Der Hirsch und die Wila

Hirschlein graset an des Berges Rücken, graset einen Tag, erkrankt am zweiten Und erhebt am dritten laute Klage. Fragt den Hirsch die Wila von dem Berge: O du Hirschlein, Thier des Waldgebirges! Was für grosses Herzleid thut dich quälen, Dass du, grasend an des Berges Rücken, Einen Tag nur grasest, dann erkrankest Und am dritten laute Klag erhebest? Leise spricht der Hirsch darauf zur Wila: Liebe Schwester, Wila von dem Berge! Wohl ein grosses Herzleid thut mich quälen. Zur Gefährtin hat ich eine Hindin, Und sie ging den Berg hinab nach Wasser, Ging hinab und ist nicht wiederkommen. Wohl vom Wege hat sie sich verirret? Oder hat ein Jäger sie gefangen? Oder hat sie gänzlich mich verlassen, Einen andern Hirsch nun liebgewonnen? Hat sie irgend sich vom Weg verirret, Gebe Gott, dass sie mich wiederfinde! Hat vielleicht der Jäger sie gefangen? Mög er gleiches Loos, wie ich, erfahren! Aber hat sie gänzlich mich verlassen, Einen andern Liebsten sich erkoren, Gebe Gott sie in der Jäger Hände!

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