zwischen Katholiken und Kommunisten in nichtkommunistischen Ländern erörtern. Dieses Problem behandelt, mit seiner allbekannten Intelligenz, der Hochw. Herr Bischof von Campos, D. Antonio de Castro Mayer, in seinem hervorragenden „Hirtenbrief zur Warnung aller Angehörigen der Diözese gegen die Listen der kommunistischen Sekte“(veröffentlicht in „Catolicismo“ Nr. 127, Juli 1961 und von der Editora Vera Cruz, 3. Auflage 1963).

Dies gesagt, gehen wir nun auf das Thema ein und beginnen mit der Analyse der Tatsachen.

 

I – DIE TATSACHEN

 

Die ursprüngliche Haltung der kommunistischen Regierungen war stets die einer klaren und offenen Verfolgung der Religion. Der Kirche blieb nichts anderes übrig, als heftig gegen diese Verfolgung zu reagieren. Inmitten dramatischer Ereignisse floss das Blut der Martyrer in Strömen. Und dem Kommunismus ist es nicht gelungen, den Glauben in der Seele der Völker, die er unterjochte, zu vernichten

Seit einiger Zeit haben einige kommunistische Regierungen ihre Taktik geändert. Sie eröffneten eine Zeit der restriktiven Toleranz, in der sich für die Kirche die Perspektive einer spärlichen Kult- und Wortfreiheit auftat. Wirklich eine sehr spärliche Freiheit, denn die Kirche wird weiterhin durch die offizielle ideologische Propaganda offen bekämpft und von der Polizei ausspioniert.

1. Lange Zeit hindurch war die Einstellung der kommunistischen Regierungen nicht nur gegenüber der Katholischen Kirche, sondern gegenüber allen Religionen, schmerzhaft eindeutig und konsequent.

a) Nach der marxistischen Lehre ist jede Religion ein Mythos, der die Veräußerung des Menschen an ein imaginäres höheres Wesen, das heißt Gott, bedeutet. Diese Veräußerung wird von den Unterdrückerklassen dazu benutzt, ihre Herrschaft über das Proletariat aufrechtzuerhalten. Die Hoffnung auf ein Leben im Jenseits, das den in ihr Schicksal ergebenen Arbeitern als Lohn ihrer Geduld versprochen wird, wirkt auf sie wie Opium, damit sie nicht gegen die harten Lebensbedingungen revoltieren, die ihnen von der kapitalistischen Gesellschaft auferlegt werden.

b) So ist im religiösen Mythos alles falsch und dem Menschen schädlich. Es gibt keinen Gott, noch auch ein zukünftiges Leben. Das einzige Reale ist die Materie im Zustande ständiger Entwicklung (Evolution). Das spezifische Ziel der Evolution besteht darin, den Menschen „unzuveräußern“ in Bezug auf jedwede Unterwerfung unter reale oder fiktive Herrscher. Diese Evolution, in deren freiem Verlauf das höchste Ziel der Menschheit liegt, findet also in jedem religiösen Mythos ein ernsthaftes Hindernis.

c) Folglich hat der kommunistische Staat, der durch die Diktatur des Proletariats den Weg zur evolutiven „Unveräußerung“ der Massen bahnen soll, die Pflicht, jedwede Religion auszurotten. Zu diesem Zwecke obliegt ihm im Gebiete unter seiner Macht:

– kurz- oder langfristig – je nach Gefügigkeit der Bevölkerung – alle Kirchen zu schließen, den gesamten Klerus abzuschaffen, jeden Kult, jedes Bekenntnis des Glaubens und jedes Apostolat zu verbieten;

– solange dieses Ziel nicht vollständig erreicht werden kann, gegenüber den noch nicht unterdrückten Religionen eine Haltung feindseliger Toleranz, vielfältiger Bespitzelung und ständiger Einengung ihrer Tätigkeiten einzunehmen;

– in die noch bestehenden kirchlichen Hierarchien Kommunisten einzuschmuggeln, um auf diese Weise die Religion in ein Werkzeug des Kommunismus umzuwandeln;

– mit allen dem Staate und der Kommunistischen Partei zur Verfügung stehenden Mitteln die „Vergottlosung“, den Atheismus, der Massen veranlassen.[3]

Seit der Einrichtung der kommunistischen Diktatur in Russland bis ungefähr zum Einbruch der Nazitruppen in die UdSSR war das Verhalten der Sowjetregierung gegenüber den verschiedenen Religionen durch diese Prinzipien gekennzeichnet.

Während dieser ganzen ersten Phase zeigte die kommunistische Propaganda vor den Augen der ganzen Welt ihr Bestreben, alle Religionen auszurotten und ließ keinen Zweifel daran, dass, auch wenn sie eine von ihnen duldete, sie dies nur tue, um sicherer zum Ziel zu gelangen, das heißt, jene zu vernichten.

2. Angesichts dieses Vorgehens des Kommunismus offenbarte sich die katholische Verhaltensweise auch als einfach und klar.

Bis aufs äußerste verfolgt auf Grund einer essentiellen und völligen Unvereinbarkeit zwischen ihrer Lehre und der des Kommunismus, konnte die Kirche nicht anders als bis aufs äußerste mit allen erlaubten Mitteln zu reagieren.

Die „Beziehungen“ zwischen den kommunistischen Regierungen und der Kirche konnten nur in einem totalen Kampf auf Leben und Tod bestehen. Sich dessen bewusst, erhob sich die katholische Meinung in jedem Land wie eine riesige Phalanx, bereit, alles, auch das Martyrium, hinzunehmen, um die Einpflanzung des Kommunismus zu verhindern. Und in den kommunistischen Ländern nahmen es die Katholiken mit aller Tapferkeit auf sich, wie die ersten Christen in einer heldenhaften Verborgenheit zu leben.

3. Seit einiger Zeit scheint die Haltung gewisser kommunistischer Regierungen in religiösen Angelegenheiten neue Schattierungen aufzuweisen.

Während in einigen Staaten unter kommunistischer Herrschaft, wie z.B. China, die Haltung der Regierung unerbittlich die gleiche bleibt, scheint sie sich in anderen, wie in Jugoslawien, Polen und jüngst in Russland, schrittweise zu ändern.

So wurde in letzteren Ländern, nach Mitteilung ihrer respektiven Propagandaorgane, die Intoleranz der Regierung in Bezug auf einige Religionen ersetzt durch eine vorerst übelgesinnte Nachsicht, die sich später in eine, wenn nicht wohlwollenden, zumindest doch in eine gleichgültigen Toleranz verwandelte. Und das frühere Regime einer aggressiven Koexistenz wird mehr und mehr durch das der friedlichen Koexistenz ersetzt.

Mit anderen Worten, haben die russische, polnische und jugoslawische Regierungen vollständig ihre Zugehörigkeit zum Marxismus-Leninismus bewahrt, der für sie die einzige offiziell gelehrte und zugelassene Lehre ist. Aber sie gingen  – in größerem oder geringerem Maße, je nach Land – dazu über, eine erweiterte Freiheit des Kultes zuzulassen und der Religion, bzw. den Religionen von gewichtiger Bedeutung für ihre Gebiete, eine gewaltlose und, unter einigen Gesichtspunkten, fast korrekte Behandlung einzuräumen.

In Russland ist, wie man weiß, die Griechisch-Orientalische die Religion, die sogenannte Orthodoxe Kirche, die die größte Anhängerzahl hat. In Polen ist es die katholische Religion (der größte Teil der Gläubigen gehört dem römischen Ritus an). Und in Jugoslawien sind beide zahlreich vertreten.

Infolgedessen ergibt sich für die Katholische Kirche in gewissen Staaten jenseits des Eisernen Vorhanges ein Hauch von Freiheit, die in der – mal größeren, mal geringeren – Möglichkeit besteht, den Bevölkerungen, die bisher jeder religiösen Fürsorge beraubt waren, die Sakramente zu spenden und das Evangelium zu predigen. Wir sagen „ein Hauch von Freiheit“, weil die Kirche trotz allem von der ideologischen Propaganda ganz offen bekämpft und ständig von der Polizei bespitzelt wird, weshalb sie außer dem Gottesdienst und etwas Religionsunterricht weiter nichts unternehmen kann. In Polen ist ihr darüber hinaus gestattet, Kurse zur Heranbildung von Priestern zu unterhalten, wie auch das eine oder andere soziale Werk.

 

II – EIN SCHWER ZU LÖSENDES PROBLEM

 

Angesichts dieser Änderung im Vorgehen der kommunistischen Behörden in einigen Ländern eröffnen sich für die katholische Kirche zwei Wege:

a) Die heimliche Existenz der Katakombe, die sie bisher hinter dem Eisernen Vorhang führte, aufzugeben und zu einem Leben im Lichte des Tages überzugehen, in einem stillschweigenden oder ausdrücklichen „modus vivendi“ mit dem kommunistischen Regime;

b) oder jeden „modus vivendi“ abzulehnen und sich weiter im Untergrund zu halten.

Zwischen diesen Wegen zu wählen, ist das schwere taktische Problem, mit dem sich das Gewissen zahlreicher Katholiken in der heutigen Zeit beschäftigt. Wir sagen „das Gewissen“, da die Entscheidung für einen dieser beiden Wege von der Lösung folgenden Moralproblems, abhängt: Ist es den Katholiken erlaubt ein „modus vivendi“ mit dem kommunistischen Regime anzunehmen? Diese Frage ist die, mit der sich, wie oben gesagt, die vorliegende Schrift beschäftigen will.

 

III – WICHTIGKEIT DES PROBLEMS AUF KONKRETER EBENE

Diese taktische Änderung des Kommunismus gegenüber der Religion bringt der kommunistischen Sache einen enormen Nutzen: Die katholische Meinung, die früher wie eine unüberwindbare Mauer gegen die kommunistische Propaganda dastand, teilte sich nun bezüglich der einzunehmenden Vorgehensweise. Somit brach das größte ideologische Bollwerk gegenüber dem Kommunismus auseinander.

Dieser Bruch ist das unmittelbare Werk der Linkskatholiken oder der sogenannten Progressisten.

Bevor wir in das Wesen des Problems eingehen, berechtigt es sich, etwas über seine konkrete Wichtigkeit zu sagen.

Die Wichtigkeit dieses Problems für die Staaten unter kommunistischem Regime ist einleuchtend.

Es scheint uns notwendig, einiges über seine Tragweite in den westlichen Ländern zu sagen. Und insbesondere, inwiefern es die Pläne zur Eindringung des ideologischen Imperialismus in diesen Ländern betrifft.

Die Furcht dass, im Falle eines Weltsieges der Kommunisten, die Kirche überall dem Greuel unterworfen werde, den sie in Mexiko, Spanien, Russland, Ungarn oder China ertragen hat, ist die Hauptursache für den Entschluss der 500 Millionen auf der ganzen Welt verteilten Katholiken, Bischöfen, Priestern, Geistlichen, Ordensschwestern und Laien, dem Kommunismus Widerstand bis in den Tod zu leisten. Dies ist auch die Hauptursache der antikommunistischen Haltung von Hunderten von Millionen Menschen anderer Religionsbekenntnisse.

Dieser heroische Entschluss bedeutet auf psychologischem Gebiet das größte – vielleicht sogar das einzige gewichtige – Hindernis dafür, dass sich der Kommunismus auf der ganzen Welt festsetzte und an der Macht erhalte.

Welche auch immer die taktischen Gründe seien, die die besagte Änderung der Haltung einiger kommunistischer Regierungen gegenüber verschiedener Religionen bestimmen mögen, Tatsache ist, dass die religiöse Toleranz, die sie gegenwärtig üben und die ihre Propaganda in übertriebener Weise der ganzen Welt bekannt gibt, ihnen schon einen enormen Vorteil bringt: Angesichts der Alternative, die sie schafft, teilen sich die Ansichten der religiösen Kreise hinsichtlich der Richtung, die zu verfolgen sei, und damit bricht der Damm des massiven Widerstandes „à outrance“ gegen den Kommunismus, der geschlossen gehalten wurde von den Menschen, die an Gott glauben, ihn anbeten und verehren.

Tatsächlich gibt das Problem der Festlegung einer Haltung der Katholiken, wie auch der Angehörigen anderer Bekenntnisse, hinsichtlich der neuen Religionspolitik gewisser kommunistischer Regierungen, Raum für Verwirrungen, Spaltungen und sogar Polemiken. Nach dem Grad ihrer Frömmigkeit, ihres Optimismus oder ihres Misstrauens meinen auch weiter viele Katholiken, dass der Kampf „à outrance“ die einzige logische und vernünftige Haltung gegenüber dem Kommunismus sei; andere aber meinen, dass es zweckmäßiger wäre, sogleich und ohne größeren Widerstand eine Situation wie die in Polen hinzunehmen, als bis zum Ende gegen das Eindringen des Kommunismus zu kämpfen und in die um soviel erdrückendere Lage zu kommen, in der sich Ungarn befindet.

Außerdem scheint es diesen letzteren, dass die Annahme des kommunistischen – oder fast kommunistischen – Regimes durch die noch freien Völker die Welttragödie eines Atomkrieges vermeiden könnte. Der einzige Grund, der sie dazu brächte, resigniert das Risiko einer solchen Katastrophe zu übernehmen, bestünde in der Pflicht, zur Vermeidung einer weltumfassenden, in nie da gewesenen Ausmaßen auf radikale Ausrottung hinzielenden Verfolgung der Kirche, zu kämpfen. Aber sofern diese Gefahr vielleicht nicht einträte – denn man gestattet in manchen kommunistischen Ländern, dass die Kirche am Leben bleibe, wenn auch auf eine minimale Freiheit beschränkt – verringert sich wesentlich der Mut, der Gefahr des Atomkrieges entgegenzutreten. Und unter solchen Katholiken gewinnt der Gedanke Boden, überall, fast auf der ganzen Welt, einen „modus vivendi“ zwischen Kirche und Kommunismus – nach polnischer Art – zu schaffen, hingenommen als ein Übel, aber als das kleinere Übel.

Zwischen diesen zwei Meinungen beginnt sich eine desorientierte, unentschlossene  riesige Mehrheit zu bilden, die gerade deshalb psychologisch für den Kampf weniger vorbereitet ist als zuvor.

Wenn diese Schwächeerscheinung in der antikommunistischen Haltung bei Antimarxisten auftritt, wie natürlich ist es, dass sie bei den immer zahlreichenden sogenannten Linkskatholiken von größerer Wirkung ist, welche, ohne sich zum Materialismus oder Atheismus zu bekennen, mit den wirtschaftlichen und sozialen Ansichten des Kommunismus aber sympathisieren!

Zusammenfassend: Millionen Katholiken in allen oder fast allen noch nicht dem kommunistischen Joch unterworfenen Ländern, die gestern noch gerne in regulären Heeren oder im Guerillakrieg gestorben wären, um die Errichtung des kommunistischen Regimes in ihrem Vaterland zu verhindern, oder zu stürzen, falls es schon die Macht erobert hätte, spüren heute schon nicht mehr die gleiche Bereitschaft. Im Falle einer Panikkrise – z. B. in der Ungewissheit eines bevorstehenden allgemeinen Atomkrieges – kann sich dieses Phänomen noch verstärken und gegebenenfalls ganze Nationen zur katastrophalen Kapitulation vor dem Kommunismus bringen.

Dies alles zeigt deutlich die große Wichtigkeit, sobald wie möglich die moralischen Fragen in ihren verschiedenen Aspekten zu untersuchen, die der Entscheidung innewohnen, vor welche die Haltung relativer religiöser Toleranz einiger kommunistischer Regierungen das Gewissen von Millionen und Millionen Menschen heutzutage stellt.

Man darf wohl behaupten, dass von der Lösung dieses Problems die Zukunft der Welt zum großen Teile abhängt.

 

IV – DAS PROBLEM KANN NICHT UMGANGEN WERDEN

 

Die vom Kommunismus eingeführte Entspannungspolitik ergibt sich nur aus einem politischen Interesse: Die Verminderung der wachsenden Spannungen hinter dem Eisernen Vorhang oder die psychologische Demobilisierung des Westens. Oder gar beides. Diese Ergebnisse werden langsam aber unerbittlich vom internationalen Kommunismus erreicht.

So ist es den Katholiken unerlässlich das moralische und taktische Problem, das sich aus diese Tatsache ergibt, zu lösen.

Die Nützlichkeit einer solchen Untersuchung könnte vielleicht von einigen voreiligen Geistern in Frage gestellt werden. Sie werden versuchen das komplizierte Problem durch vorangestellte Behauptungen zu umgehen, die uns jedoch anfechtbar erscheinen.

Geben wir als Beispiel einige dieser Voreinwände und die Antworten, die man dazu geben könnte:

a) Es ist einleuchtend, dass die relative religiöse Toleranz bloße kommunistische Machenschaft ist und dass, also, diese Aussicht auf einen „modus vivendi“ zwischen der Kirche und irgendeinem marxistischen Regime nicht ernst genommen werden kann. – Darauf könnte man erwidern, dass nichts daran hindert, anzunehmen, dass gewisse interne Spannungen – vielfacher Art – einigen kommunistischen Regierungen diese gelockerte Haltung in religiösen Angelegenheiten aufgedrängt haben. So würde diese Entspannung vielleicht von gewisser Dauer und Haltbarkeit sein und der Kirche neue Aussichten eröffnen.

b) Vereinbarungen mit Leuten, wie die Kommunisten, die Gott und die Moral leugnen, bieten keine Garantie, dass sie eingehalten werden. Selbst unter der Annahme, dass die Kommunisten heute wirklich gewillt sind, in gewisser Hinsicht die Ausübung der Religion zu dulden, sind sie morgen, wenn es ihnen passt, imstande, die brutalste und umfangreichste Verfolgung gegen die Kirche zu entfesseln. – Wir geben zu, dass es im Prinzip so ist. Da aber die religiöse Toleranz des kommunistischen Staates sich sicher nicht auf die Achtung eines Ehrenwortes gründet, sondern eher dem wesentlichen politischen Interesse interne Schwierigkeiten zu vermeiden oder abzuschwächen, könnte die Toleranz ebenso lange dauern, wie diese Schwierigkeiten vorhanden sind. Sie kann, gegebenenfalls, längere Zeit andauern. Also, nicht aus Ehrlichkeit, sondern aus Gründen der Staatsraison würden sich die kommunistischen Behörden auf Dauer an den Klauseln eines irgendeiner Kirche vorgeschlagenen Vertrages halten.

c) Diese vorliegende Studie wird für die Länder jenseits des Eisernen Vorhanges keinen Nutzen bringen, da ihre freie Verbreitung dort nicht gestattet werden wird. Für die Länder diesseits des Vorhanges hat sie kein Interesse. In diesen besteht das Problem der Zulässigkeit einer möglichen Koexistenz der Kirche mit dem kommunistischen Regime nicht, da im Westen kein solches Regime existiert. Das Problem, das den Westen interessiert, ist nicht die Koexistenz mit einem solchen Regime, sondern vielmehr, was tun, um ein Eindringen des Kommunismus zu verhindern. Im Grunde also ist die vorliegende Schrift für keine Seite von Interesse. – Was die Völker jenseits des Eisernen Vorhanges betrifft, ist es nicht wahr, dass diese Schrift nicht zu ihrer Kenntnis gebracht werden könnte, da dies bereits geschehen ist. Die Wochenzeitschrift „Kierunki“ aus Warschau, die von der Gesellschaft „Pax“ herausgegeben wird, ist ein sehr einflussreiches Blatt dieser polnischen, äußerstlinken „katholischen“ Bewegung. Am vergangenen 1. März (1964), brachte „Kierunki“auf der ersten Seite, besonders auffallend, einen „Offenen Brief an Dr. Plinio Correa de Oliveira“, der ein langer entrüsteter Protest gegen diese Schrift ist, verfasst von einem hervorragenden Mitglied der Pax-Bewegung, Herrn Zbigniew Czajkowski. Ferner noch hat Herr Tadeusz Mazowiecki, Chefredakteur des Monatsheftes „Wiez“ und zugleich Abgeordneter der katholischen Partei „Znak“ im polnischen Parlament, unter Mitarbeit des Herrn A. Wielowieyski, in „Wiez“ einen Artikel veröffentlicht, der nach unserer Meinung nichts anderes ist als eine Erwiderung auf die vorliegende Schrift (Artikel „Otwarcie na Wschod“ – „Wiez“ Nr. 11-12, November-Dezember 1963). Wenn in Polen die Notwendigkeit bestand, unsere Studie zu widerlegen, ist dies ein Beweis, dass sie auf irgendeine Weise den Eisernen Vorhang überschritten und in einem vom Kommunismus beherrschten Gebiet Widerhall gefunden hat. Bezüglich des Interesses für das Thema im Westen wäre die Antwort auf diese Tatsache, das bekannte Wort, vorbeugen ist besser als heilen. Es könnte aber doch vorkommen, dass ein Land oder gar etliche Länder im Westen, gleichzeitig, vor die Wahl gestellt werden könnten, zwischen zwei Übeln zu wählen, d. h. zwischen einem modernen Krieg, intern und extern, mit konventionellen Waffen und mit Atombomben, mit allen Greueln im Gefolge, oder einer Annahme des kommunistischen Regimes. In einem solchen Fall würde die Wahl für das kleinere Übel ausfallen. Und das Problem wird sich unweigerlich einstellen: Wenn die Kirche eine Koexistenz mit einer kommunistischen Regierung und einem ebensolchen Regime als durchführbar halten kann, dann bestünde vielleicht das kleinere Übel in der Vermeidung einer kriegerischen Hekatombe, selbst um den Preis einer Anerkennung des Sieges des Marxismus, als den einer vollendeten Tatsache; wenn dagegen die Koexistenz als unannehmbar betrachtet werden sollte und die Annahme des Kommunismus nichts anderes bedeuten könnte, als ein unvermeidliches Risiko einer vollständigen, oder nahezu vollständigen Ausrottung des Glaubens in dem betreffenden Volk, dann würde die Annahme des Kampfes das kleinere Übel sein. Denn der Verlust des Glaubens ist ein größeres Übel als die Vernichtung von allem, was ein Atombombenkrieg zerstören kann.

Wie man sieht, haben all diese Voreinwendungen, mit welchen man die Studie des im Brennpunkt stehenden Problems zu umgehen versuchen möchte, keinen Bestand. Das Problem der Zulässigkeit einer Koexistenz der Kirche mit dem kommunistischen Regime muss fest ins Auge gefasst werden und eine allen katholischen Seelen annehmbare Lösung kann nur aus einer gründlichen Analyse aller aus der Glaubenslehre sich ergebenden Betrachtungspunkte erfolgen.

 

V – DEM PROBLEM ENTGEGENTRETEN

 

Wenn das kommunistische Regime der Kirche die freie Ausübung der Religion anbieten würde, unter der Bedingung, dass sie über gewisse Irrtümer des Marxismus schweige – insbesondere die Leugnung des Rechts auf persönliches Eigentum oder der Familie – dürfte die Kirche dieses Angebot annehmen? Dürfte die Kirche, um die Kultfreiheit zu erlangen, wenigstens die Bedingung annehmen, den Gläubigen zu empfehlen, sie mögen auf alle Versuche, das Recht auf  Privateigentum und die Familie wieder gesetzlich zu verankern, verzichten und die Abschaffung dieser Einrichtungen nur theoretisch als tadelnswert betrachten, aber in der Praxis doch annehmbar, kraft der Auflage des Regimes?

Auf den ersten Blick, für sich allein betrachtet, stellt sich das Problem der Koexistenz zwischen der Kirche und einem „toleranten“ kommunistischen Regime folgendermaßen dar:

  • Wenn in einem unter kommunistischer Regierung und unter solchem Regime lebenden Staat die Machthaber den Kult und die Predigt nicht verbieten, sondern das eine wie das andere gestatten würden, könnte oder sogar sollte die Kirche diese Tätigkeitsfreiheit annehmen, um den Gläubigen ohne Hindernis die Sakramente und das Brot des Wortes Gottes zu spenden?

Wenn die Frage bloß einfach in dieser Form gestellt wird, ist die Antwort zweifellos bejahend: Die Kirche könnte und sollte diese Freiheit annehmen. Und in diesem Sinne kann und soll sie mit dem Kommunismus koexistieren. Denn unter keinerlei Vorwand darf sie sich weigern, ihren Auftrag zu erfüllen.

Doch muss man darauf hinweisen, dass diese Formulierung des Problems allzu vereinfacht ist. Sie lässt stillschweigend annehmen, dass die kommunistische Regierung der Lehrfreiheit der Kirche nicht die geringste Beschränkung auferlegen würde. Aber nichts lässt daraus schließen, dass eine solche Regierung der Kirche eine volle Lehrfreiheit verleihe. Denn dies würde bedeuten, der Kirche zu erlauben die ganze Lehre der Päpste über die Moral, das Recht und insbesondere über die Familie und das Privateigentum zu predigen, was wiederum bedeuten würde, aus jedem Katholiken einen geborenen Gegner des Regimes zu machen, sodass die Kirche in dem Maße, in welchem sie ihre Tätigkeit ausdehnte, das Regime töten würde. Folglich würde das Regime, in dem Maße wie es die Freiheit der Kirche duldete, Selbstmord begehen, besonders in Ländern, in denen der Einfluss der Kirche auf die Bevölkerung sehr groß ist.

So können wir uns nicht damit begnügen, das Problem in der allgemeinen Formulierung zu lösen, wie es oben dargestellt wurde. Wir müssen sehen welche Lösung ihm zu geben ist im Falle, dass eine kommunistische Regierung verlange, dass, um die katholische Predigt und der katholische Unterricht zu tolerieren, diese sich an folgende Bedingung halte:

1. sie mögen die Lehre der Kirche in bejahendem Sinne darlegen, ohne aber gegenüber den Gläubigen den Materialismus und andere der marxistischen Philosophie innewohnenden Irrtümer zu widerlegen;

2. sie sollen den Gläubigen die Lehre der Kirche über das Privateigentum und die Familie verschweigen;

3. oder, dass sie zumindest, ohne das wirtschaftlich-soziale System des Marxismus zu kritisieren, behaupten, die gesetzliche Existenz der Familie und des Privateigentums seien zwar in der Theorie ein wünschenswertes Ideal, aber in der Praxis undurchführbar wegen der kommunistischen Herrschaft, weshalb man unter den gegenwärtigen gegebenen Umständen den Gläubigen empfehle, auf jeden Versuch, das kommunistische Regime abzuschaffen und in der Gesetzgebung, dem Naturrechte gemäss, das Privateigentum und die Familie wiedereinzusetzen, zu verzichten.

Könnten diese drei Bedingungen mit gutem Gewissen als Preis für ein Minimum an legaler Freiheit im kommunistischen Regime, stillschweigend oder ausdrücklich angenommen werden? Mit anderen Worten, könnte die Kirche in einen dieser Punkte auf ihre Freiheit verzichten, um sie in anderen zum Wohle der Gläubigen zu bewahren? Hier ist der Kern des Problems.

 

VI – DIE LÖSUNG

Unter diesen Bedingungen muss die friedliche Koexistenz mit dem Kommunismus von den Katholiken zurückgewiesen werden:

Erstes Argument: – Die weltliche Ordnung hat eine sehr tiefe bildende – oder missbildende – Wirkung auf die Seele der Völker und Individuen. Die Kirche darf also nicht eine Freiheit akzeptieren, die voraussetzt, über die Irrtümer des kommunistischen Regimes schweigen zu müssen, was bei den Katholiken den Eindruck hinterlässt, sie verurteile diese Irrtümer nicht.

Zweites Argument: – Sollte die Kirche darauf verzichten, die Vorgaben der Gebote Gottes zu lehren, die das Privateigentum (7. und 10. Gebot) begründen, so würde sie ein verzerrtes Gottesbild verkünden. Die Gottesliebe, die Übung der Tugend der Gerechtigkeit und die volle Entwicklung der Fähigkeiten eines jeden Menschen, und somit seine Heiligung, würden dadurch ernsthaft beeinträchtigt.

Drittes Argument: – Die Kirche darf den Kommunismus nicht als vollendete Tatsache und „kleineres Übel“ annehmen.

1. Die Antwort auf die erste Bedingung müsste unserer Meinung nach negativ sein angesichts der überzeugenden Kraft einer Metaphysik und Moral, die in einer Lebensweise, in einer Kultur und in einer bildenden Umgebung zum Ausdruck kommen.

Die lehrende Mission der Kirche besteht nicht allein darin, die Wahrheit zu lehren, sondern auch den Irrtum zu verurteilen. Keine Lehre der Wahrheit ist als Belehrung hinreichend, wenn sie nicht gleichzeitig die Einwände, welche man gegen die Wahrheit erheben könnte, nennt und zurückweist. „Die Kirche“ – sagte Pius XII. – „immer übervoll von Liebe und Güte gegenüber den vom rechten Wege Abgekommenen, doch getreu dem Worte ihres göttlichen Gründers der gesagt hat: „Wer nicht für mich ist, der ist wider mich“ (Mt. 12,30), kann nicht ihre Pflicht versäumen, den Irrtum aufzuzeigen und den Aussäern von Lügen die Maske vom Gesicht zu reißen.“ (Weihnachtsbotschaft 1947 – „Discorsi e Radiomessaggi“ Band IX Seite 393). Im selben Sinne hat sich Pius XI. ausgesprochen: „Die erste, die selbstverständlichste Liebesgabe des Priesters an seine Umwelt ist der Dienst an der Wahrheit, und zwar der ganzen Wahrheit, die Entlarvung und Widerlegung des Irrtums, gleich in welcher Form, in welcher Verkleidung, in welcher Schminke er einherschreiten mag“ (Enzyklika „Mit brennender Sorge“ vom 14.3.1937, AAS, Band XXIX, Seite 163). Im Wesen des religiösen Liberalismus liegt der falsche Grundsatz, dass, um die Wahrheit zu lehren, es nicht nötig sei, den Irrtum zu bekämpfen oder zurückzuweisen. Es gibt keine geeignete christliche Erziehung, die der Apologetik entbehren könnte. Es ist besonders wichtig dies festzustellen angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Menschen geneigt ist, das politische und soziale Regime, in welchem sie geboren ist und lebt, als normal hinzunehmen, und dass das Regime einen gewaltigen bildenden Einfluss auf die Seelen ausübt.

Um die ganze Tiefe dieses Einwirkens auf die Seelenbildung auszumessen, wollen wir sie auf den Zweck ihres Daseins und auf ihre Beeinflussungsweise näher betrachten.

Jedes politische, ökonomische oder soziale Regime beruht im Grunde genommen auf einer metaphysischen und einer moralischen Anschauung. Die Grundeinrichtungen, die Gesetze, die Kultur, die Sitten die es bilden oder ihm wesensverwandt sind, verkünden, im täglichen Leben, die Grundprinzipien jener Metaphysik und jener Moral.

Schon aus dem bloßen Umstand seines Bestehens, aus der natürlich sich ergebenden Würde als Staatsmacht, aus der enormen Kraft der herrschenden Umstände und aus der allgemeinen Gewohnheit, zwingt das Regime die Bevölkerung, die Kultur und die bestehende Ordnung als gute, normale, sogar selbstverständliche anzunehmende Institutionen zu betrachten, als die richtige Folgerung der herrschenden metaphysischen und moralischen Grundlehren.

Der allgemeine Geist der Bevölkerung, einmal von obiger Einsicht befangen, lässt sich weiter verführen, er lässt sich von diesen Prinzipien, die meistens von der Mehrzahl der Menschen undeutlich und unterbewusst, aber stark bemerkt werden, wie durch Osmose durchtränken.

Die bestehende Staatsordnung übt also eine bildende oder missbildende Wirkung aus, die tief in die Seele der Völker oder des Einzelmenschen eindringt.

Es gibt Zeiten, in denen die bestehende Staatsordnung widersprechende Prinzipien als Grundlage hat, die infolge eines ungefähren Skeptizismus fortbesteht, mit einer fast immer pragmatischen Färbung. Im allgemeinen wird auch der Geist der Bevölkerung von solchem pragmatischen Skeptizismus angesteckt.

In anderen Zeiten erweisen sich die metaphysischen und moralischen Prinzipien, welche der bestehenden Staatsordnung gleichsam als Seele dienen, eng verbunden und dauerhaft in der verkündeten Wahrheit und Wohlfahrt, wie etwa im Europa des 13. Jahrhunderts, oder auch im Irrtum und im Bösen, wie in Russland oder in China in heutigen Tagen. Diese Prinzipien können sich in die Seele der Völker, die in der jeweiligen von ihnen angenommenen, weltlichen Staatsordnung leben müssen, tief einprägen.

Das Leben in einer vom Irrtum und vom Übel derart durchdrungenen Staatsordnung, ist an sich schon ein stark wirkender Anreiz zur Apostasie.

Im offiziell philosophisch und sektiererischen  kommunistischen Staat erfolgt diese doktrinäre Beeinflussung der Masse rücksichtslos, umfassend und methodisch, und noch vervollständigt durch eine unermüdliche und bei allen Gelegenheiten wiederholte Doktrinpropaganda.

In der ganzen Weltgeschichte findet man nirgendwo ein Beispiel einer Bedrückung, die so vollendet in ihrem doktrinären Ausmaß, so geschickt und vielgestaltig in ihren Methoden, noch gewalttätiger in den Zeiten ihres brutalen Ausbruches ist, als die, welche von den kommunistischen Regimen auf die von ihnen beherrschten Völker ausgeübt wird.

In einem dermaßen absolut-antichristlichen Staat gibt es kein anderes Mittel um diesem Einfluss auszuweichen, als das einer eindringlichen Belehrung der Gläubigen über das dem Staat innewohnende Übel.

Von einem solchen Widersacher, mehr noch als von jedem anderen, kann die Kirche, folgerichtig, keine Freiheit annehmen, wenn diese zur Voraussetzung eine treuzuhaltende Entsagung auf eine freie und wirksame Ausübung ihrer apologetischen Lehrbestimmung hat.

2. Auch die zweite Bedingung halten wir für unannehmbar; man wolle nur in Betracht ziehen, nicht nur die absolute Unvereinbarkeit des Kommunismus mit der katholischen Kirchenlehre, sondern auch, insbesondere das Recht auf Eigentum in seinen Beziehungen zu der Liebe Gottes, zur Tugend der Gerechtigkeit und zu der Heiligung der Seelen.

Für die Verweigerung dieser zweiten Bedingung gibt es vor allem eine Begründung allgemeiner Art. Die kommunistische Lehre, gottlos, materialistisch, relativistisch, evolutionistisch, kollidiert in radikalster Weise mit dem katholischen Begriff eines persönlichen Gottes, der für die Menschen ein Gesetz erlassen hat, in welchem alle festen, unabänderlichen und der natürlichen Ordnung entsprechenden Grundsätze der Moral enthalten sind. Die kommunistische „Kultur“, in ihrer Gesamtheit und in jedem einzelnen ihrer Aspekte betrachtet, führt zur Verneinung der Moral und des Rechtes. Die Kollision des Kommunismus mit der Kirche ergibt sich also nicht nur auf dem Gebiete der Familie und des Eigentums. Die Kirche müsste dann über die gesamte Moral, über jeden Begriff des Rechtswesens schweigen.

Wir können daher nicht einsehen zu welchem taktischen Ergebnis ein ideologischer Waffenstillstand zwischen Kirche und Kommunismus führen würde, wenn er sich auf die zwei erwähnten Punkte begrenzen, und auf allen anderen Gebieten der ideologische Kampf weitergeführt würde.

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Wir wollen jedoch, „argumentandi gratia“ die Annahme betrachten, der zufolge die Kirche lediglich über Familie und Privatbesitz stillschweigend hinweggehen sollte.

Die bloße Annahme, dass die Kirche eine solche Einschränkung ihres Lehramtes über die Familie annehmen würde, ist derart vernunftwidrig, dass ein Eingehen auf diese Möglichkeit sich erübrigt.

Nehmen wir jedoch an, dass ein kommunistischer Staat der Kirche völlige Freiheit gewähren würde, über die Familie zu lehren und zu predigen, jedoch nicht über das Privateigentum. Was würde man in diesem Fall erwidern?

Als umgehende Antwort könnte man sagen, dass die Sendung der Kirche ausschließlich in der Verkündung der Wesenheit Gottes und der Liebe zu ihm besteht und nicht in der Lobpreisung oder Wahrung eines politischen, sozialen und wirtschaftlichen Regimes. Und weiter, dass die Seelen über die Wesenheit und über die Liebe zu Gott belehrt werden können, ohne über Begriffe des Privateigentumsrechts unterrichtet zu werden.

Die Kirche könnte daher, als das kleinere Übel, ein Einverständnis annehmen, demzufolge sie über das Recht des Privateigentums schweigen, und im Gegenzug volle Freiheit zur Unterweisung und Heiligung der Seelen erhalten würde, ihnen über Gott und die ewige Bestimmung des Menschen zu predigen und die Sakramente zu spenden.

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Dieser Begriff der lehrenden und heiligenden Sendung der Kirche stößt sich an einen präliminären Einwand. Falls irgendeine weltliche Regierung von der Kirche, als Bedingung für die Gewährung ihrer Freiheit, den Verzicht auf das Recht der Predigt über irgendwelche ihrer Lehren verlangt, kann die Kirche diese Freiheit nicht annehmen, die nichts anderes wäre als ein trügerisches Scheinangebot.

Wir bestehen darauf, dass dieses Freiheitsangebot ein trügerisches Scheinangebot wäre, da die lehrende Sendung der Kirche, die Verkündung einer unteilbaren Lehre bezweckt. Entweder ist die Kirche frei, um ungestört die Lehre Jesu Christi in ihrem vollkommenen Umfang der ganzen Welt zu bringen, oder sie ist nicht frei und betrachtet sich als bedrängt und verfolgt. Falls die Freiheit nicht in ihrem vollen Ausmaß der Kirche anerkannt wird, muss diese, wie ihre kämpfende Natur es erheischt, in Kampf gegen ihre Bedränger antreten. Um ihre lehrende Sendung zu erfüllen, kann die Kirche auf keine einengenden Einverständnisse eingehen, die nichts anderes bedeuten, als halbe Freiheit gegen halbe Predigt unter halber Unterdrückung. Im Grunde würde dies einen ganzen Verrat an ihrem Auftrag bedeuten.

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Außer diesem präliminaren Einwand, der sich auf dem Lehrauftrag der Kirche begründet, würde sich ein weiterer erheben, der ihre Aufgabe als Erzieherin des Menschenwillens zur Erlangung der Seligkeit betrifft. Dieser Einwand begründet sich darauf, dass die klare Erkenntnis des Privateigentumprinzips und die Achtung dieses Prinzips auch in der Praxis, unumschränkt wichtig für die Bildung aufrichtiger christlicher Seelen ist:

a) VOM STANDPUNKT DER LIEBE ZU GOTT: Kenntnis und Liebe zum Gesetz sind unzertrennlich mit der Kenntnis und Liebe zu Gott verbunden. Denn das Gesetz ist gleichsam ein Spiegelbild der göttlichen Heiligkeit. Und was man von jeder einzelnen Seiner Vorschriften sagen kann, gilt umso mehr, wenn sie in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Auf die Übertragung der beiden Vorschriften der zehn Gebote verzichten, die den Privatbesitz berechtigen, würde einer verfälschten Vorstellung dieser Gebote entsprechen und damit auch des eigenen Gottes. Wo aber die Seelen eine verstellte Vorstellung Gottes haben, entfalten sie sich nach einem falschen Sinnbild, was unvereinbar mit der wahren Bedeutung der Heiligkeit ist.

b) VOM STANDPUNKT DER KARDINALTUGEND DER GERECHTIGKEIT: Die Kardinaltugenden sind, wie es aus ihren Namen hervorgeht, gleich Türangeln die den ganzen Aufbau der Heiligkeit tragen. Eine Seele, die nach Heiligkeit strebt, muss diese Tugenden aufrichtig kennen, ehrlich lieben und offenherzig ausüben. Es trifft sich aber, dass jeglicher Begriff über die Gerechtigkeit auf dem Prinzip ruht, dass ein jeder Mensch, sein Nächster als Einzelmensch und die Gesamtheit der Menschen als Gesellschaft betrachtet, Träger gewisser Rechte ist, aus denen, natürlicherweise, gewisse Pflichten erwachsen. Mit anderen Worten, der Begriff über „das Meinige“ und „das Deinige“ beruht auf der allgemeinen Grundidee der Gerechtigkeit

Gerade der Begriff über „das Meinige“ und „das Deinige“, wenn er auf das wirtschaftliche Gebiet übertragen wird, bildet die direkte und unvermeidliche Richtlinie zum Prinzip des Privatbesitzes. Daraus folgt, dass ohne klare Kenntnis der Rechtmäßigkeit und der Tragweite – übrigens auch der entsprechenden Begrenzungen – des Privatbesitzes, man auch keinen wahrhaften Begriff der Kardinaltugend der Gerechtigkeit haben kann. Und ohne diese Kenntnis gibt es keine wahre Liebe und keine Ausübung der Gerechtigkeit; kurz,  die Heiligung der Seele ist nicht möglich .

c) VON EINEM ALLGEMEINEREN STANDPUNKT AUS, VON DEM DER VÖLLIGEN ENTWICKLUNG DER SEELENKRÄFTE UND VON DEM DER SEELENHEILIGKEIT: Die Auslegung dieses Argumentes setzt als feststehend voraus, dass die rechte und wahre Bildung des Willens und der Vernunft, von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet, zur Heiligkeit der Seelen hinführt, und von anderen Standpunkten aus, mit der Heiligkeit sogar identisch ist. Und dass, „a contrario sensu“, alles was die rechte und wahre Bildung der Vernunft und des Willens beeinträchtigt, unter Umständen unvereinbar mit der Heiligkeit der Seelen ist.

Wir wollen zeigen, dass eine Gesellschaft, in der das Privateigentum abgeschafft worden ist, geradezu der rechten Entwicklung der Seelenkräfte entgegenwirkt, insbesondere der Willenskraft. Schon aus diesem Grund ist sie mit dem Begriff der Seelenheiligkeit des Menschen unvereinbar.

Nebenbei werden wir auch den Schaden erwähnen, den die Gütergemeinschaft, aus ähnlichen Gründen, der Kultur verursacht. Wir werden es tun, weil die wahre und rechte Kulturentwicklung, nicht nur ein günstiger Faktor für die Heiligkeit der Völker ist, sondern auch eine Folge dieser Heiligkeit selbst. Daraus ergibt sich die enge Verbindung zwischen wahrem Kulturleben und unserem Thema.

Zunächst wollen wir einen wichtigen Punkt in den Vordergrund rücken, der sehr oft von denen, die das Institut des Privateigentums behandeln, unbeachtet gelassen wird: dass es zum Gleichgewicht und zur Seelenheiligkeit des Menschen notwendig ist.

Zur Begründung dieser These wollen wir schon im Voraus darauf hinweisen, dass die päpstlichen Dokumente, wenn sie das Kapital, die Arbeit und die soziale Frage erörtern, keinen Zweifel darüber lassen, dass das Privateigentum nicht nur berechtigt, sondern auch unerlässlich ist für das persönlich private wie auch für das Wohl der Allgemeinheit, und das bezieht sich sowohl auf die materiellen Interessen des Menschen als auch auf die seiner Seele.

Es ist wahr, dass diese päpstlichen Dokumente sich gegen die zahlreichen Frevel und Missbräuche kraftvoll geäußert haben, die hauptsächlich seit Anfang des XIX. Jahrhunderts auf dem Gebiet des Privateigentums begangen worden sind. Der Umstand aber, dass die von den Menschen verübten Frevel und Missbräuche einer Institution zu verwerfen sind, kann unter keinen Umständen bedeuten, dass sie deswegen nicht äußerst wertvoll sei. Man sollte in den meisten Fällen eher das Gegenteil feststellen: „corruptio optimi pessima“ d. h., nichts ist schlimmer als die Korruption des Wertvollsten. Nichts ist an sich und unter allen Umständen so geweiht und geheiligt wie das Priesteramt, aber auch nichts ist verwerflicher als seine Entweihung. Daher auch die sehr verständliche Haltung des Heiligen Stuhles, der streng die Frevel gegen das Privateigentum verwirft, aber noch strenger die Verfehlung im Priesteramt verurteilt.

Aus vielfachen Gründen ist die Institution des Privateigentums dem Menschen, der Familie und den Völkern unentbehrlich. Eine ausführliche Abhandlung über diese Gründe würde die Grenzen dieses Artikels bei weitem überschreiten. Wir beschränken uns auf die Ausführung jenes Grundes, der unser Thema näher berührt: wie oben schon erwähnt, die Institution des Privateigentums ist zum Gleichgewicht und zur Heiligkeit des Menschen unentbehrlich.

Von Natur aus ist der Mensch mit Verstand und Willen ausgestattet und neigt entsprechend seinen geistigen Fähigkeiten dazu, sich mit allem zu versehen, was zu seinem Wohlsein beiträgt. Aus diesen Fähigkeiten entspringt ihm das Recht, die benötigten Sachen von sich selbst aus zu suchen und sie als Eigentum zu betrachten, falls sie keinem anderen gehören. Aus demselben Grunde erwächst ihm auch das Recht, dessen, was er für seinen weiteren Fortbestand benötigt, sich anzueignen, durch Inbesitznahme des Bodens, den er bearbeitet, und der zur Bodenbearbeitung erforderlichen Werkzeuge herstellt. Kurz, weil der Mensch eine Seele hat, fühlt er in sich die unbezähmbare Neigung zum Besitztum, Eigentümer zu sein. Und darin, so erklären Papst Leo XIII. und der heilige Papst Pius X., unterscheidet sich der Mensch, bezüglich materiellen Gütern, von den unvernünftigen Tieren: „IV – Eben weil er aber mit Vernunft ausgestattet ist, sind ihm irdische Güter nicht zum bloßen Gebrauche anheim gegeben, wie dem Tiere, sondern er hat persönliches dauerndes Besitzrecht, Besitzrecht nicht bloß auf Dinge, die beim Gebrauche verzehrt werden, sondern auch auf solche, welche in und nach dem Gebrauche bestehen bleiben. (Enzyklika Rerum Novarum) “ (Hl. Pius X. Motu Proprio über die.Katholische Volksaktion, vom 18. Dezember 1903 – AAS Band 36, Seiten 341-343).

Da die Führung des eigenen Schicksals, die Fürsorge für den eigenen Bestand das nächstliegende, notwendige und beständige Ziel der Ausübung des Verstandes und des Willens des Menschen ist, und ferner, da für dem Menschen die Gewissheit des Eigentums das naturgemäße Mittel für die fühlbare Sicherstellung seiner eigenen Persönlichkeit und der eigenen Zukunft ist, würde die Abschaffung des Rechtes auf das Privateigentum und die darausfolgende Überlieferung des Menschen, als wäre er eine wehrlose Ameise, an die Leitung des Staates nichts anderes sein, als die Entziehung aus seinem Verstand einiger für seine normale Vorrichtung erforderlichen Grundbedingungen, als eine Verdummung, infolge Arbeitshemmung seiner Seelenfähigkeiten, kurz, als eine absolute Umformung seines Wesens. Daraus erklärt sich die häufig vorhandene Traurigkeit in der dem Kommunismus unterjochten Bevölkerungen, der Verdruss, die Neurosen, die Selbstmorde, die in immer wachsender Häufigkeit in gewissen stark kommunistischen Ländern des Abendlandes zu beobachten sind.

Es ist bekannt, dass die nicht in Anspruch genommenen Seelenfähigkeiten verkümmern. Hingegen kann eine angepasste und häufige Betätigung sie manchmal sogar in erstaunlichem Maße entwickeln. Auf dieser Erkenntnis beruhen viele didaktische und asketische Übungen, die von  den erhabensten Lehrmeistern gebilligt und durch die Erfahrung bestätigt worden sind.

Da die Heiligkeit die erstrebte Vervollkommnung der Seele ist, lässt sich leicht die hohe Bedeutung obiger Übungen für das Seelenheil und für die Heiligkeit des Menschen verstehen. Der Zustand Eigentümer zu sein, schafft schon von sich aus hochgünstige Umstände für die rechte und tugendhafte Ausübung der Seelenfähigkeiten. Selbst ohne die Annahme des utopischen Ideals einer Gesellschaft, in der, ausnahmslos, jeder Mensch Eigentümer ist oder in der es keine ungleichen Vermögen gibt, große, mittelgroße oder kleine, muss man zugeben dass eine möglichst große Verbreitung von Eigentum günstig auf die Geisteseigenschaften und, demzufolge auch, auf die Kulturgüter, des einzelnen Menschen, der Familie oder der Gesellschaft einwirkt. Umgekehrt schafft eine Proletarisierung in hohem Maße ungünstige Bedingungen für das Heil, die Heiligkeit und die Kulturbildung der Völker, der Familien und der einzelnen Person.

Zwecks Erleichterung der Darstellung wollen wir sofort den Einwänden entgegengetreten, welche gegen die hier unter „c“ behandelte These vorgebracht werden können:

* Werden diejenigen Menschen, welche kein Eigentum haben, aber in Gesellschaften leben in denen Privatbesitz besteht, irrsinnig? Oder werden sie die Heiligkeit nicht erreichen können?

Als Antwort möge man erwägen, dass das Privateigentum eine Institution ist, die in indirekter, aber sehr eigener Weise, auch die Nichtbesitzer begünstigt. Denn da die Anzahl der Menschen, die als Privatbesitzer die ihnen moralisch und kulturell zukommenden Vergünstigungen genießen, sehr groß ist, ergibt sich daraus ein Umfeld höheren sozialen Niveaus, das, infolge der natürlichen zwischengeistigen Beziehungen selbst den Nichtbesitzern zum Nutzen gereicht. Die Lage in der sich diese Nichtbesitzer befinden, kann nicht mit der Lage derjenigen verglichen werden, die in einem Regime leben müssen, in dem kein Privateigentum existiert.

* Erfolgt daraus, dass das Privateigentum  der Grund der moralischen und kulturellen Erhöhung der Völker ist?

Wir behaupten, dass das Privateigentum eine sehr bedeutende Vorbedingung zum geistigen und kulturellen Wohl des Menschen, der Familie und der Völker ist. Wir behaupten nicht, dass es die Grundbedingung zur Seelenheiligkeit ist. Der Fall ist vergleichbar mit dem der Freiheit der Kirche, die zu ihrer eigenen Entfaltung notwendig ist. Aber die Kirche, selbst zur Zeit ihrer schweren Verfolgung, hat sich in den Katakomben erstaunenswert entwickelt. Es wäre selbstverständlich übertrieben, beispielsweise behaupten zu wollen, dass je ausgedehnter das Privateigentum, desto tugendhafter und gebildeter das Volk sein würde. Eine solche Behauptung würde das Überirdische in Funktion des materiellen Gutes und die Kultur in gleiche Abhängigkeit zur Wirtschaftsentwicklung stellen wollen.

Es ist jedoch wahr, dass es keinem Volk gegeben ist, den von der Vorsehung gestellten Bestimmungen entgegenzuarbeiten, indem es eine durch die natürliche Ordnung der Dinge auferlegte Institution, wie das Privateigentum, einfach abschafft; und überdies eine Institution, die für das Wohl der Seelen in religiöser wie in kultureller Hinsicht unverzichtbar ist. Und wenn ein Volk auf solch eine Institution verzichtet, wird es die Bedingungen für seine moralische und kulturelle Zersetzung und folglich für seine gründlichste Zerrüttung schaffen.

* Wenn es so ist, wie erklärt es sich, dass Rom, zur Zeit der Kaiser, eine derart hohe Kulturstufe erreicht hat, wobei die Mehrzahl seiner Einwohner aus Proletariern und Sklaven bestand? Und noch mehr, wie konnten in Rom sowie auch in Griechenland eine Reihe von Sklaven jene derart hohe, moralische und kulturelle Stufe erreichen?

Der Unterschied zwischen einem in absoluter Dunkelheit gehaltenen Raum und einem von schwachflackerndem Licht erleuchteten ist stärker, als derjenige zwischen dem schwach erleuchteten und einem feenhaft erleuchteten Raum. Dies erklärt sich daraus, dass ein Übel, das aus dem absoluten Fehlen des gegensätzlichen Guten hervorgeht, wie im ersten Fall des Lichtes, immer unvergleichlich größer ist, als dasjenige, welches aus Unzulänglichkeit dieses Guten erzeugt wird. Die römische Gesellschaft hatte, wenn auch in einem geringeren als wünschenswerten Maß, eine breite und gebildete Klasse von Gutsbesitzern. Hierauf das Vorkommen im römischen Kaiserreich, wenn auch nur in gewissem Grad, des kulturellen Vorteils des Eigentums. Ganz verschieden wäre die Lage eines Landes, in dem es keine Klasse von Privatbesitzern gäbe: unter diesem Gesichtspunkt wäre es in voller Finsternis.

Man mag vielleicht einwenden, dass die Erfahrung im Gegensatz zu dieser theoretischen Schlussfolgerung steht. Denn das russische Volk zeigt doch einen unleugbaren, kulturellen und technischen Fortschritt, trotz der von der marxistischen Regierung aufgezwungenen Gütergemeinschaft.

Auch hier ist die Antwort nicht schwer.

Der sowjetischen Regierung stehen alle Ressourcen eines sehr ausgedehnten Reiches, zu willkürlicher Verfügung. Sie verfügt willkürlich über die Begabung, die Arbeit, das Erzeugnis von Hunderten von Millionen Menschen.

So hat sie nie Mangel an Mitteln, um einige künstliche Gemeinschaften höchster technischer und kultureller (eher antikultureller) Produktion zu bilden. Ohne die Bedeutung der auf diese Weise erreichten Erfolge leugnen zu wollen, könnte man vielmehr und mit Recht, sich darüber wundern, dass die Erfolge nicht viel größer ausgefallen sind. Denn wenn ein Molochstaat, widernatürlich in seinem Aufbau, keine Molochergebnisse aus seiner Künstlichkeit hervorbringt, kann man wohl sagen, dass ihm die Wünschelrute der Wirksamkeit fehlt.

Übrigens diese Treibhausgeistesblüte ist dem Körper der Bevölkerung ganz fremd, sie ist kein Trieb des Gesellschaftskörpers, sie entkeimt nicht aus ihrem Innern, sondern sie ist außerhalb desselben produziert worden, mit dem aus ihrem Körper ausgesogenen Blut. Sie wächst und behauptet sich ohne den Beitrag der Gesellschaft und gewissermaßen sogar gegen sie.

Solche Erzeugnisse können nicht als Gradmesser der Kultur einer ganzen Nation angesehen werden. Ähnlicherweise wären Erzeugnisse eines Treibhauses, das mitten in einem verwahrlosten Landgut steht, nicht ein gültiger Beweis, dass dieses Landgut gut verwaltet wird.

Auf den Einwand bezüglich des römischen Kaiserreiches zurückkehrend. Es ist unleugbar, dass manche Sklaven erstaunenswerte, intellektuelle und moralische Niveaus erreicht haben: wahre Wunder der Gnade auf moralischen Gebiet und der Natur, die uns bis heute noch mit Erstaunen erfüllen. Diese ruhmreichen Ausnahmen genügen jedoch nicht, um die offenbare Wahrheit zu verhehlen, dass das Sklaventum an sich niederdrückend und für die Seele schädlich ist, sowohl vom religiösen, als auch vom kulturellen Standpunkt aus. Und dass die Sklaverei, von sich aus schon moralisch und kulturell schädlich im Altertum für die eigenen Sklaven viel schädlicher gewesen wäre, wenn es keine Patrizier und freie Plebejer gegeben und die Gesellschaft lediglich aus unfreie und besitzlose Menschen bestanden hätte, wie es im kommunistischen Regime geschieht.

* Zum Schluss könnte man noch einwenden, dass der Ordensstand wesentlich schädlicher für die Seele sein muss, infolge der Gehorsams- und Armutsgelübde, die sein Wesen bilden? Tragen diese Gelübde zur Verkümmerung der dem Menschen innewohnenden Tendenz, für sich selbst zu sorgen, bei?

Die Antwort darauf ist leicht. Dieser Stand ist für die Seelen, die sich von der Gnade zu außergewöhnlichen Wegen angezogen fühlen, in hohem Grade wohltätig. Man kann sich nicht vorstellen, dass eine ganze Gesellschaft in diesem Stand leben sollte, denn es wäre für sie äußerst schädlich; was sich für Ausnahmen empfiehlt, empfiehlt sich nicht für alle. Aus diesem Grund, hat die Kirche, seit ihren Anfängen, die Gütergemeinschaft unter ihren Anhängern nie verallgemeinert und wo sie bestand, wurde sie bald aufgelöst. Es ist bekannt, dass die protestantischen Allgemeingutsversuche im XVI. Jahrhundert zu großem Misserfolg geführt haben.

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Nach der Erwägung dieser vielfachen Argumente und Einwendungen, steht die These noch immer fest, dass es nichtig ist über die Unsittlichkeit der Gütergemeinschaft zu schweigen, um im Gegenzug die Heiligung der Seelen durch die Gottesdienstfreiheit und einer relativen Predigtfreiheit zu erlangen.

Übrigens, selbst wenn diese widernatürliche Übereinkunft angenommen werden sollte, würde die damit erhoffte Koexistenz in der Praxis auch nicht ausführbar sein. Denn in einer Gesellschaft, in der es kein Eigentum geben darf, würden die rechtgläubigen Seelen, infolge der eigenen Dynamik ihrer Tugend, stets dazu neigen günstige Bedingungen zur Bildung von Eigentum zu schaffen. Denn jedes Lebewesen kämpft um den eigenen Fortbestand, wozu es alle entgegenwirkenden Umstände zerstört und alle günstigen Umstände zu verstärken versucht. „A contrario sensu“ jedes Wesen, das nicht gegen die stark entgegenwirkenden Umstände kämpft, wird von diesen zerstört.

Daraus folgt, dass die Tugend in stetem Kampf stehen gegen die kommunistische Gesellschaft, in der sie aufblüht, und ohne Unterlass zur Vernichtung der Gütergemeinschaft streben würde. Anderseits würde die kommunistische Gesellschaft ständig gegen die Tugend ankämpfen und sie ersticken wollen. All diese gegenseitigen Bestrebungen lösen gerade das Gegenteil der erhofften Koexistenz aus.

3. Auch die dritte Bedingung halten wir für unannehmbar, da die Notwendigkeit ein kleineres Übel zu ertragen nicht zu einem Verzicht auf den Kampf um die endgültige Zerstörung desselben führen darf.

Wenn sich die Kirche dazu entschließt ein kleineres Übel zu dulden, so will sie damit nicht sagen, dass dieses Übel nicht mit allen wirksamen Mitteln bekämpft werden darf. Um so mehr wenn dieses kleinere Übel an sich ein äußerst gefährliches ist.

Mit anderen Worten, sie muss in den Gläubigen das lebhafte Bedauern erwecken – und es immer wieder erneuern – über die erzwungene Notwendigkeit das kleinere Übel hinzunehmen. Und mit Bedauern muss sie die feste Absicht hervorrufen, alles zu tun, um die Umstände zu beseitigen, welche die Annahme des kleineren Übels notwendig gemacht haben.

Nun wird die Kirche durch ein solches Vorgehen die Möglichkeit der Koexistenz vereiteln. Und unterdessen, wie es uns scheint, könnte sie im Rahmen ihrer erhabenen Sendung nicht anders handeln.

 

VII – ZUR LÖSUNG VON SCHLUSSEINWENDUNGEN

 

– Ein tragischer Nebeneffekt des Schweigens der Kirche über das Prinzip des Privateigentums wäre ihre Mitschuld an der progressiven Verbreitung der allgemeinen Misere, die der Ersatz des Privateigentums durch das Kollektiveigentum mit sich bringt.

– Selbst in einem nicht vollständig kollektivierten Staat ist es die Pflicht der Kirche, die ganze Wahrheit vor den Augen aller zum leuchten zu bringen.

– Auch dann wenn der Sinn für das Privateigentum in gewissen Teilen Europas so tief verwurzelt ist, dass es nicht ausgemerzt werden kann, darf die Kirche nicht über seine Notwendigkeit schweigen ohne Schaden für die moralische Bildung der Gläubigen.

– Die Institution Privateigentum muss existieren schon aus der natürlichen Ordnung der Dinge heraus. Selbst wenn die gegenwärtigen Eigentümer unter dem Druck eines kommunistischen Staates auf ihre Rechte verzichten würden, würde zwischen Kirche und Staat keine echte friedliche Koexistenz zustande kommen.

– Die Kirche darf nicht einmal vorübergehend ein kommunistisches Regime dulden, in der Hoffnung das dieses sich abschwächt oder faul zusammenbricht.

– Die diplomatischen Beziehungen des Heiligen Stuhls mit kommunistischen Ländern befinden sich auf einer anderen Ebene des hier behandelten Themas. – Die offizielle Lehre des Vatikans behauptet die Unmöglichkeit eines ideologischen Waffenstillstandes oder einer friedlichen Koexistenz zwischen Kirche und Kommunismus. Es fehlen auch nicht Erklärungen kommunistischer Quellen in diesem Sinne.

– Letztlich könnte die Kirche auch nicht eine friedliche Koexistenz mit einem kommunistischen Staat in einem System der „pia fraus“ annehmen. Es wäre naiv zu denken, die Kommunisten würden nicht sofort die Übertretungen des Paktes bemerken.

Im Verlauf dieser Arbeit haben wir verschiedene Einwände beantwortet, die mit dem behandelten Themen in unmittelbarem Zusammenhang standen. Wir werden jetzt andere Einwendungen in Betracht ziehen, wenngleich sie auch nicht mit dem entwickelten Text unmittelbar in Zusammenhang stehen, die aber unter obiger Anschrift, bequemer für den Leser behandelt werden können.

 

1. Durch die Verteidigung des Privateigentums würde die Kirche den Kampf gegen das Elend und den Hunger aufgeben

Dieser Einwand gibt uns Gelegenheit zur Betrachtung der katastrophalen Auswirkungen, vom weltlichen Standpunkt aus gesehen, die durch das Schweigen der Kirche über Eigentum, im kommunistischen Staat, verursacht werden könnten.

Nachdem wir die wichtigsten Einwendungen behandelt haben, die über ein solches Schweigen erhoben werden könnten, sowohl vom Standpunkt der belehrenden als auch der heiligenden Aufgabe der Kirche, untersuchen wir nun eine zwar zweitrangige aber interessante Folge eines solchen Schweigens: es wäre die Hinnahme, seitens der Kirche, der fortschreitenden Ausbreitung des Elends, in einer Zeit in der die Weltlage von der Ausbreitung des Kollektivismus des Eigentums gezeichnet ist.

Ein jeder Mensch ist bestrebt, infolge eines instinktmäßigen, mächtigen und wirkungsreichen Dranges, vor allem den eigenen persönlichen Bedürfnissen nachzukommen. Wenn es sich um die eigene Erhaltung handelt, kämpft der menschliche Verstand mit größerem Erfolg gegen die innewohnenden Beschränkungen und wächst in Sinnesschärfe und Gewandtheit. Der Wille überwindet mit größerer Leichtigkeit die Trägheit und begegnet mit größerer Stärke den Widerständen und Kämpfen.

Dieser Drang, solange er innerhalb gerechtsamer Grenzen gehalten wird, darf nicht gehemmt werden; im Gegenteil, er muss gekräftigt und ausgenutzt werden, als wertvolles Mittel zur Bereicherung und zum Fortschritt und auf keine Weise darf er, in verschmähtem Sinne, als Egoismus beschimpft werden. Er ist der Ausbruch von Eigenliebe, die naturgemäß unter der Liebe zu unserem Schöpfer und über der Nächstenliebe stehen soll.

Eine Verneinung dieser Wahrheit würde einer Verneinung des Prinzips der Subsidiarität gleichkommen, die in der Enzyklika „Mater et Magistra“ als Grundstein der katholischen Soziallehre festgelegt wird (vgl. AAS Band LIII, Seiten 414–415).

Es folgt aus dieser Rangordnung der Liebe, dass jeder Mensch, dasjenige, das er zum eigenen Bestand benötigt und mit seinen eigenen Kräften erreichen kann, sich selber besorgen soll und nur dann von den höheren Ordnungen, wie Familie, Körperschaft, Staat, Hilfe erhalten soll, wenn es ihm unmöglich ist, sich selber zu helfen. Demselben Prinzip folgend, sorgen Familie, Körperschaften (Gemeinwesen, von denen man auch sagen kann „omne ens appetit suum esse“) mit Vorbedacht und mit eigenen Kräften für den eigenen Bestand und nur, wenn es äußerst notwendig ist, wenden sie sich an den Staat. Dieselbe Ordnung wird in den Beziehungen zwischen Staat und Völkerbund eingehalten.

Als Schlussfolgerung kann man behaupten, dass, gemäss dem Verstand und dem natureigenen Drang, der Mensch, in seinem Denken und Fühlen, die Notwendigkeit empfindet, jene Güter sich anzueignen um seinen Bestand zu sichern und ihn fruchtbar, sittsam und friedlich zu gestalten. Der Wunsch Privateigentum zu besitzen und es zu vermehren, ist der große Ansporn zur Arbeit und, demzufolge, auch ein wesentlicher Faktor für den Überfluss der Produktion.

Wie man sieht, die Anordnung des Privateigentums kann nicht nur als naturgemäßer Folgesatz des Besitzdranges, als bloße Grundlage zur Erreichung persönlicher Vorrechte betrachtet werden. Diese Anordnung ist die unumgängliche und erfolgreichste Vorbedingung des Fortschrittes der ganzen Gesellschaft.

Der Sozialismus und der Kommunismus behaupten, der Mensch sei in erster Linie für die Gesamtheit da und, demnach, nicht für den eigenen sondern ausschließlich für den Nutzen der Allgemeinheit schaffen muss.

Eine solche Lehre hat zur Folge, Schwächung des Arbeitsdranges, entsprechende Erniedrigung des Ertrages und Verbreitung von Fahrlässigkeit und Elend über die ganze Gesellschaft. Das einzige Mittel, welches die Staatsgewalt – selbstverständlich erfolglos – zum Ansporn zu einer Ertragserhöhung anwenden kann, ist die Peitsche.

Wir wollen nicht leugnen, dass unter dem Regime des Privateigentums es vorkommen kann – und öfters vorkommt –, dass die mit Überfülle hervorgebrachten Erträge fehlerhaft durch die Einzelteile des gesellschaftlichen Körpers fließen und, demzufolge, irgendwo Ansammlung und anderswo Kargheit hervorrufen. Diese Tatsachen regen dazu an, alles zu unternehmen, um die Güter in angemessenem Verhältnis unter die verschiedenen Klassen des Gesellschaftskörpers zu verteilen. Dieser Umstand ist jedoch kein Grund auf den Privatbesitz und auf den aus ihm hervorkommenden Reichtum zu verzichten, um uns der Armut des Sozialismus zu ergeben.

2. Die Argumente gegen die Koexistenz der Kirche mit einem völlig kollektivierten Staat sind nicht gegen die Koexistenz mit einem nur zum Teil kollektivierten Staat gültig.

Nach gewissen Pressemeldungen äußern einige kommunistische Regierungen die Absicht, gleichzeitig mit der Verleihung gewisser Religionsfreiheit einen teilweisen Rückzug in Bezug auf den Sozialismus anzutreten, indem sie provisorisch einige Formen des Privateigentums zulassen. In diesem Falle würde man sagen, wäre der Einfluss des Regimes auf die Seelen weniger verderblich. Könnten die katholische Predigt und Lehre es dann annehmen, mit Stillschweigen nicht gerade das Prinzip des Privateigentums selbst, aber das ganze Ausmaß, welches es in der katholischen Moral einnimmt zu übergehen?

Darauf könnte man antworten, dass es nicht immer die am krassesten widernatürlichen – oder die flagrantesten und offenkundigsten – Irrtümer sind, die die Seelen am gründlichsten entstellen. Der unverhüllte Irrtum oder die krasse Ungerechtigkeit, zum Beispiel, empören und verursachen Abscheu, wogegen die halben Ungerechtigkeiten als normal, die halben Irrtümer als Wahrheit angenommen werden; und die einen wie die anderen verderben rascher die Seelen. Es war leichter den Arianismus zu bekämpfen als den Semiarianismus, den Pelagianismus als den Semipelagianismus, den Protestantismus als den Jansenismus, die brutale Revolution als den Liberalismus, den Kommunismus als den gemäßigten Sozialismus. Hierzu kommt, dass die Sendung der Kirche nicht nur darin besteht die krassen, grundlegenden und flagranten Irrtümer zu bekämpfen, sondern jedweden Irrtum, so geringfügig er sei, aus dem Denken der Gläubigen zu bannen, um vor den Augen aller die ganze, fleckenlose Wahrheit leuchten zu lassen, die von Jesus Christus, unserem Herrn, gelehrt wurde.

3. Der Eigentumssinn ist dermaßen in der Landbevölkerung einiger europäischen Regionen verwurzelt, dass er sich von Generation zu Generation, wie mit der Muttermilch, durch die einfache Katechismuslehre in der Familie, übertragen hat. Demnach könnte die Kirche Jahrzehnte lang über das Eigentumsrecht schweigen ohne Nachteil für die Moralbildung der Gläubigen.

Wir bestreiten nicht, dass der Eigentumssinn in einigen Gegenden Europas sehr lebendig ist. Es ist bekannt, dass gerade deshalb, z. B. in Polen, die Kommunisten in ihrer Konfiszierungspolitik den Rückzug antreten und den kleinen Besitzern ihr Land zurückgeben mussten. Doch diese strategischen Rückzüge, die oft in der Geschichte des Kommunismus vorkommen, bedeuten für seine Anhänger nichts anderes als eine zeitweise Einschränkung, die sie sich auferlegen, um damit vollständiger zu siegen. Sobald es ihnen die Verhältnisse gestatten, versteifen sie sich wieder mit vervielfachter Hinterlist und Energie.

Dies wird dann der Moment höchster Gefahr sein. Der Technik hinterlistiger und raffinierter Propaganda ausgesetzt, werden die Landleute auf unbestimmte Zeit der Offensive der marxistischen Ideologie unterworfen sein.

Wer erschrickt nicht bei dem Gedanken an die junge Generation irgendeines Teiles der Erde, die einer solchen Gefahr ausgesetzt würde? Anzunehmen, dass nur der gewohnte natürliche Begriff von persönlichem Eigentum normalerweise eine absolut sichernde Rüstung gegen eine so große Gefahr bilde, hieße allzu sehr auf eine menschliche Eigenschaft vertrauen. In Wirklichkeit ist es ohne die direkte und übernatürliche Aktion der Kirche – die ihre Kinder mit aller Voraussicht für den Kampf ausrüstet und im Kampfe unterstützt – kaum zu vermuten, dass Gläubige aus irgendeinem Lande und irgendeiner sozialen Stellung, der harten Prüfung widerstehen.

Außerdem scheint es uns, wie gesagt, in keinem Falle zulässig, dass die Kirche durch Jahrzehnte hindurch die Ausübung ihrer Aufgabe einstelle, die darin besteht, Gottes Gebote unversehrt zu lehren.

4. Eine Koexistenz der Kirche mit einem kommunistischen Staat wäre möglich, wenn alle Eigentümer auf ihre Rechte verzichten würden.

Angenommen, einerseits eine kommunistische Gewaltherrschaft, die zu jeder Gewalttat bereit ist, die Gütergemeinschaft aufzuzwingen, und andererseits Eigentümer, die fest darauf bestehen ihre Rechte gegen den Staat zu behaupten (der diese Rechte nicht geschaffen hat und sie Rechtskräftig auch nicht aufheben kann), welche würde die Lösung für die daraus entstehende Spannung sein?

Die nächstliegende dürfte nur die eines Kampfes sein. Nicht jedoch ein gewöhnlicher Kampf mit gewöhnlichen Kampfmitteln, sondern ein Todeskampf aller Katholiken, die dem Privateigentumsprinzip treu sind, in rechtmäßiger Verteidigungsstellung, zum Schutze gegen die eigene Vernichtung, die Zweck und Ziel jeder Gewaltherrschaft ist, dessen tierische Rohheit, vor einer Weigerung der Kirche, unvermutete Übermaßstufen erreichen kann. Ein Aufstand, eine Revolution mit allen grausamen Ereignissen, die ihr eigen sind, die allgemeine Verarmung, verbunden mit der unvermeidlichen Ungewissheit über das Ende der Tragödie.

Angesichts dessen könnte man etwa die Frage stellen, ob die Eigentumsbesitzer sich nicht in ihrem Gewissen verpflichtet fühlen müssten, auf ihre Rechte zu Gunsten der allgemeinen Wohlfahrt zu verzichten, womit eine moralisch berechtigte Gütergemeinschaft herbeigeführt werden könnte, auf Grund welcher die Katholiken, ohne Gewissensprobleme, das kommunistische Regime annehmen können.

Dieser Vorschlag ist inhaltslos. Er verwechselt irrsinnigerweise die Institution des Privateigentums, als solches, mit dem bestehenden Recht auf Eigentum von Personen, die in dem gegebenen, historischen Moment reelle Existenz haben. Selbst wenn man den Verzicht dieser Personen auf ihr Vermögen, das unter Auswirkung einer brutalen Androhung auf das allgemeine Wohl aufgelegt wird, für richtig halten würde, würden ihre Rechte eingestellt: aber aus solchem Verzicht würde das Privateigentum, als rechtliche Institution, nicht aufgehoben werden. Es würde fortbestehen, so gesagt „in radice“, in der natürlichen Ordnung der Dinge, als eine für das geistige und materielle Wohlsein der Menschen und der Nationen unveränderliche, unentbehrliche Anordnung und als ein unerschütterliches Gebot der Gesetze Gottes.

Und weil es „in radice“ fortbesteht, würde es immer wieder von neuem erscheinen. Zum Beispiel kann man anführen: jedesmal, wenn ein Fischer oder ein Jäger aus dem Meer oder aus der Luft sich das Notwendige aneignete, nicht nur zum eigenen täglichen Fortbestand, sondern auch um ein wenig einzusparen; jedesmal wenn ein Intellektueller oder ein Arbeiter mehr leisten würden als das für sein täglichen Bedarf Notwendige und das Erübrigte für sich zurückgelegt hätte, würden sich damit einige kleine Privateigentümer gebildet haben, die in den Tiefen der natürlichen Ordnung der Dinge erzeugt wurden. Und wie es normal ist, würden diese Eigentümer eine natürliche Neigung haben, sich zu vermehren… Um wiederum eine antikommunistische Revolution zu vermeiden, müsste der Mensch tagtäglich seine Verzichte erneuern, was offenbar zum Unsinn führt.

Es ist noch zu bedenken, dass in vielen Fällen, der Verzicht nicht erfolgen könnte, ohne das der Mensch sich gegen die Eigenliebe versündigte. Außerdem würde dieser Verzicht sehr oft gegen die Rechte einer anderen Institution verstoßen, die mit dem Eigentum innigst verbunden und noch heiliger als dieses ist, und zwar gegen die Familie. Sicherlich würde in sehr vielen Fällen ein Mitglied einer Familie den Verzicht nicht leisten können, ohne gegen die Gerechtigkeit und die Liebe gegenüber den Seinigen zu verstoßen.

Das Privateigentum und die Ausübung der Gerechtigkeit: Nachdem wir das fortwährende Keimen des Eigentumsrechtes beschrieben und gerechtfertigt haben, möchten wir nun etwas in Erwägung ziehen, was vorher nicht mit der angebrachten Klarheit hätte gemacht werden könnte.

Es handelt sich um die Tugend der Gerechtigkeit und um ihre Beziehungen zum Privateigentum. Im Abschnitt VI, nr. 2, b, dieser Arbeit haben wir die Rolle des Eigentums im Erkennen der Tugend der Gerechtigkeit  und in der Liebe zu dieser Tugend  beschrieben. Betrachten wir nun das Eigentum in der Ausübung der Gerechtigkeit.

Da immer wieder Eigentumsrechte in den kommunistischen Ländern wie überall aufkommen, stellt sich der kollektivistische Staat, der die Güter der Privatmenschen beschlagnahmt, vom moralischen Standpunkt aus, nicht anders als ein Dieb dar. Und diejenigen, die vom Staat enteignete Güter annehmen, stehen, im Prinzip, gegenüber den Enteigneten da, als Menschen die sich mit gestohlenem Gut bereichern.

Ein jeder Moralist, unter Betrachtung dieses Ergebnisses, kann leicht ersehen, welche Unmenge Schwierigkeiten die Kollektivierung für die Ausübung der Tugend der Gerechtigkeit bringen wird. Diese Schwierigkeiten werden derartiger Natur sein, dass sie, zumal in einem unter Polizeiregime stehenden Staate, häufig, man könnte sogar sagen, zu jedem Augenblick, heldenhafte Taten seitens eines jeden Katholiken gefordert werden. Daraus ergibt sich ein weiterer Beweis für die Unmöglichkeit einer Koexistenz der Kirche mit dem kommunistischen Staat.

5. Da der Kommunismus so naturwidrig ist, ist er unbedingterweise kurzlebig. So könnte die Kirche ein „modus vivendi“ mit ihm annehmen, auf kurze Zeit nur, bis er von selbst ausstirbt oder wenigstens sich einschränkt.

Darauf kann man verschiedene Antworten geben:

a) Diese „kurzlebige“ Eigenschaft ist zumindest sehr relativ. Seit fast einem halben Jahrhundert beherrscht der Kommunismus Russland. Wer außer Gott, der die Zukunft kennt, kann mit Sicherheit sagen, wann er stürzen wird?

b) Schon dadurch, dass sich ein Regime mildert, würde es seine Dauer verlängern, denn es würde weniger widernatürlich. Diese Milderung wäre also nicht ein Weg der zum Untergang führt, sondern ein Faktor der Stabilisierung.

c) Es gibt Regime, die den Grundanforderungen der menschlichen Natur in höchstem Grade widersprechen, die aber von sich von unendlicher Dauer sind. So, zum Beispiel die Barbarei eingeborener Völker Amerikas und Afrikas, welche Jahrhunderte gedauert hat und durch die ihr innewohnende Vitalität noch weiter dauern würde, wenn nicht äußere Faktoren sie nicht abgeschafft hätten. Und selbst in diesem Fall, mit was für Opfern vollzieht sich diese Ablösung einer widernatürlichen Ordnung durch eine andere natürlichere!

6. Auf den ersten Blick könnte man sagen, dass einige Gesten der „Entspannung“ des verstorbenen Papstes Johannes XXIII. gegenüber Sowjetrussland den Geist in andere Richtung führen als die Folgerungen der vorliegenden Arbeit.

Gerade das Gegenteil darf man denken.

Die erwähnten Handlungen Johannes XXIII. stehen völlig auf dem Gebiet der internationalen diplomatischen Beziehungen. [4]

Bezüglich des Gebietes, auf das sich diese Schrift bezieht, ließ der Heilige Vater, als er in der Enzyklika „Mater et Magistra“ die Verdammungsurteile seiner Vorgänger gegen den Kommunismus nochmals bekräftigte, sehr deutlich erscheinen, dass es kein Aufweichen der Katholiken diesen Irrtümern gegenüber, die die päpstlichen Dokumente mit stärkstem Nachdruck verwerfen, geben kann.

Gleicherweise kann man auch, unter anderen, diese sehr nachdrücklichen Äußerungen des regierenden Papstes Paul VI. verzeichnen: „Man glaube auch nicht, dass diese Pastorale Fürsorge, die heute von der Kirche als Hauptprogramm übernommen wurde, die ihre ganze Aufmerksamkeit beansprucht und ihre Besorgnis im Brennpunkt hat, eine Änderung der Urteile bedeutet, die über die Irrtümer, die in unserer Gesellschaft verstreut und von der Kirche schon verurteilt sind, wie zum Beispiel der atheistische Marxismu,. Heilende und dringende Arzneimittel gegen eine ansteckende und tödliche Krankheit anwenden, heißt nicht seine Meinung über diese Krankheit ändern, im Gegenteil aber bedeutet es sie nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Tat bekämpfen; es bedeutet, dass man nach der Diagnose die entsprechende Heilkunde anwenden will, das heißt, nach der doktrinären Verurteilung, die heilende Liebe anwenden.“ (Ansprache vom 6. September 1963, AAS. Band LV Seite 752).

Ähnliche Haltung vertrat wiederholte Male, während des jetzigen Pontifikates, das „Osservatore Romano“. Man liest, z. B., in der französischen Ausgabe vom 20. März 1964: „Alle mehr oder weniger künstlichen Unterscheidungen beiseite lassend, ist es klar, dass kein Katholik, weder direkt noch indirekt, mit den Kommunisten zusammenarbeiten kann, denn der ideologischen Unverträglichkeit zwischen Religion und Materialismus (dialektischen und historischen) steht eine praktische Unverträglichkeit der Lehrarten und Endzwecke gegenüber und zwar die Moral“ (Artikel „Le rapport Ilitchev“, von F. A.), Und ein anderer Artikel derselben Nummer: „Damit Katholizismus und Kommunismus verträglich seien, wäre es notwendig, dass der Kommunismus Kommunismus sein ließe. Nun aber, selbst in seinen vielfachen dialektischen Ansichten, gibt der Kommunismus nicht nach, was seine politischen Endzwecke und seine doktrinäre Strenge betrifft. So setzt die materialistische Auffassung der Geschichte, die Verneinung der Menschenrechte, die Aufhebung der Freiheit, der Staatsdespotismus und die eigene, missglückte Wirtschaftserfahrung den Kommunismus in Widerspruch mit der geistigen und menschlichen Anschauung der Gesellschaft, so wie sie der katholischen Soziallehre entspricht (…)“ (Artikel „A propos de solution de remplacement“).

Ebenso ist auch der gemeinsame Brief des ehrwürdigen italienischen Episkopates gegen den atheistischen Kommunismus vom 1. November 1963.

Übrigens hat es auch seitens kommunistischer Quellen nicht an Bestätigungen über die Unmöglichkeiten eines ideologischen Waffenstillstandes oder einer friedlichen Koexistenz zwischen der Kirche und dem Kommunismus gefehlt: „Diejenigen, die den Gedanken an Koexistenz auf ideologischem Gebiete antragen, gleiten in Wirklichkeit zur antikommunistischen Stellung“. (Kruschtschow, s. Telegramm vom 11.3.1963 der AFP und ANSA in „O Estado de São Paulo“ vom 12.3.1963). „Mein Eindruck ist, dass es niemals und auf keinem Gebiete (…) möglich sein wird, zu einer Koexistenz des Kommunismus mit anderen Ideologien, also auch der Religion, zu kommen“ (Adjubei, s. Telegramm vom 15.3.1963 der ANSA, UPI und DPA in „O Estado de São Paulo“ vom 16.3.1963). „Es gibt keine mögliche Versöhnung zwischen dem Katholizismus und dem Marxismus“ (Palmiro Togliatti, s. Telegramm vom 21.3.1963 der AFP in „O Estado de São Paulo“ vom 22.3.1963). „Eine friedliche Koexistenz der kommunistischen und der bürgerlichen Ideen stellt einen Verrat an der Arbeiterklasse dar (… ). Nie gab es eine friedliche Koexistenz der Ideologien; nie gab es sie, noch wird es eine solche geben“ (Leonid Ilytschow, Sekretär der Zentralkommission und Präsident der Ideologischen Kommission der KPdSU; s. Telegramm vom 18.6.1963 der AFP, ANSA, AP, DPA und UPI in „O Estado de São Paulo“ vom 19.6.1963). „Die Sowjets weisen die Beschuldigung zurück, dass Moskau das Prinzip der Koexistenz auch auf den Klassenkampf anwende, und erklären, dass sie es ebenso wenig auf ideologischem Gebiet zulassen“ (offener Brief der Zentralkommission der KPdSU, s. Telegramm der genannten Presseagenturen vom 15.7.1963 in „O Estado de São Paulo“ vom 17.7.1963).

Unter diesen Umständen ist es offensichtlich, dass die streitende Kirche auf die für sie wesentliche Freiheit, um gegen ihren schrecklichen Gegner zu kämpfen, nicht verzichtet hat, noch auch verzichten könnte.

7. Die Koexistenz der Kirche könnte unter einem „pia fraus“ Regime angenommen werden, dass heißt, wenn die Kirche die Koexistenz mit irgend einem kommunistischen Regime annehmen will, könnte sie es ja mit dem Hintergedanken tun, soweit wie möglich den Vertrag, den sie mit ihm geschlossen hat, zu umgehen.

Wenn man die Voraussetzung eines ausdrücklichen Vertrages in Betracht nimmt, muss man einwenden, dass es niemanden gestattet ist, sich zu etwas Unerlaubtem zu verpflichten. Wenn also die Annahme der Bedingungen, über die wir verhandeln, unerlaubt ist, kann der Vertrag, in der sie enthalten sind, nicht geschlossen werden.

Was die Voraussetzung einer stillschweigenden Vereinbarung betrifft, muss man sagen – um nur diesen Aspekt nicht zu übergehen – dass es reichlich leichtgläubig wäre sich vorzustellen, dass die kommunistischen Behörden, mit betontem Polizeicharakter und über die mächtigen Mittel der modernen Technik verfügend, von systematischen Verletzungen einer solchen Vereinbarung nicht sofort Kenntnis erhalten würden.

 

VIII – FOLGEN DES VERTRAGES: SCHEINKATHOLIKEN

 

Ein Pakt der Kirche mit einem kommunistischen Regime mit den von diesem erwünschten Bedingungen hätte die Bildung neuer Generationen von Katholiken zur Folge, die vielleicht das Glaubensbekenntnis mit den Lippen noch aufsagen würden, doch Geist und Herz wären von den Irrtümern des Kommunismus verschlammt.

Ein Vertrag mit den unter Abschnitt V angeführten Bedingungen würde dem Kommunismus, wenn er genau erfüllt würde, enorme Vorteile bringen. Denn es würden sich neue Generationen von mangelhaft unterwiesenen, lauen Katholiken heranbilden, die vielleicht das Glaubensbekenntnis mit den Lippen heruntersagen, aber im Denken und Fühlen von allen Irrtümern des Kommunismus verseucht sind. Mit einem Wort, Katholiken dem Schein nach und oberflächlich, doch Kommunisten in den tieferen und authentischen Schichten ihrer Mentalität. Und nach zwei oder drei in einer solchen Koexistenz aufgezogenen Generationen, was würde noch vom Katholischsein in den Völkern vorhanden sein?

Diesbezüglich, sei uns eine Bemerkung gestattet, die diese Behauptung bestätigt. Sie betrifft die so schweren Gefahren in der Seelsorge und im täglichen Leben, welche manchmal aus der unvermeidlichen Annahme der Hypothese entstehen, selbst wenn der These treu geblieben wird.

Obwohl die Kirche in der gegenwärtigen laizistischen Lebensordnung, die aus der Französischen Revolution geboren wurde, alle Freiheit genießt, hat sie Millionen von Menschen sich ihrem Schosse entziehen sehen. Wie der Hochw. Msgr. Angelo Dell’Acqua, Amtsvertreter des Staatssekretariates, sagt, wurde, „infolge des religiösen Agnostizismus der Staaten, das Empfinden mit der Kirche („sentire cum ecclesia“) der modernen Gesellschaft betäubt oder beinahe vernichtet“ (Brief an Seine Eminenz Kardinal D. Carlos Carmelo de Vasconcellos Motta, Erzbischof von São Paulo, aus Anlass des Nationalen Danksagungstages 1956). Was ist der tiefere Grund dieser Tatsache? Die öffentlichen Institutionen, wie wir oben sagten (vgl. Abschnitt VI Nr. 1), üben einen tiefen Einfluss auf die meisten Menschen aus. Diese betrachten sie gewöhnlich und sogar ohne zu merken als Muster und richtunggebende Quelle ihrer ganzen Art zu denken, zu leben und zu handeln. Und der von den Staaten angenommene Laizismus, hat eine ungeheure Zahl von Seelen verdorben. Dies wäre sicherlich nicht erfolgt, wenn die Katholiken viel mehr Eifer darin gezeigt hätten, und ihre nicht eingeschränkte Freiheit zur Verbreitung und Verteidigung aller kirchlichen Lehren gegen den Laienstaat benutzt hätten. Sie haben jedoch diese Freiheit nicht in vollem Umfang genutzt, weil sie in vielen Fällen, da sie in einer laizistischen Atmosphäre lebten, die lebendige Erkenntnis dieses furchtbaren Übels verloren haben, das der Laizismus darstellt. Sie haben hier und da, mit den Lippen, die These gegen den Laizismus aufrechterhalten, haben aber schließlich die Hypothese als normal befunden.

Nun, in einem kommunistischen Regime, in welchem die Irrtümer mit weitaus größerer Beharrlichkeit vom Staat eingedrillt werden als im liberalen Laizismus, werden die Seelen entweder im noch stärkeren Ausmaße und größerer Menge von der Strömung fortgerissen, oder man unternimmt gegen diese Irrtümer, viel und viel mehr als gegen den Laizismus seit der französischen Revolution bis zum heutigen Tag unternommen wurde.

Wer es wagt sich vorzustellen, dass solches von irgendeinem kommunistischen Regime geduldet würde, der hätte wohl nicht die geringste Ahnung davon, was der Kommunismus ist.

 

IX – PRAKTISCHE SCHLUSSFOLGERUNG

 

Es ist wichtig und es drängt, den wesentlichen und unbedingt betrügerischen Charakter der vom Kommunismus angebotenen „Freiheit“ aufzuzeigen,

Um die Vorteile nichtig zu machen, die der Kommunismus im Westen mit seinen Andeutungen einer gewissen Entspannung auf religiösem und sozialem Gebiet zu erreichen vermag, ist es wichtig und von äußerster Dringlichkeit, die öffentliche Meinung über den wirklichen, unbedingten betrügerischen Charakter der „Freiheit“, die er der Religion gewährt, aufzuklären, sowie über die Unmöglichkeit der friedlichen Koexistenz eines kommunistischen Regimes – selbst eines gemäßigten – mit der Katholischen Kirche.

 

X – WO LIEGT DIE WAHRE GEFAHR EINER HEKATOMBE

 

Kriege haben als hauptsächliche Ursache die Sünden der Nationen. Wenn, um die nukleare Hekatombe zu vermeiden, die Länder des Westens die große Sünde begehen würden, den Kommunismus anzunehmen, würden sie die Folgen des göttlichen Zornes auf sich herabziehen. In Fátima sagte Unsere Liebe Frau, dass Gebet, Buße und Änderung des Lebenswandels die Kriege fernhalten. Möge Sie uns den Mut geben, vor dem Kommunismus auszurufen: „non possumus“.

Wir nähern uns dem Ende dieser Arbeit und mancher Leser mag sich selbst fragen: wie kann man den Atomkrieg denn vermeiden? Es ist klar, dass im Falle einer festen Stellungnahme aller Katholiken zur Aufrechterhaltung des Prinzips des Privateigentums, die kommunistischen Mächte, angesichts ihrer Machtlosigkeit auf friedlichem Wege ihre Ideologie der Welt aufzudrängen, zu einem Krieg greifen werden. Angesichts einer solchen Perspektive, was immer auch vom doktrinären Standpunkt vorgebracht werden möge, wäre es nicht besser nachzugeben?

O, ihr kleingläubigen Menschen! möchten wir als Antwort sagen, warum zweifelt ihr? (vgl. Mat. 8,26).

Die Kriege haben ihre Hauptursache in den Versündigungen der Völker. Da diese – nach den Worten des hl. Augustinus – im anderen Leben weder belohnt noch bestraft werden können, so werden sie auf dieser Welt die Belohnung für ihre guten Taten und die Bestrafung für ihre Frevel erhalten.

Wenn wir also Kriege und Vernichtung vermeiden wollen, müssen wir sie im Keim ihrer Ursache bekämpfen. Die Verdorbenheit der Ideen und der Sitten, die offizielle Gottlosigkeit der laizistischen Nationen, der stets größer werdende Widerspruch zwischen den weltlichen Gesetzen und dem Gesetz Gottes, das sind, in der Tat, die Gründe, die uns dem Zorn und der Strafe des Schöpfers aussetzen und uns vor allem zum Kriege führen.

Falls, um den Krieg zu vermeiden, die Länder des Westens eine größere als die heute bestehende Versündigung begehen sollten, nämlich die Zustimmung zu einer Existenz unter kommunistischem Joch, in von der katholischen Moral verworfenen Lebensumständen, würden sie auf diese Weise den Zorn Gottes herabschwören, und auf sich selbst die Folgen seines Jähzornes ziehen.

Und mit umso größerer Berechtigung, weil ein heutiges Nachgeben bezüglich der Abschaffung des Privateigentums morgen ein neues Nachgeben nach sich ziehen würde, bezüglich der Abschaffung der Familie und so weiter. Denn so verfährt, mit unerbittlicher Unnachgiebigkeit, die Taktik nach einander folgenden Nötigungen, wie sie dem Wesen des internationalen Kommunismus eigen ist. Auf diesem Weg, bis zu welcher Schande, bis zu welchem Abgrund, bis zu welcher Gottesabtrünnigkeit würden wir niedersinken?

Das menschliche Leben, ohne die notwendigsten Institutionen, wie die des Eigentums und der Familie, würde nicht lebenswert sein. Wäre die Aufopferung der einen oder der anderen dieser Institutionen, um die Katastrophe zu verhindern, nicht gleichbedeutend mit „propter vitam vivendi perdere causas“? Wozu denn in einer Welt leben, die einer enormen Sklavenhütte gleicht, hingegeben in tierischer Vermischung?

Angesichts der dramatischen Entscheidung der jetzigen Stunde, die diese Schrift ins rechte Licht zu stellen versucht, lasset uns nicht wie die gottlosen Menschen urteilen, die unentschlossen zwischen Für und Wider wanken, als ob es keinen Gott gäbe.

Eine hohe und heldenhafte Tat der Treue, in dieser Stunde, könnte wohl vor den Augen Gottes ungezählt viele Sünden auslöschen, und Ihn zu einer Abwendung der sich nahenden Vernichtung neigen.

Eine heldenhafte Tat der Treue … eine Tat unumschränkten und heldenhaften Vertrauens dem Herz desjenigen, der gesagt hat: „Lernet von Mir, denn Ich bin sanftmütig und demütig von Herzen, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen“ (Math. 11, 29).

Ja, lasset uns auf Gott Vertrauen. Vertrauen wir Seiner Barmherzigkeit, dessen Zugang Marias Unbeflecktes Herz ist.

Was die Mutter der Barmherzigkeit in der Fatimabotschaft der ganzen Welt verkündet hat, ist, dass das Gebet, die Reue und die Besserung der Lebensführung die Kriege abwenden. Nicht jedoch unmittelbare, kurzsichtige und furchtvolle Zugeständnisse.

Möge Unsere Liebe Frau von Fatima in uns allen, die wir die Kampfespflicht als unsere Aufgabe haben, den Mut ergießen, als Antwort auf den hinterlistigsten Anmaßungen des internationalen Kommunismus ein„non possumus“ (Apg. 4,20) entgegen zu rufen.

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